Währungscrash bedroht ein Viertel der Menschheit

30.08.2013

Seit Wochen verlieren die Währungen mehrerer Schwellenländer heftig an Wert – vor allem wegen des Endes der lockeren US-Geldpolitik. Die Folgen eines Währungscrashes wären für die ganze Welt fatal.

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Es sind Schritte der Verzweiflung in höchster Not. Am Mittwoch erhöhte Brasilien seine Leitzinsen, am Donnerstag nun folgte Indonesien. Sie versuchen damit den Absturz ihrer Währungen zu stoppen, und tatsächlich: Der Verfall stoppte zunächst.

Auch bei anderen Währungen, die in den vergangenen Wochen im freien Fall waren, ließ der Druck etwas nach. Doch fast alle Beobachter sind sicher, dass dies nur eine Verschnaufpause sein wird. Der Absturz dürfte schon bald weitergehen.

Denn die Währungen Indonesiens, Brasiliens, Indiens, Südafrikas und der Türkei befinden sich seit Wochen in einem regelrechten Sinkflug, der sich zuletzt noch dramatisch beschleunigt hat. 12, 15, 20 Prozent haben sie in kürzester Zeit gegenüber Dollar und Euro verloren.

Das wäre so, wie wenn der Euro-Kurs von aktuell rund 1,30 auf nur noch knapp über 1,00 Dollar fallen würde.

Mögliche Ausmaße wie bei der Asienkrise 1997

Inzwischen greift daher die Angst vor einem regelrechten Crash um sich, der ähnliche Ausmaße annehmen könnte wie die Asienkrise von 1997. Und dies hätte drastische Auswirkungen für die gesamte Welt, denn in den fünf Staaten lebt immerhin ein Viertel der Menschheit.

Auslöser des Debakels war die US-Notenbank (Fed). Seit sie im Mai andeutete, dass sich die Zeit des leichten Geldes ihrem Ende zuneigen könnte, steigen die Zinsen in den USA. Dies geschah zu einer Zeit, da ohnehin Zweifel am Wachstumsmodell vieler Schwellenländer aufkamen.

„Von diesen höheren Zinsen wurden vor allem jene Währungen getroffen, die am meisten auf Kapitalzuflüsse von außen angewiesen sind“, sagt Ian Stannard, Chef der Währungsstrategie für Europa bei Morgan Stanley. Und dies sind eben besagte fünf Länder, die Stannard als „die zerbrechlichen Fünf“ zusammenfasst.

Schockwellen rund um den Globus gesandt

Diese Länder haben traditionell ein hohes Leistungsbilanzdefizit, sprich, sie geben mehr Geld aus als sie haben. Ausgeglichen wird dieses Ungleichgewicht durch Kapitalzuflüsse von außen. Doch wenn Kapital knapper wird, wie dies nun aufgrund der veränderten US-Notenbankpolitik der Fall ist, dann trifft dies solche Ökonomien besonders hart. Die Folge ist ein Absturz der Währung.

Doch das ist eben nicht alles. Gleichzeitig ist in den Schwellenländern die Lage nicht mehr so rosig, wie sie lange war. In Brasilien und der Türkei rebelliert das Volk, Indien erweist sich immer mehr als schlicht reformunfähig, Indonesien kämpft mit einer drastisch gestiegenen Verschuldung und in Südafrika trifft inzwischen ein Mini-Wachstum auf hohe Inflationsraten.

Das nährt zunehmend die Angst vor einer Krise wie 1997. „Das billige Geld der Notenbanken hat sowohl in den 90er Jahren als nun auch im 21. Jahrhundert die Wirtschaften auf ein ungesundes Maß aufgebläht“, sagt Jens Klatt vom Währungsbroker Forex Capital Markets.

Auch damals stürzten dann zunächst die Währungen ab, es folgte ein Zusammenbruch der Wirtschaft, der Schockwellen um die Welt sandte. Damals waren davon jedoch wesentlich kleinere Länder betroffen, was die Einwohnerzahl angeht. Diesmal würde ein Viertel der Menschheit in Mitleidenschaft gezogen.

