Eltern gegen die Schulpflicht – eine Chronik

07.11.2014

Auf Schulverweigerung der Eltern steht Haftstrafe

Seit zwei Jahrzehnten wehren sich einige Eltern gegen die Schulpflicht, etwa weil sie sich am Sexualkundeunterricht stören. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte nun, dass Eltern für das Fernbleiben ihrer Kinder bestraft werden können.

————————————————————————————-

Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, dürfen bestraft werden. Eine entsprechende Strafnorm sei mit dem Grundgesetz vereinbar, gab das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einer am Freitag veröffentlichten Entscheidung bekannt. Eine Verfassungsbeschwerde der Eltern gegen eine strafrechtliche Verfolgung dieses Vergehens werde wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg nicht angenommen, entschied das Bundesverfassungsgericht. Angestrengt hatte die Beschwerde ein Elternpaar aus Nordhessen, das seinen neun Kindern den Schulbesuch seit Jahren verweigert. (Az. 2BvR 920/14)

Die Eltern, die ihre Kinder aus Glaubens- und Gewissensgründen nicht zur Schule schicken, sondern zu Hause selbst unterrichten, waren im vergangenen Jahr vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Geldstrafe von je 700 Euro verurteilt worden. Berufung und Revision gegen das Urteil waren ohne Erfolg geblieben. Die Eltern hatten mehrfach erklärt, ein Schulbesuch ihrer schulpflichtigen Kinder sei nicht mit ihrer christlichen Überzeugung vereinbar. Sie störten sich etwa am Sexualkundeunterricht in der öffentlichen Schule und daran, dass die Kinder dort in Kontakt mit Alkohol und Drogen kommen könnten. Die Eltern wehren sich bereits seit zwei Jahrzehnten gegen die Schulpflicht und standen deshalb schon mehrfach vor Gericht.

Das Bundesverfassungsgericht wies demgegenüber darauf hin, dass die Allgemeinheit ein berechtigtes Interesse daran habe, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken. Selbst ein erfolgreicher Hausunterricht verhindere nicht, dass sich die Kinder einem Dialog mit Andersdenkenden verschlössen. Er sei deshalb nicht geeignet, insbesondere die in einer Klassengemeinschaft gelebte Toleranz zu fördern.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigt zudem, dass die Eltern wegen jedem einzelnen Kindes verurteilt werden können. Eine unzulässige Doppelbestrafung liege hier nicht vor. Eltern seien bezüglich jedes einzelnen Kindes gefordert, dessen Teilnahme am Unterricht zu gewährleisten.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/gerichtsurteil-auf-schulverweigerung-der-eltern-steht-haftstrafe-13253631.html

———————————————————————————————————————

11.04.2014

Deutschland: Familienvater in Haft, weil Kind nicht zum Sex-Unterricht kommt

Schließen Sie einen Moment die Augen und stellen sich folgende Szene in Deutschland vor: Im Sexualkunde-Unterricht hantiert der Lehrer vor Grundschülern mit einer Plüsch-Vagina und einem Gummi-Penis. Er erklärt den Neunjährigen, wie Sex geht. Doch ein Kind fehlt: Die Eltern möchten nicht, dass ihr Sohn diese Dinge schon lernt und nehmen ihn aus der Stunde. Deswegen sitzt der Vater nun in Erzwingungshaft, auch der Mutter droht Gefängnis.

————————————————————————————-

Es sind absurde Szenen. Doch sie markieren die Zukunft unserer Gesellschaft, weil die Politiker es so wollen. Vor allem Rote und Grüne sind ganz wild darauf, Kindern alles über Sex zu erzählen. Am besten schon den ganz Kleinen, damit sie ihre „natürlichen Bedürfnisse“ kennenlernen. Wer sich weigert, sein Kind zu dieser Art Unterricht zu schicken, muss Strafe bezahlen. Wer aus Prinzip nicht zahlt, wandert in den Knast.

Dutzende Male geschah dies in den letzten Jahren, vor allem unter der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen setzt man zunehmend alles daran, die Frühsexualisierung in Schulen durchzusetzen. Dort sind in den letzten Jahren immer wieder Fälle bekanntgeworden, nach denen Mütter oder Väter zum Teil wochenlang (40 Tage!) in Erzwingungshaft genommen wurden, nur, weil sie ihre kleinen Kinder nicht in der Schule zwangssexualisieren lassen wollten. Auch die Mutter eines Neugeborenen war darunter, sie saß zwei Wochen ein. Und jetzt wieder: Am vergangenen Montag wanderte Arthur Wiens für eine Woche hinter schwedische Gardinen, und zwar in die Justizvollzugsanstalt Hamm. Seiner Frau droht eine ähnliche Strafe.

