Mainstream-Medien geraten „unter Feuer“ – eine Chronik

05.11.2015

Leserstreik: Der wahre Grund für die Medienkrise

Der Streit zwischen Lesern, Betroffenen und Medien verstärkt sich inzwischen immer mehr. Nach einem falschen Zitat wirft ein Anwalt dem WDR und anderen Anstalten eine „journalistische Verwahrlosung“ vor. Sein Einschreiten erzwingt Entschuldigungen, Widerrufe und Korrekturen. Doch ist das nur die Spitze eines Eisbergs?

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Sprachlose Zuschauer

Über Politik, Medien und Propaganda macht Dr. Rainer Bieling als Redaktionsdirektor von „Der Hauptstadtbrief“ in seiner neuesten Ausgabe unter anderem folgende Anmerkungen: Ein drittes Mal setzt die Bundeskanzlerin deutsches und EU-Recht eigenmächtig außer Kraft. Nach der Energiewende zur Klimarettung und der Euro-Rettung nun die Flüchtlingsrettung.

Eine Wende zum Guten sei nicht in Sicht. Dazu sei die Zahl der Kanzlerin-Claqueure in der Regierung und der Apologeten in den Staatsmedien zu groß. Politiker und Fernsehmoderatoren würden die Reihen fest geschlossen halten. Eine bisher in diesem freien Land nie gekannte Propagandawelle schwappe wohl orchestriert über die sprachlosen Zuschauer.

Medien, die nicht mitmachen

Die „falschen Weichenstellungen in Deutschland“ lässt Dr. Rainer Bieling mehrere Autoren beleuchten. So Stefan Aust, der „Die Fiktion von der Insel der Seligen“ beschreibt.

Er sei Herausgeber der Welt und damit „eines der beiden deutschen Leitmedien, die sich der Flüchtlingspropaganda entziehen“. Das andere sei die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Deren Herausgeber Holger Steltzner erkläre lapidar: „Mit Gesinnungsethik wird die Flüchtlingskrise nicht zu meistern sein.“

Doppeltes Problem mit Griechenland

Auch wenn kein Politiker und kein Fernsehmoderator mehr davon spreche, gehe die Euro-Krise weiter. Und wovon erst recht keiner spreche: Griechenland sei das erste Schengenland, das Asylsuchende von der Türkei aus erreichen.

Gemäß Dublin-II-Abkommen dürften die Griechen keinen von ihnen über den Balkan nach Deutschland durchreichen. Indes tun sie dies nach Aussage von Dr. Rainer Bieling, „wie sie ihre Staatsschulden durchgereicht haben, diese allerdings ohne Umweg über den Balkan“.

Geschönte Berichte?

Wegen dem zunehmenden Streit der Leser mit ihren Medien sind auch die Kommmunikationsabteilungen in der Wirtschaft besorgt. Es gibt Ärger, wohin sie blicken. So schreibt Philipp Jessen als Chefredakteur des Stern einen Kommentar zum Thema „Wir sind die Lügenpresse“.

Darin beklagt er, dass 44 % der Deutschen laut Forsa-Umfrage der Meinung sind, dass die Presse geschönt berichte. Deshalb will er zum Angriff übergehen und „für unseren guten Ruf kämpfen“.

Wut gegenüber Journalisten

Es ist nach Einschätzung von Philipp Jessen etwas verrutscht in der Wahrnehmung von Journalisten in der Öffentlichkeit. Oder wie ein Kollege ihm sagte: „Das Sozialprestige von Journalisten liegt derzeit unter dem von Drogendealern.“

Die Wut gegenüber Journalisten habe ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht, beklagt laut Meedia auch Ulrich Becker als Chefredakteur der Südwestpresse. Seine Kollegen hätten berichtet, dass die Debatte um die Flüchtlinge eine Wut entfacht habe, die sie in dieser Weise noch nie in ihrem Berufsleben erfahren hätten.

Endlich neutral informieren

Doch niemand solle seine Haltung an der Bürotür ablegen und wie eine Jacke an den Garderobehaken hängen, verteidigt sich der Chefredakteur. Das ist richtig, könnte man dem Chefredakteur da antworten und sagen: Die Journalisten sollten nicht so wehleidig sein, denn auch Richter und Polizisten haben eine Haltung, ohne dass darunter der Job leidet.

Zu dem Beitrag von Ulrich Becker gab es in Meedia erstaunlich viele Kommentare. Darunter zahlreiche zustimmende, aber auch viele kritische Äußerungen. In der Kritik wurde gefordert, neutral und objektiv zu informieren. Subjektive Meinungsmache habe mit seröser Berichterstattung nichts zu tun.

Leser nicht für „doof“ halten

Es wurde in den Kommentaren beklagt, dass die Medienvertreter die Leser für „doof“ halten würden. Doch die Bürger könnten heutzutage prima ohne Presse leben, aber die Journalisten nicht ohne Käufer. Diese Botschaft wird den Kommunikationsabteilungen zu denken geben.

Im dritten Quartal ging es gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszeit bei den deutschen Lokal- und Regionalzeitungen ausnahmslos bergab. Am schlimmsten erwischte es Berlin mit Verlusten bei Abos und Einzelverkauf von 5,8 % beim Tagesspiegel bis 7,9 % bei der B. Z., wie Meedia berichtet. Die Südwestpresse kam glimpflicher davon. Sie verlor mit 12.586 Abos und Einzelverkäufen nur 4,1 %.

Die Probleme der Printmedien im Kampf gegen den wirtschaftlichen Abstieg zeigen drei Beispiele aus jüngster Zeit.

Jobs werden gestrichen

Erstens musste die Südwestdeutsche Medienholding bekanntgeben, dass innerhalb von zwei Jahren 70 bis 75 Jobs gestrichen werden. Die Maßnahmen betreffen unter anderem Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Süddeutsche Zeitung.

Zweitens streiten sich der Tagesspiegel und seine nicht mehr beschäftigten freien Autoren im Kleinanzeigenteil vor den Augen der Leser. Die sogenannten Freischreiber bieten dort als arbeitslose Journalisten ihre Manuskripte nach dem Motto an: „Erfahren Sie, was nicht in der Zeitung steht!“

Konkurrenz fletscht die Zähne

Die Redaktion antwortet ebenfalls per Kleinanzeige: „Mit mehr Anzeigen wäre das anders.“

Drittens fletscht die Konkurrenz bereits die Zähne. So hat Xing das Autorenprogramm Klartext gestartet und greift damit aktiv ins Journalismus-Geschäft ein.

Werden Verlage überflüssiger?

Durch derartige Debatten-Plattformen werde die Vermittlerrolle von Verlagen überflüssiger, wurde auf den Medientagen gewarnt. Xing sieht sich mit mehr als neun Millionen Mitgliedern als einer der größten Distributoren von wirtschafts- und berufsbezogenen Nachrichten.

Die Bürger sind immer häufiger von den Printmedien enttäuscht. Doch wodurch werden die Leser vertrieben? Auf diese Frage gibt eine noch unveröffentlichte Forsa-Umfrage erschreckende Erklärungen.

Erschreckende Bewertung

Gefragt wurde bei der Umfrage nach der Bewertung der Kommunikation von Journalisten zu den zentralen Zukunftsthemen Wohlstandsgefährdung, steigende Preise, Energiewende und Euro-Krise. Nur zwischen 44 % und 47 % der Befragten waren dabei der Meinung, dass sich die Journalisten für die Interessen der Bürger einsetzen, wenn es um diese Probleme geht.

Ist es im Journalismus wie beim VW-Dieselmotor? Gibt es nur eine vorgetäuschte Sauberkeit in der Berichterstattung? Wird der Leser missachtet? Die diversen Umfrageergebnisse sollten Anlass für eine Neubesinnung sein.

http://www.huffingtonpost.de/oskar-h-metzger/luegenpresse-journalisten-leserstreik-medienkrise_b_8470028.html

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28.10.2015

Forsa-Umfrage: 44 Prozent der Befragten sehen eine „Lügenpresse“

Viele Bundesbürger gehen von einer „von oben“ gesteuerte Medienlandschaft aus

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Erneut bestätigt eine repräsentative Umfrage, dass viele Menschen der Presse nicht (mehr) vertrauen. 44 Prozent der Bundesbürger stimmen laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage demnach der Aussage zu, dass Medien „von oben gesteuert“ werden und „geschönte und unzutreffende Meldungen“ bringen.

Im Auftrag des Magazin Stern befragte das Forsa-Institut über 1000 Bundesbürger zu Ansichten, die im Kreise von Pegida vertreten werden. Dabei wurden den Teilnehmern der Umfrage jeweils 10 „Original-Aussagen“ vorgelesen und die Teilnehmern sollten dann angeben, ob sie diesen „voll und ganz“, „eher ja“ oder nicht zustimmen.

So kam zum Vorschein: 70 Prozent der Deutschen halten Pegida eher für eine Randerscheinung. Außerdem wurde deutlich: Je krasser die angeführten Aussagen waren, desto weniger Teilnehmer stimmten diesen zu.

Während der Aussage „Muslime können nicht in Frieden leben und bringen ihren Krieg auch hierher“ noch 26 Prozent der Befragten zustimmten, waren es bei der Aussage „Die Flüchtlinge sollen sich untereinander totschlagen und bekämpfen. Dann haben wir Ruhe vor dem Pack“ nur noch vier Prozent. Die Aussage zu den Medien lautete: „Die von oben gesteuerten Medien verbreiten nur geschönte und unzutreffende Meldungen.“ 18 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage „voll und ganz“ zu, 26 Prozent antworteten mit „eher ja.“

Auch in Umfragen, die in den vergangenen Monaten durchgeführt wurden, äußerten viele Umfrageteilnehmer immer wieder eine grundlegende Skepsis an den Medien und ihrer Berichtersattung. So ergab etwa eine im Juni von der Zeitung Die Zeit in Auftrag gegeben repräsentative Umfrage, dass 53 Prozent der Befragten wenig Vertrauen in die politische Berichterstattung der Medien hätten. Sieben Prozent gaben demnach gar an, gar kein Vertrauen zu haben. 27 Prozent derjenigen, die der Berichterstattung misstrauen, warfen, den Medien „bewusste Fehlinformation und Manipulation“ vor, wie der Tagesspiegel berichtete. Bei einer im Dezember des vergangenen Jahres im Auftrag des NDR-Medienmagazins ZAPP durchgeführten repräsentativen Umfrage kam zum Vorschein, dass 63 Prozent der Bundesbürger den Medien nicht mehr vertrauen, wenn es um die Berichterstattung zur Krise in der Ukraine geht (Infratest-Umfrage: Deutsche trauen Medien immer weniger).

Auch bei einer für die staatliche russische Nachrichtenagentur Sputnik vom britischen Meinungsforschungsinstitut ICM Research in mehreren europäischen Ländern durchgeführten repräsentativen Umfrage wurde deutlich, dass das Missstrauen gegenüber den Medien groß ist. Demnach hatten 57 der Befragten zweifelten an der Objektivität der Medienberichterstattung im Hinblick auf die Krise in der Ukraine.

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46407/1.html

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30.06.2015

Mainstream auf dem absteigenden Ast? Nur noch 40 Prozent vertrauen etablierten Medien in Deutschland

Eine kürzlich veröffentlichte Studie belegt, dass das Misstrauen der Deutschen in die etablierten Medien weiter wächst. Nur noch 40 Prozent der Befragten haben „sehr großes“ oder „großes“ Vertrauen in den deutschen Mainstream. Häufig wird bewusste Fehlinformation, Manipulation und Einseitigkeit beklagt.

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Von der Wochenzeitung Die Zeit in Auftrag gegeben und von dem Meinungsforschungsinstitut infratest dimap durchgeführt, belegt eine neue Studie den fortschreitenden Glaubwürdigkeitsverlust etablierter deutscher Medien.

60 Prozent der Befragten haben entweder „gar kein“ (sieben Prozent) oder nur noch „wenig“ (53 Prozent) Vertrauen in die hiesige Medienberichterstattung.

Besonders betrifft dies die TV-Berichterstattung und dort insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, aus denen die Mehrheit der Befragten immer noch ihre Informationen bezieht. Auch Printmedien werden weiterhin umfangreich genutzt. Erst danach folgen Radio und Internet. Besonders im digitalen Raum entstehen zunehmend alternative Medien, die nicht dem oft transatlantisch geprägten Narrativ der großen deutschen Redaktionen folgen, aber weiterhin nur von einer Minderheit konsumiert werden.

Neben der Kritik an handwerklichen Mängeln seitens des Journalismus in Deutschland, wird von den Befragten häufig auch zu starke Einseitigkeit, bewusste Fehlinformation und sogar Manipulation beklagt.

