Strommarkt und die Preise in Deutschland – eine Chronik

19.05.2016

Energiekosten: Industrie erheblich entlastet

Ein neuer Energiepreisindex für die Industrie setzt Energiekosten und Produktion ins Verhältnis und veranschaulicht, wie sehr die Energiekosten in den letzten Jahren gesunken sind

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Die Preise für Strom und Brennstoffe sind ein ständiges Streitthema, wenn es um den Umbau der Energieversorgung geht. Besonders aus der Industrie kommen immer wieder Klagen, dass für Energie zu viel ausgegeben werden müsse und die hohen Kosten den „Standort Deutschland“ gefährden würden.

Dabei werden mitunter auch gerne die Verbraucher vorgeschoben, was allerdings ausgesprochen unredlich ist. Denn diese bezahlen nicht nur höhere Abgaben und Steuern auf Strom und Kraftstoffe, sie können sich auch nicht zu den günstigeren Großhandelspreisen eindecken. Der Vergleich hinkt also erheblich, aber die Preisgestaltung, Ausnahmen und Privilegien sind ein gewaltiger Dschungel, in dem es schwer ist, einen Überblick über die tatsächlichen Kosten und die Stichhaltigkeit der Klagen zu gewinnen.

Ein wenig Abhilfe verschafft ein industrieller Energiekostenindex, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Ökoinstitut im Auftrag der European Climate Foundation (ECF) erstellt haben und der am heutigen Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Dieser setzt sowohl für die Industrie als Ganzes als auch für verschiedene Sektoren mit niedrigem, mittlerem und hohem Energieaufwand die Ausgaben für die verschiedenen Energieträger in Relation zu Produktion und Wertschöpfung.

Zunächst ist auffällig, dass die deutsche Industrie als Ganzes derzeit monatlich 320 Millionen oder rund 11 Prozent weniger für Energie aufwenden muss als noch vor sechs Jahren. Im Durchschnitt der letzten sechs Monate lagen die monatlichen Energiekosten der hiesigen Industrie bei 2,72 Milliarden Euro.

Angesichts des Preisverfalls des Rohöls, der auch den Gaspreis mit in den Keller gezogen hat, ist der starke Rückgang nicht weiter verwunderlich. Weniger bekannt ist meist, dass auch der Großhandelspreis für Strom und Kohle erheblich nachgegeben hat. Seit Mitte 2015 haben sich die Preise auf niedrigem Niveau stabilisiert und stagnieren seitdem mehr oder weniger.

„Der neue Indikator schließt eine große Lücke in der offiziellen Statistik“, meint Thomas Fricke von der ECF. Zwar gebe es eine große Anzahl Indikatoren für einzelne Energieträger, etwa aktuelle Börsennotierungen für Strom, Gas und Kohle. Gefehlt habe aber ein übergreifender Indikator, der den industriellen Verbrauch sämtlicher Energieträger (Strom, Gas, Öl, Kohle, Biomasse und sonstige Energieträger) erfasse.

http://www.heise.de/tp/news/Energiekosten-Industrie-erheblich-entlastet-3211013.html

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03.08.2015

Nachbarländer wollen deutschen Strom blockieren

Deutschland investiert viel Geld in erneuerbare Energien, aber der Netzausbau hinkt hinterher. Die Stromüberschüsse bekommen die Nachbarländer ab. Doch sie haben jetzt genug – und wehren sich.

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Die Energiewende – in Deutschland als historischer Schritt bejubelt – stößt in den Nachbarländern immer stärker auf Unmut. Denn der Umstieg von Atomkraft auf Wind- und Solarenergie überfordert das deutsche Stromnetz. Und Tschechien, Polen, die Niederlande, Belgien und Frankreich haben darunter zu leiden. „Wenn im Norden ein starker Wind weht, bekommen wir ihn ab, dann haben wir den Blackout“, sagt Tschechiens Ständiger Vertreter bei der EU.

Um den häufig unerwarteten Stromüberschüssen ein Ende zu bereiten, nehmen die Länder das Problem nun selbst in die Hand. Aus Sorge um die Stabilität seiner eigenen Stromnetze und um Strom exportieren zu können, installiert beispielsweise Tschechien derzeit Blockadevorrichtungen, die 2016 in Gebrauch genommen werden sollen.

Auch Polen arbeitet an sogenannten Phasenschiebern mit dem Ziel, sie noch in diesem Jahr nutzen zu können. Im Westen haben die Niederlande, Belgien und Frankreich unabhängig voneinander ebenfalls solche Leistungstransformatoren installiert. „Wir haben den Deutschen gesagt, entweder ihr baut euer Stromnetz aus, oder wir sperren euch aus“, sagte ein EU-Diplomat Journalisten in Brüssel.

Energiesystem wird unberechenbarer

Während die EU-Kommission auf eine Integration des europäischen Energiemarktes dringt, wird derzeit offenbar, welch unerwartete Konsequenzen der Boom erneuerbarer Energien bei anfälliger Infrastruktur und inkonsistenter Zusammenarbeit innerhalb der EU haben kann.

„Als es nur Kohle- und Kernkraftwerke gab, war das Energiesystem sehr berechenbar. Nun wird es immer weniger berechenbar, da mehr und mehr alternative Energiequellen ans Netz gehen. Dies kann zu einer Herausforderung in der Binnenmarktdebatte werden“, sagte Joanna Mackowiak Pandera vom deutschen Thinktank Agora Energiewende.

Ein Stromüberfluss entsteht dann, wenn das Stromleitsystem eines Landes nicht mehr ausreicht, um den neu produzierten Strom an seinen Zielort zu bringen. In diesem Fall wird er automatisch über die Stromtrassen anderer Länder geleitet. Der Strom sucht sich seinen Weg.

„Dies verursacht Staus in benachbarten Systemen“, sagte Georg Zachmann vom Brüsseler Thinktank Bruegel. Was tun? Die Nachbarländer könnten auch ihre eigenen Stromexporte nach Süddeutschland reduzieren, damit für den deutschen Strom Platz ist, erklärt Zachmann. Dies würde aber bedeuten, dass die deutsche Energiewende Länder wie Tschechien oder Frankreich in ihren Exporten einschränkt.

Deutschland soll mehr Leitungen bauen

Der Druck auf Deutschland, seine Nord-Süd-Netze auszubauen, steigt. „Wenn wir mehr erneuerbare Energie nutzen wollen, müssen wir das Netz ausbauen“, sagt Walter Boltz, Vizepräsident des Regulierungsgremiums bei der zuständigen EU-Agentur ACER, im Gespräch mit „Politico“.

Die einfachste Lösung für Deutschland sei es, die Leitungen einfach zu bauen. Das dauert aber lange. Alternativ könnten Betreiber die Windenergieproduktion an sehr windreichen Tagen herunterfahren. Dem steht aber die Politik im Weg. „Es ist ein unangenehmes Problem, das durch eine irrationale Politik verursacht wird, die es Deutschland verbietet, Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie herunterzufahren“, sagt Boltz.

Boltz kritisiert aber auch Deutschlands Nachbarn, Polen könnte zum Beispiel die aus Deutschland kommende Energie verbrauchen statt sie entweder nur durchzuleiten oder zu blockieren. Dagegen wehre sich das Land jedoch, um seine eigene Industrie zu schützen, sagt Boltz.

Polen reicht das nicht

Deutschland für seinen Teil hat die Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn ausgeweitet, um Abhilfe zu schaffen. 2014 hat die Bundesrepublik beispielsweise ein Abkommen mit Tschechien getroffen, um Ländergrenzen überschreitende Energieströme zu regulieren, das tschechische System vor Überladung zu schützen und die Blackoutgefahr zu begrenzen. Ein ähnliches Abkommen wurde zwischen Polen und Deutschland vereinbart.

Außerdem hat Deutschland im Juni einen Pakt mit elf Nachbarn geschlossen, darunter auch Frankreich, Polen und Tschechien. Dadurch soll die Integration der jeweiligen Energiemärkte vorangebracht und Überproduktion vorgebeugt werden, sodass am Ende der Markt über die Preise entscheidet.

Doch das reicht den Polen nicht. Die Regierung hat sich im vergangenen Jahr per Brief an die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden gewandt, um sie um eine Einschätzung des überschüssigen Stroms aus Deutschland zu bitten. Die Antwort auf dieses Schreiben wird erst im September erwartet.

Im Jahr 2013 hatte die Agentur ein Papier zu ungeplanten Energieüberschüssen veröffentlicht, in dem sie zu dem Schluss kam, dass „solche Ströme in den meisten Fällen eine Gefahr für ein sicheres und effizientes Funktionieren des internationalen Elektrizitätsmarktes darstellen“.

EU dringt auf mehr Integration

Brüssels Lösung ist eine europäische. Die Kommission bemüht sich verstärkt darum, die Energiemärkte in der EU zu verknüpfen. Sie betont in einem Bericht, „die gegenseitige Verbindung von Elektrizitätsmärkten muss eine politische Priorität sein“.

Das ist ein Problem für Polen und Tschechien, schließlich hatten beide Regierungen lange darauf beharrt, dass die Entscheidung darüber, ob der Strom aus Solar-, Wind-, Kohle- oder Kernkraft oder anderen Quellen gewonnen wird, in den Nationalstaaten und nicht in Brüssel getroffen werden sollte.

Das ist Rechtslage, der derzeitige Stand der Dinge, und demnach steht es auch Deutschland frei, zu entscheiden, wie es Strom generiert. Und die Bundesregierung hat sich dazu entschieden, Kernkraftwerke herunterzufahren.

Mitte Juli hat die Kommission einen vorläufigen Plan darüber veröffentlicht, wie ein grenzenloser Energiemarkt aussehen könnte, der mit einem Anstieg erneuerbarer Energiequellen umgehen kann. Ein Gesetzesentwurf hierzu wird für 2016 erwartet.

Wie könnte er aussehen? „Wir haben die Netze nicht ausgebaut“, sagte EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete „Politico“. Viel werde in erneuerbare Energien investiert, während die Netze vernachlässigt wurden, kritisierte er. Deswegen sei Brüssel daran interessiert, grenzüberschreitende Verbindungen besser auszubauen.

Die Kommission unternimmt finanzielle und politische Anstrengungen, um zumindest zehn Prozent der in der EU installierten Stromerzeugungskapazitäten bis 2020 miteinander zu verbinden. Dafür muss aber noch einiges geschehen: Ursprünglich hatten sich die Mitgliedsstaaten schon für 2002 auf dieses Ziel geeinigt.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article144757879/Nachbarlaender-wollen-deutschen-Strom-blockieren.html

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21.07.2015

Neuer Rekord beim Stromexport

Auswertung der Stromdaten des 1. Halbjahrs 2015 zeigt: Sinkende Strompreise befeuern Nachfrage aus dem Ausland, Erneuerbare verdrängen alte Steinkohle

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Deutschland hat im ersten Halbjahr 2015 so viel Strom exportiert wie niemals zuvor. Unterm Strich wurden 25 Terawattstunden – das entspricht rund acht Prozent des hierzulande von Januar bis Juni erzeugten Stroms – ins Ausland geliefert. Im ersten Halbjahr 2014 waren es noch 19 Terawattstunden gewesen, ein Jahr zuvor 15 Terawattstunden. Das zeigt eine vorläufige Auswertung des Berliner Denk- und Politiklabors Agora Energiewende.

Angetrieben wurde die Nachfrage nach deutschem Strom im Ausland von abermals gesunkenen Preisen an der Strombörse, die im europäischen Vergleich zu den niedrigsten gehören. Im Durchschnitt wurden an der Börse in den ersten sechs Monaten des Jahres 3,02 Cent pro Kilowattstunde gezahlt (1. Halbjahr 2013: 3,76 Cent/Kilowattstunde, 1. Halbjahr 2014: 3,24 Cent/Kilowattstunde). Gesunken waren die Preise aufgrund des deutlich größeren Angebots von Strom aus Erneuerbaren Energien: Ihr Anteil am deutschen Stromverbrauch wuchs aufgrund deutlich gestiegener Windstromproduktion auf den neuen Rekordwert von 31,4 Prozent (von 81 auf 92 Terawattstunden). Die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohlekraftwerken sank demgegenüber auf 128 Terawattstunden gegenüber 135 Terawattstunden im Vorjahreszeitraum. Die Produktion von Kernkraftwerken (48 Terawattstunden) und Gaskraftwerken (27 Terawattstunden) blieb in etwa auf Vorjahresniveau.

Vor allem die älteren Steinkohlekraftwerke geraten durch die stark gestiegene Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zunehmend unter Druck und müssen ihre Produktion immer öfter drosseln. Sie suchen ihr Heil aber auch im verstärkten Export“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

Unglücklicherweise verdrängt der Kohlestrom-Export in unseren Nachbarländern vor allem Strom aus klimafreundlicheren Gaskraftwerken, so in den Niederlanden oder – über die Transitländer Österreich, Frankreich und Schweiz – auch in Italien“, sagt Graichen. Im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr ist der Stromexport insbesondere nach Frankreich und in die Schweiz deutlich gestiegen und in Richtung Österreich und Niederlande auf konstant hohem Niveau verblieben.

http://www.agora-energiewende.de/de/presse/agoranews/news-detail/news/1-neuer-rekord-beim-stromexport/News/detail/

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05.06.2015

Strombörse: Deshalb kommt das Rekordtief nicht beim Kunden an

2,54 Cent pro Kilowattstunde – ein Energieversorger mit diesem Angebot könnte sich vor Neukunden kaum retten. An den Strombörsen ist dieser Preis Realität, denn vergangenen Monat fielen die Energiekosten auf ein Rekordtief.

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Wenn die Erneuerbaren viel Strom produzieren, können fossile Grundlast-Kraftwerke nicht entsprechend flexibel heruntergeregelt werden. Dann produzieren sie ein Überangebot – und der Preis stürzt. Sonnige Zeiten auch für Verbraucher? Leider nicht. Beim Endkunden bleibt der Strompreis etwa zehnmal so hoch.

Um das zu verstehen, muss man die Zusammensetzung des Preises betrachten: Nur ein Viertel entfällt auf die Produktion des Stroms.

Fast genauso viel kosten die Netzentgelte. Die Stromerzeuger zahlen die Netzentgelte an die Netzbetreiber, damit diese den Strom durch ihre Leitungen zum Kunden transportieren. Produktion und Transport machen also die Hälfte des Strompreises aus.

Der Staat bestimmt den Preis

Hinzu kommt das, was der Staat einsammelt, vor allem Abgaben, Steuern und Umlagen. Den größten Anteil an diesem Kostenblock hat die EEG-Umlage. Sie ist in der Vergangenheit gerade wegen des Erfolgs der erneuerbaren Energien gestiegen. Man spricht auch vom Ökostrom-Paradox: Je billiger Strom aus Erneuerbaren, desto höher steigt die EEG-Umlage. Denn sie errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und der staatlich garantierten, auf 20 Jahre festgeschriebenen Einspeisevergütung für Betreiber von Grünstromanlagen.

Der Börsenpreis kann aber gerade deswegen so weit sinken, weil bei den Erneuerbaren nach dem Bau einer Anlage keine Brennstoffkosten mehr anfallen. Sie können ihren Strom quasi kostenlos produzieren.

Strom aus Erneuerbaren hat Vorfahrt

Da Strom aus Erneuerbaren bei der Einspeisung ins Netz Vorfahrt hat, sind alle anderen Kraftwerke erst danach an der Reihe. Man nennt das Merit-Order.

Der Strompreis an der Börse wird von dem Kraftwerk bestimmt, das gerade noch zu vertretbaren eigenen Kosten den Strom verkaufen kann. Alle anderen bekommen dann den gleichen Preis (außer die Erneuerbaren, die ja die Einspeisevergütung erhalten). Weil aber oft sehr viel Strom aus Erneuerbaren im Netz ist, werden die anderen Kraftwerke weniger gebraucht. Die Nachfrage sinkt und damit der Preis.

Künftig wird die EEG-Umlage nicht mehr so stark steigen wie bisher, weil die Einspeisevergütungen immer weiter gesunken sind. Denn durch den massenhaften Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen sind diese sehr viel billiger geworden, damit konnten auch die staatlichen Anreize sinken. Die Lücke zwischen Börsenstrompreis und garantierter Vergütung wird also kleiner und damit sinkt die EEG-Umlage.

Weitere Anteile am Strompreis sind die Mehrwertsteuer und die Stromsteuer. Die Stromsteuer wurde 1999 eingeführt und fließt hauptsächlich in die Rentenkasse. Die Idee dahinter war ein ökologischer Umbau der Wirtschaft.

Die Konzessionsabgabe zahlen Stromversorger an Gemeinden dafür, dass sie öffentliche Wege nutzen dürfen.

Kleine Umlagen zur Marktgestaltung

Dann gibt es noch vier klitzekleine Anteile am Strompreis: Die Offshore-Haftungsumlage wird für das Risiko der Investoren beim Ausbau der teuren Windenergie auf dem Meer erhoben. Die KWK-Umlage sorgt dafür, dass die erhöhten Kosten der Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungen ausgeglichen werden. Das ist politisch gewünscht, weil KWK-Anlagen sehr effizient sind.

Die Umlage nach § 19 NEV bezieht sich darauf, dass sich große Stromverbraucher von den Netzentgelten befreien lassen können. Die Kosten werden auf alle Stromkunden umgelegt. Genauso ist es mit den Kosten für abschaltbare Lasten: Industriebetriebe bekommen Geld dafür, dass sie ihre Produktion kurz unterbrechen, wenn das für die Stabilität des Stromnetz gerade gebraucht wird. Auch diese Kosten werden auf die Allgemeinheit umgelegt.

Auch wenn der Strompreis an der Börse aktuell nur 2,6 Cent pro Kilowattstunde beträgt, würden also immer noch allerhand Aufschläge dazu kommen. So billig kann er nie bis zur Steckdose geliefert werden.

Anbieter müssen Niedrigpreise nicht weitergeben

Andererseits könnten die Stromlieferanten wenigstens etwas von den niedrigen Preisen weitergeben. Schließlich zahlen Haushaltskunden in Deutschland rund 29 Cent pro Kilowattstunde. Zuletzt sind die Strompreise auch etwas gesunken – abhängig vom Anbieter.

Verpflichtet zu einer Weitergabe niedriger Börsenstrompreise sind die Stromversorger ohnehin nicht. Die Politik könnte das jedoch ändern. Gesetzgeberisch sei der Weg dazu ganz einfach, sagt der Energieexperte Felix Matthes vom Öko-Institut: „Das Bundeswirtschaftsministerium müsste lediglich eine entsprechende Verordnung erlassen.“

Direkt an der Strombörse könnten Normalverbraucher jedenfalls nicht einkaufen. Die Mindestabnahme liegt bei rund 24 Megawattstunden (MWh), der Durchschnittsverbrauch einer vierköpfigen Familie beträgt dagegen nur etwa 3,5 MWh im Jahr.

http://green.wiwo.de/stromboerse-deshalb-kommt-das-rekordtief-nicht-beim-kunden-an/

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27.05.2015

Deutsche zahlen zweithöchsten Strompreis

Fast keiner in der EU zahlt so viel für Strom wie die Deutschen. Schuld an dem hohen Preis sind Steuern und Abgaben. Die Leidtragenden sind vor allem eine Gruppe.

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Die Privathaushalte in Deutschland zahlen einer neuen Statistik zufolge den zweithöchsten Strompreis in der EU. Im Durchschnitt mussten Haushalte hierzulande für 100 Kilowattstunden Strom im zweiten Halbjahr 2014 rund 29,30 Euro zahlen und damit nur etwas weniger als beim Spitzenreiter Dänemark mit etwa 30,40 Euro, wie das Statistikamt Eurostat errechnete.

Über die Hälfte des Strompreises strich dabei der Staat ein: In Deutschland entfielen 52 Prozent und in Dänemark sogar 57 Prozent auf Steuern und Abgaben. Der durchschnittliche Preis für Haushaltsstrom betrug in der EU laut Eurostat in der zweiten Jahreshälfte 2014 rund 20,80 Euro. Das Niveau sei damit gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent und seit 2008 sogar um mehr als 30 Prozent gestiegen, führten die Statistiker aus.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnte angesichts der Lage in Deutschland vor sozialer Ungerechtigkeit: „Hohe Energiepreise belasten vor allem ärmere Haushalte“, erklärte das ZEW in Mannheim.

Gas ist im Ländervergleich in Deutschland günstiger

Dies habe auch Folgen für die Energiewende insgesamt. „Damit die Energie- und Klimapolitik in Deutschland langfristig tragfähig ist, muss deshalb in Zukunft stärker als bisher auf Kosteneffizienz und soziale Ausgewogenheit geachtet werden“, forderte ZEW-Experte Peter Heindl.

Der Gaspreis betrug im zweiten Halbjahr 2014 im EU-Durchschnitt etwa 7,20 Euro, ebenfalls umgerechnet in 100 Kilowattstunden, wie Eurostat weiter mitteilte. Hier lag Deutschland mit rund 6,80 Euro eher im Mittelfeld. Am niedrigsten war der Gaspreis pro 100 Kilowattstunden demnach in Rumänien und Ungarn (rund 3,20 Euro und 3,50 Euro), am höchsten in Schweden mit rund 11,40 Euro pro 100 Kilowattstunden.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/6708564/deutsche-zahlen-zweithoechsten-strompreis.html

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20.04.2015

Versorger sollen niedrige Preise weitergeben

Berlin. Seit 2010 fielen die Großhandelspreise um 25 Prozent, ohne dass Privatkunden davon profitieren. Nun will der Bund die Versorger zwingen, ihre Preisgestaltung offenzulegen. Verbraucherschützer fordern automatische Preissenkungen. Von Antje Höning

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Seit Jahren sind die Preise, zu denen Strom an der Börse gehandelt wird, auf Talfahrt. Kostete die Megawattstunde einst 60 Euro, ist sie nun oft für 32 Euro zu haben. Allein von 2010 bis 2014 sind die Großhandelspreise um 25 Prozent gefallen, wie die Verbraucherzentrale NRW ermittelt hat. Ursache ist die massive Ökostrom-Förderung, die zu einem Überangebot an Strom geführt und die Börsenpreise gesenkt hat. Doch davon haben viele Verbraucher bislang nichts. RWE, Eon und auch viele Stadtwerke geben die Preissenkungen nur zu einem Bruchteil weiter – wenn überhaupt.

Dagegen will die Bundesregierung nun vorgehen. Die Spitzen der Unions- und SPD-Fraktion vereinbarten in ihrem Papier „Wirtschaft begründet Wohlstand“ unter der Überschrift „Verbraucherpreise im Griff behalten“, Möglichkeiten für die Weitergabe der gesunkenen Börsenstrompreise an Haushalte und andere Tarifkunden zu prüfen. „Bislang haben zu wenige Versorger die stark gefallenen Großhandelspreise weitergegeben. Mehr Wettbewerb ist insbesondere bei der Grundversorgung nötig“, sagt Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs.

Die Grundversorgung ist der Tarif, in dem automatisch alle Kunden landen, die nicht gewechselt und aktiv einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben. Mehr als ein Drittel der Deutschen bezieht Strom noch über Grundversorgungs-Tarife, obwohl diese in der Regel teurer sind als Sondertarife, für die man sich aber aktiv entscheiden muss.

Daher will die Regierung die Versorger zu mehr Transparenz und somit zu mehr Wettbewerb zwingen. Sie sollen öffentlich machen, zu welchen Großhandelspreisen sie ihren Strom eingekauft haben. „In dieser Legislaturperiode wollen wir versuchen, das anzuschieben“, so Fuchs.

Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, begrüßte den Vorstoß: „Das ist ein überfälliger Schritt. Seit Jahren sinken die Großhandelspreise, doch die meisten Privatkunden haben nichts davon.“ Doch Müller geht die Regierung nicht weit genug: „Es reicht jedoch nicht, nur mehr Transparenz zu schaffen. Die Bundesregierung muss auch für einen Automatismus sorgen, wonach die Versorger die Senkung der Großhandelspreise in einer bestimmten Zeit an die Privatkunden weitergeben müssen“, so Müller zu unserer Zeitung. Dies sei insbesondere in den teuren Grundversorgungs-Tarifen nötig, in denen vor allem ältere und einkommensschwächere Menschen seien.

Solche Forderungen hat die Stromwirtschaft bisher zurückgewiesen. Strom werde meist mehrere Jahre im Voraus eingekauft. Daher könnten Preisrückgänge an der Börse nicht zeitgleich an die Kunden weitergegeben werden, lautet das Argument des Branchenverbands BDEW. Doch nach Jahren des Preisverfalls zieht es kaum noch.

Gerne verweist die Branche auch auf den hohen und über die Jahre gestiegenen Anteil von Steuern und Abgaben am Strompreis. In der Tat liegen nur rund 25 Prozent des Strompreises in der Hand der Versorger. Doch das nutzen viele von ihnen weiter aus. Sie stehen an vielen Fronten massiv unter Druck, so dass sie versuchen, die Gewinnmargen im Geschäft mit den Privatkunden hochzuhalten.

Sollte die Bundesregierung mit ihrer Preissenkungs-Initiative erfolgreich sein, wäre dies ein Schlag für Stadtwerke und Versorger, die wie RWE stark in der Grundversorgung engagiert sind. Schon jetzt schreiben 35 bis 45 Prozent der Kohle- und Gaskraftwerke von RWE rote Zahlen. Bleibe es bei 32 Euro je Megawattstunde, werde die Kraft-werkstochter „in nicht allzu ferner Zukunft“ Verluste machen, hatte RWE im März gewarnt. Sollte der zweitgrößte deutsche Versorger nun auch noch weniger Geld für seinen Strom bekommen, wird sich die Krise weiter verschärfen.

http://www.rp-online.de/wirtschaft/versorger-sollen-niedrige-preise-weitergeben-aid-1.5027831

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19.01.2015

Energiekonzerne nehmen Kunden aus

Strom ist im Einkauf spürbar billiger geworden, dennoch zahlen Verbraucher heute 43 Prozent mehr als 2007. Vor allem arme und alte Menschen, die aus dem teuren Grundtarif nicht herauskommen, zahlen die Zeche.

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Die Bürger der Gemeinde Hohentengen in Oberschwaben zählen zu den Glücklichen. Sie können sich dieser Tage über eine Senkung der Strompreise in Höhe von 9,9 Prozent freuen. Nach einer Erhebung der Verbraucherportals Check24 gibt es nirgendwo in Deutschland derart hohe Nachlässe. Dabei wären sie auch anderswo angesagt. Stattdessen bleibt das Preisniveau nach Ansicht von Verbraucherschützern zu hoch. Arme und alte Menschen zahlen vor allem die Zeche.

Die Experten von Check24 haben errechnet, dass der durchschnittliche Strompreis seit 2007 um 43 Prozent geklettert ist. Sogar 48 Prozent waren es in der Grundversorgung. Hierbei handelt es sich um einen teuren Tarif, den ein Anbieter in seiner Region anbieten muss, um die Stromversorgung aller Haushalte zu sichern. Stadtwerke, aber auch große Konzerne wie RWE agieren als Grundversorger.

