Zensur-Filter im Netz: Pornwall & Co

Google vergibt Extrarechte für YouTube an das britische Innenministerium

Wie heute die Financial Times gemeldet hat (Achtung, Paywall), hat Google in einer Übereinkunft mit dem britischen Innenministerium den Strafverfolgern besondere Rechte für YouTube gewährt. Zu diesen Rechten gehört die Möglichkeit, eine große Zahl an Inhalten mit einem Schlag als “super flagger” zu reporten. Die Entscheidung, diese Videos letzten Endes auch zu entfernen, liegt weiterhin bei YouTube.

Nach der Pornographie ist also nun religiöser Fundamentalismus an der Reihe. Bei dem Material, welches offiziell als Anlass der Übereinkunft angegeben wird, handelt sich um Videos mit “jihadistic content” im Kontext des Bürgerkriegs in Syrien. Schätzungsweise 2000 europäische Staatsbürger, davon 400 britische, kämpfen derzeit im syrischen Bürgerkrieg, bei vielen Videos von denen die britische RegierungsvertreterInnen sprechen handelt es sich entweder um direkte Dokumentation ihrer Tätigkeiten oder um Mobilisierungsvideos. Schon nach dem Mord an Lee Rigby im Sommer 2013 kündigte die britische Regierung an, “islamistisch-extremistische” Inhalte, die Jugendliche radikalisieren könnten, über die Internetzensurgesetze zu regulieren. Und das wird jetzt auch munter praktiziert: Laut den Financial Times wurden alleine in den letzten 8 Wochee 8.000 gemeldete Inhalte entfernt, in den vier Jahren davor waren es 21.000.

Niemand zweifelte ernsthaft daran, dass diese diese Filter nur zur Bekämpfung von Pornographie verwendet werden würden. Die Strafverfolgung in UK kann bereits heute das Löschen von illegalen Inhalten anordnen, für den Sicherheits- und Immigrationsminister James Brokenshire geht das aber nicht weit genug:

[We want to combat content] “that may not be illegal, but certainly is unsavoury and may not be the sort of material that people would want to see or receive.”

Diese Gedankenspiele, die Frage nach der Legalität von Inhalten auszuklammern, zeigen, wie besorgniserregend der eingeschlagene Weg ist. Und er ist noch nicht einmal in Ansätzen zielführend: Beim Porno-Filter war zu beobachten, wie eine Vielzahl an legalen und in keinster Weise zu beanstandenen Inhalten als Kollateralschäden dieser Regelung entfernt wurden. Die Internetfilter, die die britische Regierung in Zusammenarbeit mit den ISPs eingeführt hat, funktionieren nicht im Entferntesten so effektiv, wie sie es gerne hätten. Sie “schützen” niemanden vor Inhalten und sorgen im Zweifel sogar dafür, dass Hilfsangebote blockiert werden. Sie sind nur Placebos, um das Angehen akuter gesellschaftlicher Fragen vorzutäuschen. Und auch Fundamentalismus begegnet eine Gesellschaft nicht, in dem sie ihn einfach mit dem schwarzen Filzstift wegzensiert.

https://netzpolitik.org/2014/google-vergibt-extrarechte-fuer-youtube-an-das-britische-innenministerium/

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27.11.2013

Cameron plant offenbar Ausweitung der Internet-Filter

Nachdem die Regierung in Großbritannien bereits erfolgreich die Durchsetzung eines Internet-Filters für Porno-Webseiten durchgedrückt hat und zudem den Besitz von „Rape Porn“ unter Strafe stellen will, plant Premierminister Cameron offenbar den nächsten Schachzug zur weiteren Zensur des Internets. Nächstes Ziel: Extremisten mundtot machen.

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Wie es den Anschein hat, plant die britische Regierung um Premierminister David Cameron die Zensur des Internets weiter fortzusetzen. Der „Pornofilter“ ist bereits beschlossene Sache und wird bereits vorzeitig von einigen Mobilfunkanbietern umgesetzt. Um über Smartphones und Co in Großbritannien pornografisches Material ansehen zu können, müssen Nutzer einerseits volljährig sein, sich darüber hinaus aber pro-aktiv für entsprechende Inhalte freischalten lassen. Ein von der Open Rights Group veröffentlichtes Formular zeigte darüber hinaus auf, dass die Filter nicht bei „schmutzigen Lustfilmchen“ enden, sondern darüber hinaus eine breite Palette an Interessen und Meinungen komplett ausgesperrt wird – sofern die Nutzer die Filter nicht deaktivieren.

