Ukraine: Fahnenflucht und Dienstverweigerung in der Armee – eine Chronik

22.06.2015

Ukrainischer General wechselt „mit Hunderten Kameraden“ zu Donezker Milizen

Der ukrainische Generalmajor Alexander Kolomijez ist zu den Milizen der nicht anerkannten „Donezker Volksrepublik“ übergewechselt. Am Montag gab er gemeinsam mit anderen Männern, die sich als Ex-Offiziere der ukrainischen Armee vorstellten, in Donezk eine Pressekonferenz. Kiew bestätigte, dass Kolomijez im Verteidigungsministerium gedient hatte.

————————————————————————————

Er sei gemeinsam mit vielen weiteren Offizieren der ukrainischen Armee auf die Seite der Donezker Republik gewechselt, um sein „Heimatland Donbass zu verteidigen“, sagte Kolomijez. Seit Beginn des Kiewer „Anti-Terror-Einsatzes“ seien „Hunderte Soldaten und Offiziere“ nach Donezk und Lugansk gegangen, um ihre Familien zu schützen. Die meisten von ihnen seien im Donezbecken geboren. „Jetzt verteidigen sie mit Waffen in der Hand ihre Häuser.“

Widerstand gegen Krieg

Laut Kolomijez wächst im ukrainischen Militärkommando der Widerstand gegen den seit 2014 andauernden Truppeneinsatz im Donezbecken. „Ich habe mit vielen Generälen der ukrainischen Streitkräfte gesprochen. Alle sind gegen diesen Krieg. Niemand will kämpfen“, so der abtrünnige General. Nach seinen Angaben wagen seine Ex-Kollegen keinen offenen Protest. „Wer nicht einverstanden ist, wird eingesperrt. Deshalb hat man einfach Angst.“

Auch seine Familie habe Drohungen bekommen und aus Sicherheitsgründen Kiew verlassen müssen. Er rechne damit, dass die Offiziere der ukrainischen Armee, die mit diesem Krieg nicht einverstanden sind, „bald hierher zurückkehren“. „Wir werden die Menschen im Donbass, unser Heimatland verteidigen.“ Der General attestierte der ukrainischen Regierungsarmee eine „sehr schwache Kampfmoral“. Viele Offiziere sähen, dass der Krieg „verbrecherisch“ sei und „sie wollen nicht kämpfen“. Es seien nur noch die Freiwilligenbataillone, die gerne in den Kampf ziehen würden.

Der ukrainische Generalstab bestätigte, dass Generalmajor Kolomijez wirklich — unter dem 2014 gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch — im Verteidigungsministerium gearbeitet hatte. „Alexander Kolomijez war als Assistent von Dmitri Salamatin (bis 2012 ukrainischer Verteidigungsminister) tätig gewesen“, twitterte der Sprecher des Generalstabs Wladislaw Selesnjow am Montag.

In der vergangenen Woche hatte der Chef des ukrainischen Zollamtes im Gebiet Lugansk, Oleg Tschernoussow, sein Amt verlassen und war in seine Heimatstadt in der nicht anerkannten Volksrepublik Lugansk zurückgekehrt. Er warf der Regierung in Kiew „Genozid“ vor. Laut Tschernoussow profitieren Kiew-treue Freiwilligenbataillone von dem Krieg, indem sie Lebensmittel in die Kampfgebiete gegen Geld lassen.

Die ukrainische Opposition hatte im Februar 2014 Präsident Viktor Janukowitsch entmachtet. Obwohl die von der Verfassung vorgeschriebene 75-Prozent-Mehrheit im Parlament nicht erreicht wurde, erlärten die Oppositionsparteien den Staatschef für abgesetzt und stellten eine Übergangsregierung, die von den westlichen Staaten umgehend anerkannt wurde. Die östlichen Industriegebiete Donezk und Lugansk hingegen haben den dubiosen Machtwechsel nicht anerkannt und zuerst mehr Selbständigkeit gefordert und dann unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen. Daraufhin schickte die neue Regierung Truppen gegen Donezk und Lugansk. Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und den örtlichen Bürgermilizen sind laut den jüngsten UN-Angaben mindestens 6500 Zivilisten ums Leben gekommen. Kiew nennt die bewaffneten Regimegegner im Osten des Landes „Terroristen“ und seinen Truppeneinsatz „Anti-Terror-Operation“.

http://de.sputniknews.com/politik/20150622/302884747.html

———————————————————————————————————————

22.06.2015

Für Kiew sterben? Über 10.000 Fahnenflüchtige seit Beginn der ukrainischen Militäroffensive

Laut Angaben des militärischen Ordnungsdienstes der ukrainischen Streitkräfte sind seit Beginn der sogenannten Anti-Terror Operation im Osten des Landes über 10.000 Fälle von Fahnenflucht registriert worden.

