Was Banken alles manipulieren – eine Chronik

13.11.2014

Devisen-Skandal: Schweiz leitet Strafverfahren gegen Banker ein

Die Schweiz hat Ermittlungen gegen Banker eingeleitet, denen die Manipulation von Devisen vorgeworfen wird. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, mehrere Strafuntersuchungen gegen Einzelpersonen eröffnet zu haben. Die Verfahren richteten sich allerdings nur gegen die Mitarbeiter, nicht gegen Banken an sich.

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Im Skandal um manipulierte Devisenkurse drohen den beteiligten Bankern in der Schweiz neben Berufsverboten auch strafrechtliche Konsequenzen. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte am Donnerstag, mehrere Strafuntersuchungen gegen Einzelpersonen eröffnet zu haben. Die Schweiz ist damit nach England und den USA das dritte Land, das diesen Weg beschreitet. Die Verfahren richteten sich nicht gegen Banken. Die Ermittler verdächtigen die Banker der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Verletzungen des Berufsgeheimnisses. Werden sie angeklagt und schuldig gesprochen, drohen ihnen Bußen oder Gefängnisstrafen.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft stehe mit anderen Behörden in Kontakt und habe vor allem mit der Finanzmarktaufsicht Finma Erkenntnisse zu den Ermittlungen ausgetauscht. Die Finma verdonnerte die UBS am Vortag zur Zahlung von 134 Millionen Franken. Die Händler der Bank hätten an Devisenkursen geschraubt und damit praktisch ohne Risiko Gewinne eingestrichen, die auf Kosten der Kunden gingen. Finma-Chef Mark Branson sprach von schwersten Fall in der Geschichte der Behörde. Nachdem die Untersuchung der Finma gegen die UBS damit abgeschlossen ist, müssen elf ehemalige und gegenwärtige Mitarbeiter der Bank weiter zittern. Die Schweizer Aufseher wollen „bis auf die höchste Ebene des Devisengeschäfts der Investmentbank“ untersuchen, inwieweit die Verantwortlichen Bescheid wussten. Im schlimmsten Fall müssen diese mit einem Berufsverbot rechnen.

UBS und die Konkurrenten Royal Bank of Scotland, HSBC , JP Morgan, Citigroup und Bank of America müssen an die Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und der Schweiz insgesamt 4,3 Milliarden Dollar zahlen. Nicht Teil des Vergleichs ist die Deutsche Bank , die zu den größten Devisenhändlern der Welt zählt. Das Institut argumentiert, in der Devisenaffäre nach bisherigem Kenntnisstand nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben.

Die am Mittwoch bekannt gegebenen Vergleiche sind nach Einschätzung von Experten möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Insbesondere die noch laufenden Verfahren des US-Justizministeriums und der New Yorker Bankenaufsicht könnten für die Banken teuer werden.

Die Rechtsverfahren sind aber nicht die einzige Konsequenz, mit der die Banken im Devisenskandal noch rechnen müssen. Schweizer Politiker nehmen die Verfehlungen zum Anlass, weitere Beschränkungen zu fordern. So fassen die Sozialdemokraten in der Schweiz Parlaments-Vorstöße ins Auge, um die Banker-Boni und den Eigenhandel weiter zu begrenzen. „Die Untersuchungen der Regulatoren bestätigen, wieviel kriminelle Energie in dieser Branche vorhanden ist“, sagte die Abgeordnete Susanne Leutenegger-Oberholzer. „Das bestätigt, dass die Anreizmechanismen völlig falsch sind.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/13/devisen-skandal-schweiz-leitet-strafverfahren-gegen-banker-ein/

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12.11.2014

Milliarden-Strafen für fünf Großbanken im Devisen-Skandal 

Fremdwährungen, Zinsen, Goldpreise: Im Skandal um manipulierte Devisenkurse sind erste Strafen gegen Großbanken verhängt worden. Insgesamt 2,7 Milliarden Euro müssen sie zahlen, allen voran die Schweizer UBS.

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Im Skandal um manipulierte Devisenkurse sind erste Strafen gegen Großbanken verhängt worden. In Großbritannien, der Schweiz und den Vereinigten Staaten brummten die Aufsichtsbehörden fünf Banken Strafen in Höhe von insgesamt knapp 3,4 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) auf. Dies geht aus am Mittwoch in London, New York und Zürich veröffentlichten Mitteilungen der jeweiligen Aufsichtsbehörden hervor. 

Betroffen sind Citigroup HSBC ,JPMorgan , die Royal Bank of Scotland  (RBS) und die UBS . Die Strafe für die fünf Institute in dem Devisen-Skandal hatte sich angedeutet, da sie zuletzt bereits Vorkehrungen dafür getroffen hatten und sich zum Beispiel mit Rückstellungen dafür gerüstet hatten.

Schweizer UBS blutet am meisten

Die höchste Zahlung muss die Schweizer UBS mit insgesamt 799 Millionen Dollar leisten. Dahinter reihen sich Citigroup (668 Millionen Dollar), JPMorgan (662 Millionen Dollar), RBS (634 Millionen Dollar) und HSBC (618 Millionen Dollar) ein.  

Mit 1,77 Milliarden Dollar verhängte die britische Aufsichtsbehörde FCA den größten Teil der Strafe. 1,475 Milliarden Dollar gehen auf das Konto der US-Aufsichtsbehörde CFTC – von der Schweizer Finma kommen 138 Millionen Dollar dazu. 

Ermittlungen auch gegen Deutsche Bank

Gegen dieDeutsche Bank wird ebenfalls wegen der Manipulation von Devisenkursen ermittelt. Sie konnte sich allerdings noch nicht mit den Behörden einigen, hat aber bereits ihre Rückstellungen für offene Rechtsstreitigkeiten auf rund drei Milliarden Euro erhöht. Bei der größten deutschen Bank steht auch noch eine Einigung mit einigen Behörden zum Thema Manipulation von Referenzzinsen wie Libor aus – zum Teil hat dieDeutsche Bankdafür bereits bezahlt. 

http://www.focus.de/finanzen/banken/tricks-der-banken-milliarden-strafen-fuer-fuenf-grossbanken-im-devisen-skandal_id_4267834.html

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24.07.2014

„Keiner wusste so richtig, was diese Händler taten“

Die sogenannten Cum-Ex-Deals gehören zu den größten Steuerskandalen der deutschen Geschichte. Vor allem der Ruf der HypoVereinsbank leidet darunter – denn auch die Aufklärung gelingt ihr nicht.

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Die Händler waren offenbar hin- und hergerissen. Sie wussten selbst nicht, ob das, was sie da taten, nun funktionieren würde oder nicht. „Sie müssen sich mein Gefühlsleben vorstellen. Wir hatten schon 2006 ordentlich Stress mit den Transaktionen und den Dividendenzahlungen.

Dann wurden wir Anfang des Jahres gelobt und haben dann auch grünes Licht bekommen“, gab ein Münchner Aktienhändler der HypoVereinsbank bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt im August vergangenen Jahres zu Protokoll. Doch im Frühjahr 2007 drehte sich die Sache erneut.

„Da hat jeden Tag das Telefon geklingelt, es fand reger E-Mail-Verkehr statt, und wir standen total unter Druck und konnten nichts daran ändern.“ Denn die entscheidende Steuergutschrift, die die Deals für den Kunden und die Bank selbst zur Goldgrube machen sollte, fehlte.

Zwei Gutschriften, aber nur eine Rückzahlung

Der Kunde – das war der mittlerweile verstorbene Berliner Immobilienunternehmer und Milliardär Rafael Roth. Die Deals – das waren sogenannte Cum-Ex-Aktiengeschäfte, mit denen Banken und Investoren den deutschen Fiskus laut Schätzungen der Finanzverwaltung um einen zweistelligen Milliardenbetrag brachten.

Der Trick funktionierte so: Aktien wurden rund um den Dividendenstichtag schnell hintereinander gekauft und wieder verkauft, um das Finanzamt zu verwirren. Der Investor machte sich die Trägheit des Abwicklungssystems für Wertpapiergeschäfte zunutze, sodass es zur Ausstellung von zwei Steuergutschriften kommt, obgleich nur ein Mal Steuern gezahlt wurden.

Etwa ein Jahrzehnt schaute das Bundesfinanzministerium trotz mehrfacher Warnungen dem Treiben tatenlos zu. Geschlossen wurde das Schlupfloch erst 2012. Doch da war schon viel Geld für den Staat verloren. Schätzungen aus der Finanzverwaltung zufolge hatten Investoren bis dahin einen zweistelligen Milliardenbetrag vom Fiskus eingesammelt.

Nachdem der Finanzverwaltung dämmerte, wie viel Geld dem Fiskus durch die Lappen gegangen war, behielt sie das Geld aus der Kapitalertragsteuer zurück und zahlte es nicht mehr aus. Investoren und Banken wehren sich dagegen. Insgesamt sind bei den Finanzbehörden etwa 50 Verfahren anhängig.

HVB zahlt fast 100 Millionen Euro für Anwälte

Bei den Geschäften, die die HVB für Roth von 2006 bis 2008 abwickelte, ging von Anfang an vieles schief. Aktien wurden zu spät geliefert, es gab Probleme bei der Ausstellung der Steuerbescheinigungen. 2009 wurde dann das Finanzamt Wiesbaden auf die Tricksereien von Roth aufmerksam und forderte 2011 nachträglich rund 120 Millionen Euro zurück.

Denn der Staat, der jahrelang dem Spiel der Banken zugeschaut hatte, begann sich zu wehren. Ob die Geschäfte tatsächlich illegal waren oder die Politik nur versäumte, die Gesetzeslücke gründlich zu stopfen, damit beschäftigt sich derzeit der Bundesfinanzhof. Für September wird das schriftliche Urteil in einem ersten Fall erwartet.

Bis dahin schwebt die oft gestellte Frage über Roth und HVB: Wer zahlt? Die Bank oder der Kunde? Das Geldhaus übernahm zwar den größten Teil der Steuerschuld, sah sich aber nicht in der Haftung – und verklagte deswegen Roth und seine Berater. Jetzt soll es einen letzten Schlichtungsversuch geben. Ein für den Donnerstag angesetzter Prozesstermin sei „wegen Vergleichsbemühungen auf Antrag beider Parteien“ verlegt worden, sagte ein Sprecher des Frankfurter Landesgerichts. Die HVB und Roths Erben haben nun gut einen Monat Zeit, um sich zu einigen. Ansonsten entscheiden die Richter.

Für die HVB geht es dabei um mehr als die vielen Millionen Euro. Ihre Glaubwürdigkeit hat kräftig gelitten. Ihr Name ist eng verknüpft mit einem der spektakulärsten Steuerskandale der vergangenen Jahre, und alle Versuche, den Sumpf endlich trockenzulegen, bringen weitere Ungereimtheiten ans Tageslicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Mitarbeiter des Instituts. Knapp 100 Millionen Euro gab die Bank wohl mittlerweile für die interne Aufarbeitung des Skandals aus – und die Kosten steigen weiter.

Auch HVB-Chef Weimer steht in der Kritik

Als das Wiesbadener Finanzamt 2009 bei einer Betriebsprüfung Roths Anlagegesellschaft Rajon auffiel, kam schnell heraus, dass Mitarbeiter der HVB in die Steuergeschäfte des Milliardärs verwickelt waren. Trotzdem unternahm die Bank erst mal nichts. Erst im Frühjahr 2011, nachdem das Finanzamt die Steuern von Roth zurückforderte und die HVB zahlen musste, kam Bewegung in das Institut.

Im Herbst 2011 beauftragten Aufsichtsrat und Vorstand der Konzernmutter UniCredit die international renommierte Anwaltskanzlei Skadden, die Vorgänge in der Bank aufzuklären. Dabei soll es internen Widerstand vonseiten der Rechtsabteilung gegeben haben. Auch der Vorstandsvorsitzende Theodor Weimer soll angeblich in den ersten Monaten versäumt haben, stärker durchzugreifen, heißt es von Kritikern der Bank.

Eine HVB-Sprecherin sagte: „Der Vorstand der Hypovereinsbank hat bereits nach ersten Hinweisen auf möglichen Klärungsbedarf im Jahr 2011 selbst eine eingehende interne Prüfung eingeleitet. Die Bank hat hierüber auch proaktiv und umfassend die Finanzbehörden informiert, sowohl hinsichtlich des Kundengeschäfts als auch des Eigenhandelsgeschäfts.“

Interne Untersuchungen sorgen für Erklärungsnot

Roth und seinen Beratern warf die HVB Betrug vor, weil sie diese, gutgläubig und ahnungslos, zur Durchführung von möglicherweise rechtswidrigen Aktiengeschäften verführt hätten. Das geht aus einem Schriftsatz hervor, der der „Welt“ vorliegt.

Bis dato hatte die HVB Schaden von ihrer Reputation abgewendet. Doch was die Untersuchungen von Skadden aufdeckten, brachte das Institut ernsthaft in Erklärungsnot. So haben Londoner Händler der Bank sehr frühzeitig und eigenständig Cum-Ex-Deals auf eigene Rechnung betrieben. Insgesamt geht es für die Jahre 2005 bis 2008 im Eigenhandel um ein Kapitalertragsteuervolumen von 273 Millionen Euro.

Ein mehr als doppelt so hohes Volumen wie bei den missglückten Roth-Geschäften. „Die Londoner Händler aus der Derivate-Abteilung waren völlig außer Kontrolle. Keiner wusste so richtig, was sie taten. Trades wurden zu spät, falsch oder gar nicht angegeben, um die Risikosysteme der Bank auszutricksen“, behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank.

Zudem belegen Powerpoint-Präsentationen aus den Jahren 2006, 2007 und 2008, dass die Bank versuchte, neben Roth auch andere Kunden für die Steuertricksereien zu begeistern. Aus einer Mail vom 6. Juni 2007 geht hervor, dass auch ein Testgeschäft für einen Kunden in Kopenhagen geplant war.

Der Richter zeigt sich fassungslos

„Die interne Untersuchung und die externen Ermittlungsverfahren dauern an. Wir bitten um Verständnis, dass wir vor diesem Hintergrund derzeit keine Einzelfragen beantworten können. Mit einer finalen Bewertung der Ergebnisse der internen Untersuchung ist im Laufe des dritten Quartals 2014 zu rechnen“, sagte eine Sprecherin der HVB.

Das Institut ruderte in seinen Vorwürfen gegen Roth zurück, die Klage fallen ließ es aber nicht: Kurz vor Ende der Verjährungsfrist reichte die HVB am 23. Mai dieses Jahres einen Schriftsatz ein.

Auszüge daraus liegen der „Welt“ vor, in denen es heißt, dass der Sachvortrag in der Klageschrift ersetzt werde, soweit nicht ausdrücklich auf den dortigen Vortrag verwiesen werde. Dieser ist dem Vernehmen nach deutlich schwächer. Aus einem anderen Schriftsatz, welcher der „Welt“ vorliegt, geht hervor, dass die HVB Roths Beratern weiterhin Fehlverhalten vorwirft.

Bei dem Vorsitzenden Richter des Frankfurter Landgericht, Valentin Reiter, löste dies Fassungslosigkeit aus: „Ich bin ein Freund von Eigenverantwortung. Und ich halte es für ungewöhnlich, wenn eine Bank von ihrem Kunden beraten werden soll“, so Reiter. „Da müssen sie mir schon einiges beibringen, damit ich erkenne, dass diese Ausnahme nun gelten soll“, fügte er nach einer kurzen Atempause hinzu.

Zwischen Roth und HVB deutet sich ein Vergleich an

Doch auch Roths Erben haben in dem Streit schlechte Karten. Zwar behaupten dessen Anwälte, dass Roth, der als knallharter Geschäftsmann galt und auf jeden Cent achtete, wohl geglaubt habe, dass die Geschäfte steuerlich unbedenklich seien. Dies ginge auch aus der Präsentation hervor, die die Bank dem Kunden vor Vertragsabschluss gezeigt habe.

Richter Reiter hatte mit ihm allerdings wenig Mitleid: Der Kunde habe die Bank unmissverständlich mit den Geschäften schriftlich beauftragt. „Wenn ich einen Auftrag erteile, gehe ich davon aus, dass das vollständig und richtig ist – zumal wenn man gleichzeitig erklärt, dass man juristisch beraten ist und weiß, was man tut“, sagte Richter Reiter. Wenn der Kunde einen schlechten Auftrag erteile, sei das sein eigenes Verschulden. Nun müsse er auch für die steuerlichen Folgen geradestehen.

Für die Anwälte ist schon jetzt klar: Egal, wie der Fall ausgeht, wird er dann bei der nächsten Instanz, womöglich sogar beim Bundesgerichtshof, enden und könnte sich über Jahre hinziehen. Allerdings deutet sich nun ein Vergleich an. Entsprechende Anträge zur Verschiebung des Termins am Donnerstag wurden bereits gestellt, teilte das Landgericht Frankfurt der „Welt“ mit.

Ex-Steuerchef Tibo teilt kräftig aus

Ruhe wird bei der HVB auch im Falle eines Vergleichs nicht einkehren. Denn der Vorstand der Bank gerät immer stärker unter Druck. Nach seinem Rausschmiss aus der HVB attackierte Steuerchef Frank Tibo die Institutsführung scharf.

So will er schon frühzeitig auf mögliche Risiken im Eigenhandel hingewiesen haben. Bestimmte Geschäfte habe Tibo nach eigener Darstellung sogar verboten, dennoch seien sie durchgeführt wurden. Angeblich sollte der damalige Finanzvorstand der HVB, Rolf Friedhofen, der Steuerabteilung Transparenz über die Handelsstrategien der Londoner Händler verschaffen. Doch eine Aufklärung der vergangenen Geschäfte erfolgte nicht.

Schwere Vorwürfe macht Tibo auch der Rechtsabteilung des Geldhauses , die vor allem für den Roth Fall zuständig war. Die Verantwortlichen dort hätten mehrmals und „nachhaltig versucht, Fehlverhalten seit 2006 im Zusammenhang mit den umstrittenen Cum-Ex-Geschäften zu vertuschen“, heißt es in einem Schreiben Tibos an Betriebs- und Aufsichtsräte der HVB, das dem Branchendienst Juve vorliegt.

„Der Bereich Steuern wurde daran gehindert, Einzelheiten an die Finanzverwaltung zu geben und damit den gesetzlichen Vorgaben nachzukommen“, schreibt der ehemalige Mitarbeiter der HVB, der sich derzeit in drei Arbeitsrechtsprozessen mit der Bank streitet.

Streit und Ärger – sie sind das schwierige HVB-Erbe der unrühmlichen Cum-Ex-Vergangenheit.

http://www.welt.de/wirtschaft/article130497516/Keiner-wusste-so-richtig-was-diese-Haendler-taten.html

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24.05.2014

Anklage: US-Banken haben Zinkpreis manipuliert

Goldman Sachs, JPMorgan und die Metallhandelsbörse in London manipulieren seit vier Jahren die Zinkpreise, so der Vorwurf der Anklage. Die Preise für Zink sind wie die für Aluminium in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

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US-Großbanken müssen sich wegen weiterer umstrittener Geschäfte mit Metallen verantworten. Der Konzern Duncan Galvanizing wirft Goldman Sachs, JPMorgan Chase, dem Rohstoffhändler Glencore sowie der Londoner Metallhandelsbörse LME vor, Zinkpreise manipuliert zu haben. Seit 2010 hätten die Firmen die Preise künstlich aufgebläht.

JPMorgan und Glencore wollten sich zu den Anschuldigungen nicht äußern. Die LME, die ein weltweites Netz von Lagerhäusern verwaltet, antwortete auf eine Anfrage zur Stellungnahme zunächst nicht. Goldman Sachs kündigte an, gegen die Klage vorzugehen.

Die Zinkpreise seien über verschiedene Wege in die Höhe getrieben worden, hieß es in der Klageschrift einer der ältesten Verzinkungsfirmen der USA. Zink wird auf Stahl aufgetragen, um Korrosion zu vermeiden. So würden Wartezeiten künstlich verlängert, um höhere Preise zu erzielen. Aus diesem Grund sei Zink auch unnötig von Lager zu Lager transportiert worden. Die Preise für Zink sind wie die für Aluminium in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auch bei dem Leichtmetall sind Verfahren gegen US-Großbanken, darunter JPMorgan und Goldman Sachs, anhängig. 26 Einzelklagen wegen der Manipulation von Aluminiumpreisen in den USA wurden zu einer Sammelklage zusammengefasst (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/24/anklage-us-banken-haben-zinkpreis-manipuliert/

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23.05.2014

Barclays muss für Goldpreis-Manipulation blechen

Die britische Barclays wird als erste Großbank für die Goldpreis-Manipulation bestraft. Zuletzt hatte die Bank bereits eine Zahlung für die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor aufgebrummt bekommen.

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Die britische Barclays muss als erste Großbank für die Manipulation des Goldpreises eine Strafe zahlen. Die Buße für mangelhafte interne Kontrollen belaufe sich auf 26 Millionen Pfund (gut 32 Millionen Euro), wie die nationale Finanzaufsicht FCA am Freitag mitteilte. Verfehlungen habe es zwar von 2004 bis 2013 gegeben.

Bestraft worden sei aber vor allem das Vorgehen eines Händlers Ende Juni 2012. Besonders brisant ist, dass die skandalreiche Bank nur einen Tag vor dem Vorfall als erstes Institut weltweit eine Strafe wegen der Manipulation des Interbanken-Zinses Libor aufgebrummt bekommen hatte.