Der als „elterliche Kontrolle“ verpackte Filter blockiert in der Standardeinstellung Pornografie, gewalttätige, extremistische oder mit Terrorismus in Verbindung stehende Inhalte, Anorexie-Communities und Suizid-Webseiten – soweit so gut (schlecht). Schließlich ist es doch ein ehrenwertes Anliegen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor solchen Inhalten schützen zu wollen. Und wer mündig genug ist, kann schließlich den Filter deaktivieren. Doch auf der Liste der zu blockierenden Inhalte tauchen auch Alkohol, Rauchen, Web Foren und esoterisches Material auf – Umschreibungen, die kaum weniger deutlich hätten formuliert werden können. Als Bonus blockiert der Filter zudem Inhalte, die sich mit der Umgehung der Sperre beschäftigen.

Online-Filter gegen extremistische Meinungen

Während einer Debatte im House of Commons wurde Cameron kürzlich darauf angesprochen, wie denn mit den islamistischen Extremisten verfahren werde, wenn diese im Januar entlassen werden. Cameron erwiderte daraufhin, dass entsprechende Vorkehrungen bereits getroffen worden seien, um den Extremisten zu begegnen und diese mundtot zu machen.

„Wir haben einige der härtesten Kontrollmechanismen, die in einer demokratischen Regierung möglich sind, eingesetzt. […] Die ‚Extremisten Task Force‘ trifft sich regelmäßig zum Gespräch, um eine ganze Serie von Maßnahmen umzusetzen, die verwendet werden sollen, um die extremistischen Ansichten zu kontern, inklusive der Blockierung von Online-Seiten“, so Cameron. Darüber hinaus lobte Cameron Facebook für die Zensur eines Videos, das im sozialen Netzwerk für Aufruhr sorgte. Er schloss seine Rede mit „Wir werden all diese Schritte und viele weitere unternehmen, um unser Land sicher zu halten.“

Im Anschluss wurde Cameron noch darum gebeten, den Frauen und Männern des britischen Geheimdienstes Tribut zu zollen, nachdem die Zeitschrift The Guardian „rücksichtslos mit den Snowden-Leaks umgegangen ist“, was er auch umgehend tat. Schließlich könne man diese Leute nicht hoch genug loben, so Cameron.

Ein (angeblicher) Iraner kommentierte auf Reddit.com treffenderweise: „Genau so fing es im Iran an. Vor zehn Jahren war der Internetzugang im Iran wie jeder andere auf der Welt (naja, vermutlich langsamer). Dann begannen sie damit unmoralische Webseiten zu blockieren. Darauf folgten Webseiten, die eine Gefahr für die iranische Sicherheit darstellen. Nun schaut euch an, wo wir jetzt stehen. […] Ich versichere euch, sie werden nicht aufhören.“ /nfr

http://www.gulli.com/news/22847-cameron-plant-offenbar-ausweitung-der-internet-filter-2013-11-27

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08.08.2013

Das Ende des freien Internet: Die Zensur kehrt nach Europa zurück

Großbritannien wird ab 2014 mit seinem Filter nicht bloß pornografische Inhalte verbieten: Auch Foren, Raucher-Seiten oder esoterische Hinhalte werden geblockt. Der französische Mobilfunkbetreiber Orange zensiert schon lange Inhalte, „die Kinder negativ beeinflussen“. Datenschützer sagen: Die Europäer torkeln wie Schlafwandler in die totale Zensur. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird die Falle auch in Deutschland zuschnappen.

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Ab 2014 wird das Internet in Großbritannien einer Revolution unterzogen.

Es ist eine Revolution von oben.

Über eine Voreinstellung werden zahlreiche Seiten aus dem normalen Verkehr herausgefiltert.

Was im Volksmund unter „Pornwall“ läuft, betrifft mitnichten nur pornografische Inhalte.

Über ein im Geheimen abgewickeltes Verfahren werden willkürlich Seiten ausgefiltert, die nicht in ein bestimmtes Raster passen.

Das Internet in Europa bekommt seinen offiziellen Filter.

London wird Peking.

Unter dem Vorwand, die Nutzer gegen Pornografie schützen zu wollen, wird zensiert.

London macht den Anfang.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen: Es wird nicht bei London bleiben.

Berlin, München und Stuttgart werden folgen.