————————————————————————————

Laut Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Vesti.UA fiel ein Großteil der Desertationen auf das Jahr 2014. Für das bisherige Jahr 2015 verzeichnete der ukrainische Generalstab 100 Fahnenflüchtige.

Wie der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in diesem Zusammenhang bekannt gab, hat sich ein Drittel aller Fälle von Fahnenflucht bereits während der ersten Mobilmachungswelle ereignet. Die Ukraine hatte im Jahr 2014 insgesamt drei Mobilisierungen ausgerufen und in Folge die Truppenstärke von 130.000 auf 232.000 Soldaten erhöht.

Die Teilmobilmachung im Jahr 2015 führte in größerem Umfang zu Unmut in der Bevölkerung in Form von Demonstrationen in verschiedenen Regionen des Landes.

http://www.rtdeutsch.com/23698/international/fuer-kiew-sterben-ueber-10-000-fahnenfluechtige-seit-beginn-der-ukrainsichen-militaeroffensive/

———————————————————————————————————————

06.05.2015

Migrationsamt: Hunderttausende ukrainische Wehrdienstverweigerer in Russland

Rund 2,5 Millionen Staatsbürger der Ukraine halten sich in Russland auf. Der Chef der russischen Migrationsbehörde Konstantin Romodanowski vermutet, dass viele von ihnen aus ihrer Heimat geflohen sind, um sich der Mobilmachung und der Entsendung ins Kampfgebiet Donbass zu entziehen.

————————————————————————————

Insgesamt 2,5 Millionen Menschen aus der Ukraine halten sich jetzt bei uns auf“, teilte Romodanowski am Mittwoch Staatspräsident Wladimir Putin mit. „Etwa 550.000 ukrainische Bürger verstecken sich offenbar in Russland, um einer Teilnahme an den Kampfhandlungen in der Ukraine zu entkommen.“ Etwa 970.000 der ukrainischen Bürger seien aus den östlichen Kampfgebieten eingereist, sagte Romodanowski weiter. Mehr als 500.000 von ihnen haben das Recht auf Erwerbstätigkeit.

Im vergangenen Jahr hat es in der Ukraine drei Teilmobilmachungen für den Kriegseinsatz im Osten des Landes gegeben. Für dieses Jahr verordnete der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko drei weitere Mobilmachungen. Am 20. Januar begann die erste Einberufung von 50.000 Soldaten, die von Experten und Medien als gescheitert bezeichnet wird, denn viele Wehrfähige sind vor dem Einberufungsbefehl nach Russland, aber auch in westliche Staaten geflüchtet.

In der Ost-Ukraine war im April 2014 ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch im Februar 2014 setzte die neue ukrainische Regierung Truppen gegen die östlichen Kohlebergbau-Gebiete Donezk und Lugansk ein, weil diese den nationalistisch geprägten Machtwechsel nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und den Bürgermilizen von Donbass sind laut den UN-Angaben mehr als 6000 Zivilisten ums Leben gekommen.

Seit dem 15. Februar gilt im Kampfgebiet eine Waffenruhe. Sie ist Teil eines Friedensplans, der am 12. Februar in Minsk unter Vermittlung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, des französischen Präsidenten François Hollande und des russischen Staatchefs Wladimir Putin ausgehandelt wurde. Dennoch berichten die Beobachter der OSZE, die die Situation im Kampfgebiet überwachen, von vereinzelten Verstößen gegen die Waffenruhe.

http://de.sputniknews.com/panorama/20150506/302212055.html

———————————————————————————————————————

04.05.2015

Alles – nur nicht in die Armee

Hiobsbotschaft Einberufungsbescheid: Allein in Kiew entziehen sich 95 Prozent der Wehrfähigen dem Militärdienst. Firmen machen falsche Angaben, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Manche Männer gehen sogar noch weiter.

————————————————————————————

Dmitri kann aufatmen. Der junge Mann stammt aus der ostukrainischen Industriestadt Dnipropetrowsk und hat sich über Kiew nach Turin in Italien abgesetzt – „gerettet“, wie er sagt. „Ich hoffe, ich kann im Laufe des Jahres an einer Uni in Italien studieren“, sagt er im Gespräch über Skype. Was er derzeit macht, bleibt unklar. Eine Verwandte habe ihn nach Italien eingeladen.

Dmitri ist 22 Jahre alt und hatte sich mehrere Monate in Kiew versteckt, weil er im Herbst 2014 einen Einberufungsbefehl erhalten hatte. „Ich will nicht in die Armee“, sagte er damals. Ursprünglich wollte er sich in Kiew an einer der vielen Universitäten einschreiben, um der Armee zu entgehen, „doch dann erhielt ich die Möglichkeit, ins richtige Europa zu gehen“, sagt er. 60.000 Soldaten will die Ukraine in den nächsten fünf Monaten ausbilden. Doch allein in Kiew entziehen sich 95 Prozent der Wehrfähigen dem Militärdienst.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich diejenigen, die es können, vom Militärdienst freikaufen. Erst vor wenigen Wochen wurde im westukrainischen Czernowitz ein Arzt medienwirksam verhaftet, der für die Ausstellung ärztlicher Atteste zur Dienstuntauglichkeit bei den Streitkräften bis zu 3500 Euro pro Unterschrift kassierte.

