Eine verheerende Finanzkrise ist im Anmarsch – eine Chronik

 04.12.2017

BIZ erwartet Turbulenzen als Folge der niedrigen Zinsen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erwartet Turbulenzen an den Märkten wegen der langen Phase der niedrigen Zinsen.

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Die Zentralbank der Notenbanken warnt vor dem Hintergrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase vor künftigen Marktverwerfungen. Die Schwachstellen, die sich im Laufe der ungewöhnlich langen Zeit sehr tiefer Zinsen rund um den Globus aufgebaut hätten, seien noch immer vorhanden, erklärte der Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Claudio Borio, am Sonntag zur Vorlage des jüngsten Quartalsberichts. „Der Preis für kurzfristige Ruhe sind mögliche Turbulenzen auf lange Sicht.“

Die BIZ weist darauf hin, dass es immer noch hohe Schuldenstände sowohl in Landes- als auch in Fremdwährung gibt. In vielen Ländern, die weniger heftig von der Finanzkrise getroffen wurden, sind laut BIZ die Schuldenstände inzwischen sogar deutlich größer als vor der Krise. Zudem seien die Bewertungen vieler Vermögenswerte weiterhin hoch oder überzogen. Aus BIZ-Sicht wird dies teilweise durch die niedrigen Renditen der Staatsanleihen gestützt. Der Grund: Staatsanleiherenditen bilden die Referenz für die Bewertung aller Vermögenswerte. Je länger die Phase der Risikobereitschaft anhalte, desto stärker könnten die bilanzwirksamen Risikopositionen wachsen, so Borio.

Bei den BIZ-Experten sorgt der anhaltende Überschwang an den Märkten aber auch für Überraschung. Denn die US-Notenbank Fed ist bereits seit einiger Zeit dabei, ihre Zinszügel behutsam anzuziehen und hat mittlerweile auch den Abbau ihrer im Zuge der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz eingeleitet. Auch in der Euro-Zone wird die EZB ab 2018 ihre Konjunkturhilfen etwas zurückfahren, obgleich Zinserhöhungen noch in weiter Ferne liegen. Sie halbiert ab Januar das Volumen ihrer monatlichen Anleihenkäufe auf 30 Milliarden Euro.

Eine Erklärung für die dennoch nach wie vor sehr günstigen Finanzierungsbedingungen könnten aus Sicht der BIZ die positiven weltweiten Wirtschaftsaussichten sein. Außerdem hätten sich die Finanzmärkte darauf eingestellt, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik nur sehr behutsam straffen werden – und zwar so langsam wie noch nie. Für Borio wirft dies grundsätzliche geldpolitische Fragen auf: „Kann man eine Straffung als wirksam ansehen, wenn die Finanzierungsbedingungen ganz offensichtlich lockerer werden? Und wenn die Antwort nein lautet: Was sollten Zentralbanken dann tun?“

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/12/04/biz-erwartet-turbulenzen-als-folge-der-niedrigen-zinsen

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22.11.2017

Bank of America sieht Anzeichen einer ernsten Krise im Finanzsystem

Die Bank of America listet 15 Anzeichen dafür auf, warum sich das gesamte Finanzsystem inzwischen in Schieflage befindet.

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Die US-amerikanische Großbank Bank of America stellt in einem aktuellen Bericht 15 Symptome vor, die nach Ansicht der Bank auf eine enorme Blasenbildung in allen Bereichen des Finanzsystems hindeuten. Chef-Anlagestratege Michael Hartnett zufolge ist das laufenden Jahr „eine perfekte Darstellung eines seit acht Jahren andauernden, von Anleihekäufen der Zentralbanken befeuerten, Bullenmarktes.“

Zu den von der Bank veröffentlichten Warnsignalen gehören:

Das angeblich von Leonardo Da Vinci stammende Gemälde „Salvator Mundi“ erzielte bei einer Auktion kürzlich einen Rekordpreis von etwa 450 Millionen Dollar – den mit Abstand höchsten jemals bei einer Auktion erzielten Preis.

Die Digitalwährung Bitcoin versiebenfacht ihren Wert zum Dollar seit Jahresbeginn von etwa 952 Dollar auf 7.890 Dollar. (Anm. der Redaktion: Am 22. November lag der Bitcoin-Kurs bereits bei etwa 8.300 Dollar)

Seit Jahresbeginn haben die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan zusammen finanzielle Wertpapiere im Gesamtumfang von rund 2 Billionen Dollar aufgekauft.

Die Anzahl der Leitzinssenkungen seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Oktober 2008 stieg im laufenden Jahr auf 702.

Die weltweiten Gesamtschulden stiegen im laufenden Jahr auf etwa 226 Billionen Dollar, was etwa 324 Prozent der jährlichen, weltweiten Wirtschaftsleistung entspricht.

US-Unternehmen nahmen mit 1,75 Billionen Dollar so viel neue Schulden auf wie nie zuvor in einem Jahr auf.

Die Renditen riskanter europäischer Anleihen („High Yield“) sanken unter die Renditen der langlaufenden US-Papiere. Hierzu kommentiert der Ökonom und ehemalige Direktor des Office of Management and Budget, David Stockman: „Das Finanzsystem ist mittlerweile mit Anomalien, Deformationen und falschen Preisen übersät – Dinge, die niemals in einem freien Markt vorkommen könnten. Beispielsweise liegt die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds aus Europa unter den ‚risikofreien“ US-Staatsanleihen, und zwar einzig aufgrund der Verwüstungen durch die EZB. Tatsächlich hat der verrückte Draghi seit dem Beginn der Anleihekäufe im März 2015 rund 2,6 Billionen Euro an Wertpapieren gekauft und hat seitdem damit mehr Staatsschulden aufgekauft, als alle sozialistischen Regierungen der EU herausgegeben haben.“

Staaten geben zunehmend Anleihen mit der extrem langen Laufzeit von 100 Jahren heraus. Beispielsweise Argentinien, welches in den vergangenen 200 Jahren acht Mal einen Staatsbankrott anmelden musste.

Die gesamte Marktkapitalisierung aller Aktienmärkte stieg allein bis zum Herbst 2017 um etwa 15,5 Billionen Dollar auf jetzt rund 86 Billionen Dollar. Dies ist der höchste jemals gemessene Wert und er entspricht rund 113 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Die Erwartung der Marktteilnehmer hinsichtlich Kursschwankungen (Volatilität) sank im S&P 500-Index auf die tiefsten Werte seit mindestens 50 Jahren, während die erwartete Volatilität bei US-Staatsanleihen auf ein 30-Jahres-Tief sank.

Die Marktkapitalisierung der acht Technologie-Unternehmen Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google, Baidu, Alibaba und Tencent stieg um mehr als 1,5 Billionen Dollar. Damit ist der Anstieg größer als die gesamte Marktkapitalisierung des deutschen Aktienmarktes.

Auf 7855 börsengehandelte Fonds entfallen rund 70 Prozent aller täglichen Aktienspekulationen.

Im laufenden Jahr wurde der erste von Computeralgorithmen betriebene Fonds zugelassen (er liegt unter der Performance des Gesamtmarktes).

Die großen Gewinner: ACWI, China, Technologie, europäische Junk Bonds, der Euro

Die großen Verlierer: US-Dollar, Russland, Telefonanbieter, zweijährige US-Anleihen, die türkische Lira.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/11/22/bank-of-america-15-signale-fuer-eine-ernste-krise-im-finanzsystem/

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14.07.2017

Die Angst der Finanzminister vor der Schulden-Billion

In den Bilanzen der Banken schlummern weiter viele faule Kredite, mehr als ein Drittel allein in Italien

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Es wurde lange im offiziellen Europa so getan, als sei die Finanz- und Bankenkrise vorbei. Doch spätestens mit der Rettung der italienischen Monte dei Paschi, die es nach den Richtlinien zur Bankenabwicklung eigentlich nicht mehr geben sollte, rückte das Thema zum Jahreswechsel wieder breiter in die Öffentlichkeit. Die Einschläge kommen näher und es trifft mit Italien verstärkt das drittgrößte Euroland. Das Land ist ohnehin wegen seiner hohen Verschuldung und der politischen Dauerkrise seit langem die Zeitbombe im Euroraum.

Dass die Traditionsbank nicht die einzige im Land ist, die unter faulen Krediten wankt, haben zuletzt die Rettungen zweier Lokalbanken in Norditalien gezeigt. Das fröhliche Rettungsspiel auf Kosten der Steuerzahler geht munter weiter. Da man in Rom und Brüssel befürchtet, es könnte zum Flächenbrand über einen Dominoeffekt kommen, wendete man tatsächlich die Abwicklungsrichtlinien an, aber es werden immer neue Hintertürchen aufgemacht, um Extrawürste für Italien zu braten. Abwicklungen sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Der Plural ist nicht anwendbar. Nur in einem Fall wurde mit der spanischen Banco Popular – auch nur halbwegs – erstmals eine Bank abgewickelt.

Auf dem Treffen der Finanzminister (Ecofin) wurden die faulen Kredite in diesen Tagen erneut behandelt. Auch offiziell geht man davon aus, dass knapp eine Billion an faulen Krediten in den Bilanzen der europäischen Geldhäuser schlummern. Mit geschätzt 360 Milliarden Euro sollen die knapp 700 italienischen Banken den größten Teil des faulen Kuchens halten. Ob diese Zahlen stimmen, ist fraglich. Immer wieder konnte bisher beobachtet werden, dass plötzlich riesige Löcher in den Finanzen auftauchen, von denen niemand etwas gewusst haben will.

Beschlossen haben die Finanzminister nun einen „Aktionsplan“, mit dem sie den faulen Schuldenberg so schnell wie möglich abbauen wollen. „Der heute verabschiedete Aktionsplan für notleidende Kredite ist ein großer Schritt, um das Problem anzugehen“, sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis am Rand des Treffens. Man fragt sich nur, warum das nicht schon längst geschehen ist.

Faule Kredite sollen weiter in sogenannte Bad Banks ausgelagert werden, wie zuletzt in Italien wieder. Das heißt nichts anderes, dass die Lasten aus privaten Geldhäusern weiter auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Auffällig ist, dass es bei all den Plänen ziemlich still darüber bleibt, wer für die Verluste haften soll. Man hat sich für faule Kredite aber auf einen neuen Namen geeinigt, um die Vorgänge noch etwas mehr zu verschleiern. Man spricht nun von „Non Performing Loans“ (NPL).

Für den Handel mit solchen NPL soll nun ein Sekundärmarkt geschaffen werden. Nichts Genaues weiß man, denn die Europäische Bankbehörde (EBA) soll zunächst einmal Vorgaben für den Umgang mit NPLs aufsetzen und in einem Jahr allgemeine Leitlinien zu ihrer Handhabung herausgeben. Bis zum Jahresende soll die EU-Kommission ein Konzept für die Gründung nationaler Bad Banks entwerfen, die dann faulen Kredite übernehmen und managen sollen. Gesprochen wird auch von der Gründung von länderspezifischen Verwertungsgesellschaften, die aber wiederum später in Bad Banks umgewandelt werden können.

Eine gesamteuropäische Bad Bank soll es nicht geben, wie es im Frühjahr noch gefordert worden war. Das zeichnete sich schon im April ab. Die Bundesrepublik, vertreten von Wolfgang Schäuble, widerspricht jedem Vorgang, der wie eine Vergemeinschaftung von Schulden aussieht. Eine europäische Bad Bank würde „als Versuch, die Lasten der Bankensanierung zu vergemeinschaften“, missverstanden werden, meinte Schäuble.

Wer ist für die Entscheidung verantwortlich, die spanische Bank Popular abzuwickeln?

Interessant ist aber auch, dass schon jetzt Streit darüber ausgebrochen ist, wer dafür haftbar ist, dass der Bankenabwicklungsmechanismus (SRM) Anfang Juni entschieden hat, die spanische Popular abzuwickeln. Eine Klagewelle rollt an. EU-Kommission und Europäischen Zentralbank (EZB) – in der die Bankenaufsicht angesiedelt ist – sind offensichtlich besorgt. Sie haben Spanien am vergangenen Freitag angewiesen „intensiv zu überwachen“, welche Risiken aus Streitfällen entstehen können.

Vor dem Ecofin-Treffen hatte Spanien vorsorglich jede Haftung von sich gewiesen. Wirtschaftsminister Luis de Guindos verwies darauf, dass alle Entscheidungen vom Abwicklungsgremium (SRB) getroffen wurden und deshalb „wird der spanische Steuerzahler keinen Euro bezahlen“. Der spanische Rettungsfonds FROB habe lediglich die Entscheidungen des SRB umgesetzt. Auf Nachfrage von Journalisten erklärte der Minister zudem, man habe bisher keine Vorstellung, um welche Summen es gehen könne.

Die Auffassung teilt man in Brüssel aber nicht. Dombrovski spricht von einer europäischen Entscheidung, weshalb die Gerichte noch festlegen müssten, wer letztlich für Entschädigungen haftbar ist. Dass es die geben dürfte, zieht offenbar niemand in Zweifel. Die Klagen der Aktionäre und Halter nachrangiger Anleihen, die das gesamte Geld verloren haben, richten sich längst in verschiedenste Richtungen. Es wurden Strafanzeigen gegen die Chefs der Bank gestellt. Die Anwaltskanzlei Cremadas & Calvo-Sotelo vertritt bisher 1200 von etwa 350.000 Kleinanlegern. Diese Klage richtet sich gegen das Abwicklungsgremium und wird am 7. August vor Fristablauf eingereicht, damit sich noch weitere Geschädigte anschließen können. Die Verbraucherschutzorganisation OCU, die bisher 17000 Betroffene vertritt, überlegt zudem, vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid den FROB anzuklagen.

Was große Investitionsfonds machen, ist noch unklar. Ein Zusammenschluss, zu dem auch die große Investmentgesellschaft Pimco gehört, hatte sich zunächst ans Europaparlament gewendet. Gefordert wurde, die deutsche Chefin des Abwicklungsgremiums Elke König zu befragen, denn für sie geht es um fast eine Milliarde Euro. Sie zweifeln die Transparenz an. Verwiesen wird darauf, dass Dokumente, auf deren Basis die Abwicklung beschlossen wurde, nicht veröffentlicht wurden.

Tatsächlich versteckt sich König hinter der „Vertraulichkeit“ während ihrer Befragung. Das Dokument der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, das die Basis für die Abwicklung gewesen sein soll, wird weiter nicht veröffentlicht. In Spanien ist man sauer, dass die SRM-Richtlinien in Italien nicht angewendet wurden, womit man die Kleinanleger geschützt hatte, die in Spanien zur Kasse gebeten wurden. Nun kritisiert auch der Bundesfinanzminister die unterschiedliche Auslegung der Kriterien. Er mahnte mit Kollegen aus Österreich und den Niederlanden eine Überprüfung an, denn die Unterschiede seien „schwer zu erklären“. Doch man fragt sich, warum in die Richtlinien so viele Hintertürchen eingebaut wurden. (Ralf Streck)

https://www.heise.de/tp/features/Die-Angst-der-Finanzminister-vor-der-Schulden-Billion-3771783.html

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20.05.2016

Der Finanz-Tsunami nimmt seinen Lauf

Die gegenwärtige Lage auf den Finanzmärkten ist erheblich instabiler als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der Jahrtausendwende

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Die relative Ruhe an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen und Monaten hat viele Menschen glauben lassen, die Lage habe sich nach den Turbulenzen zu Jahresbeginn entspannt und sei doch nicht so ernst ist wie zunächst angenommen. Sie irren. Die gegenwärtige Lage ist erheblich instabiler als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der Jahrtausendwende und birgt erhebliche Gefahren in sich.

Acht Jahre sind vergangen, seit das globale Finanzsystem unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Statt die Schuldigen – skrupellose Spekulanten in den Führungsetagen der Finanzindustrie – zur Rechenschaft zu ziehen, erklärten die Regierungen in aller Welt die großen Finanzinstitute für „too big to fail“ und retteten sie mit Hilfe von Steuergeldern, also dem Geld arbeitender Menschen.

Um die dadurch entstandenen riesigen Löcher in den Staatshaushalten zu stopfen, bürdeten sie die Folgen dieser Politik ebenfalls der arbeitenden Bevölkerung auf. Unter dem Banner der „Austeritätspolitik“ senkten sie deren Lebensstandard und zwangen sie, Einbußen aller Art hinzunehmen.

Die Verursacher der Krise wurden sogar noch belohnt

Die Verursacher der Krise dagegen wurden für ihr Verhalten sogar noch belohnt. Für sie wurden riesige Mengen an Geld geschaffen, das ihnen bis heute zu immer niedrigeren Zinssätzen zur Verfügung gestellt wird. Statt es – wie von der Politik zur Täuschung der Öffentlichkeit behauptet – für neue Investitionen und damit zur Ankurbelung der Realwirtschaft zu benutzen, setzt die Finanzindustrie den Löwenanteil des Geldes auch nach dem Beinahe-Crash wieder zur Spekulation an den Finanzmärkten ein. In der Gewissheit, „too big to fail“ zu sein und im Notfall erneut gerettet zu werden, haben die Banker ihre spekulativen Aktivitäten seit 2008 sogar ausgeweitet und gehen heute größere Risiken ein als zuvor.

Der Finanzsektor, der das System damals existentiell bedroht hat, wuchert deshalb unkontrolliert weiter. Die Realwirtschaft dagegen stagniert und schrumpft, da ihr durch den Finanzsektor das Blut in Form von Kapital entzogen wird und auch die Nachfrage auf Grund der austeritätsbedingten geringeren Einkommen zurückgeht. Das wiederum führt dazu, dass die Kluft zwischen denen, die von ihren Vermögen leben, und denen, die von ihrer Arbeit leben müssen, immer größer wird.

Inzwischen hat die Entwicklung jedoch eine neue Stufe erreicht, da die bisherigen Maßnahmen nicht mehr richtig greifen oder neue Risiken mit sich gebracht haben: Jahrelanges Gelddrucken hat zur Entwertung des Geldes und zur Inflation geführt – nicht in der Realwirtschaft, sondern an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten, in die das frische Geld größtenteils geflossen ist. Unterstützt durch das parasitäre Verhalten der großen Marktteilnehmer (zum Beispiel das Rückkaufen eigener Aktien durch das Management von Großkonzernen zum Zweck der Erhöhung der eigenen Boni), haben sich riesige Blasen gebildet, die jederzeit platzen und zu einer Panik an den Märkten führen können.

Der Weg führt zwangsläufig zu immer größerer Instabilität

Die kontinuierliche und mittlerweile bis in den Negativbereich reichende Senkung der Zinsen (auch „billiges Geld“ genannt) erhöht ebenfalls die Instabilität des Systems: Sie zwingt bisher zur Vorsicht neigende Anleger wie Pensionsfonds, Rentenkassen und Krankenkassen, konservative Anlageformen über Bord zu werfen und durch Spekulation an den Finanzmärkten immer höhere Risiken einzugehen. Außerdem untergräbt sie die Lebensgrundlage kleiner und mittlerer Banken (z.B. deutscher Sparkassen und Raiffeisenbanken), die derzeit händeringend nach Rezepten suchen, um die Verluste in ihrem früheren Kerngeschäft – der Kreditvergabe an den Mittelstand – auszugleichen.

Beide Entwicklungen zusammen haben dazu geführt, dass selbst früher als normal geltende Korrekturen der Märkte verhindert werden müssen, da diese durch den Bankrott einzelner Marktteilnehmer rasch zu einer Kettenreaktion und so zum Zusammenbruch des Systems führen könnten. Sobald es zu ersten schärferen Abwärtsbewegungen an den Märkten kommt, greifen deshalb die Zentralbanken – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – direkt oder über Mittelsmänner mit frischem Geld ein, manipulieren auf diese Weise die Kurse noch stärker und verzerren so das im Verhältnis zur Realwirtschaft mittlerweile groteske Bild der Märkte bis zur Unkenntlichkeit.

Die größte Gefahr aber lauert wie schon seit Jahren im Bereich der Derivate, deren Umfang von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf zurzeit ca. $ 550 Billionen, von Insidern sogar auf $ 1,5 Trillionen geschätzt wird. Unter diesen von der Realwirtschaft abgekoppelten reinen Finanzwetten müssen zurzeit insbesondere die Kreditausfallversicherungen und die Zins-Swaps als finanzielle Tellerminen gelten.

Die größten Gefahren lauern im Verborgenen

Da Kreditausfallversicherungen auch von solchen Marktteilnehmern abgeschlossen werden dürfen, die keinen Kredit vergeben haben, setzen zahllose Großinvestoren auf dieses (erst seit 1994 existierende) gefährlichste aller Finanzprodukte. Nicht etwa, um sich gegen Risiken abzusichern, sondern um ganz gezielt auf den Ausfall von Unternehmen und Ländern zu wetten.

Da dies beim tatsächlichen Eintreten einer Insolvenz dazu führen kann, dass Banken ein Vielfaches der Schadenssumme auf den Tisch legen müssen (wie 1998 im Fall des Hedgefonds Long Term Capital Management und 2008 im Fall des US-Versicherers AIG), bleibt Staaten und Regierungen im Ernstfall gar nichts anderes übrig als das fehlende Geld zu drucken und es den betroffenen Finanzinstituten zum Überleben zur Verfügung zu stellen.

Zins-Swap-Derivate sind mittlerweile einer der Hauptgründe, warum die Zentralbanken ihre Leitzinsen nicht erhöhen können, sondern immer weiter senken und sogar noch tiefer in den Negativbereich treiben müssen. Mit Zins-Swap-Derivaten sichern sich Unternehmen und Staaten gegen Verluste durch Schwankungen von Zinssätzen ab. Die Kurseinbrüche an den internationalen Aktien- und Anleihenmärkten im Januar 2016 als Folge der minimalen Zinserhöhung der Federal Reserve um ganze 0,25 % im Dezember 2015 zeigen, in welch gigantischem Umfang diese Zins-Swaps mittlerweile abgeschlossen wurden.

Die Folge: Den Zentralbanken bleibt in Zukunft kein Spielraum mehr für eine Erhöhung der Leitzinsen, eine Rückkehr zu den früher normalen Werten von mehreren Prozent ist damit ausgeschlossen.

Was aber bleibt Regierungen und Finanzindustrie, wenn eine Senkung des Leitzinses das Bankensystem selbst gefährdet und die immer größeren aus dem Nichts geschaffenen Geldmengen zwangsläufig zu dessen totaler Entwertung führen müssen? Die Antwort lautet schlicht und einfach: Ein noch schärferer Angriff auf die arbeitende Bevölkerung.

Der Leidtragende: Die arbeitende Bevölkerung

Die vor uns liegende Phase wird von folgenden Entwicklungen geprägt sein: Die Unternehmen werden unter dem Schlagwort der „Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit“ alles daran setzen, Löhne zu senken, Entlassungen vorzunehmen, Arbeitsbedingungen zu verschärfen und Leistungen wie Renten- und Sonderzahlungen zu kürzen, um auf diese Weise die Gewinne für die Investoren zu erhöhen.

Die Staaten wiederum werden diese Maßnahmen durch weitere Austeritätsprogramme flankieren, Sozialleistungen einschränken, öffentliche Bedienstete entlassen, Mindestlöhne senken und die Infrastruktur weiter zerfallen lassen. Außerdem werden sie den Gewalt- und Überwachungsapparat (Militär, Polizei und Geheimdienste) ausbauen, um sich gegen den zu erwartenden Widerstand seitens der Bevölkerung zu wappnen.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen und einzelne Finanzinstitute trotz aller Rettungsversuche zusammenbrechen, werden die Regierungen auf das inzwischen rechtlich in ganz Europa verankerte Bail-in zurückgreifen. D.h., die Vermögen von Anteilseignern, Einlegern und Sparern werden zum Teil konfisziert werden, um die betroffenen Geldinstitute am Leben zu erhalten. Großinvestoren werden, da sie über genügend Marktinformationen verfügen, rechtzeitig abspringen und ihr Geld in Sicherheit bringen. Die Zeche wird in erster Linie die arbeitende Bevölkerung zahlen.

Sollte aber auch ein Bail-in nicht ausreichen, könnte ein Vorschlag des IWF auf den Tisch kommen, der 2013 in seiner Publikation „Fiscal Monitor“ unter dem Titel „Taxing Times“ („Zeit für Steuern“) eine einmalige Vermögenssteuer in Höhe von 25 % auf alle Bankguthaben zur Rettung des Systems ins Gespräch gebracht hat. Auch hier kann damit gerechnet werden, dass die Finanzelite und die Wohlhabenden dieser Welt ihr Geld rechtzeitig in nicht erreichbaren Steueroasen verstecken werden und am Ende die arbeitenden Menschen für die Verfehlungen der Finanzindustrie werden aufkommen müssen.

Die letzte Option heißt Krieg

Die erheblichen sozialen Verwerfungen, zu denen all diese Maßnahmen unausweichlich führen werden, könnten die Herrschenden schlussendlich aber auch zu einem weiteren Mittel greifen lassen, durch das das Finanzsystem bereits zweimal, nämlich 1914 und 1939, zumindest für einige Jahrzehnte am Leben erhalten wurde. Wie die allseits praktizierte Aufrüstung, das Säbelrasseln der USA gegen Russland und China und die zunehmende globale Militarisierung zeigen, liegt die Option eines großen Krieges bei den wichtigsten politischen Entscheidungsträgern dieser Welt bereits offen auf dem Tisch.

Wer glaubt, dass moralische Gründe diese Kräfte an der Entfesselung eines Krieges hindern könnten, der sollte einen Blick auf die Geschichte des 19. und des 20. Jahrhunderts werfen: Wenn das System existentiell bedroht war, hat die politische Elite – die ja direkt von ihm profitiert – nie gezögert, auch diese letzte Karte auszuspielen, unendliches menschliches Leid billigend in Kauf zu nehmen und dabei einen Satz zu bestätigen, der heute mehr denn je gilt: „All wars are bankers‘ wars.“ („Alle Kriege sind Banker-Kriege“)

http://www.heise.de/tp/artikel/48/48299/1.html

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13.04.2016

IWF warnt vor einer neuen Mega-Finanzkrise

Um die Stabilität der Finanzmärkte sei es schlecht bestellt, attestieren die Experten des IWF. Den Börsen stünden ernsthafte Turbulenzen bevor. Kritiker des IWF klammern sich an einen Erfahrungswert.

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Wer den gepflegten Grusel schätzt, braucht in dieser Woche nicht zu einem der vielen Thriller im Buchhandel zu greifen: Die Lektüre des aktuellen Reports des Internationalen Währungsfonds (IWF) reicht völlig aus, um sich in eine Art Untergangsstimmung versetzt zu fühlen. Bereits zu Wochenbeginn warnte der IWF in drastischen Worten vor den wachsenden Krisengefahren für die Weltwirtschaft. Nun haben die Ökonomen mit dem Finanzstabilitätsreport noch einen draufgelegt und den düsteren Ausblick komplettiert.

Sollten die Finanzmarktakteure das Vertrauen verlieren, würde das die Börsen weltweit in einen Bärenmarkt versetzen – mit erheblichen Folgen für das weltweite Wirtschaftswachstum, lautet eine der Botschaften aus dem Report. Die Aktien in Großbritannien, den USA, der Euro-Zone und China könnten in den kommenden zwei Jahren locker 20 Prozent ihres Werts verlieren.

IWF sorgt sich um die Finanzstabilität

„Die entscheidende Frage ist, ob die Börsenturbulenzen der vergangenen Monate jetzt hinter uns liegen, oder ob sie eine Warnung sind, dass mehr getan werden muss“, formulierte der oberste Finanzstabilitätswächter beim IWF, José Viñals, die entscheidende Frage, die den Fonds derzeit umtreibt. „Ich befürchte, es ist Letzteres: Es muss mehr für die weltweite Finanzstabilität getan werden.“ Nur so lasse sich angesichts der gefährlichen Gemengelage aus brüchigem Vertrauen, schwachem Wachstum, niedriger Inflation und steigender Verschuldung eine weltweite Stagnation verhindern.

Sollte die Politik hingegen jetzt nicht beherzt handeln, ist bis 2021 ein ganzes Jahr Wachstum verloren, rechnet der IWF vor. Das würde dazu führen, dass die Schuldenlast für viele Staaten nicht mehr zu bewältigen ist. Der Währungsfonds nennt in diesem Zusammenhang insbesondere Japan, das mit einer Staatsschuldenquote von 250 Prozent die mit weitem Abstand am höchsten verschuldete Ökonomie der Welt ist.

Auch Griechenland treibt den Fonds in dieser Hinsicht weiterhin um. Zwar halten sich die Ökonomen in ihrem Report mit einer Schuldenprognose für Hellas zurück. In einem Entwurf, der am Mittwoch über Agenturen kursierte, bezeichnet der Fonds die griechische Schuldenlast aber als „in hohem Maße untragbar“. Die Verschuldung der Industrieländer dürfte nach Schätzungen des IWF in diesem Jahr auf durchschnittlich 107,6 Prozent steigen, ein Nachkriegsrekord. Das ist bemerkenswert, weil die Welt heute anders als vor gut sieben Jahrzehnten keinen derart zerstörerischen Krieg hinter sich hat.

Kapitalkraft der Banken ist unzureichend

Gefahr droht nach Ansicht der IWF-Experten allerdings nicht allein durch die hohe Staatsverschuldung. Auch die wackeligen Banken in vielen Teilen der Welt bergen aus Sicht des Fonds wachsende Risiken. So sei die schwache Kapitalkraft einiger Geldhäuser mit dafür verantwortlich, dass weltweit die Kreditvergabe an Unternehmen nicht wirklich anspringt. Doch gerade diese sei eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die Weltwirtschaft wieder neuen Schwung bekomme.

Der Schlüssel dazu liegt aus Sicht des IWF bei der Politik. Diese müsse dafür sorgen, dass die Bankenbilanzen wieder solider werden. Namentlich wird Italien gewarnt. Der staatlich orchestrierte private Rettungsfonds für notleidende Institute sei zwar positiv zu bewerten. Allerdings müsste noch mehr unternommen werden.

Ausgerechnet die weltweit ultralockere Geldpolitik wird vom IWF ausdrücklich gelobt. Die Negativzinsen und die immensen Anleihekäufe sind „entscheidend“, um weltweites Wachstum zu stimulieren. Auch wenn die Strafgebühren die Profitabilität der Geschäftsbanken schwächen, würden die Institute unter dem Strich stärker von den positiven Wachstumseffekten profitieren.

In Deutschland weisen drei Viertel der Bundesanleihen inzwischen Minuszinsen auf, nur in der Schweiz sind es noch mehr. Selbst in bonitätsschwächeren Staaten wie Spanien und Italien hat der Minuszins der Europäischen Zentralbank (EZB) inzwischen Einzug gehalten. Seit Sommer 2014 verlangen die Frankfurter Währungshüter Strafgebühren von jenen Geschäftsbanken, die ihre überschüssige Liquidität bei der Notenbank bunkern.

Die Untergangsprophezeiungen des IWF stehen im markanten Gegensatz zu den wieder deutlich optimistischeren Tönen, die von den Ökonomen und Chefs der privaten Geschäftsbanken zu hören sind. So hat erst kürzlich der Chef der US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, vor übertriebenem Pessimismus gewarnt. „Seid nicht so verdammt depressiv“, sagte er auf einer Veranstaltung vor wichtigen Unternehmenskunden. Und auch die obersten Goldman-Sachs-Chefs Lloyd Blankfein und Gary Cohn zeigten sich im jährlichen Aktionärsbrief optimistisch. Amerika stehe vor der Vollbeschäftigung, man sehe Anzeichen einer bescheidenen Inflation, und die Märkte stabilisierten sich. Tatsächlich hat der Dax am Mittwoch wieder über der 10.000-Punkte-Marke geschlossen.

Optimisten hoffen, dass der IWF danebenliegt

Die Optimisten können auf die schlechte Prognosebilanz des IWF verweisen. So haben die Experten die Finanzkrise nicht vorhergesehen. Seit 2009 wiederum hat der Fonds die Folgen der Krise für zu gering eingeschätzt. Der Anstieg der Verschuldung auf das aktuelle Nachkriegsrekordniveau wurde nicht vorhergesagt. Nun könnte es jedoch sein, dass der IWF in pessimistischer Hinsicht überzieht. Dafür spricht auch, dass mit den Prognosen Politik gemacht und die Akteure zum Handeln gedrängt werden sollen.

Die Chancen dafür stehen allerdings alles andere als gut. Schließlich will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei der IWF-Frühjahrskonferenz für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik werben. So müsse die Finanz- und Wirtschaftspolitik den Notenbanken eine Brücke bauen, damit der Einstieg in den Ausstieg von der lockeren Geldpolitik möglich werde. Den Minister sorgen vor allem die wirtschaftlichen und politischen Folgen der ultralockeren Geldpolitik in Deutschland. Diese bereite den Banken und Sparern „außergewöhnliche Probleme“.

http://www.welt.de/finanzen/article154331357/IWF-warnt-vor-einer-neuen-Mega-Finanzkrise.html

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08.04.2016

Die Eurozone steht vor einem neuen Wirtschaftskollaps

Die Wirtschaft der Eurozone kommt einfach nicht in Gang – Strafzinsen und Anleihe-Milliarden zum Trotz. Stattdessen wendet sich das Blatt in einigen Ländern mehr und mehr zum Negativen. Zwei Analysen zeigen: Der gesamten Eurozone droht eine neue Finanzkrise.

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Denn in den südlichen Eurostaaten schwelt ein Debakel von ähnlichem Ausmaß wie 2009. Das sind die Anzeichen, die Experten Sorgen bereiten:

  • Der Schuldenstand steigt

Die Schulden der Länder der Eurozone liegen aktuell im Schnitt bei 90 Prozent. 2010 – ein Jahr nach der Schuldenkrise – waren es noch 85 Prozent. Die Sorgenstaaten Italien, Spanien und Portugal haben das 1,2-fache ihres Bruttoinlandproduktes als Schulden angehäuft. Sollte es mehr werden, wäre das in den Augen von Ökonomen ein untrügliches Zeichen für eine neue Krise, so die „Süddeutsche Zeitung“.

  • Soziale Regierungen geben viel Geld aus

In Portugal verteilt die neue Linksregierung Geschenke an Arbeitnehmer, Rentner und Beamte. In Spanien, wo ebenfalls die Linken die Macht übernehmen könnten, droht eine ähnliche Ausgabenpolitik, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Das Problem: Der Eurorettungsschirm funktioniert nur, wenn der Großteil der Länder, die für Krisenstaaten eintreten sollen, ihren Verpflichtungen auch nachkommen können. Ansonsten könnte eine Rettungsaktion für die gesamte Eurozone scheitern.

Ersparnisse werden kaum noch verzinst, auch Lebensversicherungen und Bausparverträge werfen keine Erträge mehr ab. Die Inflation schlagen diese Anlageformen schon lange nicht mehr.

Der Aktienmarkt ist heiß

Aktien sind dafür nicht nur deutlich risikoreicher sondern auch teuer – schließlich sind die, die nicht anders konnten, schon vor Monaten eingestiegen. Das gleiche gilt für Immobilien und andere Sachanlagen.

Das Problem: Experten fragen sich, was die Europäische Zentralbank (EZB) als Nächstes tun könnte: Der Einlagenzins ist Mitte März noch einmal gesunken und liegt jetzt bei minus 0,4 Prozent. Das heißt, die Banken müssen ihr Geld verleihen, um keine Verluste zu machen. Sie pumpen mit aller Kraft Geld in den Markt – und trotzdem gehen die Verbraucher nicht los und kaufen ein und trotzdem bauen die Unternehmen ihre Produktion nicht aus.

Die Euro-Zone hat weniger Spielraum, auf eine neue Krise zu reagieren, als vor sieben oder acht Jahren“, sagt Guntram Wolff vom in Brüssel ansässigen Thinktank Bruegel der „Süddeutschen Zeitung“.

Bricht tatsächlich eine Krise aus, könnte die Eurozone sowohl deutlich schneller als auch tiefer abrutschen als 2009.

http://www.focus.de/finanzen/banken/staatsschulden-minizinsen-und-teure-aktien-die-krise-kommt-zurueck-die-eurozone-steht-vor-einem-neuem-wirtschaftskollaps_id_5421521.html

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14.02.2016

Börsen-Crash: Den USA steht die Stunde der Wahrheit noch bevor

An den Aktienmärkten sind weitere Einbrüche zu erwarten. Die USA werden besonders betroffen sein, weil die lange Phase der niedrigen Zinsen zur Blasen-Bildung geführt haben. Vermutlich wird erst eine harte Rezession die Amerikaner zu einem Umdenken zwingen. Die Stunde der Wahrheit für die Spekulanten kommt in dem Moment, in dem reale Werte und erfolgreiche Unternehmen wieder das Maß der Dinge werden.

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Gegenwärtig ist der Erdölpreis der Taktgeber der globalen Märkte. Die Korrelation mit den US-Märkten ist in der kurzen Frist sehr hoch, vor allem mit dem S&P 500. Erdöl hat gegenwärtig eine realisierte Volatilität von 80, so dass innert Tagesfrist gewaltige Sprünge und entsprechende Stimmungsschwankungen möglich sind, quer durch alle Klassen und Segmente von Aktiven.

Die Fundamentalfaktoren für den Ölpreis verschlechtern sich immer weiter. Die Lager füllen sich bis an die physische Kapazitätsgrenze, und die Überproduktion hält auch 2016 an. Die letzte Woche veröffentlichten Berichte der IEA und der EIA zeigen dies exemplarisch auf. Auch für die erste Jahreshälfte 2016 projizieren diese Organisationen viel höhere Produktion über die Nachfrage hinaus als bisher angenommen. Die Überproduktion erreicht demnach rund 2 Millionen Barrel pro Tag, die zusätzlich in Lager geht. Diese Lager erreichen die physische Kapazitätsgrenze und den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Es sind wenig oder fast keine Puffer mehr vorhanden. Gleichzeitig herrscht eine extreme Contango-Konstellation vor: Der Markt antizipiert, dass die Preise in nicht allzu ferner Zukunft viel höher liegen werden. Unter diesen Umständen bleibt es hoch rentabel, trotz niedriger Spotpreise zu produzieren, die Produktion zu lagern und auf ein Jahr und mehr hinaus am Futuresmarkt zu verkaufen.

Für die enorme Volatilität sorgen gezielt gesteuerte Gerüchte, dass OPEC- und Nicht-OPEC-Länder eine Vereinbarung über gemeinsame Quotenkürzungen vornehmen werden. Vor zwei Wochen kamen solche Gerüchte aus Russland, am Freitag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sobald solche Meldungen über den Ticker kommen, werden offene Verkaufspositionen schleunigst eingedeckt. Besonders logisch wäre eine solche Produktionskürzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Aber die Gerüchte zu streuen, macht durchaus Sinn. Die OPEC-Produzentenländer haben ein Interesse, den Preis niedrig zu halten, aber ihn nicht ins Bodenlose fallen zu lassen. Sie sind auch große Investoren in den westlichen Aktienmärkten und wollen nicht unnötig Geld auf ihren Anlagen verlieren. Immer dann, wenn WTI-Rohöl nach unten durchzubrechen droht, werden zeitig solche Bemerkungen von OPEC-Offiziellen fallengelassen.

Wichtig für den harten Kern der OPEC-Produzentenländer (wie auch für Russland) ist es, dass der Preis unter 35-40 $ pro bl bleibt. Dann wird es unweigerlich ein Blutbad bei den amerikanischen shale gas und tight oil Produzenten geben. Der März ist die Periode, wo die Kredit-Reviews der Banken in den USA wieder losgehen. Dann werden viele Banken den Stecker ziehen müssen, und die Kreditlinien in diesem Sektor nicht verlängern. BNP, ein sehr großer Commodity-Finanzierer, hat verlauten lassen, dass sie ihre Kreditengagements im Energiesektor zurückfahren werden. Solange die Preise tief bleiben und die Kredite nicht wieder verlängert oder sogar aufgestockt werden, wird dies eine Welle oder sogar Lawine von Bankrotten im US-Energiesektor lostreten. Zeitlich ist dies vom März an und vor allem im 2. Quartal zu erwarten. Je länger die überfällige Kapazitätsanpassung herausgezögert wird, desto schmerzhafter und gesamtwirtschaftlich kostspieliger wird sie ausfallen.

Die Kapazitätsanpassung muss vor allem in den USA kommen, nicht von den OPEC- Ländern und von Russland. Diese haben wesentlich tiefere Produktionskosten. Würden die beiden Letzteren effektiv jetzt die Produktion deutlich reduzieren, so würde dies die schwer angeschlagenen US-Produzenten über die Runden helfen, und das Problem des globalen Überangebots in keiner Weise beseitigen. Sie würden 100 Meter vor dem Ziel kapitulieren. Wichtig ist vor allem, dass es genügend Verluste für Banken und Bondinvestoren geben wird. Dann werden sowohl Banken wie Asset-Manager ihre Kreditengagements in diesem Sektor für lange Zeit hinunterfahren. Die Risikomodelle werden ihnen ex-post verbieten, weiter Kredite in diesen Bereich zu vergeben.

Der US-tight oil und shale gas Bereich wird dann vor allem durch Eigenkapital und nicht mehr fremdfinanziert werden. Potente Private Equity Gruppen und große integrierte Erdölgesellschaften werden Investoren sein. Die aufgeblähte Produktion wird dann deutlich und langfristig fallen. Nur beste und nachhaltig rentable Projekte werden dann noch verfolgt werden. Bisher herrschte im shale gas und tight oil Bereich eine kreditfinanzierte ‚bubble finance’ vor, eine völlig unproduktive Aktivität ohne Rentabilität.

Das Risiko eines militärischen Konflikts im Mittleren Osten einerseits und die spezifisch kritische Lagersituation in den USA andrerseits haben den Spread zwischen WTI und Brent wieder steigen lassen. In der gegenwärtigen Situation ist es wichtig, beide Preise zu beobachten. Angesichts des Stellvertreterkrieges zwischen Russland / Iran auf der einen und Saudi-Arabien / Katar auf der anderen Seite ist im Übrigen eine Übereinkunft zum jetzigen Zeitpunkt wenig wahrscheinlich. Auch die lange Geschichte gegenseitigen Misstrauens lastet darüber.