Obwohl auch die Aufseher in Deutschland und in den USA das Goldpreis-Fixing gerade genauer anschauen, handelt es sich einem Insider zufolge um einen Einzelfall, der nicht Teil einer größeren Überprüfung von Banken sei. Für Barclays-Chef Antony Jenkins ist es gleichwohl ein Rückschritt bei den Bemühungen, die Vergangenheit mit zahlreichen Skandalen hinter sich zu lassen. Er hatte der Bank bei seinem Antritt im August 2012 einen Kulturwandel verordnet, um sie wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Das Institut bedauere den Vorfall und nehme ihn zum Anlass, die internen Kontrollen weiter zu verbessern, erklärte Jenkins.

Im konkreten Fall hatte ein Händler den Goldpreis manipuliert, um eine Zahlung von 3,9 Millionen Dollar an einen Kunden aus einem Optionsgeschäft zu vermeiden. Da dies nur einen Tag nach der Veröffentlichung der Buße im Libor-Skandal geschehen sei, sei es ganz klar, dass der Bank und dem Händler der Interessenkonflikt bewusst gewesen sein müsse, erklärte die FCA. Den Händler verdonnerte sie zu einer Strafe von knapp 96.000 Pfund.

Barclays hatte im Juni 2012 als erstes Institut eine Buße von 450 Millionen Dollar für die Manipulation des Referenz-Zinssatzes Libor aufgebrummt bekommen, der Grundlage für unzählige Finanzgeschäfte ist. In dem Skandal mussten später auch andere Geldhäuser wie die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und die Royal Bank of Scotland hohe Summen zahlen.

Am Gold-Fixing sind noch vier Institute beteiligt: neben Barclays, die britische HSBC, die kanadische Bank of Nova Scotia und Societe Generale aus Frankreich. Die Deutsche Bank hat sich kürzlich aus dem exklusiven Kreis verabschiedet, der den Goldpreis in einer Telefonkonferenz zwei Mal am Tag festlegt.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/millionen-strafe-barclays-muss-fuer-goldpreis-manipulation-blechen/9940180.html

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15.04.2014

Zins-Swaps: Wie die Banken mit Manipulationen reich wurden

Der US-Einlagensicherungsfonds klagt gegen die größten Banken der Welt wegen Betrugs mit Zins-Derivaten. Zins-Derivate werden in den USA mit einem Volumen von 426 Billionen Dollar gehandelt. Das entspricht etwa dem Siebenfachen des weltweiten BIP.

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Die Steuerzahler der Vereinigten Staaten zahlten in der Vergangenheit Milliarden Dollar für einen Betrug, der durch die weltweit größten Banken angestiftet wurde. Hintergrund ist eine Derivate-Form, genannt Zins-Derivate.

Der LIBOR (London Interbank Offering Rate) ist der Leitzins, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen können. Dieser Zinssatz wurde von mehreren globalen Großbanken manipuliert und führte in den USA und Europa zu milliardenschweren Geldbußen. Kläger war die US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) (mehr hier).

Nun stellt sich heraus, dass die Manipulationen am Libor auch den Derivate-Handel mit sogenannten „Zins-Swaps“ betreffen. Denn der Libor ist die entscheidende Messgröße für den Handel mit Derivate-Geschäfte, mit dem Hunderten von Billionen US-Dollar umgesetzt werden.

16 Großbanken, darunter JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup, als auch zahlreiche europäische Großbanken, sind in diesen neuen Skandal verwickelt, welche die Zins-Derivate handelten. Im Privaten und Geheimen, wie die Finanzwissenschaftlerin Ellen Brown auf ihrem Blog berichtet.

Derivate sind Finanzmarkt-Instrumente, die nicht an der Börse gehandelt werden, sondern „Over-the-Counter“. Sie beziehen sich auf einen unterliegenden Wert, wie beispielsweise auf eine Aktie oder einen Zinssatz. Dabei wird zwischen fixen und variablen Zinssätzen unterschieden. Üblich sind dabei „Swaps“, bei denen in der Grundform ein variabler Zinssatz gegen einen festen Zinssatz getauscht wird, wobei zwei Vertragspartner vereinbaren, zu bestimmten zukünftigen Zeitpunkten Zinszahlungen auf festgelegte Nennbeträge auszutauschen.

Diese Derivate-Kontrakte, die nicht an der Börse gehandelt werden, sondern „Over-the-Counter“, werden der in der Regel zwischen zwei Vertragsparteien geschlossen und haben einen sogenannten „Hebel“. Rein theoretisch können das sinnvolle Produkte sein, etwa, um sich gegen ein Zinsrisiko abzusichern.

Zins-Swaps werden in den USA mit einem Volumen von 426 Billionen Dollar gehandelt, wie Ellen Brown erläutert. Das ist etwa das Siebenfache des Bruttoinlandsprodukts aller Länder der Welt .

Das Betrugspotential liegt darin, dass der „Swap“ eine separate Finanzvereinbarung ist und im Wesentlichen eine laufende Wette auf die Zinsen beinhaltet. In den USA sind, wie auch seinerzeit in Deutschland, auch Kommunen auf diese „Zinswetten“ eingegangen.

Die deutschen Kommunen verklagten seinerzeit die Banken, mit denen sie derartige Geschäfte machten, und warfen ihnen Falschberatung vor. Die Kommunen hatten sich wegen ihrer angespannten finanziellen Lage auf solche Derivate-Deals eingelassen – in der Hoffnung, hier einen „Schnitt“ zu machen. Allerdings haben die Kommunen leichtfertig geglaubt, dass die Banken die wundersame Geldvermehrung steuern können. Wären die Kämmerer zu einer ordentlichen Geschäftsführung verpflichtet – sie hätten sich auf derart riskante Wetten niemals einlassen dürfen. 

Der Kreditnehmer (also der Käufer der Zins-Derivate) schuldet sowohl Darlehen mit variablem Zinssatz und das, was er mit dem quasi separaten Swap-Geschäft zahlen muss. Und die Benchmarks (Vergleichsmaßstäbe) für die beiden Zins-Sätze folgen sich nicht immer gegenseitig. Die Wall Street verkaufte den Gemeinden Libor-Swaps, die leichter zu handeln waren und schnell zu einem Absahnen für die Banken führten.

Nachdem die FDIC bisher mit ihren Klagen wegen Absprachen und Erpressung im Kontext mit dem Kartellrecht gescheitert war, verfolgt sie nun einen anderen Ansatz: Der Schwerpunkt ihrer erneuten Klage richtet sich auf Betrug und kriminelle Absprachen, wobei im Fokus der Vorwurf steht, die Banken hätten absichtlich den LIBOR-Satz zu niedrig gehalten, um sich zu bereichern. Die FDIC ist dabei nicht der erste Kläger, der auf diesen Sachverhalt abhebt, jedoch verleiht gerade seine Klage in seiner Eigenschaft als Einlagensicherungsfonds in diesem Kontext erhebliches Gewicht.

Denn weshalb würden niedrigere Zins-Festsetzungen die Banken bereichern? Verdienen sie nicht mehr Geld, wenn die Zinsen hoch sind?

Die Antwort lautet: Nein. Im Gegensatz zu den meisten Banken nutzten sie ihr Kapital nicht für gewöhnliche Unternehmenskredite, sondern für Zins-Swaps-Deals.

Das Verhalten der beklagten 16 internationalen Großbanken hat bei 38 inzwischen abgewickelten US-Banken für massive Verluste gesorgt. Dazu gehören Washington Mutual, einer der größten Bankenpleite in der Geschichte der USA.

Da die FDIC die Einlagen der Bankkunden auszahlen musste, hat sie eindeutiges Interesse am Ausgleich der entstandenen Verluste und Strafschadenersatz. Dies jedoch nur dann, wenn vor Gericht eindeutig vorsätzliche Betrug nachgewiesen wird.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/15/zins-swaps-wie-die-banken-mit-manipulationen-reich-wurden/

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10.04.2014

Zweite Notenbank gerät wegen Devisenskandal in Verdacht

Im Skandal um mögliche Manipulationen am Devisenmarkt ist offenbar die nächste Notenbank in Verdacht geraten.

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Die im vergangenen Monat suspendierte Londoner Mitarbeiterin der Deutschen Bank soll nämlich wegen „unangemessener Kommunikation“ mit der Zentralbank von Singapur beurlaubt worden sein, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person. Dem „Wall Street Journal“ zufolge soll die Vertriebsdirektorin, die für Verkäufe von Währungen an Zentralbanken zuständig war, handelsrelevante Informationen mit der Notenbank ausgetauscht haben.

Die Zentralbank Singapurs wollte den Fall nicht kommentieren. Sie ist eine jener Behörden, die weltweit an der Aufklärung des Devisenskandals arbeiten. Welche Informationen die Beteiligten ausgetauscht haben sollen, blieb zunächst offen. Notenbanker stehen üblicherweise in einem engen Kontakt mit Bankern, um sich über die Stimmung an den Märkten zu informieren und gegebenenfalls für den Erhalt der Geldstabilität einschreiten zu können. Laut „Wall Street Journal“ ist dieser Austausch wegen der laufenden Ermittlungen zuletzt erheblich reduziert worden.

Bislang richtete sich der Betrugsverdacht in erste Linie gegen Händler von Privatbanken. Sie sollen sich untereinander abgesprochen haben, um Devisenkurse für eigene Geschäfte zu manipulieren. Doch nun deutet sich an, dass auch zumindest einzelne Mitarbeiter von Notenbanken in diese Absprachen verwickelt sein könnten. In Großbritannien hat die Bank of England (BoE) bereits einen Mitarbeiter beurlaubt. Dort laufen inzwischen großangelegte Untersuchungen, ob die Notenbanker von den mutmaßlichen Manipulationen der Devisenkurse wussten und sogar daran beteiligt werden.

http://www.wallstreet-online.de/nachricht/6691823-presse-zweite-notenbank-geraet-devisenskandal-verdacht

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08.04.2014

„Flash Boys“ zocken ganz legal die Kleinanleger ab

Eine Gruppe von Hochgeschwindigkeitshändlern soll die Märkte manipulieren – zum Nachteil kleiner Sparer. Das behauptet ein Buchautor aus den USA. Auch deutsche Anleger müssen sich vorsehen.

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Eine Handvoll hochkarätiger Leser hat Michael Lewis sicher. Wenn der amerikanische Bestsellerautor kommende Woche sein Buch „Flash Boys“ vorstellt, dürften die Programmdirektoren der ARD ihre Exemplare gierig verschlingen.

Denn Lewis behauptet im Grunde nichts anderes, als dass die Sendung „Börse im Ersten“, die wochentags kurz vor der „Tagesschau“ läuft, den Zuschauern eine manipulierte Welt vorführt.

Statt objektiver Kurse von der riesigen Anzeigentafel im Frankfurter Börsensaal präsentiere „Das Erste“ eine Potemkinsche Kulisse, hinter der eine kleine Gruppe aus Börsenbetreibern, Wall-Street-Bankern und Hochgeschwindigkeitshändlern die Strippen zieht.

Schon bevor das Lewis-Buch am Donnerstag in deutschen Läden liegt, sorgt es für großen Wirbel. Der Finanzzeitung „Handelsblatt“ war es bereits eine fünfseitige Titelgeschichte über die „Turbo-Zocker“ wert, die sich auf Kosten der normalen Anleger bereichern.

Geschäfte mit dem Wissensvorsprung

Die Vorwürfe, die Lewis erhebt, haben es in sich: Die Flash-Boys, wie die Hochfrequenzhändler an der Wall Street heißen, würden die Börsenorders anderer Marktteilnehmer ausspähen und diesen Wissensvorsprung für ihre Geschäfte ausbeuten.

Die Blitz-Jungs kaufen sich von den großen Börsen immense Datenmengen, die sie mithilfe ausgeklügelter Programme und superschneller Rechner auswerten. Auf diese Weise können sie bestimmte Entwicklungen antizipieren.

Damit nicht genug des Sittengemäldes: Durch ihre privilegierte Stellung bei den Börsen haben die Hochfrequenzhändler einen tieferen Einblick in die Orderbücher, so Lewis. Die Flash-Trader identifizieren die Kaufabsicht eines Investors. Dann greifen sie vor diesem bei dem Wertpapier zu und verkaufen die Aktie zu einem höheren Preis weiter.

Die Spanne zwischen Kauf und Verkauf steckt sich der Speed-Trader in die Tasche. Der Dumme ist der normale Anleger, der die Aktie zu einem höheren Preis bekommen hat. Im Fachjargon heißen die Programme, die solche Geschäfte ermöglichen, räuberische Algo-Trades.

Michael Lewis war angewidert von seinem Job

Lewis weiß, wovon er spricht. Der 53-Jährige war früher selbst Investmentbanker an der Wall Street. Angewidert von seinem Job bei dem renommierten Finanzhaus Salomon Brothers wechselte er in den späten 80er-Jahren die Seiten. Bereits in seinem ersten Buch „Liar’s Poker“ (deutscher Titel: Wall Street Poker) prangerte er mit scharfen Worten die Geldgier und den Zynismus am weltweit größten Finanzplatz an.

Mit seiner Kritik ist der Autor nicht allein. „Im Grunde genommen handelt es sich um Insiderhandel“, erklärt Joe Saluzzi von der Handelsfirma Themis Trading. Die Hochfrequenzhändler würden relevante, nicht öffentliche Informationen nutzen, um daraus Profit zu schlagen. „Diese Praktik des Insiderhandels ist ‚Frontrunning‘. Man sieht eine Order, bevor sie ausgeführt ist, schlägt schnell noch vorher zu und erzielt damit Gewinne beinahe ohne jedes Risiko.“

Nun ist es Lewis gelungen, das Thema Hochfrequenzhandel ins Bewusstsein einer breiten Masse zu bringen. Sein Buch, das erst seit vergangenem Montag in den Vereinigten Staaten erhältlich ist, hat es aus dem Stand an die Spitze der Verkaufscharts geschafft. Geholfen hat dabei sicherlich eine Information, die rechtzeitig zur Veröffentlichung des Buches bekannt wurde: dass nämlich inzwischen auch das FBI wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen die Branche ermittelt.

Auftritte in den großen Talkshows des Landes taten ein Übriges. Lewis ist ein begnadeter Erzähler. Schwierige Stoffe wie den Hochfrequenzhandel, so weiß er, transportiert man am besten über handelnde Menschen, und für gute Geschichten braucht es Helden und Schurken. Besonders gut funktioniert das Ganze, wenn die Protagonisten aus der realen Welt kommen.

Mit einem Russen hinter Gittern fing es an

So nimmt die polarisierende Investmentbank Goldman Sachs in dem Roman eine zentrale Rolle ein. Goldman hat einen ehemaligen russischen IT-Angestellten hinter Gitter gebracht, weil dieser den geheimen Algorithmus des Hochfrequenzrechners gestohlen haben soll, der Unheil an den Märkten bringen könnte. Das war für Lewis der Ausgangspunkt für seine Recherchen.

Denn wenn ein Algorithmus in den Händen eines Informatikers Turbulenzen auslösen kann, warum soll er dann bei einer Investmentbank nur Gutes bewirken? Und warum kommt so ein armer Russe hinter Gitter, während für die Verfehlungen vor und während der Finanzkrise keiner der Goldman-Verantwortlichen in den Knast musste? Damit sind Helden und Schurken rasch identifiziert.

Zu den Helden des Romans gehört der junge Kanadier Brad Katsuyama, der von seinem Arbeitgeber Royal Bank of Canada an die Wall Street geschickt wird. Dort bemerkt er im Frühjahr 2007 seltsame Kursbewegungen am Aktienmarkt. Konnte er früher größere Orders in einem Rutsch zu einem bestimmten Preis kaufen, bekommt er plötzlich nur noch eine kleine Teilausführung zum ursprünglichen Preis. Den Rest der Order erhält er zu deutlich höheren Kursen. Er geht der Sache nach und kommt dabei den Hochfrequenzhändlern auf die Spur.

Frustriert informiert er andere Investoren und meldet seine Erkenntnisse auch der Börsenaufsicht SEC. Doch die scheint sich nicht sonderlich für seine Geschichte zu interessieren. Und so zeichnet Lewis das Bild vom integren kleinen Kanadier, der es mit der gesamten Wall Street aufnimmt.

Nur Werbung für den neuen Handelsplatz?

Katsuyama belässt es nicht dabei, sondern gründet den neuen Handelsplatz IEX, der einen fairen Handel gewährleisten soll, indem Hochfrequenzhändler ausgebremst werden. Einige Kritiker sehen in Lewis‘ Buch denn auch eine 288-Seiten-Werbeschrift für den alternativen Handelsplatz.

Wobei offenbar nicht nur Lewis an Katsuyama glaubt. Dem bekannten Hedgefondsmanager David Einhorn gehören Anteile an der neuen Handelsplattform, auch Goldman Sachs hat sich überraschend für die Börse starkgemacht.

Der öffentliche Furor, den Lewis mit seinem Buch ausgelöst hat, ist bemerkenswert. Schließlich hat die Wall Street eine sagenhafte Rallye hinter sich. Seit 2009 hat beispielsweise der Dow Jones 164 Prozent an Wert gewonnen. Erst zum Wochenschluss markierte der altehrwürdige Index einen historischen Rekord.

Gleichzeitig können die Amerikaner so günstig wie nie bei Aktien zuschlagen. Die Gebühren, die ihnen Banken für den Kauf und Verkauf abnehmen, sind auf einen Tiefstand gefallen. Eigentlich ist das kein Nährboden, auf dem Skandale gedeihen.

Viele Private haben die Aktienrallye verpasst

Doch auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mischen immer weniger private Investoren an der Börse mit. Viele Private haben die Aktienrallye verpasst. Und sie trösten sich mit dem Gefühl, dass an der Wall Street mit gezinkten Karten gespielt wird. „Sie dürfen nicht vergessen, dass die ärmere Hälfte der Bevölkerung gerade noch acht Prozent der von Amerikanern insgesamt gehaltenen Aktien besitzt“, sagt Larry Tabb von der Tabb Group zu der negativen öffentlichen Stimmung, die der Wall Street entgegenschlägt.

Auch in Deutschland, dem Land der Aktienabstinenzler, dürfte Lewis punkten. Denn auch hiesige Anleger sind vor den „Flash Boys“ nicht sicher. Auf der elektronischen Handelsplattform der Deutschen Börse werden mittlerweile rund 40 Prozent aller Geschäfte innerhalb von Millisekunden abgewickelt.

Wer als Privatanleger seine Order auf Xetra einstellt, muss also wissen, dass vier von zehn Käufen und Verkäufen von Aktien wie Siemens, Telekom oder BASF solche Blitzgeschäfte sind. Aus Sicht der Deutschen Börse stellt dies kein Problem dar, im Gegenteil: Hochfrequenzhändler erhöhten die Liquidität im Handel mit Wertpapieren und sorgten damit für bessere Preise, sagt sie. Davon profitierten alle, auch Privatanleger.

Eine Lanze für Privatanleger

An anderen Handelsplätzen, an denen man mit diesen Investoren nicht so viel Geld verdient, will man die negative Stimmung dagegen für sich nutzen. Das Gebot der Stunde lautet, sich möglichst deutlich von Hochfrequenzhändlern zu distanzieren. „Wir verhindern, dass Privatanleger Nachteile erleiden, weil sie nicht wie Hochfrequenzhändler über superteure Technik verfügen“, heißt es bei der Börse Stuttgart.

Anders als auf der elektronischen Handelsplattform Xetra in Frankfurt gelte in Stuttgart nicht das Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Alle Orders mit gleichem Limit würden gleich behandelt, unabhängig davon, welcher Auftrag als Erster bei der Börse eingehe, so die beruhigenden Worte in Richtung Kleinsparer.

An den Regionalbörsen in Düsseldorf, Berlin, München und Hamburg/Hannover wird ein vermeintlicher Anachronismus plötzlich wieder zum Qualitätsmerkmal. Dort wird gern auf die Kursmakler, die Spezialisten, verwiesen, die dort immer noch zwischen Orderauftrag und -ausführung stehen.

Beruhigung für den Börsenbetrieb

Denn sie tun das, was sich viele Kritiker des Hochfrequenzhandels wünschen: Sie beruhigen das Börsenbetrieb. „Der Faktor Mensch macht einen Handel in Millisekunden nicht möglich. Wir sind deshalb für Hochfrequenzhändler ungeeignet“, erklärt die Börse Berlin. Auch in Düsseldorf betont man gern, dass die Börse „nicht attraktiv“ für diese Art von Handelsteilnehmern sei.

Und selbst bei der Deutschen Börse macht man Unterschiede: An der Frankfurter Börse, dem früheren Parkett, und bei Tradegate Exchange, der elektronischen Börse für Privatanleger, spielten Hochfrequenzhändler keine Rolle. Beide Marktmodelle seien schließlich auf die Bedürfnisse der Privatanleger ausgerichtet.

Ob sich bei aller zur Schau gestellten Distanz zu den neuen bösen Buben der Finanzwelt wirklich kein Kleinsparer Sorgen machen muss, diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Bewegen die Flash Boys Kurse in die eine oder andere Richtung, kann dies durchaus Einfluss auf die 3000-Euro-Order eines Privatanlegers haben. Denn alle Börsen in Deutschland orientieren sich an Xetra, wenn sie ihren Anlegern einen Preis für deutsche Aktien nennen.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article126687373/Flash-Boys-zocken-ganz-legal-die-Kleinanleger-ab.html

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05.04.2014

Banken sollen über eine Milliarde Euro hinterzogen haben

Die Behörden ermitteln gegen Dutzende Banken und Fonds. Allein in Hessen sollen Finanzhäuser den Staat um über 900 Millionen Euro betrogen haben. Doch auch in anderen Bundesländern laufen Verfahren.