Theoretisch kann man ja bestimmten Gedanken sogar etwas abgewinnen: Etwa, dass weniger Bomben gebaut werden, wenn man im Internet keine Websites findet, die einem erklären, wie man eine Bombe baut.

Schon heute zensieren Provider solche Websites Bauanleitungen zu Bomben-Bauen. Der französische Mobilfunkbetreiber Orange macht dies, andere vermutlich auch.

Doch abgesehen davon, dass jeder, der eine Bombe bauen will, sich nur ein Chemie-Buch zu kaufen braucht: Es geht um viel mehr.

Von der Bombe bis zum Ende der Meinungsfreiheit ist es nur noch ein kleiner Schritt.

Denn der aktuelle Filter, wie ihn die britische Regierung einsetzen wird, hat es in sich.

Der Nutzer wird aktiv anklicken müssen, dass er folgende Inhalte nicht blockiert haben will:

– Pornografie
– Gewalt-Inhalte
– Extremistische und terroristische Inhalte
– Seiten über Magersucht oder Essstörungen
– Selbstmord-Websites
– Alkohol
– Rauchen
– Foren
– Esoterisches Material
– Webseiten, die Filter aushebeln

Das könnte, zu Ende gedacht, bedeuten, dass folgende Inhalte ausgeschlossen werden:

– Playboy
– Die Weltkriegs¬-Sendungen von Guido Knopp
– Seite des Zentralrats der Muslime
– Germany’s Next Topmodel
– Die Website des Friedrich-Nietzsche-Instituts
– Website des Oktoberfests
– Online-Shops der Zigarren-Händler
– Goldseiten
– Buddhistische Websites
– Heise.de

Das ist keine Zukunftsmusik.

Hier ist ein Plan, der den größten Feind der alten Eliten in die Knie zwingen soll:Das Internet. Das Internet ist groß, vielfältig, unberechenbar. Es kann von den Geheimdiensten nicht wirklich erfasst werden. Das Internet ist zu heterogen, als dass es von gierigen Anwaltskanzleien und ahnungslosen Gerichten über  die juristische Keule wirkungsvoll klein gehalten werden könnte. Das Internet ist zu schnell: Wenn sich ein Artikel einmal über die sozialen Netzwerke verbreitet, kann er nicht mehr zurückgeholt werden.

Die Freiheit macht das Internet unkontrollierbar.

Unberechenbar.
Unbeherrschbar.

Daher will man die Axt an die Wurzel legen. Mit Filtern sollen jene isoliert werden, die dem System gefährlich werden können. Man will verhindern, dass unliebsame Botschaften in Umlauf kommen. Man will verhindern, dass Leute Widerspruch erheben. Mit Filtern will man sicherstellen, dass nur die Meinungen ausgesprochen werden können, die den alten Eliten in den Kram passen.

Die britische Porno-Filter sind nur ein Anfang.

Die Open Rights Group läuft in Großbritannien bereits Sturm gegen die Filter. Die Netzaktivisten schreiben: „Es ist klar, dass David Cameron die Leute als Schlafwandler in die Zensur führt.“

Denn der Widerhaken, an dem die abweichenden Meinungen hängen bleiben werden, er heißt „Default“ – also Voreinstellung.

Es wäre für die britische Regierung ein Leichtes gewesen, die Filter so einzusetzen, dass die Nutzer aktiv auswählen müssen, welche Seiten sie geblockt haben wollen.

Jetzt müssen die Nutzer aktiv anklicken, welche Seiten sie nicht geblockt haben wollen.

Eine solche Voreinstellung führt erfahrungsgemäß dazu, dass die Leute die Einstellung aus Bequemlichkeit oder Unwissen so belassen, wie sie ist.

Webseiten, die auf welche Weise auch immer von der Regierung in enger Abstimmung mit den Telekommunikations-Unternehmen blockiert wurden, haben überhaupt keine Chance: Sie erscheinen gar nicht mehr für den User.

Kritische Webseiten können sich nicht wehren.

Kritische Webseiten können sich nicht schützen.

Sie können nämlich keinen Massenprotest gegen ihre Sperrung organisieren – denn sie erreichen niemandem mehr.

Die unliebsamen Seiten verschwinden hinter dem Filter.

Es gibt sie nicht.

Das Auswahlprinzip, welche Seiten blockiert werden, ist vollständig intransparent. Es wird keine Auskunft erteilt, warum eine Seite auf den Index gekommen ist . Es gibt keinen Rechtsweg.