Was bedeutet diese Konstellation für die anderen Märkte, zunächst für die USA?

Die amerikanischen Wertschriften-Märkte sind gespalten, sowohl die Aktien- wie die Kreditmärkte. Die hoch kapitalisierten Werte, abgebildet durch den S&P 500, halten sich richtig gut, sie lagen am Freitag nur rund 13% unter dem Allzeit-Höchststand vom Mai letzten Jahres. Steigt der Erdölpreis noch etwas weiter, so liegen diese Verluste plötzlich unter 10%. Dagegen sind der breite Markt (Wilshire 5000) und die small und mid caps (Russell 2000) in festgezurrten Baissetrends mit deutlich höheren Verlusten. Die Divergenz, die schon 2015 kennzeichnete, hat sich noch akzentuiert.

Die Anleger konzentrieren sich auf weniger und weniger Sektoren, Gesellschaften und Aktien mit bestimmten Eigenschaften. Gerne gesehen werden Gesellschaften, die hohe gesicherte Dividenden bezahlen, mit Aktienrückkauf-Programmen den Effekt fallender Gewinne eindämmen oder weniger stark steigende Gewinne untermauern können. Diese Konstellation ist die Kehrseite der niedrigen Zinsen/Renditen einerseits und der Leistungsversprechen andrerseits, welche viel höhere Renditeziele beinhalten, mit denen institutionelle Anleger vielfach konfrontiert sind. Sie müssen investieren. Die immer noch sehr guten Finanzierungsbedingungen für Gesellschaften mit Investment-Grade Status erlauben den hoch kapitalisierten Unternehmen, so ihre Bewertung hoch zu halten. Fundamental bleibt der S&P zu teuer. Die Fokussierung auf immer weniger Titel wird auch durch den Trend der ‚advance-decline’ Ratio bestätigt.

Im S&P konnten effektiv zwei Sektoren seit Jahresanfang deutliche Kursgewinne verbuchen: Telekommunikations-Dienstleister und Versorgungs-Unternehmen. Stapel-Konsumgüterhersteller sind praktisch ohne Verluste. Auch große integrierte Erdölgesellschaften glänzen mit leichten Kursgewinnen. Das sind allesamt defensive Titelgruppen. Hohe Verluste eingefahren haben umgekehrt Finanz- und Technologiewerte sowie zyklische Hersteller diskretionärer Konsumgüter. Das sind typisch zyklische Titelgruppen. Was den Markt kennzeichnet, ist also eine extreme Sektorenrotation, extreme Rotation in Titelgruppen und in spezifische Aktien mit Wachstumspotential.

Bei den hoch kapitalisierten Werten sind vor allem die Banken deutlich unter Druck, auch wenn sie teilweise gute Ergebnisse ausgewiesen haben. Aber die amerikanischen Banken müssen ihren Anlegern gegenüber Kredit-Engagements im Energiesektor offen legen und auch kommunizieren, was sie dagegen zurückgestellt oder abgeschrieben haben. Für die Anleger ist dies viel zu wenig. Zudem belastet diese Titelgruppe, dass die Aussicht auf Zinserhöhungen der Fed weggefallen oder stark reduziert ist. Kein anderer Sektor würde so von Zinserhöhungen profitieren wie die Banken.

Bei den großkapitalisierten Gesellschaften setzt sich also die Blase fort. Effektiv gibt es kräftige Gewinnrückgänge, aber teils kreditfinanzierte Rückkaufsprogramme und Dividendenzahlungen machen diese Segmente bisher resistent und verhindern Preisanpassungen.

Für die small- und mid caps haben sich die Finanzierungsbedingen deutlich verschlechtert. Katastrophal sind sie bei Junk-Bonds im Energiebereich, dem wichtigsten Segment der vergangen Jahre. Für andere Segmente im non-investment grade Bereich sind sie merklich verschlechtert. Insgesamt haben sich die Finanzierungskonditionen in den USA verschlechtert, sind aber vor allem im Vergleich mit Europa immer noch sehr gut. Im intertemporalen Vergleich deuten sie auf eine Wachstumsabschwächung, aber noch nicht auf eine Rezession hin. Immerhin gilt es zu bedenken, dass in den USA der Fall der Erdölpreise und vor allem der lange Zeit niedrigen Zinsen auch wie ein Stabilisator der Konjunktur wirkt.

Die amerikanische Notenbankpräsidentin Yellen hat bei ihren halbjährlichen Kongress-Anhörungen realistische und ausgewogene Aussagen gemacht und den Kommunikationsfehler von Mitte Dezember korrigiert. Damals waren gleich fünf Zinserhöhungen für die nächsten 12 Monate in Aussicht gestellt worden. Allerdings beruhen ihre Einschätzungen, dem Mandat des Fed entsprechend, stark auf dem Arbeitsmarkt. Leider ist die Qualität der Arbeitsmarktdaten auch in den USA nicht mehr über alle Zweifel erhaben, so dass von daher eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die Konjunktureinschätzung besteht.

Interessant war ihre Aussage, dass die Notenbank nicht am Aktienmarkt-Einbruch schuldig sei. Das ist korrekt für die Baisse der vergangenen zwei Wochen, und beschönigt etwas die Rolle der Geldpolitik in den ersten drei Wochen des Jahres. Wird die Aussage im längerfristigen Kontext betrachtet, etwa auf die gesamte vergangene Periode der letzten sieben Jahre bezogen, so dürfte sie nicht zutreffen. Die Nullzinspolitik und die Quantitative Lockerung waren in den USA nur teilweise ein Erfolg, teilweise auch ein Flop. Die Nullzinspolitik und die erste Phase der Quantitativen Lockerung haben 2009 die Banken und die Gesamtwirtschaft stabilisiert und eine schwere Rezession verhindert. Ohne Wenn und Aber ein riesiger Erfolg, ohne sie wäre die Welt in eine schwere Rezession gestürzt. Die zweite und dritte Phase der Quantitativen Lockerung haben die Banken weiter gestärkt, so dass sie heute gut kapitalisiert dastehen. In den USA ist das Zinsgeschäft nur ein Teil des Bankgeschäfts. Ein anderer sehr bedeutender Teil ist das indifferente Geschäft, vor allem die Emission von Aktien und Anleihen und ihre Platzierung am Kapitalmarkt. Das ist enorm gelaufen, und hat den Banken erlaubt, sich finanziell gewaltig zu stärken.

Doch dies ging nicht mehr ohne Nebenwirkungen ab. Der Preis dafür war eine Blase an den Kredit- und Aktienmärkten im Inland, wie auch zumindest ein Beitrag zu einer Blase global gesehen. Im Inland bildete sich vor allem im Energiesektor, mit der Finanzierung des shale gas und tight oil Booms eine solche Blase. Das ist eine gewaltige Fehlallokation von Kapital. Aber auch mit der Obligationen- und Aktienhausse, die überbewertete Aktien- und Kreditmärkte zur Folge hatte. Die Unternehmen haben sich zu sehr geringen Kosten verschulden können, dafür Aktienrückkauf-Programme und erhöhte Dividenden forciert, aber im historischen Vergleich wenig investiert. Hier sind auch der Steuerkodex in den USA und die Form der Vergütung des Top-Managements mitverantwortlich.

Wenn dann die Bewertungen sich normalisieren, ist dies effektiv nicht die Schuld der Zentralbank. Für die vergangene Überbewertung und Fehlallokation aber hat sie definitiv einen Beitrag geleistet. Auch dies ist wiederum im Gesamtkontext zu sehen. Die Geldpolitik hat konjunkturpolitisch angesichts einer durch politische Zwänge völlig blockierten Finanzpolitik viel zu viel Gewicht geschultert oder schultern müssen. Das was mindestens für Nicht-Amerikaner augenfällig ist, ist offensichtlich gegenwärtig nicht und wahrscheinlich erst bei drastisch verschlechterter Wirtschaftslage durchsetzbar. Was in den USA nötig wäre, ist ein durch höhere Einkommenssteuern für Besserverdienende und vor allem für Reiche finanziertes langjähriges Infrastrukturprogramm.

Die Infrastruktur in den USA ist teilweise auf Dritte Welt Status, verlottert, nicht mehr unterhalten. Nur schon für Reparaturen gäbe es Arbeit auf ein Jahrzehnt oder mehr hinaus. Irgendwann kommt dafür die Rechnung. Nicht einmal die Steuerkürzungen der Bush-Ära konnten beim Auslaufen rückgängig gemacht werden. So hat man die schlimmste Kombination, die denkbar ist. Ein langsamer Abstieg in eine Drittwelt-Ökonomie mit gewaltigen Hochtechnologie Inseln, aber immer weniger industrieller Wertschöpfung im Inland, eine enorm verzerrte Einkommens- und Vermögensverteilung, und ein viel zu geringes Wirtschaftswachstum bei stark zunehmender Verschuldung des privaten und öffentlichen Sektors. Die USA brauchen wahrscheinlich eine neue Rezession, bis ein Umdenken einsetzt und das offensichtlich Unaussprechliche umgesetzt werden kann.

Auf den Aktienmarkt bezogen wird sich die sehr ungewöhnliche gespaltene Lage erst klären, wenn die großen institutionellen Anleger nicht mehr nur Sektoren und Titelgruppen rotieren und umschichten, sondern ihre Engagements durch Futures-Verkäufe absichern. Dann werden auch die defensiven, im Index hoch gewichteten Gruppen Einbrüche erleiden. Katalysator wird etwas sein, was niemand erwartet und nicht zu prognostizieren ist. In Europa und Japan ist genau dies in den letzten beiden Wochen passiert – doch dazu ist eine gesonderte Analyse vonnöten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/14/boersen-crash-den-usa-steht-die-stunde-der-wahrheit-noch-bevor/

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07.01.2016

Starinvestor Soros warnt vor neuer Finanzkrise

Chinas Börse bebt – und reißt den deutschen Aktienmarkt mit in den Abgrund. Finanzlegende George Soros warnt nun: Die gegenwärtigen Börsenturbulenzen könnte nur der Anfang einer neuen Finanzkrise sein.

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Die globalen Finanzmärkte stehen vor einer neuen Finanzkrise – davor warnt zumindest Finanzlegende George Soros. Auf einem Wirtschaftsforum in Sri Lanka sagte er: „Wenn ich mir die Finanzmärkte ansehe, gibt es dort eine ernste Herausforderung, die mich an die Krise von 2008 erinnert.“ Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die größte Gefahr sieht Soros demnach in China. Das Land sei auf der Suche nach einem neuen Wachstumsmodell. Dadurch, dass China seine Währung abwerte, belaste es jedoch den Rest der Welt, sagte der Finanzexperte weiter: „China hat ein erhebliches Anpassungsproblem.“

2,5 Billionen Dollar vernichtet – in sechs Tagen

Eine weiteres Problem sieht Soros darin, dass Zentralbanken wieder beginnen, ihren Leitzins deutlich über null Prozent zu

heben. Das sei gerade für Schwellenländer eine Herausforderung.

Allein in den ersten Tagen dieses Jahres seien durch Börsenturbulenzen bereits 2,5 Billionen Dollar vernichtet worden. Dass China am Donnerstag erneut den Handel aussetzte, ist hier noch nicht einmal eingerechnet. Der Dax stürzte in der Folge um mehr als drei Prozent ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass Soros Parallelen zur Finanzkrise von 2008 zieht. Bereits 2011 sagte der Investor, die europäische Schuldenkrise sei gravierender als die Krise von 2008.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/china-beben-nur-der-anfang-erinnert-an-2008-wirtschaftslegende-soros-warnt-vor-neuer-finanzkrise_id_5194493.html

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09.12.2015

In China platzt die Mutter aller Kredit-Blasen!

Seit dem Juni-Crash an der Börse Shanghai machen sich viele Anleger Sorgen um China. Zu recht! Denn der Dax orientiert sich stark am Shanghai Composite Index. Wenn die chinesischen Aktien kollabieren, bekommen auch die Börsianer hierzulande das große Zittern. Worauf sich Anleger einstellen müssen.

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Seit Monaten häufen sich die schlechten Konjunkturmeldungen aus dem Reich der Mitte. Doch nach anfänglicher Panik im Sommer ignorieren die Anleger hierzulande das Thema China weitgehend – auch weil sich der Börsenindex in Shanghai  zuletzt hielt. Damit machen sie allerdings einen schwerer Fehler. Denn die reine Fixierung auf Chinas Börsen geht völlig am eigentlichen Problem vorbei.

Die Entwicklung am chinesischen Aktienmarkt wird massiv durch staatliche Interventionen verzerrt. Unter anderem hat Peking inzwischen vermutlich schon über 200 Milliarden US-Dollar (!) für Stützungskäufe ausgegeben. Ein derart gelenkter Aktienmarkt ist aber schwerlich ein guter Indikator für Chinas wirtschaftliche Lage. Und deshalb darf sich auch niemand in falscher Sicherheit wiegen, falls sich Chinas Inlandsbörsen demnächst stabilisieren sollten.

Die Lage spitzt sich zu

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Schon seit Februar warne ich davor, dass Chinas Wirtschaft vor einer „harten Landung“ steht. Der Grund für meinen Pessimismus sind nicht nur die chinesischen Wirtschaftsdaten, die sich bereits seit geraumer Zeit sichtbar verschlechtern. Hinzu kommen noch enorme Risiken, die in den letzten Jahren im chinesischen Finanzsystem herangewachsen sind. All diese Entwicklungen bestärken meine Sorge, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nun unmittelbar vor einer schweren Wirtschaftskrise steht – mit entsprechend negativen Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Die Indizien für dieses bedrohliche Szenario sind vielfältig, und es würde den Rahmen sprengen, sie hier alle detailliert aufzuführen. Um die Situation zu verdeutlichen, will ich hier nur auf drei Punkte eingehen, die ich für besonders wichtig und aussagekräftig halte:

1. Chinas Kreditblase

Chinas Wirtschaft hat die globale Finanzkrise nur deshalb so gut überstanden, weil die Regierung im Jahr 2009 ein gigantisches Konjunkturfeuerwerk gezündet hat. Studien zufolge wurden dort zwischen 2009 und 2014 Kredite in Höhe von 21 Billionen Dollar zur Ankurbelung der Wirtschaft vergeben. Das Gesamtvolumen der Kredite im chinesischen Wirtschaftssystem hat sich dadurch in kürzester Zeit fast vervierfacht. Und bereits Mitte 2014 lag die Gesamtverschuldung Chinas (Zentralregierung, Provinzregierungen, Unternehmen, private Haushalte) bei unglaublichen 282 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Noch beunruhigender ist, dass ein erheblicher Teil dieser großzügig vergebenen Kredite früher oder später wohl abgeschrieben werden muss. Denn man kann davon ausgehen, dass diese Unsummen in nicht unerheblichem Ausmaß in unproduktive und unprofitable Projekte geflossen sind. Pro 3 Yuan an vergebenen Darlehen entstand nach der Finanzkrise nur noch ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 1 Yuan. Symptomatisch dafür ist der völlig ausgeuferte Bau-Boom der letzten Jahre. Allein in den Jahren 2013 und 2014 verbrauchte China mehr Zement als die USA im gesamten 20 Jahrhundert!

2. Katastrophale Außenhandelsdaten

Den offiziellen Daten zufolge erzielte China im zweiten Quartal noch ein Wirtschaftswachstum von 7,0 Prozent. Viele andere Statistiken wie der Stromverbrauch, die Frachtvolumen, die Einkaufsmanager-Indizes und die Außenhandelsstatistiken sprechen aber seit geraumer Zeit eine ganz andere Sprache. Vor allem Letztere verschlechtern sich fast von Monat zu Monat. Im August etwa schrumpften die Exporte aus dem Reich der Mitte gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent, und die Importe knickten sogar um 14 Prozent ein. Das heißt: Nicht nur Chinas Export-Motor brummt nicht mehr, sondern auch die vielbeschworene chinesische Binnennachfrage ist ernsthaft eingebrochen. Bezeichnend ist auch der landesweite Autoabsatz, der seit drei Monaten plötzlich rückläufig ist. Im Jahr 2009 lag die Wachstumsrate des chinesischen Automarkts noch bei 45 Prozent.

Im Übrigen ist der enorm starke Rückgang der Importe nicht nur auf die gefallenen Rohstoffpreise zurückzuführen. Das belegt beispielsweise die Exportstatistik des Nachbarlands Südkorea, das rund ein Viertel seiner Produkte nach China liefert. Dort brachen die Ausfuhren zuletzt um fast 15 Prozent ein, obwohl das Land keinerlei Rohstoffe produziert. Aber natürlich können auch Chinas Rohstoff-Lieferanten wie Brasilien oder Australien ein Lied davon singen, wie stark die chinesische Nachfrage in den letzten Monaten zurückgegangen ist.

3. Deflation und Kreditklemme

Obwohl über die Kreditvergabe in den letzten Jahren massiv Geld ins chinesische Wirtschaftssystem gepumpt wurde, sind die Erzeugerpreise dort seit Jahren rückläufig. Das wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die massiven Überkapazitäten, die in Chinas Industrien hochgezogen wurden. Sondern es verdeutlicht auch die prekäre Lage vieler chinesischer Unternehmen, die oft auf hohen Schulden sitzen. Im Hinblick darauf kam auch die letzte chinesische Leitzinssenkung viel zu spät. Denn da die Entwicklung der Produzentenpreise im negativen Bereich liegt, befindet sich der (preisbereinigte) reale Zinssatz längst bei über 10 Prozent.

Für das chinesische Durchschnittsunternehmen wird es nun immer schwieriger, seine Schuldenlast abzutragen, zumal nun auch noch die Binnennachfrage wegbricht.  Wie stark sich der Spielraum der privaten Unternehmer bereits verengt hat, zeigt der sogenannte Wenzhou Private Finance Index, über den die chinesischen „Schattenbank-Zinssätze“ erfasst werden sollen. Dieser Index ist trotz der letzten Leitzinssenkungen inzwischen auf über 19 Prozent gestiegen. Die privaten Darlehensgeber sind also mittlerweile sehr risikoscheu geworden. Dabei kam dem Schattenbankensektor bei der Finanzierung chinesischer Privatunternehmen bisher eine tragende Rolle zu. Laut Moody´s stehen dort Kredite in Höhe von umgerechnet 6,5 Billionen Dollar aus.

China-Krise nahezu unausweichlich

All diese Entwicklungen machen in absehbarer Zukunft eine schwere Wirtschaftskrise in China fast unausweichlich. Ich glaube zwar nicht, dass das Land vor einen regelrechten Kollaps steht, denn die Zentralbank und die Regierung verfügen noch über ausreichende Möglichkeiten, um eine Eskalation abzudämpfen (man denke nur an Chinas riesige Fremdwährungsreserven). Die Kreditblase im Inland wird aber unvermeidlich platzen, und im Zuge dessen werden gigantische (Schein-)Vermögenswerte vernichtet werden – auch an ausländischen Börsen.

Fazit: Fürs Erste bleibt Peking kaum etwas anderes übrig, als seine Wirtschaft – wie schon in den letzten Jahren – durch übergroß dimensionierte Konjunkturprogramme zu stützen. Einige Wirtschaftszweige (und die Aktien der dort agierenden Unternehmen) werden davon sogar ganz erheblich profitieren. Ansonsten sollten Anleger von chinesischen Titeln aber vorerst die Finger lassen. Denn es wird erst noch schlimmer kommen, bevor es wieder besser wird!

http://www.focus.de/finanzen/experten/florian_schulz/schwere-krise-im-anmarsch-in-china-platzt-die-mutter-aller-kredit-blasen_id_4982578.html

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15.09.2015

BIZ: Mächtigste Bank der Welt warnt vor fatalen Risiken im Finanz-System

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt wegen der Schulden-Exzesse vor neuen Banken-Krisen weltweit. China, Asien, Brasilien und die Türkei gelten als besonders gefährdet. Wegen der weltweiten Vernetzung der Banken besteht akute Ansteckungsgefahr.

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Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben die amerikanische Notenbank öffentlich vor einer Straffung der Geldpolitik gewarnt. Bekannte Ökonomen wie Larry Summers oder Paul Krugman sind in den wachsenden Chor der Warner eingestiegen. Nun zeigt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, was die Risiken der Schwellenländer sind. Die Risiken resultieren aus einer viel zu starken Kreditvergabe vor allem seit 2009. Dabei sind die Wirtschaftsräume und Länder aber unterschiedlich betroffen. China, Brasilien und Türkei werden explizit als Risiko für eine inländische Bankenkrise innerhalb der nächsten drei Jahre bezeichnet.

Die in Basel beheimatete Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist diskreter und weniger lautstark als die Institutionen in Washington. Doch ihre Botschaft in den Quartalsberichten ist ziemlich klar. Es gibt in den Schwellenländern eine fatale Risikokumulation. Sie resultiert vor allem aus einer in den letzten Jahren sehr stark angewachsenen Verschuldung des privaten Sektors. In Nordamerika und Europa ist dagegen die öffentliche Verschuldung besorgniserregend angewachsen. Als Wirtschaftsraum ganz besonders betroffen ist Asien, mit China im Zentrum.

Das Risiko resultiert vor allem aus dem kreditgetriebenen Investitionsboom in China. Mit diesem verbunden waren sehr hohe Rohstoffpreise. Direkt und indirekt haben Rohstoff-Produzentenländer einerseits und im asiatisch-pazifischen Raum andere Länder mit Exporten nach China andrerseits eine zu hohe Investitionstätigkeit und eine sehr starke Zunahme der privaten Verschuldung verzeichnet. Diese Investitionen könnten sich als weit übertrieben erweisen, weil sie unter viel zu optimistischen Annahmen über den langfristigen Wachstumspfad vorgenommen wurden. Die Verschuldung wiegt jetzt umso schwerer, wenn diese Projektionen nicht zutreffen. Zudem verdrängten starke Währungen in den Jahren 2005-11 andere produktive Sektoren im Export.

Die Auslandverschuldung des privaten Sektors in den Schwellenländern ist etwa je zur Hälfte auf die Banken und auf den nicht-finanziellen Sektor verteilt. Es dominiert also nicht wie in der Vergangenheit ein „sovereign risk“, sondern ein ganz ausgeprägtes Risiko der Banken und vor allem der nicht-finanziellen Unternehmen in den Schwellenländern.

Anders als in der Vergangenheit konzentriert sich das Risiko nicht allein auf die kreditgebenden Banken in den OECD-Ländern. Stark zugenommen hat vor allem die Verschuldung über Unternehmensanleihen, welche in den Büchern von Asset-Managern einerseits und bei Obligationen- sowie anderen Fonds gelandet sind. Deren Verhalten ist schwieriger einzuschätzen und allenfalls unberechenbarer, vor allem bei Rücknahmen der Fondsanteile. Verschiedene Länder haben heute auch bedeutende Teile der Staatsanleihen, die in ausländischer Hand liegen. Die Krise der Peripherieländer lässt grüßen.

In Bezug auf die Währungsrisiken dominiert in den Schwellenländern der US-Dollar. Yen und Euro spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die BIZ notierte aber bereits in ihrem Quartalsbericht vom zweiten Quartal, dass sie grenzüberschreitende Bankkredite weniger stark als in der Vergangenheit als Risiko ansieht. Auch stehen aufgrund der vergangenen Exporterlöse viele Länder mit höheren Devisenreserven besser da als in der Vergangenheit. Sie sind besser als in früheren Krisen gewappnet.

Als zusätzliches Risiko für die Schwellenländer muss der Rückgang der Direktinvestitionen erwähnt werden. In der ersten Jahreshälfte 2015 sind die Direktinvestitionen des Auslandes in den meisten Schwellenländern stark gefallen. Sie sind teilweise um 50 bis 100% gegenüber der ersten Jahreshälfte gestürzt, wie die Financial Times berichtet. Nur wenige Länder erreichen Zuwächse, darunter einige allerdings sehr kräftige. Der Rückgang der Direktinvestitionen hat zwei Auswirkungen: Damit wird die inländische Aktivität, vor allem aber die Investitionstätigkeit zusätzlich abgeschwächt. Und die Finanzierung der Leistungsbilanz wird außerdem erschwert.

Die BIZ hat ein Frühwarnsystem für inländische Bankenkrisen entwickelt. Eine starke Zunahme der Verschuldung einerseits und der Immobilienpreise andererseits, relativ zum langfristigen Trend gesehen, stellen die beiden ersten Warnsignale dar. Die aktuell zu bezahlende Quote des Schuldendienstes auf der einen Seite und die Quote bei einer starken Zinserhöhung um 250 Basispunkte auf der anderen sind zwei weitere Indikatoren. Gemessen an diesen Indikatoren und deren Entwicklung in früheren Krisen müssen China, Brasilien und die Türkei als hoch riskant bezeichnet werden. auf Erfahrung beruhend könnte es binnen dreier Jahre so zu klassischen inländischen Bankenkrisen kommen. Aber auch andere wichtige asiatische Länder wie Hongkong, Singapur, Malaysia, Indonesien und Thailand zeigen ähnliche Symptome stark erhöhter Anfälligkeit für Bankenkrisen. Aus all dem resultiert ein ganz ausgeprägt regionales China- und Asienrisiko.

Traditionell äußert sich die BIZ nicht oder nur andeutungsweise zu den politischen Risiken. Dies soll hier ergänzt werden. Hohe politische Risiken bestehen dort, wo Regierungen schwer angeschlagen sind, als unfähig oder korrupt angesehen werden oder wo schwere Krisen bis hin zu Bürgerkriegen drohen. Als besonders gefährdet müssen derzeit die Türkei, Brasilien oder Malaysia angesehen werden.

Die einzelnen von der BIZ subsumierten Risiken lassen sich in eine Dynamik fassen. Als hauptsächliches Risiko müssen die Wirtschaftsaussichten in China betrachtet werden. Bei einer harten Landung werden die Rohstoffpreise weiter unter Druck geraten. Die Exporterlöse der Rohwaren-Produzenten oder anderer Zulieferer im asiatisch-pazifischen Raum können dann als Treiber für einen weiteren Verfall der Währungen dieser Länder wirken.

Neben diesen von China ausgehenden Risiken müssen die inländischen Risiken in vielen Ländern hervorgehoben werden. Dabei sind bedeutende Unterschiede zu diagnostizieren. Es gibt Länder, die viel besser positioniert und weniger anfällig auf Schocks sind. Indien kann dabei hervorgehoben werden, weil sich seine Energieimporte reduzieren. Auch Länder mit großen Devisenreserven wie Singapur oder Hongkong sind viel besser geschützt. Besonders riskant ist eine Konstellation, wenn die Währungsreserven zu gering sind oder rasch aufgebraucht werden. Versucht die Notenbank dann zunächst mit Devisenverkäufen und später mit Zinserhöhungen die Währung zu stabilisieren, läuft das Land zunächst in eine Situation ohne genügende Reserven. Weitere Zinserhöhungen können dann eine offene inländische Bankenkrise auslösen. Bei dieser generell hohen, privaten Verschuldung sind die Zinsrisiken im Vergleich zur Vergangenheit präzedenzlos. Diesbezüglich dürfen auch die politischen Risiken nicht unterschätzt werden. Die Rolle ausländischer Fondsanleger ist sehr bedeutend geworden, denn sie können mit Panikrückzügen eine klassische Schwellenländer-Krise auslösen.

Ein drittes Risiko besteht offensichtlich im Verhalten der amerikanischen Zentralbank. Moderat höhere Zinsen, wie sie von der Zentralbank annonciert worden sind, dürften nicht ausreichen, direkt einen Zinsschock in den Schwellenländern zu entfachen. Das Risiko besteht vielmehr darin, dass der US-Dollar gestärkt wird. Dies setzt die Rohstoffpreise unter Druck und vertieft die Krise der Produzentenländer. Eine generelle Dollarstärke würde auch die Kapitalflucht aus den Schwellenländern verstärken. Indirekt und mit Verzögerung kann dies dann in einzelnen Ländern zu Zinshaussen führen.

Aufgrund dieser Konstellation rufen viele Beobachter nach einer Verschiebung von Zinsschritten. In diesem Zusammenhang stellen sich einige Fragen und Überlegungen:

Nützt dies wirklich etwas? Die Fed kann auf Zinserhöhungen vorläufig verzichten. Ist die Situation der Schwellenländer in sechs Monaten oder nach den Wahlen im nächsten Herbst dann besser?

Das hauptsächliche Risiko aber besteht darin, dass das Festhalten an der Nullzinspolitik deutlich größere Zinsanpassungen zu einem späteren Zeitpunkt notwendig macht. Die US-Konjunktur brummt, der Arbeitsmarkt trocknet aus. Von den mittelfristigen Inflationsaussichten her müsste die ultralockere Geldpolitik schleunigst aufgegeben werden. Verschiebt die Fed die Anpassung, so kann sie später teuer dafür bezahlen. Der Grat zum Verlust der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik ist nicht schmal, aber auch keine Autobahn. Wenn die Fed die Zinsen dann auf 3-5% anheben muss, wird der Sache nicht gedient sein.

Die Zinshausse ist schon weitgehend vorweggenommen und eingepreist. Muss die Zentralbank später mehr an der Zinsschraube drehen, würde der Effekt auf den Dollar noch viel stärker ausfallen.

Schließlich fördert die ultralockere Geldpolitik auch in den USA die Gefahr von Blasen und überzogener Kreditvergabe. Aktien- und Immobilienmarkt sind teilweise stark überbewertet. Eine große Rolle spielt vor allem die Ausdehnung des ungenügend überwachten und regulierten Schattenbanksystems, das bei Nullzinsen prächtig gedeiht. Dieses Wachstum sollte die Notenbank keinesfalls weiter finanzieren.

Die Schwellenländer befinden sich in einer riskanten Situation. Doch anders als in der Vergangenheit ist die amerikanische Zentralbank nur ein Faktor. China und die Bedingungen in einzelnen Schwellenländern vor allem im asiatisch-pazifischen Raum stellen eigenständige und komplex verbundene Risiken dar. Die US-Zentralbank kann nicht alles lösen. Verzichtet sie jetzt auf Zinsschritte, wird sie zu einem späteren Zeitpunkt umso mehr nachholen müssen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/15/biz-maechtigste-bank-der-welt-warnt-vor-fatalen-risiken-im-finanz-system/

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24.08.2015

Chaos an den Märkten: Ein monumentaler Crash deutet sich an

Der Börsen-Crash am „Schwarzen Montag“ dürfte erst der Anfang sein: Von China ausgehend erwischt der Absturz viele Anleger auf dem falschen Fuß. Fast alle Sektoren weltweit werden betroffen sein. Die Zentralbanken sind machtlos, sie haben ihr Pulver verschossen. Ein monumentaler Crash deutet sich an.

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Obschon sie über das Wochenende zwei Tage Zeit hatte, sich vorzubereiten, konnte die chinesische Führung den größten Einbruch des Aktienmarktes nicht verhindern. Der CSI-Future fällt um das maximal erlaubte Tageslimit von 10%. Die Führung hat kein Konzept. Sie erlaubte zwar erstmals Pensionskassen, Aktien zu kaufen. Gleichzeitig lieferte aber die Notenbank keine Veränderung der Geldpolitik, vor allem keine Kürzung des Reservesatzes. Die Vorgehensweise der Behörden löst einen totalen Vertrauenszusammenbruch in China selber aus. Trotz gewaltiger staatlicher Käufe, short-selling Verbote, anderer Maßnahmen kann der Markt nicht stabilisiert werden.

Warum ist dies signifikant? Zum ersten Mal zeigt sich ungeschminkt, dass die Führung sich komplett verrannt hat. Dutzende von Millionen von Chinesen verlieren Geld, manche ihr Erspartes. All die falschen Erklärungen und Vorwürfe verpuffen. Drohungen gegen Hedge Funds, Short-Sellers, Verkaufsverbote. Die Wahrheit ist, dass der Markt anfängerhaft dereguliert wurde. Man hat ahnungslose Kleinanleger zur Kreditaufnahme für Aktienkäufe gedrängt, mit dem Effekt einer Blase im Stil von 1929. Und Fakt ist, dass der Markt gemessen an allen Kriterien heillos überbewertet war und jetzt erst recht ist. Im Effekt werden sich der private Konsum und die Nachfrage nach Wohnungen verlangsamen. Exporte und Investitionen sind bereits deutlich rückläufig, jetzt wird auch Konsum schwächer werden, und damit gesamtwirtschaftlich eine rezessive Tendenz auslösen – mit Gewinneinbrüchen auf breiter Front.

Mit Marktstützungs-Massnahmen ist dem nicht beizukommen. Die Probleme Chinas sind viel fundamentaler. Es ist ein Wachstumsmodell in der Krise. Was als Wachstumsalternative gedacht war, nämlich die Deregulierung der Finanzmärkte und eine von Vermögensgewinnen getragene Konsumbelebung, löst sich im Nichts auf. Die Führung wird angesichts der Panik möglicherweise verzweifelt oder mit einem Befreiungsschlag zu reagieren versuchen. Das ist schwierig vorauszusehen. Wenn, wird es eine Kombination monetärer Lockerung und neuer Infrastruktur-Investitionen betreffen. Der Markt kann dann scharf zurückschnellen. Mittelfristig stellt es nur eine neue Ausstiegsgelegenheit für diejenigen dar, die noch nicht verkauft haben.

Der Effekt geht weit über China hinaus. China ist von der Größe her eine den USA und Europa vergleichbare Volkswirtschaft. Das Land ist der zweitgrößte Importeur der Welt. Wenn China einen Konjunktureinbruch erleidet, eine richtige Rezession, dann schlägt dies auf seine Nachfrage. Bisher galt die Überproduktion am Erdölmarkt vor allem als angebotsseitig bedingt. Bei einer an sich sehr starken Nachfrage führte die maximale Produktionsausweitung großer Produzentenländer zu rekordhoher Überproduktion. Jetzt wird sich die Nachfrage von China und von den Erdölländern selber aus abschwächen. Dann vergrößert sich die Überproduktion noch, das Potential für einen weiteren Preiseinbruch wird noch grösser. Was für Erdöl gilt, trifft mutatis mutandis auch für andere Rohstoffe wie Industriemetalle zu. Ein richtiger Crash der Preise.

Damit trifft es die große Zahl von Schwellenländern, die hauptsächlich auf den Export von Rohstoffen spezialisiert sind. Ihnen droht ein Zusammenbruch ihrer Exporteinnahmen. Deshalb die Krise der Produzentenländer, die sich im Fall der Währungen und in der Freigabe der Wechselkurse wie in Kasachstan äußert. Hinzu werden wachsende Zweifel an der Bonität von Schuldnern kommen, die Risiko-Spreads werden sich weiten.

China ist aber nicht nur für die Rohstoff- Produzentenländer wichtig, sondern auch für seine asiatischen Nachbarn mit einer starken Basis in der verarbeitenden Industrie – für Japan, Korea, Singapur, und auch für die Länder auf tieferer Stufe wie Thailand, Vietnam, die Philippinen. Es wird mit anderen Worten eine regionale Rezession geben. Etwas besser sieht das Bild lediglich für Indien aus. Dessen Importe von Erdöl verbilligen sich, und das Land ist wenig exportorientiert ist.

Doch nicht nur Schwellenländer und Asien sind betroffen, sondern auch die Kernmärkte. Dies obschon die Konjunktur vorübergehend ganz gut zu laufen scheint. So sind die letzte Woche veröffentlichten PMI’s in der Eurozone und in den USA gar nicht schlecht ausgefallen, im Gegenteil. Die tieferen Energiepreise und Zinsen helfen definitiv. Verschiedene sehr wichtige Sektoren für Aktien- und Obligationenmärkte sind dennoch hart betroffen. Dazu gehören die Energie- und Rohstoffkonzerne. Bei Erdölpreisen um die 60 Dollar pro Fass galt die Devise, die Dividende beizubehalten und dafür die Investitionen zusammenzustreichen. Bei Erdölpreisen um die 40 Dollar wird dies schon nicht mehr aufrecht zu erhalten sein. Gehen die Erdölpreise weiter hinunter, müssen Dividende und Investitionen gnadenlos gestrichen werden.

Damit sind die Kapitalgüter-Hersteller als zweiter Sektor massiv betroffen. Denn der Energie- und Minensektor ist sehr kapitalintensiv und stellt rund 30% des weltweiten Investitionsvolumens der Unternehmen dar. Die Investitionspläne werden über den Energiesektor hinaus überprüft oder gekürzt werden. Ein anderer Sektor ist die Autoindustrie. Vor allem die in China und in den Schwellenländern stark engagierten Unternehmen werden eine Vollbremsung vornehmen.

Auch im Technologiebereich wird es unliebsame Überraschungen geben. Apple will im September das iPhone 6s vorstellen, sein Hauptprodukt. Dieses wird mit einem viel aufwändigeren Verfahren einer Aluminiumlegierung hergestellt, welches die Produktion teurer macht. Wird die entsprechende Kostensteigerung voll auf die Preise umgelegt, brechen die Verkäufe ein. Wenn nicht, dann leidet die Marge. Das Chaos auf den Devisenmärkten wird über diese speziell exponierten Sektoren hinaus die Investitionsneigung verringern. Niemand kann vorhersagen, wo die Produktionsbedingungen auf relativer Basis nachher noch attraktiv sind.

Ein weiterer Sektor, der sehr stark betroffen sein wird, umfasst die Banken und Versicherer. Die Banken, vor allem europäische, haben hohe Ausstände in Schwellenländern. Generell gilt, dass die Kombination von Nullzinsen und regulatorischen Anforderungen für Mindesterträge eine Risikokonzentration in Aktien, Junk-bonds und Aktiven in Schwellenländern bei Asset-Managern wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen herbeigeführt hat. Diese Anlagen waren „alternativlos“. Jetzt realisieren diese Asset-Manager, dass alle gleichzeitig am selben Ort positioniert sind und eine entsprechende Risikokonzentration aufweisen. In diesem Umfeld kommt es zu raschen Stürzen der entsprechenden Finanzmarktpreise. Alle wollen sich absichern, am einfachsten über Futures, und damit wird der Gesamtmarkt in die Tiefe getrieben. Wer vorher vorsichtig war, und sich über Optionen abgesichert hat, löst jetzt beschleunigte Verkäufe der unterliegenden Titel aus. Die Optionen-Teams der Banken müssen das erhöhte Delta oder Gamma absichern.

Im Markt werden wieder Risikoprämien eingepreist. Eine Unterstützung durch die Geldpolitik wird es nur in bescheidenem Ausmaß geben können. Die Zinsen sind schon bei Null, und die EZB ist schon in einem aggressiven Programm der quantitativen Lockerung. Die Fed mag ihre angekündigte Zinswende fürs Erste verschieben, das ist alles an Unterstützung, was zunächst kommen kann. Makroökonomisch deutet die Baisse aller Finanzmärkte auf eine scharfe globale Konjunkturabkühlung auch in den OECD-Ländern hin. Wird eine Rezession eingepreist, werden die Märkte noch viel tiefer gehen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/08/24/chaos-an-den-maerkten-ein-monumentaler-crash-deutet-sich-an/

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09.08.2015

Star-Investor: Der Markt ist reif für einen Absturz

Der Star-Investor Jeremy Grantham rechnet für das Jahr 2016 mit einem Markt-Crash, der zu zahlreichen Staatspleiten führen werde. Es könnte zu einer Kettenreaktion wie in den 1930er Jahren kommen, so Grantham.

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Jeremy Grantham, Gründer und Chief Investment-Stratege von GVO, sagt, dass die Märkte im Laufe des Jahres 2016 einen drastischen Absturz erleben werden. Als Ergebnis des Absturzes soll es zu mehreren Staatspleiten kommen.

Es könnte sogar zu einer Kettenreaktion von Staatspleiten wie in den 1930er Jahren kommen“, zitiert die Financial Times Grantham. Die Notenbanken hielten das globale Banken-System bisher auf den Beinen, weil sie pausenlos Geld druckten, um die Banken zu rekapitalisieren. Doch dieser Trend könnte sich umkehren. Dann würde dem Markt Liquidität entzogen werden und ein Crash wäre unabwendbar.

Doch es kommen noch weitere Crash-Risiken in Betracht. Der elektronische Hochfrequenzhandel beschleunigt den Markt für US-Staatsanleihen. Daraus ergibt sich die Gefahr eines „Flash Crash“, also der Absturz innerhalb von Minuten. Die Fed warnt Banken, Börsen und Investoren, sich auf so ein Ereignis vorzubereiten.

Im vergangenen Oktober gab es den vorerst letzten „Flash Crash“ am Staatsanleihen-Markt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ging um 34 Basispunkte zurück und stürzte in nur wenigen Minuten von etwa 2,2 Prozent auf 1,86 Prozent.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/08/09/star-investor-der-markt-ist-reif-fuer-einen-absturz/

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09.04.2015

IWF sieht neue Crash-Gefahr für das globale Finanz-System

Der Internationale Währungsfonds warnt vor neuen Verwerfungen im globalen Finanzsystem. Die Regulierung der Banken habe dazu geführt, dass gewaltige Summen in unkontrollierte Schattenbanken gewandert seien. Durch die niedrigen Zinsen werde dieser Prozess beschleunigt. Die US-Notenbank zögert mit einer Zins-Erhöhung, weil sie die Folgen ihres Handelns nicht mehr abschätzen kann.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einer unbeabsichtigten Nebenwirkung der Bankenregulierung und der niedrigen Zinsen. Durch die strengeren Vorschriften für die Banken seien signifikante Vermögen in unregulierte Schattenbanken abgewandert. Die niedrigen Zinsen hätten diese Entwicklung beschleunigt. Die Schattenbanken halten derzeit weltweit Vermögenswerte in der Höhe von 76 Billionen Dollar. Dies seien 40 % mehr als noch vor zehn Jahren und entspreche der Größe der gesamten Weltwirtschaft. Der größte Vermögensverwalter, Black Rock, halte allein 4,7 Billionen Dollar.

