Krieg der Währungen und Zentralbanken – eine Chronik

19.11.2016

Währungskrieg: China wertet den Yuan stark ab

China hat den Yuan den elften Tag in Folge gegenüber dem Dollar abgewertet. Der Kurs des Dollar stieg gegenüber wichtigen Währungen dagegen weiter deutlich.

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An den Währungsmärkten finden derzeit weitreichende Entwicklungen statt. Die chinesische Zentralbank hat den Binnenkurs der Landeswährung Yuan am Freitag den elften Tag in Folge abgewertet. Der Kurs lag damit so tief wie in den vergangenen acht Jahren nicht mehr. Den Mittelpunkt der 4-prozentigen Schwankungsbreite legte sie bei 6.8796 Yuan je Dollar fest, wie die Financial Times berichtet. Der Außenkurs des Yuan – welcher frei gehandelt werden kann – fiel am Freitag auf einen Kurs von 6,9102 Yuan je Dollar und damit so tief wie noch nie seit seiner Einführung im Jahr 2010.

Der Kurs des Binnen-Yuan hat seit Jahresbeginn fast 6 Prozent zum Dollar verloren. Gegenüber dem August des vergangenen Jahres beträgt das Minus etwa 10 Prozent. Die seit Monaten anhaltenden Kapitalabflüsse aus dem Yuan-Raum könnten durch den Abwertungstrend zementiert werden. „Es könnte sein, dass weitere Abwertungen gegen einen starken Dollar die Kapitalabflüsse wieder verstärkt. Die Zentralbank könnte intervenieren, um den Yuan gegen den Dollar zu stabilisieren, aber sie müsste eine neue handelsgewichtete Aufwertung in Kauf nehmen – einen Preis, den sie bisher nur zögerlich zahlen wollte“, sagt der Finanzmarktexperte Ambrose Evans Pritchard.

Von dem schwächeren Yuan profitieren vor allem chinesische Exporteure, welche durch die als protektionistisch geltenden wirtschaftspolitischen Pläne Donald Trumps unter Druck geraten waren. Die günstigen Preise kurbeln die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen wieder an. Die Überkapazitäten in vielen Branchen des Landes werden quasi exportiert. Das zeigt sich nicht nur in der Stahlbranche, sondern auch in der Schifffahrt, der Solar-Branche oder der Plastikherstellung. Die US-amerikanische Industrie, welche ohnehin unter starkem Lohndruck steht, könnte hingegen infolge des starken Dollar auf den Weltmärkten noch stärker unter Druck geraten.

Der Kurs des Dollar steigt seit dem Wahlsieg Trumps gegenüber wichtigen Handelswährungen. Seit der Präsidentenwahl wetten viele Anleger darauf, dass die US-Wirtschaft unter Trump stärker wächst und die Zinsen steigen. Grund dafür ist die Erwartung, dass die Regierung Steuern senken und Ausgaben erhöhen wird. „Die USA haben die Globalisierung angeführt“, sagte Masayuki Kichikawa, Chefstratege beim Finanzhaus Sumitomi Mitsui. Aber jetzt hätten die Wähler verlangt, dass die Talfahrt ihrer Löhne mit einer protektionistischen Handelspolitik gestoppt werde. „Das ist eine sehr, sehr großer Trendwende.“ Zuletzt deuteten auch starke Konjunkturdaten auf Zinserhöhungen hin, die nach Andeutungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen im Dezember kommen könnten. Eine Erhöhung der Leitzinsen führt dazu, dass Investoren ihre Gelder wegen der höheren Rendite vermehrt im Dollarraum anlegen.

Am Freitag fiel der Kurs des Euro erstmals seit Dezember 2015 unter die Marke von 1,06 US-Dollar. Im Tief wurden 1,0582 Dollar erreicht. Hintergrund der Euro-Schwäche ist der zu vielen Währungen starke Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0717 Dollar festgesetzt. Besonders deutlich wird die Stärke der US-amerikanischen Währung auch am Verlauf des Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu wichtigen Devisen setzt. Dieser Index liegt aktuell auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2003. Auch die Landeswährungen von Schwellenländern wie Mexiko, Südafrika oder der Türkei verlieren seit Tagen gegenüber dem Dollar an Wert.

Der Euro kann dem Dollar laut UBS -Verwaltungsratschef Axel Weber den Rang als Weltleitwährung auf absehbare Zeit nicht streitig machen. Die Bedeutung der europäischen Gemeinschaftswährung gehe international derzeit eher zurück, sagte der frühere Bundesbankchef am Freitag in Berlin. Der Euro sei jedoch nicht mehr in einer Position, auf die amerikanischen Währung aufschließen zu können. Gemeinsam mit dem Yen und dem chinesischen Renminbi sehe er sich international in Zukunft vielmehr einer wachsenden Vormachtstellung des Dollar gegenüber und müsse sich in einer Art „zweiter Liga der Währungen“ dahinter positionieren.

Die europäische Gemeinschaftswährung habe ohnehin ihre Krise noch nicht überwunden. „Der Euro ist nur etwas aus den Nachrichten verschwunden. Aber es wird nicht dabei bleiben“, prophezeite Weber, der 2011 nach Differenzen über den geldpolitischen Kurs der EZB als Bundesbankchef zurückgetreten war. „Die Kosten, den Euro stabil zu halten, werden uns noch eine Weile begleiten.“

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/19/waehrungskrieg-china-wertet-den-yuan-stark-ab/

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27.06.2016

Zentralbanken können der Weltwirtschaft nicht mehr helfen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht die Zentralbanken am Ende ihrer Möglichkeiten – mit ihrer expansiven Geldpolitik ließe sich die Weltwirtschaft nicht mehr stimulieren. Dringend notwendig sei eine radikale Neuausrichtung und ein Abbau der hohen Schulden.

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Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – eine Art Zentralbank der Zentralbanken – plädiert für eine grundlegende wirtschaftspolitische Neuausrichtung. Anders sei der Abschwung der Weltwirtschaft und die hohe Verschuldung nicht mehr in den Griff zu bekommen, schreibt die BIZ in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Eine „riskante Dreierkonstellation“ aus einem ungewöhnlich niedrigen Produktivitäts-Wachstum, beispiellos hohen Schuldenständen weltweit und einem äußerst engen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum verhindere eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft nach der Krise von 2008/2009, so die BIZ.

Zwar „lag das globale BIP-Wachstum pro Person im erwerbsfähigen Alter leicht über seinem historischen Durchschnitt, und die Arbeitslosenquoten waren im Allgemeinen rückläufig“, von einer grundlegenden Erholung der Volkswirtschaften könne aber keine Rede sein, schreibt die BIZ. Dafür machen die Ökonomen insbesondere die Nachwirkungen zahlreicher Auf- und Abschwünge an den Finanzmärkten und den immensen Schuldenaufbau verantwortlich.

Während die Industrieländer kaum nennenswerte Impulse lieferten, kühle sich gleichzeitig das Wachstum in den aufstrebenden Schwellenländern ab. „In den rohstoffexportierenden aufstrebenden Volkswirtschaften verstärkte der Abschwung im inländischen Finanzzyklus zumeist den Verfall der Exportpreise und die Währungsabwertungen, während sich gleichzeitig die Wirtschaftslage verschlechterte. Im Allgemeinen verschärfte der restriktivere Zugang zu Dollarmitteln diese Entwicklungen noch“, heißt es im Jahresbericht.

Die Zentralbanken, so die BIZ, hätten ihre Möglichkeiten fast ausgeschöpft und seien offenbar nicht mehr in der Lage, nachhaltige Impulse für die Realwirtschaft zu liefern. Zwar unterstütze eine expansive Geldpolitik die Volkswirtschaften prinzipiell, aber ihr Handlungsspielraum werde immer enger und eine Normalisierung der Geldpolitik immer weiter verschoben. Das Phänomen von Null- oder Negativzinsen als Konsequenz verzerre die Märkte und stelle Sparer und Anleger vor ernsthafte Schwierigkeiten: „Die inflationsbereinigten Leitzinssätze sind noch weiter unter null gefallen und verlängern damit die längste Negativzinsphase seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Zinssätze sagen einiges aus: Die Marktteilnehmer blicken mit einer gewissen Besorgnis in die Zukunft; trotz der massiven Zentralbankmaßnahmen seit der Krise verharrt die Inflation hartnäckig auf niedrigem Niveau und das Produktionswachstum ist enttäuschend; und von der Geldpolitik wird schon viel zu lange zu viel verlangt.“

Die Schulden, beklagen die BIZ-Ökonomen, nähmen weltweit unvermindert zu und würden Unternehmen und Staaten an Investitionen hindern. Dieser Befund ist eigentlich keine Neuigkeit: es ist bekannt, dass ein auf Zinseszinsen aufgebautes Finanzsystem zwangsläufig zur Folge hat, dass sich immer größere Guthaben ansammeln, während die Schulden spiegelbildlich weiter anwachsen. „In den von der Krise am stärksten betroffenen fortgeschrittenen Volkswirtschaften stand einer begrüßenswerten Verringerung bzw. Stabilisierung der Verschuldung des privaten Sektors tendenziell ein weiterer Anstieg der Verschuldung des öffentlichen Sektors gegenüber. In anderen Ländern nahm die Verschuldung im privaten Sektor entweder im Gleichklang mit der Verschuldung im öffentlichen Sektor zu oder ihr Anstieg überwog den Schuldenabbau im öffentlichen Sektor“, lautet der Befund der BIZ.

Die BIZ plädiert für eine grundlegende und international koordinierte Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. Diese gehe mit einer Entlastung der Geldpolitik einher. Um harte Strukturreformen kämen die allermeisten Staaten nicht mehr herum. Diese sollten zudem die verbliebenen fiskalischen Spielräume nutzen, um Schulden abzubauen.

Die Zentralbanken der G7-Staaten haben nach Angaben der Gruppe Schritte eingeleitet, um eine angemessene Liquidität zu gewährleisten und das Funktionieren der Märkte zu unterstützen. Die G7 gingen weiter davon aus, dass die britische Wirtschaft und der Finanzsektor widerstandsfähig blieben.

IWF-Chefin Christine Lagarde fordert die Verantwortlichen in Großbritannien und Europa auf, bei der Gestaltung der neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Königreich und der EU nach dem Brexit auf einen sanften Übergang hinzuarbeiten (Video am Anfang des Artikels). Sie befürworte die Maßnahmen der Bank of England und der EZB, das Bankensystem mit ausreichend Liquidität zu versorgen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/06/27/zentralbanken-koennen-der-weltwirtschaft-nicht-mehr-helfen/

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16.08.2015

Kalter Krieg der Währungen

China hat den Yuan drei Tage in Folge abgewertet. Und das ist kein Einzelfall: Weltweit werten Notenbanker die eigenen Währungen ab. Die Situation ist nicht vergleichbar mit historischen Währungskriegen. Gefährlich werden kann es aber trotzdem

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Wer den ersten Schuss abgegeben hat, lässt sich gar nicht so leicht sagen. Waren es die Amerikaner nach der Lehman-Pleite 2008? Oder die Japaner Ende 2012? Spätestens seit Anfang März ist auch die Eurozone mit dabei, als die Europäische Zentralbank eine der letzten Waffen aus ihrem Arsenal holte und ihr Aufkaufprogramm für Staatsanleihen startete, mit dem sie 18 Monate lang mehr als eine Billion Euro in die Finanzmärkte drückt.

Und spätestens seitdem EZB-Präsident Mario Draghi den Startknopf für dieses Programm betätigt hat, das im Jargon der Zentralbanker Quantitative Easing oder monetäre Lockerung heißt, taucht auch hierzulande in der ökonomischen Debatte immer häufiger der düstere Begriff des Währungskriegs auf.

Die ersten Konsequenzen eines weltweiten Abwertungswettlaufs der Währungen sind zumindest sichtbar. Ein Blick auf den Kurs des Euro reicht. Der Rückgang ist atemberaubend. Während man vor einem Jahr noch fast 1,40 Dollar hinlegen musste, um einen Euro zu bekommen, sind es jetzt nur noch 1,14 Dollar. Das entspricht einem Kursverlust von knapp 20 Prozent.

Abwertung für den Wettbewerbsvorteil

Und die EZB ist bei weitem nicht die einzige Notenbank, die sich in den letzten Monaten durch eine expansive Geldpolitik hervorgetan hat. Allein seit Dezember haben weltweit mehr als 20 Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, darunter auch die von China, Indien, einer Reihe europäischer Nicht-Euro-Länder sowie Australien und Kanada.

Die Idee ist überall dieselbe: Durch die Abwertung der eigenen Währung wollen sich die Länder einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Denn wenn beispielsweise der Euro billiger wird, sinken die Preise europäischer Waren für Käufer außerhalb der Eurozone.

Ein Beispiel: Ein deutsches Auto zum Preis von 30 000 Euro kostete in den USA beim oben genannten Wechselkurs von 1,40 Dollar vor einem Jahr noch 42 000 Dollar. Heute bekommt es ein amerikanischer Kunde schon für 34 200 Dollar. Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Eurozone hat sich also ohne deren Zutun stark verbessert.

Abhängigkeit von importierten Vorleistungen

Durch höhere Exporte könnten neue Arbeitsplätze entstehen, die Konjunktur würde endlich anspringen, höhere Steuereinnahmen ließen die Staatsschulden sinken, und die Währungsunion könnte endlich aus der Krise herauswachsen. Da gleichzeitig die Importe in die Eurozone teurer werden, könnten sich diese positiven Effekte durch eine anziehende Binnennachfrage sogar noch verstärken.

Fachleute rechnen damit, dass Draghis Politik der Eurozone in diesem Jahr einen halben Prozentpunkt mehr Wachstum bringen wird. Vorausgesetzt, der Euro bleibt auf seinem derzeitigen Niveau.

So weit die Theorie. In der Praxis der globalisierten Welt ist die Lage etwas komplizierter. So sind heutzutage viele Unternehmen in ihrer Produktion von importierten Vorleistungen abhängig. Die verteuern sich nach einer Abwertung natürlich ebenfalls. Dadurch steigen die Produktionskosten, und der Effekt der Abwertung wird reduziert.

Aber erlebt die Welt wirklich gerade einen Währungskrieg? Wenn überhaupt, ist es ein kalter Krieg, und angesichts der vielen Teilnehmer an dem Abwertungswettlauf läuft es auf ein Nullsummenspiel hinaus. Ein Währungskrieg wie in den dreißiger Jahren mit Kapitalverkehrskontrollen, Importverboten, Protektionismus, einer versuchten Rückkehr zum Goldstandard, Hyperinflation und dem daraus resultierenden Zusammenbruch des Welthandels ist heute ohnehin weder denk- noch umsetzbar. Dafür sind die gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten viel zu groß, und das Kapital lässt sich international viel zu leicht verschieben.

Gefahr einer hohen Inflation

Trotzdem bleibt die Frage, ob die Abwertungsstrategie Draghis ausreicht, um Europa aus der Krise zu führen. Das hängt davon ab, wie lange die wichtigen Handelspartner außerhalb der Eurozone, wie die USA, China und Großbritannien, seine Politik tolerieren.

Briten und Amerikaner werden die Europäer erst mal gewähren lassen. Alles andere wäre auch absurd, haben sie doch selbst bereits zur Bekämpfung der Folgen der Finanzkrise mit ihrem eigenen Quantitative Easing einen großen Schluck aus der Abwertungspulle genommen. Gerade in Amerika ist die Konjunktur stark. Wegen eines stärkeren Dollars wird sie nicht einbrechen. Auch wenn US-Exportfirmen leiden, wird die US-Wirtschaft auf Kurs bleiben, weil 70 Prozent des US-Sozialprodukts durch die Binnennachfrage erzielt werden. Die größte Sorge der USA gilt nicht dem starken Dollar, sondern dem schwachen Wachstum im Rest der Welt. Beim Weltwirtschaftsforum Ende Januar in Davos hat die US-Handelsministerin Penny Pritzker die EZB sogar ausdrücklich gelobt: „Es ist gut für Europa und die Weltwirtschaft, dass Mario Draghi diesen Stimulus durchführt.“

International könnte es schon eher Richtung eines heißen Währungskriegs gehen: Wenn die Weltwirtschaft dauerhaft abhängig wird vom Gelddoping durch die Notenbanken, dann steigt langfristig die Gefahr einer hohen Inflation.

Große Kursschwankungen mit großen Konsequenzen

Ein anhaltender Abwertungswettlauf der Währungen brächte noch eine weitere Gefahr mit sich: Er würde zu wesentlich stärkeren Schwankungen auf den Devisenmärkten führen, weil internationale Investoren ihr Geld immer schneller in die jeweils gerade am sichersten erscheinenden Häfen transferieren würden.

Größere Kursschwankungen haben ihren Preis. Für international agierende Unternehmen würde es deutlich teurer, sich gegen Kursveränderungen an den Finanzmärkten abzusichern. Deutschland als Exportnation wäre davon besonders stark getroffen, weil die Ausfuhren hier beträchtlich zur Wertschöpfung beitragen. Die durch Abwertungen ausgelösten höheren Absicherungskosten könnten aber auch den Welthandel insgesamt eintrüben zum Schaden aller – ein Währungskrieg moderner Prägung.

Für die Eurozone bringt Draghis Geldpolitik noch weitere Risiken mit sich: Der Exporteffekt eines schwächeren Euro wird sich nämlich innerhalb der Währungsunion sehr unterschiedlich auswirken.

Die Iren stehen aufgrund ihrer engen Verflechtung mit den USA und Großbritannien vor einem kräftigen Aufschwung. Auch die deutsche Wirtschaft, die ohnehin schon vor Kraft strotzt, profitiert kurzfristig vom niedrigen Euro.Für die Südländer der Eurozone bleibt der Effekt dagegen überschaubar, weil sie ihren Außenhandel fast ausschließlich innerhalb der Währungsunion abwickeln.

Strukturreformen für bessere Wettbewerbsfähigkeit

Langfristig müssen die Europäer aufpassen, dass nicht in allen Euroländer die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Durch die Abwertung steigen die Gewinne und Löhne ohne Anstrengungen. Das könnte dazu führen, dass die Leistungsbereitschaft sinkt, Forschung und Entwicklung vernachlässigt werden und Innovationen ausbleiben.

Es muss aber genau das Gegenteil passieren. Die Politik muss die Zeit nutzen, die ihr durch die Abwertung gegeben wird. Sie sollte gerade in den Südländern Strukturreformen durchsetzen, die deren Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Sonst könnte auch Draghis letzter Schuss wirkungslos verpuffen.

Dass auch er und seine Kollegen sich derzeit in ihrer Haut nicht immer ganz wohlfühlen, zeigt die Abschlusserklärung des Treffens der 20 wichtigsten Finanzminister und Notenbankchefs in Istanbul im Februar: Darin verdammen sie einen aggressiven Abwertungswettlauf. Zugleich begrüßen sie jedoch die lockere Geldpolitik, wenn damit binnenwirtschaftliche Ziele verfolgt würden. Besser lässt sich ein Widerspruch kaum formulieren.

http://www.cicero.de/kapital/waehrungskrieg-kalter-krieg-der-waehrungen/59705

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28.04.2015

Währungskrieg: China will unbegrenzt Geld drucken

In China bahnt sich offenbar eine Quantitative Lockerung im Stil der Fed und der EZB an. Die Zentralbank soll „unkonventionelle Schritte“ diskutieren, wie den Erwerb von Anleihen lokaler Provinzen. Die Vorzeichen in China sind ähnlich zu jenen der USA, bevor die Fed die Geldschwemme beschlossen hat.

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Die Zentralbank in China überlegt offenbar, eine Geldschwemme einzuleiten. Das Land will so auf den starken Dollar reagieren. Die Ursachen, die das QE in den USA ausgelöst haben, sind auch in China zu bemerken, wie etwa eine drohende Kredit- oder Immobilienblase.

So soll die Zentralbank einige „unkonventionelle Schritte“ diskutieren, wie etwa den direkten Erwerb von Anleihen einzelner Provinzen vom Markt, berichtet Bloomberg.

An diese quantitative Lockerung sollen sich die lokalen Regierungen beteiligen und so die Wirtschaft auf regionaler Ebene antreiben und die systemischen Risiken mindern, meldet MarketNews.

Die Zentralbank könne demzufolge die Assets direkt von den Banken kaufen und ihnen so den Kauf der lokalen Anleihen abnehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Zentralbank die Anleihen direkt vom Markt kauft.

Mitte April brachen die Future-Märkte in China ein, weil die Behörden die Spekulationen von Privatinvestoren eingedämmt haben. Die Anleger gingen lange davon aus, dass die Regierung in Peking weitere stimulierende Maßnahmen ergreifen würde, wie etwa den Leitzins erneut zu senken. Stattdessen hat die Blasenbildung an den Finanzmärkten in China ungeahnte Ausmaße angenommen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/28/waehrungskrieg-china-will-unbegrenzt-geld-drucken/

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30.11.2014

Europa droht ein Währungskrieg

Mario Draghis EZB schickt sich an, in großem Stil Anleihen vom Markt zu kaufen. Das Ziel: den Euro gegenüber anderen Währungen zu schwächen. Doch die Risiken sind beträchtlich – und Gegenreaktionen dürften folgen.

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Notenbanker reden gern in Grautönen: bloß niemanden aufregen, nicht zuviel verraten, möglichst viele Optionen offenhalten. So war es auch kürzlich, als EZB-Chef Mario Draghi sich zum künftigen Kurs der Notenbank äußerte. Unter Satzungetümen und technisch klingendem Euro-Sprech verborgen fand sich jedoch eine brisante Botschaft: Die EZB will den Außenwert des Euro in Dollar deutlich schwächen. Das scheint der eigentliche Zweck des angepeilten Ankaufs von Staatsanleihen („Quantative Easing“) zu sein. Die Vorbereitungen zu diesem Programm laufen. Ob und wann es in Kraft gesetzt wird, dürfte bei der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag Thema sein.