Die Filter sind reine Willkür.

Deshalb sind die britischen Politiker so begeistert.

Auch in Deutschland haben schon einige Blut geleckt. Der CSU-Politiker und Internet-Pionier Norbert Geis (74) fordert dieselben Filter auch in Deutschland. Er spricht sich für die Zensur in der Bild-Zeitung aus- Diese Zeitung wittert offenbar eine Chance, ihre nackten Mädels wieder im Monopol-Betrieb vertrieben zu können. Bild assistiert hintersinnig: „Experten warnen seit Langem vor den fatalen Folgen des wachsenden Pornokonsums bei Kindern und Jugendlichen.“

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat die Idee zwar als Sommer-Schnurre abgetan.

Das hat aber gar nichts zu besagen.

Denn tatsächlich gibt es schon längst Filter, die Anbieter bewusst ausgrenzen und benachteiligen. Die Open Rights Group beschreibt in einem Wiki, wie der französische Mobilfunkanbieter Orange heute schon bei den Handys beispielsweise Dating-Plattformen und Foren ausschließt (mehr Details bei ORG).

Längst schon arbeiten die großen Internet-Unternehmen Hand in Hand mit den Regierungen. Sie leiten ihnen ohne jede Hemmung die Daten der Nutzer weiter. David Cameron hat in seiner Rede über die Einführung der Internet-Filter in bemerkenswerter Weise Pornografie und Pädophilie vermengt und gesagt, dass Google, Microsoft und Yahoo „bereits aktiv an der Kampagne der Regierung gegen Kindesmissbrauch mitarbeiten“. Wie das geschieht, sagte Cameron ausdrücklich nicht – um „nicht die Effektivität des Programms zu gefährden“.

Die Zusammenarbeit der Regierung mit den Internet-Firmen soll also geheim bleiben. Dasselbe gilt für den Kampf gegen den Terror: Der muss natürlich auch geheim bleiben, weil ja die Terroristen sonst Wind von den edlen Abwehrabsichten der Regierungen bekommen könnten.

Die Kombination des Kampfes gegen die Kinderpornographie mit dem Kampf gegen den Terror führt jedoch zwangsläufig zum Ende der gesellschaftlichen Freiheit.

Das Internet, so sagte Cameron, sei ein Spiegel der Gesellschaft und müsse sich daher an die Gesetze halten, die in der Realität gelten.

Diese Gesetze sind dazu da, die Bürger zu kontrollieren, zu überwachen, zu manipulieren und zu gängeln.

Kontrolle – siehe NSA.
Überwachung – siehe BND und deutsche Feigheit vor dem Freund.
Manipulation – Libor, Derivate, Aluminium, Bonds, Gold.
Gängelung – die Aushöhlung des Parlamentarismus durch die Lobbyisten.

Die technische Plattform „Homesafe“ wird origineller Weise vom chinesischen Unternehmen Huawei entwickelt wurde.

Von Filtern verstehen sie etwas, die Chinesen.

Das Unternehmen hat sich mit Milliarden-Investments in Großbritannien eingekauft und dem wirtschaftspolitischen Versager Cameron wertvolle Arbeitsplätze verschafft. Eine Kommission hat festgestellt, dass es „besorgniserregende Verbindungen zwischen Huawei und dem chinesischen Staat“ gibt, wie die BBC berichtet. Die Amerikaner halten die Nähe von Huawei zum autoritären Regime in Peking für so gefährlich, dass das Unternehmen den Rückzug aus den USA angekündigt hat. In Deutschland bezeichnet sich Huawei dagegen als „Partner der Politik“ – und ist prompt als einer der Anbieter für das neue Modem der Deutschen Telekom im Gespräch (mehr zu diesen undurchsichtigen Entwicklungen – hier).

Bei so viel Partnerschaft liegt der Verdacht nahe, dass die Drossel nicht nur eine technische, sondern auch eine inhaltliche Stoßrichtung hat (mehr dazu hier).

Filter und Drossel sind Zwillinge. Sie werden eingesetzt, um einigen wenigen Mächtigen mehr Einfluss über die kleinen, vielen Aufsässigen zu verschaffen.

Die Zensur ist nichts anderes als ein essentielles Werkzeug für das Überleben der politisch-industriellen Oligarchie, welche sich im Zuge der Globalisierung überall im Westen breit gemacht hat, die die Völker und Nationen ausbeutet und ihren so gemachten Profit auf eine kleine, unsichtbare Feudal-Klasse verteilt.