Den Menschen in den Mittelpunkt jeden Handelns stellen – dafür steht die Landesregierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft“, heißt es auf der Homepage der NRW-Landesregierung. Hannelore Kraft und ihre Minister/innen lachen fröhlich vom Bild aufs Volk runter. Weiter heißt es: „Wir in Nordrhein-Westfalen wollen, dass kein Kind zurückgelassen wird, sondern alle Kinder und Jugendliche beste Bildungschancen erhalten.“

Zynismus pur, und es wird einem schlecht, denn dieser Mix aus „so-tun-als-ob-nichts-wäre einerseits, und den hammerharten Sexual-Bandagen für Grundschüler andererseits hat etwas von einem Psychothriller, in dem man sich unheimlichen Mächten hilflos ausgesetzt sieht, weil keiner die Gefahr zu bemerken scheint: Die Gefahr für Leib und Seele unserer Kinder. Im Gegenteil, der lächelnde, eiskalte Feind ist Regierungschef!

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass jene Eltern, die diesen rot-grünen Sex-Spuk nicht mitmachen wollen, eigentlich umfassend durch das Bundesverfassungsgericht bzw. durch das Grundgesetz geschützt wären. Eigentlich! So hat das Verfassungsgericht festgestellt, dass die Sexualerziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern ist und nicht die des Staates. Und die höchsten Richter des Landes sind der Auffassung, dass die Schule mit ihrer Sexualerziehung – anders als andere Unterrichtsfächer – in die Intimsphäre des Kindes (Art. 1 und 2 GG), in das Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 II Satz 1GG) und in die Familie eingreift.

Die Eltern entscheiden? Die Realität sieht leider völlig anders aus. Auch Berlin und Baden-Württemberg wollen jetzt nachziehen und Sexualkunde im schulischen Bildungsplan festlegen. Bürgerproteste, Massendemonstrationen und eine Petition mit über 200.000 Unterschriften standen in den letzten Monaten gegen die politische Entscheidung: Nun denken der baden-württembergische grüne Ministerpräsident Kretschmann und seine emsigen Politiker darüber nach, über welche Hintertür sie ihre menschenunwürdigen Pläne doch noch umsetzen können. Dass zahlreiche Unterstützer übrigens aus der Pädophilen-Szene stammen, scheint unsere Politiker überhaupt nicht zu stören.

Ein Vorkämpfer der „sexualliberalen Sexualpolitik“ war zum Beispiel der Pädagoge und Psychologe Helmut Kentler, der auch an Evangelischen Akademien tätig war und für sein Engagement mit einer Professur in Hannover belohnt wurde. In seinen „Lehrbüchern“ über die Sexualisierung von Kindern sprach er ganz offen aus, was Pädophile und deren Unterstützer aus rot-grünen Kreisen immer gerne ins Feld führen, was dem natürlichen Empfinden eines einigermaßen normal veranlagten Menschen allerdings schwerste Schmerzen verursacht: Weder Sex-Unterricht noch der Sex mit Kindern sei Missbrauch, sondern ein Kinderrecht.

Selbstverständlich kennen Kinder dieses „Recht“ auf Sex oder den Sex-Unterricht nicht, noch fordern sie es ein. Denn ihre natürliche Entwicklung sieht wahrlich anderes vor. Also müssen die Kinder von den durch ihre Triebe gelenkten „Aufklärern“ erst einmal auf den Geschmack ihrer „natürlichen Bedürfnisse“ gebracht werden. Dafür gibt es die Frühsexualisierung an Schulen. Übrigens empfahl Kentler auch dringend den angeblich »präzisierenden Gebrauch von Gossensprache für alles, was mit Sexualität zu tun hat«. Und er plädierte für eine schamfreie Erziehung, weil sie angeblich Vertrauen wecke.

Kentler konnte Zeit seines Lebens trotz all der Ungeheuerlichkeiten, obwohl er viele Jahre lang in Wort und Schrift zum sexuellen Missbrauch anregte, in Freiheit und Ruhe leben. Eltern, die aus Glaubensgründern ihre Kinder nicht zum schulischen Sexualkundeunterricht schicken, kommen dafür heute ins Gefängnis. Das ist Deutschland 2014!

Übrigens setzt sich der russische Präsident Putin seit Jahren nachdrücklich gegen derartige „moderne“ Entwicklungen zur Wehr. Er will Russland keinesfalls zwangssexualisieren. Dafür wird Putin von den deutschen Massenmedien ständig kritisiert. Die wir auch noch bezahlen. Zwangsbezahlen, versteht sich.
http://german.ruvr.ru/2014_04_11/Deutschland-Familienvater-in-Haft-weil-Kind-nicht-zum-Sex-Unterricht-kommt-3344/

———————————————————————————————————————

17.11.2013

8 Tage Erzwingungshaft für Väter von 9 und 11 Kindern

Staatlicher Zwang statt persönlicher Freiheit: 12-jährige Buben aus zwei Familien hatten nicht am Sexualkundeunterricht der 6. Schulklasse teilgenommen

————————————————————————————-

Zwei Väter aus den Gemeinden Geseke und Niederntudorf im Raum westlich von Paderborn wurden überraschend in Erzwingungshaft genommen und in die Justizvollzugsanstalten Bielefeld und Büren verbracht. Wie aus ihrer christlichen Gemeinde mitgeteilt wurde, hatten sie zuvor zugelassen, dass ihre Söhne nicht am Sexualkundeunterricht ihrer Schule teilgenommen hatten und das daraufhin verhängte Bußgeld nicht gezahlt.