Man kann es auch so sehen: Die EZB steigt in ein monetäres Aufrüstungsprogramm ein. Eine gefährliche Strategie, die anderswo auf der Welt als unfreundlicher Akt angesehen werden dürfte – und entsprechende Gegenreaktionen gerade seitens der USA hervorrufen wird. Das böse Szenario eines Währungskriegs rückt näher.

Tatsächlich schickt sich die Euro-Zone an, ihre hausgemachten Probleme zu exportieren. Immer noch sind die privaten und staatliche Schulden in vielen Mitgliedstaaten untragbar hoch, was die wirtschaftliche Dynamik erdrosselt. Immer noch zieren sich insbesondere Frankreich und Italien, durchgreifende Strukturreformen durchzuziehen. Immer noch wird viel zu wenig investiert. Die Folgen: Teile des Euro-Raums verlieren immer weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Die industrielle Basis gerade in Frankreich wird immer weiter ausgezehrt. Die nächste Rezession droht, womöglich gar Deflation. Das einzige, was wächst, ist der Pessimismus.

Nun soll die EZB helfen. Eine Abwertung des Euro soll die real existierenden Schwächen kompensieren und satte außenwirtschaftliche Überschüsse produzieren.

Anders jedenfalls ist kaum zu verstehen, warum die EZB überhaupt ein Quantative-Easing-Programm erwägt. Als die amerikanische Fed und die Bank von England auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ihre Aufkaufprogramme starteten, ging es ihnen darum, die langfristigen Zinsen zu drücken und damit die Investitionen anzukurbeln. Im Euro-Raum sind die Zinsen aber bereits extrem niedrig. Investiert wird trotzdem kaum – weil Unternehmen und Privatbürger bereits hoch verschuldet sind und weil viele Milliarden an faulen Krediten die Bankbilanzen belasten.

Was also kann die EZB überhaupt tun? Sie kann Euro-Staatsanleihen aufkaufen und so zusätzliche flüssige Mittel in den Markt drücken. Diese Gelder werden Anleger wiederum nutzen, um allerlei Vermögenswerte zu erwerben und deren Kurse nach oben zu treiben, insbesondere auch Papiere in anderen Währungen, wie Draghi ausführte.

Regierungen, Unternehmen und Bürger in der Pflicht

Im Originalton klingt das betont undramatisch: „Die Substitution von Anlagen kann auch über Wirtschaftsräume hinweg stattfinden: So könnten Anleger in ihren Portfolios weniger auf Euro lautende Titel halten und Umschichtungen zugunsten von Anlagen und Währungen anderer Länder mit höheren Renditen vornehmen.“ Dann folgt ein Verweis auf die USA und Japan, wo die geldpolitische „Lockerung zu einer beträchtlichen Abwertung ihrer jeweiligen Währungen führten – und dies selbst in einer Situation, da die langfristigen Renditen wie in Japan bereits äußerst niedrig waren“.

Im Klartext: Angesichts der avisierten Euro-Flut sollen die Anleger verstärkt Dollars und andere Währungen kaufen. Mit der Folge, dass der Euro stark abwertet. Wie groß dieser Effekt sein kann, zeigt das Beispiel Japans: Seit Sommer 2013 hat der Yen gegenüber dem Dollar rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

Aber die Euro-Zone ist nicht Japan. Sie ist der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt, der schon jetzt einen beträchtlichen Handelsüberschuss einfährt. Eine Abwertung würde den Überschuss noch vergrößern und die globalen Wettbewerbsbedingungen verzerren. Unsere wichtigsten Handelspartner – die USA und China, aber auch Nachbarländer wie Großbritannien, die Schweiz und Schweden – werden nicht amüsiert sein.

US-Finanzminister Jacob Lew wird nicht müde, den Europäern und gerade den Deutschen vorzuhalten, sie versuchten sich auf Kosten anderer Länder aus der Krise herauszuwinden. Statt auf Exportüberschüsse zu setzen, sollten sie endlich ihre heimische Wirtschaft flottmachen. Solche Klagen dürften lauter werden, je schwächer der Euro wird. Es fehlt nur noch, dass der US-Kongress Europa mit Handelssanktionen wegen unfairer Währungspolitik droht.

Es ist nicht die Aufgabe der Notenbank, bedrängte Volkswirtschaften wettbewerbsfähig zu machen. Gefordert sind Regierungen, Unternehmen und Bürger. Zu tun ist wahrlich genug. Beispiele: Frankreich müsste sich von der 35-Stunden-Woche verabschieden, Deutschland die absurd teure Energiewende effizienter organisieren, Italien Schulen und Universitäten verbessern; die Euro-Zone insgesamt müsste endlich einen Tilgungspakt für Staatsschulden schließen und Teile der privaten Schulden abschreiben.

Aber all das passiert nicht. Krisenlethargie und Reformmüdigkeit haben den Kontinent fest im Griff. Die EZB scheint noch handlungsfähig – mit enormen Risiken.

http://www.manager-magazin.de/politik/konjunktur/muellers-memo-wir-exportieren-unsere-wirtschaftsprobleme-a-1005798.html

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21.11.2014

Währungskrieg: Auch China senkt den Leitzins

Die chinesische Notenbank kappt den Leitzins erstmals seit mehr als zwei Jahren. So soll die schwache Konjunktur angekurbelt werden. Erstmals in 15 Jahren könnte das Wachstumsziel der Regierung verfehlt werden.

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Angesichts der lahmenden Konjunktur senkt Chinas Notenbank erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins. Sie verbilligte den Schlüsselzins überraschend auf 5,6 von zuvor sechs Prozent, wie die Zentralbank der Volksrepublik (PBOC) am Freitag mitteilte. Zugleich lässt die PBOC den Geldinstituten etwas mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen.

Die Notenbank verwies darauf, dass der Inflationsdruck im Reich der Mitte zuletzt nachgelassen hat. Das Wirtschaftswachstum sei trotz der Abschwächung noch „leidlich“. Es gebe daher keinen Grund, einen aggressiveren Kurs zu fahren und größere Konjunkturspritzen zu verabreichen. Die Notenbank werde ihre Geldpolitik „mit Bedacht“ fortsetzen.

Die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung verfehlt wird. Angepeilt ist ein Anstieg um 7,5 Prozent. Mit der Leitzinssenkung setzt die Notenbank nun den Hebel bei der Geldversorgung an. Die Banken können sich bei der PBOC nun günstiger eindecken. Damit dürften auch Kredite für Firmen und Verbraucher billiger werden.

Ökonomen zeigten sich überrascht vom Schritt der Notenbank: „Das sind drastische Maßnahmen, um das Wachstum und die Kreditnachfrage anzukurbeln. Aber man sollte es nicht als Panikreaktion sehen“, sagte Ökonom Frederik Kunze von der NordLB. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch sieht die Leitzinssenkung kritisch: „China baut eine Kreditblase auf und zugleich kühlt der Häusermarkt ab. Dies mit einer Zinssenkung zu bekämpfen, ist riskant.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/21/waehrungskrieg-auch-china-senkt-den-leitzins/

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16.11.2014

Währungskrieg: Öl-Länder ziehen Geld von Kapitalmärkten ab

Die erdölexportierenden Schwellenländer bauen ihre Währungsreserven aus, um ihre Währungen zu stützen. Dadurch geht der Kapital-Export zurück und am internationalen Kapitalmarkt werden finanzielle Mittel immer knapper.

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Während die meisten Analysten ihre Aufmerksamkeit auf den Verfall des russischen Rubels im aktuellen Jahr konzentriert haben, kommt es auch in anderen ölexportierenden Schwellenländern zu Währungsabwertungen.

Die geringeren Einnahmen durch den stetig fallenden Öl-Preis machen auch ihnen zu schaffen. So sind beispielsweise die Ökonomien Brasilien, Nigerias oder Algeriens betroffen. Die Öl- und Gasexporteure unter den Schwellenländern machen 26 Prozent des Gesamt-BIPs aller Schwellenländer und 21 Prozent aller externen Schwellenländeranleihen aus.

Die negativen Auswirkungen aufgrund des fallenden Ölpreises werden die Steuereinnahmen mindern und das BIP schrumpfen lassen. Die geringeren Exporteinnahmen aus dem Öl- und Gasexport werden auch die Währungsreserven mindern.

Doch all jene Einnahmen sind wichtig, um die Nachhaltigkeit und Liquidität zu sichern. Diese beiden Faktoren wiederum sind wichtig für den Schuldendienst, der in den Schwellenländern in Dollar abgewickelt wird. Die aufzubringenden Zinsen und Tilgungszahlungen bleiben aus und die betroffenen Länder könnten in die Schuldenfalle geraten. Der Schuldendienst-Deckungsgrad fällt und die Aufnahme weiterer Kredite wird schwieriger. In diesem Zusammenhang fällt die Bonitäts-Beurteilung schlechter aus.

Dann wird es auch schwieriger, sich Devisen am internationalen Kapitalmarkt oder bei ausländischen Notenbanken zu leihen. Als letzter Anker kommt der Internationale Währungsfonds in Betracht. Um diesem Schicksal zu entgehen, nutzen dieser Länder ihre Leistungsbilanzüberschüsse aus, um ihre Währungsreserven aufzustocken.

Doch derzeit sind die Schuldenraten in den Schwellenländern relativ gering, berichtet BNP Paribas.

Schlussendlich werden die Öl-Exporteure ihre Einnahmen nicht auf den internationalen Finanzmärkten anlegen. Die Sicherung der Währungsreserven für den Ernstfall hat Priorität. Die Liquiditäts-Rate auf den Märkten wird folglich geringer ausfallen und der internationale Kapitalverkehr wird einen Rückgang erleiden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/16/waehrungskrieg-oel-exporteure-ziehen-geld-von-kapitalmaerkten-ab/

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01.11.2014

Japan startet neue Runde im globalen Währungskrieg

Mit ihrer Ankündigung noch mehr Geld zu drucken, bringt die Notenbank in Tokio die Märkte in Wallung. Der Yen bricht ein, der Dow Jones steigt auf einen Rekordwert – und die EZB hat ein neues Problem.

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Für einen erfolgreichen Feldzug braucht es den richtigen Moment zum Losschlagen und noch dazu die passenden Waffen. Gemessen an diesen beiden Kriterien hat die Bank von Japan (BoJ) alles richtig gemacht. Tokios oberste Währungshüter kündigten am Freitag völlig überraschend an, ihre Geldpolitik drastisch zu lockern. Die Bank von Japan will noch mehr Yen in die Märkte pumpen und das Volumen der Staatsanleihenläufe erhöhen.

Die Finanzmärkte wurden von dieser Strategie komplett überrumpelt. An den Devisenmärkten verlor der Yen zum Dollar rund drei Prozent und stürzte auf das tiefste Niveau seit 2007. Auch zum Euro verlor der Yen gut zwei Prozent. Solche kräftigen Bewegungen zeigen den großen Überraschungseffekt. Am Devisenmarkt werden täglich rund fünf Billionen Dollar umgeschlagen, damit ist er der liquideste Markt überhaupt.

„Mit ihren drastischen Maßnahmen hat die Bank von Japan die nächste Runde im globalen Währungskrieg eröffnet“, sagt Lena Komileva, Strategin beim unabhängigen Analysehaus G+ Economics in London. Sie versuche den Yen abzuwerten und sich so im globalen Kampf gegen Stagnation und Deflation gegenüber den anderen Notenbanken einen psychologischen Vorteil zu verschaffen. „Jetzt geht es darum, wer die Kosten der globalen Abschwächung trägt.“

EZB befindet sich in einer Art Wartestellung

Tatsächlich hätte die Bank von Japan keinen geschickteren Zeitpunkt für ihren Angriff auswählen können. In dieser Woche hat die amerikanische Notenbank Fed angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm zu beenden und damit vorerst kein frisches Geld zu drucken. Gleichzeitig befindet sich die Europäische Zentralbank (EZB) in einer Art Wartestellung. Nach den zahlreichen geldpolitischen Initiativen will die EZB zunächst einmal deren Wirkungen abwarten, bevor die nächste Lockerung durchgeführt wird.

Weltweit befindet sich die Inflation auf dem Rückzug und es droht ein Abrutschen in eine deflationäre Abwärtsspirale. Hier möchte die Bank von Japan mit einer Yen-Abwertung offensichtlich gegensteuern. Mit einer billigeren Währung steigen die Preise für importierte Güter und das wiederum bringt das Preisniveau nach oben.

Der günstigere Yen führt aber anderswo zu deflationären Effekten. So kann die Euro-Zone günstiger Produkte aus Japan importieren. Dabei liegt die Inflationsrate mit aktuell 0,4 in der Euro-Zone schon nahe Null. Die Kernrate der Teuerung, also die Preisveränderung bereinigt um die volatilen Energie- und Lebensmittelkosten, ist im September auf ein Rekordtief gefallen, wie nun Eurostat bekannt gegeben hat.

Bilanzsumme der japanischen Notenbank wird deutlich ausgeweitet

BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda und vier weitere Mitglieder im acht Personen starken Zentralbankrat stimmten dafür, die Geldmenge stärker auszuweiten. Sie soll nunmehr um 80 Billionen Yen (573 Milliarden Euro) jährlich zunehmen, statt zuvor um 60 bis 70 Billionen Yen. Damit werden monatlich rund 18 Milliarden Euro zusätzlich in die Märkte gepumpt.

Der Schritt war in einer Umfrage des Datenanbieters Bloomberg nur von drei der 32 befragten Analysten erwartet worden. Mit den neuen Maßnahmen dürfte sich die Bilanzsumme der japanischen Notenbank noch einmal deutlich ausweiten. Seit Ende 2012 hat sich deren Volumen nahezu verdoppelt, deutlich stärker als bei der amerikanischen Fed oder gar der EZB, deren Bilanzsumme seit Sommer 2012 schrumpft.

Die Folgen lassen sich am Devisenmarkt beobachten. Seit Ende 2012 hat der Yen zum Euro rund ein Viertel seines Wertes eingebüßt, zum Dollar sogar ein Drittel. Die Bilanzsumme ist die Waffe im globalen Währungskrieg. Wer es schafft, mehr Dollar, Euro oder Yen zu drucken und damit seine Bilanz zu erhöhen, schwächt damit in der Regel seine eigene Währung.

Entsprechend hat auch die EZB zuletzt angekündigt, ihre Bilanzsumme wieder deutlich auszuweiten. EZB-Chef Mario Draghi hat ein Anleihekaufprogramm für Verbriefungen (ABS) aufgelegt. Doch in der ersten Woche hat die EZB gerade mal Papiere im Volumen von 1,7 Milliarden Euro erworben, das ist deutlich zu wenig, um die eigene Bilanzsumme nach oben zu bekommen.

Draghi hat weit weniger gestalterische Freiheit

„Die Maßnahmen der Bank von Japan erhöhen den Druck auf die EZB ebenfalls einen Gang hochzuschalten“, sagt Julian Jessop, Analyst beim unabhängigen Analysehaus Capital Economics in London. Gerade die Aufwertung des Euro zum Yen werde die EZB zum Handeln animieren. Allerdings hat Draghi bei seiner Geldpolitik weit weniger gestalterische Freiheit als die Bank von Japan. Insbesondere die deutsche Bundesbank hat einen kritischen Blick auf eine allzu lockere Geldpolitik der EZB und das schränkt die Kampffähigkeit im Währungskrieg erheblich ein.

Die Börsianer können einigermaßen entspannt den Wettkampf der Notenbanken beobachten. Denn das billige Geld der Währungshüter ist der Schmierstoff für die Aktienmärkte und das schon seit Jahren, unabhängig davon, welche Notenbank aktiv wird.

Und so hat die japanische Zentralbank mit ihren Ankündigungen ein weltweites Kursfeuerwerk gezündet. Der Nikkei Index schoss um fast fünf Prozent nach oben. Der Deutsche Aktienindex legte in der Spitze um 2,5 Prozent zu. Und an der Wall Street markierte der altehrwürdige Dow Jones einen historischen Rekord. Weltweit wurde ein Börsenwert von 1,3 Billionen Dollar geschaffen. Das entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung von Spanien, der viertgrößten Ökonomie der Euro-Zone.

Happy Hour des billigen und vielen Geldes verliert an Relevanz

Die Transmissionsmechanismen sind zahlreiche. „Die Investoren verschulden sich günstig in Yen und stecken das Geld beispielsweise in US-Aktien oder europäische Aktien“, erklärt Marktexperte Egmond Haidt von Feingold Research. „Denn die Investoren machen bei dem Geschäft auch noch Währungsgewinne.“

Bemerkenswert ist, dass die Börse immer wieder auf die Liquiditätsspritzen reagiert und bislang noch kein Gewöhnungseffekt einsetzt. Das liegt am generellen Anlagenotstand. Denn wenn die Notenbanken die Zinsen niedrig halten, gibt es wenig Alternativen zu Aktien.

Nach Ansicht von Robert Halver von der Baader Bank bleibt die weiterhin vorhandene Liquidität ein Treiber für die Kurse, wenngleich „die Happy Hour des billigen und vielen Geldes deutlich an Relevanz verloren“ habe. Ein Kurseinbruch am Aktienmarkt sei nicht zu befürchten, auch da die Zutaten für eine Weltwirtschaftskrise fehlten. Die Konjunktur sei stabil, die Geldpolitik weiter locker und die Energiepreise niedrig.

Allerdings ist die Börse unberechenbar. Und so könnte eine weitere Wende im Währungskrieg irgendwann auch den Börsianern zu heiß werden.

http://www.welt.de/finanzen/article133869752/Japan-startet-neue-Runde-im-globalen-Waehrungskrieg.html

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11.10.2014

Euro-Schwäche: IW warnt vor Währungskrieg mit den USA

Die Stabilität der europäischen Währungsunion wackelt. Die Deutsche Bank prophezeite in einer aktuellen Währungsprognose einen Absturz des Euros unter einen Dollar. Bereits 2017, so prophezeien Analysten des Finanzinstituts, ist die europäische Währung nur noch 95 US-Cent wert.

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Angesichts der anhaltenden Euro-Schwäche warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Europäische Zentralbank ungewöhnlich scharf vor einem Abwertungswettlauf mit den USA.

„Wir sind einem Währungskrieg sehr nahe“

In einem Gastbeitrag für „Bild“-Zeitung erklärte IW-Direktor Michael Hüther: „Wir sind einem Währungskrieg durch bewusst herbeigeführte Abwertungen sehr nahe. Was jetzt beim Euro passiert, haben wir zuvor beim japanischen Yen erlebt. Besser geht es der japanischen Volkswirtschaft deshalb aber nicht.

Abwertungen lösten keine strukturellen Probleme, warnte Hüther: „Ein Abwertungswettlauf schädigt alle.“ Der IW-Chef nannte es „beachtlich“, dass der Euro als Weltwährung seit Mai gegenüber dem US-Dollar zehn Prozent an Wert eingebüßt habe.

Hüther erwartet, dass die Abwertung anhält. Durch die Politik der EZB, künftig auch Banken hochriskante Papier abzukaufen, würden Investoren angeregt, „das billige Geld aus Europa abzuziehen und zu höheren Zinsen in den USA anzulegen. Diese Kapitalströme verstärken die Abwertung des Euro“, erklärte der IW-Chef gegenüber der „Bild“-Zeitung.

http://www.huffingtonpost.de/2014/10/11/euro-krise-waehrungskrieg-usa_n_5969160.html?utm_hp_ref=germany

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16.09.2014

Top-Ökonom warnt vor neuem Währungskrieg

Die Europäische Zentralbank unternimmt nichts, um die Abwertung des Euros zu stoppen. Im Gegenteil: Der Wertverlust ist ihr sogar recht. Top-Ökonomen warnen jedoch vor den Folgen dieser Politik.

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Angesichts immer lauterer Forderungen nach einer weiteren Abwertung des Euro warnen führende Ökonomen in Deutschland vor den Folgen. In der „Bild“-Zeitung vom Dienstag mahnte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, vor der „Gefahr eines Abwertungswettlaufs“ mit anderen Notenbanken und Kaufkraftverlusten. „Es ist fraglich, ob andere Notenbanken eine weitere Euro-Abwertung passiv hinnehmen“, sagte Fuest. Die Effekte einer Abwertung würden außerdem oft überschätzt. Das Problem sei, dass dadurch Importe teurer würden, was Kaufkraft bei den Verbrauchern abschöpfe.

Auch Allianz-Chefökonom Michael Heise warnte vor einer weiteren Euro-Abwertung. „Es ist ein gefährlicher Weg, um die Eurozone aus der Krise zu führen und für mehr Wachstum zu sorgen“, sagte Heise der „Bild“. Ein weicher Euro sei schlecht für die Verbraucher, weil er unter anderem Waren aus dem Ausland wie Benzin oder Heizöl verteuere. „Ein weicher Euro dämpft damit die Konsumnachfrage“, warnte Heise.

„Euro-Abwertung ist nicht die Lösung“

Bereits am Wochenende hatten Ökonomen die EZB-Politik kritisiert: Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, sagte in der „Welt am Sonntag“, es sei „nicht die Aufgabe der EZB, die Wechselkurse zu manipulieren“. Zwar sei es richtig, dass Exporte aus Südeuropa zu teuer für den Weltmarkt seien. Eine Euro-Abwertung alleine sei aber keine Lösung: „Das Problem muss auch durch eine Senkung von Preisen in den Krisenländern angegangen werden.“

Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Ottmar Issing gab zu bedenken: „Die Erfahrungen zeigen, dass Abwertungen die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften auf Dauer nicht stärken können. Die Länder, die vor Gründung der Währungsunion immer wieder gegenüber der D-Mark abgewertet haben, haben den Vorteil regelmäßig rasch wieder verspielt.“

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/ezb-schwaecht-euro-top-oekonom-warnt-vor-neuem-waehrungskrieg_id_4135622.html

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10.08.2014

Währungskrieg: Indische Unternehmen stoßen Dollar ab

Indische Unternehmen verkaufen US-Dollars, um die Rupie zu stützen. Die Schwellenländer werden zunehmend in einen globalen Währungskrieg verwickelt. Sie reagieren, indem sie sich gegen den Dollar wenden, um ihre eigenen Währungen zu retten.