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Der deutsche Fiskus ermittelt laut einem Pressebericht gegen dutzende Banken und Geldanlagefonds, die den Staat mit dubiosen Aktiengeschäften um einen Milliardenbetrag betrogen haben sollen. Bei den Finanzbehörden sind laut der „Süddeutschen  Zeitung“ vom Samstag mehr als 50 Verfahren anhängig. In mehr als zehn Fällen seien wegen des Verdachts auf besonders schwerwiegende Steuerhinterziehung bereits Staatsanwälte eingeschaltet worden, berichtete die Zeitung nach einer Umfrage bei den Finanzministerien mehrerer Bundesländer.

Betroffen sind demnach Geldinstitute wie die Hypo-Vereinsbank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die HSH Nordbank, die ebenso wie die LBBW dem Staat gehört, habe bereits 127 Millionen Euro an den Fiskus zurückgezahlt. Wegen des Steuergeheimnisses nannten die Ministerien aber keine Details. Laut der „SZ“ untersuchen die Behörden schon seit längerem Börsengeschäfte, bei denen es bis 2012 aufgrund einer Gesetzeslücke möglich war, den Fiskus auszunehmen.

Wie die Zeitung berichtete, ließen sich Banken und deren Geschäftspartner beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex)  Dividendenanspruch eine nur einmal gezahlte Kapitalertragssteuer von den Finanzämtern mehrmals erstatten. Der Fiskus habe diese Deals spät durchschaut, danach aber intensiv ermittelt. Nach Ansicht der Behörden war es illegal, die Gesetzeslücke auszunutzen.

In Hessen laufen dem Bericht zufolge momentan 30 Verfahren, bei denen es um 979 Millionen Euro geht. Hessen ist wegen der  Banken-Metropole Frankfurt besonders betroffen. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittele inzwischen in vier von diesen Fällen. In Bayern untersuchen die Finanzbehörden dem Bericht zufolge acht Fälle mit einem Betrugsvolumen von 372  Millionen Euro, in Nordrhein-Westfalen sind es fünf Verfahren und 50 Millionen Euro.

Aktuelle Fallzahlen hätten auch Hamburg mit 13 Fällen und  Baden-Württemberg mit zwei Fällen genannt, ohne jedoch Angaben zum  finanziellen Umfang zu machen. Die Landesbank in Stuttgart war wie die HSH Nordbank in der Finanzkrise mit staatlichen Mitteln in Milliardenhöhe vor der Pleite bewahrt worden. Die LBBW erklärte zu den Untersuchungen laut „SZ“, aus ihrer Sicht seien „alle Handlungen, die dem Geist der Steuer-Gesetzgebung widersprechen, nicht akzeptabel“.

Am weitesten gediehen seien die Ermittlungen bei der  Hypo-Vereinsbank (HVB), die zusammen mit Geschäftspartnern den  Staat offenbar um 200 Millionen Euro geschädigt hat. HVB-Dokumenten  zufolge habe die Bundesbank dort bereits 2006 argwöhnisch nach dem Sinn und Zweck bestimmter Aktiengeschäfte gefragt, sei dann aber wohl  getäuscht worden.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/banken-hinterziehen-gigantische-steuersummen-12881216.html

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04.04.2014

US-Justizministerium untersucht Hochfrequenzhandel

Das FBI ermittelt seit Monaten, ob Hochfrequenzhandel gesetzeswidrig sein könnte – jetzt schaltet sich das Justizministerium ein. Es geht darum, ob einfache Investoren gegenüber den Hochfrequenzhändlern im Nachteil sind.

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Nach der Finanzaufsicht und der US-Bundespolizei FBI nimmt nun auch die amerikanische Staatsanwaltschaft den umstrittenen Hochfrequenzhandel unter die Lupe. Das gab US-Justizminister Eric Holder am Freitag vor einem Kongressausschuss bekannt. Es werde untersucht, ob die besonders schnellen Computergeschäfte die Gesetze zum Insider-Handel verletzen, sagte Holder in Washington. Das FBI hatte am Montag bestätigt, dass es seit Monaten entsprechende Ermittlungen vorantreibe. Auch die Börsenaufsicht SEC und die Derivateaufsicht CFTC haben mit Prüfungen begonnen.

Bei den Ermittlungen geht es darum, ob einfache Investoren gegenüber den Hochfrequenzhändlern mit ihren Computeralgorithmen im Nachteil sind. So wird geprüft, ob diese ihr Wissen über anstehende Kundenaufträge nutzen, um zuvor noch Geschäfte zu eigenen Gunsten zu machen („Front Running“). Das FBI untersucht, ob auch andere Vergehen vorliegen. Dazu gehört, ob die Reihenfolge der Aufträge manipuliert oder Scheingeschäfte getätigt werden, um Aktivität am Markt vorzugaukeln („Spoofing“).

Der Hochfrequenzhandel ist seit längerem Gegenstand von Diskussionen. In den USA hat sich die Debatte in der vergangenen Woche wegen der Veröffentlichung des Buchs „Flash Boys“ des Bestseller-Autors Michael Lewis intensiviert und erreicht nun eine bereitere Öffentlichkeit. Lewis wirft Hochfrequenzhändlern vor, den Markt zu manipulieren. Befürworter der Handelsmethode weisen dies zurück. Sie argumentieren, der Hochfrequenzhandel erhöhe die Liquidität und nutze damit den Märkten.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/anlagebetrug-us-justizministerium-untersucht-hochfrequenzhandel/9720748.html

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27.03.2014

Hypothekenstreit Bank of America muss 9,5

Milliarden Dollar zahlen

Die Bank of America muss für fragwürdige Hypothekengeschäfte mehrere Milliarden Dollar bezahlen. Der Vorwurf: Die Bank habe die darin enthaltenen Hauskredite zu rosig dargestellt.

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Die Finanzkrise kostet die Bank of America noch einmal richtig Geld. Die Großbank zahlt nach eigenen Angaben wegen strittiger Hypothekengeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007 zusammen 6,3 Milliarden Dollar an die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Zusätzlich kauft sie ihnen Hypothekenpapiere im Zeitwert von 3,2 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) wieder ab.

Die Aufsichtsbehörde FHFA und die Großbank verkündeten den Vergleich am Mittwoch. Die Behörde hatte 2011 insgesamt 18 Finanzkonzerne verklagt, die Fannie Mae und Freddie Mac Hypothekenpapiere verkauft hatten. Der Vorwurf: Die Banken hätten die darin enthaltenen Hauskredite zu rosig dargestellt. In der ab 2007 hereinbrechenden Finanzkrise verloren die Papiere massiv an Wert. In der Folge musste der Staat bei den Immobilienfinanzierern rettend einspringen.

Nach der Lösung des aktuellen Falls stehen noch sieben Klagen aus. Erst in der vergangenen Woche hatte die Credit Suisse einer Zahlung von 885 Millionen Dollar zugestimmt. Die Deutsche Bank hatte sich Ende vergangenen Jahres auf die Zahlung von 1,9 Milliarden Dollar geeinigt. Der amerikanische Branchenprimus JPMorgan Chase zahlte für die Beilegung des juristischen Streits 4 Milliarden Dollar und kauften für weitere 1,1 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere zurück.

Die Bank of America muss besonders tief in die Tasche greifen, weil sie auch für Geschäfte des in der Finanzkrise übernommenen Immobilienfinanzierers Countrywide sowie der Investmentbank Merrill Lynch geradesteht. Im Rahmen eines am Mittwoch verkündeten Vergleichs um die Übernahme von Merrill Lynch muss die Bank of America nun 15 Millionen Dollar zahlen und deren früherer Chef Kenneth Lewis selbst 10 Millionen Dollar. Zudem darf Lewis drei Jahre lang kein börsennotiertes Unternehmen als Manager führen oder als Verwaltungsratsmitglied kontrollieren.

Insbesondere wegen Countrywide war die Bank of America in den vergangenen Jahren immer wieder in teure Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Der Finanzierer hatte Kredite besonders leichtfertig vergeben.

Die großen Banken haben für Rechtsstreitigkeiten hohe Beträge auf die Seite gelegt. Wegen des teuren Vergleichs muss die Bank of America aber noch einmal nachschießen und rechnet für das erste Quartal mit einer Schmälerung des Gewinns vor Steuern von 3,7 Milliarden Dollar. Sie legt ihre Zwischenbilanz am 16. April vor.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bank-of-america-zahlt-9-5-milliarden-im-hypothekenstreit-12866190.html

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19.03.2014

Bank of England vernichtet alle Akten zur Finanzkrise

Die britische Zentralbank hat seit der Finanzkrise 2008 alle Sitzungsprotokolle vernichtet. Dies mussten Vertreter der Notenbank vor dem Parlament zugeben. Die Abgeordneten verlangten zuvor die Herausgabe der Protokolle, um einem Manipulationsverdacht nachzugehen.

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Die britische Zentralbank, die Bank of England (BoE), hat alle Aufzeichnungen zu ihren Sitzungen seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 vernichtet. Dies gestanden Vertreter der Zentralbank vor dem Parlamentsausschuss ein.

Bei einer fünfstündigen Sitzung des Parlaments mussten sich Mark Carney und seine Kollegen den Fragen der britischen Abgeordneten stellen, wie die FT berichtet. Der Untersuchungsausschuss wollte vor allem wissen, in wie weit die BoE in Manipulationen am Devisenmarkt involviert war (mehr hier). Zudem interessierten sich die Abgeordneten dafür, wie lange und in welchem Umfang die Zentralbank noch an ihrem Anleihekauf-Programm („Quantitative Easing“) festhalten würde.

Bei der Befragung stellte sich auch heraus, dass die BoE jede ihrer monatlichen Sitzungensprotokolle seit 2008 vernichtet hat. Mitarbeiter der Zentralbank wurden angewiesen, die Originale der Audio-Mitschnitte nach jeder Beschlussfassung zu vernichten.

Die Abgeordneten vermuteten, dass der ehemalige Vorsitzende der BoE, Mervyn King, dem restlichen Komitee entscheidende Informationen zur Finanzkrise vorenthalten hat. Also forderten sie die Herausgabe der Sitzungsprotokolle, um den Verdacht zu überprüfen.

Die Aufzeichnungen werden zerstört? Warum?“, fragte der Sprecher des Ausschusses, Andrew Tyrie.

Weil wir eine Kopie der Sitzungsprotokolle haben, nämlich die, die veröffentlicht wird. Und es gibt keine alternative Aufzeichnung“, sagte Paul Fisher, ein Mitglied der Zentralbank.

Als offizielle Begründung für die routinemäßige Vernichtung der Sitzungsprotokolle gab die BoE drei Gründe an. Zum einen sei es schwer den Diskussionen von Ökonomen zu folgen. Darüber hinaus gäben die veröffentlichten Stellungnahmen – die sogenannten „Minutes“ – den kompletten Verlauf der Diskussionen wieder. Und schließlich würde eine komplette Aufzeichnung den freien Redefluss bei den BoE-Sitzungen behindern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/19/bank-of-england-vernichtet-alle-akten-zur-finanzkrise/

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15.03.2014

US-Finanzbehörde verklagt Groß-Banken wegen Libor-Manipulation

Die Manipulation des Libor-Zinses hat 38 Banken in die Pleite getrieben. Die FDIC will nun zahlreiche Großbanken verklagen, die sie für verantwortlich für die Manipulationen hält.

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Die US-Einlagensicherung FDIC verklagt die Deutsche Bank und 15 weitere Geldhäuser weltweit wegen Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor (mehr hier). Das Verhalten der Institute habe bei 38 inzwischen abgewickelten Banken für massive Verluste gesorgt, teilte die Federal Deposit Insurance Corp (FDIC) am Freitag mit.

Der in New York eingereichten Klage waren eine ganze Reihe anderer vorausgegangen, mit der Banken für den internationalen Skandal zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Mehrere Institute haben nach Ermittlungen in den USA und Europa milliardenschwere Geldbußen gezahlt. Von dem Referenzsatz Libor hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar ab.

Zu den nun von der FDIC des Vertragsbruchs beschuldigten Instituten gehören neben der Deutschen Bank auch UBS, Credit Suisse, Barclays, Bank of America, Citigroup, HSBC Holdings, JPMorgan Chase, Royal Bank of Scotland, Rabobank, Lloyds, Societe Generale, Norinchukin Bank, Royal Bank of Canada und Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und die WestLB. Die Banken lehnten eine Stellungnahme ab oder waren zunächst nicht zu erreichen.

Die Deutsche Bank musste nach einer Strafe der EU-Kommission bereits rund 725 Millionen Euro zahlen. Das ist die höchste Strafe, die die EU-Kommission im sogenannten Libor-Skandal gegen Banken bisher verhängt hat (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/15/us-finanzbehoerde-verklagt-deutsche-bank-wegen-libor-manipulation/

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09.03.2014

Bank of England in Manipulationen am Devisenmarkt verstrickt

Im Zusammenhang mit den weltweiten Devisenmanipulationen werden Vorwürfe gegen die britische Zentralbank, die Bank of England, laut. Demnach wusste die BoE bereits seit acht Jahren von den Manipulations-Vorgängen – und hüllte sich in Schweigen. Ein führender Mitarbeiter wurde nun suspendiert.

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Gegen die Bank of England (BoE) gibt es Vorwürfe, dass die sie seit Jahren von den Manipulationen am billionenschwerden Devisenmarkt – 5,3 Billionen US-Dollar werden täglich an den Finanzmärkten gehandelt – Kenntnis hatte. Ein Mitarbeiter der Zentralbank wurde indessen von seinen Arbeitsaufgaben „freigestellt“. Er soll sich nicht an die strengen internen Kontrollregeln gehalten haben, meldet die Süddeutsche Zeitung.

Im Herbst letzten Jahres wurden Anschuldigungen gegen 15 international tätige Banken bekannt. Inzwischen sind etwa 20 Devisentrader entlassen oder freigestellt. Offenbar waren dies auch Personen, bereits im Jahr 2006 an einem Meeting in der Bank of England teilnahmen, wo der Verdacht der Devisenmanipulationen bereits deutlich im Raum stand. Es vergingen also weitere acht Jahre, bis nun ans Licht kommt, dass die BoE keine Schritte für weitergehende Untersuchungen einleitete.

Ende 2013 wurden auch Vorwürfe gegen den weltweit größten Devisenhändler, die Deutsche Bank, bekannt. Nach internen Untersuchungen suspendiert die Deutsche Bank mehrere Devisenhändler (mehr hier).

Zuletzt war bekannt geworden, dass sich Trader durch Insiderhandel die eigenen Taschen mit Devisenmanipulationen füllen (hier).

Dass die britische Zentralbank bereits seit acht Jahren von den Vorgängen wusste, ohne die Tatsachen den zuständigen Behörden zu melden, beschädigt nun den Ruf der Bank of England stark.

Die Freiheit der Finanzmärkte wollte man zurzeit der Finanzkrise nicht beschränken. „Sehr gerne überließen es Regulierer und Kontrolleure deshalb auch den Großbanken, für Preisanker zu sorgen, an denen sich die globale Wirtschaft orientieren konnte. Das war ein riesiger Fehler, wie man heute weiß. Großbanken haben das Vertrauen der Gesellschaft hemmungslos missbraucht“, schreibt die Süddeutsche.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/09/bank-of-england-in-manipulationen-am-devisenmarkt-verstrickt/

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24.02.2014

Londoner Goldfixing: Goldpreismanipulation in 50% aller Fälle?

Der jüngsten Analyse des Beratungsunternehmens Fideres zufolge, könnte die Londoner Goldpreisfestlegung im Zeitraum von Januar 2010 bis Dezember 2013 in 50% aller Fälle nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, wie Financial-Times-Journalistin Madison Marriage am Wochenende berichtete.

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Dieses Ergebnis kommt in einer brisanten Zeit, in der deutsche und britische Behörden einer möglichen Manipulation des Goldpreises nachgehen, der zweimal täglich durch Deutsche Bank, HSBC, Barclays, Bank of Nova Scotia und Société Générale im Rahmen des Londoner Gold-Fixings festgelegt wird.

Die Nachforschungen von Fideres hätten ergeben, dass der Goldpreis häufig steigt (oder fällt), sobald eines der Konferenzgespräche zwischen den fünf beteiligten Banken beginnt, und beinahe exakt zu dem Zeitpunkt, an dem das Gespräch endet, das höchste (oder niedrigste) Preislevel erreicht, gefolgt von einer scharfen Richtungsänderung. Dieses Muster lasse vermuten, dass geheime Absprachen zwischen den Banken stattfinden.

In etwa 50% aller Fälle sei das Verhalten des Goldpreises derart verdächtig gewesen. Dies sei nichts, was man unter Berücksichtigung normaler Marktfaktoren erwarten würde, erklärte Alberto Thomas, Partner bei Fideres. Pensionsfonds, Hedgefonds, Rohstoffhandelsberater und Futures-Händler dürften wohl am ehesten Verluste erlitten haben. Viele von ihnen seien definitiv bereit, zu klagen, sollte tatsächlich nachgewiesen werden, dass bei alledem Manipulation im Spiel gewesen ist.

Daniel Brockett, Partner bei der Anwaltskanzlei Quinn Emanuel, sagte, er hätte mit einer Reihe von Investoren über mögliche Verluste gesprochen. Seines Erachtens liege die Schlussfolgerung nahe, dass die am Fixing mitwirkenden Banken nicht nur ihren Kunden einen warnenden Hinweis gegeben haben, sondern auch Absprachen unter den betreffenden Finanzinstituten selbst stattgefunden haben.

Die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin hatte jüngst eine Untersuchung im Hinblick auf eine mögliche Goldpreismanipulation begonnen und im Rahmen dieser Unterlagen von der Deutschen Bank eingefordert. Diese hatte sich kurze Zeit später schließlich entschieden, sich aus der Londoner Gold- und Silberpreisfestlegung zurückzuziehen. Als offizieller Grund für den Rücktritt war die Verkleinerung des Rohstoffgeschäfts genannt worden. Experten sehen jedoch einen deutlichen Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen.

Auch die Finanzdienstleistungsaufsicht des Vereinigten Königreiches befasst sich derzeit mit der Festlegung der Edelmetallpreise im Rahmen ihrer umfangreichen Untersuchungen zur Benchmark-Manipulation.

Der Artikel wurde inzwischen von der Financial Times gelöscht, ist jedoch unter anderem noch bei GATA verfügbar.

http://goldseiten.de/artikel/197966–Londoner-Goldfixing~-Goldpreismanipulation-in-50Prozent-aller-Faelle.html

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13.02.2014

Whistle-Blower: HSBC wäscht Geld für Drogen-Kartelle

Die britische HSBC betreibt weiterhin Geldwäsche für Drogen-Kartelle und Terror-Organisationen, sagt ein früherer Mitarbeiter. Europas größte Bank war in den schlimmsten Geldwäsche-Skandal der Finanzgeschichte verwickelt. Sie wurde aber nur zu einer geringen Geldstrafe verurteilt.

Der Ex-Mitarbeiter der HSBC, Everett Stern, sagt aus, die größte Bank Europas würde nach wie vor illegale Geldwäsche betreiben. Stern war es auch, der die US-Behörde FBI im Jahr 2010 auf verdächtige Transaktionen innerhalb der HSBC aufmerksam machte. Dem FBI zufolge verschob die größte Bank Europas Milliardenbeträge für Drogen-Kartelle und Terror-Organisationen weltweit.

In einem Interview mit Russia Today äußerte Stern seine Zweifel, dass sich seit der Strafzahlung etwas an den Geschäftspraktiken geändert habe. Als er gefragt wurde, was sich seitdem bei der HSBC geändert habe, meinte Stern:

Nichts und deshalb fordere ich über meine Anwälte, dass es eine neue Geldwäsche-Untersuchung gibt und Leute ins Gefängnis wandern.“

Der Bank wurde damals vorgeworfen, die Bestimmungen gegen Geldwäsche ignoriert zu haben. Dadurch habe sie eine Firmen-Klima geschaffen, in dem Geldwäsche florierte. Unter anderem habe sie Gelder für mexikanische Drogen-Kartelle, die Terror-Organisationen Hisbollah und al-Qaida und die russische Mafia verschoben. Auch die „Schurkenstaaten“ Iran, Sudan und Nord-Korea nutzten die Dienste der HSBC, um internationale Sanktionen zu umgehen, wie der Rolling Stone berichtete.

Sie haben jede gottverdammte Regel gebrochen. Sie nahmen jede nur denkbare Form von illegalen und unlauteren Geschäften an“, sagte der Anwalt und ehemalige Ermittler des US-Senats, Jack Blum.

Dennoch kam die Großbank sehr milde davon. Im größten Geldwäsche-Skandal der Finanzgeschichte wurde sie im Jahr 2012 nur zu einer Strafe von 1,9 Milliarden Euro verurteilt. Das entsprach in etwa dem Profit, den die Bank binnen fünf Wochen erzielte. Bereits nach der Ankündigung des Strafmaßes stieg die HSBC-Aktie so stark an, dass die Bank den Verlust kompensiert hatte. Zudem musste keiner der verantwortlichen Banker ins Gefängnis und die Bank behielt ihre Zulassung in den USA.