Politiker haben die Probleme nicht vergessen

Allerdings sehen die meisten Beobachter derzeit noch keinen Grund, eine Parallele zu 1997 zu ziehen. „Wir widersprechen solch einer Sicht der Dinge uneingeschränkt“, sagt David Mann von der Standard Chartered Bank. „Die Unterschiede zwischen heute und 1997/98 sind grundlegend, in jeder Hinsicht.“

So seien die Handelsbilanzdefizite und die Auslandsverschuldung heute wesentlich geringer als damals, zudem verfügten viele Länder über große Devisenreserven. „Die Politiker haben die Probleme nicht vergessen, die zu der Krise in den späten 90er-Jahren führten und haben Maßnahmen ergriffen, um die damit verbundenen Risiken einzudämmen“, so Mann.

Dennoch führen die Notenbanken der betroffenen Ländern derzeit einen schier aussichtslosen Kampf gegen den Verfall ihrer Währungen. Einige nutzen ihre Devisenreserven dafür, was kurzfristig Erleichterung bringt, aber vor allem dazu geführt hat, dass diese Reserven drastisch geschrumpft sind.

Schwellenländer sind noch nicht über den Berg

Zinserhöhungen, wie aktuell in Brasilien und Indonesien, sind ein anderes Mittel, doch deren Nebeneffekt ist, dass dadurch die Wirtschaft abgewürgt werden könnte. Dies gilt umso mehr, als viele der Staaten derzeit mit drastisch gestiegenen Energiepreisen zu kämpfen haben. Denn Rohöl müssen sie in Dollar bezahlen. Indiens Notenbank musste daher den staatlichen Ölimporteuren schon mit Zusagen beispringen, ihnen die notwendigen Devisen zu leihen.

Experten sehen allerdings immerhin eine kleine Chance, dass der Währungsverfall in Kürze Halt macht. Grund ist die bevorstehende Entscheidung der Fed am 17./18. September darüber, wie schnell sie die Zügel anziehen will. Sehr wahrscheinlich wird sie nur kleine Schritte ankündigen.

David Mann glaubt daher, dass es danach zu „einer gewissen Stabilisierung“ kommen werde. Auch Vincent Chaigneau, Chef der Währungsstrategie bei der Société Générale, sieht dann gute Chancen für eine Pause im gegenwärtigen Trend.

Grund für Entwarnung ist dies aber dennoch nicht. Denn Chaigneau ist sicher, dass die erstarkende US-Wirtschaft die Zinsen schon bald danach weiter steigen lassen werde. Das würde dann auch den Druck auf die Währungen der Schwellenländer wieder erhöhen. „Sie sind daher noch nicht über den Berg.“ Und Hilfe aus den USA, wo mit den Zinssteigerungen die Ursache für die Entwicklung liegt, dürfen sie auch nicht erwarten.

„Andere Länder müssen das einfach als Realität akzeptieren“, sagte US-Notenbank-Mitglied Dennis Lockhart vor einer Woche, „und sie müssen sich daran anpassen, wenn das wichtig für ihre Volkswirtschaften ist.“ Anfang der 70er-Jahre hatte der damalige US-Finanzminister John Connally das Gleiche noch wesentlich einfacher ausgedrückt: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“

http://www.welt.de/finanzen/article119529026/Waehrungscrash-bedroht-ein-Viertel-der-Menschheit.html

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30.08.2013

Währungsverfall:Indien drängt seine Bürger zum Goldverkauf

Die indische Rupie befindet sich im freien Fall. Die Inder selbst trauen ihrer Währung nicht. Sie tauschen ihr Geld lieber in Gold. Die Regierung will das nun verhindern – offenbar mit drastischen Maßnahmen.

