Lage in Sudan – eine Chronik

24.07.2014

UN: Lage im Südsudan zur „Mega-Krise“ ausgewachsen

Gewalt, Vertreibung und Hungesnot: Die Lage im Südsudan hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen zu einer „Mega-Krise“ entwickelt. Trotz eines Friedensabkommens kommt der Südsudan nicht zur Ruhe, immer mehr Menschen fliehen ins benachbarte Äthiopien.

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Das Land stehe vor einer „wirklichen Katastrophe“, sagte der Einsatzleiter des UN-Büros für Nothilfekoordination (Ocha), John Ging, am Mittwoch in New York. Gewalt und Vertreibung legten die Landwirtschaft lahm, dem Land drohe eine Hungersnot. Die Situation im Südsudan verschlechtere sich schneller als in Krisenstaaten wie Syrien oder der Zentralafrikanischen Republik, sagte Ging.

Trotz eines im Mai unterzeichneten Friedensabkommens zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Widersacher Riek Machar kommt der Südsudan nicht zur Ruhe, immer mehr Menschen fliehen ins benachbarte Äthiopien. Die blutigen Übergriffe seit mehr als sechs Monaten haben auch ethnische Hintergründe: Kiir ist ein Dinka, Machar ein Nuer. Im Dezember war ein Machtkampf zwischen den beiden Politikern eskaliert.

Mia Farrow: „Explosion der Gewalt“

Hollywoodstar und Unicef-Sonderbotschafterin Mia Farrow hat eine „Explosion der Gewalt“ in der Zentralafrikanischen Republik beklagt. „Ich habe nicht so viel Gewalt seit dem Sudan gesehen. Aber es ist keine organisierte Gewalt, es sind Exzesse des Mordens und des Plünderns“, sagte sie am Dienstag bei den Vereinten Nationen in New York. Selbst wer es in die Obhut der Vereinten Nationen schaffe, sei „extrem traumatisiert“. „Ihre Angst hat mich erschüttert. Das sind die verlassensten Menschen der Welt.“ 

Derzeit seien Soldaten der Afrikanischen Union und aus Frankreich die einzige Hoffnung. „Ja, diese Truppen machen einen Unterschied. Es ist nicht auszudenken, wie hoch der Blutzoll sonst wäre.“ Alle würden auf die UN-Blauhelmsoldaten warten, die im September kommen sollten. „Es werden zu wenige sein, aber sie werden verzweifelt erwartet. Bis sie endlich kommen, werden aber noch so viele Menschen sterben.“ 

Im christlich geprägten Zentralafrika hatten muslimische Rebellen im März vergangenen Jahres zeitweise die Macht übernommen. Seither kommt es immer wieder zu Übergriffen zwischen Anhängern der Rebellen und christlichen Bürgerwehren. Durch den Konflikt benötigen nach Schätzungen fast alle der 4,6 Millionen Einwohner humanitäre Hilfe. 

http://www.focus.de/politik/ausland/konflikte-un-lage-im-suedsudan-zur-mega-krise-ausgewachsen_id_4012724.html

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22.07.2014

Der stille Massenmord im Südsudan

Die ewigen Verhandlungsrunden zum Konflikt im Südsudan nutzen allein den Luxushotels, in denen sie stattfinden. Hilfsorganisationen warnen vor Hungersnot und dem Beginn einer gewaltigen Katastrophe

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Die Entwicklungshelferin Sabrina Sharmin hat neulich den logistischen Albtraum ihrer Arbeit beschrieben. Sie koordiniert für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Maßnahmen in der Stadt Leer im Südsudan, in dem seit vergangenem Dezember ein brutaler Bürgerkrieg herrscht. „Uns wurden alle Autos gestohlen“, sagte Sharmin der Nachrichtenagentur Reuters. Die mit dem Flugzeug angelieferten Waren würden sie nun in von Eseln gezogenen Karren zum Quartier in Leer bringen.

Für Plünderungen der Hilfsorganisationen und Lebensmittellager sind sowohl Soldaten der Regierung von Präsident Salva Kiir als auch die Rebellen um Riek Machar verantwortlich. Die jüngste Eskalation des Konflikts aber ordnen Beobachter der Vereinten Nationen (UN) allein den Männern von Machar zu. Seit dem Wochenende gibt es erneut Gefechte um die strategisch wichtige Stadt Nasir.

