Privatanleger-Depots als Abfallkübel der Investmentbanker

12.09.2013

Bankenstudie rückt altbekannte Mißstände endlich in

den Fokus

Eine Studie zum Verhalten der Banken gegenüber ihren Kunden sorgt für größere Beachtung. Der Studie zufolge werden den Anlegern von ihren Banken gerne Aktien untergejubelt, die die Bank selbst loshaben möchte.

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Jeder, der im Bankenbereich gearbeitet hat, sollte bemerkt haben, dass dies keine Ausnahmefälle sind, sondern gängige Praxis. Die Bank hat zB an ein Unternehmen hohe Kredite gegeben und fürchtet nun, dass diese Kredite notleidend werden könnten, weil sich zB die Konjunktur verschlechtert hat. Was ist also naheliegender, als einen Teil der Kredite in Aktien umzuwandeln (Debt-Equity-Swap), das Unternehmen an die Börse zu bringen und die ganze Sales-Maschinerie anzuwerfen: Die Kundenberater empfehlen dann ihren Kunden diese Aktien zu kaufen, die Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat bekommen ohne großes Nachfragen welche eingebucht und die Fondsgesellschaften der Banken werden wohl auch ein paar Stücke abbekommen (auch wenn sie formal natürlich unabhängig sind). Beispiele dafür lassen sich in Deutschland zur Genüge, aber auch in Österreich und sonstwo finden.

Aber es muss nicht immer gleich eine Börseneinführung sein. Im Eigenhandel der Banken landen auch so viele Aktien, die man gerne loshaben möchte, wenn der Hype um eine Aktie abreißt, das Unternehmen schlechte Zahlen liefert oder sonst in Ungnade gefallen ist. Also gleichfalls am besten ab in die Kundenportfolios mit dem ungeliebten Zeug! Die schlechten ins Töpfchen, die guten ins Kröpfchen ist ein gängiger Weg für die Investmentabteilungen, ihr Risiko auf ihre Kunden zu verteilen. Besonders beliebt ist dieser Weg bei marktengen Aktien, sodass gerade Unternehmen auf marktengen Börsenplätzen oder in Nebensegmenten besonders gerne in Kundendepots landen.
Das Fazit der Studie ist, dass die Kunden von Banken, die einen ausgeprägten Eigenhandel betreiben, eine besonders schlechte Performance aufweisen, was ebenfalls wenig verwunderlich ist. Man kann sich dazu nur fragen, wieso die Bankenaufsichten seit Jahren untätig sind, obwohl diese Probleme wirklich nichts Neues sind, aber wenigstens jetzt durch die Studie dreier Frankfurter Professoren nicht mehr länger ignoriert werden können (Details zur Studie: http://www.faz.net/ ).

Diese Vorgangsweise, marktenge Papiere oder Ramsch bei den Kunden abzuladen, betrifft der Studie zufolge alle Bankentypen, egal ob Genossenschaftsbanken, Großbanken, Regionalbanken oder Sparkassen, keine ist besser. Untersucht wurden dabei die Jahre 2005 bis 2009.
Banken halten der Studie entgegen, dass das Investmentbanking samt Eigenhandel streng vom Privatkundengeschäft getrennt sei. Dass diese angeblichen Chinese Walls in Wirklichkeit recht durchlässig sein können, könnten gewiss viele Ex-Bankmitarbeiter aus eigener Erfahrung bestätigen.
Als Fazit kann man festhalten, dass es absolut unseriös gegenüber den Kunden ist, wenn eine Bank unter einem Dach Investmentbanking und Eigenhandel sowie Private Banking betreibt. Die Interessenskonflikte sind latent, und die Versuchung ist zu groß, Geschäfte am Rücken der Kunden zu betreiben. Eine völlige Trennung in Form einer kompletten Aufspaltung dieser Bereiche wäre endlich per Gesetz vorzuschreiben. Die Chinese Walls sind in der Praxis nicht mehr als eine Farce, denn gerade Banken mit Vermögensverwaltungsmandaten haben laut der Studie „überdurchschnittlich“ Aktien an Privatkunden abgeladen!

