Schattenbanken werden salonfähig

29.03.2014

Schattenbanken waren einst geächtete Player am Finanzmarkt. Doch nun holt sie die EU aus der Schmuddelecke.

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Das Blatt hat sich gewendet: Unmittelbar nach der Finanzkrise waren Hedgefonds, Finanzinvestoren und Zweckgesellschaften von der Politik geächtet, weil sie unreguliertes und riskantes Bankgeschäft betreiben. Jetzt sollen diese „Schattenbanken“ aus der Schmuddelecke geholt werden – Europas Volkswirtschaften wollen sich bei der Finanzierung wichtiger Infrastrukturprojekte nicht mehr nur auf die Banken verlassen. Denn die drehen den Geldhahn wegen der strengeren Kapitalauflagen nicht mehr so weit auf wie früher.

Also müssen für die geplante Investitionsoffensive alternative Finanzierer her. Und der globale Schattenbankensektor ist geschätzte 70 Billionen Dollar schwer.

Im Mittelpunkt steht der Verbriefungsmarkt, auf dem sich Hedgefonds & Co tummeln und den die EU-Kommission wiederbeleben will. Seit der Finanzkrise läuft er diesseits des Atlantiks mehr schlecht als recht – das Geschäftsvolumen hat sich auf rund 700 Milliarden Euro halbiert.

Fonds springen ein

Der Ruf ist ramponiert, seit sich viele Anleger mit verschachtelten US-Hypothekenpapieren die Finger verbrannt haben – diese wurden 2007 auf einen Schlag wertlos, als der amerikanische Häusermarkt kollabierte. Nun wird die Kommission ein Bündel von Massnahmen vorstellen, wie sie dem Verbriefungsmarkt Leben einhauchen will. Das geht aus einem Entwurf hervor, der Reuters vorliegt.

Die Kommission geht davon aus, dass auf dem Kontinent bis 2020 etwa eine Billion Euro gebraucht wird – für Investitionen in Strassen, Technologie und andere Bereiche, um im Rennen etwa mit den Schwellenländern mithalten zu können. Die Banken alleine können das nicht leisten. Nicht wenige EU-Politiker schielen deshalb auf die USA, wo die Geldhäuser nicht mehr die wichtigsten Finanzierer solcher Grossprojekte sind, sondern zunehmend von Fonds aller Art abgelöst werden.

Spekulieren auf satte Zinseinnahmen

Als Schmiermittel dienen dabei Verbriefungen, denn sie sorgen dafür, dass der Kreditmarkt liquide bleibt: Die Banken bündeln Darlehen zu Wertpapieren, die sie weiterverkaufen können, um die eigene Bilanz zu entlasten. Dabei müssen es nicht immer undurchsichtige Konstruktionen sein. Verbrieft werden können auch einfache Auto- und Konsumentenkredite und – wie nun angedacht – Darlehen für grosse Infrastrukturprojekte.

Die Investoren wiederum, die bei diesen Anleihen zugreifen, spekulieren auf satte Zinseinnahmen, abhängig vom jeweiligen Risiko der gekauften Kredittranche. Manche von ihnen, etwa Kreditfonds, reichen sogar selbst Geld aus. Doch was den Markt bislang zusätzlich belastete, das war die Unsicherheit, wie solche Fonds und Vehikel reguliert werden sollen, wie Experten immer wieder klagten. Also wagte sich niemand aus der Deckung.

Die Botschaft ist bei der EU-Kommission offenbar angekommen. Jedenfalls hat sie nicht vor, den „Schattenbanken“ das Wasser abzugraben, wie Insider berichten. Und auch die Gruppe der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G20), die sich des Themas bei ihrem Treffen im November annehmen will, schlägt inzwischen moderatere Töne an.

Regulierung durch die Hintertür

„Die Schattenbanken waren ein Verstärker der Finanzkrise, aber nicht die Ursache, und wir wollen sie nicht dichtmachen“, sagt ein ranghoher Politiker. Stattdessen wird der Sektor nun durch die Hintertür reguliert – etwa indem Banken für Geschäfte mit solchen Partnern mehr Kapital als Sicherheitspuffer hinterlegen müssen.

Den G20 reicht das, wie der Verhandlungsführer betont: „Der Schattenbanken-Sektor wird sich wahrscheinlich ausweiten und zu einem grossen Teil ist das auch gewollt und eine gute Sache. Wir wollen ein offenes, globales Finanzsystem bewahren.“

http://www.cash.ch/news/top_news/rss/schattenbanken_werden_salonfaehig-3187725-771

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