Geldpolitik der US Notenbank FED und die Auswirkungen – eine Chronik

16.03.2017

US-Notenbank geht den Weg der Zinsnormalisierung

Die FED erhöht den Leitzins, was US-Präsident Trump gar nicht gefällt

————————————————————————————-

Es war eigentlich klar, dass die US-Notenbank (FED) nach all den Ausreden im vergangenen Jahr nun den Leitzins erhöhen muss. Das hat sie am späten Mittwoch – erstmals in der Amtszeit von Donald Trump – auch getan. Damit beschleunigt sie ihren Schritt auf dem Weg zu einer Zins-Normalisierung, denn schon im vergangenen Dezember gab es einen kleinen Zinsschritt nach oben. Mit der neuen Erhöhung liegt der Leitzins jetzt in einer Spanne von 0,75 und 1,0 Prozent.

Die FED setzt damit das um, was sie eigentlich schon Ende 2015 angekündigt hatte. Damals hatte die Notenbank-Chefin Janet Yellen eine „Normalisierung“ versprochen und erstmals nach fast zehn Jahren die Zinsspanne, die lange zwischen 0 und 0,25% lag, um 0,25 Prozentpunkte angehoben und die Nullzinspolitik beendet. Schon zuvor hatte man das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und damit die Notenpressen gestoppt. In der Eurozone wird dagegen die Geldschwemme mit Nullzinsen, Negativzinsen und Ankauf von Staatsanleihen munter beibehalten.

Eigentlich hatte Yellen schon für 2016 eine „graduelle“ Anhebung der Leitzinsen auf bis zu 1,5% versprochen. Doch davon ist die FED auch im März 2017 noch weit entfernt. Bis Ende 2017, so die Ankündigung im Dezember 2015, sollte der Leitzins sogar bis auf 2,5% steigen. Einige Beobachter wollen in dieser FED-Politik sogar einen Machtkampf zwischen der FED und dem neuen US-Präsidenten ausmachen: „Trump und die Fed sind auf Kollisionskurs“, titelt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung.

Doch wie oben beschrieben, hatte die FED ihren Kurs schon festgelegt, bevor Trump in den Wahlkampf ging. Vielmehr versucht die US-Notenbank angesichts der robusten Lage am US-Arbeitsmarkt und steigender Inflation das Nötige zu tun. Die Inflationsrate stieg im Februar im Vergleich weiter auf 2,7%. Schon im Januar lag die offizielle Rate mit 2,5% deutlich über der Marke von 2%. Tatsächlich muss die Notenbank die Zinsen nun erhöhen, um Geld vom Markt zu saugen, das viele Jahre ausgeschwemmt worden war. Es ist zu erwarten, dass sie weitere Erhöhungen vornehmen wird und muss, um die angestrebte Inflationsrate einhalten zu können.

Den richtigen Zeitpunkt für die Normalisierung hat die Notenbank allerdings verpasst. Denn tatsächlich hechelt die FED nicht nur bei der Inflationsentwicklung den Entwicklungen her, sondern auch bei den gefährlichen Blasenbildungen. Davor hat sie sogar schon im Sommer 2014 gewarnt. Doch die blähen sich weiter gefährlich auf – vor allem an den Börsen –, wie seit langem zu beobachten ist. Man kann schon von einer Dotcom-Blase 2.0 sprechen.

Um diesen Entwicklungen zu begegnen, ist die FED auch bereit, negative Auswirkungen ihrer Zinserhöhungen auf die Konjunktur hinzunehmen, weil sie von einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung ausgeht. Nun werden also die Kredite für Unternehmen und Verbraucher erneut teurer. Die amerikanische Wirtschaft lebt besonders davon, dass sich die Verbraucher verschulden. So wird ein großer Teil der Neu- und Gebrauchtwagen über neue Schulden finanziert. Die Schulden werden nun teurer, weshalb schon deshalb weniger Geld für den Konsum zur Verfügung steht. Die Neigung, sein Geld möglichst schnell auszugeben, wird zudem geringer, weil sich Sparen wieder lohnt.

Also geht auch die Notenbank in ihren Prognosen, die nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses veröffentlicht wurden, davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr nur noch 2,0 -2,2% wachsen wird. 2018 soll das Wachstum dann zwischen 1,8-2,3% liegen. Die Wirtschaft werde „mit einer moderaten Geschwindigkeit wachsen und die Inflation werde sich mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren“, hofft man in der FED.

Doch nun kann, weil lange zu wenig passiert ist, nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die gefährlichen Blasen platzen und sich „Anpassungsschocks“ zeigen, welche Yellen eigentlich vermeiden wollte. Auch die politische Lage ist mit der Wahl Trumps instabiler geworden. Seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen sind ohnehin eher Rezepte für ein Desaster. Tatsächlich haben einige Berater ihm auch schon geflüstert, dass zum Beispiel der Crash-Kurs mit China zu Beginn seiner Amtszeit für die USA sehr schädlich werden kann. In der China-Frage ist er deshalb bereits eingeknickt.

Man darf gespannt sein, wie sich seine populistische und rassistische Polemik gegenüber Mexiko entwickelt. Der Peso hat in den letzten Monaten massiv gegenüber dem Dollar an Wert verloren, womit sich die Waren aus Mexiko in den USA weiter verbilligen. Die Überlegungen, eine Einfuhrsteuer in Höhe von 20% auf Waren aus dem Nachbarland einzuführen, dürfte vermutlich nicht einmal diese Verbilligungen auffangen, die Trump mit seinen Ankündigungen provoziert hat. Und steigende Zinsen werden nicht nur Kredite verteuern, sondern aller Voraussicht auch dazu führen, dass der Dollar noch stärker wird. Das verbilligt Importwaren weiter, während Güter aus den USA auf dem Weltmarkt teurer werden. Schon deshalb ist Trump gegen Zinserhöhungen. 

https://www.heise.de/tp/news/US-Notenbank-geht-den-Weg-der-Zinsnormalisierung-3656945.html

———————————————————————————————————————

14.12.2016

US-Notenbank hebt Leitzins leicht an

Die US-Notenbank macht einen Schritt in Richtung Normalisierung ihrer Geldpolitik: Sie hat ihren Leitzins erstmals seit einem Jahr leicht um 0,25 Prozentpunkte angehoben.

————————————————————————————-

Die US-Notenbank hat zum zweiten Mal seit der Finanzkrise den Leitzins erhöht, zu dem sich Banken Geld leihen können. Er bewegt sich nun zwischen 0,5 und 0,75 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) mitteilte.

Volkswirte und Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Die Märkte reagierten zunächst ruhig – sie bekommen geliefert, was sie erwartet hatten.

Die Fed setzt ihren Kurs fort, die Geldpolitik nach der Finanzkrise zu normalisieren. Vorausgegangen waren Jahre einer ultralockeren Geldpolitik, mit dem Ziel, die US-amerikanische Wirtschaft anzukurbeln (Hier erfahren Sie, wie sich Zinsen auf die Wirtschaft auswirken).

Zuletzt hatte sich jedoch der US-Arbeitsmarkt als sehr stabil erwiesen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei niedrigen 4,6 Prozent. Auch die Inflation zieht langsam an, weil die höhere Beschäftigung zu höheren Einkommen führt.

Die US-Notenbanker rechnen für kommendes Jahr weiterhin mit einer Inflationsrate von 1,9 Prozent. Die Wirtschaft dürfte aber nur graduelle Zinsanhebungen zulassen, heißt es weiter in der Mitteilung der Notenbanker.

Historisch gesehen sind die Leitzinsen in den USA auch nach der Erhöhung immer noch sehr niedrig. Anfang der Neunzigerjahre zum Beispiel lag der Satz noch bei 8 Prozent, selbst 2007 waren es noch 5 Prozent. In der Finanzkrise ab 2008 hatte die Fed den Satz dann radikal auf 0 Prozent gesenkt und die Finanzmärkte mit Geld geflutet, um die Folgen der Wirtschaftskrise einzudämmen.

Experten und Volkswirte begrüßen die Entscheidung der US-Notenbanker. „Die Zeit für moderat steigende Leitzinsen ist reif. Die US-Notenbank tut gut daran, an der Zinsschraube zu drehen“, sagt Tomas Gitzel, Chefökonom der VP Bankengruppe.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-notenbank-hebt-leitzins-leicht-an-a-1125954.html

———————————————————————————————————————

16.06.2016

Analyst: US-Notenbank hat die Kontrolle über die Lage verloren

Die US-Notenbank Fed hat Beobachtern zufolge die Kontrolle über die Lage verloren. Das jüngste Kommuniqué und die anschließende Pressekonferenz von Fed-Chefin Yellen haben jegliche Klarheit und Logik vermissen lassen. Auf die wirklich spannenden Fragen lieferte Yellen einmal mehr keine schlüssigen Antworten.

————————————————————————————-

In einer interessanten Analyse kritisiert die Helaba den medialen Auftritt der amerikanischen Zentralbank Fed und deren Geldpolitik:

Abraham Lincolns „Gettysburg-Address“ von 1863 gilt als eine der Säulen, auf denen sein Ruhm als einer der größten US-Präsidenten begründet ist. Die Rede war nur 272 Worte lang und dauerte weniger als zwei Minuten. Aber in dieser Zeit fand Lincoln nicht nur genau den richtigen Ton, um die Stimmung in der vom Bürgerkrieg gebeutelten Nation einzufangen. Er formulierte gleichzeitig eine Art Katechismus des amerikanischen Demokratie- und Freiheitsverständnisses, das bis heute über die Grenzen der USA hinaus als Inspiration gilt.

Das FOMC-Kommuniqué von gestern Abend fiel mit 540 Worten rund doppelt so lang aus wie die „Gettysburg-Address“. Leider steht die Länge hier im proportional umgekehrten Verhältnis zur Aussagekraft. Trotz der verglichen mit früher erheblich umfangreicher gewordenen Fed-Statements geht der Erkenntnisgewinn für den Leser bedauerlicherweise zunehmend gegen null. Mit der Länge steigt zudem das Risiko, dass sich immer weniger Marktteilnehmer die Mühe machen, das Kommuniqué tatsächlich zu lesen. Dadurch erreicht die Botschaft viele Empfänger nur noch durch Journalisten gefiltert, die Aussagen jedoch stets verkürzen und zuspitzen.

Nicht viel besser schneidet Janet Yellens Pressekonferenz ab. Zwar dauerte sie mit knapp einer Stunde nur halb so lang wie sich Lincolns Vorredner, Edward Everett, genommen hatte. Sie war aber ebenso vergessenswert wie dessen mehr als 13.000 Worte lange Ansprache, mit der sich heute bestenfalls noch Spezialisten auseinandersetzen. Auf die wirklich spannenden Fragen lieferte Yellen einmal mehr keine schlüssigen Antworten. Wieso sollen laut den Projektionen nun 2017 und 2018 weniger Zinserhöhungen angemessen sein als im März? Welche neuen Erkenntnisse in den vergangenen drei Monaten haben zu der Abwärtsrevision des langfristig normalen Leitzinses um 0,3 Prozentpunkte geführt? Noch am 6. Juni hatte Yellen den alten Medianwert von 3,3 % propagiert.

Wie realistisch ist es, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote praktisch mit sofortiger Wirkung aufhört? Warum sollte die US-Wirtschaft drei Jahre in Folge genau mit dem Trendwert von 2 % wachsen?

Zu diesen Fragen war das Schweigen ohrenbetäubend. Insgesamt wird der Eindruck verstärkt, dass sich die Fed nicht wirklich traut, das Zinsniveau zu normalisieren. Schlimmer noch: Es ist Wasser auf die Mühlen derer, die von vorneherein gesagt haben, die Notenbank würde den Zinserhöhungskurs „auf keinen Fall durchziehen“ und meine das auch gar nicht ernst. Es ist ein Desaster für die Kommunikation und Glaubwürdigkeit der Fed.

Wegen der fehlenden Aussagekraft des Kommuniqué fokussieren immer mehr Marktteilnehmer auf die Projektionen der einzelnen FOMC-Mitglieder. Diese werden aber nicht erläutert. Was steht beispielsweise hinter den bizarren Erwartungen eines Sitzungsteilnehmers, der einen weiteren Zinsschritt 2016 für angemessen hält – und dann bis Ende 2018 keine weitere? Wir können nur raten.

Erstaunlich ist auch, dass der Medianwert für den Leitzins für Ende 2016 unverändert blieb. Zwar verschob sich die „central tendency“ um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte nach unten, dennoch bleibt offenbar ein „harter Kern“ dabei, dass zwei Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr angemessen sind. Wir halten deshalb zunächst an unserer Prognose fest, dass der Leitzinskorridor im Dezember tatsächlich bei 0,75 % bis 1 % liegen wird. Aber der zögerliche Kurs der Fed und die Abwärtsrevisionen des Leitzinspfads durch die Mehrheit der Teilnehmer (zumindest gemessen am Median werden nun sowohl 2017 als auch 2018 weniger Zinsschritte für angemessen erachtet) deuten auf zunehmende Risiken hin, dass die Fed die von uns 2017 erwarteten vier Zinserhöhungen nicht „liefern wird“, sondern wie schon 2016 Ausreden findet. Angesichts der erwarteten Überraschungen für die Fed in den kommenden Monaten – ein deutlicherer Rückgang der Arbeitslosenquote und schnelleres Anziehen der Teuerung – dürften sich aber auch bei den Notenbankern zunehmend Zweifel an der Angemessenheit eines negativen Realzinses einstellen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/06/16/analyst-us-notenbank-hat-die-kontrolle-ueber-die-lage-verloren/

———————————————————————————————————————

28.04.2016

Die Angst der US-Notenbank

Erneut hat die FED die Zinsen nicht erhöht und hält sich nur eine kleine Tür zur Zinsnormalisierung offen

————————————————————————————-

Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat auch in der Aprilsitzung ihres Offenmarktausschusses den Leitzins unverändert gelassen, der in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5% verbleibt. Das ist nicht das, was die FED-Chefin Janet Yellen im vergangenen Dezember angekündigt hatte, als die US-Notenbank die Nullzinspolitik nach fast zehn Jahren aufgab und die Zinsen auf die derzeitige Spanne angehoben hatte.

Dass es sich dabei um eine „historische Zinswende“ handelt, wie einige Beobachter meinten, konnte das weitere Vorgehen der FED bisher nicht bestätigen. Es darf sogar davon ausgegangen werden, dass aus einer baldigen „Normalisierung“ der Zinsen nichts wird, wenn sie jemals kommt. Angepeilt war, dass 2016 die Zinsen auf 1,5% und 2017 sogar bis auf 2,5% steigen sollten. Das ist kaum noch zu erreichen, da Yellen die Leitzinsen nur „graduell“ anheben will, um „Anpassungsschocks“ zu vermeiden.

Gegen die Entscheidung der zehn Ausschuss-Mitglieder habe es nur eine Gegenstimme gegeben. Offen ließ die FED, ob ein weiterer winziger Zinsschritt im Juni kommt. Anhaltspunkte gab es kaum dafür. Die FED schaut weiter nicht allein auf die Binnenkonjunktur, sondern bezieht immer stärker die Risiken für die Weltwirtschaft ein, mit der schon die erste Anhebung der Zinsen immer wieder hinausgeschoben wurde.

Die Lage der Weltkonjunktur müsse mit den Aussichten für Wachstum und Inflation in den USA abgewogen werden, meint die Notenbank. Doch auffällig war erneut, dass in der FED-Erklärung zum dritten Mal in Folge keine explizite Risikobeurteilung vorgenommen wurde. Daraus lässt sich üblicherweise ablesen, wie die FED die US-Wirtschaft einschätzt und das gibt Hinweise auf die Zinsentwicklung.

Gegen eine Normalisierung der Zinspolitik spricht eigentlich kaum etwas. Der Arbeitsmarkt, an dem sich die FED lange Zeit orientierte, entwickelt sich weiter positiv, räumt auch die FED ein. Das bisherige relativ starke Wachstum habe sich dagegen etwas abgeschwächt. Der Konsum sei schwächer geworden, obwohl sich Einkommen solide entwickelten und die Konsumentenstimmung gut bleibe. Zudem habe sich die Situation im Wohnungsbau verbessert.

Gegen eine unmittelbare Zinserhöhung sprach, dass die Inflation zuletzt im März wieder auf 0,9% gesunken ist, obwohl die Öl- und damit Treibstoffpreise wieder leicht gestiegen waren. Im Februar wurde sogar eine Kerninflation (Lebensmittel und Energie herausgerechnet) ermittelt, die mit 2,4% sogar über dem Inflationsziel der Notenbank lag. Das war zudem der höchste Wert seit vier Jahren.

Doch entscheidend dafür, dass die FED erneut keinen Mut aufgebracht hat, dürfte sein, dass die Nettoexporte der USA weiter schwach geblieben sind. Klar ist, dass eine Anhebung der Zinsen zu einer Stärkung des Dollars führen würde. Damit würden sich US-Exporte weiter verteuern. Da andere Zentralbanken aber weiter an Nullzinspolitik und einer Geldschwemme festhalten oder sie – wie die Europäische Zentralbank (EZB) sogar weiter ausweiten, fühlt man sich offenbar bedroht. Denn mit dieser Politik werden auch die Währungen nach unten geprügelt, um Preisvorteile auf dem Weltmarkt zu erhalten.

Entgegen vielen Erwartungen hat die japanische Notenbank (BoJ) die Geldschwemme nicht noch einmal ausgeweitet, um zu Wachstum zu kommen und die Deflation zu bekämpfen. Darauf war spekuliert worden, weil diese Politik von der BoJ seit vielen Jahre betrieben wird – wenn auch wenig erfolgreich. Das Land fällt immer wieder in die Rezession zurück. Die Wirtschaft schrumpfte im letzten Quartal 2015 erneut. Experten erwarten, dass sie auch im gesamten Jahr 2016 schrumpfen wird.

Zudem sind im März in Japan auch die Preise wieder gefallen, womit die Deflationstendenzen wieder stärker werden. Die sogenannte negative Kerninflationsrate lag im März bei 0,3%. So stark fielen die Preise seit drei Jahren nicht mehr. Auch die BoJ strebt eine Inflationsrate von 2% an, die sie bis September 2017 erreichen will. Direkte Auswirkungen hatte die Tatsache, dass die Geldschwemme nicht weiter ausgeweitet wird, auf die Börse in Tokio. Denn auch dort warten die Geld-Junkies stets auf neue Geldspritzen. Bleiben sie aus, dann knickt die Börse ein. In Japan verlor der Nikkei-Index Donnerstag nach der Zinsentscheidung sogar 3,6%.

http://www.heise.de/tp/news/Die-Angst-der-US-Notenbank-3193658.html

———————————————————————————————————————

15.10.2015

Crash-Gefahr: IWF warnt Fed vor Zinserhöhung

Eine moderate Zinserhöhung durch die Fed würde zum Abzug des Kapitals aus den Schwellenländern führen. Die Folge wäre eine globale Rezession. Deshalb ermahnt der IWF die US-Notenbank zur Vorsicht.

————————————————————————————-

Der IWF warnt davor, dass die „gefährliche Überschuldung“ zu einer „Welle von Zahlungsausfällen“ auf dem gesamten Globus führen könnte. Die Verantwortung für diesen Kurs tragen die Regierungen und Notenbanken.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Schwellenländer mit über drei Billionen Dollar verschuldet, was einer Vervierfachung der Verschuldung des privaten Sektors zwischen 2004 und 2014 entspricht, berichtet der IWF in seinem Global Financial Stability Report.

Tatsächlich gibt es derzeit eine bisher nie dagewesene Schuldenblase, die das weltweite Finanzsystem bedroht. Vor einer derartigen Blase hatten auch die Bank of England, die BIZ, aber auch die UN gewarnt, berichtet der Guardian. Die UN fordert von den Industrieländern eine drastische Erhöhung ihrer öffentlichen Ausgaben, um den Abschwung in den Schwellenländern auszubalancieren. Die BIZ hingegen ist der Ansicht, dass die Zinsen zu lange zu niedrig gewesen sind. Dies habe die Risikofreudigkeit auf den Finanzmärkten regelrecht beflügelt.

Der IWF deutet auf die Risiken hin, die die Finanzstabilität in den Schwellenländern ins Wanken bringen. „Die Anfälligkeit in den Emerging Markets bleibt hoch“, erklärte der IWF. Während sich die Lage in den Industrieländern in den vergangenen sechs Monaten auch dank einer anziehenden Konjunktur stabilisiert habe, verlagerten sich die Risiken zunehmend in die Schwellenländer. Doch es gibt ohnehin das Problem einer grundsätzlichen Produktionslücke.

Citigroup-Ökonom Willem Buiter rechnet deshalb mit einer weltweiten Rezession. „Wir denken, dass es eine globale Produktionslücke gibt und dass die Weltwirtschaft derzeit mit einer Rate unter ihrem globalen Potenzialwachstum wächst. Deshalb wird die Produktionslücke immer größer. Sie lag in der Nähe des Nullbereichs und wir erwarten weiterhin unterdurchschnittliche Werte“, zitiert CNBC Buiter.

Dem entgegnet der Leiter der Kapitalmarkt-Analyseabteilung des IWF, José Viñals: „Unser Negativ-Szenario geht nicht von einer globalen Krise, sondern von erheblichen Rückgängen der BIPs aus.“ Der IWF-Ökonom nimmt an dieser Stelle eine Trennung zwischen den einzelnen BIPs und des globalen Markts vor, doch ein weit verbreiteter Rückgang bei den BIPs würde zwangsläufig auch die Weltwirtschaft beeinflussen. Besonders China, Indien, Brasilien und Russland sind nach Ansicht von Viñals gefährdet. Zudem habe eine starke Kreditnachfrage die Schwellenländer verwundbarer gemacht für die zu erwartenden Zinserhöhungen in den Industriestaaten gemacht.

Eine Leitzinserhöhung durch die Fed würde die Investoren dazu bringen, Kapital aus den Schwellenländern abzuziehen. Der IWF ruft Politik und Finanzwelt dazu auf, die Normalisierung des finanz- und geldpolitischen Umfelds mit Maßnahmen zu flankieren. Eine verfrühte Leitzinserhöhung lehnt IWF-Chefin Christine Lagarde ab. Höhere Leitzinsen würden nicht nur den Haushalt der USA, sondern auch die öffentlichen Haushalte der Schwellenländer massiv belasten. Die Schwellenländer könnten dann aufgrund der weiteren Dollar-Aufwertung und des Ölpreis-Verfalls ihre Schulden, die wiederum meistens in Dollar notiert sind, nicht begleichen.