Wie die FT berichtet, hat der IWF seine Bedenken in seinem zweimal jährlich erscheinenden Global Financial Stability Report aufgelistet. Der IWF fordert daher einen Stress-Test auch für die Schattenbanken.

Der Anstieg der von den größten Schattenbanken der Welt gehaltenen Vermögen ist in der Tat signifikant. Vanguard hat seine Assets an Mutual Bond Holdings von 170 Milliarden Dollar im Jahr 2008 auf 497 Milliarden Dollar erhöht. Pimco verwaltet 404 Milliarden Dollar, 2008 waren es 210 Milliarden Dollar gewesen. BlackRocks Bestände stiegen seit der Finanz-Krise von 26 Milliarden Dollar auf 139 Milliarden Dollar.

Eine besondere Gefahr besteht nach Einschätzung des IWF darin, dass nicht automatisch die größten Vermögensverwalter auch gleichzeitig die gefährlichsten seien. IWF fordert, dass sich die Regulatoren mit allen spezifischen Aktivitäten und Produkten beschäftigen müssten, die innerhalb des Systems der Schattenbanken gehandelt werden. Der IWF vertritt die Auffassung, dass die Kontrolle der Schattenbanken nicht dazu angelegt sei, die Risiken und ihre institutionellen und systemischen Ebenen adäquat durchzuführen.

Offenbar hat auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Angst vor den Unsicherheiten, die sich durch die neue Struktur des Weltfinanzsystems ergeben könnten. Nachdem die Banken reguliert worden sind, sind viele große institutionelle Anleger auf die Schattenbanken ausgewichen und haben ihre Vermögen dorthin verlagert. Die niedrigen Zinsen, die weltweit mittlerweile zum Standard geworden sind, haben diese Verlagerung beschleunigt. Daher ist es für die Zentralbanken auch nicht mehr möglich, mit einfachen Zinsentscheidungen Wirkungen vorherzusehen. Wie die Protokolle der Fed- Sitzung vom 18. März zeigen, ist das Direktorium der US-Notenbank gespalten, ob und wann eine Zinserhöhung stattfinden soll und kann. Die Zentralbanker wissen, dass schon ein kleiner Fehler im Timing oder in der Höhe der Zinserhöhung dazu führen kann, dass es im weltweiten Finanzsystem zu Verwerfungen kommt. Allerdings ist es für die Zentralbanken auch klar, dass die Zinsen irgendwann wieder erhöht werden müssen.

Das Problem der Zentralbanken besteht darin, dass die engen Verflechtungen und der hohe Grad der Vernetzung im Weltfinanzsystem Entscheidungen zu einer Lotterie werden lassen. Durch die ständigen Interventionen ist das System fragiler geworden. Ein Finanzcrash kann auch an einer Stelle entstehen, die nicht vorhersehbar ist. Beobachter bezweifeln, dass ein Stresstest für die Schattenbanken das Problem lösen würde. Schon die Stresstests bei den klassischen Banken haben gezeigt, dass die Regulierer kaum eine Möglichkeit haben, tatsächlich die Risiken zu erkennen, die sich in den komplexen Bilanzen und Verschachtelungen im Bankensystem verstecken können.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/09/iwf-sieht-neue-crash-gefahr-fuer-das-globale-finanz-system/

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06.02.2015

Schlimmer als 2008? China warnt vor Krise

Chinas Ratingagentur Dagong befürchtet das Platzen einer neuen Blase.

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Die chinesische Ratingagentur Dagong hat auf den Märkten nur einen Bruchteil des Einflusses der großen drei, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Die Chinesen haben aber auch eine ganz andere Perspektive. So warnte Dagong-Chef Guan Jianzhong in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass zuletzt vor einer neuen Finanzkrise – die schlimmer werden könne als jene von 2008.

Ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren eine neue globale Finanzkrise sehen. Es ist schwer, einen exakten Zeithorizont zu benennen. Aber die Zeichen sind schon zu sehen. Das Schuldenvolumen wächst weiter und die Volkswirtschaften der USA, der EU, Chinas und anderer Entwicklungsländer entwickeln sich nicht stabil“, so Dagong-Chef Guan Jianzhong.

Auf die Welt übertragen“

China, das seit der Einführung westlicher Sanktionen gegen Russland näher an Moskau gerückt ist, hat auch in Bezug auf russische Krise eine andere Perspektive: „Die aktuelle Krise in Russland wurde von den Sanktionen der westlichen Länder verursacht – und nicht von internen Faktoren. Wenn wir aber die USA und die EU-Länder betrachten, so sehen wir, dass deren Krisen von internen Faktoren verursacht wurden – und nicht von externen“ so Jianzhong.

Im Westen habe das Ausmaß an Krediten erneut das Potenzial der Realwirtschaft überstiegen, Güter zu produzieren, und deshalb eine Blase kreiert. „Und diese Krise wurde durch die Politik von Quantitative Easing und den Einsatz der Notenpressen der Zentralbanken auf die ganze Welt übertragen“, warnt der Dagong-Chef. (jil) („Die Presse“, Print-Ausgabe, 07.02.2015)

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4657101/Schlimmer-als-2008-China-warnt-vor-Krise

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08.12.2014

Dollar zu stark: Mächtigste Bank sieht Welt-Wirtschaft in Gefahr

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat erneut vor einem Crash gewarnt: Die Stärke des Dollar, die hohe Verschuldung von Unternehmen und ein viel zu hoher Bestand an giftigen Papieren könnten äußerst negative Folgen für die Weltwirtschaft haben.

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In schöner Regelmäßigkeit warnt die mächtigste Bank der Welt vor einem internationalen Finanz-Crash. In diesem Jahr hatte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bereits drei Mal auf die Gefahren hingewiesen, die das Finanzsystem bedrohen: Im September 2013, im Juli und im Oktober.

Geändert hat sich nichts: Die Zentralbanken drucken weiter im Gleichklang Geld, als ob es kein Morgen gäbe. Die BIZ sieht auch in ihrem Dezember-Bericht die Politik der Zentralbanken als das Hauptproblem der Weltwirtschaft an. Banken und Politik hingen an den Lippen der Zentralbankern und sei von diesen abhängig geworden, schreibt die BIZ. Das „Abnormale sei zum Normalen geworden“ – und damit sei das gesamte Welt-Finanzsystem ausgesprochen fragil geworden. Kurios: Im Board of Directors der BIZ sitzen ausgerechnet all jene Zentralbanker, die die BIZ nun als Gefahr für die Stabilität ausgemacht hat.

Konkret sieht die BIZ den starken Dollar als eine der größten Gefahren: Vor allem viele hoch verschuldete Unternehmen könnten bei einem weiteren Anstieg des Dollar unter die Räder kommen – mit unabsehbaren Folgen für die nationalen Volkswirtschaften und wegen der extremen Vernetzung der Banken auch für die gesamte Finanzindustrie.

Die Verschuldung der Unternehmen hätten auch zu einem massiven Anstieg der Kreditverbriefungen geführt: Die giftigen Papiere (Collateral Debt Obligations, CDO) seien heute auf einem höheren Stand als 2008 – als die Papiere die erste Finanzkrise ausgelöst hatten. Bildlich gesprochen bedeutet dies: So wie in den Jahren vor 2008 sind heute viele Schulden in Bündel verpackt, von denen kein Mensch mehr weiß, wo sie eigentlich versteckt sind. Damit hatten die Banken den Fehler gemacht zu glauben, dass die Immobilienpreise niemals flächendeckend in den ganzen USA fallen könnten. Ein ähnlicher Denkfehler liegt heute vor: Den Anlegern wird der Eindruck vermittelt, dass niemals die ganze Weltwirtschaft zusammenbrechen könne. Wegen der niedrigen Zinsen werden die Anleger förmlich in die höchst riskanten Papiere getrieben. Die Folge: Bricht das System zusammen, wird es zu weltweiten Verwerfungen kommen.

Dass die Börsen eine künstlich gehypte Veranstaltung sind, halten die Analysten der BIZ schon fast für eine Binsen-Weisheit. Trotzdem warnen die Banker aus Basel auch vor dem Platzen von Börsen-Blasen.

Was die BIZ-Beobachter mit ihren drastischen Worten genau bezwecken, ist unklar. Auffallend ist jedenfalls die Häufung der Warnungen. Es ist gut möglich, dass die BIZ auf Distanz zu den Zentralbanken gehen will. Sie könnte versuchen, dass sie im Fall eines Crashs nicht ebenfalls in Frage gestellt wird, sondern an einer Neugestaltung des Finanzsystems an führender Stelle mitwirken kann.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/08/dollar-zu-stark-maechtigste-bank-sieht-welt-wirtschaft-in-gefahr/

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03.11.2014

Börsen-Prophet sicher: „Die Absturzgefahr ist so groß wie nie“

Deutschlands bekanntester Börsenprofessor schlägt Alarm. Im FOCUS-MONEY-Interview erklärt Max Otte, warum die Lage so brenzlig ist, Gold unverzichtbar wird und welche Aktien den nächsten Sturm überstehen.

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FOCUS-MONEY: Warren Buffett sagte mal, er freue sich immer, wenn die Kurse fallen. Dann könne er gute Aktien günstig nachkaufen. Das ist so ganz nach Ihrem Geschmack, oder?

Max Otte: Man kann in der Tat wieder billiger einkaufen. Ich freue mich normalerweise auch über fallende Kurse. Aber derzeit ist das Risiko einer großen Krise sehr hoch – und zwar mehr als irgendwann in den letzten 50 Jahren.

MONEY: Hoppla, da schwingt ja richtig Sorge mit. Das heißt, wohl fühlen Sie sich selbst jetzt nicht, wo der Dax in den letzten Wochen mehr als 1000 Punkte verloren hat?

Otte: Ob der Dax  1000 oder 2000 Punkte verliert, das kratzt mich nicht – frei nach Warren Buffett. Viel schlimmer ist: Ich sehe tiefe tektonische Risse im Weltsystem, beispielsweise, wie die staatssozialistische Politik der Notenbanken langsam an ihre Grenzen stößt und wie politische Krisen in Europa geschürt werden – vor allem durch den Westen und hier in besonderer Weise durch die USA. Das macht mir Sorgen.

MONEY: Welche Brandherde sind am gefährlichsten?

Otte: Die Nato-Kriegstreiberei und der Wirtschaftskrieg gegen Russland und den Osten, der von etlichen Ländern in der Nato gewollt ist. Das ist hochgefährlich. Anscheinend muss der Westen expandieren. Und er will Russland ausgrenzen. Ich habe Putin vor vier Jahren gehört. Schon damals hat er mit Engelszungen geredet und gesagt: Liebe Deutsche, kooperiert mit uns. Warum arbeitet ihr nicht mit uns zusammen? Schon damals habe ich gemerkt, dass der Westen, vornehmlich die USA, einen Wirtschaftskrieg gegen Russland betreibt, weil man Europa in der eigenen Herrschaftssphäre behalten will.

MONEY: Der Handel mit Russland macht aber nur drei Prozent der deutschen Exporte aus. Ist die Krise wirklich so einschneidend für deutsche Unternehmen?

Otte: Absolut. Das ist dramatisch. Ein Verlust von ein, zwei Prozent pro Jahr wird in kurzer Zeit zu einer deutlichen Unterlegenheit gegenüber anderen Exportnationen. Wir schüren an den Rändern Europas überall Unruhe. Das ist in gewisser Weise ein Konjunkturprogramm für Amerika, weil dann die Investitionen natürlich nach Amerika fließen. Das hat in wenigen Jahren dramatische Auswirkungen, die wir heute schon sehen: Die US-Unternehmen sind 2013 um fünf Prozent gewachsen, während das Wachstum der Großkonzerne in Europa stagniert. Kurz gesagt: Wir machen eine Wirtschaftspolitik pro USA und contra Europa – oder lassen sie uns diktieren.

MONEY: Dazu kommt ein schwaches Wachstum in der Euro-Zone, weswegen die Auguren beim IWF und anderswo ihre Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich zurückgenommen haben. Droht ein Aufflammen der Euro-Krise?

Otte: Die Euro-Krise ist ja ungelöst. Die Schulden steigen weiter, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Das Einzige, wo wir etwas Fortschritt gemacht haben, ist, die Leistungsbilanzsalden des Südens zu reduzieren. Kein großes Kunststück! Wenn ich Depression und extreme Wirtschaftskrise habe, dann importiere ich halt weniger, exportiere weiter und bekomme die Leistungsbilanzsalden ins Gleichgewicht.

MONEY: Gefühlt erwischt es derzeit so ziemlich jede deutsche Aktie. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt aber, dass dabei auch Werte unter die Räder kommen, die man im Nachhinein besser behalten hätte. Welche Branchen halten Sie für weitgehend stabil in der aktuellen Börsenschwäche, und auf welche Titel sollten Anleger setzen?

Otte: Generell gilt auch in dieser Situation: Aktien sind auf jeden Fall Papiervermögen vorzuziehen. Man kann jetzt überlegen, auf absolute Qualitätswerte zu setzen. Eine Fuchs Petrolub  halte ich nach wie vor für eine der besten deutschen Aktien. Der Kurs hat an die 20 Prozent nachgegeben, und das bei langfristig guten Wachstumsaussichten – eine sehr schöne Sache. Dazu die Klassiker wie Fielmann , McDonald’s  und die Old-Techs Microsoft  und IBM . Dabei sind McDonald’s, IBM und Fuchs noch halbwegs günstig. Beim Rest hat man eine schöne Dividende, Substanzerhalt plus leichtes Wachstum, aber das ist ja auch schon mal was.

MONEY: Gold hat als Krisenmetall viel von seinem Glanz verloren. Sollte die Weltwirtschaft – wie von Experten zuletzt erwartet – dieses und kommendes Jahr deutlich an Fahrt verlieren, könnte es zu einer Renaissance des Edelmetalls kommen. Falsch?

Otte: Nein, absolut richtig. Erst recht vor dem Hintergrund, dass die Situation so gefährlich ist wie lange nicht. Ich empfehle deshalb generell, die Goldquote zu erhöhen. Je nach persönlichem Sicherheitsempfinden rate ich zu einem Anteil zwischen zehn und 25 Prozent am Gesamtbestand. Vorher lag meine Spanne bei fünf bis 20 Prozent. Ich empfehle Gold sogar als Hauptinvestment.

MONEY: Eigentlich sind Sie bekannt für Ihre Risikobereitschaft – nämlich dort zu investieren, wo es brennt. Bei einer Besserung der Lage fallen die Kursgewinne dann umso höher aus, so das Kalkül dahinter. In welches Feuer würden Sie sich denn augenblicklich noch am ehesten wagen?

Otte: Das hab ich immer gemacht, mach ich auch noch. Betonen möchte ich aber noch einmal, das wir uns in einer besonders brenzligen Situation befinden. Da sind natürlich Aktien von verschuldeten Unternehmen oder Zyklikern schon etwas riskant. Aber was man weiterhin gut machen kann, ist, in europäische Telekoms und Versorger zu investieren. Auch wenn diese Unternehmen höher verschuldet sind.

MONEY: Warum?

Otte: Die haben im Prinzip den Einbruch der Branche schon hinter sich. In der Telekombranche steht möglicherweise eine Konsolidierung an. Schöne Dividenden gibt’s auch. Daneben halte ich noch Ölwerte für interessant. Wovon ich die Finger lassen würde, wären klassische Zykliker wie Rohstoff- oder Maschinenbauwerte.

MONEY: Sie waren generell etwas vorsichtiger in der letzten Zeit. Die Cash-Quote Ihres Vermögensbildungsfonds lag vor ein paar Monaten bei 16 Prozent – relativ viel.

Otte: Die hohe Cash-Quote ist den starken Mittelzuflüssen geschuldet, die wir in der Zeit hatten. Seither haben wir wieder stärker investiert und halten aktuell etwa zehn Prozent Bares.

MONEY: Was haben Sie gekauft?

Otte: Unter anderem Goldminenaktien. Beim Gold ist es ja im Prinzip so: Gold ist kein Renditebringer, sondern eine Versicherung. Eine Versicherung beispielsweise davor, enteignet zu werden. Gold ist sicher und seit 5000 Jahren das wichtigste Wertaufbewahrungsmittel der Menschheit. Goldminenwerte sind praktisch ein Hebel auf den Goldkurs. Steigt der Goldpreis, profitieren sie in der Regel überproportional. Wenn man überlegt, dass im vergangenen Jahr 800 Tonnen ETF-Gold aufgelöst wurden – spekulatives Gold, schnelles Geld, leichtes Geld – und dass diese 800 Tonnen fast eins zu eins in asiatische Länder wie China und Indien geflossen sind, dann sehe ich keinen Grund, warum Gold seinen Wert als Krisenmetall in einem deflationären Umfeld verlieren sollte. Und die Deflation ist die eigentliche Gefahr, die wir haben.

MONEY: Welche Minenwerte empfehlen Sie?

Otte: Wir mögen unter anderem Barrick  Gold und das größte börsennotierte Unternehmen Perus: CIA de Minas Buenaventura.

MONEY: Aus Peru?

Otte: Ein eigentümergeführtes Unternehmen mit sehr konstantem Geschäft, das seit zwei, drei Jahrzehnten ohne Kapitalerhöhung auskommt. Eine sehr interessante Sache.

MONEY: Interessant dürfte auch das kommende Börsenjahr werden. Angenommen, die Finanzmärkte korrigieren weiter, was ja viele Experten für gesund halten würden. Woher soll denn der Kurstreiber kommen, wenn die Geldversorgung der Märkte knapper wird und die Weltwirtschaft langsamer wächst? Anders gefragt: Müssen sich Anleger womöglich über Jahre hinaus auf bestenfalls seitwärtslaufende Börsen gefasst machen?

Otte: Nein! Und das hat etwas mit der Bewertung der Aktien zu tun. Ich habe immer gesagt: Der Dax  war bei 10 000 Punkten nicht wirklich zu teuer. Jetzt sind wir wieder bei rund 8800 Punkten. Vor 14 Jahren war der deutsche Aktienindex bei 8000 Punkten um 100 Prozent überbewertet. Heißt nach Adam Riese: Tatsächlich war er 4000 Punkte wert. Wenn man jedes Jahr 5,6 bis sechs Prozent Wachstum an die 4000 Punkte anlegt, kommt man heute auf etwa 9300 Punkte – ein realistischer und fairer Wert für den Dax . Soll heißen: Langfristig passt sich der Kurs dem Wert an. Wenn also nicht die große Katastrophe passiert, sind wir bei 8400 Punkten schon wieder unterbewertet.

MONEY: Wenn man der Logik der Mathematik folgt. Aber war es bisher nicht die Frage, wann und um wie viel die US-Notenbank den Ankauf von Anleihen und damit die Versorgung der Märkte mit Liquidität zurückfährt?

Otte: Mag sein. Ich aber schaue unter Berücksichtigung von Substanz und Ertragskraft, was das Ding wert ist. Liegt der aktuelle Preis unter dem Wert, heißt es für mich nach alter Kostolany-Manier: kaufen und abwarten.

MONEY: Und wenn bis dahin der Super-GAU kommt?

Otte: Dann hilft auch eine Unterbewertung der Börse nichts mehr. Da rappelt es im Karton, und Zykliker sowie etliche andere Werte werden stark abgestraft und dürften wohl auch eine lange Zeit unten bleiben.

MONEY: Was sich decken würde mit dem, was Sie mal als 7-Jahres-Rhythmus bezeichnet haben. Beispiele sind die Asien-Krise 1987, die Tequila-Krise 1994, die Technologieblase 2001 und der Zusammenbruch von Lehman 2008. Das kann ja für 2015 heiter werden.

Otte: (lacht) Ich weiß nicht, wo und wann ich das geschrieben haben soll. Das ist reine Charttechnik. So etwas machen wir eigentlich nicht. Aber dass es gewisse Schwingungen an den Börsen gibt, hat ja die Konjunkturforschung beispielsweise mit Hilfe des Kondratieff- Zyklus gezeigt. Jetzt kommt hinzu, dass die Gefahr eines Absturzes noch nie so groß war wie heute. Im Herbst 2008 vielleicht mal kurz. Aber als die Notenbanken mit entsprechenden Maßnahmen eingegriffen haben, war’s auch gut. Damals war es Panik. Diesmal sind es reale und viele Entwicklungen, die sich addieren und die sich zu einem hässlichen Szenario aufschaukeln können. Das ist eine ganz andere Nummer.

MONEY: Heißt für den Privatanleger heute?

Otte: Goldanteile erhöhen ist meine klare Empfehlung. Daneben gehören Qualitätswerte mit attraktiven Dividenden ins Depot. Das ist eine solide Basis, um eine mögliche Krise zu überstehen. Cash halte ich angesichts der Finanzrepression für unsicher. Das muss man haben, um liquide zu sein. Aber der Kardinalfehler aller Deutschen ist ja, dass sie nach wie vor keine Aktien haben. Manche haben nur Lebensversicherungen, Sparvermögen und vielleicht ein Eigenheim. Das ist die dümmste Strategie!

http://www.focus.de/finanzen/boerse/boersen-prophet-max-otte-die-absturzgefahr-ist-so-gross-wie-nie_id_4240736.html

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21.10.2014

Mächtigste Bank der Welt warnt zum dritten Mal vor einem Crash

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit vor einem Crash an den Finanzmärkten. Beobachter sind sich nicht ganz klar, was das bedeutet: Entweder der Crash kommt nun mit biblischer Sicherheit („und abermals krähete der Hahn“), oder die BIZ liegt falsch. Auch das wäre keine vertrauenerweckende Erkenntnis.

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Die „Zentralbank der Zentralbanken“ warnt seit Monaten und in regelmäßigen Abständen deutlich vor einer erneuten Finanzkrise: Die lockere Geldpolitik der Notenbanken weltweit führe zu einer Gefahr für die Finanzstabilität. Die Märkte wiegen sich zudem in einer trügerischen Ruhe. Die Situation erinnere an das Krisenjahr 2008. Doch die Warnungen der BIZ verhallen ungehört.

Der Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. „In der Tat sehen wir das Risiko, dass die derzeitige Geldpolitik aus globaler Perspektive zu Gefahren für die Finanzstabilität führt“, sagte Claudio Borio, der die Abteilung für Volkswirtschaft und Geldpolitik leitet, der Zeitung Welt. „Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen“, beklagte er. Er sprach von „gewissen Übertreibungen“ an den Märkten und einer Situation, die der vor der Finanzkrise 2008 ähnlich sei. Die Gefahr von gefährlichen Blasenbildungen gebe es sowohl in Schwellen- wie in Industrieländern.

Das Kreditvolumen hat stark zugenommen, oft begleitet von stark ansteigenden Immobilienpreisen“, beschrieb Borio ein klassisches Ungleichgewicht, das in einigen Staaten erneut zu beobachten sei. In Industrieländern, die von der Krise besonders betroffen waren, gebe es ein weiteres Phänomen: „Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während an den Finanzmärkten bis vor kurzem hohe Risiken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten.“ Manager hätten billiges Geld lieber für Übernahmen und Aktienrückkäufe genutzt als zu investieren. „Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagte Borio.

An den Finanzmärkten hätten Investoren verzweifelt nach Renditen gesucht, was zu sehr geringen Risikoaufschlägen bei Wertpapieren und historisch geringer Volatilität geführt habe. Insgesamt sieht der BIZ-Chefökonom die Notenbanken in der Pflicht, stärker auf die Finanzstabilität zu achten und die Gefahr von Übertreibungen.

Es ist nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass ein Mitglied der BIZ so klare Worte findet:

Auch in dem Mitte September veröffentlichten Quartalsbericht warnt die BIZ vor der trügerischen Ruhe auf den Finanzmärkten. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken sorgt dafür, dass die Anleger auf der Suche nach etwas Rendite die Preise an den Märkten in die Höhe treiben. Die trügerische Ruhe auf den Finanzmärkten ist dafür verantwortlich, dass Investoren erhebliche Risiken aufgebaut haben. In Deutschland etwa sind die Immobilienpreise in einigen Großstädten seit 2008 um 45 Prozent gestiegen.

Die größte Bank Portugals meldete Ende September, dass sie die Zinsen auf ihre Schulden nicht mehr bedienen kann: Aufgrund der billigen Kredite seien diese Länder extrem verwundbar, warnte die BIZ. Jede kleine, regionale Krise könne zu einem Crash im globalen Finanz-System führen.

Der neue Chefvolkswirt der BIZ, Hyun Song Shin, trat sein Amt im Mai 2014 ebenfalls mit einer spektakulären Crash-Warnung an: Die aktuelle Ruhe an den Märkten sei trügerisch, im Hintergrund baue sich „ein schmerzhafter und sehr zerstörerischer Umschwung auf“. Ausgelöst werden könnten neue Turbulenzen auf den Finanzmärkten durch eigentlich als eher konservativ geltende Großinvestoren wie Pensionsfonds oder Vermögensverwalter, so Shin.

Die BIZ wies Anfang Oktober zur IWF-Jahrestagung darauf hin, dass seit der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 der globale Schuldenberg auf 150 Billionen US-Dollar gestiegen ist, was rund dem Zweieinhalbfache des globalen Sozialprodukts entspricht. Ende 2007 betrug die globale Verschuldung noch 107 Billionen Dollar.

Bereits im Oktober 2013 bezeichnete die BIZ die Lage an den Kreditmärkten als äußerst kritisch. Damals meldete die BIZ, dass die außergewöhnlichen Maßnahmen – also das Gelddrucken – der Notenbanken die Illusion geweckt habe, dass damit die fundamentalen Probleme zu lösen seien. In ihrem Jahresbericht bezeichnete die BIZ die Schuldensituation in den Industrieländern als „desolat” und forderte einen raschen Schuldenabbau.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/21/maechtigste-bank-der-welt-warnt-zum-dritten-mal-vor-einem-crash/

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03.10.2014

Nervöse Auftritte von Draghi und Lagarde: Das Finanz-System steht auf der Kippe

Die EZB und der IWF haben offenbar keine Mittel mehr in der Hand, um die Finanz-Krise in den Griff zu bekommen. Falsche Prognosen und immer neue Versprechungen verfangen nicht mehr. Auftritte von Mario Draghi und Christine Lagarde verunsichern die Finanz-Eliten. Deutlichstes Zeichen dafür, dass die Stimmung kippt: Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen.

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Mario Draghi wirkte auf der Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung in Neapel nervös und fahrig. Er braucht lange, um die Fragen der Journalisten zu beantworten. Seine Antworten hatten überdies eher den Charakter von Ausreden und Phrasen. Kein Wunder: Seit Monaten verspricht Draghi immer neue Wundermittel, doch keine der Waffen zeigt Erfolge. Mehrfach muss er betonen, dass alles, was die EZB bisher eingesetzt hat, außergewöhnlich gewesen sei – allein, keine der erhofften Wirkungen hat sich eingestellt. Die Banken veregeben keine Kredite, die Inflation will sich nicht einstellen, das Vertrauen in seine magischen Kräfte schwindet. Auch die fragenden Journalisten wirken kaum noch beeindruckt.

Die Ehrfurcht, die während der vergangenen Medien-Auftritte zu beobachten war, ist einer tiefen Skepsis gewichen – Italiener, Deutsche oder Iren sind nicht mehr zu überzeugen. So wagt eine Reporterin sogar die Frage, ob Draghi nicht besorgt sei, dass trotz immer neuer Maßnahmen nun sogar in Deutschland die Euro-Skeptiker auf dem Vormarsch seien. Draghis Antwort: Er verstehe die deutschen Kritiker, doch läge es nicht nur an der EZB, sondern auch an den Staaten, die einfach nicht machen wollen, was der EZB-Chef fordert. Gefragt, ob er die Ankündigung Frankreichs, die Defizit-Grenzen über Bord zu werfen, als Problem für die Geldpolitik der EZB sähe, zieht sich Draghi auf einen formalistischen Standpunkt zurück: Noch liege kein offizielles Budget aus Paris vor, erst, wenn man die Zahlen habe, werde man sich ein Urteil bilden können.

Zwei Aussagen sind bemerkenswert: Draghi betont an einer Stelle, dass der Euro für die Ewigkeit sei. Doch anders als bei seiner Ankündigung, man werde alles tun, um den Euro zu retten, wirkt dieses Bekenntnis nicht mehr wie ein Donnerhall, sondern eher trotzig-resigniert. Auch ohne Euro würden jene Länder Schwierigkeiten haben, die sich den Reformen verweigern. Gefragt, was er zu den Demonstranten sage, die in Neapel aufmaschiert waren und die EZB heftig kritisiert hatten, sagte Draghi, er habe auch für sie Verständnis. Und sagt dann, dass die Demonstranten irrten, wenn sie glauben, die EZB sei schuld. Er sgat zweimal, dass die EZB nicht schuld sei. So klingt ein Rückzugsgefecht. Ein Riss tut sich auf in den Reihen der Euro-Retter. Der strahlende Held, von dem die Regierungen der europäischen Schuldenstaaten erwartet hatten, er werde ihnen die Arbeit abnehmen, verliert den Mut. Angesichts des Widerstands auf der Straße überkommt den smarten Goldman-Banker ein mulmiges Gefühl. Hier sichert sich einer ab, der weiß, dass seine Maßnahmen nicht greifen, schlimmer noch: Dass sie mehr Schaden anrichten als dass sie Lösungen bringen.

Nicht viel besser erging es seiner Mitstreiterin an der Spitze des globalen Finanzsystems, Christine Lagarde: Bei einem Vortrag an der Georgetown-Universität warnt die IWF-Chefin vor einer neuen Krise, vor hoher Arbeitslosigkeit und kündigt an, dass der IWF seine globalen Prognosen erneut nach unten korrigieren müsse. Sechs Jahre nach der schweren Finanzkrise sei die Erholung nach wie vor „zerbrechlich, ungleich und von Risiken bedroht“. Der Konflikt in der Ukraine, der die Wirtschaft dort sowie in Russland bereits ins Taumeln gebracht hat, könne die Finanzmärkte durcheinanderbringen, sagte Lagarde. Auch wenn der Ebola-Ausbruch nicht eingedämmt werde, könne dies ernsthafte Beunruhigung verursachen.

Ebola und die Ukraine sollen auf einmal dafür verantwortlich sein, dass das hemmungslose Gelddrucken und der Schuldenwahn die Lebensverhältnisse nicht besser gemacht haben. Lagarde verteidigt den Sozialabbau in Europa. Sie sagt: „Es mussten harte Maßnahmen getroffen werden.“ Lagarde warnte, wie sie schon seit Jahren warnt. Ihr Problem: Zwischen den Warnungen hat sie die Realität beschönigt. Die IWF-Prognosen waren immer nur in einer Hinsicht verlässlich: Sie waren immer falsch. Die Kommentare der Leser der FT sind unmissverständlich: Sie halten die Beschwörungen von Lagarde für Geschwätz, die IWF-Chefin für inkompetent und die Weltpolitik der Finanz-Eliten für gescheitert.

Überall beginnt man zu flüstern: Der Kaiser ist nackt, er hat ja gar keine Kleider an. Der Kaiser ist nackt! Die „harten Maßnahmen“ haben Leben von konkreten Menschen zerstört und das System nicht gerettet.

Sogar die professionellen Beobachter, die bisher stets an Draghis Lippen hingen, reagieren verunsichert: Reuters zitiert einen Händler: „Viele gehen mit einem etwas mulmigen Gefühl in das verlängerte Einheits-Wochenende.“

Die Händler bemerken langsam, dass sie zu lange die angeblich tollen Kleider des nackten Kaisers bewundert hatten – und verkauften die Aktien von Finanztiteln. Obwohl es mittlerweile allen dämmert, dass der Stresstest der EZB auch nur eine Scharade ist, fürchten sie, dass selbst der zahnlose Tiger gefährlich für das System werden könnte. Reuters zitiert einen Händler: „Die Banken waren angesichts des anstehenden Ergebnisses des Stresstestes Ende Oktober einfach zu gut gelaufen.“

Erstmals seit längerer Zeit hatte sich der Unmut über die EZB auch auf der Straße entladen: Etwa 600 Menschen hatten sich Polizei-Angaben zufolge vor dem Capodimonte-Palast versammelt, in dem der EZB-Rat zu seiner auswärtigen Sitzung zusammengekommen war. „Job-Unsicherheit, Armut, Arbeitslosigkeit, Spekulationen. Befreit uns von der EZB“, hieß es auf einem Spruchband. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Bereitschaftspolizei die Demonstranten davon abhielt, das Gelände des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Schlosses zu stürmen, in welchem Draghi nach Worten suchte, um das Unerklärliche zu erklären.

Er kann es nicht erklären, weil sich die Zentralorgane der Finanz-Eliten überhoben haben.

Der Kaiser ist nackt.

Mario Draghi und Christine Lagarde frösteln. Der Wind bläst ihnen ins Gesicht. Sie merken, dass ihnen trotz aller Manipulation ihr einziges wirkliches Asset verlorengegangen ist: Das Vertrauen.

Das Frösteln wird zum Lebensgefühl. Die Party der Zentralisten neigt sich dem Ende zu. Die Bürger rufen: „Befreit uns von der EZB!“ Der Ruf wird lauter werden. Mehr Bürger werden einstimmen. Es ist der anschwellende Abgesang auf ein System, das sich selbst verzehrt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/03/nervoese-auftritte-von-draghi-und-lagarde-das-finanz-system-steht-auf-der-kippe/

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16.09.2014

Crash-Gefahr: BIZ warnt vor trügerischer Ruhe auf den Finanzmärkten

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken sorgt dafür, dass die Anleger auf der Suche nach etwas Rendite die Preise an den Märkten in die Höhe treiben. Die trügerische Ruhe auf den Finanzmärkten ist dafür verantwortlich, dass Investoren immense Risiken aufgebaut haben. In Deutschland etwa sind die Immobilienpreise in den Großstädten seit 2008 um 45 Prozent gestiegen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor dem nächsten Finanz-Crash.

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An den weltweiten Finanzmärkten kommt es nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) derzeit zu ungewöhnlich geringen Schwankungen. In ihrem am Sonntag veröffentlichten Quartalsbericht weist das in Basel ansässige Institut zudem darauf hin, dass Anleger auf der Suche nach einträglichen Renditen im Niedrigstzins-Umfeld die Preise an den Märkten immer mehr in die Höhe trieben.

Dies sei eine Folge der extrem lockeren Geldpolitik von Notenbanken weltweit. Damit deutete die BIZ eine Gefahr an, auf die sie in jüngster Zeit bereits hingewiesen hatte: Dass eine aus ihrer Sicht trügerische Ruhe an den Märkten derzeit verdecken könnte, dass einige Investoren inzwischen längst immense Risiken aufgebaut hätten.

Zuvor hatte die Bank davor gewarnt, dass das gegenwärtige Wachstum auf den Immobilien- und Kreditmärkten einiger Länder nicht von Dauer sein könne:

Der Quartalsbericht der BIZ beschreibt unter anderem die Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland. Die Preise für Wohnungen in den großen Städten sind seit dem Jahr 2008 um 45 Prozent gestiegen.

International haben sich die Preise für Häuser in den letzten Monaten stärker auseinanderentwickelt, als es kurz nach der Finanzkrise der Fall war.

Im Jahresvergleich steigen die Preise für Wohnimmobilien um 9,5 Prozent in den USA und sechs Prozent in Großbritannien. Die Preise für Häuser stiegen um sieben Prozent in Kanada, 7,7 Prozent in Australien und in der Schweiz um rund 2,2 Prozent – alle drei Länder waren von der Finanzkrise nicht stark betroffen. In Ländern, in denen die Finanzkrise besonders zu spüren war, gab es ähnliche Anstiege, wie Irland (7,2 Prozent) und Island (6,4 Prozent).

In Asien stiegen die Immobilienpreise besonders deutlich: etwa in China (13 Prozent), den Philippinen (13 Prozent) oder Malaysia (5 Prozent).

Mit dem Verweis auf die extrem geringen Schwankungen signalisiert die BIZ, dass die Märkte zu starr geworden sind, um künftige Verwerfungen zu verkraften. Die Bank gilt als „Zentralbank der Zentralbanken“ und hat als Drehkreuz für den Austausch von Notenbankern einen Überblick über das Marktgeschehen.

Am Sonntag erklärte die BIZ, die Schwankungen an den internationalen Finanzmärkten hätten im August zwar vorübergehend zugelegt, weil Anleger sich über politische Krisen Sorgen gemacht und am Wirtschaftswachstum gezweifelt hätten. Diese Bedenken seien aber schon bald in den Hintergrund getreten, als die EZB ihre Zinsen gesenkt und milliardenschwere Konjunkturmaßnahmen ankündigt hatte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/16/crash-gefahr-biz-warnt-vor-truegerischer-ruhe-auf-den-finanzmaerkten/

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04.09.2014

Der Zinsgraben, auf den immer der Crash folgt

Krise in Europa, Boom in den USA: Selten waren die Zinsentwicklungen zwischen beiden Regionen so verschieden wie jetzt. Wann immer das zuletzt so war, kam es wenig später zum Crash im Finanzsystem.

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Zwischen Europa und den USA klafft ein tiefer Graben – derzeit mal nicht politisch, und auch nicht unterseegeologisch. Doch der Riss, der die beiden Kontinente diesmal trennt, ist deshalb nicht weniger gefährlich. Denn er könnte für unsere Wirtschaft und unser Finanzsystem extreme Folgen haben.

Es geht um den Graben, der die beiden Zinswelten dies- und jenseits des Atlantiks trennt. Seit 15 Jahren waren die Unterschiede zwischen den Renditen bei deutschen und US-amerikanischen Staatsanleihen nicht mehr so gewaltig wie dieser Tage. Das geht letztlich auf die extrem unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung zurück. Doch jedes Mal in den vergangenen beiden Jahrzehnten, wenn die Differenz so groß war wie jetzt, kam es anschließend zu einem heftigen Crash an den Finanzmärkten.

Aktuell bezahlt der deutsche Staat, wenn er sich am Markt Geld leihen möchte, für Schuldscheine mit zehnjähriger Laufzeit nur noch knapp 0,9 Prozent Zinsen. Das ist ein absolutes Rekordtief. Nie zuvor in der Geschichte war der Zins niedriger. Für Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren liegt die Rendite sogar schon im negativen Bereich, sprich, Investoren sind bereit Geld dafür zu bezahlen, dass sie Deutschland für drei Jahre Geld leihen dürfen.

Internetblase 1999, Finanzkrise 2006

Ganz anders dagegen in den USA. Dort gibt es für Papiere mit dreijähriger Laufzeit so viel wie für die deutschen zehnjährigen. Und wer dem amerikanischen Staat Geld für zehn Jahre leiht, erhält dafür sogar immerhin rund 2,35 Prozent Zinsen. Das ist nicht allzu viel, aber dennoch erheblich mehr als hierzulande. Fast 1,5 Prozentpunkte beträgt die Differenz inzwischen.

Das ist nur knapp unter dem absoluten Rekordwert der vergangenen beiden Jahrzehnte. Dieser lag im Sommer 1999 bei rund 1,55 Prozentpunkten. Es war die Zeit der Internetblase, als die Kurse an den Aktienmärkten in die Höhe schossen und kleinste Klitschen mit Milliarden bewertet wurden. Wenige Monate, nachdem die Renditedifferenz ihren Höhepunkt erreicht hatte, platzte diese Blase und die Börsenkurse stürzten ab.

Ganz ähnlich war die Lage vor Beginn der Finanzkrise. 2005 erweiterte sich der Zinsgraben wieder auf Werte über einen Prozentpunkt, erreichte den Höhepunkt Mitte 2006 – und wenig später brach das Kreditkartenhaus in den USA zusammen. Schließlich zeigt die Kurve der Renditedifferenzen im Frühjahr 2010 den bisher letzten Höhepunkt, wiederum kurz bevor dann die Euro-Krise für den nächsten Schock sorgte.

Das ist kein Zufall. Denn US-Investoren sind weltweit die größten und wichtigsten Investoren. Wenn sie das Gefühl haben, dass es mit den Aktienmärkten rund läuft, dann ziehen sie Geld aus Anleihen ab und investieren vermehrt in Aktien“, erklärt Tom McClellan, ein amerikanischer Finanzexperte, der sich auf das richtige Timing an den Börsen spezialisiert hat. Folglich steigen die Renditen der US-Anleihen.

Indikator für Sturm über Finanzmärkten

Wenn die Anleger dagegen Angst vor einem Abwärtstrend haben, dann stecken sie ihr Geld wieder vermehrt in amerikanische Staatsanleihen, die für sie als sicherer Hafen gelten. Und damit sinken deren Renditen. Nicht umsonst war die Renditedifferenz zwischen deutschen und US-Anleihen in den Krisenjahren 2002/03 und 2008/09 auch umgedreht – damals war die Rendite in den USA niedriger als bei uns.

McClellan glaubt daher, dass die Renditedifferenz zwischen deutschen und amerikanischen Anleihen ein guter Indikator dafür ist, ob und wann ein Sturm über die Finanzmärkte hereinbricht. Zweifellos war dies in der Vergangenheit auch der Fall. Aber gilt dies auch diesmal?

In der Vergangenheit war es meist so, dass die Zinsunterschiede dadurch wuchsen, dass die Zinsen in den USA schneller stiegen als hierzulande. So lag die US-Rendite beispielsweise im Oktober 1998 bei 4,6 Prozent, in Deutschland bei 4,1 Prozent. Bis Juni 1999 stieg sie dann zwar bei uns auf 4,4 Prozent, in den USA jedoch auf 5,9 Prozent.

Diesmal jedoch wachsen die Differenzen, obwohl die Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks fallen, auf dieser Seite nur noch wesentlich schneller als in den USA. Offenbar ziehen die Anleger also gar kein Geld aus Anleihen ab, im Gegenteil, sie investieren vermehrt darin. Und die Aktienkurse steigen trotzdem gleichzeitig.

EZB-Geldschleusen könnten sich noch weiter öffnen

Das wiederum liegt an den Notenbanken, die mit ihrer Geldpolitik in den vergangenen Jahren dafür gesorgt haben, dass die üblichen Marktmechanismen weitgehend außer Kraft gesetzt wurden. Derzeit wirkt vor allem die Aussicht auf die Märkte, dass die Europäische Zentralbank in Kürze die Geldschleusen noch weiter öffnen könnte, indem sie Anleihen am Markt aufkauft.

