US-Army: ein Gast, der niemals von selbst geht

01.03.2014

Amerikanische Generäle reden davon, dass sich die militärische Präsenz Amerikas im unruhigen Orient verringern würde. Doch aus einem unerklärlichen Grund verlegen sie ihre Truppen von dort nicht etwa in das Heimatland, sondern in das durchaus friedliche Europa.

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So begann der Personalbestand des amerikanischen Stützpunktes „Manas“ in Kirgisien, nachdem dieses Land den diesbezüglichen Vertrag gekündigt hatte, den Umzug in einen neuen Stützpunkt in Rumänien. Und was tun, wenn schon alte europäische Verbündete zu verstehen geben, dass die Gäste bereits zu lange verweilten, oder wenn sie überhaupt die Tür nicht öffnen wollen? Im kleinen Europa lässt sich noch eine Alternative finden. In Deutschland hatte man als „einen Wink mit dem Scheunentor“ die Anforderungen an die ausländischen Militärobjekte im Hinblick auf die Ökologie verschärft, und so zogen die amerikanischen Kriegsstützpunkte nach Italien und Bulgarien um. Vor drei Jahren verzichtete Tschechien auf das Vergnügen, sich am amerikanischen Raketenabwehrsystem zu beteiligen. Bis 2018 soll es nun in Polen entfaltet worden sein.

Aber Amerika ist nicht gewillt, nicht nur aus dem gemütliche Europa abzuziehen. Washington hatte lange Zeit mit dem vollständigen Abzug seiner Truppen aus Afghanistan gedroht, falls der dortige Präsident, Hamid Karsai, das bilaterale Sicherheitsabkommen mit den USA nicht unterschreiben sollte. Es wurde auch der äußerste Termin, bis Ende 2013, genannt. Amerikanische Diplomaten und Generäle behaupteten nach dem Ablaufen dieser Frist, dass das Pentagon es schlicht und einfach nicht schaffe, für das Kontingent, das wie geplant nach 2014 im Lande belassen werden sollte, alles Erforderliche vorzubereiten. Doch selbst dann, als der USA-Kongress im Januar die Finanzhilfe an Afghanistan halbiert hatte, änderte die afghanische Seite ihre Haltung dem Abkommen gegenüber nicht.

Und nun erklärte Barack Obama diese Woche in einem Telefongespräch mit dem Präsidenten Afghanistans, Hamid Karsai, dass er das Militärkommando beauftragt hätte, mit der Planung für den vollständigen Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan zu beginnen. Was hat das zu bedeuten? Rein gar nichts. General Joseph Dunford, Befehlshaber der Truppen der Nato und der USA in Afghanistan, verkündete bereits, dass das amerikanische Kontingent bis Juli über alles Erforderliche für die Sicherstellung der Lebensfähigkeit von 10.000 amerikanischen Soldaten verfügen würde, die hier möglicherweise nach 2014 bleiben würden. „Möglicherweise“ bedeutet in diesem Kontext die Wahrscheinlichkeit dessen, dass sich auch der nächste Präsident Afghanistans weigern würde, das berüchtigte Sicherheitsabkommen mit den USA zu unterschreiben. Eine solche Situation ist nicht ausgeschlossen. Doch auch für einen solchen Fall hat Amerika eine Variante parat.

Nach einer ähnlichen Demarche der irakischen Behörden zogen die USA im Dezember 2011 ihre Truppen tatsächlich aus diesem Land ab. Aber sie beließen dort ihre Botschaft, die größte und die kostspieligste in der Welt. Allen mehr als 2.000 Diplomaten waren dort tätig. Das Gros der weiteren 15.000 Beschäftigten machten Mitarbeiter von privaten Militärunternehmen aus. Diplomatische Vertretungen, Konsulate, mit einer ähnlichen Struktur blieben in Basra, Mosul und Kirkuk. In jedem Konsulat wurden mehr als 1.000 Mitarbeiter und etwa 4.000 bis 5.000 „private“ Soldaten gezählt. Es wäre darauf hinzuweisen, dass alle Amerikaner, darunter auch die Militärs und die Mitarbeiter von privaten Militärfirmen, die diplomatische Immunität genießen. Bis jetzt haben die USA ihre „diplomatische Division“ im Irak etwas gestutzt, doch die Kürzung des Militärhaushaltes der USA hat sie im Großen und Ganzen nicht betroffen.

Washington vermag es, selbst in einem noch so blinden juristischen Zaun ein Schlupfloch zu finden. So geschah es beispielsweise im Falle der Philippinen. Seinerzeit hatten Patrioten dieses Landes das Verbot für die Anwesenheit ständiger ausländischer Stützpunkte auf dessen Territorium in der Verfassung verankert. Doch die USA haben ein Exklusivabkommen über eine „zeitweilige“ Stationierung ihrer Kräfte abgeschlossen und nutzen es tatkräftig aus.

In den Zeiten des prokommunistischen Regimes wurden in Afghanistan Siege über das Britische Imperium begangen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus diesem Land begann man, den Tag des Sieges bereits über diese zu feiern. Die afghanischen Erfahrungen, Siege über einen „älteren Bruder“ zu feiern, indem man am Tisch mit einem anderen sitzt, sind, wie es aussieht, auch andere zu übernehmen bereit. Doch wenn man die US-Army einlädt, so wäre eine Besonderheit zu beachten: Unabhängig davon, womit sie sich befassen wird, ob mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen, mit einer Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des jeweiligen Landes oder mit der Bekämpfung von Terrorismus, wird sie sich wie immer und überall darum bemühen, für immer zu Besuch zu bleiben. Sie wird sich sehr darum bemühen.

http://german.ruvr.ru/2014_03_01/US-Army-ein-Gast-der-niemals-von-selbst-geht-9303/

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