Lob für Merkel – Barroso: Der Euro hängt an Deutschlands gutem Willen

06.05.2013

Einige Krisenstaaten machen Deutschland zum neuen Sündenbock in der Schuldenkrise. EU-Kommissionspräsident Barroso hält dagegen – und lobt den Einsatz von Kanzlerin Merkel.

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Harte Kritik musste sich zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Krisenpolitik anhören. Es werde zuviel gespart, Kürzungen schadeten der Wirtschaft, so klang es aus mehreren europäischen Hauptstädten. Vor allem Frankreich wehrt sich gegen eine Fortsetzung des Sparkurses. Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg forderte sogar höhere Löhne in Deutschland, da sich die deutsche Wirtschaft über viele Jahre mit Lohnzurückhaltung einen Wettbewerbsvorteil verschafft habe.

Unterstützung erhielt Merkel vom Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso. Er verteidigte die Kanzlerin: „Es ist nicht Frau Merkels oder Deutschlands Schuld, was in Frankreich oder Portugal passiert“, sagte Barroso in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Jeder solle vor seiner eigenen Tür kehren. Es sei völlig unfair, Maßnahmen als Zwang eines Landes oder einer Institution darzustellen. Ausdrücklich lobte Barroso die deutsche Kanzlerin. Merkel sei „eine der, wenn nicht die Führungspersönlichkeit auf europäischer Ebene, die am besten versteht, was gerade passiert“.

Barroso sieht Ende der Schuldenkrise nahen

Er verwies auf die Fortschritte in den Schuldenländern: „Wir sehen ein deutliches Exportwachstum. Griechenland, Portugal, Irland konnten ihre Ausfuhren steigern. Woher kommt das? Weil die Lohnkosten gesenkt wurden.

Weil diese Länder wettbewerbsfähiger wurden und bessere Bedingungen für die Wirtschaft bieten. Weil sie sich auf den Weltmarkt zurückkämpfen. Das ist für mich der Beweis: Die Programme wirken doch.“

Barroso schloss sich auch nicht der Forderung nach höheren Löhnen in Deutschland an. „Ein schwächeres Deutschland würde eine schwächere Euro-Zone und damit ein schwächeres Europa bedeuten.“ Statt die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen, müsse die der angeschlagenen Länder erhöht werden.

Deutschland hält den Euro am Leben

Der Portugiese unterstrich die Bedeutung Deutschlands für den Euro: „Der Euro ist heute noch immer eine stabile und vertrauenswürdige Währung, nicht zuletzt dank der starken deutschen Wirtschaft.“ Für die Finanzmärkte sei „das deutsche Bekenntnis zum Euro letztendlich der entscheidende Faktor“.

Allerdings machte Barroso auch klar, dass Deutschland ein Interesse am Erhalt der Währungsunion haben sollte. „Deutschland ist der Hauptnutznießer des europäischen Binnenmarkts und eines stabilen Euros.“ Als Beispiel nannte er die Autoindustrie: „Sie hat Standorte in ganz Europa. Wie es anderen Ländern der Euro-Zone geht, sollte Deutschland deshalb nicht nur aus Solidarität, sondern aus purem Eigeninteresse interessieren.“

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/eu-kommissionspraesident-barroso-der-euro-haengt-an-deutschlands-gutem-willen_aid_981471.html

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