Doch solche Beispiele schrecken die meisten Männer nicht ab. Vor allem in der West-Ukraine, in den Regionen Transkarpatien, Iwano-Frankiwsk und Lwiw sind in den vergangenen Monaten mehr als 60 Prozent der arbeitsfähigen Männer ausgereist. Markijan ist bereits kurz nach Neujahr in den Bus gestiegen und zu seiner Arbeitsstelle in die EU gefahren. Der Mann heißt eigentlich anders, seine Familie lebt in der Region Lwiw. Markijan arbeitet seit Jahren als Saisonarbeiter in der EU, erst bei einem Spargelbauern und später im Sommer als Erntehelfer.

Das Geld, das er dort in fünf oder sechs Monaten verdient, schickt er zu seiner Familie. Bis zu 70 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind in der Westukraine im benachbarten Polen oder in Rumänien tätig. Viele gehen in Italien, Deutschland oder Österreich einer Arbeit nach.

Markijans Frau hat einem ukrainischen TV-Sender ein Interview gegeben, ihr Gesicht und ihre Stimme wurden unkenntlich gemacht. „Wenn er kein Geld aus Europa schickt, können wir nicht überleben“, sagt die Frau. Sie, die drei Kinder sowie seine und ihre Eltern bringe Markijan mit den Einkünften aus der Saisonarbeit über die Runden. Nicht auszudenken, wenn er an die Front müsste, versehrt wiederkommen oder gar sterben würde. In der Westukraine leben viele Menschen mit einem Schengen-Visum, das die Einreise in die EU ermöglicht. In zahlreichen Grenzorten besteht zudem der Kleine Grenzverkehr, der Anwohnern in Grenzregionen gegenseitig Sonderrechte einräumt.

Nicht nur in Lwiw sind die Saisonarbeiter busweise ausgereist, das Phänomen taucht auch in anderen Landesteilen auf. Auch in der Ostukraine entziehen sich viele Männer der Mobilisierung. In der nordöstlichen Region Sumy wurden beispielsweise organisierte Bustouren beobachtet.

Die Busse fahren die Dörfer ab und bringen die Männer über die Grenze nach Russland. Dort sind viele Ukrainer traditionell auf dem Bau beschäftigt. Zwischen Russland und der Ukraine gibt es keine Visa-Auflagen. Die Regierung in Moskau hat die Arbeitserlaubnis für ukrainische Arbeiter in den vergangenen Monaten sogar noch ausgeweitet. 180 Tage am Stück dürfen Ukrainer nun beim Nachbarn arbeiten, ohne zwischenzeitlich nach Hause zu müssen.

Nur sechs Prozent der Wehrpflichtigen sind Freiwillige

Obwohl der Aufwand erheblich ist und im Fernsehen jeden Abend Werbespots zu sehen sind, die zur Mobilisierung aufrufen, verlief die insgesamt vierte Einberufungswelle schleppend. Deshalb soll nun die fünfte folgen. Nur sechs Prozent der Wehrpflichtigen sind Freiwillige.

Das war im vergangenen Sommer noch ganz anders. Zu Anfang der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine hatten sich bis zu 30 Prozent Freiwillige gemeldet, unter ihnen auch viele Studenten. Nun müssen die Mitarbeiter der Militärkommissariate sogar selbst von Tür zu Tür ziehen, um diejenigen mit einem Einberufungsbescheid von zuhause abzuholen.

In Kiew sprechen die Medien bereits von einer „Jagd auf Militärdienstleistende“. Vor allem private Unternehmer würden den Behörden falsche Informationen über ihre Arbeitnehmer abgeben, um sie so vor dem Dienst an der Waffe zu schützen. Bis zu 95 Prozent der Wehrdienstpflichtigen sollen sich nach Angaben der Tageszeitung „Segodna“ in Kiew vor der Armee drücken.

Die Regierung will nun härtere Saiten aufziehen und droht den Firmen mit „Bilanzprüfungen“ und der „Steuerinspektion“. Der Leiter des Militärbüros der Stadt Kiew, Oleg Garjaga, warnte im Gespräch mit der Tageszeitung „Segodna“: „Die Firmen müssen mit dem Militär Hand in Hand arbeiten. Sonst können wir überprüfen lassen, ob sie sich auch sonst an die Gesetze halten.“

Eine offene Drohung, die viele betrifft. Auch in der sonst eher patriotischen Westukraine gehen Firmen diesen Weg. In dieser Region haben vor allem mittelständische Firmen ihre Produktionsstätten, auch Betriebe aus der EU wie der Kabelbaumhersteller Leonie.