Ein Plus von 48 Prozent seit Sommer 2007: Das bedeutet, dass Stromtarife ungefähr dreimal stärker als die übrigen Verbraucherpreise gestiegen sind. Wie kann das sein? Die Lobbyisten der Energiebranche machen immer wieder darauf aufmerksam, dass die Steuern und Abgaben an den Fiskus immer wachsen. Das sind inzwischen – inklusive Mehrwertsteuer – acht verschiedene Posten. Besonders gravierend ist die EEG-Umlage, mit der die Förderung der Erneuerbaren Energien finanziert wird. 2007 musste jeder Haushalt noch pro verbrauchter Kilowattstunde nur einen Cent zahlen. Die Abgabe stieg auf 6,24 Cent im vorigen Jahr. Für 2015 wurde die EEG-Umlage erstmals leicht gesenkt – auf 6,17 Cent.

Doch nach den Berechnungen mehrerer Verbraucherportale gab es von Dezember 2014 auf Januar 2015 nur geringe Preis-Reduktionen – sie machen im Schnitt gerade einmal etwa fünf Euro pro Jahr und Haushalt aus. Und für das erste Quartal haben laut Check24 lediglich 356 der 840 Grundversorger günstigere Tarife angekündigt oder schon umgesetzt. Sie fallen zudem mit 2,4 Prozent oder 36 Euro im Jahr pro Durchschnittshaushalt immer noch bescheiden aus.

Dabei müssten eigentlich alle Versorger deutliche Spielräume nach unten haben. Denn die elektrische Energie ist im Einkauf spürbar billiger geworden. An der Börse wurde Ende vorigen Jahres die Kilowattstunde mit drei bis 3,3 Cent gehandelt – das entspricht einer Halbierung der Notierung in den vergangenen fünf Jahren. Allein 2014 verbilligte sich Strom, der kurzfristig einkauft wird, um ein Zehntel. Am Terminmarkt für Lieferungen beispielsweise in zwölf Monaten gab es Abschläge von 20 Prozent.

Grund dafür ist ein Überangebot an Energie aufgrund des Ausbaus der Erneuerbaren. Deshalb werden die Börsenpreise auch 2015 weiter nach unten gehen. Es sei eindeutig, „dass viele Anbieter die gesunkenen Preise im Einkauf größtenteils einbehalten und nicht an die Kunden weitergeben“, sagt Isabel Wendorff von Check24.

Steigende Margen

In die gleiche Richtung geht das Ergebnis einer Langzeituntersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die im Herbst vorgelegt wurde: Wegen günstigerer Einkaufspreise liege das Verdacht nahe, „dass im Branchenschnitt steigende Margen realisiert werden“, heißt es dort. Dieser Trend habe sich mittlerweile bestätigt, sagte Peter Blenkers, Energieexperte der VZ, am Montag der Frankfurter Rundschau.

Dabei herrscht seit Jahren Wettbewerb auf dem Strommarkt. Aber nur 20 Prozent aller Haushalte beziehen derzeit von einem alternativen Anbieter billige Energie, gut ein Drittel zahlt die teuren Grundversorgungstarife, und 45 Prozent sind sogenannte Sondervertragskunden der Grundversorger. Obwohl immense Einsparungen von 30 Prozent und mehr möglich sind, bleiben viele Verbraucher ihrem angestammten Versorger treu. Die Angst vor unseriösen Anbietern nannten 58 Prozent der Befragten laut einer Studie der Unternehmensberatung Putz &Partner als wichtigsten Hinderungsgrund für einen Anbieterwechsel. Schwarze Schafe unter Stromhändlern haben den Ruf stark beeinträchtigt. Deshalb fordern Verbraucherschützer immer wieder eine strengere Aufsicht über die Unternehmen.

Doch Blenkers macht darauf auch aufmerksam, dass es eine große Zahl von Haushalten gibt, die aus dem Grundtarif gar nicht herauskommen können. Das sind einerseits verschuldete Verbraucher mit schlechten Bonitätsbewertungen und andererseits vor allem ältere Menschen. Sie verfügen über keinen Internetzugang, der für den Wechsel des Stromlieferanten unerlässlich ist.

Der Verbraucherschützer aus NRW macht sich deshalb dafür stark, in den die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen flächendeckend einen Service für den Anbieterwechsel einzurichten. „Zudem müssen aber auch die Wettbewerbshüter aktiv werden“, so Blenkers, „denn wir haben den Verdacht, dass Grundversorger ihre starke Position im Markt missbrauchen.“

http://www.fr-online.de/energie/strompreise-energiekonzerne-nehmen-kunden-aus,1473634,29610820.html

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16.10.2014

Planer fordern eine neue Ökostrom-Abgabe

Weil sich auch mit Wind- und Solarparks bald kein Geld mehr verdienen lässt, fordert eine Denkfabrik jetzt eine „Kapazitätsprämie“ für Ökostromer. Doch zahlen müsste die der Stromverbraucher.

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Die Energierevolution frisst ihre Kinder: Weil die Subventionen für erneuerbare Energien zu einem dramatischen Verfall der Strompreise an der Börse führen, würden unter solchen Marktbedingungen in Zukunft auch Wind- und Solarparks kein Geld einspielen.

Da sich mit der Produktion von Kilowattstunden allein künftig kaum noch Geld verdienen lässt, stellt sich die Fragen nach der Finanzierung der Energiewende, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz in einigen Jahren schrittweise ausläuft. Der Energiewende drohen mittelfristig die Investoren abhanden zu kommen.

Vor dieser Gefahr warnt die Berliner Denkfabrik „Agora Energiewende“. Mit der nächsten, für 2016 geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müsse die Finanzierung der Energiewende auf eine völlig neue Grundlage gestellt werden, sagte Agora-Chef Patrick Graichen der „Welt“.

Auch Betreiber von Kohlekraftwerken wollen mehr Geld

Für die Zeit nach dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit seinen festen Einspeisevergütungen hat die Agora deshalb jetzt ein Konzept ausarbeiten lassen, das sicherstellen soll, dass sich mit erneuerbaren Energien auch weiterhin Geld verdienen lässt, auch wenn die produzierte Kilowattstunde an der Börse kaum noch etwas wert ist. Das Konzept zum „Erneuerbare-Energien-Gesetz 3.0“ liegt der „Welt“ vor.

Das Öko-Institut in Berlin schlägt in ihrem, unter des Ägide des Energie-Experten Felix Matthes erstellten Plan vor, den Produzenten von Ökostrom zusätzlich zu ihren Verkaufserlösen am Strommarkt noch eine „Kapazitätsprämie“ extra auszuzahlen. Diese Prämie würde der Höhe nach deutlich über dem Marktwert des Stroms liegen.

Der Vorschlag von Öko-Institut und Agora trifft auf eine heikle Gemengelage, denn auch die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken fordern von der Bundesregierung bereits eine „Kapazitätsprämie“ für das bloße Vorhalten von Kraftwerksleistung. Durch den Verkauf des Stroms allein ließen sich derzeit noch nicht einmal mehr die Betriebskosten konventioneller Kraftwerke finanzieren, obwohl diese zur Sicherstellung der Stromversorgung weiterhin dringend gebraucht werden.

Zahlen muss der Stromverbraucher

Die Bundesregierung hat sich bislang eher skeptisch zur Einführung von Kapazitätsprämien geäußert. Er wolle „kein Hartz IV für alte Kraftwerke“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) jüngst.

Nun aber könnte selbst die Ökostrom-Branche so eine zweite Einkommensquelle neben dem eigentlichen Verkaufserlös einfordern. Zahlen müsste die Kapazitätsprämie der Stromverbraucher.

Der heute bestehende „Energy-only-Markt“, auf dem nur die produzierte Kilowattstunde einen Preis hat, „wird nie ausreichen, um erneuerbare Energien ausreichend zu refinanzieren“, heißt es in der Studie des Öko-Instituts. Die bisherige Art der Förderung führe dazu, dass Wind- und Solaranlagen nicht so gebaut und betrieben werden, dass sie optimal mit dem Stromsystem harmonieren. Dem Vorschlag des Öko-Instituts zufolge sollen sich die Vergütungen künftig vor allem am Wert der Anlagen für das Stromsystem bemessen.

Die bereits angekündigte EEG-Novelle 2016 werde „für Anlagen gelten, die weit über 2030 hinaus unser Stromsystem prägen“, sagte Agora-Direktor Graichen. „In diesem Zeitraum werden die Erneuerbaren Energien ihren Anteil am Strommix auf 50 Prozent steigern und zur dominanten Stromerzeugungsform werden.“ Systemdienliche Auslegung und Betrieb der Erneuerbaren-Energien-Anlagen würden daher zur zentralen Aufgabe, weil sonst die Gesamtsystemkosten steigen.

Prämienzahlung soll für 20 Jahre garantiert sein

Zwar sollen Ökostrom-Produzenten ihren Strom nach den Vorstellungen der Planer weiterhin selbst vermarkten müssen. Das Preissignal des Marktes soll unbedingt bei ihnen ankommen, um die Produktion mit der Nachfrage in Einklang zu bringen.

Dennoch tauge dieser Marktmechanismus nur für das kurzfristige Optimieren von Kraftwerkseinsätzen. Für neue Investitionen setze der Energy-Only-Markt jedoch keine hinreichenden Anreize.

Deshalb müsse dieser Markt durch eine Kapazitätsprämie ergänzt werden. Die Zahlung dieser Prämie solle erneut über 20 Jahre garantiert werden.

Um Marktverzerrungen zu vermeiden, solle sich ihre Höhe nicht nach der erzeugten Arbeit (in Kilowattstunden) richten, sondern nach der installierten Leistung (in Kilowatt). Auf diese Weise könne verhindert werden, dass erneuerbare Energien selbst noch in Zeiten eines Überangebots am Markt als Anbieter auftreten.

Nur die günstigsten Anbieter erhalten die Prämie

„Schon jetzt werden die erneuerbaren Energien manchmal zu negativen Preisen bis zu minus 65 Euro je Megawattstunde vermarktet“, beschreibt die Studie die Nachteile des heutigen Systems. In Zeiten negativer Börsenpreise müssen deutsche Stromexporteure ihren Abnehmern im Ausland sogar noch Geld dazu bezahlen, wenn sie den Strom abnehmen – volkswirtschaftlich ein teures Minusgeschäft: „Ohne eine Umstellung der Finanzierung würden diese Stunden deutlich zunehmen.“

Das Konzept nennt etwa für Windkraftanlagen an Land eine Kapazitätsprämie zwischen 565 und 680 Euro je Kilowatt. Umgerechnet würde dies auf eine Förderung zwischen fünf und sechs Cent pro Kilowattstunde hinauslaufen, geht aus den Berechnungen des Ökoinstituts hervor.

Die Windmüller würden diese Prämie zusätzlich zu ihre eigentlichen Verkaufserlös erhalten, der sich zwischen zwei und vier Cent pro Kilowattstunde belaufen dürfte. Kern des Vorschlages ist allerdings auch, dass die Kapazitätsprämie für neue Anlagen ausgeschrieben wird. Damit soll sichergestellt werden, dass nur die günstigsten Anbieter zum Zuge kommen.

Beide Erlösquellen zusammen würden dem Betreiber Einnahmen zwischen knapp sieben und neun Cent pro Kilowattstunde garantieren. Genug, um den Bau von neuen Ökostrom-Anlagen für Investoren interessant zu machen. Aus diesen Zahlenbeispielen des Ökoinstituts wird allerdings auch deutlich: Durch die neue Finanzierungsmethode des Ökostrom-Umbaus würde der Strompreis für Verbraucher wohl nicht sinken.

Der Netzbetrieb soll stabilisiert werden

Das Öko-Institut will die Kapazitätsprämie so ausgestalten, dass damit ein zusätzlicher Effekt erreicht wird: die Stabilisierung des Netzbetriebs. Die Auszahlung der Prämie könne so gesteuert werden, dass vor allem solche Ökostrom-Anlagen besonders profitieren, die außerhalb der üblichen Hauptproduktionszeiten Elektrizität bereitstellen.

Somit könne es sich etwa lohnen, nicht nur Hausdächer mit Südausrichtung mit Solarmodulen zu belegen, sondern auch Hausdächer mit Ost- und Westausrichtung. Die Stromproduktion der Solarzellen falle dann zwar geringer aus, verteile sich aber besser über den gesamten Tag. Die steilen „Solarspitzen“ zur Mittagszeit würden ersetzt durch eine breiteres „Plateau“.

Ebenso könne die Kapazitätsprämie einen Anreiz dafür bieten, Windräder mit kleinerer Turbine, aber größerem Rotor zu errichten. Solche Anlagen würden nicht mehr hauptsächlich bei starkem Wind womöglich temporäre Überangebote produzieren, sondern über den ganzen Tag hinweg schon bei schwachen Wind gleichmäßig Strom produzieren.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article133325028/Planer-fordern-eine-neue-Oekostrom-Abgabe.html

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15.10.2014

Sinkender Strompreis? Fehlanzeige!

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte soll die Umlage zur Förderung von Ökostrom sinken. Sie fällt nächstes Jahr von derzeit 6,24 auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde. Das gaben die vier großen Stromnetzbetreiber bekannt. Grund zur Hoffnung auf sinkende Strompreise? Fehlanzeige, meinen Experten.

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Die EEG-Umlage ist der Betrag, den der normale Stromkunde zahlt, um die Differenz zwischen dem auszugleichen, was Anbieter von erneuerbarer Energie für ihren Strom bekommen und was der Strom an der Börse kostet.

Dass diese Umlage nun erstmals seit 14 Jahren sinkt, hat allerdings vor allem einen Grund: Sie ist im vergangenen Jahr einfach zu hoch angesetzt worden. „Das ist keine Wende bei den Strompreisen, und das hat auch nichts mit der EEG-Reform zu tun“, sagt Norbert Allnoch, Direktor vom Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR). „Das Konto war damals im Minus, und da ist so viel draufgeschlagen worden, dass man jetzt mit über einer Milliarde Euro im Plus ist.“

Senkung vermutlich nur ein Einmaleffekt

„Anders als bei Preissteigerungen, die immer direkt an den Endkunden weitergereicht werden, wird diese Senkung vermutlich nicht beim Verbraucher ankommen“, schätzt auch Niels Schnoor vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Und allzu große Hoffnungen, dass die Umlage auch weiterhin sinken werde, müsse man sich erst gar nicht machen: „Das ist jetzt ein Einmaleffekt, und man kann davon ausgehen, dass sie wieder ansteigen wird.“

Die Höhe der EEG-Umlage hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab. „Zum einen spielt die Befreiung zahlreicher Industrien in einer Höhe von mittlerweile fünf Milliarden Euro, die an die verbleibenden Kunden weitergereicht werden, eine große Rolle“, sagt Energieexperte Allnoch. Zum anderen sei der Handel über die Strombörsen seit 2010 ein wichtiger Punkt.

Flatrate-Pakete statt gezielter Einkauf

Bis zum Jahr 2009 sei den Stadtwerken ein fester Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien zugewiesen worden, sagt Allnoch. Seit 2010 hingegen laufe das über den Börsenhandel – zur Freude vieler Grundversorger. „Seitdem müssen sich die Stadtwerke nicht mehr damit herumschlagen und kaufen lieber Flatrate-Pakete bei den großen Energielieferanten, bevor ein eigener Mitarbeiter an der Strombörse noch den falschen Knopf drückt.“ Strom aus erneuerbaren Energien sei aber bei diesen Rundumversorgungen kaum enthalten. Mit folgendem Effekt: „Jetzt kommt der gesamte Strom aus erneuerbaren Energien an der Börse an und drückt auf die Preise – und dadurch steigen die Differenzkosten, also die EEG-Umlage.“

Das IWR spricht ganz offen von einer Mogelpackung und von Verbrauchertäuschung. „Den Anteil der nach EEG geförderten erneuerbaren Energien, den Energieversorger auf ihrer Stromrechnung mit bis zu 29,4 Prozent angeben, kaufen sie gar nicht ein“, sagt Stromexperte Allnoch. Der eigentlich eingekaufte Öko-Strom werde nämlich meist als „sonstige erneuerbare Energien“ gekennzeichnet und bewege sich im unteren einstelligen Bereich.

„Faire Stromrechnung durch faire Produktkennzeichnung“

„Die 29,4 Prozent sind ein theoretisch berechneter Wert und entstehen dadurch, wie viel EEG-Umlage die Stromkunden im Versorgungsgebiet bezahlen müssen“, sagt Allnoch. Solche Beispiele seien einer der wichtigsten Kritikpunkte beim IWR: „Eine faire Stromrechnung muss unserer Meinung nach unbedingt auch eine genaue Produktkennzeichnung haben, aus der hervorgeht, aus welchen Quellen der bezogene Strom tatsächlich stammt.“

Neben dieser Produkttransparenz fordern Verbraucherschützer außerdem auch eine Preistransparenz: „Wünschenswert wäre zum Beispiel eine Ausweisung der Gewinnmarge, die der Strompreisanbieter hat“, sagt Verbraucherschützer Schnoor. Eine Wunschvorstellung, die vermutlich auch im Zuge der jetzt anstehenden Novelle der Grundversorgungsordnung nicht Realität werde. Größtes Problem des Gesamtmarktes sei aber nach wie vor der Verbraucher: „Dieser Endkundenmarkt funktioniert nicht. Er ist so träge, dass alle Anbieter so handeln können, dass man überteuerte Preise anbietet“, sagt Schnoor. Sein Rat: Strompreise vergleichen, unseriöse Angebote mit Vorkasse aussortieren, regelmäßig zu den günstigsten Anbietern wechseln.

http://www.heute.de/neu-festsetzung-eeg-umlage-sinkender-strompreis-fehlanzeige-35425102.html

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09.10.2014

Energiekosten: Strompreis ist seit 2000 um 92 Prozent gestiegen

Verbraucher müssen für Strom fast doppelt so viel ausgeben wie vor 14 Jahren. Dabei müssen die Konzerne im Großhandel seit Jahren weniger zahlen.

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Private Haushalte haben seit dem Jahr 2000 nahezu eine Verdopplung des Strompreises verkraften müssen. Der Preis sei seitdem um 92 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Verbraucher profitieren demnach überhaupt nicht von den seit knapp sechs Jahren sinkenden Großhandelspreisen für Strom. Die Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen mussten im August 2014 rund vier Prozent weniger für Strom bezahlen als im Januar 2000, wie die Statistiker erklärten. Sie können Strom also billig einkaufen und verkaufen ihn teuer. Zu einem ähnlichen Ergebnis war zuletzt auch die Verbraucherzentrale NRW gekommen.

Der Strompreis erreichte seinen höchsten Stand im Juli 2008, wie das Statistikamt erklärte. Er lag damals – für Verbraucher, Industrieunternehmen, Gewerbebetriebe und auch für die Versorger – um 61 Prozent über dem Wert vom Januar 2000. Gründe seien die starke Nachfrage von Finanzinvestoren auf den Rohstoffmärkten und Konflikte in Nahost gewesen, erklärten die Statistiker. Die Verbraucher spürten das damals aber nicht so stark: Sie mussten wegen langfristiger Verträge nur 41 Prozent mehr für Strom zahlen als Anfang 2000.

Mit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise Ende 2008 fielen die Preise für Strom deutlich, wie die Statistiker erläuterten. Zugleich nahm in Deutschland die Menge an Strom aus erneuerbaren Energien zu; das sorgte für niedrige Preise an den Strombörsen. Für Haushalte und kleine Gewerbebetriebe wurde der Strom aber dennoch teurer: nach Juli 2008 um 36 Prozent für Privathaushalte und um 38 Prozent für die Betriebe. Zusätzlich stiegen für sie Stromsteuer und die Umlage für die Förderung des Ökostroms.

Für große Industrieunternehmen stiegen die Preise seit Juli 2008 hingegen nur um fünf Prozent. Und die Stadtwerke und Versorger können sich über einen Einkaufspreis freuen, der für sie seitdem um 46 Prozent gesunken ist.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/strompreis-ist-seit-2000-um-92-prozent-gestiegen-a-996197.html

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11.09.2014

Strompreis ist um 38 Prozent gestiegen

Private Haushalte zahlen viel für Strom. Laut Regierung ist der Preis seit 2008 im Bundesdurschnitt um 38 Prozent gestiegen. Gewinner ist, dank Rabatte bei der Ökostromförderung, die energieintensive Industrie.

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Der Strompreis für private Haushalte in Deutschland ist seit 2008 im Bundesdurchschnitt um 38 Prozent gestiegen. Das ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach legte der Kilowattstunden-Preis von 21,4 Cent auf inzwischen 29,4 Cent zu. Für die energieintensive Industrie sind die Preise – auch dank umfassender Rabatte bei der Ökostromförderung – von 2008 bis 2014 hingegen um ein Prozent gefallen, wie Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Sontowski in der Antwort mitteilt.

Die Versorger konnten seit 2008 auch wegen des Zuwachses an Solar- und Windstrom von teils um fast die Hälfte gesunkenen Einkaufspreisen profitieren. Aber dieser Vorteil wird nach Meinung von Verbraucherschützern oft nur unzureichend an die Stromkunden weitergegeben, während sie durch die Ökostrom-Förderung, Industrierabatte und gestiegenen Netzkosten im Zuge der Energiewende stark belastet werden. Allerdings deuten sich für 2015 Strompreissenkungen an, da die Umlage zur Ökostrom-Förderung wohl sinken wird – sie beträgt derzeit 6,24 Cent je Kilowattstunde.

Regional gibt es nach Berechnungen des Portals Verivox Unterschiede. Bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt ein Haushalt in Brandenburg mit im Schnitt 1189 Euro (2008: 911 Euro) derzeit am meisten. Am günstigsten ist es in Bremen mit 1105 Euro (2008: 842 Euro).

Die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn betonte: „Die Großhandelspreise sind seit 2008 um rund 5 Cent die Kilowattstunde gefallen.“ Gleichzeitig sei die Ökostrom-Umlage um 5 Cent gestiegen. „Leider ist bei den privaten Haushalten nur der preissteigernde Faktor angekommen.“ Hier könne man den Verbrauchern nur raten, stärker die Preise der unterschiedlichen Anbieter zu vergleichen.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/seit-2008-strompreis-ist-um-38-prozent-gestiegen/10684278.html

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01.08.2014

Droht Stromkunden ein neuer Kostenschub?

Neue Instrumente für mehr Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt könnten schon bald große Folgen für Stromkunden haben. Regierungsgutachter erwarten Zusatzkosten von bis zu 15 Milliarden Euro.

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Neue Instrumente für mehr Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt und zur Finanzierung konventioneller Kraftwerke, wie sie die Energiewirtschaft fordert, würden die Stromkunden Milliardensummen kosten. Das zeigen am Donnerstag veröffentlichte Berechnungen für das Bundeswirtschaftsministerium. Die Zusatzkosten beliefen sich je nach Instrument bis zum Jahr 2030 auf bis zu 15 Milliarden Euro, schreiben die Gutachter im „Endbericht Leitstudie Strommarkt“.

Um diesen Betrag würde die Stromrechnung der Kunden auch dann steigen, wenn es gelingen sollte, die Kostensteigerungen durch den Ökostromausbau zu begrenzen. Das entsprechende Gesetz tritt diesen Freitag in Kraft. Es sieht neben Kostenbegrenzungen den weiteren schrittweisen Ausbau der Ökostromerzeugung vor. Hinzu kommt, dass die Förderung ab 2017 von der heute geltenden, 20 Jahre garantierten Vergütung je eingespeister Kilowattstunde auf kostensenkende Ausschreibungen umgestellt wird. Allein die Ökostromförderung kostet Verbraucher dieses Jahr 22 Milliarden Euro.

Erhebliche Zweifel an den Wertungen der Gutachter“

Es ist genau diese Förderung, die das Verlangen nach Hilfen der Stromwirtschaft begründet. Denn an der Strombörse muss der Ökostrom kein Geld mehr verdienen, er ist schon bezahlt. Entsprechend erhöht er den Konkurrenzdruck auf die übrigen Anbieter von Strom aus Atom-, Kohle-, Wasser- oder Gaskraftwerken. Viele von ihnen arbeiten nicht mehr wirtschaftlich und bauen auch keine neuen Kraftwerke. Weil die für eine sichere Versorgung unerlässlich seien, müssten sie mit Extrageld am Markt gehalten werde, argumentieren die Anhänger diverser Konzepte für „Versorgungssicherheits-“ und „Kapazitätsmärkte“ aus der Energiebranche und Umweltverbänden.

Die Gutachter des Wirtschaftsministeriums halten solche Sicherungen für überflüssig. Es reiche aus, den heutigen Strommarkt zu optimieren; er gewährleiste „eine sichere und effiziente Versorgung der Verbraucher“. Zudem gebe es schon heute erhebliche Möglichkeiten, Stromnachfrage etwa für die Industrie im Notfall abzuschalten oder zu ersetzen. Zusätzliche Sicherheit böten die heute bestehenden Verbindungen ins Ausland, die zudem noch ausgebaut werden sollten.

Hier setzt die Kritik der Energiewirtschaft an. So äußerte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) „erhebliche Zweifel an den Wertungen und Annahmen der Gutachter“, gerade bei den Flexibilitätsvorteilen. Andere vermerken, die Studie plane trotz der von der Regierung betriebenen Kohleausstiegspolitik mit einem unverändert hohen Braunkohle-Stromanteil. Der Brancheverband der Energiewirtschaft (BDEW) sagt, die Gutachtern beschrieben „theoretische Idealsituationen, die es in der Realität so nicht gibt“.

Sollte die Regierung an Instrumente für Versorgungssicherheit denken, empfehlen die Gutachter die Einführung einer „strategischen Reserve“, in der (Kohle-)Kraftwerke für den Notfall gegen Entgelt bereitstünden. Das Konzept hatte der BDEW als Übergangslösung empfohlen, um in einem weiteren Schritt einen „dezentralen Leistungsmarkt“ zu entwickeln. Dort erhielten die Kraftwerke nicht nur Geld für den erzeugten Strom, sondern allein dafür, dass sie dazu bereit wären. Der VKU, der das Modell präferiert, hat seinerseits ausrechnen lassen, dass die Verbraucher damit unter dem Strich weniger zahlen müssten.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewirtschaft-droht-stromkunden-ein-neuer-kostenschub-13075076.html

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19.05.2014

Verbraucher tragen Mehrkosten der Industrierabatte

Vier Milliarden Euro – so viel mussten die Verbraucher im vergangenen Jahr mehr berappen. Der Grund: Immer mehr stromintensive Unternehmen müssen die Ökostromumlage nicht mehr zahlen.

