Negativzinsen für Sparer im Anmarsch – eine Chronik

 12.06.2017

Negativzinsen: Kunden werden zum Problem für Banken


Die Kunden werden für die Banken wegen der Geldpolitik der EZB zum Problem.

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Bundesweit verlangen nach Angaben des Vergleichsportals Verivox inzwischen 13 Banken Negativzinsen von vermögenden Sparern, berichtet die dpa. Allein seit Dezember seien acht weitere Geldinstitute hinzugekommen, teilte Verivox am Mittwoch mit. Betroffen sind demnach Privatkunden mit hohen Guthaben auf ihrem Tagesgeldkonto – beispielsweise ab 100.000 Euro, 250.000 Euro oder 500.000 Euro. Die Volksbank Reutlingen belastet laut Verivox allerdings auch schon Einlagen ab 10.000 Euro.

Die Zinssätze für Sparguthaben oberhalb der jeweiligen Grenze liegen in der Regel zwischen minus 0,3 und minus 0,5 Prozent, wie Verivox nach einer Auswertung der Preisverzeichnisse der Banken mitteilte. Eine Volksbank verlange darüber hinaus einen „faktischen Negativzins“, weil eine monatlich fällige Gebühr den Zinssatz von 0,01 Prozent übersteige. Zwei Banken bezifferten die Höhe demnach nicht näher.

Die Volksbank Reutlingen kündigte zuletzt die Weitergabe der Negativzinsen der EZB an ihre Kunden an. Sie droht laut Preisaushang Verbrauchern, die Geld bei ihr anlegen, mit Strafzinsen von 0,5 Prozent auf Guthaben auf dem Girokonto und ab 10.000 Euro auch auf dem Tagesgeldkonto. Momentan macht das Institut dies nach Angaben einer Sprecherin allerdings nicht wahr und verlangt tatsächlich keine Negativzinsen von seinen Privatkunden. „Die Änderung im Preisaushang unsere Privatkonten und das Tagesgeldkonto betreffend sind rein prophylaktischer Natur. Sie schaffen lediglich die formalen, rechtlichen Voraussetzung zum Beispiel für den Fall, dass ein Neukunde eine Million Euro bei uns anlegen will“, erklärt das Institut auf Nachfrage.

Verbraucherschützer vermuten eine Abschreckungsstrategie dahinter. Denn in der Zinsflaute werden Verbraucher und Unternehmen, die Geld anlegen, zunehmend zur Belastung für die Finanzinstitute. Wichtigste Ertragsquelle der Banken und Sparkassen in Deutschland ist traditionell der Zinsüberschuss – die Differenz zwischen dem, was die Institute auf der einen Seite zum Beispiel für Kredite kassieren und auf der anderen Seite ihren Kunden etwa als Sparzinsen zahlen. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum faktisch abgeschafft hat, brechen den Instituten Erträge weg. Zudem müssen Geschäftsbanken für Geld, das sie bei der EZB parken, 0,4 Prozent Strafzinsen an die Notenbank zahlen.

Ungewöhnlich offen begründete der Vorstand der Volksbank Niederschlesien aus Görlitz die Entscheidung seines Hauses im vergangenen Jahr, mindestens fünf Euro für die Annahme von Tagesgeld auch bei kleinen Summen zu verlangen. „Wir wollen keine Trittbrettfahrer anlocken, die nur zu uns kommen, um woanders Gebühren zu vermeiden“, sagte Sven Fiedler.

Ein baldiges Ende der Zinsflaute im Euroraum ist nicht in Sicht. Droht nun die flächendeckende Einführung von Strafzinsen? „Negative Zinsen für Privatkunden möchte ich für alle Zukunft nicht ausschließen, aber wir haben es in absehbarer Zeit nicht vor“, sagte jüngst der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich.

Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Jürgen Gros, wies allerdings auch darauf hin, dass Volksbanken und Raiffeisenbanken vermehrt über eine Anpassung ihrer Konditionen nachdenken müssten, wenn Wettbewerber verstärkt Negativzinsen einführten: „Die Institute gehen sonst das Risiko ein, von Liquidität überschwemmt zu werden.“

Die Sparkassen stimmten ihre Kunden zuletzt bundesweit auf steigende Gebühren ein, wollen aber nach Möglichkeit auf Strafzinsen verzichten. „Negativzinsen für Sparer sehe ich weiterhin nicht“, betonte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon. „Die Sparkassen wollen einen solchen Schritt nicht und wir stemmen uns mit ganzer Kraft dagegen – auch zu Lasten der eigenen Ertragslage.“ Nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin müssen sich Deutschlands Bankkunden so oder so auf ein Ende der Kostenloskultur einstellen. „Wer Kunde einer gesunden Bank oder Sparkasse sein will, muss akzeptieren, dass das Institut aufwandsgerechte Preise verlangt und neue Ertragsquellen erschließt, wenn alte versiegen“, argumentiert Bafin-Präsident Felix Hufeld.

Auch die Schweizer Großbank UBS hat inzwischen reagiert und rechnet wegen der auf Euro-Konten erhobenen Gebühren in der Vermögensverwaltung mit einem Netto-Abfluss von drei bis 3,5 Milliarden Franken. „Kunden, die große Euro-Bestände haben, sind für uns ein Verlustgeschäft“, sagte Finanzchef Kirt Gardner am Donnerstag auf einer Finanzkonferenz von Goldman Sachs in Madrid.

Der weltgrößte Vermögensverwalter hatte im März angekündigt, dass europäische Kunden ab Mai auf Bankguthaben von mehr als einer Million Euro eine Gebühr von jährlich 0,6 Prozent entrichten müssen. Begründet wurde der Schritt mit den von der Europäischen Zentralbank verhängten Negativzinsen.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/06/12/negativzinsen-kunden-werden-zum-problem-fuer-banken/

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10.10.2016

Zwangsabgabe auf Sparguthaben kommt auch für kleine Sparer

Deutsche Sparer werden sich schon bald überlegen müssen, ob sie ihr Geld weiter auf der Bank liegen lassen. Die Anzeichen mehren sich, dass auch die Guthaben der kleinen Sparer in Kürze mit einer Zwangsabgabe belegt werden.

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Die deutschen Sparer müssen sich auf eine Zwangsabgabe auf ihre Sparguthabeneinstellen. Ein Kenner der Banken-Szene, Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance and Management, sagte der FT, dass negative Zinsen für private Kunden in Deutschland „definitiv kommen werden“. Hellmich: „Einige Banken analysieren bereits ihre Beziehungen zu unprofitablen Kunden, um ihre Sparguthaben loszuwerden. Banken, die das nicht tun können, werden andere Maßnahmen ergreifen müssen, werden dazu übergehen, die Negativ-Zinsen auf ihre Kunden abzuwälzen. Dies wird schrittweise auch die kleineren Kunden erfassen.“

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, sagte der FT, dass er „nicht ausschließen könne“ dass die Sparkassen ihr Problem mit der EZB-Geldpolitik nicht über Kostenreduktion allein lösen können, sondern demBeispiel der Raiffeisenbank Schwänisch-Gmünd am Tegernsee und dem derSkatbank folgen werden und die Zwangsabgabe von den Kunden zu erheben. Fahrenschon bestätigt Hellmichs Aussage, dass nämlich der erste Schritt sein könnte, dass Kunden mit Sparguthaben einfach weggeschickt werden müssen: „Wir sind in der Situation, dass wir über jeden Kunden glücklich sind. Aber eigentlich sollten wir sie wegen der Negativzinsen der EZB wegschicken.“

In einem Statement bei der IWF-Tagung sagte Fahrenschon, „dass durch zu billiges Geld der Handlungsdruck von der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik genommen werde, die notwendigen Strukturreformen umzusetzen. Die europäischen Kredit- und Kapitalmärkte funktionierten nicht mehr ausreichend, weil Liquiditätsverzicht und Risikoübernahme nicht mehr honoriert würden. Und gerade Bevölkerungsgruppen mit geringeren Vermögen würden durch Zinsausfälle besonders getroffen, weil sie nicht ohne Weiteres auf Kapitalmärkte ausweichen könnten. Von der Schwemme billigsten Geldes profitierten nur zu hoch verschuldete Staaten und Investoren, die in hohe Risiken investieren könnten.“

Derzeit gibt es nach Feststellung von Fahrenschon ein Ungleichgewicht zwischen den globalen Ersparnissen auf der einen und den globalen Investitionsmöglichkeiten auf der anderen Seite. Das mache einen Ausstieg aus der falschen Geldpolitikschwer. Es sei aber falsch, die Sparer für dieses Ungleichgewicht verantwortlich zu machen. Sie handelten vernünftig, wenn sie angesichts sprunghaft steigender Lebenserwartungen die eigene Altersvorsorge ausbauten und fehlende Zinsen durch erhöhte Sparanstrengungen kompensierten.

