Wirtschaftslage in Japan – aktuelle Chronik

17.11.2014

Nikkei rauscht in den Keller

An den asiatischen Börsen ist der Wochenauftakt denkbar schlecht: Japan rutscht in die Rezession, in Tokio verliert der Nikkei Hunderte Punkte. Auch in Hongkong und Taiwan sieht es nicht gut aus.

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Die neue Woche fängt für die asiatischen Aktienmärkte nicht gut an. Japan ist im dritten Quartal überraschend in die Rezession gerutscht. Das drückte die Tokioter Börse deutlich ins Minus. Die chinesischen Börsen tendierten uneinheitlich. Die Begeisterung über die Allianz der Börsen Hongkong und Schanghai lässt nach, Anleger nehmen nun in vielen Fällen Gewinne mit.

In Tokio verlor der Nikkei-225-Index fast drei Prozent auf 16.973 Punkte. Der breiter gefasste Topix brach um 2,5 Prozent auf 1366 Zähler ein. Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen Juli und September auf das Jahr hochgerechnet überraschend um 1,6 Prozent geschrumpft. Volkswirte waren dagegen von einem Zuwachs um 2,25 Prozent ausgegangen. Schon im zweiten Quartal war die Wirtschaft eingebrochen, was Beobachter auf die seit April geltende höhere Umsatzsteuer zurückführten.

Der neuerliche Rückgang der Wirtschaftsleistung stellt die Politik des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Frage, der mit seinem Abenomics genannten Programm die Konjunktur ankurbeln wollte. Auch die geplante neuerliche Anhebung der Umsatzsteuer scheint nun fraglich. Sie dürfte verschoben werden, zumal die Zustimmung zur Regierung schwinde, meint Junichi Makino, Chefvolkswirt bei SMBC Nikko Securities. Abe habe wiederholt gesagt, dass er die Steuererhöhung von Expertenmeinungen und den Konjunkturindikatoren des dritten Kalenderquartals abhängig mache, fügt er hinzu.

Auf den japanischen Aktien lastete neben dem schwachen BIP auch die Aufwertung der Landeswährung Yen zum Dollar, die für exportorientierte Unternehmen ungünstig ist. Für einen Dollar werden am Montagmorgen noch rund 115,65 Yen gezahlt. In der Nacht hatte der Dollar knapp oberhalb von 117 Yen noch ein neues Siebenjahreshoch markiert.

Japans Firmen werden gebeutelt

Besonders Einzelhandelsunternehmen zählten zu den Verlierern. So gaben Papiere der Kaufhauskette Takashimaya um mehr als fünf Prozent nach. Auch exportabhängige Firmen gaben nach. Sony verloren rund 3 Prozent. Der Kurs von Advantest gab um etwas über 3 Prozent nach. Gegen den Trend gut behauptet zeigte sich die Komatsu-Aktie, nachdem der Hersteller von Baumaschinen einen Aktienrückkauf für den Zeitraum 17. November bis 13. März angekündigt hat. Die betreffenden Aktien sollen eingezogen werden, was die Analysten der Deutschen Bank positiv beurteilen.

Auch die Bank Mitsubishi UFJ plant einen Aktienrückkauf; das verhalf der Aktie zu einem Plus von 2,5 Prozent. Ein Gewinnrückgang im ersten Geschäftshalbjahr drückte die Aktie der Wettbewerberin Mizuho Financial Group um 2,2 Prozent.

In Schanghai legten die Kurse im Schnitt um 0,5 Prozent zu. Die ab Montag geltende Börsenallianz mit Hongkong, über die ausländische Investoren Zugang zum chinesischen Markt erhalten sollen, stützte nur bedingt. Gesucht waren Aktien, die nicht in Hongkong gelistet sind. Dazu gehören die Aktien des Automobilkonzerns SAIC Motor, die um 3,9 Prozent stiegen.

Aktien großer Banken gaben nach. Aus Daten, die am Wochenende veröffentlicht wurden, geht hervor, dass die Kreditvergabe im Oktober nur mäßig zugenommen hat. Bank of China verloren 1,6 Prozent und Agricultural Bank of China 0,5 Prozent.