Die Umfrage ist dabei nur eine weitere Stufe bei der zunehmenden Entfremdung deutscher Medien von ihren Zuschauern und Lesern. Spätestens im Zuge der Ukraine-Berichterstattung seit dem Frühjahr 2014, setzte eine Welle der Empörung ein, die sich in einem zunehmend scharfen Umgangston in Kommentarspalten und sogar Straßenprotesten äußerte. Auch in den großen Medienhäusern selbst wird seit dem versucht, sich mit den zahlreichen Vorwürfen gegen die eigene Zunft auseinanderzusetzen. Meist mit eher eingeschränktem Reflexionsvermögen bezüglich eigener Verfehlungen. So kritisiert auch der Medien-Watchblog Propagandaschau in einem aktuellen Beitrag, dass die Debatte im Anschluss an die neue Zeit-Umfrage die Vorbehalte gegen die etablierten Medien eher bestätigt, als aus dem Weg räumt.

http://www.rtdeutsch.com/24350/inland/mainstream-auf-dem-absteigenden-ast-nur-noch-40-prozent-vertrauen-etablierten-medien-in-deutschland/

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28.04.2015

Gegen Propaganda: Aufstand der Journalisten im spanischen Staats-TV

Journalisten des spanischen Staatskanals TVE haben in Brüssel Beschwerde gegen ihren eigenen Sender eingereicht. Sie bezeichneten TVE als „Propagandainstrument im Dienst der Regierung“. Kritische Berichte über Korruption in der Regierung werden unterdrückt, Oppositionsparteien wie Podemos oder Befürworter der katalanischer Unabhängigkeit würden bewusst schlecht dargestellt. Aus deutschen Anstalten ist eine derartige Initiative nicht bekannt.

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Eine Delegation aus Journalisten des spanischen Staatskanals TVE hat beim EU-Parlament in Brüssel gegen den eigenen Sender Beschwerde eingereicht. Die Vertretern des TVE-Informationsbeirats legten ein siebenseitiges Dokument vor, das die Fälle von Manipulation der Berichterstattung durch politische Einflussnahme auflistet. TVE wird darin als „Propagandainstrument im Dienst der Regierung“ bezeichnet, berichtet die spanische Zeitung El Mundo.

Nach Ansicht der unabhängigen Mitarbeiter-Vertretung finde bei TVE eine ideologische Kontrolle der Informationsangebote durch die neuen Verantwortlichen statt, zudem „werden die journalistischen Regeln regelmäßig nicht erfüllt, sei es im Bezug auf Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt, Wahrheitsgehalt oder Objektivität.“ Dem Beirats-Vorsitzenden Alejandro Caballero zufolge ist vor allem die täglich von Millionen Spaniern gesehene Nachrichtensendung Telediario betroffen, deren Bedeutung in etwa vergleichbar ist mit der Tagesschau in Deutschland.

Ich bin seit 30 Jahren bei dem Sender und ich muss sagen, es war noch nie so schlimm.“, so Caballero gegenüber der Financial Times. „Wir wollen einen Sender, der im Dienst der Öffentlichkeit steht. Was wir derzeit haben ist ein Regierungsinstrument, das von der Politik missbraucht wird.“

Für Beobachter wie Victor Lapuente ist das Problem symptomatisch für die spanische politische Kultur, mit einem Regierungswechsel auch tausende Staatsdiener aus Justiz und öffentlich-rechtlichen Medien auszutauschen. Dadurch wüssten Staatsbedienstete, dass politische Neutralität für ihre Karriereaussichten abträglich sei, so Lapuente zur FT.

TVE ist als Staatssender mit den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland zu vergleichen. Zu Zeiten der Diktatur diente der Sender zudem als Propaganda-Instrument für das Franco-Regime. Auch danach sah sich der Sender regelmäßig dem Vorwurf der politischen Parteinahme ausgesetzt.

Caballero spricht vor allem drei Punkte an, die belegen sollen, dass der Sender systematisch Themen unterdrückt, die Rajoys Regierung schaden könnten. Dazu gehören demnach die zahlreichen Korruptionsfälle in der Regierungspartei PP, die katalonische Unabhängigkeitsbewegung sowie der Erfolg der Protest-Partei Podemos: Die Korruption würde heruntergespielt, Podemos hingegen ebenso wie die Separatisten konsequent in einem negativen Licht dargestellt.

Zur selben Zeit als die Beschwerde einging, hat TVE zudem eine Ausgabe einer beliebten Satire-Sendung verboten, in der Ministerpräsident Rajoy von dem Komiker José Mota parodiert wird, berichtet die Zeitung El País.

TVE weist die Vorwürfe von sich und sagt, die Nachrichten werden von unabhängigen Mitarbeitern vorbereitet. Allerdings werfen ehemalige TVE-Mitarbeiter dem Sender vor, insbesondere im vergangenen Jahr eine Art „Schatten-Redaktion“ aus regierungstreuen konservativen Redakteuren aufgebaut zu haben. So ist etwa der neue Chef des Regionalbüros in Katalonien ausgerechnet der ehemalige Pressesprecher der Regierungspartei PP.

Verstärkt habe diese Entwicklung Rajoys Abschaffung eines Gesetzes, nach dem der Senderchef mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit vom Parlament gewählt wird. Dies hätte einen Konsens zwischen den großen Parteien erfordert, stattdessen kann die Regierung die Besetzung dieses Postens nun wieder allein bestimmen.

In einem Monat finden in Spanien Regionalwahlen statt, Ende des Jahres Parlamentswahlen. Ministerpräsident Rajoy hat jüngst verkündet, in jedem Fall zu kandidieren, egal was passiert, und auch bei schlechten Ergebnissen keinen Änderungsbedarf in der von Korruptionsskandalen verfolgten Regierungspartei zu sehen, berichtet El Diario. Seit den letzten Wahlen hat die Regierungspartei PP Umfragen zufolge fast die Hälfte der Wählerstimmen verloren. Die besten Chancen auf den Wahlsieg hat demnach derzeit trotz der negativen Berichterstattung in den Staatsmedien die Protestpartei Podemos.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/28/gegen-propaganda-aufstand-der-journalisten-im-spanischen-staats-tv/

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07.02.2015

Kollegenschelte: ARD-Mann Fröhder geißelt „Tagesschau“ und „Tagesthemen“

ARD-Veteran Christoph Maria Fröhder rechnet in einem SPIEGEL-Interview mit „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ ab. Er wirft den Kollegen sprachliche Verlotterung vor, auch ließen sie sich zu oft instrumentalisieren.

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Der ARD-Journalist und Hanns-Joachim-Friedrichs-Preisträger Christoph Maria Fröhder rechnet im aktuellen SPIEGEL mit „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ ab. „Das ist kein journalistisches Umfeld mehr für mich. Ich stoße da auf Leute, denen die Administration wichtiger ist als guter Journalismus. Diese Strukturagenten ersticken den Journalismus“, sagt er. (Lesen Sie hier das ganze Interview im neuen SPIEGEL.)

„Ich formuliere die Kritik nicht für mich“, so der 72-jährige Journalist. „Ich will, dass sich etwas ändert, damit die jungen Kollegen in Zukunft wieder den Journalismus machen können, den die ARD braucht. Mein Entschluss ist auch ein symbolischer Abschied.“

Der Journalist kritisiert vor allem die „Kleinstaaterei der einzelnen Anstalten“. Er habe den Redaktionen Vorschläge gemacht, die hätten sie gnadenlos kopiert und ihn rausgehalten. „Oft genug musste ich den Korrespondenten vor Ort um Zustimmung fragen, ob ich sein Gebiet im Namen der ARD überhaupt betreten darf – und oft genug wurde mir die Zustimmung verweigert.“ Fröhder wirft der „Tagesschau“ vor, fremdes Bildmaterial nicht kritisch genug zu prüfen.

„Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass man es letztlich nicht nachprüfen kann. Bei diesem sinnlosen Herausnehmen von Material läuft man ständig Gefahr, sich instrumentalisieren zu lassen.“

Auch die Standards haben in Fröhders Augen gelitten: „Mich nervt diese sprachliche Verlotterung! In den Beiträgen wimmelt es von Grammatikfehlern. Da ist die Anmoderation des Sprechers identisch mit den ersten zwei Sätzen des Films. Und dann dieses ständige Geduze! Jeder Korrespondent wird mit Vornamen aufgerufen. Es ist dem Zuschauer gegenüber unhöflich, es ist ärgerlich.“

In „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ würden „bloß scheinbar relevante Fakten hintereinandergefügt, anstatt sie zu hinterfragen“, so Fröhder. „Wenn ich diese Aufsager vor den Parteizentralen und dem Kanzleramt schon sehe! Die kommen einfach von der Routine nicht weg.“

http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-froehder-kritisiert-tagesschau-und-tagesthemen-a-1017309.html

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02.02.2015

Im Netz der Wutbürger und Verschwörungstheoretiker

Was Pegida an Empörung auf die Straße bringt, findet man online schon lange: Furor gegen die etablierte Politik und die Medien. Wie geht es jetzt weiter?

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Über die Auswirkungen des Internets auf Politik und Demokratie existieren naturgemäß verschiedene Auffassungen. Radikaldemokraten und Digitalmodernisten nehmen sich des Mediums gern an, wenn gerade Demokratiebewegungen oder antikapitalistische Proteste dadurch befördert werden. Populistische oder verschwörungstheoretische Tendenzen im Netz rufen wiederum Warner und Kulturpessimisten auf den Plan. Sucht man demgegenüber nach grundsätzlicheren Sichtweisen für das, was politisch im Netz geschieht, bieten sich zwei andere Positionen an.

Jürgen Habermas hat schon 2008 gewarnt, das Internet bewirke eine Ausdifferenzierung von Teilöffentlichkeiten. Deren Anbindung an allgemeine Konfliktlinien sei defizitär, wodurch die gemeinsame demokratische Öffentlichkeit unterlaufen werde. Nur in Opposition zu diktatorischen Regimen könne das Netz demokratisierend wirken. In „The Logic of Connective Action“ (2013) argumentieren W. Lance Bennett und Alexandra Segerberg hingegen, die Vernetzungsmöglichkeiten des Internets böten die Möglichkeit zum vergleichsweise hierarchielosen Entstehen sozialer Bewegungen in Demokratien. Sie sprechen von „digitally networked action“ (DNA). Heute ist DNA allgegenwärtig. Bürgerschaftliche Aufwallungen aus dem scheinbaren Nichts – der jeweilige Inhalt tut erst einmal nichts zur Sache – scheinen Bennett und Segerberg recht zu geben.

Indes ist diese Schlussfolgerung zu kurzsichtig, was viel mit dem Argument von Habermas zu tun hat. Vor dem Hintergrund von Protestbewegungen, selbst wenn sie virtueller Natur bleiben, wird die demobilisierende Wirkung des Internets zu wenig beachtet, denn ebenso sehr wie die Aufwallung werden auch die Ausdifferenzierung und Spaltung von Bewegungen durch das Medium befördert. Es ist fraglich, ob die Grünen und die Neuen Sozialen Bewegungen in ihrer Entwicklungsphase das Netz überstanden hätten. Ein gutes Beispiel für die Ausdifferenzierung und das Zerwürfnis im Internet, aber auch für die Personengebundenheit des vermeintlich ahierarchischen Formats lässt sich gerade beobachten.

Bewegung der Totalablehner

Die Vertreter digitaler Demokratieentwürfe verbinden mit dem Pluralismus des Internets große Hoffnungen. Die Realität sieht jedoch so aus, dass es sich bei der wahrnehmbaren netzbasierten Gegenöffentlichkeit oft um Portale radikaler Systemopposition handelt. „Wahrheit“ und „Souveränität“ sind die Leitvokabeln dieser Bewegung der Totalablehner, die das Habermassche Argument bestätigen, indem sie ein diktatorisches Kartell aus Politik, Hochfinanz und „Mainstream-“ beziehungsweise „Lügenpresse“ als Gegner präsentieren. Wie viele Menschen primär in dieser virtuellen Welt partizipieren und damit aus der herkömmlichen Öffentlichkeit hinaussozialisiert werden, geht aus den Klickzahlen der Portale ebenso hervor wie aus den Äußerungen von Pegida-Demonstranten oder von Rednern auf sogenannten Friedensmahnwachen.

Der vorläufige Durchbruch alternativer Netzmedien setzte mit der Ukraine-Krise im November 2013 ein. Die gruseligen Videonachrichten des Kopp-Verlags mit Eva Herman als Sprecherin waren schon eingestellt, da gewannen die beiden wichtigsten Youtube-Kanäle der Alternativmedienszene an Bedeutung. Auf KenFM führt der Journalist Ken Jebsen predigthafte Monologe oder lange Interviews mit alternativen Kriegsreportern, abtrünnigen oder randständigen Politikern und Verschwörungstheoretikern. Die Liste reicht von dem eloquenten Schweizer Historiker Daniele Ganser bis zu Albrecht Müller, dem linken Herausgeber der Nachdenkseiten. Die Machart dieser Gespräche hat Niveau, auch wenn es sich nur um Bestätigungsrituale handelt. „Compact TV“, der andere wichtige Kanal, ist der Ableger des populistischen Magazins „Compact“ und seines zwischen Charisma, Detailkenntnis und stupider ideologischer Sinnsuche changierenden Chefredakteurs Jürgen Elsässer. Nach dem Vorbild von „Spiegel TV“ produziert der Kanal, in Verbindung mit Frank Höfers „Nuo Viso TV“, ein regelmäßiges Magazin. Zuvor wurden vor allem Elsässer selbst, sogenannte „Russlandversteher“ und Verschwörungstheoretiker präsentiert. Auf der letzten Konferenz des „Compact“-Magazins sprach unter anderen Alexander Gauland von der AfD. Thilo Sarrazin war auch schon einmal zu Gast.