So müsse die Fed für eine klare Kommunikation sorgen, damit die Finanzmärkte steigende Zinsen gut verdauen könnten, so der IWF. Im Euro-Raum müsse die private Verschuldung ebenso angegangen werden wie faule Kredite von Banken. Die Fed könne somit nach Ansicht der IWF-Ökonomen die Gesundung der Finanzindustrie und der Unternehmen stärken und Investitionen ankurbeln. Zudem sollte sich China weiter auf marktorientierte Reformen verpflichten. „Die Marktliquidität, die derzeit nicht niedrig ist, ist nicht so robust, wie wir es uns gewünscht haben“, zitiert die Financial Times Viñals. Zuvor hatte der IWF seine alte Prognose für das globale Wirtschaftswachstum gesenkt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/15/crash-gefahr-iwf-warnt-fed-vor-zinserhoehung/

———————————————————————————————————————

20.09.2015

Keine höheren Zinsen: Fed schickt globale Wirtschaft auf Crash-Kurs

Die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen nicht zu erhöhen, ist ein schwerer Fehler. Denn die Lösung bestehender Verschuldungs-Probleme wird nicht bloß verschoben. Durch das neue, billige Geld werden die Risiken praktisch unkontrollierbar. Die Fed zeigt, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt hat. Der Schaden könnte beträchtlich sein. Die Crash-Gefahr ist deutlich gestiegen.

———————————————————————–

Die amerikanische Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung. Alle Indikatoren zeigen eine robuste Konjunktur. Obschon sie seit über einem Jahr eine Normalisierung der Zinspolitik angekündigt hat, verzichtete die Notenbank letzte Woche erneut auf einen ersten Zinsschritt. Das Festhalten an der ultralockeren Geldpolitik wird mit einer Fehlinterpretation der Preisstabilität und mit Risiken der internationaler Konjunktur und Finanzmärkte begründet. Das Yellen-Fed wiederholt so die Fehler von Greenspan von 1998 bis 2006. Seine Fehlsteuerung hatte entscheidend zum Crash von 2007 / 2008 und zur Grossen Rezession von 2009 geführt.

Die amerikanische Notenbank hat auf dem Höhepunkt der Finanzmarkt-Krise 2008 den Satz für Federal Funds auf Null Prozent gesenkt. Dort ist er nun schon seit fast sieben Jahren festgezurrt, obwohl die Bedingungen heute komplett anders sind. Die Arbeitslosigkeit fällt rapide, sie entspricht praktisch der Vollbeschäftigung. Die Konjunktur ist robust. Das Bankensystem ist wieder gut kapitalisiert, viel besser als in Europa. Aktienkurse und Immobilienpreise sind wieder in luftige Höhen gestiegen. Übernahmeaktivität, Aktienrückkäufe und Bewertungen in einzelnen Sektoren zeigen eine Überhitzung an. Die Risikospreads waren bis vor kurzem in allen Finanzmärkten viel zu niedrig. Trotzdem hält die Notenbank auch weiter an der Nullzinspolitik fest, die für Extremsituationen reserviert sein sollte. Die Notenbank begründet diese Verschiebung im am Mittwoch veröffentlichten Statement mit zwei Argumenten. Sie verweist darauf, dass die Teuerung deutlich unter der Rate liegt, die sie als Preisstabilität ansieht. Und sie betont die Zweifel an der internationalen Konjunktur und an Risiken für die Finanzmärkte.

Genau die beiden gleichen Fehler hatte der zuerst sehr erfolgreiche Notenbankpräsident Alan Greenspan in den späten 1990er und 2000er Jahren begangen. Greenspan hatte eine komplett falsch definierte Inflationsrate als Ziel seiner Geldpolitik. Dadurch lagen die Realzinsen systematisch viel zu tief. Eine übermässige Kreditschöpfung, eine schwere Fehlallokation von Investitionen, heillos überbewertete Finanz- und Immobilienmärkte sowie ein präzedenzloser Aufbau der Verschuldung des privaten Sektors waren die Folge. Und die Notenbank antwortete auf jedes Husten an den Märkten mit dem Greenspan-Put, mit der servilen sofortigen Anpassung der Geldpolitik auf wirkliche oder vermeintliche Risiken. Dadurch erzeugte oder unterstützte er eine Risiko- und Gambler-Mentalität an den Finanzmärkten.

Unter anderen Vorzeichen scheint sich jetzt das Gleiche unter der Präsidentschaft von Janet Yellen zu wiederholen. Die Begründungen im Kommuniqué deuten jedenfalls darauf hin. Zwar anerkennt das Federal Open Markt Committee, dass die Wirtschaft praktisch an der Vollbeschäftigung angelangt ist. Doch dieses Argument wird damit gekontert, dass die Teuerung deutlich unter dem Niveau liegt, welche die Notenbank als Preisstabilität definiert hat. Diese Definition war anfangs 2012 eingeführt worden. Eine Wachstumsrate des Deflators des privaten Konsums von 2 Prozent wird seither als Preisstabilität angesehen. Und im Statement, das sonst gegenüber dem vorherigen von Mitte Juli wenig verändert formuliert ist, werden die Risiken internationaler Konjunktur und Finanzmärkte als neuer Punkt eingeführt. Diese beiden Punkte verdienen es, etwas ausführlicher beleuchtet zu werden.

In der ersten Phase seiner Präsidentschaft war Greenspan als Notenbankpräsident sehr erfolgreich. Dies verlieh ihm eine Aura als Master of the Universe, die er mit brilliant ziselierten Sätzen bewusst kultivierte. Er vermittelte den Eindruck tiefen Nachdenkens über die US-Konjunktur, über Finanzmärkte sowie persönlich detaillierter Analyse aller Daten.

Die Wahrheit ist viel profaner. Greenspan unterstützte ab Mitte der 1990er Jahre eine Neudefinition der Inflation, so dass sie niedriger als in der Vergangenheit ausgewiesen wurde. Massgeblich war einerseits die Boskin-Kommission, ein Gremium hochkarätiger Experten wie Robert J. Gorden, Zvi Grilliches und anderer. Diese kritisierten die Praxis der Statistikbehörde als inadäquat, und schlugen eine Reihe technischer Neuerungen für die Berechnung des Index der Verbraucherpreise vor. Die grosse Mehrzahl dieser Vorschläge wurde umgesetzt, mit dem Ergebnis, dass die Inflation ab 1999 rund 1 Prozent niedriger als in der Vergangenheit ausgewiesen wurde.

Andererseits formulierte Greenspan Mitte der 1990er Jahre ein implizites Ziel für die Inflation. Und zwar so, dass die Fed effektiv eine viel höhere Teuerung zulassen konnte, und immer noch im Rahmen der offiziellen Preisstabilität lag. Greenspan legte das Ziel zunächst für den CPI ohne Energie und Nahrungsmittel fest. Hintergrund war damals, dass die Rohwarenpreise seit Mitte der 1980er Jahre seitwärts tendierten, aber eine hohe Varianz aufwiesen gegenüber anderen Preisen. Im Jahr 2000 wechselt die Fed auf den Deflator des privaten Konsums, und zwar wiederum auf die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittelpreise. Der Deflator des privaten Konsums weist strukturell eine um rund ein halbes Prozent tiefere Teuerung aus als der Verbraucherpreis-Index. Dies ist einerseits der Tatsache zuzuschreiben, dass der Deflator mit aktuellen Gewichten für die einzelnen Preise rechnet (Fisher-Preisindex). Der Verbraucherpreisindex ist hingegen ein klassischer Laspeyres-Index, der die Gewichtungen alle zwei Jahre ändert. Ferner haben im Deflator die Wohnungsmieten ein viel geringeres Gewicht als im Verbraucherpreis-Index. Im CPI erreichen die Wohnungsmieten fast einen Drittel der Ausgaben, während sie im Deflator nur rund 16 Prozent ausmachen. Greenspan wählte also eine Definition, welche zwei der grössten Positionen (Nahrungsmittel, Energie) ausschloss, und welche die grösste Position, nämlich die Mieten und die unterstellten Mieten, stark untergewichtete.

Resultat der ganzen Übung war, dass die Inflation in den 2000er Jahren systematisch zu niedrig ausgewiesen wurde. Die Notenbank legte dadurch die Zinsen viel zu niedrig fest. Das inoffizielle Inflationsziel Greenspans wurde praktisch nicht verletzt, obschon eine ganz markante Teuerung vorherrschte. Denn in den 2000er Jahren ging die Inflation erstens von Energie- und Nahrungsmittelpreisen aus, die in der Definition der Preisstabilität ausgeschlossen waren. Ein zweiter grober Fehler ergab sich aus einem Versäumnis der Boskin-Kommission: Die Kosten selbst bewohnten Wohneigentums werden in den USA konzeptuell falsch erfasst. Das Ganze ist schwierig und hier nicht in Kürze erklärbar. Abgekürzt werden für die Kosten selbst bewohnten Wohneigentums Vergleichsmieten herangezogen, d.h. Mieten vergleichbarer Objekte. Doch die angewandte Methodologie ist komplett falsch. In den 2000er Jahren wurde der Fehler offensichtlich. Die Explosion der Häuserpreise verteuerte die Wohnkosten für Neukäufer ausserordentlich.

Doch in der Statistik wurde diese nicht erfasst, sondern über Bestands-Wohnungsmieten abgebildet – ein schwerer konzeptueller Fehler. Denn in den 2000er Jahren wollten Wohnungssuchende Häuser kaufen, weil die Finanzierungsbedingungen sehr locker waren. Die Nachfrage nach Mietobjekten war gering, und die Leerstände bei Mietobjekten extrem hoch. So wurde nicht nur die am raschesten wachsende Komponente – die Wohnungskosten – dramatisch im Gewicht unterschätzt. Diese Komponente wurde zudem mit einer viel zu geringen Teuerung ausgewiesen, obschon sie in der Realität sehr stark war. Das Ergebnis ist bekannt. Greenspan hatte die Details doch nicht so genau studiert. Die Zinsen waren viel zu niedrig, am Häusermarkt bildete sich eine Blase aus, die 2008 mit gewaltigem Getöse platzte.

Jetzt wiederholt sich das exakt Gleiche. Auch jetzt interpretiert die Notenbankspitze eine falsche Inflationszahl als Preisstabilität. 2012 zog die Notenbankspitze um Ben Bernanke teilweise die Konsequenz aus der vorherigen falschen inoffiziellen Definition des Inflationsziels. 2012 führte sie den Deflator des privaten Konsums ein und nicht mehr nur dessen Kernrate. Damit sind die Energie- und Nahrungsmittelpreise endlich auch Teil der Inflationsdefinition. Doch Bernanke verschlimmbesserte das Ganze. Denn er setzte ein offizielles Mass für die Preisstabilität auf 2 Prozent Wachstumsrate des Deflators fest. Zum Vergleich: Greenspan hatte den Auftrag der Boskin-Kommission unterstützt. Diese hatte jedoch unabhängig gearbeitet. Bernanke führte ohne jegliche wissenschaftliche Evidenz ein, dass 2 Prozent Teuerung gemessen am Deflator gleich Preisstabilität sein sollte.

Das ist eine gravierende Annahme. Wäre sie richtig, so würde es bedeuten, dass das amerikanische BIP Jahr für Jahr komplett falsch berechnet wäre. Der reale Konsum als bei weitem grösste Komponente mit einem Anteil am BIP von rund 70 Prozent würde massiv unterschätzt. Damit wären BIP- und Produktivitätswachstum viel stärker als offiziell ausgewiesen. Wäre diese Annahme richtig, würde dies gewaltige Neuberechnungen der gesamten Wirtschaftsstatistik notwendig machen. Doch kein Mensch glaubt oder hat je behauptet, dass der Deflator derart falsch berechnet sei. In Wahrheit will die Fed einfach 2% Inflation als Standard-Vorstellung. Für die Verbraucherpreise impliziert das eine Teuerung von rund 2.5%. So etwas als Preisstabilität zu verkaufen, ist an sich ein dickes Ding.

Darüber ließe sich noch diskutieren, wenn es ehrlich kommuniziert würde. Die Notenbank will 2.5 Prozent Inflation, und nicht Null. Punkt, Schluss. Das ist eine Vorstellung, die schon vor 50, vor 40 oder vor 20 Jahren viele amerikanische Notenbanker hatten. Etwas Inflation ist besser, ist ein Schmiermittel für die Wirtschaft. Der Gipfel der Blasphemie aber wird im Statement erreicht. Dort wird sorgenvoll konstatiert, dass die Inflationsrate deutlich unter der Rate der Preisstabilität liege, und implizit suggeriert, dass es dadurch ein Deflationsrisiko gäbe.

Dem ist aber nicht so. Analysiert man die Verbraucherpreis für den August 2015, so stellt man Folgendes fest: Die amerikanische Inflation setzt sich aus zwei fundamental verschiedenen Komponenten zusammen. Der monatlich mit Details veröffentlichte Verbraucherpreisindex (All Urban CPI) zeigt dies exemplarisch. Die Preise für Energie sind scharf negativ. Die Kosten für Benzin (-23.6 Prozent), Heizöl (-34.6 Prozent oder Erdgas (-11.5 Prozent) liegen weit unter dem Vorjahresstand. Im Index ist die Energiekomponente 15 Prozent unter dem Vorjahr. Der Index ohne Energie, aber inklusive Nahrungsmitteln, liegt mit 1.8 Prozent im Plus. Dies ergibt einen Gesamtindex, der nur 0.2% über dem Vorjahr liegt. In einer längerfristigen Perspektive zeigt sich folgendes: Die Preise für alle anderen Waren und Dienstleistungen steigen um rund 2 Prozent Jahr für Jahr, und zwar ziemlich stetig und seit Jahren, genauer seit 2011. Der Fall der Energiepreise seit Sommer 2014 wirkt wie ein kleines Konjunkturprogramm. Die Haushalte haben mehr reale Kaufkraft zur Verfügung. Dies ist ein temporärer Effekt, denn der Absturz der Ölpreise begann vor einem Jahr. Januar 2016 wird das Gewicht des Warenkorbes neu berechnet. Dann werden die Energiepreise ein viel geringeres Gewicht im Index haben. Bleiben sie dann stabil oder steigen, so springt die Inflation sofort auf 2Prozent oder darüber an.

Außerdem ist der Preisrückgang bei Energie nicht auf eine schwache Nachfrage zurückzuführen. Er resultiert vielmehr aus einem Preiskrieg des OPEC-Kartells vor allem gegen die amerikanische ‚tight oil’ Produktion, also aus einem bewusst herbeigeführten Angebotsüberschuss, um die Marktstruktur zu bereinigen. Es ist nicht einzusehen, warum die Notenbank so etwas geldpolitisch akkommodieren sollte.

Inflationsdefinition ist das eine: Durch eine subtile Wortwahl wird eine leichte Inflation von 1.5 bis 2 Prozent in Preisstabilität verwandelt. Das andere ist die Umsetzung dessen in der Geldpolitik. Bei Nullzinsen heißt dies, dass effektiv negative Realzinsen wirksam sind, und dies in einer Phase, wo sich Vollbeschäftigung abzeichnet. Aber Nullzinsen sind mehr als negative Realzinsen. Nullzinsen sind ein free lunch für zusätzliche Verschuldung, für carry trades und gehebelte Derivatkonstruktionen mit einer Finanzierungskomponente. Und Nullzinsen in der einsamen Weltwährung Nr. 1 sind nochmals etwas ganz anderes. Sie bedeuten, dass die Zinsen in vielen anderen Ländern ebenfalls Null oder zu niedrig sind. Dort, wo die Notenbank die Währung an den US-Dollar kettet oder in hinsteuert. Und bei vielen Rohstoff- und Welthandelspreisen.

Die Wirkung dieser Nullzins-Politik ist keineswegs konjunkturell nur positiv. Sie ist sogar noch schlimmer als in der zweiten Periode der Präsidentschaft von Greenspan: Sie hat viel zu niedrige Risikoprämien und grosse Fehlinvestitionen, exemplarisch im Energiebereich, bei tight oil und shale gas, zur Folge. Diese Bereiche haben gar nie wirklich rentiert und cash-flows generiert. Auch in vielen anderen Sektoren gibt es Teile der Unternehmen, welche zu leicht zu Kredit kamen und kommen. Die Nullzinspolitik hat zu enormen Fehlallokationen bei Unternehmensobligationen und bei Anlagen in Schwellenländern geführt. Die jetzige Krise der Schwellenländer ist unter anderem eine Spätfolge dieser fehlgeleiteten Politik.

In den USA begünstigt die Nullzinspolitik die Besitzer von Aktien und Immobilien, deren Preise stark gestiegen sind. Grund ist vor allem der Zwang, in andere Vermögensgüter als Obligationen oder Cash zu investieren. Mit Barem oder selbst mit nominell kaum rentierenden Obligationen verliert man nur Geld. Damit wird die soziale Einkommens- und Vermögensungleichheit nur noch gefördert. Und keineswegs reduziert, wie es das Vollbeschäftigungsziel vermeintlich suggeriert. Immerhin profitieren viele Haushalte von den steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Sie sind in Pensionskassen, die hauptsächlich in Aktien investieren, und sie Wohnungen oder Häuser.

Die Nullzinspolitik führt auch zu zusätzlicher und unnötiger Verschuldung der Unternehmen und der Haushalte. Die Unternehmen verschulden sich, sie kaufen mit dem geliehenen Geld Aktien zurück und zahlen Dividenden, selbst in Sektoren, die kaum rentieren. Dies um den Aktienkurs und die Managerboni hochzuhalten. Daraus entsteht aber kein Investitionsboom, im Gegenteil. Die Unternehmen horten, zusätzlich aus Steuergründen noch verstärkt, lieber Cash im Ausland, tätigen aber in den USA wenig Investitionen. Unter anderem darum ist der Aufschwung nicht durch eine hohe Investitionsquote getrieben.

Diese Risiken und Seiteneffekte einer Nullzinspolitik sind beim Fed überhaupt nicht thematisiert. Stattdessen wird diese als Teil eines Mandats zur Vollbeschäftigung dargestellt. Wie wenn die Vereinigten Staaten eine geschlossene Wirtschaft mit einem hoch regulierten Bankensystem und ohne Finanzmärkte wären. Null Rückschau auf die eigenen vergangenen Fehler, stattdessen Manipulation der eigenen Zielvariablen und eine konjunkturpolitisch völlig unangemessene Geldpolitik. Ein späterer Crash wird so vorprogrammiert. Denn wenn Aktien und Immobilien mit Hebelwirkung immer höher gehen, dann werden sie anfällig auf einen Anstieg der Obligationenrenditen. Mit der neuen Bankenregulierung steigt dieses Risiko noch. So dürfen Banken praktisch keine Obligationen mehr auf dem Trading-Buch halten. Dieses Polster oder dieser Puffer wird nachher fehlen, wenn es eine wirkliche Zinswende gibt. Die langen Zinsen könnten dann explosionsartig ansteigen, mit den bekannten Bewertungseffekten auf die anderen Vermögensklassen.

Würde das Fed die Zinsen zeitig und wenig anpassen, so ließe sich dies eher beherrschen. Je länger zeitlich die Normalisierung der Zinsen nach hinten verschoben wird, desto heftiger wird am Ende ihre Wirkung ausfallen. Dann muss die Fed die Zinsschraube unter Umständen richtig heftig drehen, um ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und die aufkommenden Inflationserwartungen zu brechen. In Bezug auf die Krise der Schwellenländer könnte sie bei Verzögerung später einen schweren Schaden anrichten als jetzt mit einer weitgehend antizipierten leichten Anpassung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/20/keine-hoeheren-zinsen-fed-schickt-globale-wirtschaft-auf-crash-kurs/

———————————————————————————————————————

18.03.2015

Fed bereitet den Abschied vom Niedrigzins vor

Geduld ist das Zauberwort der Geldpolitik. Die Fed hat es bei der Formulierung ihrer Ziele gestrichen. Doch der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wird nicht übereilt. Der Eurokurs reagierte massiv auf die Ansage.

———————————————————————–

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bewegt sich weiter auf ihre erste Leitzinserhöhung seit rund neun Jahren zu. Sie strich in ihrer geldpolitischen Mitteilung am Mittwoch den bisher genutzten Passus, bei der geplanten Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ zu sein. Man wolle nicht ausschließen, dass eine Anhebung in einer der nächsten Sitzungen möglich sei, sagte Fed-Chefin Janet Yellen.

Allerdings sei es wegen der niedrigen Inflation und einer leicht abgekühlten Konjunktur unwahrscheinlich, dass der Leitzins schon bei ihrem nächsten Treffen im April angehoben werde, teilten die Notenbanker in Washington mit. Damit dürfte er mindestens bis zum Juni auf dem Allzeit-Tief zwischen null und 0,25 Prozent bleiben, wo er seit der schweren Finanzkrise 2008 liegt.

Höchster Eurostand seit zwei Wochen

Analysten rechneten schon lange mit einer Zinserhöhung Mitte dieses Jahres. Manche halten aber auch einen späteren Zeitpunkt für möglich. Im Gegensatz zu den meisten anderen mächtigen Notenbanken hat die Fed die Märkte bereits auf eine Zinswende nach oben eingestimmt.

Der Eurokurs reagierte massiv positiv auf die Aussagen der Fed-Präsidentin. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg im Verlauf bis auf 1,1034 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Zuletzt wurde der Euro bei 1,0905 Dollar gehandelt. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,0592 (Dienstag: 1,0635) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9441 (0,9403) Euro.

Der sogenannte Offenmarktausschuss der Fed äußerte sich nach einer zweitägigen Sitzung in der schriftlichen Mitteilung betont vorsichtig. Die Streichung des Wortes „Geduld“ bedeute nicht, dass eine Entscheidung über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung gefallen sei, sagte Yellen. Es „bedeutet nicht, dass wir ungeduldig sein werden“.

Zuvor müsse sich der US-Arbeitsmarkt weiter erholen und Zuversicht bestehen, dass die Inflationsrate sich dem Fed-Zielwert von 2,0 Prozent annähere. Zwar liege die Erwerbslosenquote mit 5,5 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit fast sieben Jahren und dürfte weiter fallen. Aber das Lohnwachstum sei noch nicht befriedigend. Und die Inflationsrate lag zuletzt sogar nur bei minus 0,1 Prozent.

Der starke Dollar dürfte sie noch länger drücken, meinte Yellen. „Unsere Politik hängt von den Daten ab, und wir müssen auf einlaufende Daten reagieren. Natürlich können wir keine Gewissheit bieten.“

Die Wall Street erhält Aufwind

Die Aussicht auf einen relativ sanften Anstieg der Zinsen in diesem Jahr gab der Wallstreet Aufwind. Der Dow-Jones-Index legte 1,3 Prozent auf 18.076 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 1,2 Prozent auf 2099 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,9 Prozent auf 4982 Punkte vor. Der Euro legte mit mehr als 3 Prozent deutlich auf 1,0916 Dollar zu.

Nach Ansicht von Ökonom John Carey von Pioneer Investment in Boston verschafft sich die Fed mit der jüngsten Formulierung jede Menge Spielraum: „Sie hat sich die Flexibilität verschafft, die Zinsen jederzeit erhöhen zu können. Zugleich hat sie die Möglichkeit, zunächst nicht zu handeln, solange der Dollar so stark ist und die Wirtschaftsdaten uneinheitlich sind.“

Die Fed senkte ihren Wachstumsausblick für dieses Jahr und für die kommenden Jahre leicht. Statt mit 2,6 bis 3,0 Prozent rechnet sie nur noch mit 2,3 bis 2,7 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt 2015. Ähnliche Werte sieht sie für 2016 und 2017.