Polizeizugriff und Inhaftierung

Mit einer eiligen Mitteilung verbreitete die Evangeliumschristen-Baptistengemeinde Geseke die Nachricht über die Inhaftierung von Eduard W. und David T. aus den Gemeinden Geseke und Niederntudorf. Am 15. November um etwa 07.30 Uhr sei unverhofft Eduard W., Vater von 9 Kindern und Diener der Gemeinde Geseke von Polizeibeamten aus Paderborn verhaftet und für 8 Tage in die JVA nach Bielefeld gebracht worden. Die Polizeibeamten hätten sogar angedroht, auch die Ehefrau mitzunehmen und die Kinder allesamt vom Jugendamt für die Dauer der Haft in einem Heim unterzubringen. Sie taten dies zwar noch nicht, versprachen aber, so heißt es in der Mitteilung, die Frau eine Woche nach Entlassung ihres Mannes ebenfalls in Erzwingungshaft zu nehmen. Am gleichen Tag sei auch David T., Diakon der Gemeinde Niederntudorf und Vater von elf Kindern, von der Polizei aus Salzkotten abgeholt und gleichfalls für acht Tage in die JVA Büren gebracht worden.

Geldbußen wegen Fernbleibens vom Sexualkundeunterricht

Ausgelöst wurde der staatliche Zugriff durch den Sexualkundeunterricht in der sechsten Schulklasse an der Realschule Salzkotten. Vor drei Jahren seien die Söhne der beiden Väter, Josef und Jonas, dem Sexualkundeunterricht ferngeblieben. Weil die Väter dies zugelassen und unterstützt hätten, sei ihnen eine Geldbuße in Höhe von je 160 Euro auferlegt worden, die sie jedoch nicht bezahlten.

Die beiden Väter sitzen nicht zum ersten Mal in Erzwingungshaft. Sie mussten bereits 2010 und 2011 mehr als 60 Tage in Justizvollzugsanstalten verbringen, weil die Zahlung von Geldbußen erzwungen werden sollte.

Gebetsappell der Gemeinde

Die christliche Gemeinde appelliert, für die Väter zu beten: „Wir bitten für die beiden Brüder zu beten, dass der Herr Ihnen Kraft gibt auch in dieser Glaubensprüfung standhaft zu bleiben und alles aus Seiner Hand zu nehmen lernen. Beten auch für die Familien, dass die Abwesenheit der Väter durch die Anwesenheit des Herrn selbst ersetzt wird und dass der Herr die Gnade schenkt, dass das Opfer der Väter nicht vergeblich ist und alle Kinder ihren Fußtapfen folgen möchten und ihr Leben dem Herrn weihen.“

Ein Gottesdienst, den die Gemeinde vor der Justizvollzugsanstalt am Samstag abhalten wollte, wurde nach Angaben eines Vertreters der Gemeinde von der Polizei unter Ankündigung einer Anzeige aufgelöst.

Globale sexuelle Revolution

MEDRUM hatte in der Vergangenheit wiederholt über ähnlich gelagerte Konfliktfälle im Raum Salzkotten berichtet. Die Sexualerziehung in Schulen ist Teil eines großangelegten globalen Programmes, über das die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby in ihrem 2012 erschienenen Buch „Die globale sexuelle Revolution“ berichtet. Wie die Fälle im Raum Paderborn gezeigt haben, handelt es sich hier nicht um eine Verschwörungstheorie, sondern nackte Realität. „Aber wer stört sich an der Zwangssexualisierung der Kinder in Kindergarten und Schulen, dass Eltern ins Gefängnis kommen, die ihr vom Grundgesetz geschütztes Erziehungsrecht in Anspruch nehmen und Kinder vor diesem Unterricht bewahren wollen?“, fragt Kuby in ihren Vorträgen über einen Prozess, der die Grundlagen der menschlichen Existenz unterminiert.

http://www.medrum.de/content/8-tage-erzwingungshaft-fuer-vaeter-von-9-und-11-kindern

———————————————————————————————————————

22.09.2013

Homeschooling-Streit

„Unsere Kinder gehören nicht dem Staat“

In Deutschland gilt die allgemeine Schulpflicht. Eltern dürfen ihre Kinder nicht zu Hause unterrichten. Doch selten spitzte sich ein Streit mit den Ämtern so zu wie im Fall einer Darmstädter Familie. Von Claudia Becker

————————————————————————————-

Es war um 16.30 Uhr, als sich die Tür des Sitzungssaals im Darmstädter Amtsgericht am vergangenen Donnerstag öffnete und zwei Menschen strahlend auf den Flur traten. Den Freunden, die dort drei Stunden auf das Ende der nicht öffentlichen Anhörung gewartet hatten, fielen sie erleichtert in die Arme. Petra und Dirk Wunderlich hatten soeben vom Familiengericht ihre vier Kinder zurückbekommen.