Im Internet ist eine weitgehend anonyme, über alternative Medien informierte Bewegung der Totalablehner entstanden, die einer zwischen „wahrer“ Gesellschaft und Elite abgrenzenden Wir-sie-Ideologie anhängt, wie man sie noch aus realsozialistischen Systemen kennt. Das messbar gesunkene Vertrauen in „die Medien“ untermauert die Verbreitung derartiger Ansichten, wobei ein Blick in die Publikumsdiskussionen auf den einschlägigen Seiten zeigt, dass vor allem politisch interessierte Menschen dem Diskurs folgen. Auch das noch recht neue und mitunter dilettantisch moderierte Programm von „Russia Today Deutsch“ versucht, dieses Spektrum zu bedienen. Die Politik hat das Phänomen lange nicht beachtet und später dann mit einer schematischen Einordnung reagiert, die zwar die moralische Kategorisierung erlaubt, dadurch aber nicht richtiger wird, da sie die Heterogenität des Totalablehnertums missachtet. Es handle sich um Rechtsradikale, so der Affekt.

Meinungsverschiedenheiten treten im Netz sofort zutage

Zum Bruch innerhalb der Alternativmedienszene kam es, als die mittlerweile ebenfalls gespaltene Pegida-Bewegung in die Schlagzeilen drängte. Jürgen Elsässer, der zuvor schon Sympathie für vermeintlich antisalafistische Hooligans erkennen ließ, hat sich klar auf die Seite von Pegida geschlagen und auf der Legida-Demonstration am 21.Januar in Leipzig eine umjubelte Rede gehalten. Schon früh hat sich deshalb Ken Jebsen auf seinem Portal von Elsässer distanziert. Auf „Russia Today Deutsch“ musste sich der rhetorisch gewiefte „Compact“-Chef zudem von einer zweitklassigen Reporterin abkanzeln lassen. Der russische Staat gibt sich hierzulande nämlich jung, links und minderheitenfreundlich.

Das Internet ist mitverantwortlich für die Spaltung der Alternativmedienszene. Wenn es über den Antiamerikanismus und das Bashing von Medien und Politik hinausgeht, also, wie etwa bei Pegida, zur Formulierung konkreter „positiver“ Forderungen kommt, ist die Echtzeitpositionierung gefragt. Alle Unterschiede zwischen den Protagonisten treten offen zutage. Was wäre wohl aus den frühen Grünen geworden, wenn man jeden auf Diskussionen gefallenen Satz hätte nachschauen und der Bewegung im Ganzen hätte anrechnen können?

Konnektives Handeln im Internet tendiert dazu, auf die krude Ablehnung und Fundamentalopposition begrenzt zu bleiben. Diese Ansichten werden bestärkt durch Alternativmedien, deren Identität auf der Abgrenzung vom herkömmlichen Medienpluralismus gründet. Gleichzeitig behindert das Netz durch die gegebene Transparenz aber die Reintegration der Totalablehner. Die Definition gemeinsamer positiver Agenden ist schwerer geworden. Die Ränder des demokratischen Parteienspektrums, Linkspartei und AfD, sind hierfür noch am ehesten geeignet und strecken ihre Fühler deshalb verhalten aus. Sigmar Gabriel wiederum hat verstanden, dass man es sich mit einer Totalverweigerung gegenüber den Totalablehnern nicht zu leicht machen darf, um weiter als Volkspartei existieren zu können. Die anonyme Bewegung ist nämlich nicht genuin rechts. Wir sehen nur Teile, die im angeblichen Antiislamismus, vorgetragen von tendenziell fremdenfeindlichen Wutbürgern, ein zweifelhaftes Feld der Ankopplung finden. Morgen wird es ein anderes Thema sein.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/medialer-populismus-im-netz-der-wutbuerger-und-verschwoerungstheoretiker-13404738.html

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23.01.2015

Lügenpresse“, wie wir das sehen

Viele Zeitungen werden zurzeit als „Lügenpresse“ beschimpft. Woher kommt das schwindende Vertrauen in die Medien? Das Handelsblatt hat seine Leser gefragt und antwortet auf immer wiederkehrende Kritikpunkte.

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Über das Unwort des Jahres 2014 wurde in den vergangenen Tagen viel gesprochen. Viele Fans der Handelsblatt-Facebook-Page haben geschrieben, „Lügenpresse“ sei kein „Unwort“, denn die Presse lüge tatsächlich. Sie hätten das Vertrauen in die Medien grundsätzlich verloren.

Wir wollten mit den Nutzern diskutieren und haben gefragt: Vertrauen Sie „den“ Medien tatsächlich nicht mehr – und wenn nein, warum nicht? Was verstehen Sie unter einer „freien und unabhängigen Presse“? Und: Was wünschen Sie sich ganz konkret von uns, Ihrer Handelsblatt-Redaktion?

Mehr als 300 Leser haben sich an der Diskussion beteiligt. Auf Facebook haben wir bereits zu einigen Fragen direkt Stellung bezogen. Immer wieder wurden aber Kritikpunkte geäußert, auf die wir jetzt nochmal besonders eingehen wollen.

Auf den folgenden Seiten beantworten Kollegen aus der gesamten Handelsblatt-Redaktion – von Handelsblatt-Online-Chef Oliver Stock bis hin zu Thorsten Giersch, Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online – Ihre Fragen und äußern sich zu Ihrer Kritik.

Kritikpunkt 1: „Medienunternehmen können nicht neutral sein“

Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen und kann deswegen nicht neutral sein, weil er sonst Aufträge verlieren würde.“

Thorsten Giersch, Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online:

„Werbekunden inserieren bei Marken wie dem Handelsblatt aus einem Grund: Weil sie an die Glaubwürdigkeit der Marke glauben. Wenn die nicht da wäre, würden die Werbekunden noch mehr zu Google und Co gehen.

Zum Zweiten ist das Handelsblatt nicht abhängig von einem oder wenigen Werbekunden oder einer Branche. Beispiel Energiewende: Mal angenommen, das Handelsblatt würde den Wünschen eines Werbetreibenden aus der Energiebranche entsprechen und die Stromerzeugung durch Kohle „schönschreiben“: Was würden die Werbekunden aus dem Bereich der erneuerbaren Energien davon halten? Oder die Banken, die mit Nachhaltigkeit werben? Es gibt praktisch keinen Bereich, in dem der Verlust von Neutralität nicht einen Werbepartner verletzen würde.

Nicht zuletzt sind die Abonnenten eine wichtige Einnahmequelle. Wenn die Neutralität darnieder geht, sinkt diese Ertragssäule, was sich ein Handelsblatt ebenfalls nicht leisten kann.“

Kritikpunkt 2: „Zu wenig Berichte über TTIP“

Das Handelsblatt berichtet nicht genug über TTIP.“

Dietmar Neuerer, Politik-Reporter:

Dass wir zu wenig über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) berichten, kann ich nicht erkennen. Wenn ich den Begriff in unserem elektronischen Archiv suche, erhalte ich 146 Treffer. Allein in diesem Jahr haben wir schon 16 Mal über das Thema geschrieben. Und das durchaus kritisch.

Wir schauen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der eigens für das Abkommen ein Beratergremium eingerichtet hat, genauso ungefiltert auf die Finger, wie wir auch unhaltbare Entwicklungen offenlegen. Etwa das Vorhaben der EU und der USA, im Zusammenhang mit TTIP ein Supergremium einzurichten, das Industrievertretern exklusiven Zugang zu Gesetzesvorhaben verschaffen soll.

Und natürlich zeigen wir auch auf, dass das Abkommen für Deutschland längst noch nicht in trockenen Tüchern ist. Sowohl in der SPD als auch in der CDU gibt es erhebliche Vorbehalte. Der Sozialflügel der Christdemokraten lehnt beispielsweise das Investitionsschutzkapitel, das Mechanismen und Regeln für die Konfliktbearbeitung zwischen Staaten und Unternehmen, das so genannte „Investor-State Dispute Settlement“ (ISDS), beinhaltet, strikt ab. Diese Regelungen würden es ausländischen Investoren ermöglichen, Staaten vor privaten Schiedsgerichten zu verklagen.“

Kritikpunkt 3: „Es wird zu oft auf Agentur zurückgegriffen“

Agenturen werden ‚einfach so‘ übernommen bzw. es werden zu oft Agenturtexte verwendet. Überall steht dasselbe.“

Stefan Menzel, stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online:

Der Vorwurf, überall würde dasselbe stehen, gilt für das Handelsblatt erklärtermaßen gerade nicht. Wir verwenden die Nachrichtenagenturen nur für das Grundgerüst und für kleinere Nachrichten. Die größeren Geschichten, dann meistens mit einem starken Wirtschaftsbezug, schreiben wir selbst mit eigenen Redakteuren und Korrespondenten.

Beispiele machen das Ganze vielleicht etwas klarer. Für das Quartalsergebnis eines Dax-Konzerns oder für das Abstimmungsresultat im Bundestag kann man sich gut und gerne auf die Agenturen verlassen. Die Analyse, der Kommentar oder vielleicht die einordnende Reportage kommen von uns mit eigenen Bordmitteln.

Und nicht zu vergessen: Bei uns steht der anfangs schon erwähnte Bezug zur Wirtschaft eindeutig im Vordergrund. Damit heben wir uns klar von den anderen Medien ab. Handelsblatt.com ist ein eigenständiges Produkt mit einem ganz eigenen Gesicht – und damit wirklich etwas Besonderes in der deutschen Medienlandschaft.“

Kritikpunkt 4: „Keine Grenze zwischen Meinung und Bericht“

Die Grenze zwischen Kommentar und Bericht verwischt zusehends. Man kann nicht mehr unterscheiden. Ich würde mir wünschen, dass in den Zeitungen strikter zwischen Informationen und Meinungen unterschieden wird.“

Oliver Stock, Chefredakteur von Handelsblatt Online:

Wenn wir eine Umfrage machen und wissen wollen, welche Form der Berichterstattung Sie, liebe Leser, sich wünschen, so antworten die allermeisten: Zuerst eine sachliche Information, dann Hintergrundwissen und schließlich ein pointierter Kommentar.

Wenn wir dann, liebe Leser, Ihre Lesegewohnheiten nachvollziehen, stellen wir fest: Einige überspringen die Information, viele verzichten auf den Hintergrund, aber fast jeder bleibt bei der zugespitzten Meinung hängen.

Wir ziehen nicht den Schluss daraus, dass wir vor allem Kommentare schreiben. Allerdings ist unsere Konsequenz, dass wir uns bemühen, zu den Informationen, die wir liefern, auch Meinungen von Menschen einzuholen, die sich mit der Sache auskennen.

Unsere eigenen Kommentare trennen wir säuberlich von dieser Form der Berichterstattung. Unser Ziel ist es, Ihnen liebe Leser, Argumente zu liefern, die Ihnen helfen, sich selbst ein Bild zu machen.“

Kritikpunkt 5: „Keine neutrale Pegida-Berichterstattung“

Das Handelsblatt berichtet nicht neutral über Pegida. Kann es denn nicht sein, dass dort gar nicht rechtsextremes Gedankengut existiert, sondern nur Opposition gegen die aktuelle Lage mit der GroKo?“

Maike Freund, Redakteurin im Ressort Politik:

Von ‚obrigkeitsgehöriger Berichterstattung‘ und der ‚Verweigerung andere Meinungen zu Wort kommen zu lassen‘, wie es in kritischen Leserbriefen vorkam, kann keine Rede sein. In den vergangenen Wochen haben wir sehr ausführlich über das Phänomen Pegida berichtet – und versucht, Erklärungen für die Bewegung zu finden. Dabei sind selbstverständlich auch diejenigen zu Wort gekommen, die sich den Demonstrationen anschließen – wenn sie sich denn gegenüber der Presse äußern wollten.

Und es muss noch einmal gesagt werden: Wer Journalisten nur mit ‚Lügenpresse‘ entgegentritt, aber sonst nichts zu bieten hat, wer Interviews und Statements verweigert, kann auch nur damit wiedergegeben werden. Auch das haben wir berichtet, zum Beispiel hier oder hier.

Aus unterschiedlichen Stilrichtungen haben wir uns Pegida gewidmet. In Berichten, Reportagen, Interviews. Natürlich gibt es auch Kommentare, die – das liegt in der Natur der Sache – Meinungen wiedergeben. Aber auch dort muss ich widersprechen, denn wir haben nie behauptet, es handele sich bei Pegida allein um Teilnehmer mit ‚rechtsextremen Gedankengut‘.