Dass dies schon bei der anstehenden Sitzung des EZB-Rates in dieser Woche geschieht, halten die meisten Beobachter für unwahrscheinlich. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat jedoch beispielsweise in seiner aktuellen Prognose die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB Anleihen kauft, von 40 auf 60 Prozent angehoben. Die meisten gehen davon aus, dass es um die Jahreswende so weit sein könnte. Das würde die Renditen für Bundesanleihen sicher noch weiter drücken.

Parallel dazu könnte die US-Notenbank jedoch erste Zinserhöhungen ankündigen. Dies dürfte dann dazu führen, dass die US-Renditen steigen, oder zumindest nicht noch weiter fallen. Die Folge: Der Zinsgraben würde noch tiefer werden.

Tatsächlich will auch McClellan das nicht ausschließen. Seiner Beobachtung nach folgt ein Crash ohnehin nicht unmittelbar auf den Höhepunkt bei der Zinsdifferenz. In der Vergangenheit lagen dazwischen stets erst einige Monate, in denen die Differenz schon wieder allmählich zurückging. Folglich bliebe also Anlegern genug Zeit zu reagieren – sofern nicht die Markteingriffe der Notenbanken auch dieses Muster zunichte machen.

http://www.welt.de/finanzen/article131830508/Der-Zinsgraben-auf-den-immer-der-Crash-folgt.html

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15.08.2014

Anzeichen für den großen Zusammenbruch mehren sich

Vieles erinnert heute an die Situation vor genau 100 Jahren. Auch damals konnte sich niemand vorstellen, dass sich binnen weniger Wochen alles ändern könnte.

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Dieser Monat – in dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal jährt – ist ein günstiger Zeitpunkt, um über große Risken nachzudenken. Wie Michael Spence jüngst warnte, entwickelt sich das wachsende Sicherheitsdefizit der internationalen Ordnung, das jedwede globale Ordnungspolitik schwächt, rasch zum größten Risiko für die Weltwirtschaft. Das gleiche Argument hätte man auch vor hundert Jahren vorbringen können.

Am 30. Juli 1914, fünf Wochen nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo, nahmen österreichische Kriegsschiffe Belgrad unter Beschuss. Mitte August befand sich die Welt im Krieg. Der vier Jahre später, nach dem Tod von etwa 20 Millionen Menschen beschlossene Waffenstillstand entpuppte sich lediglich als Intermezzo bis zum Beginn der Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

In den Jahren vor August 1914, bis zum Attentat auf den Erzherzog, entwickelte sich die Weltwirtschaft relativ gut: Der Handel expandierte weltweit, die Finanzmärkte erschienen gesund, und in Wirtschaftskreisen tat man politische Probleme entweder als vorübergehend oder irrelevant ab. Es war ein politischer Zusammenbruch, der zu drei schrecklichen Jahrzehnten für die Weltwirtschaft führte.

Scheinbare Ruhe

Märkte und wirtschaftliche Aktivitäten können einem großen Maß an politischer Belastung und Unsicherheit standhalten – bis zu dem Punkt, an dem die internationale Ordnung zusammenbricht. Die wirtschaftliche Stimmung ist heute beispielsweise durchaus optimistisch. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert der Weltwirtschaft im Jahr 2015 ein Wachstum von vier Prozent, während die Aktienindizes in vielen Teilen der Welt einem Aufwärtstrend folgen. Tatsächlich erreichte der Dow-Jones im Juli ein Allzeithoch.

In den letzten Monaten allerdings wurde in der Ostukraine ein ziviles Passagierflugzeug von einer hoch entwickelten, in Russland gefertigten Rakete abgeschossen. Auch die Spannungen rund um die umstrittenen Inseln im Ost- und Südchinesischen Meer haben sich verstärkt, und das Chaos im Nahen Osten nimmt ungehindert seinen Lauf. Der israelisch-palästinensische Konflikt befindet sich in der schlimmsten Phase seit Jahrzehnten, wobei die neuerliche Frustration aufgrund der massiven Todeszahlen unter Zivilisten in Gaza wahrscheinlich extreme Reaktionen fördern wird.

Es herrschen auch andere Gefahren. Westafrika wird von einem schrecklichen Ausbruch des tödlichen Ebola-Virus heimgesucht, dem tausende Menschen zum Opfer fallen werden. Bislang blieb der Ausbruch regional beschränkt, aber er dient als Erinnerung, dass in Zeiten von Millionen Flugreisenden niemand vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten sicher ist. Die Eindämmung einer Krankheit oder einer terroristischen Bedrohung durch Beschränkungen des internationalen Reiseverkehrs oder des Transportwesens würde die Weltwirtschaft ruinieren.

Politiker schlafwandeln

Große Katastrophen können schrittweise eintreten. Führende politische Entscheidungsträger können sich als „Schlafwandler“ erweisen, denen es nicht gelingt, die Risken zu bewältigen. Auch die finanzielle Kernschmelze des Jahres 2008 wurde durch schlafwandelnde Politiker verursacht. Die Folgen der Finanzkrise waren zwar nicht tödlich, aber die politischen Auswirkungen von Massenarbeitslosigkeit und die erhöhte Wahrnehmung wirtschaftlicher Unsicherheit begleiten uns noch immer.

Diese Beispiele sollten Anlass sein, Möglichkeiten für kooperative Maßnahmen zu finden. Momentan scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Die Vereinten Nationen erscheinen stärker gelähmt als je zuvor. Der US-Kongress hat das im Jahr 2010 vereinbarte IWF-Reformpaket noch immer nicht ratifiziert und schwächt damit eine der wichtigsten internationalen Institutionen. Teilweise weil die Vereinigten Staaten Kapitalerhöhungen und ordnungspolitische Reformen in globalen Finanzinstitutionen so schwierig machen, haben die BRICS-Staaten mittlerweile ihre eigene Entwicklungsbank gegründet, die in Shanghai ihren Sitz haben soll.

Auch die Europäische Union bleibt in kleinlichen Streitigkeiten verstrickt, anstatt als leuchtendes Beispiel supranationaler Zusammenarbeit und konzentrierter Souveränität voranzugehen. Während man sich noch immer nicht vollständig auf die Gestaltung der Bankenunion einigen konnte, erlaubt man dem Premierminister des Mitgliedslandes Ungarn, Viktor Orban, die demokratischen und liberalen Grundwerte der EU zu diffamieren.

Gegen die Doppelmoral

Der Weg nach vorn darf keine Rückkehr in die Vergangenheit mit aneinandergeratenden Nationalstaaten sein. Die Zukunft kann nur durch die enge Zusammenarbeit derjenigen gesichert werden, die sich ohne Doppelmoral oder Ausreden zu liberaler Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bekennen sowie durch die unermüdliche Stärkung internationaler Institutionen, die diese Werte verkörpern und in die Praxis umsetzen.

Die Weltwirtschaft entwickelt sich vielversprechend, aber dieses Versprechen kann nur im Rahmen eines internationalen Systems auf Grundlage von Regeln, Übereinstimmung, Respekt und einem gemeinsamen Gefühl für Gerechtigkeit eingehalten werden.

Wir sollten uns aufgrund der Tatsache, dass die Finanzmärkte vom Chaos im Nahen Osten und von der Krise in der Ukraine offenbar unberührt bleiben, nicht in Selbstzufriedenheit wiegen. Das Gedenken an den August 1914 sollte uns daran erinnern, wie die Welt in die Katastrophe stolperte. Wie wir vom Beispiel des Klimawandels wissen – oder wissen sollten -, muss man sich großer Risken annehmen, auch wenn heute die Wahrscheinlichkeit schlimmerer Folgen geringer ist.

http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/gastkommentare/ivy_league/3854518/Anzeichen-fur-den-grossen-Zusammenbruch-mehren-sich?_vl_backlink=%2Fhome%2Findex.do

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04.08.2014

Die Könige der Wall Street wetten auf einen Crash

Sie haben die US-Immobilienblase vorhergesagt und damit Milliarden gemacht – jetzt sehen prominente Vermögensverwalter wieder Ungemach aufziehen. Einige glauben fest an einen baldigen Börsenabsturz.

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Es ist das erste Mal seit der großen Finanzkrise, dass die Mehrheit der prominenten Investoren, die im Fahrwasser der wirtschaftlichen Krise enorme Profite eingestrichen haben, sich wieder sehr pessimistisch gibt. Unter den warnenden Stimmen sind Hedgefonds-Manager wie Joshua Birnbaum und Greg Lippmann, die sich als Händler bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank einen Namen gemacht haben.

„Eine Sache ist sicher: Die Geschichte wiederholt sich, und es sieht langsam alles nach einer Blase aus“, sagt Stuart Lippman, Verwalter eines auf den Kreditmarkt spezialisierten Hedgefonds bei TIG Advisors LLC in New York. „Wir steuern da auf etwas zu.“

Die Analysten des US-Hedgefonds Whitebox Advisors LLC gehörten zu jenen, die die Krise damals vorhergesagt haben. Bereits 2006 hatten sie vor einer bevorstehenden Krise am Kreditmarkt gewarnt. Nun sind sie dabei, einen Fonds aufzulegen, mit dem gegen die Staatsanleihen von mehreren europäischen Ländern und gegen den Euro gewettet wird. Dies geht aus einem Schreiben an die Investoren hervor, in das das „Wall Street Journal“ Einblick hatte.

Doch das stünde noch nicht für ein „fettes Short“, wie der Finanzjournalist Michael Lewis die Wetten gegen steigende Hauspreise vor der Krise nannte. In den meisten Fällen versuchen die Hedgefonds nach eigener Aussage, aus Preisen Kapital zu schlagen, die nicht mehr gerechtfertigt sind und für die in den kommenden Monaten wohl eine Korrektur ansteht. Eine allumfassende Finanzkrise sehen sie nicht.

Die Angst wächst

Doch der Kurswechsel einiger der größten Namen an der Wall Street spricht für die wachsende Risikoangst. Ein Beispiel ist Paul Singer. Er ist Chef einer der größten Hedgefonds-Firmen der Welt. Elliott Management verwaltet 25 Milliarden Dollar. Vergangene Woche warnte er Investoren, dass viele Märkte „mit schwindelerregender Plötzlichkeit und schockierender Intensität“ gen Süden laufen könnten.

Jahrelang waren die Zinsen sehr niedrig. Investoren aller Couleur haben sich dadurch ermutigt gefühlt, auf der Jagd nach hohen Renditen Geld in Ramschanleihen und andere vergleichsweise riskante Investments zu stecken. Wenn die Preise aber fallen, kann das vor allem die kleinen Investoren schmerzhaft treffen, die Unternehmensanleihen kauften, um die mageren Renditen von US-Staatsanleihen wettzumachen.

Die Nachfrage nach Ramschanleihen ist in den vergangenen Jahren in die Höhe geschnellt und hat somit die Preise getrieben und die Renditen auf ein Rekordtief gesenkt. Die Renditen fallen, wenn die Preise steigen.

Die relative Ruhe in Europa hat den Staatsanleihen von Ländern wie Italien und Spanien gutgetan. Viele Händler haben ihre anfänglichen Bedenken über Bord geworfen. Doch es zeigen sich nun erste Risse: Hochzins-Staatsanleihen haben im Juli den stärksten Rückgang seit über einem Jahr verzeichnet.

Hochfliegende Bewertungen und Sorgen über potenzielle Zinserhöhungen haben Investoren die Flucht aus risikoreichen Fonds ergreifen lassen. Laut der Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hat die Fed potenzielle Blasen in Bereichen wie Unternehmensanleihen und gehebelten Krediten jedoch genau im Auge.

Die Gegenwetten laufen

Lippmann, der vor der Krise bei der Deutschen Bank Wetten gegen Hypotheken laufen hatte, zählt zu jenen, die damit rechnen, dass sich im Moment Krisenherde bilden. Er hat 2010 seinen eigenen Fonds, LibreMax Partners LP, gegründet und kauft Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps, auf Unternehmensanleihen, sagen Insider. In den vergangenen zwölf Monaten war LibreMax sehr erfolgreich.

Birnbaum, der sich im Jahr 2010 wegen seiner Subprime-Geschäfte bei Goldman Sachs den Fragen des US-Kongresses stellen musste, hat seine Wetten gegen sogenannte Schrottanleihen von US-Unternehmen mit schlechter Bonität in diesem Jahr verdoppelt. Das geht aus Dokumenten für Anleger seines Hedgefonds Tilden Park Capital Management hervor und wird von Menschen bestätigt, die mit Birnbaums Denkweise vertraut sind. Seine bearishen Positionen summieren sich auf rund vier Milliarden Dollar.

Die 159 Milliarden Dollar schwere Private-Equity-Gesellschaft Apollo Global Management hat kürzlich ebenfalls einen Fonds aufgelegt, der gegen Schrottanleihen wettet, wie informierte Personen berichten.

Die meisten Anleger gehen sehr gezielt vor und setzen keineswegs auf eine allgemeine Abkühlung der Wirtschaft. So verlautet aus dem Umfeld Birnbaums, dass dieser drei Milliarden Dollar in bullishe Positionen auf Anleihen aus dem Wohnimmobiliensektor investiert habe. Der Fondsmanager rechne nicht mit einem Einbruch auf breiter Front.

Birnbaum war bislang recht erfolgreich: Sein Fonds Tilden Park, den er Anfang 2011 auflegte, hat laut Investorendokumenten seither in nur zwei Monaten Verluste eingefahren. Auch andere Hedgefonds bauen Short-Positionen auf Anleihen auf. Dazu gehören nach Aussagen informierter Kreise Fir Tree, Carlyle Group und Claren Road Asset Management.

Hedgefonds-Legende Paulson bleibt optimistisch

Relativ zuversichtlich scheint dagegen die Hedgefonds-Legende John Paulson, der als einer von wenigen die Finanzkrise im Jahr 2008 voraussah und dessen nach ihm benannte Gesellschaft 15 Milliarden Dollar mit Wetten gegen den Subprime-Hypothekenmarkt verdiente. Paulson sei seit mehreren Jahren unverändert bullish gestimmt, was Bankkredite und hypothekenbesicherte Anleihen angehe, berichtet eine Person, die mit Paulson & Co vertraut ist.

Der wichtigste Credit Fund (ein Fonds, der unter anderem in forderungsbesicherte Wertpapiere investiert) der Gesellschaft hat in diesem Jahr schon über acht Prozent zugelegt.

Andere sind da schon ängstlicher. Paul Twitchell von Whitebox bezeichnete in dieser Woche europäische Staatsanleihen als einen tiefen, gähnenden Abgrund. Whitebox setzt auf sinkende europäische Anleihekurse und sieht vor allem die spanischen und französischen Schuldtitel nachgeben. Die Fondsgesellschaft hatte ebenfalls zu denen gehört, die seinerzeit die Überhitzung des US-Wohnimmobilienmarkts rechtzeitig erkannt hatten.

„Wir gehen diese Positionen nicht etwa ein, weil wir konkurrenzlose Experten auf diesem Spezialgebiet – internationale Anleihen und Währungen – wären“, schreibt Twitchell in einem Brief an die Anleger, den das „Wall Street Journal“ einsehen konnte. „Vielmehr sind wir überzeugt, dass die Bewertungen in diesen Fällen ganz offensichtlich so unangemessen sind, dass es wehtut.“

„Shortpositionen auf Anleihen sind extrem schwierig“

Wetten gegen bestimmte Wertpapiere sind mit Risiken behaftet. So teilte Whitebox, die 2000 vom ehemaligen Optionsscheinhändler Andrew Redleaf gegründet wurde, ihren Anlegern mit, dass die bearishen Positionen Verluste einfahren würden, bis es zu einer Korrektur komme. Einen Teil dieser Verluste will die Gesellschaft über den Kauf relativ stabiler US-Staatsanleihen kompensieren.

„Shortpositionen auf Anleihen sind extrem schwierig“, sagt Michael Lewitt, der seit 1991 einen Hedgefonds leitet, der sich auf Anleihen konzentriert. Diese Wetten auf sinkende Kurse funktionierten selten, fügt er hinzu. Wenn man den falschen Zeitpunkt erwische, könne man sich damit sein eigenes Grab schaufeln. Auch finanziell schwache Unternehmen und Staaten könnten sich nämlich häufig noch viele Jahre über Wasser halten, ohne zahlungsunfähig zu werden.

Hedgefondsmanager sind jedoch nicht die Einzigen, die vor heraufziehenden Gefahren am Anleihemarkt warnen. Douglas Peterson, CEO von McGraw Hill Financial, zu der auch die Ratingagentur Standard & Poor’s gehört, verwies in dieser Woche auf die Risiken, die Anleger eingingen, wenn sie weiter hohe Preise für Anleihen mit niedrigen Bonitätsnoten zahlten. „Wenn nachher etwas schiefgeht, machen sie wieder die Ratingagenturen dafür verantwortlich“, sagte er während der Telefonkonferenz seines Unternehmens zu den Quartalszahlen.

http://www.welt.de/wall-street-journal/article130878707/Die-Koenige-der-Wall-Street-wetten-auf-einen-Crash.html

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25.07.2014

Ein Sturm zieht auf am Börsenhimmel

Seit zwei Jahren geht es für Aktien unbeirrt nach oben. Finanzprofis fürchten eine Blasenbildung und warnen vor überzogenen Preisen. Schuld sei auch die laxe Geldpolitik der US-Notenbank. Diese jedoch sieht keine Blase.

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Zwei Jahre ununterbrochener Kursgewinne bei US-Aktien schüren die Ängste unter den Fachleuten der Finanzwelt. Drei von fünf Finanzprofis in einer weltweiten Bloomberg-Umfrage sagen, dass der Markt am Rande einer Blase steht oder sich bereits in einer solchen befindet.

Der Standard & Poor’s 500 Index liegt nach Einschätzung von 47 Prozent der Befragten kurz vor einem nicht mehr haltbaren Niveau, während 14 Prozent bereits eine Preisblase ausmachen, zeigt die vierteljährliche Umfrage unter 562 Investoren, Analysten und Händlern, die Kunden von Bloomberg sind.

Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer bezeichnete den Markt für Firmenanleihen mit niedriger Bonität als überhitzt, und die meisten Befragten rechnen damit, dass die Kursschwankungen bei Aktien im Laufe der nächsten sechs Monate zunehmen werden.

Während Biotechnologie-Aktien zu mehr als dem 500-fachen der Gewinne gehandelt werden, es wieder zu Mega-Übernahmen kommt und Anleihen im Rekordtempo platziert werden, wächst die Sorge, dass angesichts der S&P-500-Rally – die den Index 30 Prozent über den Höchststand von 2007 getrieben hat – die Kurse zu hoch sein könnten.

Die US-Notenbank teilt die Ansicht nicht. Die Federal Reserve warnte in dieser Woche zwar vor den überzogenen Bewertungen bei kleineren Firmen in den Bereichen Biotechnologie und Soziale Medien, die Preise für Vermögenswerte lägen aber generell im Rahmen der historischen Stände.

Das ist wie ein aufkommender Sturm“, sagt Umfrageteilnehmer Dane Fulmer, der seit über 40 Jahren mit Aktien und Anleihen handelt und Dane Fulmer Investments in Fort Smith, Arkansas, leitet. „Man muss kein Meteorologe sein, um die Wolken zu sehen.“

Seit Beginn des Bullenmarkts im März 2009 sind mehr als 15 Billionen Dollar in US-Aktienwerte geflossen und der S&P 500 ist um 193 Prozent geklettert. Der breite Aktienindex wird zum 18,1-fachen der Gewinne gehandelt, was das höchste Niveau seit 2010 darstellt, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten.

Markt für „Ramsch“-Anleihen ist überhitzt

Ob es sich nun um eine Blase handelt oder nicht, die Umfrageteilnehmer sind geteilter Meinung darüber, wann die Rally enden wird. Etwa 40 Prozent der Befragten sehen in den USA für die nächsten zwölf Monate noch immer die beste Investment-Gelegenheit. Der US-Markt wurde in jeder Umfrage von Bloomberg seit Januar 2011 als das beste Zielgebiet für Anlagen genannt.

Die Umfrage wurde von Selzer & Co. aus Des Moines im US- Bundesstaat Iowa vom 15. bis 16. Juli durchgeführt. Die Fehlermarge beläuft sich auf plus/minus 4,1 Prozentpunkte.

Etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer hält die Geldpolitik der US-Zentralbank für zu akkommodierend, während 41 Prozent von einer angemessenen geldpolitischen Ausrichtung ausgehen. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen hatte in dieser Woche vor dem Senat gesagt, dass die Federal Reserve ihre Konjunkturmaßnahmen wegen der Schwäche am Arbeitsmarkt fortsetzen müsse. Der Fed-Leitzins liegt schon seit Jahren nahe Null.

Wir sehen weiterhin eine sehr laxe Geldpolitik“, sagt Chef-Datenanalyst Campbell Faulkner von OTC Global Holdings in Houston, der ebenfalls an der Umfrage teilgenommen hatte. „Das wirkt sich aus. Auch wenn die starken Bilanzen und die anhaltend positiven Nachrichten andeuten, dass wir Maßnahmen zurückfahren und die Leitzinsen erhöhen sollten.“

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/angst-vor-der-blase-ein-sturm-zieht-auf-am-boersenhimmel/10229018.html

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03.06.2014

Warten auf den Minsky-Moment: Wann kommt der Crash?

Die Finanzstabilität des globalen Finanzsystems ist massiv gefährdet. Kaum ein Ökonom bestreitet das noch. Die Frage ist, wie lange die Zentralbanken noch mit ungebremstem Gelddrucken die Blase aufpumpen können. Mario Draghi hofft immer noch auf die Dicke Bertha.

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Die Börsen feiern noch und versuchen neue Höchststände bei Aktien zu realisieren. Ein Beispiel ist der DAX, der derzeit knapp unter der Marke von 10.000 steht. Gleichzeitig warnt die EZB in ihrem letzten Finanzmarktstabilitätsbericht vor einem nahen Kurssturz an den globalen Finanzmärkten. Kritiker bemängeln, dass die Zentralbanken wie die Fed, die EZB, die Bank of England oder auch die Bank of Japan weltweit mit ihrer Politik des exzessiv billigen Geldes genau diese Fragilität der Finanzmärkte zu verantworten haben. Andere – allen voran Die Welt – werfen den Crash-Propheten Versagen vor. Die Meinungen driften mal wieder massiv auseinander.

Dass die Finanzstabilität des globalen Finanzsystems massiv gefährdet ist, wird aber von offiziellen Stellen kaum noch infrage gestellt. Die Meinungsverschiedenheiten ergeben sich daraus, wie lange noch die Zentralbanken mit dem ungebremsten Gelddrucken und/oder einer noch weiteren Senkung der Zinssätze – selbst in den Negativbereich – die Blase weiter aufpumpen werden. Der Vorwand ist eine imaginäre Deflationsgefahr. Sollte die offizielle Inflationsrate der Eurozone von zuletzt 0,7% wieder sinken, dann soll das das Signal für weitere geldpolitische Maßnahmen der EZB sein. Aus Sicht des Autors dieses Beitrags ist das nur ein vorgeschobener Grund, um weitere unorthodoxe geldpolitische Maßnahmen zu legitimieren. Zwei andere wichtige Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Zum einen soll ja die Europäische Bankenunion zu Beginn des kommenden Jahres ihre Tätigkeit aufnehmen, wie Euractiv berichtete.

Vorher soll jedoch noch durch einen neuen Bankenstresstest, dem sogenannten Asset Quality Review (AQR), die Bonität der 128 wichtigsten Banken geprüft werden. Fallen dabei beteiligte Banken durch, müssen sie entweder frisches Kapital aufnehmen oder als ultima ratio gegebenenfalls abgewickelt werden. Da es erhebliche Unsicherheit gibt, wie viele Banken dabei beim Stresstest durchfallen könnten, sind diese bereits jetzt hektisch darum bemüht, toxische Papiere abzustoßen oder in Schattenbanken außerhalb der eigenen Bilanz auszulagern. Die BaFin-Chefin ruft bereits zu mehr Transparenz im Bereich der Schattenbanken und der dort schlummernden Risiken auf. Leider sind die bisherigen Versuche hier mehr Transparenz herzustellen kläglich gescheitert, wie aus einem Bericht des Financial Stability Boards (FSB) hervorgeht. Insbesondere Großbritannien und die USA mit den mächtigsten Bankenlobbys und Hedge- und Private Equity-Fonds haben dies erfolgreich verhindert.

Hierbei spielen natürlich auch die Bewertungsregeln wie bilanziert werden darf eine entscheidende Rolle. Nach den Regeln des mark-to-market müssen Anlagen nach dem jeweils aktuellen Marktwert in der Bankbilanz des Handelsbuchs ausgewiesen werden. Dabei geht der aktuelle Zinssatz der Zentralbank als wesentlicher Faktor beim Verlauf der Zinsstrukturkurve mit ein. Grob vereinfacht kann man folgende Überlegung anstellen: Zwischen dem Barwert C und dem Ertrag CF sowie dem Zinssatz i besteht bei unendlicher Laufzeit und konstanten Erträgen und Zinssätzen folgende Relation, C = CF/i. Solche sogenannten Consols können als Orientierungsgröße dienen. Da Barwert C und Zinssatz i sich zueinander reziprok verhalten, gilt sinkt der Zinssatz steigt der Barwert des jeweiligen Wertpapiers.

Bei einer Zinssenkung der Zentralbank führt dies über die Anpassungsprozesse der Zinsstrukturkurve dazu, dass die Bewertungen der alten Wertpapiere aufgrund des jetzt aktuell niedrigeren Zinssatzes einen höheren Barwert nach dem Prinzip mark-to-market in der Bilanz ausweisen können, das heißt, die Bilanzen werden durch die Niedrigstzinspolitik der EZB deutlich besser als zuvor bewertet. Nach Ansicht des Autors steckte diese Überlegung bereits hinter der letzten Zinssenkung der EZB von 0,5% auf 0,25% Ende letzten Jahres, denn dadurch konnte nach Adam Riese im Durchschnitt der Barwert der alten Wertpapiere deutlich höher – das heißt mit dem Faktor 2 – in den Bankbilanzen der Banken bewertet werden als zuvor. Würde jetzt erneut der Zinssatz beispielsweise nochmals auf 0,125% halbiert, würde dies erneut die Barwerte entsprechend um den Faktor 2 anheben. Allerdings ist dieses Bewertungsmodell bei Zinssätzen von Null oder sogar darunter nicht mehr anwendbar. Dann sind diese klassischen Bewertungsmodelle nicht mehr einsetzbar, wie Bloomberg treffend analysiert.

Man kann dann so ziemlich alles machen, was die EZB in ihren Regularien für die Bilanzbewertung noch für zulässig erachtet. Mithin unterläuft die EZB bereits jetzt das immer wieder als scharfen Stresstest angekündigte AQR durch die massive Änderung der Bilanzierungsregeln zugunsten der Geschäftsbanken. Man kann sich daher des Eindrucks nicht erwehren, dass es doch wieder nur um die Täuschung der Öffentlichkeit geht. Transparenz sähe jedenfalls anders aus.

Mit dieser griffigen Bezeichnung der Dicken Bertha hatte Mario Draghi eine offiziell Long-Term Refinancing Operation, (LTRO) vor rund zweieinhalb Jahren in Höhe, vom 21. Dezember 2011 und vom 29. Februar 2012, von etwa 1 Billion Euro von dreijährigen Kapitalmarktpapieren allen Banken in Form eines Mengentenders zu einem Zinssatz von 1% zur Verfügung gestellt, um eine Liquiditätskrise an den europäischen Finanzmärkten abzuwenden. Ein Teil dieser Mittel floss später bereits vorzeitig wieder zurück, wie die NZZ berichtet. Allerdings sind noch rund 300 Mrd. Euro bisher nicht von den Banken getilgt worden, so dass diese Papiere zum jeweiligen Fälligkeitstermin, das heißt am 1. März 2015, entweder getilgt oder refinanziert werden müssen.

Die EZB plant offensichtlich hier eine kleine Version der Dicken Bertha, um den Banken erneut die spätestens dann fälligen Papiere um weitere drei Jahre zu refinanzieren. Letztendlich wäre dies ein roll-over der ansonsten fällig Papiere der schwachen Banken der EU. Es wäre eine spezifische Form des Quantitative Easing, (QE), der EZB, um marode Banken bzw. Zombiebanken weiterhin am Leben zu erhalten. All das deutet daraufhin, dass die EZB die Bankenunion auch ohne einen ernsthaften Stresstest der beteiligten Banken in Kraft setzen möchte. Was man öffentlich ankündigt, wird durch die Hintertür bereits wieder außer Kraft gesetzt. Das Finanzsystem ist auch weiterhin zu fragil. Unisono mit Christine Lagarde vom IWF verkündet er zusammen mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann daher bereits seit einiger Zeit, dass die Finanzkrise in Europa noch lange nicht vorbei sei. Recht haben sie, aber gleichzeitig kaufen sie der Politik nur Zeit, da man geschönte Bilanzen nicht ewig vor sich herschieben kann. Irgendwann droht die Stunde der Wahrheit. Leider glauben zu viele Marktteilnehmer, dass dieses Spiel endlos fortgesetzt werden könnte. Da ein Politikwechsel der EZB zu einem raschen Kollaps der Finanzmärkte und damit einer erneuten weltweiten Finanzkrise führen würde, sitzen die Zentralbanken derzeit in der Falle.

Der drohende Zerfall der EU einschließlich der Währungsunion hat nach der Wahl zum Europaparlament noch einmal fahrt aufgenommen, da letztendlich die Europaskeptiker einen großen Wahlerfolg verzeichnen konnten. Zahlreiche Länder wie Großbritannien und auch Frankreich stehen vor einer Regierungskrise, da die jetzigen Regierungen kaum mit einer Mehrheit bei einer kommenden Wahl in ihren Ländern rechnen können. Das lähmt natürlich auch die Politik dieser Länder und der EU insgesamt. Die Geldpolitik der EZB droht an der fehlenden Unterstützung der Regierungen und Parlamente zahlreicher hochverschuldeter Länder der Eurozone ein Fiasko. Weil die zugrundeliegenden Schuldenprobleme nicht gelöst werden und unerlässliche Strukturreformen kaum vorankommen, schwillt die Schuldenblase immer weiter an. Wann sie platzt kann man wohl nicht genau voraussagen, aber der sogenannte Minsky-Moment rückt unaufhaltsam näher. Offenbar haben das auch die Finanzaufseher der EZB begriffen, aber trotz aller Warnungen bleiben sie die einsamen Rufer in der Wüste.

Die Politik der einzelnen Mitgliedsländer ist gelähmt und gefällt sich im Postengeschacher und leeren Versprechungen, die wirtschaftlich keinen Erfolg haben werden. Mithin haben Draghi und die EZB ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht. Hier gilt: Bezahlt wird nicht.

Die Währung der Stunde sind neue Schulden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/03/warten-auf-den-minsky-moment-wann-kommt-der-crash/

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21.05.2014

Bundesbank warnt Europa vor trügerischer Sicherheit

Die Geldpolitik der EZB hat die Märkte beruhigt, ist aber wohl übers Ziel hinausgeschossen. Bundesbank-Vorstand Dombret sieht die Risiken am Markt nicht mehr richtig eingepreist. Das ist hochriskant. Von Holger Zschäpitz

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Die Bundesbank gibt den Spielverderber. Während Anleihen und Aktien der Euro-Zone haussieren und sich die Politik kurz vor der Europawahl allerorten auf die Schulter klopft, wie toll die Euro-Krise bewältigt worden ist, treten die obersten deutschen Währungshüter plötzlich als gestrenge Mahner auf. Sie warnen vor spekulativen Übertreibungen an den Märkten, die neue Risiken für die Finanzstabilität nach sich ziehen.

„Wir sehen Risiken – trotz der Tatsache, dass die Märkte ruhig sind“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der Finanzagentur Bloomberg. In vielen europäischen Ländern seien die Immobilienpreise sehr hoch. Ein Überschwang zeige sich auch in den Bewertungen von Unternehmensanleihen, sagte er. „Die geringen Schwankungen an den Märkten verleiten die Marktakteure dazu, sich in Sicherheit zu wiegen.“

Am Aktienmarkt ist geradezu Wohlfühlstimmung ausgebrochen. Der Dax befindet sich in der Nähe seines historischen Hochs. Der VDax, der die Angst der Investoren misst, notiert nahe an seinen Tiefstständen. Auch am Devisenmarkt halten sich die Schwankungen in Grenzen. Der Euro pendelt seit einer Woche um die Marke von 1,37 Dollar. Eine so geringe Volatilität, wie die Kursschwankungen im Jargon der Börsianer heißen, gab es seit dem Jahr 2007 nicht mehr.

Sorglosigkeit zeigt sich an Anleihe-Renditen der Südländer

Noch stärker lässt sich die neue Sorglosigkeit der Investoren etwa an den rekordniedrigen Anleihe-Renditen Spaniens und Irlands sehen. Die Verzinsung zehnjähriger irischer Schuldtitel ist von 14 Prozent im Jahr 2012 auf unter drei Prozent gefallen. Zuletzt lagen die Renditen sogar unter denen von Großbritannien, obwohl die Schuldenquote von Irland mit 123 Prozent deutlich über jener der ehemaligen Kolonialmacht rangiert.

Noch eindrucksvoller fällt der Zinsrutsch in Portugal aus. Hier sind die Renditen von rund 18 Prozent innerhalb von zwei Jahren auf unter vier Prozent gefallen. Damit haben sich die Renditen wieder deutlich den deutschen Niveaus angepasst.

„Wir dürfen jetzt nicht wieder alle Risiken einebnen. Das befördert Herdenverhalten“, sagte Dombret mit Blick auf die Marktentwicklungen. Das Wort des 54-Jährigen hat durchaus Gewicht. So kümmerte sich Dombret bei der Bundesbank bislang federführend um die Finanzstabilität.

Und der Bundesbank-Vorstand ist nicht der einzige hochrangige Notenbanker, der vor einer trügerischen Sicherheit der Investoren warnt. Am Dienstag hatte bereits US-Währungshüter Richard Fisher Alarm geschlagen. „Mich beunruhigt es, dass es keine Volatilität an den Märkten gibt. Das ist keine gesunde Entwicklung.“ Fishers Sorge ist nicht unbegründet. Das letzte Mal, dass sich die Finanzmärkte in so ruhigen Bahnen bewegten, war im Jahr 2007 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Kaum noch nennenswerte Kursschwankungen

Kursschwankungen sind ein Ausdruck der wahrgenommenen Risiken. Das macht die derzeitige Situation so tückisch, weil Anleger keine Vorkehrungen für schlechtere Zeiten treffen. Auf diese Weise können sich gefährliche Spekulationsblasen bilden. Wenn irgendwann die Stimmung dreht, stehen die Akteure ohne Absicherung da, und es kommt zum Ausverkauf.

„Die meisten Investoren gehen wohl davon aus, dass die Zinsen ewig so niedrig bleiben. Das erklärt wohl auch die Sorglosigkeit“, monierte Fisher. Tatsächlich haben die Währungshüter mit ihrer Zinspolitik die Investoren regelrecht betäubt.

Vor allem mit der verbalen Steuerung der Markterwartungen, der sogenannten „Forward Guidance“, haben Fed, EZB & Co. eine Verlässlichkeit geschaffen, die Spekulanten geradezu einlädt. So haben die europäischen Währungshüter wissen lassen, die Zinsen in den kommenden eineinhalb Jahren auf dem niedrigen Niveau zu belassen oder zu senken.

Mit solchen Zusagen werden jegliche Überraschungen ausgeschaltet, jeder Investor kann sich nun Geld für lau leihen und damit Staatsanleihen der Peripherieländer kaufen. Da niemand steigende Zinsen der EZB fürchten muss, lässt sich fast ohne Risiko Geld verdienen.

Währungshüter sollten ihr Mandat ausweiten

Solche in der Finanzwelt als Carry-Trades bekannten Geschäfte können so lange weiterlaufen, wie die Notenbanker die Geldhähne offen lassen. Bereits Anfang März hatte das Zentralinstitut der Notenbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ, vor den Folgen der „Forward Guidance“ gewarnt. Anleger würden geradezu ermuntert, hohe Risiken einzugehen. Schließlich würden die Investoren rechtzeitig vor einer Zinswende gewarnt und könnten bis dahin munter spekulieren.

Nun scheinen die Währungshüter allerdings zu versuchen, mit verbalen Interventionen gegenzusteuern. Die Finanzmarktstabilität spielt bei der Geldpolitik eine immer wichtigere Rolle. So hat die Finanzkrise von 2008 gezeigt, dass platzende Spekulationsblasen ganze Volkswirtschaften in den Abgrund reißen können.

Daher werden auch Stimmen laut, die dafür plädieren, das Mandat der Notenbanker auf die aktive Bekämpfung von Spekulationsblasen auszuweiten. Das könnte gerade innerhalb der Euro-Zone besonders bedeutsam werden, sollte die EZB im Juni die Zinsen erneut senken. Betroffen sein könnte auch der Einlagensatz für Banken. Sollte dieser negativ sein, könnten Akteure am Finanzmarkt für das Geldleihen noch Geld bekommen. Das dürfte eine ganz neue Spekulationswelle an den Finanzmärkten auslösen.

Den Notenbankern würde es dann noch schwerer fallen, vor Sorglosigkeit zu warnen. Diese Erfahrung musste bereits der frühere Fed-Chef Alan Greenspan machen. Als er im Dezember 1996 vor einem irrationalen Überschwang der Akteure warnte, währte die Rallye weitere drei Jahre, bevor die Blase platzte.

http://www.welt.de/finanzen/article128272328/Bundesbank-warnt-Europa-vor-truegerischer-Sicherheit.html

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13.05.2014

Gigantische Kreditblasen bedrohen das Finanzsystem

Am Finanzmarkt ist wieder alles wie vor der Krise. Teilweise sind die Übertreibungen sogar schlimmer als jemals zuvor. Doch erneut schauen Investoren und Politiker weg – manche sogar bewusst.

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Das Wort „Studentenkredit“ versteht Wesley Lim nicht sofort. Dabei lehrt er derzeit als Gastprofessor Deutsch am Colorado College in Colorado Springs. Doch im Deutschen ist ihm der Begriff noch nie untergekommen. Wie auch, kaum ein Student nimmt hierzulande einen Kredit auf. Ganz anders dagegen in den USA. Daher weiß Lim beim Wort „student loan“ sofort, worum es geht.

Schließlich hat der 32-Jährige während seiner Ausbildung selbst mehrere Zehntausend Dollar als Darlehen aufgenommen. So wie Millionen seiner Kommilitonen. Denn inzwischen ist es in den USA völlig normal, dass junge Menschen am Ende eines Studiums bis über beide Ohren verschuldet sind – und das summiert sich.

1100 Milliarden Dollar haben sich Studenten dort derzeit bei Banken geliehen. Das ist inzwischen mehr als sämtliche Amerikaner als Kreditkartenschulden oder für Autodarlehen aufgehäuft haben. „Das wird wirklich langsam ein Riesenproblem“, sagt Ellen Zentner, Ökonomin bei der Investmentbank Morgan Stanley.

Überall auf der Welt entstehen neue Kreditblasen

Doch nicht nur unter Studenten und nicht nur in den USA ist das Schuldenmachen wieder en vogue. Überall auf der Welt sind neue gigantische Kredit- und Investitionsblasen entstanden. Vieles gleicht exakt der Lage vor der Finanzkrise. Und genau wie 2007 bröckelt an der einen oder anderen Stelle auch schon der Putz. Doch genau wie damals ziehen es die meisten Spieler im System vor, einfach stur weiterzumachen statt zu versuchen, die Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren.

Wahrscheinlich am leichtesten erkennbar ist die Blase am Londoner Immobilienmarkt. Katrin Wagner (Name von der Red. geändert) ist davon ganz direkt betroffen. „Schimmelige Wände und einfach verglaste Fenster, die oft nicht richtig schließen, sind für mich hier der Normalzustand“, sagt die 30-jährige Studentin an der London School of Economics. Trotzdem ist das Wohnen nirgendwo so teuer wie in London.

Wagner lebt in einem neun Quadratmeter großen Zimmer im Londoner Stadtbezirk Islington. Dafür bezahlt sie umgerechnet 900 Euro im Monat. Noch. Denn im Herbst läuft der Mietvertrag aus, der in Großbritannien meist nur für ein Jahr geschlossen wird. Danach kann man einen neuen abschließen, aber nur mit einer saftigen Preiserhöhung. „Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent sind üblich“, ist Wagners Erfahrung. Sie wird daher dann wohl in einen Außenbezirk ziehen müssen.

Londons Regierung heizt den Irrsinn an

Und was tut die Regierung? Sie heizt das Ganze noch an. Mit dem zwölf Milliarden Pfund (14,6 Milliarden Euro) schweren Programm „Help to buy“ werden neuerdings junge Briten gefördert, die eine Immobilie kaufen wollen. Sie müssen nur noch fünf Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital beisteuern, 75 Prozent können sie auf Pump finanzieren. Die übrigen 20 Prozent übernimmt als eine Art Anteilseigner der Staat. Beim Verkauf der Immobilie wird er dafür an möglichen Gewinnen beteiligt. Aber auch an den Verlusten.

Das zeigte sofort Wirkung. Die Wirtschaft auf der Insel scheint wieder zu florieren. Doch bei genauerem Hinsehen nur aus einem einzigen Grund: Die Immobilienpreise explodieren wieder. So sind in den Londoner Stadtbezirken Southwark, Lambeth, Islington und Waltham in den vergangenen zwölf Monaten die Grundstückpreise um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Andrew Sentance, ehemaliges Mitglied des geldpolitischen Ausschuss der Bank of England, warnt daher eindringlich. Die Preise könnten durch die Kombination aus niedrigen Zinsen und politischen Unterstützungsprogrammen außer Kontrolle geraten.