Genau darüber soll man nicht schreiben dürfen.

Genau deshalb wird die Zensur im Internet flächendeckend eingesetzt werden.

Natürlich auch in Deutschland.

In der Kombination von Terror- und Porno-Abwehr sehen wir einen unwiderstehlichen ideologischen Überbau.

Filter und Drossel bilden die Doppelzange, in die die Meinungsfreiheit gerät und in der sie am Ende zermalmt wird.

Der Wille der Bürger wird gedrosselt.

Die freien Gedanken gefiltert.

Per Voreinstellung.

Default.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/08/das-ende-des-freien-internet-die-zensur-kehrt-nach-europa-zurueck/

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08.08.2013

Lehrerverband: Pornos sind Teil der Informationsfreiheit

Eine Zugangsbeschränkung soll es Jugendlichen unmöglich machen, Pornos im Netz zu sehen. Doch der Vorschlag des CSU-Politikers Norbert Geis stößt auf breite Ablehnung. Sogar der deutsche Lehrerverband hält die Beschränkung so für wenig sinnvoll.

 

Die Forderung des CSU-Rechtsexperten und Bundestagsabgeordneten Norbert Geis, eine Porno-Zugangsbeschränkung für deutsche Jugendliche im Internet einzuführen, stößt einem Bericht der „Welt“ zufolge auf breite Ablehnung. Nachdem sich bereits seine eigene Partei sowie der FDP-Koalitionspartner davon distanziert hat, kommt auch aus Pädagogenkreisen und der SPD Widerspruch gegen den Geis-Vorschlag.

Lehrerverband: Restriktionen schwierig

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, sagte der Tageszeitung „Die Welt“: „In dieser Frage bin ich einerseits als Pädagoge, anderseits als Staatsbürger hin und her gerissen.“ Als Pädagoge begrüße er den Versuch, den Zugang Jugendlicher zu pornografischen Inhalten einzuschränken. Als Staatsbürger sei das aber auch eine Frage der Informationsfreiheit der Erwachsenen. „Jedenfalls wäre es für mich nicht im Sinne des Grundgesetzartikels 5 (Meinungs- und Informationsfreiheit), wenn für volljährige Internetbenutzer bestimmte Informations- und Unterhaltungsangebote nur noch per Antrag und mit Identität- und Altersnachweis zugänglich wären“, so Kraus.

Die Restriktionen müssten sich dann auch auf alle Angebote erstrecken, die etwa nach den Kriterien der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zugangsbeschränkt sind, insbesondere auch auf Angebote mit gewaltverherrlichenden Inhalten.

SPD Netzpolitiker hält Vorschlag nicht für zweckmäßig

Der SPD Netz-Politiker und Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil halte diese Idee nicht für praktikabel und zweckmäßig. „Herr Geis steht mit diesem Vorschlag selbst in seinen eigenen Reihen allein da. Aus meiner Sicht geht es darum Eltern viel stärker für dieses Thema zu sensibilisieren.“ Jugendschutz beginne mit der Erziehung und nicht mit staatlichen Sperr-Mechanismen, so Klingbeil weiter.

 

http://www.focus.de/politik/deutschland/porno-sperre-stoesst-auf-ablehnung-lehrerverband-pornos-sind-teil-der-informationsfreiheit_aid_1065834.html

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27.07.2013

Britischer Pornofilter blockt auch andere Inhalte

Nach Angaben von Internetprovidern soll die britische Pornwall auch politische Inhalte filtern. „Hier wird deutlich, dass David Cameron die Menschen schlafwandelnd in die Zensur führen will“, sagte Jim Killock von der Open Rights Group.

Der Pornofilter, den die britische Regierung bei Internet Service Providern installiert, wird auch für andere Inhalte eingesetzt. Das berichtet die digitale Bürgerrechtsorganisation Open Rights Group unter Berufung auf Internetprovider. Danach können die Nutzer Internetfilter aktivieren für die Themenbereiche „Pornografie, Gewaltdarstellungen, extremistische und terroristische politische Inhalte, Webseiten zu Magersucht und Essstörung, Suizid-Webseiten, Alkohol, Rauchen, Webforen, esoterisches Material und Umgehungstools für Netzsperren.“

Je nach Internetanbieter könne das Filterangebot unterschiedlich ausfallen. „Hier wird deutlich, dass David Cameron die Menschen schlafwandelnd in die Zensur führen will“, kommentierte Jim Killock von der Open Rights Group.