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Wegen einer steigenden Zahl von Ausnahmegenehmigungen für Unternehmen bei der Ökostromumlage haben Verbraucher einem Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr hohe Mehrkosten tragen müssen. Die Zusatzkosten hätten sich auf rund vier Milliarden Euro belaufen, berichtete die „Bild“-Zeitung am Montag. Das Blatt berief sich auf die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei.

Dem Bericht zufolge zahlten Privathaushalte im Schnitt zusätzlich 1,04 Cent pro Kilowattstunde. Einem Vierpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von rund 5000 Kilowattstunden im Jahr seien so Mehrkosten in Höhe von etwa 52 Euro entstanden.

Die Ökostromumlage soll der Förderung von Energie aus umweltfreundlichen Quellen dienen. Tausende Firmen sind von der vollen Zahlung befreit. Dies wird oft damit gerechtfertigt, dass sie nur so im internationalen Wettbewerb mithalten könnten. Große Stromverbraucher zahlen oft nur einen Bruchteil der Umlage.

http://www.welt.de/wirtschaft/article128164652/Verbraucher-tragen-Mehrkosten-der-Industrierabatte.html

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04.04.2014

EU knickt im Streit um Ökostrom-Rabatte ein

Das Horrorszenario ist vom Tisch: Brüssel lenkt im Beihilfestreit ein, die deutsche Industrie muss eine milliardenschwere Rückzahlung von Ökostrom-Rabatten wohl nicht mehr fürchten.

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Die EU kommt Deutschland im Streit über Industriestrom-Preisrabatte weiter entgegen. Die Kommission verzichtet auf Rückzahlungen bereits gewährter Industrie-Rabatte, wie aus einem neuen Entwurf für die EU-Beihilfeleitlinien hervorgeht, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Damit scheint Brüssel eine Kernforderung Deutschlands zu erfüllen: Eine Rückzahlung milliardenschwerer Privilegien für 2013 und 2014 hätte nach Einschätzung von Industrieverbänden eine Pleitewelle in Deutschland ausgelöst.

Der neue Entwurf sieht zudem vor, dass die neuen, restriktiveren Regelungen für Ökostrom-Nachlässe erst im Januar 2018 komplett umgesetzt werden müssen. Dafür sollen die Staaten aber einen Anpassungsplan vorlegen, der innerhalb eines Jahres von der Kommission gebilligt werden muss. Um Härten für die Unternehmen zu vermeiden, ist laut dem Entwurf eine „schrittweise Anpassung“ möglich.

Brüssel will weiterhin Strompreis-Rabatte erlauben

Ein Industrievertreter sagte, der komplett neu eingefügte Passus in den Beihilfe-Leitlinien sei auf Druck Deutschlands eingearbeitet worden. „Der Hauptzweck ist, die Industrie vor Rückzahlungen zu schützen und damit hohe Rückstellungen in den Bilanzen zu verhindern.“ Dies hätte für hohe Unsicherheit gesorgt und zu einer Gefährdung der Kreditwürdigkeit einer Reihe von Unternehmen geführt.

Die Kommission wertet die Rabatte von jährlich über fünf Milliarden Euro auf die Umlage zur Ökostrom-Förderung für große Teile der Industrie als unerlaubte Beihilfe. Sie hat deswegen auch ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet. Parallel arbeitet sie an den neuen Beihilfe-Leitlinien für die Jahre 2014 bis 2018. Diese sollen in der nächsten Woche beschlossen werden.

Deutschland wiederum will ebenfalls in der kommenden Woche eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Bundeskabinett verabschieden. Darin müssen auch die Industrie-Rabatte geregelt werden, die Deutschland verteidigt, weil es sonst Nachteile für große Stromverbraucher im internationalen Wettbewerb befürchtet.

Rabatte gehen Gabriel nicht weit genug

Im Leitlinien-Entwurf werden zwar auch weiterhin Rabatte erlaubt. Sie gehen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) aber vor allem für die besonders energieintensiven Branchen wie Aluminium oder Kupfer noch nicht weit genug.

Ein Einigungsversuch am Mittwoch mit Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia war gescheitert. Der für die Energiewende zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Rainer Baake, hatte erklärt, voraussichtlich würden „einige Hundert“ der über 2100 bislang begünstigten Unternehmen in Zukunft eine höhere EEG-Umlage zahlen müssen.

Industrieverbände wollten sich zu dem angebotenen Kompromiss aus Brüssel noch nicht äußern. Sie verwiesen auf geplante Statements auf der Hannover Messe Industrie, die am kommenden Montag beginnt.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article126572376/EU-knickt-im-Streit-um-Oekostrom-Rabatte-ein.html

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18.03.2014

Safthersteller haben’s gut

In den Streit zwischen Deutschland und der EU-Kommission um die Umlage für erneuerbare Energien (EEG) kommt Bewegung: Kommissar Almunia will Sonderregeln erlauben. Die Höhe der Belastung für Firmen wird begrenzt.

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Im Streit zwischen der EU und der Bundesregierung um die Ausnahmen von der Ökostrom-Umlage für Unternehmen zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Printausgabe des Handelsblatts und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichten am Dienstag, EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wolle für 65 energieintensive Industriezweige auch weiterhin eine Sonderbehandlung erlauben. Ein sich abzeichnender Kompromiss wäre auch ein politisch wichtiger Erfolg für Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Die Zeitungen berufen sich auf einen internen Entwurf der neuen EU-Beihilfeleitlinien. Auf drei Seiten seien die Branchen aufgelistet – sie reichten von Aluminium-, Stahl- und Zinkproduzenten über Sägemühlen, Fruchtsafthersteller bis hin zu Plastik- und Zementproduzenten.

Die Betriebe der genannten 65 Branchen sollen sich dem Kompromiss-Entwurf zufolge aber mit einem Fünftel an der Ökostromumlage beteiligen. Das wären aktuell 1,2 Cent je Kilowattstunde. Allerdings sehe der Entwurf auch Ausnahmen vor: Die Mitgliedstaaten sollen den Beitrag der energieintensiven Betriebe abhängig von der Wertschöpfung des Unternehmens weiter begrenzen können.

Laut Handelsblatt soll die absolute Höhe der Belastung bei 2,5 Prozent der Bruttowertschöpfung gedeckelt werden. Außerdem habe man sich darauf geeinigt, bestehende Anlegen, mit denen Unternehmen selbst Strom erzeugen, auch künftig nicht mit der EEG-Umlage zu belasten.

Almunia bestätigte am Dienstag, dass er die Sonderbehandlung weiter erlauben will. „Wir versuchen herauszufinden, welche Sektoren dies bekommen und welche Begünstigungen wir vorsehen können“, sagte der Wettbewerbskommissar im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel. Es stünden noch zwei Sitzungen mit Branchenvertretern sowie Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten – darunter Deutschland – an. Die Kommission bewerte den Stromverbrauch und die Wettbewerbssituation. „Nach diesen beiden Kriterien stellen wir dann eine Liste von Sektoren auf“, erklärte Almunia.

Berlin und Brüssel streiten seit Wochen um die Rabatte für Unternehmen beim Strompreis. Deutschland rechtfertigt sie mit dem internationalen Wettbewerb, in dem energieintensive Unternehmen stehen. Die EU-Kommission vermutet Verstöße gegen das europäische Recht, das Staatshilfen verbietet. Wegen dieser Regelung hatte die EU-Kommission im Dezember ein Untersuchungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/kompromiss-bei-oekostrom-umlage-safthersteller-habens-gut-/9631106.html

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16.03.2014

Streichung von EEG-Ausnahmen

BDI warnt vor Wegfall von mehreren hunderttausend Jobs

Ein Wegfall der Industrie-Ausnahmen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) könnte nach Berechnungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) enormen Schaden anrichten: Bis 2020 würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um fünf Prozent niedriger ausfallen, heißt es in der Stellungnahme des BDI für die EU-Kommission zum laufenden Beihilfeverfahren. Die Stellungnahme liegt dem Handelsblatt (Montagausgabe) vor.

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Der Wegfall der Ausnahmen „würde voraussichtlich einen Verlust von mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen allein bei energieintensiven Unternehmen in Deutschland bewirken“, warnt der Verband. Hinzu käme ein Verlust von Arbeitsplätzen bei Unternehmen, die den energieintensiven Industrien in der Wertschöpfungskette vor- oder nachgelagert seien. Ohne die Ausnahmen würden einige besonders stromintensive Unternehmen zwangsläufig Defizite schreiben, warnt der BDI. „Insolvenzen oder Betriebsverlagerungen ins Ausland, zumindest aber die Beschleunigung eines ohnehin bereits stattfindenden, schleichenden Desinvestitionsprozesses wären daher unausweichliche Folge“, schreibt der Verband weiter.

Der BDI kämpft mit seiner Stellungnahme für den Erhalt der Ausnahmen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hält sie für ungerechtfertigte Beihilfen und hat deshalb im Dezember 2013 ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland eröffnet. Die Ausnahmeregeln des EEG führen dazu, dass die EEG-Umlage in diesem Jahr für 2098 Unternehmen stark reduziert wird. Die Entlastungen summieren sich auf gut fünf Milliarden Euro. Um diesen Betrag erhöht sich die EEG-Umlage für alle anderen Stromverbraucher.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/streichung-von-eeg-ausnahmen-bdi-warnt-vor-wegfall-von-mehreren-hunderttausend-jobs/9622878.html

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11.02.2014

Hunderte weitere Unternehmen entlastet

Über 2000 Unternehmen sind laut Medienberichten von der EEG-Umlage befreit. Die Ausnahmesummen beziffern sich auf über 5 Milliarden Euro – Wettbewerbsverzerrung, sagt die Europäische Kommission.

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Die Zahl der Unternehmen, die von der Umlage nach dem Erneuerbar-Energien-Gesetz (EEG) entlastet werden, steigt in diesem Jahr von 1720 auf 2098. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Demnach erhalten dieses Jahr 2098 Unternehmen mit 2779 Abnahmestellen einen Abschlag von der sogenannten EEG-Umlage. Vergangenes Jahr profitierten 1720 Unternehmen und 2299 Abnahmestellen.

Die Wirtschaft wird dem Bericht zufolge mit der besonderen Ausgleichsregelung dieses Jahr um 5,1 Milliarden Euro entlastet. Das wäre gut eine Milliarde Euro mehr als im vergangenen Jahr. Der EU-Kommission sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung. Sie hat ein Beihilfeverfahren eingeleitet.

Die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms müssen Privathaushalte und Unternehmen zahlen. Energieintensive Betriebe sind ausgenommen oder bekommen Rabatte. Die Zahl der Ausnahmen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Dadurch nimmt die Belastung für die Privathaushalte zu.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/eeg-umlage-hunderte-weitere-unternehmen-entlastet/9462616.html

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04.02.2014

Deutsche Strompreise 48 Prozent über EU-Schnitt

Viele Ziele der Energiewende sind kaum noch erreichbar. Die Regierung scheiterte damit, die Industrie im internationalen Wettbewerb nicht zu benachteiligen. Auch die Preisstabilität ist unrealistisch. Von Daniel Wetzel

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Die Energiewende hat sich im vergangenen Vierteljahr noch weiter von ihrem Erfolgspfad entfernt. Das ergibt die Auswertung des neuesten „Energiewende-Index“ der Unternehmensberatung McKinsey.

Die Bundesregierung ist demnach insbesondere mit ihrem Plan gescheitert, die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb durch die Energiewende nicht weiter zu benachteiligen.

So sind die Industriestrompreise im ersten Halbjahr 2013 nach Beobachtung von McKinsey um sieben Prozent gestiegen auf nunmehr 11,23 Cent pro Kilowattstunde: „Ein wichtiger Treiber hierfür war der Anstieg der EEG-Umlage, von der die Industrie nur teilweise befreit ist“, stellen die Studienautoren Thomas Vahlenkamp, Matthias Gohl und Michael Peters fest.

Industriestrom im EU-Ausland billiger geworden

Die Strompreise für die deutsche Industrie liegen nunmehr 19 Prozent über dem EU-Durchschnitt, der im selben Zeitraum um ein Prozent auf 9,43 Cent pro Kilowattstunde gesunken ist.

Damit ist der Wettbewerbsnachteil der deutschen Industrie gegenüber europäischen Konkurrenten größer geworden. Das Ziel, die Wettbewerbsposition beim Industriestrompreis gegenüber 2008 nicht weiter zu verschlechtern, ist damit auf „unrealistisch“ gefallen.

McKinsey überprüft seit 2012 vierteljährlich 15 Zieldaten zur Energiewende, die von der Bundespolitik bislang vorgegeben worden sind. Nach der aktuellen Einschätzung der Unternehmensberatung sind inzwischen von den 15 Zielen nur noch sechs „realistisch“ erreichbar.

Dazu gehört der von der Bundesregierung geplante Ausbau der Solarstromerzeugung in Deutschland: Hier wird das politisch vorgegebene Ziel derzeit sogar zu 43 Prozent übererfüllt.

Auch das Ziel, die Stromversorgung ohne Ausfälle stabil zu halten, gilt noch als erreichbar: Nach den jüngsten Daten waren die Deutschen im Jahresdurchschnitt nur für rund 16 Minuten von Stromausfällen betroffen.

Preis 48 Prozent über EU-Durchschnitt

Das Ziel, die Arbeitsplätze in stromintensiven Industrien zu erhalten, gilt ebenfalls noch als realistisch: Ein größerer Jobverlust war gegenüber dem zuletzt betrachteten Zeitraum nicht erkennbar. „Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die für neue Arbeitsplätze notwendigen Investitionen, zum Beispiel der Chemieindustrie, sich zum Teil bereits deutlich zugunsten der USA verschoben haben“, warnen die Studienautoren: „Der Arbeitsplatzeffekt wird sich erst über Zeit einstellen.“

Für unrealistisch halten die Energieexperten von McKinsey auch das Ziel, die Haushaltsstrompreise stabil zu halten. „Der Abstand zum EU-Durchschnitt nimmt zu“, heißt es in der Analyse: Während die Durchschnittspreise in Deutschland mit 29,71 Cent pro Kilowattstunde leicht über den Werten des letzten Quartals liegen, sind die Preise im EU-Durchschnitt von 20,33 auf 20,01 Cent gefallen.

„Die deutschen Preise bewegen sich somit 48 Prozent oberhalb des europäischen Durchschnitts“, stellt das Gutachten fest: „Für 2014 ist durch die Steigerung der EEG-Umlage mit einem weiteren Anstieg der Haushaltsstrompreise zu rechnen.“

In Richtung Politik empfiehlt McKinsey angesichts der hohen Zielabweichungen, bei den aktuellen Verhandlungen über die Energiewende einen besonderen Fokus auf die Wirtschaftlichkeit der weiteren Entwicklung zu legen: „Erhalt der Arbeitsplätze, Sicherstellung der Investitionen in energieintensive Produktion und Begrenzung weiterer Kostensteigerungen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article124505275/Deutsche-Strompreise-48-Prozent-ueber-EU-Schnitt.html

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07.01.2014

Netzbetreiber warnt vor hohen Kapazitäts-Kosten

Tennet lehnt einen von den Kraftwerksbetreibern ins Spiel gebrachten Zertifikatehandel ab. Dieser belaste nur den Endverbraucher und biete keine Anreize. Stattdessen soll ein „Fangnetz“ für Versorgungssicherheit sorgen.

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet warnt vor hohen Kosten für die Bereithaltung von Kraftwerkskapazitäten. „Wir betrachten Kapazitätsmärkte skeptisch, weil wir der Überzeugung sind, dass es bessere Lösungen gibt. Und wenn man Kapazitätsmärkte einmal eingerichtet hat, ist der Weg zurück schwierig“, sagte Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet, dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).

Die sogenannten Kapazitätsmärkte sind eine Forderung der Kraftwerksbetreiber. Da wegen des zunehmenden Anteils an regenerativer Energie immer mehr fossile Kraftwerke unrentabel werden, wollen sie einen Handel mit Zertifikaten für Versorgungssicherheit einführen, um einen Sockel an fossilen Kraftwerken zu erhalten und so die Stromversorgung zu stabilisieren.

Bei den gängigen Kapazitätsmarktmodellen zahlen die Stromverbraucher für die Sicherheit der Versorgung. Es fehlt somit jeder Anreiz der Stromerzeuger, den Kapazitätsmarkt klein zu halten“, warnte Hartman. Der Manager sieht die Gefahr, „dass der Kapazitätsmarkt von Jahr zu Jahr wächst“. Das könne „sehr teuer“ werden. Hartmann ist überzeugt, dass sich „die Sicherheit der Stromversorgung billiger und besser gewährleisten lässt“.

Tennet bringt ein neues Modell ins Spiel: Der Netzbetreiber plädiert dafür, ein „Fangnetz“ zu errichten, das nur im Notfall aufgespannt wird. Der große Unterschied zu den gängigen Kapazitätsmarktmodellen: Es zahlen diejenigen Stromhändler und Stromlieferanten für die Fangnetzkapazitäten, die sie auch in Anspruch nehmen – und nicht der Endverbraucher. „Dadurch entsteht der Anreiz, das Fangnetz möglichst nicht zu verwenden“, sagte Hartman. Wird das Fangnetz nicht in Anspruch genommen, werden die Kosten für die Vorhaltung der Leistung auf alle Marktteilnehmer umgelegt.

Der Tennet-Vorstoß fußt auf einer Studie des Beratungsunternehmens E-Bridge-Consulting, die dem Handelsblatt vorliegt.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/versorgungssicherheit-netzbetreiber-warnt-vor-hohen-kapazitaets-kosten/9299454.html

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07.01.2014

Sinkende Energiepreise, taumelnde Versorger

Die Strompreise für den Großhandel sinken im laufenden Jahr voraussichtlich das vierte Mal in Folge. Die Versorger stocken die Kapazität von Kohle-Kraftwerken so stark auf wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.

Auch wenn die Verbraucher davon wieder ein Mal wenig merken werden: In Deutschland wird Energie immer billiger. So soll der Terminkontrakt auf Elektrizität zur Lieferung in 2014 um durchschnittlich rund sechs Prozent niedriger notieren als 2013. Dieses Ergebnis ist der Mittelwert von neun Schätzungen, die Analysten und Händler abgegeben haben und die Bloomberg News zusammengestellt hat.

Die Ausweitung der Erzeugungskapazität wird zu einem Angebot von 17 Prozent über der Spitzennachfrage führen,“ so die Einschätzung der Investmentbank Bryan Garnier & Co. in Paris. Seit 2010 ist der deutsche Strompreis auf dem Großhandelsmarkt um 32 Prozent eingebrochen.

Vor allem die Rekord-Stromproduktion aus Wind und Sonnenkraft drückte bisher auf den Preis. Denn die  Nachfrage ist so schwach wie seit vier Jahren nicht. Jetzt kommen zusätzliche Kapazitäten aus Kohlekraftwerken hinzu.

Da sich aber auch der Kohlepreis auf dem niedrigsten Niveau seit 2009 bewegt, sehen sich die Versorger veranlasst, konventionelle Kraftwerke zu bauen. Eon und RWE, die beiden größten deutschen Stromerzeuger, werden laut Analystenprognosen daher auch in diesem Jahr einen Gewinnrückgang berichten.

Die Erzeugungskapazität wird im laufenden Jahr um 9,4 Gigawatt wachsen, was 5,3 Prozent des aktuellen Angebots entspricht, prognostiziert Energy Brainpool. Die Kapazität bei erneuerbaren Energien wird demzufolge um 5,1 Gigawatt zunehmen, der Rest des Anstiegs soll vor allem auf Kohlekraftwerke entfallen. In den nächsten zwei Jahren sollen insgesamt acht Steinkohlekraftwerke ans Netz gehen, berichtet die Bundesnetzagentur.

Es ist ein ziemlich düsteres Bild“, sagt Vincent Gilles von Crédit Suisse Group in London: „Die Fundamentaldaten bei den Strompreisen deuten nicht auf eine Besserung in den nächsten 24 Monaten hin.“

Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht in Sicht: Im Jahr 2013 ist der Strom-Kontrakt für das Folgejahr um 19 Prozent eingebrochen auf 36,80 Euro je Megawattstunde. Am Donnerstag schloss der Kontrakt bei 35,90 Euro und damit auf dem niedrigsten Schlussstand seit März 2005, wie von Bloomberg zusammengestellte Broker-Daten zeigen.

Laut der Umfrage wird der Benchmark-Kontrakt im laufenden Jahr bei durchschnittlich 36,60 Euro notieren, verglichen mit 39,06 Euro im vergangenen Jahr. Nach Einschätzung von Konstantin Lenz, geschäftsführender Direktor von Lenz Energy in Berlin, dürfte der Strompreis bis auf 34 Euro absinken – das wäre der niedrigste Stand seit einem Jahrzehnt.

Die Preise werden weiterhin fallen, da wir immer noch ein Überangebot haben“, sagte Frank Woskowski, Stromhändler bei der AVU für Versorgungs-Unternehmen in Gevelsberg. „Wir bauen Sonnen- und Windkraftproduktion aus und gleichzeitig gehen auch mehr Kohlekraftwerke ans Netz.“

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/strom-sinkende-energiepreise-taumelnde-versorger/9286252.html

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01.01.2014

Steigende Strompreise treffen Arme hart

Die Energiewende bringt Hartz-IV-Empfänger in finanzielle Bedrängnis. Die Kosten für den Strom übersteigen die staatlichen Leistungen. Wie Kunden den günstigsten Tarif finden.

Die steigenden Strompreise bringen einkommensschwache Haushalte nach einem Pressebericht in finanzielle Schwierigkeiten. Bei den 3,3 Millionen Hartz-IV-Haushalten werde die monatliche Stromrechnung im kommenden Jahr um gut ein Fünftel höher ausfallen als die staatlichen Leistungen für die Elektrizität, meldete die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag unter Berufung auf eine Untersuchung des Energie-Vergleichsportals Verivox. Etwa ein Drittel der 1100 Versorger haben demnach angekündigt, die Preise im neuen Jahr um durchschnittlich drei Prozent zu erhöhen.

Im neuen Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger in Höhe von 391 Euro im Monat sind 32,69 Euro für Strom sowie das Instandhalten der Wohnung vorgesehen. Das reiche jedoch nicht aus, schreibt die „SZ“ mit Verweis auf die Berechnungen von Verivox: So zahlt ein Single-Haushalt mit 1500 kWh Jahresverbrauch von Januar 2014 an durchschnittlich 473 Euro im Jahr, monatlich also 39,42 Euro und damit mehr als der Staat für Hilfsbedürftige im Bereich Strom zahlt. Dabei seien Kosten für Reparaturen in der Wohnung noch nicht berücksichtigt.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, sagte dem Blatt: „Strom- und Heizkosten sind ein echtes Armutsrisiko geworden.“ Er beziffert die Unterdeckung bei den Stromkosten von Hartz-IV-Empfängern auf jährlich 90 bis 280 Euro, je nach Haushalt.

Die Strompreise haben sich dem Bericht zufolge im Bundesdurchschnitt seit 2005 um 44 Prozent erhöht. Ein Grund für die jüngsten Erhöhungen ist die EEG-Umlage, mit der die Verbraucher die Ökowende finanzieren. Sie stieg zuletzt von 5,3 auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Die große Koalition will das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in der ersten Jahreshälfte 2014 reformieren.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/nachrichten/energiepreise-steigende-strompreise-treffen-arme-hart/9275496.html

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19.12.2013

Strom in Deutschland viel teurer als im EU-Schnitt

Teuer, teurer, Deutschland: Verbraucher müssen hierzulande deutlich mehr Geld für Strom bezahlen als in anderen Eu-Staaten. Das berichtet die Statistikbehörde Eurostat. Einziger Ausweg: der Anbieterwechsel.

Für ihren Strom müssen Privatkunden in Deutschland einer Studie zufolge deutlich mehr zahlen als meisten anderen Verbraucher in Europa. Das Berliner Vergleichsportal TopTarif ermittelte auf Basis von Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat, dass die Preise in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr knapp 46 Prozent über dem EU-weiten Durchschnitt lagen.

Ein dreiköpfiger Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) müsse in Deutschland durchschnittlich rund 1022 Euro für Strom zahlen. Der EU-Schnitt liege bei etwa 700 Euro. In Frankreich zahlten Verbraucher in diesem Jahr 515 Euro für 3500 kWh – nur etwa halb so viel wie in Deutschland.

Im kommenden Jahr dürfte Strom noch teurer werden: Angesichts höherer Umlagen auf den Strompreis und vielerorts steigender Netzentgelte sei auch in den kommenden Monaten mit weiteren Erhöhungen zu rechnen, hieß es. Allein zum Jahreswechsel hätten bereits mehr als 360 Stromversorger weitere Preiserhöhungen von durchschnittlich 3,4 Prozent angekündigt.

http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/energiekosten-im-vergleich-strom-in-deutschland-viel-teurer-als-im-eu-schnitt_id_3495392.html

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06.12.2013

Hunderte Unternehmen zusätzlich von EEG-Umlagen befreit

Eigentlich sollten künftig weniger Unternehmen von der EEG-Umlage befreit werden. Doch im nächsten Jahr steigt die Zahl. Nach Informationen der F.A.Z. werden mehr als 2700 Unternehmen in den Genuss einer Befreiung kommen.

Die Zahl der von Umlagen zur Finanzierung des Ökostroms befreiten Unternehmen steigt im nächsten Jahr deutlich an, obwohl Union und SPD im Koalitionsvertrag das Gegenteil verabredet haben. Nach Informationen der F.A.Z. werden 2014 mehr als 2700 Betriebsstellen in den Genuss einer Befreiung von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) kommen. Das wären etwa ein Fünftel mehr als in diesem Jahr.

Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bestätigte am Freitag, dass die Unternehmen, die 2014 mit einer Bevorzugung bei den Stromkosten rechnen könnten, in diesen Tagen die schriftlichen Bescheide erhielten. Die Zahl der bevorzugten Abnahmestellen wurde mit 2700 bis 2800 angegeben. Das wären 400 bis 500 mehr als jene 2300, denen das Bafa dieses Jahr eine Reduzierung der EEG-Umlage bewilligt hatte.

Unklar ist noch, wie hoch der Betrag ausfällt, um den die Stromrechnung der Unternehmen nächstes Jahr reduziert wird. Beantragt worden war eine Kürzung in Höhe von 5,1 Milliarden Euro. Das wäre eine Milliarde Euro mehr, als dieses Jahr an indirekten Hilfen gewährt wird. Die Hilfen werden innenpolitisch und von der EU angegriffen, weil sie zu Kostenverlagerungen und Wettbewerbsverzerrungen führen. Denn der Betrag, um den die Unternehmen in der Ökostromförderung entlastet werden, schlägt sich bei kleinen Gewerbetreibenden und Privathaushalten als zusätzliche Belastung in der EEG-Umlage nieder. Deshalb wollen Union und SPD, so sie gemeinsam eine Koalition bilden, die Zahl der Befreiungen „prüfen“.