Der Ökonom Kenneth Rogoff hatte kürzlich einen Vorgeschmack über die Höhe der Negativ-Zinsen gegeben: Er hält im Fall einer Finanzkrise minus 6 Prozent für denkbar. Damit liegt er noch etwas unter den bekannten Vorschlägen des IWF, der sich für eine Vermögensabgabe von 10 Prozent ausgesprochen hatte. Allerdings wollte der IWF eine einmalige Abgabe, während die Zwangsabgabe zum Dauerzustand wird.

Über den Mindestzeitraum der Maßnahme gab EZB-Chef Mario Draghi Auskunft: Die Euro-Zone wird nach Einschätzung von EZB-Präsident Mario Draghibis spätestens Anfang 2019 ihr Inflationsziel von fast zwei Prozent erreichen. Bereits Ende dieses Jahres werde sich die Teuerung beschleunigen, im Laufe des nächsten Jahres dann über ein Prozent hinausgehen und Ende 2018 oder Anfang 2019 an die Zielmarke von knapp zwei Prozent herankommen, sagte Draghi zum Abschluss der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am Samstag in Washington.

Unklar ist, wann und in welchem Ausmaß das von vielen Seiten geforderte Bargeld-Verbot kommen wird. Es ist im Grund die Voraussetzung, um die Negativzinsen auch wirklich durchzusetzen. Bis sich hier eine klare Gefechtslage abzeichnet, dürften es die deutschen Sparer schon bald den griechischen Sparern gleichtun und auf die Matratze als bewährtes Aufbewahrungsmittel zurückgreifen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/10/10/zwangsabgabe-auf-sparguthaben-kommt-auch-fuer-kleine-sparer/

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02.09.2016

Sparkassen schließen Straf-Zinsen für Sparguthaben nicht mehr aus

Der Chef des Sparkassenverbandes schließt Strafzinsen für private Sparguthaben nicht mehr aus: Georg Fahrenschon sagt, man wolle jedoch „Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen und Vermögen“ davor schützen. Kostenlose Girokonten werde es demnach schon bald nirgendwo mehr geben.

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Die deutschen Sparkassen gehen von einer flächendeckende Einführung von Gebühren für die Kontoführung aus. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, sagte der Bild-Zeitung: „Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird.“ Für die Automatennutzung sollen Verbraucher aber auch dauerhaft nichts zahlen.

Die Einführung von Negativzinsen für Privatkunden wollte Fahrenschon dagegen nicht völlig ausschließen, wie die AFP schreibt. „Vor allem Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen und Vermögen wollen wir davor schützen“, sagte der Sparkassen-Chef.

Negativzins bedeutet, dass die Sparer für ihre Sparguthaben bei der Bank keine Zinsen bekommen, sondern zahlen müssen. Hintergrund ist, dass Banken und Sparkassen bei der Europäischen Zentralbank derzeit Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen. Diese Negativzinsen werden von einigen Banken, auch von Sparkassen, an einzelne Kunden mit großen Sparguthaben weiterberechnet. „Für Privatkunden sehe und wünsche ich mir das aber nicht“, sagte Fahrenschon.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/09/02/sparkassen-schliessen-straf-zinsen-fuer-sparguthaben-nicht-mehr-aus

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10.08.2016

Raiffeisenbank nimmt Strafzinsen von Privatkunden

Die Raiffeisenbank Gmund verlangt 0,4 Prozent auf große Summen. Bisher galten Negativzinsen für Privatkunden als Tabu.

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Eine kleine bayerische Genossenschaftsbank verlangt von September an von Privatkunden mit großen Summen auf dem Konto einen Strafzins. Josef Paul, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, bestätigte am Mittwoch, dass das Institut für Einlagen von mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeld-Konten ein „Verwahr-Entgelt“ von 0,4 Prozent erheben werde. „Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen“, sagte Paul. „Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts“, begründete er den Schritt. Viele Banken suchen nach Wegen, mit den niedrigen Zinsen fertig zu werden. Sie schaffen kostenlose Girokonten ab oder erhöhen die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten.

Strafzinsen, wie es sie für Firmenkunden und institutionelle Anleger seit fast zwei Jahren gibt, galten bei Privatkunden aber bisher als Tabu. Dabei zahlen die Banken selbst 0,4 Prozent, wenn sie überschüssige Einlagen über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, verlangt von seinen angeschlossenen Instituten dafür Zinsen.

Nur die Skatbank, eine zum Genossenschaftssektor gehörende Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, hatte für Beträge über eine halbe Million Euro schon 2014 Negativzinsen eingeführt. Die ebenfalls genossenschaftliche Alternativ-Bank GLS plant im Kampf gegen das Zinstief von den Kunden einen monatlichen „Solidarbeitrag“ zu erheben.

Geldpolitischer Kurs der EZB verursacht bei Banken erhebliche Kosten

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet nicht, dass das Beispiel aus Oberbayern Schule macht. „Der BVR glaubt nicht, dass wir in Deutschland im Privatkundengeschäft in der Breite Negativzinsen sehen werden – nicht zuletzt auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation im deutschen Bankenmarkt.“ Auch in Gmund sei das klassische Breitengeschäft nicht betroffen.

Laut Raiffeisenbank-Vorstand Paul hat der Strafzins schon Wirkung gezeigt. „Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert.“ Eine Ausweitung auf weniger wohlhabende Kunden sei nicht geplant. Die Raiffeisenbank Gmund mit sechs Filialen rund um den Tegernsee und einer Bilanzsumme von 145 Millionen Euro eine der kleineren Genossenschaftsbanken in Deutschland. Sie hat einen deutlichen Einlagenüberhang, kann also die Einlagen ihrer Kunden nur zum Teil in Form von Krediten weitergeben.

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB), dem die 269 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat angehören, äußert Verständnis für sein Mitglied vom Tegernsee. „Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten“, sagte ein Sprecher. Auf Dauer könnten die Banken das nicht selbst tragen, und sichten nach Auswegen. „Dazu kann es in letzter Konsequenz auch gehören, einen Auslagenersatz für Einlagen ins Auge zu fassen.“ Der GVB kenne aber keine Bank mit solchen Plänen. Auch ein Sprecher des Sparkassen-Verbandes DSGV sagte, ihm sei unter den 408 Sparkassen keine bekannt, die eine Verwahrgebühr von Privatkunden verlange.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/raiffeisenbank-nimmt-strafzinsen-von-privatkunden-14381342.html

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31.03.2016

Geld auf der Bank wird für Privat-Kunden bald teuer

Die Bundesbank rechnet mit höheren Kosten für Bank-Kunden. Neben Negativzinsen für Konten könnten auch Gebühren für die Abhebung von Bargeld fällig werden. Je länger die Niedrigzinsphase der EZB dauere, desto wahrscheinlicher werden diese Maßnahmen.

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Die Bundesbank rechnet mit steigenden Gebühren für Bank-Kunden. „Wir sehen, dass viele Institute ihre Gebühren bereits erhöht haben oder über solche Erhöhungen nachdenken“, wurde der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand, Andreas Dombret, am Mittwoch von Spiegel Online zitiert. Das könne Abhebungen von Bargeld betreffen, Ausstellungen von Scheckkarten oder andere Dienstleistungen. Experten warnen schon seit einiger Zeit davor, dass die anhaltenden Mini-Zinsen im Euro-Raum die Gewinne vieler Institute schmälern und Privat-Kunden dann stärker zur Kasse gebeten werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte unlängst den sogenannten Einlagensatz auf minus 0,4 von zuvor minus 0,3 Prozent gesenkt. Institute müssen damit noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssiges Geld über Nacht parken. Zudem liegt der Leitzins für die Geldversorgung der Banken im Euro-Raum inzwischen bei 0,0 Prozent.