Laut der BBC wird der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei das Filtersystem betreiben. Britische Huawei-Beschäftigte können entscheiden, welche Webseiten bei dem Provider Talktalk in die Filterung kommen.

Claire Perry, eine Beraterin des britischen Premierministers, und David Cameron selbst setzen sich für das Pornofilterprojekt ein. Der Premierminister will robuste Filtersysteme, die sich nur nach einer erfolgten Altersverifikation abschalten lassen.

Großbritannien führt nach bisherigen Planungen ab dem Jahr 2014 einen Pornofilter für alle Nutzer ein, der erst aktiv ausgeschaltet werden muss. Auch alle öffentlichen WLANs sollen vorinstallierte Pornofilter bekommen.

Im Oktober 2011 wurde berichtet, dass die Provider in Großbritannien zuerst Pornoinhalte für ihre Neukunden blockieren sollen. Die Provider, die das Abkommen mit Cameron unterzeichnet hatten, waren BT, Sky, Talktalk und Virgin. Von den Firmen werden 17,6 Millionen der 19,2 Millionen Breitbandnutzer des Landes versorgt.

http://www.golem.de/news/pornwall-britischer-pornofilter-blockt-auch-andere-inhalte-1307-100651.html

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22.07.2013

UK Announces Radical, Nuclear-Option Plan To Prevent Users From Seeing Online Porn

Hidden amongst the royal baby news flooding out of the U.K. at the moment, there’s another, more complicated story: David Cameron’s Conservative government has announced plans that amount, essentially, to a ban on online pornography — and no-one seems quite sure what to make of it.

It’s a wide-ranging plan, but Cameron’s proposals boil down to this:

  • Internet Service Providers (ISPs) will, by default, block pornographic search terms and websites. All devices that use the connection will be included in the ban. Internet users who wish to view pornographic terms on their connection will have to actively opt-out of the scheme by contacting their ISP.
  • „Extreme pornography,“ which specifically includes pornography that shows simulated rape, will be totally banned.
  • The Child Exploitation and Online Protection Centre (CEOP) is to draw up a blacklist of „abhorrent“ search terms that will be blocked from search results. These terms will also be used in conjunction with a central database of images to catch those creating or sharing child pornography.

The plan will begin rolling out by the end of this year.

In essence, the plan is a response to the idea that the spread of online pornography has made society worse, and that new rules must be implemented for a still relatively new technology. Central is the idea that pornography is harmful to children — whether they are children whose future lives are distorted by the discovery of pornography at too young an age, or, worse still, children whose lives are devastated in some way by child pornography.

Speaking to the BBC, Cameron argued that online pornography was „corroding childhood.“ It’s a hard premise to argue with. Child pornography is obviously abhorrent, and there seems to be a growing movement of people who consider themselves addicted to online pornography.

However, there’s something about a blanket ban on pornography that seems to most people as going way too far — even liberal newspapers like the Guardian have come out in support of the „wankers,“ while other observers point out that pornography depicting violence towards women does not seem to correlate to real violence towards women.

At least part of the issue is practicality. Alex Hern of the New Statesman points out that pornography is not always easy to define — would the Daily Mail’s website, which has been leading a campaign against online pornography, be banned for its extensive galleries of celebrities with very little clothes on?

At the Telegraph, Mic Wright reasons that most child pornography online exists on the „dark web,“ and blocking searches or content in a manner like that described in Cameron’s plans may simply be unfeasible, inconveniencing many at great cost but making little impact on those determined to find it.

Internet controls may be common in some parts of the world, but flouting them is also common. Think of the „Great Firewall of China,“ perhaps the most well-known example of state censorship in the world — every day thousands and thousands of people get around that wall to do simple things like post to Facebook. It’s hard to imagine people already willing to risk imprisonment for their sexual desires wouldn’t find a way to get around a technological ban.

Reading from the United States — the land of free speech where „big government“ initiatives are viewed with serious skepticism — it’s hard to imagine a right wing government (as Cameron’s is) drawing up such a plan.

But Cameron is a different kind of conservative, perhaps more in line with someone like New York City Mayor Michael Bloomberg — someone willing to use state power to make people live their lives in a „better“ way — and observers have noted that his position on internet pornography seems similar that of Margaret Thatcher, one of the heroes of modern conservative culture.

http://www.businessinsider.com/the-uks-huge-war-on-online-pornography-2013-7#ixzz2Zy6PlWyx

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