Ich habe alles riskiert, um diese Leute ins Gefängnis zu bringen“, sagte Stern. „Justizminister Eric Holder selbst hat während der Senats-Anhörungen gesagt, wenn man diese Banken der Strafverfolgung aussetzt, könnte das eine Finanzkrise auslösen“, so Stern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/13/whistle-blower-hsbc-waescht-geld-fuer-drogen-kartelle/

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10.02.2014

Ermittlungen im Devisenskandal weiten sich auf Derivate aus

Die Untersuchungen über Marktmanipulationen am Devisenmarkt haben jetzt auch spezielle Finanzinstrumente erfasst.

Ins Blickfeld genommen wird ein bestimmter Typus von Devisenderivaten, die weltweit von vielen Finanzinstituten und Unternehmen eingesetzt werden, berichtet eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Dabei handelt es sich um Devisenoptionen, die von Banken häufig an Kunden verkauft werden. Die Kontrakte zahlen sich für den Käufer dann aus, wenn ein Wechselkurs ein bestimmtes Niveau erreicht. Das fiktive Handelsvolumen in diesem Marktsegment beläuft sich nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf 337 Milliarden US-Dollar pro Tag.

Hinter den Kulissen kaufen oder verkaufen Banken zugleich Währungen, um zu verhindern, dass diese Schwellen erreicht oder überschritten werden, sagen Händler und Bankenvertreter. Das gehe dann letztlich zu Lasten der Kunden, die ansonsten möglicherweise eine Zahlung von der Bank erhalten hätten, sagen diese Brancheninsider. Solche Taktiken seien weit verbreitet.

Ein Bankenmitarbeiter in London beschrieb das Thema als „riesig“ und „sehr komplex“ und sagte, dass es auch in der Branche heiß diskutiert wurde und auch weiterhin wird.

Die Regulierungsbehörden hatten im April vergangenen Jahres mit der Befragung von Banken auf der Suche nach Hinweisen begonnen, ob Händler mit Kollegen anderer Banken gemeinsame Sache gemacht hätten, um so Devisen-Referenzkurse zu beeinflussen. Diese Untersuchungen wurden seitdem massiv und international ausgeweitet.

Bei der Durchsicht von riesigen Dokumentenmengen hätten die Banken zahlreiche Indizien für offensichtliches Fehlverhalten gefunden, sagen Personen, die den Untersuchungen nahe stehen. Die Erkenntnisse der Banken, die diese auch an die Regulierungsstellen weitergereicht hätten, umfassten Fälle, bei denen Händler sensible Informationen mit Kunden geteilt oder unangemessene Informationen an Händler anderer Banken weitergegeben oder auf eigene Rechnung gehandelt hätten, heißt es von den Informanten.

Seit Beginn der Durchleuchtung des Devisenmarktes hatte es eine ganze Reihe von Suspendierungen und Entlassungen auch von hochrangigen Mitarbeitern an mehreren großen Finanzzentren gegeben.

Im Zuge der breit angelegten Untersuchungen wurden jetzt auch mögliche Probleme im Handel mit den Devisenderivaten entdeckt, sagt ein Informant. In London hätten Banken dies der britischen Financial Conduct Authority gemeldet, die im Devisenskandal federführend ermittelt. Die Behörde fokussiere die Ermittlungen zwar nicht auf die Optionen, beobachte diesen Aspekt aber sehr genau.

Die Bandbreite der offenkundigen Verstöße hat mittlerweile eine Vielzahl an Aufsichtsbehörden weltweit auf den Plan gerufen. Der jüngste Vorstoß kam vom New Yorker Bankenregulierer, der von mehr als einem Dutzend global agierender Banken Informationen angefordert hat.

http://www.finanzen.net/nachricht/zertifikate/Devisenderivate-Ermittlungen-im-Devisenskandal-weiten-sich-auf-Derivate-aus-3286462

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17.01.2014

Bafin-Chefin: Devisen-Manipulationen schlimmer als Libor-Skandal

Die Manipulationvorwürfe an den Märkten für Devisen und Edelmetalle sind schlimmer als der Libor-Skandal. Das hat Elke König, Chefin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), am späten Donnerstag in einer Rede in Frankfurt erklärt.

Der Libor-Skandal hat bereits zu Strafen von rund 6 Milliarden Dollar geführt. Die Vorwürfe hinsichtlich der Devisen- und Edelmetall- Benchmarks “wiegen besonders schwer, denn solche Referenzwerte basieren – anders als Libor und Euribor – typischerweise auf realen Transaktionen in liquiden Märkten und nicht auf Schätzungen der Banken”, erklärte König.

Am Mittwoch hatte die Finanzaufsichtsbehörde mitgeteilt, sie untersuche den Sachverhalt hinsichtlich der Devisenhandels- Referenzwerte. Sie folgte damit ähnlichen Schritten von Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Aufseher versuchen herauszufinden, ob sich Händler bei den größten Banken der Welt abgesprochen haben, um WM/Reuters-Raten zu manipulieren. Diese werden von Vermögensverwaltern genutzt, um den Wert von Anlagen in verschiedenen Währungen zu bestimmen.

“Dass dieses Thema in der Öffentlichkeit so hohe Wellen schlägt, ist verständlich”, sagte König weiter. “Gerade der Finanzsektor ist abhängig vom Vertrauen der Allgemeinheit darauf, dass er leistungsfähig ist und dabei ehrliche Arbeit leistet. Die zentralen Referenzwerte schienen über jeden Zweifel erhaben – und nun steht der Verdacht im Raum, sie seien manipuliert worden.”

Die Bafin hat auch Mitarbeiter der Deutschen Bank befragt – als Teil von Untersuchungen zu möglichen Manipulationen von Gold- und Silberpreisen, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr.

http://www.dasinvestment.com/nc/recht-steuern/news/datum/2014/01/17/bafin-chefin-devisen-manipulationen-schlimmer-als-libor-skandal/

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19.12.2013

Ermittler finden Beweise für Devisenmarkt-Manipulation

Die weltweiten Ermittlungen auf den Devisenmärkten haben offenbar schwerwiegende Manipulationen zu Tage gefördert. Die gefundenen Beweise belegen in den Augen einiger Banken häufige Absprachen zwischen Londoner Devisenhändlern, um Währungskurse zu manipulieren, ihre Gewinne zu maximieren und ihre Verluste zu minimieren, wie mit den Ermittlungen vertraute Personen sagen.

Die Beweise in Form von elektronischen Chatroom-Nachrichten zeigen anscheinend, was die Banken schon seit Monaten fürchten: Dass Händler von verschiedenen Banken Informationen über Kundenaufträge geteilt und eine Reihenfolge für die Platzierung ihrer eigenen Handelsgeschäfte zu ihrem Vorteil abgesprochen haben.

Die Ermittlungen haben damit einen gravierenden Wendepunkt erreicht, denn bis vor kurzem hatten viele Branchenvertreter erklärt, sie hätten keine Beweise für betrügerische Absprachen gesehen. Das hat sich in den vergangenen Wochen verändert. Die neuen Beweise zeigten, dass die Händler sehr wohl zusammengearbeitet haben, sagten die informierten Personen weiter.

Die britische Finanzaufsicht FCA, die ihre Ermittlungen im April begonnen hatte, sei von einer Vermögensverwaltungsfirma auf das Thema aufmerksam gemacht worden. Das US-Justizministerium hat eine ähnliche Untersuchung wegen Kartellverstößen und Betrugs eingeleitet. Auch Behörden in Hongkong, Deutschland und der Schweiz beteiligen sich. Auf die Anfragen der Ermittler hin durchforsten die Banken Millionen an elektronischen Nachrichten, die ihre Händler in den vergangenen Jahren verschickt haben, nach Hinweisen auf ein mögliches Fehlverhalten.

Einige Händler mussten schon ihren Hut nehmen

Großbanken wie UBS, Barclays, J.P. Morgan Chase und Citigroup haben im Zusammenhang mit den Ermittlungen mindestens ein Dutzend Händler freigestellt, wie die Informanten weiter sagten. Darunter seien etliche hochrangige Angestellte und mindestens drei, die noch vor kurzem Mitglieder eines Branchenausschusses unter der Schirmherrschaft der Bank of England waren und Londons Devisenmärkte beaufsichtigen sollten. London ist der weltgrößte Handelsplatz für Devisentransaktionen, fast 40 Prozent des Handelsvolumens wird dort abgewickelt.

Ein wichtiges Thema ist die mögliche Manipulation des sogenannten Devisen-Fixings, das als Benchmark gilt. Die täglichen Momentaufnahmen des Handels werden von Vermögensverwaltern unter anderem zur Bewertung ihrer Portfolien genutzt. Der beliebteste ist der sogenannte WM/Reuters-Fix, der an jedem Werktag um 16 Uhr Londoner Zeit festgesetzt wird. Die „Fixes“ werden aus den Kursbewegungen in einem kurzen Zeitraum berechnet.

In den Minuten vor dem Fix wird in der Regel hektisch gehandelt, wenn Banken Käufer und Verkäufer zusammenbringen und ihre eigenen Risiken bei Kundenaufträgen absichern. Diese Hedging-Praxis wird allgemein als legal angesehen. In den vergangen Wochen allerdings haben die Ermittler und die Banken selbst in Chatmitschriften offenbar Beweise dafür entdeckt, dass Händler dabei zu weit gegangen sind und mit Wettbewerbern zusammengearbeitet haben, um die Preise zu beeinflussen.

Absprachen mit Wettbewerbern in Chat-Rooms

So soll es bei einer Gruppe an erfahrenen Devisenhändlern üblich gewesen sein, kurz vor dem Fix die Art und den Umfang ihrer geplanten Handelsgeschäfte mit ihren Wettbewerbern zu besprechen. Diese Diskussionen hätten in elektronischen Chatroom mit Namen wie „The Cartel“ und „The Bandits‘ Club“ stattgefunden.

Die Ermittlung auf dem Devisenmarkt ist eine von mehreren in den vergangenen Monaten wegen möglicher Manipulationen im Bankgeschäft. So haben die Institute im Zusammenhang mit den jahrelangen Untersuchungen der versuchten Manipulationen von Referenzsätzen wie dem Libor bislang etwa 6 Milliarden US-Dollar an Strafen gezahlt. Die Behörden untersuchen außerdem mögliche Unregelmäßigkeiten, unter anderem bei der Festsetzung des Goldpreises und des Isdafix-Swaps.

Angesichts der Aussicht auf größere Strafen bemühen sich die Banken um Lösungen. Einige haben ihren Händlern die Nutzung von elektronischen Chat-Rooms bereits untersagt oder deren Nutzung beschränkt.

http://www.wsj.de/article/SB10001424052702304367204579268242927088038.html

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04.12.2013

EU verhängt 1,7 Milliarden Euro Strafe gegen Banken

Die EU-Kommission bestraft mehrere Großbanken wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit einer Rekordbuße. Den größten Batzen muss die Deutsche Bank zahlen.

Die EU-Kommission greift durch: Sechs Finanzinstitute müssen wegen der Manipulation von Zinssätzen eine Rekordbuße von insgesamt 1,7 Milliarden Euro zahlen. Darunter ist auch die Deutsche Bank mit einer Strafe von 725 Millionen Euro. Das ist die höchste Strafe, die die EU-Kommission im sogenannten Libor-Skandal gegen Banken bisher verhängt hat.

Zu den betroffenen Instituten zählen außerdem die Royal Bank of Scotland, die französische Société Générale sowie die US-Banken Citigroup und JPMorgan. Die britische Barclays und die Schweizer UBS kommen um Strafen herum, weil sie die Kartellwächter über die Manipulation informiert hatten.

Die Banken aus Europa und den USA hätten sich bei der Festlegung von Referenzzinssätzen für den globalen Finanzmarkt abgesprochen und diese dadurch manipuliert – etwa um Handelsgewinne einzustreichen. Diese Praktiken betrafen nach EU-Angaben den in London festgestellten Libor, sein Euro-Pendant Euribor und den japanischen Tibor.

EU will Kartelle auf dem Finanzmarkt bekämpfen

Die Referenzzinsen gelten als Basis für Finanzgeschäfte von Hunderten Billionen Dollar, zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt. Nach dem Willen der Aufseher soll das System wegen der Manipulationen nun geändert werden.

„Der heutige Beschluss ist ein deutliches Signal, dass die Kommission fest entschlossen ist, Kartelle im Finanzsektor zu bekämpfen und zu sanktionieren“, erklärte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Deutsche Bank sorgte vor

Die Deutsche Bank sorgte derweil für die von der EU-Kommission verhängte Geldbuße vor: Die Strafe von gut 725 Millionen Euro sei weitestgehend in den existierenden Rückstellungen der Bank für Rechtsstreitigkeiten enthalten, teilte das Geldhaus mit. Es seien keine zusätzlichen Rückstellungen erforderlich.

Die Beilegung des Rechtsstreits um Manipulationen von Euribor, Libor und Tibor sei ein wichtiger Schritt in den Bemühungen der Deutschen Bank, Altlasten zu bereinigen, erklärten die Co-Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. „Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass sich diese Art von Fehlverhalten nicht wiederholt.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article122539565/EU-verhaengt-1-7-Milliarden-Euro-Strafe-gegen-Banken.html

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26.11.2013

Manipulationen bei Gold und Silber: Bafin überprüft deutsche Banken

Nach dem Manipulationsverdacht bei Gold in London befasst sich nun auch die deutsche Börsenaufsicht mit Unregelmäßigkeiten bei Gold und Silber. Unklar ist, ob die Deutsche Bank erneut ins Visier der Aufseher geraten ist.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin prüft, ob im Metallhandel Missbrauch mit Insiderwissen betrieben wurde. “Die BaFin schaut sich neben Libor und Euribor auch andere Benchmark-Prozesse wie das Gold- und Silberpreisfixing bei einzelnen Banken an”, zitierte das “Wall Street Journal Deutschland” am Dienstag einen Behördensprecher. Die Untersuchungen dauerten noch an. Dem Bericht zufolge haben auch die Regulierer in den USA und Großbritannien Ermittlungen aufgenommen. Diese richteten sich gegen eine Handvoll europäischer Banken.

Eine große Adresse im Gold- und Silberpreisfixing ist die Deutsche Bank. Sie wollte sich dem Bericht zufolge nicht zu den Untersuchungen äußern.

Die Deutsche Bank gehört zu einem Dutzend Geldhäusern, gegen die bereits im Skandal um Zins-Manipulationen ermittelt wird. Händlern wird vorgeworfen, Interbanken-Zinssätze wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten beeinflusst zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen.

Erst kürzlich hat die britische Aufsicht angekündigt, wegen Manipulationen des Goldpreises Untersuchungen vornehmen zu wollen (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/26/bafin-untersucht-manipulationen-bei-gold-und-silber/

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06.11.2013

Mittelständler verlieren Millionen durch falsch berechnete Zinsen

ZDF „Zoom“ deckte höchst zweifelhafte Methoden der großen Banken auf – Überziehungszinsen stehen in keinem Verhältnis zum Leitzins.

Gerade mittelständische Unternehmen wurden durch Banken in der Vergangenheit durch falsche Zinsabrechnungen geschädigt. Vorliegende finanzmathematische Gutachten zeigen auf, dass fehlerhafte Zinsabrechnungen gängige Praxis sind.

So wurden Darlehenskonten über Jahre falsch abgerechnet. Zinsanpassungen bei variablen Zinsen, wurden häufig nur dann vorgenommen, wenn sich der Zins nach oben veränderte. Bei einer Veränderung der Zinsen nach unten, sind regelmäßig keine oder nur unzureichende Anpassungen vorgenommen worden.

Was sich vielleicht wie „Peanuts“ anhört, ergibt in der Summe einen enormen wirtschaftlichen Schaden und das besonders beim Mittelstand. Gerade der Mittelstand geriet hier in den Fokus der Banken, weil bei kleineren und mittleren Unternehmen häufig das nötige Personal fehlt, um Bankgeschäfte täglich zu verfolgen. „Der höchste Schaden, der aktuell in unserer Kanzlei bearbeitet wird, liegt bei knapp einer Million“, so Robert D. Buchmann (Bild), von der auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei Rössner Rechtsanwälte.

Eine klare Zuordnung zu einem Kreditinstitut ist dabei nicht erkennbar. Das Problem zieht sich nahezu durch die gesamte Bankenlandschaft. Ein Indiz mehr dafür, dass das eine grundlegende Praxis in der Bankenbranche ist. „Die Fehlerquelle bei den von uns geprüften Fällen“, so Buchmann weiter, „liegt bei 90 Prozent. Die Schäden sind enorm und betreffen die gesamte Wirtschaft“, so Buchmann weiter.

Die Fehlerberechnung wird durch Gutachten ermittelt. Es wird eine konkrete Kostenabrechnung erstellt. Eine Prüfung der Schäden kann auf Honorar- oder Erfolgsbasis durchgeführt werden. Dadurch liegt in der Prüfung für das Unternehmen kein Risiko.

Eine Sendung zum Thema wurde auch am 30. Oktober 2013 im ZDF gesendet. Die Sendung mit dem Titel „Die Zins-Falle – Wie Banken ihre Kunden abkassieren“ wurde in der Reihe ZDFzoom ausgestrahlt.

http://www.anwalt.de/rechtstipps/mittelstaendler-verlieren-millionen-durch-falsch-berechnete-zinsen_052279.html

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06.11.2013

Aktiendeals: So tricksten Banken den Fiskus aus

von Peter Hornung und Benedikt Strunz, NDR Info

Es ist ein Skandal, bei dem es um Milliardensummen geht – Geld, das dem Staat und damit uns allen fehlt. Über gut ein Jahrzehnt haben sich internationale und nationale Banken bei fragwürdigen Aktiengeschäften – sogenannten Cumex-Deals – offenbar Steuern erstatten lassen, die sie gar nicht gezahlt hatten. Sie haben den deutschen Fiskus überlistet – eine Praxis, die erst durch eine Gesetzesänderung Ende 2012 gestoppt wurde. Nun gibt es neue Dokumente, die NDR Info und der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen und die zeigen, dass die Banken offenbar wussten, auf welch dünnem Eis sie sich bewegten.

Bei Leerverkäufen halfen ausländische Partner

Zwei Tage lang packte der Bankangestellte aus. Er erzählte den Anwälten der HypoVereinbank, was er über die windigen Aktiendeals wusste. Im Mittelpunkt: ein renommierter Steuerexperte und ein reicher Kunde. In einem Vernehmungsprotokoll heißt es: „Alle wissen, dass es um das Ausnutzen einer Gesetzeslücke und die doppelte Anrechnung einer Kapitalertragssteuergutschrift geht. Aber darüber wurde explizit nicht gesprochen.“

Natürlich sprach man lieber nicht darüber, denn sich vom Finanzamt doppelt Steuern erstatten zu lassen, das sei mitnichten eine Gesetzeslücke, sondern schlicht rechtswidrig, sagt die Finanzverwaltung. Der Fiskus wurde ausgetrickst – mithilfe von ausländischen Partnern bei sogenannten Leerverkäufen von Aktien, deren Dividende gerade ausgeschüttet wurde. Dabei fällt eigentlich Kapitalertragssteuer an, die aber unter Umständen zurückverlangt werden kann. Durch ein schnelles Hin- und Herverkaufen über Grenzen hinweg war am Ende jedoch unklar, wer was an Steuern gezahlt hatte.

Ex-Steuerfahnder: „Der Staat wird betrogen“

Banken hätten sich so Gutschriften erschlichen, die ihnen gar nicht zustanden, sagt der Ex-Steuerfahnder Frank Wehrheim: „Das muss man so verstehen, dass der Staat eine Steuer einzieht, bei der Ausschüttung. Er hat die Steuer praktisch schon. Und dann wird er um diese Steuer gelinkt, er wird betrogen.“

Viele Banker wussten offenbar genau, was sie taten. Das zeigt auch ein vertrauliches Papier einer Schweizer Privatbank, die solche Deals wohlhabenden Kunden angeboten hatte: „Dieses Produkt ist unter den genannten Ausführungen steuerrechtlich (und „steuerreputationell“) als nicht ok einzustufen. Weiter wurde festgehalten, dass das Reputationsrisiko als grenzwertig erachtet wird, da es sich wie gesagt um eine aggressive Struktur handelt.“

Schaden liegt möglicherweise im zweistelligen Milliardenbereich

Die Banker sorgten sich um ihren Ruf – und trotzdem haben offenbar viele mitgemacht: internationale Großbanken wie die britische Barclays Bank, aber auch deutsche Banken wie die HypoVereinsbank. Auch die HSH Nordbank prüft derzeit, ob ihre Händler solche Geschäfte gemacht haben.

Experten sprechen von möglichen Schäden im zweistelligen Milliardenbereich für den deutschen Fiskus. Es gibt bundesweit erste Ermittlungsverfahren, Finanzämter prüfen Rückforderungen und womöglich müssen Bankvorstände vor Gericht.

Banken schieben Schwarzen Peter der Politik zu

Der Fall sage viel über Banken, sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag: „Es zeigt, dass zumindest über viele Jahre in vielen Banken mit einer großen Bereitschaft Geschäfte gemacht worden sind, die unserer Gesellschaft schaden – und dass man da offensichtlich kein Unrechtsbewusstsein gehabt hat.“

Unrechtsbewusstsein Fehlanzeige: Man habe nur eine Gesetzeslücke ausgenutzt, so das Argument, man beruft sich dabei auf von den Banken selbst beauftragte Gutachter. Die Politik sei selbst schuld, wenn sie so lange brauche, diese Lücke zu schließen. Ex-Steuerfahnder Wehrheim dagegen findet deutliche Worte: „So wie sich das jetzt darstellt, ist das eine reine Abzocke. Meines Erachtens müsste die Finanzverwaltung da auch wirklich Zähne zeigen und entsprechend vorgehen.

