Wirtschaftslage in China – eine Chronik

04.01.2016

Crash in China: Börsen-Handel ausgesetzt

Wegen eines veritablen Kurssturzes haben die Börsen in China am Montag den Handel vorzeitig ausgesetzt. Auch Japan verlor deutlich. Der Start in Frankfurt war ebenfalls unerfreulich.

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In China hat der Aktienmarkt am ersten Handelstag des Jahres nach einem Kurseinbruch vorzeitig geschlossen. Der Leitindex rutschte am Montag immer tiefer ab. Als er ein Minus von sieben Prozent erreichte, unterbrach der Börsenbetreiber den Handel bis zum offiziellen Sitzungsende. Dieser Mechanismus ist gerade erst zum Jahresbeginn in Kraft getreten.

Hintergrund des Crashs in China waren neue Zahlen, wonach sich die Lage in der verarbeitenden Industrie Chinas im Dezember erneut verschlechtert hat. Zudem wurden die Anleger dadurch verunsichert, dass bestimmte Stützungsmaßnahmen für den Aktienmarkt bald auslaufen sollen. Seit Juli ist es Anteilseignern, die mehr als fünf Prozent eines Unternehmens besitzen, verboten, ihre Aktien zu verkaufen. Dieses Verbot endet am Freitag.

Außerdem wertete China am Montag die eigene Währung gegenüber dem Dollar ab. Die Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 6,5032 Yuan zu einem Dollar fest. Erstmals seit mehr als viereinhalb Jahren war das Verhältnis damit schwächer als 6,5 Yuan zu einem Dollar.

Beim verfrühten Handelsschluss am Montag stand der Leitindex der Shanghaier Börse 6,86 Prozent im Minus bei 3296,26 Punkten. In Shenzhen betrug das Minus

8,22 Prozent, der Leitindex schloss bei 2119,16 Punkten.

Beeinflusst unter anderem von der chinesischen Entwicklung schloss auch die Börse in Tokio am Montag deutlich im Minus. Der Nikkei-Index verlor 3,06 Prozent und lag zu Handelsschluss bei 18.450,98 Punkten.

Eine Rolle spielte ferner der bevorstehende Ablauf eines Aktien-Verkaufsverbots für Großaktionäre, das im Zuge des Börsencrashs im Sommer eingeführt wurde. Viele Anleger trennten sich von ihren Papieren, weil sie davon ausgingen, dass die Großinvestoren dies nach Fristende ebenfalls tun.

Nach dem heftigen Crash in China ist der Deutsche Aktienindex (Dax) mit einem deutlichen Minus ins neue Jahr gestartet. Der Leitindex gab zu Handelsstart an der Börse in Frankfurt am Main um rund drei Prozent nach. Der Kurs fiel von 10.743 Punkten am letzten Handelstag 2015 auf 10.388 Punkte. China hatte zuvor den Börsenhandel ausgesetzt, nachdem der Index CSI3000 um sieben Prozent eingebrochen war.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/01/04/crash-in-china-boersen-handel-ausgesetzt/

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26.08.2015

China stürzt weiter ab

Neue Notmaßnahmen der chinesischen Zentralbank bremsen die Talfahrt nur noch

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Nach den enormen Kursstürzen am Montag und am Dienstag an den chinesischen Börsen ist es der Regierung durch neue Notmaßnahmen der Zentralbank gelungen, den weiteren Absturz wenigstens zu begrenzen.

Der Composite Index in Shanghai gab am Mittwoch mit einem Verlust von 1,3% nur noch leicht nach. Die kurzzeitige Erholung der Kurse im Handelsverlauf wurde nach der schon bekannten Strategie sofort wieder genutzt, um bei etwas höherem Kurs zu verkaufen und Verluste zu minimieren. Insgesamt hat der Index in der zurückliegende Woche aber schon 21% verloren.

Als Folge der neuen Verluste in China gehen auch die europäischen Aktienmärkte am Mittwoch wieder in die Knie. Da die Zentralbank aber am Dienstag erst zur Geldspritze gegriffen hat und die erwartete Absenkung des Mindestreservesatzes für Banken und die Leitzinssenkung nach Börsenschluss in China verkündete, war das in Europa mit einer Hoffnung auf Erholung und einem Kursfeuerwerk gefeiert worden. Nach dem Absturz am Montag wurde von einem „Turnaround Tuesday“ gesprochen. Der deutsche Leitindex Dax eroberte die wichtige Marke von 10.000 Punkten zurück und schoss fast 5% in die Höhe.

Nachhaltig ist das nicht – und nicht nur in China sind die Zweifel groß, dass die Maßnahmen der People’s Bank of China (PBoC) reichen, um die schwächelnde Konjunktur zu beleben. Dabei wurde nicht nur der Mindestreservesatz wie erwartet um 50 Basispunkte auf 18% gesenkt, sondern flankierend wurden auch der Zinssatz für einjährige Kredite um 25 Punkte auf 4,6% und der Zinssatz für Einlagen mit einjähriger Laufzeit um 25 Punkte auf 1,75% gesenkt, um die Kreditvergabe anzukurbeln.

Doch schon an der Wall Street wollte man das europäische Kursfeuerwerk nicht mitgehen, die Zweifel überwogen, weshalb der Dow-Jones-Index 1,3% im Minus schloss. Mit diesen Vorgaben gaben nun am Mittwoch auch die Börsen in Europa wieder deutlich nach. Die Nervosität drückte den Dax zwischenzeitlich wieder unter die Marke von 10.000 Punkten. Er ging zum Handelsstart um mehr als 400 Punkte und 2,5% in die Knie. Es wird auf Handelsdaten aus den USA gewartet, die Hinweise darauf geben sollen, ob die US-Notenbank (FED) die Leitzinsen trotz des Wirbels an den Finanzmärkten tatsächlich erhöht.

Einigermaßen erstaunlich ist, wie sich die (PBoC) die abstürzenden Aktienmärkte im Land erklärt. Nicht die Tatsache einer Blasenbildung wird als Grund gesehen, schließlich war der Composite innerhalb nur eines Jahres um über 150% in die Höhe geschossen. Auch nicht einbrechende Exporte und eine sinkende Produktion sind für die PBoC dafür verantwortlich. Sie begründet die rasante Talfahrt an den heimischen Börsen mit der US-Geldpolitik. Die Spekulation auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank habe die Turbulenzen ausgelöst, meint der Chef der Forschungsabteilung der chinesischen Zentralbank, Yao Yudong.

Dabei macht sich die schwächelnde Nachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft im gesamten Umfeld schon länger deutlich bemerkbar. Japan und Australien leiden schon deutlich darunter. Und Experten gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf Schwellenländer wie Brasilien deutlich spürbar werden. Carlos Geraldo Langoni, früherer Zentralbankpräsident Brasiliens, geht davon aus, dass die Wirtschaft des Landes dieses Jahr um 3% schrumpfen und 2016 stagnieren dürfte.

http://www.heise.de/tp/news/China-stuerzt-weiter-ab-2791548.html

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12.08.2015

Währungs-Krieg: China attackiert den Dollar frontal

Die Yuan-Abwertung durch China bedeutet nichts anderes als eine explizite Warnung an die USA. Sollten Entscheidungen mit negativen Auswirkungen auf China getroffen werden, dann wird das Land die Interessen seiner Exportindustrie rücksichtslos durchsetzen. Es zeigt sich: Es gibt keine Weltmacht mehr, die alleine eine stabilisierende Währungspolitik betreiben kann.

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Chinas Exportmaschine stottert. 2015 wird erstmals seit 2009 ein herber Rückschlag der Exporte erfolgen, der sich für 2016 noch auszuweiten droht. Ein Grund dafür ist das langsame Wachstum der Nachfrage in ihren Hauptmärkten (Europa, USA, Japan, sonstiges Asien). Ein zweiter Grund ist der Verlust der preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Die anhaltend steigenden Arbeitskosten und eine erhebliche Aufwertung der Währung durch die Quasi-Fixierung des nominellen Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar haben dazu geführt. Die Währungen der Hauptkonkurrenten wie Japan, Korea, Taiwan, vor allem aber Thailand, Indonesien, Malaysia, Philippinen haben erheblich gegenüber dem Dollar abgewertet. Einige dieser Währungen haben einen Doppelcharakter. Sie werden wie der malaysische Ringgit oder die indonesische Rupia auch als Rohstoffwährungen angesehen.

Wie die anderen großen asiatischen Exportländer ist Chinas Exportindustrie heute auf Elektronikprodukte konzentriert. Sie dominieren heute seine Exporte. Also nicht mehr Textilien, Bekleidung oder Plastikwaren. China hat nach dem Eintritt in die WTO 2001 seinen Weltmarktanteil bei Elektronikprodukten von 2 auf 30 Prozent gesteigert. Dies geschah hauptsächlich zu Lasten der USA, Europas und Japans. Die anderen asiatischen Länder konnten ihren Weltmarktanteil bei Elektronikwaren ebenfalls steigern. Sie hatten in den 1980er und 1990er Jahren ihre Position aufgebaut, weil westliche Firmen dort mit hochqualifizierten Tieflöhnern fertigen ließen. Innerhalb der Elektronikindustrie ist Chinas Industrie auf Prozesse mit geringer Wertschöpfung konzentriert, hauptsächlich auf die Montage von Standard-Endprodukten. Die komplexen Stufen wie Forschung und Entwicklung, oder die Herstellung von anspruchsvolleren Zwischenprodukten bleiben den fortgeschritteneren Ländern vorbehalten. Sie haben die Ingenieurskultur sowie die hoch qualifizierten Arbeitskräfte, die dafür benötigt sind.

Bei der Elektronikindustrie ist die Gestaltungsfähigkeit der chinesischen Regierung beschränkt. Sie kann nur für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, ist selber als Unternehmer aber nicht dominant oder umfassend präsent. Diese Industrie ist hauptsächlich in der Hand westlicher Konzerne der Spitzentechnologie oder Auftragsfertiger wie Foxconn oder Flextronics. In anderen Bereichen greift die Regierung mit eiserner Hand durch. Bei der Transportmittel-Industrie hat die Regierung kürzlich die beiden größten Hersteller von Zugskompositionen fusioniert, beides staatliche Unternehmen. Gestern wurde angekündigt, dass auch die beiden größten Reedereien des Landes fusioniert werden sollen. Dies soll durch Skalenerträge und Kostensteigerung die Wettbewerbsfähigkeit Chinas auf dem Weltmarkt herstellen und zu Marktanteilsgewinnen verhelfen.

In der Elektronikindustrie ist die Industrie Chinas gefährdet. Sie ist noch nicht fähig, auf Prozesse höherer Wertschöpfung umzusteigen. Sie ist aber durch die starken Kostensteigerung in China und durch die Währungsverschiebungen von Ländern mit tieferen Löhnen wie Thailand, Indonesien, den Philippinen, teilweise sogar Vietnam bedroht. Kürzlich hat der große Auftragsfertiger Foxconn angekündigt, in großem Stil für 5 Mia US-Dollar in Indien Fabriken zu erstellen. Sie sollen dereinst 50’000 Arbeitskräfte beschäftigen. Foxconn, ein taiwanesischer Auftragshersteller, ist mit 1.3 Millionen Beschäftigten der größte private Arbeitgeber in China. Zwar handelt es sich um einen Auftrag für eine indische Telefongesellschaft, aber ein Anfang ist gemacht. Die Trends in der Elektronikindustrie sind durchaus typisch für Entwicklungen in anderen Exportindustrien. Auch dort ist China einem Kostendruck ausgesetzt, der das Land zu Spezialisierung oder zu anderen Maßnahmen zwingt.

Dieser Kostendruck wird so schnell nicht weichen. Anders als in der Vergangenheit ist der Zustrom von billigen Arbeitskräften aus dem ländlichen Raum am Versiegen. Der Arbeitsmarkt ist von einer Verknappung gekennzeichnet. Die Reallöhne steigen stark und sollen gemäß den Vorstellungen der Regierung weiter zulegen. Die Regierung möchte ja strukturell eine Verschiebung vom Export und von den Investitionen zum Konsum erreichen. Die gängigen Indizes der realen Wechselkurse drücken diese Aufwertung der chinesischen Währung nur unzureichend aus. Die nominellen Wechselkurse werden üblicherweise mit den Verbraucherpreisen deflationiert. In China ist der Verbraucherpreis-Index stark durch die Preise der Lebensmittel bestimmt. Die Teuerung ist stark zurückgegangen. Was aber wirklich zählt, sind die Lohnkosten. Diese steigen unbeirrt mit praktisch 10 Prozent per annum. Vor diesem Hintergrund ist die Vorgehensweise der chinesischen Zentralbank zu interpretieren.

Seit 2011 hat der US-Dollar erheblich aufgewertet. Unter den Hauptwährungen ist dies vor allem der Nullzinspolitik und dem Quantitativem Easing (QE) der Notenbanken Japans und der Eurozone zuzuschreiben. Beide Notenbanken operierten mit dem expliziten Ziel, ihre Währungen zur Abwehr von Deflationsrisiken bewusst zu schwächen. Dabei verbinden beide Währungsgiganten eine erheblich gelockerte Geldpolitik mit einer restriktiven Finanzpolitik. In Japan hat die Regierung Hashimoto im Frühsommer 2014 den Satz für die Mehrwertsteuer von 5 auf 8% angehoben. Deshalb ist Japan wieder in die Rezession zurückgefallen. Japans Importe sind auch deshalb rückläufig. In der Eurozone ist die Finanzpolitik vielenorts restriktiv. In Deutschland, wo nach den Regeln Spielraum für eine Fiskalexpansion bestünde, will der Finanzminister eine schwarze Null. Im globalen Kontext ist dies genau falsch. Deutschland und in abgeschwächtem Maß die Eurozone haben hohe und wachsende Leistungsbilanzüberschüsse. Sie sollten eigentlich die Binnenkonjunktur stimulieren und nicht dämpfen.

Seit 2013/14 sind die Währungen Südkoreas, Taiwans, Indiens, Thailands, Malaysias oder Indonesiens unter die Räder gekommen. Das sind nicht nur wichtige Märkte für Chinas Exporte, sondern direkte Konkurrenten auf Drittmärkten wie den USA oder Europas. Es ist vor allem dieser regionale Kontext, der die chinesische Politik zum gestern vollzogenen Schritt bewogen hat.

Bisher hat China still gehalten, nachdem das Land seit dem Beitritt zur WTO praktisch ununterbrochen von den USA des Währungs-Dumpings bezichtigt worden ist. China hatte immer hohe Leistungsbilanz-Überschüsse, vor allem auch bilateral gegenüber den USA. Diese Überschüsse haben dem Land sehr hohe Devisenreserven von über 3000 Milliarden US-Dollar beschert. Zusammen mit den Kapitalkontrollen erlaubt dies den Behörden, praktisch nach Gutdünken den Wechselkurs des Remnimbi zu fixieren.

Ein Grund für die Zurückhaltung Beijngs war die geplante Internationalisierung der chinesischen Währung. China baut strategisch am Projekt, seine Währung für den Welthandel als Alternativ-Währung zum US-Dollar zu etablieren. Seine Exporte und Importe sollen in einer weiteren Zukunft nicht mehr in Dollars, sondern in einheimischer Währung bezahlt werden. Der Renmimbi soll auch zur internationalen Reservewährung werden, in der Notenbanken ihre Reserven anlegen können. Chinas Behörden haben durch die Wechselkurspolitik seit Mitte der 2000er Jahre eine erhebliche Kredibilität aufgebaut. Der nächste Schritt besteht darin, den Renmimbi in den Währungskorb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds aufzunehmen. Letzte Woche hat der IWF diesem Ansinnen einen vorläufigen Korb erteilt. Das von den USA beherrschte Gremium hat weitere Liberalisierungsschritte im chinesischen Finanzmarkt und die Konvertibiltiät der Währung zur Bedingung gemacht und die Behandlung um über ein Jahr verschoben.

Die Abwertung des Renmimbi um fast zwei Prozent gegenüber dem US-Dollar ist ein starkes Signal nach diesem Entscheid des IWF. Es ist ein Signal an die Währungsbehörden der USA einerseits und an die Zentralbanken des asiatischen Raumes andrerseits. Eine solche Abwertung an einem einzigen Tag repräsentiert mehr als eine übliche geräuschlose Maßnahme. Auch das Kommuniqué der chinesischen Volksbank ist durchaus interpretationsbedürftig. Die Zentralbank begründet ihren Entscheid explizit mit der Entwicklung ‚anderer’ Währungen, gemeint sind die der asiatischen Konkurrenten. Ferner wies sie darauf hin, dass der Wechselkurs künftig mehr durch Marktkräfte bestimmt würden. Diese Marktkräfte sind schwammig definiert. Die chinesische Zentralbank kann die Markterwartungen mit ihrer Kommunikation dorthin lenken, wo sie diese haben will – genau wie die Fed.

Die amerikanische Zentralbank hat seit Monaten in ihrer Kommunikation das Terrain für eine Zinserhöhung vorbereitet. Just im Hinblick darauf hat der Dollar zugelegt. Nach fast sieben Jahren Nullzinsen ist ein solcher Schritt sehr bedeutend. Eine Zinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt allein macht aber keinen Sinn. Üblicherweise handeln Zentralbanken so, wenn sie ihre Leitzinsen in mehreren Schritten auf ein neues Niveau anheben wollen. Der Markt geht vorläufig davon aus, dass die Zinsanpassung graduell und sehr behutsam erfolgen soll. Der Fed-Future Strip impliziert eine Anpassung auf rund 1 Prozent per Ende 2016. Ende 2016 ist ein Wahljahr. Das übergeordnete Ziel bleibt es, eine möglichst gute Wirtschaftslage zu erreichen. Beschäftigung und Kaufkraft der Haushalte sollen möglichst gut erscheinen.

Dennoch hat eine solche Maßnahme einen erheblichen Effekt. Verschiedene Währungen sind bedingt durch den starken Dollar in einer schweren Baisse. Das betrifft vor allem die Währungen von Ländern, die bedeutende Rohstoff-Exporteure sind. Die Preise von Rohstoffen reagieren sehr stark auf erwartete Zinsveränderungen im US-Dollar und auf den Wechselkurs des Dollars. Die Zentralbanken von Ländern, deren Währungen sich markant abschwächen oder unter schwerem Druck sind, reagieren bisher unterschiedlich auf diese Situation. Sie versuchen, die Währungsbewegungen unter Kontrolle zu behalten, und verzichteten auf zu starke Zinssenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Verschiedene Zentralbanken haben auch mit Devisenkäufen ihre Währung zu stabilisieren versucht.

Der Schritt Beijings bedeutet nichts anderes als eine explizite Warnung an die US-Zentralbank und an die Zentralbanken der asiatischen Konkurrenten. Sollte die Fed die Zinsen erhöhen, wird China dies nicht mitmachen und seine Währung gegenüber dem Dollar weiter abwerten. Sollten die Zentralbanken der asiatischen Konkurrenten isoliert ihre Zinsen senken, kann dies China veranlassen, seine Währung ebenfalls zu schwächen. China will keinen Währungskrieg. Das Land ist aber bereit, die Interessen seiner in Bedrängnis geratenen Exportindustrie rücksichtslos durchzusetzen, wenn andere Regierungen und Zentralbanken Entscheide mit negativem Effekt treffen sollten.