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Nach Kursverlusten am Freitag hat sich die indische Rupie etwas erholt. Sie stieg um 0,1 Prozent auf einen Wert von 61,1450 pro Dollar. Zuvor war sie auf einen Vier-Monats-Tief von 61,74 pro Dollar gefallen.

Auslöser des Tiefs war unter anderem die Ankündigung der USA, irakische Stellungen von Islamisten der Organisation „Islamischer Staat“ (IS) zu bombardieren. Doch auch der andauernde Ukraine-Konflikt belastet die Währungskurse der Schwellenländer (mehr hier).

Ausländische Investoren tun sich derzeit schwer, Investitionen in den Schwellenländern zu tätigen. Angesichts der weltweiten „geopolitischen Spannungen“ befürchten sie Verluste für ihre Anlagen. Denn die Schwellenländer sind besonders anfällig für Krisen.

Bloomberg zitiert den Devisenhändler der staatlichen Andhra Bank, Vikas Babu:

Exportunternehmen hatten Dollar verkauft. Dadurch halfen sie der Rupie, sich zu erholen. Am Morgen war aufgrund geopolitischer Spannungen eine große Panik ausgebrochen, die die Währungen aller Schwellenländer schwer traf.“

Die Rendite für zehnjährige indische Staatsanleihen stieg am Freitag zeitweise auf 8,68 Prozent und schloss den Tag mit 8,64 Prozent ab.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/10/waehrungskrieg-indische-unternehmen-stossen-dollar-ab/

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09.07.2014

Die Notenbanken lassen die Inflation von der Leine

Alle Experten reden von den Gefahren einer Deflation. Doch die Panikmache ist übertrieben, wie sich zum Beispiel in den USA zeigt. Wer genau hinschaut sieht, dass der Inflationsgeist bald der Flasche entweicht.

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Es ist dieser Kampf der Inflationsgurus und der Deflationspäpste, der bei vielen Investoren für so viel Ungewissheit sorgt, dass sie sich untätig zurücklehnen und ihre Cashbestände hüten. „Wer nichts macht, macht nichts falsch“, so ein italienisches Sprichwort. Aktien enttäuschten die Anleger nach dem Platzen der Blase 2001 bis 2003 und wieder nach den Hochs 2007. Die Rohstoffpreise stürzten nach ihrem Rekordhoch 2011 und enttäuschten auch viele Gold- und Silberfans.

Also setzen wir doch lieber auf Cash? Das einzig Wahre bleibt das Bare? Um es klar vorauszuschicken: Schreiben wir die Inflation nicht ab! Gold und Silber werden dann eine neue Sternstunde erleben, wenn der Inflationsgeist aus der Flasche der Notenbanker entweicht. Viel spricht dafür, dass dies in den USA bald geschieht.

Lebensmittel verteuern sich stark

Auch wenn die Situation in der Eurozone derzeit sicher eine andere ist, so sollten wir unbedingt einen Blick in das Mutterland unseres heutigen Weltfinanzsystems werfen. Einiges in den USA, dem Noch-Dollarimperium, deutet auf eine Inflation hin. Die Société Générale kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Schluss, dass die allgemeine US-Inflation im kommenden Jahr auf eine Jahresrate von über 2,8 Prozent steigen kann

Rohstoffpreise und Gesundheitskosten steigen wieder

Niedrige Rohstoffpreise und vor allem nachlassender Kostendruck im Gesundheitswesen durch Obamacare drückten die Inflation vorübergehend. Der Rohstoffmarkt hat inzwischen jedoch einen Boden gefunden und den seit April 2011 bestehenden Abwärtstrend gebrochen. Die Gesundheitskosten legen ebenfalls wieder zu.

Auch bei den Lebensmittel-Preisen geht es wieder aufwärts. Betrachten wir den untenstehenden Chart einmal, der uns den seit 1967 berechneten Index für Fleisch, Geflügel, Fisch und Eier zeigt. Im Mai stieg dieser Index immerhin um 7,7 Prozent zum Vorjahr an. Bei dem Preisschub dieser Nahrungsmittel zum Jahreswechsel 2010/11 kam es zeitverzögert auch zu einem Preisschub bei der allgemeinen Konsumentenpreisinflation (rechte Skala) von 1,1 Prozent im Oktober 2010 auf erstmals wieder über drei Prozent im April 2011. Jetzt erreichte die allgemeine Preissteigerung im Mai mit 2,1 Prozent zum Vorjahr zumindest wieder den höchsten Wert seit Oktober 2012.

Schönrechnen der Inflation hilft bald nicht mehr

Vergessen wir dabei nicht, dass die Konsumentenpreisinflation in den letzten Jahrzehnten mehr als 20-mal geändert und damit im Sinne der US-Regierung verfälscht wurde. Da wird die Inflation „hedonisch“ berechnet, wobei der technische Fortschritt die Preissteigerungsrate senkt. Oder es wird der Surrogatansatz angewandt. Steigt beispielsweise der Schweinefleischpreis viel stärker als der für Putenfleisch, streicht man ersteren einfach zugunsten des zweiten aus dem Warenkorb. Nicht zu vergessen die Interventionsmethode. Wenn die Statistiker einen Preisanstieg eines Produkts für nur vorübergehend halten, ignorieren sie ihn einfach. Glaube eben keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

Auch vom US-Arbeitsmarkt droht Gefahr. Bekanntlich ging die sogenannte „participation rate“, also jener Anteil von Amerikanern, die arbeiten oder eine Arbeit suchen, von 67,3 Prozent im Januar 2000 auf 62,8 Prozent im Mai 2014 zurück. Wenn das Arbeitskräftereservoir permanent zurückgeht und die Wirtschaft weiter expandiert, dann führt dies mittelfristig zu Lohnsteigerungen. Alan Krueger, immerhin früherer Berater von Barack Obama, stellte in einer aktuellen Studie folgende These auf: Langzeitarbeitslose haben ihre Qualifikation eingebüßt und stellen für die Unternehmen keine Konkurrenz bei der Arbeitskräfteauswahl dar. De facto hat sich der Arbeitsmarkt also verkleinert. So kann dann auch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommen, ohne das die hohe Sockelarbeitslosigkeit beseitigt wurde. Sie mit Hilfe der Geldpolitik abzubauen, dürfte letztlich nur eines entfachen, nämlich Inflation!

Yellen und Carney entzaubern sich selbst

US-Notenbankchefin Janet Yellen erklärte am 2. Juli eine rasche Zinswende für ungeeignet, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Dieses sei ein „grobes Instrument“, würde Arbeitsplätze kosten und komme daher nur als Ultima Ratio infrage! Eine Woche zuvor erklärte der Chef der Bank of England, Marc Carney, eine Zinserhöhung sei die „letzte Verteidigungslinie“. Man wolle erst mit anderen Instrumenten gegensteuern. Der gute Herr schaut gerade zu, wie der britische Halifax-Hauspreisindex wieder im Rekordtempo von fast elf Prozent zum Vorjahr zulegt. Letztlich zeigt dies die Angst der Zentralbanker, zu früh und zu stark die Leitzinsen anzuheben. Denn das Platzen der Schulden- und Vermögenspreisblasen wäre die Folge.

Seien wir auf dem Inflationsauge nicht blind!

In Abwandlung eines Zitats von Franz Josef Strauß könnte man meinen: „Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass Zentralbanker in unserem Papiergeldsystem wirklich Deflation zulassen“. Die USA und Großbritannien haben als erste schwere Geschütze gegen Deflationsgefahren in Stellung gebracht und selbst die Japaner gehen den Weg der Inflationierung mit großer Entschlossenheit. EZB-Chef Draghi lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er Deflation nicht zulassen wird. Gold und noch viel mehr Silber bieten in dieser rauen See des Papiergeldes einen wichtigen Schutz. Beide Edelmetalle befinden sich seit Monaten in einer viel versprechenden Bodenbildungsphase. Nutzen wir Rückschläge der Gold- und Silberpreise immer wieder für Käufe!

http://www.focus.de/finanzen/experten/thorsten_schulte/zoegerliche-geldpolitik-die-notenbanken-lassen-die-inflation-von-der-leine_id_3977924.html

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20.02.2014

IWF fordert EZB zu verstärktem Geld-Drucken auf

Der IWF sieht kein Ende der globalen Wirtschaftskrise und verlangt von den Zentralbanken mehr billiges Geld. Vor allem die EZB solle den Markt mit noch mehr Liquidität spülen.

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Der Internationale Währungsfonds hat die Europäische Zentralbank aufgefordert, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Die japanische Notenbank sollte sich dem anschließen, falls es keine weiteren Fortschritte gebe, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Der IWF mahnte die Notenbanken, stärker zusammenzuarbeiten. Dafür gebe es Spielraum.

Der IWF hat die Industriestaaten außerdem gewarnt, ihre Konjunkturhilfen zu schnell zurückzufahren. Die Erholung der Weltwirtschaft sei noch zu schwach, hieß es in einem Papier für das G20-Treffen, das am Wochenende in Sydney stattfindet. Die jüngsten Marktturbulenzen hätten gezeigt, dass es in Schwellenländern noch große Risiken gebe. Zwar geht der IWF für dieses Jahr weiter von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,75 Prozent und von vier Prozent 2015 aus. Von der sehr niedrigen Inflationsrate der Euro-Zone gingen jedoch neue Risiken aus. Zudem bräuchten die Schwellenländer eine verlässliche Wirtschaftspolitik, um Turbulenzen meistern zu können.

Es ist wichtig, einen frühzeitigen Abzug der Konjunkturhilfen zu vermeiden – auch in den USA”, erklärte der IWF. Die US-Notenbank Fed hatte Ende des vergangenen Jahres begonnen, den milliardenschweren Aufkauf von Staatsanleihen herunterzufahren. Das löste einen Abfluss von ausländischem Kapital in Schwellenländern aus, was wiederum die Finanzmärkte in Turbulenzen stürzte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/20/iwf-fordert-ezb-zu-verstaerktem-geld-drucken-auf/

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18.02.2014

Japan druckt weiter Geld

Die japanische Wirtschaft entwickelt sich nur halb so stark wie erwartet. Wegen der angekündigten Mehrwertsteuer-Erhöhung von fünf auf acht Prozent droht ihr ein weiterer Rückschlag. Die Notenbank will deswegen weiterhin Staatsanleihen in Höhe von 500 Milliarden Euro kaufen.

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Die japanische Notenbank bekannten sich am Dienstag einstimmig dazu, den Kauf von Staatsanleihen in Höhe von jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (427 bis 510 Milliarden Euro) fortzusetzen.

Einige Experten hatten mit einem zusätzlichen Stimulus gerechnet, nachdem die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt Ende 2013 mit 0,3 Prozent nicht einmal halb so stark wie erwartet gewachsen ist. „Sollten Risiken eintreten, werden wir nicht zögern, unsere Politik anzupassen“, sagte Notenbankchef Haruhiko Kurado. „Aber derzeit ist die japanische Wirtschaft gut in der Spur und entwickelt sich entsprechend unseren Prognosen.“

Die Notenbank beschloss zudem die Verlängerung von drei speziellen Kreditprogrammen um ein Jahr. Sie waren zwischen 2010 und 2012 aufgelegt worden, um die Kreditvergabe der Banken zu erleichtern. Die Programme wären Ende März ausgelaufen. Die Aktienmärkte reagierten darauf mit einer Kursrally: Der Nikkei-Index schnellte zeitweise um 3,5 Prozent in die Höhe. Die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik brachte die Landeswährung ins Taumeln. Der Dollar stieg in der Spitze auf 102,73 Yen, den höchsten Stand seit Ende Januar.

Wegen der für April angekündigten Mehrwertsteuererhöhung von fünf auf acht Prozent droht der Konjunktur ein Rückschlag. Viele Verbraucher ziehen größere Anschaffungen derzeit vor, um Preiserhöhungen zu umgehen. Die Nachfrage fehlt dann aber in den kommenden Monaten. Mit 3,7 Prozent ist die Arbeitslosenquote derzeit zwar so niedrig wie seit sechs Jahren mehr. Doch ein Großteil der neuen Jobs geht an Vertragsarbeiter, die nur etwa ein Drittel eines regulär Beschäftigten verdienen. Ökonomen zweifeln zudem daran, dass sich kleinere und mittlere Unternehmen – die das Gros der Mitarbeiter beschäftigen – spürbare Lohnerhöhungen leisten können. Die aber sind Voraussetzung dafür, dass der Konsum trotz steigender Umsatzsteuer wachsen kann.

Die Notenbank verfolgt mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik das Ziel, die Inflationsrate an die Marke von zwei Prozent zu bringen. Japan steckt seit rund 15 Jahren in einer Deflation, einer Spirale aus fallenden Preisen, die die Wirtschaft lange lähmte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/18/japan-druckt-weiter-geld/

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14.02.2014

Folgen der Krise: Preiskontrollen und Verstaatlichung statt Inflation?

Welche Folgen hat die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken? Der Leipziger Wirtschaftsprofessor Gunther Schnabl sieht die Gefahr einer zunehmenden finanziellen Repression durch den Staat.

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Die Zentralbanken sind der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 mit einer extrem expansiven Geldpolitik begegnet. Dennoch sind die Inflationsraten trotz der extremen Geldmengenausweitung nicht dramatisch gestiegen. Das Gegenteil war zuletzt der Fall. In einem Interview mit dem Edelmetallspezialisten Philoro äußert sich Prof. Dr. Gunther Schnabl, Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig zu dem Thema.

Mit Blick auf die Bilanzen der Zentralbanken, die immens aufgeblasen wurden, ist die Inflationsangst begründet”, so Schnabl. “Allerdings haben wir in den letzten Jahrzehnten beobachtet, dass strukturelle Zinssenkungen gegen Null nicht mit dem Anstieg von Konsumentenpreisinflation verbunden waren. Die Inflation hat mehr in den Finanz- als in den Gütermärkten stattgefunden. Das Ergebnis ist übrigens ähnlich wie das von Inflation. Verschuldung wird begünstigt”, erklärt der ehemalige EZB-Berater.

Die Inflationierung der globalen Vermögenspreise sei mit einem Rückgang des Wachstums und Umverteilungswirkungen zugunsten einiger weniger verbunden. “Mich beunruhigt die reale Entwertung von Ersparnissen durch Finanzmarktrepression, wie sie in vielen Industrieländern bereits zu beobachten ist”, sagt Schnabl.

Er befürchtet, dass neue Instabilität auf den internationalen Finanzmärkten von den Zentralbanken mit noch größer monetärer Expansion begegnet werden könnte. Dies müsse aber nicht zwingend zu Inflation führen.

Die Versuchung könnte auch groß sein, inflationären Tendenzen auf Güter- und Finanzmärkten mit Preiskontrollen zu begegnen”, so Schnabl. Denkbar sei auch, dass es schrittweise zu einer Verstaatlichung der Finanzsektoren komme, was seiner Meinung nach einer Verstaatlichung des Wirtschaftssystems gleichkäme. Mögliche Folge: eine anhaltende Stagnation oder Deflation, ähnlich wie in Japan.

Gold sieht Schnabl im Umfeld inflationärer Tendenzen auf dem Güter – und Finanzsektor als geeignet, um einem Vermögensverlust entgegenzuwirken. Eine zentrale Roll im Weltwährungssystem traut er dem Edelmetall allerdings nicht mehr zu. “Allerdings könnte die Nachfrage nach Gold weiter steigen, wenn mit der anstehenden geldpolitischen Straffung in den USA die Instabilität in aufstrebenden Volkswirtschaften und den Finanzmärkten in den großen Industrieländern wieder zunimmt. Da die Wertaufbewahrungsfunktion des Dollars und aller anderen Währungen untergraben würde, könnte die Attraktivität des Goldes weiter steigen”, so Schnabl.

Das gesamte Interview mit Prof. Dr. Schnabl lesen Sie hier.

http://www.goldreporter.de/folgen-der-krise-preiskontrollen-und-verstaatlichung-statt-inflation/gold/39501/

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05.02.2014

Deutsche Bank: Wir haben ein globales Schulden-Monster geschaffen

Die Zentralbanken werden ihren Kurs des massiven Gelddruckens und der Niedrigzinsen fortsetzen, erwartet der Chef-Stratege der Deutschen Bank. So vergrößern sie auch künftig das „globale Schulden-Monster“. Die Finanzmärkte sind von den immer größeren Rettungs-Maßnahmen abhängig.

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Jim Reid, Chef-Stratege der Deutschen Bank, erwartet für 2014 steigende Börsenkurse. Denn die Zentralbanken müssen ihren Kurs des Gelddruckens und der Niedrigzinsen fortsetzen. Nur so kann ein Platzen der Schuldenblase noch aufgeschoben werden.

Reid hält die aktuelle Entwicklung in China für entscheidend, wo die Schuldenblase am größten gewachsen ist. Das BIP Chinas liegt bei 9 Billionen Dollar, zitiert Zero Hedge den Deutsche-Bank-Strategen. Dennoch muss das Land ein Investment-Produkt von 500 Millionen Dollar retten, weil an den Finanzmärkten sonst eine Panik ausbrechen könnte.

Das ist nun seit 10 bis 15 Jahren ein Dauerthema auf den globalen Finanzmärkten vor allem in der entwickelten Welt, aber seit der Finanzkrise auch in den Schwellenländern. Wir haben ein globales Schulden-Monster geschaffen, das jetzt so groß und so notwendig für das Finanzsystem und für die Wirtschaft ist, dass Insolvenzen durch über-aggressive Maßnahmen immer mehr gering gehalten wurden. Es ist jetzt wohl zu spät, den Kurs zu ändern, ohne gewaltige Konsequenzen auszulösen.“

Anfang des Jahrtausends wurden große Konzerne gerettet, Ende des ersten Jahrzehnts die Banken und kürzlich ganze Staaten, so Reid. „Es ist viele Jahre her, dass der freie Markt über das Schicksal von Schulden-Märkten entschieden hat, und die Bailouts mussten immer größer werden.“ Diese Abhängigkeit der Finanzmärkte von immer stärkeren Rettungsmaßnahmen hält Reid nicht für negativ.

Das kling negativ, doch in der Realität heißt das für uns, dass die Zentralbanken keine Wahl haben, außer die hohen Unterstützungsmaßnahmen für die Märkte auf absehbare Zeit aufrechtzuerhalten, und Insolvenzen werden künstlich niedriggehalten. Daher bleiben wir optimistisch für 2014.”

Reid ist optimistisch, weil die Zentralbanken im Augenblick „gefangen“ sind und nicht weil das globale Finanzsystem schnell heilen würde. Für 2014 seien sowohl die Schwellenländer als auch die Politik der US-Zentralbank „sehr wichtig“. Entscheidend ist dabei, ob und in welchem Umfang die Federal Reserve ihre monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Krediten (QE) verringert.

Wenn die US-Wirtschaft die einzige auf der Welt wäre, dann könnte man [die Ankäufe] ohne größere Folgen verringern. Doch die Welt ist auf die US-Geldpolitik fixiert, und gewaltige Kapitalflüsse geschehen unter dem Einfluss von QE und der Nullzins-Politik. (…) Wir haben den Verdacht, dass die Fed das globale Monster anerkennen muss, das sie im Verlauf der Jahre mit geschaffen hat.“

Offenbar zweifelt Reid daran, dass die Fed ihre Anleihekäufe tatsächlich zurückfahren wird. Stattdessen könnte der Bailout der Finanzmärkte noch verstärkt werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/05/deutsche-bank-wir-haben-ein-globales-schulden-monster-geschaffen/

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01.02.2014

Notenbanken ruinieren die Weltwirtschaft

Die Krise in den Schwellenländern ist das makroökonomische Äquivalent zur Subprime-Krise.

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Gerade noch rechtzeitig vor dem Zusammenbruch seines monetären Kartenhauses hat Ben Bernanke den Chefposten bei der US-Notenbank Fed geräumt und an Janet Yellen übergeben. Inzwischen reicht bereits ein um monatlich zehn Milliarden Dollar reduziertes Ankaufvolumen von Staats- und Hypothekenanleihen durch die Fed aus, um Schwellenländer in schwere Krisen zu stürzen. Die Währungskrisen in Argentinien, Südafrika, der Türkei und anderen Schwellenländern sind – neben hausgemachten Problemen – im Wesentlichen die direkte Folge einer nur marginal geänderten US-Geldpolitik. Bisher mündete jeder Versuch von Zentralbanken, die zur Krisenbekämpfung neu geschaffene Liquidität wieder einzudämmen, stets in einer neuen Krise. Weil es sich um kumulative Krisen handelt, wird die nächste Krise aber immer noch gefährlicher als die vorherige. Durch neue Liquidität lassen sich die angehäuften Probleme vertagen, aber am Ende kracht es dann umso heftiger.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatten einige Zentralbanker zwar behauptet, die Eurozone hätte ihre Probleme gelöst und die Finanzkrise sei ausgestanden. Doch diese Ansicht zeugt eher von Realitätsverweigerung. So sitzt etwa die britische Regierung fünf Jahre nach dem größten Bail-out in der britischen Geschichte immer noch auf einer Beteiligung von 81 Prozent an der Royal Bank of Scotland. Die Großbank steuert gerade auf den größten Verlust seit 2008 zu.

Analysten rechnen nach Steuern mit einem Minus von acht Milliarden Pfund, davon knapp zwei Milliarden Pfund wegen Rückstellungen für Prozesskosten und Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren (Mortage Backed Securities, MBS) im Volumen von 91 Milliarden Dollar. Andere Großbanken wie etwa die Deutsche Bank, JP Morgan Chase und UBS waren hier ebenfalls dick im Geschäft. Allein die in den Bankbilanzen steckenden MBS-Bestände garantieren die Fortsetzung der Finanzkrise. So liegt in den USA der Wert von jedem fünften Haus unter der Hypothekenschuld. Insgesamt 9,3 Millionen Häuser stehen wertmäßig gar mindestens 25 Prozent unter Wasser. Irgendwann werden diese Hypotheken notleidend und damit auch die MBS.