Und auch Volkswirte sind beunruhigt. „Die Häuserpreise steigen unaufhörlich und der Immobilienmarkt droht zu überhitzen“, schreiben die Experten der HSH Nordbank in einer aktuellen Analyse. „Das erinnert sehr an die Ursachen der Finanzkrise von 2008“.

In China ist die Lage noch dramatischer

Ganz ähnlich ist die Lage in China. Der einzige Unterschied: Dort wird seit Jahren über die Immobilienblase geredet, und auch seit Jahren wird deren Platzen vorhergesagt. Doch passiert ist bislang wenig. Deshalb schenkt der Blase dort inzwischen auch kaum noch jemand Beachtung – doch genau das ist hier das Problem.

„Ich finde es erstaunlich, dass das China-Risiko von den meisten Ökonomen inzwischen meist nur noch am Rande erwähnt wird“, sagt Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Denn die Immobilienpreise in China haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt, in vielen Städten sind sie sogar noch stärker gestiegen.

Peking ist inzwischen sogar die teuerste Stadt der Welt, wenn man das Verhältnis von Einkommen zu Immobilienpreisen betrachtet. Knapp 23 Jahresgehälter muss ein Chinese dort für den Kauf einer Wohnung aufwenden, sogar drei Mal mehr als ein Londoner.

Zudem aber droht dort nicht nur der Immobilienboom ein unrühmliches Ende zu nehmen. Gleichzeitig dräut am Horizont der Zusammenbruch eines gigantischen Schattenbanksystems. Denn in den vergangenen Jahren haben die Banken eine Parallelwelt aufgebaut.

Sie haben Tochtergesellschaften gegründet, die außerhalb der eigenen Bilanz agieren. Diese sammeln Geld bei Anlegern ein mit dem Versprechen besonders hoher Zinsen und vergeben damit dann wiederum Kredite. Die Summen, um die es hier geht, betragen inzwischen rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Weltweite Schulden betragen über 100 Billionen Dollar

So könnte man die Reise um die Welt fortsetzen, von der Immobilienblase in Dänemark über die Rohstoffblase in Australien bis zur Staatsschuldenblase in Japan. Allein dort ist der Schuldenberg inzwischen fast drei Mal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Weltweit, so schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), ist die kreditmarktfinanzierte Verschuldung seit 2007 um ein Drittel gestiegen, auf rund 100 Billionen Dollar.

Solche Unsummen kann sich kaum jemand vorstellen. Würde man jedoch 1-Dollar-Scheine nebeneinander legen, so müsste man ungefähr die Strecke zwischen der Sonne und der jetzigen Position der Raumsonde Voyager damit zupflastern, um auf den Betrag zu kommen. Voyager ist vor 36 Jahren gestartet und befindet sich derzeit rund 18,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

Und das deckt nur die kreditmarktfinanzierten Schulden ab. Hinzu kommen beispielsweise noch nicht verbriefte Schulden, Garantieleistungen, Bürgschaften, Zahlungsverpflichtungen für künftige Pensionen und vieles mehr. Um dies darzustellen, muss Voyager noch lange fliegen.

Gefährliche Finanzprodukte sind wieder in Mode

Doch es ist nicht nur die Summe der Schulden, die für Nervosität sorgen müsste. Ebenso erstaunlich ist, dass Investoren und Banken inzwischen wieder jede Vorsicht aufgeben. Das zeigt der Boom der vergangenen Jahre bei Internetaktien, die zu exorbitanten Preisen gehandelt werden, nur weil man sich irgendwann in ferner Zukunft das ganz große Geschäft erhofft. Der anstehende Börsengang des chinesischen Amazon-Pendants Alibaba ist gerade die nächste große Story, die alle elektrisiert.

Banken wiederum verteilen neuerdings wieder in großem Stil Kredite an Hedgefonds, damit diese mit dem Geld sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLOs) kaufen können. Damit werden Unternehmenskredite bezeichnet, die zusammengepackt und dann als Wertpapier verkauft werden. Diese Kredite liegen bislang bei den Banken und belasten die Bilanz. Werden sie als CLO verkauft, sind sie aus den Augen.

Daher bieten Banken, Händlern zufolge, oft acht Dollar Kredit für je zwei Dollar, die in die Papiere investiert werden, andere sprechen sogar von neun Dollar Kredit pro ein Dollar Investment. Die Risiken aus den Unternehmenskrediten sind damit aber natürlich nicht verschwunden. Sie sind nur irgendwo im Finanzsystem verstreut, und keiner weiß genau, wo.

Es ist alles genau wie vor der Finanzkrise

Besorgnis erregt auch die Entwicklung bei anderen gefährlichen Finanzprodukten. Sogenannte „Ramschanleihen“, also Anleihen von Firmen mit schlechter Bonität, erleben derzeit einen wahren Ansturm. Schon 2013 betrug ihr Volumen 378 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie vor der Finanzkrise.

Ähnlich sieht es bei sogenannten „leveraged loans“ aus. Dabei handelt es sich um zusätzliche Kredite an Firmen, die bereits hoch verschuldet sind. Diese Darlehen werden ebenfalls gebündelt und als Pakete verkauft. „Wertpapiere im Wert von 455 Milliarden Dollar wurden 2013 emittiert“, schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem soeben veröffentlichten Bericht zur Finanzmarktstabilität dazu, „weit mehr als beim einstigen Hoch von 389 Milliarden Dollar 2007.“

Einige Zeilen weiter warnt der IWF vor weiteren Kreditprodukten, die sich durch besonders lasche Bedingungen auszeichnen. Auch sie seien „im Kommen, so wie es vor der Finanzkrise war.“

Verschiedentlich treten erste Risse auf

Die Ähnlichkeiten sind eindeutig. Und: Es tauchen auch schon wieder erste Risse auf. Beispielsweise in China, wo die Immobilieninvestitionen in mehreren Provinzen im ersten Quartal zurückgegangen sind, in zwei Provinzen sogar um mehr als ein Viertel.

Beispielsweise in den USA, wo inzwischen 11,5 Prozent der Studentenkredite nicht mehr bedient werden und damit praktisch ausgefallen sind. Beispielsweise im Technologiesektor, wo die Twitter-Aktie in der vergangenen Woche drastisch abstürzte, nachdem die Haltefrist für Altaktionäre ausgelaufen war. Diese wollten offenbar nur noch raus aus den Aktien.

Doch warum sieht niemand diese Anzeichen? Warum nimmt wenige Jahre nach der größten Finanzkrise seit 1929 niemand die Warnsignale wahr, obwohl vieles der Lage von 2007 gleicht?

Investoren machen trotz Gefahr weiter

Entlarvend ist ein Papier, das Strategen der Société Générale dieser Tage an ihre Kunden geschickt haben. „Der IWF und andere Institutionen schelten die Investoren dafür, dass diese von einer perfekten Welt ausgehen“, schreiben sie darin. Sie listen dann all die Gefahren auf, die lauern, um zu erklären, dass sie daran nicht glauben.

Aber mehr noch. Sie fragen: „Selbst wenn wir mit Sicherheit von einer drohenden Überraschung wüssten, würden wir als Investoren dann heute anders agieren?“ Sie geben eine klare Antwort: „Nein“. Denn, so die etwas zynische Begründung, wer zu früh aussteige, der sei als Investor tot oder werde zumindest gefeuert.

„Daher werden wir weiter auf eine perfekte Welt spekulieren, aber mit einem nervösen Auge auf den Ausgang blicken, in der Hoffnung unter den Ersten zu sein, die den Absprung schaffen, wenn es Zeit dafür ist.“

Und für all jene, die nicht rechtzeitig den Absprung schaffen, steht ja immer noch der Staat bereit, um sie aufzufangen, wie die letzte Finanzkrise alle gelehrt hat. Fragt sich nur, ob die Staaten das nächste Mal noch die Kraft dazu haben und ob die Bürger das noch einmal mitmachen.

http://www.welt.de/finanzen/article127929984/Gigantische-Kreditblasen-bedrohen-das-Finanzsystem.html

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07.04.2014

„Chart of Doom“ sagt Börsencrash für 9. Mai voraus

Die Furcht der Anleger, auch der Profis, vor dem großen Absturz steigt. Jeder Hinweis in diese Richtung wird gierig aufgenommen. So zieht ein „Chart of Doom“ den Vergleich zum Crash 1987.

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Die Katastrophe hat Konjunktur. Das gilt besonders, wenn es um die Börse geht. Jeder Hinweis, der auf einen bevorstehenden Absturz hindeutet, wird von den Experten begierig aufgenommen und im Internet ausgeschlachtet.

Jetzt geistert ein neues Crashszenario durchs weltweite Netz. Ein beunruhigender „Chart of Doom“ zieht den Vergleich zwischen dem Crash-Jahr 1987 und der jetzigen Situation.

Damals, im Oktober 1987, endete eine gut fünf Jahre währende Börsenrallye mit dem bis heute schlimmsten Tageseinbruch des US-Leitindex Dow Jones. Heute ist der Aufschwung am Aktienmarkt ebenfalls in seinem sechsten Jahr. Damals, zwischen August 1982 und August 1987, hatten die Kurse um üppige 230 Prozent zugelegt. Heute hat die Hausse die Notierungen um 180 Prozent nach oben katapultiert.

Die Bewertungen sind vergleichbar hoch wie damals, und die grafische Darstellung der Kurse – in Börsianersprech Chart genannt – ähnelt sich frappierend.

Damals endete es bitter. Im Spätsommer 1987 begann die Situation zu kippen. Der Markt wurde wackelig. Dann im Herbst gab es keine Halten mehr: Am 19. Oktober stürzte der US-Leitindex S&P500 um 21 Prozent ab – an einem einzigen Tag wurden die Kursgewinne von fast zwei Jahren vernichtet.

„Risiken tauchen an der Börse schnell und unverhofft auf“, sagt der Investor und Börsenbriefherausgeber Dennis Gartman. Angst vor einer Wiederholung von 1987 wurde geschürt durch die jüngsten Geschehnisse an der Wall Street. Am Freitag passierte etwas Unheimliches im S&P500: Das Börsenbarometer markierte im Handelsverlauf erst einen historischen Höchststand und stürzte dann vorübergehend ins Bodenlose. Noch stärker bergab ging es im Technologieindex Nasdaq.

Abrupte Trendumkehr an der Börse

„Ich möchte niemanden beunruhigen, aber ganz ehrlich, ich kann mich an keinen Fall in meiner jahrzehntealten Börsenhistorie erinnern, da es zu einer solch abrupten Trendumkehr innerhalb eines Handelstages gekommen ist“, sagt Gartman.

Der 63-Jährige, der mit markantem weißem Bart ein wenig wie der Weihnachtsmann aussieht, ist ein mit allen Wassern gewaschener berüchtigter Investor. Er gibt außerdem den „Gartman Letter“ heraus, einen der angesehensten Börsenbriefe an der Wall Street.

Gartman sagt von sich selbst, dass er sämtliche Risiko-Positionen reduziert hat, „alle außer die in Gold“. Selten habe er etwas derart Verstörendes am Markt erlebt wie vergangenen Freitag. Und selten habe er derart radikal reagieren müssen.

Hohe Wahrscheinlichkeit für Crash

Verhält sich der Aktienmarkt dieses Jahr genauso wie 1987, steht zwar die Endphase der Rallye erst bevor, doch in ziemlich genau einem Monat wird es dann vorbei sein mit der Partie. Der „Chart of Doom“ sagt den ultimativen Crash für Freitag, den 9. Mai 2014, voraus. Kommt es genauso schlimm wie damals, werden an diesem schwarzen Freitag im Deutschen Aktienindex (Dax) auf einen Schlag 2000 Punkte ausgelöscht werden.

Auch ein anderer Investor hat Parallelen zu den Achtzigerjahren ausgemacht: „Anleger sollten sich fragen, inwieweit die jetzige Situation der von 1987 ähnelt“, sagt Jim Paulsen, Chefanlagestratege bei Wells Capital Management.

Paulsen sieht zwar nicht unbedingt einen „schwarzen Montag“ voraus wie vor 27 Jahren. Doch eine Korrektur von zehn Prozent sei durchaus möglich. Sein Motto für den Aktienmarkt 2014 lautet: „Zurück auf Los“.

„Von Liquidität getrieben“

„Die Aktienmärkte der westlichen Welt wurden in den vergangenen Jahren durch die enorme Liquiditätsversorgung der Notenbanken nach oben getrieben. Gleichzeitig sind die Erwartungen der Markteilnehmer an die Unternehmensgewinne sehr hoch“, sagt auch Wolfgang Engelmayer vom Kapital-Forum Schwaben/Allgäu e.V. Der Profi diagnostiziert jede Menge Enttäuschungspotenzial: „Einen Crash vorherzusagen, ist immer schwierig.“

Aber einem markanten Rückgang an den Aktienmärkten der westlichen Welt in Höhe von 20 bis 25 Prozent stehe nichts im Wege. Auslöser könnte zum Beispiel ein nicht kalkulierter Anstieg der Inflationsraten im zweiten Halbjahr sein. Aus Sicht von Engelmayer wäre das ein könnte für die Aktien- und Rentenmärkte ein „kurzzeitiges Desaster“ bedeuten. Sein Tipp: Absicherung über physisches Gold.

„Die Bewertungsniveaus in den Finanzmärkten sind dermaßen ambitioniert, dass sie sehr robuste Wachstumszahlen brauchen um diese Niveaus weiterhin zu rechtfertigen“, findet auch Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand GmbH. Da die fundamentalen Zahlen zuletzt ein gemischtes Bild zeigten, sei viel Unsicherheit im Markt.

Ein weiteres Menetekel ist die höhe der Aktienkäufe auf Pump, die eben mit 466 Milliarden Dollar einen neuen Rekordstand erreicht haben. „Fundamentaldaten bieten jedoch noch keinen verlässlichen Ansatz für ein Timing von Abstürzen.“

Letzter „Chart of Doom“ war ein Flop

Die Aussagekraft des „Chart of Doom“ wird allerdings dadurch relativiert, dass ein anderer, nicht unbedingt weniger beunruhigender Bote des Untergangs, nicht recht behalten hat. Im Februar schlug bereits ein anderer Chart of Doom Wellen, der suggerierte, dass die aktuelle Situation der Lage vor dem Großen Crash von 1929 bis ins kleinste Detail glich.

Jedoch trat der Absturz zum avisierten Zeitpunkt nicht ein, obwohl die Krim-Krise durchaus einen gewichtigen Anlass dafür geboten hätte.

Und dennoch verbreiten sich derartige Crash-Charts, sobald sie auftauchen, mit rasender Geschwindigkeit und bringen die Gemüter zum Kochen. Es scheint geradezu eine Sehnsucht nach Untergangsszenarien zu geben. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die menschliche Psyche eine Schlagseite zum Negativen hat. Katastrophen faszinieren die Menschen. Der Philosoph Hans Blumenberg hat das Phänomen der Faszination am Untergang als „Schiffbruch mit Zuschauer“ beschrieben.

Beobachter trauern ihren verpassten Chancen nach

An der Börse kommt noch etwas anderes hinzu. Nur die wenigsten haben die Rally der vergangenen fünf Jahre mitgemacht. Nun trauern viele angesichts immer weiter steigender Kurse den verpassten Gewinnen hinterher.

Sie gieren geradezu danach, eine Bestätigung für ihre Aktienabstinenz zu finden. Auch Schadenfreude mag eine Rolle spielen. Denjenigen, die aus der Krise heraus so viel Geld verdient haben, wünscht man ein krachendes Scheitern, gleichsam als gerechte Strafe. Selbst unter professionellen Vermögensverwaltern gilt die Rally als die meistgehasste der Geschichte.

„Der Zusammenhang zwischen den Kursverläufen in den Doom-Charts ist teils konstruiert“, sagt Christof Schmidbauer, Portfoliomanager Berlin & Co. Aktiengesellschaft. Es sei schwer nachvollziehbar, wie viel Aufmerksamkeit die Bildchen finden.

Die hierzulande weit verbreitete Distanz zur Börse bestätigt auch eine aktuelle TNS-Umfrage. Demnach legen nur 14 Prozent der Bundesbürger ihr Geld in Aktien an, während 37 Prozent es schlicht aufs unverzinste Girokonto legen. Selbst in den USA, dem Mutterland des Kapitalismus, verlieren Börsenpapiere in der breiten Masse an Akzeptanz. Die unteren 50 Prozent der dortigen Einkommenspyramide halten nur noch acht Prozent der Aktien.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article126661477/Chart-of-Doom-sagt-Boersencrash-fuer-9-Mai-voraus.html

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04.04.2014

Der Buffett-Indikator steht auf Sturm

Ein Einbruch der Aktienmärkte ist für Promi-Augurus wie Jeremy Grantham oder Marc Faber nur eine Frage der Zeit. Jetzt soll sich aber auch Warren Buffett auf einen  Crash vorbereiten.

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In den letzten Monaten häufen sich die Warnzeichen für eine Korrektur an den Aktienmärkten. In Medienberichten ist sogar von einer Halbierung der Kurse die Rede. In der einschlägigen Gerüchteküche erscheint nun auch Warren Buffett: Der Starinvestor soll sich ebenfalls für einen Rückschlag bei den Kursen wappnen.

Dies berichtet das US-Fachportal «Money News». Die Erklärung dahinter liefert der so genannte «Warren-Buffett-Indicator», besser bekannt als «Total Market Capitalization to GDP Ratio». Denn der 83-jährige schielt bekanntlich intensiv auf diese Kennzahl als Investitions-Barometer. Das heisst: Er betrachtet die Entwicklung der Aktienkurse (in Form der Marktkapitalisierung) im Verhältnis zur BIP-Entwicklung.

Die Geschichte beweist es

Das Verhältnis zwischen der US-Börsenkapitalisierung und dem amerikanischen Bruttoinlandprodukt löse derzeit ein starkes Verkaufssignal aus. Und es könne danach jederzeit zu einem Kurssturz am Aktienmarkt kommen, so die Argumente. Dieser Mechanismus habe sich in der Vergangenheit bestätigt.  

Momentan liegt das Verhältnis bei 115,1 Prozent. Im Jahr 2000, unmittelbar bevor es zum weltweiten Kurssturz kam, notierte der Wert bei 183 Prozent, nachzulesen in einem kürzlich erschienenen Bericht des US-Wirtschaftsmagazins «Forbes». Der Marktwert der notierten Unternehmen überstieg zu diesem Zeitpunkt damit den Wert der amerikanischen Wirtschaftsleistung um 83 Prozent, so die Interpretation der Kennzahl.

Im Jahr 2007, kurz vor dem Platzen der US-Immobilienblase, wurde eine Ratio von 135 Prozent festgestellt. Im März 2009, als die Kurse wieder nach oben tendierten, lag das Verhältnis dann bei 73 Prozent.

«Das wird schmerzhaft für Investoren»

Warren Buffett wäre mit seinem Pessimismus auf keinen Fall allein. Auch Jeremy Grantham, der Mitgründer und Chef-Stratege des US-Investmenthauses GMO, investiert derzeit keine Kundengelder mehr in Aktienpapiere. Der Brite erwartet nämlich einen heftigen Crash.

«Der nächste Absturz wird schlimmer als alles andere». Die Schuld trägt für ihn die US-Notenbank Fed und andere Zentralbanken in der Welt. Diese haben alle verfügbaren Schulden aufgenommen und es dann in ihre Bilanzen gesteckt. «So etwas haben wir bisher nicht erlebt». Das werde sehr schmerzhaft für Investoren, sagte Grantham in einem aktuellen Interview mit dem US-Wirtschaftsblatt «Fortune».

Auch für den Schweizer Börsenguru Marc Faber ist die Lage an den Märkten klar: «Wir sind in einer gigantischen Finanz-Spekulationsblase», wird Faber auf «Money News» zitiert. «Diese könnte jeden Tag platzen.»

http://www.finews.ch/themen/guruwatch/blog/14989-warren-buffett-indikator-jeremy-grantham-marc-faber

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28.03.2014

Das weltweite Bankensystem ist praktisch zahlungsunfähig”

Wirtschaftsprofessor Antal E. Fekete ist überzeugt, dass das internationale Finanzsystem zusammenbrechen wird, weil es schlichtweg keine gesunden Banken mehr gebe. Es könne jeden Moment geschehen. Nur mit Gold könne man sich dagegen versichern.

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Prof. Antal E. Fekete hat in der Vergangenheit immer wieder für erhellende Beiträge zum Geldsystem und über die ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge veröffentlicht. Der aus Ungarn stammende Wirtschaftsprofessor lehrt an der Memorial University in Neufundland (Kanada). Er sagt: ”Geld sollte nicht zu einem Werkzeug der Plünderung in den Händen der Regierung verkommen sollte, weil die einfachste Art der Plünderung jene ist, die die Leute nicht bemerken” .

In einer aktuellen Interview-Reihe des Verlag Johannes Müller referiert er über die Mängel des heutigen Bankensystems. “Es ist erstaunlich, dass nur die wenigsten Menschen erkennen, dass das heutige Bankensystem auf der ganzen Welt praktisch zahlungsunfähig ist. Eine noch nie dagewesene Situation”. Er bemängelt, dass heute – im Gegensatz zu früheren Zeiten – keine Bereinigung des Bankensystems mehr zugelassen wird. Der Fortbestand des Finanzsystem sei über diese Selbstregulierung gesichert gewesen, weil gesunde Banken, die Ausfälle maroder Geldhäuser kompensiert hätten. Heute gäbe es keine gesunden Banken mehr, solche mit soliden Vermögenswerten, die das Bankensystem als Ganzes retten könnten. Die meisten ahnten nicht, in welch prekärer Lage sich das internationale Finanzsystem befände. Das Problem für die Bürger: Die Rentenfonds seien noch “insolventer” als das Bankensystem. Gold sei die einzige wirksame Versicherung.

http://www.goldreporter.de/das-weltweite-bankensystem-ist-praktisch-zahlungsunfaehig/gold/40624/

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11.03.2014

Investor erwartet brutale Korrekturen an den Börsen

Jedes Jahr, in dem der Nasdaq um 40 Prozent steigt, während die Unternehmensgewinne sich kaum erhöhen, sollte ein Grund zur Sorge sein, so der Investor Seth Klarman. Er ist überzeugt, dass beim Platzen der Technologie-Blase nur die wenigsten ungeschoren davonkommen.

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Seth Klarman, einer der weltweit renommiertesten Investoren, schlägt Alarm wegen des drohenden Platzens einer neuen Blase. Technologie-Aktien wie Netflix oder Tesla Motors mit „Nasenbluten-Bewertungen“ drohen, eine brutale Korrektur an den Finanzmärkten auszulösen.

Klarman ist Chef der 27 Milliarden schweren Baupost Gruppe. Er meint, die Investoren seien nicht vorbereitet, wenn die Zentralbanken ihr „Fünf-Jahres-Experiment“ der lockeren Geldpolitik beenden.

In einem Brief an seine Kunden schreibt er, dass nur wenige – wenn überhaupt – ungeschoren davon kommen werden.

Die Warnung von Klarman kommt, nachdem US-Aktien im vergangenen Jahr um rund ein Drittel gestiegen sind. Der Wert von Aktien bekannter Technologie-Unternehmen, wie Facebook, hat sich fast verdoppelt, so die FT.

Jedes Jahr, in dem der S&P 500 um 32 Prozent ansteigt und der Nasdaq um 40 Prozent, während die Unternehmensgewinne sich kaum erhöhen, sollte ein Grund zur Sorge sein“, so Klarman.

Ein Skeptiker müsse blind sein, um nicht zu sehen, wie sich die Blasen mit Ramsch-Anleihen aufblähen.

Die Zentralbanken haben die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt und die Politik mit dem Aufkauf von Staatsanleihen ab dem Jahr 2008 übertrieben. Als Folge stieg der S&P 500 um mehr als 150 Prozent auf neue Allzeithochs. Die Rendite aus Anleihen sind allerdings gesunken.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/11/investor-erwartet-brutale-korrekturen-an-den-boersen/

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18.02.2014

„Grafik des Untergangs“ prophezeit Börsen-Crash

Eine derzeit kursierende Grafik zeigt beängstigende Parallelen zwischen dem Crash von 1929 und heute. Folgt die Börse dem „Chart of Doom“, wird sie sich 2014 halbieren. Anlageberater sind entsetzt. Von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz

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Ein Börsenchart geht um die Welt – und er verheißt nichts Gutes. Im Gegenteil: Er ist sogar ein echter Schocker. Er zieht eine direkte Parallele zwischen dem Börsencrash von 1929 und heute. Will sagen: Die jetzige Aktienhausse könnte genauso abrupt enden wie in der Großen Depression.

Der Chart zeigt eine erschreckende Parallele: Zunächst ging es von Anfang 1928 bis zum September 1929 ähnlich steil nach oben wie heute. Dann kam der brutale Absturz. Schon im November 1929 war der amerikanische Dow Jones Index, der im Oktober sein Hoch bei 381 Punkten erreicht hatte, nur noch halb so viel wert.

Jetzt kommt das Frappierende: Legt man die damalige und die heutige Kursentwicklung übereinander, befinden wir uns heute exakt an dem Punkt vor dem großen Absturz.

Suggestiv erscheint die Parallele vor allem dadurch, dass die einzelnen Hochs und Tief der Aufwärtsbewegung deckungsgleich erscheinen. Ein Chart ist die grafische Darstellung eines Kurs- oder Indexverlaufs.

Beim Crash vom Oktober 1929 stürzte der Aktienmarkt binnen weniger Tage um 25 Prozent ab. Übertragen auf den Deutschen Aktienindex Dax hieße das, dass der Dax von aktuell 9700 auf rund 7250 Zähler abschmiert.

Chart sorgt für Aufsehen in sozialen Medien

In Foren und in den sozialen Medien hat der Chart schon einiges Aufsehen hervorgerufen. Das bei Privatanlegern beliebte US-Webportal „MarketWatch“ weist ihn als die meist abgerufene Grafik des Jahres aus. Manche reden bereits vom „Chart of Doom“ (zu deutsch: Grafik des Untergangs). Andere fragen „Apocalyse now?“

Selbst an der Wall Street macht der „Chart of Doom“ Furore. „Ich bin schon mehr als 40 Jahren im Geschäft, aber so eine Reaktion habe ich noch nicht erlebt“, sagt Jeffrey Saut, Chefstratege beim Brokerhaus Raymond James. Kaum sei der Chart publik geworden, sei sein Postfach nahezu übergequollen mit Kommentaren und Nachfragen.

Allerdings äußert Saut seine Zweifel, dass der Chart irgendeine Prognosekraft besitzt. „Inhaltlich sehe ich trotz der oberflächlichen Ähnlichkeiten keine Übereinstimmung“, sagt der Experte. Der Umgang der Notenbanken und der Politik mit der Krise sei damals zum Beispiel ganz anders gewesen als heute.

Anlageberater verärgert über den „Chart of Doom“

„Dieser vermaledeite Chart mit dem Vergleich von 1929 und heute ist nicht totzukriegen“, schimpft Joshua Brown, Anlageberater in New York, der den einflussreichen Börsenbrief „The Reformed Broker“ herausgibt.

Dennoch beunruhigt ihn die virale Kraft der Grafik: „Solche falschen Parallelen können ihre eigene Realitäten schaffen, indem sie Investoren zu falschen Entscheidungen drängen.“ Für ihn ist der Chart eine Form von „Finanz-Pornografie“.

„Ich halte das für Panikmache“, sagt auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING DiBa. Der erfahrene Kapitalmarktexperte sieht keine neue Krise von Amerika ausgehen. Vielmehr sei das Land dank billiger Energie auf dem Weg, sich zu reindustrialisieren und der Weltwirtschaft neue Impulse zu geben.

Saut drückt es wie folgt aus: „Dass soviel Aufhebens um eine Grafik gemacht wird, verrät eher etwas über die mentale Verfassung der Investoren als über die Realitäten am Markt.“ Schaue man genau hin, sehe man zum Beispiel, dass die Skala angepasst worden sei, damit sich 1929 und 2014 auch wirklich ähneln.

„Ich habe so etwas schon häufiger erlebt: Immer wurden Charts so arrangiert, um einen Crash zu suggerieren“, sagt Saut. Doch die historische Analogie breche spätestens dann zusammen, sobald man sich die unterschiedlichen Voraussetzungen vergegenwärtige.

Gravierende Unterschiede zwischen heute und damals

Tatsächlich existieren gravierende Unterschiede zwischen heute und der Welt vor 85 Jahren. In den Jahren 1928 und 1929 hatte die US-Notenbank den Leitzins zum Beispiel angehoben und Geld damit verteuert. Damit wollte sie der Spekulationswut entgegenwirken. Heute ist das – zumindest bisher nicht – der Fall.

Jedoch hat die Fed vor Kurzem damit angefangen, ihre Liquiditätsspritzen zurückzufahren: Anstelle von monatlich 85 Milliarden gibt sie jetzt nur noch 65 Milliarden für liquiditätssteigernde Anleihenkäufe aus. Die meisten Beobachter erwarten, dass dieses „Tapering“ spätestens bis Jahresende ganz abgeschlossen sein wird. Gleichwohl dürfte der Leitzins weiter bei nahe Null bleiben.

Eine weitere nicht ganz von der Hand zu weisende Parallele ist die Neigung, spekulative Positionen auf Pump einzugehen. Diese „Margin Debt“ genannten Wertpapierkredite haben an der Wall Street zuletzt einen Rekordstand 445 Milliarden Dollar erreicht, doppelt so viel 2009.

Verschuldung steigt mit den Aktienkursen

Zu bedenken ist dabei, dass das Volumen der Margenkredite normalerweise mit dem Kursniveau nach oben geht. Schließlich dienen bei diesen Darlehen Aktien als Sicherheit: Je höher die Notierungen, desto höher das potenzielle Kreditvolumen.

So gesehen wäre die Margin Debt eher ein nachlaufender Indikator als eine Omen, das Hinweise auf die künftige Entwicklung gibt. Am 31. Dezember hat der Dow Jones Index bei 16.576,66 Zählern ein historisches Hoch markiert.

Für Verunsicherung sorgt aber auch der Meisterspekulant George Soros. Dieser rechnet offenbar mit einem Kurssturz an der Wall Street.

Zum Ende des vierten Quartals hat er nicht weniger als 1,3 Milliarden Dollar auf fallende Kurse gesetzt. Das geht aus dem Rechenschaftsbericht seiner Hedgefondsfirma Soros Fund Management hervor.

Danach hat seine Short-Position auf den Aktienindex S&P 500 um 154 Prozent ausgebaut. Die Wette auf fallende Kurse ist inzwischen die größte Position in seinem Fonds.

Der Titel des Meisterspekulanten

Soros führt nicht umsonst den Titel Meisterspekulant, er gilt als einer der gewieftesten Investoren an den Märkten. Seinen Ruf hat er spätestens Anfang der 1990er-Jahre begründet, als er die Bank von England in die Knie zwang und damit Milliarden verdiente.

Aber auch am jüngsten Aufschwung in den europäischen Peripheriestaaten hat Soros klotzig verdient.

Im Unterschied zu 1929 hat die Spekulation noch keine breiten Bevölkerungsschichten erfasst. Sie bleibt auch in den USA auf wenige Investoren bestränkt. In Europa ist von Börseneuphorie wenig zu spüren.

In Deutschland sind nicht einmal zehn Prozent der Menschen in Aktien engagiert. Vom schnellen Reichtum an der Börse träumt heute, anders als damals, kaum jemand. Der Hauptgrund dafür sind die traumatischen Erfahrungen der „Generation Telekom“.

Drei schwere Kursstürze in den vergangenen 20 Jahren

In den vergangenen 20 Jahren mussten Anleger drei schwere Kursstürze verkraften: Im Jahr 1998 ließ die Pleite des Hedgefonds LTCM den Dax binnen weniger Wochen um 38 Prozent einbrechen.

Unmittelbar nach der Jahrtausendwende platzte die New-Economy-Blase, woraufhin sich der Aktienmarkt nahezu viertelte. Viele Neuaktionäre verloren einen Großteil ihres eingesetzten Kapitals.

Im Jahr 2008 kam dann der nächste Crash. Er ging vom Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarkts aus, griff aber schnell auf die schwachen Euro-Staaten über.

Nicht nur in Deutschland ist die Einstellung vieler Anleger zur Börse von diesen wiederholten Crash-Erfahrungen geprägt. Allerdings haben sich Aktien langfristig als lukrativste Form der Geldanlage erwiesen.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article124946802/Grafik-des-Untergangs-prophezeit-Boersen-Crash.html

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10.02.2014

BIZ: Mächtigste Bank der Welt warnt vor Crash des Finanz-Systems

In den Schwellenländern hat sich seit 2008 eine gigantische Kredit-Blase aufgebaut, die nun zu platzen droht. Aufgrund der Geldpolitik der Fed seien diese Länder extrem verwundbar geworden, so die Bank für Internationale Zahlungsausgleich (BIZ). Die Krise könne zu einem Crash im globalen Finanz-System führen.

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In der Vergangenheit gab es eine „massive Expansion“ von Schuldenaufnahmen von Banken und Unternehmen auf den globalen Staatsanleihen-Märkten in den entwickelten Ländern. Dies habe sie einem „mächtigen Feedback“-Risiko (Rückkopplungs-Risiko) ausgesetzt, da die Anleihekosten im Westen ansteigen.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Schwellenländer.

Wie aus einem Arbeitspapier der BIZ hervorgeht, „führt die tiefere Integration der Schwellenländer in die globalen Märkte dazu, dass der Markt für deren Staatsanleihen weitaus verwundbarer im Hinblick auf die Bondmarkt-Entwicklungen in den Industrieländern geworden ist“, berichtet der britische Telegraph.

Bereits im Oktober 2013 bezeichnete die BIZ die Lage an den Kreditmärkten als äußerst kritisch. Damals meldete die BIZ, dass die außergewöhnlichen Maßnahmen – also das Gelddrucken – der Notenbanken die Illusion geweckt habe, dass damit die fundamentalen Probleme zu lösen seien. In ihrem Jahresbericht bezeichnete die BIZ die Schuldensituation in den Industrieländern als „desolat” und forderte einen raschen Schuldenabbau ein.

Diese Forderung verhallte ungehört.

Die Krisenstaaten in der Eurozone können aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit ihre Schulden nicht abbauen. Im Gegenteil: die Verschuldung nimmt immer weiter zu.

Auch in den USA steht der Schuldenabbau nicht zur Disposition. Der Schuldenstand erreicht dort 17,3 Billionen US-Dollar und liegt damit auf über 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, doch fallen nicht alle Bundesschulden darunter. Im Gegenteil: Ende Februar diesen Jahres stehen in den USA erneute Auseinandersetzungen über die Anhebung der Schuldengrenze an.

Der Lenkungsausschuss des IWF erhob vor einiger Zeit die Mahnung, ein Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken dürfe nicht zu einer Destabilisierung der Schwellenländer führen. Dagegen müssten umgehend „Schutzmaßnahmen“ eingeführt werden.

Die Federal Reserve (Fed) kaufte zunächst monatlich Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Wert von 85 Milliarden US-Dollar. Sie reduzierte ihre Aufkäufe daraufhin 75 Milliarden US-Dollar. Für Februar 2014 kündigte die Fed eine weitere Reduzierung auf 65 Milliarden US-Dollar an. Dies hat dazu beigetragen, dass Kapitalanleger aus den Schwellenländern flüchteten, um ihr Geld wieder in den USA anzulegen. Sie hoffen dort auf die Erhöhung der Leitzinssätze oder der Zinssätze für US-amerikanische Staatsanleihen.

Eine niedrige Staatsverschuldung, ein starkes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sowie eine wachsende Mittelschicht waren der Grund, weshalb so viel Kapital in den vergangenen fünf Jahren in Schwellenländer wie die Türkei, Brasilien, Indonesien geflossen ist.

Jetzt, da die Kapitalquellen abgeschnitten sind, zeigt sich, dass das Resultat eine Schädigung der Volkswirtschaften sowie einen Ausverkauf ihrer Vermögenswerte nach sich ziehen wird (mehr hier).

Der globale, langfristige Zinssatz bedeutet für die Geldpolitik der Schwellenländer jetzt viel mehr als noch vor einem Jahrzehnt“, erklärt die BIZ in ihrem Arbeitspapier.

Dies steht im Widerspruch zu den weit verbreiteten Behauptungen, die Schwellenländer seien von der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank-Politik nicht betroffen, da sie in der Vergangenheit angeblich mit ihren eigenen Währungen Schulden gemacht und riesige Devisenreserven angehäuft hätten.

Der Bericht der BIZ besagt, dass die Schulden-Emissionen in den Schwellenländern so überhand genommen haben, dass ein „sudden stop“ – also ein plötzliches Anhalten – die Zentralbanken zu erdrücken droht und sich als Gefahr für das globale Finanzsystem entwickeln kann. Die wechselseitigen Auswirkungen von fallenden Wechselkursen und steigenden Zinsen für Staatsanleihen können in einem Teufelskreis enden (hier).

Der beispiellose und unbeschränkte Zugang zu den globalen Kapitalmärkten ermöglichte den Unternehmen in den Schwellenländern, sich mit riesigen Summen bei einem Zinssatz von einem Prozent zu verschulden. Seit 2008 wurde diese Schuldenaufnahme verdoppelt. Sie betragen in den jeweiligen Währungen der Schwellenländer aktuell 9,1 Billionen US-Dollar. Dies sei faustischer Pakt, der die Schwellenländer weitaus mehr verschuldet hat als je zuvor in der Geschichte, so die BIZ.

Doch dies hat auch eine Kehrseite:

Die Forderungen allein aller deutscher Banken an die Schwellenländer belaufen sich nach Statistiken der Deutschen Bundesbank wie folgt: Brasilien 3,4 Milliarden Euro, Russland 16,5 Milliarden Euro, Indien 5,8 Milliarden Euro und China 13,4 Milliarden Euro.

Noch deutlicher sehen die Forderungen der europäischen Banken gegenüber allen Schwellenländern aus. Laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr aus dem August 2013 betragen die gesamten Forderungen aller europäischen Banken – einschließlich vergebener Kredite und Staatsanleihen – an die Schwellenländer 3,40 Billionen US Dollar.

Wenn die sich die Krise in den Schwellenländern verschärft, hat das also direkte Konsequenzen auf europäische und deutsche Banken. 

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/10/crash-gefahr-fed-politik-reisst-schwellenlaender-in-den-abgrund/

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04.02.2014

Droht eine neue Finanzkrise?

Die sieben wichtigsten Fakten zum Dax-Crash

Weltweit rauschen die Börsen in die Tiefe. Anleger retten ihr Geld vor einem möglichen Crash. Ein gefährlicher Schneeball-Effekt droht die Kapitalmärkte zu überrollen. FOCUS Online erklärt das jähe Ende der Anleger-Party.

Die Börsen gehen in die Knie. Der Dax  hat innerhalb von zwei Wochen fast 700 Punkte verloren. Dabei schien ein neuer Rekordstand von 10.000 Punkten Mitte Januar noch zum Greifen nahe. Doch jetzt drückt eine Kettenreaktion die Märkte ins Minus. FOCUS Online nennt die Gründe.

1. Die US-Geldpolitik

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in den vergangenen Monaten damit begonnen, die bisher sehr expansive Geldpolitik zurückzufahren. Zuletzt kürzte sie das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um weitere zehn Milliarden Dollar pro Monat. So steigen die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen und Papiere in US-Dollar werden für Anleger wieder interessanter. Das macht wiederum den Schwellenländern zu schaffen, weil Anleger ihre Gelder von dort abziehen, um sie in den USA anzulegen.

2. Die Wirtschaftsdaten aus China und anderen Schwellenländern

Da durch die neue US-Geldpolitik weniger Kapital in Umlauf kommt, reagieren Schwellenländer wie die Türkei, Indien und Südafrika mit teils drastischen Erhöhungen ihrer Leitzinsen, um eine Abwertung ihrer Währungen zu verhindern. Gleichzeitig ziehen Investoren immer mehr Geld ab, um es in amerikanische Wertpapiere zu investieren. Das Problem: Viele Schwellenländer haben ihren Aufstieg in den vergangenen Jahren auf Pump finanziert. Das wiederum beunruhigt die deutsche Wirtschaft, denn die Schwellenländer sind wichtige Kunden für deutsche Maschinen, Autos und andere industrielle Produkte und Dienstleistungen.

3. Die Erinnerung an 1997

Die jetzige Situation ähnele ein wenig der der Asienkrise 1997, sagt Robert Halver, Chef-Aktienstratege der Baader Bank gegenüber FOCUS Online. Damals führte eine Kapitalflucht aus Asien zu einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise mit drastischen Währungseinbrüchen. „Heute ist aber zumindest der harte Kern der Schwellenländer viel besser gerüstet. Sie haben Leistungsbilanzüberschüsse und Devisenreserven.“

4. Schlechte Wirtschaftsdaten aus den USA

Der jüngste Auslöser für den Kursrutsch war der am Montag veröffentlichte Einkaufsmanager-Index der USA. Die Aussichten der US-Manager sind überraschend schlecht. Sie lagen mit 51,3 Punkten 5,2 Punkte unter dem Ergebnis von Dezember. Analysten hatten mit 56 Punkten gerechnet. Der Index misst die Stimmung der Einkaufsmanager, was wiederum als Indikator für die Wirtschaftsentwicklung in einigen Monaten gewertet werden kann.

5. Die jüngsten Kursgewinne der Anleger

Einen massiven Kurs-Knick wollen momentan die wenigsten Anleger hinnehmen. 2013 war für sie ein  sehr erfolgreiches Jahr, mit einem Plus im Dax von 22 Prozent. Deswegen nehmen viele Investoren jetzt schon beim kleinsten Anzeichen für einen Kursrutsch lieber ihre Gewinne mit, als ein Kursminus auszusitzen – „schon aus Gründen der Verlustminimierung“, betont Börsenexperte Halver: „Das ist ärgerlich, denn die fundamentalen Aussichten in den großen Schwellenländern sind durchaus robust, aber die Massenpsychologie der Börse droht diese Fortschritte nun wieder zu zerstören.“

6. Überbewertung am Aktienmarkt

Die im Dax zusammengefassten Aktien waren und sind bereits relativ teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – das ist der aktuelle Aktienkurs geteilt durch den geschätzten Gewinn je Aktie für das laufende Jahr – bewegt sich in Regionen, die in früheren Börsenphasen kurz vor einem Absturz erreicht wurden. Manche Experten sprechen schon länger von einer Überbewertung. „Die Aktien-Hausse war durch zu viel billiges Geld getrieben, was schon zu einer Überbewertung führen könnte. Aber die fundamentalen Frühindikatoren hatten sich über geldpolitische Hilfe ebenfalls verbessert“, erklärt Halver.