Zumindest bei der Aufklärung wollen einige Banken jetzt helfen – die HypoVereinsbank zum Beispiel. Sie lasse seit Längerem intern ermitteln, so die Bank in einem Schreiben an NDR Info und die „Süddeutsche Zeitung“. Die Bank will alles aufklären, heißt es, und kooperiert mit den Behörden.

http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/reportagen/aktiendeal101.html

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31.10.2013

Banken-Aufseher wollen Manipulationen unterbinden

Die Aufsichtsbehörden wollen den Banken einen Strich durch die Manipulation machen: Sie wollen die Berechnungen der Risiken mitbestimmen. Die Deutsche Bank hatte ihre Eigenkapitalquote mit falschen Zahlen geschönt. Doch bevor etwas geschieht, müssen Studien erstellt werden. Das klingt nach Alibi-Kontrolle.

Die weltweit führenden Bankenaufseher wollen die Banken bei der Berechnung eigener Risiken kontrollieren. Während kleine Banken die Risikogewichte ihrer Vermögenswerte mit dem sogenannten Standardansatz ermitteln, verwenden vor allem große Geldhäuser individuelle Modelle, die aber von den Regulierern genehmigt werden müssen. Aufsichtsexperten hatten in einer Studie Alarm geschlagen, dass die internen Einschätzungen der Gefahren in den Handelsbüchern zu stark auseinanderklafften. Damit könnten die Banken ihre Risiken künstlich kleinrechnen. Das ganze System sei zu anfällig für Manipulationen.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht kündigte am Donnerstag nun eine Prüfung an, ob der Standardansatz als eine Art Untergrenze für die Ergebnisse herangezogen werden soll, die sich aus den internen Risikomodellen ergeben. Je geringer das Risiko, desto weniger Eigenkapital müssen die Banken dafür ausweisen. Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Aareal Bank hatten ihre Eigenkapitalquoten mit internen Modellen manipuliert.

Vor einer Entscheidung will der Baseler Ausschuss aber in einer Studie untersuchen, wie sich eine stärkere Angleichung von internen und Standardmodellen auswirken würde. Die Banken können zu dem Vorstoß bis Januar 2014 Stellung nehmen. Zunächst setzen die Aufseher aber auf die disziplinierende Wirkung der Transparenz: Alle Banken, die interne Modelle verwenden, müssen nach dem Vorschlag ihre Handelsrisiken auch nach dem Standardansatz berechnen und veröffentlichen, damit sich Analysten und Ratingagenturen ein besseres Bild machen können. Zugleich soll das Standardmodell so angepasst werden, dass es die Risiken der einzelnen Geschäfte besser abbildet, aber für kleinere Banken weiterhin taugt.

Deutsche Bankenaufseher und Experten haben davor gewarnt, die Studien zur Anwendung der Modelle zu überschätzen. Große Teile der Unterschiede ließen sich durch nationale Bilanz- und Aufsichtsregeln erklären. Zudem hätten Banken bestimmte Risiken besser im Griff als andere, was deren geringere Unterlegung mit Eigenkapital rechtfertige.

Ob die Aufseher mit diesem Vorgehen wirklich eine Regulierung bezwecken? Die Langsamkeit zeigt, dass die Banken immer schneller sein werden, wenn es darum geht, die Regeln zu umgehen oder ganz offen zu manipulieren.

Der Regulator hat immer das Nachsehen.

Damit bleiben die Risiken im Banken-Sektor hoch – und unabsehbar.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/31/banken-aufseher-wollen-manipulationen-unterbinden/

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24.10.2013

Jury spricht Bank of America schuldig

Die Gründlichkeit, mit der eine Bank-of-America-Tochter die Qualität von Wertpapieren kontrollierte, sei „ein Witz“ gewesen, meint ein US-Staatsanwalt. Und die Jury folgt dem Antrag, die Bank zu verurteilen.

Windige Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise lassen den US-Banken keine Ruhe: Eine Jury in New York kam am Mittwoch zu dem Schluss, dass eine Tochterfirma der Bank of America die staatlichen US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac beim Verkauf von Hypothekenpapieren betrogen hat. Viele der enthaltenen Hauskredite seien faul gewesen. Die Höhe von Strafe und Schadenersatz legt ein Richter später fest. Es könnte sich um bis zu 850 Millionen Dollar handeln.

Es ist ein seltener Fall, dass eine Bank wegen ihrer damaligen Hypothekengeschäfte vor Gericht belangt wird. Üblicherweise werden derartige Fälle im Rahmen von Vergleichen aus der Welt geschaffen. Die Bank of America zahlte auf diesem Wege bereits mehrere Milliarden Dollar an Investoren. Rivale JP Morgan Chase verhandelt momentan mit dem US-Justizministerium über den voraussichtlich größten Vergleich der Wall-Street-Geschichte in Höhe von 13 Milliarden Dollar.

Zusammen mit der Bank of America machte die Jury auch die damals verantwortliche Bankerin haftbar. Die Frau arbeitete für den Immobilienfinanzierer Countrywide, der zu Beginn der Finanzkrise 2008 von der Bank of America übernommen wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr vorgeworfen, ein Programm namens „The Hustle“ (Die Hetze) vorangetrieben zu haben, durch das Kunden besonders zügig einen Hauskredit bekamen. Die Qualitätskontrolle sei dabei „ein Witz“ gewesen, erklärte Bundesstaatsanwalt Preet Bharara.

Hintergrund der schlampigen Überprüfung von Kreditnehmern war der boomende US-Häusermarkt. Weil die Preise der Eigenheime scheinbar unaufhaltsam stiegen, schien die Kreditvergabe selbst bei wenig solventen Kunden ein sicheres Geschäft. Im Zweifelsfall war ja das wertvolle Haus als Sicherheit vorhanden. Doch als die Immobilienblase platzte, die Hauspreise purzelten und viele Schuldner ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, kam es zum Knall.

Weil Hausfinanzierer wie Countrywide die Kredite zu Wertpapieren gebündelt und an Investoren weiterverkauft hatten, geriet das gesamte Finanzsystem in Schieflage. So musste der Staat unter anderem Fannie Mae und Freddie Mac retten. „Die Profite fußten auf Betrug“, erklärte Bharara nach dem Spruch der Jury.

In diesem Fall soll Fannie Mae und Freddie Mac ein Schaden von letztlich 131 Millionen Dollar entstanden sein. Daran bemisst sich auch die Strafe. Das „Wall Street Journal“ merkte an, es handele sich um eine kleine Summe verglichen zu den 49 Milliarden Dollar, die die Bank of America bislang für Rechtsstreitigkeiten in Zusammenhang mit der Übernahme von Countrywide habe aufwenden müssen. Schwerer wiege der Imageschaden.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/gerichtsurteil-jury-spricht-bank-of-america-schuldig/8977526.html

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19.10.2013

Am Devisenmarkt herrscht der Klub der Banditen

Bei Referenzzinsen haben Manipulationen bereits einen Skandal ausgelöst. Doch auf dem Devisenmarkt sieht es kaum besser aus. Große Teile basieren auf Preisen, die Banker auf dubiose Weise ermitteln.

Er hat nur kurz seinen Schreibtisch verlassen. Als er zurückkommt, spielen die Kurse verrückt. Was ist passiert?, durchfährt es den Analysten eines Frankfurter Bankhauses. Er klickt sich nervös durch die verschiedenen Nachrichtenticker und findet – nichts. Es ist nicht das erste Mal, dass die Devisenmärkte ohne offensichtlichen Grund durcheinandergeraten. Manchmal für ein paar Stunden, dann nur für wenige Minuten, aber immer kurz vor 17 Uhr.

17 Uhr in Frankfurt am Main, das ist 16 Uhr in London und der Zeitpunkt, an dem die Kurse für Währungen festgehalten werden. Der Preis, zu dem sie dann gehandelt werden, gilt für die nächsten 24 Stunden als wichtige Orientierung. Das Vermögen von Millionen privaten und institutionellen Anlegern hängt daran, denn Fonds und andere Finanzprodukte werden nach diesem Referenzkurs bewertet.

Als der Analyst in der Zeitung liest, dass manche Banken verdächtigt werden, die Referenzkurse manipuliert zu haben, überrascht ihn das kaum. Auch ein ehemaliger Fondsmanager sagt: „Im Devisenmarkt ging es immer zu wie im Wilden Westen. Dort waren Sachen gang und gäbe, bei denen wir beim Anleihehandel schon längst die Aufsicht im Haus gehabt hätten.“ Dabei ist der Devisenmarkt nicht irgendein Markt: Mit verschiedenen Währungen werden weltweit Tag für Tag fünf Billionen Euro bewegt, es ist die größte Handelsarena der Welt.

Exporteure tummeln sich darin ebenso wie Spekulanten. Und mittendrin sitzen offenbar eine Reihe von Bankern mit krimineller Energie.

Nun wachen auch die Aufseher auf. Amerikaner, Briten, Deutsche und Schweizer sehen sich die Sache an, bitten etwa einige Institute, ihnen E-Mails, Aufzeichnungen von Telefongesprächen und Listen mit den Transaktionen zu geben. Die britische Aufsicht FCA geht noch einen Schritt weiter und hat eine formale Untersuchung der Manipulationen eingeleitet.

Die Bonner Bafin schließt mittlerweile Sonderprüfungen zum Devisenhandel bei einzelnen Banken nicht mehr aus. Und selbst in Hongkong sind die Regulierer im Austausch mit ausländischen Aufsehern.

Einmal mehr werden die Banken verdächtigt, wichtige Referenzwerte für die Finanzmärkte manipuliert zu haben. Das Sündenregister ist mittlerweile umfangreich. So ist erwiesen, dass sich Mitarbeiter mehrerer Großbanken abgesprochen haben, um die Referenzzinsen Libor und Euribor zu beeinflussen. Auch bei einem wichtigen Richtwert für sogenannte Zinsderivate besteht Manipulationsverdacht, am Rohstoffmarkt gibt es ebenfalls Untersuchungen.

Was läuft da schief?

Spätestens jetzt, da noch der Devisenmarkt ins Blickfeld rückt, stellt sich die Frage, ob in der Branche etwas systematisch schiefläuft. Die Kombination aus krimineller Energie und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen weckt starke Zweifel an den vermeintlich verlässlichen Marktpreisen.

„Es gibt viele Werte, die anfällig für Manipulation sind“, sagt ein Geldmarkt-Händler einer großen deutschen Bank. „Und dann gibt es auch immer Banker, die so etwas ausnutzen.“

Zumal die Werte, um die es geht, großen Einfluss auf die Finanzwelt haben. Das gilt für die Libor-Sätze ebenso wie für die Währungs-Benchmarks, die nun infrage stehen. Der Devisenmarkt ist der größte Markt des Finanzsystems – doch anders als etwa die Aktienbörsen ist er kaum reguliert. Die meisten Geschäfte finden außerhalb der Börse statt, rund um die Uhr, am Telefon oder über Computerplattformen.

So gibt es keinen transparent ermittelten Schlusskurs, nach dem sich Fonds oder andere Finanzprodukte richten können. Stattdessen gibt es ein sogenanntes Fixing. Dabei wird zu einer bestimmten Zeit ein möglichst repräsentativer Wechselkurs für ein Währungspaar bestimmt, also etwa vom Euro zum Dollar.

Diverse Banken ermitteln ihre eigenen Fixing-Preise. Der meistgenutzte Wert ist jedoch das Reuters/WM-Fixing, der vom Datenlieferanten Thomson Reuters und dem Finanzkonzern State Street ermittelt wird.

Dieses Fixing hatten sich die Manipulatoren offenbar ausgesucht, um den Preis in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken. Eigentlich sollte das laut Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Xaia, aufgrund der unterschiedlichen Interessenlage der Händler kaum möglich sein: „Letztlich ist das ein Nullsummenspiel, und der Markt sollte das regeln“, sagt er. Doch leider ist der Markt alles andere als perfekt.

Chance für Absprachen

Während wichtige Währungen wie Euro oder Dollar in so großen Volumina gehandelt werden, dass ein einzelner Banker die Preise nur schwer beeinflussen kann, sieht es bei exotischeren Devisen wie indonesischen Rupiah oder thailändischen Baht anders aus – da kann der Markt zu einer bestimmten Zeit leicht nur aus einer Handvoll Adressen bestehen. Das aber eröffnet die Chance zu Absprachen. Eine Chance, die sich eine Gruppe hochrangiger Händler offenbar nicht entgehen lassen wollte.

„Klub der Banditen“ oder „Das Kartell“ sollen sie sich ganz offen genannt haben, die Banker, die über einen Online-Chatroom Preise abgesprochen haben. Gegen sie ermittelt nun die Aufsicht. Die Liste der betroffenen Banken steht noch nicht fest. Zu den größten Spielern im Devisenhandel zählen jedenfalls die Deutsche Bank und Citi. Sie beherrschen laut Schätzungen fast die Hälfte des Marktes.

Beide durchforsten derzeit ihre Geschäfte nach möglichen Mogeleien, wollen sich zum Fortgang der Untersuchungen aber nicht äußern. Laut Information der „Welt am Sonntag“ wurden aber zumindest bei der Deutschen Bank bislang keine Auffälligkeiten entdeckt. Die britische Barclays prüft laut Finanzkreisen ebenfalls. Auch die Royal Bank of Scotland soll bereits E-Mails eines ehemaligen Mitarbeiters an die zuständigen Behörden weitergereicht haben.

Dass sie sich aus dem Geschäft mit einzelnen Währungen bereits zurückgezogen hat, hängt dagegen nach eigenem Beteuern ausschließlich mit der Geschäftsstrategie zusammen und nicht mit den jüngsten Ermittlungen. In der Schweiz ist vor allem die UBS ins Visier der Behörden gerückt. Sie soll bereits zwei hochrangige Devisenhändler im Zuge der Aufklärungsarbeiten vor die Tür gesetzt haben. Die US-Bank JP Morgan soll ebenfalls mit den Aufsehern im Kontakt sein. Die Banken wollen all das nicht kommentieren.

Nur die Spitze des Eisbergs

Wie schon bei Libor stellt sich einmal mehr die Frage: ein Sonderfall oder nur die Spitze des Eisbergs? Und die erste Antwort wird dabei immer weniger plausibel.

„Es erwischt immer nur die Dummen“, sagt ein langjähriger Bankvorstand. „Die Smarten hinterlassen keine Spuren.“ Dass in den vergangenen Jahren so viele Skandale ans Licht gekommen seien, habe nichts mit veränderter Kultur zu tun.

Im Gegenteil: Teilweise sei es früher sogar noch schlimmer zugegangen. Nur seien durch die Digitalisierung Absprachen leichter nachzuverfolgen und die Regulierung strenger geworden. Die Institute sind mittlerweile so eingeschüchtert, dass sie den Aufsehern sogar freiwillig E-Mails aushändigen.

Gleichzeitig aber ist die Bedeutung der Fixing-Kurse rapide gestiegen. Waren sie früher in erster Linie Orientierungswerte, hängt heute der Wert Tausender Derivate, Indexfonds und anderer Finanzprodukte von ihnen ab. „Damit gibt man einem Richtwert, der nie auf einer brillanten Methodik beruhte, plötzlich viel zu viel Gewicht“, sagt ein Wertpapierhändler.

Etwas Besserung verspricht sich etwa Vermögensverwalter Felsenheimer davon, einen größeren Teil des Derivategeschäfts aus den Hinterzimmern der Banken herauszuholen und über börsenähnliche Clearinghäuser abzuwickeln: „Dort wird das Fixing transparenter werden.“

Andere Branchenkenner sind da weniger optimistisch. „Gegen Manipulation wird man nie ankommen, die kriminelle Energie von Einzelpersonen ist einfach zu hoch“, sagt ein hochrangiger Bankmanager. Doch eines dürfte den Bankern klar sein: Das Entdeckungsrisiko steigt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article121039023/Am-Devisenmarkt-herrscht-der-Klub-der-Banditen.html

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11.10.2013

Verdacht von Devisenbetrug: Jetzt wird global ermittelt

Der Bankenwelt droht der nächste Mega-Skandal: Nach der Finma ermitteln jetzt wohl auch London und Washington im Fall von Devisenmanipulationen. Die UBS ist mit der grösste Player am Währungsmarkt.

Der Manipulationsverdacht an den Devisenmärkten zieht immer weitere Kreise. Der Londoner Börsenindexanbieter FTSE untersucht inzwischen den Einsatz wichtiger Referenzwerte bei seinen Kursberechnungen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete. Die Tochter der Londoner Börse wollte den konkreten Fall nicht kommentieren, sagte aber, die Indexberechnung ständig zu überprüfen. In diese fliessen auch die Referenzkurse des Datenanbieter WM/Reuters ein, die von Banken manipuliert worden sein sollen.

Auch die USA haben Kreisen zufolge eine vorläufige Untersuchung eingeleitet. Das US-Justizministerium stehe wegen der Vorwürfe in Kontakt mit Marktteilnehmern, überlasse die Hauptuntersuchung aber den europäischen Partnern, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Auch Bonn und Brüssel sind alarmiert

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hält sich noch zurück, erwägt nun aber doch Sonderprüfungen bei deutschen Banken im Zuge der weltweiten Ermittlungen. «Bislang gab es keinen Anlass für spezielle Sonderprüfungen», bekräftigte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Freitag, fügte aber erstmals hinzu: «Sonderprüfungen können aber folgen.» Die Bafin stehe in der Angelegenheit nicht nur mit ausländischen Behörden im Kontakt, sondern untersuche den Sachverhalt auch selbst, betonte ein Sprecher.

Bereits im Juni hatte die britische Finanzmarktaufsicht FCA erste Untersuchungen in dem Fall eingeleitet. In der vergangenen Woche machte die schweizerische Finanzmarktaufsicht Ermittlungen bei ihren Banken öffentlich. Die EU hatte zu Wochenbeginn angekündigt, den Manipulations-Vorwurf ihrerseits zu untersuchen. Sollten sich die Hinweise erhärten, werde er ein formelles Verfahren eröffnen, hatte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Montag angekündigt. Die EU sei noch in der Anfangsphase der Prüfung.

Die UBS gehört zu den grössten Playern im Devisenhandel

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat laut Finanzkreisen bereits Protokolle von Textnachrichten eines früheren Devisenhändlers an die Aufseher weitergeleitet. Bei internen Ermittlungen seien in den an Mitarbeiter anderer Institute geschickten Nachrichten unangebrachte Inhalte etwa zu Handelspositionen entdeckt worden. Bei der schweizerischen UBS sollen zwei Händler gefeuert worden sein.

Auch die Deutsche Bank musste Kreisen zufolge in Grossbritannien Daten vorlegen. Sie gilt als weltweit grösster Akteur auf dem Devisenmarkt. Das Institut will den Fall öffentlich nicht kommentieren. Die deutsche Bankenaufsicht Bafin hat bislang keinen konkreten Verdacht, dass ein deutsches Institut in das Geschehen verwickelt ist. Seit dem Sommer habe die Behörde den Fall im Blick, sagte ein Sprecher vor wenigen Tagen. Einen Anlass für eine formelle Sonderprüfung gebe es bislang nicht. Dies könne sich aber noch ändern.

Devisenhandel ist der grösste Finanzmarkt überhaupt

Mit einem täglichen Umsatzvolumen von zuletzt 5,3 Billionen US-Dollar ist der Devisenhandel der grösste Finanzmarkt überhaupt, aber zugleich wenig reguliert. Die weltweit grössten Akteure sind neben der Deutschen Bank und der UBS die britische Bank Barclays und Citigroup aus den USA. Die Deutsche Bank belegt mit einem Anteil von 15 Prozent Rang eins, vor der Citigroup mit knapp 15 Prozent. Auf Rang drei und vier folgen die britische Barclays Bank und die UBS, welche beide auf zehn Prozent Marktanteil kommen.

Im Juni hatten mehrere Händler bei der Nachrichtenagentur Bloomberg anonym über ihre Manipulationsversuche berichtet. Um eigene Geschäfte zu unterstützen, sollen sie die kurze Phase für die Ermittlung des sogenannten Londoner Fixings genutzt haben. An diesem Wert orientieren sich etwa zahlreiche Fonds und Indexanbieter bei der Berechnung der eigenen Kurse.

Nächster grosser Bankenskandal nach Libor?

Die möglichen Manipulationen könnten sich zum nächsten Skandal für die Bankenbranche entwickeln. Seit gut einem Jahr sorgen bereits mutmassliche Betrügereien beim Referenzzinsatz Libor für Aufregung. Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland haben in diesem Zusammenhang bereits zusammen rund 2,5 Milliarden Dollar in den USA und Grossbritannien gezahlt. In den nächsten Wochen wird mit weiteren Vergleichen gerechnet.

Untersuchungen von Behörden laufen auch bei anderen wichtigen Referenzgrössen etwa für den Ölpreis und im Gasgeschäft. Ebenfalls unter Manipulationsverdacht steht das von einer Handvoll Grossbanken zweimal täglich festgesetzte Londoner Goldpreisfixing sowie die Angaben am Derivatemarkt.

http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/verdacht-von-devisenbetrug-jetzt-wird-global-ermittelt-509642

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08.10.2013

EU vermutet Manipulation der Wechselkurse

Der Devisenmarkt hat ein Handelsvolumen von 5,3 Billionen Dollar am Tag. Wer hier trickst, kann ordentlich profitieren. Jetzt prüft die Kartellbehörde der Europäischen Union eine mögliche Manipulation der Wechselkurse.