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Es ist ein Misstrauensvotum gegen die eigene Währung: Die Inder tauschen ihr Geld massenweise in Gold. Damit schwächen sie die heimische Währung, die Rupie verliert immer stärker an Wert. Die Regierung will das stoppen – und seine Bürger zum Goldverkauf drängen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen die indischen Banken dazu angewiesen werden, Gold aufzukaufen, und zwar zu höheren Preisen als am Markt üblich. Man hofft darauf, dass die Menschen dann bereit sein werden, ihre Goldschätze einzutauschen. Das Gold soll anschließend eingeschmolzen werden.

Die indische Regierung versucht mit aller Macht, den Verfall der Rupie aufzuhalten. Dieser hängt eng zusammen mit der starken Nachfrage nach Gold. Indien importiert große Mengen des Edelmetalls aus dem Ausland – im vergangenen Jahr waren es 860 Tonnen. Das wiederum trug wesentlich zu einem Außenhandelsdefizit von 90 Milliarden Dollar bei – das drittgrößte Defizit weltweit. Dieser Kapitalabfluss hat die Rupie stark geschwächt, in den vergangenen Wochen beschleunigte sich der Absturz noch. In diesem Jahr hat die Rupie gegen den Dollar um 22 Prozent abgewertet.

Hinzu kommt, dass sich viele internationale Investoren von dem Land abgewendet haben, enttäuscht vom wenig dynamischen Wirtschaftswachstum sowie dem Haushaltsdefizit von gigantischem Ausmaß. Das Land hat derzeit 400 Milliarden US-Dollar Schulden, 80 Prozent davon in ausländischer Währung. „Indiens volkswirtschaftliches Durcheinander nimmt rasch ein krisenhaftes Ausmaß an“, schrieb Richard Iley, Ökonom bei BNP Paribas in Singapur, in einer Analyse.

Weltweit anlegende Fonds haben seit Ende Mai knapp neun Milliarden Dollar aus Anleihen in lokaler Währung abgezogen. Die Börse in Mumbai verzeichnete ebenfalls kräftige Verluste. „Der indische Markt befindet sich in einem ‚Super-Panik-Zustand‘“, kommentierte Samir Lodha, Senior Partner bei QuantArt Market Solutions in Mumbai.

Die Regierung in Neu-Delhi setzte in den vergangenen Wochen ein Verbot für den Import von Goldmünzen durch und erhöhte die Steuern für den Handel mit dem Edelmetall. Doch mit dem Rückkauf von Gold geht die Politik nun offenbar noch einen Schritt weiter.

Der Rückkauf werde in Kürze starten, sagte ein Insider gegenüber Reuters. Um die Bevölkerung zum Verkauf ihres Goldes zu bewegen, müssten die Banken höhere Preise zahlen als Pfandhäuser und Juweliere. Mit attraktiven Konditionen könnten auch viele der Goldschätze gehoben werden, die in den Tempeln des Landes gehortet werden.

In keinem Land auf der Welt besitzen die Menschen so viel Gold wie in Indien. Die Inder besitzen mehr als 18.000 Tonnen Gold, was elf Prozent der weltweiten Goldmenge entspricht. Sollte es dem Staat gelingen, nur einen kleinen Teil davon aufzukaufen, ließe sich damit die jährliche Nachfrage decken, auch ohne kostspielige Importe.

Für viele Inder ist Gold die einzige Möglichkeit, etwas zu zurückzulegen oder für das Alter vorzusorgen, ohne das es gleich die Inflation auffrisst, viele Menschen haben nicht einmal ein Bankkonto. Rund sieben Prozent der gesamten Ersparnisse sind in Goldmünzen, Barren und in Goldschmuck angelegt. Bei Hochzeiten und Feierlichkeiten sind Goldgeschenke erste Wahl. Schmuck dient nicht nur der Zierde, sondern wird als Geldanlage gekauft.