An der Börse in Hongkong gab der HSI anfängliche Gewinne ab und fällt um 0,7 Prozent zurück. Verlierer der Börsenallianz Hongkong-Schanghai ist die Börse in Taiwan, deren Leitindex um 1,1 Prozent abrutschte. Anleger halten sich dort aber auch in Erwartung der Wahlen in Taiwan am kommenden Wochenende zurück.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/marktberichte/Nikkei-rauscht-in-den-Keller-article13973901.html

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13.08.2014

Japan mit stärkstem BIP-Einbruch seit Tsunami

Die Anhebung der Mehrwertsteuer hat die japanische Wirtschaft im Frühjahr so stark schrumpfen lassen wie seit der Tsunami-Katastrophe im März 2011 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 6,8 Prozent, teilte die Regierung heute mit. Ökonomen hatten sogar ein Minus von 7,1 Prozent vorhergesagt.

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Im ersten Quartal war die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 6,1 Prozent gewachsen, weil Verbraucher wegen der höheren Steuer viele Anschaffungen vorzogen, um steigenden Preisen aus dem Weg zu gehen.

Privater Konsum fiel

Die Mehrwertsteuer wurde am 1. April von fünf auf acht Prozent angehoben. Deshalb fielen die privaten Konsumausgaben um 5,0 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet. Der Konsum macht etwa 60 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Auch die Unternehmen hielten ihr Geld zusammen: Sie investierten 2,5 Prozent weniger. Exporte und Importe schrumpften ebenfalls.

Mit dem Einbruch wächst der Druck auf Notenbank und Regierung, die Konjunktur mit zusätzlichen Hilfen wieder auf Kurs zu bringen. „Im Moment sehe ich dafür keinen Bedarf“, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari. „Aber wir werden die notwendigen und angemessenen Schritte tun, abhängig von der Entwicklung der Wirtschaft.“

Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda hatte mit einer Delle gerechnet, geht jedoch von einer Rückkehr zum Wachstum schon im laufenden dritten Quartal aus. Auch Börsianer blieben ruhig: Der Nikkei-Index ging mit einem leichten Plus von 0,35 Prozent aus dem Handel.

http://orf.at/stories/2241630/

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30.04.2014

Japan droht dramatische Schulden-Apokalypse

Wird Japan das nächste Griechenland? Der eigene Finanzminister warnt vor einer astronomischen Schuldensumme. Die Pleite der drittgrößten Volkswirtschaft ist laut Experten nicht mehr unwahrscheinlich.

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Die Europäer haben eine hohe Fertigkeit entwickelt, ihre Schuldenprobleme wegzudefinieren. Da trifft es sich gut, dass gerade anderswo auf der Welt ein neuer Schulden-Meister in den Blick gerät: Japan. Manche halten die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sogar für das nächste Griechenland, nur dass die Folgen einer Pleite weitaus gravierender wären. Denn es geht um astronomische Summen, wie sie in der Geschichte ihresgleichen suchen.

Jetzt schlägt sogar der eigene Finanzminister Alarm. Taro Aso, im Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe für die Staatskasse zuständig, hat mit eindringlichen Worten vor einer finanziellen Apokalypse gewarnt. Schafft es Japan nicht, bald einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorzulegen, wird das Defizit in den nächsten Jahrzehnten astronomische Höhen erreichen – Dimensionen, die in der entwickelten Welt bisher undenkbar erschienen.

Nach den Berechnungen aus Asos Ministerium könnte der Schuldenberg Japans bis 2060 auf unvorstellbare 8,2 Billiarden Yen anschwellen. Eine Billiarde ist eine Eins mit 15 Nullen. Die acht Billiarden entsprechen nach jetzigem Wechselkurs rund 57 Billionen Euro. Zum Vergleich: Deutschlands Schulden liegen bei etwa 2,15 Billionen Euro.

Zahl mit 15 Nullen

Bereits vergangenes Jahr hatten die Staatsschulden der nach Amerika und China drittgrößten Wirtschaftsmacht die Marke von einer Billiarde (1.000.000.000.000.000) Yen überschritten. Die für 2060 veranschlagte Zahl soll dann dem Vierfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung entsprechen.