Hinsichtlich der Entwicklung der Verbraucherpreise geht die Zentralbank von Inflationsraten zwischen 0,6 und 0,8 Prozent für das laufende Jahr aus. Erst 2017 solle die Teuerung wieder die Zielmarke von 2,0 Prozent erreichen.

Deutlich vorsichtiger als zuletzt gaben sich die Ausschussmitglieder in der Frage, wie sich der Leitzins entwickelt. Sie gehen im Schnitt davon aus, dass der Zins zum Jahresende bei 0,5 bis 0,75 Prozent liegen werde. Bis Ende 2016 steige er dann auf 1,75 bis 2,0 Prozent. Zuvor waren diese Werte deutlich höher eingeschätzt worden.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/euro-reagiert-mit-kursprung-fed-bereitet-den-abschied-vom-niedrigzins-vor/11524856.html

———————————————————————————————————————

28.01.2015

Das Fed will Geduld walten lassen

«Geduld» heisst seit Mitte Dezember 2014 das neue Schlüsselwort in der Kommunikation der US-Zentralbank Fed. Am Mittwoch hat das Fed erneut mitgeteilt, bei der Wahl des Zeitpunkts und des Ausmasses der ersten Leitzinserhöhung seit über 8 Jahren geduldig sein zu können.

———————————————————————–

Konkret bedeutet das, dass in den kommenden zwei Fed-Sitzungen von Mitte März und Ende April noch mit keiner Zinserhöhung zu rechnen ist. Es bleibt demnach wahrscheinlich, dass das Fed den seit Dezember 2008 bei null liegenden Leitzins im Juni erstmals wieder erhöht.

In seinem gegenüber Dezember nur wenig veränderten Communiqué gibt das Fed auch keine Hinweise darauf, dass es sich durch die niedrige Inflation von seinem Vorhaben abbringen lassen könnte. Die US-Teuerung liegt seit 31 Monaten unter dem Zielwert von 2%. Zwar wird erwähnt, dass die marktbasierten (im Gegensatz zu den umfragebasierten) Inflationserwartungen jüngst erheblich gesunken seien. Der Rückgang der effektiven Teuerung reflektiere aber weitgehend die sinkenden Energiepreise und sei als vorübergehende Entwicklung anzusehen, schreibt das Fed. Entsprechend werde sich die Inflation mittelfristig schrittweise wieder der 2%-Marke annähern.

Die Gangart der wirtschaftlichen Aktivität bezeichnet das Fed zudem neu als «solid», nachdem noch im Dezember die Charakterisierung «gemässigt» verwendet worden war. Die Haltung des Fed wurde dieses Mal einstimmig verabschiedet. Noch im Dezember hatte es drei Gegenstimmen gegeben.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/das-fed-will-geduld-walten-lassen-1.18471133

———————————————————————————————————————

30.10.2014

US-Notenbank beendet Ankauf von Wertpapieren, hält Zinsen niedrig

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch ihr Ankaufprogramm von Wertpapieren beendet, hält die Zinssätze jedoch weiter niedrig. An der Wall Street gab es nur geringe Verluste, weil das billige Geld weiter für Liquidität sorgt.

———————————————————————–

Die US-Notenbank Federal Reserve stellt ihre milliardenschweren Konjunkturspritzen ein und verspricht weiter niedrige Zinsen. Die Zentralbank entschied am Mittwoch, ihr Ankaufprogramm für Wertpapiere zum Monatsende auslaufen zu lassen. Zuletzt hatte sie den Erwerb von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren bereits auf 15 Milliarden Dollar pro Monat gedrosselt. Mit dem Ende der Geldspritzen wird die Bilanz nun nicht mehr ausgeweitet. Die Fed hat sie mit mehreren Programmen zum Ankurbeln der Konjunktur in den Jahren nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 auf mehr als vier Billionen Dollar aufgebläht.

Den Leitzins hält sie seit Ende 2008 auf dem rekordniedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Die Fed erneuerte zugleich ihr Bekenntnis, ihre sehr lockere Geldpolitik noch “geraume Zeit” beizubehalten. An den Märkten wird für Mitte 2015 mit der Zinswende gerechnet, einige Investoren tippen sogar auf einen noch späteren Termin im kommenden Jahr. Die Fed legte sich indes nicht fest. Sie betonte, sie werde sich beim Zeitpunkt künftiger Zinserhöhungen davon leiten lassen, wie die Daten zur Wirtschaftsentwicklung ausfielen. Falls es etwa größere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und stabilen Preisen geben sollte als erwartet, könnten “Zinserhöhungen wahrscheinlich früher kommen als derzeit angenommen”. Diese Wortwahl lässt aufhorchen. Womöglich ist Fed-Chefin Janet Yellen damit den Notenbankern Charles Plosser und Richard Fisher entgegengekommen, die auf der vorigen Sitzung gegen den Fed-Beschluss gestimmt hatten. Nun regte sich nur noch eine Gegenstimme: Der Chef der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, forderte eine längere Festlegung auf Null-Zinsen.

Ökonom Harm Bandholz von der Großbank UniCredit attestierte der Zentralbank “gute Arbeit”. Es sei ihr gelungen, die Normalisierung der Geldpolitik voranzutreiben, ohne die Märkte aufzuscheuchen. Wahrscheinlich könne sie ihr Bekenntnis, die Zinsen geraume Zeit niedrig zu halten, bald kassieren. Denn die Fed habe den Investoren die Abhängigkeit ihrer Geldpolitik von der Konjunktur ausreichend deutlich gemacht.

WALL STREET REAGIERT GELASSEN

Die Wall Street trug das anstehende Ende der Konjunkturspritzen mit Fassung. Die US-Aktienmärkte bauten ihre Verluste nach dem Zinsentscheid leicht aus. Der Euro gab zum Dollar nach. Die US-Notenbank hat mit ihren Geldspritzen maßgeblich zur Aktien-Rally der vergangenen Jahre beigetragen. Kritiker werfen ihr vor, damit neuen Vermögenspreisblasen Vorschub zu leisten und mittelfristig Inflationsgefahren heraufzubeschwören.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/30/us-notenbank-beendet-ankauf-von-wertpapieren-haelt-zinsen-niedrig/

———————————————————————————————————————

23.09.2014

Verfehlte Politik der Fed: Zins-Wende wird Pleite-Welle auslösen

Die Zinserhöhung in den USA wird umso drastischer ausfallen, je länger sie aufgeschoben wird. Dies zeigen die Prognosen der Mitglieder des höchsten Fed-Gremiums. Demnach wird nach der Wende ein neuer Zinszyklus beginnen, an dessen Ende zwangsläufig zahlreiche Unternehmenspleiten stehen werden.

———————————————————————–

Nach der Sitzung des entscheidenden Offenmarktausschusses der FED diese Woche scheint eine Zinserhöhung erst einmal auf die lange Bank geschoben. Die historisch einmalige Nullzinsphase seit Dezember 2008 soll noch eine „beträchtliche Zeit“ fortdauern. Angesichts dieser Aussage wird allerdings zu wenig beachtet, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre Zinsprognosen für Ende 2015 und Ende 2016 erhöht haben. Das lässt also erwarten, dass die aufgeschobenen Zinserhöhungen später umso stärker und in einem umso schnelleren Takt erfolgen werden.

Entwarnung für die amerikanischen Unternehmen kann also keinesfalls gegeben werden. Die Zinsen für Unternehmensanleihen werden schnell folgen, wenn der Leitzins steigt. Und mit einer leichten Verzögerung gehen dann auch die Zinsausgaben der Unternehmen in die Höhe. Einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Moody’s zufolge, belaufen sich zur Zeit die ausstehenden kurzfristigen Verbindlichkeiten der amerikanischen Unternehmen auf 1.973 Milliarden Dollar. Steigt der Leitzins um ein Prozentpunkt, bedeutet das für die Unternehmen 15 bis 20 Milliarden Dollar Mehrausgaben für Zinsen netto.

Das Ende scheint dann den Daten von Moody’s zufolge fast zwangsläufig. Nach jeder längeren Phase von Leitzinserhöhungen schnellten die Ausfallraten bei Unternehmensanleihen in die Höhe. Unternehmen konnten nicht mehr zahlen. So stieg nach der Zinserhöhungsphase 2004-2007 die Ausfallrate für Unternehmensanleihen von 1,1% auf bis zu 14,8% im Oktober/November 2009. Ähnliches lässt sich auch nach vorhergehenden Zinserhöhungsphasen beobachten. Dabei wird die Spitze regelmäßig in einer Zeit schon wieder fallender Zinsen erreicht, kann aber offensichtlich durch sie nicht verhindert werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/23/verfehlte-politik-der-fed-zins-wende-wird-pleite-welle-ausloesen/

———————————————————————————————————————

28.07.2014

Amerikas Zentralbank vor der Maginot-Linie

Wann muss Amerikas Notenbank Federal Reserve den Leitzins anheben, um Finanzmarktblasen die Luft zu nehmen? Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche verschärfen die Debatte.

———————————————————————–

Marktbeobachter, aufgepasst. Jetzt sind Geschichtskenntnisse gefragt. Was meint Richard Fisher, der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank von Dallas, wenn er von der Maginot-Linie spricht? Richtig, die Maginot-Linie war ein System von Verteidigungssystem von Bunkern und Kasematten, das die Franzosen in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Schutzwall gegen die Deutschen errichtet hatten und das in Gedenken an Verteidigungsminister André Maginot benannt wurde. Genützt hatte das nicht so viel: Die deutsche Wehrmacht durchquerte die Niederlande, Belgien und Luxemburg, umging so die Maginot-Linie und griff Frankreich von Norden kommend her an.

Auf diese historische Episode bezieht Fisher sich, wenn er in einer aktuellen Rede die makro-prudentielle Aufsicht als so etwas wie die Maginot-Linie bezeichnet: Sie könne umgangen werden. „Auf die makro-prudentielle Aufsicht zu vertrauen, um finanzielle Instabilität zu verhindern, verschafft ein künstliches Gefühl der Sicherheit“, sagte Fisher. Das ist harter Tobak in der Debatte, wie die Notenbanken trotz gewollter Liquiditätsschwemme verhindern können, dass es zu neuen Blasen an den Finanzmärkten kommt.

Mit den Zinsen Blasen verhindern?

Die Kernidee der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen und vieler anderer Notenbanker ist, dass man die Leitzinsen ruhig noch ein wenig bei Null halten könne, solange die Aufseher durch Kreditauflagen oder ähnliche Eingriffe Finanzblasen vorbeugen könnten. Problematisch daran aber ist, dass das makro-prudentielle Instrumentarium noch nicht getestet wurde. Niemand weiß, ob es mit regulatorischen Eingriffen wirklich gelingen kann, Blasen zu verhindern.

Problematisch ist ferner, dass die Aufseher vor Krisen üblicherweise blind sind und nicht erkennen, wo an den Finanzmärkten die nächste Krise lauert. Wie aber wollen sie dann einer Krise durch regulierende Eingriffe vorbeugen? Zinserhöhungen, um die Liquiditätsschwemme und die Blasengefahr zu verringern, haben den Vorteil, das sie „in allen Ritzen“ wirken. So hatte es vor einigen Monaten der frühere Fed-Notenbanker Jeremy Stein formuliert.

Fisher schießt mit seinem historischen Vergleich gegen ein allzu großes Vertrauen in die makro-prudentielle Regulierung. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Zinspolitik nicht nur Mittel der Konjunktursteuerung, sondern auch Mittel zur Absicherung gegen finanzielle Instabilität sein muss. Im Klartext: Die Zinsen müssen notfalls steigen, bevor es zu Blasen kommt. Es ist bemerkenswert, dass auch Yellen das im Extremfall nicht ausschließt. „Es mag Zeiten geben, in denen eine Anpassung der Geldpolitik angemessen sein mag, um aufkommende Risiken für die Finanzstabilität zu mindern“, sagte sie Anfang Juli in einer Rede am Internationalen Währungsfonds.

Davon aber sieht die Fed-Vorsitzende die Vereinigten Staaten noch weit entfernt. Yellen betont seit Wochen die Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage, während sie die Finanzmarktrisiken klein redet. Die Fed scheint sicher genug zu sein, um bis zur Sitzung im Oktober die Anleihekäufe zu verringern und dann einzustellen. Was danach kommt ist unsicher, insbesondere die Perspektive, wann die Fed den Leitzins, der seit Dezember 2008 bei nahe Null Prozent liegt, anheben wird. Irgendwann im Sommer 2015, wird an den Finanzmärkten gemutmaßt. Notenbanker wie Fisher können sich aber gegebenenfalls auch schon Zinserhöhungen noch in diesem Jahr vorstellen. Fisher gehört freilich zur Minderheit der „Falken“ im Offenmarktausschuss,.

Eine Woche wichtiger Konjunkturdaten

In dieser Woche wird die Unsicherheit über die Wirtschaftslage sich womöglich ein wenig legen – oder verstärkt werden. Eine Fülle von Konjunkturindikatoren steht an, wobei zwei hervorstechen. Am Mittwoch gibt es die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Ökonomen rechnen gemäß Umfragen mit einem – auf ein Jahr hochgerechneten – Wachstumsrate von etwa 3 Prozent. Das wäre eine deutliche Erholung und ein Signal, dass die drastische Schrumpfung um 2,9 Prozent im ersten Quartal wirklich vorübergehend und vor allem dem extrem harschen geschuldet war.

Dieses Konjunkturbild entspricht bislang auch die Erwartung der Federal Reserve, deren Offenmarktausschuss am Mittwoch wohl bekanntgeben wird, die Anleihekäufe weiter zu schrumpfen. Mehr Neuigkeiten werden von der Fed vor der Sommerpause nicht erwartet. Über den konkreten Wachstumszahlen schwebt Unsicherheit, weil im Sommer üblicherweise größere historische Revisionen erfolgen.

Am Freitag steht dann der Arbeitsmarktbericht für Juli an. Die fünf vorherigen Monate gab es Beschäftigtenzuwächse von mindesten 200.000. Solch eine Serie gab es zuletzt Anfang der neunziger Jahre. Analysten erwarten weitgehend, dass als Zeichen der sich stärkenden Konjunktur auch im Juli deutlich mehr als 200.000 Stellen geschaffen wurden. Die Arbeitslosenquote könnte von 6,1 auf 6 Prozent gesunken sein.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/die-federal-reserve-vor-der-maginot-linie-13067930.html

———————————————————————————————————————

19.06.2014

Fed muss weiter Milliarden drucken

Die US-Notenbank muss monatlich noch immer 35 Milliarden Dollar in den Finanzmarkt pumpen, um die US-Wirtschaft zu stützen. Die Fed drosselt ihre monatlichen Anleihekäufe nur leicht um zehn Milliarden Dollar. Zudem belässt sie den Leitzins auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent.

———————————————————————–

Die US-Notenbank drosselt ihre Geldspritzen weiter und peilt für 2015 Zinserhöhungen an. Die monatlichen Konjunkturhilfen werden nun zunächst um zehn Milliarden Dollar gekürzt, wie der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss der Federal Reserve (Fed) am Mittwoch entschied. Das Volumen der Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Papieren beträgt damit immer noch 35 Milliarden Dollar pro Monat.

Die Notenbanker um Fed-Chefin Janet Yellen beließen den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent. Nur ein Zentralbanker will ihn noch dieses Jahr erhöhen, zwölf Kollegen 2015 und drei weitere wollen damit bis 2016 warten. Zugleich könnten die Zinserhöhungen 2015 etwas kräftiger ausfallen als bislang gedacht, wie aus den Prognosen hervorgeht. Yellen betonte, es müsse weiterhin Unklarheit über den „weiteren Zinspfad“ herrschen. Die Fed könne sich nicht vorab festlegen und werde den Kurs flexibel an Konjunktur und Inflation anpassen.

Die Fed-Führungsmitglieder veranschlagen im Schnitt für Ende 2015 ein Zinsniveau von 1,125 Prozent. Im März hatten sie lediglich 1,00 Prozent angepeilt. „Gut zwei Drittel der Notenbanker erwarten mindestens drei Leitzinsschritte für 2015. Dies dürfte die Zinserhöhungsspekulationen befeuern“, meint Ökonomin Ulrike Rondorf vom Bankhaus Lampe. Zugleich veranschlagt die Fed nun für Ende 2016 ein Leitzins-Niveau von 2,5 Prozent. Im März waren noch 2,25 Prozent angepeilt worden.

Für 2014 beurteilt die Fed nach dem kältebedingt schwachen Start ins Jahr die Wachstumsaussichten nicht mehr ganz so rosig. Sie veranschlagt jetzt ein Plus von maximal 2,3 Prozent, im März hatte sie mit bis zu drei Prozent gerechnet. An den Prognosen für die kommenden Jahre machte die Fed jedoch keine Abstriche.

Erstmals nahm an der Zinssitzung auch der neue Fed-Vizechef Stanley Fischer teil. Der frühere israelische Notenbankchef hatte erst vorige Woche vom Senat grünes Licht bekommen für den Posten erhalten. Der Ökonomie-Professor mit israelischem und amerikanischem Pass gilt als Pragmatiker. Er wird mit Yellen zusammen die schier unlösbare Aufgabe gestalten müssen, die in den Krisenjahren durch diverse Konjunkturprogramme auf 4,3 Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz der Fed wieder auf Normalmaß zu stutzten.

Die Kardinalfrage ist, ob sie vor oder erst nach einer Zinserhöhung damit beginnen wird. Um die Bilanzsumme zu verringern, kann die Fed mit der Praxis brechen, die Einnahmen aus auslaufenden Wertpapieren wieder in neue Titel zu investieren. Sollte sie Papiere abstoßen, könnte die Bilanz noch schneller schrumpfen. Yellen sagte, es bleibe bei dem 2011 beschlossenen Prinzip, die aufgeblähte Bilanz mit der Zeit zu normalisieren. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Fed Hypothekenpapiere abstoßen werde. Sie hoffe, noch 2014 einen überarbeiteten Plan vorzulegen, wie die Fed die Normalisierung ihrer Geldpolitik gestalten wolle.

Die Fed, die stabile Preise sichern und Vollbeschäftigung fördern soll, blickt zugleich mittlerweile mit etwas weniger Sorge auf den Arbeitsmarkt. Bis Ende des Jahres soll die Arbeitslosenquote nach den Projektionen der Notenbank auf 6,0 bis 6,1 Prozent sinken. Im März hatte sie noch 6,1 bis 6,3 Prozent veranschlagt. Die während der schweren Rezession verloren gegangenen Jobs sind inzwischen wieder aufgebaut. Die Arbeitslosenquote stagnierte im Mai bei 6,3 Prozent. Niedriger war sie zuletzt vor fünfeinhalb Jahren.

Die noch immer relativ hohe Zahl von Teilzeitkräften und Langzeitarbeitslosen bereitet der Fed aber Sorge. Die jüngste Abkühlung der Baukonjunktur gibt zudem Befürwortern einer lockeren Geldpolitik Argumente für ein Beibehalten der Niedrigzinspolitik an die Hand: Grund für die Entwicklung dürften steigende Zinsen für Immobilienkredite sein. Außerdem zogen die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen zuletzt an. Yellen warnte bereits, ein anhaltend schwaches Baugeschehen dürfte den Aufschwung bremsen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/19/fed-muss-weiter-milliarden-drucken/

———————————————————————————————————————

14.05.2014

Informationslecks bei der Federal Reserve?

Bei der amerikanischen Notenbank hat es womöglich Informationslecks gegeben. Handelsdaten sollen darauf hindeuten, dass einige Teilnehmer Zinsentscheidungen schon vorher kannten.

————————————————————————————-

Vorzeitiges Wissen über die geldpolitischen Entscheidungen der amerikanischen Notenbank ist an den Finanzmärkten Geld wert. Die Federal Reserve versucht deshalb, ihre Beschlüsse vor der Veröffentlichung geheim zu halten. Sonderlich erfolgreich war sie damit in den vergangenen Jahren offenbar nicht. Zwischen 1997 bis 2013 könnten Investoren vorab von den Entscheidungen erfahren haben und durch vorzeitigen Handel Sondergewinne eingefahren haben. Darauf deutet eine gerade veröffentlichte Studie von drei Ökonomen aus Singapur hin. Sie berechnen grob, dass die Vorabinformationen Handelsgewinne von 14 Millionen bis 256 Millionen Dollar eingebracht haben  könnte.

Gemäß der Studie zeigen Aufzeichnung zum Hochfrequenzhandel an vier Teilmärkten kurz vor den Veröffentlichungen der Fed-Entscheidungen Kauf- und Verkaufsorder, die statistisch signifikant sind und in die Richtung der folgenden geldpolitischen Überraschungen weisen. Das schreiben die Ökonomen Gennaro Bernile, Jianfeng Hu und Yuehua Tang von der Singapore Management University in der Studie.

Die verdächtigen Handelsaktivitäten passierten während der Zeit, in der ausgewählte Journalisten die Fed-Entscheidungen vor Veröffentlichung schon einsehen konnten. Für europäische Journalisten, die etwa über die Europäische Zentralbank berichten, ist dieses Prozedere ungewohnt. Tatsächlich gibt die Fed einer kleinen Gruppe von Reportern vorwiegend von Nachrichtenagenturen unter Embargo die Entscheidung schon vorab bekannt, so dass pünktlich zum Veröffentlichungszeitpunkt die Information über den Ticker und die Internetseiten laufen kann. Für Händler, die auf die Finanznachrichtennetze von Reuters, Dow Jones oder Bloomberg zurückgreifen, zählt dabei jede Millisekunde.

Anzeichen für informierten Handel

Erst im Herbst hatte die Fed die Regeln, unter denen ausgewählte Journalisten die Entscheidung vorab einsehen können, verschärft. Bei der Zinsentscheidung im September war es zu Merkwürdigkeiten und möglichen Informationslecks gekommen. Seit Oktober dürfen ausgewählte Journalisten die Entscheidung 20 Minuten vorab in einem Raum in der Fed einsehen. Sie müssen ihre Handys abgeben und haben erst zum Veröffentlichungszeitpunkt Zugang zu elektronischen Leitungen. Zuvor hatte die Fed die Entscheidung 10 Minuten vorab im Presseraum des Finanzministeriums bekannt gegeben und sich auf die Zusage der Journalisten verlassen, das Embargo einzuhalten. Vor der Finanzkrise 2008 erhielten die Reporter die Fed-Veröffentlichung mit fünf Minuten Vorlauf.