Machars Männer hätten das Zentrum „fest unter Kontrolle“, teilten die UN mit. Es handele sich um die schwerwiegendste Rückkehr zu Kampfhandlungen, seit sich Kiir und Machar im Mai zu einem Friedensabkommen durchgerungen hatten. Die Verantwortung dafür liege „voll und ganz“ bei den Rebellen.

Mehr Tote durch humanitäre Folgen als durch Waffen

Zyniker sagen, es hätte allein die Beobachtung des Wetterberichts genügt, um die aktuellen Geschehnisse vorherzusagen. Die heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen hatten Truppenbewegungen erschwert, sodass sich die Lage ein wenig entspannt hatte. Mit dem zuletzt trockeneren Wetter aber war die Voraussetzung für neue Offensiven geschaffen. Es verfestigt sich der Eindruck, als ob die immer neuen Verhandlungsrunden in äthiopischen Luxushotels lediglich der dortigen Tourismusindustrie helfen. In den vergangenen Wochen hatten sich beide Seiten neuen Gesprächen verweigert – unter gegenseitiger Schuldzuweisung.

Nasir gehört zu den Städten, die von dem Bürgerkrieg am meisten betroffen sind. Der Ort befindet sich in der Nähe der Grenze zu Äthiopien in der Provinz Upper Nile State, die besonders reich an Öl ist. Immer wieder wechselt hier die Kontrolle über die Förderanlagen. Die fast völlig auf Rohstoffen basierende Wirtschaft des Landes ist so längst zum Erliegen gekommen.

Selbst einfacher Handel ist kaum noch möglich, da wichtige Straßen blockiert sind und der Transport über die Flüsse zu gefährlich geworden ist. Die ohnehin hohen Lebensmittelpreise steigen weiter. Machar hatte in Nasir über Monate sein Hauptquartier und scheint wild entschlossen, die Stadt zurückzuerobern. Viele Anwohner sind aus ihren Häusern geflüchtet, wie bei den meisten Kriegen sterben hier mehr Bürger durch die humanitären Folgen als durch Waffen.

Über ein Drittel der Bevölkerung vom Hungertod bedroht

Der Konflikt hat über 10.000 Menschen im Südsudan das Leben gekostet und 1,5 Millionen zu Binnenflüchtlingen gemacht. Hilfsorganisationen warnen, dass dies nur der Beginn einer gewaltigen Katastrophe ist, die sich in Form einer Hungersnot anbahnt.

Der Südsudan hat die Größe Frankreichs, aber kaum mehr als 100 Kilometer geteerte Straßen – eine unglaubliche Korrelation, wenn man bedenkt, dass der Südsudan nach Nigeria und Angola über das drittgrößte Erdölvorkommen Afrikas verfügt. So fällt es den Hilfsorganisationen besonders aktuell in der Regenzeit schwer, abgelegene Dörfer zu erreichen. Selbst mit dem Flugzeug sind die meisten Gegenden nicht mehr zu erreichen, weil die Straßen und Felder zu aufgeweicht für eine Landung sind.

Die Zahlen sind alarmierend. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat seit Ende Mai in ihrem Behandlungszentrum in Leer 1800 unterernährte Kinder versorgt – fast so viel wie im gesamten Jahr 2013 (2300). Mehr als ein Drittel der elf Millionen Einwohner könnten am Ende des Jahres vom Hungertod bedroht sein, prognostizierten die Vereinten Nationen. Das Sterben, so sagen Diplomaten, könnte in vielen Fällen vermieden werden, sollten Kiir und Machar endlich zur Vernunft kommen. Die beiden Politiker haben sich längst des Massenmords schuldig gemacht.

http://www.welt.de/politik/ausland/article130440951/Der-stille-Massenmord-im-Suedsudan.html

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01.05.2014

Kerry warnt vor „Völkermord“ im Südsudan

Ethnisch motivierte Tötungen, Blockade humanitärer Hilfe: US-Außenminister John Kerry sorgt sich um den blutigen Konflikt im Südsudan und kündigt Sanktionen an. Eine militärische Lösung schließt er aber aus.