Doch die Behauptung, dass dort, bei Pegida, ’nur Opposition gegen die aktuelle Lage mit der GroKo‘ gemacht würde, ist falsch. Denn dazu gibt es leider viel zu viele, die mit ihrem ‚rechtsextremen Gedankengut‘ nicht hinterm Berg halten. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass sich die Pegida-Mitglieder selbst von Mitgliedern mit ‚rechtsextremen Gedankengut‘, die es zweifelsfrei gibt, distanzieren.“

Kritikpunkt 6: „Inszenierte Bilder aus Paris“

Die Berichterstattung über den Trauermarsch nach den Attentaten in Paris war inszeniert.“

Alexander Möthe, Newsdesk und leitender Spätdienst:

Eine These, die weder vollständig zu entkräften ist noch vollständig zutrifft. Die Faktenlage: Die beim Gedenkmarsch für die Opfer der Pariser Attentate anwesenden hochrangigen Politiker und Staatschefs liefen weder an der Spitze des Zugs noch im Verbund mit den Millionen Menschen in den Straßen. Die Staatsoberhäupter und Minister trafen sich in einer abgesperrten Nebenstraße. Der Vorwurf: Durch die gezeigten Bilder wurde vorgegaukelt, die Politiker seien vorangegangen. Die Implikation: Statt ehrlicher Anteilnahme und Volksverbundenheit nur eine scheinheilige Inszenierung.

Die Kritik schlug vor allem bei den Kollegen der Tagesschau auf, war aber breit an die Medien gerichtet, auch das Handelsblatt. In unserer Berichterstattung benutzten wir zwei Sätze, die in diesem Zusammenhang Kritik hervorriefen: ‚Angeführt wurde der Gedenkzug vom französischen Staatspräsidenten Francois Hollande‘ und ‚Inmitten einer Millionen Menschen marschieren Spitzenpolitiker aus aller Welt vereint‘. Beide Formulierungen sind sachlich nicht falsch, ‚angeführt‘ ist ein journalistischer Standard, der sich auf den Wortführer, nicht die räumlichen Verhältnisse dreht. Die Politiker befanden sich auch zweifelsfrei inmitten von Millionen – nur nicht mitten unter ihnen. In beiden Fällen müssen wir die Kritik, hier anders, präziser formuliert haben zu müssen, annehmen.

Der Implikation, wir wollten damit gezielt manipulieren und inszenieren, treten wir derweil entschieden entgegen. An diesem Tag wurde in Paris Weltgeschichte geschrieben. Für uns stand und steht in der Berichterstattung nicht im Mittelpunkt, wer sich wo im Trauerzug aufhält. Auch wenn uns die offene Diskussion nun zeigt, dass die Wirkung der Bilder und Texte auf manche Leser anders war als auf uns.

Der journalistische Fokus lag auf dem historischen Zusammenhalt der Staatsfrauen und -männer. Israels Premier Benjamin Netanjahu in einer Reihe mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas – beeindruckender kann ein Symbol, ein Bild, kaum sein. Unser Fokus lag darauf, dieses Ereignis im Bild zu zeigen, zu zeigen, wie sich Politiker aus allen Lagern ungeachtet ihrer Differenzen solidarisieren. Dass sich gleichzeitig Millionen Bürger in den Straßen ungeachtet ihrer Differenzen ebenfalls solidarisch zeigen, ist ein wesentlicher, aber davon unabhängiger Teil der Berichterstattung.

Unabhängig davon, dass uns das als Beleg für eine Inszenierung angeführte Bild aus der Vogelperspektive nicht vorlag, hätten wir es nicht in den Mittelpunkt gerückt. Die viel gerügte Tagesschau hat die entsprechenden Videobilder übrigens während ihrer Live-Berichterstattung gezeigt, von einer möglichen Vertuschung kann also keine Rede sein.

Journalisten müssen in der Berichterstattung Schwerpunkte setzen, die Bilder und Ereignisse erkennen und einordnen, die von Gewicht sind. Wir können und werden niemals die Eindrücke ersetzen können, die ein Ortsbesuch vermittelt. Aber auch diese Eindrücke sind beschränkt. Daher bemühen wir in der Berichterstattung die Eindrücke verschiedener Quellen. In Paris waren das unser ausgezeichneter Korrespondent Thomas Hanke sowie die zahlreichen Reporter und Fotografen der Nachrichtenagenturen.

Der Nebensatz ‚[…] die sich aus Sicherheitsgründen abseits des Gedenkmarschs trafen‘ wäre aus Gründen der Präzision sinnvoll gewesen. Die anschließende Diskussion war im Kern auch hilfreich. Dennoch gilt: Wo genau am Rande der Trauerden sich die Staatsgäste aufhielten, spielt eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Entscheidend – journalistisch, symbolisch, realpolitisch – ist die Geste des Zusammenhalts. Und unter dieser Prämisse ist unsere Bildauswahl die richtige Entscheidung.“

Kritikpunkt 7: „Versteckte Gegendarstellungen“

Gegendarstellungen werden von der Redaktion bewusst versteckt und klein gehalten.“

Jürgen Röder, Finanzredakteur (Antwort ist bereits bei Facebook erschienen):

Presserechtlich muss mittlerweile die sogenannte Gegendarstellung auf der gleichen Seite wie die Falschmeldung erfolgen – auch in der gleichen Größe. Aber dafür muss man einen Rechtsanwalt beauftragen.

Wenn ich einen Fehler veröffentlicht habe und mich ruft deswegen jemand an oder schreibt einen Kommentar, korrigiere ich das so schnell wie möglich.“

Kritikpunkt 8: „Wahl des Unwortes des Jahres wurde manipuliert“

„‚Lügenpresse‘ wurde von Journalisten zum Unwort des Jahres gewählt. Das Ganze ist deswegen nur eine ‚erzieherische Maßnahme‘.“

Thomas Schmitt, als Redakteur vor allem für die Themen Sport, Fußball, Panorama und Finanzen verantwortlich:

Das sehe ich ganz genauso. Aber ich sehe diese ‚erzieherische Maßnahme‘ nicht kritisch. Für mich ist das richtig. Dieses Wort und die damit verbundene, unsinnige Meinungsmache gegen Journalisten und die Presse generell darf nicht toleriert werden.

Den Titel ‚Unwort des Jahres‘ hat ‚Lügenpresse‘ zu Recht erhalten. So denken vielleicht mehr Demonstranten darüber nach, was sie sagen, wenn sie das Wort in den Mund nehmen. Und was sie tun, wenn sie das Wort auf ihren Veranstaltungen auf Plakaten zeigen. Man kann es gar nicht oft genug feststellen: Sie liegen mit ihrer Haltung falsch. Und wohin es geführt hat, als Deutschland keine freie Presse mehr hatte, wissen wir ja alle.“

Kritikpunkt 9: „Tendenziöse Russland-Berichterstattung“

Die Berichterstattung über den Russland-Konflikt ist nicht neutral.“

Nils Rüdel, Ressortleiter Politik bei Handelsblatt Online:

Die Presse in Deutschland wird derzeit heftig kritisiert – oft zu Recht, oft aber auch in überzogener Art. Einer der Hauptkritikpunkte dabei ist die Berichterstattung in der Ukraine-Krise. Auch beim Handelsblatt erreichen uns Kommentare, Mails und Leserbriefe, die uns mangelnde Ausgewogenheit zu Lasten Russlands, Gleichschaltung oder gar Kriegshetze vorwerfen.

Seien Sie versichert, wir nehmen die Kritik sehr ernst und setzen uns täglich damit auseinander. Wir diskutieren in den Konferenzen und bewerten und gewichten laufend, was von einzelnen Nachrichten aus dem Konflikt zu halten ist, wie zuverlässig die Quellen sind und ob wir ausgewogen berichten.

Bei der Einschätzung haben wir bestimmt nicht immer hundertprozentig richtig gelegen. Nachrichten sind oft schwer zu überprüfen, gerade in einem Konflikt wie dem in der Ukraine, bei dem von allen Seiten manipuliert, getrickst und auch gelogen wird. Zu Beginn der Krise haben wir möglicherweise auch Dinge zu wenig beachtet (etwa die rechtsradikalen Umtriebe in Kiew oder die historische Bedeutung der Krim für Russland) oder aber zu viel (etwa die Darstellung des Konflikts aus dem Munde der Nato).

Nicht nur in einer internationalen Krise gilt: Man muss alle Verlautbarungen mit Vorsicht behandeln, kommen sie nun aus Kiew, Moskau, Brüssel oder Washington. Und das tun wir, jeden Tag. Wir wollen stets auch die andere Seite beleuchten, damit Sie sich, liebe Leser, ein eigenes Bild von den Geschehnissen machen können.

Zur Berichterstattung gehört es aber auch, in Kommentaren Stellung zu beziehen. Wenn in Europa mit Zwang Grenzen neu gezogen werden, muss man das nicht hinnehmen. Die Legitimität der Krim-Volksabstimmung, die unter zweifelhaften Bedingungen ablief und mit Militärpräsenz einer ausländischen Macht begleitet wurde, darf man anzweifeln. Auch die autoritären Tendenzen der russischen Regierung, die Staatskontrolle über die Medien oder die Entrechtung Homosexueller darf man kritisieren. Und man muss das nicht alles einfach damit entschuldigen, dass der Westen Russland seit dem Fall des Eisernen Vorhangs angeblich einkreist und bedrängt.

Gleichzeitig treten wir regelmäßig in Leitartikeln dafür ein, dass der Konflikt zwischen Russland und dem Westen um die Ukraine nicht noch weiter eskaliert. Wir haben dargelegt, warum Russland und der Westen ohne Schaum vor dem Mund zu einer friedlichen Lösung kommen müssen. Wir lassen besonnene Köpfe wie Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt oder Matthias Platzeck zu Wort kommen, die vor einer Eskalation warnen. Wir beschreiben regelmäßig die fatalen Folgen einer Sanktions-Spirale. Wir bemühen uns um Ausgewogenheit. Wir werden weder von irgendeiner Staatsmacht gesteuert, gekauft noch gleichgeschaltet. Und „Kriegshetze“ zu betreiben ist das letzte, was wir wollen.“

Kritikpunkt 10: „Journalisten haken nicht genug nach“

Oft wird nicht genug nachgehakt, stattdessen werden Politiker-Floskeln akzeptiert. Wieso kommt Frau Merkel beispielsweise mit ihrer Maut-Aussage durch?“

Stefan Kaufmann, Redakteur im Politik-Ressort von Handelsblatt Online:

Die Frage ist das wichtigste Werkzeug eines Journalisten. Wir fragen ständig. Zunächst einmal uns selbst: Was sind die Themen des Tages, wie wollen wir diese Themen gewichten, mit wem wollen wir über diese Themen sprechen? Dann fragen wir andere: Politiker, Unternehmer, Manager, Wissenschaftler, Experten.

Bei diesen Interviews treffen zwei Interessen aufeinander: Der Journalist will seine und die Neugierde seiner Leser befriedigen. Nichts ist langweiliger als ein Interview, an dessen Ende keine Nachricht, kein neuer Dreh steht. Und der Gesprächspartner? Auch Politiker, Unternehmer, Manager, Wissenschaftler, Experte wollen Botschaften loswerden. Die sind zwangsläufig nicht immer deckungsgleich mit denen des Journalisten. Oder sie wollen bei brenzligen Themen ihre wahren Gedanken verschleiern.

Politiker sind von ihren Pressestellen geschult, in Krisen-PR, in Ablenkungsmanövern, in Politiker-Sprech. Natürlich ist es die Pflicht von Journalisten nachzuhaken, wenn uns eine Antwort zu schwammig erscheint, wenn wir von Allgemeinplätzen erschlagen werden. Auch aus eigenem Interesse: Floskeln verkaufen sich nicht besonders gut.

Wir können den Gesprächspartner aber auch nicht zu Antworten zwingen, die er partout nicht geben möchte. Dem Leser ist außerdem nicht geholfen, in der Verschriftlichung die Frage immer und immer wieder zu wiederholen, nur um zu zeigen, wie toll der Journalist nachfragen kann. Der Platz kann gehaltvoller genutzt werden. Und manchmal ist es gerade die Floskel-Antwort, die hilft, den Politiker, Unternehmer, Manager zu entlarven.“

Oliver Stock, Chefredakteur von Handelsblatt Online:

Wir fragen nach und zwar so lange, bis wir der Meinung sind, dass auch unsere Leser es verstehen. Und bis wir es selbst verstehen. Dabei prallen oft unterschiedliche Denkweisen aufeinander.

In der Mautfrage verweist Merkel beispielsweise darauf, dass sie keine zusätzliche Belastung für deutsche Autofahrer will – und ihren Willen auch durchgesetzt hat. Dass genau deswegen das Konzept völlig vermurkst ist, das ist dann der Kommentar von unserer Seite. Was ich daran zeigen will: Es gibt stets unterschiedliche Sichtweisen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese darzustellen und zu bewerten, den Finger auf das zu legen, was nicht gut läuft und Sie in die Lage zu versetzen, sich ein eigenes Bild zu machen.“

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/debatte-ueber-medien-luegenpresse-wie-wir-das-sehen/11258762.html

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03.01.2015

Tageszeitungen: Warum sich die Leser abwenden

Verfluchtes Internet. Es bedroht die Tageszeitungen. Die Leser flüchten. Die Anzeigen brechen weg. Die Umfänge schrumpfen. Titel werden eingestellt. Journalisten werden entlassen. Das sind Alarmsignale.

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Qualität im Verruf

Wenn Kunden in neue Märkte abwandern, ist das nicht gut für ein Unternehmen und seine Produkte. Schlimmer noch wird es, wenn gleichzeitig die Qualität in Verruf kommt. Das passiert gerade den Tageszeitungen. Internet und Qualitätsmängel sind für sie eine gefährliche Mixtur.