Die Autoren der Studie finden „robuste Anzeichen“, dass es während der sogenannten „Lockup-Perioden“ für Journalisten vor Fed-Entscheidungen an vier Märkten für Aktienindex-Futures oder Exchange Traded Funds (ETF) zu informiertem Handel gekommen sei. Das ist noch kein Beleg, dass Journalisten die Informationen vorab weitergaben oder in ihre Nachrichtennetze einspeisten. Aber der Verdacht liegt nahe. Über die Studie berichtete zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auch statistische Ämter in den Vereinigten Staaten geben wichtige Wirtschaftsinformationen unter Embargo ausgewählten Journalisten schon kurz vor Veröffentlichung bekannt. Die Forscher finden keine Anzeichen für Informationslecks rund um die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex, der Arbeitsmarktdaten oder des Wirtschaftswachstums.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/informationslecks-bei-der-amerikanischen-notenbank-12938483.html

———————————————————————————————————————

19.04.2014

Federal Reserve schönt Daten zur Kreditvergabe

Nach Angaben der US-Zentralbank hat die Kreditvergabe zuletzt deutlich angezogen. Doch die vier größten US-Banken melden einen Rückgang der Kreditvergabe. Dies nährt Zweifel an den Daten der Fed, die der Öffentlichkeit offenbar das tatsächliche Ausmaß der Kreditklemme verschweigt.

————————————————————————————-

Die US-Zentralbank hat berichtet, dass die Kreditmenge im ersten Quartal deutlich gewachsen ist. Doch die größten vier Banken der USA melden einen Rückgang bei der Kreditvergabe. Dies sorgt für Zweifel an den Daten der Federal Reserve (Fed).

Nach offiziellen Angaben der Federal Reserve lag Anfang April der Gesamtumfang aller Kredite bei US-Geschäftsbanken bei mehr als 7,5 Billionen Dollar. Das ist zwar ein Rekord-Stand. Doch die Summe der Kredite steigt seit fünf Jahren nur langsam. Bereits zum Zeitpunkt der Lehman-Pleite im Jahr 2008 lag sie 7,3 Billionen Dollar.

Die schwache Kreditvergabe diente und dient der US-Zentralbank als Begründung für ihre lockere Geldpolitik (QE). Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sie circa 3 Billion Dollar gedruckt und damit der US-Regierung billige Zinsen verschafft und den Banken Papiere über Wert abgekauft. Doch das erklärte Ziel, die Kreditvergabe anzukurbeln, hat sie offenbar wenn überhaupt nur in sehr geringem Maße erreicht.

Nach Angaben der Fed ist die Menge der vergebenen Kredite aller US-Banken im ersten Quartal um 135 Milliarden Dollar gestiegen. Doch der Finanzblog Zero Hedge weist nach, dass diese Daten äußerst unglaubwürdig sind. Denn die Daten der vier größten US-Banken – JPMorgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo – zeichnen ein ganz anderes Bild.

Von diesen vier Großbanken ist nur bei Wells Fargo die Kredit-Menge gestiegen, um winzige 4 Milliarden Dollar (bei einer Bilanzsumme von mehr als 1,5 Billion Dollar). Bei den anderen drei Banken war sie rückläufig. Insgesamt ging die Kreditvergabe bei den vier größten US-Banken im ersten Quartal deutlich zurück, obwohl sie von der Fed mit Geld geradezu überschüttet werden.

Um der Fed einen Fehler nachzuweisen, müsste man die Kreditvergabe bei allen in den USA tätigen Geschäftsbanken prüfen. Doch schon die größten vier Banken wecken begründete Zweifel. Denn sie halten Kredite im Umfang von insgesamt 3,14 Billion Dollar. Das sind 42 Prozent aller Kredite von Geschäftsbanken in den USA.

Es ist unklar, wie die Fed insgesamt auf ein Kredit-Wachstum im Umfang von 135 Milliarden im ersten Quartal kommt. Denn wenn die größten vier Banken einen deutlichen Kreditrückgang verzeichnen, dann kann dies von den kleineren Banken kaum noch ausgeglichen werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/19/federal-reserve-schoent-daten-zur-kreditvergabe/

———————————————————————————————————————

03.04.2014

Löst die Fed den größten Crash der Börsengeschichte aus?

In einem Interview mit der New York Times bezeichnet Milliardär Jeremy Grantham die neue Fed-Chefin Janet Yellen als ignorant. Er erwartet, dass die Fed einen Crash “wie niemals zuvor” auslösen wird.

————————————————————————————-

Jeremy Grantham ist Mitgründer und Chef-Stratege des US-Investmenthauses GMO. Das Unternehmen verwaltet 117 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Der Milliardär lässt in einem Interview mit der New York Times kein gutes Haar an der neuen Fed-Präsidentin Janet Yellen.

Er bezeichnet sie als ignorant und ist der Meinung, dass die Federal Reserve mit ihrer aktuellen Geldpolitik den Wirtschaftsaufschwung in den USA abwürgen wird. Seine Gesellschaft investiere derzeit keine Kundengelder mehr in den Aktienmarkt. Man erwarte einen heftigen Crash.

Der nächste Absturz wird schlimmer als alles Bisherige, weil die Fed und andere Zentralbanken in der Welt alles an Schulden aufgenommen haben, was verfügbar war und es in ihre Bilanzen gepackt. So etwas haben wir bisher nicht erlebt. Das wird sehr schmerzhaft für Investoren”, sagt Grantham.

Die Fed hat in ihrer letzten Sitzung zum dritten Mal in Folge eine Reduzierung ihrer monatlichen Wertpapierkäufe angekündigt. Derzeit kauft man aber immer noch amerikanische Hypothekenpapiere und Staatsanleihen im Umfang von 55 Milliarden US-Dollar pro Monat. Die Bilanz des Federal Reserve Systems hat sich seit 2008 dramatisch verlängert. Zuletzt wiesen die Fed-Banken gemeinsam Finanzwerte von 4,23 Billionen US-Dollar aus (siehe Grafik oben).

Eines sollte klar sein: Ein Crash kommt nie per Ansage. Dennoch häufen sich die Warnzeichen. So gibt es laut Money News Gerüchte, dass auch Milliardär Waren Buffett sich auf einen möglichen Crash vorbereitet. Der so genannte “Waren Buffet Indicator”, auch bekannt als “Total-Market-Cap to GDP-Ratio”, habe eine Verkaufssignal ausgelöst. Er zeigt das Verhältnis an zwischen der US-Börsenkapitalisierung und dem US-Bruttoinlandsprodukt. Bereits Mitte Februar lag die Ratio bei 115 Prozent. Im Jahr 2000, unmittelbar bevor es zum weltweiten Börsencrash kam, notierte der Wert bei 183 Prozent, wie Forbes berichtet. Der Marktwert der US-Aktien überstieg zu diesem Zeitpunkt damit den Wert der US-Wirtschaftsleistung um 83 Prozent. Im Jahr 2007, kurz vor dem Platzen der US-Immobilienblase, wurde eine Ratio von 135 Prozent festgestellt.

http://www.goldreporter.de/loest-die-fed-den-groessten-crash-der-boersengeschichte-aus/news/40750/

———————————————————————————————————————

02.04.2014

US-Notenbank schürt Blase

Für viele Amerikaner ist der Traum vom eigenen Haus ausgeträumt

Weil Investoren die Nullzinspolitik der Fed nutzen, um Häuser zu kaufen und damit die Preise hochgetrieben haben, können sich viele Amerikaner ein eigenes Heim kaum mehr leisten. Zumal die Verbraucher hoch verschuldet sind. Einige Zahlen vom Häusermarkt zeigen eindrucksvoll, dass die Investoren verstärkt darauf spekulieren, dass die Amerikaner zu einer Nation von Mietern werden.

————————————————————————————-

Die Zeiten, als ein 30jähriger Amerikaner davon geträumt hat, ein Haus zu kaufen, darin eine Familie zu gründen und den amerikanischen Traum zu leben, sind lange vorbei. Verantwortlich für diesen Missstand ist die US-Notenbank. Mit ihrer Nullzinspolitik ermöglicht sie es Investoren, wie Hedgefonds oder Private-Equity-Firmen wie BlackStone, Geld zu Mini-Zinsen aufzunehmen und dafür in großem Stil Häuser zu kaufen. Während die Absatzzahlen für Ein-Familien-Häuser, die „normale“ Amerikaner kaufen, schwach sind, schießen derweil jene für Mehr-Familien-Häuser nach oben. Letztere werden von den Investoren gekauft und anschließend an jene Amerikaner vermietet, die sich den Kauf eines Hauses nicht mehr leisten können.

Entsprechend groß sind die Verwerfungen am Häusermarkt. Zuletzt wurden fast 60 Prozent aller erworbenen Häuser von den Käufern bar bezahlt. Das ist Rekord. In den Jahren vor der 2008er-Finanzkrise lag der Wert bei lediglich 20 Prozent. Die aktuellen Daten zeigen, wie gering der Anteil der Amerikaner aus der Mittelschicht an der bisherigen Erholung am Häusermarkt ist.

Je länger die Fed mit ihrer Politik weitermacht, umso größer werden die Verwerfungen. Während die Baugenehmigungen für Ein-Familien-Häuser zuletzt mit einer annualisierten Rate von 588.000 Einheiten auf das niedrigste Niveau seit Januar 2013 gesunken sind, sind die Baugenehmigungen für Mehr-Familienhäuser auf 407.000 hochgeschossen. Das ist das höchste Niveau seit Juni 2008. Gegenüber dem Tief von Mitte 2009 hat sich die Anzahl damit vervierfacht. Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Baufirmen und Investoren nicht mehr mit einer Erholung des Marktes für Ein-Familien-Häuser rechnen und sich vielmehr auf Immobilen zum Vermieten fokussieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Amerikaner bei einem anhaltend schwachen Arbeitsmarkt auch genug Geld haben, um die steigenden Mieten zu bezahlen.

Wie wenig erschwinglich viele Häuser für die Amerikaner geworden sind, zeigt, dass die Verkäufe mit Preisen bis zu 100.000 Dollar zuletzt um 18 Prozent und jene in der Kategorie zwischen 100.000 und 250.000 Dollar um 7,2 Prozent eingebrochen sind. Im Bereich ab Preisen von 500.000 Dollar je Einheit aufwärts brummt aber das Geschäft.

Inzwischen dämmert selbst der National Association of Realtors (NAR), dem Branchenverband der Immobilienmakler, dass der Sektor vor einem größer werdenden Problem steht: das der Studienkredite. So sind die Studienkredite im Januar auf 1,23 Billionen Dollar gestiegen. Damit sind sie größer als die Autokredite der Amerikaner, die bei „nur“ 874 Mrd. Dollar liegen. „20 Prozent der potenziellen Käufer im Alter von unter 33 Jahren, also aus jener Gruppe, die üblicherweise erstmals ein Haus kauft, haben den Kauf wegen ihrer Schulden verschoben“, sagte NAR-Präsident Steve Brown. In der jüngsten Umfrage hätten 56 Prozent der jüngeren Käufer, die länger gebraucht hätten, um das notwendige Eigenkapital anzusparen, erklärt, die Studienkredite seien der Hauptgrund dafür gewesen.

Die Luft aus der Blase am Häusermarkt beginnt allerdings allmählich zu entweichen. Nachdem die durchschnittlichen Preise für bestehende Häuser im Juni 2013 mit 261.000 Dollar noch auf ein Fünf-Jahres-Hoch geklettert waren, sind sie zuletzt auf 237.300 Dollar gesunken. Mit den sinkenden Preisen wächst die Gefahr, dass die Blase am Häusermarkt platzt. Wenn es den Investoren dämmert, dass sie die gekauften Häuser nicht mehr zu höheren Preisen an die nächsten Investoren weiterverkaufen können, geht die bisherige Party am Häusermarkt schnell zu Ende. Dann könnten die Häuserpreise viel schneller fallen, als sie in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Von Egmond Haidt

http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/fuer-viele-amerikaner-ist-der-traum-vom-eigenen-haus-ausgetraeumt_H185449976_66891/

———————————————————————————————————————

13.02.2014

Fed-Chef Bernanke hielt Banken mit 30 Billionen Dollar am Leben

Die Fed reagierte auf die Finanzkrise, indem sie den Banken Bailouts in Höhe von 30 Billionen Dollar zur Verfügung stellte. So hielt die US-Zentralbank das globale Finanzsystem aufrecht. Die großen Banken der Welt bereicherten sich in einem bisher nicht gekannten Ausmaß.

————————————————————————————-

Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken der Welt wie niemals zuvor in das weltweite Finanzsystem eingegriffen. Sie retteten die großen Banken und ließen die Bürger der Welt dafür zahlen. Eine Studie des Ökonomen James Felkerson vom Levi Economics Institute zeigt, in welchem Umfang die einzelnen Banken von den Bailouts der US-Zentralbank profitiert haben.

Seit Ausbruch der Finanzkrise hat die Federal Reserve den Banken mit knapp 30 Billionen Dollar gezahlt, so die Studie. In dieser Summe sind sowohl direkte Kredite zum Null-Zins als auch die Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Krediten durch die Fed enthalten. Die Summe der Rettungsgelder ist etwa doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt der USA. Dabei gingen auch knapp 11 Billionen Dollar an Banken außerhalb der USA.

Die drei teuersten Banken-Hilfen waren Liquiditäts-Swaps mit ausländischen Zentralbanken, Primärdealer-Kredite (primary dealer credit facility) und Sonder-Refinanzierungen (term auction facility), die zusammen knapp 22 Billionen Dollar ausmachen. Das sind zwei Drittel aller Banken-Bailouts.

Das Programm der Sonder-Refinanzierungen wurde im Dezember 2007 angekündigt. Es ziele auf „die erhöhten Spannungen bei der kurzfristigen Finanzierung“, so die Fed. Die Banken konnten bei Auktionen Kredite ersteigern, die über 28 oder 84 Tage liefen. Dabei mussten sie weniger Sicherheiten hinterlegen, als die Zentralbank üblicherweise forderte. Zudem konnten die Banken die steigenden Zinsen auf dem Interbankenmarkt vermeiden.

Insgesamt 416 Banken nutzten das Programm der Sonder-Refinanzierungen. Von den 25 größten Nutznießern des Programms waren 19 ausländische Institutionen. Insgesamt versteigerte die Fed über das Programm Kredite im Umfang von knapp 4 Billionen Dollar. Die höchsten Kredite gingen an die Bank of America Corporation, an Barclays PLC, an die Royal Bank of Scotland, an die Bank of Scotland und an Wells Fargo.

Um den Banken kurzfristig Liquidität zu verschaffen, errichtete die Fed außerdem ein Programm von Liquiditäts-Swaps mit den Zentralbanken anderer Staaten (Central Bank Liquidity Swap Lines). Dabei kann eine andere Zentralbank einen Betrag in ihrer Währung bei der Fed zum aktuellen Kurs gegen Dollar eintauschen. Zugleich verpflichtet sie sich, zu einem festen Zeitpunkt denselben Betrag zum selben Kurs zurückzukaufen, plus Zinsen.

Die ersten Zentralbanken, die dieses Programm nutzten waren die EZB (insgesamt 8 Billionen Dollar) und die Schweizer Nationalbank. Das Programm lief ebenso wie das Programm der Sonder-Refinanzierungen von Dezember 2007 bis Februar 2010. Insgesamt lieh die Fed den ausländischen Zentralbanken mehr als 10 Billionen Dollar. Die gesamte Summe wurde zurückgezahlt.

Primärdealer sind jene 21 Banken, die Staatsanleihen direkt von der US-Regierung kaufen, um sie dann als Market-Maker am Markt weiterzuverkaufen. Seit 2008 erhielten sie besonders leicht sogenannte Über-Nacht-Kredite von der Fed. Diese Kredite hatten einen Gesamtumfang von knapp 9 Billionen Dollar. Die fünf größten Profiteure dieses Programms waren Merrill Lynch, Citigroup, Morgan Stanley, Bear Stearns und Bank of America.

Die Reaktion der Federal Reserve auf die Finanzkrise war ein Bailout der größten Finanzinstitute der Welt in bisher ungekanntem Ausmaß, so die Studie. Einige wenige Too-big-to-fail-Banken erhielten den Großteil der Fed-Hilfen. Hätte die Fed das Geld statt den Banken den Bürgern gegeben, hätte jeder Bürger der USA knapp 100.000 Dollar erhalten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/13/fed-chef-bernanke-hielt-banken-mit-30-billionen-dollar-am-leben/

———————————————————————————————————————

11.02.2014

US-Zentralbank dreht Geldhahn weiter zu

Trotz jüngster Rückschläge am Arbeitsmarkt will die neue Janet Yellen die Geldschwemme weiter eindämmen. Die Zinsen bleiben aber weiterhin niedrig. Die Märkte reagierten verhalten.

————————————————————————————-

Die umstrittenen Milliardenspritzen der Federal Reserve (Fed) werden maßvoll gedrosselt, wie US-Notenbankchefin Yellen am Dienstag in ihrer mit Spannung erwarteten Antrittsrede im US-Kongress ankündigte. Überraschungen blieben allerdings aus: Sie signalisierte, dass die Fed die Wirtschaft noch lange mit niedrigen Zinsen unterstützen wird. „Denn der Arbeitsmarkt ist weit von einer durchgreifenden Erholung entfernt”, betonte Yellen vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses.

Sie will dem Kurs ihres Vorgängers Ben Bernanke treu bleiben. Der hatte die US-Wirtschaft mit Billionen Dollar aufgepäppelt. Zuletzt begann er aber, die Geldflut wegen der anziehenden Konjunktur einzudämmen (mehr hier). Derzeit pumpt die Fed monatlich noch 65 Milliarden Dollar in das Finanzsystem

Geldpolitik sei kein „Allheilmittel“, sagte Yellen. Auch die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen für den Jobmarkt zu verbessern, mahnte die 67-jährige Arbeitsmarkt-Expertin. Sie hat erst vorige Woche als erste Frau das Steuer der mächtigsten Zentralbank der Welt übernommen.

Die ehemalige Harvard-Ökonomin, die ihren Text ohne erkennbare Nervosität und eher bedächtig vortrug, gilt als Anhängerin einer weichen, eher konjunkturfördernden Linie, die weniger streng auf Inflationsgefahren achtet. Die Fed hat ihre Bilanz in den Krisenjahren seit 2008 auf mittlerweile mehr als vier Billionen Dollar aufgebläht. Durch die Geldschwemme drohen nach Ansicht von Fed-Kritikern im Aufschwung eine hohe Inflation und Vermögenspreisblasen wie vor einigen Jahren am Immobilienmarkt.

Die Aussicht auf klare Verhältnisse in der US-Geldpolitik stützte die Wall Street. Börsianer sprachen von einem Signal der Kontinuität. „Sie hat klargemacht, dass die bisherige geldpolitische Strategie fortgesetzt wird und dass sie die Probleme im Blick hat“, sagte Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Die Märkte rechnen nicht vor Frühjahr 2015 mit einer Zinserhöhung. Die Fed hält den Schlüsselzins nunmehr bereits seit Ende 2008 mit null bis 0,25 Prozent extrem niedrig. Sie hatte zunächst signalisiert, dass sie über eine Erhöhung nachdenken will, sobald die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Da diese Quote nun bereits in greifbare Nähe gerückt ist, will die Fed jedoch „noch längere Zeit“ stillhalten und der Wirtschaft mehr Zeit für eine durchgreifende Erholung geben. Yellen sieht sich durch den zuletzt eher mauen Stellenaufbau bestätigt. Sie betonte, die Kältewelle habe zwar zu dieser Schwäche beigetragen, doch sei der Jobmarkt auch ohne den Wetter-Effekt bei weitem noch nicht kraftvoll genug.

Yellen dämpfte zugleich die Furcht, dass die Krise vieler Schwellenländer der US-Konjunktur gefährlich werden könnte (mehr zur Krise der Schwellenländer – hier). Die jüngsten Währungsturbulenzen seien „kein wesentliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick“. Durch die etwas straffere US-Geldpolitik ist es zu der Kapitalflucht aus Schwellenländern wie der Türkei und Brasilien gekommen, die sich mit Zinserhöhungen gegen den Verfall ihrer Währungen stemmen. Die USA sind wegen der anziehenden Konjunktur für Anleger wieder attraktiver geworden. Darauf haben die Investoren an den Märkten reagiert.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59434/

———————————————————————————————————————

30.01.2014

USA beschleunigen den Absturz der Schwellenländer

Die USA drosseln ihre Schwemme billigen Geldes – ungeachtet der Probleme in den Schwellenländern. Der US-Notenbank Fed sind die dramatischen Folgen ihrer Politik nicht einmal eine Erwähnung wert. Von Holger Zschäpitz

————————————————————————————-

Amerika lässt die Welt im Stich. Das bekommen nun auch die Schwellenländer schmerzlich zu spüren. Obwohl die aufstrebenden Nationen in der schwersten Krise seit 2008 stecken, können sie nicht auf Unterstützung der amerikanischen Notenbank bauen.

Die Fed hat angekündigt, unbeeindruckt von den Turbulenzen ihre Geldflut zu bremsen und damit den Märkten weniger Liquidität zur Verfügung zu stellen. Künftig sollen monatlich nur Anleihen im Volumen von 65 Milliarden Dollar gekauft werden, zehn Milliarden weniger als bislang.

Auf die Probleme der Schwellenländer ging die Fed in ihrer Mitteilung mit keiner Silbe ein. Dabei ziehen Investoren in großem Maßstab Mittel aus den Regionen vor allem deshalb ab, weil die Währungshüter ihre Flut des billigen Geldes langsam drosseln.

Lebewohl für die Schwellenländer

Für die Schwellenländer verschärft sich damit die Situation dramatisch. „Mit Blick auf die starken US-Konjunkturdaten ist der Schritt nachvollziehbar. Den Schwellenländern schleudert die Fed aber geradezu ein ‚Lebewohl‘ entgegen“, sagt Steven Englander von der Citigroup in New York.

Entsprechend fielen die Reaktionen an den Märkten aus. Die Währungen der Schwellenländer gerieten abermals in den Abwärtsstrudel. Am heftigsten traf es den ungarischen Forint, den polnischen Zloty und die tschechische Krone, die zum Dollar um rund ein Prozent einbrachen.

Aber auch türkische Lira und russischer Rubel wurden abgestoßen. Die dramatische Zinserhöhung, mit der die Türkei am Dienstag versucht hatte, den Kapitalabzug der Investoren zu stoppen, ist verpufft.

Investoren ziehen Milliarden aus ETFs ab

Die Schwellenländer sehen sich momentan einer Flucht der Investoren gegenüber. Allein aus den Emerging-Markets-Indexfonds haben die Anleger seit Jahresbeginn rund acht Milliarden Dollar abgezogen.

Auf Jahressicht summieren sich die Abflüsse auf fast 50 Milliarden Dollar, das entspricht einem Drittel aller in den Indexfonds investierten Mittel. Indexfonds (ETF) eignen sich für schnelle Investments. Auf Knopfdruck lassen sich Milliarden in die Märkte pumpen – oder eben auch wieder abziehen.

„Eine Menge heißen, spekulativen Geldes war in den vergangenen Jahren in die Schwellenländer geflossen. Nun scheint die Party vorbei“, kommentierte Howard Ward, Chefinvestmentstratege bei Gamco Asset Management, gegenüber Bloomberg. „Das Misstrauen der Investoren ist groß.“

Schwellenländer waren lange Profiteure

Tatsächlich waren die Schwellenländer in den vergangenen Jahren die Profiteure der Liquiditätsschwemme. Ein Großteil der von der Fed frisch gedruckten Dollars floss direkt in die Länder. Das Volumen in den Schwellenländer-ETFs versiebenfachte sich.