Dombret hält auch Negativzinsen auf Konten von Bank-Kunden für möglich. „Die Banken und Sparkassen, mit denen ich spreche, wollen eigentlich alles tun, um das zu vermeiden. Aber je länger das gegenwärtige Zinsumfeld Bestand hat, desto höher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die Negativzinsen vielleicht doch weitergeben muss.“ Die Aufsicht mache den Geldhäusern hier keine Vorschriften.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/03/31/geld-auf-der-bank-wird-fuer-privat-kunden-bald-teuer/

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24.02.2016

Jetzt kommt der Strafzins im Leben der Deutschen an

Erst litten nur die Investoren unter der Geldpolitik der EZB. Jetzt trifft sie auch die Bürger: Sparer, Lebensversicherte und Beitragszahler der Krankenkassen. Was steht den Deutschen nun bevor?

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Der Minuszins kommt im Alltag der Deutschen an. Hatten bislang vor allem Sparer oder Lebensversicherte Grund zur Klage, verlieren jetzt die Beitragszahler der Sozialversicherungen Geld. So musste der Gesundheitsfonds, der die Beiträge für die Krankenkassen sammelt und an sie verteilt, im vergangenen Jahr erstmals Strafzinsen an seine kontoführenden Banken zahlen.

Beiträge der Beschäftigten und Arbeitgeber in Höhe von 1,8 Millionen Euro kamen so bei den Kassen gar nicht erst an, meldete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Auch andere Sozialversicherungsträger wie die Rentenversicherung hätten inzwischen Probleme, die hohen Barreserven ohne Verluste für die Kunden sicher zu parken.

Noch nicht ganz so schlimm ist die Lage bei der privaten Krankenversicherung. Zwar müssen hier auch Milliarden der Versicherten angelegt werden. Jedoch ist das Zinsergebnis wegen der langfristigen Anlagen positiv, sagt Stefan Reker, Sprecher beim Verband der Privaten Krankenkassen (PKV). „Eine Negativverzinsung gibt es vielleicht einmal als durchlaufenden Posten bei einzelnen Anbietern.

Im Schnitt erwirtschaften die privaten Krankenversicherer aber eine Nettoverzinsung von 3,5 Prozent“, sagte Reker der „Welt“. Allerdings sind auch privat Krankenversicherte vom Zinsumfeld tangiert. Nach einer Faustformel müssen die Kunden für jeden Prozentpunkt, den ihre Versicherung mit ihren Anlagen weniger verdient, mit einer Beitragserhöhung von rund zehn Prozent rechnen.

Grund ist die Geldpolitik der Europäischen Notenbank (EZB). Damit das Geld in die Realwirtschaft kommt, verlangt sie seit Juni 2014 Strafgebühren von den Banken, die ihre überschüssige Liquidität bei der Notenbank horten wollen. Auf den Interbankenmarkt können die Institute nicht ausweichen. Früher kassierte eine Bank, die einer anderen Bank Geld leiht, üblicherweise Zinsen. Jetzt muss sie dafür etwas drauflegen. Das Eonia-Barometer, das den Durchschnittszins dieser Verleihungen in Europa angibt, notiert seit September 2009 beinahe ununterbrochen im negativen Terrain.

„Wir leben in einem neuen Zeitalter“

Aktuell kostet das Verleihen überschüssigen Geldes 0,243 Prozent, das ist immerhin noch weniger, als die EZB verlangt. Sie knöpft den Kreditinstituten 0,3 Prozent ab. Doch dabei dürfte es nicht bleiben. Schon Anfang März könnte die EZB den Einlagenzins weiter senken, auf minus 0,4 Prozent. Geht es nach den Akteuren am Terminmarkt, wird das Tief erst bei minus 0,5 Prozent erreicht sein. Das signalisiert der Interbankensatz, wie der Eonia auch genannt wird, für Sommer 2017.

Überschüssiges Geld, das die Banken nicht für Kredite oder andere Geschäfte verwenden können, ist im Finanzsektor damit zu einer Art heißer Kartoffel geworden. Entsprechend verlangen die Banken bei Großanlegern wie dem Gesundheitsfonds, die hohe Summen für eine gewisse Zeit parken wollen, eine Strafgebühr. Da es sich in der Regel um hohe Summen handelt, kommen schnell große Beiträge zusammen.

Damit bekommt jetzt auch der Bürger indirekt zu spüren, worunter Investoren schon länger leiden. Nach Berechnungen der Citigroup werfen 39 Prozent der Anleihen der Euro-Zone negative Zinsen ab. Bei Bundesanleihen ist die Situation noch schlimmer. Gut zwei Drittel aller Bunds sind Schwundanleihen, sprich: Anleger bekommen am Ende der Laufzeit weniger heraus, als sie investiert haben.

Und die Situation dürfte so schnell nicht besser werden. „Wir leben in einem neuen Zeitalter. In den kommenden fünf Jahren sind die Chancen gleich null, dass die Minuszinsen aus dem Alltag verschwinden“, sagt Alberto Gallo. Der Leiter Kreditanalyse bei der RBS hat für das neue Zeitalter seinen Job gewechselt und macht jetzt einen eigenen Hedgefonds beim Anlageverwalter Algebris Investments auf. Denn die etablierte Fondsbranche ist seines Erachtens noch nicht für das neue Zeitalter aufgestellt. Viele Gesellschaften investierten noch nach den alten Regeln, die in der Minuszinswelt nicht mehr zählten.

Folgen auch für Inhaber eines Girokontos?

Gallo stellt mit seiner Strategie den Anlegern nachhaltig fünf Prozent in Aussicht. „In den vergangenen vier Jahrzehnten haben Staaten und Unternehmen die Verschuldung stetig ausgeweitet. Nun müssen die Sparer die Zeche für diese Übertreibungen zahlen, wenn sie nicht clever agieren.“

Andere Investoren sehen keine andere Möglichkeit, als in Papiere mit Minuszinsen zu investieren. „Risikofrei ist nicht mehr kostenlos“, und die Kunden lernten, dass sie dies akzeptieren sollten, sagte Mauro Vittorangeli, leitender Vermögensverwalter bei Allianz Global Investors, der Finanzagentur Bloomberg. Egal, wohin sich die Investoren als sicheren Hafen wenden, es wird zunehmend klar, dass sie für diese Sicherheit mehr zahlen. „Wir sind in einer völlig neuen Welt“, kommentiert Vittorangeli.

Ob bald auch jeder Inhaber eines Girokontos die Strafzinsen zu spüren bekommt, ist unter Experten umstritten und wird auch davon abhängen, wie tief ins Minus die EZB die Zinsen drücken wird. „Unseres Erachtens sind wir noch nicht so weit, dass ein flächendeckend negativer Zins für private Kunden auf Girokonten eingeführt wird“, sagt Michael Spies, Zinsstratege bei der Citi.

„Wir würden eher erwarten, dass sich politische, soziale und kulturelle Beschränkungen auftun, die diese Entwicklung verlangsamen.“ Er kann sich vorstellen, dass die EZB einen Teil der Bankreserven vom negativen Depotzins befreien könnte, um damit die Profitabilität der Banken nicht zu sehr zu gefährden.

Für die Beitragszahler der Krankenversicherungen wird es wohl keine Ausnahme geben.

http://www.welt.de/finanzen/article152579189/Jetzt-kommt-der-Strafzins-im-Leben-der-Deutschen-an.html

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07.02.2016

Commerzbank erhebt Negativzinsen für Mittelständler

Nach den Großkunden drohen nun auch den mittelständischen Firmenkunden der Commerzbank Strafzinsen. Das hatte die Bank zuvor noch ausgeschlossen.