Der erste Schlag kam Mitte Dezember. Da beschäftigte sich die ZAPP-Redaktion des NDR mit der wachsenden Kritik an der Ukraine-Berichterstattung. Und auch mit dem Bucherfolg von Udo Ulfkotte. Sein heftig umstrittener Titel „Gekaufte Journalisten“ brachte es immerhin zum Spiegel-Bestseller.

Eine Vertrauenskrise

Die Redaktion gab deshalb bei Infratest Dimap eine Studie in Auftrag, um die Gründe für die angenommene Vertrauenskrise zu beleuchten. Und um herauszufinden, ob – und wenn, in welchem Umfang – das Vertrauen in die Medien schwindet.

Schließlich ist das Vertrauen in die Berichterstattung für Journalisten unabdingbare Voraussetzung ihrer Arbeit. Die repräsentative Umfrage ergab alarmierende Zahlen.

Bewusste Fehlinformation“

Laut der Umfrage haben 63 % der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien. Von diesem Teil der Nutzer empfindet fast jeder Dritte die Berichterstattung als einseitig und 18 % gehen gar von einer bewussten Fehlinformation durch die Medien aus. Das Misstrauen zieht sich dabei quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen, unabhängig von Geschlecht und Wohnort.

Insgesamt ist das Vertrauen in die Medien so schlecht wie lange nicht mehr. Haben im April 2012 noch 40 % der Befragten angegeben, großes oder sehr großes Vertrauen zu den Medien zu haben, waren es im Dezember 2014 nur noch 29 %.

Von der Politik gelenkt“

Der zweite Schlag kam wenige Tage danach. Da erbrachte laut Onlinebranchendienst Meedia eine Umfrage von YouGov ein vernichtendes Urteil. Demnach glauben 47 % der Deutschen, die Medien würden einseitig berichten und seien von der Politik gelenkt.

Schlimmer noch sind die Zahlen, wenn man nur Ostdeutschland betrachtet. Dort glauben 55 % an vom Staat gelenkte Medien.

Mit der Bildung steigt das Misstrauen

Je besser Bildung und Einkommen, desto größer das Medienmisstrauen. Befragte mit Abitur oder Hochschulabschluss sowie einem hohen Monatseinkommen misstrauen den Medien deutlich stärker als andere.

Ursache für solche Urteile ist zumindest das Empfinden der Bundesbürger, dass die Medien nicht objektiv berichten. Und manchmal machen die Tageszeitungen ihren Kritikern dieses Urteil leicht. Sie missionieren, berichten mit Häme oder lassen die Gegenseite nicht zu Wort kommen.

Lächerliche Interviews

Oder sie publizieren lächerliche Interviews. Interviews, die mehr Hofberichterstattung als kritische Nachfrage sind. So wie das Interview mit Finanzminister Wolfgang Schäuble in der Jahresschlussausgabe der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Darin wurden folgende Fragen gestellt:

Herr Schäuble, hat es Sie gewundert, dass die Kriegsschuldfrage im Gedenkjahr zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine so große Rolle gespielt hat?

… schon damals Kriegsschauplatz war.

Sie haben Christopher Clarks „Schlafwandler“ und Brendan Simms` „Kampf um Vorherrschaft“ gelesen. Lauter dicke Bücher. Wann machen Sie das?

Beeinflusst die Lektüre Ihre politischen Entscheidungen?

Dann spielt das Historische also doch eine Rolle in Ihrem Denken.

Reden Sie mit Ihren Kollegen aus der Politik über die Bücher, die Sie lesen?

Inwiefern?

Heißt das, Sie lesen noch Bücher und Zeitungen, und die Bundestagskollegen gucken nur noch in ihre iPhones?

Sie haben neulich bei der Feier zum 20. Geburtstag von „Spiegel Online“ eine sehr unterhaltsame Rede gehalten. Ein Satz darin lautete: „Die Leute sind in einer begnadenswerten Weise zufrieden – was eine Katastrophe ist, übrigens auch für die Politik.“ War das eine Kritik an der Politik Angela Merkels?

Das hat Herbert Wehner über Erhard Eppler gesagt.

Sind Sie mit Angela Merkel befreundet? Sie gehen ja gelegentlich mit ihr ins Kino.

Sie haben in Ihrer „Spiegel Online“-Rede auch gesagt, dass man sich nicht die ganze Zeit über die NSA aufregen könne. Muss man das nicht?

Für viele sind Whistleblower wie Edward Snowden aufklärerische Helden unserer Tage. Können Sie das nachvollziehen?

Was denn?

Ist Whistleblowing für Sie ethisch vertretbar?

Verrat und Illoyalität gibt es auch in der Politik. Sie haben das ja auch erlebt. Wann ist das erlaubt?

Aber in der Politik gibt es vielleicht besondere Mechanismen?

In welcher Art?

Jürgen Habermas hat gesagt, Sie seien der „letzte Europäer im Kabinett“. Stimmt das?

Bei diesen „Fragen“ der stichwortgebenden „Interviewer“ war die Leidensfähigkeit des Lesers erschöpft. Er knüllte das „Produkt“ wütend zusammen, warf es in die Ecke und fragte sich, ob er die 3,50 Euro dafür nicht besser anders angelegt hätte.

Was tun gegen Hofberichterstattung?

Was können die Medien tun, außer beispielsweise die Hofberichterstattung mit Wolfgang Schäuble einzustellen, dem sie kritiklos gestatten, dass er ihre Fragen fast nie beantwortet? Die TagesWoche-Redaktion in der Schweiz stellt u.a. folgende Thesen zur Diskussion:

Wer nicht zweifelt, ist unglaubwürdig – Die wahrgenommene Komplexität der Welt nimmt zu, das führt zu mehr Ambivalenz und Unsicherheit. Das alte Muster „Journis erklären die Welt“ greift nicht mehr. Viele Redaktionen halten dennoch daran fest, Zweifel sind nicht erlaubt. Sie werden deshalb unglaubwürdig.

Medien üben den Konsens – Diese Glaubwürdigkeitsprobleme sind auch in Bezug auf einen weiteren Aspekt hausgemacht: Vom Mainstream abweichende Meinungen werden von etablierten Redaktionen zu wenig ernst genommen und entsprechend selten in der Berichterstattung thematisiert.

Journalisten mehrheitlich „links“

Vielleicht macht auch eine Bemerkung von Jan Fleischhauer nachdenklich, der im Spiegel vom 29. Dezember 2014 zum Thema „Gekaufte Journalisten“ u.a. folgendes schreibt: „Bislang hieß es immer, die Mehrheit der Journalisten sei links, eine Einschätzung, die sich mit meiner Erfahrung aus Redaktionskonferenzen deckt.

Thilo Sarrazin hat aus seinem Kampf gegen das linke Meinungskartell sogar einen eigenen Bestseller gemacht. Jetzt heißt es plötzlich, wir seien alle von der Wall Street gesteuert, um dem Volk Sand in die Augen zu streuen, damit die Finanzelite weiter ihr Geld verdienen kann.“

Ein Objektivitätsbeauftragter?

Der bloggende Autor hat sich für die Huffington Post auch noch einige Gedanken darüber gemacht, wie die Medien wieder das Vertrauen ihrer Leser, Hörer oder Zuschauer herstellen können. Dabei sind ihm folgende Punkte eingefallen:

1. Wieder mehr die alten journalistischen Regeln beherzigen und auch die Gegenstimmen zitieren.

2. Ohne Häme berichten und die Missionierungsversuche unterlassen.

3. In Kommentaren nicht bequem ausweichen, indem man nur Stilfragen kritisiert, sondern sich auch mit den Sachargumenten auseinandersetzen.

4. Zu einem Thema auch mal eine Pro- und eine Contra-Stimme zu Wort kommen lassen.

5. Von den Lesern Rechercheaufträge auch zu unbequemen Themen annehmen.

6. Im Verlag, der bereits einen Sicherheits- und Frauenbeauftragten hat, auch einen Objektivitätsbeauftragten installieren.

Mal sehen. Vielleicht fallen dann die nächsten Umfragen weniger alarmierend aus und das Tageszeitungssterben kann um einige Jahre hinausgezögert werden.

http://www.huffingtonpost.de/oskar-h-metzger/tageszeitungen-warum-sich-die-leser-abwenden_b_6405854.html

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08.11.2014

Volle Ladung Hass

Medienverdrossenheit ist in Mode. Medien gelten als Kriegstreiber, Propagandamaschinen und Skandalprofiteure, Journalisten als korrupt. Eine Widerrede aus gegebenem Anlass. Ein Gastbeitrag von Bernhard Pörksen

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Ich bin nicht gekauft. Kein Chefredakteur hat mich angerufen und mich um diesen Artikel gebeten oder mir irgendetwas angeboten. Ich bin nicht als PR-Söldner im Dienste der Leitmedien unterwegs und finde, um dies gleich vorauszuschicken, nicht alles gut, was ARD und ZDF senden oder was im Spiegel, in der ZEIT, in der FAZ oder in der Süddeutschen steht, sondern ich ärgere mich mitunter über den real existierenden Journalismus, über manche Selbstgerechtigkeit und einen Skandalisierungsfuror, der mich frösteln lässt. Aber inzwischen ist etwas gekippt. Auf einmal hat sich Skepsis in Wut, ja sogar in Hass verwandelt. In einen Hass auf die Medien. Seit den achtziger Jahren wird mit guten Gründen die zunehmende Politik- und Parteienverdrossenheit beschrieben – ungezählt sind die Symposien, die Publikationen, die Diskussionen und Debatten. Aber die Medienverdrossenheit, der dramatische Vertrauensverlust in die Orientierungs- und Informationsleistung des Qualitätsjournalismus, findet öffentlich nicht statt; vermutlich, weil sich hier, weitgehend unbemerkt, eine Bewegung formiert hat, die sich kaum als Bewegung und gewiss nicht als soziales oder politisches Milieu fassen lässt. Sie ist radikal im Urteil, aber weltanschaulich pluralistisch, nicht eindeutig rechts oder links. Ihre Gemeinsamkeit ist allein der böse Blick auf das Treiben von Journalistinnen und Journalisten.

Die Mehrheit der Deutschen hält Journalisten für unmoralisch, rücksichtslos, manipulativ, bestechlich und für deutlich zu mächtig, so der bereits im Jahre 2009 veröffentlichte Befund eines Forscherteams um den Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach. Donsbach hat die bislang einzige umfassende Untersuchung zur Medienverdrossenheit in deutscher Sprache vorgelegt, aber andere, aktuellere Befragungen zum Ansehen und zur Glaubwürdigkeit der Branche offenbaren ein ähnlich desaströses Bild. Was ist der Grund? Die Antwort: Es gibt ihn nicht, diesen einen Grund. Medien- und Fälschungsaffären, die Boulevardisierung der Berichterstattung, der Negativismus der Nachrichten, der Einfluss von PR-Agenturen und Lobbyorganisationen – all die angeblichen oder tatsächlichen Grenzüberschreitungen und Verfehlungen munitionieren den großen Verdacht. Der Philosoph Michel Foucault würde in einer solchen Situation höchst unterschiedlich begründeter Einheitsurteile von einem Dispositiv im Diskurs sprechen – einem Sammelsurium unterschiedlichster Stellungnahmen, das aber doch durch ein gemeinsames Wahrnehmungsschema geprägt wird, eine Art Hintergrundbild. Es ist ein Bild des Niedergangs und der Verwahrlosung. Es erzählt von Auflösung und von Zerstörung. Es handelt von Kampagnen, von Verschwörung und von menschenverachtender Manipulation.

Man begegnet diesem Bild auf Demonstrationen, die gegen die Kriegshetze der Medien protestieren und auf denen sich verwirrte Reichsdeutsche genauso finden wie Friedensbewegte. Man wird mit diesem Bild konfrontiert, wenn man sich in Onlineforen bewegt, die von der Gleichschaltung, der Propaganda der Mainstreammedien und der Systempresse berichten, oder aber die Aktivitäten der ehemaligen Nachrichtensprecherin Eva Herman verfolgt, die inzwischen in schrillen Netzvideos gegen die „vielen Lügen“ der etablierten Medien ansendet. Man entdeckt das Stereotyp einer irgendwie außer Kontrolle geratenen, seltsam einheitlich agierenden Macht, wenn man die Fülle der empörten Reaktionen auf die Berichterstattung über Karl-Theodor zu Guttenberg, Günter Grass (Israel-Gedicht), Thilo Sarrazin, Peer Steinbrück oder Christian Wulff studiert. Blutrausch und Medienbestie, Hetzjagd und Meute, Kampagne und Rudel – das sind Vokabeln, die hier auftauchen und zur Schwarz-Weiß-Zeichnung eingesetzt werden. Und man stößt auf die düstere Stimmungslage der Medienverdrossenen, wenn man sich auf das vergleichsweise neue Genre der journalismuskritischen Abrechnungsliteratur einlässt: Christian Wulff hat ein solches Abrechnungsbuch aus der Ich-Perspektive vorgelegt, das wochenlang die Bestsellerlisten anführte (Ganz oben, ganz unten). Auch Bettina Wulff (Jenseits des Protokolls) und Thilo Sarrazin (Der neue Tugendterror) haben dies getan. Zuletzt publizierte Susanne Gaschke ihren Erfahrungsbericht über die Zeit als Kieler Oberbürgermeisterin (Volles Risiko) – auch dies ein Entsetzensschrei über die Erfahrung der Mediengewalt am eigenen Leibe. Aber es sind nicht nur solche Bücher, die Erfolg haben. Verschwörungstheoretiker wie der ehemalige FAZ-Journalist Udo Ulfkotte (Gekaufte Journalisten), der gleich zwei Folgebände zum Niedergang der Qualitätsmedien und der von ihnen produzierten „Scheiße“ angekündigt hat, finden ihr Publikum und klettern dieser Tage die Bestsellerlisten empor.