Knapp drei Wochen zuvor waren sie ihnen von den Behörden weggenommen worden. Die Wunderlichs hatten sich seit Jahren geweigert, ihre Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren in die Schule zu geben. An jenem Morgen des 29. August versuchte die Staatsgewalt daher auf ungewöhnlich radikale Weise, einen vorläufigen Schlussstrich unter den Streit des Ehepaares mit der Schulbehörde und dem Jugendamt zu ziehen: 20 Polizisten und Mitarbeiter des Jugendamtes standen um acht Uhr vor der Tür, um die drei Mädchen und den Jungen mitzunehmen.

Drei Wochen mussten die Kinder in einem Heim leben, die Eltern durften sie nur einmal für zwei Stunden am Geburtstag der jüngsten Tochter besuchen. Am vergangenen Donnerstag nun erlaubte das Gericht den Wunderlichs, ihre Kinder wieder mit nach Hause zu nehmen – weil sie zugestimmt hatten, sie fortan auf eine staatliche Schule zu schicken.

Eine Entscheidung in dem Eilverfahren, das der Landkreis Darmstadt-Dieburg angestrengt hatte und in dem es darum geht, ob die Kinder vom Jugendamt dauerhaft in Obhut genommen werden, ist das zwar noch nicht. Diese soll erst in der kommenden Woche fallen. Aber die Wunderlichs sind optimistisch. Sie haben ja nun eingelenkt.

„Freiheitsgrundsätze einer Demokratie“

Das Ehepaar aus der Nähe von Darmstadt ist nur eines von etlichen Elternpaaren in Deutschland, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen. Genaue Statistiken über die Zahl der betroffenen Jungen und Mädchen gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 40 und 80 Kindern. Doch weil Hausunterricht in Deutschland verboten ist, wandern einige Familien ins Ausland ab, wo die Frage der Schulpflicht oft laxer geregelt ist. Prominentestes Beispiel ist die Familie Romeike aus Baden-Württemberg, die seit 2010 in den USA lebt und dort aus diesem Grund sogar Asyl beantragt hat. Das wurde ihnen sogar zunächst gewährt, in diesem Jahr jedoch wieder aberkannt.

Auch Familie Wunderlich hatte mit den Kindern Deutschland schon verlassen. In Frankreich wollten sie Fuß fassen. Aber weil Dirk Wunderlich, ein gelernter Gärtner, dort keine Arbeit gefunden hatte, kehrte die Familie nach Deutschland zurück – und bekam erneut Probleme mit dem Jugendamt.

Seit Jahren wird die Familie Wunderlich ideell von der US-amerikanischen Home School Legal Defense Association (HSLDA) unterstützt. Mike Donnelly, zuständig für internationale Beziehungen der Organisation, sagt, dass er die deutsche Politik gegenüber Homeschoolern „erschreckend“ fände und „nicht vereinbar mit den Freiheitsgrundsätzen einer liberalen Demokratie“. Etliche Auslandsmedien berichteten über den Fall der Wunderlichs, in Leser-Kommentaren wurde das Vorgehen der deutschen Behörden teilweise sogar mit dem der Nationalsozialisten verglichen.

Darwins Evolutionstheorie verwirrt die Kinder

Vor dem Darmstädter Amtsgerichts stehen am vergangenen Donnerstag rund 40 Menschen mit Plakaten. „Lasst die Kinder frei“, steht auf ihnen und: „Unsere Kinder gehören nicht dem Staat“. Es wäre nicht mit seinem Glauben vereinbar, sagt ein Demonstrant, dem Staat die Erziehung seiner acht Kinder zu überlassen. Er wolle nicht, dass Darwins Evolutionstheorie die Kinder verwirre. Eine junge Frau, die nach einigen Jahren Hausunterricht die Schule besuchen musste, erzählt, dass der Sexualkundeunterricht sie schockiert habe. „Warum müssen sich Kinder schon mit Themen beschäftigen, die ausschließlich in die Ehe gehören?“, fragt sie empört.

Auch die Wunderlichs sind religiös. Aber wer mit Petra und Dirk Wunderlich spricht, merkt schnell, dass Begriffe wie „fundamentalistisch“ oder „streng gläubig“ auf sie, die keiner bestimmten Kirche angehören, nicht wirklich zutreffen. Sie sagen nicht, Kinder müssen zu Hause unterrichtet werden, weil es so in der Bibel steht. Petra Wunderlich sagt, dass es ihnen um Werte gehe, die in der Schule zu wenig vermittelt würden.