Der Gouverneur von Iwano-Frankiwsk, Oleg Gontscharuk, stellte sich nun vor die Unternehmer. Es gehe nicht an, dass eine Firma, die 120 Leute beschäftigt, Einberufungsbefehle für 60 erhalte, sagte der Gouverneur auf einer Sitzung mit dem Militärkommando West der ukrainischen Streitkräfte. „Ich verbiete Ihnen, die Einberufungspapiere bei den Firmen stapelweise abzuladen“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Uniform.

In den sozialen Netzwerken gibt es unzählige Berichte von jungen Männern, die über ihre Erfahrungen bei der Armee schreiben. Den meisten macht die schlechte Ausstattung, die als mangelhaft empfundene Verpflegung sowie der Umgangston der Vorgesetzten zu schaffen.

Einer der bekanntesten Blogger ist Wjatscheslaw Pojesdnik. Auf Facebook berichtet er seinen Lesern von Ungeziefer in den Schlafunterkünften, fehlendem Besteck („Wir nehmen das harte Brot als Ersatz für Löffel und Gabel“) und stellt die Frage: „Wo gibt es in unserer Armee frisches Obst wie Kiwi oder Apfelsinen?“ Dazu postet er ein Foto, das die Pressestelle von Präsident Petro Poroschenko vor ein paar Tagen verschickte. Es zeigt den Präsidenten beim Essen mit Soldaten in einer Soldatenkantine in Lwiw.

Das Verteidigungsministerium hat trotz aller Kritik nun zu einer fünften Mobilisierungswelle aufgerufen, denn es fehlen noch zwischen 15.000 und 20.000 Mann, um die angepeilte Reserve in Höhe von 60.000 Soldaten zu erreichen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Bevölkerungsgruppen von der Mobilisierungspflicht befreit. Diese Woche unterschrieb der Präsident ein Gesetz, das Studenten, Doktoranden und Fachleute, die bei internationalen Firmen arbeiten, erlaubt, der Ausbildung an der Waffe fernzubleiben.

Experten wie der renommierte Militärforscher Juri Butusow, kritisieren die politische Führung für den Umbau der ukrainischen Streitkräfte. In einem Beitrag in der Wochenzeitschrift „Zerkalo Nedeli“ schrieb Butusow vor einigen Wochen, die Menschen hätten kein Vertrauen in Politik und Militär, deshalb laufe die Mobilisierung so schlecht.

Das Volk sieht nicht ein, wieso man sich für eine Handvoll Politiker, die gleichzeitig Oligarchen sind, an der Front erschießen lassen soll“, erläutert Butusow in dem vielbeachteten Artikel. Auch mit der Militärführung geht er hart ins Gericht. In der Armee gedeihe Korruption, es herrsche vielerorts Inkompetenz, und die Ausstattung sei größtenteils vor museumsreif. Nur mit ernstgemeinten Anstrengungen und mit erheblicher Unterstützung durch westliche Armeespezialisten könne der ukrainischen Armee ein Neuanfang gelingen. Butusow fordert: „Der Umbau muss an Haupt und Gliedern erfolgen, sonst bleibt das bestehende System erhalten.“

Dmitri interessieren solche Ratschläge nicht mehr. „In der Ukraine haben die Politiker seit mehr als 20 Jahren den Umbau versprochen, doch das Land ist immer weiter abgerutscht“, sagt der 22-Jährige und klingt verbittert. Er will nun in Italien ein neues Leben beginnen, denn er sei nur einmal jung: „Wenn ich jetzt nicht anfange, ist der Zug für mich abgefahren.“

http://www.handelsblatt.com/politik/international/militaerdienstverweigerer-in-der-ukraine-alles-nur-nicht-in-die-armee/11695580.html

———————————————————————————————————————

10.02.2015

Experte: Rund 1,3 Millionen wehrpflichtige Ukrainer nach Russland geflüchtet

Rund 1,3 Millionen wehrpflichtige Ukrainer haben sich bislang vor der Mobilmachung in ihrer Heimat in Russland versteckt. Wie der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, am Dienstag in Moskau sagte, halten sich derzeit insgesamt 2,5 Millionen ukrainische Bürger auf dem Territorium Russlands auf.

————————————————————————————

In letzter Zeit sei knapp einer halben Million ukrainischer Bürger der Flüchtlingsstatus zuerkannt beziehungsweise befristetes Asyl gewährt worden. „Russland hat keine Pläne, die Grenze für andere zu schließen.“ Zugleich räumte Patruschew erhebliche Probleme bei der Unterbringung immer wieder eintreffender Flüchtlinge ein.

http://de.sputniknews.com/panorama/20150210/301052523.html

———————————————————————————————————————

23.08.2014

OSZE: Proteste in Westukraine gegen Mobilmachung

In der Westukraine gehen Menschen wieder auf die Straße, um gegen die von Präsident Pjotr Poroschenko verordnete Mobilmachung zu protestieren. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichten von einem Protestcamp in Tschernowzy (Czernowitz) und Protesten in Lwow (Lemberg) gegen die Entsendung der Rekruten nach Donbass.