Die Folgen der veränderten chinesischen Geld- und Währungspolitik könnten für die globalen Märkte ganz erheblich sein. Einen Vorgeschmack hat die Reaktion der Märkte gestern dargestellt. Die Aktien- und Rohstoffmärkte würden tauchen, die Konjunkturaussichten sich weiter eintrüben. Die US-Zentralbank kann machen, was sie will. Aber China wird nicht mehr als Trittbrettfahrer dabei sein. Der von Japan und von der Eurozone ausgehenden beggar-thy-neighbour Politik sind künftig enge Grenzen gesetzt. Im regionalen asiatischen Maßstab würden Zinssenkungen anderer Zentralbanken mit Sicherheit Währungsschritte Chinas implizieren.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/08/12/das-ende-der-alten-weltmaechte-china-erhoeht-den-druck-im-waehrungskrieg/

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27.07.2015

Chinas Aktienkollaps lässt die Weltwirtschaft zittern

Innerhalb nur eines Tages wurden an der Börse in Shanghai fast 630 Milliarden Dollar vernichtet. Und der Absturz ist Experten zufolge noch lange nicht vorbei. Schon greift er auf andere Märkte über.

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Die Kommunistische Partei Chinas ist düpiert. Nicht vom eigenen Volk, das Peking noch lenken kann. Vielmehr sind es die Finanzmärkte, die das Zentralkomitee vorführen. Ausgerechnet die Börsen offenbaren, dass sich auch im Staatskapitalismus chinesischer Art nicht alles steuern lässt.

China Aktienmarkt ist zu Wochenbeginn um 8,5 Prozent eingebrochen – der größte Tagesverlust des Leitindex‘ Shanghai Composite seit Februar 2007. Ein Börsenwert von umgerechnet 629 Milliarden Dollar löste sich in Luft auf. Das entspricht fast der dreifachen Wirtschaftsleistung Griechenlands, das die Märkte in den vergangenen Monaten ebenfalls in Atem gehalten hatte. Gleichzeitig wird an den Dimensionen auch deutlich, wo die wahren Probleme für die Weltwirtschaft liegen. Nicht in Athen, sondern in Peking.

Der Verkauf chinesischer Aktien erfolgte trotz Maßnahmen der chinesischen Regierung, den Markt zu stützen. Sichtbar wurde das vor allem am börsennotierten Staatskonzern PetroChina, dessen Kursentwicklung den Machthabern in Peking besonders am Herzen liegt. Die Aktien des Rohstoffriesen krachten um fast zehn Prozent in die Tiefe, der heftigste Absturz in der Geschichte des Unternehmens.

Ganzes Bündel von Maßnahmen gegen den Kursverfall

„Jetzt ist es mit der Ruhe wieder vorbei“, sagt Paul Bakunowicz, Analyst bei der US-Großbank Citi mit Blick auf Pekings Interventionen, die in der vergangenen Woche die Turbulenzen zwischenzeitlich stoppen konnten. „Nun muss sich die Regierung etwas Neues einfallen lassen.“

Die Verantwortlichen in China versuchen mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen dem Kursverfall Einhalt zu gebieten. So wurden Anfang Juli die Notierungen von 1400 Unternehmen kurzerhand vom Handel ausgesetzt. Seither dürfen große Investmentgesellschaften auch keine chinesischen Aktien mehr verkaufen. Das gilt auch für Großaktionäre chinesischer Firmen, die ihre Anteile nicht abstoßen dürfen.

Gleichzeitig zapfte die Parteiführung die milliardenschweren Devisenreserven an, um damit an den Börsen in Shanghai und Shenzen Aktien zu kaufen. Die Interventionen zeigten zunächst Wirkung. Der Leitindex erholte sich von seinem Tief am 8. Juli bis um 16 Prozent.

Börsenrallye koppelt sich vom Wirtschaftswachstum ab

Doch nun ist die Atempause vorbei. Marktexperten erwarten, dass der Ausverkauf noch lange anhalten wird. Verantwortlich ist die chinesische Parteiführung. Die hatte im vergangenen Jahr eine Börsenrallye losgetreten. Steigende Aktienkurse sollten helfen, dass sich die Unternehmen frisches Geld von den Märkten holen können, um die zum Teil hohe Verschuldung abzubauen, so die Überlegung. Doch die Börsenrallye koppelte sich von den Fundamentaldaten ab. Während sich das Wirtschafts- und damit Gewinnwachstum deutlich verlangsamte, kletterten die Kurse immer weiter.

„Peking hat die Marktkräfte erst entfesselt. Was jetzt an den Märkten passiert, hat die Partei verschreckt“, sagte UBS-Berater George Magnus dem Nachrichtendienst Bloomberg. Er rechnet damit, dass der Börsenindex Shanghai Composite bis auf 2500 Zähler nachgeben, also ein weiteres Drittel einbrechen wird. „Wir werden dorthin zurückkehren, wo wir hergekommen sind.“

Vom Börsencrash geht allerdings ein weiteres fatales Signal für die Machthaber in Peking aus. Die Partei verliert ihren Nimbus als Krisen-Manager. Bislang hat es Peking noch immer geschafft, durch rasche Interventionen die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. 2008 etwa, dem Jahr der Großen Wirtschaftskrise, wurde flugs ein milliardenschweres Konjunkturpaket aufgelegt, das einen größeren Absturz der Wirtschaft verhinderte. Auch bei der Korruption griff die KP beherzt ein. Doch an den komplexen Finanzmärkten stößt das Krisenmanagement offenbar an Grenzen.

„Die Börsenturbulenzen werden die chinesische Bevölkerung lehren, dass die Partei nicht unfehlbar ist“, sagt James Falkiner, Chef der australischen Anlagefirma Falkiner Global Investors. „Das politische System wird demystifiziert, und das könnte schmerzliche Konsequenzen haben.“

Im Ausland geht die Angst um

Vor allem die aufstrebende Mittelschicht war den Rufen der Partei an die Börse gefolgt und steht nun vor horrenden Verlusten. Insgesamt wurde seit dem Börsenhoch Mitte Juni ein Wohlstand von 3,2 Billionen Dollar vernichtet. Das wiegt umso schwerer, als viele Anleger ihre Aktien auf Pump gekauft haben und nun vor dem finanziellen Ruin stehen.

Für Peking ist das auch ein Rückschlag beim Umbau der Volkswirtschaft von einer rein exportgetriebenen Ökonomie zu einem ausgewogeneren Wirtschaftsmodell, das auch vom heimischen Konsum getragen wird. Nun bricht mit den Aktieninvestoren eine Säule der Kaufkraft weg.

Alarm schlagen auch die Rohstoffmärkte. Der Bloomberg Commodity Index, der von Gold über Öl bis zu Zucker die wichtigsten Schätze der Erde beinhaltet, ist zu Wochenbeginn auf den tiefsten Stand seit 2002 gefallen. Schließlich war China bislang einer der größten Rohstoffkäufer. Bricht die Ökonomie in China zusammen, fällt der wichtigste Nachfrager weg.

Die China-Angst bekommt auch das Ausland zu spüren. In den vergangenen Wochen klagten insbesondere deutsche Autofirmen über rückläufige Wachstumszahlen im Reich der Mitte. Nun warnen auch die Analysten der Deutschen Bank vor einer deutlichen Abkühlung in China. Analyst Tim Rokossa zog bei BMW die Kaufempfehlung zurück und stutzte bei Volkswagen das Kursziel kräftig.

Sorgen machen dem Experten vor allem die strukturellen Ungewissheiten in einem Markt, der von der Parteiführung durch Interventionen stark verzerrt ist. Niemand wisse wirklich, was jetzt im Reich der Mitte passieren werde. Nur eines sei sicher, so Rokossa: „Der einstige Traummarkt bereitet der Branche nun schlaflose Nächte.“

http://www.welt.de/finanzen/article144495393/Chinas-Aktienkollaps-laesst-die-Weltwirtschaft-zittern.html

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17.07.2015

Morgan Stanley: Börsen-Crash in China ist Auftakt für weltweite Rezession

Analysten der Investmentbank Morgan Stanley sehen im aktuellen Börsencrash in China nur den Anfang schwerwiegender Verwerfungen. Die Banker sehen in dem Crash den möglichen Auftakt zu einer weltweiten Rezession.

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Die chinesische Regierung konnte die Talfahrt der Börsen zwar fürs Erste bremsen, doch der Crash hat das Vertrauen der Investoren schwer erschüttert. Diese waren bisher überzeugt davon, dass die Regierung die Märkte fest im Griff habe. Doch die Maßnahmen der Behörden hätten die Lage nur noch verschlimmert. Der größte Kurseinbruch seit 20 Jahren war erst der Anfang, sind sich auch Analysten großer Investmentbanken sicher. Die Citigroup warnt ihre Kunden bereits, dass der Ausverkauf „noch einen weiten Weg“ vor sich habe und bei Morgan Stanley rechnet man sogar damit, dass der chinesische Aktienmarkt um weitere 30 Prozent einbrechen könnte.

Binnen drei Wochen verlor der Shanghaier Aktienmarkt rund 30 Prozent an Wert. Der Technologie-Index ChiNext brach im selben Zeitraum sogar um 42 Prozent ein. Vorangegangen war eine monatelange Börsenrallye, wobei bis zu 80 Prozent der Aktien von Kleinanlegern gehalten wurden. Darunter befanden sich viele Rentner, die ihre Pensionen aus Mangel an Alternativen in Wertpapiere investierten, da der chinesische Immobilienmarkt stagniert und Sparanlagen keine Renditen mehr abwerfen. Die Regierung hatte den Aktienmarkt über alle Medien stark geredet und war damit ursachlich am Aufblähen der Blase beteiligt. Am Ende könnte der Crash bis zu 3,5 Billionen Dollar ausgelöscht haben.

Die chinesische Regierung bemühte sich die verheerenden Folgen des Börsensturzes über massive Markteingriffe einzudämmen. Zunächst wurde der Handel mit einigen Papieren zeitweise ausgesetzt. Ein weiterer Einbruch sollte über milliardenschwere Stützungskäufe durch die größten chinesischen Broker verhindert werden – mit geringem Erfolg. Auch die Ankündigung eines 250 Milliarden Yuan (36,6 Milliarden Euro) schweren Konjunkturprogramms konnte die Anleger nicht beruhigen. Schließlich verabschiedeten die Behörden drakonische Gesetze, um weitere Panikverkäufe zu verhindern. Anleger müssen ihre Anteile nun ein halbes Jahr halten, wenn sie mehr als fünf Prozent der Aktien eines Unternehmens besitzen. Bei Verstößen drohen ihnen harte Strafen. Zudem kündigten die Behörden an, entschieden gegen „böswillige Leerverkäufe, Markmanipulation und die Verbreitung von Gerüchten“ vorzugehen.

Diese drastischen Maßnahmen konnten den Ausverkauf zunächst stoppen und die Talfahrt der Börsen bremsen. Doch Jonathan Garner, Analysten bei Morgan Stanley, sieht im aktuellen Kurssturz keine günstige Kaufgelegenheit für Anleger. Vielmehr rechne er damit, dass der Shanghai Composite um weitere 30 Prozent einbrechen könnte. Die schwachen Wirtschaftsdaten der Unternehmen sowie die hohe Anzahl von Aktienkäufen auf Kredit würden eine weitere Korrektur unumgänglich machen, so Garner im Gespräch mit Business Insider. Immerhin notiere der Index auch nach dem Kurssturz noch 93 Prozent über dem Vorjahreswert, was auf eine deutliche Überbewertung hindeute.

Die nächste globale Rezession ist made in China“, sagte Ruchir Sharma im Interview mit Bloomberg. Sharma ist bei Morgan Stanley Investment Management verantwortlich für die Märkte der Schwellenländer. „In den nächsten Jahren werden die wunden Punkte für die Weltwirtschaft wohl vor allem in China liegen“, so Morgan-Stanley-Manager Sharma. Er ist der Ansicht, dass eine anhaltende Abkühlung in China in den nächsten Jahren das Wachstum der Weltwirtschaft unter die Zwei-Prozent-Marke drücken könnte, was einer globalen Rezession gleichkäme. Die zweitgrößte Volkswirtschaft trug im letzten Jahr immerhin 38 Prozent zum globalen Wachstum bei. Im Jahr 2010 betrug der Anteil Chinas am Weltwirtschaftswachstum dagegen nur 23 Prozent. Es wäre somit das erste Mal seit 50 Jahren, dass die Weltwirtschaft eine Rezession erfährt, ohne dass zugleich die amerikanische Wirtschaft schrumpft.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/07/18/morgan-stanley-boersen-crash-in-china-ist-auftakt-fuer-weltweite-rezession/

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12.02.2015

Kreditklemme: China pumpt Milliarden ins Finanzsystem

Die chinesische Zentralbank versorgt die Banken des Landes mit mehr als 7 Milliarden Euro, um der wirtschaftlichen Abschwächung entgegenzuwirken. Dadurch sollen mehr Kredite vergeben werden. Die Geldhäuser stehen unter Druck, faule Kredite und Kapitalflucht belasten ihre Finanzen.

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Die People’s Bank of China (PBOC) hat in dieser Woche erneut Geld in das chinesische Finanzsystem gepumpt. 45 Milliarden Yuan – etwa 7,2 Milliarden Euro – flossen in den Geldmarkt. Deutlich mehr als die durchschnittlichen 39,3 Milliarden Yuan, die die Bank in den vergangenen sieben Wochen wöchentlich zur Verfügung stellte, so das WSJ.

Ziel der Liquiditätsspritzen ist einerseits eine Reaktion auf die Nachfrage nach Bargeld zu Zeiten von Kapitalabflüssen ins Ausland. Andererseits soll die Kreditvergabe weiter angekurbelt werden, um die wirtschaftliche Verlangsamung zu stoppen. Denn im Januar fielen die Importe im Jahresvergleich um fast 20 Prozent und die Exporte um 3,3 Prozent.

In den vergangenen Jahren war die Kreditvergabe der Banken stark zurückgegangen. Faule Kredite und hohe Rücklagenforderungen von Seiten der chinesischen Regierung waren der Grund. Nach dem Boom der Schattenbanken jedoch lockert Peking nun schon seit ein paar Monaten Schritt für Schritt die Vorgaben für Banken zur Kreditvergabe. Erst Anfang Februar hat die chinesische Zentralbank mitgeteilt, den Mindestreservesatz noch einmal um 0,5 Prozent auf 19,5 Prozent zu senken.

Gu Ying von JP Morgan sagt, dass auch das chinesische Neujahrsfest und der anschließende Urlaub vieler Chinesen bei den Geldinjektionen eine Rolle gespielt hat. Er schätzt, dass für Reisen und Geschenke noch einmal zusätzlich Bargeld in Höhe von ein bis zwei Billionen Yuan benötigt wird. Der Hauptgrund für die zusätzlichen Gelder ist jedoch der Kapitalabfluss. Viele chinesische Unternehmen haben ihre Einkaufstour im Ausland fortgesetzt und kaufen Unternehmen beispielsweise im krisengeschüttelten Europa auf. Aber auch die Kapitalflucht spielt eine Rolle. Der PBOC und den Geschäftsbanken zufolge lagen die Nettodevisenabflüsse im Dezember bei 118,4 Milliarden Yuan, im November waren es nur 2,17 Milliarden Yuan.

Die hohe Verschuldung des Landes belastet ebenfalls das chinesische Finanzsystem. Die Gesamtverschuldung liegt Mc Kinsey zufolge bei etwa 30 Billionen Dollar. Vor allem die Schulden der lokalen Regierungen und der abgeklungene Immobilienboom spielt hier eine Rolle. Dies spiegelt sich auch in der Höhe der faulen Kredite wieder. So beliefen sich die faulen Kredite der zehn größten chinesischen Banken im Sommer 2014 auf 519,80 Milliarden Renmimbi (ca. 84 Milliarden Dollar).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/12/kreditklemme-china-pumpt-milliarden-ins-finanzsystem/

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09.02.2015

Chinas Schulden gefährden weltweites Finanzsystem

Die Gesamtverschuldung Chinas ist auf fast 30 Billionen Dollar gestiegen. Vor allem die hohe Konzentration der Schulden auf den Immobiliensektor und den hohen Anteil der Schattenbanken an den vergebenen Krediten sind gefährlich, warnt eine Studie.

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Chinas Gesamtverschuldung hat sich seit Beginn der Finanzkrise mit einem Anstieg von 7,4 Billionen Dollar auf 28,2 Billionen Dollar fast vervierfacht. Das entspricht 282 Prozent des BIP. Bleiben die Wachstumszahlen der Wirtschaft jedoch so niedrig, kann die Gesamtverschuldung Chinas im Jahr 2018 schnell auf 400 Prozent des BIPs ansteigen, heißt es in der aktuellen McKinsey Studie.

Besonders kritisch ist in diesem Zusammenhang die hohe Konzentration der Schulden auf den Immobiliensektor. „Wir schätzen, dass fast die Hälfte der Schulden der chinesischen Haushalte, Unternehmen und Regierungen direkt oder indirekt etwas mit dem Immobiliensektor zu tun hat“, so die Autoren. „Die Konzentration auf die Immobilienbranche stellt eine erhebliche Gefahr dar.“ Die Regierung pumpte viel Geld in die Industrie, es entstand ein regelrechter Boom, dessen Blase zu Platzen droht. Seit 2008 sind die Immobilienpreise in 40 chinesischen Städten um 60 Prozent gestiegen, in Shanghai und Shenzhen sogar noch stärker.

Die Schwäche im Immobiliensektor könnte damit die Zahl der faulen Kredite in den Bilanzen der Banken rapide ansteigen lassen. Das wiederum wäre auch für Europas Banken spürbar. So haben beispielsweise europäische Banken gegenüber China offene, risikobehaftete Forderungen in Höhe von 362,762 Milliarden Dollar, wie der aktuelle Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt (Stand Juni 2014). Forderungen, die die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) als Forderungen nach dem letztlichen Risiko bemisst (ultimate risk basis). Für deutsche Banken sind das Mitte des Jahres Forderungen in Höhe von 40,66 Milliarden Dollar (fast 32 Milliarden Euro), bestätigte die BIS den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Die Staatsverschuldung Chinas liegt derzeit bei etwa 25 Billionen Dollar. Hier spielen unter anderem auch die Kredite der lokalen Regierungen eine große Rolle. Diese stiegen seit dem Investitionsprogramm von 2009 auf 2,9 Billionen Dollar. JP Morgan schätzt die Schulden sogar auf 3,36 Billionen Dollar. Vor allem die regionalen Regierungen waren für Investitionen in Infrastrukturprojekte, sozialen Wohnungsbau und ähnliches verantwortlich. Allein dafür haben sich Schulden im Umfang von 1,7 Billionen Dollar angesammelt.

Die geringen Einnahmen der lokalen Regierungen haben dazu geführt, dass mittlerweile 40 Prozent der Regierungen ihre Schulden mit Landverkäufen begleichen. Und allein 20 Prozent der neu aufgenommenen Schulden werden genutzt, um ältere Kredite zu bezahlen. Der sich verlangsamende Immobilienmarkt erschwert es den lokalen Regierungen zunehmend, ihre Kredite zu bedienen. Standard & Poor’s betonte im November 2014, dass die Hälfte der Regierungen in den chinesischen Provinzen, unter dem „Investment-Grade“ wären, wenn sie durch eine Agentur bewertet würden.

