Immer mehr befristete Arbeitsverträge in Deutschland

07.04.2014

Befristete Arbeitsverträge abschaffen“

Festanstellungen sind offenbar out. Immer mehr Arbeitnehmer müssen sich nach Angaben aus dem Arbeitsministerium mit einem befristeten Job begnügen. In der CDU stößt diese Praxis auf Kritik – aus mehreren Gründen.

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Der Bundesvize der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler (CDU), fordert Konsequenzen aus dem Anstieg der befristeten Arbeitsverträge. Auffallend sei, dass vor allem die sachgrundlosen Befristungen deutlich angestiegen sind. „Wenn beinahe die Hälfte aller Neueinstellungen befristet erfolgt und vor allem Ausländer, Frauen und Junge betroffen sind, spricht dies für einen systematischen Missbrauch“, sagte Bäumler Handelsblatt Online und fügte hinzu: „Die sachgrundlosen Befristungen müssen abschafft werden.“

Hintergrund sind Daten der Bundesregierung, wonach die Zahl der befristeten Arbeitsverträge sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht hat. Aus einer Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium geht zudem hervor, dass von den Neuverträgen inzwischen 42 Prozent zeitlich begrenzt sind. 1997 waren es noch 34 Prozent.

Der CDA-Vize wies auf die Konsequenzen befristeter Arbeitsverträge für die Lebensführung der Betroffenen hin. „Mit einem befristen Arbeitsvertrag wird schon ein Mietverhältnis schwierig“, sagte er. Ein Autokredit ohne Bürgschaft der Eltern sei ausgeschlossen, und an den Erwerb eines Eigenheims sei schon gar nicht zu denken. „Gerade jungen Menschen wird der Weg in ein eigenverantwortliches Leben und die Gründung einer Familie erschwert“, kritisierte Bäumler.

Frauen sind laut Arbeitsministerium davon stärker von befristeten Verträgen betroffen. Fast jeder zweite neue Arbeitsvertrag wird bei ihnen nur noch befristet ausgestellt – bei den Männern sind es 38 Prozent. Auch junge Beschäftigte bekommen häufiger einen Vertrag auf Zeit.

Der Anstieg geht vor allem auf Befristungen ohne sachliche Gründe zurück. Ihre Zahl hat von 554.000 im Jahr 2001 auf 1,3 Millionen im Jahr 2013 zugenommen. Die Linke fordert die Abschaffung dieser Vertragsform. „Die Befristung von Arbeitsverträgen ist ein gezieltes Mittel, die Rechte von Arbeitnehmern klein zu halten“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linke, Jutta Krellmann, der „Welt“.

Für die Abschaffung der grundlosen Befristung von Arbeitsverträgen sprach sich zuletzt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aus. In seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Linkspartei betonte der Gewerkschaftsdachverband, er sehe in befristeten Arbeitsverhältnissen eine völlig unangemessene Verlängerung der Probezeit. Es dürfte kaum einen Arbeitsbereich geben, in dem nicht innerhalb von sechs Monaten festgestellt werden kann, ob ein neu eingestellter Mitarbeiter den Anforderungen entspreche.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/cdu-sozialfluegel-befristete-arbeitsvertraege-abschaffen/9731272.html

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06.04.2014

Mehr befristete Arbeitsverträge in Deutschland

Die Zahl der Befristungen von Arbeitsverträgen hat sich in zwanzig Jahren mehr als verdreifacht. Mittlerweile sind 42 Prozent zeitlich begrenzt; vor allem Frauen, Jüngere und Ausländer sind betroffen.

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Wer heute einen neuen Job antritt, kann nicht mehr damit rechnen, dass er ihn dauerhaft behält. 42 Prozent aller neuen Arbeitsverträge sind befristet, 1997 waren es noch 34 Prozent. Insgesamt hat sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht. Waren 1993 noch 876.000 Neuverträge zeitlich begrenzt, so waren es 2013 bereits 2,7 Millionen. Frauen sind davon stärker betroffen. Fast jeder zweite neue Arbeitsvertrag wird bei ihnen nur noch befristet ausgestellt; bei den Männern sind es 38 Prozent. Das geht aus einer Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium hervor.

Auch junge Beschäftigte bekommen häufiger einen Vertrag auf Zeit. Während der Anteil der befristeten Verträge insgesamt bei 8,5 Prozent liegt, beträgt er in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen 14,1 Prozent. Bei den 15- bis 25-Jährigen hat sogar jeder Vierte einen befristeten Vertrag, bei den 55- bis 65-Jährigen sind es nur 4,2 Prozent. Auch Ausländer haben häufiger eine Befristung. Ihr Anteil liegt bei 14,6 Prozent, der von deutschen Arbeitnehmern hingegen nur bei 7,9 Prozent.

Anteil der Niedriglohnbezieher doppelt so hoch

Besonders betroffen sind von der Befristung auch Niedriglohnbezieher. Ihr Anteil bei den befristet Beschäftigten ist fast doppelt so hoch wie der Anteil aller Beschäftigten. Erhielten 2012 24,3 Prozent aller Beschäftigten einen niedrigen Lohn, waren es bei den befristet Beschäftigten 43,3 Prozent.

Häufig wird Arbeitnehmern beim Abschluss eines befristeten Vertrags in Aussicht gestellt, dass sie nach dessen Ablauf unbefristet übernommen werden. Doch wie sieht es in Wirklichkeit damit aus? Tatsächlich mündete 2013 mehr als ein Drittel der Verträge (37 Prozent) im selben Betrieb in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis – mehr als vier Jahre zuvor (30 Prozent). Ein weiteres gutes Drittel (35 Prozent) erhielt nach Ablauf allerdings erneut nur einen befristeten Vertrag und muss weiter mit einer unsicheren Berufsperspektive leben. Die übrigen 28 Prozent bekamen keinen Anschlussvertrag.

Linke gegen „sachgrundlose Befristung“

Es sind insbesondere sachgrundlose Befristungen, die zu einem Anstieg der Zahl der befristeten Arbeitsverträge geführt hat. Ihre Zahl hat von 554.000 im Jahr 2001 auf 1,3 Millionen in 2013 zugenommen. Die Linke fordert deshalb die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen. „Die Befristung von Arbeitsverträgen ist ein gezieltes Mittel, die Rechte von Arbeitnehmern kleinzuhalten“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Jutta Krellmann, der „Welt“.

Damit sei es gerade für junge Leute schwierig, ihr Leben zu planen: „All das hat mit dem von Frau Nahles beschworenen Respekt vor geleisteter Arbeit nichts zu tun.“ Grundsätzlich müsse das unbefristete Arbeitsverhältnis wieder zur Regel werden.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Befristungsquote im Mittelfeld. Besonders hoch sind die Befristungsquoten in Polen und Spanien, besonders niedrig in Bulgarien, Estland, Litauen und Rumänien. Allerdings bedeutet eine niedrigere Befristungsquote nicht unbedingt mehr Beschäftigungssicherheit, da es unterschiedliche Regelungen beim Kündigungsschutz in den verschiedenen Ländern gibt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article126625402/Mehr-befristete-Arbeitsvertraege-in-Deutschland.html

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