http://www.foonds.com/article/27944/fullstory

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11.09.2013

Studie Banken sollen Anlegern Aktien angedreht haben

Viele Banken in Deutschland haben Aktien an ihre Kunden veräußert, die sie selbst nicht mehr haben wollten. Drei Frankfurter Wissenschaftler kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass die Eigenhandelsaktivität der Banken ihren Aktieninvestoren eher schadet.

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Deutsche Banken haben ihren Kunden in den vergangenen Jahren Aktien verkauft, die sie selbst loswerden wollten. Das ist das Ergebnis einer Studie dreier Frankfurter Wissenschaftler, die sich auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank mit der Wechselwirkung von Eigenhandel und Kundengeschäft bei 102 Banken beschäftigt haben. „Aktieninvestoren profitieren nicht von der Eigenhandelsaktivität ihrer Banken – im Gegenteil: Es scheint ein gravierender Interessenskonflikt zum Nachteil der Investoren zu bestehen“, sagt Falko Fecht, federführend bei der Studie und Professor für Finanzwirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management.

Seiner Ansicht nach benutzen Banken ihre eigenen Kunden dazu, Aktien marktschonend loszuwerden. Will eine Bank einen größeren Posten einer Aktie loswerden und macht das über die Börse, dann schade das dem Preis. Lädt sie die Papiere aber bei ihren Kunden ab, sei das preisschonend. „Ob das über Anlageempfehlungen geschieht, ob es der Kundenberater ist oder der Portfoliomanager, das können wir nicht beobachten“, sagt Fecht. Wenn eine Bank ihren Eigenbestand an einer Aktie reduziere, sei es wahrscheinlich, dass die Kunden dieser Bank ihre Position in dieser Aktie aufbauten. Der Befund gilt für Großbanken, Regionalbanken, Zentralinstitute, große Sparkassen und Genossenschaftsbanken für die Jahre 2005 bis 2009. Sicher ist der Ökonom auch, dass diese Bewegungen nicht zum Nutzen der Kunden waren: „Kunden von Banken mit Eigenhandel haben eine signifikant schlechtere Rendite ihres Aktienportfolios“. Aktien, die Kunden von Banken erhalten haben, hätten eine um rund einen Prozentpunkt niedrigere Rendite gehabt.

Banken wehren sich gegen Anschuldigungen

Die Sprecher von Banken und der Bankenverband weisen die Vorwürfe weit von sich. Der Eigenhandel sei mittlerweile gänzlich oder fast vollständig eingestellt. Des Weiteren würden Anlageempfehlungen für Privatkunden unabhängig vom Investmentbankgeschäft ausgesprochen. Die Banken können sich auch nicht erklären wie eine Übertragung vom Investmentbanking auf die Kunden technisch möglich sei. Nur bei aktiven Vermögensverwaltungsmandaten sei dies theoretisch denkbar, aber praktisch unmöglich. Gerade Banken mit dieser Dienstleistung haben laut der Studie jedoch überdurchschnittlich Aktien an Privatkunden verkauft.

Die Forschungsergebnisse berühren die aktuelle Debatte zur Abtrennung des Investmentbankings (und hier insbesondere des Eigenhandels) vom Privatkundengeschäft. Entsprechende Vorschläge finden sich im Dodd-Frank Act in Amerika, im britischen Vickers Report und im Liikanen Bericht der EU. Die Richtung aller drei Vorschläge ist zwar nicht der in der Studie untersuchte Interessenkonflikt. „Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass eine solche Regulierung den positiven Nebeneffekt eines besseren Kundenschutzes hätte“, sagt Fecht.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/studie-banken-sollen-anlegern-aktien-angedreht-haben-12569354.html

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