Würden die lokalen Regierungen nicht mehr in der Lage sein, ihre Raten zu begleichen, wäre dies im gesamten Bankensektor spürbar, so die McKinsey Studie. Die China Development Bank hat an lokale Regierungen Kredite in Höhe von 600 Milliarden Dollar vergeben und die vier größten kommerziellen Banken Chinas etwa 300 Milliarden Dollar. Mehr als ein Drittel der Kredite haben die lokalen Regierungen aus dem Schattenbankensystem. Insgesamt sind von den Gesamtschulden Chinas etwa ausstehende Schulden in Höhe von 6,5 Billionen Dollar ausgegebene Kredite von Schattenbanken. Das System der Schattenbanken ist seit Beginn der Finanzkrise um 36 Prozent gestiegen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/09/chinas-schulden-gefaehrden-weltweites-finanzsystem/

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19.09.2014

Ende des Booms: China muss Wirtschaft mit Milliarden-Krediten stützen

Die chinesische Zentralbank pumpt Milliarden in die schwächelnde Wirtschaft. Angesichts der Konjunkturdaten sollen die fünf chinesischen Großbanken umgerechnet rund 63 Milliarden Euro bekommen. Das Geld sollen die Geldhäuser zur Stützung der Wirtschaft an Unternehmen weiterreichen.

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Die chinesische Zentralbank stützt angesichts schwacher Konjunkturdaten die Wirtschaft mit umgerechnet rund 63 Milliarden Euro. Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf einen Bankmanager, den fünf großen Kreditinstituten des Landes würden jeweils 100 Milliarden Yuan (12,6 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt. Diese sollten das Geld dann zur Stützung der Wirtschaft an Unternehmen weiterreichen.

Das zielt wohl vor allem darauf an, Liquidität bereitzustellen, um möglichen Engpässen in den kommenden Wochen vorzubeugen“, schrieben die Analysten von Credit Agricole in einer Analyse. Die Zentralbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich: „Wir werden eine Mitteilung veröffentlichen, wenn wir Neues zu berichten haben.“

Zuletzt hatte die unerwartet schwache Industrieproduktion die Anleger an den Finanzmärkten beunruhigt. Die Produktion war im August nur noch um 6,9 Prozent gewachsen – so langsam wie seit sechs Jahren nicht mehr. Ausländische Unternehmen stecken zudem weniger Geld in den Standort China. Im August fielen ihre Direktinvestitionen so schwach aus wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Auch der Immobilienmarkt kühlt sich ab: Die Preise für neue Wohnungen fielen im Juli den dritten Monat in Folge. Der Immobilienmarkt steht für 15 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/17/chinas-notenbank-muss-wirtschaft-mit-milliarden-hilfen-stuetzen/

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16.07.2014

China muss Wirtschaft mit Milliarden stützen

Staatliche Geldspritzen haben den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft vorerst gebremst. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 7,5 Prozent zu. Die Regierung musste dafür die Ausgaben für Investitionen ins Schienennetz und den Wohnungsbau um ein Viertel erhöhen.

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Milliardenschwere Geldspritzen von Regierung und Banken haben den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft vorerst gebremst. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nach offiziellen Angaben um 7,5 Prozent zu und damit etwas mehr als zu Jahresbeginn. Damit schwinden die Sorgen vor einem Abschwung in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, der auch auf die globale Konjunktur durchschlagen würde. Die Aktienkurse legten deshalb am Mittwoch von London bis Frankfurt zu. Experten warnen allerdings vor allzu großer Euphorie, da die Unternehmen den Aufwärtstrend nicht aus eigener Kraft schafften, sondern nur mit Hilfe des Staates.

Die Regierung erhöhte ihre Ausgaben allein im Juni um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahresmonat auf umgerechnet 195 Milliarden Euro. Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt und der öffentliche Wohnungsbau gefördert. Gleichzeitig reichten die Banken 128 Milliarden Euro an neuen Krediten aus, 20 Prozent mehr als erwartet. Dadurch wuchs die Wirtschaft trotz schwächelnder Exporte und einer Abkühlung am Immobilienmarkt etwas schneller.

Das Statistikamt trat am Mittwoch bei der Vorstellung der Wachstumszahlen auf die Euphoriebremse. „Wir können nicht blind optimistisch sein, denn die aktuelle Lage ist ziemlich kompliziert“, sagte Sprecher Sheng Laiyunfor. „Die traditionelle Industrie befindet sich in Anpassungen, und die können noch einige Zeit schmerzhaft sein. Die Konjunktur hat weiter Gegenwind.“

Das sehen Ökonomen ganz ähnlich. „Die Konjunkturerholung hängt von der Unterstützung der Regierung ab“, sagte Analyst Chang Jian von Barclays Capital in Hongkong. “Die Regierung kann nun wählen, ob sie entweder ein langsameres Wachstum hinnimmt oder noch mehr Hilfen durchdrückt.” Auch die NordLB sieht erhebliche Abwärtsrisiken. „In einigen Branchen existieren nach wie vor nennenswerte Überkapazitäten“, sagte Ökonom Frederik Kunze. „Darüber hinaus hat Peking das Problem mit den Schattenbanken noch nicht gelöst.“

Die Staatsführung will die Wirtschaftsstruktur verändern und nimmt dafür kurzfristig Rückschläge in Kauf – solange genügend Jobs geschaffen werden (mehr hier). Sie will vor allem den Konsum stärken, um unabhängiger von ausländischen Investitionen und Exporten zu werden. Die Regierung in Peking rechnet offiziell mit Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um mindestens 7,5 Prozent. Das ist auch notwendig, um die Heerscharen der Wanderarbeiter mit Jobs zu versorgen und so soziale Unruhen zu vermeiden. Nach Einschätzung von Volkswirten könnte sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren aber erheblich verlangsamen. 2015 dürfte das BIP demnach noch um etwa sechs Prozent und danach nur um rund fünf Prozent zulegen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/16/china-muss-wirtschaft-mit-milliarden-stuetzen/

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23.06.2014

China: Massive Staats-Intervention verhindert Absturz der Wirtschaft

Die chinesische Regierung pumpt massive Mittel in die Erneuerung des Schienennetzes und den öffentlichen Wohnungsbau. Damit verhindert Peking den Absturz und kann ein Wirtschafts-Wachstum melden. Der Preis: Die Staatsausgaben sind um fast 25 Prozent gestiegen.

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Die chinesische Industrie meldet im Juni nach sechsmonatiger Pause wieder ein Wachstum – und verdankt dieses der massiven Intervention des Staates, der mit Investitionsprogrammen Geld in die Märkte pumpt. Der von der Bank HSBC erhobene Einkaufsmanagerindex stieg nach vorläufigen Angaben von Montag überraschend kräftig um 1,4 auf 50,8 Punkte. Damit liegt das Barometer erstmals seit Dezember 2013 wieder über der Marke von 50 Punkten, ab der es Wachstum signalisiert. Die Aufträge wuchsen so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr.

Die kleinen Hilfsmaßnahmen der Behörden kommen allmählich in der Realwirtschaft an“, sagte der China-Chefvolkswirt von HSBC, Qu Hongbin. Die Regierung hat beispielsweise Ausgaben vorgezogen, etwa für den Ausbau des Schienennetzes und den öffentlichen Wohnungsbau. Die Staatsausgaben stiegen deshalb im Mai um fast ein Viertel auf umgerechnet rund 154 Milliarden Euro. Banken müssen zudem weniger Geld bei der Zentralbank hinterlegen, was ihnen größeren Spielraum bei der Kreditvergabe eröffnet (mehr hier). Das soll ebenfalls Investitionen ankurbeln. „Dieser Kurs dürfte solange fortgesetzt werden, bis es eine nachhaltige Erholung gibt“, sagte Qu.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt war im ersten Quartal mit 7,4 Prozent so langsam gewachsen war wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. 2013 kühlte sich die Konjunktur bereits auf ein Plus von 7,7 Prozent ab. Schwächer war die Wirtschaft in der Volksrepublik seit 1999 nicht mehr gewachsen. Für dieses Jahr peilt die Regierung rund 7,5 Prozent an. Sie will die Wirtschaft umbauen und unabhängiger vom Export machen und nimmt dafür auch schwächere Wachstumsraten in Kauf, solange genügend Arbeitsplätze entstehen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/23/china-massive-staats-intervention-verhindert-absturz-der-wirtschaft/

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13.04.2014

Crash-Gefahr: Chinas Staatsanleihen finden keine Abnehmer

Die chinesische Regierung war bei der jüngsten Emission nicht in der Lage alle Staatsanleihen zu verkaufen. Die anhaltende Kreditklemme und schlechte Wirtschaftsdaten drückten die Nachfrage der Investoren. Die chinesische Regierung war bei der jüngsten Emission nicht in der Lage alle Staatsanleihen erfolgreich am Markt zu platzieren. Dies ist das erste Mal seit mehr als einem Jahr, dass nicht alle Staatsanleihen verkauft wurden.

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Die gescheiterte Emission von Staatsanleihen ist ein herber Rückschlag für die Regierung in Peking. Diese versuchte günstiges Kapital aus dem Ausland anzuziehen. Insgesamt wollte sie rund 28 Milliarden Yuan für ihre einjährigen Anleihen einnehmen. Tatsächlich musste sie sich mit Krediten in Höhe von 20 Milliarden Yuan begnügen. Die Nachfrage nach den chinesischen Staatsanleihen sei hoch gewesen, jedoch nicht zu den von der Regierung vorgegeben Konditionen, sagte ein Händler zur Financial Times.

Die Investoren sorgen sich aufgrund anhaltender Negativberichte um den Zustand von Chinas Wirtschaft. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verkündete vor kurzem, dass sich das Wirtschaftswachstum weiter abgekühlt hat. Die chinesischen Exporte bleiben deutlich unter den Erwartungen zurück. Auch die chinesischen Industriedaten setzten ihren Negativtrend fort.

Ein weiteres Problem für Chinas Regierung sind die explodierenden Schulden. Die Schuldenstände sind seit 2008 von rund 130 Prozent auf 220 Prozent des BIP gestiegen. Der IWF und westliche Ratingagenturen warnten die chinesische Regierung, dass so schnell wachsende Schulden eine ernsthafte Gefahr für das Finanzsystem darstellen.

Daraufhin unternahm Peking weitreichende Schritte, um die Ausdehnung der Schulden zu verhindern. Dies führte jedoch zu einer Kreditklemme in Chinas Schattenbankensystem. Die chinesischen Schattenbanken haben einen Anteil von etwa 40 Prozent des BIP. Die Finanzinstitute in diesem Sektor leihen sich untereinander kaum noch Kapital. Um eine Ausweitung der Kreditklemme zu verhindern, musste die Zentralbank bereits mehrfach eingreifen.

Die schwindende Liquidität in Chinas Finanzsystem hat Auswirkungen auf die Importeure. Diese geraten zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten (hier). Verschiedene Unternehmensanleihen chinesischer Immobilien- und Solarfirmen sind bereits geplatzt und lösten Kurseinbrüchen an den weltweiten Börsen aus (hier).

Zusätzlich angeheizt wurden die Gerüchte um eine Kreditklemme in China von den jüngsten Inflationsdaten, die kurz vor der Emission bekannt wurden. Demnach fielen die Verbraucherpreise im letzten Monat um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch die Herstellerpreise blieben für den 25-zigsten Monat in Folge in deflationärem Terrain, wie die FT berichtet. Sie fielen im ersten Quartal um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Investoren drängen die Regierung, geldpolitische Programme wie die amerikanische Federal Reserve zu starten, um den verfall der Wirtschaft zu stoppen.

Es ist höchste Zeit für die Regierung, die Geldpolitik zu lockern“, sagte ein chinesischer Analyst der FT.

Doch die chinesische Regierung wird keine weiteren Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaft zu stützen, wie Ministerpräsident Li Keqiang betonte.

Wir haben die entsprechenden Möglichkeiten und das Vertrauen, um die Wirtschaft in einem bestimmten Rahmen am Laufen zu halten“, so Keqiang.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/13/crash-gefahr-chinas-staatsanleihen-finden-keine-abnehmer/

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11.04.2014

Steht China vor dem Kollaps?

Außenminister Steinmeier reist nach China – ein Land, das zuletzt wirtschaftlich Negativschlagzeilen machte. Der Wirtschaftsmotor stottert, Banken drohen Zahlungsausfälle. Was ist los im Reich der Mitte? Eine Analyse.

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Aus China kommt derzeit eine ganze Reihe alarmierender Konjunkturdaten. Industrieproduktion und Ausfuhr sinken . Die Wirtschaft verliert ihren Optimismus, wie aus Einkaufsmanagerumfragen hervorgeht. Immobilienpreise geraten ins Bröckeln. Nachrichten von Zahlungsausfällen verunsichern die Märkte.

China“, so sehen es viele Kommentatoren, habe sich hoffnungslos überschuldet. Das Land stehe kurz vor dem „Absturz“, die Erfolgsgeschichte sei vorbei. Der „Schuldenstand“ habe bereits 200 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht, damit sei der Alarmwert überschritten. Das Ende sei nahe. Vergleiche mit den USA im Jahr 2008 kommen auf.

Mit hohen Schulden lässt sich lange leben

Besonders der amerikanische China-Beobachter Gordon Chan glaubt, dass seine Stunde geschlagen hat – endlich! Denn er sagt den Kollaps des Reichs der Mitte bereits seit anderthalb Jahrzehnten voraus. Die angebliche Erfolgsgeschichte sei auf Sand gebaut und auf Pump finanziert, die Welt habe sich von leerem Glanz täuschen lassen, nun sei aber wirklich Schluss.

Tatsächlich lohnt sich ein näherer Blick auf die Natur der chinesischen Schulden. Denn nicht alle Verbindlichkeiten sind gleich gefährlich. Die ökonomischen Naturgesetze gelten natürlich auch für China – auf die Schuldenparty folgt der Kater. Doch die Geschichte zeigt auch, dass sich mit hohen Ausständen unter Umständen ziemlich lange recht gut leben lässt.

Das Problem bei allen Schulden ist unwahrscheinlich trivial: Am Ende will jemand das Geld mit Zinsen zurückhaben. Das klingt wie eine Binsenweisheit, doch anscheinend verlieren die Vertreter verschiedener Lager sie aus den Augen. Die Schwaben-Fraktion hält Kreditaufnahme für eine Art moralische „Schuld“, eine Charakterschwäche, die um jeden Preis zu vermeiden ist. Die Linke dagegen ist fest davon überzeugt, dass die Sache mit der Rückzahlung schon irgendwie von jemand anderem erledigt wird und einen nicht so richtig betrifft.

Um stattdessen die objektive Gefährlichkeit von Schulden abzuschätzen, ist die Frage zu stellen: Wer hat das Geld erhalten, wer will es zurückhaben und was passiert, wenn die Zahlung ausbleiben sollte?

Auch wenn es hier um China gehen soll, sei ein ganz kurzer Rückblick auf einige prominente Krisen erlaubt, deren traumatische Erfahrung unser Misstrauen gegenüber mühelosem Wachstum geweckt haben.

Wenn wir im Falle der US-Krise um verbriefte Hypothekenkredite schauen, wer das Geld erhalten hat und wer er zurückhaben will, dann sehen wir ein interessantes Muster. Dort haben bekanntlich zum Teil mittellose Hauskäufer das Geld erhalten. Sie haben damit nicht nur eine Immobilie finanziert, sondern obendrein noch Fernseher, Playstations, Urlaubsreisen und sonstigen Konsum. Geldgeber für diese angeblich sichere Anlageform waren Finanzfirmen weltweit, die über tausend Milliarden Dollar in entsprechende Wertpapiere gesteckt haben.

Anders als in Griechenland und den USA

Als die Investoren das Geld zurückhaben wollten, fehlte es schlicht. Es war nichts da. Das war sehr schlecht. Sowohl die Geldgeber (beispielsweise die deutsche Mittelstandsbank IKB) als auch die Kreditnehmer – einkommensschwache, oft bereits verschuldete Amerikaner – waren hinterher ruiniert und verzweifelt.

Ebenso traumatisierend war die Krise um den Euro-Mitgliedsstaat Griechenland. Empfänger des Geldes war hier der griechische Staat, Geldgeber waren ebenfalls Banken (auch aus Deutschland), die griechische Staatsanleihen gekauft haben. Das Bild war das gleiche, wenn auch insgesamt wesentlich simpler. Das Geld war verpulvert, die Anleger drohten, leer auszugehen. Rettung war nötig. Die Regierung in Athen zeigte sich völlig hilflos, weil sie die Währung nicht selbst kontrollierte, in der sie sich verschuldet hatte – den Euro. Damit befand sie sich in der gleichen Lage wie die Regierung von Thailand 1997.

Um es vorwegzunehmen: China hat ein erhebliches Problem, aber die die Gegebenheiten, die aus den Fehlern der USA, Griechenlands und Thailands eine Katastrophe gemacht haben, sind hier nicht vorhanden. Auf China kommt zwar eine Periode niedrigen Wachstums zu, aber keine Systemkrise.

Woher kommt in China das Geld, und wer hat sich geliehen? Es kommt von den chinesischen Sparern. Geliehen haben es sich die Industrie, die Immobilieninvestoren und die Gebietskörperschaften. Die Industrie hat den größten Anteil genommen und damit hohe Produktionskapazitäten aufgebaut.

Keiner bezweifelt nun, dass die Qualität der Schulden inzwischen miserabel ist. Denn die chinesische Industrie hat weit über das benötigte Maß hinaus neue Fabriken gebaut. In den Jahren der Weltkrise hat das die Konjunktur gestützt. Heute leiden zahlreiche Branchen unter hohen Überkapazitäten von bis zu 50 Prozent. Die tatsächliche Rendite dürfte negativ sein, die Rückzahlung der Kredite mit Zins steht in Frage. Doch was, wenn die Zeit der Rückzahlung kommt?

Die Finanzfirmen haben das Geld verliehen, das die normalen Bürger ihnen auf Konten und für Investmentprodukte anvertraut haben. Wenn die Firmen es zu einem nennenswerten Teil schuldig bleiben, gehen dann die Banken pleite, die Spareinlagen sind weg, ein Teil der Bevölkerung versinkt in Armut, Chaos bricht aus?

Natürlich nicht. Selbst im angeblich kapitalistischen Amerika hat an so einem Punkt der Staat eingegriffen. Pekings Bereitschaft zum Helfen ist noch unendlich viel größer, denn die Banken sind der Augapfel der kommunistischen Regierung.

Zunächst einmal gehören die wichtigen Finanzfirmen ohnehin mehrheitlich der Regierung. Eine Teilverstaatlichung (wie im Falle der Commerzbank oder der Citigroup) ist damit vorweggenommen. Es gibt noch eine Reihe von entscheidenden Unterschieden zu den anderen Krisen, die wir oben angesehen haben:

  • Der Umfang des Problems ist ungefähr bekannt. Seit 2009 haben Chinas Banken rund zehn Billionen Euro an Neukrediten vergeben, wovon ein einstelliger Prozentsatz in Gefahr sein dürfte. Verbriefungen und Derivate sind in China nicht gebräuchlich. Analysten reden schon seit Jahren über das Problem. In den USA dachten dagegen eine Mehrheit bis 2007, es sei alles in Butter.
  • Der Staat muss nicht erst zu einer Rettung überredet werden. Es in China sind auch keine Parlamentsbeschlüsse oder keine Überzeugungsarbeit gegenüber der Öffentlichkeit nötig. Es ist völlig selbstverständlich, dass die Gesundheit der Banken und die Spareinlagen der Bürger heilig sind.
  • Geld ist reichlich vorhanden. Die Zentralbank in Peking kann es in beliebiger Menge herstellen.