EU will einschreiten

Die EU wiederum wittert in der Bevorzugung der Großverbraucher eine Bevorzugung und Wettbewerbsverzerrungen gegenüber ausländischen Anbietern.

Sie will deshalb noch vor Weihnachten ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland in Gang zu setzen, an dessen Ende das Verbot oder die Einschränkung der Entlastungen der Industrie stehen könnte. Das wollen die alte und die neue Bundesregierung verhindern, weil dann Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen könnten.

Aus Sorge vor Sanktionen der EU-Kommission, wurden die Bescheide über die Ökostrom-Entlastung im kommenden Jahr diesmal vorzeitig verschickt – als eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Statt wie üblich die Zusagen für das nächste Jahr erst nach Weihnachten auszustellen und zu verschicken, kommen die Bescheide dieses Jahr schon an Nikolaus. Die Bundesregierung hatte das federführende Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gebeten, die Bescheide für das Jahr 2014 früher als sonst zu versenden. Das ist aus zwei Gründen bedeutsam: Einerseits, weil die Zahl der positiven Bescheide über eine reduzierte EEG-Umlage stark wächst, zum anderen, weil die Regierung mit dem Versand der Bescheide der EU-Kommission zuvorkommt, die die Hilfen zu Fall bringen will. Das Ausfertigen und Versenden der Bescheide nach der „besonderen Ausgleichsregelung“ für 2014 kann die EU demnach schon einmal nicht mehr verhindern.

Mit Vorliegen der Bescheide für 2014 gebe es in den Betrieben nun zumindest eine „gewisse Rechtssicherheit“ für das nächste Jahr, hießt es in Kreisen der betroffenen Unternehmen. Immerhin könne man sich nun auf rechtsgültige Bescheide einer Bundesbehörde berufen. Das ist verbunden mit der Erwartung, dass nun auch die Wirtschaftsprüfer ungeachtet der Brüsseler Ungewissheiten nicht darauf bestehen werden, dass die Unternehmen Rückstellungen für etwaige spätere Rückzahlungen bilden müssten. Die könnten dreistellige Millionenhöhe erreichen und Betriebe in die Insolvenz führen.

Entscheidung auf Basis des alten Rechts

Weil die Entlastung der Großbetriebe aber zu einer zusätzlichen Belastung kleiner Verbraucher führt, hatten Union und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung angekündigt, sie wollten die Ausnahmen reduzieren und „prüfen“. Allerdings agiert die geschäftsführende Regierung, auch der in dem Fall beim Bafa federführende Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), auf Basis des alten Rechts.

Das haben mehr Betriebe als je zuvor genutzt, um eine Reduzierung der EEG-Umlage im nächsten Jahr zu erwirken. Das Bafa berichtet von Anträgen für 3485 Abnahmestellen. Davon seien „2700 bis 2800“ bewilligt worden. 2011 waren von 890 Anträgen auf Ausnahmen vom EEG 818 bewilligt worden, 2012 von 1137 Anträgen 979, voriges Jahr wurden von 3184 Anträgen in 2299 Fällen zugestimmt.

Unklar ist die Höhe der Entlastung der Stromrechnung der Betriebe. Gemessen an den Anträgen, wären es 5,1 Milliarden Euro, mehr als ein Fünftel jener 23,6 Milliarden Euro, die die EEG-Umlage 2014 betragen soll.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiewende-hunderte-unternehmen-zusaetzlich-von-eeg-umlagen-befreit-12698577.html

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22.11.2013

Bis zu 13,7 Prozent teurer – 276 Stromversorger erhöhen die Preise

Eine Welle von Preiserhöhungen steht den Stromkunden bevor. Fast 280 Stromanbieter verlangen zum Jahreswechsel mehr. Um bis zu 13,7 Prozent werden die Stromrechnungen steigen. Immerhin: Neun Energieversorger wollen ihre Preise senken.

Der Anstieg der Strompreise in Deutschland findet kein Ende. Zum ersten Januar 2014 wird Strom bei 276 Energieversorgern teurer. Das ergaben Recherchen des Verbraucherportals Verivox. Im Schnitt müssen deren Kunden dann 3,4 Prozent mehr zahlen. Für einen Beispielhaushalt bestehend aus einer drei- bis vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutete dies Mehrkosten von 39 Euro im Jahr.

152 Euro höhere Kosten

Richtig teuer wird es für Kunden der Elektrizitätswerke Diessen Stadler (Grundversorgung)  in Bayern. Das Unternehmen verlangt ab dem kommenden Jahr 13,7 Prozent mehr – die 4000-Kilowattstunden-Familie müsste dort jährlich 152 Euro mehr zahlen. Auch bei den den Technischen Werken Ludwigshafen (plus 113 Euro) und den Verbandsgemeindewerken Enkenbach-Alsenborn (plus 112 Euro) schießen die Kosten für den Beispielhaushalt in den Grundversorgungstarife nin die Höhe.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch. Immerhin neun Anbieter werden die Strompreise im Januar senken. Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden sinken die Ausgaben pro Haushalt bei diesen Anbietern um bis zu 77 Euro im Jahr. Spitzenreiter sind die Stadtwerke Barth (Grundversorgung) in Mecklenburg-Vorpommern.

http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/bis-zu-13-7-prozent-teurer-245-energieversorger-erhoehen-im-januar-die-preise_id_3419528.html

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17.11.2013

So teuer wird Strom 2014 in Deutschland

152 Stromanbieter haben bereits höhere Preise angekündigt. Bis zu neun Prozent wird es teurer – ein Haushalt muss im Schnitt 100 Euro mehr zahlen. Besonders hart trifft es Hessen und Thüringen. Von Kathrin Gotthold

Strom wird 2014 richtig teuer. Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden muss damit rechnen, noch einmal über 100 Euro im Jahr mehr zu zahlen. Und das, nachdem die Stromversorger bereits zum vergangenen Jahreswechsel die Preise im Schnitt um elf Prozent angehoben hatten. Das geht aus Daten des Vergleichsportals Verivox hervor, die der „Welt“ vorliegen.

Besonders hart trifft es demnach im nächsten Jahr Verbraucher in Hessen und Thüringen (siehe Karte). Als Gründe für die steigenden Stromkosten gelten die Erhöhung der EEG-Umlage, die Abgabe aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) sowie die Umlage für abschaltbare Lasten, die die Konzerne an ihre Kunden weitergeben.

Eine weitere unsichere Komponente stellen Netznutzungsentgelte dar: Noch ist unklar, wie stark sich dieser Posten für die Stromversorger verteuern wird, darauf weist das Vergleichsportal Check24 hin. Die endgültigen Zahlen stehen demnach erst ab dem 1. Januar 2014 fest. Sicher scheint jedoch, dass die Unternehmen auch diese Kosten an ihre Kunden weitergeben wollen. Einige Stromanbieter – darunter auch der Energieriese RWE – haben bereits angedeutet, die Strompreise nicht über das ganze Jahr stabil halten zu wollen.

Versorger müssen höhere Preise früh ankündigen

Bis Sonntag haben 152 Anbieter angekündigt, die Preise ändern zu müssen. Laut den Daten von Verivox können sich lediglich Kunden von vier Gesellschaften über Preissenkungen freuen. Alle anderen müssen mehr zahlen. Im Schnitt schlagen die Versorger 3,2 Prozent auf, in der Spitze jedoch sind es 8,8 Prozent. Eine Erhöhung von 3,2 Prozent schlägt sich bei einem durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden mit 37 Euro nieder. Ein Plus von 8,8 Prozent jedoch entspricht 109 Euro.

Dass die Konzerne gerade jetzt mit schlechten Nachrichten an ihre Kunden herantreten, geschieht nicht zufällig: Versorger sind verpflichtet, sechs Wochen vor einer Preisänderung ihre Kunden über diese zu informieren. Wer zum 1. Januar 2014 die Preise anheben will, muss das in den kommenden Tagen angekündigt haben. Wann genau, darüber herrscht juristische Uneinigkeit.

Allgemein halten sich die Konzerne daran, bis zum 15. November Stellung zu beziehen, sagt Dagmar Ginzel von Verivox. „Doch einige Versorger interpretieren die Frist anders und gehen davon aus, dass eine Ankündigung bis zum 20. November ausreichend ist“, sagt die Tarifexpertin.

Vattenfall ist bei einer Preisrunde bereits gescheitert

Paragraf 5 Absatz 2 der Stromversorgungsgrundverordnung (beziehungsweise die Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Sondervertragskunden) besagt: „Änderungen der Allgemeinen Preise und der ergänzenden Bedingungen werden jeweils zum Monatsbeginn und erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam, die mindestens sechs Wochen vor der beabsichtigten Änderung erfolgen muss.“ Weiter heißt es: „Der Grundversorger ist verpflichtet, zu den beabsichtigten Änderungen zeitgleich mit der öffentlichen Bekanntgabe eine briefliche Mitteilung an den Kunden zu versenden und die Änderungen auf seiner Internetseite zu veröffentlichen.“

Am zweiten Teil der Regelung ist im vergangenen Jahr der Anbieter Vattenfall mit einer beabsichtigten Strompreiserhöhung gescheitert. Weil er seine Kunden nur per Mail und nicht wie vorgeschrieben per Brief benachrichtigte, konnte er nicht voll umfänglich bereits zum Jahreswechsel die Preise erhöhen.

Nicht nur wegen dieses Lernprozesses wird sich der Kreis der Strompreiserhöher aller Voraussicht nach weiter vergrößern: Bei Check24 geht man davon aus, dass einige Unternehmen insbesondere in den ersten Monaten des Jahres mit Preiserhöhungen nachziehen werden. Dagmar Ginzel von Verivox verweist darauf, dass zwar mehrere Stromanbieter angekündigt haben, ihre Preise zum Jahreswechsel stabil halten zu wollen.

Ein großer Teil sind Steuern und Abgaben

Man könne jedoch davon ausgehen, dass auch diese Unternehmen die erhöhten Kosten im Laufe des Jahres 2014 weitergeben werden. Daran ändere auch der stetig sinkende Börsenstrompreis nichts – zumal die staatlichen Abgaben kontinuierlich ansteigen.

Gut die Hälfte des Strompreises machen mittlerweile Steuern und Abgaben aus. Insbesondere die Förderung der erneuerbaren Energien in Form der EEG-Umlage gilt vielen als Preistreiber. Sie erhöht sich zum Jahreswechsel von 5,28 auf 6,23 Cent pro Kilowattstunde.

Wer dieser Tage einen Brief von seinem Stromanbieter über Preiserhöhungen erhält, muss die Anhebung jedoch nicht einfach hinnehmen. Alle, die noch nie ihren Stromversorger gewechselt haben, können ohne Rücksicht auf Fristen ohnehin vom Grundversorger zu einem – meist günstigeren – alternativen Anbieter wechseln. Dafür reicht es, sich einen neuen Stromkonzern zu suchen. Der Neue kümmert sich dann um alle Formalitäten, die zu einem Wechsel gehören.

Kunden steht Sonderkündigungsrecht zu

Wer schon einmal gewechselt hat, steckt meist in einem Vertrag mit längerer Laufzeit. Doch bei Preiserhöhungen steht Kunden ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht zu. Das regelt ebenfalls Paragraf 5 der Stromversorgungsgrundverordnung. Kunden müssen aber schnell reagieren, da innerhalb eines Monats gewechselt werden muss, um wirksam zu kündigen.

Bei der Wahl eins neuen Stromanbieters helfen Onlineportale wie Verivox, Check24, Toptarif oder auch Hauspilot. Verbraucher haben bei der Suche nach dem passenden Stromversorger eine immer größere Auswahl, hat jüngst das Vergleichsportal Toptarif im Rahmen einer bundesweiten Wettbewerbsanalyse herausgefunden. Ergebnis der Studie: Der Wettbewerb um private Stromkunden hat sich seit 2009 nahezu verdoppelt. Während einem durchschnittlichen Haushalt vor vier Jahren noch 68 Stromanbieter vor Ort zur Verfügung standen, ist die Zahl der möglichen Alternativen mittlerweile auf 135 gestiegen.

Die größte Auswahl beim Wechsel des Stromanbieters haben demnach Haushalte in Bayern mit durchschnittlich 145 vor Ort verfügbaren Wettbewerbern. Auch in Thüringen (144), Brandenburg (141) und Sachsen (140) ist die Wettbewerbsdichte vergleichsweise hoch. In Hessen werben im Schnitt 125 Anbieter um Stromkunden.

Verbraucherschützer warnen vor Vorauskasse

Bei der Wahl des neuen Anbieters sollten Kunden aber nicht ausschließlich nach dem Preis gehen. Insbesondere von Tarifen mit Vorauskasse, (nicht passgenauen) Tarifen mit festen Strommengen oder Boni raten Verbraucherschützer ab.

Achtung auch vor Verträgen, die eine Preisgarantie enthalten. Denn was sich zunächst gut anhört, schützt nicht automatisch vor höheren Stromkosten. Oft nämlich wird nur der Strompreis allein von der Garantie erfasst. Bei einer eingeschränkten Garantie sind Kunden jedoch nicht bei Änderungen von Steuern und Abgaben abgesichert. Nur wenn Anbieter umfangreiche Preisgarantien für mindestens zwölf Monate anbieten, frieren sie das aktuelle Preisniveau ein.

http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article121990696/So-teuer-wird-Strom-2014-in-Deutschland.html

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06.11.2013

Ilse Aigner stemmt sich gegen Altmaiers Strom-Plan

Das CDU-geführte Umweltministerium plant, ganze Industriezweige nun doch Ökostrom-Umlage zahlen zu lassen. Die CSU wehrt sich nun in Form von Ilse Aigner massiv gegen die Pläne. Die Rabatte müssten bestehen bleiben.

Die CSU wendet sich entschieden gegen die Pläne des CDU-geführten Bundesumweltministeriums zur Kürzung von Industrie-Rabatten bei der Energiewende. „Diese Liste wird nicht Realität werden“, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner FOCUS Online.
Hintergrund ist ein Papier aus dem Ministerium von Peter Altmaier (CDU), nach dem eine ganze Reihe von Industriezweigen wieder zur Zahlung der Umlage zur Ökostrom-Förderung verpflichtet werden soll. „
Ich bin strikt dagegen, die Energiewende auf dem Rücken der Arbeitnehmer in energieintensiven Bereichen auszutragen“, betonte die CSU-Politikerin. „Der Industriestandort Deutschland ist auf bezahlbaren Strom angewiesen.“
Aigner betonte, benötigt werde „dringend“ eine Gesamtreform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), „die einen weiteren Anstieg der Umlage verhindert“. Die bayerische Wirtschaftsministerin, die auch die zuständige Arbeitsgruppe bei den Koalitionsverhandlungen mit leitet, warnt: „
Für unsere energieintensiven Industrien brauchen wir auch in Zukunft Ausnahmen von der EEG-Umlage. Wer Strompreiserhöhungen für energieintensive Industrien fordert, riskiert eine Deindustrialisierung unseres Landes.“

Bisher zahlen Unternehmen weniger als Normalbürger

Unternehmen mit einem besonders hohen Stromverbrauch zahlen derzeit nur 0,05 Cent Ökostrom-Umlage je Kilowattstunde, Normalbürger hingegen im laufenden Jahr 5,23 Cent. Durch die Ausweitung der Industrie-Rabatte steigen für sie die Kosten.

Betroffen von einem Aus für Rabatte wären Altmaiers Papier zufolge vor allem Branchen, bei denen angezweifelt wird, dass sie diese brauchen: In der Nahrungs- und Getränkeindustrie und bei Futterbetrieben könnten 295 Millionen Euro gespart werden, beim Braun- und Steinkohlebergbau 150 Millionen Euro. Auch die Recycling-, Zement- und Ziegelindustrie finden sich auf der Streichliste. Stahlwerke, Aluhütten und Straßenbahnen sollen hingegen weiterhin kaum Ökostrom-Umlage bezahlen, aber etwas mehr als bisher.

http://www.focus.de/politik/deutschland/widerstand-gegen-cdu-plaene-csu-haelt-an-industrie-rabatten-bei-oekostrom-umlage-fest_aid_1150627.html

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05.11.2013

Bund will Industrie Milliarden-Rabatte streichen

Die Bundesregierung will großen Teilen der deutschen Industrie die umstrittene Befreiung von der EEG-Umlage zur Finanzierung der Energiewende streichen. Denn die EU-Kommission droht mit einem Verfahren.

Die Bundesregierung will milliardenschwere Rabatte der Industrie bei den Kosten der Energiewende streichen. Künftig sollen ganze Industriezweige wieder komplett zur Zahlung der Umlage zur Ökostrom-Förderung herangezogen werden, wie aus einem Regierungspapier hervorgeht, das der Nachrichtenagentur Reuters und der Zeitung „Handelsblatt“ am Dienstagabend vorlag.

Das „Handelsblatt“ berichtet, das Regierungspapier liste umfassende Eingriffe in die „Besondere Ausgleichsregelung“ des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf. Demnach soll für folgende Branchen die bisherige Befreiung von der Umlage komplett entfallen: Braun- und Steinkohlebergbau, Gewinnung von Steine und Erden, Zement, Ziegel, Recycling sowie Nahrungs- und Futtermittel. Dies allein würde einen Betrag von fast einer Milliarde Euro ausmachen.

Verdopplung der Mindestbeiträge für die Industrie?

Zudem sieht das Papier vor, das die bisherigen Mindestbeträge, die die Industrie zu zahlen hat, verdoppelt werden. Auch die Bahnen, die ebenfalls nur einen geringen Beitrag leisten müssen, sollen verschärft zur Finanzierung der Energiewende herangezogen werden. Die Bundesregierung will mit diesen Änderungen einem Beihilfeverfahren von Seiten der EU-Kommission begegnen, die die Ausnahmen der Industrie für die Ökostromförderung schon länger im Visier hat.

Aus Andeutungen der Kommission gehe hervor, dass sie auch ein Aus für Branchen wie den Maschinenbau im Sinn habe, heißt es in dem Papier. Um dies zu vermeiden und auch Rückzahlungsforderungen der Kommission von der bislang befreiten Industrie zu verhindern, will die Regierung der EU daher nun in den anderen Punkten entgegenkommen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die beide  Verhandlungsführer in der Arbeitsgruppe Energie in den Koalitionsverhandlungen sind, wollen mit diesen Vorschlägen im Gepäck am Donnerstag zu EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia nach Brüssel reisen.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/eeg-umlage-bund-will-industrie-milliarden-rabatte-streichen-12650252.html

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20.10.2013

EU will deutscher Industrie das Licht ausknipsen

Viele Betriebe lassen sich von der Ökostrom-Umlage befreien. Doch nun schreitet die EU ein – und droht mit Nachzahlungen in Milliardenhöhe. Das würden viele Firmen wohl nicht überleben.

Für die deutschen Stromverbraucher gab es am Dienstag dieser Woche ein böses Erwachen: Elektrizität werde noch teurer, kündigten die Stromnetzbetreiber in ihrer Prognose für das kommende Jahr an. Denn die gesetzliche Umlage zur Subventionierung unwirtschaftlicher Ökostrom-Anlagen steigt rasant weiter, auf nunmehr 6,2 Cent pro Kilowattstunde.

„Die Belastbarkeitsgrenze für Privatverbraucher und Wirtschaft wird damit erreicht“, warnt Thomas Bareiß, energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag.

Das ist nach Auffassung der Industrie noch untertrieben. „Ernsthaft gefährdet“ sei die Wettbewerbsfähigkeit inzwischen, schreibt Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), in einem Brief, der am Sonntag an Spitzenvertreter der Wirtschaft verschickt werden soll und der der „Welt am Sonntag“ vorliegt.

Tatsächlich würden heute schon viele Industriebetriebe unter den gesetzlichen Zusatzkosten der Ökostromförderung zusammenbrechen, wenn sie nicht durch besondere Härtefallregelungen geschützt würden. So sieht etwa die „Stromnetzverordnung“ vor, dass sich Firmen unter bestimmten Voraussetzungen von der Zahlung der Netzentgelte befreien lassen können.

Für einen Betrieb mit hohem Stromverbrauch wie etwa die Aluminiumhütte Trimet in Hamburg bedeutet dieses Privileg eine Ersparnis von 20 Millionen Euro im Jahr – das ist der halbe Jahresgewinn.

Mehr Befreiungs-Anträge als je zuvor

Firmen des produzierenden Gewerbes können sich außerdem auf eine „besondere Ausgleichsregelung“ im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) berufen. Wenn sie bestimmte Verbrauchswerte erreichen, müssen sie kaum noch EEG-Umlage zahlen. Die Industrie hat sich in diesem Jahr damit Kosten von rund 4,8 Milliarden Euro erspart, schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Die Zahl der Unternehmen insgesamt, die versuchen, sich von der Zusatzlast zu befreien, steigt stark. Für 2011 registrierte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) noch 650 Anträge. Für 2013 dagegen gingen 2055 Anträge ein – und für das kommende Jahr liegen jetzt schon 2384 Anträge vor, gab das Bafa am Freitag bekannt.

Die Politik hatte solche Vergünstigungen in den einschlägigen Energiewende-Gesetzen verankert, um Arbeitsplätze im Mittelstand zu schützen und die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb nicht zu benachteiligen. Dass die nicht privilegierten privaten Stromverbraucher dadurch einen größeren Anteil an den Energiewendekosten tragen müssen, nahm sie in Kauf: Der Bürger sollte nur mit seinem Geld, nicht aber gleich auch mit seinem Arbeitsplatz für die Energiewende zahlen müssen, die Qualität des Wirtschaftsstandortes Deutschland sollte nicht gemindert werden.

Der EU sind die Ausnahmen ein Dorn im Auge

Doch mit den Vergünstigungen für deutsche Unternehmen könnte es bald vorbei sein. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia erwägt seit Monaten die Aufnahme eines Verfahrens gegen die Bundesrepublik Deutschland, ließ sich nur aus politischer Zurückhaltung gegenüber dem größten Mitgliedsstaat Zeit mit der Eröffnung bis nach der Bundestagswahl. Ende Oktober fällt nun die Entscheidung.

Der Spanier will die Einspeisevergütungen einer kritischen Prüfung unterziehen, ebenso aber die Ökostrom-Rabatte für die deutsche Industrie. Sie könnten eine Beihilfe darstellen, die gegebenenfalls zu untersagen ist, sollte sie den Wettbewerb in Europa verzerren. Das muss in einem offiziellen Verfahren erst geklärt werden – aber andere EU-Mitgliedsländer wie die Niederlande und Tschechien dringen auf die Untersuchung, sie haben bei der Kommission Klage gegen die deutschen Ökostrom-Rabatte eingereicht.

Tausenden Unternehmen drohen jetzt je nach Ausgang des Verfahrens Nachzahlungen für die EEG-Umlage in Gesamthöhe von mehreren Milliarden Euro. Seit die EU-Pläne ruchbar wurden, seit Beamte aus dem deutschen Wirtschafts- und dem Umweltministerium im vergangenen Herbst nach Gesprächen in Brüssel einen entsprechenden Vermerk mit nach Hause brachten, herrscht unter Industrievertretern blanke Panik.

Eine „Massenpleite“ fürchtet der Chef eines deutschen Wirtschaftsverbandes, der sich in Brüssel neulich über die Gefahr unterrichten ließ, die auf seine Leute möglicherweise zukommt.

Rabatte für Golfplätze und Schlachthäuser

Im schlimmsten Fall nämlich droht nicht nur ein Ende der Ausnahmen, sondern sogar die Rückzahlung bereits gewährter Rabatte. „Wenn die EU jetzt zu dem Ergebnis kommt, dass die Härtefallregelung im EEG nicht rechtens ist, dann war sie das, juristisch betrachtet, in den vergangenen zehn Jahren wohl auch nicht“, sagt ein EU-Jurist in Brüssel. „Das könnte dann Nachzahlungen für all die Jahre zur Folge haben.“

Zwar gibt es eine Reihe von Firmen, die auf Ökostrom-Rabatte und Netzentgeltbefreiungen nicht zwingend angewiesen sind. Gerade Grünen-Politiker schießen sich gern auf Golfplätze oder Schlachthäuser ein, die sich von Netzkosten freistellen ließen, obwohl sie weder im internationalen Wettbewerb stünden noch hilfsbedürftig seien. Doch solche Fälle sind eine kleine Minderheit. Selbst in der Chemieindustrie, die für zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs steht, profitierten in diesem Jahr nur 160 von mehr als 2000 Firmen von der EEG-Härtefallklausel, deutlich weniger als zehn Prozent also. Der Rest zahlt voll.

Zu den Unternehmen, die auf die Härtefallregelung angewiesen sind, gehört zum Beispiel der Gasehersteller Basi Schöberl GmbH aus Rastatt: Die Stromkosten für den mittelständischen Betrieb sind in den vergangenen zehn Jahren um 270 Prozent gestiegen – vor allem wegen der Energiewende.

Falls Brüssel die Härtefallregelung des EEG jetzt untersagt, „würden alle Investitionsvorhaben auf Eis gelegt, da die zu erwartenden Mehrbelastungen einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen würden“, kündigt Basi-Chef Ingo Nawrath an. Noch höhere EEG-Kosten seien „für uns existenzbedrohend, und sie stellen unsere Produktion in Deutschland infrage“.

Flucht ins Billigstromland Frankreich

Basi Schöberl hat bereits in den vergangenen Jahren einen großen Teil der Produktion nach Frankreich verlagert, weil dort der Strom sehr viel billiger ist. Die Aussicht auf eine weitere Belastung durch Streichung der EEG-Härtefallregelung bringt den Unternehmenschef in Rage. „Von uns wird Solidarität mit der Energiewende verlangt“, sagt Nawrath. „Soll diese Solidarität so weit gehen, dass ich morgen die Produktion herunterfahren oder schließen muss?“

Wie groß die Belastung durch die Ökostrom-Umlage für jene Unternehmen ausfällt, die nicht unter die Härtefallregelung fallen, rechnet Reinhold von Eben-Worlée jedem vor, der danach fragt. Der Manager leitet die 162 Jahre alte Hamburger Worlée-Chemie GmbH, einen Hersteller von Harzen und Lacken, in fünfter Generation. Eben-Worlée kann sich nicht erinnern, dass es in der Unternehmensgeschichte schon mal ähnliche Zumutungen gegeben hat, wie sie jetzt mit der Energiewende auf seine Firma zugekommen sind.