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Die Commerzbank erhebt künftig Negativzinsen bei Mittelständlern und weiteren Geschäftskunden. Bislang mussten nur Großkonzerne und Profi-Anleger den Strafzins abführen. Jeder zehnte Firmenkunde soll von der Neuregelung betroffen sein, meldet die Welt am Sonntag.

Die Bank bestätigt das Vorgehen: „Bei Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors, die hohe Guthaben als Einlagen bei uns parken, vereinbaren wir verstärkt für die überschüssige Liquidität eine individuelle Guthabengebühr“, zitiert die Zeitung.

Ziel sei es nicht, die Gebühr tatsächlich zu erheben. Die Kunden sollen vielmehr auf „alternative Anlagekonzepte“ umsteigen. Falls die Kunden sich allerdings weigern, wird der von der EZB ausgerufenen Strafzins von momentan 0,3 Prozent fällig. Die Commerzbank hat nach eigenen Angaben 100.000 mittelständische Kunden, wozu sie Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 2,5 und 250 Millionen Euro zählt.

Die Commerzbank hat im November 2014 angekündigt, von Kunden eine Gebühr für hohe Einlagen zu verlangen. Diese Regelung war jedoch für Großkonzerne und Profi-Anleger ausgerufen worden. Für Privat- und Geschäftskunden sowie Mittelständler seien grundsätzlich keine negativen Einlagezinsen geplant, hieß es damals noch.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/07/commerzbank-erhebt-negativzinsen-fuer-mittelstaendler/

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01.06.2014

Gift für die deutschen Sparer

Die EZB plant negative Zinsen auf Einlagen. Diese Strafgebühr für Banken würde die ohnehin minimalen Zinsen für Anleger weiter drücken

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Es gab Zeiten, in denen die Zentralbanken stolz darauf waren, mit ruhiger Hand zu agieren. Heute wird die Geldpolitik von einem Aktivitätsdrang getrieben, der bei nüchterner Analyse überrascht. Denn die immer neuen Spielarten, mehr Liquidität zu schaffen, helfen der Konjunktur in den geschwächten Ländern im Süden nur wenig. Außerdem ist das billige Geld, volkswirtschaftlich gesehen, nicht umsonst. Denn den Sparern wird Kaufkraft zu Gunsten von Kreditnehmen entzogen.

Für die kommende Sitzung am 5. Juni hat die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Lockerungsschritte angekündigt. Neben einer Senkung des niedrigen Leitzinses von 0,25 Prozent auf einen Wert noch näher am Nullpunkt zählt hierzu auch der Vorschlag eines erstmals negativen Einlagenzinses für die Banken bei der Zentralbank.

Der Gedanke dahinter ist, dass ein negativer Einlagenzins Banken bestrafen würde, die überschüssige Liquidität bei der Zentralbank parken. Sie sollen so einen Anreiz erhalten, Gelder an andere Banken im Euro- Raum weiterzureichen. Damit soll der grenzüberschreitende Austausch von Liquidität belebt werden. Mittelbar soll dies helfen, die Kreditvergabe in den Südländern des Euro-Raums wieder in Gang zu bringen.

Zu befürchten ist aber, dass erneut die Sparer bestraft werden. Zwar ist nicht mit negativen Zinsen im Kundengeschäft zu rechnen, doch der Sparzins dürfte künftig noch schmaler ausfallen, als er ohnehin schon ist.

Für die deutsche Sparkultur ist der anhaltende Niedrigzins ein schleichendes Gift. Bei normalen Zinssätzen stellt die Verzinsung eine Entschädigung für den Konsumverzicht dar. Bei Zinsen nahe null verliert der Sparer unter Berücksichtigung der Inflation an Kaufkraft, entsprechend werden die Sparanreize geschwächt. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss sich noch mehr anstrengen als bei normalen Zinssätzen.

Ohnehin kann von einem Liquiditätsmangel im Euro-Raum keine Rede sein. Zur Belebung der Kreditvergabe wird ein Negativzins daher keinen messbaren Beitrag leisten. Banken erhalten von der EZB seit Jahren beliebige Mengen an Liquidität.

Auch ist zweifelhaft, dass liquiditätsstarke Banken, wie etwa in Deutschland, wegen des Negativzinses ihre Vorsicht bei der Auswahl der Geschäftspartner fallenlassen und grenzüberschreitend mehr Geld verleihen. Es ist sogar möglich, dass sie die Negativzinsen in Kauf nehmen und ihre Konditionen bei der Kreditvergabe verschlechtern. Dann würde die Geldpolitik sowohl den Sparern als auch den Investoren Schaden zufügen.

Eine weitere Zinssenkung würde ihr Ziel somit nicht erreichen, die ganze Idee erscheint sogar grundlegend fehlgeleitet. Nur in Zeiten der Krise war es richtig, die geldpolitischen Schleusen zu öffnen. Die derzeitige Geldpolitik ist – noch – vertretbar, da die Inflation mit 0,7 Prozent ausgesprochen niedrig ist.

Geld-Tipp: Hier geht’s direkt zum Tagesgeld-Vergleich

Die richtige Antwort der Zentralbank in diesem Umfeld wäre daher, den Kurs unverändert beizubehalten, statt neue geldpolitische Lockerungen einzuführen. Vor allem deshalb, weil sich die europäische Wirtschaft bereits auf einem langsamen, aber fortschreitenden Erholungskurs befindet. Alle Länder des Euro-Raums – bis auf Zypern – sollen in diesem Jahr wieder in die Wachstumszone zurückkehren. Ein Rückfall in die Rezession ist unwahrscheinlich. Weder Deflation noch Inflation drohen derzeit.

Die EZB sollte aber im Blick behalten, dass der Weg zu einem geldpolitischen Normalzustand – und damit einem Ende der Niedrigzinsperiode – in langsamen Schritten erfolgen sollte, um die Finanzmärkte nicht zu überfordern. Denn jeder Wanderer weiß: Wer langsam geht, sollte früh genug aufbrechen. Spätestens wenn die US-Zentralbank die Zinsen wieder erhöht – dies könnte schon Mitte kommenden Jahres beginnen -, wird auch die europäische Geldpolitik unter Druck geraten nachzuziehen.

http://www.focus.de/finanzen/news/eine-protestnote-von-uwe-froehlich-gift-fuer-die-deutschen-sparer_id_3852659.html

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16.05.2014

Deutschen Sparern droht jetzt der Geldschwund

Schon im Juni könnte die EZB die Zinsen unter null drücken. Für die gebeutelten deutschen Sparer wären Negativzinsen ein neuer Tiefschlag – für Kunden von Lebensversicherungen eine Katastrophe.

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Das Wort Zinsen muss neu definiert werden. Konnten Sparer bislang davon ausgehen, dass Zinsen etwas bringen, könnten sie ihnen in Zukunft etwas vom Ersparten nehmen. Seit der jüngsten Notenbanksitzung vor einer Woche erwarten die Märkte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) schon im Juni zu ihrer schärfsten Waffe greifen könnte: Negativzinsen.

Gemeint ist jener Satz, den Banken für ihr überschüssiges Geld bekommen, das sie bei der EZB parken. Und hier könnten die Frankfurter Währungshüter bald Strafgebühren nehmen, sprich: etwas vom geparkten Geld abzwacken.

Das wäre ein harter Schlag auch für die deutschen Sparer und insbesondere die Besitzer von Lebensversicherungen. Schließlich gehört der EZB-Einlagensatz zu den wichtigsten Zinsen, den die europäischen Währungshüter setzen. Er ist eine Art Referenzwert für den Preis des Geldes. Wer sein Bares risikolos anlegen will, bekommt höchstens diese Rate.

Würde der Einlagensatz von aktuell null in den Negativbereich gedrückt, müssten Kreditinstitute der Zentralbank künftig Strafzinsen für Einlagen zahlen, und auch ganz normale Sparer wären von diesem Trick betroffen.

Bundesanleihen bei 1,3 Prozent

An den Märkten hat die Aussicht auf Negativzinsen für heftige Reaktionen geführt. Die Renditen für Bundesanleihen sind in den vergangenen Tagen abgestürzt.