Es ist, so muss man festhalten, die Wut über den real existierenden Journalismus, es ist die individuell begründete, aber kollektiv wirksame Stimmung der Medienverdrossenheit, die all diese Menschen, die so unterschiedlich sind und die gewiss keinen entspannten Abend miteinander verbringen könnten, verbindet. Ihr Unbehagen entzündet sich stets am konkreten Beispiel, das mit großer Entschiedenheit zum allgemeinen Schicksal umgedeutet wird. Eigene Erfahrungen in der Politik, ein individuelles Skandalisierungserlebnis – stets führt der Weg des Denkens vom Einzelfall zum grundsätzlichen Urteil, das eine besondere Schärfe besitzt, geht es doch mit einem Mal um die Verderbtheit der Branche insgesamt. Allerdings muss man sich fragen, ob es fair und angemessen ist, die vom Empörungs- und Skandalisierungsfuror Gedemütigten, die alarmistischen Verschwörungstheoretiker, die Sarrazin-Anhänger, die Grass- und Putin-Verteidiger insgesamt als Medienverdrossene zu bezeichnen. Ist dies nicht selbst eine schrecklich pauschale Kritik des Pauschalurteils – und ein Versuch, die womöglich berechtigten Einsprüche zu marginalisieren?

Spätestens an dieser Stelle muss die Rückkehr zur Ich-Form folgen, weil sie die eigene Subjektivität und das persönliche Werturteil unmittelbar offenbart. Tatsächlich sind, so meine ich, die großformatigen Verfalls- und Verwahrlosungsthesen, die gegenwärtig kursieren, falsch und in ihrer Wucht gefährlich, weil sie das Vertrauen in den Journalismus untergraben und den bösen Blick seltsam starr werden lassen. Sie sind nicht gerecht, weil sie all die erhellenden Debatten, Porträts und Analysen ignorieren und auch die publizistischen Spitzenleistungen unterschlagen, die sich ohne großen Aufwand Tag für Tag entdecken lassen. Die Berichterstattung über den Missbrauch von Kindern in der Odenwaldschule, die hartnäckigen Recherchen in der NSA-Affäre, die Aufbereitung des NSU-Prozesses – all dies sind Beispiele für einen (im Vergleich zu anderen europäischen Ländern) oft mustergültigen, gleichermaßen orientierenden und informierenden Journalismus.

Ist die Medienverdrossenheit das Symptom einer Zeitenwende?

Womöglich ist die aktuelle Medienverdrossenheit jedoch selbst das Symptom einer Zeitenwende, Ausdruck und Folge einer noch nicht ausgereiften Neuordnung der Beziehung zwischen den Medien und ihrem Publikum, das sich im digitalen Zeitalter in einer bis dato unvorstellbaren Direktheit und Geschwindigkeit in den Kommunikationsprozess einschalten kann, wütend oder ermutigend, voller Hass, aber eben auch mit berechtigter Sorge, als Korrektiv und Anreger. Niemand ist heute mehr zur Rolle des Leserbriefschreibers verdammt, der auf die Gnade des unredigierten Abdrucks hoffen muss. Jeder vermag sich, lange schon, eigene Plattformen und Kanäle zu suchen. „Here comes everybody“ – so lautet eine kluge Formel des Netztheoretikers Clay Shirky zur Lage der Medienwelt.

Die Aufgabe des Qualitätsjournalismus wird es sein, auf die Ad-hoc-Attacken, die Einsprüche und die Ideen der Leser und Zuschauer dialogisch und im Sinne einer kritischen Partnerschaft zu reagieren. Es gilt, eine Art Mittelweg zu entdecken, der sich nicht opportunistisch einem vermeintlichen Publikumswillen und der Diktatur der Klickzahlen beugt oder aber selbst in die Abwertungsspirale einsteigt und jede kritische Regung pauschal als Shitstorm gekaufter Trolle oder dumpfes Grölen eines digitalen Mobs verunglimpft. Berechtigte Medienkritik und echte Grenzüberschreitungen (und die gibt es natürlich) sind aus dieser Perspektive unbedingt ernst zu nehmen – auch in dieser Hinsicht war die kürzlich erfolgte Entschuldigung von Thomas Roth (ARD) für Fehler in der Ukraine-Berichterstattung, die Zuschauern aufgefallen waren, ein positives Fanal. Und doch bleibt, mit Blick auf den laufenden Strukturwandel der Öffentlichkeit, grundsätzlich die Frage: Was heißt es, wenn die Medien als vierte Gewalt durch eine fünfte Gewalt in Gestalt des Publikums ergänzt wird, eine Gewalt, die sich selbst massiv öffentlich artikulieren und eine eigene Agenda durchsetzen kann? Wie wird sich das Beziehungsgefüge zwischen den Medien und ihrem Publikum insgesamt verändern?

All dies mag die Zukunft zeigen, aber Journalistinnen und Journalisten sind gerade jetzt, gerade in den Zeiten einer spürbaren Neuordnung der Kommunikations- und Machtverhältnisse existenziell auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen. Sie brauchen eine Art Grundvertrauen als Grundlage ihrer Arbeit, denn sie selbst erzeugen, um eine erhellende Formulierung des Medienforschers Matthias Kohring aufzugreifen, Vertrauen durch Misstrauen, benötigen aber eben für die misstrauische Beschreibung kritikwürdiger Zustände selbst das Vertrauen ihres Publikums, weil sich nur so die Wirkung einer kritischen Enthüllung wirklich entfalten kann. Es besteht eine eigene Tragik darin, dass die pauschale Kritik die Qualitätsmedien in einem Moment trifft, in dem manche von ihnen um ihre Existenz kämpfen. Eigentlich müsste in diesen Zeiten die Solidarität besonders groß sein. Die Mode einer grassierenden Medienverdrossenheit ist in der gegenwärtigen Situation fatal. Sie vergiftet das Beziehungsklima, von dem guter Journalismus lebt.

Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Dieser Tage veröffentlichte er – gemeinsam mit Friedemann Schulz von Thun – das Buch „Kommunikation als Lebenskunst“ (Carl Auer-Verlag)

http://www.zeit.de/2014/44/medien-qualitaet-journalismus-vertrauen

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02.11.2014

Journalismus unter Verdacht

Manipulieren die Nachrichten die Nachrichten? Hetzt die Presse gegen Putin? Lassen sich Journalisten kaufen? Die Kritik an den Medien in Blogs und Büchern wird immer exzessiver und aggressiver.

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Bei der „Tagesschau“ haben sie eine einfache Antwort auf schwere Fragen: die Quote. Wenn man mit dem stellvertretenden Chefredakteur von ARD-aktuell, Christian Nitsche, darüber spricht, ob wir möglicherweise gerade einen rapiden Vertrauensverlust gegenüber etablierten Medien erleben, weist er als Erstes darauf hin, dass die Zahl der Zuschauer von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ „unverändert gut“ sei. Am Wahlsonntag in der Ukraine beispielsweise hätten 11,6 Millionen Menschen die „Tagesschau“ um 20 Uhr gesehen. „Es gab für unsere Nachrichtensendungen während der gesamten Ukraine-Krise ein stabiles, ungebrochen hohes Publikumsinteresse.“ Er schließ daraus: Von einer Glaubwürdigkeitskrise könne keine Rede sein.

Und doch ist nicht alles gut und nicht alles wie immer, und Nitsche ist einer, der das selbst erlebt, denn zu seinen Aufgaben gehört es in diesen Wochen, bei ARD-aktuell Programmbeschwerden zu beantworten. Davon gibt es reichlich, insbesondere, seit sich ein Verein gegründet hat, der dieses Mittel ausgiebig nutzt. Er nennt sich „Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“, Vorstandsvorsitzende ist Maren Müller, deren Petition gegen Markus Lanz Anfang des Jahres gewaltige Aufmerksamkeit erregte.

Nun formuliert sie, auch stellvertretend für andere, Beschwerdetexte im Akkord, insbesondere über die Ukraine-Berichterstattung in den Nachrichten, die sie im Netz dokumentiert. Jede ungenaue, ungeschickte oder umstrittene Formulierung in einem Nachrichtenbeitrag kann Anlass sein für eine ausführliche Korrespondenz, und selbst wenn Nitsche oder seine Kollegen bei ARD und ZDF einen Fehler einräumen, ist die Sache damit längst nicht erledigt. Dass es sich um Versehen handeln könnte, erscheint den Beschwerdeführern ohnehin längst nicht mehr plausibel, wie Formulierungen verraten wie: „Angesichts der Häufung dieser Falschmeldungen ist zweifelsohne von einer zielgerichteten Manipulation des Beitragszahlers auszugehen.“

Verstörende Exzesse

Die Beschwerden lösen jeweils einen formalen Verwaltungsakt aus, der die Sender viel Zeit kostet, aber sie sind eine vergleichsweise seriöse Form der Kritik. An anderen Stellen im Netz wird die Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hemmungslos wütend und hassverzerrt kommentiert. Journalistinnen und Journalisten wie die ARD-Korrespondentin Golineh Atai berichten von schlimmsten Beschimpfungen bis hin zu Drohungen wie: „Der Lüge Lohn ist der Tod.“

Diese Exzesse sind verstörend, aber beunruhigend muss für die öffentlich-rechtlichen Sender und die etablierten Medien insgesamt auch sein, dass sie nur die Auswüchse einer breiteren Glaubwürdigkeitskrise zu sein scheinen. Indizien dafür finden sich in den eigenen Kommentarspalten, in Foren und Blogs, aber auch in den Bestsellerlisten. So wie aus Politikverdrossenheit bei vielen Menschen Politikverachtung geworden ist, ist aus Journalismusverdrossenheit Journalismusverachtung geworden – und Journalistenverachtung. Udo Ulfkotte, ein früherer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat ein Buch namens „Gekaufte Journalisten“ geschrieben, das aus dieser grenzenlosen Ablehnung Kapital schlägt und sie mit vielen Übertreibungen und Fehldarstellungen schürt – es steht auf Platz zehn der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Der Blog „Propagandaschau“

In der Wahrnehmung dieser Kritiker geht es nicht um Fehler, Pannen und Verfehlungen Einzelner. Sie unterstellen ein System, eine konzertierte Aktion, ein bewusstes Verschweigen und Verdrehen von Tatsachen, orchestriert im Zweifel von den Vereinigten Staaten, jedenfalls im Dienst ihrer Interessen – und einen Krieg mindestens in Kauf nehmend.

Entsprechend werden unbestreitbare journalistische Fehlleistungen kommentiert und interpretiert, und was aus berechtigter Medienkritik bei völligem Verlust jedes Grundvertrauens und Wohlwollens wird, kann man auf Seiten wie dem Blog „Propagandaschau“ verfolgen.

Dokumentiert ist dort zum Beispiel eine falsche Darstellung auf den Internetseiten des WDR. Am 13. Oktober stand dort, automatisch übernommen aus den Radionachrichten, dass Russland der Aufforderung des Westens gefolgt sei und seine Truppen „aus dem Kampfgebiet“ der Ostukraine abgezogen habe. Tatsächlich handelte es sich um einen Rückzug aus dem Grenzgebiet, also eine Bewegung innerhalb des russischen Staatsgebietes.

Stoff für Paranoiker

Laut WDR handelte es sich um einen Fehler des zuständigen Redakteurs der Frühschicht, den man sehr bedauere und der besonders ärgerlich sei, weil man es besser wusste und am Vortag mehrmals richtig beschrieben habe. Als der Fehler auffiel, sei er auch im Internet korrigiert worden – allerdings ohne auf die Korrektur explizit hinzuweisen, wie es eigentlich „grundsätzlich“ vorgesehen sei.

Die fehlende Transparenz bei der Korrektur, durch die bei unverändertem Zeitstempel plötzlich eine andere Darstellung auf der Seite stand, brachte nun die „Propagandaschau“-Leute vollends in Fahrt. „ARD und ZDF entfernen Beweise ihrer Lügen und Propaganda heimlich still und leise aus dem Webangebot“, schrieben sie. „Das Vorgehen erinnert nicht nur an schnöde Kriminelle, sondern – weil wir es hier mit politischer Manipulation zu tun haben – an die stalinistische oder nationalsozialistische Propaganda, bei der es üblich war, schon mal ganze Personen aus Fotos wegzuretuschieren, zu schwärzen oder zu übermalen.“

Nun könnte man sagen, dass man mit jemandem, den eine solche fehlerhafte Fehlerkorrektur gleich an Stalin und Goebbels erinnert, ohnehin nicht diskutieren kann. Aber es wäre gut, wenn die Medien nicht so häufig den Funken liefern würden, aus dem die Paranoiker dann ihre lodernden Feuer entfachen. All das, woran die seriöse Medienkritik seit Jahren bei den deutschen Medien regelmäßig verzweifelt – fehlende Transparenz und Distanz, mangelnde Sorgfalt und Kommunikation -, dient nun als Treibstoff.