Und Dirk Wunderlich betont, dass es ihm auch um Gefühle gehe, die in unserer Gesellschaft zu kurz kämen, die verkümmerten, wenn Eltern und Kinder voneinander getrennt würden. Er spricht von Pornografie und toten Bildern in Fernsehen und Computern, die die Vorstellungswelt der Jugendlichen nährten. In der Schule sieht er einen unnatürlichen Ort, der Neugierde behindere, statt sie zu fördern.

Aber haben Eltern nicht auch die Aufgabe, ihre Töchter und Söhne auf ein Leben in der Welt vorzubereiten, die nicht nur schön ist? Und haben Kinder nicht auch ein Recht auf außerfamiliäre Einflüsse?

Auch die Kritiker des Homeschoolings sagen, sie wollten das Beste für die Kinder. Sie verweisen auf das lange Studium der Lehrer, das sie einfach besser qualifiziere als ein Homeschooling-Seminar die Eltern. Zudem biete Hausunterricht zu wenig Möglichkeiten, das Arbeiten in der Gemeinschaft zu lernen. Die Fähigkeit, sich in einer Gruppe durchzusetzen, Diskussionen zu führen. Sie befürchten die Bildung von Parallelgesellschaften.

Entsetzen nach dem ersten Schuljahr

Dass sich unter Homeschoolern auch Eltern mit fragwürdigen Erziehungsmethoden finden, hat nicht zuletzt der Fall der Zwölf Stämme gezeigt, jener Sekte, deren Anhänger wegen ihrer Weigerung, die Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken, schon ins Gefängnis gegangen sind. Die Behörden hatten den Eltern schließlich sogar eine private Ergänzungsschule in den Räumen der Sekte erlaubt. Wie jetzt bekannt wurde, hat die in Bayern ansässige Glaubensgemeinschaft Kinder misshandelt. Hätten sie öffentliche Schulen besucht, mit vielen Möglichkeiten, außerhalb ihrer Gemeinschaft Kontakte zu knüpfen, wäre das vermutlich viel früher ans Licht gekommen.

Repräsentativ für die Homeschooling-Bewegung sind die Zwölf Stämme dennoch nicht. Und es sind nicht nur religiöse Motive, die Eltern veranlassen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Häufig ist es schlicht der Eindruck, dass ein Kind nicht ins Schulsystem passt. So wie der älteste Sohn von Judith Menzel (Name geändert) aus Berlin. Schon als Kindergartenkind konnte er rechnen und sich erstaunlich lange mit einer Sache beschäftigen. Er war neugierig.

Dann kam er in die Schule, und alles war anders. „Ich war entsetzt“, sagt die promovierte Naturwissenschaftlerin, „in welch desolatem Zustand er nach dem ersten Schuljahr war.“ Die Stifte waren angekaut, er hatte Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Und er stellte keine Fragen mehr. Judith Menzel entschloss sich mit ihrem Mann, es selbst zu versuchen. Im Schulamt trafen sie auf einen aufgeschlossenen Beamten. „Wir wurden von den Behörden wohlwollend toleriert“, sagt sie.

Sie schloss sich dem Homeschooling-Netzwerk der christlichen Philadelphia-Schule an. Dort besuchte sie Seminare, in denen Lehrer Eltern beibrachten, wie sie selbst ihre Kinder unterrichten können. Über das Netzwerk kam Judith Menzel auch an Lehrmaterialien. Mathematik war kein Problem, da ließen sich die Leistungen leicht kontrollieren.

Aufsätze hat sie beim Netzwerk eingereicht, wo sie von studierten Pädagogen bewertet wurden. Am Ende des Schuljahres riefen die Lehrer bei Menzels an, prüften zum Beispiel die Sprachkompetenz des Hausschülers und verglichen das Zeugnis, das die Mutter geschrieben hatte, mit ihren eigenen Bewertungen.

Erkundung des Lebensraumes mit einer Echse

Judith Menzel sorgte dafür, dass ihr Sohn nicht verlernte, in einer Gruppe zu lernen. Sie schickte ihn nachmittags in die Musikschule und in einen Literaturklub. Und sie fand neben dem Fernlehrplan immer wieder neue Wege, ihrem Sohn Wissen zu vermitteln. Mithilfe der australischen Echse zum Beispiel, die sich der Achtjährige als Haustier zulegen dürfte. Sie ließ ihn den Lebensraum erkunden. Das war Sachkunde. Sie ließ ihn ausrechnen, wie groß das Terrarium für zwei Tiere sein muss. Das war Mathematik. Und sie ließ ihn einen Aufsatz über Australien schreiben. Das war Deutsch. Ganz nebenbei lernte er beim Anlegen des Geheges handwerkliches Geschick.