Der Plan zum Rückkauf von Gold stößt auch im Inland auf Skepsis. Selbst in den Reihen der Regierung melden sich Kritiker zu Wort. Einige sagen, ein solches Programm müsse strukturierter konzipiert sein. Zudem halte die Zentralbank selbst Reserven des Edelmetalls von mehr als 557 Tonnen. Möglicherweise muss Indien auch diesen Schatz antasten, so wie 1991. Damals zwang eine ähnlich schwere Zahlungsbilanzkrise das Land dazu, seine Goldreserven zu verpfänden, um Importe bezahlen zu können.

Experten rechnen nicht damit, dass die Regierung den Verfall seiner Währung in Kürze stoppen kann. „Eine weitere Abwertung der indischen Rupie ist aus meiner Sicht unausweichlich, denn es gibt nur zwei Alternativen: Entweder man schaut seitens der jeweiligen Regierung weiter zu, wie die Schulden explodieren und infolgedessen weiter Kapital abgezogen wird oder man hält wie im Beispiel der Türkei die Zinsen weiter auf niedrigem Niveau, um auf diesem Weg die Wirtschaft mit billigem Geld anzukurbeln“, schrieb Jens Klatt vom Devisenbroker FXCM in einer Analyse.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/waehrungsverfall-indien-draengt-seine-buerger-zum-goldverkauf/8718326.html

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29.08.2013

Financial Times warnt vor Währungszusammenbrüchen

Laut einem Artikel der Financial Times verlieren US-Notenbanker offenbar die Lust, das Finanzsystem zu stabilisieren. Man solle sich an einen endlosen Kreislauf aus Blasen, Finanzkrisen und Währungszusammenbrüchen gewöhnen.

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Die Welt ist verdammt zu einem endlosen Kreislauf aus Blasen, Finanzkrisen und Währungszusammenbrüchen. Gewöhnen Sie sich daran.” Was hier schon hundertfach gemeldet wurde, findet nun auch den Weg in eines der angesehensten Finanzfachblätter der Welt: Die Financial Times.

Die Zeitung beruft sich in einem Artikel mit der Überschrift “Notenbanker haben es aufgegeben das Finanzsystem zu stabilisieren” (leider kostenpflichtig) offenbar auf Aussagen, welche während der Jahreskonferenz der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole, Wyoming vom 22. bis 24. August 2013, getätigt wurden. Dort finden sich jedes Jahr Fed-Vertreter zusammen mit Bankern und Ökonomen ein. Der Tenor war offenbar wenig positiv: “Trotz des Erfolges der unkonventionellen Geldpolitik und der letzten großen Erweiterungen der Regulierung der Finanzmärkte, sind bislang noch keine Möglichkeiten bekannt, den Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft zu begegnen, und dies bedeutet neue Krisen in der Zukunft”, so die Financial Times.

Weiter: “Die Mängel im internationalen Finanzsystem sind alt und tiefgreifend, und sie überwältigen jegliche Bemühungen, um damit arbeiten. Das Hauptproblem ist das Fehlen eines Mechanismus, jedes Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss dazu zu zwingen, diesen zu reduzieren. Riesige Ungleichgewichte – wie der chinesische Überschuss, der eine Flut von Kapital in die USA übertragen und zur Finanzkrise beigetragen hat, kann sich so entwickeln und fortbestehen.”

http://www.gegenfrage.com/financial-times-warnt-vor-weltweiten-waehrungszusammenbruechen/

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28.08.2013

„Der indische Markt befindet sich in einem Super-Panik-Zustand“

In Indien verschärfen sich die Verwerfungen an den Kapitalmärkten dramatisch. Die Kapitalflucht wird durch die Syrien-Krise und den steigenden Ölpreis noch einmal verstärkt. Die indischen Anleihenrenditen schießen durch die Decke.

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Die indische Rupie ist am Mittwoch neuerlich um mehr als drei Prozent eingebrochen und damit den größten Tagesverlust seit fast 18 Jahren eingefahren. Dahinter stehen Sorgen, dass der Anstieg beim Ölpreis die Leistungsbilanz weiter verschlechtern und die Volkswirtschaft in die größte Krise seit mehr als zwei Jahrzehnten ziehen wird. Die Kurse von Aktien und Anleihen brachen ebenfalls ein.