Zudem startet in den USA gerade eine Neuauflage der Subprime-Krise. Die hohen Verluste aus der Finanzierung von Häusern, die zur Zwangsversteigerung stehen, führten im Schlussquartal 2013 erstmals seit 2011 wieder zu steigenden Verlusten im Hypothekengeschäft. Der Anteil von notleidenden Hypotheken, die mehr als 90 Tagen im Zahlungsverzug stehen, ist zuletzt auf 32 Prozent gestiegen.

„Finally, we forecast that both emerging market and developing economies will sustain strong growth.“

(Olivier Blanchard, Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), 23. Januar 2014)

Wenige Tage nach diesen Worten gingen die Währungen der Schwellenländer auf Crashkurs. Blanchard ist einer der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit. Wie praktisch alle wichtigen Entscheidungsträger in der internationalen Währungs- und Wirtschaftspolitik hat er sein Studium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) abgeschlossen oder hat dort promoviert. Ben Bernanke und Mario Draghi gehören auch zu diesem elitären Zirkel. Nur erscheint das Wissen dieser Experten arg beschränkt.

Die Ironie der Geschichte: Das hohe Wachstum in den Schwellenländern hatte wesentlich dazu beigetragen, die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Weltwirtschaft zu dämpfen. Jetzt sind die Schwellenländer Teil der Finanzkrise. Über Quantitative Easing und jahrelanger Tiefzinspolitik hat der Westen seine Probleme in die Schwellenländer exportiert. In vorderster Front standen dabei die USA. Der Dollar ist die Weltleitwährung und die Fed so gesehen die Zentralbank der Welt.

Nach dem Motto „der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“ hat sich die US-Geldpolitik unter Bernanke trotzdem nur an amerikanischen Interessen orientiert. Das rächt sich jetzt. Über ihre Notenpresse hat die Fed einen Abwertungswettlauf vom Zaun gebrochen mit ungeahnten Folgen. So war die Dollarschwäche von 2010 maßgeblich verantwortlich für die damals steigenden Energie- und Getreidepreise. Diese waren der Auslöser für Unruhen und Umwälzungen in Nordafrika. Der Arabische Frühling war aber nur das Vorspiel für die jetzt anlaufende Krise in den Schwellenländern. Negative Realzinsen in den USA haben den Preis für Kapital nach unten verzerrt und den Dollar geschwächt. Die daraus resultierenden Fehlinvestitionen in den Schwellenländern werden jetzt offensichtlich. Durch den Wertverfall ihrer Währungen und ihren hohen Auslandsschulden stehen sie jetzt vor einer Kreditkrise ungeahnten Ausmaßes. Und den Banken droht erneut gewaltiger Abschreibungsbedarf. Allein in der Türkei stehen ausländische Banken mit mehr als 350 Milliarden Dollar im Feuer. Für die Weltwirtschaft sind die Schwellenländer heute das, was 2007/2008 die „subprime„ finanzierten Hauskäufe für den US-Immobilienmarkt waren – das schwächste Glied einer reißenden Kette.

Wie 2008 hat die deutsche Politik den Schuss wieder nicht gehört. Der Luxus einer Rente mit 63 mag kommen, aber nur für kurze Zeit. Einer der größten Verlierer der Finanzkrise von 2008 war die Eurozone, einschließlich Deutschland. Laut überschlägigen Berechnungen der DZ Bank summierten sich allein die Wohlstandsverluste aus den tieferen Wachstumsraten bis Ende 2011 auf 496 Milliarden Euro für Deutschland und 2760 Milliarden Euro für den Rest der Eurozone. Dazu kommt noch der durch die Finanzkrise beschleunigte Anstieg der Staatsverschuldung. An den Staatsschulden der gesamten Eurozone hat sich Deutschland inzwischen über die Haftungs- und Transferunion beteiligt. Die finale Krise wird deshalb auch die Bonität Deutschlands ruinieren – zwangsläufig.

http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/finanzmaerkte-notenbanken-ruinieren-die-weltwirtschaft-seite-all/9417552-all.html

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21.11.2013

Alle sind Gewinner – Mist glänzt wie Gold dank „Bernankecare“

Carl Giannone hat es aufgegeben, nach Qualitätsaktien zu suchen. Er macht sich nun einfach die Aufwärtsdynamik am US-Markt zunutze.

Es ist wie bei der Reise nach Jerusalem”, sagt Giannone, der mit seinem Team Aktien für das Portfolio von T3 Trading Group LLC in New York auswählt. “Man will nur sicherstellen, dass man sich am Ende hinsetzen kann.”

Im nächsten Monat jährt es sich bereits zum fünften Mal, dass die Federal Reserve die Leitzinsen auf ein Niveau nahe Null gesenkt hat. Das ist der längste Zeitraum ohne Erhöhungen in der Geschichte. Zusammen mit mehr als 3 Billionen Dollar an Anleihekäufen haben wir “Bernankecare”, sagt Joshua Brown, Chief Executive Officer von Ritholtz Wealth Management in New York.

Dieses Phänomen hat dazu geführt, dass sich einige Bereiche des Marktes seltsam verhalten. Die Kurse von Unternehmen mit schwachen Bilanzen steigen doppelt so stark wie diejenigen von deutlich stärkeren. Kreditnehmer, deren Bonität mit “Ramsch” eingeschätzt wird, erhalten mittlerweile Darlehen zu Zinsen, die niedriger sind als die von Investment-Grade-Schuldnern vor der Kreditkrise. Und Börsenneulinge verdoppeln ihren Kurs am ersten Handelstag.

Auch wenn sie noch in der Minderheit sind, warnen einige Investoren bereits davor, dass die Kurse so stark geklettert sind, dass das bittere Ende bereits absehbar ist. Im Interview mit Bloomberg Television am 12. November erklärte Laurence Fink, der Konzernchef von BlackRock Inc., er fürchte eine Blasenbildung. Er forderte die Fed auf, aus ihrem Bondkauf- Programm auszusteigen.

Irgendwann werden wir den Preis dafür zahlen müssen”, sagt Michael Shaoul, Vorstandschef von Marketfield Asset Management LLC in New York. Er warnt unter anderem vor “höherer Inflation, steigenden Zinsen und deutlich schwierigeren Geschäftsbedingungen”. Aber damit habe es noch eine Weile Zeit. “Ich wäre sehr erstaunt, wenn dieser Bullenmarkt weniger als 18 Monate anhalten würde – vielleicht hält er sogar 36.”

Der Standard & Poor’s 500 Index ist in diesem Jahr um 26 Prozent hochgeschnellt und steuert auf sein stärkstes Jahresplus in einem Jahrzehnt zu.

Die breiteste Rally seit zwei Jahrzehnten

Am Aktienmarkt steigt fast alles, und das bereitet Jamie Potkul, Chief Investment Officer des Bread & Butter Fund, Sorgen. Etwa 450 der S&P-500-Mitglieder haben in diesem Jahr Gewinne verzeichnet, womit wir die breiteste Rally seit mindestens zwei Jahrzehnten erleben. Damit bleiben Investoren weniger Kaufgelegenheiten als während der Technologieblase des Jahres 2000, sagt Potkul.

Gleichzeitig sind die Bewertungen ausgerechnet bei solchen Unternehmen am höchsten, die Schwierigkeiten haben, beständige Gewinne einzufahren. Amazon.com Inc. wird etwa zum 1300fachen des berichteten Gewinns gehandelt. Netflix Inc. wird mit dem 197fachen des Gewinns bewertet und bei Consol Energy Inc. beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 104.

Ein Index von Goldman Sachs, der sich aus Unternehmen mit schwachen Bilanzen zusammensetzt, hat in diesem Jahr 42 Prozent zugelegt. Der Anstieg ist fast doppelt so stark wie bei kreditwürdigeren Unternehmen. Die Bank verwendet eine Formel, die ursprünglich entwickelt wurde, um Insolvenzen vorauszusagen.

 

Der Index mit 52 Firmen mit schwacher Bilanz umfasst unter anderem:

— Tenet Healthcare Corp., das Unternehmen mit der höchsten Verschuldungsquote unter den Gesundheitskonzernen im S&P-Index. Die Titel haben 2013 rund 29 Prozent zugelegt und seit Beginn des Bullenmarktes um März 2009 sogar mehr als 1000 Prozent.

— Micron Technology Inc. hat seine Verschuldung seit 2011 mehr als verdreifacht auf das Zehnfache des jährlichen freien Cash-Flows.

— Hewlett-Packard Co. hat die Gesamtverschuldung seit 2007 verdreifacht, während die Gewinne gleich blieben. Ende letzten Jahres rieten nur drei von 36 Analysten, die Aktien zu kaufen – sie hat 2013 um 75 Prozent zugelegt.

Die Analyse verlagert sich irgendwann von Fundamentaldaten hinzu der schlichten Kursentwicklung der Aktie”, sagt Michael Purves, Chief Global Strategist bei Weeden & Co. in Greenwich, Connecticut.

Die Freigebigkeit der Fed habe einigen unterdurchschnittlichen Unternehmen das Leben gerettet, sagt Bonnie Baha, Leiterin Global Developed Credit bei DoubleLine Capital LP in Los Angeles. Avon Products Inc., RadioShack Corp. und J.C. Penney Co. hätten ohne günstige Kredite und den Schubs, den ihre Kurse dank Bernanke erhalten haben, nie überlebt, erläutert sie.

Mit der Null-Zins-Politik werden Rahmenbedingungen geschaffen, in denen jeder ein Gewinner sein kann”, sagt Baha. “Wir hatten jetzt fünf Jahre lang eine staatliche Politik, dank der Unternehmen gediehen sind, die auf dem freien Markt Pleite gegangen wären.”

http://www.format.at/articles/1347/929/369697/alle-gewinner-mist-gold-bernankecare

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20.11.2013

Zentralbanker gesteht: Geld-Drucken ist Umverteilung für die Reichen

Der ehemalige Fed-Banker, Andrew Huszar, gesteht: Das Fed-Programm „Quantitative Lockerung“ ist der größte Bail-Out für die Banken in der Geschichte der USA. Das Programm habe nur den Banken genutzt und die Wirtschaft nicht nennenswert gestärkt. Zudem kontrolliere nun ein kleines Kartell an Banken den größten Teil der Vermögenswerte.

Der ehemalige Banker der Federal Reserve Bank (Fed) Andrew Huszar entschuldigte sich in einer Kolumne des Wall Street Journal für die Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank, an der er maßgeblich beteiligt war. Diese habe nicht dem Volk und der Realwirtschaft gedient, sondern lediglich die Banken gestärkt. Huszar bezeichnete das als „Quantitative Lockerung“ bekannte Programm der Fed als „größten Bail-Out durch die Hintertür der Wall Street in der Geschichte“. In Folge dieses Programms würde nun ein kleines Kartell von Banken den Großteil der Vermögenswerte in den USA kontrollieren.

In diesem Monat vor fünf Jahren, an einem ‚Schwarzen Freitag‘, startete die Fed eine nie da gewesene Einkaufstour“, schreibt Huszar.

Im Zuge der „Quantitativen Lockerung“ (QE) wurden für mehrere Milliarden US-Dollar im Monat Hypotheken-Papiere und amerikanische Staatsanleihen aufgekauft, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Im September 2012 verkündete die Fed die dritte Runde des Programms (QE3). Inzwischen kauft sie monatlich für 40 Milliarden US-Dollar Hypotheken-Papiere und Staatsanleihen im Wert von 45 Milliarden US-Dollar auf. Insgesamt hat die Fed dadurch bisher mehr als vier Billionen US-Dollar auf den Finanzmarkt geworfen. Dies stellt den größten Eingriff in die Finanzwirtschaft in der Geschichte dar.

Die Fed sagte, sie wolle helfen – mit einem neuen Programm zum massiven Aufkauf von Staatsanleihen. Es gab zweitrangige Ziele, aber der Vorsitzende Ben Bernanke machte klar, dass die zentrale Motivation der Fed sei, die ‚Kreditbedingungen für Haushalte und Unternehmen zu beeinflussen‘: Die Kreditkosten zu drücken, sodass mehr Amerikaner, die unter der Wirtschaftskrise leiden, diese nutzen könnten, um den Abschwung abzumildern. Aus diesem Grund nannte er die Initiative ursprünglich ‚Kredit Lockerung‘.“, so Huszar.

Andrew Huszar hatte bis 2008 bereits sieben Jahre lang für die Fed gearbeitet und war danach zu Morgan Stanley an die Wall Street gewechselt. Im Frühjahr 2009 bat man ihn zur Fed zurückzukehren, um das Kernstück des Programms – den Aufkauf von Hypotheken-Papieren im Wert von 1,25 Billionen US-Dollar binnen 12 Monaten – umzusetzen.

Bis dahin hatte die Fed noch nie in ihrer fast 100-jährigen Geschichte auch nur ein Hypotheken-Papier aufgekauft. Während des Programms kaufte die Fed jeden Tag so viele davon, dass sie riskierte die Preise in die Höhe zu treiben und das Vertrauen der Märkte zu verspielen.

Wir arbeiteten fieberhaft daran, den Eindruck aufrecht zu halten, dass die Fed wüsste was sie tut.“

Doch die erhofften Effekte auf die Kreditkosten blieben aus. Die Banken investierten das billige Geld direkt in den Aktienmarkt statt es an die Wirtschaft weiterzureichen.

Trotz der Rhetorik der Fed, half mein Programm nicht dabei Kredite für den amerikanischen Durchschnittsbürger leichter verfügbar zu machen. Die Banken haben immer weniger Kredite vergeben. Und die Kredite, die sie bewilligten, waren nicht günstiger als zuvor. QE mag die Kosten zur Kreditbereitstellung für Banken gedrückt haben, aber das zusätzliche Geld hat sich die Wall Street in die eigene Tasche gesteckt.“, so Huszar weiter.

Die Banken hätten nicht nur durch die gesunkenen Kreditkosten profitiert, sondern auch durch die gestiegenen Werte ihrer Sicherheiten und durch die Kommissionen, die sie an der Abwicklung der Fed-Transaktionen verdienten.

Im Jahr 2009 hatte die Wall Street dadurch ihr profitabelstes Jahr in ihrer gesamten Geschichte.

Neben Huszar hätten auch andere Fed-Mitarbeiter zunehmend Zweifel an der Wirksamkeit von QE geäußert, doch ihre Apelle stießen auf taube Ohren. Stattdessen schauten die FED-Chefs nur auf die neuesten Finanzmarktdaten und warteten auf die aktuellsten Gespräche mit den Chefs der Banken und Hedge-Fonds. Die Auswirkungen von QE auf die Realwirtschaft blieben bis heute weit unter den Erwartungen.

Selbst die sonnigsten Berechnungen der Fed kommen zu dem Schluss, dass das aggressive, 5-jährige QE Programm nur ein paar Prozentpunkte Wirtschaftswachstum generiert hat. Im Gegensatz dazu meinen externe Experten, wie Mohammed El Erian von Pimco, das die von der Fed kreierten 4 Billionen US-Dollar nur einen Effekt von 0,25 Prozent Zuwachs des BIPs zur Folge hatte. Beide diese Aussagen legen nahe, dass QE nicht wirklich funktioniert.”, so Huszar.

Nur für die Wall Street Banken hätte sich QE wirklich gelohnt. Diese hätten ihren gemeinsamen Aktienkurs seit März 2009 fast verdreifacht. Darüber hinaus würden nun 0,2 Prozent der Banken über 70 Prozent der Vermögenswerte kontrollieren. Als Folge der ultra-lockeren Geldpolitik der Fed sind die weltweiten Aktienmärkte künstlich aufgebläht. Während die Realwirtschaft in den USA und Europa durch eine Rezession geht, eilen DAX und DOW von einem Allzeit-Hoch zum nächsten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Blase platzt (hier).

Das einst als vorläufig gestartete Programm QE läuft noch immer und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Nachfolgerin von Fed-Chef Ben Bernanke, Janet Yellen, wird aller Voraussicht nach den derzeitigen Kurs fortsetzen (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/20/zentralbanker-gesteht-geld-drucken-ist-umverteilung-fuer-die-reichen/

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15.11.2013

Der Zins-Hammer kostet Europas Sparer 120.000.000.000 Euro

Während Sparer unter den künstlich niedrig gehaltenen Zinsen leiden, freuen sich die Staaten. 1,6 Billionen Dollar haben die Notenbanken ihnen bereits weltweit zugeschanzt, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Größter Profiteur sind die USA.

Die großen Notenbanken haben ihre schärfsten Waffen gezückt, um der Finanzkrise Herr zu werden. Seit 2007 kaufen sie Staatsanleihen in großem Stil und halten die Leitzinsen nahe der Null-Prozent-Marke.
Diese Maßnahmen haben zwar die Weltwirtschaft vorerst stabilisiert -doch bluten müssen dafür die privaten Haushalte: mit dreistelligen Milliarden-beträgen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey hervor. FOCUS Online nennt die Verlierer und die Gewinner der lockeren Geldpolitik der Notenbanken.

Haushalte verlieren 630 Milliarden

Der mit Abstand größte Verlierer sind die privaten Haushalte. Innerhalb der Eurozone entgingen Sparern von 2007 bis 2012 netto 160 Milliarden Dollar an Zinsen, das sind umgerechnet 120 Milliarden Euro. Berechnet wurde diese Zahl aus den Zinserträgen auf Guthaben abzüglich der Ausgaben für Kredite. In den USA entgingen den Anlegern sogar 360 Milliarden Dollar, allein in Großbritannien weitere 110 Milliarden Dollar.

Damit addieren sich die Zinserträge in Europa, Großbritannien und den USA zusammen auf 630 Milliarden Dollar. Das entspricht fast dem Doppelten des deutschen Bundeshaushalts für 2013.

1,6 Billionen Dollar für Merkel, Obama und Cameron

Von der Geldpolitik der Notenbanken haben die Regierungen der drei Währungsräume massiv profitiert – und das gleich doppelt. Wegen niedriger Zinsen und der Anleihekäufe der Zentralbanken können sich viele Staaten so günstig verschulden wie noch nie.

Die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen beispielsweise sank seit 2008 von über 4,5 Prozent auf unter 1,5 Prozent im laufenden Jahr. McKinsey hat ausgerechnet, das Deutschland und seine Euro-Partner dank der Notenbank-Maßnahmen 360 Milliarden Dollar an Zinszahlungensparten , die USA sogar 900 Milliarden Dollar und Großbritannien 120 Milliarden Dollar. Macht in Summe eine Ersparnis von 1380 Milliarden Dollar. Mittlerweile liegen 20 Prozent der gesamten Staatsschulden der USA bei der US-Notenbank Fed, schreiben die McKinsey-Autoren.

Außerdem überwiesen die Notenbanken laut der Studie zwischen 2007 und 2012 weitere 200 Milliarden Dollar an Gewinnen an die Staatskassen, die es unter einer herkömmlichen Geldpolitik nicht gegeben hätte. Da die Zentralbanken ihre Bilanzen mit Anleihekäufen aufblähten, stiegen ihre Erträge und damit der Anteil der Staaten an diesen. Somit profitieren die Regierungen der drei Währungsräume insgesamt sogar mit knapp 1,6 Billionen Dollar von der lockeren Geldpolitik.

Doch dieser Effekt kann sich auch umkehren: Sollten die Zentralbanken ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit wieder straffen, wäre die Zinsparty schnell vorüber. Würde die Rendite von US-Staatsanleihen wieder um drei Prozent steigen, wächst die jährliche Zinslast auf 75 Milliarden Dollar – das sind 23 Prozent mehr als derzeit.

Wirtschaft lacht sich ins Fäustchen

Auch die Unternehmen, abgesehen von der Finanzbranche, freuen sich über die niedrigen Zinsen. Diese reduzieren auch ihre Kosten für den Schuldendienst und erlauben es Konzernen, sich günstig neu zu verschulden. Im Euroraum ersparten sich die Unternehmen in den vergangenen Jahren auf diese Weise 280 Milliarden Dollar Darlehenszinsen. Unternehmen in den USA und Großbritannien miteingerechnet, ergibt sich eine Ersparnis von 710 Milliarden Dollar.
Die Notenbanken haben praktisch eine Umverteilung von den Sparern zu Regierungen und Unternehmen in Gang gesetzt.

Etwas überraschend zählt die Finanzbranche zu den Verlierern der lockeren Geldpolitik. In den drei Währungsräumen entgingen ihr Nettozinseinkünfte (Zinseinnahmen abzüglich Zinszahlungen) in einer Höhe von 120 Milliarden Dollar. Zwischen den USA und dem Euroraum bestehen jedoch große Unterschiede.
Während Banken in Amerika mit 150 Milliarden Euro profitierten, weil Zinsen auf Anlangen dort schneller sanken als Kreditzinsen, entgingen den Geldinstituten in Euro-Land 230 Milliarden Dollar. Die Briten kamen mit einem Verlust von 40 Milliarden Dollar davon.

Lebensversicherer kämpfen ums Überleben

Ein weiterer Verlierer sind Lebensversicherer, die Policen mit Garantiezins anbieten – sie sitzen vermehrt in Europa. In Deutschland sind solche Policen das Standardprodukt. 80 Prozent der Bundesbürger, die mittels Lebensversicherungen für das Alter vorsorgen, haben für Garantie-Verträge entschieden, schreiben die McKinsey-Experten.

Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen fällt es den Versicherern zunehmend schwerer, den Garantiezins mit ihren Anlagen zu erwirtschaften. Ein großes Problem: Die Verträge laufen in der Regel über 40 bis 50 Jahre. Zudem können sie Neukunden nur noch relativ geringe Garantiezinsen bieten. Diese werden, sofern sie erwarten, dass die Zinsen bald wieder steigen, lieber mit einem Vertragsabschluss warten. Die Lebensversicherer befinden sich damit in einem Teufelskreis, aus dem sie wohl erst herauskommen, wenn die Notenbanken ihre lockere Geldpolitik beenden.