Der reguläre Unterricht zu Hause dauerte täglich nur drei Stunden. Aber die waren so effektiv, dass Judith Menzel ihrem Sohn nach zwei Jahren zutraute, an einer Schule eine externe Prüfung zu absolvieren, um ein staatlich anerkanntes Zeugnis zu bekommen. „Wir wollten nicht, dass er uns später einmal den Vorwurf macht, wir hätten ihm die Möglichkeit genommen, ein Gymnasium zu besuchen.“

Doch als sie nun beim Schulamt anfragten, gerieten sie an eine Beamtin, die es nicht so locker mit dem Verstoß gegen die Schulpflicht nahm. Die Menzels wurden aufgefordert, ihren Sohn unverzüglich in die Schule zu schicken. „Ich wollte nicht riskieren, dass uns das Sorgerecht entzogen wird“, sagt sie. Also schickten sie ihren Sohn auf die Schule. Damals war er acht. Sieben Jahre ist das her.

Heute besucht er mit großem Erfolg das Gymnasium. Judith Menzel ist überzeugt, dass ein, zwei Jahre Unterricht zu Hause vielen Kindern guttun würden. Kindern mit besonderen Neigungen – Kindern, auf deren individuelle Bedürfnisse ein Lehrer in einer Klasse mit mehr als 20 Schülern gar nicht so eingehen kann.

Beim Homeschooling könnten diese Kinder erst mal zu sich finden, ihr Selbstbewusstsein stärken. Und danach auch wieder auf eine Schule gehen. Judith Menzel will nicht, dass die Schulpflicht abgeschafft wird. Aber sie will, dass Ausnahmen möglich sind. „Es könnte ja regelmäßig jemand vom Schulamt bei den Homeschoolern vorbeischauen und die Leistungen der Kinder überprüfen.“

Homeschooling, eine Chance für Nachzügler?

Auch Familie Reinecke (Namen geändert) aus einer süddeutschen Kleinstadt befürchtete, dass ihr Sohn in einer öffentlichen Schule untergehen würde. Tobias litt an einer Sprachverzögerung und einem sogenannten selektiven Mutismus. In der Familie und im Umgang mit seinen Freunden war er aufgeschlossen. Gegenüber Fremden konnte es passieren, dass er einfach keinen Ton herausbrachte. So war es auch bei der Schuleingangsuntersuchung.

Tobias‘ Eltern wollten nicht, dass ihr Sohn auf eine Sonderschule kommt. „Er ist so vielseitig interessiert, wissbegierig und lernfreudig“, sagt Joachim Reinecke, der als Softwareentwickler arbeitet. „Auf einer Sonderschule wäre er völlig unterfordert gewesen.“ Also entschlossen sich auch die Reineckes, ihren Sohn zu Hause zu unterrichten. Auch sie trafen in ihrem zuständigen Schulamt auf Beamte, die aufgeschlossen waren. „Die Behörde führte nach einiger Zeit eine Lernstandserhebung durch“, sagte Joachim Reinecke, „und verzichtete auf Sanktionen.“ Für Tobias war das ein großes Glück.

Heute ist er 13 Jahre alt. Es kann immer noch passieren, dass er sich nicht traut, zu sprechen. Aber es geht immer besser. Im vergangenen Jahr hat er sich entschieden, Latein zu lernen, und bringt es sich seitdem weitgehend eigenständig bei. Im Moment beschäftigt er sich mit Quantenphysik und dem Leben von Albert Einstein und dessen Relativitätstheorie.

Überdurchschnittlich hohe Lesekompetenz

Auch die Kinder der Familie Wunderlich sollen über ein hohes Bildungsniveau verfügen. Das Schulamt hat sich kürzlich ein Bild von ihrem Leistungsstand gemacht. „Die Kinder haben demzufolge eine überdurchschnittlich hohe Lesekompetenz“, berichtet Andreas Vogt, der Anwalt der Familie, „sie haben ein hohes naturwissenschaftliches Wissen, können sehr gut selbstständig arbeiten und verfügen über hohe Konzentrationsfähigkeiten.“

Draußen, vor dem Gerichtsgebäude, feiern die Wunderlichs das Wiedersehen mit den Kindern. Ein bisschen schüchtern drückt sich die Jüngste an die Mutter. Irgendwie können sie es alle noch nicht fassen, wieder zusammen zu sein.