Die Kartellbehörden der Europäischen Union prüfen nach Aussage von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia den Vorwurf einer möglichen Manipulation von Wechselkursen. Zuvor hatte die Schweiz bereits Untersuchungen bei Banken aufgenommen, die bei der Manipulation von Fremdwährungskursen zusammengearbeitet haben sollen.

Der EU-Wettbewerbskommissar sagte am späten Montag in einem Live-Webchat auf der EU-Webseite, er habe in den letzten paar Tagen von Aktivitäten im Zusammengang mit der Manipulation verschiedener Arten von Wechselkursen gehört, die „einen möglichen Verstoß gegen Wettbewerbsregeln darstellen könnten“.

Ich kann nicht mehr vorwegnehmen, weil wir eine Untersuchung einleiten, um erst mal zu sehen, wie die Sachlage ist und wer für die Verstöße verantwortlich sein könnte“, erklärte Almunia. „Wir befinden uns in einer äußerst frühen Phase.“ Sein Sprecher lehnte weitere Kommentare ab.

Die Untersuchungen wurden begonnen, nachdem Bloomberg News im Juni berichtet hatte, dass Händler bei Banken Informationen ausgetauscht haben und Kundenorders nutzten, um die Benchmark-Wechselkurse zu bewegen. Die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority erklärte in dem Monat, dass sie die Vorwürfe prüfe.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht führt Untersuchungen bei „mehreren“ Finanzinstituten wegen möglicher Manipulation von Fremdwährungskursen durch, wie die FINMA am vergangenen Freitag mitteilte. Auch die Wettbewerbsbehörde der Schweiz ist an den Ermittlungen beteiligt. Der Devisenmarkt kommt auf ein tägliches Handelsvolumen von 5,3 Billionen Dollar.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/untersuchung-gestartet-eu-vermutet-manipulation-der-wechselkurse/8899954.html

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04.10.2013

Auch in der Schweiz – Banken haben eventuell Währungskurse frisiert

  • Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA geht dem Verdacht auf Kursmanipulationen im Devisenmarkt nach.

In enger Abstimmung mit ausländischen Behörden gebe es Untersuchungen bei mehreren Schweizer Finanzinstituten, teilte die FINMA am Freitag mit ohne weitere Einzelheiten zu nennen. International sei möglicherweise eine Vielzahl von Banken betroffen.

Bereits im Sommer hatte die britische Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) erklärt, sie gehe Berichten über Manipulationen bei der Festlegung von Referenzkursen für eine ganze Reihe von Währungen nach. Solche Referenzkurse werden im Devisenhandel auf der Basis von Markt-Transaktionen festgelegt. Sie dienen Firmen und großen Anlegern wie Fonds als Basis für ihre Währungsgeschäfte. Ob die FCA nun mit der FINMA zusammenarbeitet, wollte ein Sprecher nicht sagen.

Händler mit einer genauen Kenntnis des Marktes können versuchen, die Referenzkurse zu manipulieren oder zugunsten eigener Transaktionen auszunutzen. Das gilt vor allem dann, wenn sie wissen, welche großen Kundenaufträge anstehen. Im Händler-Jargon spricht man von „front runnig“. Auch im Libor-Skandal ging es darum, dass einzelne Händler den Referenzzins zu ihren Gunsten beeinflussten. Es sei für ihn keine Überraschung, dass es im Devisenhandel solche Versuche gebe, sagte ein Londoner Händler. Angesichts der Größe des Marktes und der Vielzahl von Marktteilnehmern könne das aber auch leicht schiefgehen.

Der Verdacht auf Kursmanipulationen hat auch die Schweizer Kartellbehörde auf den Plan gerufen. Die Wettbewerbskommission (WEKO) leitete Ende September eine Voruntersuchung wegen möglicher Absprachen von Währungswechselkursen zwischen verschiedenen Banken ein.

Kein Kommentar bei Schweizer Großbanken

Der weltweite Devisenmarkt ist riesig. Pro Tag werden Devisen im Gegenwert von mehr als 5000 Milliarden Dollar umgesetzt. Größere Devisenhandels-Operationen betreiben in der Schweiz vor allem die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse. Beide Finanzhäuser wollten zu den Angaben der FINMA keine Stellung nehmen. „Kein Kommentar“, erklärten Sprecher der beiden Banken.

Das Schweizer Internet-Portal „Inside Paradeplatz“ berichtete am Freitag, UBS habe zwei Devisen-Chefhändler entlassen. „Kein Kommentar“, erklärte ein UBS-Sprecher auch dazu.

Deutsche Bank, die als Marktführer gilt, sowie die amerikanische Citi Group betreiben große Devisenhandelsabteilungen. Das gleiche gilt für Barclays und HSBC aus Großbritannien. Im Libor-Skandal wurden UBS, Barclays und Royal Bank of Scottland zu zum Teil hohen Geldstrafen verurteilt, weil ihre Händler den Referenzzins manipuliert hatten. Die Aktien von Credit Suisse und UBS notierten an der schwächeren Schweizer Börse kaum verändert.

Die Festlegung von Referenzkursen basiert weitgehend auf Marktdaten, die der Informationskonzern Thomson Reuters liefert. Die Berechnungen nimmt World Markets Co, ein Unternehmen von State Street Corp vor. Thomson Reuters lehnte eine Stellungnahme ab.

http://www.format.at/articles/1340/936/367386/auch-schweiz-banken-waehrungskurse

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29.08.2013

Devisenmanipulation: Wenn der Dollar immer um 16 Uhr steigt

Am Devisenmarkt zeichnet sich ein Manipulationsskandal ab. Regelmäßig kam es am gleichen Wochentag zur gleichen Uhrzeit zu identischen Kursausschlägen. Großbanken stehen unter Verdacht, die Kurse zu beeinflussen.

Es hatte schon etwas von Magie: Kurz vor 16 Uhr begann der Kurs des US-Dollars am letzten Freitag im Juni plötzlich gegenüber dem kanadischen Dollar um 0,57 Prozent zu klettern – es war der stärkste Anstieg seit einem Monat. Doch innerhalb von einer Stunde waren zwei Drittel des Kursgewinns wieder abgeschmolzen. Kein Zufall, sagen Experten. Sie beobachteten schon seit längerer Zeit ähnliche Kursausschläge.

Dieses wiederkehrende Muster – ein plötzlicher Anstieg um kurz vor 16 Uhr Londoner Zeit am letzten Handelstag des Monats, gefolgt von einem raschen Rückschlag – beobachten die Experten schon seit zwei Jahren. Bei 14 Devisenpaaren kam es in 31 Prozent der Monate zu solchen Ausschlägen, wie Daten von Bloomberg belegen. Für die am häufigsten gehandelte Währungspaare, wie Euro-Dollar, geschah es sogar in der Hälfte der Zeit.

Wir beobachten enorme Spitzenwerte“,  sagt Michael DuCharme, Leiter Devisenhandel bei Russell Investments in Seattle. „Dann, kurz nach 16 Uhr fällt der Kurs wieder zurück. Das erhärtet den Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht.”

Die Spitzenwerte treten immer dann auf, wenn die Finanz-Benchmarks unter dem Namen WM/Reuters-Sätze bekannt gegeben werden. Sie sind die Basis für viele Handelsgeschäfte mit Devisen. Experten deuten die Muster als Beleg für die Manipulation von Devisenkursen. Damit würde der Wert von milliardenschweren Fonds, die Indizes abbilden, verzerrt.

Weltweit untersuchen Aufsichtsbehörden den Missbrauch von Finanz-Benchmarks durch Großbanken. Sie spielen eine zentrale Rolle bei Festlegung der Indizes. Barclays, Royal Bank of Scotland Group und UBS wurden bereits mit Strafen von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar für Manipulationen beim Londoner Interbanken-Satz Libor belegt. Die Commodity Futures Trading Commission in den USA untersucht wegen des Verdachts der Manipulation bei Rohstoffen.

Von Bloomberg News befragte Investoren und Berater sagen, dass wichtige Devisenhändler bei Banken möglicherweise eine große Zahl von Handelsgeschäften innerhalb eines kurzen Zeitraums ausführen. Damit sollen sie den Kurs zu ihrem Vorteil bewegen – eine unter dem Namen „banging the close” bekannte Praxis. Da die 16-Uhr-Benchmark bestimmt, wie viel Gewinn Händler mit den Positionen erzielen, die sie in der vorherigen Stunde eingegangen sind, bestehe ein Anreiz, den Satz zu beeinflussen, erläutert DuCharme.

Es gibt bei den Währungen gewisse Muster, die dem sehr ähneln, was ich in anderen Märkten gesehen habe, und zwar dahingehend, dass die Auswirkungen der Preisfestsetzungen häufig bis zum nächsten Tag verschwunden sind“, sagt Rosa Abrantes- Metz. Die Professorin an der Stern School of Business der New York University hatte mit ihrem im August 2008 erschienenen Papier, „Libor Manipulation?,” die Untersuchungen über die Manipulation von Referenzzinssätzen ausgelöst.

Es sind auch große Kursbewegungen zu einem Zeitpunkt zu sehen, da das Handelsvolumen hoch und daher der Markt sehr liquide ist. Wenn ich Aufseher wäre, würde ich das sicherlich unter die Lupe nehmen”, führt sie aus.

Die WM/Reuters-Sätze legen fest, wie viel viele Pensionsfonds und Vermögensverwalter für Devisen bezahlen. Benchmark-Anbieter wie FTSE Group und MSCI basieren die täglichen Notierungen von Indizes mit unterschiedlichen Währungen auf den um 16 Uhr ermittelten WM/Reuters-Sätzen, dem so genannten London Close. Die Daten werden von World Markets, einer Tochtergesellschaft von State Street, und Thomson Reuters gesammelt und verbreitet. Bloomberg, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit Thomson Reuters und ICAP in den Bereichen Nachrichten und Information sowie Devisenhandelssysteme.

Der Devisenmarkt ist einer der am wenigsten regulierten und einer der undurchsichtigsten Märkte im Finanzsystem. Er weist auch eine hohe Konzentration auf – mehr als die Hälfte des gesamten Handels entfällt auf vier Banken. Die Deutsche Bank belegt mit einem Anteil von 15 Prozent Rang eins, vor Citigroup mit knapp 15 Prozent. Danach folgen die britische Bank Barclays und die Schweizer UBS, die beide auf 10 Prozent Marktanteil kommen. Alle vier Banken wollten keinen Kommentar abgeben.

Da die Finanzinstitute Kundenorders vor dem London Close bekommen und einige Händler mit Kollegen bei anderen Häusern über Orders reden, haben Banken einen Einblick in die zukünftige Richtung der Sätze, wie fünf im Juni interviewte Händler berichteten. Das erlaube ihnen, die Gewinne aus ihren Kundenorders zu maximieren und manchmal eigene, zusätzliche Wetten abzugeben, sagten die Händler, die um Anonymität baten, da die Praxis umstritten ist.

Selbst kleine Verzerrungen bei den Devisenkursen können Investoren im Jahr Hunderte von Millionen Dollar kosten und die Erträge für Sparer und Pensionäre schmälern, sagt James Cochrane, Direktor Analytics bei Investment Technology Group in Paris. „Was als einfaches Instrument zur Erstellung einer Benchmark begonnen hat, ist unglaublich groß geworden und es gibt keine Aufsichtsbehörde, die es beobachtet”, sagt Cochrane, der früher im Devisen-Sales-Bereich der Deutschen Bank tätig war und bei Thomson Reuters gearbeitet hat. „Jeder Basispunkt bedeutet eine riesige Geldsumme.”

Ein Investor, der am 28. Juni eine Milliarde kanadische Dollar in US-Dollar tauschen wollte, hätte 5,4 Millionen Dollar weniger erhalten, wenn das Geschäft zum WM/Reuters-Satz ausgeführt worden wäre, statt zum Kassakurs 20 Minuten vor dem 16-Uhr-Fenster.

 Einer der größten europäischen Vermögensverwalter hat eine Beschwerde bei der FCA eingereicht und sagt, der Satz werde manipuliert. Die Aufsichtsbehörde habe Informationsanfragen an vier Banken verschickt, darunter die Deutsche Bank in Frankfurt und die Citigroup in New York, heißt es weiter. Chris Hamilton, ein Sprecher der FCA, sowie Sprecher der Deutschen Bank und der Citigroup wollten keinen Kommentar abgeben.

Da die großen am Fixing beteiligten Banken ihre Orders zum Fixing vor 16 Uhr kennen, können sie sich vorher positionieren, bevor sie versuchen, Kurse in ihrem Sinne zu bewegen”, schrieben Michael Melvin und John Prins von BlackRock in einer Aktualisierung des Berichts „Equity Hedging and Exchange Rates at the London 4 p.m. Fix”.

Wiederkehrende Kursanstiege, insbesondere zu geschäftigen Zeiten wie dem Monatsende können ein Anzeichen für Marktmanipulation und möglicherweise Absprachen sein, sagt Professorin Abrantes-Metz.

Wenn das Handelsvolumen hoch ist, hat jedes Geschäft wenig Bedeutung im Markt insgesamt und eine geringe Wahrscheinlichkeit, den endgültigen Kurs zu beeinflussen”, erläutert Abrantes-Metz. „Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir hier beobachten. Das könnte ein Signal für ein Problem in diesem Markt sein.”

http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/devisenmanipulation-wenn-der-dollar-immer-um-16-uhr-steigt/8708052.html

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05.08.2013

Manipuliert: Banken zocken Rentner im großen Stil ab

Banken haben Millionen durch die Manipulation von Zins-Derivaten verdient. Die Leittragenden sind Unternehmer und Rentner. Der Index ISDAfix bestimmt den Wert von Rentenfonds, Staatsanleihen und Immobiliengeschäften.

US-Behörden haben einen neuen Betrugsfall aufgedeckt: Banken haben durch koordinierte Massenverkäufe den Richtwert für Zins-Derivate (ISDAfix) manipuliert. Die Überwachung von Telefonaten und Emails durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ergab, dass die Banken an der Wall Street den Händlern Aufträge erteilt haben, so viele Zins-Swaps wie möglich zu kaufen oder verkaufen, um dadurch den Börsen-Index ISDAfix auf einen bestimmten Wert zu  heben oder zu drücken.

Durch die Aktion haben die Banken Profite in Millionenhöhe einfahren können. Der ISDAfix ist Richtgröße für Zins-Derivate, die zum Beispiel von dem Kalifornischen Rentenfonds im öffentlichen Dienst genutzt wird, heißt es einer anonymen Quelle von Bloomberg zufolge. Das verstößt gegen geltendes Recht in den USA, da Händler nicht aktiv in die Preisgestaltung eingreifen dürfen.

Die Banken nehmen bei dem Betrugsgeschäft kurzfristige Handelskosten von mehreren hunderttausend Dollar in Kauf, um später Millionen durch die Manipulation des ISDAfix um 0,0025 Prozentpunkte verdienen zu können. Was die einen einnehmen, verlieren die anderen. Rentenfonds schreiben Verluste, da sie nicht in die Insidergeschäfte eingeweiht sind.

Die Enthüllungen um die Manipulation des Libor-Index ist nur der Anfang (mehr hier). Nahezu alle Preise an der Börse werden manipuliert, von Zinsraten über Währungen bis hin zu Waren. Die Strafen, die durch die Manipulation des Libor-Index an die Banken verhängt wurden, halten sich in Grenzen  (etwa 2,5 Milliarden Dollar). Allein im Währungsmarkt werden hingegen 4,7 Billionen Dollar täglich gehandelt.

Die Manipulation des ISDA-Index trifft jedoch mehr Menschen direkt, da auch Rentenfonds den Index für Spekulationen nutzen. „In drei Jahren wird ISDAfix eine große Story werden und kann, was die Schäden angeht, potenziell größere Ausmaße als Libor annehmen“, sagte Jach Chan Finanzberater und Swap-Experte bei SFC Associates in New York.

ISDAfix bewertet den Derivate-Handel mit Swaptions, sogenannten Optionen auf Tauschgeschäfte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt können feste gegen dynamische Zins-Geschäfte getauscht werden. Die ausstehenden Wetten mit Swaptions belaufen sich für Ende Juni auf knapp 30 Billionen Dollar.

Der Index regelt auch den Wert von europäischen Staatsanleihen und Sicherheiten im Wert von 550 Milliarden Dollar, die in kommerziellen Immobiliengeschäften gebunden sind.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/05/manipuliert-banken-zocken-rentner-im-grossen-stil-ab/

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30.07.2013

Rohstoffmarkt: Manipulationen häufen sich

Strom, Aluminium, Öl, Gold – nahezu überall gibt es den Verdacht, dass Banken und Unternehmen die Preise künstlich in die Höhe treiben. JP Morgan, Barclays und Goldman Sachs sind nur einige Beispiele.

Der Markt ist groß, er ist unübersichtlich, wenig transparent und er hat ein gigantisches Volumen: Die Rede ist vom Rohstoffsektor. Damit ist er ein ideales Spielfeld für Banken, Hedgefonds und Unternehmen, um ihn zu manipulieren. Das jüngste bekannt gewordene Beispiel dreht sich um den Energiemarkt der Vereinigten Staaten. Der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase wird vorgeworfen, in den Jahren 2010 und 2011 den Strompreis manipuliert zu haben.

Konkret soll ein höheres Angebot vorgegaukelt worden sein, um den Preis nach unten und die Gewinne nach oben zu treiben. Nun soll JP Morgan einem Vergleich zugestimmt haben, um die Ermittlungen zu einem Abschluss zu bringen. 400 Millionen Dollar muss die nach Bilanzsumme größte Bank zahlen, damit die Aufsichtsbehörden ihre Ermittlungen fallen lassen. JP Morgan wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Auch wurde zu Beschuldigten keine genauen Angaben gemacht.

Die Rohstoffmärkte stagnieren

Erst am Freitagabend hatte JP Morgan überraschend seinen Rückzug aus dem Handel mit physischen Rohstoffen angekündigt. Dazu zählt der Handel mit Öl und Metallen, die sich über Tochterfirmen im Besitz der Großbank befinden, aber auch Kraftwerke, welche JP Morgan kaufte. Sie ist nicht die erste Bank, die wegen Strompreismanipulationen eine Geldstrafe zahlen muss. Diesen Monat musste bereits die britische Großbank Barclays eine Millionenstrafe zahlen. Barclays möchte gegen das Urteil gerichtlich vorgehen und weigert sich, die 470 Millionen Dollar zu zahlen.

Die beiden Fälle sind aber exemplarisch für einen Markt, auf dem sich Manipulationen häufen und große Profite immer schwieriger zu erzielen sind. Vorbei sind die Zeiten, als Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent ohne weiteres möglich waren. Die Rohstoffmärkte stagnieren. Der GSCI Total Return Index, der die Preisentwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, legte vergangenes Jahr nur noch um weniger als 0,1 Prozent zu. In früheren Jahren ging es um mehr als 20 Prozent nach oben. Ein zweiter Grund, warum jetzt so viele Manipulationen aufgedeckt werden, ist die wachsende Expertise in den Aufsichtsbehörden.

Erst vor wenigen Jahren begannen die Banken damit, sich auf den Rohstoffmärkten auszubreiten und zeitweise große Profite zu scheffeln. Dagegen waren die Behörden lange Zeit nur auf Aktien, Anleihen und Devisen spezialisiert. Mit der steigenden Marktmacht der großen Banken auf den Rohstoffmärkten wurden nun aber auch die Regulatoren auf die Probleme aufmerksam. So wurde in den vergangenen Monaten einige aufsehenerregende Fälle aufgedeckt oder Ermittlungen angestrengt. Egal ob bei Edelmetallen, Energierohstoffen oder Industriemetallen – überall gibt es Manipulationen oder Ermittlungen.

Das jüngste Beispiel, das Aufsehen erregt, ist die amerikanische Großbank Goldman Sachs. Der Konzern soll an jeder Getränkedose oder Konservenbüchse geschätzte 0,1 Cent verdienen – bei vielen Billionen Dosen kann ein nicht zu unterschätzender Gewinn entstehen.

Die Goldman-Sachs-Getränkedose

Allein die amerikanischen Verbraucher soll das bis zu fünf Milliarden Euro gekostet haben. Konkret soll die Manipulation laut Recherchen der „New York Times“ folgendermaßen ablaufen: Seit drei Jahren besitzt Goldman Sachs den Lagerhausspezialisten Metro International – durch seine Lager geht etwa ein Viertel des amerikanischen Aluminiums.

Zu Anfang der Übernahme warteten die Kunden ungefähr 6 Wochen auf ihre Ware – heute sollen es mehr als 16 Monate sein. Goldman Sachs kassiert für jeden zusätzlichen Tag Lagergebühren – die Kosten werden dann an die Endverbraucher weitergegeben. Die „New York Times“ spricht von absichtlich verschleppten Lagerfristen.

Auch beim Öl soll es Manipulationen zu Ungunsten der Verbraucher gegeben haben. Allerdings stehen nicht Banken im Visier der Fahnder, sondern die europäischen Ölkonzerne BP, Shell und Statoil.