„Konkret zahlen wir in diesem Jahr rund 450.000 Euro EEG-Umlage sowie rund 160.000 Euro weitere energiegebundene Abgaben – das summiert sich auf 57 Prozent unserer Gesamtkosten für Strom in Höhe von 1,1 Millionen Euro“, erklärt Eben-Worlée: Das sei „Geld, das wir lieber in die Modernisierung und den Ausbau unserer Produktionsanlagen oder in die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Forschung und Entwicklung investiert hätten.“

Es geht um den Kern der deutschen Industrie

Solche Belastungen würden in Zukunft auf alle Unternehmen zukommen, wenn die EU-Kommission die EEG-Ausnahmen streicht. Auch die Metall- und Stahlindustrie sieht deshalb schwarz: „Wenn wir die EEG-Umlage voll zahlen müssten, bedeutet das allein für die saarländische Stahlindustrie eine Mehrbelastung in zweistelliger Millionenhöhe“, sagte der Vorstandschef der Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl AG, Karlheinz Blessing, in der zurückliegenden Woche auf einer Konferenz mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU): „Dann können wir einpacken.“

Vertreter der Metallindustrie wandten sich nach Informationen der „Welt am Sonntag“ schon an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Ihre Sorge: Bereits die Aufnahme eines förmlichen Beihilfeverfahrens würde aufgrund europäischer Verfahrensregeln bedeuten, dass die EEG-Härtefallklausel vorerst ausgesetzt werden muss. „Allein dies würde die elf größten Stromverbraucher unserer Branche mit 600 Millionen Euro belasten, was Kosten von 70.000 Euro pro Arbeitsplatz entspricht“, heißt es in dem Schreiben an Barroso.

Es geht dabei nicht einfach nur um einige Grundstoffproduzenten, die aus volkswirtschaftlicher Sicht wenig bedeutend wären: Es geht um den Kern der Metall-, Stahl- und Chemie-Industrie in Deutschland und damit um den Ausgangspunkt zahlloser Wertschöpfungsketten. „Deutschland hat bislang das beste Industrienetzwerk der Welt“, warnt VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Wenn wir jetzt gezwungen werden, unsere Wertschöpfungsketten zu zerstückeln, werden wir den Weg Englands gehen, den Weg der Deindustrialisierung.“

Würde die Industrie verpflichtet, die EEG-Umlage rückwirkend nachzuzahlen, wäre das „ein Desaster“, so Tillmann.

So tricksen sich Firmen auf die Liste

Der Verband industrielle Kraftwirtschaft (ViK), in dem die großen Stromverbraucher der Industrie organisiert sind, glaubt sogar, dass Ökostrom-Förderung nach dem deutschen Modell nirgendwo in Europa mehr möglich wäre, wenn Brüssel die EEG-Härtefallregelung kippt. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz steht und fällt mit den Entlastungstatbeständen für große Stromkunden“, warnt ViK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske.

„Rüttelt die EU nun daran, stellt sie die gesamte Erneuerbaren-Förderung, aber auch das erfolgreiche Wohlstandsmodell der industriellen Exportwirtschaft Deutschland infrage.“ Ohne die großzügigen Ausnahmen für Unternehmen mit hohem Strombedarf „wäre die gesamte Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland nie umsetzbar gewesen“, so Loske.

Ob ein Unternehmen in den Genuss der Vergünstigung kommt, hängt von Stromverbrauch und -kosten ab. Nur Unternehmen mit mindestens einer Gigawattstunde Verbrauch und Stromkosten in Höhe von mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung können unter die Härtefallregelung schlüpfen. Doch weil die EEG-Belastung kontinuierlich steigt, wenden manche Firmen inzwischen allerlei Tricks an, um die Grenzwerte zu erfüllen. „Wo die Not groß ist, werden die Menschen erfinderisch“, rechtfertigt ein Manager das Vorgehen.

Berater helfen bei der EEG-Optimierung

Dem Vernehmen nach handeln zum Beispiel einige Industriebetriebe mit ihrem Energieversorger ganz neue Verträge aus. Darin werden die Strompreise künstlich nach oben gesetzt, gleichzeitig wird aber weniger für Erdgas berechnet. Für den Energielieferanten bedeutet das in Summe keinen Nachteil. Der Industriekunde kann allerdings mithilfe der künstlich erhöhten Stromrechnung das 14-Prozent-Kriterium bei der Bruttowertschöpfung erfüllen – und sich bei der Bafa als EEG-Härtefall ausgeben.

Inzwischen lebt eine ganze Beraterbranche von solchen Tricks zur Erlangung der EEG-Befreiung. Gern empfehlen sie Unternehmen, verstärkt Leiharbeiter einzustellen oder Mitarbeiter mit Werkverträgen auszugliedern. Auf diese Weise sinkt buchhalterisch die Bruttowertschöpfung des Unternehmens im Verhältnis zu seinen Stromkosten – und der Betrieb kann EEG-Privilegien geltend machen.

Eine andere Variante besteht darin, als Konzern Strom günstig einzukaufen, um ihn dann an eine Tochterfirma teuer weiterzuverkaufen. Die Konzerntochter gilt dann wegen des hohen Stromkostenanteils als EEG-Härtefall und kann so Vergünstigungen in Anspruch nehmen, die sonst am Gesamtkonzern vorbeigegangen wären.

Strom-Rabatt für Rolltreppen

So berichten Berater von einer Kaufhauskette, die den Betrieb ihrer Rolltreppen in eine eigene Tochtergesellschaft ausgelagert hat. Stromkostenanteile, auf die der Kaufhauskonzern nie gekommen wäre, kann die Rolltreppentochter für sich sehr wohl geltend machen – und entsprechend Entlastung von der EEG-Umlage einfordern.

Einige Tricksereien laufen dem Ziel der Energiewende, etwa der Effizienzsteigerung, geradewegs zuwider. Sie sind ungewollte Folgen und Kollateralschäden eines aus dem Ruder gelaufenen Subventionssystems, wie es das Erneuerbare-Energien-Gesetz darstellt. So versuchen einige Unternehmen sogar, ihren Stromverbrauch künstlich zu erhöhen, um noch unter die Entlastungsregelung schlüpfen zu können.

Dem Vernehmen nach gibt es beispielsweise Discounter, die in ihren Supermärkten zeitweise absichtlich die Deckel von den Kühltheken nehmen, um den Stromverbrauch über die gesetzlich geforderte Ein-Gigawattstunden-Grenze zu treiben.

Noch einfacher ist es für Unternehmen, bei der Zahlung von Netzentgelten Rabatt zu bekommen. Die Stromnetzverordnung schreibt als Voraussetzung lediglich eine „atypische Netznutzung“ vor. Die technische Logik dahinter: Wer seinen Verbrauch in die Nachtstunden verschiebt, entlastet damit das Stromnetz. Das schwankende Aufkommen von Solar- und Windstrom soll dadurch im Netz besser ausbalanciert werden. Und dafür, so der Gesetzgeber, soll es eine Belohnung geben.

Ein Golfplatz, der Gutes tut

In diesem Zusammenhang geriet der Golfplatz Johannesthal im badischen Königsbach-Stein in die Schlagzeilen, der bei der Bundesnetzagentur eine Reduzierung der Netzentgelte beantragt – und bekommen hatte. Grünen-Politiker griffen das Bild von Golf spielenden Superreichen auf, die mit angeblich ungerechtfertigten Privilegien die Kosten der Energiewende nach oben trieben.

Golfplatzmanager Werner Schaffner sieht sich völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Er habe doch immerhin dafür gesorgt, dass die Rasensprenger und die Wasserpumpen immer dann abgestellt blieben, wenn das örtliche Stromnetz stark belastet ist. Auch die elektrischen Golfcarts werden nur noch dann aufgeladen, wenn es die Stabilität des Netzes zulässt.

„Wir waren und sind der Überzeugung, dass wir damit etwas Gutes tun, denn nur wenn die Verbraucher zukünftig mitwirken, kann die Energiewende mit den komplexen Aufgaben der EEG- und Fotovoltaikeinspeisung gemeistert werden“, erklärt Schaffner. Der Rabatt für seinen Einsatz: 3000 Euro.

http://www.welt.de/wirtschaft/article121042876/EU-will-deutscher-Industrie-das-Licht-ausknipsen.html

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16.10.2013

Die Subventions-Droge: Strom-Preise werden nie mehr sinken

Wegen der massiven Subventionen für Erneuerbare Energien ist der Energiemarkt in Deutschland auf Dauer zerstört: In den kommenden Jahren müssen die Bürger weitere 350 Milliarden Euro aufbringen, um die Stromversorgung zu sichern. Sie haben dieselbe Wahl wie bei den Banken-Rettungen: Sie können das Geld als Steuerzahler oder als Stromkunden aufbringen.

Am Dienstag teilte der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW mit, dass sich EEG-Umlage im kommenden Jahr um fast einen Cent auf den Rekordwert von fast 6,240 Cent je Kilowattstunde erhöhen wird. Eine jährliche Mehrbelastung von etwa 40 Euro kommt auf einen durchschnittlichen Haushalt zu. Inklusive Mehrwertsteuer und höherer Netzentgelte wären es effektiv sogar bis zu 60 Euro.

Für den Energieexperten Georg Erdmann vom Institut für Energietechnik an der TU Berlin ist das keine Überraschung. „Jeder hat schon mit einer erhöhten Umlage gerechnet“, sagte Erdmann den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Drei Gründe führt er für die Erhöhung an. Der Strompreis an der Börse ist gefallen, die Netze müssen weiter ausgebaut werden und immer mehr Unternehmen lassen sich von der Umlage befreien. „Das ist schon ein ordentlicher Happen“, so Erdmann.

Neben den Stromkunden ist diese Entwicklung vor allem für diejenigen Unternehmen bitter, die sich genau an der Grenze zwischen einer Befreiung von der Umlage befinden. „Das heißt, sie zahlen entweder zehn Prozent oder eben alles – das ist immerhin ein Sprung von fast 5,5 Prozent“, so Erdmann. Dies habe Einfluss auf den deutschen und den europäischen Binnenmarkt.

Allerdings könne man aufgrund der gestiegenen Umlage und damit der gestiegenen Strompreise nicht von einem Scheitern der Energie-Politik Merkels sprechen, spottet Erdmann: „Es gab ja keine Ziele.“ Das einzige, was versucht wurde, um der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken, war Erdmann zufolge die Forderung von Bundesumweltminister Altmaier, die Strompreise zu deckeln. Aber das habe ja nicht geklappt. „Der Bundesrat, und somit die SPD, wollte der Regierung ja nicht zu diesem letzten Sieg verhelfen“, so Erdmann. Und diejenigen, die jetzt am lautesten schreien, seien die, die das Debakel mit verursacht haben. „Kein Mensch hat im Augenblick ein Konzept, die Preise werden im nächsten Jahr weiter steigen.“

Abgesehen von den steigenden Stromkosten hat die Förderung der Erneuerbaren einen weiteren negativen Aspekt: „Im Augenblick haben wir niemanden, der ohne Förderung in neue Anlagen, wie Gas etc. investieren würde.“ Daher bedürfe es ganz klar einer Reform dieser Förderung. Zumindest müsste diese gekürzt werden.

Es werde aber auch in den kommenden Jahren keinen Rückgang der Strompreise geben. Vier Gründe nennt Erdmann in diesem Zusammenhang. Demnach müsste der Netzausbau weiter vorangetrieben werden. Außerdem brauche man ein Back-Up für die Erneuerbaren und das sei Gas. Doch Gas müsse irgendwann subventioniert werden, wenn keiner aufgrund der Bevorzugung der Erneuerbaren mehr Gasanlagen bauen will. „Außerdem haben wir erst 25 Prozent Erneuerbare und 80 Prozent sollen es werden“, so Erdmann. Zumal auf EU-Ebene noch die Frage nach dem Co2-Preis offen ist. Dieser liege derzeit bei etwa 5 Euro pro Tonne, manche fordern jedoch bereits 50 Euro pro Tonne. „Auch das wird sich auf die Strompreise durchschlagen.“

Zwar fallen 2028/ 2029 erste Anlagen aus der Förderung heraus. Aber es sei nicht auszuschließen, dass man sich bis dahin eine neue Art der Entlastung einfallen ließe. „Man darf einfach nicht so tun, als ob die Energiewende zum Nulltarif zu haben ist“, so Erdmann. Es sei ein teures Projekt und es werde noch „ein ganz erheblicher Kostenblock auf die deutsche Volkswirtschaft zukommen“. Die Energiewende könne eben nur funktionieren, wenn die Bevölkerung bereits sei, das zu bezahlen. Allein etwa 100 Euro muss jeder Bürger jährlich für Offshore-Strom aufbringen (mehr hier).

Es sei klar, „das dicke Ende kommt noch“, sagt Erdmann. Er rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 350 Milliarden Euro bis 2030. Umweltminister Altmaier hatte Anfang des Jahres sogar Kosten in Höhe von 1.000 Milliarden Euro bis 2050 in den Raum geworfen (hier). Erdmann zufolge seien die  350 Milliarden Euro bis 2030 aber relativ sichere Zahlen. Zumindest wenn man den Ausbau effektiv gestalte und nicht neue, unrentable Pilotprojekte starte. Denn dann sei man ganz schnell bei den 1.000 Milliarden bis 2050.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/16/die-subventions-droge-strom-preise-werden-nie-mehr-sinken/

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10.10.2013

Wirtschaft fordert Freibetrag für Stromverbraucher

Die Unternehmen in Deutschland machen sich wegen der steigenden Stromkosten zunehmend Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das Handwerk fordert eine Steuerbefreiung von Haushalten und Betrieben.

Die deutsche Wirtschaft und das Handwerk warnen vor weiter steigenden Kostenbelastungen beim Strom. Immer mehr Unternehmen müssten sich deshalb erhebliche Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Aufgabe Nummer eins der neuen Bundesregierung sei deshalb eine schnelle Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG), begleitet von einer kurzfristigen Senkung der Stromsteuer. „Der weitere drastische Anstieg der EEG-Umlage zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Kosten der Energiewende aus dem Ruder gelaufen sind“, sagte Schweitzer.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) forderte die Bundestagsfraktionen auf, kurzfristig einen Freibetrag für Verbraucher und Betriebe bei der Stromsteuer einzuführen. „Die Politik kann beweisen, dass sie es ernst meint mit einem Ausgleich für die drohende Kostenbelastung“, sagte ZDH-Hauptgeschäftsführer Holger Schwannecke der „Rheinischen Post“.

Ökostrom-Umlage steigt deutlich

„Für Privathaushalte sollten 2000 Kilowattstunden, für kleine und mittlere Betriebe 4000 Kilowattstunden von der Stromsteuer befreit werden“, forderte Schwannecke. Die auf die Ökostrom-Umlage anfallende Mehrwertsteuer könne für die Finanzierung dieses Freibetrages eingesetzt werden.

Die Fraktionen im neuen Bundestag könnten die Einführung des Freibetrags schon vor der Regierungsbildung beschließen, fügte Schwannecke hinzu.

Wegen steigender Energiewendekosten müssen die Bürger für ihren Strom ab Januar noch tiefer in die Tasche greifen. Die Ökostrom-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energie soll 2014 auf einen Rekordwert von 6,307 Cent je Kilowattstunde steigen. Bisher sind 5,277 Cent Ökostrom-Umlage über den Strompreis zu zahlen.

Wegen der zunehmenden Konkurrenz von Ökostrom wollen die deutschen Energiekonzerne demnächst knapp 30 alte Kohle- und Gaskraftwerke stilllegen. „Aktuell liegen der Bundesnetzagentur 28 Betreiberanträge zur Stilllegung von konventionellen Kraftwerken vor“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der „Rheinischen Post“.

Grund für die Anträge ist in den meisten Fällen, dass sich der Betrieb der Kraftwerke nicht mehr lohnt. Die Behörde muss über diese Anträge nun entscheiden – und wird sie laut Homann in zahlreichen Fällen ablehnen.

Stilllegung kann untersagt werden

Genehmigt werden könnten nur Kraftwerk-Stilllegungen nördlich des Mains, sagte der Netzagentur-Chef. „Die meisten Problem-Kraftwerke liegen südlich des Mains. Diese werden aber für die Versorgungssicherheit benötigt.“ In Süddeutschland fallen durch den Atomausstieg zahlreiche Atomkraftwerke weg. Der vor allem im Norden produzierte Windstrom gelangt aufgrund fehlender Leitungen aber nicht immer in ausreichender Menge in den Süden.

Die beiden größten deutschen Energieversorger RWE und E.on prüfen seit langem, welche Kraftwerke sie nicht mehr profitabel betreiben können. Die Anlagenbetreiber müssen Stilllegungen bei den Betreibern der Übertragungsnetze und der Netzagentur mindestens zwölf Monate im Voraus einreichen.

Die Netzbetreiber prüfen dann, ob ein Kraftwerk systemrelevant ist – ein Abschalten also die Versorgungssicherheit beeinträchtigen würde. Kommen sie zu diesem Schluss, und stimmt die Bundesnetzagentur zu, kann die Stilllegung für bis zu zwei Jahre untersagt werden.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article120780254/Wirtschaft-fordert-Freibetrag-fuer-Stromverbraucher.html

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15.09.2013

Gutachten: Industrie von Strompreiserhöhungen verschont

Steigende Strompreise treffen einem „Spiegel“-Bericht zufolge vor allem private Stromkunden. Das geht dem Magazin zufolge aus einem Gutachten im Auftrag der Grünen hervor. Demnach zahlen deutsche Haushalte mit heute durchschnittlich 27 Cent pro Kilowattstunde 35 Prozent mehr als Mitte 2008.

Bei den Unternehmen dagegen seien die Strompreise mit 10,1 Cent nahezu gleichgeblieben – was unter anderem daran liege, dass die Industrie ihre Stromverträge selbst aushandeln könne und so von gesunkenen Preisen an der Strombörse profitiere, wie der „Spiegel“ weiter schreibt.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn monierte angesichts dieser Ergebnisse: „Die Strompreis-Schere zwischen Industrie und Verbrauchern geht immer weiter auseinander.“ Kritik kam auch von Verbraucherschützern: So forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nach der Bundestagswahl Reformen in der Energiepolitik. „Wir lehnen zum Beispiel den weiteren Ausbau von Offshore-Windanlagen im Meer ab, weil sie zu teuer sind“, sagte Verbandschef Gerd Billen dem „Tagesspiegel“ (Montag). Außerdem sollte man einen Großteil der Befreiungen der Industrie von der EEG-Umlage zur Förderung von Wind- und Sonnenenergie zurücknehmen.

Die größere finanzielle Belastung liege für die Verbraucher aber nicht im Strombereich, sondern bei den Kosten für Heizung und Warmwasser. „Hier hat die Regierung noch gar keinen Plan, wie man vom teuren Öl oder Gas wegkommen kann“, kritisierte Billen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.verbraucher-gutachten-industrie-von-strompreiserhoehungen-verschont.0b896ae7-f911-4da8-80ff-e85ce4ad7f7c.html

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13.08.2013

Rabatt: Jeder deutsche Haushalt subventioniert Industrie mit 69 Euro jährlich

Der BUND sagt, der Strom könnte für die Haushalte deutlich billiger sein. Die immensen Kosten der Energiewende müssten einfach stärker der deutschen Industrie aufgeladen werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gegen Angriffe aus den Regierungsparteien verteidigt. Die Ursache des teuren Stroms in Deutschland sei eine Subventionierung der Industrie.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht hauptsächlicher Treiber der Stromkosten“, sagte Tina Löffelsend vom BUND. Kostentreiber seien vor allem die Rabatte, die der Industrie gewährt würden, heißt es auf der Webseite des BUND.

Auf dem Weg der Rabatte für die Industrie würde ein privater Durchschnittshaushalt die Stromrechnung der energie-intensiven Industrie jährlich mit 69 Euro subventionieren. Allein die von CDU, CSU und FDP ausgeweiteten Rabatte und die neu eingeführte Offshore-Umlage führten nach BUND-Berechnungen 2013 zu einem Aufschlag von circa 1 Cent pro Kilowattstunde Strom. Löffelsend sagte:

Bundeswirtschaftsminister Rösler und Bundesumweltminister Altmaier vergießen Krokodilstränen über steigende Stromkosten. Zugleich verschärft die Bundesregierung aber die ungerechte Kostenverteilung, indem sie die Industrie verschont. Außerdem hat sie es versäumt, endlich dafür zu sorgen, dass auch kleine Verbraucher von der Energiewende profitieren.“

Die erneuerbaren Energien senkten zwar die Preise an der Strombörse, dies komme jedoch bislang vor allem Großverbrauchern zugute. „Eine Regierung, die auf die Strompreisbremse treten will, muss die Industrieprivilegien weitestgehend abschaffen und gesetzlich festschreiben, dass sinkende Preise an alle Verbraucher weitergegeben werden“, so Löffelsend.

Wenn die Rabatten für die Industrie nicht zurückgefahren würden, dann könne im kommenden Jahr die Mehrbelastung auf bis zu 79 Euro pro Haushalt steigen, prognostiziert der BUND. Würden die Ausnahmen im Erneuerbare-Energien-Gesetz gestrichen, läge die EEG-Umlage derzeit bei lediglich 3,8 statt 5,3 Cent pro Kilowattstunde.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/13/rabatt-jeder-deutsche-haushalt-subventioniert-industrie-mit-69-euro-jaehrlich/

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31.07.2013

Industrie muss mehr für die Energiewende bezahlen

Große Stromverbraucher werden künftig nicht mehr vollständig von den Netzkosten befreit. Die Bundesregierung beugt sich damit dem Druck aus Brüssel. Für die Verbraucher hat das nur marginale Vorteile.

Die Bundesregierung beteiligt große Stromverbraucher stärker an den Kosten der Netze und damit an der Energiewende. Das Bundeskabinett beschloss nach Angaben aus Regierungskreisen, dass Großabnehmer nicht mehr vollständig von den Gebühren der Durchleitung von Strom befreit werden.

Sie reagiert damit auch auf Druck der EU-Kommission, die ein Verfahren wegen unerlaubter staatlicher Beihilfe eingeleitet hatte. Zudem hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf im März geurteilt, die Befreiung von den Gebühren sei nichtig, da sie nicht ausreichend begründet sei. Die Netzentgelte können bis zu einem Drittel des Industrie-Preises ausmachen.

Die Industrie erhält jedoch auch nach den neuen Regelungen noch Entlastungen. Begründet werden sie damit, dass eine regelmäßige, große Abnahme das Netz leichter steuerbar macht und stabilisiert. Wer mehr als acht Gigawattstunden Strom bei mindestens 8000 Nutzungsstunden verbraucht, muss jetzt 10 Prozent der Gebühren zahlen, bei 7500 Stunden 15 Prozent und bei 7000 Stunden 20 Prozent.

Wirkung für Haushalte begrenzt

Derzeit werden die Betriebe ab 7000 Stunden zu 100 Prozent befreit. Von dem Privileg profitierten zuletzt rund 200 Unternehmen, die dadurch laut Bundesnetzagentur 2012 etwa 300 Millionen Euro sparten. Für 2013 erwartete die Behörde einen erheblich höheren Betrag.

Dieser werde jetzt deutlich geringer, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Genauer sei es aber noch nicht zu beziffern. Im Zuge der Verordnung würde auch genauer geprüft, ob das Netz wirklich entlastet werde.

Durch den höheren Beitrag der Industrie müssen Haushaltskunden oder Mittelständler weniger zahlen. Die Wirkung bleibt aber begrenzt. Selbst wenn alle Betriebe die Gebühren wieder komplett zahlen würden, würde ein Durchschnittshaushalt nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums lediglich um rund zehn Euro im Jahr entlastet.

Als sicher gilt, dass die Netzentgelte in Zukunft steigen. Über diese Umlage wird sowohl der Ausbau der neuen Stromtrassen für Windstrom von Nord nach Süd bezahlt wie auch die Reservekraftwerke etwa für den Winter. Sie werden benötigt, um mögliche Stromlücken nach der AKW-Abschaltung zu schließen, die schwankende Ökostrom-Einspeisung auszugleichen oder um die Netzspannung stabil zu halten.

http://www.welt.de/wirtschaft/article118549316/Industrie-muss-mehr-fuer-die-Energiewende-bezahlen.html

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22.07.2013

Ökostrom-Umlage: Deutsche wollen Stromfresser nicht weiter entlasten

Die Mehrheit der Deutschen will die Befreiung der energieintensiven Unternehmen von der Ökostrom-Umlage abschaffen, zeigt eine repräsentative Umfrage. Das ist zu kurz gedacht, warnen die betroffenen Unternehmen.

Die Deutschen haben kein Verständnis für die Entlastung der energieintensiven Unternehmen von der Ökostrom-Subvention (EEG-Umlage). Wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Handelsblatt Online ergab, finden 78 Prozent der Befragten die Befreiung vom Preisaufschlag auf deren Stromrechnung nicht in Ordnung. Sie fordern, dass energieintensive Unternehmen genauso wie Privatverbraucher die volle Ökostrom-Umlage zahlen sollten.

Unternehmen können für ihre deutschen Standorte eine Befreiung von der Subvention, mit der Wind- und Solarkraft gefördert werden, beantragen. Damit soll ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bewahrt werden. Derzeit sind auf dieses Weise 2.245 Firmenstandorte von der Umlage ausgenommen. Im vergangenen Jahr waren es noch 979.

In der Bevölkerung macht sich immer mehr Unmut über das Privileg der Industrie breit. Denn der Betrag, der an die Wind- und Solaranlagenbetreiber für ihren Strom gezahlt werden muss, bleibt der gleiche – er wird nur auf weniger Schultern verteilt. Auch die Politik hat die Ausnahmeregelung bereits auf dem Kieker. Bundesumweltminister Altmaier hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er die Befreiungen auf den Prüfstand stellen wolle. Auch seitens der Europäischen Union beäugt man die Sonderregelungen kritisch. Nach der Sommerpause will die EU-Kommission über die Einleitung eines Verfahrens entscheiden, das eine mögliche Wettbewerbsverzerrung überprüfen soll. Sollte das es Erfolg haben, würde das Millionen-Zusatzkosten für Unternehmen bedeuten.

Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer Wirtschaftsvereinigung Metalle, beobachtet eine Verzerrung der Diskussion um die Kostenbelastung durch die Energiewende. Der Lobbyverband vertritt die Interessen von besonders stromintensiven Unternehmen wie Erzeugern und Verarbeitern von Leichtmetallen, zum Beispiel Aluminium, und Buntmetallen, zum Beispiel Kupfer. Es sei nicht richtig, dass die Industrie „weitgehend von der Zahlung der Umlagen zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz befreit ist“, sagte Kneer gegenüber Handelsblatt Online. Tatsächlich seien weniger als 10 Prozent der Metallindustrie, mit Ausnahme der Eisenunternehmen, von der Reduzierung der Ökostrom-Umlage überhaupt betroffen. „Eine künstliche Trennung zwischen Bürgern und Industrie führt zu einer destruktiven Verteilungsdebatte“ warnte Kneer. „Der Industriearbeitnehmer ist eben auch privater Haushalt beziehungsweise Mieter, der Umlagen zahlt.“

Auf Verständnis können die energieintensiven Unternehmen bei den Arbeitern jedoch am wenigsten hoffen. Laut der Forsa-Umfrage wollen 86 Prozent der Arbeiter die Umlagebefreiung abschaffen, sie stellen damit die dem Thema gegenüber am negativsten eingestellte Gruppe dar. Bei den Angestellten wollen 82 Prozent die Privilegierung streichen. Am meisten Verständnis haben die Selbstständigen, von ihnen finden 27 Prozent die Sonderregelung in Ordnung, die Beamten befürworten zu einem Fünftel die Befreiung.