Die Wunderlichs wollen weiter für das allgemeine Recht auf Homeschooling kämpfen. Aber sie persönlich wollen sich nun fügen. „Wir werden brav die deutsche Schulpflicht umsetzen“, sagt Dirk Wunderlich. Noch einmal will er seine Kinder nicht verlieren. Für die dreiwöchige Unterbringung der drei Mädchen und des Jungen im Heim schickte ihm das Jugendamt einen Kostenbescheid: 13.829,20 Euro. Er könne auch in Raten zahlen, teilte man ihm noch mit.

http://www.welt.de/vermischtes/article120256781/Unsere-Kinder-gehoeren-nicht-dem-Staat.html

———————————————————————————————————————

05.09.2013

Behandelt, „als wäre ich ein Terrorist“

Weil es den schlechten Einfluss der Schule fürchtet, unterrichtet ein hessisches Paar Töchter und Söhne zu Hause. Jetzt hat das Jugendamt die vier Kinder aus der Familie genommen.

————————————————————————————-

Mit 20 Frauen und Männern standen sie in der vergangenen Woche vor der Tür des Hauses in Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Sozialarbeiter, Gerichtsvollzieher, bewaffnete Polizisten. Sie hatten einen Rammbock dabei, falls die Wunderlichs die Tür nicht öffnen wollten. Doch Dirk Wunderlich öffnete. Er wusste, was sie wollten. Aber er wusste nicht, dass es so ablaufen würde.

„Die Polizei stieß mich in einen Sessel“, berichtete er der „Home School Legal Defense Association“ (HSLDA), der US-amerikanischen Bewegung für das Recht auf Hausschulunterricht. Die Beamten hätten ihn daran gehindert, ein Telefongespräch zu führen. Er fühlte sich behandelt – „als wäre ich ein Terrorist“.

Dirk Wunderlich steht nicht unter dem Verdacht, ein Terrorist zu sein, ebenso wenig wie seine Frau Petra. Was den Staat gegen das Ehepaar aus der Nähe von Darmstadt so aufbringt, ist etwas anderes: Die Wunderlichs weigern sich seit Jahren, ihre vier Kinder zwischen sieben und 14 Jahren in einer Schule unterrichten zu lassen. Am vergangenen Donnerstag wurden die Kinder von dem 20 Mann starken Team deshalb abgeholt. Seitdem leben sie in einer Jugendhilfeeinrichtung.

Kein altersgemäßes Bildungsniveau

Wie konnten es die Eltern so weit kommen lassen? Das streng christlich-religiöse Paar fürchtet, die Söhne und Töchter könnten in einer Schule unter schlechte Einflüsse geraten und unterrichteten ihren Nachwuchs aus diesem Grund selbst, zu Hause. Seit gut acht Jahren gibt es deshalb Streit mit dem Schulamt.

Zwischendurch zog die Familie sogar ins europäische Ausland, um der deutschen Schulpflicht zu entgehen. Aus beruflichen Gründen kam die Familie schließlich zurück. Vor einem Jahr wurde den Eltern per Gerichtsbeschluss das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen und auf das Jugendamt übertragen. Das Wohl der Kinder galt nach Ansicht des Amtsgerichts Darmstadt als gefährdet, ihr Bildungsniveau als nicht altersgemäß.

Die Wunderlichs zogen dagegen vor das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Das wies die Beschwerde zurück, bestimmte aber, dass die Eltern während der hessischen Schulferien über den Aufenthaltsort der Kinder entscheiden dürften. Während der Schulzeit allerdings blieb das Aufenthaltsbestimmungsrecht beim Jugendamt.

Deutschland als „Schurkenstaat“ beschimpft

Das aber musste feststellen, dass die Eltern keinerlei Anstalten machten, die Kinder zur Schule zu schicken. „Die Eltern hatten signalisiert, die Kinder freiwillig nicht herauszugeben und sich auch weiterhin zu weigern, eine Schulpflicht für ihre Kinder zu akzeptieren“, so Frank Horneff, Pressesprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Er verteidigt den Gerichtsbeschluss, auf dessen Basis die vier Kinder von der Polizei abgeholt worden waren. „Es geht nicht alleine um die Vermittlung von Bildung, sondern auch um das soziale Miteinander, das Auseinandersetzen mit anderen Ansichten und um das Heranwachsen von Persönlichkeiten in einer Gesellschaft.“

Christliche Fundamentalisten in Deutschland und den USA reagierten empört auf die Vorgänge in Ober-Ramstadt. Michael Farris, Gründer der US-Homeschool-Organisation HSLDA, beschimpfte auf seiner Website die Inobhutnahme der vier Wunderlich-Kinder als „ungeheuerliche Tat eines Schurkenstaates.“

Schulverweigerer suchen Asyl in den USA

Farris‘ Organisation unterstützt auch die Schulverweigerer-Familie Romeike aus Baden-Württemberg, die mit ihren fünf Kindern 2010 in die USA ausgewandert ist und dort Asyl beantragt hat. Nach vier Jahren hat im vergangenen Mai ein US-amerikanische Gericht den Antrag abgelehnt. Es gäbe kein garantiertes Bleiberecht für Menschen, die in den USA ein Recht genießen könnten, das es in anderen Ländern nicht gibt.