Der gesamten Versicherungsbranche hat laut McKinsey-Berechnungen im Euroraum Nettozinseinkünfte von 120 Milliarden Dollar flögen. In den USA waren es mit 270 Milliarden Dollar sogar mehr als doppelt so viel und in Großbritannien 60 Milliarden Dollar.

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-34688/mckinsey-studie-enthuellt-zinssenkungen-kosten-europas-sparer-160-milliarden-dollar_aid_1159591.html

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13.11.2013

Eine neue Runde in den Währungskriegen

Die globale Wirtschaft steht vor einer neuen Runde von Währungskriegen. Zu solch einem Schluss sind die Experten vor dem Hintergrund der jüngsten Nachrichten von den Leitbanken gekommen.

Zu Währungskrisen zu greifen, zwingen die tröstliche Statistik und eine weitere Prognose des Internationalen Währungsfonds. Laut seinen Einschätzungen verlangsamt sich das Tempo des globalen Wirtschaftswachstums, die Inflation in den Industriestaaten liegt unter dem Komfortniveau. Vor diesem Hintergrund werden die Investitionen nicht mehr attraktiv. Um die Statistik zu verbessern, hat die EZB beschlossen, die monetäre Politik zu mildern, weil der Euro gegenüber dem Dollar stark gestiegen ist. Es kommentiert der Experte des Unternehmens „Alpha Forex“, Andrej Dirgin.

„Der jüngste Beschluss der EZB über die Senkung des Leitzinses im Euro-Raum auf das Rekordtief von 0,25 Prozent rief eine neue Runde der Diskussionen hervor, dass die Leitbanken der führenden Industriestaaten auf die Senkung der Leitzinssätze eingehen, was eben zu Währungskriegen führen kann. Die EZB ist teilweise darauf eingegangen, um die Exporte aus Europa anzukurbeln.“

Der EZB schlossen sich auch andere Leitbanken an. Die erste von ihnen ist die Zentralbank Neuseelands. Der Regulator deutete an, dass er mit der Erhöhung des Zinssatzes etwas abwarten wird. Grund dafür ist der zu hohe Kurs der nationalen Währung. Mit derselben Warnung sind auch die monetären Behörden Australiens aufgetreten. Auch die Behörden Tschechiens haben die Überprüfung ihrer monetären Politik angekündigt. All das könnte zu neuen Risiken führen, warnt der Direktor des analytischen Departements der Investitions-und-Finanzgruppe „Metropol“, Mark Rubinstein.

„Ständig sehen wir, wie in verschiedenen Teilen der Welt Währungskriege ausbrechen. Das ist in erster Linie mit den inneren Disproportionen verbunden, die in verschiedenen Wirtschaftsregionen der Welt entstehen. Währungskriege als Mittel wurden immer angewandt, und man wird es auch weiter tun.“

Indem die Experten über die globalen Folgen sprechen, betonen sie, dass die aggressiven Spiele mit den Währungskursen zu anderen Risiken führen können, darunter zu politischen, sagt Andrej Dirgin.

„Washington deutet den EU-Staaten, darunter Deutschland, an, dass die Schwächung des Euro für die Aufstockung der Exporte eine ziemlich unselige Praxis ist. Europa erwidert, dass das während der langsamen Belebung der Wirtschaft ein Heilmittel ist. Ein billigerer Euro könne die europäische Wirtschaft ankurbeln.“

Die Schwächung einer Währung bedeutet gleichzeitig die Stärkung der anderen. Dieser Prozess könnte eine Kettenreaktion auslösen. Die Handlungen einiger Staaten zur Senkung des Wechselkurses der nationalen Währungen können zu Gegenschritten anderer Staaten führen, was ihrerseits zur Senkung des internationalen Handels führen kann, wie es in den Zeiten der Großen Depression der Fall war. Das könnte sogar zum Zusammenbruch des Währungssystems führen, das ab 1944 bis zum Beginn der 1970er Jahre funktionierte. Damals hatten die USA den Dollar abgewertet und auf die Anbindung an Gold verzichtet.
http://german.ruvr.ru/2013_11_13/Eine-neue-Runde-der-Wahrungskriege-5628/

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25.10.2013

Britische Zentralbank öffnet die Geldschleusen

Die Politik des billigen Geldes hat auch in London ihre Anhänger: Der Chef der Bank of England verspricht mehr Liquidität für die britischen Geldhäuser – und hat damit auch China im Blick. Von Nina Trentmann, London

Mark Carney hat ein Händchen für gutes Timing. Der Gouverneur der Bank of England, der britischen Zentralbank, wählte am Donnerstag Abend in London die prunkvolle Feier zum 125. Geburtstag der „Financial Times“, um weitreichende Reformen bei der Liquiditätsversorgung für Banken anzukündigen.

Wie die Bank of England ist die „Financial Times“ eine Londoner Institution, sie ist aus der britischen Finanzwelt nicht mehr wegzudenken: „Als die ‚Financial Times‘ 1888 ihr Geschäft aufnahm, war London das weltweit führende Finanzzentrum“, sagte Carney. Das solle auch so bleiben.

Doch damit London im Wettbewerb mit anderen Finanzstandorten der Welt besteht, müssen die britischen Banken dem Zentralbankchef zufolge noch widerstandsfähiger werden. Das bedeutet, dass Banken im Vereinigten Königreich in Zukunft mehr „collateral“, also Sicherheiten, vorweisen müssen und dass die Bank of England die Geldhäuser im Notfall leichter mit Liquidität versorgt.

Wachsende Risiken

Die Zentralbank will auf Dauer nicht mehr nur Banken, sondern auch Makler und Händler mit Kapital ausstatten. „Wir sind offen für Geschäfte“, sagte der Gouverneur. Aus dem Grund will Mark Carney schon bald mehr Kapital in ausländischen Währungen zur Verfügung stellen – unter anderem in chinesischem Renminbi.

Carney kommt dabei mit seinen Reformen den Forderungen nach mehr Stabilität und Transparenz im britischen Bankensektor nach – Forderungen, die sowohl auf europäischer Ebene als auch im Kreis der G20 formuliert worden waren. „Das Vereinigte Königreich kann keine Standards mehr diktieren, anders als in den frühen Tagen der ‚Financial Times'“, sagte Carney.

„Wir sind schmerzhaft daran erinnert worden, dass eine Spezialisierung auf Finanzdienstleistungen Risiken birgt. Diese Risiken werden wachsen, wenn wir Banken und Märkte nicht auf eine solidere Grundlage stellen.“ Carney sprach damit das „too big too fail“-Problem an.

Banken bekommen länger und günstiger Geld

„Der britische Staat kann nicht hinter einem Banksystem stehen, das schon heute größer ist als die Volkswirtschaft des ganzen Landes“, sagte Carney. Bis zum G20-Gipfel in Brisbane will er die auf dem Vorgängergipfel in St. Petersburg vereinbarten Änderungen im britischen Bankensektor verankern.

Der Finanzstabilitätsrat FSB verlangt von den Banken unter anderem mehr Rücklagen und eine zentrale Clearing-Stelle für Derivate-Geschäfte, mehr Sicherheiten für außerbörslichen Handel und einen Plan für den Umgang mit Rückkaufvereinbarungen, den so genannten „repo transactions“. „Die Kombination dieser Reformen und der Erfahrungen aus der Krise bedeuten, dass Finanzinstitutionen mehr Rücklagen brauchen und diese besser managen müssen“, sagte Carney. Sie sollten von der Zentralbank „so viel Sicherheit wie möglich erhalten“, damit sie richtig einschätzen, zu welchen Konditionen sie sich im Notfall mit Liquidität versorgen können.

Die „Discount Window Facility“ der Zentralbank nimmt in diesem Fall weniger liquide Rücklagen entgegen und versorgt die Banken im Gegenzug mit liquiden Mitteln. Für diesen Dienst verlangt die Bank of England eine Gebühr, die nun gesenkt wurde, so dass mehr Banken im Notfall auf die Kapitalversorgung durch die Zentralbank zurückgreifen können. Diese Veränderungen im „liquidity insurance toolkit“ geben den Banken die Möglichkeit, sich länger und günstiger Geld zu leihen, auch sollen mehr Finanzinstitutionen als vorher in den Genuss dieses Kapitals kommen.

Kapital nicht nur in Sterling

„Wir bieten Geld und Rücklagen für einen längeren Zeitraum an“, sagte Zentralbank-Chef Carney, „es wird billiger werden, unsere Dienste zu nutzen. In einigen Fällen reduzieren wir die Gebühren um mehr als die Hälfte.“ Im Notfall will die Zentralbank zusätzliche Auktionen für Rückkaufvereinbarungen abhalten, um „viel billiges Geld zur Verfügung zu stellen“.

In den kommenden Monaten will die Bank außerdem untersuchen, inwieweit Makler und Händler an Zentralbank-Gelder kommen sollen. „Unsere Verantwortung für finanzielle Stabilität reicht deutlich über den Bankensektor hinaus“, sagte Mark Carney. „Wir überlegen, unsere Dienste auch auf andere Finanzmarktanbieter auszuweiten.“

Carney denkt sogar noch weiter: Langfristig soll die Zentralbank Kapital auch in anderen Währungen als nur Sterling bereitstellen. „Das Netzwerk an Währungsgeschäften sollte nicht auf die G7 beschränkt sein“, sagte Carney und spricht damit das jüngste Swap-Abkommen an, das die Bank of England im Juni mit der chinesischen Zentralbank schloss.

Eine Clearingstelle für den Handel mit Renminbi, der chinesischen Währung, sowie eine Öffnung der britischen Finanzwirtschaft für chinesischen Privatkundenbanken sollen mehr chinesisch-britische Transaktionen nach London holen, die Stadt will ihre Position als größten Handelsplatz für außerchinesischen RMB-Handel ausbauen. „Die Internationalisierung des RMB geschieht zum Wohl der Welt und passt zu Londons historischer Rolle“, sagte Carney.

http://www.welt.de/wirtschaft/article121226946/Britische-Zentralbank-oeffnet-die-Geldschleusen.html

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10.04.2013

IWF fordert Zentralbanken zum Gelddrucken auf

Die zusätzlichen Milliarden, die die Zentralbanken in den Markt pumpen, haben angeblich keinen Einfluss auf die Inflation. Der IWF plädiert dafür, die Geldschwemme fortzusetzen. Der globale Währungskrieg wird einfach ignoriert.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in einer eigens angefertigten Analyse festgestellt, dass die expansive Geldpolitik der Fed keine nennenswerten Auswirkungen auf die Entwicklung der Inflation habe, berichtet der Telegraph. Der Wirtschaftsbericht des IWF belege zudem, dass der Zusammenhang zwischen steigender Arbeitslosigkeit und steigender Inflation in den letzten Jahrzehnten schwächer geworden sei.

Diese Einstellung kommt überraschend: Spekulationen zufolge soll die Fed im Laufe des Jahres mit dem Gelddrucken aufhören. Die Stellungnahme des IWF erscheint in dieser Hinsicht als ein Versuch, solche Gerüchte im Keim zu ersticken. Die „Unabhängigkeit der Zentralbanken und eine Verpflichtung für Preisstabilität“ seien die besten Mittel, um Inflation zu verhindern. Nicht nur in den USA, sondern auch seit der Schuldenkrise in der Euro-Zone ist jedoch klar, dass die Zentralbanken dazu benutzt werden, den Staat zu finanzieren. Die Ära der unabhängigen Zentralbanken ist definitiv vorbei (mehr dazu von Jürgen Stark – hier).

Im Wirtschaftsbericht des IWF heißt es weiter:

Jede zeitweise Überstimulation der Wirtschaft – vielleicht entstanden durch Fehlinterpretationen hinsichtlich der Größe der Finanzlücken – hat wahrscheinlich nur kleine Auswirkungen auf die Inflation.“

Diese Einschätzung scheinen die Zentralbanken zu teilen. China, Japan und Großbritannien versuchen ebenso, durch Finanzspritzen von den Zentralbanken die Wirtschaft anzukurbeln. In dieser Hinsicht befindet sich die ganze Welt in einem Währungskrieg, indem jeder Staat den Abwertungsdruck auf den anderen erhöht (hier).

In China gehen Experten jedoch davon aus, dass das zusätzliche Geld innerhalb weniger Tage Europa erreicht. Die Chinesen investieren in die Schulden der europäischen Staaten. Sobald das geschieht, rechnet die Rating-Agentur Fitch damit, dass die chinesische Währung an Wert verliert und die Preise in der Folge steigen werden (hier).

Der IWF bleibt jedoch dabei: Vorsitzende Christine Lagarde bezeichnet die Geldschwemme in Japan als „willkommenen Schritt“. Allerdings relativiert sie ihre Aussage, indem sie hinzufügt, dass es „eine Grenze gibt, bis zu der Geldpolitik effektiv den Löwenanteil“ der Wirtschaftsimpulse schultern könne. Japan hat angekündigt, seine Währung absichtlich in die Inflation zu treiben, um wieder stärker vom eigenen Exportsektor profitieren zu können. Die Chinesen fordern dagegen Vergeltung (mehr hier). Der IWF verschließt die Augen vor diesem globalen Währungskrieg.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/10/iwf-geldschwemme-soll-fortgesetzt-werden/

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08.04.2013

Währungskrieg eskaliert: Chinas Ökonomen fordern Vergeltung gegen Japan

Führende chinesische Ökonomen sind aufgebracht, dass die Japaner eine massive Abwertungs-Politik betreiben. Sie fordern von der chinesischen Zentralbank Vergeltungs-Maßnahmen. Der japanische Finanzminister fürchtet einen Abverkauf auf dem japanischen Bond-Markt. IWF-Chefin Lagarde sieht die Entwicklung dagegen sehr positiv.

Die einzigartige Gelddruck-Aktion der Japaner sorgt in China für Empörung. In einem Bericht des South China Morning Post heißt es: „Viele der führenden Ökonomen Chinas sind aufgebracht über die effektive Abwertung der japanischen Währung. Sie fordern die chinesische Notenbank auf, in einem Vergeltungsschlag den chinesischen Yuan abzuwerten, um sich in einem neuen Währungskrieg zu verteidigen.“ Die South China Morning Post zitiert einen Banker, der von „Erpressung“ seitens der Japaner spricht. Die Zentralbank solle Dollar kaufen, um den Yuan zu schwächen, damit die chinesischen Exporte wettbewerbsfähig bleiben. Die Zeitung befürchtet einen Kollaps für die ganze Region, wenn der Währungskrieg an Schärfe zunimmt.

Der japanische Finanzminister fürchtet, dass die Abwertung des Yen zu schweren Verlusten bei den Inhabern von japanischen Staatsanleihen führen könnte. Das Ministerium erwartet einen Abverkauf, sollten die militanten Maßnahmen der Bank of Japan zu weiteren Ausschlägen nach unten führen. Betroffen wären davon vor allem japanische Investoren, weil die japanischen Staatsanleihen vor allem von Japanern gehalten werden.

Dies hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Renten der Japaner: Der Hedge-Fonds-Manager Kyle Bass sagte auf einer Konferenz in Florida, dass die Japaner durch die aktuelle Geldpolitik bis zur Hälfte ihrer Lebens-Ersparnisse verlieren könnten. Seine Darstellung in einem Interview sind erhellend, weil sie zeigen: Wenn die Geldpolitik derart außer Kontrolle gerät wie in Japan, dann gibt es keinen Ausweg für die Bevölkerung. Das soziale Gefüge in Japan werde auseinanderbrechen, meint Bass.

Weil die Krise in Japan, wie von Jeff Gundlach zu Jahresbeginn präzise vorhergesagt (hier), eine Blaupause für den globalen Bond-Markt darstellt, lohnt es sich das Video (am Ende des Artikels) auch aus deutscher Sicht anzusehen.

IWF-Chefin Christine Lagarde dagegen lobt das zwanglose Gelddrucken der Japaner. Am Rande einer Konferenz in China sagte Lagarde, die „unkonventionellen Maßnahmen“ seien ein „willkommener Schritt in die richtige Richtung“. Die globale Wirtschaft sehe heute besser aus als noch vor einem Jahr.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/08/waehrungskrieg-eskaliert-chinas-oekonomen-fordern-vergeltung-gegen-japan/

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26.02.2013

Währungskrieg eskaliert: Frankreich fordert EZB auf, den Euro-Kurs zu drücken

Der französische Industrieminister fordert von der EZB das Anwerfen der Druckerpresse zur Finanzierung von Staatsschulden. Die Schulden müssen weginflationiert werden, anders sei das Problem nicht zu beheben. Das Beste, was Europa passieren könne, sei ein schwacher Euro.

Arnaud Montebourg, der französische Tourismus-Minister Minister für wirtschaftliche Erholung, forderte am Dienstag einen schwächeren Euro. Die Rolle der EZB solle neu interpretiert werden, zitiert ihn das Wall Street Journal. Sowohl die G7 als auch die G20 hatten Mitte Februar zugesagt, von Wechselkurs-Manipulationen Abstand zu nehmen. Doch mit den Äußerungen aus Frankreich flammt der internationale Währungskrieg nun erneut auf. Die Staatengemeinschaft hatte noch vor zwei Wochen bestritten, dass es überhaupt einen Währungskrieg äbe (hier).

Ich bin für einen weniger starken Euro“, sagte Montebourg. Zudem sei es eine „gute Nachricht“, dass der Eurokurs kürzlich gesunken ist. Seit Anfang Februar ist der Eurokurs von bis zu 1,37 Dollar auf 1,31 Dollar zurückgefallen. „Ich bin sehr froh, [die Abschwächung] muss weitergehen“, sagte Montebourg.

Um eine Abschwächung des Euro zu erreichen, müsse die Rolle der EZB überdacht werden. Die Notenbank könne innerhalb der europäischen Verträge pragmatischer und weniger dogmatisch agieren, sagte Montebourg. Sie sollte Staatsschulden finanzieren, wie das andere Zentralbanken auch tun.

Der Chef der Bundesbank Jens Weidmann forderte Frankreich auf, ihre öffentlichen Finanzen in Ordnung zu bringen (mehr hier). Diese Notwendigkeit erkennt auch Montebourg an. Doch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen allein reichten nicht aus, sagte der Minister. Auch die Finanzierung der Staatsschulden durch Gelddrucken müsse ein Teil der Lösung sein. Das Problem sei schließlich nicht von den Staaten, sondern durch die Fehler der Finanzwirtschaft und durch die mangelhafte Bankenaufsicht bei der EZB verursacht worden, sagte Montebourg.

Bisher hat EZB-Chef Mario Draghi nur damit gedroht, Staatsschulden direkt über das Anleihekaufprogramm (OMT) zu finanzieren. Doch mit den erneuten Forderungen aus Frankreich wächst der Druck auf Draghi, auch Taten folgen zu lassen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/26/waehrungskrieg-eskaliert-frankreich-fordert-ezb-auf-den-euro-kurs-zu-druecken/

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21.02.2013

Währungskrieg verschärft: Briten drucken wie verrückt, das Pfund schmiert ab

Das britische Pfund ist im Vergleich zum Euro so schwach wie seit 2011 nicht mehr. Diesen Niedergang der britischen Währung hat Zentralbank-Chef Mervyn King jetzt noch beschleunigt. Denn er macht sich persönlich für eine Beschleunigung des Gelddruckens in Großbritannien stark.

Für einen Euro erhält man derzeit 0,87 Pfund. So schwach war die britische Währung gegenüber dem Euro seit anderthalb Jahren nicht mehr. Auch gegenüber dem US-Dollar liegt das Pfund auf einem Acht-Monatstief. Am Mittwoch wurde der Niedergang der Währung durch Aussagen der Bank of England (BoE) noch beschleunigt, berichtet City A.M. Denn die britische Notenbank sagte, dass ihr scheidender Chef Mervyn King eine weitere Runde des Gelddruckens durchsetzen will.

BoE-Chef King und zwei weitere Mitglieder der Kommission für Geldpolitik wollen zusätzlich Wertpapiere im Umfang von 25 Milliarden Pfund erwerben. Damit würde die Höhe der Geldschwemme (QE) auf 400 Milliarden Pfund (460 Milliarden Euro) erhöht. Zwar konnten die drei sich nicht in der Kommission durchsetzen. Dennoch drückte das Bekanntwerden der Pläne auf den Kurs der britischen Währung.

Bereits im Juni letzten Jahres hatte King zunächst nur die Unterstützung von zwei Kollegen für eine Erweiterung der Zentralbankbilanz um 50 Milliarden Pfund. Einen Monat später konnte er sich dann aber doch mit klarer Mehrheit durchsetzen. Seitdem beträgt die Höhe der Geldschwemme 375 Milliarden Pfund.

Die Mitteilung der Notenbank enthielt auch eine weitere Passage, die eine weitere Abwertung des Pfund erwarten lässt. Die Inflation im Vereinigten Königreich liegt derzeit offiziell bei 2,7 Prozent, sodass die Notenbank eigentlich einschreiten müsste. Doch sie will dies offenbar auf die Zukunft verschieben. „Die Kommission ist sich darin einig, dass es wichtig war, ihre Bereitschaft zu bekunden, die Inflation zurück zur Zielmarke zu bringen über einen längeren Zeitraum als üblich“, heißt in der Mitteilung.

Ein weiterer Faktor, der zur aktuellen Schwäche des Pfund beiträgt, ist der für den 1. August 2013 vorgesehene Amtsantritt von Marc Carney als BoE-Chef (mehr hier). Von dem ehemaligen Goldman-Manager wird nämlich erwartet, dass er die Abwertung der Währung weiter vorantreiben und den Währungskrieg ausweiten wird.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/21/waehrungskrieg-verschaerft-briten-drucken-wie-verrueckt-das-pfund-schmiert-ab/

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16.02.2013

G20-Gipfel: „Es gibt keinen Währungskrieg!“

Harmonisches Ergebnis eines G20-Gipfels, der unter dem Schlagwort „Währungskrieg“ firmierte: Japans Inflationspolitik wurde nicht gerügt, Linien verabschiedet, Kompromisse erzielt – nur das Sparen blieb auf der Strecke.