7. Ausblick

Wie geht es jetzt weiter? „Die Fed, die EZB und die japanische Zentralbank müssen jetzt im Sinne einer internationalen Bruderschaft des billigen Geldes stützend eingreifen. Sie müssen klar machen, dass sie mit aller Macht einer weltweiten Deflation entgegen wirken„, mahnt Halver. Mit  Deflation bezeichnen Experten sinkende Preise, die eine Wirtschaft abwürgen können, weil die Verbraucher immer noch günstigere Preise abwarten.

Der Dax könnte nach Halvers Ansicht noch weiter absacken: bis auf 8800 Punkte. Das würde der Experte sogar begrüßen: „Jetzt ist eine Korrektur durchaus gesund. Die Märkte wollen sich austoben, da kann man im Moment mit Vernunft nicht viel machen.“ Eine echte Krise sei der Kursrutsch an den Börsen bisher noch nicht, „aber die internationale Geldpolitik sollte wachsam sein“, mahnt Halver.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/boersenpanik-die-sieben-wichtigsten-fakten-zum-kursrutsch-im-dax_id_3589874.html

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25.01.2014

Pfusch durch Zinsmanipulation: Krisen-Prophet warnt vor scharfem Börsencrash

Ist die Aktien-Aufschwung schon vorbei? Der Dax ist gestern spektakulär in die Tiefe gerauscht. Krisen-Propheten warnen deswegen schon vor dem nächsten Crash. Ein Beleg dafür: Die Amerikaner spekulieren schon wieder hemmungslos auf Pump.

Der Dax  stieg und stieg, die 10.000-Punkte-Marke schien bereits zum Jahresanfang in greifbarer Nähe- doch nach dem gestrigen schwarzen Freitag ist die Stimmung bei den Börsianern getrübt. Der Dax rauschte um fast 2,5 Prozent in die Tiefe – und fiel sogar unter die 9400-Punkte-Marke. Der Grund war die Sorge um die Entwicklung in den Schwellenländern.

Ist die Aktien-Euphorie jetzt also vorbei? Der als „Crashprophet“ bekannt gewordene Börsenexperte Roland Leuschel argumentiert in diese Richtung. Er warnt vor einer scharfen Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten. „Einen Crash kann man nicht auf den Tag genau vorhersagen. Aber die Stunde der Wahrheit naht“, sagte Leuschel im Interview mit der „Welt am Sonntag“.

Das große Pfuschen der Zentralbankbürokraten

Die fast ununterbrochene Rallye des Dax auf mehr als 9700 Punkte habe „keinen realwirtschaftlichen Hintergrund. Ihre einzige Basis ist der weitverbreitete Glaube an die planwirtschaftlichen Fähigkeiten moderner Zentralbankbürokraten, die mit Zinsmanipulationen an der wichtigsten Preisbildung der Märkte überhaupt, der für Geld nämlich, herumpfuschen“, so Leuschel.

Der Dax-Kenner, der schon vor den Börsenabstürzen von 1987 und 2008 gewarnt hatte, verweist auf unterschiedliche Kennziffern, die auf ein baldiges Ende des Aufschwungs an den Aktienmärkten hindeuteten.

Der Anteil der Pessimisten fällt – ein schlechtes Zeichen!

So sei der Anteil der Pessimisten unter den Börsenbriefherausgebern, den die Finanzagentur Investors Intelligence ermittelt, im Dezember auf 14,3 Prozent gefallen, den tiefsten Stand seit Sommer 1987. Wendepunkte an den Märkten werden oft von übergroßem Optimismus begleitet.

Amerikaner spekulieren schon wieder hemmungslos auf Pump

Auch das Volumen der Wertpapierkredite in den USA sei besorgniserregend. Vor dem letzten Börsenabsturz sei für 400 Milliarden Dollar auf Pump spekuliert worden, aktuell liege der Wert bei 420 Milliarden Dollar. Das Spekulieren auf Pump könne einen möglichen Kursrutsch immer weiter verstärken.

Auch die Bewertungen sprächen zurzeit nicht für Aktien. Kennzahlen wie das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis oder das Tobin Q legten eine Überbewertung der Dividendenpapiere von bis zu 70 Prozent nahe. „Die Zeit für Aktien wird kommen“, so Leuschel. „Aber vorher muss sich die Überbewertung abbauen.“

http://www.focus.de/finanzen/boerse/amerikaner-spekulieren-schon-wieder-hemmungslos-pfusch-durch-zinsmanipulation-krisen-prophet-warnt-vor-scharfem-boersencrash_id_3568375.html

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05.12.2013

Investor warnt vor Crash: „Nichts wie raus aus den Märkten!“

Investor Grant Williams rät allen Investoren, die von den Zentralbanken manipulierten Märkte schleunigst zu verlassen und in wirkliche Werte zu investieren: Cash, Gold und Investments wie Ackerland – Investments, die man versteht. Er rechnet mit einem gewaltigen Crash.

Bei der ASFA 2013 Konferenz hat Investor Grant Williams von Vulpinvest eine radikale Bilanz des „billigen Geldes“ gezogen: Weil durch das verantwortungslose Handeln aller Zentralbanken faktisch alle Anlageformen ihre „Werte“ nur über Manipulationen erzielen, rät Williams allen Investoren, so rasch als möglich aus dem System auszusteigen. Er rät vor allem zu Cash, von dem man etwa 60 Prozent haben sollte; synthetische Bonds wie Ackerland oder richtig bewertete Immobilen mit etwa 30 Prozent und 10 Prozent an Gold.

Williams erklärt die Lage in einem exzellenten Vortrag (Video am Ende des Artikels). Er vergleicht die Entwicklung an den Aktienmärkten mit dem Crash der 1930erJahre – und zeigt eine frappierende Ähnlichkeit zur Lage heute.

Daniel Stelter hat das Video auf seinem Blog zusammengefasst: „Wir befinden uns in der dritten großen Blase seit Ende der 1990er Jahre. Tapering – also die Reduktion der Anleihenkäufe der Fed von der derzeitigen Rate von 85 Mrd. US-Dollar pro Monat – wird nicht kommen. Aktien sind auf Höchstständen nur wegen des billigen Geldes, nicht wegen der Fundamentaldaten. Die Wirkung von QE auf Pensionsfonds ist verheerend. QE führt also zu immer größeren ungedeckten Versprechen für die Zukunft.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/12/05/investor-warnt-vor-crash-nichts-wie-raus-aus-den-maerkten/

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29.11.2013

Wo die schwarzen Schwäne lauern – die nächste Krise kommt bestimmt

Überschuldung allerorts
Die schwarzen Schwäne, ein Begriff, der durch N.Talebs Buch populär wurde, sind unerwartete bzw. extrem unwahrscheinliche Ereignisse, mit fatalen Auswirkungen auf die Wirtschaft oder Börse.
Derzeit scheinen die schwarzen Schwäne weitab zu sein, denn das Vertrauen in die Wirtschaft wächst, nicht nur in die der USA, auch in Europa steigt der Optimismus.
Doch die See ist keineswegs so ruhig, wie es scheint.

In den USA warnen Experten vor einem neuen Finanztsunami. Ein gewaltiger Kreditberg aus der Vorkrisenzeit (also vor 2007) droht zusammenzustürzen. Es handelt sich dabei nicht um Hypothekarkredite, sondern um Home-Equity-Loans (HELs), das sind nachrangige Kredite, die mit dem Haus besichert wurden (http://www.mortgageloan.com/ ). Diese Kredite, mit denen man aus der Wertsteigerung der Immobilien profitieren wollte, dienten häufig nur der Finanzierung von Konsumausgaben. Diese Kredite hatten häufig längere tilgungsfreie Perioden, etwa die ersten zehn Jahre und sind oft variabel verzinst. Doch die ersten Raten, die jetzt fällig werden, stellen viele Konsumenten vor Probleme. Sollte gar die FED die Zinsen erhöhen, schaut es noch übler aus. Allein schon deshalb ist eine massive Reduktion der QE-Maßnahmen („Tapering“) unbwahrscheinlich. Das gefährdete Kreditvolumen soll sich allein bei den untersuchten Großbanken auf über 220 Mrd. USD belaufen. Das gesamte Volumen erreichte 2007 rund 600 Mrd. Problemverschärfend: Diese Kredite wurden meist nur dann aufgenommen, wenn die Möglichkeit der normalen Hypothekarkredite bereits ausgereizt war. Zudem: Die Häuserpreise sind noch deutlich unter dem Niveau von damals, als diese Kredite aufgenommen wurden. Selbst bei einem Zwangsverkauf des Hauses dürfte nach Begleichung der Hypothek für den Hauskredit nichts mehr bleiben.

Derzeit etwas in Vergessenheit geraten sind auch die Studienkredite, mit denen sich US-Studenten ihr Studium finanzieren: http://www.foonds.com/ . Diese Kredite haben eine Ausmaß von einer Billion USD, wieviel davon uneinbringlich ist, ist die Kernfrage.

Das sind jedoch nur die schwarzen Schwäne, die in den USA zuhause sind.

Ein Blick nach China lässt es einen ebenfalls kalt über den Rücken laufen. Sind schon die FED, EZB, Bank of England und Bank of Japan dafür bekannt, dass sie ihre Asset durch Gelddrucken massiv aufgebläht haben, jedoch während die Assets dieser vier Zentralbanken zusammen knapp 10 Billionen USD ausmachen, sind die Assets der chinesischen Banken in den letzten 5 Jahren um 15,4 Billionen USD (!) auf 24 Billionen gestiegen (Graphik: http://www.zerohedge.com/ ). Dabei muss man sich vor Augen halten, dass Bank-Assets nichts anderes als Kredite sind, und die drohen gerne uneinbringlich zu werden, vor allem wenn sie bei unrentablen Projekten in den Sand gesetzt wurden. Und davon ist China so voll, dass Spanien mit seinen Hotel- und Wohnruinen noch als kleine Nummer erscheint. Die Geisterstädte in China sind schon berüchtigt und Wohnungen können sich viele Erwerbstätige längst nicht mehr leisten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann diese Blase platzt.

Japan wiederum ist mit 11 Billionen USD bei einer nur 1,5 mal so großen Bevölkerung rund 4 mal so hoch verschuldet wie Deutschland, dazu ist die Bevölkerung stark überaltert. Selbst bei einem Zinssatz von nur 1% verschlingt der Schuldendienst ein Viertel der Steuern. Durch die massive Yen-Abwertung wird die Inflation in Japan durch die Erhöhung der Importpreise stiegen. Anleihezinsen von 1% werden dann nicht mehr tragfähig sein. Wie Japan aus diesem Dilemma kommen kann, ist ebenso nicht erklärlich. http://www.foonds.com/
Man kann daher nur raten, von wo die nächste Krise ihren Anfang nimmt.

http://www.foonds.com/article/29181/fullstory

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27.11.2013

Banken warnen: Der Crash am Aktien-Markt kommt

Wall Street Manager warnen vor einer Überbewertung der Aktienmärkte. Sie sehen Anzeichen für eine Blasenbildung an den Aktien-, Anleihe- und Immobilienmärkten. Die Fed könne unmöglich aus der Politik des billigen Geldes aussteigen, ohne einen Crash auszulösen. China zieht sich bereits aus dem Dollar zurück.

Das Jahr 2013 war bisher ein gutes Jahr für die Wall Street. Der Dow Jones legte 22 Prozent zu, doch die warnenden Stimmen mehren sich, die dieses Wachstum nur auf der Geldpolitik der Federal Reserve Bank (Fed) begründet sehen. Dazu gehören unter anderem Thomas Kee und Peter Schiff.

Thomas Kee, CEO von Stock Traders Daily, warnt vor einer massiven Überbewertung der amerikanischen Börse. Er analysierte das tatsächliche Wachstum des Dow Jones. Dazu fokussierte er sich auf den Dow Industrial Average und errechnete eine durchschnittliche Ertragssteigerung pro Aktie (EPS) von 2,61 Prozent. Dieser würde den 22 Prozent Anstieg des Dow Jones in keinem Fall rechtfertigen. Einziger Grund für den Höhenflug der Börsen sei die Geldschwemme der Fed, sagt Kee in seinem Artikel für CNBC.

Jeder, der Ihnen sagt, der Stimulus der Fed würde den Aktienmarkt nicht direkt beeinflussen, liegt absolut falsch. […] Wenn Sie also in den Dow investieren, gehen Sie sicher, dass Sie wissen, was sie tun. Denn wenn die Musik aufhört zu spielen, wenn Änderungen der Geldpolitik zu einem Ausbleiben von Liquidität führen, dann wollen Sie nicht ohne Stuhl dastehen.“, so Kee.

Peter Schiff, CEO von Euro Pacific Capital, sieht zudem eine „gefährliche kollektive Selbsttäuschung“ an den Finanzmärkten. Er bezieht sich dabei auf die Annahme vieler Investoren, die Federal Reserve Bank (Fed) würde im kommenden Jahr aus ihrem geldpolitischen Programm „Quantitative Easing“ (QE) aussteigen. Schiff hingegen meint, dieser Punkt werde nie kommen. Seiner Meinung nach befindet sich die Fed auf einer „Mission Impossible“ und könne nicht aus dem QE-Programm aussteigen, ohne eine erneute schwere Rezession zu riskieren.

Herdenmentalität kann genauso frustrierend wie unerklärlich sein. Sobald eine Menschenmenge anfängt sich zu bewegen, ist der Schwung alles, was zählt und klare Anzeichen und Warnungen werden häufig komplett ignoriert.“, sagt Schiff in seinem Artikel auf Real Clear Markets.

Im Rahmen der „Quantitativen Lockerung“ kauft die Fed monatlich für 85 Milliarden US-Dollar amerikanische Staatsanleihen und Hypotheken-Papiere auf. Zudem hat sie die Leitzinsen nahe Null gesenkt, was den Geschäftsbanken Zugang zu billigem Zentralbankgeld gewährt. Dabei handelt es sich im Kern um eine Umverteilung hin zu den Großbanken, wie der ehemalige Fed-Banker Andrew Huszar zugab (mehr hier).

Fed-Chef Bernanke hält die Investoren durch vage Äußerungen in dem Glauben, dass der Aufkauf der Staats- und Hypothekenpapiere bald ein Ende haben könnte. Letzte Woche veröffentlichte die Fed erneut ein Sitzungsprotokoll, aus dem manche Investoren eine Reduktion der Anleihekäufe für Dezember oder spätestens März herausgelesen haben wollen. Schiff zufolge sei dort „nicht eine einzige belastbare Aussage enthalten“, die diesen Schluss zulasse.

Geblendet von dieser kollektiven Selbsttäuschung, ignorierten die weltweiten Aktienmärkte dann auch eine weitreichende Aussage der Zentralbank von China.

Es liegt nicht länger im Interesse Chinas, seine Devisen-Reserven aufzustocken.“, sagte Yi Gang, leitender Gouverneur der Zentralbank von China, wie Bloomberg berichtet. China ist mit 3,66 Billionen US-Dollar der größte Halter der amerikanischen Währung und zudem der größte Kreditgeber der USA mit mehr als einer Billion US-Dollar.

Der Hinweis, dass China nicht länger amerikanische Staatsschulden anhäufen könnte, wäre gleichbedeutend mit der „Mutter aller Reduktionen“ und könnte eine klare und gegenwärtige Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft darstellen. Aber die Geschichte war den amerikanischen Medien kaum eine Erwähnung wert.“, so Schiff.

Die Folgen von QE seien überall sichtbar. So zeigten die Aktien-, Anleihe- und Immobilienmärkte schon Anzeichen für eine Blasenbildung. Dennoch deute vieles auf eine Fortsetzung oder sogar eine Verstärkung der bisherigen Geldpolitik hin.

Wenn es zum Thema Reduzierung kommt, bellt die Fed nur, beißt aber nicht. Tatsächlich sagte Dennis Lockhardt, Präsident der Federal Reserve Bank von Atlanta, letzte Woche, dass die Fed ihre Anleihekäufe nicht reduzieren werde, bevor die Wirtschaft nicht bereit dafür sei. Er sollte wissen, dass die Wirtschaft niemals bereit dafür sein wird. Das ist, als würde ein Drogensüchtiger sagen, dass er aufhört Drogen zu nehmen, wenn er sie nicht länger braucht um high zu werden.“, sagt Schiff.

Aber die Märkte verstünden nicht, dass es für die Fed kein Zurück mehr gebe aus der Politik des billigen Geldes. Ihre Selbsttäuschung zeige sich in überbewerteten Aktien für die neuesten Social Media Dienste. Sie zeige sich im Kursverfall von Gold und anderen Inflationsabsicherungen. Und schließlich in der gegenseitigen Ermutigung, die Risiken, die für alle erkennbar sind, einfach zu ignorieren, so Schiff.

Das ist aber nicht ungewöhnlich in der Wirtschaftsgeschichte. Wenn der Spuk vorüber ist und die Märkte sich wieder der Realität annähern, werden wir uns alle am Kopf kratzen und uns fragen wie wir uns nur so verleiten lassen konnten.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/27/banken-warnen-der-crash-am-aktien-markt-kommt/

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30.10.2013

Börsencrash: Finanzbombe auf Explosionskurs

Der deutsche Aktienindex Dax erreichte gestern einen Höchststand von 9.058 Punkten, und der US-Leitindex Dow Jones kratzt wohl bald an der historischen Marke von 16.000 Punkten. Wirtschafts- und Finanzkrise? An den Börsen kein Thema. Beflügelt vom billigen Zentralbankgeld wird spekuliert, als ob es kein Morgen mehr gäbe.

Sicher, viele börsennotierte Unternehmen weisen derzeit vergleichsweise gute Zahlen aus, doch angesichts der geringen Investitionsquote in Europa und den Vereinigten Staaten lebt die Wirtschaft mehr von der Substanz. Börsenwerte und reale Werte sind angesichts der monetären Flut zwei Dinge, die sich voneinander losgekoppelt haben. Die Folgen dafür dürfen wir wohl bald zu spüren bekommen.

Analysten verweisen gerne darauf, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des deutschen Aktienindex Dax nun schon seit rund zehn Jahren tendenziell rückläufig ist und die Aktienkurse mit einem KGV von etwa 13 nicht mit den Höchstständen der 1990er Jahre – damals waren KGV-Werte von 25-30 keine Seltenheit – nicht zu vergleichen wären. Doch das beliebte Bewertungsinstrument misst lediglich das Verhältnis von den Börsenkursen zu den Unternehmensgewinnen. Nachhaltige Unternehmensentwicklung? Nettoinvestitionsquote? Fehlanzeige.

Hinzu kommt die latente Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik der Fed. Zwar dürfte die Geldschwemme noch eine Weile andauern, dennoch könnte die US-Zentralbank den Leitzins wieder anheben. Steigende Zinsen bedeuten jedoch nicht nur eine höhere Attraktivität von festverzinslichen Anlagen, sondern auch teurere Refinanzierungskosten der Unternehmen. Zudem ist vor allem der US-Immobilienmarkt noch lange nicht auf sicheren Beinen. Selbst ein geringer Anstieg bei den Hypothekenzinsen kann eine neuerliche Welle an Kreditausfällen ins Rollen bringen. Mit verheerenden Wirkungen auf die US-Finanzwirtschaft, deren Kollaps massive Folgen für Europa hätte.

Die Liberalisierung der Finanzmärkte machte es möglich, dass Unternehmensaktien nicht mehr nur für langfristige Investitionen genutzt werden, sondern – wie so viele an den Börsen gehandelte Werte – zu Spekulationsobjekten wurden. An den Märkten spielen windige Broker und Spekulanten tagtäglich mit dem Feuer. Angesichts der globalen Vernetzung der Märkte brennt im Falle des Falles jedoch nicht nur das „eigene Haus“ ab, sondern gleich das „globale Dorf“.

Insofern sind die jüngsten Jubelmeldungen der Finanzzeitschriften über die Jagd nach neuen Index-Rekorden beinahe schon so etwas wie ein alkoholschwangerer, gröhlender Mob, welcher dem Rudel Molotow-Cocktail schmeißender Brandstifter obendrein zujubelt. Trotz des Wissens darüber, dass das entfachte Feuer nicht zum Würstchen grillen geeignet ist und bald schon das eigene Haus in Flammen stehen kann. Ihr Marco Maier

http://www.buergerstimme.com/Design2/2013-10/boersencrash-finanzbombe-auf-explosionskurs/

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19.10.2013

Der Fluch der Schattenbanken: Zentralbanker mit düsterer Vorahnung

Der britische Zentralbanker Paul Tucker schlägt ausgerechnet an seinem letzten Arbeitstag bei der Bank of England Alarm: Die Schattenbanken könnten außer Kontrolle geraten und das Weltfinanzsystem gefährden. Er sagt Schattenbanken – und meint womöglich Goldman Sachs. Ein Stück, wie von Shakespeare.

Wer regiert die Banken-Welt?

Schattenbanken machen 50 Prozent des gesamten Weltfinanzmarkts aus. Dennoch werden sie weder beaufsichtigt noch reguliert. Die Regulierungsbehörden überall auf der Welt müssten ihre Aufgaben bei der Überwachung von Hedgefonds und Schattenbanken weiter forcieren, fordert der britische Zentralbanker Paul Tucker.

Paul Tucker?

Es ist sehr interessant, dass Tucker sich an seinem letzten Arbeitstag bei der Bank of England mit einer brisanten Warnung zu Wort meldet.

Ausgerechnet Tucker: Der Zentralbanker war als Kronprinz des scheidenden BOE-Chefs Mervyn King angetreten und als Bettvorleger von Goldman Sachs geendet. Weil Tucker in den Manipulations-Skandal um den Libor verwickelt war, wurde ihm die Krone verwehrt. Er musste seinen vorgewärmten Platz an der Sonne der angelsächsischen Finanzwelt dem ehemaligen kanadischen Notenbank-Gouverneur Mark Carney überlassen.

Mark Carney kommt von Goldman Sachs.

Profiliert sich Tucker bei seinem Abgang als Whistle-Blower? Will er zum Edward Snowden der Finanz-Branche werden? Oder will er sich gar an seinem Rivalen, dem Goldman Carney rächen?

Die Schattenbanken sind der wichtigste Bestandteil des internationalen Finanzsystems. Sie genießen eine privilegierte Behandlung, weil dort die wirklich großen Vermögen verwaltet vermehrt werden.

Zu den Schattenbanken gehören Finanzinstitute, die bankenähnliche Aufgaben übernehmen. So vergeben sie etwa Kredite, ohne selbst eine Banklizenz zu besitzen. Kurzum: Zu den Schattenbankenakteuren gehören jene, die im Kreditgeschäft tätig, aber offiziell keine Banken sind. Unter den Begriff der Schattenbanken fallen sogenannte Geldmarktfonds und auch bestimmte Hedgefonds, Private-Equity-Firmen und Versicherungsgesellschaften. Geldmarktfonds sind identisch mit Investmentfonds, die mit Kurzzeitgeldern wie Termingelder, Kreditverträgen und verzinslichen Wertpapieren mit Laufzeiten unter einem Jahr handeln, ohne den organisierten Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen.

Tatsächlich sind fast alle global agierenden Banken an irgendwelchen Schattenbanken beteiligt.

Allen voran natürlich auch Goldman Sachs.

Die oberste Zentralbank, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat das genehmigt.

Über Schattenbanken läuft die Veredelungs-Maschinerei der internationalen Gelddrucker: Der Derivate-Handel.

Es gibt keine Kontrolle.

Es gibt keine Transparenz.

Schattenbanken sind dazu da, um Risiken zu verstecken. Sie tun das ganz legal – und die Derivate und die dahinter steckenden Vermögen im Crash-Fall als bevorzugte Gläubiger in Sicherheit zu bringen (mehr zu diesem eindrucksvollen Konzept – hier).

Paul Tucker weiß das natürlich alles: Beim Libor-Skandal war er auffällig geworden, weil er angeblich Barclays zur Manipulation angestiftet hatte.

Und ausgerechnet Tucker ruft nun nach der Sitten-Polizei.

Die Regulierungsbehörden überall auf der Welt müssten ihre Aufgaben bei der Überwachung von Hedgefonds und Schattenbanken entschlossen vorantreiben, sagt Tucker in der Financial Times.

Es sei „absolut katastrophal“ wenn die ohnehin wirtschaftliche Fragilität der Banken auch noch durch Schattenbanken und Hedgefonds infrage gestellt würden.

Zudem zog Tucker ausdrücklich eine Parallele zwischen der gegenwärtigen Situation und der letzten Finanzkrise. 2004, nach dem Dotcom-Crash, war die Risikobereitschaft auf der Suche nach hohen Renditen wegen der niedrigen Zinsen enorm gestiegen.

Der Westen ist dabei, die letzte Krise zu reparieren, doch die westliche Welt muss sehr vorsichtig sein, dass sie derzeit nicht noch eine neue Krise braut. Denn das ist genau dasselbe, was im ersten Teil des letzten Jahrzehnts passiert ist“, sagte Tucker im Hinblick auf den Dotcom-Crash, der geradewegs in die Finanzkrise 2007-2009 führte.

Im Juni dieses Jahres hatte die Bank of England vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase in der Geschichte gewarnt. Diese Blase bei den Staatsanleihen sei von den Zentralbanken durch massives Geld-Drucken bewusst aufgeblasen worden. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ließ erst kürzlich vor einer Bedrohung warnen (mehr hier).

Zuletzt hatte auch Ex-US-Finanzminister Henry M. Paulson vor einem neuen Crash gewarnt. Als Grund nannte er unter anderem: „Wir sind den Markt der Schattenbanken nicht angegangen“.

Der globale Schattenbankensektor wird auf etwa 70 Billionen Dollar geschätzt. Nach Angaben von EU-Kommissar Michel Barnier stehen Schattenbanken für rund 50 Prozent des Weltfinanzmarktes.

Deshalb möchte die EU nun, dass die Geldmarktfonds, die ihren Investoren einen garantierten Rückkaufwert für ihre Anteile am Fonds gewähren (CNAV), in Zukunft drei Prozent ihres Kapitalstocks als Puffer bereithalten, berichtet die FAZ.

Dass dies bei weitem nicht ausreicht, kritisiert indessen Sven Giegold, grünes Mitglied im Europaparlament: „Denn die Wertverluste sind in einer schweren Krise ungleich größer als drei Prozent. In einer neuen Krise wären die Geldmarktfonds Brandbeschleuniger.“ Zudem, so bemängelte er, sollen die neuen, von der EU-Kommission angedachten Regeln, erst nach drei Jahren in Kraft treten.

Die Stanford-Finanzprofessorin Anat Admati, eine der heftigsten Kritikerinnen des uferlosen Schulden-Kasinos (hier), nennt eine noch viel realistischere Zahl: Die Banken müssen eigentlich zwischen 20 und 30 Prozent Eigenkapital vorhalten, sagte sie aus Bloomberg TV und in ihrem neuen Buch.

Die Tatsache, dass nun die Zentralbanken und der Ex-Goldman Paulson die Alarmglocke betätigen, deutet auf einen kleinen System-Fehler hin.

Denn selbst, wenn die Banken ihre Risiko-Geschäfte auf die Schattenbanken verlagern und sich amit vorübergehend in Sicherheit wähnen, eines wissen sie nicht: Welche Bank kann es nach Bear Sterns, Lehman, Dexia, HRE als nächste erwischen?

Gut möglich, dass bei der extremen Intransparenz, dem Hochgeschwindigkeits-Trading und der Verflechtung sogar Goldman den Überblick verloren hat.

Das könnte Tucker wissen.

Vielleicht möchte da einer im Fallen seine Todfeinde mitreißen.

In England ist das alles möglich: England hat Shakespeare (Italien die große Oper – hier).

Bei Shakespeare nehmen die Tragödien oft die Ausmaße von regelrechten Massakern an.

Keiner überlebt.

Vieles ist absolut unvorhersehbar, weil alle miteinander verfeindet sind.

Das gilt auch für die Investment-Banken.

Es würde Shakespeare alle Ehre machen, wenn es auch bei dieser Tragödie am Ende den Richtigen Falschen erwischt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/19/der-fluch-der-schattenbanken-zentralbanker-mit-duesterer-vorahnung/

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15.10.2013

Der brutalste Raubzug aller Zeiten: Wie die Banken den Crash planen

Am Dienstag werden die EU-Finanzminister die nächsten Schritte für eine Banken-Union beschließen. Damit ist der Weg frei für die große Selbstzerstörung des Welt-Finanzsystems. Die internationalen Großbanken werden in unvorstellbarer Weise vom Crash profitieren. Bezahlt wird alles von den Bank-Kunden und den Steuerzahlern. Das Unglaubliche dabei: Die weitreichende Enteignung wird vollständig legal erfolgen.

Alle reden vom Crash. Viele reden schon lange von ihm. Aber wird er wirklich kommen?

Er wird.

Doch er wird ganz anders ablaufen wie die meisten sich das vorstellen.

Denn der Crash folgt einem Plan.

Es ist, wie der Dokumentar-Filmer David Malone in einem must read ausführlich erklärt hat, der „Plan B“ der internationalen Groß-Banken – vorzugsweise jener Banken, die eine mächtige Investment-Abteilung führen.

Malone geht davon aus, dass für die Banken zu viel auf dem Spiel steht, als dass sie einfach pokern können: Wer stirbt, wer bleibt übrig? Der Plan ist keine Verschwörung. Der Plan ist eine Art Produkt-Entwicklung der Banken.

Das internationalen Geld-System hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem reinen Spielgeld-System entwickelt: Geld muss nicht mehr von wirklichen Werten hinterlegt sein. Geld muss vor allem von einem hinterlegt sein: Von Papieren, auf denen draufsteht, dass sie Geld wert sind.

Goethes Faust, von Jens Weidmann gerne zitiert, hätte sich die Hände gerieben: Das Geld gebiert immer mehr Geld. Der wahre Wert ist nicht das Gold, mit dem früher einmal, zu Zeiten des Gold-Standards, das Geld von den Zentralbanken hinterlegt werden musste.

Der wahre Wert des internationalen Finanz-Systems ist das Verhältnis von Gläubiger und Schuldner: Geld wird dann etwas wert, wenn es durch viele Hände geht: Mit jeder Transaktion ist nämlich weiteres Geld verbunden – in Form von Zinsen.

Früher wurden Kredite gegen Sicherheiten vergeben: Jeder Hausbesitzer weiß das: Im Grundbuch steht die Bank. Ihr gehört das Haus, in dem er wohnen darf.

In der US-Subprime-Krise haben die Banken den ersten Testlauf gestartet: Sie haben möglichst vielen, die es sich nicht leisten konnten, eingeredet, dass sie ein Eigenheim besitzen müssen. Die Paten für das System waren US-Präsident Bill Clinton und der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Alan Greenspan.

Die Banken haben dann die verschiedenen Kredite so lange gebündelt, bis niemandem mehr klar war, wer von den Schuldnern eigentlich in der Lage sein wird, seine Schulden abzutragen. Diese Bündel nannte man Derivate. Derivate wurden von Warren Buffett als „finanzielle Waffen der Massenvernichtung“ bezeichnet. Denn sie blähten sich zu gigantischen Summen auf. Mit jeder Weitergabe wurden erneut Zinsen und Gebühren berechnet, das Geschäft schien ins Unermessliche zu wachsen.

Damit eine Bank möglichst viele dieser Wert-Bündel kaufen kann, braucht sie viel Geld: Sie verschaffte sich – zu früheren Zeiten – dieses Geld bei anderen Banken. Dies geschieht durch sogenannte „Repos“, oder Rückkauf-Vereinbarungen: Die Bank A verkauft Derivate an die Bank B. Dafür bekommt sie einen Kredit und zahlt diesen Kredit nach kurzer Zeit an Bank B zurück. Sobald sie den Kredit mit Zinsen abgezahlt hat, erhält sie ihr Wertpapier zurück.

Seit den Hochzeiten der US-Immobiliengeschäfte sind die „Repos“ das Lebens-Elexier für die Banken: Die einen bekommen schnell Geld für spekulative Geschäfte, die anderen kassieren die Zinsen.

Das ging so lange gut, bis einige Marktteilnehmer sagten: Wir trauen der anderen Bank nicht mehr. Wir wollen unser Geld zurück. Das hatten die Banken jedoch nicht. Kommt der Ruf nach Rückgabe über Nacht („Margin Call“), dann wird es eng für die Schuldner-Bank: Entweder sie hat genug Geld im Eigenkapital – oder sie ist pleite.

Genau das geschah auch: Bear Stearns und Lehman Brothers brachen wegen genau solcher Repo-Geschäfte zusammen.

Zufall? Pech? Warum Lehman?

Es wird immer deutlicher, dass die Zusammenbrüche keine Zufälle waren.

Sie waren Testläufe.

Als Bear Stearns kollabierte, war JP Morgan Chase der strahlende Sieger.

Bei Lehman profitierten die britische Barclays, die japanische Nomura und Goldman Sachs.

Das Muster wird deutlich: Mit der Idee von Derivaten und Repo-Geschäften haben die Banken das Grundprinzip des Geldes ohne Sicherheiten zur Perfektion gemacht, zu einer Maschine, die aus sich selbst funktioniert.

Die Maschine beruht auf dem Prinzip Schuldner-Gläubiger. Der eine nimmt, der andere gibt. Immer im Kreislauf, immer weiter.

Damit spielen die Banken nicht nur mit dem ihnen anvertrauten Geld.

Sie spielen vor allem gegeneinander. Man muss sich das ganz praktisch vorstellen: In jeder Branche gibt es Wettbewerb. Die Platzhirsche mögen keinen Wettbewerb. Sie wollen die kleinen Player eliminieren und dann als Oligarchen in einem Kartell den Markt beherrschen.

Dieses Spiel gibt es in jedem Markt.

Es ist meist ein harter Kampf, bei dem fast immer kleine und neue Player auf der Strecke bleiben.

Die Banken haben aus dem natürlichen Wettbewerb untereinander ein Killer-Spiel gemacht.

Hier gilt: Live and let die.

Ein Wahnsinns-Spiel. Eine gnadenlose Jagd der Haie. Jeder kann den tödlichen Biss setzen.

Doch bei Haien und Banken gilt: Es siegt immer der Größere.

Malone nennt das Spiel sinngemäß: „Die Maschine, die am Ende zum brutalsten Raubzug aller Zeiten hochgefahren wird“ (Armageddon Looting Machine).

Denn nach dem Lehman-Crash wurde es für die überlebenden Haie erst richtig interessant.

Sie hatten erkannt, dass das Spiel funktioniert. Und sie erkannten, dass man es praktisch risikofrei spielen konnte: Am Ende kam der Steuerzahler und leistete mit Steuergeldern erste Hilfe an den siegreichen Haien. Sie hatten immerhin einige Bisswunden davon getragen.

Too big to fail“: Der große Hai darf nicht sterben. Denn Goldman schickte seinen besten Mann ins Finanzministerium: Hank Paulson wurde der staatlich vereidigte Banken-Retter. Er versprach den Politikern: Ihr bekommt euer Geld zurück, und zwar mit Gewinn. Einzige Bedingung: Das Spiel muss weitergehen. Wir müssen weiter Derivate und Repo-Geschäfte machen dürfen. Dann können wir so viel Geld erschaffen, dass es euer Schaden nicht sein wird.

Ein Angebot, zu dem die Politiker in Washington nicht Nein sagen konnten. Denn sie konnten den Steuerzahlern erklären: Ihr bekommt euer Geld auch zurück, lasst uns nur machen.

Was ein Derivate oder ein Repo-Geschäft ist, versteht ohnehin kein Mensch. Das braucht man nicht zu verbieten.

Doch die Banken verfolgten einen teuflischen Plan, der erstaunlicherweise von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Sie zwangen die Politiker dazu, ihnen die Derivate staatlich zu garantieren. Die Derivate wurden durch mehrere Gesetze zu so genannten „sicheren Häfen“ (safe haven) erklärt: Zu diesem Zweck wurde das Insolvenzrecht für Banken geändert. Safe haven bedeutet in diesem Zusammenhang: Wenn eine Bank auf dem Umweg von Derivaten im Besitz von Wertpapieren ist, dann kann sie diese im Falle einer Pleite des Gegenübers – also des Schuldners – behalten: Das Gesetz ist nichts anderes als eine völlig legale Enteignung. Der unschätzbare Vorteil dieser Regelung: Die Gläubiger-Bank wird bevorzugt behandelt. Während es im klassischen Insolvenzrecht genau eine solche Bevorzugung von Gläubigern nicht geben kann, wurde sie im Fall der Derivate zur Norm erhoben: Die Kunden der Bank, die Steuerbehörden, die normalen Anleihen-Besitzer gehen leer aus – und verlieren ihr Geld.

Der Deal: Derivate werden an Anleger mit vergleichsweise geringen Zinsen verkauft. Das Motto: „Sicheres Investment – niedrige Zinsen“. Weil die Zinsen von den Zentralbanken gegen Null gefahren wurden, wurden die Anleger regelrecht in die Derivate getrieben.

Für die Haie gilt: Wer Derivate hat, gewinnt. Er konfisziert das Eigentum seines Schuldners – und kann es, was es sonst ebenfalls nirgendwo gibt, sofort wieder verkaufen: Das Spiel kann weitergehen.

Nach der Lehman-Pleite erschien es trotz der Zusicherungen der Banken, alle Rettungsgelder zurückzuzahlen, nicht angeraten, weiter die Steuerzahler zur Kasse zu bitten.

Daher ließen die Haie den nächsten Test-Ballon steigen.

Diesmal traf es MF Global.

Anders als Bear Stearns und Lehman, die beide reine Investment-Banken waren, war MF Global eine Bank, die auch Gelder von Kunden verwaltete.

Der Unterschied zwischen einer Investment-Bank und einer Kunden-Bank ist: Die Investment-Bank verzockt nur das Geld anderer Banken oder von Unternehmen oder Großanlegern. Eine Kunden-Bank kann mit dem Geld der normalen Anleger zocken.

Genau das tat Jon Corzine, der Chef von MF Global.

Er war ein Hai unter Haien und tat nichts anderes als die anderen Haie auch.

Doch buchstäblich über Nacht bissen die großen Haie wieder zu.

MF Global meldete „Liquiditäts-Schwierigkeiten“: Die anderen Banken hatten ihm die nötigen Repo-Kredite verweigert.

Das Spiel war aus.

Doch die unglaublichste Frage war: Wo war das Geld hin? Jon Corzine sagte nach der Pleite, er wisse nicht, wo die Milliarden geblieben seien.

Und er hat nicht einmal gelogen.

Denn seine Anleger waren über Nacht enteignet worden: Über die „safe haven“-Regelung waren die Derivate bei anderen Banken gelandet. Sie gehörten nun ihnen. Ganz legal.

1,2 Milliarden Dollar waren verschwunden. Das Geld ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

1,2 Milliarden Dollar sind weg – und keiner wird verhaftet?

Das geht entweder nicht mit rechten Dingen zu oder alles ist nach dem Gesetz abgelaufen.

Dank safe haven ist es nach dem Gesetz abgelaufen.

Es ist nicht zu beweisen, doch die Branche vermutet: Das Geld ist in Form von Derivaten zu JP Morgan gewandert.

Die Anleger wurde völlig legal enteignet.

1,2 Milliarden Dollar sind weg – und sie kommen auch nicht wieder.

MF Global wurde von den großen Haien zu Tode gebissen.

Schon nach Lehman, aber noch viel mehr nach MF Global, bekamen es die kleinen Haie daher mit der Angst zu tun. Sie wollten aus dem verdammten Repo-Spiel aussteigen.

Technisch beschreibt das der inzwischen an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgestiegene Goldman-Investment-Banker Mario Draghi in der ihm eigenen, etwas gelangweilten Art bei jeder der Pressekonferenzen der EZB mit den Worten: „Wir haben festgestellt, dass der Interbanken-Markt nicht funktioniert. Die Banken leihen einander kein Geld mehr.“

Draghi beklagt bei denselben Pressekonferenzen in schöner Regelmäßigkeit, dass die Banken auch der „Realwirtschaft“ nichts mehr leihen.

Das ist Teil des Systems: Die Realwirtschaft ist den Banken völlig gleichgültig. Sie brauchen ihr Geld für das große Spiel mit der Derivaten: Nach der Häuser-Krise waren die Banken unglaublich kreativ im Erfinden neuer Derivate: Studenten-Kredite, Gold, Rohstoffe, Lebensmittel, Unternehmen (sogenannte Asset Backed Securities, eine Spezialität von Jörg Asmussen) wurden erschaffen – und über die die große Armageddon-Maschine von Schulden und Krediten weiter mit Profit umgewälzt.

Das Geld kommt nicht in die reale Welt – weshalb es auch keine Inflation gibt. Das wird von der EZB stets als großer Erfolg vermeldet.

Kein Wunder: Das Geld darf den geschlossenen Kreislauf nicht verlassen.

Der Ausfall des Interbanken-Marktes führte dazu, dass die Zentralbanken einschritten: Sie übernahmen die Finanzierung für die im Becken mit ihren Zähnen bleckenden Haie.

Mit dem Fall von MF Global waren erstmals richtige Anleger enteignet worden. Mit dem Geld-Drucken der EZB und aller anderen Zentralbanken wurden nun die Steuerzahler ins Boot geholt: Sie mussten die Sicherheiten liefern, die der Markt nicht mehr hatte. Die Fed kauft monatlich US-Staatsanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar. Im ESM lagern 700 Milliarden Euro vom europäischen Steuerzahler. Die Banken kauften Staatsanleihen und hielten ruhig, als die europäische Staatsschulden-Krise außer Kontrolle zu geraten drohte.