Allerdings unterstellt das Finanzministerium reichlich zuversichtlich, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis dahin nominal um drei Prozent im Jahr wachsen wird. Bei einer stark alternden Bevölkerung erscheint dies unwahrscheinlich.

„Egal, welches Szenario man für die Zukunft unterstellt, Japans Schuldenlast wird weiter zunehmen“, sagt Carl Weinberg, Chefökonom beim amerikanischen Researchhaus High Frequency Economics. Das gelte sogar, wenn man optimistische Annahmen treffe, was Inflation, Fiskalpolitik und Zinsen anbelangt.

Bis Anfang des Jahres hatte zumindest an der Börse in Tokio Optimismus vorgeherrscht, dass die neue Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe das Land aus der jahrzehntelangen Stagnation führen könnte.

Vertrauen in Abenomics bröckelt

Abe wurde im Dezember 2012 zum Premier gewählt und legte sogleich ein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm auf, das nach seinem Schöpfer inzwischen allgemein „Abenomics“ (für „Abe’s economics“) genannt wird.

Das Ziel: den wirtschaftlichen Abstieg der 127-Millionen-Einwohner-Nation stoppen, der mit dem Platzen der Immobilien- und Finanzblase 1990 begann und gegen den seither keine Regierung in Tokio ein Rezept gefunden hat. Heute liegt die Industrieproduktion immer noch nicht höher als 1990, was zeigt, dass die einst scheinbar kraftstrotzende Wunderökonomie nie mehr zu alter Stärke zurückgefunden hat.

In den 80er-Jahren stand Japan für 18 Prozent der weltweiten Wertschöpfung. Im Jahr 2014 sind es nur mehr acht Prozent. Längst ist China an seinem fernöstlichen Rivalen vorbeigezogen.

Die Abenomics ruhen auf drei Säulen: verstärkte Staatsausgaben, expansive Geldpolitik (mit bewusst in Kauf genommener Währungsabwertung) und Strukturreformen. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Wirtschaft wiederhergestellt werden.

„Dessert vor dem Hauptgericht verspeist“

Doch mit Strukturreformen hapert es bisher. Das Einzige, was in diese Richtung geht, ist die Mehrwertsteuererhöhung von fünf auf acht Prozent Anfang April. Ansonsten sieht die Bilanz eher mager aus.

„Abenomics ist ungefähr so, als würde man das Dessert vor dem Hauptgang verspeisen“, sagt Freya Beamish von Lombard Street Research. Und meint damit: Die Regierung verzehrt den Wohlstand, bevor er geschaffen ist. „Alle wissen um die riesige japanische Staatsschuld. Aber lange wollte niemand darüber reden. Jetzt sprechen es die Ersten offen aus: Es könnte in einer Staatspleite enden“, sagt Beamish.

Der ehemalige Export-Überflieger, der die USA und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg das Fürchten lehrte und den Neid seiner Rivalen in Asien auf sich zog, hat weiter große Schwierigkeiten, sich gegen neue Konkurrenten auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Größtes Defizit der Geschichte

Das zurückliegende Fiskaljahr sah sogar das größte Handelsbilanzdefizit in der Geschichte des Landes. Während Japan zum Beispiel Energie einführen muss, sind die Ausfuhren 2013 regelrecht eingebrochen, und das, obwohl der Yen um rund 25 Prozent abgewertet hat.

„Südkoreas Exporte bestehen stärker als die Japans aus Markenprodukten“, benennt Wai Ho Leong, Ökonom bei Barclays in Singapur, ein Problem. Die ließen sich besser auch zu höheren Preisen verkaufen.

Die Börse sieht die Abenomics inzwischen längst nicht mehr so euphorisch wie noch 2013. Während der Nikkei-Index vergangenes Jahr um 57 Prozent zulegte, steht er dieses Jahr, in Euro gerechnet, elf Prozent im Minus.

Noch hält sich Japan dank seiner starken Leistungsbilanz über Wasser, ein Erbe seiner fulminanten Exporterfolge von den Fünfziger- bis zu den Neunzigerjahren. Zudem werden – anders als im Falle Griechenland – 96 Prozent der Staatsschulden von Inländern gehalten.