Allein die Aussicht auf einen Schwenk in Washington hatte im vergangenen Mai für Turbulenzen an den Finanzmärkten der Schwellenländer gesorgt. Experten erwarten, dass die als „Tapering“ bezeichnete Drosselung auch in den kommenden Monaten weitergeht.

Kein Ende der Turbulenzen in Sicht

Kaum ein Stratege rechnet daher mit einem baldigen Ende der Turbulenzen. „Die Märkte werden erst dann Ruhe geben, wenn es klare Anzeichen gibt, dass die Schwellenländer ihre Probleme in den Griff bekommen“, sagt Louis Gave, Stratege beim unabhängigen Anlagehaus GK Research.

Er spielt auf die hohen Leistungsbilanzdefizite an. Länder wie die Türkei, Brasilien, Südafrika oder Argentinien leben über ihre Verhältnisse. Sie importieren deutlich mehr Güter, als sie ausführen, und sind damit auf ausländisches Kapital angewiesen.

„In früheren Krisen konnten sich die Schwellenländer auf Amerika verlassen, das importierte und damit die Emerging Markets raushaute“, sagt Gave. „Diese Zeiten, in denen die USA als Retter in der Not auftraten, sind wohl endgültig vorbei.“

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article124380807/USA-beschleunigen-den-Absturz-der-Schwellenlaender.html

———————————————————————————————————————

29.01.2014

Die Party ist vorbei

Die US-Notenbank macht weitere Abstriche an ihrer extrem lockeren Geldpolitik. Die monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren werden um zehn Milliarden Dollar reduziert.

————————————————————————————-

Die Party ist bald vorbei, der Gastgeber räumt schon mal die Bar ab und schließt langsam das Buffet. Die US-Notenbank Fed fährt im Februar ihre Anleihekäufe um weitere zehn Milliarden Dollar auf 65 Milliarden Dollar monatlich zurück. Die Gäste reagieren verschnupft: An den an billiges Geld gewöhnten Aktienmärkten in den USA fielen die Kurse im Anschluss an die Entscheidung.

Der Gastgeber ist Ben Bernanke, der scheidende Chef der US-Notenbank. Ende Januar wird Janet Yellen, seine derzeitige Stellvertreterin, ihm nachfolgen. Die Botschaft vom Mittwoch ist simpel: Wir haben es gesagt, und es kommt! Selbst eine kurze Eintrübung bei den US-Arbeitsmarktdaten im Dezember wird nicht zum Anlass genommen, einen Monat innezuhalten, wie manche Beobachter erwartet hatten. Selbst die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten der Entwicklungsländer lassen die Fed kalt.

Sie orientiert sich an den internen Wirtschaftsdaten. „Die Entscheidung heute untermauert die Entschlossenheit, die Bondkäufe im Laufe des Jahres zu beenden“, erklärte Daniel Aplert von Westwood Capital in New York gegenüber Reuters. „Diese Politik hat ihr Verfallsdatum erreicht.“

Zum ersten Mal seit Mitte 2011 entschied das Komitee zudem wieder einstimmig. Die Finanzmärkte sollen sich längerfristig endgültig auf steigende Zinsen und ein Ende des Zeitalters des billigen Geldes einstellen. Nur eben nicht jetzt gleich. Eine Änderung in den Richtlinien für die kurzfristige Zinspolitik gab es nicht, solange die Arbeitslosigkeit nicht unter 6,5 Prozent fällt, bleiben die aktuellen Niedrigstzins-Ziele unvermindert intakt. Danach wird man weitersehen. Aber die Signale sind klar: Bei einer offiziellen Arbeitslosigkeit von 6,7 Prozent sollte nicht auf ewig auf das Niveau nahe Null gewettet werden. Mit den Geldspritzen könnte es sogar schon im November vorbei sein: „Wir erwarten von jeder Fed-Sitzung zehn Milliarden Dollar weniger bis im Oktober alles abgebaut ist“, prognostiziert Tony Crescenzi vom weltgrößten Anleihen-Investor Pimco.

Der Hintergrund ist eine zunehmend optimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA durch die Notenbank. Die Arbeitsmarktzahlen hätten sich gemischt entwickelt, aber unter dem Strich verbessert, erklärte die Fed in ihrer routinemäßigen Mitteilung. Bei nächsten Treffen wird Janet Yellen das Sagen haben und ihre Richtung vorgeben.

Sie hat wiederholt bekräftigt, dass sie den US-Arbeitsmarkt als oberste Priorität einordnet. Bislang haben allerdings eher die Finanzmärkte von Bernankes Ultra-Expansiv-Politik profitiert. In drei massiven Runden pumpte die Fed Geld in die Märkte und der Aktienindex S&P-500 stieg um über 170 Prozent seit einem Zwölf-Jahres-Tief in 2009.

Alleine im vergangenen Partyjahr ging es um 30 Prozent bergauf. Auch die Unternehmensgewinne sprudelten durch das billige Geld, was die Finanzierung der Schulden deutlich verbilligte. Für den amerikanischen Durchschnittsbürger hingegen ging es kaum bergauf oder sogar noch bergab. In seiner traditionellen Ansprache zur Lage der Nation wies Präsident Barack Obama am Dienstag noch einmal ausdrücklich darauf hin. Der Entzug für die Weltfinanzmärkte könnte dramatisch werden.

Die ersten Turbulenzen haben Entwicklungsländer wie die Türkei bereits erreicht, die in einer dramatischen Aktion bereits den Schlüsselzins verdoppelt haben, um einen Abfluss der Gelder zu verhindern. Südafrika folgte mit einer ähnlich drastischen Maßnahme.

Wenn die Zinsen für sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen steigen, oder wenn nur der Anschein entsteht, dass sie steigen werden, müssen wacklige Kandidaten mehr bieten, um das Anlegerinteresse zu wecken.

Bernanke hatte in einer beispiellosen Aktion nach der Kernschmelze der Finanzmärkte die Geldschleusen 2009 geöffnet, um über fast fünf Jahre hinweg mit Niedrigst-Zinsen die Wirtschaft zu stimulieren. Dabei hat er das Bilanzvolumen der US-Notenbank auf 4,1 Billiarden Dollar aufgebläht. Auch dies ist beispiellos und noch niemand weiß, wie sich das langfristig auswirken wird und ob nicht die Abkehr von dieser Politik die Wirtschaft wieder in den Keller schicken wird.

Steigen zum Beispiel die Zinsen, die die Regierungen weltweit, die USA eingeschlossen, für ihre Schulden zahlen müssen, könnten sie gezwungen sein, Steuern zu erhöhen oder Ausgaben für Infrastrukturprojekte und Sozialmaßnahmen zu kürzen.

Dies wäre nur zu vermeiden, wenn die Wirtschaft dann ein robuster Selbstläufer ist, der die Steuereinnahmen sprudeln lässt. Zuletzt waren bei Wirtschaftsexperten und Politikern die Stimmen immer lauter geworden, die vor den Gefahren der Bondaufkäufe warnen, die in Inflation und Blasen an den Immobilienmärkten führen können.

Die starre Haltung der Fed wird der neuen Chefin Janet Yellen eine Gratwanderung abverlangen. Die Zeit des lockeren Geldes verbunden mit Null-Zinsen hatte positive Auswirkungen sowohl auf die Aktien- als auch die Anleihenmärkte. Läuft sie aus, werden sich beide Märkte nach gängiger Meinung wieder mehr an wirtschaftliche Fundamentaldaten orientieren.

Das kann vor allem für die Aktienmärkte negativ sein, wenn die Zinsen steigen und die Unternehmensgewinne schrumpfen. Yellens Aufgabe wird es sein, wieder die manuelle Steuerung von dem Autopiloten zu übernehmen, den ihr Vorgänger eingeschaltet hat. Nur dann kann sie vielleicht zu einer sanften Landung ansetzen.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/us-notenbank-die-party-ist-vorbei/9405790.html

———————————————————————————————————————

09.01.2014

Warum die Fed an der lockeren Geldpolitik festhält

Die US-Notenbank entschied sich zuletzt zur Fortsetzung der ultralaxen Geldpolitik – auch wenn es daran aus den eigenen Reihen Kritik gab. Interne Protokolle klären nun über die Motive der Fed auf.

Die US-Notenbank hat bei der Abkehr von der ultralaxen Geldpolitik mit Blick auf die Märkte bewusst den Schongang eingelegt. Wie aus den jetzt veröffentlichten Protokollen der jüngsten Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, gab es Forderungen aus dem Kreis der Notenbanker nach einem stärkeren Abbau der Geldspritzen und einem früheren Ausstieg aus dem Programm.

Zugleich hatte sich ein Mitglied gegen eine Drosselung gestemmt. Viele Teilnehmer hätten sich aber dafür ausgesprochen, einen Mittelweg zu wählen, um die Märkte nicht zu verschrecken.

Sie wollten damit verhindern, dass eine kräftige Drosselung „als Signal fehlinterpretiert“ würde, dass die Fed eine frühere Abkehr von der konjunkturstimulierenden Geldpolitik plane als bislang angenommen.

Nach der Veröffentlichung der Protokolle gehen die Märkte nun allerdings davon aus, dass eine Zinserhöhung etwas früher als bislang erwartet kommen wird: Statt Mitte 2015 wird nun der April 2015 als wahrscheinlicher Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Nullzinspolitik gehandelt.

Läuft das Programm Ende des Jahres aus?

Im Dezember hatte die Fed auf die Erholung am Arbeitsmarkt überraschend mit einer Kürzung ihrer Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren reagiert. Seit Jahresbeginn 2014 wurde das monatliche Ankaufvolumen nunmehr um zehn auf 75 Milliarden Dollar gedrosselt. Bei weiteren moderaten Kürzungen dürfte das Programm gegen Ende des Jahres auslaufen.

Die Nullzinspolitik soll jedoch „noch geraume Zeit“ beibehalten werden, auch wenn die von der Notenbank angepeilte Marke einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent erreicht wird. Wie aus den Protokollen hervorgeht, wurde im Führungszirkel der Notenbank auch erwogen, den Schwellenwert auf 6,0 Prozent abzusenken.

Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss habe sich jedoch dagegen entschieden – auch um die Zinspolitik nicht zu stark an die Entwicklung am Arbeitsmarkt zu koppeln. Die Fed hat ein Mandat zur Wahrung der Preisstabilität und zur Förderung von Vollbeschäftigung, von der die USA bei einer Arbeitslosenrate von 7,0 Prozent aber noch weit entfernt sind.

Die Fed hält den Leitzins bereits seit mehr als fünf Jahren nahe null Prozent. Ein kräftiger Stellenaufbau der US-Firmen bietet der Notenbank Fed Spielraum für den weiteren Abbau ihrer Konjunkturstützen. Die Zahl der neuen Jobs in der Privatwirtschaft stieg im Dezember um 238.000, wie die Arbeitsvermittlung ADP mitteilte.

Arbeitsmarkt dürfte sich erholen

Die US-Regierung veröffentlicht am Freitag die offiziellen Arbeitsmarktdaten. Erwartet wird ein Stellenplus von 196.000. Mit einem kräftigen Stellenzuwachs würde sich der positive Trend am Arbeitsmarkt fortsetzen, der die US-Notenbank im Dezember zum Drosseln ihrer Konjunkturhilfen bewogen hatte.

Dabei hatte lediglich der Präsident der Fed von Boston, Eric Rosengren, dagegen gestimmt. Er erwartet, dass die Fed ihre Käufe pro Zinssitzung jeweils um „rund zehn Milliarden Dollar“ zurückfahren wird.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich Ende des Monats, wenn der scheidende Notenbankchef Ben Bernanke die letzte Zinssitzung seiner Amtszeit leitet. Seine Nachfolgerin Janet Yellen gilt als Anhängerin einer ultralaxen Geldpolitik.

http://www.welt.de/finanzen/article123683762/Warum-die-Fed-an-der-lockeren-Geldpolitik-festhaelt.html

———————————————————————————————————————

18.12.2013

Bernankes letzter Streich

Bernanke hat gesprochen: Die US-Notenbank beginnt 2014 mit dem Tapering. Es ist die letzte große Entscheidung des Fed-Chefs. Seiner Nachfolgerin Janet Yellen hinterlässt er einen klar vorgezeichneten Pfad.

Ben Bernankes Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank stand größtenteils im Zeichen der Krisenbewältigung. Daran ändert sich auch bis zum Schluss nichts: Die lockere Geldpolitik, die die Konjunktur stützen soll, setzt die Fed vorerst fort. Allein die monatlichen Anleihekäufe von bisher 85 Milliarden Dollar sollen ab Januar auf 75 Milliarden Dollar reduziert werden. Die US-Wirtschaft ist nach Ansicht der Fed also noch nicht wieder gesundet, aber zumindest ist der Patient nicht mehr bettlägerig.

Am besonders niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent hat die Fed nicht gerüttelt. Vielmehr machte sie deutlich, dass sich am Zins auch mittelfristig nichts ändern wird: Während Bernanke in der Vergangenheit versprochen hat, den Leitzins nahe null zu halten, bis die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent fällt, schlich sich in die heutige Stellungnahme des Offenmarktausschusses noch das Wörtchen „mindestens“ ein.

Auch bei einer niedrigeren Arbeitslosenquote können die Märkte also mit billigem Geld rechnen, solange die Inflation unter zwei Prozent liegt. Von den 17 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen zwei damit, dass der Leitzins 2014 erhöht wird, zwölf erwarten das für 2015 und drei für 2016.

Wir erwarten, dass sich das Wachstum in den nächsten Jahren ausweitet“, sagte Bernanke nach der Bekanntgabe der Fed-Maßnahmen. Jedoch machte er auch klar, dass die Erholung nur langsam vorankommt – also kein Grund zur Euphorie. Die Märkte waren mit dem Kurs der Fed überaus zufrieden: Die Aktienkurse schossen nach oben, der S&P 500 notierte etwa eineinhalb Stunden nach der Ankündigung 1,4 Prozent im Plus, der Dow Jones 1,5 Prozent.

Dem Markt gefällt diese Nachricht“, sagt Jeffrey Kleintop, Marktstratege bei LPL in Boston, der Agentur Bloomberg. „Dieser Schritt war sehr klein, mehr ein Test. Das deutet darauf hin, dass die Fed vorsichtig vorgehen wird.“ Die Märkte in Europa waren zur Zeit der Fed-Entscheidung bereits geschlossen.

Es war das letzte Mal, dass Bernanke als Vorsitzender der Fed nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses vor die Presse trat und eine Einschätzung der Wirtschaftslage präsentierte.

Die nächste vierteljährliche Rede im März dürfte seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen halten, die am 1. Februar ihre Arbeit als Fed-Vorsitzende aufnehmen wird – vorausgesetzt, der Senat nimmt ihre Nominierung an. Weder die Entscheidung zum Tapering noch der Zeitplan dafür wären jedoch anders ausgefallen, wenn kein Wechsel an der Fed-Spitze bevorstünde, sagte Bernanke.

Janet Yellen, derzeit Vizevorsitzende der Federal Reserve, ist dafür bekannt, dass sie eine expansive Geldpolitik favorisiert. „Sie unterstützt unsere Entscheidungen von heute voll und ganz“, sagt Bernanke. Der Wechsel an der Fed-Spitze dürfte also nahtlos vonstattengehen.

Indem die Fed gleichzeitig den Beginn des Tapering, aber auch eine Fortsetzung des Niedrigzinses verkündete, hat sie beiden Fraktionen Zugeständnisse gemacht: denen, die aufgrund der Flut an billigem Geld neue Blasen fürchten, aber auch denen, die sich sorgen, dass eine Straffung der Geldpolitik den Wirtschaftsaufschwung im Keim ersticken könnte.

Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise und dem Tiefpunkt am Aktienmarkt hat der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 über 160 Prozent zugelegt, seit Jahresanfang 22 Prozent. Auch am amerikanischen Immobilienmarkt wächst die Zuversicht.

Doch während die Märkte von Rekord zu Rekord eilen, sieht es in der tatsächlichen Wirtschaft nicht ganz so rosig aus. Das durchschnittliche Wachstum liegt seit 2009 bei einem Prozent. Im November lag die Arbeitslosenquote bei sieben Prozent. Das sind zwar 0,8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum, doch es ist noch kein Niveau, mit dem sich die Fed zufrieden gibt.

Die Inflation muss die Fed derzeit allem Anschein nach nicht fürchten: Das US-Arbeitsministerium berichtete am Dienstag, dass der Verbraucherpreisindex in den zwölf Monaten bis Ende November um 1,2 Prozent gestiegen sei. Diese Steigerung liegt deutlich unter dem Inflationsziel der Fed von etwa zwei Prozent.

Die niedrige Teuerungsrate ist beinahe unheimlich, vor allem angesichts dessen, dass die Bilanz der Fed durch die monatlichen Anleihekäufe von bisher 85 Milliarden Dollar auf knapp vier Billionen Dollar angewachsen ist. Bei einem Leitzins nahe null bleibt der Fed nur wenig zusätzlicher Handlungsspielraum, wenn die Wirtschaft erneut in Schwierigkeiten gerät. „Eine Inflation unter zwei Prozent ist ein Risiko für die Wirtschaft“, sagte Bernanke am Mittwoch.

Das Anleihekaufprogramm soll die langfristigen Kreditkosten senken, damit in der Wirtschaft wieder mehr investiert und eingestellt wird. Beobachter fürchten, dass eine Kürzung des Kaufprogramms Hypotheken- und andere Kreditzinsen steigern würde. Viele Kreditzinsen werden auf Basis der Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen berechnet.

In den vergangenen Monaten zuckten die Märkte immer wieder nervös, wenn Börsianer vermuteten, dass ein Rückzug aus der lockeren Geldpolitik bevorstand. Ihre Angst ging so weit, dass die Märkte nach der Veröffentlichung positiver Wirtschaftsdaten augenblicklich einknickten, weil die Fed nur so lange billiges Geld beisteuert, bis die Konjunktur wieder auf die Beine kommt.

Inzwischen scheinen sich die Märkte an den Gedanken des Tapering gewöhnt zu haben. Bernanke stellte in Aussicht, dass der Offenmarktausschuss bei seinen regelmäßigen Treffen über die kommenden Monate weitere Senkungen der Anleihekäufe beschließen wird, sofern sich die neuen Wirtschaftsdaten in etwa mit den Prognosen der Ökonomen im Offenmarktausschuss decken.

Die Entwicklung der Anleihekäufe ist nicht vorgezeichnet“, sagte Bernanke. Wenn die Wirtschaft sich wie erwartet weiter erholt, könnte das auch „Quantitative Easing“ genannte Programm etwa Ende 2014 komplett auslaufen.

Bernanke hinterlässt seiner Nachfolgerin also einen klar vorgezeichneten Pfad – weniger QE, aber weiterhin eine extrem expansive Geldpolitik. Und auch wenn die Wirtschaft noch nicht so brummt wie er sich das sicher wünscht, konnte Bernanke zum Schluss seiner Amtszeit zumindest auf ein Licht am Ende des Tunnels zeigen. „Die Fed hat ihre Wurzeln als Stabilisator der Wirtschaft in Zeiten der Panik wiederentdeckt“, sagte Bernanke über seine acht Jahre als Fed-Chef.

Und bei aller Kritik, die die Fed für ihren Kurs einstecken musste, lobt Bernanke zumindest ihre Offenheit: „Ich bin stolz, dass wir die Transparenz der Fed erhöht haben.“

Es ist auch heute noch zu früh, den Kurs der Federal Reserve Bank unter Ben Bernanke zu beurteilen – die Konsequenzen der Geldpolitik werden oft erst Jahre später deutlich. Bernanke scheint selbst gespannt zu sein: „Ich hoffe, dass ich lang genug lebe, um zu lesen, was die Schulbücher darüber zu sagen haben.“

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/fed-entscheidung-bernankes-letzter-streich/9240478.html

———————————————————————————————————————

08.12.2013

US-Notenbank

Achse des Bösen

Die Symbiose zwischen US-Notenbank Fed und Wall Street funktioniert seit 100 Jahren – zu Lasten von Wirtschaft und Gesellschaft. Flankiert von der Fed drehen Großbanken wieder ein Riesenrad an den Derivatemärkten.

Mit der Unterschrift des damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson unter den „Federal Reserve Act“ am 23. Dezember 1913 wurde das Zentralbanken-System der USA aus der Taufe gehoben. Gegründet wurde die Fed als Reaktion auf die Bankenpanik von 1907 zur Vermeidung weiterer Finanzkrisen und zum Schutz des Dollars. Das ging in der Rückschau weitestgehend schief. Gemessen am Dollar von 1913 ist der Greenback heute nur noch fünf Cent wert. Der Fed wird eine Mitschuld angelastet für den Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929, den Börsencrash von 1987, die Aktienmarktblase zur Jahrtausendwende und die weltweite Finanzkrise von 2008. Präsident Wilson hatte damals seinen Fehler erkannt, leider zu spät: „Unwissentlich habe ich mein Land ruiniert. Eine große Industrienation wird kontrolliert von ihrem Kreditsystem. Dieses System ist hochkonzentriert. Das Wachstum der Nation und alle unsere Aktivitäten befinden sich ob den Händen einiger weniger Menschen. Wir haben uns zu einer der am schlechtesten geführten, am meisten überwachten und beherrschten Regierungen der zivilisierten Welt entwickelt.“ Diese Einsicht hat nichts an Aktualität eingebüßt.

100 Jahre nach Gründung der Fed ist die Konzentration im US-Bankensystem weit fortgeschritten. Seit 1985 sind mehr als 10.000 Banken verschwunden, allein mehr als 1.400 in den vergangenen fünf Jahren. Aktuell gibt es in den USA noch 6.891 Banken. Das ist weniger als während der Großen Depression. Die marktbeherrschende Stellung einiger weniger Banken begünstigt Kartellabsprachen und gefährdet die Wirtschaft. Fast 70 Prozent aller bilanziellen Vermögenswerte des amerikanischen Bankensystems werden gehalten von nur zwölf Großbanken. Allein in den letzten fünf Jahren sind die Vermögenswerte der sechs größten US-Banken JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley im Durchschnitt um 37 Prozent gewachsen.

Im Wesentlichen sind das jene Banken, die gleichzeitig auch die einflussreichsten Anteilseigner der zwölf regionalen Banken im Federal Reserve System sind. Wie in Italien auch, befindet sich die Notenbank in den USA faktisch im Privatbesitz. Auf ihre Entscheidungen, so die Theorie, soll das aber keinen Einfluss haben.

Seit 2008 gibt es für zwölf Großbanken eine implizite Garantie durch die US-Regierung und die Fed. Ginge auch nur eine dieser Megabanken pleite, wäre das gesamte Bankensystem der USA am Ende. Doch weil die Bedrohung mit dem Untergang als natürliche Risikobremse durch die Staatsgarantie ausgehebelt wird, hat sich die Risikoneigung in den Banken nicht verringert, sondern gar noch verstärkt.