Die Verzinsung dreimonatiger deutscher Schatzbriefe ist bereits ins Minus gerutscht, die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen sind auf 1,3 Prozent gefallen. Das ist das niedrigste Niveau seit über einem Jahr und nicht mehr weit vom historischen Tief entfernt.

Das ist ein Schlag für Lebensversicherungen und deren Kunden. Denn die Gesellschaften investieren das Gros der Anlagegelder in Anleihen. Durch die niedrigen Zinsen bekommen die Assekuranzen zunehmend Probleme, die hohen Zinsversprechen der Vergangenheit zu bedienen.

Dabei haben sich die in Aussicht gestellten Ablaufleistungen der Branche in den vergangenen Jahren bereits annähernd halbiert, wie eine aktuelle Studie des Branchendienstes Map herausgefunden hat.

Absturz der Ablaufleistung

Wurden den Kunden, die jährlich 1200 Euro in eine Police gepackt haben, kurz vor der Jahrtausendwende noch 115.000 Euro nach 30 Jahren in Aussicht gestellt, liegt der durchschnittliche Erwartungswert der Branche nach Map-Angaben aktuell gerade noch bei 59.560 Euro.

„Auch dieser Wert ist mit Vorsicht zu genießen“, sagt Map-Mann Manfred Poweleit. Es handele sich um einen hochgerechneten Erwartungswert. „Sollten die Zinsen noch länger so niedrig liegen, wird die tatsächliche Auszahlung deutlich niedriger liegen.“

Schon in der Vergangenheit mussten Kunden die Erfahrung machen, dass sie am Ende der Ansparzeit deutlich weniger im Topf hatten, als ihnen zu Beginn in Aussicht gestellt worden war.

Konnten beispielsweise Kunden der AachenMünchener im Jahr 2001 für einen zwölf Jahre laufenden Vertrag am Ende der Laufzeit noch mit 21.590 Euro rechnen, hatten sie 2013 tatsächlich lediglich 17.820 Euro im Spartopf. Bei länger laufenden Verträgen fällt die Diskrepanz noch deutlich größer aus.

Kein Schwung in der Euro-Zone

Dies gilt nun umso mehr, als Negativzinsen die gesamte Spararchitektur verändern. Erst am Donnerstag hatte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch relativ unverhohlen den Einsatz der Minusrendite angekündigt.

Leitzinsen von nahe null haben der Wirtschaft in der Euro-Zone noch nicht den nötigen Schwung verliehen. Das zeigt sich in den Wachstumszahlen im ersten Quartal. Zwischen Januar und April ist die Ökonomie der Währungsgemeinschaft gerade mal um 0,2 Prozent expandiert.

Und das war auch nur der deutschen Wirtschaft zu verdanken, die um 0,8 Prozent wuchs. In Frankreich stagnierte die Ökonomie, in Italien, Portugal, Griechenland und den Niederlanden schrumpfte die wirtschaftliche Aktivität im ersten Quartal sogar.

Trotz der Nullzinspolitik der EZB ist die Inflationsrate weit vom selbst gesteckten Ziel von knapp zwei Prozent entfernt. Im April lag die Teuerungsrate in der Euro-Zone gerade mal bei 0,7 Prozent.

Eine alte Idee der Ökonomen

Je länger die Inflation so niedrig bleibt, desto größer wird die Gefahr, dass die Währungsgemeinschaft in eine deflatorische Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und einer stagnierenden Wirtschaft gerät. Auch um dieses Risiko abzuwehren, will die EZB offenbar die Wunderwaffe Negativzins einführen.

Die Idee ist nicht neu. Sie kam bereits vor rund 100 Jahren auf. Der deutsche Sozialreformer Silvio Gesell sah im Geldhorten mit Zins und Zinseszins das Grundübel allen Wirtschaftens. Geld müsse in der Ökonomie zirkulieren.

Gesell schlug „Schwundgeld“ vor, das über die Zeit wertlos würde, wenn es nicht ausgegeben wird. Dadurch sollte die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht und Wachstum geschaffen werden.

„Notenbanken kämpfen damit, den wirtschaftlichen Aufschwung am Leben zu halten. Das wird nur gelingen, wenn sie die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöhen“, sagt Charles Dumas, Stratege bei Lombard Street Research in London.

Das würde auch die Verschuldungsprobleme der Staaten lindern. Negativzinsen, so die Überlegung, könnten dem Geld also Beine machen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article128072354/Deutschen-Sparern-droht-jetzt-der-Geldschwund.html

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25.11.2013

EZB spricht immer deutlicher von negativen Zinsen

Das Chef der Zentralbank von Estland, Ardo Hansson, kündigt weitere Zins-Senkungen der EZB an. Je stärker die Senkung ausfalle, desto besser die Wirkung. Allerdings seien die Folgen von negativen Zinsen nicht leicht einzuschätzen.

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Der Notenbank-Chef von Estland, Ardo Hansson, sagte in einem Interview in Tallinn, dass die EZB noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um mehr Geld in den Markt zu pumpen: „Natürlich hat man jedes Mal eine Option weniger, aber wir haben noch einen großen Werkzeugkasten mit Möglichkeiten.“ Bisher habe die EZB den Leitzins stets um 0,25 Prozent gesenkt – das müsse aber so nicht bleiben: „Je größer der Schritt, desto größer die Wirkung.“

Hansson sagte, dass negative Zinsen die Erholung in der Euro-Zone beschleunigen könnten. Denn sie würden die Banken dazu zwingen, ihr Geld an die Wirtschaft zu verleihen und nicht zu horten. Allerdings würden sich die Ergebnisse der Banken verschlechtern. Hansson glaubt nicht, dass die Banken negative Zinsen an die Kunden weiterreichen würden.

Allerdings haben genau das die US-Banken bereits angekündigt: Sie werden im Falle von Negativ-Zinsen einen Straf-Zins bei den Kunden erheben (mehr dazu hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/25/ezb-spricht-immer-deutlicher-von-negativen-zinsen/

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25.11.2013

Zwangsabgabe: Erste Banken planen Straf-Zinsen für Spar-Guthaben

Die US-Banken werden von Sparern eine Strafgebühr erheben, sollte die Fed ihre Drohung wahrmachen und Negativ-Zinsen erheben. Sollte es wirklich dazu kommen, besteht die Gefahr eines Bank-Runs. Hinter den Kulissen läuft eine merkwürdige Betriebsamkeit – zur Vertreibung der Sparer aus den Banken.

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Es ist schwer zu beurteilen, welchen Zweck die erstaunlich konkreten Diskussionen über eine Straf-Gebühr für Spareinlagen wirklich verfolgen. Nachdem Obama-Berater Larry Summers negative Zinsen als „unkonventionelle“ Möglichkeit zur Lösung der Finanz-Krise ins Gespräch gebracht haben (hier) und die EZB in Person von Jörg Asmussen negative Zinsen für Europa ausdrücklich nicht ausschließen wollte (hier), berichtet nun die FT: Mehrere US-Banken werden, wenn es zu Negativ-Zinsen kommt, entsprechende Gebühren bei den Sparern einheben.

Die FT hat mit Bankern gesprochen, und mehrere Banken sagen: Wenn die Fed, wie aus den jüngsten Protokollen geschlossen werden kann, demnächst Negativ-Zinsen für Einlagen berechnen, dann „werden wir diese Kosten an die Kunden weiterreichen“. Im Moment könnten die Banken trotz der niedrigen Zinsen wenigstens noch ausgeglichen kalkulieren. Doch wenn die Zinssätze für jene Gelder, die die Banken bei der Fed halten, unter 0,25 Prozent gesenkt werden, „dann haben wir keinen Anreiz mehr, Sparguthaben von den Kunden entgegenzunehmen. Daher würden wir dann Gebühren von den Sparern für ihre Guthaben erheben.“

Die FT kann die Banker, mit denen sie gesprochen hat, noch nicht mit Namen nennen. Doch wenn das Fachblatt der City eine solche Geschichte so prominent und exklusiv fährt, dann kann man davon ausgehen, dass etwas dran ist.

