Staaten stehen mit 25,8 Billionen US-Dollar in der Schuld von Anleihegläubigern

08.01.2014

Refinanzierungsbedarf der größten Staaten liegt 2014 bei 7,4 Billionen US-Dollar.

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In diesem Jahr beläuft sich der Refinanzierungsbedarf bei den Staatsschulden der weltweit größten Volkswirtschaften auf 7,43 Billionen Dollar. Dabei steigen die Anleiherenditen während sich die Staaten zugleich noch bemühen, ihre Haushaltsdefizite abzubauen.

Der Betrag der fälligen Anleihen und Schatzanweisungen der G-7-Staaten und von Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) ist gegenüber 2013 wenig verändert, liegt aber unter den 7,6 Billionen Dollar des Jahres 2012. Das zeigen Daten, die Bloomberg zusammengestellt hat.

In den USA steigt der Refinanzierungsbedarf um sechs Prozent auf 3,1 Billionen Dollar und ist damit der höchste unter den Staaten. Für Deutschland, Japan und Russland sinkt das Refinanzierungsvolumen während es in Italien, Frankreich, Großbritannien, China und Indien zunimmt.

Werden die fälligen Zinszahlungen auf Staatspapiere hinzugezählt, steigt der Refinanzierungsbedarf der G-7- und BRIC-Staaten dieses Jahr um rund 712 Mrd. Dollar auf 8,1 Billionen Dollar wie Daten von Bloomberg zeigen.

Die Haushaltsdefizite der Industriestaaten haben sich zwar von 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 auf 4,1 Prozent verringert. Sie sind aber noch um durchschnittlich das Doppelte höher als in dem Jahrzehnt vor dem Beginn der Finanzkrise. Die durchschnittlichen Anleiherenditen verzeichneten 2013 den größten Anstieg seit 2006 und die Finanzierungskosten der Staaten dürften sich weiter erhöhen, da die Weltkonjunktur Anzeichen einer Belebung zeigt und die US- Notenbank ihre beispiellosen Anleihekäufe zurückschraubt. “Der Refinanzierungsbedarf bleibt in vielen Industrieländern, insbesondere in den USA, erhöht”, sagt Luca Jellinek, Leiter europäische Zinsstrategie bei Crédit Agricole SA in London in einem Interview mit Bloomberg News. “Das Entscheidende dabei ist die Nachfrage, nicht das Angebot. Wenn die Nachfrage im Zuge des stärkeren Wirtschaftswachstums sinkt, könnte das die Finanzierungskosten belasten.”

Laut Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD wird die Staatsverschuldung ihrer 34 Mitgliedsländer dieses Jahr auf 72,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt anteigen, nach 70,9 Prozent im vergangenen Jahr und 39 Prozent im Jahr 2007.

Das Volumen der Staatsanleihen im Benchmarkindex von Bank of America Merrill Lynch hat sich seit Ende 2007 mehr als verdoppelt auf 25,8 Billionen Dollar. Von den USA bis zu Japan haben die Staaten ihre Ausgaben erhöht, um der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929 entgegenzuwirken.

Im Zuge der Niedrigzinspolitik der meisten Notenbanken und der Anleihekäufe der Federal Reserve war die durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen im Mai auf ein Allzeittief bei 1,29 Prozent gesunken. Bis Ende Dezember sind die Renditen auf 1,84 Prozent gestiegen, wie der Bank of America Merrill Lynch Global Broad Market Sovereign Plus Index zeigt. Das entspricht zusätzlichen 4,1 Mrd. Dollar an jährlichen Zinskosten für jede aufgenommene Billion Dollar.

Angesichts der verringerten Anleihekäufe der Fed und dem anziehenden Wirtschaftswachstum werden die Investoren höhere Renditen verlangen, um ein Investment zu rechtfertigen”, sagt Mohit Kumar, Vermögensverwalter bei GLG Partners, einer Sparte der Man Group Plc, in London. “In einem Umfeld, in dem die Zinsen steigen und die Marktvolatilität wahrscheinlich zunehmen wird, müssen wir höhere Risikoprämien einpreisen”, fügt er an.

Im vergangenen Jahr kamen Staatsanleihen weltweit im Durchschnitt auf Verluste von 0,36 Prozent. Es war der erste Verlust seit 1999. Die Finanzierungskosten werden laut Analystenprognosen in einer Umfrage von Bloomberg in diesem Jahr voraussichtlich für alle G-7-Staaten steigen. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen wird demnach bis Jahresende von derzeit 1,92 Prozent auf 2,28 Prozent zulegen. Bei den zehnjährigen US- Treasuries dürfte ein Renditeanstieg von 2,99 Prozent auf 3,38 Prozent erfolgen. Britische zehnjährige Gilts werden Ende des Jahres der Umfrage zufolge bei 3,36 Prozent rentieren – derzeit sind es 2,99 Prozent. Bei den BRIC-Staaten werden nur für Indien und China sinkende Renditen erwartet.

Wir sind nicht sehr enthusiastisch in Bezug auf Staatsanleihen”, sagt Frances Hudson, Stratege bei Standard Life in Edinburgh. “Es ist vernünftig davon auszugehen, dass die Renditen im Zuge des anziehenden Wachstums gegenüber ihren Rekordtiefständen steigen werden.”

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