Teilbereiche des US-Bankensystem ähneln heute mehr einem Casino als einer  kreditwirtschaftlichen Veranstaltung. Allein die vier Megabanken JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of America und Goldman Sachs halten Derivate mit einem ausstehenden Volumen von insgesamt 215.000 Milliarden Dollar, keine von ihnen ist mir weniger als 40.000 Milliarden Dollar im Spiel. Zum Vergleich: Die jährliche Wirtschaftsleistung der USA beträgt 16.700 Milliarden Dollar, die Staatsverschuldung aktuell 17.200 Milliarden Dollar.

Während der Finanzkrise 2008 waren die großen Wall-Street-Firmen täglich in den Schlagzeilen. Die Politik hatte angekündigt, das Problem eines völlig außer Kontrolle geratenen Finanzsektors zu lösen. Tatsächlich aber ist nichts in dieser Richtung passiert. Im Gegenteil. Goldman Sachs & Co drehen heute ein größeres Rad als jemals zuvor. Dazu beigetragen haben die von der Fed geschaffenen Überschussreserven des amerikanischen Bankensystems. Diese belaufen sich derzeit auf rund 2.400 Milliarden Dollar und finanzieren, mangels Nachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, keine Kredite an die Realwirtschaft, sondern verbleiben bei den Banken und finanzieren deren spekulative Geschäfte.

Auch die europäischen Banken werden von der Fed bedient. Aus Statistiken der Fed ist zu entnehmen, dass gut die Hälfte der von ihr über ihre Anleihekäufe neu geschaffenen Liquidität bei Banken gelandet ist, die zwar Bankgeschäfte in den USA betreiben, ihren Hauptsitz aber im Ausland haben. Mangels anderer Krisenregionen dürfte es sich dabei vor allem um europäische Banken handeln. Mit ihren Reserven bei der Fed im Rücken können sie zum Beispiel den Kauf südeuropäischer Staatsanleihen finanzieren und riskante Derivategeschäfte eingehen.

Der größte Teil der Derivatespekulation findet bei Zins-Derivaten statt. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) belief sich das ausstehende Volumen der aller weltweiten Zins-Wetten Mitte 2013 auf rund 640.000 Milliarden Dollar. Verständlicherweise würde man in den Banken da gern den Ausgang der Wetten beeinflussen.

In der vergangenen Woche verhängte die EU-Kommission gegen die Deutsche Bank und weitere fünf Großbanken die Rekordstrafe von 1,7 Milliarden Euro unter anderem wegen Manipulationen des weltweit wichtigsten Referenzzinssates Libor. Allein am Libor orientieren sich weltweit Finanzprodukte im Volumen von über 350.000 Milliarden Dollar. Dagegen wirkt die Strafsumme wie ein Feigenblatt. Offenbar geht Brüssel lieber einen Vergleich ein als langjährige Prozesse.

Die Manipulationen von Libor und anderen Referenzzinssätzen scheinen aber nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Aufzufliegen drohen auch unsaubere Machenschaften bei anderen von Banken ermittelten Referenzpreisen, etwa für Zinsderivate, Energiepreise, Devisenkurse und Edelmetallepreise. Allein an den weltweiten Devisenmärkten werden täglich 5.000 Milliarden Dollar umgesetzt. Front Running in einem 60-Sekunden-Zeitfenster vor der Anpassung von Sätzen soll nach Insidern üblich gewesen sein, berichtet der Börsendienst Bloomberg. Spannend wird es auch mit Blick auf den so genannten Isdafix. An diesem wichtigen Referenzwert für Zinsderivate hängen Finanzprodukte im Gesamtvolumen von schätzungsweise 370.000 Milliarden Dollar. Die Isdafix-Sätze bestimmen Preise von Zins-Swaps, die zum Beispiel von Pensionsfonds zur Absicherung von Portfoliorisiken und von Staaten, Kommunen und Großunternehmen zum Schuldenmanagement verwendet werden. Manipulationen in diesem Bereich verursachen noch größere Schäden als Manipulationen beim Libor. Der Verdacht richtet sich gegen dieselben Banken, gegen die auch in Sachen Libor ermittelt wird.

http://www.wiwo.de/unternehmen/banken/us-notenbank-achse-des-boesen/9187304.html

———————————————————————————————————————

05.12.2013

Monetisiert die Fed verstärkt Staatsschulden?

Fed-Chef Bernanke bestreitet vehement, die Fed würde “Schulden monetisieren“, doch wie unsere Untersuchungen zeigen, tut sie das wahrscheinlich noch stärker als zuvor. Wir erklären warum, und was das für Folgen für den Dollar, Gold und andere Währungen haben könnte.

Was ist Schuldenmonetisierung?

Man sagt, eine Zentralbank monetisiert dann Staatsschulden, wenn sie diesem bei der Finanzierung seines Defizits hilft. Der Aufkauf von US-Staatsanleihen durch die Federal Reserve ist ein deutliches Indiz dafür, dass die Fed genau das tut – nur dass Fed-Chef Bernanke argumentiert, man wolle mit diesen Anleiheankäufen der Wirtschaft helfen und nicht dem Staat.

Die Entscheidung GEGEN eine schrittweise Einschränkung der Wertpapierankäufe (“Tapering“) ließ die Monetisierung von US-Schulden sogar noch steigen. Gold kann mehr als nur eine Versicherung sein. Machen Sie sich auf eine Eskalation des Währungskrieges gefasst.

In welchem Ausmaß monetisiert die Fed die Schulden?

Wie der Chart oben zeigt, kauft die Fed seit Anfang Herbst 2008 große Mengen von US-Staatsanleihen & hypothekarisch besicherte Wertpapiere (MBS) auf, die ausreichen würden, um einen wesentlichen Teil der staatlichen Defizite zu finanzieren. Mit der aktuellen Entscheidung, das Ankaufprogramm doch nicht einzuschränken, betreibt die Fed nun quantitative Lockerungen, die ausreichen, um alle neu emittierten Staatsschulden aufzukaufen und dann einige Extraschulden dazu.

Müssten die MBS bei der Berechnung der Schuldenmonetisierung aber nicht abgezogen werden?

Der Ankauf von MBS könnte den Eindruck entstehen lassen, dass die Fed doch keine Staatsschulden monetisiere, obwohl sie das tatsächlich macht. Verlassen Sie sich nicht auf unser Wort, sondern auf das, was der Markt sagt: In einer Präsentation der CFA Society machten der Chefökonom von Merk und der ehemalige Präsident der Fed von St. Louis, Bill Poole, darauf aufmerksam, dass der Spread zwischen einem festverzinslichen US-Hypothekendarlehen mit 30-jähriger Laufzeit und einer 10-jährigen US-Staatsanleihe in Folge der MBS-Ankäufe buchstäblich unverändert geblieben ist. Zwischen 1976-2006 betrug der Spread durchschnittlich 1,74%; zwischen Mai 2011-April 2012 lag er im Durchschnitt bei 1,76%. Die direkten Auswirkungen von QE auf die Zinsspreads sind also extrem begrenzt geblieben.

Wen das überrascht, der sollte sich vor Augen führen, dass Investoren eine breite Palette an Auswahlmöglichkeiten haben, die sich alle stark ähneln: Abgesehen von Währungsrisiken stellt sich die Frage, wie groß denn die Unterschiede zwischen deutschen Staatsanleihen und US-Staatsanleihen wirklich sind? Oder zwischen hochbewerteten Anleihen von US-Unternehmen und US-Staatsanleihen? Auch wenn diese Wertpapiere alle ihre spezifischen Risikoprofile haben, so gibt es einen guten Grund, warum sie sich (Sonderentwicklungen beim Emittenten außen vor gelassen) in der Regel im Gleichschritt bewegen. Diesbezüglich schlürft die Fed wirklich nur mit dem Strohhalm aus dem Meer: Zinssatzfindung ist wohl eher das Resultat von Kommunikation (die “Vertrauenswürdigkeit der Fed“) und weniger eine Folge der eigentlichen Wertpapierankäufe.

Wenn die Zinssätze eher durch Worte als durch Taten festgestellt werden, würde das nicht wiederum beweisen, dass die Fed die Schulden nicht monetisiert?

Sicher, reden kommt günstiger. Aber nicht immer lassen sich die Märkte durch Worte bewegen; sinkt das Vertrauen in der Fähigkeit der Fed, die Zinsniveaus zu kontrollieren, steigt der Preis der Geldpolitik weiter an: Leitzinssenkungen, Notzinssenkungen, Aufkauf von Staatsanleihen, Operation Twist und der Übergang zu einer expliziten Kopplung an die Arbeitsmarktsituation – hier eskaliert eine Politik, mit der der Markt “überzeugt“ werden soll, die Zinssätze niedrig zu halten. Im Verlauf der Zeit muss die Fed mehr Geld ausgeben. Wenn man die Fed danach fragt, bekommt man die Antwort, ihre Maßnahmen wären gewinnbringend. Klar, wenn die Fed Geld aus dem Nichts schöpft, um ertragbringende, festverzinsliche Wertpapiere anzukaufen, dann heißt das nur: Je mehr die Fed “druckt“, desto profitabler wird es. Mit der Ausnahme, dass nichts im Leben für umsonst ist, und Schweine immer noch nicht fliegen können.

Jedenfalls würde keine normal tickende Zentralbank gleich mit einer Schuldenmonetisierungspolitik beginnen. Doch wie in Chart oben zu erkennen ist, gibt die Fed jetzt mehr als 150 % des jährlichen US-Haushaltsdefizits aus, um die Zinssätze niedrig zu halten, was darauf hindeutet, dass ihre Zündkraft sinkt. Falls (wenn) wir den Punkt erreichen, an dem die Fed dann explizite Schuldenmonetisierung betreibt, so müssten die Wertpapierankäufe wohl auf ein Vielfaches der derzeitigen Mengen ansteigen – und dann wäre immer noch nicht garantiert, dass sie die Zinssätze damit niedrig halten könnte. Es ist ein Spiel mit dem Vertrauen!

Was passierte, als die Fed entschied, ihr Anleiheankaufprogramm nicht einschränken?

Wie der Chart oben zeigt, lief irgendetwas schief, richtig schief. Da die Steuereinnahmen im Jahresverlauf gestiegen waren, sanken auch die Haushaltsdefizite. Dahingehend wäre eine QE-Reduzierung eigentlich angebracht gewesen. Die Entscheidung gegen das “Tapering“, so könnte man jetzt meinen, habe eigentlich zu einer Steigerung der quantitativen Lockerungen geführt hat, da die Ankäufe der Fed nun deutlich über den Neuverschuldungsmengen liegen. Natürlich würde die Fed auch hier sofort dagegenhalten, sie könne dem Staat gar keine Schulden direkt abkaufen, das wäre nur über den Sekundarmarkt möglich. Doch das könnte aber durchaus nur Rhetorik sein. Ein großer Anleihemanager meinte dazu: Ohne QE müssten wird uns wohl die Schulden gegenseitig verkaufen, anstatt an die Fed.

Wie geht es mit der Schuldenmonetisierung weiter?

So wie sich die Dynamiken unserer Ansicht nach entwickeln, wird dieses Spiel mit dem Vertrauen noch eine Zeit lang so weitergehen, dennoch könnte das Konstrukt immer rissiger werden. Sinkende US-Defizite werden wohl ein kurzfristiges Phänomen bleiben, denn auf lange Sicht werden die staatlichen Leistungsansprüche und Zinszahlungen erheblich steigen – und wieder deutlich machen, dass die Defizite nicht tragfähig sind.

Laut Schätzungen des Congressional Budget Office (CBO, parlamentarische Haushaltsbehörde in den USA) wird der Staat in 10 Jahren allein für seine Zinsleistungen wahrscheinlich zusätzliche 600 Mrd. $ pro Jahr aufwenden müssen; sollte die Verzinsung allerdings wieder auf den seit den 1970ern gehaltenen Durchschnittszins steigen, müssten die USA pro Jahr zusätzlich 1 Billion $ allein für den Schuldendienst aufwenden. Aus unserer Sicht dürfte das Wirtschaftswachstum dabei der größte Risikofaktor werden. Denn am empfindlichsten reagiert der Anleihemarkt auf gute Wirtschaftsdaten; sollte es aber massive Kursverluste am Anleihemarkt geben (die die Zinskosten steigen lassen), dann könnten die staatlichen Finanzierungskosten in den USA eskalieren.

Schon jetzt hat die Fed angedeutet, dass die Zinssätze über einen ausgedehnten Zeitraum hinweg niedrig bleiben werden. In gewisser Hinsicht hat die Fed sozusagen schon garantiert, dass sie die Zinssätze nur langsam anheben wird. Wir interpretieren das dahingehend, dass die Fed nur langsam auf steigenden Inflationsdruck reagieren wird, der wahrscheinlich wachsen wird, sollte die Wirtschaft jemals wieder in Fahrt kommen.

Das ist alles zu abstrakt – was wird am Ende nun passieren?

Wenn Ihnen das zu abstrakt ist, dann denken Sie an Japan. Sagen wir die Japaner sind erfolgreich mit ihren Maßnahmen, sagen wir, sie erreichen nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Was wird dann Ihrer Meinung nach mit den japanischen Staatsanleihen passieren? Sie könnten einbrechen, wodurch sich die Finanzierung Japans enormer Staatsschuldenlast schwierig, wenn nicht unmöglich gestalten würde. Nur wenige Beobachter würden daran zweifeln, dass die Bank of Japan dann einspringen und bei der Finanzierung der staatlichen Defizite helfen würde. Das ist dann Schuldenmonetisierung.

Wir denken, dass dafür im Gegenzug der Yen zugrunde gehen wird. Wie sich in unseren Diskussionen mit Investoren gezeigt hat, gehen die meisten ebenfalls davon aus, dass dies ein reales Risiko für Japan darstellt. Aber machen wir uns doch nichts vor: Auch wenn es uns hier in den USA gelingen sollte, auf Zeit zu spielen, so würden wir doch unser Vermögen gefährden, wenn wir alle Risiken ignorieren, mit denen auch der Dollar aufgrund der toxischen Mischung aus Geld- und Fiskalpolitik konfrontiert ist.

Wie kann ich mich als Anleger vorbereiten?

Wir betrachten die Welt in Form von Szenarien: Wenn ein Szenario ausreichend wahrscheinlich ist, sollten die Investoren diesem auch in ihren Portfolios Rechnung tragen; für Berufsanleger dürfte das sogar eine Frage der unternehmerischen Fürsorgepflicht sein. Unsere Einschätzung lautet kurz und knapp, dass es so etwas wie ein risikoloses Investment nicht mehr gibt, und dass Anleger durchaus auch bei einer so banalen Sache wie ‘Geld‘ einen diversifizierten Ansatz verfolgen mögen. Investoren sollten vielleicht auch daran denken, die risikofreie Komponente aus ihrer Vermögensverteilung zu werfen. Denn die Kaufkraft des US-Dollar könnte in Gefahr sein.

Ist Gold die Lösung?

Gold hat sich dieses Jahr ziemlich dürftig entwickelt und wird zunehmend abgeschrieben. Wer Gold aber abschreibt, sollte noch einmal darüber nachdenken, wohin er oder sie die Wirtschaft und die Fed steuern sieht. Wer glaubt, dass wir wieder zu einer “normalen“ Umgebung zurückkehren werden und anschließend alles rosig aussähe, der fände bei den Gold-Pessimisten durchaus einige Argumente. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass die angehende Fed-Chefin Janet Yellen in ihren Anhörungen zur Amtsübernahme sagte, dass die Fed zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren werde, sobald sich auch die Wirtschaft wieder normal entwickle.

Für uns klingt das nach einem Widerspruch in sich: Wir können zu keiner normalen Wirtschaft zurückkehren, wenn die Fed verhindert, dass Marktkräfte die Risiken einpreisen. Für uns ist Gold mehr als eine „Versicherung“ für ungünstige Szenarien, wie manchen meinen, weil wir uns nur schwer vorstellen können, wie die USA in den nächsten 10 Jahren über einen ausgedehnten Zeitraum hinweg positive Realzinsen überstehen sollte.

Ist ein Währungskorb die Lösung?

Die chinesische Regierung diversifiziert ihre Reserven über einen Währungskorb, womit sie sich auch noch Währungsrisiken in ihr Portfolio holt. Es steht allerdings zur Frage, ob umgekehrt US-Investoren darüber nachdenken könnten, sich mithilfe eines Währungskorbes zu diversifizieren – und zwar dann, wenn sie überzeugt sind, dass die USA eine bessere “Druckerpresse“ als der Rest der Welt haben.

Ist alles nicht doch ein weniger komplexer?

In gewissen Hinsichten schon. Die Staaten und Regierungen werden den Kampf nicht einfach aufgeben. Wir sind überzeugt, dass Politiker alles richtig machen wollen, das Problem ist nur, dass der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert ist. Stellen Sie sich nur vor, Japan würde wirklich in große Schwierigkeiten geraten. Japan ist nicht Zypern; die Schockwellen eines aufgebrachten japanischen Staates würden auf der ganzen Welt zu spüren sein. Abgesehen davon, dass Geld nicht “sicher” ist, könnte sich auch die politische Stabilität in der ganzen Welt weiter zersetzen, weil Bürger, die unzufrieden sind, dass ihre Löhne nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten, immer auch zur Wahl noch populistischerer Politiker tendieren, egal in welchem Land.

Eine gute Nachricht dürfte es dennoch geben: Unsere politischen Entscheidungsträger scheinen berechenbar zu sein. Eine Anlagestrategie, die den Entscheidungen der Politiker einen Schritt voraus ist, könnte also lohnenswert sein. Bedenken Sie Währungskriege, und denken Sie an vorausschauende und vorauseilende Diversifizierung. Wir schlagen zwar nicht vor, dass der Anleger zum Daytrader werden sollte, wir denken dennoch, dass sich der Währungsmarkt für eine Positionierung anbieten würde, je nachdem, wohin sich diese Dynamiken Ihrer Einschätzung nach entwickeln werden. © Axel G. Merk Founder, Portfolio Manager at Merk Investments LLC
www.merkfund.com

http://www.goldseiten.de/artikel/190526–Monetisiert-die-Fed-verstaerkt-Staatsschulden-.html

———————————————————————————————————————

25.09.2013

Insiderhandel:

Folgenschwere Panne bei der amerikanischen Notenbank

Die amerikanischen Notenbank Fed hat die Anleger damit überrascht, ihre lockerere Geldpolitik erst einmal doch fortzusetzen. Womöglich aber nicht alle. Wurden Informationen vorzeitig verbreitet? Von Norbert Kuls, New York

ie amerikanische Notenbank Fed untersucht die möglicherweise vorzeitige Verbreitung einer marktbewegenden Pressemitteilung zur Geldpolitik, was bestimmten Börsenhändlern unlautere Vorteile verschafft haben könnte. Die Fed reagiert damit auf einen Bericht des Dateninformationsdienstes Nanex aus Chicago, der ungewöhnliche Marktbewegungen registriert hatte. Es geht um die Mitteilung der Fed vom vergangenen Mittwoch, ihre extrem lockerere Geldpolitik unverändert beizubehalten. Die überraschende Entscheidung hatte an den Finanzmärkten unmittelbar für starke Kursbewegungen gesorgt. Nach Angaben von Nanex müssen einige Händler in Chicago die Information schon vorab besessen haben.

Die Fed veröffentlichte ihre Pressemitteilung wie üblich exakt um 14 Uhr in Washington. Es dauert allerdings zwei Millisekunden, bis die Nachricht über superschnelle Datenleitungen im Finanzzentrum New York ankommt. Bis nach Chicago dauert es etwas länger, in der Regel sieben Millisekunden. Nach Angaben von Nanex wurden an den Terminmärkten in Chicago allerdings ohne Verzögerung Gold- und Finanzterminkontrakte im Volumen von 800 Millionen Dollar gehandelt. „Das heißt, die Nachricht muss bereits in Chicago gewesen sein. Das hat mich stutzig gemacht“, sagt Eric Hunsader, der Gründer von Nanex. Hunsader ist als Kritiker des millisekundenschnellen, computergesteuerten Hochfrequenzhandels bekannt, der die amerikanischen Börsen dominiert.

Wer hat’s verraten?

Die Fed hat mittlerweile mehrere Nachrichtenorganisationen kontaktiert, um herauszufinden, ob sie die strikten Regeln der Veröffentlichung eingehalten haben. Reporter erhalten die Pressemitteilung 10 Minuten vorher unter Sperrfrist in einem abgeschlossenen Raum, um die Meldung pünktlich um 14 Uhr absetzen zu können. Eine mögliche Erklärung für die ungewöhnlich schnelle Reaktion in Chicago könnte sein, dass mindestens eine Nachrichtenagentur die Information intern weitergegeben hat, um sie zeitgleich in Chicago, New York und Washington zu veröffentlichen. „Wir werden mit Nachrichtenorganisationen sprechen, um sicherzustellen, dass unser Prozedere vollständig verstanden wird“, sagte ein Sprecher der Fed.

Die Gewährung eines zeitlichen Vorsprungs für Hochfrequenzhändler bei der Veröffentlichung von Finanzdaten hatte erst im Juni für eine Kontroverse an der Wall Street gesorgt. Finanzdatenanbieter wie Thomson Reuters, aber auch eine Tochtergesellschaft der Deutschen Börse, stellten zahlenden Kunden in Amerika potentiell marktbewegende Konjunkturdaten privater Institute schon vor der allgemeinen Veröffentlichung zur Verfügung. Thomson Reuters hat diese Praktiken mittlerweile eingestellt, nachdem der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman in der Angelegenheit ermittelt hatte. Thomson Reuters hatte bestimmten Abonnenten die Daten eines vielbeachteten Index für das amerikanische Verbrauchervertrauen zwei Sekunden vor der Allgemeinheit übermittelt. Das Angebot war speziell auf schnelle Computerprogramme zugeschnitten.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/insiderhandel-folgenschwere-panne-bei-der-amerikanischen-notenbank-12591525.html

———————————————————————————————————————

25.09.2013

Auffällige Börsenbewegungen: Fed-Informationen zu früh durchgesickert?

Laut einem US-Medienbericht setzten am vorigen Mittwoch kurz vor Ablauf der Sperrfrist der Fed-Entscheidung ungewöhnliche Handelsaktivitäten ein. Die US-Notenbank untersucht die Vorfälle.

Auffällige Kursbewegungen rund um die an den Börsen gefeierte US-Zinsentscheidung ruft die Notenbank Fed auf den Plan. Die Zentralbank untersucht einem Bericht des Fernsehsenders CNBC zufolge, ob am vorigen Mittwoch Millisekunden vor Bekanntgabe des Beschlusses bereits Informationen in die Handelsräume gelangt sind.

Die Fed hatte überraschend entschieden, den Ankauf von Staatsanleihen im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar unverändert beizubehalten. CNBC berichtete, einige Händler an der Chicagoer Börse hätten vor Ende der Sperrfrist womöglich über Informationen verfügt. Insbesondere bei Terminkontrakten im Goldhandel sei es zu ungewöhnlichen Handelsbewegungen gekommen.