Und man kann auch davon ausgehen, dass es nicht bei den US-Banken bleiben wird, die solche Schritte erwägen.

Diese Maßnahme würde unter anderem auch die Geldmarktfonds betreffen, weil sich die Banken dann auch dort keine Kredite mehr aufnehmen würden. Um Geld zu verdienen, müssten auch die Fonds dann in riskantere Anleihen ausweichen.

Die Debatte mutet gespenstisch an – vor allem, weil sie derart offen geführt wird: Ohne ein gleichzeitiges Bargeld-Verbot würde einen Sparbuch-Gebühr in jedem Land, das sie einführt, sofort zu einem Bank-Run führen (hier).

Möglicherweise würde über eine solche Straf-Gebühr für Vermögen hinter den Kulissen schon länger diskutiert: Die Schweizer Banken haben in den vergangenen Monaten mit erstaunlicher Hektik ihre Kunden, die nicht zu den Super-Reichen gehören, mitgeteilt, dass sie nur „vermögende“, aber nicht „reiche“ Kunden nicht mehr haben wollen: Die Credit Suisse schließt alle Konten für Kunden, die Vermögen unter einer Million Franken bei der Bank gelagert haben. Auch die UBS und Julius Bär wollen einen Schnitt machen – offiziell im Hinblick auf die Steuerproblematik in Deutschland. Die UBS, CS und Julius Bär verlangen von ihren Kunden eine Bescheinigung durch einen Steuer-Experten, sonst werden die Vermögen ab dem 1. Januar 2014 per Scheck oder Überweisung an die Eigentümer zurückgeschickt.

Es ist durchaus denkbar, dass die Banken versuchen, die Vermögen ihrer wirklich reichen Kunden auf die Schattenbanken auszulagern – wo die Banken praktisch ohne Kontrolle und ohne Transparenz spekulieren können (mehr zu diesem wichtigen Grund-Konzept des künftigen Bankings – hier). Die bei Schattenbanken gehandelten Derivate sind nur geschlossenen Benutzerkreisen zugänglich. Ein Kleinanleger hat keine Chance, Eintritt in dieses Kasino zu erhalten.

So zeichnet sich ein Dreiklassen-Geldsystem ab: Die wirklich Reichen werden von den Banken in das Reich der Schattenbanken geleitet, wo sie mit hohem Risiko hohe Renditen erzielen können. Dort gibt es keine Kontrollen, auch die Steuerbehörden haben kaum Zugriff dorthin. Die Wohlhabenden – also Leute, die mit ihrer Hände Arbeit ein kleines Vermögen erwirtschaftet haben (unter 1 Million Euro), sind die wirklich Gejagten: Denn sie müssen aus den Banken raus, wenn sie nicht mit einer Straf-Gebühr wegen der Negativ-Zinsen noch mehr reale Verluste einstecken wollen. Ihre Möglichkeiten zu Investments sind überschaubar – weil alle Märkte von Zinsen bis Gold gnadenlos manipuliert wurden und selbstverständlich weiter manipuliert werden.

Die dritte Gruppe der Klein-Sparer (Rentner, Familien) sollte sich in den kommenden Wochen intelligente Diversifikationen überlegen. Auch für sie ist es schwer, weil niemand genau sagen kann, wie weit eine Manipulation noch gehen wird.
Faktisch wollen die Zentralbanken und Regierungen mit der neuen Strategie für Zinsen die
Inflation hochtreiben: Denn eine Deflation wäre für Europa noch verheerender, weil sie vor allem die mittelständische Wirtschaft lahmlegen würde (mehr hier).

Das Kalkül der Zentralbanken scheint zu lauten: Gegen eine Deflation können wir nichts unternehmen. Eine Inflation ist auch unangenehm, aber wir wissen wenigstens, wie man eine Inflation theoretisch bekämpft.

Für Anleger werden die kommenden Wochen sehr wichtig sein: Sie müssen darauf achten, dass sie von Politik und Bank-Technokraten nicht überrumpelt werden.

Die aktuellen Maßnahmen zur Vertreibung der Anleger aus den Banken lässt jedenfalls nichts Gutes ahnen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/25/zwangsabgabe-erste-banken-planen-straf-zinsen-fuer-spar-guthaben/

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25.11.2013

Sparen wird bestraft

Schon bald könnten die Sparer auch noch draufzahlen müssen, wenn sie ihr Geld zur Bank bringen. Ein möglicher negativer Einlagensatz für Banken bei der EZB könnte den Kunden zukünftig negative Sparzinsen bringen.

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Deutschlands Sparer sind Verdruss gewöhnt – jetzt aber ist eine Steigerung noch möglich. Dass von den Zinsen aufs Ersparte real, also nach Abzug der Inflationsrate, oft ein Verlust bleibt, ist längst gang und gäbe. Doch so langsam macht eine neue Sorge die Runde: Kann es in dieser verrückten Welt, in der seit der Finanzkrise nichts mehr ausgeschlossen erscheint, womöglich passieren, dass die Zinsen aufs Ersparte sogar auch nominal, also auf dem Papier, vor Abzug der Inflationsrate, negativ werden? Dass Sparer also für ihr Erspartes noch an die Bank zahlen müssen?

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, versuchte in der vergangenen Woche, die Leute zu beruhigen. Auf einer Konferenz in Berlin am Donnerstag begann er seine Rede mit den Worten: „Bitte schließen Sie nicht aus dem, was ich heute sage, auf die Möglichkeit negativer Einlagenzinsen.“ Dabei ist es kein Geheimnis, dass in den Gremien der Notenbank bereits über die Möglichkeit diskutiert wurde, zumindest den Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, unter null zu senken. Damit soll für Banken ein Anreiz geschaffen werden, ihr Geld lieber als Kredit an Unternehmen zu vergeben, als es bei der Notenbank zu parken.

Banken bereiten sich auf neuen Umstand vor

Das wird immer konkreter. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit den Debatten in der Notenbank vertraute Personen sogar über konkrete Zinssätze: Es hieß, dieser Einlagensatz könnte von derzeit 0,0 Prozent auf minus 0,1 Prozent gesenkt werden.

Zwar würde die Tatsache, dass die Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank negative Zinsen zahlen müssen, nicht automatisch bedeuten, dass sie auch die Sparzinsen für Kunden unter null senken. Hans-Peter Burghof, Banken-Professor in Stuttgart, meint jedoch: „Die Banken werden alles tun, was in ihrer Möglichkeit steht, um die negativen Zinsen, die sie selbst zahlen, an ihre Kunden weiterzugeben.“

Immerhin bereiten sich die Banken nach Informationen dieser Zeitung bereits auf die negativen Zinsen vor. Der Sprecher eines Kreditinstituts in Frankfurt sagte, die IT-Experten machten die Computersysteme gerade fit für negative Zinsen. Es gebe ähnliche Projekte wie damals beim Jahr-2000-Problem, auch „Millennium-Bug“ genannt. Damals mussten viele Computer umgestellt werden, weil Datumsangaben bis dahin nur zweistellig gespeichert wurden und das beim Überschreiten der Jahrtausend-Grenze für Pannen gesorgt hätte.

Eonia“ dicht an der Null-Grenze

Jetzt ist zumindest unklar, ob es zu Rechenfehlern kommen kann, wenn bei Computerprogrammen nicht vorgesehen ist, dass Variablen, die für Zinsen stehen, ein negatives Vorzeichen bekommen.

Konkret befürchtet wird das für den sehr kurzfristigen Zins, im Bankerdeutsch „Eonia“ genannt. Dieser Zins bemisst sich daran, zu welchem Preis Banken sich über Nacht untereinander Geld leihen. An ihm orientieren sich aber auch kurzfristige unbesicherte Geldmarktgeschäfte und Zinsen für Einlagen, die Firmen bei Banken über Nacht parken. Der Eonia hatte früher fast sechs Prozent betragen, lag aber in letzter Zeit sehr dicht an der Null-Grenze.