Das Thema Ukraine

Dass sich das am Ukraine-Konflikt in einem selten da gewesenen Maße entzündet, ist kein Wunder, das räumt auch der „Tagesschau“- Mann Nitsche ein: „Ablesbar an vielen Zuschriften ist die Angst vor einer Ausweitung des Konfliktes nach Westeuropa.“

Seit einiger Zeit dringen führende deutsche Medien und Politiker gleichermaßen und teilweise gemeinsam darauf, dass Deutschland eine aktivere Rolle auch in kriegerischen Auseinandersetzungen übernehmen soll. Von vielen Kritikern werden die Journalisten dabei als Verbündete der Politik wahrgenommen, nicht als kritische und distanzierte Kontrolleure, und der Eindruck ist nicht abwegig.

Deutschland erlebt, wie es der Publizist Friedrich Küppersbusch formuliert, gerade die „Einberufung zum Wehrdienst“ – und dabei hätten die Medien noch nicht einmal die Grundausbildung absolviert. Oft genug scheint es, als zögen sie mit in den Kampf, anstatt gerade auch die „eigene Seite“ mit der größtmöglichen Distanz zu begleiten. Das zeigt sich in der Reduzierung des Konfliktes auf einen Kampf gegen einen gefährlichen, unberechenbaren, bösen Mann: Wladimir Putin. Es zeigt sich im Schimpfwort von den „Putin-“ oder gar „Russland-Verstehern“. Es zeigt sich in der Marginalisierung von Stimmen und Nachrichten, die dem vorherrschenden Narrativ vom Aggressor Russland und dem Westen, der nur hehre Ziele verteidigt, widersprechen.

Hurra-Journalismus als Zielscheibe

Mathias Bröckers und Paul Schreyer haben ein Buch geschrieben, das die andere, fehlende Perspektive enthält. „Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“ ist auch dann lesenswert, wenn einen die Nähe der Autoren zu Verschwörungstheorien schreckt und man ihre Analysen nicht teilt. Es dokumentiert genügend Merkwürdigkeiten in der Entwicklung dieses Konfliktes, die Anlass wären, seine vorherrschende schlichte Interpretation anzuzweifeln, kritische Fragen zu stellen, die Behauptungen nicht nur der russischen Seite, sondern auch des Westens und seiner Verbündeten in der Ukraine mit größtmöglicher Skepsis zu behandeln. Es ist letztlich ein Appell, sich nicht mit den einfachen Antworten, die in ein vorgegebenes Schema passen, zufriedenzugeben, ein ganz banaler Appell für mehr kritischen Journalismus.

Auch dieses Buch verkauft sich gut und hat es auf die Paperback-Bestsellerliste des „Kultur Spiegels“ geschafft – aber keine große Debatte in den Medien ausgelöst, die es kritisiert. Dabei wäre auch das eine vertrauensbildende Maßnahme. Doch der „Spiegel“ stellte sich nicht einmal der Diskussion um sein Titelblatt „Stoppt Putin jetzt“ und den dazugehörigen Leitartikel, ein besonders bestürzendes Beispiel für Hurra-Journalismus, das Gewissheiten behauptet, wo bis heute Unklarheit herrscht, und markig ein „Ende der Feigheit“ gegenüber Putin, dem „Paria der Weltgemeinschaft“, fordert.

Andeutung von Selbstkritik

Anstatt sich mit der legitimen Kritik daran auseinanderzusetzen, suggerierte der „Spiegel“, dass es vor allem ein von Russland organisierter Mob sei, der da wüte. Nicht einmal die Missbilligung des Titelbildes durch den Presserat wollte er seinen Lesern mitteilen.

Bei der „Tagesschau“ gibt es immerhin so etwas Ähnliches wie die Ahnung einer Andeutung von Selbstkritik. „Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt“, schrieb Chefredakteur Kai Gniffke im Blog zur Sendung. „Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen . . . Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.“ Er räumte sogar ein, dass man „eher“ ein anderes Wort für die dubiose Gruppe von westeuropäischen Militärs, die im April in der Ostukraine festgehalten wurde, hätte wählen können, als „OSZE-Beobachter“. Im Sommer hatte Gniffke in einer Antwort auf eine Programmbeschwerde diese irreführende Bezeichnung noch als „richtig“ bezeichnet, weil sie „im Einklang mit dem Wording von Nachrichtenagenturen und Qualitätszeitungen“ gestanden habe, was eine der traurigstmöglichen Rechtfertigungen ist und vielleicht ein guter Hinweis darauf, wo ein Problem des Medien-Mainstreams liegt.

In seiner Selbstkritik konnte sich Gniffke aber den Satz nicht verkneifen, dass man es sich nicht zu einfach machen wolle und „alles als gesteuerte Kampagnen und Spielwiese für Verschwörungstheoretiker abtun (obwohl das zum Teil der Fall ist)“. Kritiker wie Albrecht Müller von den „Nachdenkseiten“ empfanden das nachvollziehbarerweise als unterschwellige „bösartige Attacke“.

Viele der seriösen Medien scheinen noch nicht zu ahnen, wie groß die Erosion des Vertrauens in ihre Arbeit ist und dass dieses Vertrauen die Grundlage für alles ist. Die Gefahr für uns alle ist, dass Menschen, die ihnen nicht mehr glauben, alles glauben.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/journalismus-unter-verdacht-vom-wachsenden-populaeren-misstrauen-gegenueber-der-presse-13242833.html

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18.05.2014

Italien: Proteste gegen verzerrte Medienberichte

Hunderte Demonstranten versammelten sich am Samstag in Rom vor der ukrainischen Botschaft, um gegen die verzerrte Berichterstattung der Medien, im Fall der Ukraine zu protestieren. Die Aktion fand auf Initiative von Giulietto Chiesa, einem in Italien prominenten Journalisten und ehemaligen EU- Abgeordneten, statt.

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„Niemand in Italien kennt die Wahrheit. Die Informationen die sie uns geben sind absolut falsch. Die Italiener müssen endlich erfahren was wirklich los ist in der Ukraine. Das was in der Ukraine geschieht und uns durch die Medien präsentiert wird, ist noch weniger als nur die halbe Wahrheit und diese wird so positioniert, dass sie eine Bedrohung für uns alle ist“, so Giulietto Chiesa.
Der Tod von 48 ukrainischen Staatsangehörigen am 2. Mai in Odessa, war der Tropfen der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Vielen von denen die sich am Samstag in Rom versammelten, waren gekommen, um ihren Protest gegen die Wiederbelebung des Faschismus und des Nationalsozialismus in der Ukraine und in Europa zu äussern .
„Nein zum Faschismus , Nein zum Krieg und Nein zur NATO in der Ukraine“, skandierten die friedlichen Demonstranten.
Die Manifestation in Rom hatte sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken verbreitet. Viele Nutzer auf Facebook und anderen Portalen haben Fotos von den Teilnehmern der Demonstrationen dort und in anderen italienischen Städten gepostet.

Giulietto Chiesa sagte, dass mindestens 50 ähnliche Protestaktionen in ganz Italien in den letzten Wochen stattgefunden haben.

http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/19495-Italien-Proteste-gegen-verzerrte-Medienberichte.html

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16.05.2014

New York Times: “Neue Medien” erhalten mehr Zulauf

Laut einem 96-seitigen Bericht der New York Times haben “neue Medien” immer stärkeren Zulauf, während das Blatt selbst Besucher einbüßt. Viele mögliche Ursachen werden in dem Bericht aufgezählt, allerdings fehlt die wichtigste: Das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in die Massenmedien. Im deutschsprachigen Raum sieht man ähnliche Entwicklungen.

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Laut einer Untersuchung der New York Times (NYT) erhalten “neue Medien” immer mehr Zulauf, während das Blatt selbst zunehmend Besucherzahlen einbüßt. Mit “neuen Medien” sind in dem 96-Seitigen Bericht in erster Linie Internet-Konkurrenten wie Yahoo-News oder Huffington Post gemeint.

Der Bericht macht unter anderem die NYT-Reporter selbst dafür verantwortlich, da sich viele bis heute nicht mit dem Internet und Sozialen Netzwerken auseinandersetzen möchten. Eine Reihe weiterer Probleme wird aufgelistet, doch das wichtigste wurde weggelassen, wie Paul Joseph Watson von Infowars.com schreibt: “Der komplette Kollaps des Vertrauens in die Berichterstattung seitens der Öffentlichkeit.” Nach den Lügen über Massenvernichtungswaffen im Vorfeld des Überfalls auf den Irak oder der aktuellen Hetze gegen Russland glauben viele Bürger, dass die Massenmedien nur noch ein de facto-Sprachrohr der Regierung sind.

Der frühere New York Times-Korrespondent Daniel Simpson sagte nach seiner Kündigung im Jahr 2012, dass die Zeitung “nichts weiter als ein Propaganda-Megafon der herrschenden Elite” sei. Doch nicht nur die NYT leidet unter anhaltendem Kundenschwund, auch andere große Medien wie etwa MSNBC und CNN verloren zwischen November 2012 und November 2013 fast die Hälfte aller Zuschauer. Laut einer aktuellen Umfrage von Gallup trauen nur noch 23 Prozent aller US-Bürger den Massenmedien.

In den USA und Großbritannien gibt es “March Against Mainstream Media“-Proteste, die direkt vor den Hauptgebäuden der Massenmedien abgehalten werden und auf die “verschleiernde Berichterstattung” hinweisen sollen.

Im deutschsprachigen Raum sind ähnliche Tendenzen feststellbar: Im April 2014 verlor Spiegel Online 15,7 Prozent aller Leser, Focus 12,1 Prozent, die Welt 12,7 Prozent und die Süddeutsche 12,6 Prozent, was allerdings teilweise auch mit den Osterfeiertagen begründet werden kann. Doch auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehen sich Massenmedien wachsender Kritik ausgesetzt, wie man nicht zuletzt an den immer besser besuchten Montagsdemonstrationen erkennen kann, die inzwischen in 62 Städten im deutschsprachigen Raum abgehalten werden.

Quellen:

http://www.gegenfrage.com/new-york-times-neue-medien-erhalten-mehr-zulauf/

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12.05.2014

Desinformationsindustrie abgewatscht: Nachrichtenportale des Mainstreams mit spürbaren Einbrüchen im April

Oft wird ja, z.B bei den Mahnwachen für den Frieden, die Frage gestellt: Aber was können wir denn konkret tun? Ken Jebsen hat eine Möglichkeit der Verweigerung mehrmals erklärt: Boykottiert die offiziellen Medien!
Egal ob ARD, ZDF, Dritte oder der Müll von RTL, SAT1, Springer, Spiegel, N24, NTV usw. Erfreulicherweise haben das wohl mittlerweile viele Menschen verstanden oder sie vertrauen den offiziellen Medien instinktiv nicht mehr, weil sie spüren, dass das was gemeldet wird, nichts mehr mit ihrer eigenen Wahrnehmung zu tun. Die Nachrichtenportale der Mainstream-Medien verzeichnen jedenfalls für den April 2014 teils drastische Einbußen hinsichtlich der Besucherzahlen.

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Das Medienmagazin DWDL hat nun diese Zahlen veröffentlicht. Quelle ist die IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.

Wie man sieht, haben nur “Express” und “Der Westen” Zuwächse zu verzeichnen. Das allerdings nur im Mobil-Bereich. Bedauerlich, dass das Online-Angebot der “Bild” nur ein Minus von 4,6% an Besuchern zu verzeichnen hat. Aber das wird auch noch. Besonders hervorzuheben sind die herben Verluste von Spiegel Online, Welt, n-tv.de und FAZ.net. 13 bis 16 % weniger Visits im Vergleich zum Vormonat sind schon eine Hausnummer in diesem Geschäft. Das dürfte geschmerzt haben.
Ich denke, über die Gründe muss keiner lange grübeln: Die Krise in der Ukraine, die nicht objektive Berichterstattung dazu, die Hetze gegen Rußland, das Kriegsgeheul auf einigen Portalen, die Nichtbeachtung der Mahnwachen für den Frieden oder die völlig absurden Meldungen darüber, das Abstellen von Kommentarfunktion bei einigen Portalen, eingeschränkte Kommentarfunktionen, Löschen unliebsamer Kommentare, einseitige Berichterstattung im Allgemeinen – haben sicher viele Leser dazu bewogen nicht mehr diese Medien zu nutzen.