Aufgespürt hat dies das New Yorker Unternehmen Nanex, das Daten über Abschlüsse und Angebote an US-Börsen auswertet. Laut Nanex-Chef Eric Hunsader wurden in Chicago bereits in den ersten sieben Millisekunden nach Bekanntgabe des Entscheids Termingeschäfte im Wert von rund 800 Millionen Dollar getätigt. Da die Übertragungszeit für die Daten des Fed-Entscheids wegen der Entfernung zwischen Washington und Chicago üblicherweise sieben Millisekunden beträgt, folgert Hunsader: „Das bedeutet, dass die Nachricht in Chicago bereits vorgelegen haben muss.“ Auch die Aufsicht für den Handel mit Rohstoff-Termingeschäften (CFTC) will der Sache auf den Grund gehen.

Ein Fed-Sprecher verwies darauf, dass Nachrichtenagenturen wie Reuters, Bloomberg oder Dow Jones vorab über die Entscheidungen informiert würden und schriftlich die Einhaltung einer Sperrfrist zusagen müssten. Über dieses Verfahren werde noch einmal mit den Agenturen gesprochen. Die Kommunikationschefin von Reuters, Barb Burg, bestätigte, dass die Agentur von der Fed kontaktiert worden sei. „Wir sind überzeugt davon, dass wir uns in vollem Umfang an die Sperrfrist-Auflagen gehalten haben.“ Der Konkurrent Bloomberg lehnte einen Kommentar ab. Eine Sprecherin von Dow Jones erklärte, die Agentur werde mit der Fed zusammenarbeiten. Die Deutsche-Börse -Tochter MNI war zunächst nicht erreichbar.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vor Monaten ein Drosseln der Käufe in Aussicht gestellt, falls es zu einer durchgreifenden Wirtschaftserholung kommen sollte. Die Märkte hatten sich danach für September auf ein Zurückfahren der Hilfen eingestellt, wurden aber vom Fed-Chef eines Besseren belehrt. Die Fed, die Vollbeschäftigung fördern soll, hält das Niveau der Arbeitslosigkeit für weiterhin viel zu hoch und betrachtet auch die hohe Verschuldung der USA als Risiko für die Konjunkturentwicklung. Den USA droht nach Einschätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses zwischen Ende Oktober und Mitte November die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Parlament keiner Erhöhung der Schuldenobergrenze zustimmen.

Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht – auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase etwa am Immobilienmarkt zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten. Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Als aussichtsreiche Nachfolgerin wird die Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen gehandelt, die als Verfechterin einer laxen Politik gilt. Anleger erwarten, dass die Fed mit Yellen an der Spitze langsamer aus ihrem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm aussteigen könnte. Die 67 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin gilt zudem als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und wäre die erste Frau an der Spitze der Fed. Präsident Barack Obama will die Personalie im nahenden Herbst entscheiden. rtr

http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/auffaellige-boersenbewegungen-fed-informationen-zu-frueh-durchgesickert/8843246.html

———————————————————————————————————————

20.09.2013

Buffett nennt Fed größten Hedgefonds der Geschichte

Die Investorenlegende Warren Buffett befeuert die Debatte über die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank. Er bezeichnet die Federal Reserve als Mega-Hedgefonds – und liefert dafür gute Gründe.

Der Milliardär und Investor Warren Buffett hat die US-Notenbank Federal Reserve mit einem Hedgefonds verglichen. Als Grund nannte er die Fähigkeit der Zentralbank, von Anleihenkäufen zu profitieren, während sie die Bilanzsumme auf mehr als drei Billionen Dollar ausgeweitet hat. „Die Fed ist der größte Hedgefonds in der Geschichte“, sagte Buffett vor Studenten der Georgetown University in Washington.

Sie erzielt „wahrscheinlich 80 Milliarden Dollar oder 90 Milliarden Dollar im Jahr“ an Erträgen für die US-Regierung, erklärte er. „Und das war vor ein paar Jahren nicht der Fall.“

Die US-Notenbank kauft monatlich für 85 Milliarden Dollar Anleihen auf, um die Erholung der US-Konjunktur vom stärksten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise zu unterstützen.

Überraschende Entscheidung

Notenbankchef Ben Bernanke und andere Fed-Entscheider haben in dieser Woche überraschend dafür votiert, das Volumen der Bondkäufe beizubehalten, statt diese allmählich zu reduzieren. Zur Begründung hieß es, man wolle mehr Anzeichen für eine dauerhafte Verbesserung der Wirtschaft abwarten, bevor man mit der Drosselung der Stimulierung beginnt.

Die Fed hat im vergangenen Jahr 88,4 Milliarden Dollar an das US-Finanzministerium überwiesen. Die Zahlungen sind angeschwollen, nachdem die Notenbank in den vergangenen fünf Jahren ihre Bilanz ausgeweitet hat.

Die Fed „steht nicht unter dem geringsten Druck, die Verschuldung abzubauen“, sagte Buffett. „Daher kann sie sich den Zeitpunkt aussuchen, und wenn es dort weise Leute gibt – und ich denke, dass Bernanke weise ist und wohl auch sein Nachfolger, davon gehe ich aus –, kann das bewältigt werden. Aber es ist etwas, was in diesem Ausmaß noch nie gemacht wurde. Es wird interessant sein, dies zu beobachten.“

Bernankes Amtszeit endet im Januar

Bernanke hat die Fed durch die Krise gesteuert, seine Amtszeit endet im Januar. US-Präsident Barack Obama hat seinen Nachfolger, der die Rücknahme der lockeren Geldpolitik wird angehen müssen, noch nicht benannt.

Fed-Vize-Chefin Janet Yellen ist Obamas führende Kandidatin für die Nachfolge von Bernanke, nachdem Ex-Finanzminister Lawrence Summers sich aus dem Rennen zurückgezogen hat, wie informierte Kreise berichteten. Obama hat auch gesagt, dass er den früheren Fed-Vize-Vorsitzenden Donald Kohn für den Posten in Betracht ziehe.

Buffett hat Bernanke dafür gelobt, dass er 2008 signalisierte, er werde alles Erforderliche zur Stabilisierung der Märkte tun. Der nächste Fed-Vorsitzende sollte seinem Ansatz bei der Stützung der Wirtschaft folgen, riet der Starinvestor.

Anleger hatten eine allmähliche Rücknahme der quantitativen Lockerung von Bernanke erwartet, dieser sagte jedoch am 18. September, er wolle weitere Verbesserungen bei der US-Beschäftigung sehen, bevor er die Bondkäufe reduziere.

Konditionen für eine Veränderung

„Er sagte, er werde daran festhalten, bis er eine stärkere Verbesserung der Wirtschaft sieht. Ich denke, er ist leicht enttäuscht – nicht schwer enttäuscht – über den Grad der Verbesserung in der Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahren“, erklärte Buffett. „Er beurteilt nicht im Voraus, was passieren wird, er nennt die Konditionen, bei denen er eine Veränderung vornehmen wird.“

Buffett hat Berkshire Hathaway zu einer 289 Milliarden Dollar schweren Investmentholding ausgebaut und wurde zur viertreichsten Person weltweit. Als Vorsitzender der in Omaha im Bundesstaat Nebraska beheimateten Gesellschaft und größter Aktionär hat er einen strauchelnden Textilhersteller in eine Gesellschaft umgewandelt, die in Branchen von Versicherung bis Eisenbahnen tätig ist.

Der Dodd-Frank Act könnte verhindern, dass zukünftige Notenbankchefs solche Maßnahmen ergreifen wie Bernanke und der damalige Finanzminister Henry Paulson im Jahr 2008, um die Märkte zu beruhigen, erklärte Buffett.

Sie hatten Milliarden von Dollar in den Versicherer American International Group und die größten Banken gepumpt und ein Sicherheitsnetz für Geldmarktfonds gespannt, als das Finanzsystem ins Wanken geriet.

„Es wird eine weitere Panik geben“

„Ich bin in der Tat besorgt, dass der Kongress niemanden mit derartigen Kompetenzen ausstatten will“, sagte Buffett. „Es wird eine weitere Panik geben. Woher wird sie kommen, wer weiß das schon?

Aber wenn der Zeitpunkt kommt, wird die Frage lauten: Werden die Leute, die in Panik geraten sind, die erstarrt sind, die ein Anhalten des Konjunkturmotors ausgelöst haben, wieder glauben und sofort zurückkehren und etwas tun? Und ich bin mir nicht sicher, ob die neuen Gesetze sich in dieser Hinsicht positiv oder negativ auswirken werden.“

http://www.welt.de/finanzen/article120208860/Buffett-nennt-Fed-groessten-Hedgefonds-der-Geschichte.html

———————————————————————————————————————

19.09.2013

Begeisterte Börsianer, allgemeines Entsetzen

Die Börsen legen kräftig zu. Die Zinsen von Anleihen sinken. Der Dollar rutscht ab. Mit seiner Entscheidung, weiter Geld zu drucken, erfreut Ben Bernanke die Anleger – und sorgt zugleich für Fassungslosigkeit.

Ben Bernanke sorgt für ungläubiges Staunen, wieder einmal. Jeder, der darauf gehofft hat, dass der Chef der US-Notenbank Fed zur Vernunft kommen würde, ist entsetzt. Denn seit gestern Abend ist klar: Die Welt wird noch lange vom billigen Geld abhängig sein. Allein die Investoren sind begeistert.

Alles bleibt, wie es war! Die Fed wird den Märkten weiterhin billiges Geld zur Verfügung stellen”, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Helaba in einem Kommentar. „Kurzfristig wird die Entscheidung der Fed die Risikofreude an den globalen Finanzmärkten deutlich erhöhen“, sagte Frank Engels, Portfoliomanager bei Union Investment.

Die Aktienmärkte legten am Donnerstag kräftig zu. In Frankfurt stieg der Dax um mehr als hundert Punkte auf 8750 Zähler – ein neues Allzeithoch. Zuvor hatten bereits die Börsen in New York und Tokio deutlich gewonnen. Die Kurse von Anleihen legten ebenfalls erheblich zu, umgekehrt fielen die Renditen. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen gaben so stark nach wie zuletzt im November 2011.

Heftig fiel die Reaktion auch an den Devisenmärkten aus: Der US-Dollar wertete gegen alle wichtigen Währungen ab. Das britische Pfund, der japanische Yen und der Euro gewannen. Die europäische Gemeinschaftswährung verteuerte sich auf 1,3568 Dollar.

Die Währungen der Schwellenländer, die in den vergangenen Wochen unter Druck geraten waren, reagierten ebenfalls mit kräftigen Kursgewinnen. Die indische Rupie stieg um drei Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als vier Wochen, die indonesische Rupie legte 1,5 Prozent zu. Die türkische Lira zog um drei Prozent an.

Was genau ist passiert?

Vor wenigen Monaten kündigte Bernanke an, dass das Ende des billigen Geldes näher rücke, sobald sich die US-Wirtschaft erhole. Die Investoren stellten sich auf einen schmerzlichen Entzug ein, sie spekulierten bereits auf steigende Zinsen. Weltweit stürzten die Kurse von Aktien und Anleihen ab, besonders heftig erwischte es Schwellenländer wie Indien oder Brasilien. Zugleich ließ die Ankündigung aber darauf hoffen, dass die Welt eines Tages wieder ohne Geldspritzen der Notenbanken auskommen könnte.

Jetzt ist die Überraschung groß, dass der mächtigste Notenbanker der Welt einen Rückzieher macht. Am Mittwochabend entschied Bernanke, dass er weiterhin Geld drucken und für 85 Milliarden Dollar monatlich Anleihen kaufen wird. Das sogenannte Quantitative Easing wird also fortgesetzt. Er wollte sich auch nicht darauf festlegen, dass der Einstieg in den Ausstieg noch in diesem Jahr erfolgt. Das heißt übersetzt: Eine Normalisierung der Geldpolitik wird es auf lange Sicht nicht geben, die Zinsen werden noch lange Zeit niedrig bleiben. Außerdem macht Bernanke deutlich, dass er die US-Wirtschaft noch nicht für robust genug hält, um sich aus eigener Kraft zu erholen.

Wer das Gefühl hat, die Fed sorge mit der erneuten Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms für Verwirrung, der hat nicht ganz Unrecht“, sagte Trevor Greetham von der Fondsgesellschaft Fidelity. „Mit ihrem geldpolitischen Lockerungskurs der vergangenen Jahre, griff die US-Notenbank massiv in die Märkte ein, und nun fürchtet sie die Reaktion auf ein baldiges Ende des Quantitative Easing.“

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die Fed die Zinsen gesenkt und Geld so billig wie nie gemacht. Weil das nicht reichte, ging sie dazu über, Staatsanleihen und Immobilienpapiere aufzukaufen. Bislang hat sie dafür beinahe drei Billionen Dollar ausgegeben. Ziel ist, die US-Konjunktur und damit auch den Arbeitsmarkt anzukurbeln. Die offizielle Arbeitslosenquote sank in diesem Jahr von 8,1 auf 7,3 Prozent.

Ökonomen kritisierten die überraschende Entscheidung der Fed. „Die US-Wirtschaft ist eindeutig aus der Gefahrenzone. Ich verstehe nicht, warum sich die US-Notenbank nicht einmal traut, ihre aggressiven Anleihekäufe ein wenig zurückzufahren“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Anders als der Euro-Raum hätten die USA die Rezession längst hinter sich gelassen. „Die US-Notenbank ist noch viel weicher, als selbst ich es gedacht hätte. Sie riskiert, dass an den globalen Finanzmärkten neue Übertreibungen entstehen“, sagte Krämer.

Die Gefahr: Statt Investitionen in der Wirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen, könnte die Geldflut hauptsächlich die Preise bei Aktien, Immobilien und Anleihen treiben. Bernanke könnte in eine ähnliche Falle tappen wie sein Vorgänger Alan Greenspan. Der hielt die US-Wirtschaft mit seiner lockeren Geldpolitik nach der Jahrtausendwende lange bei Laune. Er schuf zugleich aber den Nährboden für eine Immobilienblase und letztlich die weltweite Finanzkrise, die zahlreiche Banken und später viele Staaten an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), hält den Kurs der US-Notenbank für sehr riskant. Zwar seien die Konjunkturnachrichten der letzten Zeit nicht so toll gewesen. Es überrasche dennoch sehr, dass die US-Notenbank ihre Staatsanleihekäufe, anders als ursprünglich angekündigt, nicht reduziere, sagte der Ökonom im Deutschlandradio Kultur. „Und das große Risiko ist eben, dass, wenn dann am Ende die Anleihekäufe eingestellt werden, ein großer Absturz droht“, warnte Fuest.

Die Inflationsrate sei zwar allgemein niedrig, doch an den Kapitalmärkten sei nach der neuen Ankündigung des Fed-Chefs mit starken Preisbewegungen zu rechnen, erklärte Fuest. Das große Risiko dieser Politik des Gelddruckens sei, dass die Preise für Vermögensgüter immer mehr in die Höhe gingen, sagte der Experte zur Gefahr einer erneuten Immobilienblase in den USA. Auch in Europa müsse man vor Preisblasen, die platzen könnten, auf der Hut sein. Es sei dann mit erheblichen Erschütterungen an den weltweiten Märkten zu rechnen.

Dem widerspricht Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank: „Die Immobilienmärkte profitieren in den USA, aber auch in Deutschland, ebenfalls von den niedrigen Zinsen, jedoch sind auch hier aus meiner Sicht noch keine Zeichen der Übertreibung festzustellen, da die Banken die Kreditstandards bislang nicht merklich gelockert haben.“

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sekundierte: „Die amerikanische Konjunktur muss sich erst festigen, bevor ein langsamer Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik gewählt wird.“ Überdies seien Inflationsgefahren in den USA derzeit nicht erkennbar, so dass kein unmittelbarer Handlungsdruck bestehe, sagte Horn Handelsblatt Online.

Dass die Kurse an den Finanz- und Kapitalmärkten anzögen, sei ein gutes Zeichen. Denn das bedeute, dass die Unternehmen ihre Vorhaben relativ leicht über den Kapitalmarkt finanzieren können. „Das sollte auf Dauer zu einem stabilen Investitionsaufschwung führen“, sagte der IMK-Chef. „Dann wäre der Zeitpunkt gekommen, zuerst die Aufkäufe zurückzunehmen und anschließend allmählich die Zinsen zu erhöhen.“ Dies alles müsse aber immer vorab angekündigt werden.

Eine schlechte Nachricht ist die Entscheidung der Fed in jedem Fall für alle Sparer. Sie sind die Leidtragenden der Niedrigzinsen. Denn die Zinsen auf Sparguthaben sind derzeit so niedrig, dass sie nicht mal die Inflation ausgleichen. Seit gestern Abend ist klar, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/fed-entscheidung-begeisterte-boersianer-allgemeines-entsetzen/8814994.html

———————————————————————————————————————

19.09.2013

Jubel über US-Geldflut: Dax bricht zum Handelsstart alle Rekorde

Zur Überraschung fast aller Experten flutet die US-Notenbank die Finanzmärkte weiter mit vielen Milliarden Dollar im Monat. An den Börsen sorgt das für helle Begeisterung. Der Dax knackt sofort zu Handelsbeginn eine Rekordmarke.

Die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik der Fed hat den Dax am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch getrieben. Der deutsche Leitindex legte zum Start des neuen Handelstags direkt um 1,2 Prozent auf 8740,73 Zähler  zu. Der Dax war bereits am Mittwoch auf ein Allzeithoch von 8645,9 Punkten geklettert, aus dem Handel hatte er sich mit 8636 Zählern verabschiedet.„Die Geldflut hält an, das weckt bei den Anlegern erst einmal die Kauflaune“, sagte ein Händler. Fed-Chef Ben Bernanke hatte deutlich gemacht, dass die Fed die Wirtschaft noch nicht für robust genug hält, um ihre monatlichen Wertpapierankäufe über 85 Milliarden Euro langsam zurückzufahren. Ob die Zentralbank noch in diesem Jahr damit beginnen könnte, ließ er offen.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten Lanxess  mit einem Plus von mehr als zwei Prozent. Die Titel machten damit ihre Vortagesverluste nahezu wieder wett. HeidelbergCement  setzten ihren Aufwärtstrend dagegen fort und notierten 2,4 Prozent fester. Schon am Mittwoch hatten die Titel um 1,4 Prozent zugelegt, nachdem Goldman die Aktien zum Kauf empfohlen hatte.

Ein Rekord jagt den nächsten

Auch die Wall Street verbuchte zeitweise neue Rekordstände. Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte schloss knapp ein Prozent höher, der S&P-500 stieg um 1,2 Prozent und der Nasdaq-Composite gewann ein Prozent.

An der Börse in Japan ging es am Donnerstag ebenfalls deutlich aufwärts: Der Nikkei-Index  kletterte in der Spitze um 1,7 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende Juli.

Im indischen Mumbai lagen die Kurse 2,73 Prozent höher, an der thailändischen Börse in Bangkok 3,25 Prozent. An der indonesischen Börse in Jakarta stiegen die Notierungen um 4,64 Prozent.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/jubel-ueber-us-geldflut-dax-bricht-zum-handelsstart-alle-rekorde_aid_1105450.html

———————————————————————————————————————

22.08.2013

Notenbank-Umbau versetzt Börsen in Aufruhr

Aller Voraussicht nach wird die Fed bald eine komplett neue Führungsspitze erhalten. Der Personalwechsel bei der US-Notenbank wirbelt schon jetzt die Märkte durcheinander.

Klar ist, dass nichts klar ist. Das ist wohl das einzige, was Verbraucher, Investoren und Unternehmen derzeit über den künftigen Kurs der amerikanischen Notenbank (Fed) wissen.

Die Protokolle der Juli-Sitzung ihres wichtigsten Gremiums, des Offenmarktausschusses, die nun veröffentlicht wurden, machen dies deutlich. Wann genau die Geldschleusen geschlossen werden und wie stark – alles unsicher.

Doch das ist nicht die einzige Unklarheit, die an den Finanzmärkten derzeit Nervosität hervorruft. Fast noch wichtiger ist inzwischen für viele die Frage, wie es im kommenden Jahr weitergeht, wenn der derzeitige Chef der Notenbank, Ben Bernanke, Ende Januar geht.

Notenbank steht vor einem Exodus

Denn gleichzeitig wird aller Voraussicht nach eine Reihe weiterer führender Personen die Fed verlassen.

Wer die neuen sein werden und was sie dann tun werden – ebenfalls alles unsicher. „Am Markt glaubt man, dass die Fed davor steht, eine komplett neue Führungsspitze zu erhalten“, sagt David Kotok vom US-Anlageberater Cumberland.

Und das geschähe ausgerechnet in einer der kritischsten Phasen der Geschichte der Fed. Denn sie wird in den kommenden Monaten entscheidende Weichen stellen müssen. Derzeit kauft die Notenbank jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere und kurbelt damit die Wirtschaft an.

Bernanke hatte jedoch Mitte Juni erklärt, abhängig von der Entwicklung der Konjunktur könnten die Anleihekäufe der Notenbank ab Herbst auslaufen und bis Mitte 2014 eingestellt werden. Es wäre eine der wichtigsten Trendwenden in der Geschichte der Geldpolitik.

Zinsen sind schon drastisch gestiegen

Allein Bernankes Ankündigung jedoch ließ die Renditen für amerikanische, aber auch für deutsche Staatsanleihen bereits drastisch steigen. Der Zinssatz für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist seit Anfang Mai beispielsweise von 1,6 auf 2,9 Prozent geklettert und hat sich damit fast verdoppelt.

Die Renditen für die entsprechenden deutschen Papiere stiegen parallel dazu von 1,2 auf 1,9 Prozent. Da von diesen Sätzen beispielsweise auch die Zinsen für Immobilienkredite abhängen, hat dies Auswirkungen für sämtliche Verbraucher. Baudarlehen in Deutschland haben sich seit Mai deutlich verteuert.

Doch so eindeutig die Reaktion der Finanzmärkte damit war, so uneindeutig ist der Offenmarktausschuss derzeit. In dem zwölfköpfigen Gremium tobt offenbar ein Streit darüber, wann genau der Einstieg in den Ausstieg von den Anleihekäufen beginnen soll.

Den soeben veröffentlichten Protokollen des Ausschusses zufolge haben einige Mitglieder dafür plädiert, die Käufe „bald ein wenig“ zu drosseln. Andere dagegen haben zur Geduld beim Herunterfahren der Konjunkturhilfen gemahnt. „Die Protokolle haben keine Klarheit über Geschwindigkeit und Zeitpunkt des Ausstiegs gebracht“, sagt Harm Bandholz, US-Chef-Ökonom der Unicredit.

Kampf um den Chefposten in der Fed

Was wird dann erst sein, wenn im Offenmarktausschuss lauter neue Gesichter auftauchen? Elizabeth Duke hat im Juli angekündigt sich zurückzuziehen, die Amtszeit von Jerome Powell endet am 31. Januar, Sarah Bloom Raskin geht, um neue stellvertretende Finanzministerin zu werden.