Zum Ende seiner Pressekonferenz wurde Ángel Gurría laut. Es war jedoch kein Ärger, der den Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), erregte. Er wollte seiner Botschaft nur mehr Ausdruck verleihen: „Es gibt keinen Währungskrieg!“ rief er in das gläserne Oval, dem Presseraum in der Manage, Moskaus ehemaliger Paradehalle der Offiziersreitschule. Man solle nicht die Kriege von gestern führen, erklärte Gurría – sondern sich auf die Zukunft konzentrieren. Und am wichtigsten sei es dabei, das Wachstum anzukurbeln.

Gleichzeitig hatte Präsident Wladimir Putin gegenüber im Kreml zum Empfang geladen. Das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten in der russischen Hauptstadt nahm gerade erst Fahrt auf. Gurría aber hatte in gewissem Maße schon vorab die Marschrichtung des Gipfels benannt.

Tage zuvor dominierte vor allem eine Frage: Droht wegen Japans Inflationspolitik ein Währungskrieg? Das massiv verschuldete Industrieland stand in der Kritik, den Yen bewusst zu schwächen, um seine Exporte anzukurbeln. Die offizielle Version Tokios hingegen lautete, das Land wolle sich mit frischem Geld aus Rezession und Deflation befreien. Zusätzliches Wachstum soll später die Hauskonsolidierung erleichtern.

Der Schuldenabbau sollte das zweite dominante Thema in Moskau werden – vor allem der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte mit Nachdruck an die 2010 in Kanada vereinbarten Toronto-Ziele erinnern. Dort hatten sich die führenden Industrie- und Schwellenländer verständigt, ihre Staatsdefizite bis 2013 zu halbieren und den Schuldenstand bis 2016 zu stabilisieren.

Anders als Deutschland erreichen die meisten Länder das erste Ziel in diesem Jahr jedoch nicht. Neben Japan traten vor allem die USA hier auf die Bremse. Ein zweiter Konflikt bahnte sich an. Unterstützung erhielt Schäuble von den Russen. Es sei sein Ziel als Gastgeber, eine Nachfolgeregelung für Toronto zu vereinbaren, kündigte Finanzminister Anton Siluanow an.

Am Samstagnachmittag vermeldeten die Teilnehmer des Gipfels dann ein recht harmonisches Ergebnis: Ein Währungskrieg sei abgewendet. Die Beteiligten sprachen sich gemeinsam und klar gegen einen Abwertungswettlauf der Währungen aus. In ihrer Abschlusserklärung hieß es: „Wir werden von gezielten Abwertungen absehen. Wir werden uns keine Wechselkursziele aus Wettbewerbsgründen setzen, werden uns allen Formen von Protektionismus widersetzen und werden unsere Märkte offen lassen.“

Die Wortwahl kommt einer Erklärung der sieben traditionellen Industrieländer (G7) vom vergangenen Dienstag damit näher als vorab erwartet worden war. Japan wurde nicht an den Pranger gestellt. Von einer entspannten Gesprächsatmosphäre ohne gegenseitige Anschuldigungen war bei Gipfelteilnehmern die Rede. Stattdessen habe die Suche nach Lösungen für mehr nachhaltiges Wachstum im Vordergrund gestanden.

Finanzminister Schäuble erklärte auf einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag: „Wechselkurse müssen sich frei bilden.“ Politische Währungsmanipulationen dürften kein Instrument für Staaten sein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu korrigieren. Die G20-Nationen halten damit an ihrer bisherigen Linie treu. „Wir waren uns einig, dass wir nicht in einen Währungskrieg geraten wollen“,  erklärte auch Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Sein britischer Kollege George Osborne ergänzte: „Länder sollten nicht den Fehler der Vergangenheit machen und Währungen als Instrument der wirtschaftlichen Kriegsführung einsetzen“.

Schäuble mahnte, bei Wechselkursen den Notenbanken zu vertrauen. Die Finanzminister hätten da nichts zu sagen. Bundesbankchef Jens Weidmann äußerte jedoch die Sorge über „die schleichende Politisierung der Notenbanken und das inzwischen offene Infragestellen ihrer Unabhängigkeit“. Die Erwartungen an die Notenbanken drohten diese inzwischen zu überfordern, sagte er.

Beim zweiten großen Thema in Moskau, dem Schuldenabbau, wird wohl erst das Treffen der G20- Staats- und Regierungschefs im September in Sankt Petersburg klare Fortschritte bringen. In Moskau überwog die Ansicht, dass kurzfristig der Wachstumsförderung Vorrang gegeben werden soll, vor Maßnahmen zum Abbau der Staatsdefizite.

Nach den Worten Schäubles habe Deutschland seine Position zum Schuldenabbau vollständig durchsetzen können. Dabei hatte es im Vorfeld geheißen, Deutschland wolle stärker auf einer Erneuerung der Haushaltsvereinbarungen drängen. „Wir haben einen breiten Konsens in der G20, dass wir dabei bleiben, die Toronto-Ziele zu erfüllen“, sagte Schäuble nun. Dem hätten auch die Amerikaner nicht widersprochen. Der Minister versuchte damit den Eindruck zu entkräften, dass man hinter frühere Positionen zurückgefallen sei. „Um der Schwäche der Weltwirtschaft zu begegnen, sind ehrgeizige Reformen und abgestimmte Maßnahmen der Schlüssel für das Erreichen von starkem, nachhaltigem und ausgeglichenem Wachstum und für die Wiederherstellung von Vertrauen“, lautet die Formulierung der Abschlusserklärung.

Deutschland rückte mit Frankreich und Großbritannien während der Tagung noch ein weiteres Thema auf die Agenda, das im Vorfeld nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erhalten hatte. Die Länder wollen Steuerschlupflöcher für Konzerne stärker bekämpfen.  Dabei wollen Schäuble, Osborne und Moscovici Maßnahmen für Änderungen und Erweiterungen der internationalen Standards zur Besteuerung multinationaler Unternehmen durchsetzen. „Die positive Effekte der Globalisierung dürfen nicht dazu führen, dass multinationale Unternehmen Gewinne künstlich verlagern können und so keinen fairen Beitrag am Steueraufkommen unserer Staaten leisten“, sagte Schäuble.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/g20-gipfel-es-gibt-keinen-waehrungskrieg/7794802.html

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11.02.2013

Geldschwemme: Federal Reserve stützt Euro-Banken

Die amerikanische Zentralbank schwemmt den Markt mit Dollar. Davon haben allerdings nicht etwa die US-Banken, sondern vor allem die europäischen Institute profitiert. Zudem hat die Geldschwemme zu einem starken Euro geführt.

Seit September 2012 druckt die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) jeden Monat 85 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) und erwirbt damit Wertpapiere, die sie dann in ihrer Bilanz führt. Das von der Fed gedruckte Geld floss dabei allerdings nicht den US-Banken zu, sondern vor allem den amerikanischen Sitzen ausländischer (vor allem europäischer) Kreditinstitute, wie die Fed angibt.

Indem die Fed den europäischen Banken Wertpapiere zu künstlich hohen Preisen abkauft, rettet sie praktisch die klammen europäischen Banken. Allein im Januar 2013 hat die Fed mehr als 200 Milliarden Dollar in ausländische Banken geschossen, wo nun mehr als die Hälfte der flüssigen Geldmittel liegt, berichtet Zero Hedge. Ein ähnlicher Vorgang war bereits 2011 zu beobachten, wie aus der Grafik hervorgeht.

Durch das Drucken von 85 Milliarden pro Monat verlängert sich die Bilanz der Fed entsprechend (hier). Zudem haben die Hauptempfänger, die europäischen Banken, mit den Dollars Euros gekauft. Dies hat zusammen mit der Tatsache, dass die EZB derzeit entgegen der übrigen Geldpolitik der anderen Zentralbanken Euros aus dem Markt abzieht zur relativen Stärke des Euro beigetragen, der die europäische Exportwirtschaft vor ernste Probleme stellt (mehr hier).

Derzeit können die europäischen Banken das zusätzliche Geld von der Fed sehr gut gebrauchen. Seit Ende Januar beginnen die Banken damit, die immensen Kredite, die sie bei der EZB aufgenommen haben, zurückzuzahlen. Allein in der ersten Woche der Rückzahlungsphase waren das 137 Milliarden Euro (hier). Doch sie Finanzinstitute nutzen das Geld auch als Puffer, spätestens, seit sich die politischen Unsicherheiten in Spanien und Italien in den ersten zwei Wochen des Februars deutlich erhöht haben (mehr hier). Zu diesem Zeitpunkt sank auch entsprechend der Umfang der Rückzahlungen an die EZB.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/11/geldschwemme-federal-reserve-stuetzt-euro-banken/

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07.02.2013

Merkel ruft Hollande zur Ordnung: Weichspülung des Euro ist keine Lösung

Angela Merkel hat dem Plan der Franzosen, durch eine gezielte Manipulation des Euro-Kurses den europäischen Exporten einen Vorteil zu verschaffen, eine Absage erteilt. Im Unterschied zu den Franzosen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer mit Inflation und Währungs-Weichspülung agiert haben, haben die Deutschen kein Problem mit einer starken Währung.

Am Dienstag hat der französische Präsident Francois Hollande gefordert, dass die EZB den Euro-Wechselkurs manipulieren soll (mehr hier). Dem stellt sich nun Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegen. „Wechselkurspolitik ist kein geeignetes Instrument, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, zitiert Reuters den Regierungssprecher der Kanzlerin Steffen Seibert.

Wenn man den Wechselkurs manipuliere, dann könne dies nur kurzfristige Impulse setzen, so Seibert. Doch eine langfristige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit könne auf diese Weise nicht erreicht werden. Die Bundesregierung sei davon überzeugt, dass Wechselkurse die wirtschaftlichen Tatsachen widerspiegeln sollten.

Zudem vertrete die Bundesregierung die Auffassung, dass der Euro historisch betrachtet keineswegs überbewertet sei, sagte Seibert. In den letzten Wochen war der Euro bis 1,37 Dollar gestiegen (mehr hier).

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble stellte sich gegen Hollande. „Geldpolitik ist die Verantwortung der Europäischen Zentralbank.” Die Zentralbank brauche keine öffentlichen Ratschläge, sagte der Finanzminster einem Bericht von Reuters zufolge.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/06/merkel-widerspricht-hollande-mit-uns-gibt-es-keine-wechselkurs-manipulation/

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06.02.2013

Währungskrieg: Hollande fordert Manipulation des Euro-Kurses

Frankreichs Präsident will, dass das internationale Währungssystem verändert wird: Spekulanten trieben den Euro irrational in die Höhe. Daher habe die Euro-Zone das Recht, den Kurs zu manipulieren.

Das Tempo, in dem der Euro in den vergangenen Wochen angezogen hat, schürt zunehmend große Besorgnis unter den europäischen Unternehmen und Regierungschefs. Aus diesem Grund forderte der französische Präsident Hollande nun Maßnahmen, um gefährlichen Währungsverzerrungen entgegen zu wirken. „Der Eurokurs sollte nicht von der Stimmung der Währungen abhängen“, sagte Holland am Dienstag im Europäischen Parlament in Straßburg. Eine monetäre Zone brauche eine Wechselkurspolitik. Gebe es diese nicht, „wird sie einem Wechselkurs unterworfen, der nicht dem tatsächlichen Zustand der Wirtschaft reflektiert“, zitiert die FT den Präsidenten.

Die gegenwärtige Stärke des Euro könnte die fragile wirtschaftliche Erholung Europas gefährden, fuhr Hollande fort. Zwar wolle er die EZB damit nicht auffordern, einen Wechselkurs festzulegen, aber er wolle eine „unverzichtbare Reform des internationalen Währungssystems“. Ohne etwas entsprechendes, würde man die europäischen Länder veranlassen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, um diese gleich wieder durch den steigenden Wert des Euros vernichten zu lassen, so Hollande.

Der Eurokurs kletterte zu Beginn dieses Jahres bereits auf ein 15-Monats-Hoch gegenüber dem Dollar und erreichte den stärksten Wert gegenüber dem japanischen Yen seit April 2010.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/05/waehrungskrieg-hollande-fordert-manipulation-des-euro-kurses/

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29.01.2013

Währungskrieg: Starker Euro erreicht Schmerzgrenze für die Wirtschaft in Europa

Der Wert des Euro nähert sich der Schmerzgrenze, an der er der Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft schadet. Nun hängt alles von der Erholung der globalen Nachfrage ab. Dabei sind die Folgen für die verschiedenen europäischen Volkswirtschaften unterschiedlich.

Der europäische Währungsraum sieht sich angesichts der exzessiven Geldpolitik aus Japan und den USA einem enormen Aufwertungsdruck ausgesetzt. Die Zentralbank in Japans will in unbegrenzten Ausmaß in Dollar und Euro investieren und druckt fleißig Yen, um das Inflationsziel von zwei Prozent um jeden Preis zu erreichen (mehr hier).

Die USA reagieren entsprechend und drucken ebenfalls Geld. Im Internationalen Währungssystem können aber nicht alle Währungen gleichzeitig fallen, einige wenige Staaten, darunter die in der europäischen Währungsunion, sehen ihre Währung im Vergleich zum Dollar und zum Yen steigen. Da eine schwache Währung den Exportsektor Japans und der USA stärken soll, schwächt ein starker Euro den Exportsektor in der EU.

Eine Studie der Deutschen Bank differenziert für Deutschland, Italien und Frankreich jedoch unterschiedlich hohe Schmerzgrenzen bei der Aufwertung des Euro. Sollte die globale Nachfrage schwächer ausfallen, als von der OECD prognostiziert, dann würde die Schmerzgrenze in Frankreich und Italien zuerst erreicht. Deutschlands Schmerzgrenze liege einem Bericht von Zerohedge zufolge weitaus höher.

Der Grund für diese Ergebnisse sieht die Deutsche Bank in der höheren Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Daher müssten Italien und Frankreich im Bereich der Produktivität und Flexibilität deutlich zulegen, um ihre Anfälligkeit für schlechte Wechselkurse durch bessere Wettbewerbsvoraussetzungen ausgleichen zu können.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/29/waehrungskrieg-starker-euro-erreicht-schmerzgrenze-fuer-die-wirtschaft-in-europa/

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25.01.2013

„Deutscher Sparkurs könnte Währungskrieg auslösen“

Der US-Investor George Soros gilt als einer der schärfsten Kritiker des deutschen Sparkurses. Er warnt, der Glaube der Deutschen an Einsparungen könnte eine gefährliche Auseinandersetzung lostreten.

Der US-Großinvestor George Soros wirft Deutschland einen einseitigen Sparkurs vor, der zu einem internationalen „Währungskrieg“ führen könnte. „Die Deutschen glauben an Einsparungen, und der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen“, sagte Soros am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos dem Sender CNBC.

Dieser Widerstreit könnte seiner Auffassung nach eine gefährliche Auseinandersetzung lostreten. „Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg“, sagte Soros. Die geldpolitischen Lockerungen der US-Notenbank (Fed) lobte er ausdrücklich als die richtige Politik.

Soros, einer der deutlichsten Kritiker der von Deutschland unterstützten Sparmaßnahmen zur Lösung der Schuldenkrise, rechnet jedoch auch mit einem Erhalt des Euro. Die Gemeinschaftswährung könnte sogar zulegen, erklärte Soros. Die nächsten ein bis zwei Jahre würden jedoch „sehr spannungsreich“ werden. Deutschland werde immer „das Minimum“ tun, um den Euro zu bewahren.

Sorge um japanische Geldpolitik

Die Debatte über die Gefahr eines globalen Abwertungswettlaufs zwischen wichtigen Währungen wurde zuletzt dadurch befeuert, dass die neue japanische Regierung eine höchst expansive Finanz- wie auch Geldpolitik verfolgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in Davos ihre Sorge darüber ausgedrückt.

Japan trat Befürchtungen jedoch entgegen, es wolle sich durch eine aggressive Abwertung der heimischen Währung wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Finanzminister Taro Aso sagte, die geldpolitischen Lockerungen der Notenbank zielten auf eine Bekämpfung der Deflation und nicht auf eine Wechselkursmanipulation. Japan sei lediglich dabei, die exzessive Stärke des Yen zu korrigieren.

Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte an, er werde die Währungspolitik seines Landes am Wochenende auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklären. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

2012 – im vierten Jahr der Deflation – waren die Verbraucherpreise in Japan um 0,1 Prozent gefallen. Dies erhöhte den Druck auf die Zentralbank, mit geldpolitischen Mitteln gegen den Preisverfall vorzugehen. Japan hat seit Jahren immer wieder mit Deflation zu kämpfen. Erst vor wenigen Tagen hatten Regierung und Zentralbank gemeinsam erklärt, sie strebten eine Inflationsrate von zwei Prozent an, um die schleppende Konjunktur zu beleben.

http://www.welt.de/finanzen/article113124357/Deutscher-Sparkurs-koennte-Waehrungskrieg-ausloesen.html

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22.01.2013

Weidmann: „Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist in Gefahr“

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann beklagt, dass die Notenbanken von der Politik immer mehr gedrängt werden, Aufgaben zu übernehmen, die außerhalb ihres gesetzlichen Mandats liegen. Dadurch gerate das Hauptziel der Notenbanken aus dem Blick – die Preisstabilität. Im Klartext: Wenn der globale Währungskrieg weitergeht droht Inflation.

Zur Jahreseröffnung der Deutschen Börse beschreibt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Lage der Zentralbanken. Er nennt ausdrücklich die Entwicklungen in Japan (hier) und in Ungarn (hier) äußert bedenklich. Weidmann:

Im Zuge der Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise werden Notenbanken dazu gedrängt, Maßnahmen zur Stützung des Finanzsystems, zur Stimulierung der Konjunktur und zur Senkung der staatlichen Refinanzierungskosten oder gar zur staatlichen Solvenzsicherung zu ergreifen.“ Dies seien aber nicht die Aufgaben von Notenbanken, weshalb diese ihr Mandat „eng“ auslegen sollten.

Die ganze Passage aus Weidmanns Rede dokumentieren wir im Folgenden wörtlich:

Die Übertragung der Verantwortung für die Bankenaufsicht auf die EZB passt indessen gut zu einem Eindruck, der sich auch außerhalb des Euro-Raums immer mehr aufdrängt: Den Notenbanken wird immer mehr Verantwortung zugeschoben, auch für Aufgaben, die außerhalb ihres Kernmandats liegen.

Der Kollege James Bullard von der St. Louis Fed hat kürzlich (bei der Jahrestagung der American Economic Association) beklagt, dass es im Zuge der Finanzkrise weltweit zu einer schleichenden Politisierung der Zentralbanken gekommen sei. Eine mittelfristige Folge dieser Entwicklung könnte auch sein, dass Preisstabilität als Hauptziel der Geldpolitik zunehmend in Frage gestellt wird und die unabhängige Notenbank aus der Mode kommt.

Vielleicht hat der Chefökonom von HSBC, Stephen King, ja Recht, wenn er voraussagt: „The era of independent central banks is coming to an end“.

Schon jetzt lassen sich bedenkliche Übergriffe beobachten, zum Beispiel in Ungarn oder in Japan, wo sich die neue Regierung massiv in die Angelegenheiten der Notenbank einmischt, mit Nachdruck eine (noch) aggressivere Geldpolitik fordert und mit dem Ende der Notenbankautonomie droht.

Eine Folge, ob gewollt oder ungewollt, könnte ferner eine zunehmende Politisierung des Wechselkurses sein. Bisher ist das internationale Währungssystem ohne Abwertungswettläufe durch die Krise gekommen und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt.

Nun mag es gerade in Japan näherliegende Probleme als Inflation und eine schwache Währung geben. Den Notenbanken wurde aber nicht ohne Grund Unabhängigkeit und ein enges Mandat gegeben. Es war eine Lehre aus den 1970er und frühen 1980er Jahren – eine Zeit, in der viele Länder hohe, teils zweistellige Inflationsraten hatten.

In den USA spricht man von der „great inflation“. Mitte der 80er Jahre folgte die „great moderation“, eine Phase mit moderaten Inflationsraten und gedämpften Konjunkturzyklen. Und mit der „great financial crisis“ kam es dann zur „great recession“.

Das Adjektiv „great“ wird jenseits des Atlantiks bekanntermaßen häufig, um nicht zu sagen inflationär verwendet. Die Erfahrung der great inflation war jedenfalls, dass unabhängige Notenbanken mit einem engen, glaubwürdigen Mandat erfolgreicher in der Inflationsbekämpfung waren.

So wurden in den 80ern und 90ern weltweit viele Notenbanken unabhängig gemacht. Als der Bank of England 1997 Unabhängigkeit verliehen wurde, sagte der damalige Schatzkanzler Gordon Brown: „The previous arrangements for monetary policy were too short-termist, encouraging short but unsustainable booms and higher inflation, followed inevitably by recession.“

Die Entpolitisierung des Geldes und die Stabilitätsorientierung der Notenbanken haben zweifelsohne einen wesentlichen Beitrag zur great moderation geleistet.

Der Rückgang der Inflation während dieser Zeit wurde freilich auch von anderen Entwicklungen begünstigt, zum Beispiel von der Globalisierung. Die great moderation war insofern eine Schönwetterperiode für die Geldpolitik.

Seit Ausbruch der Krise ist das Umfeld für die Notenbanken deutlich widriger geworden: Der wachsende Energie- und Rohstoffhungers der aufholenden Volkswirtschaften hat die inflationsdämpfende Wirkung der Globalisierung tendenziell in steigenden Preisdruck umschlagen lassen.

Im Zuge der Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise werden Notenbanken dazu gedrängt, Maßnahmen zur Stützung des Finanzsystems, zur Stimulierung der Konjunktur und zur Senkung der staatlichen Refinanzierungskosten oder gar zur staatlichen Solvenzsicherung zu ergreifen.