————————————————————————————

In der Westukraine gehen Menschen wieder auf die Straße, um gegen die von Präsident Pjotr Poroschenko verordnete Mobilmachung zu protestieren. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichten von einem Protestcamp in Tschernowzy (Czernowitz) und Protesten in Lwow (Lemberg) gegen die Entsendung der Rekruten nach Donbass.

Vor Militärkasernen in Tschernowzy haben Demonstranten rund 40 Zelte eingerichtet, berichtete die Special Monitoring Mission (SMM) am Freitag. Drei Demonstranten teilten den OSZE-Beobachtern mit, dass sie und weitere rund 200 Männer trotz strafrechtlicher Konsequenzen die Mobilmachung verweigern würden. Das regionale Wehrkommando teilte mit, dass nur 20 Prozent der Rekrutierten bereit seien, in den Kampf zu ziehen. Die Generalstaatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben bereits mehr als tausend Ermittlungsverfahren wegen Dienstverweigerung eingeleitet. Am 20. Juli hatten Einwohnerinnen in Lwows Vorort Gamalijewka eine Autobahn nach Kiew versperrt, um die Entsendung ihrer Söhne in den Krieg zu verhindern.

Seit Mai dieses Jahres hat es in der Ukraine bereits drei Teilmobilmachungen gegeben. Bei der jüngsten Einberufung ließ Präsident Pjotr Poroschenko Berufsoffiziere rekrutieren. In der Ost-Ukraine dauern Gefechte zwischen Militär und bewaffneten Regierungsgegnern an. Die ukrainische Übergangsregierung hatte im April Panzer, Kampfjets und Artillerie gegen die östlichen Industrie-Regionen Donezk und Lugansk geschickt, weil diese den Februar-Umsturz nicht anerkannt und „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Der Militäreinsatz hat nach UN-Angaben bereits mehr als 2000 Zivilisten das Leben gekostet. Zudem gibt es mindestens 100.000 Binnenvertriebene und schwere Zerstörungen in Wohngebieten. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden bei den Kämpfen im Osten 568 Soldaten getötet und 2120 weitere verletzt.

http://de.sputniknews.com/politik/20140823/269371534.html

———————————————————————————————————————

05.08.2014

438 ukrainische Soldaten desertierten nach Russland

In der Nacht auf Montag desertierten Hunderte ukrainische Soldaten aus dem ost-ukrainischen Kampfgebiet nach Russland.

————————————————————————————

Es war die größte Desertion ukrainischer Soldaten seit Beginn der sogenannten „Anti-Terror-Operation“ in der Ost-Ukraine. In der Nacht auf Montag flüchteten 438 Deserteure auf russisches Gebiet. Der Großteil der Fahnenflüchtigen gehörte zur 72. mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte. Ihre Waffen hatten die Deserteure, die nach eigenen Angaben zwei Wochen ohne Hilfe von außen in einem Kessel ausgeharrt hatten, vor dem Überwechseln auf die russische Seite vernichtet. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass sie die Waffen für das Versprechen auf freies Geleit den Aufständischen überlassen haben.

Der Leiter des Analytischen Zentrums des ukrainischen Sicherheitsrates, Andrej Lysenko, erklärte auf einem Briefing am Montag in Kiew, die Soldaten seien „aus objektiven Gründen gezwungen gewesen, das Territorium der Russischen Föderation im Bereich des Grenzkontrollpunktes Gukowo zu betreten„. Man werde „alles tun“, um „unsere Soldaten“ zurückzuholen.

Russische Fernsehreporter filmten das Leben der 438 Fahnenflüchtigen in einem extra für die Deserteure auf russischem Gebiet errichteten Zeltlager. Von einem Lastwagen wurden an die übermüdeten Männer Pakete mit verpackter Nahrung verteilt. Die geflüchteten Soldaten wirkten geschäftsmäßig und unaufgeregt. Sie trugen Bärte und wirkten übermüdet. Zeichen von Erniedrigung waren nicht zu erkennen. Den Kameras drehten sie demonstrativ den Rücken zu.

Zwei Wochen im Kessel ohne Munition, Benzin und ausreichend Nahrung

Nach russischen Medienberichten waren die ukrainischen Soldaten zwei Wochen in einem Kessel eingeschlossen gewesen, hätten keine Hilfe von außen erhalten. Lebensmittelvorräte, Benzin und Munition waren komplett aufgebraucht. Nachschub gab es angeblich nicht.

„Niemand hat uns geholfen“, sagte ein junger Deserteur mit kahlgeschorenem Kopf gegenüber dem russischen Fernsehkanal NTV und guckte dabei konstant nach unten. Auf die Fragen des Reporters, ob seine Einheit umgekommen wäre, wenn sie die Grenze nach Russland nicht überschritten hätten, antwortete der junge Soldat mit „Ja“.