Die USA, Frankreich und Großbritannien bereiten einen Militärschlag gegen Syrien vor, als Reaktion auf den Einsatz von Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung. Damit kommen Befürchtungen auf, dass sich die Unruhen weiter im Nahen Osten ausbreiten könnten und die Ölversorgung unterbrochen wird. Die Spannungen verstärken den Ausverkauf am indischen Finanzmarkt.

Weltweit anlegende Fonds haben seit Ende Mai 8,7 Mrd. Dollar aus Anleihen in indischer Währung abgezogen, nachdem die Spekulationen zunahmen, dass die US-Notenbank ihre geldpolitischen Anreize zurückfahren wird. Rohöl der Sorte Brent hat sich in diesem Monat um 8,7 Prozent verteuert. Damit kommen höhere Ausgaben auf Indien zu, dass fast 80 Prozent seines Ölbedarfs importieren muss.

Die Märkte sind eingebrochen, weil die Möglichkeit eines von den USA angeführten Militärschlags gegen Syrien unmittelbar bevorsteht”, sagte Samir Lodha, Senior Partner bei QuantArt Market Solutions Pvt. in Mumbai. „Der indische Markt befindet sich in einem Super-Panik-Zustand“

Die Rupie fiel um 3,7 Prozent auf 68,7350 je Dollar, nachdem sie bereits am Dienstag 2,9 Prozent verloren hatte. Im laufenden Quartal hat die Rupie 13,6 Prozent verloren und in diesem Jahr um fast 20 Prozent abgewertet. Damit droht der Währung der schlimmste jährliche Verlust seit eine Zahlungsbilanzkrise das Land 1991 zwang, Gold zu verpfänden, um seine Importe bezahlen zu können.

Renditen gehen durch die Decke

Die Rendite der Benchmark-Staatsanleihe mit Fälligkeit Mai 2023 kletterte um 16 Basispunkte auf 9,02 Prozent. Am Vortag war die Rendite um 52 Basispunkte gestiegen. Der Aktienindex S&P BSE Sensex rutschte 2,6 Prozent ab auf 17.506 Zähler und kommt für dieses Jahr in Dollar gemessen auf Verluste von 27 Prozent.

„Indiens volkswirtschaftliches Durcheinander nimmt rasch ein krisenhaftes Ausmaß an“, schrieb Richard Iley, Ökonom bei BNP Paribas SA in Singapur, am Mittwoch in einer Analyse. Finanzminister Palaniappan Chidambaram hatte am Dienstag in New Delhi zugegeben, dass Indiens Haushaltsdefizit und das Leistungsbilanzdefizit verantwortlich sind für den Kursrutsch der Rupie.

http://www.format.at/articles/1335/941/365053/der-markt-super-panik-zustand

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27.08.2013

Währungskrise:Währungsverfall in Asien setzt sich fort

Die Finanzmärkte vieler Schwellenländer stehen unter Druck: Der Werteverlust asiatischer Währungen setzt sich fort. Betroffen sind Indonesien, Indien und Thailand. Auch an den asiatischen Börsen geht es abwärts.

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Nach kurzer Stabilisierungsphase setzt sich der Wertverlust vieler asiatischer Währungen fort. Am härtesten traf es am Dienstag erneut die indonesische Rupiah. Sie fiel zum amerikanischen Dollar auf ein neues Vierjahrestief. Die zweitstärksten Verluste musste die indische Rupie hinnehmen, die mit 65,9 Rupien je Dollar auf ein neues Rekordtief sank. Der thailändische Bath und der malaysische Ringgit fielen auf neue dreijährige Tiefstände.