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US-Außenminister John Kerry hat vor einem „Völkermord“ im Südsudan gewarnt und den Konfliktparteien Sanktionen angedroht, sollten sie die Kämpfe nicht beenden. Bei einem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sagte er am Donnerstag, es gebe „verstörende Anzeichen“ ethnisch motivierter und gezielt nationalistischer Tötungen. „Wenn diese andauern, stellt das die internationale Gemeinschaft vor ernste Herausforderungen hinsichtlich eines Völkermordes.“

Die Verantwortlichen dieser gezielten Tötungen müssten vor Gericht gestellt werden, sagte Kerry, der zuvor mit seinen Kollegen aus Äthiopien, Kenia und Uganda Gespräche geführt hatte. „Wir erwägen Sanktionen gegen diejenigen, die Menschenrechte verletzen und humanitäre Hilfe blockieren.“ Die Konfliktparteien um Präsident Salva Kiir auf der einen und seinen Rivalen und früheren Stellvertreter Riek Machar auf der anderen Seite forderte er auf, die Gewalt in dem jungen Staat zu beenden.

Der blutige Konflikt im Südsudan mit tausenden Toten beschäftigt die Afrikanische Union (AU), die in Addis Abeba ihren Sitz hat, seit Monaten. Die AU versucht, zwischen Vertretern der Kriegsparteien zu vermitteln – bislang ohne eine Aussicht auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Zusätzlich angeheizt wird die Krise von Rivalitäten der Volksgruppen der Dinka und der Nuer. Kiir gehört den Dinka an, Machar gehört zur Volksgruppe der Nuer.

Kerry sagte in Addis Abeba, der Kern des Konflikts in dem erst 2011 gegründeten Staat sei eine persönliche Fehde zwischen Kiir und Machar. Beide Lager seien der Auffassung, diesen militärisch austragen zu können. „Doch es gibt keine militärische Lösung.“ Washington werde daher „harte Botschaften“ senden, sollten die Rivalen keine Maßnahmen für ein Ende der Gewalt ergreifen, sagte Kerry, ohne Details möglicher Sanktionen zu nennen. Zugleich warnte er vor einer schweren Hungersnot, die wegen der Kämpfe ausbrechen könnte.

Auch der UN-Gesandte Adama Dieng hatte am Mittwoch in der südsudanesischen Hauptstadt Juba bereits vor einem Völkermord wie vor 20 Jahren in Ruanda gewarnt, ähnlich äußerten sich mehrere Menschenrechtsgruppen. Durch den Genozid in Ruanda waren 1994 rund 800.000 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer waren Angehörige der Bevölkerungsminderheit der Tutsi, die von Angehörigen der Hutu umgebracht wurden.

Kerry hatte seit der Eskalation des Konflikts Ende 2013 bereits mehrfach mit den Anführern beider Seiten verhandelt und zeigte sich nun „offen gestanden enttäuscht von deren Antworten“. Der lange schwelende Machtkampf zwischen Kiir und Machar war im Dezember eskaliert. Gleichzeitig traten die Rivalitäten der Volksgruppen wieder offen zutage.

Kerry wollte im Zuge seiner mehrtägigen Afrikareise auch in die Demokratische Republik Kongo und nach Angola reisen. Ihn dürften dabei auch die Konflikte im Kongo sowie in Somalia und in der Zentralafrikanischen Republik beschäftigen.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/us-aussenminister-kerry-warnt-vor-voelkermord-im-suedsudan/9833610.html

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19.12.2013

Ausländer verlassen Südsudan wegen blutiger Unruhen

 Viele westliche Länder sind besorgt, weil sich die Unruhen in Südsudan auf weite Teile des Landes ausweiten. Sie bringen ihre Bürger in Sicherheit. Ein deutscher General soll jedoch in dem Land festsitzen, heißt es.

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Nach der Ausweitung der schweren Unruhen in Südsudan bringen immer mehr westliche Länder ihre Bürger in Sicherheit. Am frühen Donnerstagmorgen kündigte Großbritannien die Einrichtung einer Luftbrücke an, um britische Bürger auszufliegen, wie die BBC unter Berufung auf das Außenministerium in London berichtete. Zuvor schon hatten die Vereinigten Staaten am Mittwoch begonnen, Landsleute aus dem afrikanischen Krisenland auszufliegen. Nach einem Bericht der Deutschen Welle (DW) wurden auch etwa 160 Deutsche aus dem Land gebracht, darunter drei DW-Mitarbeiter.