„Es geht nun nach Hause, vor Gericht“

Auf die Frage, wo es nun hin geht, antwortet ein bärtiger Deserteur mit schelmischen Gesicht, „nach Hause, vor Gericht“. Von den insgesamt 438 Deserteuren wurden bereits 180 am Montag am Grenzkontrollpunkt Matwejew-Kurgan auf eigenen Wunsch ukrainischen Militärs übergeben. Der andere Teil der Deserteure will nach russischen Medienberichten den Flüchtlingsstatus in Russland beantragen. Für Russland sind die ukrainischen Deserteure keine Kriegsgefangenen.

Der erste Fall einer Massen-Desertion ereignete sich nach einem Bericht des russischen fünften Kanals schon Ende Juli. Damals ergaben sich 40 Soldaten, die seit zehn Tagen eingekesselt waren, beschossen wurden und nicht mehr ausreichend Nahrung hatten. Ein maskierter Soldat erzählte in einem Fernseh-Interview, es habe keine Möglichkeit mehr bestanden, die Einheit „am Leben zu erhalten“.

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42447/1.html

———————————————————————————————————————

04.08.2014

Russland schickt ukrainische Soldaten in die Heimat zurück

Mehr als 180 der 438 ukrainischen Soldaten, die in der Nacht zum Montag vor den Kämpfen in ihrer Heimat nach Russland geflüchtet sind, sind mit Verpflegung versorgt und zurück in die Ukraine geschickt worden, wie teilte Wassili Malajew, Sprecher der Grenzschutzverwaltung im Gebiet Rostow, RIA Novosti mitteilte.

————————————————————————————

Mehr als 180 der 438 ukrainischen Soldaten, die in der Nacht zum Montag vor den Kämpfen in ihrer Heimat nach Russland geflüchtet sind, sind mit Verpflegung versorgt und zurück in die Ukraine geschickt worden, wie teilte Wassili Malajew, Sprecher der Grenzschutzverwaltung im Gebiet Rostow, RIA Novosti mitteilte.

In der Nacht hatten 438 ukrainische Armeeangehörige Schutz auf dem russischen Territorium gesucht. Die Soldaten seien in einem provisorischen Zeltlager im Gebiet Rostow untergebracht und mit Nahrung versorgt worden, sagte Malajew. „Mehr als 180 Soldaten äußerten den Wunsch, in die Heimat zurückzukehren.“ Sie seien mit Fahrzeugen zum Grenzübergang Matwejew Kurgan geschickt worden.

http://de.sputniknews.com/politik/20140804/269192565.html

———————————————————————————————————————

28.07.2014

Ukraine: Verteidigungsminister bestätigt massenhafte Fahnenflucht

Der ukrainische Verteidigungsminister Valeri Geletej hat zugegeben, dass mehr als 40 ukrainische Soldaten in der vergangenen Woche auf das Territorium Russlands geflüchtet sind, teilt die „Ukrainskaja Prawda“ mit.

————————————————————————————

Der ukrainische Verteidigungsminister Valeri Geletej hat zugegeben, dass mehr als 40 ukrainische Soldaten in der vergangenen Woche auf das Territorium Russlands geflüchtet sind, teilt die „Ukrainskaja Prawda“ mit. 

Diesen Fakt hat es gegeben“, sagte Geletej am Sonntag im ukrainischen Fernsehsender Inter. 

Am Samstag hatte Wassili Malajew, Sprecher der russischen Grenzschutzverwaltung im Gebiet Rostow, RIA Novosti mitgeteilt, dass mehr als 40 ukrainische Militärs ihre Truppenteile verlassen und die Volkswehr-Milizen gebeten haben, ihnen zu ermöglichen, auf das Territorium Russlands zu flüchten, um nicht gegen das eigene Volk kämpfen zu müssen.

http://de.sputniknews.com/politik/20140728/269125480.html

———————————————————————————————————————

14.06.2014

Ukraine: Massenhafte Entlassungen aus Militärdienst wegen Befehlsverweigerung

212 Offiziere der ukrainischen Weltraumtruppen sind entlassen worden, nachdem sie sich trotz der ausgerufenen teilweisen Mobilmachung nicht an den bestimmten Sammelpunkten eingefunden hatten, wie die staatliche Weltraumagentur am Samstag auf ihrer Webseite mitteilt.

————————————————————————————

212 Offiziere der ukrainischen Weltraumtruppen sind entlassen worden, nachdem sie sich trotz der ausgerufenen teilweisen Mobilmachung nicht an den bestimmten Sammelpunkten eingefunden hatten, wie die staatliche Weltraumagentur am Samstag auf ihrer Webseite mitteilt. 

Unter den gekündigten Offizieren sind sechs Obersten, 91 Oberstleutnants, 105 Majore und zehn Hauptleute. 