Während einige Banken sich jetzt offenbar mit Hochdruck um das Problem kümmern, hatten andere die Entwicklung schon früher kommen gesehen. Bei der Commerzbank beispielsweise heißt es: „Wir haben bereits im vergangenen Jahr die notwendigen Anpassungen vorgenommen, um auch negative Zinsen in unseren Handels- und Treasurysystemen, aber auch in den Risiko- und Finanzanwendungen bearbeiten zu können. Die Commerzbank ist also für die Verarbeitung von negativen Zinsen umfassend vorbereitet.“ So beruhigend das für die Bank sein mag – so beunruhigend klingt es für Sparer.

Negative Zinsen bei Tagesgeld- und Girokonten möglich

Welche Zinsen kann das betreffen? Und wie kann man reagieren? Bankenprofessor Burghof meint: „Dass die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Private negativ werden, ist sehr unwahrscheinlich. Die Banken nähmen dabei einen Risikoaufschlag – und wollen auch noch eine Marge daran verdienen. „Daran ändert sich nichts.“

Was aber ist mit Tagesgeldkonten? Traditionell war es Lehre der Ökonomen, dass diese Zinsen nominal nicht negativ werden können, weil die Leute sonst das Geld abheben und in bar halten. „Das muss aber nicht stimmen, wenn die Zinsen nur begrenzte Zeit unter null sinken und die Kosten der Bargeldhaltung ja auch nicht null sind“, sagt Burghof. Wer große Mengen Bargeld zu Hause lagere, brauche schließlich einen Tresor. Wer Bargeld in einem Bankschließfach deponiere, müsse dafür Gebühren zahlen. Und auch schon beim Abheben am Geldautomaten können unter Umständen Gebühren fällig werden – außerdem kostet das den Bankkunden Zeit und Mühe. „Die Menschen werden vergleichen, ob es sich lohnt, wegen kurzzeitig leicht negativer Zinsen das Geld abzuheben oder nicht.“

Auch für Girokonten stellt sich im Prinzip die Frage, ob die Banken darauf negative Zinsen erheben können. Zum Teil kosten Girokonten ja Gebühren, über die Banken ihre eigenen Kosten durch negative Zinsen an die Kunden weiterreichen könnten. Tun sie dies nicht und sind die Zinsen auf Spareinlagen negativ, würden noch mehr Menschen Geld auf Girokonten horten.

Die Situation in der Schweiz war und ist eine besondere“

Immerhin gibt es Erfahrungen mit negativen Zinsen auf Spareinlagen aus der Schweiz. Dort haben Leute tatsächlich Geld auf Festgeldkonten deponiert, bei denen es einen Negativzins von 0,1 Prozent gab. Wer 10000 Franken für ein Jahr anlegte, musste eine Gebühr von zehn Franken zahlen. Am Ende der Laufzeit gab es statt 10000 nur noch 9990 Franken zurück. Nicht viel anders war es auf dem Höhepunkt der Euro-Krise mit Staatsanleihen verschiedener sicherer Länder, bei denen Anleger am Schluss auch weniger zurückbekamen, als sie gezahlt hatten.

Die Situation in der Schweiz war und ist aber eine besondere“, sagt Burghof. Das Motiv der Sparer, dort negative Zinsen in Kauf zu nehmen, sei der Fluchtgedanke: Sei es, dass es sich um Schwarzgeld handelte, das man nicht gut zurückholen konnte – sei es, dass die Leute Angst vor dem Zusammenbruch des Euro und der Banken in der Eurozone hatten, und deshalb Geld in die Schweiz brachten. Beide Motive entfielen bei negativen Zinsen in Deutschland.

Auch Dänemark hat Erfahrungen mit negativen Zinsen gesammelt – allerdings mit negativen Leitzinsen der Notenbank. Dort reagierte man darauf, dass viel Kapital aus der verunsicherten Eurozone nach Dänemark strömte und die dänische Krone unter Aufwertungsdruck brachte. Das wollte die Notenbank verhindern, um dänische Exporte nicht zu teuer zu machen. Deshalb wurde der Zinssatz für Einlagen der Banken bei der Notenbank auf minus 0,2, dann auf minus 0,1 Prozent gesetzt. Aus dänischer Sicht ging die Rechnung auf: Der Aufwertungsdruck auf die dänische Krone nahm ab. Negative Sparzinsen für Kunden resultierten daraus nicht – allerdings hoben die Banken an der einen oder anderen Stelle die Gebühren an.

Viel grundsätzlicher wird mittlerweile unter Ökonomen diskutiert, ob es womöglich nicht die Notenbankpolitik, sondern die weltweite Flut an Ersparnissen ist, die den Realzins, also die Rendite von Geldanlagen und Investitionen, strukturell ins Negative treibt. Anlass für die Debatte war eine spektakuläre Rede des früheren amerikanischen Finanzministers Larry Summers.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/negative-einlagenzinsen-sparen-wird-bestraft-12677868.html

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20.11.2013

Sparguthaben auf der Bank werden in Zukunft kostenpflichtig

Die Einführung von Negativ-Zinsen wird sich schon bald auf die Einlagen der Sparer auswirken: Bereits vor einiger Zeit haben Banken in der Schweiz ihre Geschäftsbedingungen geändert. Sie teilten ihren Kunden mit, dass ihnen der „unlimitierte Rückzug“ freistehe. Die Matratze wird zum sichersten Ort für das Ersparte in Europa.

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Nach der Niedrigzinspolitik der EZB kommen eine Negativzinspolitik und weitere Staatsanleihenkäufe ins Spiel. Diese geldpolitischen Optionen sollen die Wirtschaft in den Krisenländern ankurbeln. Für den deutschen Sparer bedeuteten die neuen „Maßnahmen“ erhebliche Verluste.

Was bisher als theoretisches Gedankenspiel praktiziert wurde, bestenfalls bekannt von den Einlagen der Banken bei der EZB, dürfte bereits bald die kleinen Sparer auch in Deutschland treffen: Wer sein Geld auf der Bank lässt, muss in Form von Negativzinsen dafür bezahlen (mehr zum Masterplan – hier).

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte kürzlich in einem Interview mit dem Wall Street Journal, der Ankauf von weiteren Staatsanleihen durch die EZB (OMT-Programm) sowie negative Zinsen seien für die EZB ergänzende geldpolitische Optionen. „Wenn unser Auftrag in Gefahr ist, werden wir alle Maßnahmen ergreifen, die wir ergreifen müssen, um diesen Auftrag zu erfüllen“. Dies sei ein sehr deutliches Signal, sagte Praet.

Jörg Asmussen hat darauf Negativ-Zinsen auch als Möglichkeit der EZB genannt (mehr dazu hier).

Damit wäre dieselbe monetäre Staatsfinanzierung eingeläutet, wie sie auch die Fed und die japanische Notenbank betreibt. Geholfen hat es den Japanern bisher nicht.

Durchaus positiv dagegen werden die neuen „geldpolitischen Optionen“ von den französischen Banken bewertet. „Das ist eine radikale Veränderung der Position der EZB und aus unserer Sicht sehr zu begrüßen“, sagte Ken Wattret von BNP Paribas, wie der britische Telegraph berichtet. „Dies ist das deutlichste Signal von einem EZB-Vertreter, dass die Bilanz Erweiterungen über Ankäufe von Vermögenswerten (d.h. Staatsanleihen) auf dem Radar ist“.

Bisher hatte die EZB das künftige OMT-Programm – und auch das bisherige SMP-Programm – damit begründet, die Zinsen für Staatsanleihen insbesondere in den Krisenländern niedrig zu halten. Die bisherigen Staatsanleihenkäufe der EZB mittels des „Securities Markets Programme“ belaufen sich bereits auf 214 Milliarden Euro. Auch dies war bereits monetäre Staatsfinanzierung und widerspricht den europäischen Verträgen. Die Bundesbank beteiligte sich daran entsprechend ihres EZB-Kapitalanteils mit 27,1 Prozent.

Über die niedrigen Zinsen haben die Banken in den vergangenen Wochen massiv Staatsanleihen gekauft. In dieser Woche profitierten die Zinsen für spanische Staatsanleihen von dem Kurs, kürzlich freuten sich die Italiener (hier).