Ein deutscher General soll jedoch in Südsudan festsitzen, berichtet die „Rheinische Post“. Der Chef des Einsatzführungskommandos, General Hans-Werner Fritz, der sich mit einer zehnköpfigen Delegation auf einer turnusmäßigen Inspektionsreise befinde, könne derzeit nicht ausreisen, hieß es. Sein Rückflug „verzögere“ sich, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen Sprecher des Einsatzführungskommandos. Außer der Delegation befänden sich derzeit weitere 16 Bundeswehrsoldaten im Rahmen des Unmiss-Einsatzes in Südsudan. Sie seien in geschützten Liegenschaften der Vereinten Nationen untergebracht.

Zuletzt haben sich in dem Land die schweren Unruhen von der Hauptstadt Juba auf andere Landesteile ausgeweitet. Mehrere Hundert Menschen sollen in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen sein, weitere 300 wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in Krankenhäusern behandelt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in den zwei UN-Gebäuden in Juba inzwischen rund 20.000 schutzsuchende Zivilisten eingetroffen.

Präsident Salva Kiir wirft seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar vor, die Regierung stürzen zu wollen. Der vielschichtige Konflikt hat auch ethnische Dimensionen. Experten warnen vor einem neuen Bürgerkrieg in dem jungen Land, das sich erst 2011 vom Nachbarn Sudan abgespalten hatte.

Ban Ki Moon zutiefst besorgt

In Juba entspannte sich die Lage am Mittwoch. „Obwohl es seit Sonntag der bisher ruhigste Tag ist, geht die Krise weiter, denn jetzt wird in anderen Teilen des Landes gekämpft“, sagte der Sprecher der UN-Friedensmission Unmiss, Joseph Contreras.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich zutiefst besorgt über die Unruhen in Südsudan. „Das ist eine politische Krise, in die sofort mit politischem Dialog eingegriffen werden muss“, sagte Ban in New York. Den Vereinten Nationen lägen Berichte über viele Tote und Verletzte vor.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/luftbruecke-auslaender-verlassen-suedsudan-wegen-blutiger-unruhen-12718089.html

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14.09.2012

Sudan: Demonstranten stürmen deutsche Botschaft

Rund 5000 Deomstranten versammelten sich am Freitag vor der deutschen und der britischen Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Die deutsche Botschaft sei bereits gestürmt worden, die Flagge angezündet und stattdessen eine islamistische Flagge gehisst worden. Ein Ende der Proteste in der arabischen Welt ist noch nicht in Sicht.

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Die Proteste in der arabischen Welt trafen am Freitag auch die deutsche Botschaft im Sudan (alle Proteste auf einer Weltkarte – hier). Medienberichten zufolge hatten rund 5000 Menschen vor der deutschen und der britischen Botschaft gegen den Film, der den Propheten Mohammed beleidigen soll, demonstiert. „Die deutsche Botschaft in Khartum ist zurzeit Ziel von Attacken durch gewaltbereite Demonstranten“, so Außenminister Westerwelle. Einige Demonstranten hätten die Botschaft gestürmt. Die deutsche Flagge soll BBC zufolge heruntergerissen und angezündet worden sein. Stattdessen sei eine islamistische Flagge gehisst worden.

Auch in anderen Ländern kommt es weiterhin zu Unruhen. Im Libanon soll, so berichtet BBC, eine Person bei Protesten getötet worden sein. In Kairo seien fünf Menschen verletzt worden. Vor der US-Botschaft in Tunesien versucht derzeit die Polizei Demonstranten zurückzuhalten. Im Jemen werde ebenfalls Unruhen gemeldet. Die Wut der Bürger trifft derzeit offenbrar wahllos alle westlichen Vetretungen. Der besagte Film ist allerdings in den USA entstanden. Am Dienstag wurden in Libyen US-Botschafter Chris Stevens und weitere Diplomaten bei einem Angriff getötet.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/14/sudan-demonstranten-stuermen-deutsche-botschaft/

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