Pharmariese gibt sich radikalen Ethik-Kodex

17.12.2013

Geld oder Luxus-Reisen für Ärzte, die ein Medikament verschreiben – solche „Prämien“ sind bei Pharmafirmen üblich. Kritiker sprechen jedoch von Bestechung. GlaxoSmithKline zieht nun die Konsequenzen.

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Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline bringt die bisher radikalsten Anti-Bestechungs-Regeln der Branche auf den Weg. Künftig sollen etwa umstrittene Zahlungen an Ärzte gestrichen werden, wie das Unternehmen mitteilte.

So sollen Mediziner keine Honorare mehr für Vorträge erhalten, in denen sie vor Kollegen für Glaxo-Medikamente werben. „Wir erkennen an, dass wir eine wichtige Rolle dabei spielen, Ärzte über unsere Medikamente zu informieren, aber das muss klar und transparent erfolgen und darf keine Interessenskonflikte auslösen“, sagte Glaxo-Chef Andrew Witty.

Auch kostspielige Reisen zu Ärzte-Kongressen – häufig an exotischen Orten – sollen der Vergangenheit angehören. Die Vergütung der Vertreter soll zudem unabhängig von der Zahl der verschriebenen Medikamente sein.

In den vergangenen Jahren ist weltweit zunehmend Kritik am Geschäftsgebaren der Konzerne laut geworden, viele Unternehmen haben Vergünstigungen deshalb schon gestrichen.

Große Koalition plant schärfere Gesetze

Wirtschaftliche Interessen wurden immer wieder über das Wohl der Patienten gestellt, lautete der Vorwurf an die Unternehmen der Branche. Und es wurde auf aggressive Verkaufsvorgaben für die Vertriebsleute verwiesen.

Auch in Deutschland wird immer wieder über solche Praktiken der Pharmafirmen debattiert. Die große Koalition etwa will nun mit einer Verschärfung im Strafgesetzbuch gegen Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen vorgehen.

Wenn Glaxo nun keine Honorare mehr an Ärzte zahlt, wäre das ein Novum in der Branche und dürfte den Druck auf Rivalen erhöhen. Einen direkten Zusammenhang mit jüngsten Korruptionsvorwürfen in China gebe es nicht, erklärte der größte britische Anbieter. Vielmehr solle insgesamt die Transparenz erhöht werden.

In China wird Glaxo vorgeworfen, mit Hilfe von Reisebüros und Beratungsfirmen in erheblichem Umfang Ärzte und Behördenvertreter geschmiert zu haben, um die Umsätze anzukurbeln.

In den USA musste das Unternehmen zudem vergangenes Jahr drei Milliarden Dollar zahlen, nachdem ihm vorgeworfen wurde, irreführende Informationen über bestimmte Medikamente gemacht zu haben.

http://www.welt.de/wirtschaft/article123031176/Pharmariese-gibt-sich-radikalen-Ethik-Kodex.html

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