An diesem Punkt haben viele europäische und amerikanische Analysten ein Wahrnehmungsproblem. China hat sich bis über beide Ohren verschuldet? Nein. Chinesische Firmen haben sich bei chinesischen Banken verschuldet, die ihnen das Geld chinesischer Sparer verliehen haben. Es handelt sich um ein rein innerchinesisches Spiel.

Als Einheit „China“ auf diesem Planeten hat sich das Land also nicht verschuldet. Im Gegenteil. Peking hat den USA in den vergangenen Jahren ein paar Billionen Dollar geliehen. Die eigenen Auslandsschulden sind vernachlässigbar. Wenn die kommunistische Regierung Geld braucht, dann hat sie volle Souveränität, es zu leihen oder zu drucken. Dabei ist kein Gequengel der EZB, der Altschuldner oder der Öffentlichkeit zu befürchten.

Die chinesischen Sparer sind nun  zwangsweise sehr geduldige Kreditgeber. Denn das Land verfügt über strenge Kapitalkontrollen. Nur die Elite kann ihre Vermögen mit Tricks ins Ausland schaffen. Die Aktienmärkte sind schwach, der Immobilienmarkt ausgereizt. Die einfachen Bürger haben einfach kaum Alternativen zum Bankkonto. Selbst einer der größten China-Pessimisten, der Finanzwissenschaftler Michael Pettis von der Peking-Universität, gibt zu: „Das Geld bleibt in fast allen Fällen im System.“

Es kommen noch zahlreiche Sicherheitsnetze hinzu. Die Mindestreserve, die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen, ist mit 20 Prozent sehr hoch angesetzt. Die Vermögensverwaltungsprodukte der Nichtbanken sind nur für wohlhabende Bürger gedacht, die einen Ausfall verschmerzen können. Die Wohnungen sind mindestens zu 40 Prozent mit Eigenkapital bezahlt. Das alles hilft gewaltig, die Auswirkung eines Abschwungs abzufedern, bevor der Staat die Schulden in Bad Banks übernimmt.

Statt dramatischer Nachrichten Verschleierung und Vertuschung

Und immerhin sind Schulden in China noch Schulden. Die amerikanischen Finanzfirmen haben seinerzeit Schulden so umgedeutet, als seien sie ein wertvolles Anlagegut. Sie haben Millionen von Häusern von vergleichsweise unproduktiven Kreditnehmern auf Pump finanziert und das Geld dazu von Investoren im In- und Ausland eingesammelt. Auf dem Weg haben sie noch fette Gebühren kassiert und damit ihre Gewinne hochgetrieben.

Chinas Finanzwirtschaft verhält sich dagegen absolut langweilig. Die Kette ist sehr simpel, und sie bleibt auf das Inland beschränkt: Der Sparer zahlt sein Geld aufs Konto ein – die Bank oder Schattenbank verleiht es an ein kapitalbedürftiges Unternehmen. Die Ausfälle fangen zum Teil die Sparer ab (aber nur die Reichen), zum Teil die Banken und zum Teil der Staat.

Das heißt nicht, dass alles in Butter wäre. Die Auswirkungen der Rückabwicklung eines solchen Schuldenbergs hat trefflich der chinesisch-amerikanische Ökonom Richard Koo analysiert. Das Anschauungsobjekt war für ihn die japanische Malaise nach 1990. Damals hatten sich japanische Unternehmen die Immobilien beliehen, die sich in ihrem Besitz befanden. Da deren Wert infolge einer Blase sehr hoch angesetzt war, bekamen sie enorm viel Geld in die Kassen. Die Mittel haben sie zum Teil verpulvert, zum Teil in neue Immobilien investiert und mit dem Rest Überkapazitäten aufgebaut.

Was in Japan nach dem Platzen der Immobilienblase ab 1990 passiert ist, ist als denkwürdiges Beispiel in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Anders als in den USA nach 2008 ist die Wirtschaftsleistung nicht abgestürzt, es gab auch keine sofortigen Bankpleiten. Japan hat sich in typisch ostasiatischer Weise durchgemogelt.

Statt dramatischer Nachrichten gab es Verschleierung und Vertuschung. Der Staat hat den Banken erlaubt, das Ausmaß des Problems jahrelang zu verbergen. Statt einem Ende mit Schrecken gab es einen Schrecken ohne Ende. Die Wirtschaft lebte nur noch von Bauprogrammen der Regierung, die Firmen haben kaum noch investiert. Trotz der Billionenschweren Programme kam es dabei bemerkenswerterweise nicht zur Inflation, weil die Güter selbst weiter preiswert zu produzieren waren.

In China hat in der Vergangenheit das hohe Wachstum diese Probleme geschluckt, wenn nach einer Phase der Überhitzung wieder der große Kater angesagt war. Das entspricht ungefähr dem Rezept, am Morgen nach der Party mit dem Getränk weiterzumachen, mit dem man am Abend vorher aufgehört hat. Diesmal sieht es jedoch so aus, als entwickele sich das Problem zu schnell, als dass die Regierung ihm einfach durch Gasgeben davonfahren kann.

Doch die Kommunisten können sich steigende Arbeitslosigkeit oder gar ein sinkendes Bruttoinlandprodukt nicht leisten. Ihre Legitimation speist sich auch erfolgreicher Wirtschaftspolitik. Sie werden also eher den japanischen Weg gehen und sich durchwursteln.

Banken werden faule Kredite entsorgen müssen

Die Crash-Propheten werden also weiter enttäuscht sein: Der Lehmann-Augenblick bleibt aus. Die Optimisten, die China eine Ausnahme von den Gesetzen der Wirtschaft zutrauen, werden jedoch ebenfalls enttäuscht sein. Der Durchhänger kommt mit Sicherheit. Eine lange und schwierige Bilanzrezession wird Chinas Firmen auf Jahre beschäftigen, bis das Problem aufgeräumt ist. Die Banken werden faule Kredite entsorgen müssen und dabei die Geldversorgung der Wirtschaft einschränken. In den kommenden Jahren wird das Wachstum wohl auf ungefähr vier Prozent fallen.

Warum auch nicht? Die Entwicklung der Wirtschaft verläuft in Zyklen. Auf Chinas langen Boom folgt nun ein Durchhänger. Die chinesische Regierung ist jedoch überzeugt, den Laden dabei grundsätzlich am Laufen zu halten, wenn bloß die Versorgung der Bevölkerung stimmt. Schließlich sind auch sieben oder vier Prozent Wachstum für eine große Volkswirtschaft ein ordentlicher Wert.

Die Landwirtschaft soll reichlich Lebensmittel liefern und deren Preise niedrig halten. Die Industrie soll Handys, Autos, Mikrowellen anbieten. Die Kraftwerke sollen Strom produzieren. Die Baufirmen genug Wohnungen für junge Familien bauen. Auch Versicherungen, Massagen, lustige Apps und was der Mensch sonst noch so will, soll es reichlich geben.

Der kommunistischen Regierung ist es dank geistiger Wurzeln bei Karl Marx völlig egal, wenn sie dafür dem einen etwas wegnehmen muss, um es jemand anderem zu geben. Das Ziel ist vor allem, dass die Beschäftigung hoch bleibt und das Inlandprodukt nicht abstürzt. Deshalb lässt Peking auch Branchen mit Überkapazitäten nicht allzu plötzlich fallen, sondern organisiert den geregelten Abbau.

Deutschland macht es genauso. Statt 2008 und danach den Absturz hinzunehmen, kamen Kurzarbeit, Abwrackprämie, Bankenhilfe, und Griechenland-Pakete. Es ist nicht schön, dass das nötig wurde, aber es ist allemal besser als Schlagen an der Lebensmittelausgabe wie 1932 nach einem Produktionsrückgang um ein Drittel.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/schwache-wirtschaftsdaten-steht-china-vor-dem-kollaps/9751186.html

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08.03.2014

China: Exporte brechen um 18 Prozent ein

Die chinesische Wirtschaft muss sich zusätzlich zur hohen Verschuldung nun auch Sorgen um die Exporte machen.

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Chinas Exporte sind im Februar überraschend eingebrochen. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Ausfuhren amtlichen Angaben vom Samstag zufolge um 18,1 Prozent. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Zuwachs von 6,8 Prozent für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gerechnet. Die chinesischen Behörden nannten das Neujahrsfest als Grund für die Entwicklung. Das Fest begann am 31. Januar und fiel in die ersten Februar-Tage hinein. Viele Fabriken hatten geschlossen. Die Einfuhren im Februar stiegen um 10,1 Prozent und damit etwas stärker als erwartet.

Allerdings ging der Export auch für die Monate Januar und Februar zusammengenommen um 1,6 Prozent zurück.

Ende der Woche hatte es die erste saftige Unternehmenspleite in China gegeben. Es wird befürchtet, dass weitere Unternehmen folgen könnten (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/08/china-exporte-brechen-um-18-prozent-ein/

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24.02.2014

China-Kollaps bedroht Welt-Wirtschaft

Ein Studie der Société Générale hält es für wahrscheinlich, dass Chinas Wirtschaft dieses Jahr zusammenbricht. Die Auswirkungen für die Weltwirtschaft wären gravierend. Die zweitgrößte Volkswirtschaft kämpft mit Kreditausfällen, Immobilienblasen und Kapitalflucht.

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Die nächste Weltwirtschaftskrise könnte ihren Ursprung in China finden. Eine Studie der französischen Großbank Société Générale kommt zu dem Schluss, dass der chinesischen Wirtschaft in diesem Jahr der Kollaps droht. Die Bank sieht ein erhöhtes Risiko, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum halbiert und die Weltwirtschaft belastet.

Im besten Fall erwarten die Analysten der Société Générale ein Wachstum von 6,9 Prozent in China. Auch das wäre deutlich unter der derzeitigen Rate von 7,7 Prozent. Im schlimmsten Fall rechnen sie mit einem Einbruch auf unter 5 Prozent. Die Autoren der Studie räumen einer solchen „harten Landung“ immerhin eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent ein.

Das hätte gravierende Auswirkungen für die Weltwirtschaft, da die chinesische Wirtschaft einen Großteil des weltweiten Wachstums ausmacht.

Wir haben das in ein Modell über die globalen Auswirkungen einbezogen und herausgefunden, dass dieser Effekt das Weltwirtschaftswachstum im ersten Jahr nach dem Schock etwa 1,5 Prozentpunkte kosten würde“, so die Autoren.

Die chinesische Finanzwirtschaft steht vor einer Reihe von Kreditausfällen. Zum Neujahrsbeginn am 1. Februar platze bereits eine millionenschwere Anleihe (mehr hier). Doch das war nur der Anfang. Im Laufe des Jahres 2014 sind Anleihen im Umfang von einer Milliarde Euro vom Zahlungsausfall bedroht, wie Zero Hedge berichtet.

Das könnte eine Kettenreaktion im Schattenbanken-System auslösen. Die halb-legalen Verleih-Aktivitäten der Schattenbanken machen einer Schätzung von JPMorgan zufolge etwa 69 Prozent des chinesischen BIP aus. Ein erneuter Vertrauensverlust würde die Interbanken-Zinsen erneut in die Höhe schießen lassen. Das wiederum würde die chinesische Zentralbank dazu zwingen, den Markt mit Geld zu fluten, wie sie es bereits mehrfach tun musste (hier).

Die chinesische Wirtschaft wird durch steigende Verschuldungsraten und eine gigantische Immobilienblase belastet. Zudem kämpft das Land mit massiver Korruption, Umweltverschmutzung und Kapitalflucht. Eine stetig steigende Zahl von chinesischen Millionären versucht ihr Vermögen ins Ausland zu retten, bevor die wirtschaftlichen und politischen Probleme zu groß werden (hier).

Die chinesische Regierung weiß um die Probleme im eigenen Land und bereitet sich auf härtere Zeiten vor. So kauft die chinesische Zentralbank enorme Mengen an physischem Gold auf (hier) und stößt gleichzeitig im großen Stil US-Staatsanleihen ab (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/24/china-kollaps-bedroht-welt-wirtschaft/

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14.02.2014

Faule Kredite in China auf Sechs-Jahres-Hoch

Die ausfallgefährdeten Forderungen in den Bankbilanzen sind auf dem Höchststand seit der Finanzkrise. Die Schulden der Volksrepublik sind inzwischen doppelt so hoch wie die Wirtschaftskraft.

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Die faulen Kredite chinesischer Banken sind im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf den höchsten Stand seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im September 2008 gestiegen.

Im Vergleich zum Vorquartal legten die ausfallbedrohten Forderungen in den Bankbilanzen um 28,5 Milliarden Yuan auf 592,1 Milliarden Yuan (71 Milliarden Euro) zu. Das geht aus Zahlen der chinesischen Bankenaufsicht CBRC vom Freitag hervor.

Trotz des starken Anstiegs zum Jahresende machen die zweifelhaften Positionen den veröffentlichten Zahlen zufolge aber nur ein Prozent des gesamten Kreditvolumens aus.

Chinas Turbowachstum der vergangenen Jahre war maßgeblich angetrieben von lockerer Kreditvergabe. Nun zieht Peking geldpolitisch allerdings die Zügel an. Die Furcht vor einer harten Landung der Wirtschaft wächst.

Angst vor den Schattenbanken

Die Führung in Peking sorgt sich zunehmend,dass die wachsende Verschuldung die Wirtschaft bremsen könnte. Ökonomen sehen die jüngste Initiative als Beleg dafür, dass die Regierung die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital branchenübergreifend forcieren will.

Denn die Zahl der Schattenbanken und die Kreditvergabe außerhalb des Banksektors hatten zuletzt drastisch zugenommen und die Verschuldung nach oben getrieben.

Der gesamte Schuldenberg Chinas – also von Staat, Firmen und privaten Haushalten – kletterte im Verhältnis zur Wirtschaftskraft nach Schätzungen der Ratingagentur Fitch bis Ende 2013 auf 218 Prozent von rund 130 Prozent 2008. Der Staatsrat bezeichnet Schattenbanken in den neuen Richtlinien zwar als „nützlich“ und „unausweichliche“ Folge der Entwicklungen in der Finanzbranche.

Aus einem Dokument geht allerdings auch hervor, dass die Kreditvergabe abseits der Bankbilanzen stärker beobachtet und schärfer reguliert werden soll.

http://www.welt.de/finanzen/article124859590/Faule-Kredite-in-China-auf-Sechs-Jahres-Hoch.html

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20.01.2014

China erlebt schwächstes Wachstum seit 1999

Der Wachstumslokomotive China geht der Dampf aus. Das alte Entwicklungsmodell funktioniert nicht mehr. Die Regierung muss eine Balance zwischen Entwicklung und dringend nötigen Reformen finden.

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Im zweiten Jahr in Folge wächst China so langsam wie zuletzt Ende der 90er–Jahre. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde legte im vergangenen Jahr nur um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung lag damit auf dem gleichen Niveau wie 2012, als das Wachstum erstmals auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen war.

Der Zuwachs liegt knapp über dem selbst gesteckten Wachstumsziel der Regierung von 7,5 Prozent, wenngleich diese Vorgaben in der Vergangenheit immer sehr vorsichtig gemacht und am Ende meist deutlich übertroffen worden waren. Allein im vierten Quartal legte die Wirtschaft etwas stärker als erwartet um 7,7 Prozent zu, lag aber unter dem Zuwachs im dritten Quartal von 7,8 Prozent.

In diesem Jahr soll sich das Wachstum noch weiter verlangsamen. Die Regierung strebt vorrangig strukturelle Reformen an und will dafür auch eine geringere Wachstumsrate hinnehmen. Sieben Prozent gelten aber als Untergrenze. Auf ihrem Plenum im November hat die neue kommunistische Führung beschlossen, den Marktkräften und der Privatwirtschaft künftig eine größere Rolle einzuräumen.

Erhoffte Erholung bleibt aus

Die ursprünglich erhoffte Erholung blieb 2013 aus. Der Anstieg der Anlageinvestitionen kühlte sich zum Ende des Jahres weiter ab und erreichte im Gesamtjahr nur noch 19,6 Prozent. Das sind 1,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, wie das Statistikamt berichtete. Die Industrieproduktion wuchs auch nur mit 9,7 Prozent, nachdem 2012 noch zehn Prozent erreicht worden waren.

„Der Abschwung ist nicht zyklisch, sondern hat strukturelle Ursachen“, sagte der frühere Professor an der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege von Silvercrest Asset Management, Patrick Chovanec. „Es wird noch schlimmer, bevor es wieder besser wird.“ Wenn die Regierung ernsthaft strukturelle Reformen umsetzen wolle, werde sich das Wachstum weiter verlangsamen.

Große Sorgen bereitet den Planern die rasant gestiegene Verschuldung von Kommunen und Staatsbetrieben. Zu den finanziellen Risiken tragen ferner die wachsende Immobilienblase, die massive Ausweitung der Schattenbanken, dubiose Kreditvergabe und spekulative Vermögensverwaltungsprodukte bei.

Weiterhin großer Nachholbedarf

Die Kreditvergabe wurde in der zweiten Jahreshälfte schon gedrosselt, doch will die Regierung nicht allzu stark auf die Bremse treten und das Wachstum abwürgen. Viele faule Kredite müssen jetzt aber refinanziert werden, sodass das Geld nicht der Wirtschaft zugutekommen kann. Experten rechnen auch mit möglichen Pleiten von Investmentgesellschaften und Vermögensverwaltungen, die nicht wie die großen Staatsbanken zum Kern des chinesischen Finanzwesens gehören.

Andere Konjunkturdaten ergaben ein gemischtes Bild: Der Einzelhandelsumsatz stieg im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,6 Prozent und damit im Rahmen der Erwartungen. Die Industrieproduktion dagegen legte um 9,7 Prozent zu – etwas weniger als prognostiziert. Chinesische Fabriken kämpfen noch immer mit einer mäßigen Nachfrage aus dem In- und Ausland.

Auch wenn die Wirtschaftsleistung in China nicht mehr zweistellig wächst, erscheint der Zuwachs der – nach den USA – zweitgrößten Wirtschaftsnation im Vergleich zu den Industrienationen weiter beeindruckend. Allerdings hat ein Schwellenland wie China auch großen Nachholbedarf und braucht hohes Wachstum, um die Probleme in seiner Entwicklung bewältigen zu können.

http://www.welt.de/wirtschaft/article124015139/China-erlebt-schwaechstes-Wachstum-seit-1999.html

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06.01.2014

China zieht die Zügel bei Schattenbanken an

Das Kabinett in Peking hat sich auf strengere Regeln für Schattenbanken verständigt. Ein besonderes Dorn im Auge der Regierung ist die Vergabe von Krediten an offiziellen Banken vorbei.

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Chinas Regierung bringt im Kampf gegen wachsende Schuldenrisiken eine schärfere Regulierung von Schattenbanken auf den Weg. Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, der Staatsrat habe auf einer Kabinettsitzung neue Richtlinien für Unternehmen verabschiedet, die sich ohne Banklizenz auf dem Kreditmarkt tummeln. Dazu gehören in der Volksrepublik vor allem Treuhandgesellschaften.

Die Führung in Peking sorgt sich zunehmend, dass die wachsende Verschuldung die Wirtschaft bremsen könnte. Ökonomen sehen die Initiative als Beleg dafür, dass die Regierung die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital branchenübergreifend forcieren will. Denn die Zahl der Schattenbanken und die Kreditvergabe außerhalb des Banksektors hatten zuletzt drastisch zugenommen und die Verschuldung nach oben getrieben.