Laut früheren Berichten hatte Alexander Turtschinow, ehemaliger ukrainischer Übergangspräsident, am 1. Mai wegen der zugespitzten Lage  im Südosten des Landes die Einberufung von Bürgern in die Armee angeordnet. Laut dem diesbezüglichen Erlass soll die teilweise Mobilmachung in allen 24 Regionen des Landes durchgeführt werden.  

Vorher waren die Wehrpflichtigen im Oktober 2013 zur Armee und anderen militärischen Formationen eingezogen worden. Ursprünglich war geplant, die Streitkräfte bis Ende 2014 auf Vertragsgrundlage umzustellen.

http://de.sputniknews.com/politik/20140614/268750682.html

———————————————————————————————————————

22.04.2014

Ukrainische Armee: Polizei verweigert Hilfe bei „Sonderoperation“ in Ostukraine

Die Polizei in der ostukrainischen Region Donezk verweigert ihre Teilnahme am Sondereinsatz der Armee gegen Anhänger einer Föderalisierung des Landes, wie Generalmajor Alexander Rosmasnin, Vizechef des Hauptkommandozentrums der ukrainischen Streitkräfte, am Dienstag vor Journalisten mit.

————————————————————————————

Die Polizei in der ostukrainischen Region Donezk verweigert ihre Teilnahme am Sondereinsatz der Armee gegen Anhänger einer Föderalisierung des Landes, wie Generalmajor Alexander Rosmasnin, Vizechef des Hauptkommandozentrums der ukrainischen Streitkräfte, am Dienstag vor Journalisten mit.

Wir spüren keine Mitwirkung der Polizei des Gebietes Donezk“, sagte er laut der Nachrichtenagentur UNN.

Ich bin zwar nicht bevollmächtigt, das zu kommentieren, es ist aber Tatsache: Man hilft uns nicht, wenn sich unsere Einheiten in bestimmten Regionen befinden.“

Seit März dauern im russischsprachigen Osten der Ukraine Kundgebungen für eine Föderalisierung an. Mitte April startete Kiew einen Anti-Terror-Einsatz unter Teilnahme von Streitkräften. Moskau betrachtet den Beschluss der neuen Behörden in Kiew, gegen Demonstranten mit Gewalt vorzugehen, als eine sehr gefährliche Entwicklung.

Am Donnerstag einigten sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und die Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine bei Krisengesprächen in Genf unter anderem darauf, dass alle illegalen bewaffneten Formationen entwaffnet und die besetzten Amtsgebäude geräumt werden müssen. Zudem soll unverzüglich ein nationaler Dialog zur Verfassungsreform aufgenommen werden.

http://de.sputniknews.com/politik/20140422/268333820.html

———————————————————————————————————————

16.04.2014

Ukraine-Krise: Von der Krim abgezogene Soldaten verweigern Schießbefehl in Ostukraine

Von der Krim abgezogene und im Osten der Ukraine eingesetzte Soldaten der ukrainischen Armee verweigern den von den Machthabern in Kiew erteilten Schießbefehl. Das berichtete ein RIA-Novosti-Korrespondent am Mittwoch aus der ostukrainischen Stadt Slawjansk.

————————————————————————————

Von der Krim abgezogene und im Osten der Ukraine eingesetzte Soldaten der ukrainischen Armee verweigern den von den Machthabern in Kiew erteilten Schießbefehl. Das berichtete ein RIA-Novosti-Korrespondent am Mittwoch aus der ostukrainischen Stadt Slawjansk.

Vertreter der von der Krim abgezogenen Formationen erklärten am gleichen Tag auf einer Pressekonferenz in Slawjansk, dass sie keinen Krieg gegen friedliche Bewohner führen und in der Stadt bis zum Referendum bleiben werden, um seine Sicherheit zu  gewährleisten. „Heute Morgen begann die Offensive. In Kramatorsk (zwölf Kilometer von Slawjansk – Anm. der Redaktion) sahen wir aber friedliche Einwohner. Sie teilten uns mit, dass es hier keine Besatzer gibt. Sie versorgten uns mit Essen und unterhielten sich mit uns“, sagte ein Soldat, der anonym bleiben wollte.

Wir werden den Befehl nicht erfüllen, auf diese Menschen zu schießen. Jemand von uns beschloss, auf ihre Seite überzugehen. Andere bewahren Neutralität. Wir warten ab, was dann passiert“, sagte er.

Ein Offizier von der Krim teilte mit, dass sie in der Ostukraine mit Separatisten gerechnet hatten. „Aber gegen friedliche Menschen werden wir nicht kämpfen.“ Auf die Frage, wie lange sie im Gebiet Donezk bleiben werden, sagte er: „Bis zum Referendum. Wir werden die friedlichen Bürger schützen.“ Ein Referendum über den künftigen Status des Gebiets Donezk ist zum 11. Mai angesetzt.

http://de.sputniknews.com/militar/20140416/268291000.html

———————————————————————————————————————

16.04.2014

Krise in der Ostukraine: Ukrainische Soldaten wechseln mit Panzern die Seiten

Dutzende ukrainische Soldaten haben offenbar mit mehreren Panzern die Seiten gewechselt. Mit russischer Flagge und der Fahne der Region Donezk fahren die Bewaffneten durch die Straßen von Kramatorsk und Slawjansk.

