Unerlaubte Preisabsprache: „Schienenfreunde“ trafen sich auch im Bordell

10.09.2012

Stahlhart haben Lieferanten und Deutsche Bahn-Mitarbeiter verhandelt – für 71.276 Euro im Rotlichtmilieu. Zuerst legten die Mitglieder des Schienenkartells die Preise fest, dann ging es in zwielichtigen Lokalen weiter.

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Der Skandal um das Schienenkartell, bei dem Stahlhersteller um Voestalpine und Thyssen-Krupp Preise und Mengen auf dem deutschen Gleismarkt abgesprochen haben, erhält eine neue Dimension: Mitarbeiter der Stahlhersteller und Angestellte der Deutschen Bahn mehrfach zu Bordellbesuchen getroffen und vorher beim Abendessen die Preise abgesprochen, berichtet das Handelsblatt (Dienstagausgabe) unter Berufung auf einen Teilnehmer dieser Treffen.

Ein früherer Geschäftsführer der deutschen Voestalpine-Tochter von Voestalpine Kloeckner Bahntechnik hat in den Jahren von 2005 bis 2009 insgesamt 35 Abrechnungen über 71.276,24 Euro eingereicht. Das geht aus Urteilen des Landgerichts Duisburg hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Mitglieder des Kartell nannten sich „Schienenfreunde“.

Der Geschäftsführer hatte seinen früheren Arbeitgeber nach einer fristlosen Kündigung verklagt, unterlag aber unter Vorgericht. Im Zentrum der Abrechnungen stand das Berliner Nobelbordell „Bel Ami“.

Voestalpine und Plattes bestätigten die Existenz der Rechnungen. Beide betonten indes, dass diese nicht im Zusammenhang mit dem Schienenkartell stünden. Die Bahn und Thyssen-Krupp GfT Gleistechnik erklärten, sie hätten davon keine Kenntnis.

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte für seine Beteiligung an dem Kartell teuer bezahlen müssen. Das Bundeskartellamt verhängte im Juli ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro gegen das Unternehmen. Die ebenfalls an dem illegalen Verbund beteiligten Firmen Vossloh und Voestalpine mussten dreizehn Millionen und 8,5 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen. Die Firmen hatten über Jahre hinweg Preise und Mengen auf dem Schienenmarkt abgesprochen. Da sie geständig waren, fiel die Strafe geringer aus. Das abgeschlossene Verfahren betrifft das Kartell gegen die Deutsche Bahn, Europas größten Schienenkunden. Der Eisenbahnkonzern verlangt Schadensersatz von den Kartellbeteiligten.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/unerlaubte-preisabsprache-schienenfreunde-trafen-sich-auch-im-bordell/7117492.html

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