Der gesamte Schuldenberg Chinas – also von Staat, Firmen und privaten Haushalten – kletterte im Verhältnis zur Wirtschaftskraft nach Schätzungen der Ratingagentur Fitch bis Ende 2013 auf 218 Prozent von rund 130 Prozent 2008. Der Staatsrat bezeichnet Schattenbanken in den neuen Richtlinien zwar als „nützlich“ und „unausweichliche“ Folge der Entwicklungen in der Finanzbranche. Aus einem Dokument geht allerdings auch hervor, dass die Kreditvergabe abseits der Bankbilanzen stärker beobachtet und schärfer reguliert werden soll.

Treuhandgesellschaften vergeben Kredite an Firmen

Eine tragende Rolle spielen hier Treuhandgesellschaften, die Anlageprodukte an Sparer verkaufen und die daraus zufließenden Gelder unter anderem zur Kreditvergabe nutzen. Sie haben im chinesischen Finanzsystem immens an Bedeutung gewonnen und sind inzwischen die zweitwichtigste Branche hinter den Banken und vor den Versicherungen. Diese Gesellschaften sollen sich künftig auf ihre Funktion als Vermögensverwalter konzentrieren und keine Kredite mehr vergeben.

Die Regierung müsste ihr Vorhaben allerdings durch diverse Formen der Umschuldung flankieren, sagte Finanzexperte Liu Yuhui, Direktor an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, einem staatlichen Forschungsinstitut. Denn sonst könnten einige Branchen in große Probleme geraten, weil sie nicht ausreichend an frisches Geld kämen, sagte er.

http://www.welt.de/finanzen/article123586823/China-zieht-die-Zuegel-bei-Schattenbanken-an.html

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19.12.2013

Angst vor Geldklemme versetzt China in Panik

An den chinesischen Finanzmärkten geht die Angst vor einer Geldklemme um. Die Situation erinnert viele Händler an die schwere Finanzkrise im Juni. Höchste Zeit für die Zentralbank einzugreifen.

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Aus Angst vor einer neuen Geldklemme hat Chinas Zentralbank die Finanzinstitute mit frischen Mitteln versorgen müssen. Auch wurden die Handelszeiten am Interbankenmarkt verlängert, um zu vermeiden, dass Marktteilnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

In einer Stellungnahme versicherte die Notenbank, „wenn nötig“ mit weiteren kurzfristigen Geldspritzen an geeignete Banken die erforderliche Liquidität sicherstellen zu wollen.

Die Situation erinnerte an die schwere Finanzkrise Ende Juni, als die kurzfristigen Zinsen ähnlich in die Höhe geschossen waren und das Gespenst von Bankenpleiten umging. Tatsächlich hatte damals die Everbright Bank ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, wie das Finanzinstitut aber erst vergangene Woche offiziell zugab.

Die Kosten für siebentägige Kredite am Interbankenmarkt erreichten zuletzt mit 7,1 Prozent den höchsten Stand seit den dramatischen Tagen im Juni. Die Zentralbank sah wieder saisonale Gründe hinter der Zuspitzung: „Zum Jahresende ist die Liquidität am Markt stark von Einnahmen und Ausgaben sowie anderen Faktoren beeinflusst.“

Regierung öffnet die Wirtschaft

Allerdings steigen auch die Finanzierungskosten in China, weil die Regierung den Marktkräften eine größere Rolle zugesteht. Die Notenbank hält auch Mittel zurück, um den Markt zu disziplinieren. Die neue Krise entstand allerdings, als zunehmend Panik am Markt aufkam, nachdem die Händler Zweifel bekamen, ob die Zentralbank letztendlich wieder einspringen würde.

Die obersten Finanzhüter gaben zu, dann doch „gemäßigt Liquidität in den Markt injiziert“ zu haben. Solche kurzfristigen Geldspritzen an Banken, die besonders knapp bei Kasse sind, laufen hinter verschlossenen Türen ab. Nähere Informationen darüber werden erst viel später bekannt.

Nachdem Chinas Wirtschaftsboom in den vergangenen Jahren durch üppige Geldversorgung befeuert worden war, will die Regierung die Geldhäuser schon seit dem Frühjahr auf Entzug setzen.

Mit Hilfe der Marktkräfte will der neue Premier Li Keqiang den Finanzmarkt umstrukturieren. So hatte das Zentralkomitee im November dem Markt eine „entscheidende“ und nicht mehr nur „grundlegende“ Rolle bei der Verteilung von Ressourcen zugestanden.

http://www.welt.de/finanzen/article123122391/Angst-vor-Geldklemme-versetzt-China-in-Panik.html

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30.10.2013

Chinas Politbüro plant „historischen Neubeginn“

Das ZK der chinesischen Kommunisten kommt in wenigen Tagen zusammen und will grundlegende Reformen in Angriff nehmen. Dies könnte der Wirtschaft weltweit neuen Schwung verleihen. Von Frank Stocker

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Wie viel Prozent? Diese Frage treibt seit Monaten die ganze Welt um. Denn davon, wie stark die chinesische Wirtschaft wächst, hängt längst nicht mehr nur der Wohlstand der Chinesen ab, auch Deutschland ist von der Konjunktur im Reich der Mitte abhängig wie nie zuvor.

Im dritten Quartal legte sie zwar um 7,8 Prozent zu, etwas mehr als im Quartal davor. Doch fast alle Frühindikatoren deuten darauf hin, dass dies nur ein kurzes Zwischenhoch war. Der Trend geht wieder abwärts, und dies bedroht auch hierzulande Wirtschaft, Arbeitsplätze und Aktienkurse.

Der November könnte allerdings die Wende bringen. Denn wie am Dienstag bekannt gegeben wurde, soll vom 9. bis 12. November das dritte Plenum des aktuellen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei tagen.

Die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte dazu aus einem Papier des Politbüros, wonach das Plenum „einen historischen Neubeginn wagen und tiefgreifende Reformen in Angriff nehmen“ müsse. Es könnte also jene Richtungsentscheidungen treffen, die das Land so dringend braucht und auf die Investoren auf der ganzen Welt so sehnsüchtig warten.

Reform des Bankensektors entscheidend

„Es war in der Vergangenheit meist so, dass wichtige Reformen auf dem dritten Plenum angekündigt werden“, sagt Simon Pickard, Schwellenländerexperte bei der französischen Fondsgesellschaft Carmignac. Dies macht ihn optimistisch, dass dies jetzt ebenfalls geschehen könnte. Auch Gigi Chan, China-Expertin bei der Fondsgesellschaft Threadneedle, ist zuversichtlich: „Die neue Führung, die seit einem Jahr im Amt ist, hat stets betont, dass weitere Reformen notwendig seien.“

Entscheidend ist für Chan dabei eine Reform des Bankensektors. Dieser wird immer noch durch die großen, vom Staat kontrollierten Institute, beherrscht. „Sie vergeben billige Kredite bevorzugt an Staatskonzerne, während private Unternehmen kaum an Darlehen herankommen“, sagt sie. Dies führt dazu, dass der staatliche Sektor immer noch höchst unprofitabel arbeitet und über viele Überkapazitäten verfügt. Eine Reform des Bankensektors, beispielsweise durch eine Liberalisierung der Zinsvorgaben oder durch das Zulassen ausländischer Wettbewerber, würde folglich die gesamte Wirtschaft antreiben.

Solange dies nicht geschieht, können jedoch chinesische Aktien bei Investoren keine Renaissance erleben, denn 60 Prozent des Index bestehen aus staatlich kontrollierten Firmen. Deren Bewertung an der Börse ist zwar günstig, aber das hat eben seinen Grund. Chan konzentriert sich bei ihrer Anlage daher weitgehend auf die privaten Unternehmen, die an der Börse notiert sind: „Das ist wie eine andere Welt.“ Allerdings litten auch diese unter der allgemeinen Zurückhaltung gegenüber Chinas Aktienmarkt in den vergangenen Monaten.

Liberalisierung könnte den Konsum stärken

Weitere Reformen dürften das so genannte Hukou-System betreffen, das Menschen einem bestimmten Wohnort zuordnet, der auch nicht geändert werden kann. Nur im jeweiligen Hukou können Chinesen jedoch beispielsweise Sozialleistungen beantragen. Ziehen sie fort, wie dies Millionen von Wanderarbeitern getan haben, so sind sie am neuen Wohnort völlig rechtlos. Dies wiederum führt dazu, dass sie viel sparen und wenig konsumieren. Eine Liberalisierung könnte also den Konsum stärken.

Chan warnt allerdings vor allzu großen Hoffnungen. „Viele erwarten von China immer große, umstürzende Reformen“, sagt sie. Aber so funktioniert chinesische Politik nicht. Peking handelt vielmehr wie jemand, der einen Fluss überqueren will und dazu zunächst nur einen Fuß ins Wasser streckt, um dort tastend nach den Steinen zu suchen, auf denen er dann vorangehen kann. Daher erwartet Chan auch diesmal eher kleine Experimente als den großen Wurf.

Und andere sind sogar noch pessimistischer. Für den Vermögensverwalter Georg Graf von Wallwitz hat China dieses und nächstes Jahr noch Zeit, grundlegende Reformen einzuleiten: „Das Land hat allerdings nicht die Institutionen dafür und keinen politischen Prozess, der ein Gelingen eines entsprechenden Umbaus wahrscheinlich macht“, sagt er. Daher fürchtet er schon bald einen Rückgang des Wachstums auf drei bis vier Prozent, was für China de facto Stagnation bedeuten würde.

„Qualität ist wichtiger als Quantität“

Für Matthew Sutherland, Asien-Experte bei der Fondsgesellschaft Fidelity, wäre allerdings auch dies kein Grund auf Investitionen in Chinas Aktienmarkt zu verzichten. „Denn das Wirtschaftswachstum ist nicht relevant dafür“, sagt er. Im Gegenteil: „Chinas Regierung könnte die Wachstumsrate ohne Probleme auf neun Prozent hochtreiben, wenn sie wollte.“

Sie müsste dazu nur wieder entsprechende Konjunkturprogramme auflegen. Aber das würde langfristig nur eine Kreditblase aufbauen und die Überkapazitäten ausweiten. Ein langsameres Wachstum ist daher durchaus positiv für Sutherland. „Qualität ist wichtiger als Quantität.“

Entscheidend für die Entwicklung an der Börse sind dagegen die Wachstumsaussichten der Firmen und deren Bewertung. Und hier gibt es durchaus Branchen, die in der Zukunft stark wachsen dürften, egal, wie die Konjunktur sich entwickelt.

China der zweitbilligste Aktienmarkt Asiens

„Interessant für Investoren sind Branchen wie IT, Pharma, Konsum oder Versicherungen“, sagt Sutherland. Hier haben private Firmen die Oberhand. „Und dieser Bereich sollte in den kommenden Jahren wachsen.“ Auf der anderen Seite stehen dagegen Finanz-, Energie- und Telekommunikationsunternehmen, die allesamt vom Staat kontrolliert und für ihn daher nur selten attraktiv sind.

Und wenn es um die Bewertungen geht, so ist China heute hinter Südkorea der zweitbilligste Aktienmarkt Asiens. Auch im historischen Vergleich waren die Kurs/Gewinn-Verhältnisse oder die Kurs/Buchwert-Verhältisse selten niedriger als heute.

Die Frage ist daher heute vor allem, wann den Investoren dies auffällt, und wann sie das Starren auf die Wachstumsziffern aufgeben. Das November-Plenum könnte mit einigen frischen und mutigen Reformversprechen diese Trendwende schaffen.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article121376754/Chinas-Politbuero-plant-historischen-Neubeginn.html

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25.10.2013

Chinas Ministerpräsident gibt Wirtschafts-Chaos zu

Vor kurzem gab der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang in einem Vortrag zu, dass die Aussichten von Chinas Wirtschaft nicht rosig seien: Chinas Wirtschaft befände sich in einer „chaotischen und komplizierten“ Lage, sagte Li. Und er betonte, dass Geld-Drucken allein das Problem nicht lösen könne.

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Am Nachmittag des 21.Oktober nahm Ministerpräsident Li an der 16. Hauptversammlung der „Chinesischen Kommunistischen Gewerkschaft“ in Peking teil. Vor über 3000 Anwesenden hielt er einen einundhalbstündigen Vortrag über Chinas Wirtschaft. Li sprach darin auch aktuelle Probleme an, wie das verlangsamte Wirtschaftswachstum im 1. und 2. Quartal, den Abwärtstrend bei Inlandskonsum, Investitionen und Export, das Minus bei den staatlichen Finanzeinnahmen, etc. Der Staat könne diese Probleme nicht allein durch die Erhöhung des Finanzdefizits und die Vermehrung der Geldmenge lösen, sagte Li. „Es wäre genau so sinnlos, wie der Versuch, ein Feuer mit einem Holzstück zu löschen. Bevor nicht alle Holzstück verbrannt sind, wird es nicht gelöscht.“ Li betonte wiederholt, das Reformen in China mit Entschlossenheit vorangetrieben werden müssten. In allem klang die Aussage seines Artikel für die chinesische „Financial Times“ nach: Dort hatte Li bereits im September auf soziale und wirtschaftliche Reformen gedrängt.

Ein Immobilien-Experte sieht schwarz

Experten sehen den Schwerpunkt von Chinas Wirtschaftsproblemen in zwei Bereichen: In der hohen Staats- und Kommunalverschuldung und der Immobilienblase.

Der bekannteste Immobilien-Kommentator Chinas, Niu Dao, veröffentlichte hierzu vor kurzem ein Buch mit dem Titel „Verschuldungstsunami“. Darin beschreibt Niu in einem mehrjährigen Szenario, wohin sich die Verschuldungskrise seiner Einschätzung nach ab 2014 entwickeln wird. Wenn es nach ihm geht, ist die „Verschuldungskrise der Zündfunke des Finanz-Tsunamis“. Er geht davon aus, dass die Kommunalverschuldung Chinas genau wie die Immobilienblase immenses Ausmaß besitzt, und das die beiden Phänomene weltweit beispiellos sind. Ein Zusammenbruch der chinesischen Volkswirtschaft sei daher jeder Zeit möglich, schrieb Niu auf seinem Blog.

Stadt Shenzhen hat Indikator-Funktion“

In seinem neuesten Blog-Beitrag warnte Dao vor einem rasanten Preisverfall bei den Immobilien. Der Zusammenbruch der Immobilienmärkte käme meist über Nacht. Dao sieht in der südchinesischen Stadt Shenzhen einen Indikator für die Gesamtsituation des chinesischen Immobilienmarkts. Die Regierung von Shenzhen nahm vor kurzem Änderungen an der Immobilien-Politik vor, die Preisänderungen mit sich bringen könnten. Dao behauptete auch, das Platzen der Preis-Blase werde Peking und Shanghai am heftigsten treffen, da hier die meisten Geschäfte gemacht wurden.

In einem anderen Blog-Beitrag brachte er die Situation wie folgt auf den Punkt: 35 Jahre nach der wirtschaftlichen Öffnung Chinas – und nach den drei Phasen Verwestlichung, Modernisierung und Globalisierung – stehe China vor nichts anderem als einer Super-Blase. Diese Super-Blase bedrohe China nicht nur mit einer Wirtschaftskrise, sondern mit der gleichzeitigen Eskalation aller sozialen Krisen des Landes.

Chinas kritischer „Immobilien-Papst“

Niu ist Chinas „Immobilien-Papst“. Er hat eine riesige Zahl Fans, die seinen Blog lesen, wodurch er genau in das Profil des „Big V“ – der meinungsbildenden Online-Persönlichkeit – erfüllt. Damit sein Blog nicht zensiert werden kann, drückt sich Niu dort sehr verklausuliert aus. Liest man aber mehrere seiner Beiträge, wird ersichtlich, dass er einen politischen Wandel in China und den Zusammenbruch des Kommunistischen Regimes für unausweichlich hält. Weil Niu sich immer wieder sehr kritisch über die politische und wirtschaftliche Situation äußert, fragen sich Beobachter, wie lang sein Blog noch existieren wird.

http://www.epochtimes.de/China-Ministerpraesident-Li-Keqiang-Wirtschafts-Chaos-zu-a1103422.html

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14.10.2013

Zentralbank überfordert: Rekord-Inflation in China

Neue Sorgen für die Weltwirtschaft – diesmal aus China: Hohe Inflation, weniger Exporte, schwächeres Wachstum. Die Chinesische Zentralbank ist überfordert – und das im Mutterland des Zentralismus.

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Im September kletterte die Inflationsrate in China auf 3,1 Prozent – so hoch wie seit sieben Monaten nicht mehr. Analysten hatten mit einem maximalen Anstieg von 2,9 Prozent gerechnet. Die offizielle Begründung gab das Wetter als Hauptursache für den Anstieg an. Viel Regen soll zu einer schlechteren Ausbeute in den Landwirtschaft geführt haben. Dadurch wurden die Produkte teurer. Auf Jahresbasis gerechnet zogen beispielsweise die Nahrungsmittelpreise um 6,1 Prozent an.

Der tatsächliche Grunde ist allerdings die lockere Geldpolitik der Chinesischen Zentralbank. Diese pumpt seit Jahren im Akkord Kredite in den Markt.

Wir rechnen damit, dass die Inflation im 4. Quartal weiter steigen wird“, zitiert Reuters Zhiwei Zhang von Nomura in Hong Kong. Das starke Eingreifen der chinesischen Zentralbank ist umstritten. Beobachter glauben, dass die Zentralbank wegen der höheren Inflation die Druckmaschinen wieder etwas drosseln wird – eine Botschaft, die die Banken gar nicht gerne hören werden.

Doch auch die Real-Wirtschaft kann jetzt keine Kredit-Krise brauchen: Die Exporte sind überraschend rückläufig. Die Ausfuhren gingen im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozent zurück. Im August war noch ein Wachstum von 7,2 Prozent erreicht worden, so Bloomberg. Der Yuan legte zudem in den vergangenen 12 Monaten gegenüber dem Dollar etwa 2,7 Prozent zu. Dies belastet die Exporte ebenfalls.

Die hohe Inflation und die sinkenden Exporte gefährden auch das von Premier Li Keqiang angepeilte Jahresziel von 7,5 Prozent Wachstum für 2013. Dies ist der mit Abstand niedrigste Zielwert der Regierung seit 20 Jahren. IWF und Weltbank hatten zuletzt auch ihre Wachstumsprognose für China gesenkt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/14/zentralbank-ueberfordert-rekord-inflation-in-china/

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12.10.2013

Chinas Exporte brechen überraschend ein

Dem Drachen fehlt das Feuer: Ein abrupter Rückgang von Chinas Ausfuhren deutet auf ein schwächeres Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft hin. Trotzdem gibt sich die Staatsführung in Peking weiter gelassen.

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Chinas Exporte sind überraschend zurückgegangen. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sanken im September um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde am Samstag in Peking berichtete. Im August hatten die Exporte noch um 7,2 Prozent zugelegt. Analysten hatten für September eigentlich ein Plus von rund 5,5 Prozent erwartet. Die Importe lagen hingegen mit einem Plus von 7,4 Prozent leicht über den Erwartungen.