Die Überfrachtung der Zentralbanken mit Aufgaben und Erwartungen ist aber sicherlich nicht der richtige Weg, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Die Notenbanken schützen ihre Unabhängigkeit wiederum am besten dadurch, dass sie ihren Auftrag eng auslegen.

Zusammengefasst kann man sagen: „Heute sind die meisten Zentralbanken unabhängig, werden von nicht gewählten Amtsträgern geleitet und verfügen über eine recht große Machtfülle. Dies ist nur dann zu rechtfertigen, wenn die Unabhängigkeit durch das Mandat begrenzt ist. Diesen Rahmen hat uns der Gesetzgeber vorgegeben […]. Deshalb ist es uns auch so wichtig, dieses Mandat zu erfüllen, denn das ist die wahre Garantie für unsere Unabhängigkeit, die […] für unsere Glaubwürdigkeit von zentraler Bedeutung ist. Und Glaubwürdigkeit ist eine entscheidende Voraussetzung für die Gewährleistung von Preisstabilität.“

Diese Sätze stammen übrigens nicht von mir, sondern von Mario Draghi, der es kürzlich in einem Interview so treffend auf den Punkt gebracht hat.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/22/weidmann-die-unabhaengigkeit-der-notenbanken-ist-in-gefahr/

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21.01.2013

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beobachtet Ruhe vor dem Sturm

Wirtschaftsexperte William White befürchtet eine Eskalation des gloablen Währungskrieges, weil die Märkte wegen der Zentralbank-Manipulationen zu politischen Märkten geworden sind. Der Versuch, die Schulden durch Inflation zu bekämpfen, führt zum unkontrollierten Anwachsen der Staatsschulden und neuen Kreditblasen.

Die japanische Regierung Shinzo Abes will durch eine expansive Geldpolitik den Yen weiter in Richtung Abgrund abwerten (mehr hier). Ein Inflationsziel von zwei Prozent wurde kürzlich beschlossen. Das soll den Yen im Verhältnis zum Dollar weiter schwächen und somit die japanische Wirtschaft beflügeln.

Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) pumpt seit Jahren Geld in den Markt (hier), um die Banken mit Liquidität auszustatten und das stabile Verhältnis zum Yen aufgrecht zu erhalten. Auch in Europa (hier) läuft die Gelddruckmaschine seit geraumer Zeit auf Hochtouren (hier).

Durch diesen Währungskrieg sieht Wirtschaftsexperte und Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, William White, das globale Finanzsystem vor einem „gefährlichen“ Umbruch (hier). Die Staatsschulden in den USA und Japan werden weiter steigen, neue Kreditblasen werden sich herausbilden und Fehlinvestitionen werden zu Pleitewellen führen. Vor allem die Immobilienmärkte vieler Länder hätten sich „noch nicht erholt“, sagte White in einem Interview mit der NZZ.

Warum es angesichts der Kombination von manipulierten Märkten und Schuldenspirale noch nicht gekracht hat, erklärt White damit, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich offenbar so etwas beobachtet wie die Ruhe vor dem Sturm. Die derzeitige Ruhe auf den Finanzmärkten sei nur durch „völlig verunsicherte“ Anleger zu erklären. Die Spielregeln ändern sich fast täglich, daher warten Anleger auf die nächste große Ankündigung der EZB oder den nächsten Bailout durch die EU, um zu wissen, wie es weiter geht und wo sie ihr Geld entsprechend sinnvoll anlegen können. „Die Märkte sind zu politischen Märkten geworden. Sie sind so seltsam, dass die Preise und Kurse die fundamentalen ökonomischen Fakten in keiner Weise widerspiegeln“, so White.

Deutschland sieht White im Vergleich zu den anderen großen Industriestaaten mit einer relativ guten Chance, gestärkt aus der Krise hervorzutreten. Aufgrund seiner niedrigen Staatsverschuldung und seinen „beachtlichen Auslandsvermögen“, könne Deutschland es sich nun erlauben, intensiv in die eigene Infrastruktur zu investieren, um sich somit neue Vermögenswerte zu schaffen, die der Wirtschaft zusätzlichen Nutzen bringen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/21/bank-fuer-zahlungsausgleich-beobachtet-ruhe-vor-dem-sturm/

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19.01.2013

Währungskrieg: Nun will auch London mehr Geld drucken

Die Bank of England ist mit vom Spiel, wenn es um die Abwertung der eigenen Währung geht. Sie begründet die geplanten geldpolitischen Maßnahmen damit, die britische Wirtschaft unterstützen zu wollen. Sie geht zudem davon aus, dass die anderen großen Zentralbanken der Welt dasselbe tun werden.

Ian McCafferty, Stratege bei der Britischen Zentralbank Bank of England (BoE), signalisierte seine Bereitschaft zum ausgeweiteten Gelddrucken. „Wir müssen bei der Geldpolitik weitere unorthodoxe Mittel ins Auge fassen, falls diese notwendig werden“, zitiert ihn Bloomberg. Wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessere, müsse man die Probleme mit „gezielten geldpolitischen Maßnahmen“ angehen, so McCafferty.

Im vierten Quartal ging das britische BIP um 0,3 Prozent zurück. Zudem fielen im Dezember die Verkaufszahlen im Einzelhandel unerwartet stark. Es gibt daher Forderungen, das britische Pfund abzuwerten, um die Exporte billiger zu machen. Diese Argumentation hat sich auch die Schweizer Nationalbank zu eigen gemacht, die in den letzten Jahren Franken gedruckt hat wie verrückt (mehr hier). Doch McCafferty hielt dagegen: „Mein Eindruck ist, dass die schlechten Exportdaten genauso viel mit einer schwachen Nachfrage in unseren Hauptabsatzmärkten zu tun haben.”

Eine Abschwächung des britischen Pfunds gegenüber anderen Währungen „könne zum Eigentor werden“, da andere dann dasselbe machen würden, argumentierte McCafferty. Daher halte er Wechselkurs-Politik für ein „Nullsummenspiel“. Sein Ziel ist offenbar, dass die großen Zentralbanken ihre Währungen gemeinsam und in gleichem Maße abwerten sollten.

Die Verlierer in diesem Währungskrieg sind dann die Bürger, die in den beteiligten Staaten das abgewertete Geld verwenden müssen. Gerade hat sogar das deutsche Wirtschaftsministerium die unkonventionelle Geldpolitik der EZB erstmals mit deutlichen Worten kritisiert, die zu einer starken Entwertung des Euro führen könne (mehr hier). Luxemburg Regierungschef Jean Claude Juncker hingegen hält den Euro für „gefährlich stark“ (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/19/waehrungskrieg-nun-will-auch-london-mehr-geld-drucken/

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16.01.2013

Tokio: Japan öffnet Inflations-Schleusen

Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat eine Finanzspritze genehmigt, dass die die Währung zusätzlich in den Keller treiben wird. Die Zentralbank soll über zehn Billionen Yen in den japanischen Markt pumpen. Die Inflation des Yen ist sicher, der Nutzen für die Wirtschaft indes fraglich.

Das neue Ausgabenpaket der japanischen Regierung soll das Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozent steigern und 600.000 neue Jobs schaffen, wenn es nach Shinzo Abe geht. Der Premierminister nannte die Maßnahmen der japanischen Zentralbank einen „mutigen Wechsel“ hin zu einer Wirtschaftspolitik, die „Wohlstand durch Wachstum“ bringe.

Mutig ist die Ausgabenpolitik in jeder Hinsicht: der Wert des Yen wird weiter dramatisch fallen. Die Gesamtschulden Japans in Höhe von jetzt schon 220 Prozent des BIP werden weiter ansteigen. Allerdings nimmt der frisch gewählte Regierungschef eine Inflation gern in Kauf, wenn dadurch auch nur die geringste Chance besteht, die japanische Wirtschaft aus der fünften Rezession in 15 Jahren zu retten. Dazu sollen die Finanzspritze aus zehn Billionen Yen (rund 87 Milliarden Euro) beitragen.

Ein Großteil des Geldes (3,8 Billionen Yen) werde vor allem zum Wiederaufbau der Regionen benötigt, die von dem Tsunami und dem letzten Erdbeben am schwersten getroffen wurden, heißt es einem Bericht der FT zufolge. Knapp ein Drittel gehe an die japanische Industrie und soll dessen Wettbewerb fördern. Der Rest stünde den Sozialversicherungssystemen und in Bildungseinrichtungen zur Verfügung, so Abe.

Zusätzlich zu diesem Paket will die Regierung noch weitere 2,8 Billionen Yen für die Rentensysteme aufbringen. Zu allem Überfluss investiert Japan auch noch seine Auslandsreserven in den ESM (mehr hier). Nach Verkündung dieser Maßnahmen (hier) sank der Wert des Yen im Verhältnis zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren (hier).

Kritiker sehen nur einen schwach positiven Effekt dieses Währungsexzesses auf die japanische Wirtschaft. Die Regierung Japans spekuliert zwar auf einen Anstieg der Investitionen aus dem Ausland. Doch die Gefahr besteht, dass diese zu einer neuen Finanzblase führen werden (hier). Nach einem möglichen Crash des Yen drohen dann Massenpleiten in Japan.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/11/tokio-japan-oeffnet-inflation-schleusen/

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13.01.2013

Die Welt steht vor dem nächsten Währungskrieg

Japans Regierung läutet eine neue Runde des Gelddruckens ein. Das könnte leicht zu einem globalen Wettlauf der Abwertungen führen. Und am Ende müssten alle Wirtschaftsmächte darunter leiden.

Wie ein freundlicher japanischer Herr sieht er aus, bescheiden, eher unauffällig. Doch Shinzo Abes Wahl zum japanischen Ministerpräsidenten Ende 2012 hat die Welt und vor allem die Finanzmärkte aufhorchen lassen.

Abes Wahlkampf war mit Invektiven gegen China, den großen Nachbarn und Rivalen, gewürzt gewesen. Sein Wahlsieg bedeutet nicht allein auf geopolitischem Gebiet eine härtere Gangart, sondern vor allem auf dem der Finanzen.

Japan stärken, den Yen schwächen – das ist das Programm des konservativen Politikers. Damit ist eine neue Runde im weltweiten Währungskrieg eröffnet.

Zweieinhalbjahrestief zum Dollar

Anfang 2013 ist Abes Finanzminister Taro Aso in Asien unterwegs. Etwa zur gleichen Zeit markiert der Yen beim Stand von 88,41 ein Zweieinhalbjahrestief zum Dollar. Schon die neue Rhetorik in Tokio hat ausgereicht, den Kurs der Landeswährung binnen weniger Wochen um mehr als zehn Prozent absacken zu lassen.

Auf den Fall der japanischen Währung angesprochen, sagt Aso: Eine Korrektur des aus seiner Sicht starken Yen habe „oberste Priorität, um Japans Wirtschaft wieder aufzubauen“.

Auch die Bank von Japan stimmt ein und zeigt sich bereit, das von der neuen Regierung angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent zu verankern.

Nervosität an den Devisenmärkten

Das bedeutet, dass die Bank nicht eher aufhören wird, Geld zu drucken und den Yen zu schwächen, ehe die Teuerungsrate von derzeit unter null Prozent auf zwei Prozent steigt.

Das, zusammen mit steigenden Staatsausgaben, soll den Yen so tief drücken, dass Japans Unternehmen wieder Anteile auf den Weltmärkten zurückgewinnen.

Die Stimmung an den Devisenmärkten ist nervös. Japan ist nicht der einzige Staat, der eine Abwertung seiner Landeswährung betreibt oder bewusst einkalkuliert. Auch die USA, Großbritannien und die Eurozone mischen beim Währungskrieg mit.

Alle Wirtschaftsmächte sind verstrickt

Dazu kommt die Volksrepublik China, die Nummer zwei der Weltwirtschaft, die den Kurs ihres Renminbi (oder Yuan) seit mehr als einem Jahrzehnt künstlich niedrig hält. Wenngleich die Unterbewertung des chinesischen Geldes zuletzt geringer geworden ist, setzt dies das gesamte Devisensystem unter Spannung.

Fast alle großen Wirtschaftsmächte sind in den Währungskrieg verstrickt, was unweigerlich die anderen Handelsnationen mit hineinzieht, vor allem Schwellenländer mit offenen Kapitalmärkten.

Brasiliens Finanzminister Guido Mantega hat bereits im September 2010 eindrücklich vor den Folgen eines solchen Kampfes aller gegen alle gewarnt. Denn wo sich die eine Währung verbilligt, müssen sich andere zwangsläufig verteuern.

Das Prinzip ist Wachstum durch Export

Das war beispielsweise beim Brasilianischen Real der Fall, denn Brasilien war wegen seiner wachsenden Wirtschaft und wegen des hohen Zinsniveaus ein lukrativer Markt. Als Konsequenz daraus hatte sich der Real 2010, als Minister Mantega seine Warnung aussprach, zum Dollar bereits um ein Drittel aufgewertet.

Die Exportwirtschaft des Landes litt sehr darunter, das Wachstum schwächte sich ab. Letztlich reagierte Brasilien, indem es seine Wertpapiere mit einer Sondersteuer belegte. Andere Länder griffen zu Devisenkontrollen, die den freien Fluss von Kapital einschränkten – eine Hypothek für eine offene Weltwirtschaft.

Der Währungskrieg ist eine Reaktion auf die Finanzkrise. Die am stärksten getroffenen Länder reagierten auf den Abschwung, indem sie auf Wachstum durch Export setzten. Diese Strategie ist nicht ohne Vorläufer.

Währungsverbilligung ist nicht neu

In den Zwanzigerjahren verschaffte sich vor allem Frankreich Wettbewerbsvorteile, indem es den Franc abwerten ließ. Nach dem Großen Crash von 1929 und dem folgenden Kollaps des Goldstandards 1931 ging Großbritannien zu einer Politik der Währungsverbilligung über. Auch die USA, Japan und andere Staaten stimmten ein.

Es kam zu einem Abwertungswettlauf (auch englisch „Beggar-thy-neighbour-Policy“ genannt), den andere wiederum mit Schutzzöllen und Kapitalverkehrskontrollen beantworteten. Auch die Siebziger- und Achtzigerjahre sahen einen Währungskrieg, der damit endete, dass Deutschland und vor allem Japan von den USA zu einer massiven Aufwertung ihrer Währungen gedrängt wurden.

Notenbanken haben Billionen verfeuert

Dass der jetzige Währungskrieg im Gegensatz zu dem der Zwanzigerjahre bisher nicht in Protektionismus eskalierte, ist im wesentlichen der Kooperation der Regierungen im Rahmen der G-20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, zu verdanken.

Hauptakteure der jetzigen Auseinandersetzung sind nicht die Regierungen, sondern die Notenbanken. Seit Ausbruch der Krise 2008 haben die Institute den Gegenwert von sechs Billionen Dollar verfeuert.

Indikator sind die Notenbank-Bilanzen, praktisch das Arsenal des Währungskriegs. Allein die Fed hat ihre Bilanz von 869 Milliarden Dollar Mitte 2007 auf zuletzt fast 3000 Milliarden Dollar aufgebläht.

Dem Kapital der Sparer droht Entwertung

Leidtragende des Währungskriegs sind die Sparer. Denn ihrem Kapital droht die Entwertung.

Bill Gross, der Chef des weltgrößten Anleihen-Managers Pimco, vergleicht die Ausweitung der Basisgeldmenge mit dem Ausstellen „ungedeckter Schecks“. Solide wäre diese Ausweitung nur, wenn die Wirtschaft gleichermaßen gewachsen ist. Davon kann aber keine Rede sein.

„Der künftige Preis, der für das Drucken dieser Schecks zu entrichten ist, wird in Form von Inflation und Abwertungen der Währungen beglichen werden, entweder gegenüber anderen Währungen oder gegenüber Rohstoffen wie Öl oder Gold“, sagt Gross.

Auch der Dollar könnte ins Rutschen geraten

Ironischerweise ist die Stellung des Dollar als Leitwährung durch den Währungskrieg noch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Gegenteil hat die Euro-Krise dem Dollar 2011 und 2012 neuen Auftrieb gegeben. Noch immer bildet er fast zwei Drittel der Devisenreserven.

Aber auch der Dollar könnte ins Rutschen geraten, wenn die Haushaltsdefizite der Supermacht weiter aus dem Ruder laufen und die Fed weiter ungehemmt Greenback druckt. Gut möglich, dass dann China der große Gewinner des Währungskriegs sein wird. Peking steht bereit, mit seinem Yuan die US-Währung zu beerben.

Dieser Beitrag ist in einer Sonderausgabe von „Welt“ und „Welt am Sonntag“ mit dem Titel „Die Zukunft Europas“ erschienen, die anlässlich des „Welt“-Wirtschaftsgipfels 2013 herausgebracht wurde. Hierzu trafen sich Anfang Januar mehr als 60 Top-Manager und Politiker im Verlagsgebäude der Axel Springer AG in Berlin, um über eine neue Architektur für die europäische Gemeinschaft zu diskutieren.

http://www.welt.de/finanzen/article112728632/Die-Welt-steht-vor-dem-naechsten-Waehrungskrieg.html

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27.12.2012

2013 droht das Jahr der Währungskriege zu werden

Große Schwellenländer und Industrienationen werfen sich gegenseitig Manipulation der Wechselkurse vor. Für das neue Jahr ist Streit programmiert. Der könnte auch Deutsche teuer zu stehen kommen.

Der nächste „Weltkrieg“ hat längst begonnen. Während Europa das Ende der Schuldenkrise herbeisehnt und die USA noch verzweifelt versuchen, die fiskalische Klippe zum Jahresende zu umschiffen, erreicht ein anderer Konflikt globale Dimension. Gekämpft wird – wieder einmal – ums Geld. Oder genauer: um die eigene Währung und um die besten Plätze auf dem Weltmarkt.

Jüngster Anheizer in dieser Auseinandersetzung ist Japan. Denn der designierte japanische Regierungschef Shinzo Abe hat angekündigt, dass die wichtigste Zentralbank in Fernost bald aus allen Rohren feuern soll. Negative Leitzinsen, eine „unbegrenzte“ Geldmengenausweitung und der Ankauf von viel mehr Staatsanleihen, hat der neue Premier als Ziel ausgerufen.

Billiger Yen kurbelt Japans Wirtschaft an

Japans neuer mächtiger Mann hat alle Trümpfe in der Hand: Seine Koalitionsregierung verfügt über eine Zweidrittel-Mehrheit im Unterhaus und hat damit gegenüber einer renitenten Zentralbank massives Drohpotenzial, sollte diese nicht mit einer aktiveren Wechselkurspolitik die Interessen der vormals glänzenden Exportwirtschaft des Landes zu verteidigen wissen. Ein billigerer Yen, so lautet Abes Kalkül, kann die lahmenden japanischen Exporte ankurbeln.

In der Bundesregierung ist man mit offener Kritik gegenüber den G20-Verbündeten zurückhaltend. Unions-Fraktionsvize Michael Meister attackiert die Abe-Politik vor allem wegen der Fortsetzung der übermäßigen Verschuldung, die Japan noch in „gewaltige Turbulenzen“ stürzen werde.

Dabei gibt es im Kanzleramt sehr wohl die Sorge, dass auch in der Euro-Zone einige Partner darauf schielen, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeforderte Wettbewerbsfähigkeit nicht über schmerzhafte Strukturreformen, sondern durch einen billigen Euro zu verbessern.

Es wird mehr Eingriffe in die Wechselkurse geben

Der britische Notenbankchef Mervyn King wurde bereits deutlicher: „Meine Sorge ist es, dass wir 2013 mehr aktive Eingriffe in die Wechselkurse sehen werden“, sagte er jüngst bei einem Auftritt in New York.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zeigt sich besorgt: „Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen.“

Der Grund: Kein Land glaubt es sich in den Zeiten der Globalisierung leisten zu können, im knallharten Wettbewerb nur deshalb ins Hintertreffen zu geraten, weil massenhaft billiges Geld über die Grenzen strömt, das die eigene Währung verteuert und der heimischen Industrie den Export schwermacht, weil die teuren Waren dann keiner mehr kaufen will.

Die meisten Täter halten sich für Opfer

Das psychologische Problem dabei ist, so wird auch in der Bundesregierung gewarnt, dass sich niemand für den Täter, sondern meist für das Opfer hält – weil zu allererst auf die Kursmanipulationen und die Politik des billigen Geldes der anderen Länder verwiesen wird.

Tatsächlich kommt es immer öfter zu massiven Eingriffen in die Devisenmärkte, etwa mit Zinssenkungen und Kapitalverkehrskontrollen. Ganz vorne an der Front stehen die Zentralbanken des Westens: die Bank von England, die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) und nun eben auch die japanische Notenbank.

Brasilien steht die Dollarflut bis zum Hals

Zumindest bei den Amerikanern ist diese Politik eigentlich nicht Neues. Die Fed hat schon häufiger versucht, mit einer massiven Dollarflut Probleme in den USA zu lösen. Doch während die Milliarden daheim augenscheinlich kaum etwas ausrichten im Kampf gegen die Krise, steht Ländern wie Brasilien oder Chile die Dollarflut aus dem Norden mittlerweile bis zum Hals.

Brasiliens Finanzminister Guido Mantega war vor zwei Jahren der erste Politiker, der das böse Wort vom „Währungskrieg“ in den Mund nahm. Als die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff im März Deutschland besuchte, warnte sie, dass nun auch die Europäer die Fehler der Amerikaner wiederholten: „Ich habe der Bundeskanzlerin die Sorge Brasiliens ausgedrückt bei der Währungsexpansion, die im Gange ist“, sagte die Präsidentin damals.

Sicher seien die USA das größere Teil des Problems. „Aber auch die EU entwertet ihr Währung“, kritisierte Rousseff mit Bezug auf die EZB-Liquiditätshilfen für Banken im Volumen von mehr als einer Billion Euro. Es gebe einen „Tsunami“ des billigen Geldes aus den USA und der Euro-Zone, der die Welt überschwemme.