Janet Yellen schließlich gilt als Kandidatin für den Chef-Posten – allerdings nicht als einzige. Präsident Obama scheint derzeit eher den Harvard-Professor Larry Summers zu bevorzugen, der ihm zu Beginn seiner Amtszeit, in der Hochphase der Finanzkrise als Wirtschaftsberater zur Seite stand.

Yellen gilt als „Taube“, also als Anhängerin einer lockeren Geldpolitik. Summers unterscheidet sich von ihr darin nicht grundsätzlich. Doch würde er Chef, so würde Yellen wohl gehen – und damit verlöre die Fed eine weitere erfahrene Person an der Spitze. „Die Struktur der amerikanischen Zentralbank könnte an einen Punkt kommen, wo es dort nur noch wenige erfahrene und bewährte Mitglieder des Offenmarktausschusses gäbe“, warnt David Kotok.

Neue Kandidaten hätten im Gegensatz zu ihnen die Finanzkrise zwar erlebt, aber eben nur von außen. „Sie werden nicht über Kenntnisse aus erster Hand und die Erfahrungen verfügen, die man nur sammelt, wenn man Entscheidungen treffen muss, während es lichterloh brennt.“

Investoren werden vorsichtig und verkaufen Aktien

Dies macht ihm und anderen Investoren zunehmend Angst. Kotok hat daher vor wenigen Tagen die Aktienquote in den Portfolios der Kunden drastisch reduziert und gleichzeitig den Anteil von Anleihen und Bargeld deutlich erhöht. „Die Bargeldreserve ist so hoch wie lange nicht.“

Wie lange sie so hoch bleiben wird, kann er noch nicht sagen. „Denn wir wissen nicht, wer der nächste Fed-Chef sein wird und wie das Führungsgremium aussehen wird“, sagt er. „Aber wir wissen, dass die derzeitige Unsicherheit schon bald in Entscheidungen münden wird, die Folgen für die aufgewühlten Märkte haben werden.“

Der September ist üblicherweise ein Monat, in dem die Finanzmärkten von gesteigerter Unruhe heimgesucht werden. Es könnte auch diesmal wieder so kommen.

http://www.welt.de/finanzen/article119283168/Notenbank-Umbau-versetzt-Boersen-in-Aufruhr.html

———————————————————————————————————————

30.05.2013

Der Nikkei crasht schon wieder

Die Furcht vor einer baldigen Straffung der US-Geldpolitik hat am Donnerstag zu einem erneuten Kursverfall an der Börse in Tokio geführt.

———————————————————————-

Der Leitindex Nikkei fiel um mehr als fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Auch ein Anstieg der Landeswährung Yen drückte auf die Stimmung. Investoren trennten sich etwa von Exportunternehmen wie Panasonic oder Suzuki. Die größten Kursverluste gab es bei Immobilienunternehmen, weil Anleger nach der Rallye der vergangenen Monate Gewinne mitnahmen. Auch andere asiatische Börsen gingen mit Verlusten aus dem Handel. Sie fielen aber bei weitem nicht so deutlich wie in Tokio aus, wo der Nikkei erst vor einer Woche um mehr als sieben Prozent eingebrochen war.

Die große Sorge unter Investoren sei, dass die US-Notenbank ihre bislang sehr lockere Geldpolitik beenden könnte, sagte ein Manager eines amerikanischen Hedgefonds. Der steigende Yen habe den Ausverkauf beschleunigt, aber eine nicht so große Rolle gespielt. Das billige Notenbank-Geld aus den USA, Europa und Japan hatte die Börsen weltweit in den vergangenen Monaten befeuert.

Der Nikkei fiel um 5,15 Prozent auf 13.589 Punkte. Vor dem Ausverkauf war er in der vergangenen Woche noch auf den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gestiegen. Inzwischen notiert der Index 14,8 Prozent unter dieser Marke. Am Donnerstag vor einer Woche fiel der Nikkei bereits so stark wie seit der Tsunami-Katastrophe vor zwei Jahren nicht mehr. Allerdings war dem Absturz eine monatelange Rallye vorausgegangen, weil die japanische Notenbank mit einer ultralockeren Geldpolitik gegen die Deflation kämpft, die die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt seit Jahren belastet.

Die Kursverluste an anderen asiatischen Börsen hielten sich am Donnerstag in Grenzen: Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik unter Ausschluss von Japan sank um 0,5 Prozent. Der japanische Währung legte zu: Ein Dollar kostete 100,58 Yen, nach 101,12 Yen am Mittwochabend in New York.

Deswegen gerieten in Tokio international aufgestellte Konzerne unter Druck. Ein stärkerer Yen verteuert ihre Produkte im Ausland. Aktien des Elektronikriesen Panasonic fielen um 4,1 Prozent. Beim Rivalen Sony betrug der Rückgang 2,9 Prozent und beim Autohersteller Suzuki Motor vier Prozent.

Noch deutlichere Kursverluste gab es bei Immobilienaktien. Der entsprechende Index gab um 5,6 Prozent nach. Bei Mitsubishi Estate betrug das Minus fünf Prozent und beim Konkurrenten Mitsui Fudosan sogar 5,5 Prozent.

http://www.format.at/articles/1322/926/359226/der-nikkei

———————————————————————————————————————

28.05.2013

China sollte sich auf massive Kapitalabflüsse vorbereiten

Bei dem Washingtoner G20-Treffen im April hat der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einem massiven Abfluss von Geldern aus den Schwellenländern gewarnt. Die Warnung stand im Zusammenhang mit der Vermutung, dass die USA in Kürze ihr „quantitative easing“ (QE)-Programm aufgeben könnten.

———————————————————————-

Seit dem Start des amerikanischen QE-Programms vor zwei Jahren wurde eine große Menge an US-Dollars in die Märkte vor allem der aufstrebenden Schwellenländer gepumpt. Dieses aus dem Nichts kreierte Geld war auf der Suche nach höheren Renditen – und hat in den besagten Märkten dazu geführt, dass neben den jeweiligen Währungen auch die Preise in verschiedenen Assetklassen deutlich nach oben gingen.

Diese aggressive Geldpolitik der USA und anderer Industrienationen kann aber nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden – sie erzeugt nämlich ihre ganz eigenen Probleme, und für echtes Wirtschaftswachstum kann so viel billiges Geld auch nicht sorgen.

In der Mitteilung des IWF hieß es, dass die „anpassungsfähige Geldpolitik“ der Zentralbanken zwar bisher eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krise gespielt habe. Darüber hinaus müsse man allerdings genau beobachten, wie stark der Einfluss ist, den die Expansion der Geldmenge auf die internationalen Kapitalströme und Wechselkurse habe. „Ein Ausstieg aus dieser Geldpolitik müsste dementsprechend deutlich kommuniziert und besonders vorsichtig durchgeführt werden“, heißt es in dem IWF-Statement.

Die Direktorin des IWF, Christine Lagarde, warnte sogar vor der „unkonventionellen Geldpolitik“ einiger Länder und kündigte an, die „verschiedenen Ausstiegsoptionen aus der QE-Politik sowie ihre Auswirkungen auf die IWF-Mitgliedsländer“ genau untersuchen zu wollen.

Die Warnungen des IWF bei dem G20-Treffen waren, dank einiger guter Wirtschaftsdaten aus den USA und anderen Ländern, zunächst völlig untergegangen – niemand nahm sie wirklich ernst.

Doch das hat sich inzwischen gründlich geändert.

Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass die amerikanische FED noch in diesem Jahr ein Ende ihres QE-Programms verkünden könnte. Mit einer auf über 3,3 Billionen US-Dollar angewachsenen Bilanz muss die Fed die Risiken einer starken Beschleunigung der Inflation und das Platzen einiger „Asset-Bubbles“ gegeneinander abwägen. Auch wenn der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, kürzlich von einer Beibehaltung der Stimuli-Geldpolitik sprach – ein Ausstieg der Fed aus dem QE-Programm wird in informierten Kreisen für immer wahrscheinlicher gehalten.

Ein Treffen der Fed, auf dem das weitere Vorgehen diskutiert werden soll, ist für den 18. Und 19. Juni angesetzt.

http://german.china.org.cn/business/txt/2013-05/28/content_28956335.htm

———————————————————————————————————————

23.05.2013

Kehrtwende der Fed: US-Notenbank läutet Ende der Geldschwemme ein

Wegen der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt will US-Notenbank-Chef Ben Bernanke weniger Geld in die Wirtschaft pumpen – womöglich bereits ab Juni. Experten fürchten um die Konjunktur in den USA.

———————————————————————-

Die Tage der großen Geldschwemme in den USA sind gezählt. Über den genauen Zeitpunkt wird noch gerätselt, doch spätestens im September dürfte es soweit sein. Fed-Chef Ben Bernanke hat die Märkte bereits behutsam darauf vorbereitet, dass die Notenbank den Umfang ihrer Anleihenkäufe herunterfahren wird. Die Fed könnte damit nach einer jahrelangen Geldflut die Schleusen wieder etwas schließen, während die europäische Schwester EZB in der rezessionsgeplagten Eurozone gerade über eine Ausweitung ihrer Anti-Krisenmaßnahmen nachdenkt.Die Fed steht jedoch vor einer Gratwanderung: Sie darf die Gesundung der US-Wirtschaft nicht durch ein zu frühes Absetzen der Geldspritzen gefährden und muss zugleich die Nebenwirkungen im Auge halten. Kritiker warnen vor Preisblasen und langfristigen Inflationsgefahren durch die Politik des billigen Geldes. Analystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank hält die Strategie des Fed-Chefs für flexibel genug, um die Wirtschaft in der Spur zu halten. „Bernanke hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass, selbst wenn die Fed einen Gang zurückschalten würde, dies nicht das automatische Ende der Anleihekäufe bedeuten wird.“ Sollte sich die Lage wieder verschlechtern, könne die Fed auch wieder einen Gang hochschalten.

So wenige Arbeitslose wie seit vier Jahren nicht mehr

Um die Wirtschaft und vor allem den Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen, hat die Fed in den vergangenen Jahren die Geldschleusen sperrangelweit geöffnet und Wertpapiere im Volumen von insgesamt 2,5 Billionen Dollar gekauft. Im September 2012 beschloss sie, die Notenpresse schneller rotieren zu lassen und zum Ankurbeln der Wirtschaft Monat für Monat 85 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen – in Form von Staatsanleihen und Immobilienpapieren.

Die Medizin hat offenbar angeschlagen: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Im April fiel die Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent. Für den tiefsten Stand seit Ende 2008 sorgten überraschend viele Neueinstellungen in den Unternehmen.

Festigt sich der Trend, könnte die Fed ihr Krisenprogramm getrost etwas herunterzufahren. Bereits auf „einer der nächsten Sitzungen“ könne es soweit sein, orakelte der Fed-Chef jüngst vor dem Kongress-Ausschuss.

Im für die Zinspolitik entscheidenden Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed scharren einige Mitglieder bereits mit den Hufen, wie aus den Protokollen der jüngsten Sitzung von Anfang Mai hervorgeht: Mehrere Notenbanker plädierten dafür, im Juni das Programm zum Ankauf von Anleihen und Wertpapieren zurückzufahren, falls sich starkes und nachhaltiges Wachstum abzeichne. In dem Protokoll wird damit zum ersten Mal ein festes Datum für einen Abbau der Ankäufe genannt. „Auf der Juni-Sitzung hätte der FOMC die Arbeitsmarktdaten für Mai und die Daten zur Inflationsentwicklung im April parat und innerhalb der Pressekonferenz die Chance, die Art und Weise der Verminderung der Ankäufe zu erläutern“, meint BayernLB-Expertin Christiane von Berg.

Abrupter Ausstieg aus Anleihenkäufen hätte fatale Wirkung“

Doch die eher zurückhaltenden Äußerungen Bernankes vor dem Kongress lassen die Expertin daran zweifeln, dass er den Fuß tatsächlich so rasch vom Gas nehmen wird. Auch US-Notenbanker James Bullard rechnet nicht mit einem Schnellschuss der Fed: Der Zeitpunkt für das Zurückfahren des Programms sei nicht „so nah“. Viele Experten halten es eher für möglich, dass die Vollgasfahrt im Spätsommer endet – so auch der Vermögensverwalter Pimco: „Wahrscheinlich ist es im September soweit“, sagt Pimco-Manager Bill Gross.

Dann steht wieder eine Pressekonferenz Bernankes nach dem Zinsbeschluss an, den der Fed-Chef zum Erläutern des Ausstiegs-Pfads nutzen könnte. Die entscheidende Frage ist dabei, wie stark die Fed den Fuß vom Gas nehmen wird. US-Notenbanker Bullard hat schon laut über eine Verringerung des monatlichen Ankauftempos um 15 bis 20 Milliarden Dollar nachgedacht – vorausgesetzt, die Wirtschaftslage erlaube das Bremsmanöver. Von einer Vollbremsung rät der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, angesichts der fragilen Lage der US-Wirtschaft dringend ab: „Ein abrupter Ausstieg würde vergleichbar zu einem ´Cold Turkey´ bei einem Junkie sein.“

http://www.focus.de/finanzen/news/tid-31395/kehrtwende-der-fed-die-us-notenbank-laeutet-das-ende-der-geldschwemme-ein-_aid_997334.html

———————————————————————————————————————

06.11.2012

Geldschwemme: Fed pumpt weitere Milliarden in den Markt

Die Fed plant den Aufkauf von Wertpapieren im laufenden Q3-Programm auf mehr als 600 Milliarden Dollar auszuweiten. Damit setzt sie die Geldschwemme, die vor allem Banken zugute kommt, fort und legt den Startschuss für Europa.

———————————————————————-

Die Fed will das im September gestartete dritte Quantitative-Easying-Programm (QE) ausweiten. So wird das im September gestartete Q3 insgesamt ein Volumen von über 600 Milliarden Dollar erreichen und damit die vorherige Geldschwemme weit übertreffen, erklärte der Präsident der Fed von San Fransisco John Williams.  Nicht nur der Umfang, sondern letztlich auch die Dauer des Q3 wird damit ausgeweitet. Ziel sei es, durch den Aufkauf von Wertpapieren die Börsenkurse zu stützen und die Zinsen auf einem niedrigen Niveau zu halten. Die Notenbank werde diese Offenmarktpolitik erst stoppen, wenn die Konjunktur sich erholt hat, so Reuters. Das angestrebte Volumen werde das der Vorgängerprogramme noch übertreffen, sagte Williams. QE3 sieht Wertpapier-Aufkäufe in Höhe von 40 Milliarden Dollar im Monat vor.

Die Geldschwemme kommt vor allem den internationalen Bankensystem zu Gute. Großbanken, wie Goldman Sachs, nutzen die Liquidität als Risikopuffer (hier). Die expansive Geldpolitik der Fed löste aber auch Verunsicherung auf den globalen Finanzmärkten aus. Für viele Analysten sei das dritte QE-Programm der Auftakt für einen internationalen Währungskrieg (hier).

Auch die europäische Zentralbank (EZB) greift den Märkten mit einer Offenmarktpolitik unter die Arme. Seit Dezember 2011 hat die EZB die Märkte mit 1000 Milliarden Euro geflutet. China nähert sich mit ihrer Geldpolitik ebenso den europäischen und amerikanischen Wirtschaftsräumen an. Anfang November pumpte die chinesische Zentralbank weitere 60 Milliarden Euro in die Märkte (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/06/geldschwemme-fed-pumpt-weitere-milliarden-in-den-markt/

———————————————————————————————————————

14.09.2012

Marc Faber: Ben Bernanke wird die Welt zerstören

Harte Worte von Investor Marc Faber: Das unbegrenzte Gelddrucken der Amerikaner werde die Welt zerstören. Die US-Notenbank mache die Reichen reicher, und stoße die Armen weiter ins Unglück.

———————————————————————-

Marc Faber, Investor und Verleger des “Gloom, Boom & Doom Reports” hält die neueste Gelddruck-Orgie von Ben Bernanke (hier) der US-Notenbanken Federal Reserve (Fed) für eine unmoralische Aktion: “Die Geldpolitik der USA wird die Welt zerstören”, sagte Faber auf Bloomberg TV. Durch die seit Jahrzehnten praktizierte Geldpolitik seien lediglich Blasen geschaffen worden, die es den Reichen ermöglicht hätten, noch reicher zu werden. Dies werde zu einem kolossalen Crash führen. Faber nannte als Beispiel die amerikanische Immobilien-Blase: Zuerst hätte man den Beziehern niedriger Einkommen mit einer Kredit-Blase geholfen, Häuser zu kaufen. Als die Blase platzte, wurden die Leute aus ihren Häusern geworfen. Nun kaufen die Reichen die Häuser, und vermieten sie an jene, die hinausgeworfen wurden, zu überhöhten Mieten. Die Mietpreise in den USA seien um 9 Prozent gestiegen.

Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit könne das Gelddrucken überhaupt nichts beitragen: Es werden neue Jobs ausschließlich im Niedgriglohn-Segment geschaffen. Nach Jahrzehnten einer zügellosen Geldpolitik gäbe es Rekord-Arbeitslosigkeit überall auf der Welt. Das neue Geld baue die Arbeitslosigkeit nicht ab, sondern sorge lediglich dafür, dass neue Blasen entstehen – die alle nach demselben Muster abliefen wie die US-Immobilien-Blase.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/14/marc-faber-ben-bernanke-wird-die-welt-zerstoeren/

———————————————————————————————————————

13.09.2012

US-Notenbank beschließt QE 3 und kauft Schrottpapiere von den Banken

Der Offenmarkt-Ausschuss der Federal Reserve hat die nächste Geldschwemme beschlossen. Bei näherem Hinsehen wirkt die Entscheidung wie ein Gruß aus der geschlossenen Anstalt. Die Steuerzahler werden von dem Geldsegen keinen müden Cent sehen.

———————————————————————-

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die nächste Geldschwemme beschlossen. Das neue Programm zum Aufkauf von Anleihen bezieht sich in einem ersten Schritt auf verbriefte Hypothekenpapiere (Mortgage Backed Securities, MBS). Die Notenbank will jeden Monat für 40 Milliarden Dollar MBS vom Markt kaufen. Das Ziel ist, die Zinsen am Hypothekenmarkt zu senken. Erst zu einem späteren Zeitpunkt will die Fed Bonds der US-Regierung (Treasuries) kaufen.

Die bisherige „Operation Twist“ – der Ankauf von langfristigen Staatsanleihen und MBS zu kaufen und der Verkauf von kurzfristigen Papieren – wird ebenfalls fortgesetzt. Auch diese Maßnahme hatte bereits eine Senkung der Hypothekarzinsen bezweckt, offenkundig jedoch ohne großen Erfolg. Insgesamt will die US-Notenbank bis Ende Jahr für monatlich 85 Milliarden Dollar langfristige Papiere kaufen.

Darüber hinaus hat die Fed angekündigt, dass der Leitzins mindestens bis Mitte 2015 auf dem Niveau von 0 bis 0,25% belassen werden soll. Ursprünglich war ein Ende der Niedrigzins-Periode für Ende 2014 angekündigt worden.

Damit ist das lange erwartete dritte „Quantitative Easing“ (QE 3) Wirklichkeit geworden. Bereits zweimal hatte die Fed den Markt mit Geld geschwemmt. Finanzmathematiker fürchten das QE 3: Wegen der Exponentialfunktion kann durch diesen Schritt kann das gesamte Finanz-System außer Kontrolle geraten.

Die konjunkturelle Lage in den USA ist jedoch nach Angaben der Fed so angespannt, dass sie den Sprung trotz aller Bedenken jetzt doch gewagt hat. Die Fed gibt an, dass die Arbeitslosigkeit zu hoch sei und dass eine Besserung ohne QE 3 nicht zu erwarten sei. Die Notenbank verstrickt sich hier in einen merkwürdigen Widerspruch: Denn in ihrer kurz vor der Bekanntgabe von QE 3 veröffentlichten Konjunkturprognose heißt es plötzlich, dass die Konjunktur allen Prognosen zum Trotz schneller anspringen werde. Fed-Chef Ben Bernanke war in den vergangenen Monaten nicht müde geworden, die Konjunktur als fragil bis gefährdet hinzustellen. Bemerkenswert: Die Fed will den Ankauf von Schrottpapieren unbegrenzt durchführen – ein Novum in der US-Geldpolitik.

Die Fed fühlt sich in der Lage, die Geldschleusen erneut zu öffnen, weil sie keine hohe Inflation erwartet.

Diese Einschätzung dürfte stimmen, weil der Geldsegen kurzfristig vor allem den Banken zu Gute kommt. Die Banken können das Geld nun zur weiteren Aufblähung der Aktien- und vor allem der gefährlichen Derivate-Märkte nutzen. Es ist zu erwarten, dass die nächsten Monate den Teilnehmern am globalen Finanzkasino einige Freude bereiten werden.

Die Bürger werden davon nicht profitieren. Die Bank of England hatte kürzlich ermittelt, dass das QE in Großbritannien vor allen den Super-Reichen geholfen hat: Sie haben genug Assets und Sicherheiten, um es sich am Kasino-Tisch bequem einzurichten. Für die Banken geht damit der „moral hazard“ weiter, weil sie nach Belieben Schrottpapiere schnüren können – wissend, dass am Ende Ben Bernanke dankbar zugreifen wird.

Die geringe Inflationsgefahr hat noch eine andere Ursache: Für eine Inflation ist entscheidend, dass Geld in den realen Wirtschaftskreislauf kommt. Hier zeigt sich, dass sich der Job-Markt grundlegend geändert hat. Der Investor Marc Faber Pento hat bei King World News die Beobachtung zu Protokoll gegeben, dass Leute, die aus dem Job ausscheiden und einen neuen Job annehmen, in der Regeln seit einiger Zeit deutlich weniger verdienen als zuvor (der interessante Podcast – hier). Diese Beobachtung wird auch durch die Analyse der Arbeitslosenzahlen gestützt. Demnach werden neue Jobs vor allem im Niedriglohnsektor geschaffen. Michael Pento glaubt, dass die Geldschwemme zwangsläufig zu Stagflation und Hyperinflation führen wird (seine Analyse bei KWN – hier).

Mit freier Marktwirtschaft hat die neuerliche Geldschwemme natürlich nichts mehr zu tun: Es handelt sich um pure, ungeschminkte Manipulation. Das Dumme dabei ist, dass die Rechnung, die am Ende die Steuerzahler zu berappen haben werden, nun möglicherweise exponentiell in die Höhe schnellen könnte. Man kann also mit einigem Grund davon sprechen, dass der Offenmarktausschuss seinem Namen keine Ehre gemacht hat – vielmehr wirkt die Mitteilung der Fed (Original – hier) bei nüchterner Analyse wie ein Brief aus der geschlossenen Anstalt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/13/us-notenbank-beschliesst-qe-3-und-kauft-schrottpapiere-von-den-banken/

———————————————————————————————————————

Wohin die lockere Geldpolitik und der Währungskrieg der US Notenbank FED führt und wer betroffen ist.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.