Die neuesten Daten für den Außenhandel befeuern wieder Sorgen um das weitere Wirtschaftswachstum des Welt-Konjunkturtreibers China. Dabei hatten in den vergangenen Wochen wieder einige Konjunkturindikatoren nach oben gezeigt. Chinas Wirtschaft wuchs 2012 „nur“ noch um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – so langsam wie seit 1999 nicht mehr. Und auch im ersten Halbjahr dieses Jahres geriet Chinas Wachstum zunehmend unter Druck. Im ersten Quartal lag es bei 7,7 Prozent, im zweiten Quartal nur noch bei 7,5 Prozent.

Der Sprecher der Zollbehörde, Zheng Yuesheng, spielte die Bedeutung des Export-Rückgangs herunter. Es handle sich allenfalls um saisonale Effekte. Insgesamt stabilisiere sich der Außenhandel. „Chinas Abhängigkeit vom Export geht zurück“, deutete er die Daten laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua. Es ist ein erklärtes Ziel der chinesischen Führung, wirtschaftlich nicht mehr so stark vom Export abhängig zu sein und dafür verstärkt auf den Binnenkonsum zu setzen.

Dazu sind jedoch noch weitrechende Reformen nötig, analysierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): „Chinas Wirtschaft hängt zu stark von den Ausfuhren und damit von der Lage anderer Länder ab.“ Das sei ein Grund für die geringeren Wachstumszahlen. „Infolge einer extrem lockeren Kreditvergabe der Staatsbanken ist zudem viel Geld in unprofitable Bereiche und staatliche Firmen geflossen“, schrieben die Ökonomen in einer jüngst veröffentlichten Analyse.

Chinas Staatsführung verbreitete trotzdem Zuversicht. Die Wachstumsrate werde in diesem Jahr sogar über dem Regierungsziel von 7,5 Prozent liegen, sagte der Vizechef von Chinas Notenbank, Yi Gang, am Freitag laut Staatsmedien. Wirtschaftsindikatoren deuteten darauf hin, dass sich die Konjunktur erholt habe. Langfristig müsse sich China auf Wachstumsraten um 7 Prozent einstellen. Zum Vergleich: Für Deutschland rechnet die Bundesregierung für 2013 mit einem Plus von 0,5 Prozent, für 2014 erwartet sie 1,6 Prozent Wachstum.

Am Donnerstag hatte bereits Ministerpräsident Li Keqiang vor einer stabilen Wirtschaftsentwicklung gesprochen. Am kommenden Freitag sollen die Konjunkturdaten für das dritte Quartal veröffentlicht werden.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ex-konjunkturtreiber-chinas-exporte-brechen-ueberraschend-ein/8924136.html

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27.09.2013

Chinas Zentralbank lässt Notenpresse weiter laufen

Chinas Notenbank setzte weiterhin darauf, Liquidität in den Markt zu pumpen, bevor das Land eine Woche lang Ferien hatte. Damit sollte eine erneute Bargeldknappheit zum Quartalsende vermieden werden, die Chinas Finanzmärkte bereits Ende Juni ins Schlingern gebracht hatte.

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Die People’s Bank of China (PBOC) schuf am Donnerstag 80 Milliarden Yuan (9,6 Milliarden Euro) aus Luft und pumpte sie in das Bankensystem des Landes, und zwar durch Reverse-Repo-Geschäfte. Ein Prozess, bei dem die Zentralbank von ihr selbst ausgegebene Staatsanleihen von Banken mit der Vereinbarung kauft, sie zu künftigen Terminen nochmals zu verkaufen.

Dieses Geldmachen aus Nichts ist gängige Praxis weltweit. Bereits am Dienstag wurden so 88 Milliarden Yuan durch Reverse-Repo-Geschäfte geschaffen, die größte Eintagsliquiditätsspritze seit dem 7. Februar, als die PBOC den Interbankenmarkt mit 410 Milliarden Yuan in ihren Offenmarktgeschäften vor den chinesischen Neujahrsferien inflationierte.

Der Zinsertrag, den Chinas staatliche Banken mittels der 14 Tage laufenden Reverse-Repo vom Donnerstag „erwirtschaften“, wurde auf 4,1 Prozent festgelegt, so eine Erklärung auf der Website der Zentralbank PBOC.

Am Donnerstag fiel Chinas Interbankenrate oder Shanghai Interbank Offered Rate (Shibor), der die Kosten anzeigt, zu denen chinesische Banken einander Geld leihen, um 23,5 Basispunkte auf 3,11 Prozent und dann für drei aufeinander folgende Tage. Die Interbankenrate war im Juni auf ein Rekordhoch von über 13 Prozent gestiegen, was Chinas Finanzmärkte in Aufruhr versetzte.

Diese Art von Liquiditätsspritzen zeigt die Absicht der Zentralbank, Liquiditätsengpässe der Geschäftsbanken vor den Nationalfeiertagsferien vom 1. bis 7. Oktober zu erleichtern, wenn mit einem Anstieg der Bargeld-Nachfrage durch Aufwendungen für Reisen und Feiertagseinkäufe zu rechnen ist.

Chinesische Geschäftsbanken können mittels dieses Geldschöpfungstricks auch die Eigenkapitalanforderungen der Regierung gegen Ende eines jeden Fiskalquartals erfüllen und fällige Zahlungen für Vermögensmanagementprodukte leisten.

http://german.china.org.cn/business/txt/2013-09/27/content_30153384.htm

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12.09.2013

China steht vor einem Zeitalter der Zombie-Banken

Die Blasenbildung an Chinas Kredit- und Immobilienmarkt weist Parallelen zur US-Finanzkrise auf. Anleger fürchten aber ein anderes Szenario: Wie Japan könnte China eine „Zombie-Wirtschaft“ entwickeln.

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Anleger haben Milliarden verdient, indem sie gegen Volkswirtschaften gewettet haben, in denen die Verschuldung und die Immobilienpreise steigen. Besonderen Erfolg hatten sie, wenn sie die Banken ins Visier nahmen, die einen solchen Boom finanzieren.

Derzeit ist das Ziel solcher Investoren China. Einige von ihnen vergleichen die Volksrepublik von heute mit den USA aus dem Jahr 2007. Andere ziehen die Parallele zu Japan vor dem Platzen der Immobilienblase 1989. Diejenigen, die an China glauben, geben zu, dass Risiken existieren. Die Regierung habe aber das Geld und die Expertise, um die Probleme zu entschärfen.

Bis vor Kurzem schienen sich die Bären, wie pessimistische Anleger genannt werden, bei diesem Tauziehen durchzusetzen. Sie drückten die Aktienkurse chinesischer Banken, bis sie gemessen an ihrem Buchwert die billigsten in allen wichtigen Volkswirtschaften waren.

Aber seit Kurzem geht es für die chinesische Wirtschaft und die Märkte wieder etwas aufwärts. Die Banken, die im Aktienindex Hang Seng H Financial gemessen werden, haben seit dem 3. Juli 17 Prozent an Wert gewonnen, obwohl sie vor der steigenden Zahl fauler Kredite warnten und ankündigten, wahrscheinlich neues Kapital aufnehmen zu müssen.

Kritiker weisen trotzdem auf die Parallelen zur geplatzten Immobilienblase in den USA hin: „Die Ähnlichkeit zu den USA ist die übermütige Verwendung des Kreditsystems, um bessere Quellen für Wirtschaftswachstum zu ersetzen, und das vor dem Hintergrund einer steigenden Ungerechtigkeit bei der Einkommensverteilung“, sagt George Magnus, unabhängiger Wirtschaftsberater für die Schweizer Bank UBS, der zahlreiche Publikationen zu Finanzkrisen verfasst hat: „Diese Dinge sind Symptome eines Landes, dessen finanzielle Instabilität relativ weit fortgeschritten ist.“

Einen wichtigen Unterschied gebe es jedoch: „Im Westen war die Antwort Leugnen oder komplettes Ignorieren“, erklärt Magnus. In China kontrolliert die Zentralregierung die Wirtschaft. Die Politik hat das Platzen der Blase in den USA genau beobachtet. Peking werde „auf Arten antworten können, zu denen wir nicht fähig waren. Aber das bedeutet nicht, dass es völlig schmerzfrei abläuft“, sagt er.

Die Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten in China steigt schnell. 2008 lag sie bei 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Heute sind es laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über 170 Prozent. Nicht eingeschlossen sind darin Schulden von Finanzunternehmen.

Aufseher kennen das Problem der Schattenbanken

In den USA stieg die Verschuldung von 143 Prozent im Jahr 2001 auf 177 Prozent im Jahr 2008. In Japan gab es vor 1989 eine ähnliche Entwicklung. Volkswirte sagen, dass nicht das absolute Schuldenniveau, sondern die plötzlichen Sprünge die entscheidenden Faktoren einer Finanzkrise sind. „Ich kenne kein Land, das solche eine Steigerung der Verschuldung hatte und nicht irgendeine Form von Krise erlebt hat“, sagt Mark Williams, Chefvolkswirt für Asien bei Capital Economics.

Er glaubt jedoch nicht, dass der große Knall in China unmittelbar bevorsteht. Die Krise könne sich auch in einem jahrelang schwachen Wachstum niederschlagen anstatt in einem finanziellen Zusammenbruch.

Ein besonders kritischer Sektor sind die Banken. Wie in den USA hat sich ein großer Teil ihres Kreditwachstums außerhalb der Bilanz abgespielt. In China sind es vor allem Vermögensverwaltungsprodukte und andere Vehikel, die es den Banken erlauben, weiter Geld zu verleihen, selbst wenn die Aufseher auf die Bremse treten.

Das Wachstum dieser Schattenbanken wird von den Regulierern beobachtet. „Das System der Schattenbanken war seit Jahren bekannt und abgesegnet“, sagt Jaspal Bindra, Asien-Chef der britischen Bank Standard Chartered. „Ich glaube, sie haben entschieden, dass jetzt der Punkt erreicht ist, an dem das System missbraucht wird.“

Im Mai sagten Vertreter der chinesischen Bankenaufsicht Bindra, ein gewichtiger Teil der in diesem Jahr geschaffenen Kredite stamme aus dem Schattenbankensystem. Oft würden die Darlehen von den Banken arrangiert, tauchten aber nicht in deren Bilanz auf. Die Sorge: Wenn die Kredite, die über solche Vehikel vergeben wurden, faul werden, dürften Aufseher und Anleger erwarten, dass die Banken sie wieder in ihre Bilanzen aufnehmen, was sich verheerend auf die Kapitalausstattung auswirken würde.

„Ihnen war das sehr bewusst. Sie haben es mir auch nicht ins Ohr geflüstert. Sie haben es wahrscheinlich jedem gesagt, der sie besucht hat, um zu verdeutlichen, dass sie darüber Bescheid wissen“, berichtet Bindra.

Mehr Luft zum Atmen als andere Schwellenländer

Im Juni durchlebte das chinesische Bankenwesen dann eine Kreditklemme und löste Ängste aus, dass eine Krise wie in den USA 2008 und 2009 das Finanzsystem durchschütteln könnte. Die Knappheit in China hatte die Notenbank ausgelöst, weil sie das Wachstum im Schattenbankensystem als außer Kontrolle geraten wahrnahm. Die Kreditklemme sorgte für Chaos, beruhigte sich aber, sobald die Zentralbank das Geld wieder fließen ließ. Es war auch ein Zeichen dafür, dass den Aufsehern das Problem im System bewusst war.

Ein weiterer Unterschied: Die Blase in den USA stammte aus Hypotheken. Die Immobilienblase in China wurde vor allem mit Bargeld finanziert. Das Wachstum der Schulden stammt von Entwicklern, Unternehmen und den lokalen Regierungen, die zum Teil implizit von Peking abgesichert werden. „Der Immobilienmarkt wird nicht der große Crash“, sagt Diana Choyleva, Leiterin des makroökonomischen Research bei Lombard Street.

Im Vergleich zu anderen Schwellenländern wie Indien oder Brasilien bleibt China Luft zum Atmen, weil es als Volkswirtschaft ein Nettosparer ist. Seit Jahren ist die Leistungsbilanz positiv. Das bedeutet, dass die eigenen Ersparnisse reichen, um den Anstieg der Schulden zu finanzieren. Wenn die Kredite faul werden, kann China es sich leisten, sich selbst zu retten. „Der Unterschied ist, dass die Überschuldung allein in der Tasche des Staats stattfindet“, sagt Bindra. Alle Großbanken in China werden von der Zentralregierung kontrolliert.

Folgen könnten China härter treffen als Japan

Da bietet sich der Vergleich zu Japan an. Die offensichtlichsten Parallelen sind steigende Schulden und Immobilienpreise, gepaart mit einem Bankensektor, der zu eng mit den Schuldnern verbandelt ist. Als die Zahl der faulen Kredite stieg, erlaubte es die japanische Regierung den Instituten, das Problem auszusitzen. Daher waren sie unterkapitalisiert und konnten keine Darlehen mehr vergeben.

In Japan „gab es keine systemische Finanzkrise, aber der finanzielle Stress war verborgen“, schreibt Haibin Zhu, Chefvolkswirt für China bei JPMorgan. Banken hätten Kredite refinanziert, obwohl kaum Chancen bestanden, dass die Unternehmen diese zurückzahlen konnten. Das habe zu „Zombie-Unternehmen und Zombie-Banken“ und nur geringen Neuinvestitionen in die Wirtschaft geführt.

Zhu fürchtet, dass China ohne Reformen bei den Banken und Unternehmen die Umstrukturierung der Schulden verpassen könnte. Genau das wäre aber für eine Reinigung nötig. „Die Konsequenzen könnten für China noch ernster sein“, sagt er. „China ist nicht so wohlhabend, wie es Japan war, und könnte daher nicht so viel Stress ertragen.“

Japans Wirtschaft stagnierte. Wegen eines starken sozialen Netzes kam es aber weder zu Unruhen noch zu Massenarbeitslosigkeit. China könnte weniger gut vorbereitet sein.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen unter dem Titel „China droht das Zeitalter der Zombie-Banken“ beim „Wall Street Journal Deutschland“.

http://www.welt.de/wall-street-journal/article119943427/China-steht-vor-einem-Zeitalter-der-Zombie-Banken.html

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04.09.2013

Das Märchen vom China-Wunder: „Regelrecht betrügerische Manipulation“

Die chinesischen Wirtschafts-Zahlen sind offenbar massiv gefälscht. Das hat der Ökonom Christopher Balding nun erstmals in einer wissenschaftlichen Untersuchung belegt. Investoren in China sollten sich warm anziehen.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie waren die Reaktionen der chinesischen Behörden auf Ihre Anschuldigungen?

Christopher Balding: Meines Wissens nach gab es keine offiziellen Reaktionen oder Aussagen zu dem Thema. Die Reaktion von Kollegen und der chinesischen Presse war freundlich. Ich sage das deshalb, weil es in China als gegeben angesehen wird, das ökonomische und finanzielle Daten fehlerhaft und manipuliert sind. Mit anderen Worten, jeder hier hat vorher schon geglaubt, was ich geschrieben habe, auch wenn niemand es bisher so ausgearbeitet hat wie ich.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Westliche Volkswirtschaften haben massiv in China investiert. Wie waren die Reaktionen von westlichen Ökonomen?

Christopher Balding: Es gab ein gesteigertes Interesse von nicht-chinesischen Ökonomen und Institutionen. Es gab schon lange Verdachte, was chinesische Wirtschaftsdaten betrifft, aber ich denke diese Studie war die erste, die das Ausmaß des Betrugs in offiziellen Daten bloßstellt und belegt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Investoren auf der ganzen Welt begründen ihre Entscheidungen auf der Richtigkeit der offiziellen Wirtschaftsdaten. Was sind die Implikationen für die Weltwirtschaft, wenn ihre Aussagen zu treffen sollten. Ist China noch immer der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft oder basiert das alles nur auf Täuschung?

Christopher Balding: China ist ohne Frage stark gewachsen, aber ich denke es gibt eine starke Diskrepanz zwischen realem Wachstum und offiziellem Wachstum. Ich persönlich glaube, dass es ein signifikant höheres Risiko in der chinesischen Wirtschaft gibt, als weitläufig geglaubt wird.

Die beiden Sektoren, die ich anhand dieses Beispiels von statistischer Manipulation für am verwundbarsten halte, sind Rohstoff-Unternehmen und der Einzelhandel. Das chinesische Wirtschaftswachstum hat die weltweite Nachfrage von Rohstoffen angeheizt, speziell Rohstoffe im Bauwesen wie Kupfer oder Eisen, aber auch viele andere. Jeder Rückgang der Nachfrage wird enorme Effekte auf die globalen Märkte haben. Des Weiteren sind Kennzahlen wie Konsumausgaben und frei verfügbares Einkommen deutlich langsamer gestiegen als die Löhne oder das Bruttoinlandsprodukt. Das ist ein Hinweis darauf, dass die chinesischen Haushalte und Konsumenten nicht in den Genuss der Früchte des offiziellen Wirtschaftswachstums kommen. Zudem haben viele Einzelhändler und Konsumgüter-Firmen echte Probleme Geld zu verdienen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Denken Sie, dass diese Art statistischer Tricks auch in anderen Ländern gängige Praxis ist (z.B. in den USA, der europäischen Union, Russland, etc.), um die wahren Inflationsraten zu verschleiern und die offiziellen BIP-Zahlen zu schönen?

Christopher Balding: Das wird eine komplizierte Antwort, aber lassen Sie es mich versuchen. Erstens denke ich, dass es wichtig ist zwischen legitimen methodischen Debatten über die Berechnung von Inflation (ob Sie es glauben, oder nicht, die existieren wirklich, und zwar mit klugen und rationalen Menschen auf beiden Seiten!) und regelrechtem Betrug zu unterscheiden. Die chinesischen Zahlen für Wohnkosten sind regelrecht betrügerische Manipulation. Der Unterschied von acht Prozent zu 300 Prozent ist zu groß, um durch einen Rundungsfehler erklärt zu werden. Europäische und amerikanische Fragen zur Inflation sind methodische Debatten zur Berechnung.

Zum Beispiel: Wie beeinflussen Veränderungen bei schwankenden Gütern wie Lebensmitteln oder Energie die größeren Kennzahlen des Warenkorbs, die nicht schwankend sind? Es gibt ehrliche und rationale Debatten darüber. Ein anderes Beispiel: Spiegelt der Warenkorb tatsächlich Veränderungen im Lebensstil durch geringere Beschäftigung und die daraus resultierenden verringerten Ausgaben für Transport und Kleidung wider?

Für größere Bestandteile amerikanischen Warenkorbs kann ich sagen, dass sie die Veränderungen widerspiegeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine methodischen Bedenken über die Art der Berechnung und Erhebung dieser Daten gäbe, die zu Unterschieden zwischen der offiziellen und der realen Rate führen könnten. Dennoch muss ich erneut betonen, dass das ein anderes Thema ist als die betrügerische Manipulation der Daten, die wir in Chinas Wohnkosten beobachten können.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was sind Ihre Eindrücke der jüngsten chinesischen Bankenkrise? Ist sie eine Bedrohung für die Weltwirtschaft oder wird sie durch die westlichen Medien größer gemacht als sie tatsächlich ist?

Christopher Balding: Um ehrlich zu sein, ich halte das für ein viel größeres Thema als es in der Presse – sogar der westlichen Presse – dargestellt wird. Es gibt enormen finanziellen Druck in der chinesischen Regierung, im Unternehmens- und im Haushaltssektor. Die chinesische Stahlindustrie hat Verbindlichkeiten in Höhe von fast 500 Milliarden US-Dollar und hat im ersten halben Jahr gerade einmal Profite in Höhe von 350 Millionen US-Dollar eingefahren.