Vor allem Jüngere zeigen sich verständnisvoll, dass manche Unternehmen die Ökostrom-Umlage nicht stemmen können – 24 Prozent der 18-29-Jährigen sind mit der Befreiung einverstanden.

Die Gerechtigkeitsdebatte lenke von den Ursachen der Kostenexplosion für die erneuerbaren Energien ab, findet Kneer: „Überförderung, Ineffizienz, Tempo des Ausbaus und soziale Verschiebung von Kosten für Bürger und Industrie und Nutzen für Investoren. Wer den Bürger entlasten und für die Industrie wettbewerbsfähige Bedingungen für Investitionen in Deutschland schaffen möchte, muss das Ausbautempo drosseln, das EEG von Grund auf novellieren und marktwirtschaftlich ausgestalten.“

Die Bürger zahlen so oder so die Zeche“

Auf der 60 Seiten umfassenden Liste der privilegierten Firmen findet sich in diesem Jahr auch Aurubis, die größte Kupferhütte Europas. Das Unternehmen warnt davor, naiv an die Umlagebefreiung heranzugehen. Selbst wenn die energieintensiven Unternehmen nicht weitgehend von der EEG-Umlage befreit wären, würde das den Bürger dennoch nicht entlasten.

Er würde zwar rechnerisch 1 Cent pro Kilowattstunde, also rund 30 Euro pro Jahr, weniger für seinen Strom zahlen. „Dafür würden jedoch etliche der insgesamt 830.000 Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie verloren gehen, denn viele Unternehmen könnten die EEG-Umlage nicht auf Ihre Produkte umlegen und dann in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber Handelsblatt Online.

Diejenigen, die die Möglichkeit hätten, würden die höheren Kosten an ihre Kunden weiterreichen. „Der Bürger zahlt also leider so oder so die Zeche für die Energiewende – darüber sollte offen und ehrlich gesprochen werden“, fordert eine Aurubis-Sprecherin.

Vor allem die Grünen sind für eine Abschaffung der Ausnahmeregelung, und so verwundert es nicht, dass in der Forsa-Umfrage vor allem Grünen-Wähler die Befreiung von energieintensiven Unternehmen kritisch sehen: 83 Prozent von ihnen wünschen sich eine Abschaffung der Sonderbehandlung von Stromfressern – bei Wählern der CDU/CSU sind es nur 72 Prozent, bei denen der FDP 75 Prozent.

Es ist völlig verrückt, wenn man energiestarke Unternehmen befreit, die damit überhaupt keinen Anreiz haben einzusparen“, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth bereits Ende vergangenen Jahres. In der Vergangenheit wurden Fälle bekannt, wo Unternehmen absichtlich ihre Lichter brennen lassen hatten, um ihren Stromverbrauch über die Schwelle zu treiben, ab der Unternehmen als energieintensiv gelten und von der EEG-Umlage befreit werden. 2012 musste man noch mindestens 10 Gigawattstunden verbrauchen, in diesem Jahr lag die Grenze bei einer Gigawattstunde.

Continental genießt die Ausnahmeregelung an zwei seiner 50 Standorte. Der Reifenhersteller warnte vor einer zu kurzsichtigen Perspektive in der öffentlichen Debatte um die Ökostrom-Umlage. „Wer die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen verringert, sägt an dem Ast, an dem die Früchte unseres Wohlstands wachsen“, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber Handelsblatt Online. „Wer Wettbewerbsfähigkeit verringert, vernichtet auf Dauer Beschäftigung, die nicht mehr wiederkommt. Die Energiepreise dürfen daher für die Industrie nicht weiter steigen.“

Größter EEG-Umlagenzahler Deutschlands ist laut eigenen Angaben die Deutsche Bahn. Sie zahlt jedes Jahr rund 55 Millionen Euro für die Förderung von Wind- und Solarstrom – doch sie ist auch in Teilen von der Subvention befreit. Zu der kritischen Haltung der Deutschen in Bezug auf die Umlagebefreiung wollte sich das Unternehmen auf Anfrage von Handelsblatt Online nicht äußern.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/oekostrom-umlage-deutsche-wollen-stromfresser-nicht-weiter-entlasten/8520514.html

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14.07.2013

EU-Kommission eröffnet Verfahren:

Deutsches Erneuerbare-Energien-Gesetz verstößt gegen EU-Wettbewerbsrecht

Die EU schlägt sich auf die Seite der Verbraucher: Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz verstößt gegen europäisches Wettbewerbsrecht. Energieintensiven Unternehmen, die sich bislang vor der Öko-Umlage drücken konnten, drohen deswegen jetzt millionenschwere Nachzahlungen.

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat bislang die Stromverbraucher ordentlich zur Kasse gebeten, während energieintensive Unternehmen von der Öko-Umlage befreit wurden. Mehr noch: Private Haushalte mussten quasi für die Firmen mitzahlen. Das soll jetzt ein Ende haben. Denn: Das EEG verstößt gegen europäisches Wettbewerbsrecht, berichtet der „Spiegel“.Die Wettbewerbshüter um EU-Kommissar Joaquín Almunia sind zu dem Schluss gekommen, dass vor allem die EEG-Umlage, die Stromkunden für die Erzeugung erneuerbarer Energie bezahlen lässt, nicht zulässig ist.

EU-Kommission eröffnet Verfahren gegen Deutschland

Die Beamten kritisieren, dass energieintensive Betriebe von dieser Umlage weitgehend ausgenommen werden. Am Mittwoch will die EU-Kommission ein entsprechendes Beihilfeverfahren gegen Deutschland eröffnen. Dies soll nicht nur für die Zukunft alle Ausnahmen von der Zwangsabgabe verbieten. Auch den Unternehmen könnte es an den Kragen gehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Brüssel nämlich rückwirkend eine Korrektur fordern: Energieintensive Betriebe müssten dann Millionen Euro an bereits in den Vorjahren eingesparten Abgaben an den Staat nachzahlen.

Der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger geht sogar noch einen Schritt weiter: Er stellte auf einer Veranstaltung des Stromkonzerns E.on vergangene Woche in Brüssel das gesamte EEG in Frage. Oettinger sagte, dass zahlreiche Regelungen mit dem EU-Binnenmarkt und dem Wettbewerbsrecht wohl nicht konform seien. Es könne nicht sein, dass Deutschland eigenen Windstrom fördere, während Produzenten aus Dänemark oder Norwegen keine Förderung erhielten, wenn sie Windstrom nach Deutschland lieferten.

http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/eu-kommission-eroeffnet-verfahren-deutsches-erneuerbare-energien-gesetz-verstoesst-gegen-eu-wettbewerbsrecht_aid_1043125.html

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27.05.2013

EU-Vergleich: Strom ist in Deutschland besonders teuer

Die Deutschen werden im EU-Vergleich beim Strom besonders stark zur Kasse gebeten. Gemessen an der Kaufkraft zahlen nur die Zyprer mehr für ihren Strom. Auch das Gas hat sich in den letzten Jahren verteuert.

Die deutschen Haushalte zahlen im EU-Vergleich mit am meisten für Strom. Die Kilowattstunde Strom kostete in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2012 durchschnittlich 26,8 Euro – mehr mussten nur Dänen und Zyprer mit jeweils mehr als 29 Euro zahlen, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg mitteilte. Gemessen an der Kaufkraft der Bevölkerung zahlen die Deutschen gemeinsam mit den Polen sogar am zweitmeisten für Strom. Nur die Haushalte in Zypern müssen demnach noch mehr für Strom ausgeben.

Im EU-Durchschnitt sind die Strompreise zwischen dem zweiten Halbjahr 2011 und der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um 6,6 Prozent gestiegen, nachdem sie im Vorjahreszeitraum bereits um 6,3 Prozent zugenommen hatten. In Deutschland verteuerte sich der Strom für Haushalte zwischen dem letzten Halbjahr 2011 und der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um 5,7 Prozent.

Die Kosten für Gas erhöhten sich für die Haushalte in den EU-Mitgliedstaaten in dieser Zeit um 10,3 Prozent, nachdem sie sich bereits im Vorjahreszeitraum um 12,6 Prozent erhöht hatten. Die deutschen Haushalte mussten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres im Gegensatz zum zweiten Halbjahr 2011 beim Gas nur eine Preissteigerung von 1,2 Prozent hinnehmen.

Das dürfte für viele Hausbesitzer und Mieter mit Gasheizung besonders bitter sein, denn der Verbrauch von Erdgas stieg im ersten Quartal 2013 um knapp neun Prozent, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft am Montag in Berlin mitteilte.

Grund sei vor allem die kalte Witterung. Der Stromverbrauch dagegen ging im selben Zeitraum um mehr als zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück. Hier nannte der Verband als Gründe die weiterhin schwache Konjunktur, den fehlenden Schalttag sowie das Osterfest, das dieses Jahr bereits im März gefeiert wurde.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/recht-steuern/anleger-und-verbraucherrecht/eu-vergleich-strom-ist-in-deutschland-besonders-teuer/8261286.html

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16.05.2013

Stromtrassen: Bürger sollen Geld verdienen statt zu protestieren

In weiten Teilen Deutschlands wehren sich Anwohner gegen neue Stromleitungen. Jetzt geht ein Netzbetreiber neue Wege – und lockt die Bürger mit satter Rendite, wenn sie nicht demonstrieren. Von Daniel Wetzel

Verschleiß ist nicht das größte Problem der deutschen Stromnetzbetreiber. Im Zuge der Energiewende müssen ohnehin viele Leitungsmasten erneuert und ertüchtigt werden. Doch gibt es gegen den Neubau von Hochspannungstrassen nach wie vor starken Widerstand der betroffenen Anwohner.

Dabei drängt die Zeit: Weil ab Ende 2015 die nächsten Atomkraftwerke in Süddeutschland abgeschaltet werden, müssen bis dahin neue Stromleitungen bereitstehen, um Windenergie aus Norddeutschland zu den Verbrauchszentren in Bayern und Baden-Württemberg zu bringen.

Nach den Berechnungen und Planungen der Bundesnetzagentur müssen im Zuge der deutschen „Energiewende“ dafür insgesamt mehrere tausend Kilometer Stromleitungen neu gebaut werden.

Netzbetreiber lockt mit Bürgeranleihen

Um die Akzeptanz neuer Leitungstrassen bei den betroffenen Anwohnern zu erhöhen, geht der Stromnetzbetreiber Tennet jetzt neue Wege. Nach Informationen der „Welt“ aus dem Unternehmen, will Tennet der Bevölkerung im westlichen Schleswig-Holstein ab Juni anbieten, in die Bürgeranleihe Westküstenleitung zu investieren und sich damit finanziell an den Erlösen des deutschen Netzausbaus zu beteiligen. Die geplante Trasse von Niebüll über Husum, Heide bis nach Brunsbüttel werde damit zur ersten deutschen „Bürgerleitung“, heißt es bei Tennet.

Das Angebot zielt auf die Gebietsansässigen und Grundstückseigentümer aus den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen, in deren Region die Westküstenleitung errichtet werden wird. Sie werden nach derzeitigen Planungen im Juni schriftlich per Post über die Möglichkeit der finanziellen Beteiligung informiert.

Der Mindestbetrag einer Investition in die Stromleitung beträgt 1000 Euro. In der Planungs- und Genehmigungsphase der Leitung werde der Zins bei drei Prozent liegen. „Sobald der Bau der Leitung beginnt, wird den Anlegern ein attraktiver Zins von fünf Prozent gezahlt“, heißt es bei Tennet.

Nach derzeitigem Planungsstand soll allen Anwohnern in einem Umkreis von fünf Kilometern rund um die Streckenabschnitte eine Beteiligung von bis zu 10.000 Euro garantiert werden. Ob Interessierte auch Beträge darüber hinaus investieren dürfen, hängt dann davon ab, wie groß die Nachfrage nach der „Bürgeranleihe“ insgesamt sein wird. Die Höhe der Bürgerbeteiligung soll maximal 15 Prozent des gesamten Investitionsbudgets für die Leitung betragen.

Andere Netzbetreiber könnten nachziehen

Das Investment ist eine sichere Sache: Die Kosten für Bau und Betrieb neuer Stromleitungen werden mit Genehmigung der Bundesnetzagentur über die so genannten Netzentgelte auf die Stromrechnung der Verbraucher abgewälzt. Bei dieser staatlich regulierten Vergütung besteht faktisch kein Investitionsrisiko.

Wird das Pilotprojekt der Bürgeranleihe ein Erfolg, könnte sich das Modell auch rasch in den Gebieten der anderen deutschen Netzbetreiber wie 50 Hertz, Amprion oder TransnetBW ausbreiten. Bürgeranleihen für Stromnetze könnten dann zu einem ganz neuen Finanzprodukt werden.

Die 150 Kilometer lange Westküstenleitung in Schleswig-Holstein ist für das Gelingen der Energiewende von besonderer Bedeutung. Bis 2020 werden voraussichtlich rund acht bis zehn Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs aus Schleswig-Holstein heraus gedeckt werden. Nahezu die Hälfte des hier erzeugten Windstroms wird heute und auch in Zukunft entlang der Westküste produziert.

Die geplante 380-Kilovolt-Leitung im Westen Schleswig-Holsteins dürfte die erste deutsche Stromleitung sein, die ausschließlich Ökostrom transportiert. Baubeginn für die ersten Streckenabschnitte soll 2015 sein.

Ob die Bürgeranleihe dazu beitragen kann, den Widerstand der Bürgerinitiativen gegen die Bauprojekte vor Ort aufzulösen oder abzumildern, wird in der Energiewirtschaft unterschiedlich beurteilt.

So zeigte sich etwa Hans-Jürgen Brick, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Amprion zuletzt skeptisch: „Akzeptanz kann man nicht kaufen und deshalb werden auch diese Modelle bei den direkt vom Leitungsbau betroffenen Bürgern nicht zu mehr Akzeptanz führen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article116264787/Buerger-sollen-Geld-verdienen-statt-zu-protestieren.html

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04.04.2013

Deutsche Steuerzahler finanzieren Export-Boom der Strom-Konzerne

Der Energieüberschuss hat sich trotz Atomausstieg vervierfacht. Der Export von Strom war 2012 höher als der Import. Die großen Konzerne wie RWE, E.ON und Vattenfall können die Exportpreise niedrig halten, denn die Kosten für die Energiewende werden von den Verbrauchern getragen.

Der ambitionierte Start Deutschlands zur Umstellung auf erneuerbaren Energien wird ausschließlich vom Steuerzahler getragen. Die Hoffnung, dass eine höhere Stromproduktion irgendwann zu günstigeren Preisen führt, ist bis jetzt reine Spekulation. Die Preise steigen scheinbar unaufhörlich (mehr hier).

Zwischen 2011 und 2012 hat sich die Stromproduktion in Deutschland nämlich vervierfacht, berichtet der Telegraph. Innerhalb dieses Zeitraums wurden Subventionen in Höhe von 14 Milliarden Euro für den Energiewandel aufgebracht (hier). Diese Steuergelder werden durch eine höhere Abgabe auf die Strompreise aufgebracht. Unternehmen sollen weitgehend von diesem Aufschlag befreit sein, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Obwohl es auch hier Ausnahmen zu geben scheint.

Die Belastung fällt also zum überwiegenden Teil auf die Haushalte. Unklar ist indes, wie viel die Stromkonzerne wie RWE, E.ON und Vattenfall noch unbemerkt auf diese Erhöhung draufschlagen (hier). Denn obwohl die Regierung die acht ältesten Atomkraftwerke nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima abgeschaltet hat, hat die Energieproduktion entgegen aller Erwartungen keinen Dämpfer hinnehmen müssen.

Im Gegenteil: Der Export von Strom aus Deutschland übersteigt den Import. Über die Grenzen hinweg sind die Preise also stabil und konkurrenzfähig. Die größten Abnehmer deutschen Stroms sind die Niederlande, Österreich und die Schweiz. Der größte Import von Energie kam aus Frankreich. Auf günstige Atomenergie kann Deutschland also immer noch nicht verzichten, auch wenn der öffentliche Trend in eine andere Richtung geht.

Bis 2022 soll der Atomausstieg komplett abgeschlossen sein. Bis 2050 sollen 80 Prozent des Bedarfs aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg, denn bislang sind es gerade mal 25 Prozent. Deutschland bezieht noch fast die Hälfte seines gesamten Strombedarfes aus Kohlekraftwerken (46%).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/04/deutsche-steuerzahler-finanzieren-export-boom-der-strom-konzerne/

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06.03.2013

Gericht kippt Strompreis-RabatteAuch Großbetriebe sollen zahlen

Es ist schon paradox: Aluminiumhütten, die viel Strom fressen, sind komplett von Netzentgelten befreit. Aber auch Golfplätze bekommen satte Rabatte bei der Stromrechnung. Zahlen muss das alles der Bürger. Gleich zwei Entscheidungen erzwingen nun eine Reform.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die Befreiung großer industrieller Stromverbraucher von den Netzkosten gekippt. Die Verordnungsregelung zur Befreiung stromintensiver Unternehmen sei nichtig, erklärte das OLG und hob die entsprechenden Ausführungsbestimmungen der Bundesnetzagentur auf. Gegen den Beschluss kann Widerspruch eingelegt werden.

Fast zeitgleich teilte die EU-Kommission in Brüssel mit, die für die Bürger teure Komplettbefreiung von Stahlwerken und Aluminiumhütten werde auf den Prüfstand gestellt. Es gebe den Verdacht auf eine unerlaubte Beihilfe im Vergleich mit der Industrie in anderen EU-Staaten. In Berlin hatte man bereits damit gerechnet. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Philipp Rösler versuchte sofort, den Vorgang herunterzuspielen: Man arbeite ohnehin an einer Neuordnung.

Keine ausreichende gesetzliche Grundlage

Der Bundestag hatte 2011 in einer Verordnung beschlossen, dass stromintensive Unternehmen von den Netzentgelten befreit werden können. Dafür biete das Energiewirtschaftsgesetz aber keine ausreichende gesetzliche Grundlage, befanden die Düsseldorfer Richter.

Der Vorsitzende Richter des 3. Kartellsenats, Wiegand Laubenstein, sagte in der Begründung, eine vollständige Befreiung von den Netzentgelten sei aus Gleichheitsgründen nicht zulässig. Auch aus europarechtlicher Sicht sei eine nicht-diskriminierende und kostenbezogene Regelung der Netzentgelte geboten.

Große Stromverbraucher in der Industrie können sich von den Netzkosten befreien lassen, wenn sie mehr als 7000 Arbeitsstunden und 10 Gigawattstunden Strom pro Jahr abnehmen. Die Regierung will damit die Arbeitsplätze in den energieintensiven Industrien vor den Kostensteigerungen durch die Energiewende schützen. Die Beträge werden auf die übrigen Stromkunden umgelegt. Für Privathaushalte machen Netzentgelte etwa ein Fünftel des Strompreises aus.

„Wir sehen, dass es auch um Arbeitsplätze geht“, sagte der Vorsitzende Richter in der Verhandlung, „es geht um viel Geld“. In Frankreich sei der Strom um ein Drittel billiger. Jedoch sei dies nicht Gegenstand des Verfahrens. „Wir fragen, ist das, was gemacht wurde, rechtmäßig und müssen die Frage leider verneinen.“

202 Unternehmen wollen die Befreiung

2012 wurden laut Bundesnetzagentur Unternehmen in Höhe von 440 Millionen Euro befreit, 2013 beläuft sich die Summe laut einer Prognose vermutlich auf 800 Millionen Euro. Hintergrund ist die steigende Zahl der Anträge auf Befreiung von den Netzkosten. 202 Unternehmen hatten bislang Anträge gestellt.

In der Politik war das Geschenk an die Industrie unter dem Namen „Mitternachtsparagraf“ bekanntgeworden. Im Sommer 2011 waren kurz vor der Abstimmung im Bundestag zu wichtigen Gesetzen zu später Stunde kleine, aber feine Veränderungen bei den Netzentgelten hineingeschrieben worden. Angesichts der mehrere hundert Seiten dicken Pakete zu Atomausstieg und Energiewende hatte möglicherweise mancher Abgeordneter den Überblick verloren, hieß es später. Die Wirkung des „Mitternachtsparagrafen“ dämmerte vielen erst später. Mit den Entscheidungen in Brüssel und Düsseldorf wurde die schwarz-gelbe Regelung nun gleich von zwei Seiten in die Zange genommen, die Bürger können daher auf eine leichte Entlastung beim Strompreis hoffen.

Entlastung möglich

Der „Mitternachtsparagraf“ – eigentlich Paragraf 19 – kostet einem Durchschnittshaushalt etwa 11,50 Euro pro Jahr, hinzu kommen 185 Euro für die Förderung erneuerbarer Energien, allerdings sind in der Summe auch Industrierabatte enthalten. Insgesamt bezahlt ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden rund 980 Euro für Strom.

Die SPD schlägt in den derzeit laufenden Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über eine Strompreisbremse eine „Rückführung der Netzentgeltbefreiung auf den Stand von 2010“ vor, dadurch könnten mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Allerdings werden schon für 2013 Zusatzkosten von 800 Millionen erwartet. „Das ist der Auftakt zur Rückabwicklung der unfairen Subvention“, meint Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Wer die Stromkosten für die Haushalte senken will, müsse an die Industrieprivilegien ran.

http://www.n-tv.de/politik/Auch-Grossbetriebe-sollen-zahlen-article10250541.html

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05.02.2013

Strom an der Börse billig wie seit Jahren nicht

Preiswert wie lange nicht mehr: Doch trotz Überangebot an Ökostrom und billiger Kohle sorgen die Kosten für Vertrieb, Netzausbau und Steuern für steigende Konsumentenpreise. Von Andreas Mihm

Strom ist in Deutschland so preiswert wie lange nicht mehr. Doch kommt deshalb wenig Freude auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beklagt beim Wirtschaftsrat der CDU das „Handicap, dass der börsennotierte Strom dauernd in seinem Preis sinkt“. Der Grund liegt in der Fördermechanik des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): Mehr Erneuerbare treiben das Angebot und drücken den Preis. Sinkt aber der Börsenstrompreis, müssen die Verbraucher mehr Umlage zahlen. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) treibt das die Schweißperlen auf die Stirn.

Mit durchschnittlich 43,31 Euro je Megawattstunde kostete Elektrizität im Januar an der Strombörse EEX durchschnittlich so wenig wie seit 2005 nicht mehr – zumindest bei Lieferung auf Termin im nächsten Jahr. Vergangenes Jahr lag der Preis im Schnitt knapp unter 50 Euro, im Jahre davor noch über 56 Euro. Über den Terminmarkt wird der weit überwiegende Teil des Börsenstroms erkauft. Hier decken sich die ein, die eine sichere Kalkulationsbasis brauchen.

Kräftige Windböen, warme Witterung und geringe Nachfrage

Auf dem Spotmarkt – hier werden die Lieferung für den nächsten Tag gehandelt und der Ökostrom verkauft – liegen die Preise je nach Marktlage über oder unter denen des Terminmarktes, der die „Preiserwartung“ für das nächste Jahr markiert. Zuletzt gab es den elektrischen „Saft“ für die Sofortlieferung billiger. Dank unerwartet hoher Windstromeinspeisung wegen kräftiger Windböen sowie ungewöhnlich warmer Witterung und geringer Nachfrage konnte man sich Ende Januar laut Händlern zu 26 Euro die Megawattstunde eindecken – etwa ein Zehntel dessen, was der Privatkunde inzwischen für Elektrizität bezahlen muss. Und das im Januar, in dem die Nachfrage meist besonders groß und der Preis besonders hoch ist.

Die Talfahrt des Strompreises hat damit kein Ende gefunden, wie nicht nur die Preiserwartungen am Terminmarkt zeigen. Kurz- wie langfristig erwarten Händler sinkende Notierungen. Langfristszenarien zeigten bis 2017 eine fallende Tendenz, sagt Tobias Federico vom Berliner Strommarktanalysten Energybrainpool.

Branchenkenner nennen mehrere Gründe für die niedrigen Börsenstrompreise, an erster Stelle die wachsende Einspeisung von Ökostrom aus Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen. Sie verdrängt teure Stromerzeuger wie neue Gaskraftwerke oder nicht abgeschriebene Kohlekraftwerke aus der Anbieterliste. Aktuell fahre Eon mit jeder Megawattstunde aus einem Gaskraftwerk einen Verlust von 9 Euro ein, sagt Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen. Hinzu kommt das große Überangebot auf dem Markt für CO2-Emissionszertifikate. Bei Preisen von unlängst weniger als 3 Euro die Tonne macht das das Verstromen von Braunkohle aus heimischer Produktion attraktiv. Das gilt auch für Steinkohle, selbst wenn sie eingeführt wird.

25 bis 30 Euro günstiger

Seitdem in Amerika Strom zunehmend aus selbst gefördertem „Shale“-Gas statt aus Kohle erzeugt wird, drängt ein großes Angebot an Kohle auf den Weltmarkt. Amerika musste die Lager räumen, sagt Erich Schmitz, Geschäftsführer des Vereins der Kohleimporteure. Deshalb sei der Preis von 120 auf 90 Dollar die Tonne gesunken. Im Ergebnis könnten deutsche Kohlekraftwerke die Megawattstunde Strom 25 bis 30 Euro günstiger erzeugen als ökologisch vorteilhaftere Gaskraftwerke. So konnten die Kohleimporteure zu ihrer eigenen Überraschung das Einfuhrniveau hoch halten und trotz Grünstromausbau hierzulande 6 Prozent mehr Kohle zur Verstromung verkaufen.

Was den Einfluss von Shale-Gas auf den deutschen Strompreis angeht, sind viele Energieexperten skeptisch, auch Felix Matthes vom Öko-Institut. Doch auch er sieht als bestimmende Einflussgrößen „kurzfristig die Steinkohle, langfristig die Erneuerbaren“. Deshalb könnte der Strompreis weiter sinken, „auch wenn das keine unendliche Rutschbahn nach unten ist“. Analyst Federico von Energybrainpool sagt, er sei bei diversen Szenarien selten auf Werte unter 40 Euro gekommen. Doch würde er sich auch „nicht wundern, wenn die Strompreise für Lieferung 2014 im Jahresverlauf witterungsbedingt auf 35 Euro je Megawattstunde fallen.“

Sinkende Strompreise an der Börse sind für Umweltminister Altmaier ein Horrorszenario. Je niedriger der Börsenstrompreis, desto weniger Geld erlösen die Netzbetreiber aus der Vermarktung der erneuerbaren Energien am Markt und desto größer wird die Finanzierungslücke, die die Stromverbraucher nach dem EEG ausgleichen müssen. Schon 2012 waren das an die 17 Milliarden Euro. Denn der für 20 Milliarden Euro von Wind-, Solar und Biogasanlagenbetreibern zu staatlichen Preisen ins Netz gespeiste Strom war an der Börse nur 3 Milliarden Euro wert. So stieg die EEG-Umlage um 47 Prozent auf 5,28 Cent je Kilowattstunde.