————————————————————————————

Die ukrainischen Soldaten sollen in der Ostukraine eigentlich für Ruhe sorgen – doch ihre Unterstützung für die neue Regierung in Kiew schwindet. In Kramatorsk haben am Mittwochmorgen sechs Panzer der ukrainischen Armee die Seiten gewechselt.

Mit russischer Flagge und der Fahne der Region Donezk fuhren sie unter den erstaunten Blicken der Bevölkerung durch die Stadt. Ein paar Menschen jubelten ihnen zu.

„Wir haben seit Wochen nichts Vernünftiges zu essen bekommen, Kiew hat uns vergessen. Jetzt reicht es uns“, rief einer der Soldaten. „Wir sind das Volk“, rief ein anderer. Auf jedem der alten Panzer saßen rund ein Dutzend ukrainische Soldaten. An ihrer Uniform trugen manche die orange-schwarze Schleife, das Sankt-Georgs-Band. Die Soldaten signalisieren damit, dass sie die autonomen Republik Donezk befürworten und die neue Regierung in Kiew ablehnen.

Diese hatte am Dienstag eine „Anti-Terror-Aktion“ gegen die Separatisten in der Ostukraine begonnen, die in mehreren Städten öffentliche Gebäude, darunter auch Polizeiwachen, besetzt haben.

Die ukrainische Regierung meldete am Dienstag, der Flughafen von Kramatorsk sei zurückerobert worden. Doch die aus Kiew geschickten Soldaten wurden von einer wütenden Menschenmenge belagert.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, im rund 15 Kilometer entfernt gelegenen Slawjansk seien sechs Panzerfahrzeuge unter russischer Flagge aufgefahren. Die Lage ist unübersichtlich, unklar ist, ob es sich um die Wagen aus Kramatorsk handelt.

Der Konvoi sei aus der Richtung der 15 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Kramatorsk gekommen, meldete Reuters. Der Panzer an der Spitze trage eine russische Flagge. Auf den Dächern der Wagen saßen nach Angaben der Agentur rund 15 bewaffnete Männer in Uniformen. Sie trugen zum Teil Sturmhauben und waren mit Kalaschnikow-Gewehren, Granatwerfern, Messern und Pistolen bewaffnet. Eines der Fahrzeuge trug das Emblem der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk. Einige Bewohner der Stadt winkten den Männern zu und riefen: „Russland, Russland“ oder „Gut gemacht, Jungs!“.

Auch AP berichtete von Panzerfahrzeugen. Einer der Soldaten, der sich Andrej nannte, sagte, seine Einheit sei Teil der 25. Brigade der ukrainische Luftwaffe und sei nun zu den prorussischen Kräften übergelaufen.

Dpa meldet, dass in Kramatorsk und Slawjansk Regierungseinheiten mit bis zu zehn gepanzerten Fahrzeugen zu den Aktivisten übergelaufen seien.

Wie insgesamt die Situation in der ukrainischen Armee aussieht, die in der Ostukraine im Einsatz ist, ist unklar. Die übergelaufenen Panzer scheinen aber bisher eher eine Ausnahme zu sein. Am Mittwochmittag kündigte die Regierung in Kiew nach Angaben von Reuters an, dass der Verteidigungsminister Michail Kowal nach Kramatorsk reisen werde, um die Situation dort zu klären.

Zudem gibt es Meldungen, dass bewaffnete Separatisten in Donezk das Rathaus gestürmt haben. Dies habe eine Ratssprecherin mitgeteilt. Die prorussischen Aufständischen waren mit Kalaschnikows bewaffnet. Das Sicherheitspersonal leistete keinen Widerstand gegen die Besetzung. Angestellten des Rathauses wurden von den Bewaffneten nicht am Zutritt zu dem Gebäude gehindert.

Wie eine AFP-Reporterin berichtete, erklärten die prorussischen Kämpfer, ihre einzige Forderung sei die Organisation eines Referendums über die Bildung einer „föderalistischen“ Ukraine. In Donezk halten Moskaugetreue seit Anfang April bereits der Sitz der Regionalregierung besetzt.

Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk beschuldigte Russland, den „Terrorismus in die Ukraine zu exportieren“. Die Führung in Moskau benutze verdeckt operierende Truppen, um bewaffnete Separatisten zu organisieren, die die ukrainischen Soldaten angriffen und Verwaltungsgebäude besetzten.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-panzer-der-ukrainischen-armee-wechseln-seiten-a-964690.html

———————————————————————————————————————

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.