Der Preismechanismus gilt als intransparent

Sogar zu Razzien ist es bereits gekommen. Der Preismechanismus auf dem Markt gilt gemeinhin als intransparent. Die Europäische Kommission untersucht, ob Referenzpreise auf Öl manipuliert wurden. Bei einigen Ölprodukten findet nur alle paar Tage ein Handelsgeschäft statt. Deshalb sind bei der Preisermittlung auch Schätzungen notwendig.

Der Referenzpreis auf Öl wird bei Platts täglich um 17.30 Uhr bekannt gegeben. Sollten also Ölkonzerne für ihre Geschäfte leicht höhere Preise angegeben haben, könnten sie bis zur nächsten Preisbekanntgabe ihr Öl für einen höheren Preis handeln. 90 Prozent aller Ölgeschäfte basieren auf solchen Referenzpreisen. Im vergangenen Jahr wurden außerdem etwa Finanzkontrakte auf Öl in Höhe von 1,5 Billionen Dollar gehandelt.

Ebenso prüft die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC beim Edelmetall Gold mögliche Preismanipulationen. Besonders interessiert man sich für die Festsetzung des Fixpreises für eine Feinunze Gold. Der Preis wird von fünf Banken, darunter der Deutschen Bank, zweimal am Tag festgesetzt. Die CFTC kritisiert die Preisfindung als zu intransparent.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/rohstoffmarkt-manipulationen-haeufen-sich-12312353.html

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24.07.2013

Banken manipulieren im großen Stil Aluminium-Markt

Die weltweiten Rohstoffmärkte werden zusehends von US-amerikanischen Investmentbanken kontrolliert. Konzerne wie Goldman Sachs horten zum Beispiel Aluminium, um damit Spekulationsgewinne zu realisieren. Die Preissteigerungen zahlen die Konsumenten.

Eine Anhörung des US-Senats hat sich am Dienstag mit den Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten befasst, die durch die Spekulationstätigkeit von Investmentbanken verursacht wird. Der jährliche Schaden geht nach Ansicht von Finanzexperten in die hunderte Milliarden Euro.

Die Anhörung wurde erst angesetzt, nachdem sich ein Bericht der New York Times mit den Manipulationen am Aluminium-Markt beschäftigt hatte. Zudem beschwerten sich jüngst mehrere Industrie-Konzerne wie General Motors, Boeing oder Coca Cola über die zwielichtigen Geschäftspraktiken der Wall Street-Banken. Für sie fallen durch die teureren Rohstoffe zusätzliche Kosten an. Tim Weiner von der US-Großbrauerei Miller Coors etwa beschuldigte bei der Anhörung die Banken, künstliche Versorgungs-Engpässe auf dem Aluminium-Markt zu schaffen.

Allein im vergangenen Jahr hätten die Marktmanipulationen von Banken die Kosten für Aluminium weltweit um drei Milliarden Dollar erhöht, so Weiner. Werde den Rohstoffgeschäften der Banken kein Einhalt geboten, „werden wir 2008 lediglich die erste und bei weitem nicht die schlimmste Wirtschaftskrise erlebt haben“, sagte Joshua Rosner vom Wirtschaftsinstitut Graham Fisher and Co.

Der weltweite Aluminium-Handel wird von der Londoner Metallbörse (LME) geregelt, befindet sich aber zu weiten Teilen in der Hand von wenigen Investment-Firmen. Dazu gehören US-amerikanische Banken ebenso wie der Schweizer Rohstoffhändler Glencore.

Dem Zeitungsbericht zufolge haben die Aluminiumbestände in den weltweit 719 von der LME reglementierten Lagerhäusern mit 5,4 Millionen Tonnen eine Rekordhöhe erreicht. Käufer müssen trotzdem mit einer Lieferzeit von 16 Monaten rechnen. Bevor Goldman Sachs im Jahr 2010 27 Lagerhallen im Großraum Detroit kaufte, hatten die durchschnittlichen Lieferfristen noch sechs Wochen betragen.

Dabei schreibt die LME den Händlern eigentlich Auslieferungsquoten vor, um preistreibende Rückhaltungen zu verhindern. Die New York Times fand jedoch heraus, dass das Aluminium lediglich von einem Goldman-Lagerhaus zum anderen verschoben wird, anstatt an Kunden ausgeliefert zu werden. Ein dort angestellter Gabelstaplerfahrer sprach von einem „Metall-Karussell“. Auch die LME selbst profitiert von diesem Karussell, da sie ein Prozent der anfallenden Mietkosten erhält. Bis vor einem Jahr stand sie im Besitz ihrer wichtigsten Handels-Unternehmen, darunter auch Goldman Sachs, Barclays und Citigroup.

Die Zulassung für die Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit auf die Rohstoff-Märkte erhielten die Investment-Banken erst 2003. Die Federal Reserve gab ihren Segen für eine entsprechend gelockerte Regulierung und verschaffte den Finanzinstituten eine weitere Möglichkeit, hohe Gewinne zu erzielen. Allein für den Umfang des weltweiten Aluminium-Marktes wurden lange Zeit jährliche Zuwachsraten im zweistelligen Bereich verzeichnet.

Die von den Banken seit damals erworbene Infrastruktur umfasst verschiedenste Branchen, von Pipelines über Öl-Tanker bis zu ganzen Hafen-Anlagen. Durch die Kontrolle über die Rohstoff-Märkte gewinnen die Banken wichtige Informationen, die auf den Finanzmärkten Gold wert sind. Beim Aktienhandel würde man diese Vorgehensweise als Insider-Handel bezeichnen. Auf den Rohstoffmärkten ist sie völlig legal.

In einem internen Dokument von Goldman Sachs aus dem Jahr 2011 heißt es, dass ein Drittel des Preises eines Barrels Öl auf Spekulation durch Investoren zurückzuführen ist. Allein dadurch entstehen in den USA künstlich generierte Kosten von 200 Milliarden pro Jahr, haben die Aufsichtsbehörden errechnet. Dagegen unternommen wurde jedoch nichts. Dabei stellen sich Kartellbehörden, egal ob in den USA oder in Europa, sonst gerne als Kämpfer für die Etablierung von Marktpreisen hin. Dass sie Preismanipulationen und Monopole auf gewissen Märkten wissentlich zulassen, wird verschwiegen.

Der US-Politik war schon lange bekannt, dass die Spekulation der Banken zu Manipulationen auf den Märkten für Metalle oder im Energiesektor führen. Es bedurfte erst des Zeitungsberichtes und dem Wehklagen der Industrie, bis es zu der Anhörung kam. Allein schon der Titel der Veranstaltung („Sollen Banken Kraftwerke, Lagerhäuser und Öl-Raffinerien kontrollieren?“) sagt viel darüber aus, welche zentralen Mechanismen des globalen Wirtschaftssystems sich heute in den Händen der Finanzindustrie befinden.

Banken manipulieren Märkte. Die Öffentlichkeit muss schon darüber froh sein, dass das im Rahmen einer formellen Anhörung des Parlaments überhaupt einmal in Frage gestellt wird. Dass der Einfluss der Finanz-Lobby sehr viel öfter Thema von Ausschüssen sein sollte, gilt im Übrigen auch für Europa.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/07/24/banken-manipulieren-im-grossen-stil-aluminium-markt/

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01.07.2013

Großbanken unter Kartellverdacht

Haben 13 Großbanken den Handel mit Kreditausfallversicherungen abgeschottet? Die EU-Kommission glaubt, ausreichend Belege dafür zu haben – und droht mit empfindlichen Geldbußen. Auch die Deutsche Bank ist betroffen.

Die EU-Kommission verdächtigt die Deutsche Bank und zwölf weitere Geldhäuser aus Europa und den USA, geheime Absprachen beim Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) getroffen zu haben. Opfer der mutmaßlichen illegalen Absprachen waren laut Kommission die Deutsche Börse und die US-Börse Chicago Mercantile Exchange. Unter den Verdächtigten sind einige der prominentesten Investmenthäuser der Welt: Neben der Deutschen Bank stehen die Großbanken Bank of America, Merrill Lynch, Barclays, Bear Stearns, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland und die USB im Visier der Wettbewerbshüter.

Mutmaßliche Tricksereien im Handel mit CDS

Partner bei den vermuteten verbotenen Praktiken waren laut EU-Kommission vermutlich der Finanzdaten-Dienstleister Markit und der Verband International Swaps and Derivatives Association (ISDA). Sie alle sollen sich nach den vorläufigen Ermittlungen von 2006 bis 2009 zusammengetan haben, um sich unerwünschte Wettbewerber vom Leib zu halten. Es geht um den Markt für die sogenannten CDS (Credit Default Swaps). Dabei handelt es sich um Wertpapiere, die beim Beginn der Finanzkrise eine wichtige Rolle spielten, weil sie die Pleite von Lehman Brothers und des Versicherers AIG verursacht haben sollen. Mit CDS können eigentlich Risiken abgesichert werden.

Auf diesen Markt wollten auch die Deutsche Börse und die Chicago Mercantile Exchange, erläuterte die EU-Kommission in einer Mitteilung. Die Börsen wendeten sich dazu an den Dienstleister Markit und die ISDA, um notwendige Lizenzen und Daten zu erlangen. Hier kommen die Banken ins Spiel: Sie sollen Markit und ISDA laut Kommission „instruiert“ haben, die Börsen nur für ein Teilgeschäft auszustatten.

Das außerbörsliche Geschäft („over the counter“) hätten die Börsen damit zwar treiben können, jedoch nicht den Handel mit CDS an der Börse. Vermutetes Motiv: Die Banken selbst verdienen beim OTC als Mittler viel Geld. Sie wollten nicht, dass das Geschäft an die Börsen abwandert.

Es drohen hohe Geldbußen

Es wäre inakzeptabel, wenn die Banken gemeinsam die Börsen abgehalten haben, um ihre Einnahmen aus dem außerbörslichen Handel mit Kreditderivaten zu schützen“, erklärte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. „Das Over-the-counter-Geschäft ist nicht nur teurer für Investoren als der Börsenhandel, es ist auch anfällig für systemische Risiken.“ Das habe auch die Lehman-Pleite gezeigt.

Die Behörde unterstrich aber, dass ihr Verdacht noch keine Gewissheit sei. Begonnen hatten die Ermittlungen schon vor über zwei Jahren im April 2011. Jetzt können sich die Geldhäuser zu den Vorwürfen äußern. Sollten sich diese bestätigen, kann die EU-Kommission Geldbußen verhängen, die bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes der Unternehmen betragen. Sollten diese dagegen Einspruch einlegen, müsste der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entscheiden.

http://www.dw.de/gro%C3%9Fbanken-unter-kartellverdacht/a-16920585

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14.06.2013

Wechselkurse: Singapur bestraft 20 Banken wegen Manipulation

Es ist weltweit das erste Mal, dass Banken wegen der Manipulation von Wechselkurs-Benchmarks zur Verantwortung gezogen werden. Als Strafe müssen sie mehr Reserven bei der Zentralbank von Singapur hinterlegen.

Singapur hat 20 Banken bestraft wegen der versuchten Manipulation von Zinssätzen und Wechselkurs-Benchmarks bestraft, darunter die größten Finanzinstitute der Welt. Die Banken wollen disziplinarisch gegen die beteiligten Banker vorgehen.

Am härtesten bestrafte die Finanzaufsicht von Singapur die Royal Bank of Scotland, UBS und ING, wegen der hohen Zahl der beteiligten Banker und wegen der Regelmäßigkeit, mit der die Manipulationsversuche dort vorkamen, berichtet die FT.

Es ist das erste Mal, dass Singapur Strafen wegen Zinsmanipulation gegen Banken verhängt. Und es ist das erste Mal überhaupt, dass Banken wegen der Manipulation von Wechselkurs-Benchmarks zur Verantwortung gezogen werden. RBS, UBS, Citigroup und Barclays mussten bereits in anderen Ländern wegen Manipulation der Interbanken Zinssätze (Libor) zur Verantwortung gezogen worden (mehr hier).

Anstatt einer Geldstrafe ordnete die Finanzaufsicht an, dass die Banken mehr Geld bei der Zentralbank des Landes einlegen müssen – zu 0 Prozent Zinsen. RBS, UBS und ING müssen ihre Zentralbankreserven nun um mehr als 1 Milliarde Singapur-Dollar (600 Millionen Euro) erhöhen.

Die Strafen für die Bank of America, BNP Paribas und die Oversea-Chinese Banking Corporation waren etwas niedriger. Denn diese vier Banken waren im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal bisher nicht zur Verantwortung gezogen worden.

Die Finanzaufsicht von Singapur untersuchte mögliche Manipulationen des Sibor, der Singapur-Version des Libor, bereits seit Juli 2012, als Barclays wegen der Libor-Manipulationen erstmals Strafen an die Behörden der USA und Großbritanniens zahlen musste. Seit September untersuchte die Finanzaufsicht auch mögliche Manipulationen von Wechselkurs-Benchmarks.

Dass der Referenz-Zinssatz für den Interbanken-Markt (Libor) und der Energie- und Metall-Markt manipuliert wurden, ist schon länger bekannt. Doch erst diese Woche enthüllten Insider, dass auch die Benchmarks für Wechselkurse seit Jahrzehnten manipuliert werden (hier).

Die in Singapur an den Manipulations-Versuchen beteiligten Banker sollen durch Versetzung oder Gehaltskürzungen bestraft werden. Es gebe allerdings keine Beweise, dass ihr Verhalten kriminell gewesen sei, so die Finanzaufsicht. Die Manipulationsversuche zeigten jedoch einen „Mangel an Berufs-Ethik“.

Als Reaktion auf die Urteile kündigte die Finanzindustrie eine Neuorganisation der 11 von ihr betreuten Benchmarks an. Vier von ihnen sollen abgeschafft werden, zwei sollen durch Benchmarks anderer Länder ersetzt werden, vier weitere sollen künftig auf Markttransaktionen basieren. Nur Sibor soll auch weiterhin durch eine Umfrage eines Bankengremiums ermittelt werden.

RBS und UBS sagten, die würden mit der Finanzaufsicht kooperieren. ING sagte in einer Erklärung:

ING findet das unangemessene Verhalten und den Mangel an Berufs-Ethik (…) inakzeptabel. Daher hat ING disziplinarische Maßnahmen gegen eine kleine Zahl von beteiligten Personen eingeleitet. Zudem hat ING ein Zahl von Maßnahmen ergriffen und wird Maßnahmen ergreifen, die unsere Abläufe zur Benchmark-Bestimmung verbessern.“

Zu den von der Finanzaufsicht bestraften Banken gehören Barclays, Crédit Agricole, Credit Suisse, DBS, Deutsche Bank, Standard Chartered, United Overseas Bank, Australia and New Zealand Banking Group, Citibank, JPMorgan Chase Bank, Macquarie, Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, HSBC und die Commerzbank.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/06/14/wechselkurse-singapur-bestraft-20-banken-wegen-manipulation/

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13.06.2013

Wechselkurse: Kunden wurden von Banken 20 Jahre lang betrogen

Die größten Banken der Welt manipulieren seit Jahrzehnten die wichtigsten Benchmarks für Wechselkurse. So machen sie massive Gewinne auf Kosten der anderen Marktteilnehmer und ihrer eigenen Kunden. Fünf Insider haben das kriminelle Vorgehen der Banken nun aufgedeckt.

Dass der Referenz-Zinssatz für den Interbanken-Markt (Libor) und der Energie- und Metall-Markt manipuliert wurden, ist bekannt. Doch nun haben Insider enthüllt, dass einige große Banken auch die Benchmarks für Wechselkurse seit Jahrzehnten manipulieren. Diese entscheiden über den Wert von weltweitem Vermögen in Billionenhöhe.

Die WM/Reuters-Schlusskurse werden stündlich oder für die 21 wichtigsten Währungen sogar halbstündlich festgelegt. Sie sind das anerkannte Standard-Benchmark für Wechselkurse. Investoren auf der ganzen Welt bewerten auf der Grundlage dieser Benchmarks ihre Portfolios. Dadurch sind Portfolio-Bewertungen vergleichbar. Doch einige große Banken manipulieren diese Kurse seit Jahrzehnten, berichtet Bloomberg.

Die Wechselkurs-Benchmarks werden als Median aller innerhalb von 30 Sekunden vor der Bekanntgabe gemachten Trades automatisch festgelegt. Die Banker manipulieren die Benchmarks nach oben oder nach unten, indem sie möglichst viele Trades innerhalb des kurzen Zeitfensters machen, in dem die Benchmarks gesetzt werden. Auf diese Weise verschaffen sie sich entscheidende Vorteile gegenüber den anderen Marktteilnehmern.

Wenn die Banker eine große Order von einem Kunden erhalten, dann passen sie ihre eigenen Trades an. Denn sie wissen, dass die Order des Kunden die Wechselkurse beeinflussen kann, so ein Insider.

Wenn etwa ein Banker um 15:30 Uhr von einem Kunden den Auftrag erhält, um 16 Uhr 1 Milliarde Euro in Schweizer Franken zu tauschen, dann hat der Banker zwei Ziele: Erst verkauft er selbst Euro zu einem hohen Preis, und dann kauft er die Euro von seinem Kunden zu einem niedrigeren Preis zurück. Wenn der Banker den Kurs nur um 0,02 Prozentpunkte manipuliert, macht er dabei bereits einen Profit von 200.000 Franken.

Der Devisenmarkt ist mit einem Umsatz von 4,7 Billionen Dollar der größte im gesamten Finanzsystem. Selbst minimale Änderungen der Wechselkurse können den Wert des Vermögens im Umfang von 3,6 Billionen Dollar erheblich beeinflussen. Vier Banken machen mehr als die Hälfte des Devisenmarkts aus: Deutsche Bank, Citigroup, Barclays und UBS.

Die britische Finanzaufsicht FCA prüft nun eine Untersuchung der möglichen Wechselkurs-Manipulationen. Das FCA führt derzeit zusammen mit den Aufsichtsbehörden anderer Staaten Untersuchungen wegen möglicher Manipulationen von Rohstoffpreisen durch (mehr hier). Zudem mussten mehrere der größten Banken der Welt bereits Milliarden-Strafen im Zusammenhang mit der Libor-Manipulation zahlen (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/06/13/wechselkurse-kunden-wurden-von-banken-20-jahre-lang-betrogen/

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28.05.2013

BaFin kritisiert deutsche Banken:

Banker hatten bei Zinsmanipulationen leichtes Spiel

Weltweit sollen mehr als ein Dutzend Banken in die Manipulation wichtiger Zinssätze verwickelt sein. Und langsam wird klar: Die Banken in Deutschland boten ihren Mitarbeitern dabei offenbar leichtes Spiel. Nun folgt harsche Kritik der BaFin.

Die deutschen Banken haben aus Sicht der Finanzaufsicht BaFin nicht genug gegen eine mögliche Manipulation wichtiger Zinssätze getan. Organisatorische Mängel in den Geldhäusern hätten es einzelnen Händlern leicht gemacht, Referenzwerte wie den Libor oder den Euribor zu ihren Gunsten zu beeinflussen, kritisierte BaFin-Chefin Elke König. „Die Institute haben diesem Prozess nicht die Bedeutung beigemessen, die er im Rückblick hätte haben sollen.“In dem Manipulationsskandal werden weltweit mehr als ein Dutzend Banken untersucht, in Deutschland unter anderem die Deutsche Bank. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze werden täglich auf Basis der Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten ermittelt. Für die Meldungen waren bei den Banken einige wenige Personen zuständig.

Wahrscheinlich eher einzelne Händler betroffen

Bislang sieht es in Deutschland nicht so aus, als hätten wir es mit systematischer Kriminalität zu tun“, sagte König. „Es scheint eher um einzelne Händler zu gehen.“ Mit der Frage, ob Bank-Vorstände für die organisatorischen Mängel in ihren Häusern verantwortlich gemacht werden können, hat sich die Bonner Aufsichtsbehörde bisher noch nicht befasst.

Nach dem Bekanntwerden des Zinsskandals habe die BaFin zunächst bei allen Instituten einen Grundcheck gemacht sowie einige Sonderprüfungen, sagte der für Banken zuständige BaFin-Aufseher Peter Lutz. Bei Sonderprüfungen – dem schärfsten Schwert der BaFin – schickt die Behörde eigene Prüfer oder externe Gutachter in die Geldhäuser, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Da geeignete Prüfer knapp sind, musste die BaFin jedoch Prioritäten setzen und konzentrierte sich zunächst auf die wichtigsten Institute. Demnächst werden aber auch alle verbliebenen Banken, die an der Erhebung der Zinssätze beteiligt sind, genauer unter die Lupe genommen, sagte Lutz.

Es gibt noch Kandidaten, wo wir Sonderprüfungen durchführen werden.“

Prüfungen bei der Deutschen Bank laufen

Am meisten Aufsehen erregt die Überprüfung der Deutschen Bank, bei der seit vergangenem Jahr Sonderprüfungen laufen. Das Institut war neben der abgewickelten WestLB als einziges deutsches Geldhaus an der Erhebung des Libor beteiligt, von dem weltweit Geschäfte von Hunderten Billionen abhängen. Derzeit werde ein erster Bericht zu den Abläufen bei der Deutsche Bank ausgewertet, sagte König. Es gebe aber noch weitere Themen, die analysiert werden müssten, betonte sie und bestätigte damit einen Medien-Bericht von Mitte April. „Es ist ein komplexes Institut und es sind viele Fragestellungen.“ Auf ein Datum für den Abschluss der Untersuchungen legte sie sich nicht fest.