Abwärts ging es auch wieder an den meisten asiatischen Börsen. Besonders starke Verluste verzeichnete der philippinische Aktienmarkt, der Börsenindex PSEi brach um knapp vier Prozent ein. Die indonesische Börse in Jakarta verlor mehr als drei Prozent, in Indien gab es Verluste von mehr als zwei Prozent. Auch Staatsanleihen vieler Länder gaben auf breiter Front nach, besonders ausgeprägt waren die Verluste in Indien, Indonesien und Thailand.

Seit Wochen stehen die Finanzmärkte vieler Schwellenländer unter starkem Druck. Erst in den vergangenen Tagen hatte sich eine leichte Beruhigung angedeutet, der Sinkflug nimmt aber schon wieder Fahrt auf. Händler begründeten dies unter anderem mit der drohenden Militärintervention der USA in Syrien, die unter Investoren für große Verunsicherung sorge.

Davon unabhängig leiden viele Schwellenländer – außerhalb Asiens insbesondere lateinamerikanische Staaten wie Brasilien – unter der näherrückenden geldpolitischen Wende in den USA. Die US-Notenbank Fed will ihre extrem expansive Geldpolitik noch in diesem Jahr etwas zurücknehmen. Die Aussicht auf eine geringere Geldschwemme veranlasst viele Investoren dazu, zuvor in die Schwellenländer geflossenes Kapital wieder abzuziehen.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/waehrungskrise-waehrungsverfall-in-asien-setzt-sich-fort/8699246.html

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23.08.2013

Brasilien und Indonesien kurz vor der Währungskrise

Kurs der US-Notenbank setzt Schwellenländer unter Druck

Angesichts des Drucks auf ihre Währungen haben Brasilien und Indonesien umfassende Maßnahmen angekündigt. Die brasilianische Zentralbank erklärte, sie werde den Real mit über 50 Milliarden Dollar (über 38 Milliarden Euro) stützen. Die indonesische Regierung kündigte mehrere Regelungen an, um die Importe zu begrenzen und die eigenen Exporte anzukurbeln.

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Zur Zeit stehen die Währungen zahlreicher Schwellenländer unter Druck. Ein Grund dafür ist die Ankündigung der US-Notenbank Fed, ihre Geldpolitik zu normalisieren und damit aufzuhören, zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise die Märkte mit billigem Geld zu fluten. Investoren ziehen daher ihr Geld aus den Schwellenländern ab, weil es attraktiver werden kann, es bei steigenden Zinsen in den USA anzulegen. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft in vielen Schwellenländern langsamer als bislang, die Exporte schwächeln und die Verbraucherpreise steigen schneller.

Das Stützungsprogramm der Zentralbank in Brasilien begann an diesem Freitag und soll bis mindestens Ende des Jahres laufen. Die Notenbank kauft durch zwei Arten von Transaktionen die eigene Währung und gibt dafür Dollar aus. Das soll den Real, der seit Jahresbeginn fast ein Fünftel an Wert verloren hat, wieder teurer machen. Montags bis donnerstags will die Notenbank jeweils 500 Millionen Dollar ausgeben, freitags sogar eine Milliarde Dollar.

„Sollte sie es für angemessen halten, wird die Zentralbank von Brasilien zusätzliche Operationen vornehmen“, fügte die Bank hinzu. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega hatte in einem Interview zuvor verkündet, die Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr zu senken. Für dieses Jahr rechne die Regierung nun nur noch mit einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,5 Prozent. Ursprünglich hatte sie ihre Erwartungen mit vier, dann mit drei Prozent angegeben.

Indonesiens Finanzminister Chatib Basri sagte, die Regierung „unternimmt alles, um den weltweiten Turbulenzen zu begegnen“. An der wichtigsten Börse in Jakarta waren die Kurse allein von Montag bis Donnerstag dieser Woche um neun Prozent gefallen, der Wert der indonesischen Rupiah fiel auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2009, und das Außenhandelsdefizit erreichte neue Rekordwerte.