Preisdruck auf dem Strommarkt

Bereits bei einem Börsenpreis von 45 Euro fehlten in der aktuellen EEG-Rechnung 1,7 Milliarden Euro, hat der Umweltminister ausrechnen lassen. Sänke der Terminpreis auf 35 Euro, würde das weitere 3 Milliarden Euro Umlage bedeuten. Deshalb hat Altmaier die Notbremse gezogen und verlangt, die Ökostromumlage auf dem aktuellen Niveau einzufrieren.

Denn die Preise für Strom laufen immer weiter auseinander: Fallenden Preisen an der Strombörse stehen steigende Kosten für Haushalte und Unternehmen gegenüber. Während die Erzeuger weniger für ihr Produkt bekommen und schon Subventionen für den Weiterbetrieb unrentabler Anlagen verlangen, müssen die Verbraucher immer mehr für die Elektrizität zahlen. Der Grund für steigende Konsumentenpreise sind die Kosten für Vertrieb und Netzausbau, Steuern und Abgaben, die zum Börsenpreis hinzukommen. Mindestens ebenso wichtig ist der Fördermechanismus des EEG. Als Scharnier zwischen Börse und Verbrauchern führt es zu Überkapazitäten, erzeugt Preisdruck auf dem Strommarkt und löst Zusatzkosten aus: Je mehr Strom zu festen Preisen eingespeist wird, desto höher steigt die Umlage.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energiepolitik/energiewende-strom-an-der-boerse-billig-wie-seit-jahren-nicht-12051137.html

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12.01.2013

Energie-Irrsinn: Weil der Strom in Deutschland teurer wird… wird er in Holland billiger

Der Irrsinn mit den Strompreisen in Deutschland – es wird immer haarsträubender …

Weil wir immer mehr Ökostrom zahlen, den wir gar nicht brauchen, sinkt der Strompreis in Holland!

Nach neuen Zahlen des Branchenverbands BDEW hat Deutschland 2012 rund 23 MILLIARDEN Kilowattstunden (kWh) Strom in Nachbarstaaten exportiert – den Großteil (17,5 Mrd.) nach Holland. Das würde reichen, um den Jahresverbrauch von 10 Mio. (!) 2-Personen-Haushalten zu decken!

Dabei handelt es sich vor allem um Ökostrom (Solar, Wind), der von den Privatverbrauchern in Deutschland über die Ökostromumlage teuer bezahlt wird. Wegen des massiven Überangebots konnten Holländer und andere Nachbarstaaten deutschen Strom besonders billig einkaufen oder bekamen ihn gar geschenkt.

So zuletzt Weihnachten – Nachbarländer, die unseren überflüssigen Strom abnahmen, bekamen bis zu 200 Euro/Megawattstunde Strom PRÄMIE!

Davon profitieren die holländischen Stromkunden. Dort sank der Strompreis von 21,09 im Jahr 2006 auf 16,4 Cent/kWh 2011 (Statistikbehörde Niederlande), minus 22 %. In Deutschland stieg der Strompreis für die Privathaushalte dagegen drastisch an. Seit 2006 von 19,46 auf 25,89 Cent/kWh im vergangenen Jahr – plus 33 %.

BDEW-Geschäftsführerin Hildegard Müller: „Die Preise in den Niederlanden sinken, weil sie hier steigen.“

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/strompreis/weil-der-strom-in-deutschland-teurer-wird-wird-er-in-holland-billiger-28064416.bild.html

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30.12.2012

Verbraucher fordern Korrektur der Energiewende

Steigende Strompreise lassen den Ruf nach Veränderungen am EEG laut werden. Von einer Abwrackprämie für Kühlschränke bis zur Koppelung von Hartz IV an den Strompreis gehen die Vorschläge.

Angesichts der sprunghaft steigenden Stromkosten für die Verbraucher wird der Ruf nach Korrekturen an der Energiewende lauter. Die Verbraucherzentralen fordern, die Ausnahmeregelungen für viele Unternehmen abzuschaffen, um die Bürger zu entlasten.

Die Linke verlangt eine Abwrackprämie für stromfressende Waschmaschinen und Kühlschränke, damit sich die Menschen stromsparende Geräte leisten können. Die CSU-Landesgruppe im Bundestag mahnt eine stärkere Steuerung des Ausbaus erneuerbarer Energien an, um Preissprünge für die Verbraucher zu vermeiden.

Der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Energiewende durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) sei richtig – aus Verbrauchersicht aber teurer als nötig. „Sie ist zu schlecht koordiniert, sie ist zu schlecht geplant.“

Privilegien streichen

Billen verlangte die Abschaffung der Privilegien, die viele Firmen von Netzentgelten und der Ökostrom-Umlage befreien. Dadurch müssten die Privathaushalte den größten Teil der Mehrkosten für die Energiewende schultern. „Das ist ungerecht – auch, weil wir sehr viele Verbraucher mit geringen Einkommen haben.“

Auch Linksfraktionschef Gregor Gysi forderte die Vergünstigungen für stromintensive große Konzerne bis auf wenige Ausnahmen zu streichen. Er schlug in einem dpa-Gespräch zudem vor, die Stromsteuer um den Betrag zu senken, um den die Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien gestiegen sei.

„Wir verwenden dann diese Gelder für die erneuerbaren Energien, machen die Strompreise aber nicht teurer.“ Mit Hilfe der Abwrackprämie sollten Bürger ihre alten Haushaltsgeräte verschrotten und sich eine stromsparendere Technik kaufen können.

Oettinger will Hartz IV an Strompreis koppeln

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt wies SPD und Grünen die Verantwortung für die stark steigenden Energiepreise zu. „Wir müssen eine gesteuerte Energiewende anstreben, nicht wie Rot-Grün es gemacht hat, ungesteuert einfach den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben“, sagte sie. Darin liege die wesentliche Ursache für die jetzige Preisentwicklung.

Deutschland hat nach Angaben von EU-Energiekommissar Günther Oettinger hinter Japan und Dänemark den höchsten Strompreis der Welt. Oettinger forderte in der „Welt am Sonntag“: „Wenn die Energiepreise steigen, müssen auch die Leistungen für Hatz-IV-Empfänger steigen.“

Der CDU-Politiker appellierte erneut an Deutschland, sich weniger stark von der Kohle-Verstromung abzuwenden. Sie sei bisher zu 45 Prozent im deutschen Energiemix enthalten und werde „viel länger eine wichtige Rolle spielen müssen, als mancher akzeptieren will“.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article112307304/Verbraucher-fordern-Korrektur-der-Energiewende.html

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28.12.12

Polen macht die Grenze für deutschen Strom dicht

Beim Transport vom Norden in den Süden drängt unser Strom ungewollt in die Netze der Nachbarstaaten – denn in der Bundesrepublik fehlen Trassen. Jetzt sperren die Polen ihre Leitungen. Von Daniel Wetzel

Polen will unerwünschte Elektrizität aus deutschen Windkraft-Anlagen künftig an der Grenze stoppen. Der polnische Stromnetzbetreiber PSE Operator verständigte sich jetzt mit dem nordostdeutschen Netzbetreiber 50 Hertz auf den Bau so genannter Phasenschieber, mit deren Hilfe grenzüberschreitende Stromflüsse abgeblockt werden können. Der Einsatz sei bereits „kurzfristig“ geplant, hieß es.

Hintergrund ist der Aufbau großer Windkraft-Parks im Norden und Osten Deutschlands im Zuge der Energiewende. Weil es nicht genug innerdeutsche Stromleitungen gibt, um die grünen Kilowattstunden zu den Verbrauchszentren in Süddeutschland zu transportieren, suchte sich der Strom gemäß physikalischer Gesetze seinen Weg über die Stromnetze der Nachbarstaaten nach Bayern und Baden-Württemberg.

Jetzt jedoch wollen Polen und auch Tschechien ihr Netz nicht mehr länger zur Verfügung stellen, da die Stromdurchflüsse inzwischen Größenordnungen erreicht haben, die das jeweils eigene Stromnetz destabilisieren.

„Die Systemsicherheit verschlechtert sich, trotz der Investitionen ins polnische Leitungsnetz“, erklärte ein Manager von PSE Operator gegenüber dem Online-Dienst ICIS Heren. Weil die Stromnetze in Polen immer öfter mit dem deutschen Windstrom-Transit ausgelastet sind, stünden den polnischen Marktteilnehmern selbst auch zu wenig eigene Importkapazitäten zur Verfügung.

Anlagen kosten 80 Millionen Euro

Um eine Gefährdung des polnischen Netzes zu verringern, erklärte sich der in Berlin ansässige Netzbetreiber 50 Hertz jetzt bereit, gemeinsam mit den polnischen Kollegen Phasenschieber-Transformatoren aufzubauen. Die etwa 80 Millionen Euro teuren Anlagen sollen bis 2016 an den beiden großen grenzüberschreitenden Trassen errichtet werden.

Bis es so weit ist, will 50 Hertz bei großem Windstrom-Aufkommen kurzfristig so in den ostdeutschen Kraftwerkspark eingreifen, dass die Existenz von Phasenschiebern bereits simuliert wird. Dies werde immer dann geschehen, „wenn Stromflüsse aus Deutschland ein festgelegtes Limit überschreiten und die Netzstabilität in Polen potenziell gefährden“, erklärte Geschäftsführer Dirk Biermann.

Geplant sei eine Pilotphase bis Ende März 2013, während der 50 Hertz die anfallenden Kosten für die Änderung des Kraftwerkseinsatzes tragen wolle. Die Netzbetreiber wälzen diese so genannten Re-Dispatch-Kosten allerdings in der Regel vollständig auf die Stromrechnungen der Verbraucher ab.

Noch unklar ist, wie oft Polen die Grenzblockade zum Einsatz bringen will. Nach Angaben von 50 Hertz erreichen die unerwünschten Stromflüsse aus Deutschland nach Polen phasenweise über 1500 Megawatt. Das entspricht der Leistung von zwei Atomkraftwerken und ist das Dreifache des normalen Stromhandels zwischen beiden Ländern.

Rache für Deutschlands Alleingang?

„Mit den Phasenschiebern bekommen wir ein Instrument in der Hand, den Strom eher dahin fließen zu lassen, wo wir ihn haben wollen“, erklärte ein Sprecher von 50 Hertz auf Nachfrage: „Das erleichtert auch die Handelsgeschäfte in der Region.“

Weniger positiv sieht Stephan Kohler, Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur (Dena) die Entwicklung: „Der Einsatz der Phasenschieber hat zur Folge, dass im Osten Deutschlands künftig noch öfter Windparks abgeschaltet werden müssen, weil der Strom nicht mehr zum Verbraucher gebracht werden kann.“

Es räche sich jetzt, dass Deutschland Atomausstieg und Energiewende ohne Absprache mit den europäischen Partnern vorangetrieben habe, sagte der Dena-Chef der „Welt“. Denn die Phasenschieber seien nicht nur ein deutsch-polnisches Thema: Auch Tschechien plane den Aufbau entsprechender Anlagen. Die Niederlande könnten sich ebenfalls entschließen, den deutschen Windstrom an der Grenze aufzuhalten.

Dass Problem, dass sich ein Überschuss an Windenergie in Nordost-Deutschland „aufstaut“, schien durch die Inbetriebnahme einer neuen Stromtrasse zwischen Schwerin und Hamburg kurz vor Weihnachten zumindest gemildert. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich freigeschaltete „Windsammelschiene“ habe die Exportkapazität für Windstrom „erfreulich erhöht“, sagte ein 50 Hertz-Sprecher. „Die Windsammelschiene löst aber nicht alle Schwierigkeiten der ungeplanten Stromflüsse über das polnische und tschechische Gebiet.“

Innerdeutsche Leitung soll Entlastung bringen

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur in Bonn erklärte, man sehe die Einigung zwischen 50 Hertz und der polnischen PSE „positiv“, weil nun die bislang unkontrollierten Stromflüsse zwischen Deutschland und Polen gesteuert werden könnten. Dass der europäische Binnenmarkt durch die Grenzbarrieren fragmentiert werde, sei nicht zu befürchten, da sich beide Seiten auf einen „gemeinsamen Betrieb“ der Phasenschieber geeinigt hätten.

Darüber hinaus erklärte die Behörde, das Problem ungewollter Windstrom-Exporte werde sich bis zur Inbetriebnahme der Grenz-Transformatoren im Jahre 2016 vermutlich ohnehin lösen. Denn bis dahin werde mit der „Thüringer Strombrücke“ eine direkte Leitung zwischen Ostdeutschland und Bayern fertig gestellt. Bislang wird der Bau der wichtigen innerdeutschen Leitung allerdings durch Landes- und Lokalpolitiker sowie Bürgerinitiativen blockiert.

http://www.welt.de/wirtschaft/article112279952/Polen-macht-die-Grenze-fuer-deutschen-Strom-dicht.html

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17.12.2012

Erneuerbare Energien: Ökostrom-Umlage belastet vor allem die Ärmsten

Ökonomen haben die Verteilungswirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes untersucht. Sie kritisieren die starke Umverteilung von Arm zu Reich. Das Versprechen sinkender Kosten werde nicht erfüllt. Von Daniel Wetzel

Die Ökostrom-Umlage auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) „führt zu einer deutlichen Umverteilung von Arm zu Reich“. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Den Berechnungen zufolge zahlen die ärmsten zehn Prozent der Haushalte im Schnitt gut 1,3 Prozent ihres Einkommens für die Subventionierung von Ökostrom. Die reichsten zehn Prozent geben dafür nur 0,2 Prozent her. „Wir müssen eine erhebliche verteilungspolitische Schieflage konstatieren“, sagte IW-Chef Michael Hüther.

Hohe Belastung für Geringverdiener

Laut IW zahlt jede Person in den zehn Prozent der ärmsten Haushalte derzeit 6,00 Euro pro Monat extra für Ökostrom-Beihilfen. Der Betrag werde im kommenden Jahr auf 8,75 Euro pro Monat ansteigen. Die zehn Prozent der reichsten Haushalte zahlten derzeit 7,20 Euro monatlich und im kommenden Jahr 10,75 Euro.

„Damit ist die relative Belastung für Geringverdiener besonders hoch“, stellte Hubertus Bardt, Energieexperte des IW, fest. Verstärkt werde die Umverteilung noch durch den Umstand, „dass die privaten Betreiber von Solaranlagen meist zu den wohlhabenden Haushalten gehören.“

Preis steigt um 112 Prozent

IW-Chef Hüther stellt fest, dass sich das Versprechen stetig sinkender Ökostrom-Kosten bislang nicht erfüllt habe. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Hüther: Zahlten die Verbraucher im Jahr 2000 noch im Schnitt 8,5 Cent für eine Kilowattstunde Ökostrom, so sind es heute 18,1 Cent.

Der Preis für erneuerbare Energien ist damit um 112 Prozent gestiegen, so Hüther: „Das liegt vor allem daran, dass die besonders teure Fotovoltaik und die Biomasse erheblich zugelegt haben.“ Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen steige die EEG-Rechnung im Jahr 2013 um 100 Euro auf 310 Euro, sagte Hüther: „Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

Industrie trägt Großteil der Umlage

Hüther räumte auch mit dem Vorwurf auf, die EEG-Umlage sei nur deshalb so stark gestiegen, weil immer mehr Industriebetriebe von ihr befreit wurden. In Wahrheit werde die EEG-Umlage zu rund zwei Dritteln vom Industrie- und Dienstleistungssektor getragen. „Es kann keine Rede davon sein, dass die Privatverbraucher allein zahlen müssten.“

Ohne die Privilegien einiger Industriebetriebe läge die EEG-Umlage gerade einmal ein Cent niedriger. Der häufig gehörte Vorwurf, selbst „Golfplätze“ würden von der EEG-Umlage befreit, verwies Bardt ins Reich der Märchen: Tatsächlich finde sich auf den Listen der befreiten Unternehmen nirgendwo ein Golfplatz.

Das IW forderte die Bundesregierung auf, die Ökostrom-Subventionierung bei einer inzwischen erreichten Größenordnung von 20 Milliarden Euro pro Jahr nicht mehr der parlamentarischen Kontrolle zu entziehen: Es wäre transparenter und sozial gerechter, die Beihilfen aus dem Steueraufkommen zu zahlen.

Auch die Umwandlung des „Solidaritätszuschlags“ in einen „Energie-Soli“ sei denkbar. Allerdings müsste dieser dann von 5,5 auf 12,5 Prozent mehr als verdoppelt werden.

Scharfe Kritik an IW-Studie

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) erklärte, die Berechnungen des IW seien der „gezielte Versuch, die erneuerbaren Energien für soziale Not in Deutschland verantwortlich zu machen.“ Das sei „absurd“ und diene ausschließlich dazu, „Stimmung gegen die Energiewende zu machen“, sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz.

Mit den erneuerbaren Energien werden erstmals die Kosten für die nachfolgenden Generationen, die durch Umwelt- und Gesundheitsschäden oder die Einlagerung von Atommüll entstehen, real verringert, so Schütz: „Mit der Energiewende schaffen wir also überhaupt erst die Voraussetzung, dass Energie auch für künftige Generationen bezahlbar bleibt.“

Greenpeace sieht darin „einen Angriff auf das EEG. „Die Geringverdiener werden dabei in argumentative Geiselhaft für einseitige Klientelpolitik genommen“, sagte Tobias Austrup von Greenpeace.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article112067883/Oekostrom-Umlage-belastet-vor-allem-die-Aermsten.html

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17.12.2012

Mehrwertsteuerplus: Staat kassiert Milliarden durch höhere Strompreise

Die Strompreiserhöhung im kommenden Jahr beschert der Staatskasse zusätzliche Steuereinnahmen in Milliardenhöhe. Die Industrie zweifelt an der Versorgungssicherheit und will selbst Energie erzeugen.

Der Staat nimmt durch die Strompreiserhöhungen im kommenden Jahr über eine Milliarde Euro zusätzlich an Mehrwertsteuer ein. In der „Bild“-Zeitung veröffentlichte Berechnungen der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von 3,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen wurden in Fachkreisen aber als falsch zurückgewiesen.

Den Berechnungen von Vorstandsmitglied Günter Reisner lag dabei ein Gesamtjahresverbrauch in Deutschland von 607 Milliarden Kilowattstunden und ein Preis von 26 Cent je Kilowattstunde zugrunde.

Industrie zahlt nur die Hälfte

Doch zuletzt lag der Jahresstromverbrauch nur bei 541 Milliarden Kilowattstunden – davon entfielen 140 Milliarden auf Haushalte, die rund 26 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Der Löwenanteil entfällt aber auf die Industrie, die nur knapp die Hälfte zahlt, entsprechend verringern sich zusätzliche Mehrwertsteuereinnahmen.

Ein Vertreter des Vergleichsportals „toptarif.de“ sprach von knapp einer Milliarde Euro mehr an Mehrwertsteuer für Privathaushalte durch die Erhöhungen. Insgesamt rechnen Experten mit etwa 1,5 Milliarden mehr.

Betriebe setzen auf eigene Stromversorgung

Wegen der Energiewende setzen nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) inzwischen immer mehr Betriebe auf eine eigene Stromversorgung. „Jedes dritte Unternehmen beschäftigt sich konkret damit, erneuerbare oder konventionelle Energie selbst zu erzeugen“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dieser Trend nehme in allen Branchen zu, „nicht zuletzt vor dem Hintergrund wachsender Zweifel an der Versorgungssicherheit“.

Laut Driftmann verfolgt vor allem der Mittelstand die Energiepolitik der Regierung kritisch – auch wenn dies nicht eine grundlegende Ablehnung der erneuerbaren Energien bedeute.

Bilanz der Energiewende

„Chancen wie die Erschließung neuer Absatzmärkte wiegen Sorgen um Preisanstieg und Versorgungssicherheit nicht auf“, sagte der DIHK-Präsident. Gerade Industrie und Handel sähen sich durch hohe Strompreise immer stärker belastet.

Grundlage der DIHK-Einschätzung ist eine weitgefächerte Befragung unter mehr als 2300 Betrieben rund um die Themen Energiepolitik und Versorgungssicherheit vom Oktober. Sie soll am Nachmittag offiziell in Berlin vorgestellt werden. Am Mittwoch wollen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit der Vorlage eines sogenannten Monitoringberichts selbst eine Bilanz der Energiewende ziehen.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article112058591/Staat-kassiert-Milliarden-durch-hoehere-Strompreise.html

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06.12.2012

Rabatt für Großverbraucher: Regierung schenkt Firmen Geld für die Stromrechnung

Industrieunternehmen mit hohem Energieverbrauch erhalten einen Ausgleich für die Strompreiserhöhungen, die sich aus dem europäischen Emissionshandel ergeben. Begünstigt werden vor allem Firmen der Stahl-, Chemie- und Papierbranche. Umweltverbände kritisieren das Vorhaben.

Stromintensive Unternehmen bekommen einen Großteil jener Kosten erstattet, die von Januar 2013 an infolge des Emissionshandels auf den Strompreis umgelegt werden. Die Bundesregierung billigte am Donnerstag eine entsprechende Förderrichtlinie. Bei Umweltverbänden stieß das Vorhaben auf scharfe Kritik.Die Energieversorger müssen ab Anfang 2013 alle Zertifikate kaufen, die sie für den Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken benötigen. Das treibt die Kosten für die Strompreise vor allem bei Betrieben mit hohem Energieverbrauch in die Höhe. Deshalb sollen Sektoren gefördert werden, die besonders stark im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen die Stahl-, die Chemie-, die Papier- oder die Nichteisenmetallbranche. Konkret sollen die Unternehmen in Deutschland eine Kompensation in Höhe von 85 Prozent ihrer emissionshandelsbedingten Stromkosten erhalten. Der Ausgleich soll bis 2020 auf 75 Prozent fallen.

Allein 2014 rund 350 Millionen Subvention

Die Förderung soll bereits von Januar 2013 an gelten, die Auszahlung ist den Angaben zufolge jedoch erstmals ab 2014 möglich. Für 2014 werden die Kosten auf rund 350 Millionen Euro veranschlagt. Die Regelung stützt sich auf eine EU-Richtlinie zur so genannten CO2-Kompensation.

Entscheidend sei, dass nur Unternehmen gefördert würden, bei denen wegen ihres hohen Energieverbrauchs und ihrer Stellung im internationalen Wettbewerb Gefahren einer Verlagerung ins Ausland bestünden, erklärte Wirtschaftsminister Philipp Rösler.


Mit der Strompreiskompensation erhalten wir Arbeitsplätze und setzen geeignete Rahmenbedingungen für künftiges Wachstum in Deutschland.“

Umweltverbände kritisierten die Pläne scharf. Rösler untergrabe damit die Bemühungen zum Klimaschutz, weil der Emissionshandel jeder Anreizwirkung beraubt werde, erklärte der Naturschutzbund.

http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/kostenausgleich-fuer-energie-grossverbraucher-industrie-erhaelt-strompreisbeihilfen_aid_876106.html

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04.12.12

Hohe Strompreise: „Konsumenten zahlen für Milliarden-Geschenke an die Industrie“

Nach Verabschiedung der Offshore-Umlage müssen die Konsumenten ab 2013 etwa 13 Prozent mehr für ihren Strom zahlen. Das Geld ist nichts anderes als eine zentralistisch verordnete Zwangsabgabe, bei der die Bürger dafür zahlen müssen, dass der Staat nicht in der Lage ist, die Erneuerbaren Energien in die Netze einzuspeisen. Die Unternehmen, die die Wette auf den Wind vom Meer eingegangen sind, halten sich schadlos.

Vergangene Woche beschloss der Deutsche Bundestag die sogenannte Offshore-Umlage. Diese ist nichts anderes als eine gesetzlich verordnete Umlage der Windpark-Anschlusskosten zu Lasten der Konsumenten. Dadurch erhöhen sich die Strompreise für 2013 um 13 Prozent. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, hält diese Mehrkosten nicht für gerechtfertigt. Den Deutschen Wirtschafts Nachrichten sagte er, dass man die Preiserhöhungen im Rahmen der Energiewende nicht auf eine umweltfreundliche Umstellung der Energieversorgung zurückführen könne. Es handele sich vielmehr um „Milliarden-Geschenke an die Industrie“, so Peters.

Das mit Hilfe des neuen Gesetzes zusätzlich eingenommene Geld fließt den Betreibern von Windparks zu, die noch nicht an das Stromnetz angeschlossen sind. Auch Betreiber von Windparks, die gar keinen Strom liefern, bekommen so Geld vom Staat – ganz und gar ohne Gegenleistung. Das Problem liegt darin, dass der Staat eine Energieform auf Verdacht fördert, von der man heute noch nicht mehr weiß, als dass sie großen Schwankungen unterliegt und dass die vorhandenen Netze in keiner Weise geeignet sind, den aus Erneuerbaren Energien gewonnenen Strom adäquat in die Netze einzuspeisen.

Außerdem enthält das Gesetz Vorschriften, mit denen die Betreiber konventioneller Kraftwerke dazu gezwungen werden sollen, bei Stromengpässen auch unrentable Anlagen weiter zu betreiben. Ebenfalls in der letzten Woche beschloss die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel, stromintensive Unternehmen bei Versorgungsengpässen finanziell zu entschädigen, wenn sie vorübergehend weniger Energie verbrauchen.

Die Planung der Energieversorgung liegt in Deutschland zum Großteil in der Hand des Staates, wie auch die Offshore-Umlage zeigt. Die Verstrickung von Politik und Energiewirtschaft wird auch darin deutlich, dass beispielweise der Versorger EnBW mehrheitlich dem Bundesland Baden-Württemberg gehört. Inzwischen wird der Anteil der Steuern und Abgaben im Strompreis von knapp 50 Prozent nur von derzeit bis zu 90 Prozent Steuern bei Zigaretten übertroffen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/04/offshore-umlage-milliarden-geschenke-an-die-industrie/

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29.11.2012

Stromkosten: Rösler findet Zusatzbelastung für Bürger richtig

Der Wirtschaftsminister verteidigt das Vorhaben der Bundesregierung, weitere Preisaufschläge für die Energiewende auf die Verbraucher abzuwälzen. Die Opposition wirft Philipp Rösler vor, den Strompreis nach oben zu treiben.


Die Opposition hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein Anheizen der Strompreise durch eine verfehlte Energiepolitik vorgeworfen. „Sie sollten keine Krokodilstränen über höhere Strompreise vergießen“, sagte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil am Donnerstag im Bundestag. Durch das Abwälzen von Zusatzkosten durch verspätete Netzanschlüsse von Windparks auf See treibe Rösler selbst die Energiekosten der Bürger in die Höhe. Rösler verteidigte die neuen Belastungen durch die Offshore-Haftungsumlage als notwendig: Damit werde die Versorgungssicherheit in Deutschland gestärkt.