Zu den Kommentaren habe ich eine ganz eigene Meinung. Ich kenne Leute, die sehr viel Zeit und Energie verschwenden, ihre Meinung in den Kommentarspalten der Mainstream-Medien kund zu tun. Die sich ewig lange Wortgefechte mit anderen anonymen Lesern liefern. Das ist (oder war) ganz hilfreich zum Abreagieren, Luftablassen und um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Hilft aber langfristig nicht. Das ist so, als ob ich McDonalds boykottieren möchte, aber hingehe das größte Menü mit allem Drum und Dran kaufe und es vor den Augen des Verkäufers in den Mülleimer stopfe. Das ist dem so ziemlich egal. Bezahlt ist bezahlt. Und ob jemand nun einen bösen Kommentar schreibt (der eventuell später gelöscht wird) oder einen netten, ist den Machern dieser Medienplattformen ebenfalls egal. Für seine Vermarktung sind wir alle nur Klicks. Je mehr, desto teurer die Werbung, desto größer der Umsatz. Das zählt.

Deshalb freue ich mich, dass die Besucherzahlen dieser Desinformanten doch recht ordentlich geschrumpft sind, auch wenn es natürlich noch viel zu viele Menschen gibt, die sich dort (des-) informieren lassen.

Mittlerweile gibt es viele alternative Medien, Blogs, Portale. Wir müssen eine ausgereifte Kultur des Crowdfundings entwickeln, so dass diese Schreiber und Blogger auch von ihrer Arbeit leben können. Und vor allem garantieren können, dass ihre Veröffentlichungen auch dem erwarteten Qualitätsstandard entsprechen, dass ihre Quellen valide sind. Wenn jeder Interressierte an objektiven Meinungen und Informationen jenseits des Mainstreams, sich ein – zwei Blogs, alternative Portale, unabhängige Onlinezeitung heraussucht und diese monatlich mit Kleinstbeträgen (oder mehr) unterstützt, dann merken das die Desinformanten von Springer & Co sehr schnell. Es klingelt plötzlich nicht mehr leistungslos im Portemonnaie. Die Desinformationsindustrie wird nicht mit Leserbriefen und Kommentaren bestraft, sondern mit Verweigerung!

P.S. Das Thema Haushaltsabgabe spielt ja hierbei auch indirekt mit hinein (zumindest, was die Öffentlich-Rechtlichen betrifft). Ich werde dazu demnächst einen Artikel veröffentlichen. Denn auch das ist eine der möglichen Antworten auf die Frage: Was können wir denn tun? Also öfter mal reinschauen.

http://www.luegenrepublik.eu/wir-sind-auf-dem-richtigen-weg-nachrichtenportale-der-mainstream-medien-mit-drastischen-einbruechen-im-april/

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29.11.2013

Mediensperre Europa: Demokratie schafft sich ab

Portugals Regierung erhält Bestnoten, Spanien und Griechenland erholen sich von der Eurokrise, blühende Landschaften soweit das Auge reicht; so diverse Meldungen lobbyistischer Nachrichtendienste. Wer diesen haltlosen, heuchlerischen Falschmeldungen klassischer Mediendienste tatsächlich Glauben schenkt, lebt fernab europäischer Realität. Mitnichten verwunderlich, denn hinter verschlossener Tür herrscht „Mediensperre“ inmitten Europas. Themen über Proteste, Aufstände oder alternative Arbeitsgemeinschaften dürfen keinesfalls verfasst werden. Falsche Propheten dürfen lediglich Völker gegeneinander aufhetzen, ein trügerisches friedliches, im Wohlstand suhlendes Europa suggerieren.

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Seit Jahren stattfindende spanische Proteste, ein untergehendes Griechenland sowie wachsende europäische Widerstandsbewegungen, davon möchten sogenannte „freie“ Systemmedien-Journalisten keineswegs etwas wissen. Uns zugetragene Informationen bestätigen, dass bereits im Einstellungsverfahren bzw. während vorangehender Praktikumszeit gründliche Sortierungsprozesse erfolgen. Nur wer entsprechend leicht steuerbar, bisher systemtreu, erhält meist eine Einstellung. Artikel unterliegen strengsten Prüfungen hinsichtlich Einhaltung lobbyistischer Vorgaben. Seit Mai 2013 erfolgte eingeschränkte Berichterstattung betreffend Europas Krisensituation, Chefredakteure verlagerten Schwerpunkte, nutzten NSA-Affäre à la Snowden, um mittels geschürter Ängste von positiven Entwicklungen europäischer Protestbewegungen abzulenken.

Wenn die Propagandamaschine ertönt – ein “Insider” packt aus

Generell ging ihre Rechnung vollends auf, niemand außerhalb seiner eigenen Nation achtet bis dato darauf, was außerhalb eigener Landesgrenzen geschieht. Franzosen sowie Spanier versuchen mittlerweile Kooperationen aufzubauen innerhalb verschiedener Protestbewegungen, wohingegen Deutschland am „Denkmal ewiger Ausgrenzung“ festhält. Für einen jungen Mann, mitten im Leben stehend, keinerlei Überraschung: „Viele Journalisten haben die Schnauze voll, wollen ehrlich berichten, aber Zahlungsverpflichtungen machen nun mal abhängig, dank implementierten Konsumgeldsystem“, weiter äußerte er „ich kenne einige Aussteiger, welche teilweise Angst haben, nirgends mehr einen Job zu erhalten, wenn sie darüber reden – öffentlich unter Namensangabe offenbart niemand das Spiel, da unter anderem an Eva Hermann ein abschreckendes Exempel statuiert wurde.“

Variable Dosierung ist das Stichwort; mal leicht kritisch, dann wieder relativierend und letztendlich nichtssagend, jedoch bürgerlich verwirrend. Heutige Mediengeschäfte

unterliegen parteitreuen Geschäftsleuten, die ihre Werbung, sonstige Sponsorenverhältnisse bei falscher Ausrichtung umgehend beenden. Manches mal müssen Journalisten nachsitzen, bekommen gewünschte Vorgehensweisen indoktriniert. Unabhängige Medien lässt man aus der Deckung kommen, wartet bis diese finanziell kaputt gehen oder kontert entsprechend aus der Defensive heraus, deklariert wichtige Inhalte zu Verschwörungstheorien. Früher hingegen galt stets mittels offensiver Taktiken, andere, kleinere Pressevertreter sofort auszubremsen, was aufgrund des Internets gemäß Sunzis Kriegskunst heute einfach unnötig eigene Ressourcen verbraucht.

Da warten große Medien lieber geduldig, sperren für kurze Zeiträume Berichterstattungen über brisante europapolitische Themen. Medienkonzerne wissen um ihre kapitalistische Stärke, daß sie öffentliche Denkprozesse steuern, Meinungsbilder festlegen, solange Bürger dank exzessiver Manipulation investigative Onlinemedien kaum finanziell unterstützen. „Viele ausstiegswillige Systemjournalisten sehen, wie Bürger wirklich freie Medien finanziell hängen lassen und haben dann erst recht Angst auszusteigen, weil sie woanders keine berufliche Zukunft sehen, um ihre Familie durchzubringen. Unabhängigkeit erfordert nun mal bürgerliche Unterstützung, ansonsten sind neue Medien ebenso gezwungen, sich unterzuordnen, da Menschen auch überleben müssen“, – ergänzt der Herr während unseres Gesprächs.

Spanien und Frankreich mehr Pressefreiheit als Deutschland

Deutschlandweit versuchen fragwürdige zivile Einsatzpersonen offensichtliche Berichterstattung „sanft“ aufzuhalten. Sobald brisante Situationen entstehen auf Protestkundgebungen, müssen freie alternative Medien schon mal Pfefferspray erwarten, wenn Kameras gesichtet seitens einiger Ordnungshüter. Polizisten würgen Bürgerdialoge generell eher ab, einzig nach Veranstaltungen seien vereinzelte Beamte gesprächsbereit. Anders hingegen in Spanien und Frankreich; dort haben Protestgruppen extra Personen eingesetzt, die bei Kundgebungen mit Polizisten sprechen, was nach monatelangen Versuchen inzwischen seit Jahren recht gut funktioniert.

Frankreichs Polizei demonstriert unlängst gemeinsam Seite an Seite samt etlichen Mitbürgern, Spaniens Polizei bat das Volk um Verzeihung für unverhältnismäßig harte Einsätze. Natürlich herrsche dort ebenso eine Medienzensur, sagt eine junge spanische Dame gegenüber Buergerstimme, allerdings bei weitem harmloser wie im deutschen Lande. „Unsere Medien berichteten zumindest über die letzten großen Proteste, wohingegen deutsche Medien eingeschüchtert waren.“ Deutschland im konzernmedialen Würgegriff? Zweifelsohne und das seit Jahrzehnten! Ihr Joachim Sondern

http://www.buergerstimme.com/Design2/2013-11/mediensperre-europa-demokratie-schafft-sich-ab/

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17.11.2013

Massenproteste: Mainstream-Medien geraten „unter Feuer“

Tausende Menschen haben sich in Grossbritannien und den VSA in ihrer Ablehnung der Mainstream-Medien in einem Massenprotest vereint. Demonstranten haben sich gezielt vor den Zentralen der Medien-Giganten wie Fox News, BBC und NBS versammelt und ihre verzerrte und verlogene Darstellung des Weltgeschehens angeprangert. Jetzt rollt die Protestwelle auch auf die Schweiz, Deutschland und Österreich zu.

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Der Marsch gegen die Mainstream-Medien (MAMM) und die internationalen Proteste wurden über soziale Medien organisiert. In einer Erklärung die auf der MAMM Website veröffentlicht wurde sagt die Organisation, die grossen Medien hätten zwei Möglichkeiten:“entweder sie berichten über die Tatsache, dass Tausende  Menschen derzeit vor ihren Gebäuden protestieren, oder sie berichten nicht und ignorieren vor den Augen der Öffentlichkeit damit die Demonstranten“.

„Boykott den Medien!“ war in Kalifornien auf Plakaten zu lesen, während in Kansas City Unterstützer der Bewegung Anonymous-Masken tragen und skandieren „Amerika verdient die Wahrheit!“ In Grossbritannien rufen die Menschen ebenfalls zum Boykott auf. Sie protestieren in „Sit-Ins“ vor dem BBC Gebäude.

Jet Barnett, einer der Organisatoren der MAMM sagte, der Marsch sei ein Zeichen, dass die Menschen begonnen hätten ihre Nachrichten in alternativen Medien zu suchen.“Wir wollen die Mainstream-Medien wissen  lassen, dass die Menschen endlich bereit sind zusammen etwas zu verändern und sich nicht länger von ihnen mit verzerrter Berichterstattung und Halbwahrheiten beeinflussen lassen wollen“, sagte Barnett. Auch Anonymous hatte zum Marsch gegen die Mainstream-Medien aufgerufen.

Die Massenproteste sollen jetzt auch auf die Schweiz, Deutschland und Österreich ausgeweitet werden. Verlags- und Sendehäuser müssen wohl in den nächsten Wochen mit viel Besuch rechnen. Auf der „Besuchsliste“ sollen sich der Tamedia-Verlag(20minuten.ch), Ringier (der Blick), der Springerverlag(Bildzeitung), sowie das Verlagsgebäude des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“und viele weitere Verlage, sowie alle grossen TV-Sendeanstalten befinden.

http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/17236-Massenproteste-Mainstream-Medien-geraten-unter-Feuer.html

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09.07.2013

Note Vier im Fach Glaubwürdigkeit

Deutsche halten die Medien zunehmend für korrupt. Von 2004 bis 2013 verschlechterte sich der Wert auf dem Index von 3,1 auf 3,6.

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Die Glaubwürdigkeit der Medien sinkt offenbar in den Augen der Deutschen. Wie aus dem veröffentlichten Korruptionsbarometer der Organisation Transparency International hervorgeht, werden Medien für zunehmend korrupt gehalten. Von 2004 bis 2013 verschlechterte sich der Wert auf dem Index von 3,1 auf 3,6. Für das Korruptionsbarometer wurden den Angaben zufolge in Deutschland 1000 Menschen befragt, für wie bestechlich sie eine Branche auf einer Skala von eins (überhaupt nicht) bis fünf (höchst korrupt) beurteilen.

Das Korruptionsbarometer wurde für 107 Staaten erstellt. Insgesamt wurden mehr als 114.000 Menschen befragt. Weltweit schneiden die politischen Parteien am schlechtesten ab. Das gilt auch für Deutschland: Sie erreichen hierzulande einen Wert von 3,8. Dahinter folgt die Privatwirtschaft mit 3,7. Am wenigsten korrupt sind nach Auffassung der Deutschen Justiz (2,6), Polizei (2,7) und Bildungswesen (2,7). Religiöse Institutionen büßen in Deutschland an Vertrauen ein: Der Wert verschlechterte sich von 2,5 im Jahr 2004 auf aktuell 3,1.

Dass die Medien erstmals hinter öffentlicher Verwaltung und dem Parlament (beide 3,4) rangieren, sieht die Transparency-Vorsitzende Edda Müller als Alarmzeichen. „Die kritische Berichterstattung spielt eine wichtige Rolle bei der Korruptionsbekämpfung“, sagte sie und forderte eine Diskussion darüber, wie die Unabhängigkeit der Medien gewahrt werden kann. (dpa)

http://www.berliner-zeitung.de/medien/medienglaubwuerdigkeit-note-vier-im-fach-glaubwuerdigkeit,10809188,23647360.html

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