Trügerische Euro-Rettung: Das dicke Ende kommt erst noch

14.01.2014

Auch wenn unsere Politiker weiter abwiegeln und flunkern: Sie können die von ihnen aufgetürmte gigantische Schuldenlast nur mit einem Mix aus dauerhafter Inflation, finanzieller Enteignung, Kapitalkontrollen und einer Währungsumstellung bewältigen – wie schon so oft in der Vergangenheit

————————————————————————————

Wäre es nicht schön, wenn die Welt so wäre, wie unsere Politiker sie sich erträumen? Dann könnten sie munter weiter Geld ausgeben – für Mütter-Renten, Familien-Betreuer, Gleichstellungs-Beauftrage oder auch Armuts-Einwanderer. Die Staatsschulden würden zwar steigen, doch das wäre nicht schlimm: Denn diese Defizite verschwinden irgendwann fast wie von selbst. Man braucht nur etwas Geduld und Wirtschaftswachstum.

Aber so funktioniert die (Wirtschafts-)Welt nun einmal nicht. Daran erinnern die beiden Top-US Wirtschaftswissenschaftler Carmen Reinhart und Keneth Rogoff in ihrem aktuellen Aufsatz („Die vergessenen Lektionen der Staatsschuldenkrise“). Von ihnen stammt auch der Klassiker zur Staatsverschuldung („Dieses Mal ist alles anders“). Eine boshafte Ironie. Denn die aktuell Herrschenden (vulgo: demokratisch gewählte Politiker) tun exakt das gleiche wie ihre meist absolutistischen Vorgänger in den vergangenen Jahrhunderten: Sie geben zu viel Geld aus und türmen zu hohe Schulden auf. So lange, bis das gesamte System zusammenbricht.

Völlig neu ist nur eines: Die Frechheit, mit der unsere Finanzpolitiker uns fortwährend anschwindeln, dass sie ihre Mega-Milliarden-Defizite abbauen können, ohne die brutalen Maßnahmen der Vergangenheit nutzen zu müssen. Wie etwa dauerhafte Inflation plus per Zwang durchgesetzte Mini-Zinsen („finanzielle Repression“) oder womöglich sogar eine überraschende Währungsreform.

Der allzugroße Optimismus der Abwiegler

Die Wissenschaftler Reinhart und Rogoff lassen sich nicht für dumm verkaufen. Sie durchschauen den „aktuellen Zyklus des Abwiegelns“ und enttarnen die „übermäßig optimistischen Zukunftsannahmen“ all jener Euro-Trickser oder Dollar-Drucker. Ihre düstere Prognose: „Das Endspiel der globalen Finanzkrise erfordert wahrscheinlich eine Kombination aus finanzieller Repression, Schulden-Restrukturierung, Währungsumwandlung, höherer Inflation und verschiedenartiger Kapitalkontrollen.“

Wie kommen die Experten zu dieser Horror-Prognose? Ganz einfach. Sie analysieren, wie sich ähnlich hoch verschuldete Staaten früher ihrer Defizite entledigten. So senkten viele Länder nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Schulden, indem sie die Sparer über einen langen Zeitraum schröpften (durch Mini-Zinsen bei gleichzeitiger Inflation). Und nach dem Ersten Weltkrieg erklärten sich etliche Staaten für zahlungsunfähig oder genehmigten sich einfach eine neue Währung – das alte Geld wurde so gut wie wertlos (ebenso wie die Ansprüche der Gläubiger gegenüber der Regierung).

Nur noch ein paar Jahre bis zum Schuldenschnitt?

Derartige staatliche Radikalkuren sind alles andere als selten. Sie kommen sogar so häufig vor, dass Reinhart und Rogoff ein Muster erkennen: „Nach internationalen Banken-Krisen folgt typischerweise innerhalb weniger Jahre eine Welle von Staatsinsolvenzen und Schulden-Restrukturierungen.“ Die Wissenschaftler belegen das mit zahlreichen Schaubildern – so etwa anhand der Finanzkrisen 1880/1900 oder 1990/1998. Und das letzte richtig große Bankenbeben? War erst 2008/2009. Dann dürften uns „typischerweise“ also nur noch ein paar Jahre bis zum großen Schuldenschnitt bleiben…

Die älteren unter uns sollten sich daran eigentlich schon gewöhnt haben. Seit 1920 mussten immerhin 13 der 21 wichtigsten Industrienationen ihre Staatsdefizite durch tiefgreifende Finanzoperationen kappen: Zahlungsunfähigkeit, Schuldenschnitt oder Währungsreform. Einige von ihnen sogar mehrfach: Italien sechs Mal, Österreich ebenfalls sechs Mal, Deutschland drei Mal (1922, 1932 und 1948).

Auch wenn Reinhart und Rogoff es gern wollten – sie können gar kein anderes Schlussfazit ziehen: Die bereits fünf Jahre währende weltweite Staatschuldenkrise lasse sich leider nicht anders bewältigen als durch den vermehrten Einsatz der traditionellen Radikal-Maßnahmen. Außer – so die Autoren gewohnt ironisch – „die handelnden Politiker haben sehr viel Glück“.

http://www.focus.de/finanzen/doenchkolumne/truegerische-euro-rettung-das-endspiel-im-schulden-massaker-beginnt_id_3537237.html

———————————————————————————————————————

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.