Krise kostet Deutsche heimlich bis zu 30 Mrd. Euro pro Jahr

31.03.2014

Gerne wird behauptet, die Bewältigung der Finanzkrise und die Euro-Rettung hätte den deutschen Steuerzahler bisher kaum etwas gekostet. Ein fatales Fehlurteil.

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Da war die Weltfinanzkrise, in der 2008/2009 diverse deutsche Institute vor dem Untergang gerettet werden mussten. Die folgende Wirtschaftskrise erfasste das exportabhängige Deutschland wie kein anderes Land in der Welt. Abwrackprämie, Kurzarbeit, Teilverstaatlichung von Finanzinstituten, Bürgschaften für Banken und Länder, Einrichtung von zeitlich begrenzten Rettungsfonds, permanenter Rettungsmechanismus. Es wurde von der Politik Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Kollaps zu vermeiden. Insbesondere das Bankensystem, deren Vertreter wesentlich zur Krise beigetragen hatten, durfte nicht untergehen.

Schäuble strahlt
Dennoch soll der deutsche Staatshaushalt nun erstmals einen ausgeglichenen Haushalt aufweisen. Die Wirtschaft brummt, die Steuereinnahmen und die Regierung erhält Kredite zu historisch niedrigen Zinsen. Alles gut also. Es wird gerne behauptet, dass uns die Krise bislang nichts gekostet hat, außer ein paar Verlusten aus Bankenbeteiligungen, die Abgabe von Bürgschaften und ein “bisschen” Cash zur Grundfinanzierung des Europäischen Rettungsmechanismus ESM  – 21,7 Mrd. Euro, verteilt auf mehrere Jahre. Aber das holt der deutsche Staat ja durch Einsparungen von rund 20 Milliarden Euro wieder herein, die sich durch die niedrigen Refinanzierungskosten ergeben. Und genau hier liegt das Problem.

Die Europäische Zentralbank hat der Euro-Leitzins im Zuge der Krise von 4,0 % im Januar 2008 schrittweise auf aktuell 0,25 % herabgesetzt. So angenehm, wie diese Entwicklung für den Staat erscheint, der seinen Gläubigern auch weniger Zinsen anbieten muss, die Rechnung zahlt der Bürger, und zwar unmittelbar. Wenn die EZB den Leitzins herabsetzt, sinken die Zinsen am Kapitalmarkt – und die Habenzins meist stärker als der Sollzins.

Die deutschen Sparguthaben
Während der 
durchschnittliche Tagesgeldsatz für eine Einlage von 5.000 Euro am 1. Januar 2008 noch bei 3,82 % lag, erhielten Sparer am 1. März 2014 nur noch durchschnittlich 0,67 Prozent. Daraus ergibt sich ganz erheblicher Vermögensverlust innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Die Bundesbank bezifferte das Geldvermögen der Deutschen im 3. Quartal 2013 auf 2,05 Billionen Euro. Darin enthalten sind Bargeld und Sichteinlagen (€ 1,13 Bill.), Termingelder (€ 261,6 Mrd.), Spareinlagen (€ 599,6 Mrd.) und Sparbriefe (€ 61,1 Mrd.).

Demgegenüber stehen Kredite von 1,56 Billionen Euro. Der größte Teil davon entfällt auf Hypotheken, die in der Regel einen auf mindestens 10 Jahre angelegten Festzinssatz enthalten.

Gehen wir also vereinfacht einmal von 1 Billion Euro an verzinslichem Geldvermögen aus, das auf (gegenüber Giro- oder Spareinlagen leicht höher verzinslichen) Tagesgeldkonten angelegt ist. 2008 hätte dieses Geldvermögen alleine einen Zinsertrag von 38,2 Milliarden Euro erzielt. 2013 waren es bei einem durchschnittlichen Tageszinssatz von 0,67 Prozent lediglich 6,7 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich für ein einziges Jahr ein Betrag von 31,5 Milliarden Euro an Zinsausfällen für den deutschen Sparer!

Jetzt kann man argumentieren, dass deutsche Immobilienkäufer niedrigere Hypotheken- und Kreditzinsen zahlen. Die Frage ist jedoch, wie viele Häuslebauer sich den Immobilienkauf bei höheren Zinsen überhaupt hätten leisten könnten. Zudem hat sich für viele Hypothekenschuldner aufgrund langfristiger Kreditverträge an den aktuellen Finanzierungskosten nicht viel geändert. Hinzu kommt, dass deutsche Investoren im Zuge höherer Leitzinsen auch höhere Renditen (bei niedrigerem Risiko) auf andere festverzinsliche Anlagen erzielt hätten (Staatsanleihen, Kapitallebensversicherungen etc.).

Finanzielle Repression
Der deutsche Staat könnte seine niedrigeren Finanzierungskosten an den Steuerzahler weitergeben. Das tut er natürlich nicht. Hinzu kommt, dass die Spareinlagen nicht nur niedriger verzinst werden. Da die offizielle Inflation (zuletzt 0,7 Prozent in Deutschland) nach wie vor höher ist, als der Habenzins, erleiden die Sparer sogar real einen Vermögensverlust, wenn sie das Geld auf dem Konto belassen. Wer dies vermeiden will, ist gezwungen, ein höheres Risiko einzugehen. Beispielsweise in dem er in  Staatsanleihen von Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland investiert (3 % bis 6 % Rendite p.a.) oder in beispielsweise in Aktien. Beim nächsten Börsencrash drohen dann erneut herbe Verluste. Beim nächsten Schuldenschnitt in Griechenland auch.

Fazit
Gerne werden bei der Diskussion um die Kosten der Krise die indirekten Kosten für den Sparer unterschlagen. Alleine durch Zinsausfälle entgehen ihm unserer Schätzung nach pro Jahr aber bis zu 30 Milliarden Euro. Der negative Realzins raubt ihm zudem schleichend sein Geldvermögen. Wer behauptet, die Krise habe Deutschland bislang kaum Geld gekostet, ist auf einem Auge blind.

http://www.goldreporter.de/krise-kostet-deutsche-heimlich-bis-zu-30-mrd-euro-pro-jahr/news/40656/

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