Am Mittag hat der Bundestag das Energiewirtschaftsgesetz beschlossen. Ein Netzbetreiber soll pro Jahr bei verspäteten Anschlüssen oder Störungen maximal 110 Mio. Euro selbst bezahlen, sofern kein Vorsatz nachzuweisen ist. Der Rest kann über die Netzentgelte auf die Bürger abgewälzt werden. Pro Haushalt könnten durch die Übernahme von Entschädigungskosten knapp 10 Euro mehr über den Strompreis zu zahlen sein. Schon ohne diese neue Umlage steigen die Strompreise Anfang 2013 mit im Schnitt zwölf Prozent so stark wie nie zuvor.

Die Belastung der Kleinverbraucher ist ein gängiges Muster bei der Energiewende. Inzwischen zahlt ein Durchschnittshaushalt nicht nur rund 185 Euro Ökostrom-Umlage pro Jahr, sondern auch 11 Euro dafür, dass Großkunden von Netzkosten entlastet werden. Hinzu kommen nun rund 9 Euro für Pannen beim Netzanschluss auf hoher See und 1 bis 4 Euro Entschädigung für Industriebetriebe, die ihre Fabriken bei Stromknappheit freiwillig auf Zuruf abschalten.

Durch die Abwälzung auf die Verbraucher soll ein finanzielles Risiko vom Netzbetreiber Tennet genommen werden, der Probleme beim Anschluss der Windparks hat. So sollen Investoren gewonnen werden, die Tennet unter die Arme greifen könnten. Schon jetzt ist mit Entschädigungen von rund 1 Mrd. Euro zu rechnen. Nach dem Bundestag muss Mitte Dezember noch der Bundesrat zustimmen, das reformierte Energiewirtschaftsgesetz soll ab Januar gelten.

Zudem geht es bei den Neuregelungen um ein Abschaltverbot für unrentabel gewordene Gas- oder Kohlekraftwerke. Sie sollen notfalls zwangsweise zur Stabilisierung der Stromversorgung am Netz gehalten werden. Dafür fällige Entschädigungen werden ebenfalls auf die Netzentgelte umgelegt.

Der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer nannte die Offshore-Haftungsregelung eine „Bankrotterklärung“. „Das ist Schilda live. Da werden Windparks gebaut, ohne dass Netze da sind.“ Heil betonte, von einer fairen Lastenverteilung könne keine Rede sein. „Das ist reine Planwirtschaft“, sagte Heil. „Was machen sie mit diesem Gesetz? Flickschusterei.“ Die Verbraucher müssten nun ausbaden, dass die Bundesregierung die Herausforderungen durch Windparks in Nord- und Ostsee vollkommen unterschätzt habe. „Sie sind der Aufgabe nicht gewachsen gewesen“, warf er Rösler vor.

Der Bundeswirtschaftsminister sagte: „Wir machen den Weg frei für Milliardeninvestitionen.“ Die Kosten für die Verbraucher würden gedeckelt auf ein Prozent des Strompreises, betonte Rösler. Die Grünen seien hier gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Das ist das wahre Gesicht der Grünen in der Energiepolitik.“ Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer sagte, Offshore-Windkraft könne mittelfristig zu einer Senkung der Energiepreise beitragen, weil es eine weit höhere Stromproduktion als an Land gebe.

Die Linken-Politikerin Barbara Höll warf der Regierung mit Blick auf die Zusatzprämie für unrentabel gewordene Kraftwerke vor, auf eine Drohkulisse der Energiekonzerne hereingefallen zu sein. Die Regelung könne zu Mitnahmeeffekten führen, wenn mit einer Stilllegung gedroht werde, um die Prämien zu kassieren. „Der Profit ist entscheidend und nicht die Versorgungssicherheit“, sagte Höll.

https://www.ftd.de/politik/deutschland/:stromkosten-roesler-findet-zusatzbelastung-fuer-buerger-richtig/70123406.html#utm_source=rss2&utm_medium=rss_feed&utm_campaign=/schnellleser

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28.11.2012

20 000 Euro pro Megawatt: Verbraucher sollen Firmen für Stromverzicht bezahlen

Die Belastungen für die Stromkunden aus der Energiewende steigen immer weiter. Nun sollen sie Konzerne dafür entschädigen, wenn diese für die Netzstabilität auf Stromlieferungen verzichten.

Im Kampf gegen die Blackout-Gefahr im Winter sollen Industriebetriebe für den Verzicht auf Stromlieferungen bezahlt werden. Mit der Abkopplung von großen Verbrauchern bei Engpässen soll das Netz stabilisiert und die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Den Stromkunden kostet die Bereitschaft der Betriebe zum Verzicht und eine Abkopplung an sich laut Regierungsangaben maximal vier Euro im Jahre.Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Verordnung zu den so genannten abschaltbaren Lasten. Das Vorhaben war umstritten, da auch in der Koalition Mitnahmeeffekte der Industrie befürchtet wurden. Die Betriebe sollen sowohl für die Abschaltung an sich Geld erhalten als auch schon für die Bereitschaft dazu. Diese solle nun mit maximal 20 000 Euro pro Jahr und Megawatt vergütet werden. Anfangs waren bis zu 60 000 Euro im Gespräch. Die Netzbetreiber sollen monatlich 3000 Megawatt, rechnerisch die Leistung von drei AKW, an so genannter Abschaltleistung ausschreiben dürfen. Die Hälfte davon muss sofort abschaltbar sein, die andere innerhalb von 15 Minuten.

Bis zu vier Euro pro Haushalt

Umgelegt werden die Kosten über die Netzentgelte auf die Verbraucher. Es wird mit ein bis zwei Euro pro Haushalt und Jahr kalkuliert, das Wirtschaftsministerium sprach von maximal vier Euro. Die zunehmenden Schwankungen im Netz durch die Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom sollen so nicht nur durch das Regeln von konventionellen Kraftwerken, sondern auch auf Seiten der Abnehmer ausglichen werden.

Ähnliche Konstruktionen mit der Abschaltung von Industriebetrieben gibt es bereits in anderen europäischen Ländern, die damit ebenfalls das Netz stabilisieren wollen. Befürworter argumentieren, unter dem Strich seien solche Regelungen billiger als ein Netzausbau, für den letztlich die Verbraucher ebenfalls zahlen müssten.

http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/20-000-euro-pro-megawatt-verbraucher-sollen-firmen-fuer-stromverzicht-bezahlen_aid_870573.html

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09.11.2012

Der Stromexport aus Deutschland erreicht im laufenden Jahr einen Rekordwert – trotz Atomausstieg. Grund ist der Boom bei der Ökoenergie. Im Winter aber könnte die Versorgungslage anders aussehen, es drohen Engpässe.

Hamburg – Deutschland hat im bisherigen Jahresverlauf so viel Strom in seine Nachbarländer exportiert wie nie zuvor. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor, die manager magazin Online vorliegen.

In den ersten drei Quartalen 2012 flossen im Saldo 12,3 Terawattstunden Elektrizität über die Grenzen. Das entspricht der Leistung von zwei Großkraftwerken, die in dieser Zeit permanent Strom liefern.

Im selben Zeitraum des Vorjahres war Deutschland laut Statistischem Bundesamt Netto-Stromimporteur. Der negative Saldo betrug 0,2 Terawattstunden. Im Jahr vor dem Atomausstieg (2010) lag der Exportüberschuss von Januar bis einschließlich September demnach bei 8,8 Terawattstunden.

Fachleute machen den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland für die Entwicklung verantwortlich. Große Mengen von Wind- und Solarstrom dämpfen den Preis an der Strombörse. „Die gesunkenen Preise führen dazu, dass mehr Strom aus Deutschland in die Nachbarstaaten exportiert wird“, sagt Energiemarkt-Analyst Brian Potskowski vom Brancheninformationsdienst Bloomberg New Energy Finance.

Keine Entwarnung für den Winter

Besonders drastisch sind nach BDEW-Angaben zuletzt die Ausfuhren in die Niederlande gewachsen. Dort fahren Versorger nach Einschätzung des Verbandes oftmals ihre Gaskraftwerke herunter, weil Importstrom aus Deutschland billiger ist. Diese Entwicklung bestätigte der Versorger RWE Chart zeigengegenüber manager magazin Online. RWE betreibt in beiden Ländern Kraftwerke.

„Wir sehen eine zunehmend engere Verknüpfung der europäischen Märkte“, teilte ein RWE-Sprecher mit. Dies gelte insbesondere für die Länder Frankreich, die Niederlande, Belgien und Deutschland. „Die Kraftwerke der beteiligten Länder konkurrieren untereinander, und Strom wird in den Kraftwerken produziert, die das günstigste Angebot gestellt haben.“ Und das sind zunehmend Windkraft- und Solaranlagen, aber auch Kohlekraftwerke, die den Strom günstiger produzieren als Gaskraftwerke.

Der BDEW führt den großen deutschen Kraftwerkspark als wesentliche Ursache für die Exportschwemme an. „Deutsche Kraftwerksbetreiber müssen aus Sicherheitsgründen ausreichende Kapazitäten vorhalten“, sagte ein Sprecher des BDEW.

Anlagen, die in Phasen mit hohem Verbrauch die Versorgungssicherheit gewährleisten sollen, produzierten je nach Marktlage auch in Phasen mit geringerer Nachfrage Strom, der dann gegebenenfalls exportiert wird. „Das ist ein seit Jahren bekanntes Phänomen“, so der Sprecher.

Der hohe Exportüberschuss bedeutet jedoch keine Entwarnung für mögliche Stromengpässe im Winter. An besonders kalten Tagen, an denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, ist Deutschland laut der Bundesnetzagentur auf eine sogenannte Kaltreserve angewiesen. Zu dieser gehören auch Kraftwerke in Österreich.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-schafft-stromexport-rekord-trotz-atomausstieg-a-866226.html

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10.10.2012

Teuerung zum Jahreswechsel: 2013 droht ein Strompreisrekord

Um die Energiewende zu finanzieren, müssen Deutschlands Stromkunden bald noch tiefer in die Tasche greifen: Der Strompreis wird um bis zu elf Prozent steigen – so stark wie in den letzten zehn Jahren nicht. Für Verbraucher bedeutet das rund hundert Euro Mehrkosten pro Jahr.

Die deutschen Verbraucher müssen im kommenden Jahr mit drastischen Strompreissteigerungen von mindestens sieben Prozent, wahrscheinlich aber zehn Prozent und mehr rechnen. Ein Grund dafür ist, dass die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird, auf ein Rekordniveau von voraussichtlich knapp 5,3 Cent je Kilowattstunde steigen wird. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr könnten die Förderkosten damit inklusive Mehrwertsteuer von knapp 150 Euro auf fast 220 Euro steigen, errechnete das Verbraucherportal toptarif.de. Eine Großfamilie müsse 2013 sogar 408 Euro brutto bezahlen.Doch das ist nicht alles: Zugleich wird erwartet, dass die Netzentgelte, mit denen der Betrieb, die Wartung und der Ausbau der Stromnetze finanziert werden, stark steigen. Nicht zuletzt bekommen auch immer mehr energieintensive Unternehmen Rabatte bei der Umlage, deren Kosten wiederum den Verbrauchern aufgebürdet werden.

Stärkste Erhöhung seit zehn Jahren

Im Extremfall drohen Preissteigerungen von elf Prozent, teilte das Portal Verivox.de mit. „Eine Preissteigerung von elf Prozent wäre die stärkste Erhöhung in den letzten zehn Jahren“, sagte Dagmar Ginzel, Energieexpertin bei Verivox. „Die Strompreise steigen jedes Jahr, doch normalerweise bewegen sich die Erhöhungen im einstelligen Prozentbereich.“

Selbst der größte Energieversorger in Ostdeutschland, enviaM, macht keinen Hehl daraus, dass neue Strompreisrekorde nahen: In ganz Deutschland sei ab Januar 2013 mit einem „historischen“ Anstieg zu rechnen, kündigte Vertriebsvorstand Andreas Auerbach an. Der Preis werde um mindestens zehn Prozent höher liegen als heute.

Offiziell geben die vier Übertragungsnetzbetreiber am kommenden Montag bekannt, wie hoch die Ökostrom-Umlage für 2013 ausfällt. Sie sind für die Verwaltung des Kontos zuständig, über das die Vergütungen für Solar- und Windparks gezahlt werden. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist festgelegt, dass Betreiber von Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerken auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze für ihren Strom bekommen. Diese Zahlungen liegen über den Marktpreisen und werden über die Umlage von allen Bürgern finanziert. Da sich das Vergütungskonto Ende September mit 2,6 Milliarden Euro im Minus befand, war ein satter Anstieg absehbar. In Branchenkreisen hieß es, zwischen den Beteiligten habe man sich auf eine Umlage von 5,277 Cent geeinigt.

Merkels Stabilitäts-Versprechen ist Makulatur

Im Vorjahr waren kurz vor der Veröffentlichung der neuen Umlage noch kleine Veränderungen vorgenommen worden. Sicher ist aber, dass die Umlage knapp unter 5,3 Cent liegen wird. Damit drohen Haushalten jährliche Mehrkosten von 50 bis 60 Euro allein durch die Ökostrom-Förderung. Bisher fallen für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden je nach Anbieter Stromkosten von rund 900 Euro pro Jahr an, rund 125 Euro davon macht bisher die Ökostrom-Förderung aus.
Die neue Umlage-Zahl gilt als Politikum, weil Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Zuge der Energiewende 2011 betont hatte, die Umlage solle auf dem bisherigen Niveau von 3,5 Cent stabilisiert werden. Diese als Versprechen verstandene Ankündigung wird nun ausgerechnet im Bundestagswahljahr Makulatur.

Die Energieexperten von Verivox warnen: „Viele Stromanbieter werden die Erhöhung der Abgaben an ihre Kunden direkt weitergeben.“ Immerhin: Die Kunden haben in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht. „Wer eine solche Preiserhöhungsnachricht erhält, sollte die Gelegenheit nutzen, die Strompreise zu vergleichen und sich nach einem günstigeren Anbieter umschauen“, sagte Ginzel. Durch einen Anbieterwechsel lassen sich durchschnittlich 370 Euro sparen. Bei der Wahl des günstigsten Tarifs hilft der Strompreisrechner von FOCUS Online.

Greenpeace: Unternehmen sollen mehr zahlen

Unterdessen diskutieren Interessenverbände und Politik über Auswege aus der Preisspirale: Um die EEG-Umlage zu senken, schlägt die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft vor, die Begünstigungen von Unternehmen bei der EEG-Umlage zu reformieren und somit die Industrie stärker an den Kosten der Energiewende zu beteiligen. Zugleich fordert sie, Strom aus erneuerbaren Energien steuerlich zu begünstigen. Über diese beiden Faktoren ließe sich die EEG-Umlage von derzeit 3,59 Cent auf 2,2 Cent pro Kilowattstunde reduzieren, erklärte Greenpeace.

Um vor allem einkommensschwache Haushalte von der Preissteigerung zu entlasten, plädiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer weiteren Studie für eine Anpassung der Hartz-IV-Grundsicherung, des Wohngeldes und des Bafög-Satzes. Zugleich regt das DIW einen Freibetrag bei der Stromsteuer für die ersten 1000 verbrauchten Kilowattstunden Strom pro Haushalt und Jahr an. Darüber hinaus fordert das Institut einen Ausbau von Beratungsprogrammen und Prämien für die Anschaffung von energiesparenden Haushaltsgeräten für einkommensschwache Haushalte.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Dienstag angekündigt, allen Haushalten bis 2020 eine kostenlose Energieberatung ermöglichen zu wollen. Zudem stellte er Hilfsprogramme für einkommensschwache Haushalte in Aussicht. Deren Ausgestaltung ist aber noch unklar. Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Hempelmann, forderte in der „Welt“ einen „Energieeffizienzfonds“, aus dem die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen gefördert werden soll. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn.

http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/energieversorger-kuendigt-historischen-anstieg-an-teuerung-zum-jahreswechsel-2013-droht-ein-strompreisrekord_aid_836089.html

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16.05.2012

Stromkunden sollen für Windpark-Kosten aufkommen

Die Bundesregierung plant laut Bericht, die Kosten zur Weiterleitung von Windstrom auf die Verbraucher umzulegen. Damit soll die Haftung von Netzbetreibern bei Ausfällen begrenzt werden.

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Das Bundeswirtschaftsministerium erwägt einem Bericht zufolge, eine neue Umlage zur Sicherung der Stromerzeugung vor den Küsten von Nord- und Ostsee einzuführen.

Die Umlage solle erhoben werden können, wenn ein Betreiber eines Offshore-Windparks wegen eines Leitungsschadens oder bei fehlender Anbindung ans Stromnetz zwar Strom erzeugen, aber nicht ins Netz einspeisen kann, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf einen Verordnungsentwurf des Ministeriums. Das Umweltministerium habe noch nicht zugestimmt.

Netzbetreiber drohen mit Investitionsstopp

Bislang muss für Ausfälle der Netzbetreiber haften. Der für die Nordsee-Anbindung verantwortliche Netzbetreiber Tennet hatte jüngst gedroht, den Ausbau einzustellen, weil die Risiken mit einem bis zu dreistelligen Millionenbetrag nur teilweise versicherbar seien und die Wirtschaftlichkeit der Investitionen verschlechterten.

Um das – und Verzögerungen bei der Energiewende – zu verhindern, hat die Regierung laut „FAZ“ zugesagt, noch vor der Sommerpause die Haftung zu begrenzen. Laut Vorschlag aus dem Bundeswirtschaftsministerium bekäme der Netzbetreiber bei einer Unterbrechung ab dem 15. Tag 80 Prozent der entgangenen Einspeisevergütung erstattet, wie die „FAZ“ berichtete.

Der Betreiber könne die Kosten dann mittels der neuen „Offshore-Anbindungs-Umlage“ auf die Stromrechnung überwälzen. Dort würde dieser Betrag extra ausgewiesen, so dass die Kunden erkennen können, wie hoch diese Umlage ausfällt.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article106320376/Stromkunden-sollen-fuer-Windpark-Kosten-aufkommen.html

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19.03.2012

Regierungsplan: Stromkunden sollen für Windenergie-Firmen haften

Die privaten Konzerne scheuen sich, Offshore-Windparks ans Stromnetz anzuschließen, sie fürchten teure Pannen. Eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung hat deshalb eine Idee: Der Staat könnte die Risiken für die Unternehmen übernehmen – oder gleich die Stromkunden.

Um den stockenden Ausbau von Windstrom auf hoher See in Schwung zu bringen, sollen Staat und Stromkunden den privaten Investoren Risiken abnehmen. Nur so könne der Bau neuer Windräder nach den Zielen der Bundes gesichert werden, heißt es im Abschlusspapier der von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe „Beschleunigung“, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Kernpunkt ist die Übernahme von Haftungsrisiken der Stromnetz-Gesellschaften, die als Hauptgrund für die Verzögerungen gelten. Am Donnerstag soll das Konzept Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vorgestellt werden. Aus Kreisen der Arbeitsgruppe und der Regierung wurde allerdings darauf hingewiesen, dass der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen das Vorhaben und das Treffen torpedieren könne.

„Soweit mögliche Schäden trotz technischer und organisatorischer Vorkehrungen nicht wirtschaftlich versicherbar sind, ist der Schadensausgleich zu sozialisieren“, heißt es im Papier der Arbeitsgruppe, in der Netzfirmen, Windparkbetreiber, Zulieferer wie Siemens sowie Umwelt- und Wirtschaftsministerium vertreten sind.

Denkbar sei zum Beispiel, dass die Bundesregierung einspringe oder dass die Kosten auf die von allen Stromkunden zu zahlenden Netz- oder Ökostromentgelte umgewälzt werden. Bis Sommer solle es dafür gesetzliche Vorschriften geben. Nur so könnten die nächsten Ausbaustufen mit Windparks der Leistung von sechs AKW bis 2013 in die Wege geleitet werden.

Der Netzbetreiber Tennet winkt ab

Die Netzgesellschaften müssen nach bisheriger Lage bei Leitungspannen und Verzögerungen den Einnahmeausfall der Windparkbetreiber auffangen. Sie zögern daher mit dem Anschluss von Windparks, obwohl dieser eigentlich innerhalb von 30 Monaten umgesetzt sein müsste. Umgekehrt haben Windpark-Investoren so keine Sicherheit, dass ihr Strom abtransportiert werden kann. Dies soll nun durch einen Rechtsanspruch der Investoren gegenüber den Netzfirmen geändert werden.

Gefragt ist vor allem der Netzbetreiber Tennet, der für den Anschluss der Nordsee-Anlagen verantwortlich ist. Tennet habe allerdings in der Arbeitsgruppe klargestellt, dass die nächsten Anschlussvorhaben „die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens übersteigen würden“. Tennet gehörte einst dem Energiekonzern E.on und heute dem niederländischen Staat.

Bis 2030 soll Offshore-Strom nach dem Willen der Bundesregierung mit einer Leistung von rund 25 Gigawatt zur Stromversorgung beitragen, das entspricht etwa 20 Atomkraftwerken. Windräder auf hoher See sollen so den wichtigsten Beitrag zum Ausbau des Ökostroms in den nächsten Jahren liefern. Bislang ist allerdings nur eine kleinere, kommerzielle Anlage in der Ostsee in Betrieb.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/stromkunden-sollen-risiken-fuer-offshore-windparks-uebernehmen-a-822272.html

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21.11.2011

Politik wälzt Kosten für Strombonus auf Bürger ab

Die Bundesregierung hat offenbar Stromkunden aus der Industrie mit Milliardensummen entlastet. Die Kosten tragen die Kleinverbraucher.

Die Bundesregierung hat Industrieunternehmen und andere Strom-Sonderkunden einem Zeitungsbericht zufolge um eine Milliardensumme entlastet und die Kosten dafür den Kleinverbrauchern aufgebürdet.

Unternehmen, die ohne große Verbrauchsschwankungen mehr als zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr benötigen, sollen von den Gebühren für die Stromnetze ausgenommen werden, berichtete die „Frankfurter Rundschau“. Die Kosten würden aber nicht gleichmäßig auf alle Verbraucher umgelegt: Wer mehr als 100.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauche, müsse den Bonus für die Industrie nur zu einem kleinen Teil mitfinanzieren. Den Großteil trügen kleine Betriebe und Privatkunden.

Privathaushalte würden so im kommenden Jahr mehr als drei Prozent mehr für ihre Stromrechnung bezahlen – für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeute dies eine Erhöhung um mehr als 26 Euro, errechnete die Zeitung auf Basis von Berechnungen der Stromnetzbetreiber.

Die Industrieunternehmen und Strom-Sonderkunden dagegen würden um insgesamt 1,1 Milliarden Euro entlastet, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine Schätzung der Bundesnetzagentur.

Der Energieexperte des Bundesverbandes Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, sprach von einer „einmaligen Schweinerei“. „Die Industrie massiv zu entlasten und allein die Kleinverbraucher die Zeche zahlen zu lassen, ist eine Dreistigkeit, die bisher ohne Beispiel ist“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Die Regelung, große Unternehmen von den Gebühren für die Stromnetze zu befreien, habe die Koalition im Sommer bei der Verabschiedung des Energiepakets im Rahmen des Atomausstiegs in letzter Minute eingefügt. Selbst in Fachkreisen sei dies zunächst nicht aufgefallen, berichtete die Zeitung. Nach Branchenschätzungen profitieren demnach mehrere hundert große Betriebe wie Baustoffhersteller von der Regelung.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13727463/Politik-waelzt-Kosten-fuer-Strombonus-auf-Buerger-ab.html

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08.10.2011

Deutschland verschenkt Strom ins Ausland

… und wir kaufen ihn für teures Geld zurück

Die Energiewende führt zum Energie-Chaos! Künftig wird immer mehr deutscher Ökostrom ins Ausland verschenkt. BILD erklärt den Irrsinn: Oft wird Strom aus Wind und Sonne zur falschen Zeit am falschen Ort produziert – Angebot und Nachfrage passen einfach nicht zusammen.

Folge: Weil Speicher fehlen, bauen sich überschüssige Mengen auf, die nur noch über die Leipziger Strombörse EEX verkauft werden können.

ABER: Wenn niemand den teuer erzeugten Strom haben will, wird er zur Not an Abnehmer ins Ausland verschenkt!

Im Extremfall kommt es sogar zu „negativen Preisen“ von bis zu 500 Euro pro Megawattstunde. Im Klartext: Wer den Strom vom Markt nimmt, bekommt noch einen Haufen Geld dazu!

Aber es wird noch verrückter: In der Vergangenheit haben mehrfach Energieversorger aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich, die große Pumpspeicherkraftwerke besitzen, den Gratis-Strom abgenommen.

Sie nutzen die Energie, um Wasser den Berg hochzupumpen, das am nächsten Tag bergab fließt und über riesige Turbinen Spannung erzeugt, die als teurer Strom aus Wasserkraft zurück nach Deutschland verkauft wird!

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, kritisiert: „Das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht besonders sinnvoll, zumal Wind- und Sonnenenergie mit rund 8,5 Milliarden Euro im Jahr subventioniert werden.“ Der Experte warnt: „Der Missstand wird sich in Zukunft sogar noch verschärfen, weil der Sektor weiter ausgebaut werden soll.“

Das Problem: An schönen Sommertagen sind die Menschen am Strand oder im Schwimmbad, verbrauchen wenig Strom. Gleichzeitig speisen Fotovoltaik-Anlagen jede Menge Energie ein, die gerade niemand braucht.

Die konventionellen Kraftwerke (z. B. Kohle, Gas) werden aber nicht abgestellt, sondern bleiben zur Versorgungssicherheit am Netz – um die großen Spannungsschwankungen aus der Ökostrom-Produktion auszugleichen. Denn: Der Wind weht mal stark, mal schwach, Sonnenenergie gibt es nur tags. Das belastet die Netze.

Für die Stromerzeuger ist auch deshalb günstiger, den Strom zu verschenken, weil ein ständiges Ab- und Anschalten herkömmlicher Kraftwerke viel teurer wäre.

Wie kann das Problem gelöst werden?

RWE-Chef Jürgen Großmann zu BILD: „Wir dürfen den von allen deutschen Verbrauchern finanzierten grünen Strom nicht verschenken. Darum muss Deutschland möglichst schnell Stromspeicher bauen, vor allem Pumpspeicherkraftwerke. Das ist die einzige derzeit verfügbare Technologie. Außerdem ist der Netzausbau unerlässlich, auch daran arbeitet RWE. Hierfür brauchen wir Akzeptanz und Unterstützung.“

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/energiegewinnung/irrsinn-deutschland-verschenkt-strom-ins-ausland-20356654.bild.html

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Die Lage auf dem deutschen Strommarkt und die Entwicklung der Preise.

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