Die Finanzhaie beißen die Hände nicht, die sie füttern.

Mit den Derivaten waren die Banken wegen der Gläubiger-Bevorzugung auf der sicheren Seite: Wann immer ein Konkurrent ins Gras beißt, gehen seine Gegner mit einem satten Profit nach Hause.

Auch die EU hatte, wie der Amsterdamer Rechtsprofessor Perotti schreibt, im Derivaten-Poker nachgezogen: Durch zwei klammheimlich verabschiedete EU-Direktiven haben die Derivaten-Besitzer heute auch in Europa bevorzugten Gläubiger-Status im Fall einer Banken-Pleite.

Daher konnte die nächste Etappe des Experiment des brutalsten Raubzugs aller Zeiten gestartet werden: In Zypern kam es erstmals zu einer Zwangsabgabe bei ungesicherten Einlagen (Bail-In). Die EU erklärte wenig später die strukturelle Enteignung von Bank-Kunden und ungesicherten Einlegern sowie Anleihe-Besitzern für die „Blaupause“ für künftige Banken-Pleiten.

Die Derivate-Besitzer sind davon nicht betroffen: Sie sind die super-bevorzugten Gläubiger, die immer gewinnen.

Um der Öffentlichkeit jedoch den Anschein zu vermitteln, dass alle Beteiligten aus der Finanzkrise 2008 gelernt hätten, warf die EU nun – etwas zeitverzögert zu den USA – eine riesige Nebelkerze ins staunende und zu Recht zunehmend verunsicherte Publikum: Sie führte die Banken-Regulierung ein.

Die Anwältin und Finanzmarkt-Kritikerin Ellen Brown erläutert auf ihrem äußerst lesenswerten Blog, warum die Banken-Regulierung eine der raffiniertesten Täuschungen der Anleger und Steuerzahler ist: Das Derivate-Geschäft wurde klammheimlich auf ein Parallel-Universum verlagert: Auf die Schattenbanken. Dieser umfasst nach Reuters-Schätzungen einen Markt von 60 Billionen Dollar. Die Haie in diesem Becken sind genau dieselben Banken, die sich bei hellem Tageslicht mit geheucheltem Schmerz regulieren lassen.

Sie kämpfen ihren finalen Kampf jedoch im Schattenbank-System weiter: Über Hedge Fonds, Private Equity Gesellschaften und sonstigen kreativen Vehikel, die dazu dienen, dass die Risiken verschleiert und die offiziellen Bilanzen der regulären Banken aussehen sollen wie eine Menü-Folge beim Konfirmations-Essen.

Das alles geschieht mit der ausdrücklichen Zustimmung der mächtigsten Bank der Welt, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Der stellvertretende Generaldirektor der BIZ, Hervé Hannoun, hat den Banken dazu ganz offiziell den Segen erteilt.

Wenn die Finanzminister der Euro-Zone also am Dienstag mit großem Pathos verkünden werden, dass die Banken-Union auf einem guten Weg ist, bedeutet dies in Wahrheit: Der Endkampf der Haie um Europa hat begonnen. Es wird Banken-Pleiten geben, sorgfältig orchestriert von sogenannten „Stress-Tests“ der offiziellen Banken.

Der Crash, der sich daraus ergeben wird, wird in Etappen verlaufen: Es wird immer nach den Mustern Bear Stearns, Lehman oder Dexia gehen, jener belgisch-französischen Bank, die wenige Monate, nachdem ihr die Europäische Bankenaufsicht EBA in einem „Stress-Test“ die Bestnote erteilte hatte, über dieselben Repo-Geschäfte zu Fall kam wie die US-Institute.

Das Bemerkenswerteste an dem Prozess ist, dass diejenigen, die am Ende vollständig enteignet werden, davon noch gar nichts wissen: Es werden die Steuerzahler, Aktionäre, Sparer und Bank-Kunden sein. Denn sie werden von jeder Banken-Pleite überrascht werden. Wenn sie es merken und zu den Bankomaten oder den Bank-Schaltern laufen, wird das Geld genauso weg sein wie bei MF Global: Nicht einmal die Bankdirektoren werden den Sparern sagen können, wo die Ersparnisse geblieben sind.

Es wird ein Bank-Run ins Leere.

Das Geld wird dann bereits schon, völlig legal, Eigentum der Derivate-Inhaber sein, die die Gelder als Sicherheiten behalten und weiterverwerten werden.

Dagegen kann man klagen, wie die HSBC gegen MF Global.

Doch das hilft gar nichts: Bei Enteignungen gilt die historische Erfahrung, dass der, der das Geld wirklich hat, in einer unvergleichlich besseren Position ist als der, dem es eigentlich gehört.

Weil im Derivaten-Kasino während einer Banken-Pleite weitergespielt wird, werden die ratlosen Steuerzahler, Sparer und Aktionäre nicht einmal erfahren, wo ihr Geld ist.

Es gehört schon wieder anderen.

Wann das alles geschehen wird?

Die Stunde kennt niemand.

Doch Malone schreibt: „Der Plan B der Banken ist nicht nur ein Plan, um die verwundbaren Banken in schwachen Nationen auszurauben. Es ist auch ein Plan, die Nationen selbst auszurauben. Und der Raubzug wird nicht Monate und nicht einmal Tage dauern. Er kann in Stunden, wenn nicht sogar in Minuten durchgezogen werden.“

Die Positionen sind bezogen. Die Rechtslage ist eindeutig: Kein einziger Banker wird sich bei der großen Enteignung einer Gesetzes-Verletzung schuldig machen.

Was jetzt noch fehlt, ist das Crash-Ereignis, dass die Banken brauchen, um einen Wettbewerber abzuschießen. Es wird vermutlich nicht den einen großen Crash geben, der alles zerstört, sondern viele kleine Crashs.

Über einige wird in den Medien kaum berichtet.

Wer kennt in Deutschland schon MF Global?

Für jeden Crash wird es jedoch einen Auslöser geben, der, scheinbar zufällig, das Signal zum Zubeißen für die Haie ist.

Früher nannte man das den Schwarzen Schwan.

Der wird diesmal auf Befehl kommen.

Er kann in Peking aufziehen, oder in Washington.

Es kann ein großer Schwan sein, oder viele kleine in den kommenden Jahren? Wann stürzt welche Bank? Welches Institut ist im Zuge der Konsolidierung wann an der Reihe?

Wann beißen die großen Haie das nächste Mal zu?

Es wird viele Verlierer geben beim großen Fressen.

Es wird einige grandiose Sieger geben.

Die Positionen sind bezogen.

Live and let die.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/15/der-brutalste-raubzug-aller-zeiten-wie-die-banken-den-crash-planen/

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29.09.2013

Blackstone warnt vor weltweiter Kredit-Blase

Eine der größten Investmentfirmen der Welt hält das globale Finanzsystem für überschuldet. Die hohen Bewertungen von Anleihen und Aktien könnten nicht aufrechterhalten werden.

Die US-Investmentfirma Blackstone warnt davor, dass die Bewertung von Finanzwerten aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dies werde nicht so bleiben.

Wir sind meines Erachtens mitten in einer unglaublichen Kreditblase“, zitiert CNBC den weltweiten Chef der Private-Equity-Abteilung von Blackstone, Joseph Baratta. So etwas habe er in seiner Karriere noch nicht gesehen. Der Preis für eine hochverzinste Anleihe sei im Verhältnis zu den Erträgen so niedrig niemals zuvor.

Blackstone ist eine der größten Investmentfirmen der Welt. Sie managt privaten Aktienbesitz im Umfang von 53 Milliarden Euro und insgesamt 230 Milliarden Euro.

Blackstone rechne mit einem Wirtschaftswachstum in den USA von 1 bis 3 Prozent. Doch „die Bewertungen, die wir bezahlen müssen im Vergleich zu den Wachstumsaussichten, sind derzeit aus dem Gleichgewicht“, so Baratta. Die hohen Bewertungen vieler Unternehmen machten es ihnen schwerer zu wachsen.

Baratta erwartet, dass die Kreditblase platzen wird. Zinssätze, Kreditaufschläge und die Preis für Unternehmensanleihen würden wieder zu normalen Werten zurückkehren.

Auch der frühere Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, warnte kürzlich vor einer enormen, weltweiten Kreditblase. Die aktuelle Lage sei wesentlich gefährlicher als vor der Lehman-Insolvenz (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/29/blackstone-warnt-vor-weltweiter-kredit-blase

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22.09.2013

„Das ganze System kann zusammenbrechen“

Der Schuldenstand der G 20 ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Der Ökonom William White fürchtet, das ganze System könnte nun zusammenbrechen. Schuld, sagt er, hätten die Zentralbanken.

Der Dax erklimmt neue Rekordstände, die Euro-Zone arbeitet sich aus der Rezession und die Arbeitslosigkeit hierzulande sinkt weiter. In der Wirtschaft scheint es wieder rund zu laufen. Es ist ein Spätsommer des Optimismus – es könnte aber auch die Ruhe vor dem Sturm sein.

Denn es mehren sich die Stimmen derer, die warnen, dass die derzeitige Erholung auf einem ausgesprochen wackligen Fundament steht: Auf Milliarden von Euro, Dollar und Yen, die von den Notenbanken der reichen Welt seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren in die Banken gepumpt wurden.

Zu den lautesten Warnern gehört William White. Der damalige Chef-Volkswirt der mächtigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken, hatte die große Finanzkrise bereits lange vor ihrem Ausbruch vorhergesagt.

„Das ganze System kann zusammenbrechen“

Heute berät White die OECD und warnt vor einer dramatischen Schieflage des weltweiten Finanzsystems. Die Situation sei sogar noch schlimmer als vor dem Zusammenbruch von Lehman. „Die Verschuldung in den G 20, ist heute um 30 Prozent höher als 2007, vor dem Beginn der Finanzkrise“, warnt White. „Es ist kaum vorstellbar, dass all diese Schulden bedient und zurückgezahlt werden. Das ganze System kann unter dieser praktisch untragbaren Schuldenlast zusammenbrechen.“ Mit verantwortlich dafür seien die Zentralbanken mit ihrer ultra-lockeren Geldpolitik.

Whites ehemaliger Arbeitgeber, die BIZ hatte jüngst in ihrem Vierteljahresbericht gewarnt, dass das viele billige Geld und die niedrigen Zinsen in Europa und Nordamerika viele Investoren in riskante Anlagen drängen. „Das Phänomen erinnert an die Situation vor der Finanzkrise“, warnt die Bank in dem Bericht.

„Mir macht Sorgen, das gerade aus vielen Ecken des weltweiten Finanzsystems Warnsignale kommen. Die nächste Krise dürfte eine besonders schwere werden“, sagt White.

Trichet sieht Europa auf gutem Weg

Auch die ruhige Phase in der Euro-Zone sei nicht mehr als eine Verschnaufpause. „Ein unvorhergesehenes Ereignis kann dafür sorgen, dass die Krise wieder aufflammt und wenn man bedenkt wie wackelig das Fundament ist, könnten die Konsequenzen weit schlimmer sein, als viele erwarten“, warnt White.

Jean-Claude Trichet, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) widerspricht dieser Sichtweise scharf: „Die Wahrscheinlichkeit einer katastrophale Krise in Europa ist heute viel geringer als im Mai 2008, im August 2010 oder Mitte 2012“, sagt Trichet der „Welt am Sonntag“.

„Die Krisenländer haben seitdem ihre Volkswirtschaften in großem Maße ins Gleichgewicht gebracht, und ihre Leistungsbilanzen sehen heute viel besser aus als damals. Die Haushalts- und Wirtschaftspolitik auf europäischer Ebene wurde erheblich verbessert, und die europäischen Regierungen und Parlamente haben einem Auseinanderbrechen der Eurozone eine Absage erteilt.“

Snower hält Finanzsystem für immer noch instabil

Aber auch Trichet warnt: „Jetzt ist nicht die Zeit für Selbstgefälligkeit. Was beschlossen wurde, muss energisch umgesetzt werden und es muss noch mehr getan werden.“ Die Entwicklungen der vergangenen Wochen geben den Mahnern Recht: Nach Turbulenzen auf den Märkten der Schwellenländern, hat die Federal Reserve zunächst trotz entsprechender Ankündigung darauf verzichtet künftig weniger Anleihen aufzukaufen.

„Dass die Fed zunächst unvermindert weiter Anleihen aufkauft, zeigt, wie instabil das Finanzsystem immer noch ist“, mahnt Dennis Snower, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. „Wir leben weiterhin mit der Gefahr, dass systemrelevante Banken und Schattenbanken mit Hilfe des ultra-billigen Geldes riskante Geschäfte machen, für die letztlich der Steuerzahler gerade stehen muss. Wenn sich an dieser Situation nichts ändert, kann die Krise immer wieder ausbrechen.“

Snower fürchtet, dass die Inflation rapide steigen wird, wenn EZB, Fed und anderen Notenbanken es nicht schaffen, ihre Geldschleusen zu schließen. „Wenn klar wird, dass die Zentralbanken die Inflation nicht bekämpfen können, weil sie sonst eine neue Krise riskieren, verlieren Unternehmen und Privatleute das Vertrauen in die Geldpolitik, rechnen mit höhere Inflation und das wird die Inflationsraten in ungesunde Höhen treiben“, warnt Snower.

Trichet lobt Deutschland für Reformen

Davor warnt auch Ex-Notenbankchef Trichet: „Es ist gefährlich für eine Zentralbank sich bedingungslos darauf zu verpflichten, die Zinsen für lange Zeit nicht zu verändern. Die Zentralbanken entwaffnen sich damit selbst.“

Gegenwärtig sieht Trichet diese Gefahr aber noch nicht: Die Notenbanken, die stabile Zinsen in Aussicht stellten, würden das von niedrigen Inflationserwartungen abhängig machen. „Das ist unabdingbar.“

Ohnehin, sagt Trichet, bestimmten nicht allein die Notenbanker den Kurs der Weltwirtschaft sondern auch die Politik. „Politiker sind nicht dumm. Deutsche Politiker haben das bewiesen“, sagt Trichet.

„Ihr Land hat die richtigen Reformen über eine längere Zeit durchgeführt. Das, zusammen mit einer dauerhaften Lohnzurückhaltung ist der Grund, warum Deutschland heute so wettbewerbsfähig ist.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article120250576/Das-ganze-System-kann-zusammenbrechen.html

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19.09.2013

BIZ: Die mächtigste Bank der Welt kündigt den Crash an

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bezeichnet die aktuelle Lage auf den Finanzmärkten als noch schlechter als vor der Lehman-Insolvenz. Die Warnung der BIZ könnte der Grund sein, warum die US-Notenbank entschied, weiter unbegrenzt Geld zu drucken: Die Zentralbanken haben die Kontrolle über die Schulden-Flut verloren und geben auf.

Die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, weiter unbegrenzt Geld zu drucken (hier) könnte auf „Befehl von oben“ gefallen sein.

Offenbar dämmert den Zentralbanken, dass es eng wird.

Sehr eng.

Die mächtigste Bank der Welt, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat in ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichten Quartals-Bericht das mögliche Ende der Geldschwemme direkt angesprochen – und gleichzeitig die Lage auf den Schulden-Märkten als äußerst kritisch beschrieben. Die „außergewöhnlichen Maßnahmen der Zentralbanken“ – aka das hemmungslose Drucken – hätten auf den Märkten die Illusion geweckt, dass die massiv in den Markt gepumpte Liquidität die fundamentalen Probleme lösen könnte (mehr zu den gewaltig angestiegenen Schulden – hier).

Diese klaren Worte dürften dazu geführt haben, dass Ben Bernanke und der Offenmarkt-Ausschuss der Fed kalte Füße bekommen haben. Statt wie erwartet, das Ende der Geldschwemme nun auch formell anzukündigen, hat sich die Fed entschlossen, einfach weiterzumachen wie bisher.

Wenn man den BIZ-Experten glauben darf, wird damit kein einziges Problem gelöst.

Alle Probleme werden nur noch größer.

Weil die BIZ offenbar jedoch selbst nicht weiß, wie sie den Geist wieder in die Flasche bekommt, lohnt es sich, jenen zuzuhören, die Teil des Systems waren – nun aber keine offiziellen Funktionen mehr haben und daher klare Worte finden können.

Der frühere Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, hat sich parallel zur BIZ ebenfalls zu Wort gemeldet.

Seine Aussagen sind nicht mehr und nicht weniger als ein Ankündigung des großen Crashs.

White warnt in ungewöhnlich deutlicher Form vor einer enormen, weltweiten Kreditblase.

Der Anteil der „leveraged loans“ oder die extreme Form des Kreditrisikos lagen Mitte 2013 bei einem Allzeithoch von 45 Prozent. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2007. Ein Jahr später, im September 2008 gingen Lehman Brothers pleite.

Demnach ist die aktuelle Lage wesentlich gefährlicher als vor der Lehman-Insolvenz.

Alle vorherigen Ungleichgewichte sind immer noch da. Insgesamt liegt die öffentliche und private Verschuldung bei 30 Prozentpunkten, gemessen am Anteil des Bruttosozialprodukts der Industrieländer. Und wir haben ein ganz neues Problem mit Blasen in den Schwellenländern, die in einem Boom-Bust-Zyklus enden werden“, schreibt William White im britischen Telegraph.

Ursache sei die weltweite Jagd auf risikoreiche Finanzprodukte. Das kollektive Verhalten erinnere an das Phänomen der „Überschwänglichkeit“, die in die globale Finanzkrise führte.

Entscheidend sei, so warnt White, dass niemand wisse, wie hoch die globalen Fremdkapitalkosten steigen, ob die US-Notenbank ihre Geldpolitik verschärft, oder „wie ungeordnet der Prozess möglicherweise ist und die Herausforderungen vorbereitet werden soll.“

Dies bedeutet: Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Markt unter Stress liquide bleiben würde. Die BIZ ist schon seit längerem über die außer Kontrolle geratene Entwicklung besorgt, erst vor wenigen Monaten hatte BIZ-Chef Jaime Caruana vor einer schweren Krise gewarnt (hier).

Bemerkenswerter Weise kritisierte die BIZ, die auch gerne als Bank der Zentralbanken beschrieben wird, die offenkundig unzureichenden Aktionen der Zentralbanken. Namentlich nahm sich die BIZ den Gouverneur der Bank of England, Mark Carney und seinen Amtskollegen, EZB-Chef Mario Draghi, vor.

Der Versuch, bestimmte „Richtlinien“ („forward guidance“) zu definieren, um langfristig die Zinsen für Staatsanleihen niedrig zu halten, sei allein Rhetorik, die im Wesentlichen versagte. „Es gibt Grenzen dafür, wie weit die gute Kommunikation Märkte steuern können. Diese Grenzen sind allzu offensichtlich“, sagte Claudio Borio, zuständig für Forschung und Entwicklung bei der BIZ. Die Richtlinien der EZB bestehen in der Ankündigung, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen (OMT). Die Fed und die Bank of England hatten ihre Maßnahmen an die Arbeitslosenzahl gekopppelt.

Bereits im Jahresbericht 2012/2013 hielt die BIZ die Schuldentragfähigkeit der Industrieländer als desolat und pochte auf einen schnellen Schuldenabbau.

Zu welchen Konsequenzen es führt, wenn die Industriestaaten den Schuldenabbau nicht in den Griff bekommen, wird am Beispiel der USA klar: Vorausgesetzt, das Rendit-Niveau der US-Staatsanleihen wächst über die gesamte Laufzeit um drei Prozent an, so müssten Investoren dieser Staatsanleihen einen Verlust von über einer Billion US-Dollar in Kauf nehmen.

In Italien, Frankreich, Großbritannien und Japan würden in diesem Fall die Verluste etwa zwischen 15 und 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, warnte die BIZ bereits im August dieses Jahres.

Eine weitere Folge sei, dass Zentralbanken und Banken mit großen Beständen an US-Staatsanleihen zu den am meisten Geschädigten gehörten. Sie wären damit insolvent.

Bisher war es nützlich, Vorhersagen der BIZ ernst zu nehmen. Die BIZ hatte vor sechs Jahren auf das Eintreten der globalen Finanzkrise und auf die damit verbundenen Gefahren hingewiesen.

Ende vergangenen Jahres warnte auch Kaushik Basu, Chefökonom der Weltbank: „Eine Schuldenwand kommt auf uns zu“.

Er bezog sich damit auf die von der EZB den Banken zur Verfügung gestellten rund eine Billion Euro LTRO (longer-term refinancing operations). Ziel der EZB war, damit einen „Transmissionsriemen der Geldpolitik“ herzustellen, der vor allem den kleinen und mittleren Unternehmen in Südeuropa zugutekäme und somit die Eurokrise zu stoppen.

Dabei handelt es sich um Kredite für die Banken mit einer dreijährigen Laufzeit, die jeweils Ende 2014 und Anfang 2015 zur Rückzahlung fällig werden. Ob dies gewährleistet ist, in welcher Höhe die Kredite von den Banken in Anspruch genommen wurden und wie und ob sie an die EZB zurückgezahlt werden, ist vollkommen intransparent.

Der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu, sprach in diesem Zusammenhang davon, dass man in den Jahren 2014 und 2015 mit einer „weiteren großen Erschütterung“ für die Weltwirtschaft rechnen müsse.

BIZ und Weltbank sind die zentralen globalen Instanzen, die über die wirtschaftliche Entwicklung der Welt bestimmen (mehr zu diesem gespenstischen Geflecht – hier). Beide Banken haben, gemeinsam mit dem IWF, theoretisch die Aufgabe, die Zentralbanken zu beaufsichtigen.

Tatsächlich besteht das Personal in den Zentralbanken jedoch aus einer Kombination von Wirtschafts-Wissenschaftlern und Investment-Bankern, namentlich von Goldman Sachs: Draghi und Carney kommen von Goldman. Bernanke arbeitete für Harvard, Stanford und Princeton.

Wissenschaftler und Investment-Banker haben in der Regel wenig Ahnung von der realen Wirtschaft. Die einen sind der Theorie verpflichtet, die anderen den handfesten Interessen der elitären Welt der Investment-Banken. Sie haben niemals auch nur einen Tag wie normale Menschen gearbeitet, sagt der Investor Marc Faber.

Mit der ungebremsten Geldschwemme kommt der giftige Cocktail aus wissenschaftlicher Theorie und Dauer-Party für die Spekulanten nun an seinem Bodensatz angelangt.

Der Tagesanzeiger aus Zürich glaubt, dass Bernanke und seine Kollegen durch das Gelddrucken „eine weltweite Depression verhindert“ hätten.

Aber:

Es ist ihnen aber nicht gelungen, damit eine nachhaltige Erholung der realen Wirtschaft zu bewerkstelligen. Zudem hat die unkonventionelle Geldpolitik ihren Preis. Die damit verbundene Geldflut gefährdet das Vertrauen der Menschen in die Währungen. Obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Teuerung ansteigt, nimmt die Angst vor Inflation zu. Der politische Druck auf die Notenbanken, die Geldschleusen wieder zu schließen, ist daher sehr groß geworden.“

Das Problem: Die Zentralbanken haben vor dem Schließen der Schleusen offenbar noch mehr Angst aus vor dem vermeintlich sicheren „Weiter so!“.

Die FT kam kürzlich zu einer radikalen Schlussfolgerung: „Die Zentralbanken haben die Hoffnung aufgegeben, dass sie das Weltfinanz-System wieder in Ordnung bringen können.“ Vom jährlichen Treffen der Fed in Kansas nahm die Zeitung das Fazit mit: „Die Welt ist zu einem endlosen Zyklus von Blasen, finanziellen Krisen und Währungs-Kollapsen verdammt.“ Die Zentralbanken hätten keine Werkzeuge, um die globalen Ungleichgewichte auszubalancieren.

Hélène Rey von der London Business School hat in einem Arbeitspapier für Jackson Hole die Folgen als „hoffnungslos“ beschrieben: Die Zentralbanken könnten nicht mehr steuern, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt. In einem von der Geldschwemme der Fed ausgelösten globalen Kredit-System seien die Kapitalflüsse nicht mehr zu kontrollieren. Selbst bei flexiblen Wechselkursen verlieren die Staaten der Welt die Möglichkeit, Herren über ihr eigenes Schicksal zu sein. Die einzige Lösungen, von der Rey nicht erwartet, dass die Welt sie akzeptieren würde, wäre die Verhängung von weltweiten Kapitalverkehrskontrollen oder die totale Kontrolle der US-Notenbank über die Weltwirtschaft.

Es wäre illegal, wenn die Fed ihre Politik auf die Entwicklungen in anderen Staaten abstellen würde.

Doch auch alle anderen Lösungen sind unwahrscheinlich: Es gibt massive Widerstände gegen die freiwillige Rückkehr zum Gold-Standard. Die Einführung von strengen Kapitalverkehrskontrollen, strenge Regulierung der Banken und ein Verzicht der Politik in aller Welt auf das Schuldenmachen, wie von Rey vorgeschlagen, werden in der Praxis nicht stattfinden. Das Scheitern der Finanztraktionssteuer (hier) und des Verbots des Short-Sellings (hier) zeigen: Die Entwicklung ist aus dem Ruder gelaufen.

Die BIZ weiß das und bereitet die Märkte auf das Schlimmste vor.

Die aktuelle Entscheidung der Fed zum weiteren Gelddrucken ist daher nichts anderes als der Befehl „Schotten dicht!“, und somit die Rückkehr zum Primat der nationalen Interessen Amerikas.

Was diese Entscheidung weltweit auslösen wird, können die Amerikaner nicht mehr beeinflussen.

Ab jetzt gelten folgende Losungen: Jeder ist sich jeder selbst der Nächste! Rette sich, wer kann! Frauen, Kinder und Banker zuerst! Mehr Öl ins Feuer!

Wir haben nun das Eingeständnis der Zentralbanken, dass sie den Schulden-Tsunami nicht mehr stoppen können.

Sie versuchen nur noch eines: Einen Zustand zu erreichen, bei dem sie noch sagen können: „Nach uns die Sintflut!“

Gerade dieses Rennen aber wird eng, verdammt eng.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/19/biz-die-maechtigste-bank-der-welt-kuendigt-den-crash-an/

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04.09.2013

Erschreckende Parallelen zum „Flash-Crash“ 1987:

Börsen-Profis fürchten neuen „Schwarzen Montag“

Am 19. Oktober 1987 brach der US-Aktienmarkt um fast 23 Prozent ein. Immer mehr Börsenexperten sehen jetzt einen neuen „Schwarzen Montag“ kommen. Denn die Lage an den Märkten weist beängstigende Parallelen auf.

Der „Schwarze Montag“ 1987 war ein Kursmassaker von historischem Ausmaß. Niemals zuvor war der Dow-Jones-Index an einem einzigen Tag so stark eingebrochen. Die Investoren traf der Kursrutsch völlig überraschend. Denn in den Wochen zuvor lief der Handel ganz normal. Der Crash kam in einer freundlichen Marktphase – und buchstäblich aus dem Nichts.Die US-Wirtschaft hatte allerdings durchaus ein paar Probleme, die die Investoren hätten stutzig machen müssen. Beunruhigend war etwa das ausufernde Handelsbilanz-Defizit, das die Vereinigten Staaten plagte. Daneben stieg die Inflation an. Und die Notenbank hatte eben erst den Leitzins angehoben.Vor allem die Parallele beim Leitzins lässt die Crash-Propheten derzeit hellhörig werden. Damals wie heute machte die Notenbank eine Kehrtwende. Und damals wie heute waren die Börsen im Vorfeld markant gestiegen. In den zwei Jahren vor 1987 hatte sich der Dow-Jones-Kurs verdoppelt.

Aktuell läuft an der Wallstreet wieder eine Kurs-Rallye, die sogar schon mehr als vier Jahre anhält.

Dr. Doom erwartet Kursrutsch

Viel Gehör finden zurzeit die düsteren Prognosen von Marc Faber. Der Börsen-Guru, der wegen seiner scharfen Warnungen auch „Dr. Doom“ genannt wird , sieht sich stark an die Situation von 1987 erinnert. Damals, so Faber, habe es eine starke Rallye gegeben, die Unternehmensgewinne seien aber nicht mehr so stark gestiegen.

Der Aktienmarkt“, erklärt Faber, „war 1987 wieder überkauft.“ Heute sei die Konstellation ähnlich. Alarmierend sei aktuell auch die Zahl der Aktien, die auf neue Jahreshöchststände geklettert sein. Dr. Doom ist überzeugt: Der US-Aktienmarkt kann demnächst um 20 Prozent und mehr fallen.

Marktzusammenbruch und Gold-Rallye

Noch finsterer fällt das Bild aus, das Albert Edwards von der Société Générale zeichnet. Der Analyst erwartet, dass der amerikanische S&P-500-Index bis auf 450 Punkte absackt. Das wäre ein Kursrutsch um mehr als zwei Drittel gemessen am aktuellen Stand. Im Gegenzug soll Gold als Krisenwährung auf 10 000 Dollar je Unze nach oben schießen. Aktueller Kurs: 1401 Dollar.

Auch Edwards zieht den Schwarzen Montag von 1987 als Blaupause heran.

Wie heute habe die US-Notenbank seinerzeit die Geldpolitik ändern müssen. Zuvor seien die Kapitalmärkte mit billigem Geld geflutet worden, das aber nicht in der Realwirtschaft angekommen sei. Aktuell nehme die Risiko-Bereitschaft der Anleger wieder stark ab, und die Währungen der Schwellenländer befänden sich im freien Fall. Warnt Edwards. Das sei der Startschuss für eine enorm gefährliche Entwicklung an den Börsen.

Warum jederzeit Kettenreaktionen drohen

Ein Hoffnungsschimmer: Inzwischen gibt es für den Crash von 1987 auch andere Erklärungen. Für viele Finanzwissenschaftler waren die vorangegangene Kursrallye oder die Notenbank-Politik nicht die Hauptgründe für den dramatischen Kurseinbruch. Vielmehr habe sich damals um den ersten großen „Flash-Crash“ gehandelt.Ein Flash-Crash entsteht dadurch, dass sich die Marktteilnehmer gegen Kursverluste absichern wollen. Zur Risikobegrenzung setzen sie Stoppkurse, bei denen die Aktien verkauft werden müssen, oder sie verkaufen ihre Aktien direkt, wenn die Kurse zu sehr schwanken. Auf diese Weise kann in unsicheren Marktphasen eine Kettenreaktion entstehen. Je mehr die Börsen fallen, desto mehr Papiere werden von den Anlegern noch zusätzlich auf den Markt geworfen.Aus heiterem HimmelNach dieser Definition ist ein Crash wie 1987 jederzeit möglich. Es braucht dafür weder volkswirtschaftliche Ungleichgewichte noch Notenbanken oder eine vorangegangene Kursrallye. Flash-Crashs entstehen einfach dadurch, dass sich fallende Kurse ab einer gewissen Größenordnung potenzieren, weil plötzlich sämtliche Anleger zum Ausgang rennen.Zu dieser Gefahr trägt auch bei, dass die Börsen heute viel stärker als 1987 von Computerprogrammen und Hochgeschwindigkeitshandel dominiert werden. Die Gefahr eines Flash-Crashs hat sich dadurch eher verstärkt.

Tatsächlich kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu „Mini-Crashs“, die durch einzelne Fehlaufträge ausgelöst wurden. Schlimmeres wurde nur dadurch verhindert, dass die Börsen den Handel anschließend sofort aussetzten.

Die Konsequenz daraus ist ernüchternd: Ein Crash wie 1987 braucht möglicherweise keinerlei Anlass. Er kann in jeder Marktphase aus heiterem Himmel kommen – oder auch nicht. Prognostizieren kann so etwas niemand mehr.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/tid-33333/gefaehrliche-parallelen-zum-flash-crash-boersen-profis-fuerchten-historischen-aktien-absturz_aid_1090715.html

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04.09.2013

„C R A S H“ – Ausbuchstabiert

  • Der Herbst naht, die Blätter fallen – eine Jahreszeit die an den Finanzmärkten traditionell ungemütlich ausfällt. Eine derartige Ansammlung an Risiken wie heuer gab es jedoch äußerst selten. Das unterstreicht eine Analyse aus dem Hause Merrill Lynch.

Selig die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als man noch Wörter wie „Respect“ buchstabierte, mit knackigen Rhythmen unterlegte und so Millionen Menschen auf die Tanzflächen der Welt lockte. Dieser Tage liegen Investment-Banker wie Michael Hartnett anscheinend in ihren von kaltem Schweiß durchnässten Betten, so gegen drei Uhr in der Früh, und buchstabieren leise vor sich hinsummend das Wort: „CRASH“.

Zumindest drängt sich dieses Bild auf, wenn man den jüngsten Bericht des Chef-Strategen von Merrill Lynch liest. Diesen hat er „Get Crashy“ genannt. Ausformuliert werden dabei seine fünf größten Sorgen für den September, die mit den Buchstaben C, R, A, S und – richtig – H beginnen.

„C“ steht für „Conflict“

Militärische Konflikte und Spannungen, dieser Tage vor allem in Syrien, könnten den Preis der für Europa relevanten Nordsee-Ölsorte Brent auf 125 US-Dollar je Barrel treiben. Dieses Niveau wurde in den Jahren 2008, 2011 und 2012 erreicht. Jedes Mal war das der Auslöser einer Preiskorrektur. In solchen Zeiten flüchten Anleger aus Aktien in Anleihen. Die einzige Investmentform, die noch populärer ist, klingt ähnlich wie „Crash“, heißt aber „Cash“. Das hat nicht nur psychologische Gründe. Steigende Rohstoffpreise treiben fundamental die Inflation an. Das sorgt für erhöhten Zinsdruck. Steigende Zinsen lösen wiederum den eben beschriebenen Migrationseffekt in den Assetklassen aus.

„R“ steht für „Rates“, also Zinsen

Abgesehen davon könnte ein von diesen Effekten unabhängiger Umschwung im Makro-Zinsumfeld für eine massives Korrektur sorgen. Laut Daten von Merrill Lynch hat es in den vergangenen sechs Jahren weltweit 520 Zinssenkungen gegeben. Diese haben zu einem Anstieg der globalen Liquidität um umgerechnet 11,5 Billionen US-Dollar geführt. Ausgelöst wurde diese Entwicklung von der US-Notenbank (Fed). Nach einschlägigen Bemerkung durch deren Präsident Ben Bernanke schließen diverse Marktbeobachter eine erste faktische Trendwende in der ultralockeren Geldpolitik der USA nicht mehr aus. Diese muss sich nicht unbedingt auf der Zinsfront abspielen, sondern kann auch über einen Rückzug aus den Anleihemärkten stattfinden.

„A“ steht für „Asien“

Zwei der wichtigsten BRIC-Länder, China und Indien, bereiten Hartnett besondere Kopfschmerzen. Beide Länder haben in den vergangenen Wochen und Monaten deutliche Wachstumsdefizite aufgezeigt. Die indische Rupie steht unter massivem Druck. Wie in den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts scheinen sich erste Zeichen einer deutlichen Verschlechterung der Leistungsbilanz abzuzeichnen. Die jüngsten IWF-Daten weisen für Indien ein Minus von fünf Prozent aus.

„S“ steht für „Spekulation“

Merrill Lynch ortet bei einer Reihe von Indizes, die gehebelte Derivat-Produkte – auch auf festverzinsliche Anlagen – abbilden, einen Anstieg, wie man in kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise an den Märkten beobachten konnte. Für Harnett stellt das einen Vorlaufindikator dar, der mit einem Abstand von sechs bis neun Monaten auf erhöhte Volatilitäten innerhalb der Anleihemärkte hinweisen könnte.

„H“ steht für „Housing“, also den US-Immobilien- und Häusermarkt

Dieses Segment war über die damit verbundenen Subprime-Kredite – also die Bündelung von guten und schlechten Schulden, die vor allem mit Wohnimmobilien als Deckung aufgenommen wurden – der Auslöser allen Übels. Die Investmentbanker von Merrill Lynch orten seit Wochen einen Rückgang beim Kauf neuer Eigenheime – das bei steigenden Zinsen, wodurch die Kreditlast zunimmt.

Abfederungs-Möglichkeiten

Insgesamt also alles andere als ein vielversprechender Mix. Einen allfälligen Crash abfedern könnten aber zwei Faktoren: Zum einen die global agierenden Notenbanken, die im Verlauf der Krise immer entschlossener gegen Markt-Turbulenzen einges/pchritten sind. Sie könnten also den Faktor „R“ komplett aushebeln und – zumindest kurzfristig – auch die anderen Buchstaben des Crash-Alphabets entschärfen.

Zum zweiten sind Aktien derzeit nicht vollkommen überteuert, die KGVs halten sich durchaus im Rahmen. Auch das spricht für einen relativ milden Crash – so das kein Widerspruch in sich ist. Dennoch stehen viele Zeichen auf Sturm.

http://www.format.at/articles/1336/929/365579/c-r-a-s-h-ausbuchstabiert

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03.09.2013

Dem Aktienmarkt droht ein Desaster

Perma-Bären sind Finanzexperten , die stets pessimistisch sind, was die Entwicklung an den Kaptalmärkten betrifft. Sie sind permanent bearish. Einer der bekanntesten und extremsten Experten dieser Gattung ist Albert Edwards von der Société Générale. Er sieht den Goldpreis bei 10.000 Dollar und den US-Aktienindex S&P 500 bei 450 Punkten – also bei weniger als einem Drittel von seinem aktuellen Stand aus gesehen. Was ist dran an seiner Prognose?

Früher in den Kohleminen haben die Bergarbeiter Kanarienvögel mit zu ihrer Arbeit unter Tage genommen. Solange er sang, war das Arbeiten in der Mine ungefährlich. Doch wehe er hörte damit auf und fiel tot von der Stange. Dann galt es die Mine so schnell wie möglich zu verlassen. Es ist also kein Zufall, dass Albert Edwards von der Société Générale gerade dieses Bild wählt, um die aktuelle Lage an den internationalen Kapitalmärkten darzustellen. Und seiner Ansicht haben wir „das letzte Zwitschern des Kanarienvogels gehört.“  Das letzte Zwitschern, bevor der Kanarienvogel von der Stange fällt, das sind für ihn die derzeitige Kapitalflucht aus den Emerging Markets und der damit verbundene drastische Einbruch einiger Schwellenländerwährungen.

Das heißt: Raus aus der Mine, so schnell wie möglich. Also raus aus allen Anlagen, die risikobehaftet sind. Denn es ist bekannt: Wenn die Signale deutlicher werden, dann wollen alle gleichzeitig durch eine viel zu enge Tür und dann kann es zu erheblichen Verlusten kommen. Edwards jedenfalls geht davon aus, dass der S&P 500 bis auf 450 Punkte zurückgeht. Ein wichtiger Faktor bei seiner düsteren Prognose ist eine grundlegende Schwäche in den Zahlungsbilanzen der Schwellenländer.

Edwards: Parallen zum Crash von 1987

In der Tat ist in den vergangenen Jahren dort extrem viel Kapital hingeflossen. Der Grund ist einfach: Die Notenbanken haben die Welt mit Liquidität geflutet. Diese Liquidität hat bislang zwar nicht den Weg in die Realwirtschaft gefunden, wohl aber an die Kapitalmärkte. Und dort wanderte das Geld genau dorthin, wo die höchsten Erträge winkten. Und das waren unter anderem die Emerging Markets. Und dort wurden mit dem billigen Geld Investitionen finanziert.

Edwards erinnert die Situation stark an 1987, vor dem großen Crash am Aktienmarkt. Der Auslöser damals: Den USA gelang es nicht die Inflation in den Griff zu bekommen. Das Vertrauen in die US-Währung schwand und die USA mussten die Zinsen erhöhen – zum ersten Mal seit drei Jahren. Edwards sieht darin, so schreibt die US-Website Business Insider, eine starke Parallele zur heutigen Situation. Noch ist zwar von Inflation nicht viel zu spüren. Das Risiko einer ansteigenden Teuerungsrate ist aber hoch angesichts der enormen Liquidität, die die Notenbanken der westlichen Hemisphäre und auch Japans in die Märkte pumpen.

Der Kupferpreis verheißt wenig Gutes

Der jüngste Ausverkauf einige Emerging-Market-Währungen, vor allem in Schwellenländern mit Leistungsbilanzdefiziten wie Indien, Indonesien, Brasilien, die Türkei oder Südafrika aber ist für ihn ein untrügliches Signal, dass dieser Punkt, an dem es gefährlich wird, immer näher rückt. Und er sieht noch ein weiteres Signal, das etwas nicht stimmt: Den Kupferpreis. Kupfer gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft, weil es stark in der verarbeitenden Industrie zum Einsatz kommt. Steigt die Nachfrage und damit der Kupferpreis ist dies ein Zeichen für eine gute konjunkturelle Entwicklung und umgekehrt.

In der Regel entwickeln sich, so hat Edwards festgestellt, der Kupferpreis und der S&P 500 in die gleiche Richtung. Doch seit Beginn dieses Jahres hat sich der Aktienindex abgekoppelt. Er hat, so schreibt Edwards laut Business Insider, den Rückgang des Kupferpreises ignoriert und ist, obwohl die Notierung für das Industriemetall gefallen ist, weiter gestiegen. Doch vor allem kritisiert er die quantitativen Maßnahmen der Notenbanken. Sie überdecken nur die Probleme, lösen diese aber nicht. Und nun seien aus diesen Problemen „unermessliche tiefe Spalten“ geworden.