Unabhängige Daten deuten darauf hin, dass in den meisten chinesischen Städten die Rate von Hauspreisen zu Einkommen weit über 20 liegt. Dieselbe Rate lag in den USA in San Francisco im Jahr 2008, kurz vor Ausbruch der Hypothekenkrise, bei elf. Ich könnte ihnen noch viele weitere Beispiele nennen, die auf den enormen finanziellen Druck hinweisen, unter dem China zurzeit steht. Was mich am meisten überrascht, angesichts dieser Daten und meiner Studie, ist, dass so viele Leute die Geschichte aus Peking über eine angebliche wirtschaftliche Erholung glauben.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/04/das-maerchen-vom-china-wunder-regelrecht-betruegerische-manipulation

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21.08.2013

China: Manipulierte Statistiken blasen das BIP um acht bis zwölf Prozent auf

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Das inzwischen weithin bekannte Sprichwort von den Lügen und den statistischen Lügen scheint sich in China immer wieder zu bewahrheiten.

Wie weit ist die offizielle Statistik in China von der Realität entfernt? Professor Christopher Balding von der HSBC Business School der Peking University war es seine Untersuchung wert. Er veröffentlichte am 14. August eine Studie zu diesem Thema. Dabei nahm er die offizielle Statistik über Immobilienpreise im Zeitraum 2000 bis 2011 unter die Lupe und entdeckte einige Hinweise auf Manipulationen. Er kam zum Schluss, dass die Manipulation das reale BIP in China um acht bis zwölf Prozent aufbläst.Chinas Völkerwanderung der Gastarbeiter

Um die Manipulation der Daten zu erkennen, sollte man vielleicht grob über die Völkerwanderung in China Bescheid wissen. In einem Bericht der Zeitung Zhe Jiang Ri Bao aus dem Jahr 2005 wurde die Situation der Wanderarbeiter in China beschrieben. Aufgrund der ungleichmäßigen Wirtschaftsentwicklung seien im Jahr 1994 etwa 60 Millionen Wanderarbeiter aus den Dörfern in die Städte gekommen. Danach habe der Anstieg zwischen 8 und 10 Millionen pro Jahr betragen. Nach Berichten von The Economist habe es im Jahr 2012 etwa 160 Millionen Wanderarbeiter in China gegeben, was etwa 12 Prozent der Bevölkerung entsprach.

Der Immobilienpreis hängt verständlicherweise eng mit dieser Völkerwanderung zusammen. Wenn so viele Menschen ihr Zuhause auf dem Land verlassen haben, sollten logischerweise die Immobilienpreise auf dem Land fallen und die in den Städten steigen. Im chinesischen Internet sind Statistiken zu finden, die besagen, dass die Immobilienpreise in den Städten von 2003 bis 2013 um 143 Prozent gestiegen seien. Berücksichtigt man diese hohen Immobilienpreise und die hohe Anzahl von Wanderarbeitern, kann man davon ausgehen, dass ein beachtlicher Anteil der Bevölkerung in China in einer Mietwohnung lebt.

Aber die offizielle Statistik stellt ein ganz anderes Bild dar. Balding fand heraus, dass der Preisanstieg für private Eigentumswohnungen in den Städten offiziell geringer ist, als der auf dem Land. Nach offiziellen Daten seien die Preise für privates Wohneigentum in China zwischen 2000 und 2011 um insgesamt 8,14 Prozent gestiegen, während die privaten Immobilienbesitzer in den Städten nur einen Anstieg von etwa 6 Prozent erfahren haben. Außerdem habe der Preisanstieg für privates Wohneigentum in ländlichen Regionen mit 1,67 Prozent pro Jahr mehr als das Dreifache des Anstiegs von 0,53 Prozent in Stadtgebieten betragen. Auch der Anteil der Mieter wird offenbar viel zu niedrig eingeschätzt. Die Daten des Statistikamts besagen, dass nur 12 Prozent aller Chinesen zur Miete wohnen.

Lauter Lügen und Manipulationen

Nicht nur die offiziellen Angaben über die Immobilienpreise, sondern auch die Einschätzung der Bevölkerungsversteilung ist weit von der Realität entfernt. Balding erklärte, dass im Jahr 2000 etwa zwei Drittel und im Jahr 2011 etwa 51 Prozent aller Chinesen in ländlichen Gebieten wohnten. Aber das Statistikamt verwendete ein fixes Verhältnis von 80 zu 20 zwischen Stadt- und Landbevölkerung, um die Gesamtänderung der Preise von privatem Wohneigentum zu berechnen.

Welche Auswirkung können diese Daten-Manipulationen haben? Das Statistikamt behauptet, dass der Preisanstieg bei den Mieten den des privaten Wohneigentums um etwa 50 Prozent überstieg. Wenn nur 12 Prozent der Bevölkerung von dem rasanten Mietpreisanstieg betroffen sind und wenn der größte Teil der Bevölkerung dort wohnt, wo der Anstieg der Immobilienpreise angeblich niedrig ist, wird die Auswirkung der Preiserhöhung künstlich reduziert.

Das BIP – Bruttoinlandsprodukt – stimmt auch nicht

Wie sieht die Wirtschaft in China aus, wenn diese Daten-Manipulationen korrigiert werden? Professor Balding setzte Daten aus anderen Quellen in Bezug zu den Daten des Statistikamts und fand heraus, dass selbst unter konservativen Annahmen der Verbraucherpreisindex für China jährlich um etwa ein Prozent nach oben korrigiert werden muss. Dies reduziert das reale BIP in China um acht bis zwölf Prozent.

Es ist anzumerken, dass sich die Arbeit von Balding auf die Immobilienpreise in China fokussiert. Es ist nicht auszuschließen, dass die Regierung in China ihre Statistik in anderen Bereichen ebenfalls manipuliert hat. Beispielsweise erwähnte Balding in seiner Arbeit, dass zwischen 2003 und 2011 die Lebensmittelkomponente beim Verbraucherpreisindex in China etwa 99 Prozent der Inflation ausmachte. Wie sieht die Wirtschaft in China in Wirklichkeit aus, wenn der Schleier der Manipulationen vollständig weggezogen wird? Über diese Frage sollte sicherheitshalber jeder an China interessierte Investor nachdenken.

http://www.epochtimes.de/china-manipulierte-statistiken-blasen-das-bip-um-acht-bis-zwoelf-prozent-auf-1084765.html

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16.08.2013

Gigantische Finanzlücke nach Börsenpanik: Chinas Banken brauchen Milliarden

In Chinas Geldhäusern klafft eine gigantische Finanzlücke: Nach dem Beinahe-Crash im Juni müssen die Staatsbanken den Kapitalmarkt anzapfen, um sich frisches Geld zu besorgen. Ob die Operation gelingt ist fraglich: In kaum einem anderen Land der Welt sind Geldhäuser so wacklig finanziert wie im Reich der Mitte.

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Die chinesischen Zentralbanker hatten wohl nicht mit einem solchen Erdbeben gerechnet, als sie den Stein ins Rollen brachten. Im Juni ließ die Zentralbank die Sollzinsen kräftig in die Höhe schießen. Der Schritt war für die Währungshüter eine Art Live-Experiment: Sie wollten die Gesundheit des chinesischen Finanzsektors testen. Der hustete sterbenskrank zurück: Die kurzfristigen Kreditzinsen schossen auf nahezu 30 Prozent in die Höhe. Die Banken suchten verzweifelt nach Wegen, sich frisches Geld zu leihen. Auf Chinas Aktien- und Anleihemärkten brach Panik aus. Die Notenbanker hatten die Blase angestochen. Der Sturm, der entwich, brachte das Finanzsystem im Reich der Mitte fast zum Einsturz.

Bis heute kämpft es mit den Folgen des Beinahe-Crashs. Mit der schwelenden Finanzkrise zeigt einer der wichtigen Pfeiler des chinesischen Wirtschaftswunders deutliche Risse. Chinas Staatsbanken katapultierten das Land zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Nun droht ihnen der Treibstoff auszugehen. Nach drei Jahrzehnten zügellosen Wachstums bekommt der wuchernde Finanzsektor die Kehrseite seiner ausufernden Kreditvergabe zu spüren.

Die vier größten staatseigenen Banken Industrial & Commercial Bank of China, China Construction Bank, Agricultural Bank of China und Bank of China wollen nach der Finanzpanik nun schleunigst ihr Kapital aufpolstern. Sie fürchten sich vor einer Zunahme notleidender Kredite und nachlassendem Gewinnwachstum. Von ihren Verwaltungsräten haben sie bereits grünes Licht bekommen. Umgerechnet rund 44 Mrd. US-Dollar sollen die großen vier in den kommenden beiden Jahren auf den Wertpapiermärkten einzusammeln. Ob der Plan aufgeht, steht in den Sternen.

Schattenbanken päppeln weiße Elefanten

Denn der Drang an den Kapitalmarkt kommt zur Unzeit. Viele Investoren haben sich wegen der Panik gerade von Aktien der Geldhäuser getrennt. Frisches Geld aufzunehmen dürfte also schwierig oder zumindest teuer werden. So hat der Hang Seng China Enterprises Index, in dem viele Banken notiert sind, in diesem Jahr rund 11 Prozent verloren.

Die Gründe dafür schlummern in den Bilanzen der Geldhäuser. Jahrelang haben die Banken Staatsunternehmen und örtlichen Regierungsstellen in einem wahren Kreditrausch mit Billiggeld gepäppelt. Die Provinzregierungen und Staatsbetriebe haben nun ein gigantisches Schuldenproblem: Leere Einkaufszentren, Brücken ins Nirgendwo – viele Projekte entpuppten sich als „Weiße Elefanten“, die niemand braucht, die aber Unsummen verschlingen.

Denn ein Großteil des Geldes floss in politisch motivierte Kreditvergabe. Zwar wurden Gelder dazu genutzt, global wettbewerbsfähige Industrien von Stahl über Energie bis hin zur Solartechnik zu schaffen. Aber das Gros ging in fragwürdige Infrastrukturausgaben wie den Bau von Autobahnen, Eisenbahnverbindungen und andere Lieblingsprojekte der Provinzregierungen. Wenn diese faulen Kredite platzen, müssen das die Banken ausbaden, bei denen dann Verluste aufschlagen.

Chinas Aufseher riechen bereits Lunte

Bisher machen die chinesischen Banken einen weiten Bogen um ihre Probleme: Sie verlängerten einfach die Fälligkeiten der Kredite und schoben die Ausfälle so hinaus. In diesem Jahr müssen die chinesischen Geldhäuser nun mit einem großen Volumen von fällig werdenden Krediten an die Provinzregierungen fertig werden. Doch die könnten wegen schwacher Einnahmen aus Landverkäufen in Zahlungsschwierigkeiten geraten, warnen bereits Analysten. Mit dem Verkauf von Grundstücken hatten sie lange und regelmäßig die Kassen gefüllt.

Die chinesischen Aufseher riechen bereits Lunte. Eminente Risiken stammten von Krediten an Provinzregierungen und solchen aus Schattenbanken, warnte der Chef der chinesischen Bankenaufsicht Shang Fulin in einem seiner seltenen Interviews mit dem Staatsfernsehen. Denn im Finanzsektor lauert noch ein weiteres Problem: Viele Investoren sorgen sich um den Zuwachs von Krediten außerhalb der Bilanzen. Mit solchen „Schattenbankaktivitäten“ umschiffen die Finanzinstitute vielfach die offiziellen Kreditlimits. Und halten so den Geldhahn für die Provinzregierungen und andere hochriskante Schuldner offen.

China ist führend bei Bankenrisiken

Die Kredite in Chinas Bankensystem schossen bis Ende 2012 innerhalb von nur vier Jahren um 126,5 Prozent auf 21 Billionen US-Dollar in die Höhe, hat die Ratingagentur Fitch ausgerechnet. Damit entwickelte sich Chinas Bankensektor zum am schnellsten wachsenden unter allen Schwellenländern. Das untergrub die Stabilität: Westliche Banken müssen als Lehre aus der Finanzkrise ihre Kredite ab 2019 mit mindestens sieben Prozent Eigenkapital absichern. In China sind die Finanzanlagen der Banken im Schnitt nur mit 6,5 Prozent Eigenkapital gedeckt. In allen 48 Schwellenländern sind es durchschnittlich 11,2 Prozent. Kaum ein anderer Bankensektor der Welt ist so wacklig finanziert wie der chinesische.

In ihrer Suche nach Kapitalquellen zieht es die vier chinesischen Großbanken immer mehr ins Ausland, nachdem sie früher vor allem auf Festlandchina bauten. Zwischen 50 und 100 Milliarden US-Dollar müssen sie nach einer Analyse von ChinaScope Financial durch die Neuausgabe von Aktien in den nächsten beiden Jahren erlösen, um ihre aktuellen Kapitalniveaus auch nur zu halten. Mit dem bisher größten Börsengang der Geschichte hatte die Agricultural Bank of China 2010 rund 23 Milliarden Dollar eingesammelt.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Chinas-Banken-brauchen-Milliarden-article11178931.html

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07.08.2013

China-Blase vor dem Platzen?

Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen, blähen sich Chinas Institute auf. Ökonomen fürchten eine Kreditkrise. Doch eine aktuelle Studie kommt zu einem anderen Schluss.

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Ist in China eine Kreditblase entstanden, die bald platzt und die chinesische Wirtschaft in eine jahrelange Krise stürzen könnte? Und ist China damit auch ein ernsthafter Risiko-Kandidat für die Weltkonjunktur? Experten verweisen darauf, dass die chinesischen Banken in den vergangenen Jahren ihre Kreditvergabe außerhalb ihrer Bilanzen massiv erhöht haben.

Ökonomen der Commerzbank sehen dennoch nicht die Gefahr des Platzens einer Schuldenblase. Anderslautende Stimmen stammten von Pessimisten, die zweifelhafte Messverfahren für die Verschuldung verwendeten, heißt es in einer Studie der Bank: „Dagegen deuten unsere Berechnungen nicht darauf hin, dass die Realwirtschaft in China viel zu stark verschuldet ist. China macht lediglich eine normale Wachstumsverlangsamung durch, die in der zweiten Jahreshälfte schrittweise auslaufen dürfte.“

Dessen ungeachtet steckt der Staat immer neue Milliarden in Prestigeprojekte, meist finanziert mit kurzfristigen Bankkrediten. Man will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung. Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen und faule Kredite in Bad Banks abgewickelt werden, blähen sich Chinas Geldhäuser weitgehend unkontrolliert auf. „Zehntausende kleine Regierungsbeamte und Manager in Staatsunternehmen können Investitionen ohne Überwachung tätigen“, sagt Ökonom Michael Pettis von der Peking-Universität.

Der Staat steht – offiziell – relativ schuldenfrei da. Dafür stecken alle Risiken in den Bilanzen der Banken. Pettis beziffert das ausstehende Kreditvolumen des chinesischen Bankensektors auf 180 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung Chinas. Hinzu kämen außerbilanzielle Kredite im Volumen von 100 Prozent des BIPs. Und im unregulierten Schattenbankensystem dürfte das Kreditvolumen 40 Prozent des BIPs betragen.

Damit werden die Geldhäuser zur gefährlichsten Engstelle für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Sie sollen der nach den USA größten Volkswirtschaft der Welt dienen, sind zugleich aber Befehlsempfänger der sozialistischen Zentralregierung. Die Kreditvergabe erfolgt ohne externe Kontrolle.

Problematisch scheint in diesem Zusammenhang auch die Verschuldung der Provinzen und Kommunen. „Die Verschuldung der lokalen Regierungen ist in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld gerückt und zu einer Quelle der Besorgnis geworden“, sagt Ding Shuang, Ökonom bei der Citigroup. Denn unstrittig ist, dass die Schulden auf lokaler Ebene in China in den vergangenen Jahren geradezu explosionsartig gestiegen sind. 2010 waren zuletzt Zahlen zur Verschuldung der Kommunen veröffentlicht worden. Damals lag sie bei 10,7 Billionen Yuan (rund 1,35 Billionen Euro nach heutigem Umrechnungskurs).

Eindeutige Angaben über den heutigen Schuldenstand existieren nicht. Yao Wei, Ökonomin bei der Société Générale, hat jedoch Schätzungen angestellt. „Wir haben im Frühjahr dieses Jahres geschätzt, dass sie innerhalb von zwei Jahren auf rund 17,5 Billionen Yuan gestiegen sind“, sagt sie. Bei der Citigroup rechnet man mit rund 16 Billionen Yuan.

Und das vor dem Hintergrund sinkender Wachstumsraten. Realistisch gesehen kann sich China nach Einschätzung von Experten nur noch ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent leisten – peilt jedoch für das laufende Jahr schon wieder mehr als acht Prozent an. Die Kreditsucht wirkt auch in China wirklichkeitsvergrößernd.

Der Teufelskreis aus sinkendem Wachstum und steigenden Schulden erscheint umso bedrohlicher, als China über die größten Kreditinstitute der Welt verfügt. Die Industrial & Commercial Bank of China ist mit einem Börsenwert von fast 186 Milliarden Euro das wertvollste Bankhaus auf dem Globus. Die Banken treiben das Wachstum fast im Alleingang – Finanzierungen über andere Institutionen sind bisher unterentwickelt.

Der Kredithunger ist so groß, dass sich Firmen immer öfter Kapital abseits der regulären Finanzinstitute holen müssen. Der Internationale Währungsfonds hat bereits im Oktober vergangenen Jahres gewarnt, dass der Boom dieser Schattenbanken die finanzielle Stabilität des Landes gefährdet und die Intransparenz des Systems erhöht.

Das sieht der Chefvolkswirts der DZ Bank, Stefan Bielmeier, ähnlich. Die Kreditvergabe in China sei in den letzten Jahren „sicherlich zu dynamisch“ und habe beispielsweise im Immobilienmarkt zu Übertreibungen beigetragen. „Die Versuche der Regierung diese dynamische Entwicklung zu Bremsen hat jedoch zu einem Ausweichen in den Schattenbankensektor geführt“, sagte Bielmeier Handelsblatt Online. Insgesamt also eine, wie er sagte, „eigentlich besorgniserregende Entwicklung“ im chinesischen Bankensektor. Bielmeier gibt allerdings auch zu bedenken, dass der chinesische Bankensektor über die staatseigenen Banken weitestgehend von der Regierung kontrolliert werde und die Regierung die notwendigen Finanzmittel hätte um eine mögliche Bankenkrise aufzufangen.

Daher dürfte der sehr dynamische Kreditzyklus sich nicht zu einer lang anhaltenden Banken- und Konjunkturkrise entwickeln“, ist Bielmeier überzeugt. „Die jüngste konjunkturelle Abschwächung ist aus meiner Sicht der Versuch der neuen Regierung, die konjunkturelle Entwicklung auf einen nachhaltigeren Pfad einschwenken zu lassen.“ Ein Effekt dieser Politik könne dann auch eine Abkühlung des Kreditwachstums sein.