Homeschooling gehört zu den klassischen Elternrechten in den USA. Zwischen einer und zwei Millionen Kinder werden dort von ihren Müttern und Vätern unterrichtet. Vielleicht versuchen es die Wunderlichs auch irgendwann, in den Staaten ihre Vorstellungen umzusetzen.

Jetzt stehen sie erst mal mit ihren Kindern lediglich in Briefkontakt. „Ob und wann die Kinder zu ihren Eltern zurückkommen, ist noch unklar“, sagt Frank Horneff. Tatsächlich muss die Familie noch eine Weile warten, bis über ihre eventuelle Zusammenführung entschieden wird.

28 Kinder der „Zwölf Stämme“ abgeholt

Das Amtsgericht Darmstadt plant für Ende September die Anhörung der Eltern. Bis dahin bleibe der Beschluss des Gerichts in Kraft, auf dessen Basis die Kinder in staatlicher Obhut sind. Immerhin, so Horneff, wäre das Jugendamt wieder mit den Eltern im Gespräch, „bewegt hat sich also etwas!“

Am Donnerstag gab es einen weiteren Zusammenstoß zwischen der Polizei und notorischen Schulverweigerern. 100 Polizisten hatten morgens um sechs Uhr 28 Kinder aus der umstrittenen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ im bayerischen Klosterzimmern geholt. Die Gruppe war in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten.

Neben Vorwürfen wegen Kindesmisshandlung und möglicherweise rassistischen Lehrinhalten gibt es seit Jahren Streit um die Schulpflicht der Kinder. Aus Gewissensgründen wollen die Mitglieder ihre Kinder nicht in öffentlichen Schulen unterrichten lassen, ein wesentlicher Grund ist der Sexualkundeunterricht. 2004 eskalierte der Streit derart, dass einige Väter wegen der Missachtung der Schulpflicht in Erzwingungshaft gingen.

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article119743568/Behandelt-als-waere-ich-ein-Terrorist.html

———————————————————————————————————————

03.09.2013

Jugendamt setzt Schulpflicht durch – Eltern verlieren Sorgerecht

Das Jugendamt des Kreises Darmstadt-Dieburg hat in der vergangenen Woche vier Kinder von ihren Eltern getrennt und in eine Einrichtung der Jugendhilfe gebracht, wie am Montag bekannt wurde. Die Eltern hatten die Schulpflicht nicht akzeptiert.

————————————————————————————-

Grund war, dass die Eltern sich weigerten, ihre Kinder zur Schule zu schicken“, sagt Klaus Behnis, Abteilungsleiter der Jugendhilfe des Landkreises Darmstadt-Dieburg. „Wenn überhaupt, waren einige der Kinder höchstens wenige Wochen in der Schule.“ Die Kinder sind zwischen acht und 14 Jahren alt.

Bis es so weit kommt, dass Kinder ihren Eltern per Gerichtsbeschluss entzogen würden, müsse viel passieren, sagt Behnis. Im Fall der Kinder aus Wembach, einem Ortsteil von Ober-Ramstadt, sei das so gewesen. Die Eltern lehnten laut Behnis jegliches Schulsystem ab und wollten ihre Kinder selbst unterrichten. Das ist in Deutschland aber verboten.

Staat hat einen Erziehungsauftrag“„Hierzulande gilt Schulpflicht“, erklärt Behnis. „Der Staat hat einen Erziehungsauftrag, dem sich Eltern nicht entziehen können.“ Dabei gehe es nicht alleine um die Vermittlung von Bildung, sondern auch um das soziale Miteinander, das Auseinandersetzen mit anderen Ansichten und um das Heranwachsen von Persönlichkeiten in einer Gemeinschaft.

Die Behörde habe gegenüber den Eltern viel Entgegenkommen gezeigt, bevor diesen schließlich das Sorgerecht entzogen wurde, sagt Behnis. „Beispielsweise sollte der Bildungsstand der Kinder festgestellt werden.“ Das hätten die Eltern abgelehnt. „Sie verweigerten jedes Gespräch.“

Jugendamt und Gerichtsvollzieher holten die Kinder ab, begleitet von der Polizei, wie empörte Nachbarn dem ECHO schilderten. „Weil wir die Kinder vor heftigen Reaktionen ihrer Eltern schützen wollten, waren wir in Begleitung der Polizei“, erklärt Behnis. Es habe aber keinerlei Probleme gegeben. „Die Polizisten sind außerdem sehr behutsam vorgegangen.“

Ob und wann die Kinder zu ihren Eltern zurückkommen, ist noch unklar. Bewegt habe sich durch die Aktion jedenfalls etwas, versichert Behnis. „Jetzt sind wir mit den Eltern im Gespräch. Gemeinsam überlegen wir nun, wie es mit den Kindern weitergeht.“

http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt/Jugendamt-setzt-Schulpflicht-durch-Eltern-verlieren-Sorgerecht;art1295,4251104

———————————————————————————————————————

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.