Gold geht auf 10.000 Dollar

Die Folgen laut Edwards: Der Aktienindex S&P 500 wird auf 450 Punkte einbrechen, die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen werden auf unter ein Prozent zurückgehen und der Goldpreis wird auf 10.000 Dollar steigen. Er nimmt damit eine extreme Position ein. Ob dies tatsächlich so eintrifft, ist zwar fraglich. Allerdings hat sich bereits im Frühjahr gezeigt, als Fed-Chef Ben Bernanke das Ende der quantitativen Maßnahmen nur andeutete, dass ein solcher Ausstieg ohne größere Verwerfungen an den Kapitalmärkten kaum möglich sein wird. Mit Turbulenzen sollten Anleger in den kommenden Monaten auf jeden Fall rechnen.

http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/dem-aktienmarkt-droht-ein-desaster_H1892429409_63270/

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28.08.2013

Ex-Morgan-Stanley-Banker: Eine verheerende Finanzkrise ist im Anmarsch

Stephen Roach, der ehemalige Chefvolkswirt von Morgen Stanley, sieht eine neue schwere Krise auf die Finanzwelt zukommen. Die Hauptschuld an den fatalen Ungleichgewichten, die sich in den letzten Jahren aufgebaut hätten, liege bei der amerikanischen Notenbank.

Die Finanzwelt befindet sich in der ersten Phase einer neuen schweren Krise. Dies glaubt Stephen Roach, der ehemalige Chefvolkswirt der Investmentbank Morgen Stanley, der heute an der Yale Universität lehrt. In einem Beitrag, der jüngst auf der Internetseite  „Project Syndicate“ erschien, erläutert der Ökonom die gewaltigen Probleme, mit denen sich die Welt zurzeit konfrontiert sieht.

Die Hauptschuldigen an der aktuellen Misere seien die US-Notenbank und die übrigen Zentralbanken der westlichen Hemisphäre. Die enorme Liquidität, die diese seit Jahren zur Stabilisierung ihrer eigenen Volkswirtschaften zur Verfügung stellten, habe im globalen Maßstab gewaltige Ungleichgewichte entstehen lassen. Die aktuellen Turbulenzen in den Schwellenländern seien das erste Anzeichen dafür, dass diese unnatürlichen Geldkreisläufe  nun kollabieren würden.

Hot Money überflutet die Schwellenländer

Seit 2009, so Roach, seien Unmengen an billigem Geld weltweit auf der Suche nach höheren Renditen. Dieses „Hot Money“, das in seinen Herkunftsländern wegen der Notenbank-Politik kaum verzinst wurde, sei in Massen in die Schwellenländer geflossen. Der IWF gehe davon aus, dass seither die unglaubliche Summe von insgesamt 4 Billionen Dollar in die Emerging Markets gepumpt wurde. Als Folge davon hätten diese Länder zuletzt hohe Leistungsbilanz-Defizite aufgebaut.

Ein dauerhaftes Leistungsbilanz-Defizit, so Roach, sei fast immer der sichere Vorbote einer volkswirtschaftlichen Krise. Die betroffenen Länder würden auf Dauer mehr investieren, als sie sparen würden, und seien dadurch auf Geldzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Sie würden also auf Pump leben, und die Niedrigzinspolitik im Westen habe dieses ungute Verhalten noch massiv befeuert.

Das Wachstum auf Pump rächt sich

Beispielshaft für diese fatale Entwicklung sei Indien. Das Leistungsbilanz-Defizit des Landes liege 2012 und 2013 bei rund 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuvor habe der negative Saldo weniger als 3 Prozent betragen. Noch schlimmer sei die Entwicklung in Indonesien verlaufen, wo sich das Defizit aktuell bei 3 Prozent befinde. Zwischen 2008 und 2011 habe das Land dagegen noch Überschüsse erzielt. In weiteren wichtigen Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika und die Türkei hätten ganz ähnliche Entwicklungen stattgefunden.

Inzwischen beginne sich das Wachstum auf Pump massiv zu rächen. In den USA habe die Fed eine –ganz langsame – Drosselung ihrer Geldpolitik angekündigt. Schon allein daraufhin seien die Zinsen auf US-Anleihen bereits ganz erheblich gestiegen. Das „heiße Geld“, das bisher in den Schwellenländern investiert war, wird nun in hohem Tempo von dort abgezogen. Den betroffenen Ländern wird dadurch von heute auf morgen die Basis für ihr Wachstum entzogen. Zudem sind die Möglichkeiten, diesen Geldabfluss einzudämmen, stark begrenzt. Die einzige wirksame Möglichkeit sei eine Erhöhung der Leitzinsen. Dadurch werde das bereits bedrohte Wachstum in diesen Ländern aber noch zusätzlich abgewürgt.

Die Geldpolitik war fast immer mit schuld

In fast allen größeren Krisen der vergangenen Jahre habe laut Roach billiges spekulatives Geld eine große Rolle gespielt. So hätten in den 90er Jahren die massiven Geldzuflüsse nach Asien dort zu einem Kollaps und der berühmten Asien-Krise geführt. Die US-Immobilienkrise, die schließlich in die Finanzkrise mündete, sei ebenfalls durch billiges Notenbankgeld angeheizt worden. Und natürlich hätten auch die europäischen Krisenländer Griechenland, Spanien und Portugal vor der Euro-Krise jeweils erhebliche Leistungsbilanz-Defizite ausgewiesen.

Die ultra-lockere Geldpolitik seit der Finanzkrise sei wiederum bislang beispiellos gewesen. Sie habe in den vergangenen Jahren noch größere Ungleichgewichte als bisher produziert. Die aktuellen Turbulenzen bei den Schwellenländer-Währungen und –Börsen seien nun möglicherweise nur die ersten Anzeichen von starken Verwerfungen, die uns künftig bevorstehen. Denn die FED habe mit ihrer Drosselung noch nicht einmal begonnen, und die Märkte reagierten dennoch bereits extrem nervös.

Wie immer, so Roach, glaube man bei der US-Notenbank, dass man mit der aktuellen Krise nichts zu tun habe. Diese Haltung sei aber bereits nach der US-Immobilienkrise absurd gewesen, und sie sei es heute nur noch mehr. Die Notenbanker würden immer noch davon ausgehen, dass sie entstandene Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen im Finanzsystem dauerhaft mit billigem Geld zukleistern könnten. In der Regel würden sich dadurch die Probleme aber nur noch verschlimmern.

http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/eine-verheerende-finanzkrise-ist-im-anmarsch_H1373710512_63178/

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14.06.2013

Bank of England: „Wir haben die größte Blase der Geschichte geschaffen“

Ein führender Banker der englischen Notenbank hat vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase in der Geschichte gewarnt. Diese Blase bei den Staatsanleihen sei von den Zentralbanken durch massives Geld-Drucken bewusst aufgeblasen worden.

Die großen Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren so viel Geld in den Finanzmarkt gepumpt wie nie zuvor. Erstmals warnt ein führender Zentralbanker öffentlich und eindringlich vor den Risiken dieser Politik für die Finanzstabilität.

Andy Haldane, Chef der Finanzstabilität bei der Bank of England, sagte, die Zentralbanken hätten eine Anleihe-Blase geschaffen, indem sie elektronisches Geld in die Wirtschaft gepumpt habe. Das Platzen dieser Blase sei ein akutes Risiko, zitiert ihn der Guardian.

Das „größte Risiko für die globale Finanzstabilität“ sei derzeit eine „ungeordnete Umkehr bei den Renditen für Staatsanleihen“. In den vergangenen Wochen habe sich das bereits angedeutet, als Staatsanleihen leicht anzogen.

Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen“, sagte Haldane. Man müsse achtgeben, dass diese Blase nicht platzt.

Zudem brauche der neue Finanzpolitische Ausschuss der Zentralbank zu lange, um die Banken zu höheren Eigenkapitalquoten zu zwingen. Ein Grund dafür sei die Einflussnahme der Politik auf die Zentralbank, so Haldane.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/06/14/bank-of-england-wir-haben-die-groesste-blase-der-geschichte-geschaffen/

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23.05.2013

Anleger proben den Ausstieg

Wie lange drucken die Notenbanken noch Geld? An den Börsen geht Angst um. Der Nikkei stürzt ab, der Dax liegt tief im Minus. Dabei ist es nur ein Vorgeschmack auf den Tag, an dem die Geldschwemme abebbt.

Es ist ein Spiel ohne Grenzen. Der Einsatz wird ständig erhöht. Volles Risiko. Am Pokertisch sitzen die Herren über Dollar, Euro und Yen: Ben Bernanke, Mario Draghi, Haruhiko Kuroda. Die Notenbankchefs spielen mit Billionen.

Nur was passiert, wenn einer aussteigt? Wenn sich alles als großer Bluff herausstellt? Davor zittern weltweit die Anleger. Erstmals erhalten sie nun eine kleine Vorahnung, was ihnen droht, wenn die Notenbanken ihr Billionenspiel eines Tages beenden. An den Börsen geht die Angst um.

In Tokio sackte der Nikkei um mehr als sieben Prozent ab, nachdem er monatelang nur gestiegen war. In Frankfurt fiel der Dax zeitweise um fast drei Prozent. Die US-Börsen waren gestern Abend ins Minus gerutscht, nachdem es zunächst nach einem guten Handelstag ausgesehen hatte. Am Donnerstag fiel der S&P um ein Prozent.

Was war passiert: Gestern war wieder einmal Bernanke am Zug. Der Chef der US-Notenbank sollte vor dem Kongress erklären, wie lange er gedenke, weiter Geld zu drucken. So lange es nötig ist, lautete seine Antwort, werde die Fed weiter Wertpapiere in großem Stil kaufen. Eine Bemerkung ließ allerdings aufhorchen: Das Tempo könne „auf einer der nächsten Sitzungen“ gedrosselt werden, falls sich die Beschäftigungslage nachhaltig aufhelle.

Davon sind die USA noch ein gutes Stück entfernt. Doch allein die Andeutung reichte aus, um für Unruhe zu sorgen. Das zeigt einmal mehr, wie fragil die Finanzmärkte nach wie vor sind, wie abhängig die Anleger vom Geld der Notenbanken sind.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed, angefangen, hoch zu pokern. Sie haben die Welt mit Geld überflutet. Allein in den USA, Japan, Großbritannien und der Euro-Zone hat sich die Geldmenge in der Finanzkrise um mehr als fünf Billionen Dollar erhöht – und damit verdoppelt. Noch einmal 2,5 Billionen Dollar sind von der Federal Reserve und der Bank of Japan bis Ende 2014 schon fest eingeplant.

Nach Berechnungen der Bank MM Warburg liegt der Mittelwert der Leitzinsen von 62 Ländern derzeit bei 2,72 Prozent. Wählt man das Jahr 2000 als Referenz, so beträgt der Durchschnitt der Leitzinsen in den vergangenen 14 Jahren gut fünf Prozent; erweitert man den Vergleichszeitraum auf das Jahr 1980, so liegt der Durchschnitt der Leitzinsen sogar bei fast 11 Prozent. Hinzu kommen weitere ungewöhnliche Maßnahmen wie der Ankauf von Wertpapieren.

Niedrige Leitzinsen und günstige Kredite sollen Unternehmen motivieren, mehr zu riskieren. Davon ist bislang nicht viel zu sehen. Das billige Geld ist an den Finanzmärkten versickert – und hat die Kurse von Aktien und Anleihen getrieben.

Wie am Tropf hängen die Börsen dieser Welt nicht nur an der US-Notenbank, sondern auch an der Bank of Japan, der Europäischen Zentralbank und der Bank of England“, sagt Torsten Gellert, Deutschlandchef des Devisenbrokers FXCM. „Versorgt werden sie mit billigem Geld, welches den Weg aus Mangel an Alternativen direkt in die Aktien findet, statt den schwierigeren, aber durchaus langfristig besseren Weg über die Realwirtschaft zu gehen.“

Das ließ sich mustergültig in Japan beobachten. Die japanische Notenbank hatte sich lange zurückgehalten, legte dann aber, im vergangenen Dezember, umso exzessiver nach. Seit Shinzo Abe zum zweiten Mal das Amt des Premiers übernahm, versucht Japan einen Aufschwung mit der Brechstange herbeizuführen. Das hochverschuldete Land macht seitdem ohne Rücksicht noch mehr Schulden. Zum neuen Kurs gehören außerdem ein Inflationsziel von zwei Prozent anstelle des jahrelangen Preisverfalls, Nullzinsen, eine Verdoppelung der im Umlauf befindlichen Geldmenge bis 2015 und der Kauf von Staatsanleihen über umgerechnet 410 Milliarden Euro Jahr für Jahr.

An der Börse in Tokio war das jahrelange Siechtum des Nikkei mit einem Mal vorbei. Der japanische Leitindex stieg seit Dezember um mehr als 70 Prozent. Der Einbruch am heutigen Donnerstag zeigt, wie schnell der Zauber wieder vorbei sein könnte. Die Illusion eines Aufschwungs, mehr nicht.

Genau da liegt die Gefahr des aktuellen Börsenaufschwungs. Ziehen die Notenbanken zu früh den Stecker, steht eines für mich ganz klar fest: Die Party an den Börsen ist vorbei“, sagt Gellert von FXCM. Noch sei das allerdings kein Thema. Was heute passiert, sei noch nicht der großer Ausverkauf, sondern „nur ein Sturm im Wasserglas“.

Nach der monatelangen Rally ist eine Korrektur nicht verwunderlich. Manchem kommt sie ganz recht: Zeit, Gewinne einzufahren. „Die Aktienkurse haben in diesem schon so viel gewonnen. Im Großen und Ganzen suchen alle nur nach einer Ausrede für Verkäufe“, sagte John Canally, Investment-Stratege bei LPL Financial. Mancher wird sich dabei denken: Besser jetzt aussteigen, bevor die Notenbanken aussteigen.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/kursrutsch-beginnt-in-tokio-anleger-proben-den-ausstieg/8242584.html

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06.05.2013

Pimco-Chef El Erian: Es wird einen gigantischen Börsen-Crash geben

Der Kontrast der Finanzmärkte zur Realwirtschaft wird immer deutlicher: Die Börsenpreise explodieren, die Volkswirtschaften sind am Boden. Die Rückkehr zur Normalität ist unvermeidlich: Pimco-Chef El Erian erwartet einen gewaltigen Börsen-Crash.

Investoren, die bis zum Schluss auf „der Welle der Zentralbanken reiten“, müssen sich auf gigantische Verluste einstellen. Denn „jede Welle muss irgendwann brechen“. Man könne die Finanzmärkte „nicht für immer von der Realwirtschaft loslösen“. In seiner Rede auf dem zehnten jährlichen Strategischen Investment Konferenz hat Pimco-Chef El Erian die Anleger vor einem Börsen-Crash gewarnt: Es komme darauf an, „in den Weg und in das Ziel eines reformierten Finanzsystems zu investieren“. El Erian hat bereits vor dem bösen Ende des globalen Schneeball-Systems gewarnt – er erwartet eine Implosion wie bei einer Supernova (hier).

Betroffen sind kurzfristige und langfristige Geldanlagen. Die Aktienkurse sind derzeit gefährlich hoch. Anleger seien „erstaunt“ und „besorgt zugleich“. Ein ausgewogener Finanzmix wird bestimmen, wie Investoren nach dem Crash finanziell dastehen, zitiert der Street Talk Live Blog El Erian. Der Pimco-Chef ist gleichzeitig Co-Finanzchef und mitverantwortlich für Vermögenswerte in Höhe von zwei Billionen Dollar.

Die Geldpolitik der Fed hat die japanische Zentralbank dazu angetrieben, ihr Inflationsziel zu erhöhen (mehr hier). Aufgrund dieses Währungskrieges bleibt der EZB nichts anderes übrig als auf die Welle aufzuspringen und die Geldschwemme auch in Europa fortzuführen (hier). Die Finanzmärkte werden folglich weltweit und ständig mit neuen Krediten geflutet.

Diese Kredite werden zu historisch niedrigen Zinsen vergeben – Tendenz fallend (mehr zur EZB-Zinssenkung – hier). Nur zu einem geringen Teil profitieren Unternehmen aus der Privatwirtschaft von dem billigen Geld. Der größere Teil wird in vermeintlich sichere Finanzanlagen gesteckt: In Aktien oder Staatsanleihen.

In der Folge steigen die Preise. Die internationalen Börsenindizes haben in der vergangenen Woche Rekordwerte erreicht (mehr hier). Die Volkswirtschaften insbesondere in der europäischen Peripherie sind jedoch am Boden. Dieser Kontrast zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft ist der „neue Normalzustand“ (new normal), an den sich die Anleger gewöhnen müssten, so El-Erian.

Die traditionellen Wirtschaftsstrategien funktionieren in diesem New Normal nicht mehr. Der Westen sei für eine lange Zeit gefangen in einer Phase des langsamen wirtschaftlichen Wachstums, gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit. Die Troika habe ausgedient, die Gläubiger seien nicht mehr dazu bereit, Rettungsaktionen zu fahren, wie man am Beispiel Zyperns sehen könne (hier).

Die USA erholten sich zu langsam, um der Krise „entkommen“ zu können, sagte El-Erian. Lediglich die Schwellenländer können auf ihr internes Wachstumspotenzial bauen. Die Wirtschaftskrise in Europa könne noch lange anhalten, wenn auch nicht für immer.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/06/pimco-chef-el-erian-es-wird-einen-gigantischen-boersen-crash-geben/

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24.04.2013

Permanente Crash-Gefahr

Das Ende der freien Märkte

Nullzins-Politik, Marktmanipulationen, Insidergeschäfte – die Finanzmärkte werden dominiert von Notenbanken und ihren Günstlingen. Der Rest der Gesellschaft schaut in die Röhre – die Gefahr für Anleger wächst.

Es gibt keine freien Märkte mehr. Dafür gesorgt hat die Finanzkrise und die Maßnahmen, mit denen Regierungen und Notenbanken auf diese reagiert haben. Nur Naive glauben noch an die freie Marktwirtschaft und Chancengleichheit an den Finanzmärkten. Tatsächlich hat eine eng mit der Politik vernetzte Finanzelite, die ungeheure Profite in der Finanzkrise erzielt, das Regiment übernommen. Möglich macht das der Cantillon-Effekt: Von Notenbanken auf Knopfdruck geschaffenes Geld verteilt den Wohlstand um, weil das frische Geld zuerst bei denen ankommt, die den Notenbanken nahe stehen, während der Rest der Gesellschaft verliert. Der nach dem irisch-französischen Ökonomen Richard Cantillon benannte Effekt ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt – und aktuell wie nie zuvor. Cantillons Feststellung, dass sich die Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch gleich über alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft verteilt, ließ sich in den vergangenen Jahren vor allem in den USA beobachten.

Moralisch fragwürdige Schritte

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Februar 2009 hatte die US-Notenbank Fed die Geldmenge durch Kapitaltransfers in die weltweit systemwichtigen Banken dramatisch erhöht. Das billige Geld der Notenbank versetzte die eigentlich insolventen Banken in die Lage, die tief gefallen Kurse an den Aktienmärkten für Käufe zu nutzen. Innerhalb weniger Monate erholten sich die Aktienkurse an der Wall Street um etwa 50 Prozent.

Die Rettung der Banken war die größte Vermögensumverteilung in der Geschichte der Menschheit. Mit jeder neuen, akademisch als „Quantitative Easing“ (QE) bezeichneten Liquiditätsrunde wurden die Anlagenpreise aufgeblasen. Das machte all jene leistungslos reicher, die mit diesen Anlageklassen in Verbindung standen – moralisch höchst fragwürdig, aber noch legal.

Notenbanken und Regierungen greifen aber auch weniger legal in das Marktgeschehen ein. Die dadurch für Anleger entstehenden Verluste gehen in die Milliarden und wären eigentlich ein Fall für die Gerichte. Doch wer legt sich schon an mit Notenbanken und Regierungen?

Selbst die für jedermann sichtbarsten Fälle versanden im Niemandsland. Ein gutes Beispiel ist Henry Paulson: Im Juli 2006 wechselte Paulson übergangslos von der Spitze von Goldman Sachs an die Spitze des US-Finanzministeriums. Während seiner Amtszeit bis Januar 2009 wusste man nie so genau, für wen Paulson gerade tätig war – für den amerikanischen Steuerzahler oder für seinen ehemaligen Arbeitgeber, der stets wohl behütet, gut informiert und bestens positioniert war. Paulsons Amtsnachfolger Tim Geithner stand ebenfalls stets mit einem Fuß im Bankenlager. Als Präsident der Federal Reserve Bank von New York und Vizepräsident des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses FOMC hatte Geithner gar nachweislich im August 2007 streng vertrauliche Informationen über eine bevorstehende geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank weitergereicht an Ken Lewis, dem damaligen Chef der Bank of America.

Nur Gutgläubige bringen die auffälligen Aufwärtsbewegungen des US-Aktienmarktes schon lange vor den offiziellen Ankündigungen neuer Liquiditätsrunden in Zusammenhang mit der Fähigkeit der Märkte zur Antizipation. Die vorzeitige Veröffentlichung des jüngsten FOMC-Sitzungsprotokolls in der vorvergangenen Woche ist ein weiterer Hinweis auf einen sehr vertrauensvollen Umgang zwischen US-Notenbank und Wall Street.

Schwindendes Vertrauen

Die Sitzungsprotokolle sind wegen ihrer marktrelevanten Informationen in der Finanzwelt begehrt. Die Geheimhaltung dieser Protokolle bis zum offiziellen Veröffentlichungstermin ist essentiell für das Vertrauen der Anleger in die Chancengleichheit und das Funktionieren der Finanzmärkte. Wenn die Fed ihr viel beachtetes Protokoll irrtümlicherweise einen Tag vor der geplanten Veröffentlichung per E-Mail an 154 Adressen, hauptsächlich an Mitarbeiter von Großbanken wie Goldman Sachs, Citigroup oder UBS verschickt, sind grundsätzliche Zweifel an der Geheimhaltung dieser Protokolle erlaubt.

Für die Schützenhilfe könnten sich die Banken mit allerlei lukrativen Gefälligkeiten bedanken. Man muss kein Anhänger von Verschwörungstheorien sein, um zu erkennen, dass haussierende Preise der Alternativwährung Gold nachlassendes Vertrauen in Papierwährungen und in das Finanzsystem dokumentieren – und dass weder Regierungen noch Zentral- und Geschäftsbanken daran ein Interesse haben. Ein schockartiger Goldpreiseinbruch dagegen verbreitet Verunsicherung und hält potenzielle Investoren auf Distanz zum sicheren Hafen.

Seit Anfang des Jahres gab es offensichtlich Handlungsbedarf und die größten Goldhändler unter den Banken begannen bei den Edelmetallen gewaltige Short-Position aufzubauen. Im Januar entsprach die auf vier Banken konzentrierte Short-Position bei Silber fast 120 Produktionstage, bei Gold rund 50 Produktionstage. Ohne Rückendeckung der Notenbank wäre das ein viel zu großes Risiko.

Am Freitag, den 12. April drückte direkt zum Handelsstart an der New Yorker Terminbörse Comex eine US-Großbank mit einer Verkaufsorder über insgesamt gut 100 Tonnen Gold den Goldpreis an die charttechnische Unterstützung bei 1540 Dollar je Feinunze. Marktschonend lässt sich eine derart große Order nicht unterbringen. Zumal sich europäische und asiatische Goldhändler bereits verabschiedet hatten ins Wochenende. Entsprechend lagen an dieser Marke zahlreiche Verkaufsaufträge, die bei einem Unterschreiten automatisch ausgelöst würden. Dafür gesorgt hat gut zwei Stunden später eine zweite Verkaufswelle über 300 Tonnen Gold im Wert von etwa 15 Milliarden Dollar. Um an der Comex diese Goldmenge virtuell zu bewegen, genügen bereits 750 Millionen Dollar, die als Sicherheit hinterlegt werden müssen. Das wäre ein Klacks für eine der großen Wall-Street-Adressen.

An jedem anderen Markt wären die Aufsichtsbehörden eingeschritten und hätten den Handel unterbrochen wegen Verdachts auf Markmanipulation. So aber konnten die Banken mit ihren Short-Positionen riesige Gewinne erzielen, während diejenigen, die ihr Vermögen vor den Notenbanken und ihrer Politik schützen wollten, dafür bezahlen mussten.

Front-Running im Hochfrequenz-Handel, Libor-Skandal, Preiseingriffe bei Edelmetallen – an de Finanz- und Rohstoffmärkten ist heute offenbar nichts mehr unmöglich. Doch mit jedem neuen Skandal schwindet Vertrauen und Liquidität an den Finanzmärkten. Der Flash-Crash wird so zur Dauergefahr.

http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/permanente-crash-gefahr-das-ende-der-freien-maerkte/8110502.html

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19.04.2013

Superzyklus am Ende – Eine Zeitenwende steht bevor

Kupfer hat sich längst als Konjunktur-Indikator bewährt, denn es wird überall in der Industrie verwendet. Experten sehen nun eine Zeitenwende anbrechen – die gesamte Weltwirtschaft könnte abschmieren.

Dr. Copper hat eine schlechte Nachricht für die Welt. Dr. Copper, so nennen Börsianer den Preis des Industriemetalls Kupfer. Der gilt als Konjunkturindikator, da der Rohstoff in Maschinen, Autos und Elektronik, aber auch beim Bau von Industrieanlagen und Häusern Anwendung findet.

Wird weniger geordert, sinkt der Preis des Industriemetalls. Während Wirtschaftszahlen immer mit einiger Verzögerung herauskommen, stellt Dr. Copper die Diagnosen sofort. Und die aktuelle lässt nichts Gutes für die Weltwirtschaft erahnen.

Seit Ende Februar hat Kupfer 15 Prozent an Wert verloren. Das rote Metall ist nicht der einzige Rohstoff, der schwächelt. Auch bei anderen Schätzen der Erde geht es nach unten. Zucker und Weizen haben sich seit Jahresanfang um fast zehn Prozent verbilligt, Kaffee rund sieben Prozent.

Rohstoffschwäche durch Schwellenländer

Öl, der Schmierstoff der Weltwirtschaft, gab um zwölf Prozent nach. Das Industriemetall Zinn hat 13 Prozent eingebüßt, Aluminium sieben Prozent.

„Die konjunkturabhängigen Rohstoffe reagieren wohl auf die chinesischen Daten. Dort könnte es weiter deutlich abwärtsgehen“, sagt der Berliner Vermögensverwalter Guido Lingnau. Dort haben sich die Einzelhandelsumsätze im ersten Quartal um 12,4 Prozent erhöht, die Industrieproduktion wuchs um 9,5 Prozent.

Das sind zwar beachtliche Werte, sie blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Dasselbe gilt auch für das Wirtschaftswachstum insgesamt: Es fiel mit 7,7 Prozent ein gutes Stück niedriger aus als von den Ökonomen prognostiziert. Gleichzeitig ist bei vielen Industriemetallen ein üppiges Angebot auf den Markt gekommen.

„Wenn sich nun zugleich die Nachfrage ein wenig schlechter entwickelt als vermutet, geht es bei den Notierungen nach unten“, sagt Thomas Bichler, Fondsmanager bei der österreichischen Investmentgesellschaft Raiffeisen Capital Management (RCM). „Die Rohstoffschwäche kommt von den Emerging Markets, die sich nicht mehr so rasant entwickeln wie noch vor einigen Jahren.“

Viel von dem Geld, das noch vor einigen Jahren in die Schwellenländer floss, fließt heute zurück in die USA, wo – auch dank günstiger Energie – neue industrielle Kapazitäten aufgebaut werden.

Rohstoff-Euphorie wird nicht zurückkehren

Die Gewinne der europäischen Rohstoffkonzerne sind seit 2011 um 47 Prozent zurückgegangen. Damit sind die Bergwerks- und Energieunternehmen knapp hinter den Banken der zweitschlechteste Sektor auf dem Kontinent.

Der paneuropäische Rohstoffindex Stoxx Basic Resources hat seit Jahresanfang ein Viertel seines Wertes eingebüßt und liegt auf dem niedrigstem Niveau seit dem Rezessionsjahr 2009.

„Der Superzyklus bei Rohstoffen ist tot“, sagt Vadim Zlotnikov, Chefstratege beim amerikanischen Anlagehaus ACMBernstein. Er rechnet zwar mit einer kleinen Gegenbewegung auf den Absturz, doch die Euphorie werde ebenso wenig zurückkehren wie bei den Technologiewerten nach dem Platzen der Millenniumsblase.

Jahrelang war zu beobachten, dass die Produktion der Bergwerke und Ölbohrtürme dem Bedarf zum Teil deutlich hinterherhinkte. Dieser Nachfrageüberhang ließ die Rohstoffpreise langfristig auf breiter Front steigen.

Der Preis einer Tonne Kupfer schoss von rund 1300 Dollar je Tonne nach der Jahrtausendwende auf mehr als 10.000 Dollar im Jahr 2011.

Spekulanten pumpten Milliarden in den Sektor

Börsianer sprachen vom „Superzyklus“, weil die Industriemetalle und andere Rohstoffe über das übliche Auf und Ab des Konjunkturzyklus eine Aufwärtstendenz aufwiesen. Die Finanzkrise von 2008 konnte diesen Superzyklus nur kurz unterbrechen, aber nicht beenden.

Als Ursachen wurden die wachsende Weltbevölkerung und der unersättliche Rohstoffhunger der Schwellenländer angeführt. Diese schnell wachsenden Staaten an der Schwelle zu entwickelten Volkswirtschaften holten die industrielle Revolution binnen weniger Jahre mit rasantem Tempo nach.

Die Galionsfigur dieser neuen Ära war China, dessen Industrieproduktion Jahr für Jahr mit zweistelligen Raten zulegte. Spekulanten sprangen auf den Trend auf und pumpten Milliarden in die Rohstoffsektor. Auf die Hedgefonds folgten die Investmentgesellschaften, die immer mehr Fonds mit dem Etikett „Rohstoff“ auflegten. Der Superzyklus wurde zum Allerweltsinvestment. „Wenn alle auf den fahrenden Zug aufspringen, endet es immer mit Tränen“, sagt Zlotnikov.

Bei Öl kann es noch weiter nach unten gehen

Er empfiehlt, den ganzen Bereich der Metalle und Energieträger unterzugewichten und stattdessen in der Gesundheitsbranche zu investieren. Medizintechnik, Pharma und Krankenhausbetreiber hätten ein stabileres Geschäftsmodell als Bergwerke.

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs äußert sich in der Tendenz skeptisch. Ebenso die Citigroup, die zuletzt in einer Studie schrieb, dem Superzyklus läute das Totenglöckchen. Die Strategen an der Wall Street raten ihren Kunden dazu, nicht mehr den gesamten Komplex zu kaufen, sondern selektiv in einzelne Schätze der Erde zu investieren. „Metalle sind schon ziemlich stark gefallen und ihrem Tief womöglich schon ziemlich nah, bei Öl könne es noch weiter nach unten gehen“, sagt Jeffrey Currie, Rohstoffexperte bei Goldman.

RCM-Mann Bichler warnt hingegen davor, die jetzigen Daten überzuinterpretieren: „Schon in den vergangenen Jahren hatten wir das Muster, dass sich die Wirtschaft im Sommer abgekühlt hat. Gegen Jahresende habe sich die Situation dann stabilisiert.

Kommt im Herbst eine bessere Diagnose?

„Der OECD-Frühindikator, ein wichtiger globaler Konjunkturindex, hat bereits gedreht und liegt wieder auf Wachstumskurs“, sagt der Rohstoffexperte Thorsten Schulte, auch bekannt als „der Silberjunge“. Das gelte auch für die globalen Einkaufsmanagerindizes.

„Macht die Politik keine gravierenden Fehler, insbesondere in der Euro-Zone, dürfte die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2013 langsam wieder an Fahrt aufnehmen. Behält Schulte recht, könnte Dr. Copper schon im Herbst eine deutlich bessere Diagnose stellen als derzeit.

http://www.welt.de/finanzen/article115415511/Superzyklus-am-Ende-Eine-Zeitenwende-steht-bevor.html

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16.02.2013

Euro-Zone vor dem großen Knall

Die Euro-Zone pendelt zwischen Depression und Rezession, die hohe gesamtwirtschaftliche Verschuldung ist so nicht mehr tragbar. Das Platzen einer gigantischen Kreditblase wird immer unausweichlicher.

Die Wahrheit ist nur schwer zu ertragen – besonders vor einer Bundestagswahl. Daher bekommt das Wahlvolk von ihrer Regierung die Wahrheit in Sachen Euro-Krise auch nur in homöopathischen Dosen und in Form von Euphemismen verabreicht. Die Eurokrise sei zwar noch nicht ganz vorbei, aber man habe wichtige Fortschritte bei ihrer Lösung gemacht. oder: Das Ende der Krise sei greifbar nah. Je näher der Wahltermin rückt, umso häufiger wird der Wahlbürger mit solchen und ähnlichen Phrasen zugemüllt und eingelullt.

Nur ist die Eurokrise nicht vorbei, sie hat gerade erst angefangen. Für diese ernüchternde Erkenntnis reicht ein Blick auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Verschuldung in der Eurozone. Diese hat sich seit Einführung des Euro in etwa verdreifacht. Ohne dieses enorme Kreditwachstum wäre das Wirtschaftswachstum in der Eurozone noch anämischer ausgefallen. Dafür hängen die europäischen Volkswirtschaften heute mehr denn je am Kredittropf. Aber ohne Kreditzufuhr kein Wirtschaftswachstum und ohne Wirtschaftswachstum? Ganz richtig, dann droht eine Kreditkrise – so einfach ist das.

Seit Ausbruch der globalen Finanzkrise Ende 2008 schwächt sich das Kreditwachstum in der Eurozone ab. Nach jährlichen Zuwachsraten von acht bis zehn Prozent zwischen 2006 und 2009 nähert sich das Kreditwachstum – abgesehen von einem kurzen Aufbäumen im Zuge der LTRO-Programme der Europäischen Zentralbank (EZB) – inzwischen der Nullmarke. Die EZB kann nichts dagegen tun. Trotz Null-Zins-Politik verhindert das erreichte Schuldenniveau eine zusätzliche Kreditaufnahme von Privathaushalten und Unternehmen. Dafür fließt das Geld der EZB in die volkswirtschaftlich ineffiziente Staatsfinanzierung und sorgt für Blasen an den Anlagenmärkten.

Die Finanzmärkte entfernen sich so immer weiter von der Realwirtschaft, womit sich das Risiko für das Finanzsystem der Eurozone naturgemäß erhöht. Viele Volkswirtschaften der Eurozone pendeln zwischen Depression und Rezession. Das garantiert mit Blick auf die absolute Höhe der Gesamtverschuldung das Platzen dieser gigantischen Kreditblase. Die Summen aber sind so hoch, dass selbst die Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, wie ein müder Bluff wirkt. Denn die Gefahr, damit eine ausgewachsene Währungskrise zu riskieren, setzt auch der EZB gewisse Grenzen.

Bill Gross, Gründer des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco, sprach unlängst von der „Supernova-Kreditexplosion“. Rund zwei Billionen Dollar, die Pimco verwaltet, drohten mitsamt der US-Wirtschaft in einem von der US-Notenbank Fed geschaffenen „Schwarzen Loch“ zu verschwinden. Diese Metapher lässt sich problemlos auf die Eurozone übertragen. Sie befindet sich gar wegen des massiven Überhangs nicht mehr zu tragender Schulden und des stockenden Kreditwachstums in der schlimmsten aller Welten eines von Kredit abhängigen Wirtschaftsraums.

http://www.wiwo.de/politik/europa/euro-krise-euro-zone-vor-dem-grossen-knall/7793856.html

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21.11.2012

Weckruf der Bundesbank: Dem Finanzsystem droht der Kollaps

Noch immer laufen zu viele Banken Gefahr, durch ein unvorhergesehenes Ereignis mit Staatshilfen gerettet werden zu müssen, warnt die Bundesbank. Die bisherigen Regulierungsversuche seien wirkungslos gewesen. Aber blinder „Dirigismus“ sei in keinem Fall der richtige Weg.

Man sei auf dem richtigen Weg, doch „weitere Schritte seien notwendig“, sagte Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, in Frankfurt am Main. Die grundsätzlichen Probleme bestünden weiter. „Besonders die großen, komplexen, verknüpften oder weltweit tätigen Finanzinstitute bringen das gesamte Finanzsystem in Gefahr.“ Zu oft hätten diese mit Steuergeldern gerettet werden müssen. Und diese Gefahr bestehe nach wie vor.

Eine Aufspaltung der Banken in Privatkunden- und einen Investmentbanken hält Dombret für untauglich. Während der Finanzkrise wurden auch reine Investmentbanken gerettet. „Lehman zum Beispiel wurde nicht gerettet, weil Kundeneinlagen gefährdet waren“, so Dombret wörtlich auf dem Generation Forum Euro Finance Week – wenngleich Lehman nicht gerettet wurde. Der Grund für die Rettung seien vielmehr die Verbindungen zu anderen Finanzinstituten gewesen, vor allem zu vielen Vertragspartnern bei Derivaten-Geschäften. Dasselbe gilt für die AIG, die ein Versicherer war und keine Bank. Außerdem sei die Bankenaufspaltung in der Praxis schwer durchzuführen, und leicht könnten sich ungewollte Nebeneffekte einstellen, ergänzte Dombret.

Die Finanzkrise habe einen krassen Mangel an geeigneten Mitteln offenbart, mit bankrotten Banken fertig zu werden, so Dombret. In vielen Ländern habe sich die Insolvenzgesetzgebung als unzulänglich erwiesen, besonders, wenn es sich um weltweit agierende Unternehmen handelt. Auch müsse mehr auf die Zusammenwirkung der einzelnen Regulierungs-Versuche geachtet werden. „Wo es einen Mangel an Konsistenz gibt, da besteht die Gefahr, dass die verschiedenen Maßnahmen widersprüchliche Anreize setzen“, gibt Andreas Dombret zu bedenken. Derart könnten die gewünschten Effekte der Regulierungen abgeschwächt oder sogar vollkommen verhindert werden.

Staatsgläubigkeit und Dirigismus sind auf keinen Fall der richtige Weg“, führte Dombret weiter aus. Die Lösung bestehe in einer „Wiederbelebung individueller Verantwortung“. Trotz der vorherigen Ausführungen sind aber die tatsächlichen Vorschläge der Bundesbank nicht weniger dirigistisch: Man müsse verhindern, dass „die Marktkräfte außer Kontrolle geraten“. Basel III sei „das Hauptergebnis der Reformbemühungen“ und „alternativlos“, sagte Dombret. Alle Staaten müssten die international vereinbarte Erhöhung der Eigenkapitalquoten durchsetzen, um die Gefahr von Bankenpleiten zu verringern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/21/weckruf-der-bundesbank-dem-finanzsystem-droht-der-kollaps/

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24.01.2012

Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems

Trotz Rettungsschirm und Fiskalpakt – die Euro-Zone hat die psychologische Vertrauenskrise nicht bewältigt, warnt Thomas Mayer bei der Konferenz „Ökonomie neu denken“. Das gesamte Geldsystem könne ins Wanken geraten.

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hat vor einer erneuten Verschärfung der Krise gewarnt. In der ersten Stufe der Krise sei das Vertrauen in die private Finanzwirtschaft verloren gegangen, in der zweiten das Vertrauen in die Staatsfinanzen. „Falls das Vertrauen nicht zurückkehrt, könnte die nächste Stufe eine Krise des gesamten Geldsystems sein“, sagte am Mayer am Vormittag in Frankfurt bei der von Stifterverband und Handelsblatt veranstalteten Konferenz „Ökonomie neu denken“.

Als Ursache dafür, dass 2007 auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine der größten Kreditblasen aller Zeiten platzte und die Finanzkrise auslöste, machte der Ökonom den Verlust von Vertrauen auf den Märkten aus. Diese psychologische Komponente sei der „alles entscheidende Faktor im Gesamtsystem“, so Mayer. Weil dieses Vertrauen noch lange nicht wieder vollständig hergestellt sei, fürchtet der Chefvolkswirt, dass die Krise bald eine ganze neue, heikle Dynamik entwickeln könnte.

Die Zentralbanken hätten zwar grundsätzlich richtig gehandelt, als sie die Märkte in der Notsituation mit frischem Geld fluteten, doch liege in diesem Vorgehen auch eine Gefahr: „Das Vertrauen, das sonst durch Kreditbeziehungen entsteht, haben die Zentralbanken versucht, durch Zentralbankgeld zu ersetzen“, so Mayer. Besonders in Europa, wo die Zentralbanken zögerlicher als in Amerika reagiert hätten, sei zu befürchten, dass diese Rechnung nicht aufgehe. „Wenn die Menschen das Vertrauen in diesen Mechanismus verlieren, folgt die Krise des Geldsystems“, prognostizierte der Volkswirt. Die mögliche Folge wäre eine Hyperinflation.

Um dieses Schreckenszenario zu verhindern sieht Mayer die zentrale Aufgabe von Praktikern und Akademikern darin, wieder mehr Vertrauen in die Abläufe auf den Märkten und zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern aufzubauen: „Das ist eine schwierige Aufgabe. Wir müssen erklären, was wir künftig anders machen wollen.“ Man befinde sich derzeit in einer Art Übergangsphase: Die alten Paradigmen seien zerbrochen, die neuen noch nicht erkennbar.

Seiner Branche stellte der Ökonom des größten deutschen Kreditinstituts bei seinem Vortrag ein miserables Zeugnis aus. Die gesamte Finanzbranche habe in der Vergangenheit in einer „Kontroll-Illusion“ gelebt. Man habe daran geglaubt, dass die Zentralbanken die Wirtschaft durch ihre Inflationsbekämpfung kontrollieren könne und man die Märkte weitgehend sich selbst überlassen könne. „Auf zuversichtlichen Annahmen wie dieser haben wir eine ganze Industrie aufgebaut“, sagte Mayer selbstkritisch. Lange sei das gut gegangen, auch die Realwirtschaft, zum Beispiel deutsche Exportunternehmen hätten von den Übertreibungen auf den Finanzmärkten profitiert. Doch der Knall sei zwangsläufig gewesen: Mayer verglich das Verhalten der Finanzindustrie vor der Krise mit Piloten, die einen Jumbo-Jet nur mit dem Navigationssystem steuerten, ohne aus dem Fenster zu schauen. Mayer: „Den Berg, auf den wir zurasten, haben wir übersehen.“ 

http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/eurokrise-deutsche-bank-volkswirt-warnt-vor-kollaps-des-geldsystems/6104372.html

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