Dass in in China eine Kreditblase entstanden ist, konstatiert auch der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Aber die Mechanismen dieser Wirtschaft seien immer noch andere als die westlicher Marktwirtschaften. „Da schon westliche Marktwirtschaften die Stabilität des Finanzsektors auch unter Staatseingriffen sicherstellen, gilt dies umso mehr für die chinesische Wirtschaft, die noch zur Hälfte in staatlicher Lenkung ist“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Insofern war die jüngste Liquiditätsverknappung durch die chinesische Zentralbank   eher als symbolischer Akt zu verstehen, dass die Kreditverwerfungen nun angegangen werden sollen.“ Das betreffe in den Teil des chinesischen Finanzsektors, der sich außerhalb der staatlichen Kontrolle im Wildwuchs entwickelt habe.

Die Commerzbank-Analysten ziehen unabhängig davon die Art, wie die Schulden Chinas gemessen werden, in Zweifel. So umfasse die häufig verwendete Statistik über die „Gesamtmittelaufnahme der Realwirtschaft“ in China nicht nur die Bankkredite, sondern auch andere Formen der Unternehmensfinanzierung, darunter die sogenannten Trust Loans: „Das sind Darlehen, die Investmentgesellschaften an Unternehmen vergeben, wobei die Mittel von wohlhabenden Privatleuten oder Unternehmen stammen, die nicht zufrieden sind mit den staatlich verordneten niedrigen Zinsen für Bankeinlagen.“ Zudem sei die Statistik über die Gesamtmittelaufnahme der Unternehmen irreführend, weil sie Tilgungen von Krediten nicht berücksichtige.

Damit stelle sich die Frage, wie die Verschuldung der Wirtschaft besser gemessen werden kann, um zu beurteilen, ob in China eine Kreditblase entstanden ist oder nicht. „Wir sind weiter der Auffassung, dass die ausstehenden Kredite der Banken im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt die Verschuldung der Wirtschaft angemessen wiedergeben“, schreiben die Commerzbanker. „Denn in einem Mindestreserve-System können nur Institute, die Einlagen verwalten, zusätzliche Kredite schaffen, Volkswirte sprechen von Kreditschöpfung. Kommt es in einer Volkswirtschaft zu einer breit angelegten Blase, geht das in der Regel einher mit einem starken Anstieg der Bankkredite, was sich meist auch in den Geldmengenaggregaten niederschlägt.“

Zwar räumen die Bankökonomen ein, dass die Kredite der Banken im Jahr 2012 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrugen und die Quote damit deutlich höher als zehn Jahre zuvor liegt. Doch sei dabei zu berücksichtigen, dass die Verschuldungsquote vor allem 2008/2009 gestiegen sei. „Dies war eine Folge des Konjunkturpakets der chinesischen Regierung, die die staatlichen Banken angewiesen hatte, die Kreditvergabe – vor allem an die Gebietskörperschaften – deutlich zu erhöhen, um die Konjunktur nach der Lehman-Pleite zu stabilisieren.“

Dies erklärt demnach auch die Zunahme der Unternehmensverschuldung. Schaue man alleine auf die Kreditvergabe der Banken, sei keine Übertreibung feststellbar. In den Jahren 2010 und 2011 sei die Schuldenquote stabil geblieben, 2012 sei sie ein wenig gestiegen. „Insgesamt sprechen die Daten nicht für eine Kreditblase“, betonen die Experten.

Sie glauben daher auch nicht, dass sich die derzeitige Wachstumsverlangsamung zu einer langen, durch einen Schuldenabbau ausgelösten Wirtschaftskrise auswachsen werde. „Vielmehr rechnen wir mit einer normalen Konjunkturverlangsamung, die von der Politik auch zum Teil beabsichtigt ist, um ökologische und soziale Probleme zu begrenzen.“

Nach Einschätzung von Dekabank-Chefökonom Kater steht China vor einer Änderung seines Geschäftsmodells, weg von der ausschließlichen Industrialisierung der bislang in der Agrarproduktion tätigen Beschäftigten, hin zu höherwertigen Produktionen, mit höheren Löhnen und einer entsprechen steigenden Binnennachfrage. „Das heißt aber auch, dass die niedrigsten Wachstumsfrüchte abgeerntet sind“, fügte der Volkswirt hinzu.  Das Wachstum dürfte in den kommenden Jahren nicht mehr regelmäßig zweistellig ausfallen. „Allerdings sind die Tage hoher Wachstumsraten in China noch lange nicht gezählt“, so Kater weiter.

China habe noch viel aufzuholen und werde dies auch weiterhin umsetzen. „Aber Entwicklungsprozesse verlaufen nicht gradlinig, sondern in Schüben“, gibt der Ökonom zu bedenken. „Für die kommenden Quartale können die Zuwachsraten auch unter sieben Prozent Jahresraten fallen, bevor die Wirtschaft wieder neue Fahrt aufnimmt.“

Dennoch: Die weltweite Furcht vor einer Kreditkrise in China kommt nicht von ungefähr. Sie war in den vergangenen Monaten sogar zunehmend gewachsen. Viele zogen schon Vergleiche mit den Kreditkrisen beispielsweise in Thailand 1997 oder in den USA 2008. Die Ratingagentur Fitch hatte daher im April bereits die Bonität chinesischer Staatsanleihen in Lokalwährung heruntergestuft – es war die erste Herabstufung in 14 Jahren.

Hinzu kamen akute Stresserscheinungen im Finanzsystem, wo Ende Juni zeitweise der Interbankenmarkt, an dem sich Banken untereinander Geld leihen, praktisch zusammenbrach.

Dass eine China-Blase platzt, davor fürchtet sich die Welt allerdings schon seit Jahren. Passiert ist nichts. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch passieren kann.

Mitarbeit: Finn Mayer-Kuckuck und Frank Sieren

http://www.handelsblatt.com/politik/international/ende-des-turbo-wachstums-china-blase-vor-dem-platzen/8602772.html

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29.07.2013

Peking hat Überblick über seine Schulden verloren

Chinas Regierung entsendet Bilanzprüfer in seine Regionen, um festzustellen, wie tief diese tatsächlich in den Schulden stecken. Mit einer Defizitgrenze soll die Haushaltsdisziplin erzwungen werden.

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Chinas Regierung kann der Weltöffentlichkeit mit erstaunlicher Schnelligkeit und Präzision alle drei Monate die genaue Höhe des Wirtschaftswachstums der zurückliegenden Periode mitteilen.

Gut zwei Wochen nach Ende eines Quartals veröffentlicht Peking stets die entsprechenden Zahlen, während Länder wie Deutschland oder die USA etliche Wochen mehr dafür brauchen. Man kann darüber nur staunen und seine Schlüsse ziehen.

Zumal Chinas Statistiker bei anderen Themen erstaunlich unwissend sind. Denn wie hoch die Volksrepublik beispielsweise verschuldet ist, das weiß in China niemand so genau. Dazu kursieren diverse Zahlen, und die Statistiker sind bei dieser Frage weder schnell noch präzise.

Die Regierung wisse nicht genau Bescheid, wie viele Schulden die örtlichen Verwaltungen angehäuft hätten, hatte erst kürzlich sogar Vize-Finanzminister Zhu Guangyao gesagt.

Staatsrat beauftragt den Rechnungshof

Doch dies soll sich nun ändern. Der Staatsrat, das höchste Regierungsorgan, hat daher nun den Rechnungshof beauftragt herauszufinden, wie hoch die Verschuldung der Provinzen und Kommunen ist. Das Projekt sei „dringend“, weshalb der Rechnungshof nach eigenen Angaben andere Arbeiten erst einmal zurückgestellt habe. Schon in Kürze werde er Mitarbeiter in die Provinzen und Städte entsenden, um Untersuchungen anzustellen, wie die Zeitung „People’s Daily“ berichtet.

„Die Verschuldung der lokalen Regierungen ist in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld gerückt und zu einer Quelle der Besorgnis geworden“, sagt Ding Shuang, Ökonom bei der Citigroup. Denn unstrittig ist, dass die Schulden auf lokaler Ebene in China in den vergangenen Jahren geradezu explosionsartig gestiegen sind.

2010 waren zuletzt Zahlen zur Verschuldung der Kommunen veröffentlicht worden. Damals lag sie bei 10,7 Billionen Yuan (rund 1,35 Billionen Euro nach heutigem Umrechnungskurs).

Wo sie heute liegen, weiß zwar niemand so genau. Yao Wei, Ökonomin bei der Société Générale, hat jedoch Schätzungen angestellt. „Wir haben im Frühjahr dieses Jahres geschätzt, dass sie innerhalb von zwei Jahren auf rund 17,5 Billionen Yuan gestiegen sind“, sagt sie. Bei der Citigroup rechnet man mit rund 16 Billionen Yuan.

Staatsbetriebe sind ebenfalls verschuldet

Chinas gesamte Wirtschaftsleistung betrug 2012 rund 52 Billionen Yuan, insofern scheint der Schuldenstand noch auf einem erträglichen Niveau zu sein. Auch wenn man die Schulden der Zentralregierung und des Eisenbahnministeriums einrechnet, ergibt sich ein Gesamtschuldenstand, der bei rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt. Die meisten europäischen Staaten sowie die USA haben bereits doppelt so hohe Schulden.

Das Problem ist jedoch, dass chinesische Unternehmen, von denen viele nach wie vor im Staatsbesitz sind, ebenfalls enorme Schulden in den Büchern haben. Und diese fallen letztlich ebenfalls auf die Regierung zurück. Besonders beunruhigend ist dabei, dass die Verschuldung der Unternehmen zuletzt rund doppelt so schnell wuchs wie die Wirtschaft.

Hinzu kommt, dass das gesamte Finanzsystem höchst intransparent ist. So weisen die großen Geschäftsbanken zwar offiziell nur sehr geringe Raten von ausgefallenen Krediten aus. Viele Kredite werden jedoch über Schattenbanken vergeben, die nur teilweise in den Bilanzen der Kreditinstitute auftauchen, oder sogar gleich über private illegale Banken, die Wucherzinsen verlangen. Daher dürfen die offiziellen Zahlen zu den faulen Krediten in den Büchern der Banken mit Fug und Recht angezweifelt werden.

Furcht vor einer Kreditkrise steigt

Vor diesem Hintergrund war in den vergangenen Monaten die weltweite Furcht vor einer Kreditkrise in China zunehmend gewachsen. Viele zogen schon Vergleiche mit den Kreditkrisen beispielsweise in Thailand 1997 oder in den USA 2008. Die Ratingagentur Fitch hatte daher im April bereits die Bonität chinesischer Staatsanleihen in Lokalwährung heruntergestuft – es war die erste Herabstufung in 14 Jahren. Hinzu kamen akute Stresserscheinungen im Finanzsystem, wo Ende Juni zeitweise der Interbankenmarkt, an dem sich Banken untereinander Geld leihen, praktisch zusammenbrach.

Die meisten Beobachter begrüßen daher nun die angekündigten Maßnahmen und sehen darin ein Zeichen, dass sich die Regierung der Probleme annimmt. Genau so wichtig wie die Schuldenerfassung ist aber eine mögliche weitere Maßnahme aus Peking. Denn Medienberichten zufolge soll die Neuverschuldung künftig auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt werden. Wei hält dies für ziemlich ambitioniert, denn seit Jahren liege das jährliche Defizit um die fünf Prozent.

Das Problem: Dies kommt ausgerechnet zu einer Zeit, da Chinas Wirtschaft ohnehin lahmt. Daher mag eine solche Begrenzung zwar durchaus sinnvoll sein und die langfristigen Risiken für Chinas Finanzsystem begrenzen. Unternehmen und Investoren sollten sich jedoch darauf einstellen, dass sich Chinas Wachstum kurzfristig erst einmal noch weiter abschwächt. Auch wenn dies nicht heißen muss, dass die offiziellen Wachstumszahlen dies zeigen werden.

http://www.welt.de/wirtschaft/article118496238/Peking-hat-Ueberblick-ueber-seine-Schulden-verloren.html

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14.03.2013

„In China tickt eine Zeitbombe“

In China blüht der graue Finanzmarkt. Ohne Aufsicht flossen 2012 Kredite in Höhe von zwei Billionen Euro. Banker warnen vor einer Kreditblase und riskanten Finanzprodukten, die wie Schneeballsysteme zusammenbrechen könnten.

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„Es gibt potenzielle Risiken im Finanzsektor“, sagte Chinas scheidender Ministerpräsident Wen Jiabao fast etwas beiläufig in seinem Rechenschaftsbericht vor dem Volkskongress in Peking. Eine krasse Untertreibung, wie Experten finden. „Hier tickt eine Zeitbombe“, warnt der Repräsentant eines Weltkonzerns mit Milliardeninvestitionen in China. „Das kann nicht gut gehen.“

Finanzfachleute ziehen erschreckende Parallelen zur Lage in den USA vor der Lehmann-Pleite 2008, als die Weltwirtschaft in die Finanzkrise gerissen wurde.

Auch ein Finanzkollaps in der zweitgrößten Volkswirtschaft könnte verheerende Folgen für die Weltkonjunktur haben. „Die Frage ist für uns nicht mehr länger, ob Chinas Kreditblase platzt, sondern wann und wie“, schreibt die Schweizer Bank Credit Suisse in einer Analyse. „Geldbeschaffung und Kreditaktivitäten der Schattenbanken sind überfrachtet mit Unregelmäßigkeiten“, heißt es. „Viele Produkte die gegenwärtig angeboten werden, gleichen den forderungsbesicherten Schuldverschreibungen (CDO), die in den USA vor der Finanzkrise abgeboten wurden – wenngleich ohne Aufsicht und Überwachung.“

Zum chinesischen Schattenbankenwesen werden boomende Treuhandfonds, dubiose Vermögensverwaltungen, Finanzierungsvehikel kommunaler Regierungen (LGFV) und Untergrundbanken gezählt. Credit Suisse schätzt den Umfang der informellen Kreditvergabe im vergangenen Jahr auf gigantische 22,8 Billionen Yuan, umgerechnet 2,8 Billionen Euro, oder 44 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas. Das sind ein Viertel aller ausstehenden Darlehen und die Hälfte aller neuen Kredite, die im vergangenen Jahr vergeben worden sind.

Treuhandfonds verwalten allein 7,5 Bill. Yuan – achtmal mehr als vor fünf Jahren. Im November lösten sie den Versicherungssektor als größten Teilbereich ab. Banken benutzen die Fonds wie ausgelagerte Kreditabteilung und schleusen Kapital an Büchern und offiziellen Quoten vorbei. Auch Lokalregierungen, die bei Banken leer ausgehen, wenden sich an Treuhandfonds. Ihren Anlegern wiederum bieten die Fonds attraktive Vermögensverwaltungen mit hohen Zinsen an.

Garantien für die Luft

Die Produkte sollen durch Investitionen und Kredite abgesichert sein. „Aber wer was garantiert, weiß hier kaum noch jemand“, heißt es. Die Risiken seien wie bei der Finanzkrise in den USA nicht zu überschauen. Der Chef der Bank of China, Xiao Gang, spricht schon länger von einem „Ponzi Scheme“ – einem Schneeballsystem oder Pyramidenspiel, das leicht zusammenbrechen kann. „Unter bestimmten Bedingungen kann die Musik aufhören, wenn Investoren das Vertrauen verlieren“, zitiert ihn die Tageszeitung „China Daily“.

Er sorgt sich, dass Probleme der Schattenbanken das reguläre Bankensystem infizieren und eine Kreditklemme auslösen könnten, wie sie die USA 2008 in die Knie gezwungen habe. Es könne zu einer „Liquiditätskrise“ kommen, wenn die Märkte unter Druck gerieten. Die Blase könnte laut Ökonomen schon durch wachsende Inflation platzen, wenn Zinserhöhungen notwendig werden. Alarmiert über den unerwartet starken Preisschub im Februar machte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan am Donnerstag deutlich, im Notfall den Geldhahn zudrehen zu wollen.

Höhere Zinsen könnten Kapitalflüsse in den Anlage- und Vermögensverwaltungsmarkt austrocknen und Pleiten auslösen, malt die Credit Suisse ein Horrorszenario an die Wand. Müssten reguläre Banken zu Hilfe kommen, wäre Darlehensknappheit die Folge. Die Kreditklemme hätte verheerende Auswirkungen auf den überhitzten Immobilienmarkt und die kommunalen Schulden. „Faule Kredite würden stark ansteigen.“

Ein Weckruf war bereits 2012 die Krise im Untergrundbankensystem in Wenzhou in der Provinz Zhejiang. In der Boomregion sind viele private Unternehmen vom informellen Kreditmarkt abhängig – einem undurchsichtigen Geflecht von Unternehmen, Investoren, illegalen Geldverleihern oder skrupellosen Kredithaien. Damals hatte der Rückgang im Exportwachstums die Blase am Kreditmarkt platzen lassen, so dass die Regierung große Banken zur Hilfe rufen musste.

http://www.format.at/articles/1311/931/354720/in-china-zeitbombe

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05.03.2012

Chinas Haushalt gerät in bedrohliche Schieflage

Die Weltwirtschaftskrise erreicht China. Der Haushalt der Volksrepublik rutscht ins Minus, die Inflation steigt und die Wirtschaft wächst langsamer.

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Die Weltwirtschaftskrise setzt die chinesischen Staatsfinanzen unter Druck. Bei der Vorlage des Haushalts zum Auftakt des Volkskongresses in Peking warnte das Finanzministerium vor „bedeutenden Ungleichgewichten zwischen Einnahmen und Ausgaben“. Hatte sich die Finanzlage im vergangenen Jahr noch besser als erwartet entwickelt, sehe sich China 2012 einer „schwierigen Lage“ gegenüber, heißt es in dem Bericht für die 3000 Delegierten.

In der globalen Wirtschaftslage gebe es viele Unsicherheiten. Auch wachse China nur noch langsamer, wird auf die Vorgabe von Regierungschef Wen Jiabao von 7,5 Prozent Wachstum verwiesen. Im Vorjahr war die Wirtschaft noch um 9,2 Prozent gewachsen. China müsse ein Gleichgewicht zwischen Wachstum, Umstrukturierung der Wirtschaft und Kontrolle der Inflation finden. Die Finanzpolitik müsse „gezielter, flexibler und vorausschauender“ gestaltet werden.

Experten gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum auch dieses Jahr mit 8,0 oder 8,5 Prozent die Zielmarke übertrifft. Allerdings leidet die exportorientierte chinesische Wirtschaft derzeit unter der lahmenden Nachfrage in der EU und den USA .

Das Defizit im Staatshaushalt werde 800 Milliarden Yuan, heute 96 Milliarden Euro, oder 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Im Vorjahr hatte es laut Experten bei 1,8 Prozent gelegen. Die Einnahmen der zentralen und lokalen Haushalte sollen um 9,5 Prozent auf 11,36 Billionen Yuan (1,36 Billionen Euro) steigen. Dagegen werden aber die Ausgaben deutlich stärker um 14,1 Prozent auf 12,43 Billionen Yuan (1,49 Billionen Euro) zulegen.

Wen Jiabao rief auch zur Ankurbelung des Inlandsverbrauchs auf. Er versprach größere Anstrengungen der Regierung bei der sozialen Sicherheit, Beschäftigung und dem sozialen Wohnungsbau .

Die Regierung strebe wie bereits im vergangenen Jahr eine Inflationsrate von vier Prozent an. Tatsächlich hatten sich die Verbraucherpreise 2011 um 5,4 Prozent erhöht. Dank einer restriktiven Geldpolitik war es der Regierung jedoch gelungen, die Inflation im Laufe des zweiten Halbjahrs um mehrere Prozentpunkte zu senken.

http://www.welt.de/wirtschaft/article13903376/Chinas-Haushalt-geraet-in-bedrohliche-Schieflage.html

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