Die Regierung will nun gegensteuern, indem sie die Einfuhrzölle auf bestimmte Luxusprodukte deutlich erhöht und weniger Öl und Gas einführt. Der Export soll durch sinkende Steuern für einzelne Branchen angekurbelt werden. Zudem will Indonesien ausländische Investitionen im Land erleichtern, indem Genehmigungen schneller erteilt werden.

http://de.nachrichten.yahoo.com/brasiliens-zentralbank-will-real-st%C3%BCtzen-080751322.html

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16.08.2013

Indien: Rupie, Börse, Anleihen – alles crasht!

Indien kann auch mit drastischen Beschränkungen im Devisenhandel den Verfall der Rupie nicht stoppen.

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Die Landeswährung Rupie sank am Freitag auf ein Rekordtief. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu ein Prozent auf 62 Rupien. An der Börse gerieten die Aktien unter Druck. Der Leitindex ging mit einem Minus von fast vier Prozent aus dem Handel. Der Kurs der Staatsanleihen fiel auf ein Drei-Monats-Tief.

Auch mit den jüngsten Schritten gelang es der indischen Regierung nicht, die Investoren davon zu überzeugen, dass sie weiterhin in der Lage ist, ausländisches Geld anzuziehen, um das Leistungsbilanz-Defizit in den Griff zu bekommen.

Aufschluss in die Stimmung am Markt bietet der Volatilitätsindex, der Optionen abbildet und von einigen Investoren als Angst-Index gewertet wird. Er schnellte um 26,4 Prozent in die Höhe, das ist der größte Anstieg seit Mitte 2009. Experten bewerteten das Vorgehen der Regierung kritisch. „Es sieht ein bisschen aus wie eine Panik“, sagte Jonathan Schiessl, Fondsmanager bei Ashburton Investments. „Das belastet das Vertrauen der Investoren. Wenn sich nichts ändert, werden wir wahrscheinlich unsere Bestände an indischen Wertpapieren reduzieren.“

Die Regierung in Neu Delhi verbot am Mittwochabend unter anderem den Import von Goldmünzen und verpflichtete Goldkäufer, den Preis bereits im Voraus in bar zu bezahlen. Zuvor schon hatte die Notenbank die Zinsen für kurzfristige Kredite angehoben, indischen Auslandsinvestitionen wurde ein Riegel vorgeschoben. Die Regierung befürchtet, dass ein weiterer Verfall der Rupie das Außenhandelsdefizit weiter ausweitet – weil sich in diesem Fall Importe verteuern würden. Dies könnte die Investitionen bremsen und das ohnehin schon schwache Wachstum weiter lähmen.

Die indische Wirtschaft wächst derzeit mit fünf Prozent so wenig wie seit einem Jahrzehnt nicht. Das Loch in der Leistungsbilanz – die neben dem Außenhandel auch Kapitalflüsse und Dienstleistungen umfasst – misst inzwischen 4,8 Prozent der Wirtschaftsleistung und ist damit so groß wie nie. Seit Ende Mai haben ausländische Investoren unter dem Strich 11,6 Mrd. Dollar (8,7 Mrd. Euro) aus indischen Wertpapieren abgezogen. „Indien verliert die Kontrolle über die Rupie, und die Schwäche weitet sich auf die Aktienmärkte aus“, sagte UBS-Stratege Manik Narain. „Es könnte eine Spirale in Gang kommen, wenn die schwache Währung Aktieninvestoren aus dem Land treibt und daraufhin die Rupie weiter abwertet.“

Indien leidet wie andere Schwellenländer auch unter der Andeutung der US-Notenbank Fed, schon bald den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einzuläuten und weniger Staatsanleihen zu kaufen. Experten rechnen damit, dass die Notenbanker schon bei ihrem nächsten Zinsentscheid im September aktiv werden. Die extrem lockere Geldpolitik der Fed hatte in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viel Geld in Schwellenländer floss – dieser Kapitalfluss kehrte sich inzwischen aber um.

http://www.format.at/articles/1333/936/364353/indien-rupie-boerse-anleihen

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