In den Manipulationsskandal sind viele Großbanken rund um den Globus verwickelt. Die Schweizer UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Bei der Deutschen Bank steht in der Affäre besonders Co-Chef Anshu Jain im Fokus. Er hat jahrelang die Investmentbanksparte geleitet, in der es zu den Manipulationen gekommen ist. Bei Barclays musste der frühere Investmentbank-Chef Bob Diamond wegen des Zinsskandals seinen Hut nehmen.

http://www.focus.de/finanzen/banken/zinsmanipulation-haendler-nutzten-die-schwaechen-der-deutschen-banken-_aid_1000744.html

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16.03.2013

Schwerer Betrugsverdacht gegen Banken

Geldinstitute und Händler sollen den deutschen Fiskus durch kriminelle Aktiengeschäfte um viele Milliarden Euro geprellt haben. Jetzt ermitteln Staatsanwälte in Hessen und Bayern unter anderem gegen Beschäftigte der HypoVereinsbank. Bei den betreffenden Geschäften sollen die mutmaßlichen Betrüger äußerst trickreich vorgegangen sein. Von Klaus Ott

Banken und Aktienhändler sollen den deutschen Fiskus mit mutmaßlich kriminellen Geschäften um viele Milliarden Euro betrogen haben. Davon gehen die Finanzbehörden aus, die seit Längerem einen Fall bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) untersuchen. Im Verlaufe des Verfahrens schrieb das zuständige Finanzamt Wiesbaden II an das hessische Finanzgericht, der Steuerbetrug bei solchen Geschäften habe in Deutschland nach „konservativen Schätzungen“ einen „hohen einstelligen Milliardenbetrag“ ausgemacht.

In dem Schreiben heißt es weiter, Fachleute gingen sogar davon aus, dass der Staat allein im Jahr 2008 um 13 Milliarden Euro geprellt worden sei. Eine entsprechende Lücke in den Steuergesetzen soll erst 2012 geschlossen worden sein. Bei den betreffenden Geschäften geht es um „Cum-Ex-Transaktionen“. Dabei werden Aktien rund um den sogenannten Dividenden-Stichtag, an dem die Unternehmen die Höhe der Gewinnausschüttung an ihre Kapitalanleger festlegen, in großem Stil und hohem Tempo ge- und verkauft. Zu viel gezahlte Kapitalertragsteuern werden später vom Fiskus erstattet.

Durch trickreiches Agieren sollen Banken und Aktienhändler erreicht haben, dass die Finanzbehörden die Kapitalertragsteuer bis zu vier Mal erstattet haben, obwohl sie nur einmal oder gar nicht abgeführt wurde. So steht es in dem öffentlich bislang nicht bekannten Schreiben des Finanzamtes Wiesbaden vom 28. März 2012 an das hessische Finanzgericht. Das hessische Finanzgericht kam im Steuerstreit um den HVB-Fall zu dem vorläufigen Ergebnis, ein Großkunde der Bank habe bei den Aktiendeals den Fiskus „arglistig“ getäuscht, um sich „nicht gerechtfertigte Steuervorteile“ zu verschaffen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nun in Hessen und Bayern in einem Strafverfahren gegen aktive und ehemalige HVB-Beschäftigte, gegen den Großkunden der Bank und dessen Steueranwalt. Die HVB hat ihre verdächtigen Geschäfte von Anwälten selbst untersuchen lassen. Ein 175-seitiger Prüfbericht besagt, die Bank und ihr Großkunde hätten sich am Fiskus bereichert. Der von der HVB und dem Handelspartner erzielte Gewinn „entspricht dem Schaden des deutschen Fiskus“. Der Großkunde bestreitet das.

Fragwürdige Geschäfte auch im Ausland

Hinzu kommen dem Prüfbericht zufolge eigene Geschäfte der Bank, die ebenfalls fragwürdig seien. Der Fiskus könnte bei HVB-Aktiendeals, die über London liefen, binnen weniger Jahre um rund 200 Millionen Euro geschädigt worden sein. Deutsche Banken sollen solche Geschäfte jahrzehntelang über viele Staaten abgewickelt haben. Die ausländischen Partner waren offenbar notwendig, um anschließend vom deutschen Fiskus mehr Steuern erstattet zu bekommen, als zuvor entrichtet worden waren.

„Cum-Ex-Transaktionen“ hat auch die Dresdner Bank über ihren Investmentbereich Dresdner Kleinwort betrieben. 2009 kaufte die Commerzbank die Dresdner Bank und stellte diese Geschäfte anschließend ein. Die Commerzbank äußert sich nicht dazu, ob sie diese Aktiendeals untersuchen ließ und womöglich Verstöße feststellte.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/milliardenschaden-fuer-deutschen-fiskus-schwerer-betrugsverdacht-gegen-banken-1.1625874

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10.12.2012

Euribor-Manipulation: Europäische Union will Banken verklagen

Laut einem Pressebericht steht die EU vor einer Klage gegen mehrere Banken. Grund sind versuchte Geheimabsprachen im Euribor-Skandal. Unter den Kreditinstituten sind demnach die Deutsche Bank, Credit Agricole und HSBC.

Die Europäische Union (EU) wird einem Pressebericht zufolge schon bald mehrere Banken wegen versuchter Geheimabsprachen beim Euribor-Zinssatz verklagen. Die britische Bank Barclays habe bereits Manipulationsversuche des Euribor-Zinssatzes zugegeben und von anderen Banken dürften ähnliche Schuldeingeständnisse auf Drängen der Behörden in den USA, in Großbritannien und in anderen Ländern folgen, berichtete die Zeitung „Wall Street Journal“. Mindestens ein Dutzend Banken würden untersucht, mindestens vier davon sollen mit Barclays zusammengearbeitet haben. Die Zeitung berief sich auf Unterlagen von Banken und Aufsichtsbehörden.

Unter den Banken, die wegen einer möglichen Zusammenarbeit mit Barclays zur Manipulation des Euribor untersucht würden, sind dem Bericht zufolge die Deutsche Bank, die französischen Institute Credit Agricole und Societe Generale sowie die britische Bank HSBC. Alle vier Banken lehnten laut Zeitung Stellungnahmen ab. Sie waren zunächst nicht zu erreichen.

Den Geldhäusern wird vorgeworfen, internationale Referenz-Zinssätze wie den Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/euribor-manipulation-europaeische-union-will-banken-verklagen/7499444.html

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21.08.2012

Libor-Skandal: Geheim-Gremium verhindert Aufklärung

Ein Gremium des britischen Bankenverbandes entscheidet über grundsätzliche Angelegenheiten des Libor. Weil geheimgehalten wird wer die Mitglieder des Gremiums sind und was dort besprochen wird, fordern die Ermittler im Libor-Skandal mehr Transparenz.

Entscheidungen über den Libor-Zinssatz trifft ein geheimes Gremium, das Devisen und Geldmarkt Komitee des britischen Bankenverbandes, in London. Sechs Mal im Jahr treffen sich Vertreter der größten Banken weltweit, um Entscheidungen über das Zinssystem zu treffen, an dem Finanzgeschäfte im Wert von 300 Billionen Dollar gemessen werden.

Wer genau an diesen Treffen teilnimmt, wird vom britischen Bankenverband streng geheim gehalten. Es werden keine Protokolle der Sitzungen veröffentlicht und es gibt auch keinen Ansprechpartner. Dies berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

Diese Geheimhaltung behindert nun die Ermittlungen nach dem Manipulationsskandal: „Es gibt einen offensichtlichen Mangel an Transparenz. Die Kontrolle durch das Devisen und Geldmarkt Komitee scheint nicht ausreichend offen und transparent, um den erforderlichen Grad an Verantwortung den Unternehmen und Märkten gegenüber und damit die Integrität des Libor sicherzustellen“, schreibt Martin Wheatley, der Aufsichtsbeamte der mit der Aufklärung des Libor-Skandals beauftragt ist, in einem Zwischenbericht.

Der Bankenverband will verhindern, dass Lobbyisten Einfluss auf die Entscheidungen über den Libor nehmen. Damit rechtfertigt der Verband die Intransparenz bei den Treffen des Devisen und Geldmarkt Komitees.

Weil es aber in der Vergangenheit verabsäumt hat, den Libor zu reformieren, lassen die Aufsichtsbehörden dieses Argument nicht gelten. Sie fordern eine bessere Zusammenarbeit bei den Ermittlungen und künftig eine stärkere Einbindung der Aufsichtsorgane in die Entscheidungsfindung über den Interbanken-Zinssatz.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/21/libor-skandal-geheim-gremium-verhindert-aufklaerung/

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30.07.2012

Libor Affäre: Royal Bank of Scotland gibt Manipulation zu

Die britische Royal Bank of Scotland wird mit heftigen Strafen rechnen müssen. Nach vorangeschrittenen Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht gab der Vorstandschef der Bank nun an, dass man in den Libor-Skandal verwickelt sei. Barclays musste 290 Millionen Pfund Strafe zahlen.

Die Libor-Affäre nimmt wieder an Fahrt auf. Am Montag teilte der Vorstandschef der Royal Bank of Scotland (RBS), Stephen Hester, mit: „RBS ist eine der Banken, die im Libor-Skandal gefangen sind“. Die größtenteils verstaatlichte, britische Bank sei Gegenstand von Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht FSA. Wie hoch die Strafen im Fall der Bank ausfallen könnten, wollte der Vorstandschef nicht einschätzen.

Barclays musste 290 Millionen Pfund an die britische und amerikanische Aufsichtsbehörde zahlen. Wie bei der Deutschen Bank könnten auf die Royal Bank of Scotland aber grundsätzlich Strafen und Kosten in Höhe von 1,06 Milliarden Euro zukommen (hier). Da sich die Bank nun aber kooperativ zeigte, kann sie möglicher Weise mit einer Strafmilderung wie bei Barclays rechnen. Die Deutsche Bank hat bereits ohne offizielles Eingeständnis einer Schuld eine Kronzeugenschaft beantragt (hier). Auf zwei Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank könnten sogar Verhaftungen zukommen (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/30/libor-affaere-royal-bank-of-scotland-gibt-manipulation-zu/

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22.07.2012

LIBOR war gestern: Neues aus der Weltfinanzkloake – Der SEC-Mega-Skandal

Rupert Murdoch’s Medien enthüllen einen $ 8 Billionen-Skandal bei der SEC

Vor einigen Tagen brachte Jones von der  Dow Jones Newswires – einem Murdoch-Nachrichtenunterehmen – einen Bericht, der einen neuen Milleniumsbetrug offenlegte.

Laut 69 kürzlich bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) gereichten Finanzstatements, die jetzt verschwunden sind, hat ein Texaner namens Johnny Earl Satterwhite angegeben, Anteile über 8000 Milliarden Dollar an öffentlich gehandelten Unternehmen wie Microsoft, Exxon Mobil, City National Bank u. anderen Firmen zu halten. Jones erhielt auch Dokumente, die beweisen, dass sich Satterwhitesich betrügerischerweise dafür verbürgte, Aktien über 1000 Milliarden Dollar an der Firma Microsoft zu besitzen. Das ist zu absolut unmöglich, wie Jones erklärt:

Das sind 1500 mal mehr Aktien, als der Mitbegründer von Microsoft, Bill Gates, besitzt und insgesamt sind in der 36-jährigen Geschichte von Microsoft überhaupt nur Aktien für 8,4 Milliarden Dollar ausgegeben worden. Satterwhite Finanzstatements bezüglich Exxon Mobil, City National Bank und anderen Firmenbeteiligungen weisen ähnliche Zahlen auf, welche ebenfalls weit über der Gesamtzahl der jeweils ausgegebenen Aktien liegen.

Ein sehr viel größerer Skandal als der von Bernie Madoff ist damit öffentlich geworden, aber dieser ist nur ein Element einer noch viel verückteren Geschichte.

Satterwhite erzählte Jones, dass er die Finanzstatements im Auftrag einer “Gruppe von Einzelpersonen” eingereicht hätte, die anonym bleiben wollen. Satterwhite sagte, dass sich niemand in der SEC an den Phantasiezahlen gestört hat. Unter dem Licht dieser Ereignisse hört sich auch die Klage gegen die SEC bezüglich des Falles CMKM Diamonds nicht mehr so unglaublich an. In der Klage gegen die Chefin der SEC Mary L. Shapiro und andere hohe Amtsträger geht es um 3870 Milliarden Dollar. Ein Punkt der Anklage lautet:

Während des Zeitraums vom 1. Juni 2004 bis zum  28. Oktober 2005 wurden für 2250 Milliarden Dollar “Phantom”-Anteile der CMKM Diamonds Inc am öffentlichen Markt verkauft…Die Verkäufe des Großteils der Aktien war der SEC bekannt, auch den Beschuldigten.”

Diese soganannte Bivens action-Prozess betrifft den bis dahin(!) größten Betrugsfall in der Weltgeschichte. Die Klage wurde am 8. Januar 2012 am U.S. District Court, Central District of California eingereicht. Der zuständige Staatsanwalt ist Al Hodges von Pasadena.

Mit dürren Worten: Unter der Komplizenschaft der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC wurden für Billionen Dollar wertlose bzw. gefälschte Aktien/Wertpapiere in alle Welt verkauft. Herzlichen Glückwunsch an alle Wertpapier-Anleger!!! Schauen Sie sich Ihre Akten und Wertpapiere mal genauer an. Vielleicht sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

Wer werden diese Leute wohl sein, die anonym bleiben wollen? Es dürfte sich um unsere Freunde aus der Bankster- und Genozidmafia handeln.

Aber es kommt noch besser. In dem Jones-Bericht wird auf eine noch abstrusere Geschichte hingewiesen, in der ebenfalls die SEC verwickelt ist. Dieser Vorfall geht auf das Jahr 2005 zurück und betrifft ehemalige Regierungschefs und einen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Federal Reserve:

Eine kanadische Firma mit den Namen Apollo Publication Corp. stellte Antrag für einen Börsengang, mit dem sie 3,6 Milliarden Dollar einzunehmen verhoffte. Mit dem Geld wollte sie ein “Kaiserreich Erde” mit einer Sprache, einer Kultur und einer Währung gründen. Die Firma wies im Vorstand eine Starbesetzung aus, inklusive einem ehemaligen kanadischen Premier, mehrerer US-Präsidenten und Al Greenspan. Später behauptete die SEC, dass die Apollo Publication Investoren in die Irre geführt habe……….

Es ist erstaunlich, dass diese Enthüllungen aus dem Murdoch-Imperium kommen. Nun stellt sich die Frage:

Wer ist Rupert Murdoch?

Hier eine auszugsweise Übersetzung eines Artikels von Gordon Duff, Veterans Today vom 16. Juli 2011:

Der Medienmogul Murdoch spielte eine bedeutende Rolle bei den Wahlen der letzten drei US-Präsidenten, weiterhin bei wichtigen Ereignissen, die unter deren Administrationen stattfanden, inklusive der Terroranschläge am 11. September 2001, den Kriegen im Irak und in Afghanistan und dem wirtschaftlichen Niedergang. Diese Meinung vertritt Gordon Duff, Chefredakteur und Autor für Veterans Today.

Was, er ist kein rechtslastiger amerikanischer Milliardär, fragen Sie? Murdoch ist, obwohl in Australien geboren, ein israelischer Staatsbürger und jüdisch. Warum ist das wichtig?

Murdoch hat mittlerweile zugegeben, das politische System in Großbritannien und Amerika seit zwei Jahrzehnten kontrolliert zu haben. Er hatte die Macht, die nationalen Führer zu erwählen, die Politik zu bestimmen und Gesetze nach Gutdünken durchzusetzen. Woher stammt diese Macht?

Wie wir jetzt wissen, waren die Grundlagen seiner Macht Spionage, Erpresssung, Bestechung und Propaganda. Mit welchem Ziel?

Wie wäre es mit dem Verkauf von Zeitungen unter Ausnutzung von Skandalen und Spionage im Auftrag Israels, um die USA und Britannien in Kriege zu Israels Nutzen zu locken? Darauf gibt es eine einfache Antwort.

Murdochs primäre Motivation ist nicht die, dass er “für Israel” ist. Murdoch ist wahrscheinlich der einflussreichste Israeli überhaupt, mächtiger als Netanjahu. Das eigentliche Problem ist, dass sein Glaubensgebäude das eines sogenannten “Ultra-Nationalisten” ist. Das macht ihn zu einer Bedrohung. Die Ultra-Nationalisten sind bekannte Kriegshetzer, sie planen Terroranschläge, manipulieren Völker so, dass dies in Streit und Rassismus verfallen, sie sähen Furcht und Panik und verursachen den finanziellen Ruin.

Was beschreiben wir hier?

Wenn Sie noch nicht völlig verblödet sind, dann merken Sie, dass ich Sean Hannity, Bill O’Reilly, Glenn Beck, Rush Limbaugh und Fox News beschreibe! Murdoch besitzt Fox News und und eine ganze Liste anderer Medienunternehmen. Was ihm nicht gehört, das will er nicht haben. Fox ist ein Medienverbund und Murdoch, dem schon so viele Zeitungen in Amerika gehören, sollte als Fremder solch ein Konglomerat nicht kontrollieren dürfen. Wie ist er dazu gekommen?………

Reagan gab ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft. Murdoch versprach, mit Fox News die Republikaner zu unterstützen, ganz gleich wie falsch, dumm oder – wie wir seit Jahrzehnten sehen – wie abgrundtief bösartig die Angelegenheit war. Wozu er aber Fox News wirklich einsetzte, war, dass er die Firma als Basis für israelische Spionageoperationen benutzte . Und das ging auf zwei Arten:

1. Israel bekam eine Menge Militärtechnologie und Militärgeheimnisse, die man an die Feinde Amerikas verhökern konnte. Wie wir alle sehen, hatte hier Murdoch einen guten Geschäftssinn an den Tag gelegt.

2. Murdoch half Israel, den Kongress unter Kontrolle zu bringen. So steuerten die Israelis buchtsäblich die USA. Mit welchen Mitteln? Wie in Britannien eben mit Bestechung und Erpressung, mit Hilfe der Polizei, des Militärs und mit Hilfe des Kongresses. …….In der Tat hat Murdoch die letzten 20 Jahre der amerikanischen Geschichte geschrieben, hat Politiker an die Macht gebracht, Wahlen gefälscht und die Politik gestaltet. Waren seine Entscheidungen seine eigenen?

Ich glaube nicht. Vielmehr glaube ich, dass Murdoch eine Gruppe – von großteils Finanzoligarchen – repräsentiert, die aus dem Umfeld der Rothschild-Familie, der Federal Reserve und dem organisierten Verbrechen kommen.

Es gibt da einen israelischen oder jüdischen Aspekt bei der ganzen Angelegenheit, aber nicht in dem Sinne von “für” oder “gegen” Antisemitismus. Das Murdoch-Imperium, das mit der “keine-Juden-zugelassen”-Republikanischen Partei verbandelt ist, übte ganz einfach seinen eigenen sehr starken Einfluss auf die gute alte “Neue Weltordnung” aus und trieb sie in das Drogengeschäft, den Waffen- und Menschenhandel, manipulierte die Währungen und die Schulden im massiven Maße, trieb Amerika und Europa in den wirtschaftlichen Kollaps, konspirierte mit den Ölfirmen , um die Preise zu manipulieren….

Das alles vollbrachten Murdoch und seine Freunde und zeigten dabei mit ihren Fingern auf Osama Bin Laden und die bösen Liberalen.

Sie spalteten Großbritannien und starteten zuerst als “Konservative” und verwandelten sich dann zu “Liberalen”. Sie unterminierten die legale Regierung, zerstörten die Nation und das öffentliche Vertrauen in die Regierung; ganz gleich, wer an der Regierung war, Blair oder Cameron, Murdoch wählte beide aus und steuert bzw. steuerte beide wie Puppen; genauso machte er es mit Bush und seinen Freunden.

Die Idee ist einfach gestrickt. Raube das Land bis zum letzten Cent aus, und benutze einen Teil des Geldes, um Politiker zu erpressen oder zu bestechen, kaufe Dir die Polizei und hole dabei noch mehr Geld aus dem Lande. Währenddessen belügt man die Bevölkerung, gibt ihr Feinde zum Hassen, arrangiert Kriege in denen sie engagiert ist; dann zieht man sich zurüch und schaut zu, wie die Menschen sich selbst zerstören.

Aber gibt es tatsächlich so böse Leute? Ja. natürlich. Es sind Murdoch und seine Gang, die Gang von Fox News, die sogenannten “Neocons“, die Israel-Lobby, die ADL, das AIPAC und der Likud-Block in der Knesset unter Netanjahu. Diese Leute hassen die USA. Eine ähnliche Murdoch– Gruppe hasst Großbritannien. Auch in Australien hat er seine Hasser, diese Gruppe steuert das Land vollständig und wirtschaftet es in Grund und Boden. Er steuert auch Deutschland, Kanada und überhaupt alles, was früher als der “freie Westen” bekannt war………” Soweit die Meinung von Gordon Duff über Murdoch.

Die Frage ist nun, warum läßt Murdoch diesen Artikel von Jones erscheinen? Will er sich an Personen rächen, die seine eigenen Machenschaften auffliegen ließen?

Quellen:

http://www.theprophecyblog.com/?p=5944

http://www.examiner.com/article/rupert-murdoch-s-media-empire-reveals-unprecedented-8-trillion-sec-scandal

http://www.examiner.com/article/cmkm-diamonds-and-the-3-87-trillion-lawsuit-you-didn-t-hear-about

http://www.politaia.org/wirtschaft/banken/libor-war-gestern-neues-aus-der-weltfinanzkloake-der-sec-mega-skandal/

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