China steht schon seit langem am Pranger

Aus dem Norden kamen prompt die Antworten: China steht für eine künstlich niedrige gehaltenen Yuan-Kurs ohnehin seit langem am Pranger. Fed-Chef Ben Bernanke warf den Schwellenländern generell vor, sie würden ihre Währungen künstlich niedrig halten. Und der britische Notenbankchef sagte, er beobachte von Monat zu Monat mehr Manipulationen der Wechselkurse durch die Zentralbanken. Aus Sicht der Länder, die die Zeche für die Liquiditätsschwemme des Nordens zahlen, sind diese Eingriffe in den Devisenmarkt freilich mehr Verteidigungs- denn Angriffsstrategie.

Und es sind nicht nur Brasilien, Chile & Co. und Japan, die längst damit begonnen haben, ihre Währungen mit aller Gewalt und viel Aufwand künstlich abzuwerten. Mitten in Europa kämpft auch die Schweiz unverdrossen ihren Kampf gegen die Unbilden des Marktes, der ihren Franken zu einer der sichersten Anlagen der Welt erkor und damit zugleich die Preise für die Schweizer in Höhen pushte, die Regierung und Zentralbank auf den Plan rufen mussten.

Erst als die Notenbank dem Wechselkurs des Franken an den Euro koppelte und die Marke von 1,20 Euro mit Klauen und Zähnen verteidigt, kehrte wieder etwas Ruhe im Land der Eidgenossen ein.

http://www.welt.de/finanzen/article112263848/2013-droht-das-Jahr-der-Waehrungskriege-zu-werden.html

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20.12.2012

Unabhängigkeit verloren: Japans Zentralbank pumpt erneut Milliarden in den Markt

Die japanische Zentralbank hat den Forderungen des künftigen Ministerpräsidenten Shinzo Abe entsprochen und das Programm zur Stützung der Wirtschaft um fast 90 Milliarden Euro erhöht. Zum vierten Mal lockerte die Zentralbank damit ihre Geldpolitik.

Die Unabhängigkeit einer Zentralbank ist von großer Bedeutung. Deshalb ist beispielsweise der EZB in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen worden, ihre Unabhängigkeit durch die massiven Eingriffe zu verlieren. Die japanische Notenbank hat sich nun tatsächlich dem Druck der Politik gebeugt. Wie die Zentralbank am Donnerstag mitteilte, werde sie den Gesamtumfang des Programms zur Stützung der japanischen Wirtschaft um zehn Billionen Yen auf101 Billionen Yen (etwa 903 Milliarden Euro) erhöhen. Damit entsprach sie in großen Teilen den Forderungen des künftigen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, der bereits im Wahlkampf eine Lockerung der Geldpolitik versprochen hatte.

Die Zentralbank werde mit der künftigen Regierung zusammenarbeiten, sagte der derzeitige Zentralbankgouverneur Masaaki Shirakawa in Tokio. Aus diesem Grudn wird die Zentralbank auch im Januar darüber beraten, ob das Inflationsziel von einem auf zwei Prozent angehoben werde, so Reuters. „Ich nehme das als Zeichen, dass die Zentralbank Schritt für Schritt das umsetzt, was wir im Wahlkampf gefordert haben”, sagte Shinzo Abe vor seinen Parteianhängern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/20/unabhaengigkeit-verloren-japans-zentralbank-pumpt-erneut-milliarden-in-den-markt/

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01.09.2012

Bank of England: Geldschwemme vermehrt das Vermögen der Reichsten

Seit Anfang 2009 hat die britische Regierung stetig geldpolitische Lockerungen durchgeführt. Doch die wirklichen Nutznießer waren nicht die Durchschnitts-Briten, sondern die reichsten 5 Prozent der Bevölkerung. Gewinne von bis zu 322.000 Pfund pro Haushalt haben sie erreicht.

Die Bank of England hat in den vergangenen drei Jahren immer wieder quantitative Lockerungen in ihrer Geldpolitik vorgenommen. Und noch in diesem Jahr soll eine weitere Geldschwemme stattfinden. Dann wird die Bank of England 375 Milliarden Pfund in das Finanzsystem gepumpt haben. Der instabile Interbankenmarkt, die Schuldenkrise und die Rezession setzen dem Land und seiner Wirtschaft stark zu. Das Quantative-Easing-Programm (QE) soll dies abfedern und das britische Wirtschaftswachstum fördern.

Doch wie sich herausstellte, haben von den bisherigen Maßnahmen vor allem die Wohlhabenden der britischen Bevölkerung profitiert. Wie die Bank of England berechnete, stieg der Wert der Aktien bisher aufgrund der Lockerungen um 26 Prozent oder 600 Milliarden Pfund. Das entspreche einem Gewinn von 10.000 Pfund je Haushalt, so die Bank of England. Allerdings seien 40 Prozent der Gewinne den reichsten 5 Prozent zugeflossen. Zwar könne man nicht ganz genau die Gewinne aus dem QE berechnen, aber unter Verwendung von Daten aus der nationalen Statistikbehörde zu der Verteilung des Reichtums in Großbritannien sei eine Schätzung möglich. Daraus ergebe sich, dass die durchschnittliche Steigerung bei den Beständen von finanziellen Vermögenswerten und Renten die reichsten 10 Prozent der Haushalte entweder Gewinne in Höhe von 128.000 Pfund pro Haushalt oder 322.000 Pfund pro Haushalt gemacht haben.

Nichtsdestotrotz betont die Bank of England, dass die geldpolitischen Maßnahmen allen Teilen der Bevölkerung nutzten, da sie einen tieferen Einbruch der britischen Wirtschaft verhindert hätten. Ohne QE „wäre es den meisten Menschen in Großbritannien schlimmer ergangen“, heißt es in einem Papier der Bank, aus dem der britische Guardian zitiert. „Das Wirtschaftswachstum wäre geringer gewesen. Die Arbeitslosigkeit wäre höher gewesen und viele weitere Unternehmen wären Pleite gegangen.“ Dies hätte erhebliche, nachteilige Auswirkungen auf Sparer und Rentner gehabt. „Alle Einschätzung der Asset-Käufe (durch die Bank of England, Anm. d. Red.) müssen in diesem Licht gesehen werden.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/01/bank-of-england-geldschwemme-vermehrt-das-vermoegen-der-reichsten/

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09.08.2012

Investor Paul Singer: Gelddrucken wird zu Armut und politischen Unruhen führen

Der US-Investor Paul Singer hält die Finanzpolitik der reichen Staaten für verheerend und rät Investoren, alle Staatsanleihen umgehend zu verkaufen. Die Flutung der Märkte mit frischem Geld werde gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaften des Westen haben.

Paul Singer von Elliott Management hält 10-jährige Staatsanleihen der USA, Großbritanniens, Japans und aus der Euro-Zone für die schlechtesten Investments, die man derzeit machen könne. In einer Notiz an seine Kunden rät Singer, alle diese Papiere sofort und ersatzlos zu verkaufen. Man habe damit bisher gutes Geld verdient, nun sei damit nichts mehr zu gewinnen: “Ab jetzt gibt es nur noch Risiko, und sehr wenig Belohnung”.

Singer gilt als ein erfahrener Investor, der jedoch im zweiten Quartal 2012 mit seinen Investments nicht sonderlich erfolgreich gewesen ist. Vor allem hatte er auf Gold und bestimmte Aktien gewettet. In beiden Fällen hatten sich die Werte nicht so entwickelt, wie Singer erhofft hatte. Im Falle von Gold dürfte auch Singer von den offenkundigen und nachhaltigen Manipulationen des Goldpreises überrascht worden sein (mehr dazu hier).

Trotz dieser Flops hat Singers Wort Gewicht. Und vor allem seine sehr pessimistische Beurteilung der Ursachen der Krise sind bemerkenswert: Die reichen Länder hätten nichts anderes getan, als Geld in die Märkte zu pumpen. Damit aber könne langfritig kein Wachstum geschaffen werden. Es sei zu wenig, die kurzfristig neu entstandenen Jobs im öffentlichen Sektor als Erfolg anzupreisen. Singer hält die Entwicklung in den USA für eine “nationale Tragödie”. Durch die aktuelle Finanzpolitik werde die Armut weiter steigen. Singer: “Geld in den Markt zu pumpen und die öffentliche Verwaltung aufzublasen ist kein Wachstum. Dies führt nur zu Korruption, noch mehr Armut und schließlich zu politischen Unruhen.” Amerika habe sich ausgesprochen negativ entwickelt: Waren früher Mut, Unternehmergeist und Kreativität die Treiber der amerikanischen Wirtschaft, habe sich die amerikanische Gesellschaft nun offenbar mit dem Status Quo abgefunden, in dem wenige viel und viel wenig besitzen.

Von Europa zeigt sich Singer ähnlich enttäuscht: Die Europäer hätten für die Lösung ihrer Krise nichts anderes anzubieten als die Auskunft, dass ein Zerfall der Euro-Zone “noch teurer sein werde, als du dir gestern vorstellen konntest”. Er hält die europäischen Banken für noch risikoreicher als vor 2008.

Auch Deutschland bekommt bei Singer indirekt sein Fett weg – auch wenn er konkret von den niedrigen Zinssätzen für die US-Staatsanleihen spricht: “Die Worte vom sicheren Hafen könnten sich als die schmerzhaftesten und teueresten für Investoren in den kommenden Jahren erweisen.”

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/09/investor-paul-singer-gelddrucken-wird-zu-armut-und-politischen-unruhen-fuehren/

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30.07.2012

Die Bazooka kommt: EZB und Fed wollen Märkte mit Geld fluten

Noch in dieser Woche erwarten die Finanzmärkte bei der EZB und der Fed einen Wechsel in der Geldpolitik. Leitzinssenkungen, Anleihenkäufe und eine erneute Geldschwemme sind im Gespräch. Das treibt die Kurse an den Börsen in die Höhe.

Nachdem Mario Draghi vergangenen Monat den Leitzins senkte und erst vor ein paar Tagen eine Intervention der EZB ankündigte (hier), gehen die Finanzmärkte bereits von einem Richtungswechsel in der Geldpolitik der EZB noch in dieser Woche aus (ein Treffen zwischen Draghi und dem skeptischen Jens Weidmann ist bereits geplant – hier). Neben dem Wiederaufnehmen des Anleihekaufs (in Zusammenarbeit mit dem EFSF – mehr hier), werden auch eine erneute Leitzinssenkung oder ein neuer Tender unter den Investoren nicht ausgeschlossen. Immerhin ist von den Tendern bisher nichts in der Privatwirtschaft angekommen und das schwächt die Wirtschaft der Eurozone (hier).

Das stärkere Eingreifen der EZB sehen viele Investoren zudem als Grund genug für die Fed, ebenfalls die Geldpolitik zu lockern. Zumal die jüngsten Zahlen eine deutliche Verlangsamung des Wachstums des amerikanischen BIPs zeigten. Außerdem hatte es in der Vergangenheit schon einmal eine gemeinsame Aktion der internationalen Zentralbanken gegeben. Und Großbritanniens Zentralbank entschied sich erst jüngst, den Markt mit weiteren Pfund zu fluten (hier).

Sie sind am Ende der Fahnenstange und wahrscheinlich auf der Suche nach der letzten Option, die sie durchführen können“, so Michael Feroli, Chefökonom bei JP Morgan und früherer Ökonom bei der Fed. „Man kann nichts ausschließen, weil sie sich winden und versuchen, das letzte rauszuholen, was sie können.“ Am Dienstag beginnt ein zweitägiges Treffen des Fed-Vorstands. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die US-Notenbank erst die Entscheidung der EZB bei der Ratssitzung am Donnerstag abwartet.

Die Aussicht auf eine mögliche Geldschwemme oder andere gravierende Maßnahmen ließ die Aktienkurse am Montag entsprechend steigen. Der FTSE 100, der wichtigste britische Aktienindex stieg bisher um 35,76 Zähler, der Dax um 53,76 Punkte. Der Dow Jones US Total Stock Market Index legte sogar um 274.35 Zähler zu.

Unterdessen sinken entsprechend auch die Zinssätze für langfristige spanische und italienische Anleihen. Italien konnte bei der heutige Auktion von langfristigen Papieren sogar mit deutlich günstigeren Renditen abschließen (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/30/die-bazooka-kommt-ezb-und-fed-wollen-maerkte-mit-geld-fluten/

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18.07.2012

Großbritannien: Bank of England beschließt die nächste Geldschwemme

Nach der ersten Geldschwemme Anfang Juli hat sich die Bank of England nun entschlossen, weitere 50 Milliarden Pfund in den Markt zu schwemmen. Die Bank verweist auf die hohen Risiken durch die Schuldenkrise. Dank der Olympischen Spiele kann das Land zumindest gesunkene Arbeitslosenzahlen vorweisen.

Mit 7 zu 2 Stimmen entschied die Bank of England (BoE) am Mittwoch, den Markt mit weiteren 50 Milliarden Pfund zu schwemmen. Erst Anfang Juli wurden 325 Milliarden Pfund zugesagt. Problematisch ist derzeit der Rückgang der vergebenen Kredite. Die Banken horten ihr Cash, statt es in die Privatwirtschaft weiterzugeben. Die Geldinstitute hatten bereits angedeutet, dass auch die erste Geldschwemme die Kreditvergabe nicht verbessern wird. Mit den weiteren 50 Milliarden Pfund hofft die BoE nun, die Kreditvergabe anzukurbeln, um die Wirtschaft zu unterstützen. Die Auswirkungen der Geldschwemme seien „potentiell bedeutend, aber schwer zu kalibrieren“, teilte die Bank mit. Auch eine Zinssenkung stellte die BoE in Aussicht.

Besonders große Sorgen macht der BoE die Entwicklung im Euroland: „Ungeachtet der ersten positiven Reaktion des Marktes auf die politischen Entwicklungen im Euro-Währungsgebiet bestehen nach wie vor sehr erhebliche Risiken“. Dies könnte, „erhebliche Auswirkungen auf die Konjunktur im Vereinigten Königreich und die Stabilität des globalen Bankensystems haben“.

Indes konnte jedoch das nationale Statistikbüro positive Zahlen verlautbaren. Im Mai fiel die Arbeitslosigkeit auf ein Neun-Monats-Tief: von 8,2 Prozent im April auf 8,1 Prozent. Hier wird jedoch hauptsächlich die Austragung der Olympischen Spiele zum Tragen kommen. Zudem seien viele Menschen sind in Teilzeitanstellungen gegangen oder haben sich selbstständig gemacht. Nach dem Ende der Olympischen Spiele müssen die Zahlen die positive Entwicklung des britischen Arbeitsmarktes aber erst bestätigen. „Die große Frage ist, ob der Arbeitsmarkt angesichts der weiterhin schwächelnden Wirtschaft robust bleiben kann”, sagte Howard Archer, Volkswirt bei IHS Global Insight in London.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/18/grossbritannien-bank-of-england-beschliesst-die-naechste-geldschwemme/

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06.06.2012

Angst vor System-Crash: Zentralbanken erwägen neue Geld-Schwemme

US-Präsident Barack Obama fürchtet um seine Wiederwahl, weil ein Banken-Crash in Europa das globale Finanzsystem gefährden würde. Daher bereiten sich die Zentralbanken offenbar auf eine gemeinsame Intervention in Form eines Dollar Swaps vor.

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Die jüngsten Warnung von US-Präsident Barack Obama, die Euro-Krise drohe auf die USA überzugreifen, zeigen, dass der Präsident „sehr nervös“ ist, wie ein Analyst dem Business Insider berichtet (Obama macht die Europäer jetzt schon für die US-Probleme verantwortlich – hier). Daher mehren sich Spekulationen, die Zentralbanken könnten eine gemeinsame Intervention vorbereiten, um einen systemischen Crash zu verhindern. Dieser würde durch den Zusammenbruch einer Bank in Europa ausgelöst werden können. Zwar weiß offiziell niemand, welche Bank am meisten bedroht ist. Fest steht jedoch, dass es den Banken immer schwerer fällt, sich mit Liquidität zu versorgen. Die Investoren geben den europäischen Banken kaum noch Geld, der Interbanken-Markt ist wieder zum Erliegen gekommen, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem aktuellen Bericht dokumentiert.

Daher könnten die Notenbanken in einer konzertierten Aktion zur Rettung schreiten. Diese soll sich, wie Beobachter mutmaßen, in einem neuen Dollar Swap ausdrücken. In einem solchen Prozess stellt die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) der Europäischen Zentralbank (EZB) Dollars in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung. Die EZB reicht diese dann in Form von Krediten an die notleidenden Banken weitere. Spekulationen über einen solchen Dollar Swap haben sich in den vergangenen Tagen verdichtet.

Die Zentralbanken haben diesen Rettungsring das letzte Mal im November 2011 ausgeworfen. In der allgemeinen Begeisterung über die von der EZB ausgegebenen LTROs ist die Wirkung der Dollar-Finanzspritze aus Amerika, England und Japan etwas untergegangen. Beobachter halten jedoch fest, dass genau diese Maßnahme im vergangenen Jahr maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der Crash vermieden werden konnte. EZB Präsident Mario Draghi hatte eingeräumt, dass das Finanzsystem vor Weihachten tatsächlich am Rande des Kollaps gestanden habe.

Ein Dollar Swap würde den Banken helfen, sich wieder mit Liquidität zu versorgen – damit würde der System-Crash verhindert. Langfristig ist diese Maßnahme freilich nicht. Sie reicht vermutlich nicht einmal, um Obama einen ruhigen Herbst zu verschaffen. Die LTRO Mittel der EZB sind bereits aufgebraucht (mehr hier). Das ist nicht erfreulich, denn die großen Finanzierungs-Runden der europäischen Staaten stehen in diesem Jahr noch an. Wenn die Banken keine Liquidität haben, um Staatsanleihen zu kaufen, steigen die Zinssätze – und damit die Gefahr für einzelne Staaten, von den Kapitalmärkten ausgeschlossen zu werden. Aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist Spanien (hier).

Besonders bedenklich ist jedoch, dass die Super-Mega-Bazooka eines Dollar Swaps nun bereits im Halbjahres-Rhythmus ausgepackt werden muss. Eine nachhaltige Konsolidierung in der globalen Schuldenkrise sieht anders aus.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/06/06/angst-vor-system-crash-zentralbanken-erwaegen-neue-geld-schwemme/

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12.03.2012

Währungskrieg: BRICS-Länder machen Front gegen US-Dollar – „Rossijskaja Gaseta“

Die BRICS-Länder haben Angriff auf den US-Dollar als weltweite Handelswährung gestartet, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Montag.

Die BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) wollen ihre Nationalwährungen im gegenseitigen Handel und bei Krediten verwenden. Ein entsprechendes Abkommen könnte während des am 29. März anstehenden BRICS-Gipfels in Neu-Delhi unterzeichnet werden.

Falls es dazu kommt, würde fast die halbe Welt bei der gegenseitigen Kreditvergabe auf den US-Dollar verzichten. Experten halten das für einen Vorteil angesichts der mit dem US-Finanzsystem verbundenen Risiken, warnen allerdings, dass dieses Vorhaben schwer umzusetzen sein könnte.

Das neue Abkommen könne zustande kommen, findet Alexej Mamontow, Präsident des Moskauer internationalen Währungsverbands. Das Wirtschaftswachstum in den BRICS-Ländern sei stabil, betonte er. Vor allem China und Russland, die über enorme Gold- und Devisenreserven verfügen, haben große Möglichkeiten bei der Vergabe von Krediten, stimmte Andrej Susdalzew von der Moskauer Wirtschaftshochschule zu.

Peking und Moskau wollen ihre Positionen auf den internationalen Märkten stärken, ergänzte er. Sie seien zudem bereit, ihre Beiträge für den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen und die Eurozone bei der Lösung ihrer Schuldenprobleme zu unterstützen. „Es gibt eine Nachfrage für diese Hilfe, aber jemand will, dass China und Russland weiterhin am Rande der Finanzmärkte bleiben“, vermutete Experte Susdalzew. Dank des neuen Abkommens könnten die BRICS-Länder ihre Positionen festigen.

Für China und Russland ist dies nicht der erste Versuch in diesem Bereich. Peking ist durch ähnliche Verträge mit Singapur, Malaysia, Hongkong, Südkorea, Indonesien, Japan, Russland usw. verbunden. Russland will seinen Rubel vor allem im postsowjetischen Raum als Handelswährung etablieren, dessen Anteil am Handel mit den GUS-Ländern inzwischen bei etwa 60 Prozent liegt.

Aber der Yuan und der Rubel hätten auch Schwächen, warnte Susdalzew. Die chinesische Währung sei inkonvertibel und außerdem an den US-Dollar gebunden. Der Rubel ist vor allem wegen der mangelhaften Diversifizierung der russischen Wirtschaft anfällig, stellte Mamontow seinerseits fest.

Darüber hinaus verwies Susdalzew auf den geringen Handelsumsatz zwischen den BRICS-Ländern. Brasilien richte sich vor allem nach dem südamerikanischen Markt. Chinas wichtigste Handelspartner seien und bleiben die USA und Europa. Auch für Russland macht das Exportgeschäft mit den EU-Ländern 48 Prozent seines gesamten Außenhandels aus.

Die Situation ändere sich aber ziemlich schnell, räumte der Experte ein: Der Handelsumsatz zwischen Brasilien und China sei im vergangenen Jahr um 37 Prozent gewachsen, zwischen Brasilien und Indien um 20 Prozent, zwischen Russland und China um 42 Prozent. Die gegenseitige Kreditierung in den Nationalwährungen könnte den Handelsbeziehungen innerhalb der BRICS-Gemeinschaft weitere Impulse geben.

http://de.ria.ru/business/20120312/263032684.html

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Was bringen das ständige Gelddrucken und Abwerten eigener Währungen für die FED, EZB & andere Zentralbanken und welche Folgen es mit sich bringt.

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