Im Grunde bedeutet die mit allen Mitteln versuchte Stabilisierung der Staatsanleihen der Krisenländer der EZB mittels SMP, OMT, STEP-Programme oder LTRO lediglich eine Insolvenzverschleppung. Und es funktioniert nur deshalb noch, weil bisher die Wirtschaftskraft Deutschlands dahinter steht.

Die neuerdings geplanten „realen Negativzinsen“ der EZB wiederum werden mit der aufkeimenden Deflation in den südlichen Krisenländern begründet. Zwar behauptet die EZB offiziell noch, es gäbe diese Gefahr nicht. Doch viele Beobachter sehen erste, besorgniserregende Anzeichen. Eine Deflation wäre vor allem für den deutschen Mittelstand verheerend (hier).

Bisher sollte mit der Niedrigzinspolitik in der Eurozone neben der Stabilisierung der Zinsen für Staatsanleihen in den Krisenländern auch die Kreditvergabe an Unternehmen begünstigt werden. Doch die positiven Auswirkungen lassen auf sich warten. Die Banken sitzen auf viel zu hohen faulen Krediten, die an Unternehmen, Privatleute und andere Banken ausgereicht wurden. Allein in Italien liegen die sogenannten Problemkredite bei geschätzten 250 Milliarden Euro.

Larry Summers, enger Berater von US-Präsident Barack Obama, hat nun auf einer vielbeachteten Veranstaltung des IWF erstmals angedeutet, dass es auch weniger als Null-Prozent Zinsen geben könnte.

Schon im Mai dieses Jahres rechtfertigte die Organisation der Industriestaaten, die OECD die Niedrigzinspolitik der EZB und forderte „notfalls noch mehr Einsatz im Kampf gegen die Krise“. Sollte sich die wirtschaftliche Lage in Europa nicht bessern, „muss auch die EZB bereit sein, eine noch aktivere Rolle zu spielen“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria damals dem Tagesspiegel.

Für deutsche Sparer berechnete die Dekabank laut Manager Magazin bereits Verluste durch die niedrigen Zinsen bei Tagesgeldern und Sparkonten in Höhe von etwa 14 Milliarden Euro im Jahr. Selbstverständlich wären auch Altersvorsorge oder Lebensversicherungen deutlich betroffen. Was bei der aktuellen Niedrigzinspolitik der EZB ohnehin der Fall ist.

Negativzinsen wären also eine weitere „Bazooka“ der EZB. Die EZB würde die Geldbestände der Banken, die sie bei der EZB hinterlegen, mit einem „Strafzins“ belegen. Damit, so die Kalkulation, würden die Geldhäuser das Kapital als Kredite an die Wirtschaft ausgeben, anstatt es zu horten.

Doch die Rechnung dürfte ohne den Wirt gemacht sein. Die Banken – auch in den Krisenländern – stecken derzeit ihr Kapital (das sie sich wiederum von der EZB zu günstigen Zinsen leihen können) in die Aktienmärkte und verdienen mit Aktienanlagen weitaus mehr, als wenn sie das Geld an Unternehmen auszureichen. Ganz abgesehen von der Furcht, dass ausgereichte Kredite an Unternehmen mitten in der Rezession nicht zurückbezahlt werden.

Bemerkenswert ist, dass die Aktienmärkte trotz aller Warnungen immer noch boomen – obwohl Investoren von einer Fata Morgana sprechen und auf den Crash wetten (mehr dazu hier).

Von Negativzinsen war zuletzt die Schweiz betroffen. Dies geschah vorrangig zum Schutz des Schweizer Franken, da Anleger diese Währung bevorzugten.

Doch in der Schweiz betrifft dies auch Kleinsparer. Das ist zwar unbemerkt geschehen, doch bereits zu Jahresbeginn hatten die Schweizer Banken ihre Geschäftsbedingungen geändert.

Negativzinsen auch für Kleinsparer?“ fragte damals der Züricher Tagesanzeiger.Die Zürcher Kantonalbank behält sich vor, künftig auch die Einlagen von Kleinsparern mit Negativzinsen zu belasten. Dazu hat sie jetzt die allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert“.

Die Zürcher Kantonalbank teilte ihren Kunden mit: „Bei speziellen Marktbedingungen könnte sich die ZKB gezwungen sehen, Negativzinsen einzuführen“, heißt es im Artikel des Tagesanzeigers. Und: „Dem Kunden stünden in diesem Fall selbstverständlich unlimitierte Rückzüge frei“, heißt es weiterhin im Tagesanzeiger.

Professor Manuel Ammann vom St. Gallener Institut für Banken und Finanzen geht davon aus, dass es sich bei den Vertragsbestimmungen um eine Vorsichtsmaßnahme der Zürcher Kantonalbank handelte. „Die Banken wollen sich mit solchen Bestimmungen wahrscheinlich gegen Verluste wappnen, falls die Geldmarktzinsen noch tiefer in den Negativbereich rutschen.“ Denn schon jetzt seien die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt leicht negativ.

Sollten also die Absichten der EZB in die Tat umgesetzt werden, so dürften auch die deutschen Banken nicht zögern, solche Maßnahmen zu ergreifen. Hierzulande könnte dasselbe passieren.

So empfiehlt sich neben der aufmerksamen Lektüre der Wirtschaftsnachrichten auch das regelmäßige Studium einer an und für sich eher drögen Lektüre: Die Sparer sollten die Geschäftsbedingungen ihrer Banken studieren. Wenn der Bankkunde oder Sparer in seinen Kontoauszügen die entsprechenden „Entgelte“ – je nach Bankinstitut unterschiedlich, als Abzug in seinem Sparvermögen als nicht deklarierten „Niedrigzins“ – findet, empfehlen sich sehr konservative Anlageformen wie der Sparstrumpf, die Matratze oder eine ausgedehnte Reise in ein fernes Land – ohne Internet-Verbindung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/20/sparguthaben-auf-der-bank-werden-in-zukunft-kostenpflichtig/

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19.11.2013

Strafe für Sparer: Asmussen bringt negative Zinsen ins Gespräch

Das EZB-Mitglied Jörg Asmussen hält es für denkbar, dass die EZB Einleger bestraft, wenn sie ihr Geld auf der Bank lassen. Allerdings sollte man dieses Instrument „sehr vorsichtig“ einsetzen. Mit Negativ-Zinsen wird es für den Sparer eine Geldvernichtung, wenn er sein Vermögen auf der Bank liegen lässt.

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Die Finanz-Eliten spielen Ping-Pong über den Atlantik: Erst vergangene Woche hatte Obama-Berater Larry Summers laut über Negativ-Zinsen als unkonventionelle Maßnahme zur Behebung der Krise nachgedacht (mehr zu diesem sehr interessanten Konzept – hier).

Nun greift erstmals ein offizieller Zentralbanker die Idee auf: Das EZB- Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sagte am Dienstag in einem ORF-Interview, dass die EZB nicht daran denke, das Gelddrucken zu bremsen, im Gegenteil: Asmussen kündigte an, dass die EZB sogar noch viel weiter gehen könnte als bisher: „Dabei ist ein mögliches Instrument auch sogenannte negative Einlagenzinsen zu nutzen. Aber ich wäre mit diesem Instrument in der Tat sehr sehr vorsichtig – will es aber nicht grundsätzlich ausschließen.“

Damit ist die Katze aus dem Sack: Die Zentralbanken werden in den kommenden Monaten mit allen Mitteln versuchen, die Sparer dazu zu zwingen, ihr Geld beim Fenster hinauszuwerfen. Die Zentralbanken erhoffen sich davon eine Wende bei der Arbeitslosigkeit.

Es wird genau zu beobachten sein, ob es in den kommenden Monaten zu verstärkten Bestrebungen kommt, das Bargeld zu beschränken. Denn eine nachhaltige Durchsetzung von Negativ-Zinsen auch bei den Sparern funktioniert nur mit einem weitgehenden Bargeld-Verbot (hier erläutert).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/19/strafe-fuer-sparer-asmussen-bringt-negative-zinsen-ins-gespraech/

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