Wie aus Pharma-Pferden Schlachttiere wurden

19.12.2013

Französische Justiz leitet Ermittlungen ein

Die französische Justiz nimmt ermittelt nun im Pferdefleischskandal. Betroffen sind ein Großhändler und neun mutmaßliche Komplizen. Bei den Ermittlungen geht es bisher um 200 Pferde aus Laboren von Pharmaunternehmen.

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Im Skandal um den mutmaßlichen Handel mit Pferdefleisch aus Pharmalaboren hat die Staatsanwaltschaft in der südfranzösischen Stadt Marseille Ermittlungsverfahren gegen zehn Verdächtigte eingeleitet. Betroffen sind nach Angaben eines Justizsprechers vom Donnerstag ein 59 Jahre alter Fleischgroßhändler, dessen Frau und Sohn, sechs Pferdehändler und ein Informatiker. Ihnen wird unter anderem Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen.

Elf andere Verdächtigte, die am Montag bei einer großangelegten Polizeirazzia in verschiedenen Städten in Südfrankreich festgenommen worden waren, sollen in Kürze erneut vernommen werden. Unter ihnen sind auch vier Tierärzte, die laut Staatsanwaltschaft ohne vorherige Untersuchung der Pferde deren Eignung zum Verzehr bescheinigt hatten.

Bei den Ermittlungen geht es bisher um rund 200 Pferde aus Laboren von Pharmaunternehmen – darunter 60 vom französischen Sanofi-Konzern – oder von Reitställen, die seit Mai 2011 entgegen der geltenden Vorschriften in den Fleischhandel kamen. Der Marseiller Oberstaatsanwalt Brice Robin schließt aber nicht aus, dass der schwunghafte Handel weit umfangreicher war. Die Ermittlungen seien erst „ganz am Anfang“.

Die Pferde aus Pharmalaboren waren Versuchstiere oder ihnen wurde Blut für die Herstellung von Impfstoffen entnommen. Tiere aus Versuchslaboren dürften grundsätzlich nicht in die Lebensmittelkette gelangen, teilte das Pariser Landwirtschaftsministerium mit.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge war der Fleischgroßhändler aus dem südfranzösischen Narbonne der Drahtzieher. Ihm wird vorgeworfen, nicht zum Verzehr bestimmte Pferde billig gekauft und mit Hilfe von Komplizen in den Handel gebracht zu haben.

Der Fall ist ein erneuter schwerer Schlag für die französische Pferdefleischbranche. Die südfranzösische Firma Spanghero hatte zum Jahresbeginn im Zentrum eines europaweiten Pferdefleisch-Skandals gestanden. Das Unternehmen hatte als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch verkauft, das in Tiefkühl- und Fertiggerichten in zahlreichen europäischen Ländern, darunter in Deutschland, in den Handel kam.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/-pferdefleischskandal-franzoesische-justiz-leitet-ermittlungen-ein-/9245274.html

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16.12.2013

Wie aus Pharma-Pferden Schlachttiere wurden

Sanofi benutzt Pferde als Lieferant für Antikörper. Fälscher manipulierten deren Papiere und machten sie zu Schlachttieren. Eine unappetitliche Geschichte aus der Welt der Pharmaindustrie.

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Frankreich wird von einem neuen Pferdefleischskandal erschüttert. Von der Pharmaindustrie zur Produktion von Medikamenten verwendete Tiere sollen nach ihrem Verkauf illegal für die Lebensmittelproduktion geschlachtet worden sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fälschte ein Betrügerring dafür in mehr als Hundert Fällen Papiere.

Der neben anderen Unternehmen von dem Skandal betroffene Pharmariese Sanofi wusste davon offensichtlich nichts. Er hält die Pferde, um aus deren Blut Antikörper gegen Krankheiten wie Tollwut oder Tetanus zu gewinnen. Die Tiere werden dafür mit sogenannten Antigenen geimpft.

Auf ein konkretes Gesundheitsrisiko für Verbraucher gab es zunächst keine Hinweise. Nur weil Fleisch nicht für den Verzehr zugelassen sei, sei es noch nicht schädlich, sagte Staatsanwalt Brice Robin bei einer Pressekonferenz in Marseille. Es gebe keinen Beweis für Gefahren. Nach Angaben der Ermittler dürften neben Tieren aus der Pharmaindustrie auch ausgemusterte Pferde aus Reitställen illegal in Metzgereien gelandet sein.

Bestimmte Medikamente machen Pferde als Nahrungsmittel unbrauchbar

Sie dürfen zum Beispiel dann nicht in die Nahrungskette gelangen, wenn sie vorher bestimmte Medikamente bekommen haben. Noch unklar ist, ob zum Verzehr ungeeignetes Fleisch auch nach Deutschland gelangte. Nach Angaben der Justiz wurden Pferde mit gefälschten Papieren in mehrere europäische Staaten verkauft.

Kurz vor der Veröffentlichung des Skandals hatten die Ermittler eine Großrazzia in elf Départements im Süden des Landes gestartet. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten Unternehmen und nahmen 21 Verdächtige fest. Unter ihnen waren auch der mutmaßliche Drahtzieher des Betrugs und mehrere Tierärzte, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Es gehe diesmal nicht um als Rind deklariertes Pferdefleisch, betonte Verbraucherminister Benoît Hamon in Bezug auf den europaweiten Pferdefleischskandal Anfang des Jahres.

Der französische Pharmakonzern Sanofi bestätigte, dass er mit den Ermittlern kooperiere. Nach eigenen Angaben hat sein Tochterunternehmen Sanofi Pasteur in den vergangenen drei Jahren rund 200 Tiere weiterverkauft, die zuvor zur Herstellung von Antikörpern gegen Tollwut und Tetanus sowie von Gegengiften genutzt worden waren. Die Pferde seien nicht für Tierversuche verwendet worden, betonte Sanofi. Dennoch dürften sie aus Vorsichtsmaßnahmen nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen und würden dementsprechend gekennzeichnet.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die beteiligten Händler für den Betrug im großen Stil Dokumente fälschten. Die Justizbehörden hatten ihre Arbeit nach einem anonymen Hinweis aufgenommen. Sanofi will sich als Nebenkläger an dem Justizverfahren gegen die Betrügerbande beteiligen.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/3998286/wie-aus-pharma-pferden-schlachttiere-wurden.html

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