Investoren halten still – noch

Das disziplinierte und teilweise erzwungene Stillhalten von Banken, Pensionskassen, Versicherungen und privaten Sparern führt dazu, dass der Staat nur 0,6 Prozent Zins auf zehnjährige Schuldtitel zahlen muss. Doch die Bevölkerung altert rapide, und es ist absehbar, dass diese Guthaben irgendwann abgeschmolzen werden müssen.

Noch gleicht der Staat das mithilfe der Notenbank aus: Er erzeugt künstlichen Konsum, für den nicht privat entspart werden muss. Doch wenn sich Tokio weiter mit dieser Geschwindigkeit verschuldet, muss es bald ausländische Geldgeber für seine Defizite anlocken, und die dürften deutlich höhere Zinsen verlangen.

Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bereits bei knapp zehn Prozent, höher als sonst irgendwo in der entwickelten Welt. Für dieses Jahr werden noch mal 8,5 Prozent erwartet und für 2016 weiter sieben Prozent. Als Folge dessen wird die Schuldenquote schon nächstes Jahr auf 250 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, wie die Analysten der Ratingagentur Fitch ermittelt haben.

Schulden siebenmal so hoch wie Einnahmen

Der Berg an Verbindlichkeiten wird immer unhaltbarer. Im Verhältnis zu den Staatseinnahmen gerechnet, belaufen sich die Schulden schon jetzt auf das Siebenfache.

Bei Unternehmen wird von den Kapitalmärkten allenfalls das Dreifache toleriert. Zwar gelten für Staaten andere Regeln, da sie über Steuern und Abgaben in gewisser Weise Einnahmen erzwingen können.

Doch selbst im Fall der hoch verschuldeten USA liegen die Schulden „nur“ beim Dreifachen der Staatseinnahmen. Der schwächste Euro-Staat Griechenland, für viele der Inbegriff unsolider Staatsfinanzen, bringt es auf weniger als den Faktor vier. In dieser Hinsicht ist Tokio schon lange an Athen vorbeigezogen.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article127446587/Japan-droht-dramatische-Schulden-Apokalypse.html

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20.02.2014

Japaner zahlen wegen Währungskrieg Rekord-Preise für Energie

Trotz des extremen Gelddruckens der japanischen Zentralbank lag das Handelsdefizit des Landes im Januar so hoch wie nie zuvor. Der Währungskrieg hat die Importe von Öl und Gas stark verteuert, die wegen Fukushima notwendig sind. Die Exporte wurden jedoch kaum angekurbelt.

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Japans Handelsdefizit ist im Januar auf ein Rekord-Hoch angestiegen. Die extreme Abwertung der Währung hat die Exporte kaum ankurbeln können. Stattdessen verteuerten sich die Energie-Importe, die aufgrund von Fukushima notwendig geworden sind.

Im Januar betrug das japanische Handelsdefizit 2,79 Billionen Yen (20 Milliarden Euro), zitiert die FT Zahlen des Finanzministeriums. Es ist das 19. monatliche Handelsdefizit in Folge. Die schwachen Exporte spiegeln sich auch in den Wirtschaftszahlen wieder. Das japanische BIP lag im letzten Quartal 2013 nur 1 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Seit dem Atom-Unfall in Fukushima im Jahr 2011 übersteigen die Importe die Exporte. Denn das Land schaltete damals fast alle Atomkraftwerke ab und war gezwungen, in großen Mengen Öl und Gas zu importieren.

Die massive Abwertung des Yen, die Ende 2012 begann, sollte japanische Waren für Ausländer billiger machen und die Exporte ankurbeln. Doch trotz des extremen Gelddruckens haben die Exporte kaum zugenommen. Im Januar gingen sie sogar erstmals zurück. Die Importe hingegen wurden durch die Abwertung immer teurer.

Um das Handelsdefizit zu verringern, plant die japanische Regierung für April eine Anhebung der nationalen Umsatzsteuer von 5 auf 8 Prozent. Dadurch soll der Konsum ausländischer Waren gebremst werden. Zugleich setzt die Zentralbank des Landes weiterhin auf das extreme Gelddrucken (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/20/japaner-zahlen-wegen-waehrungskrieg-rekord-preise-fuer-energie/

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12.02.2014

Auftrags-Einbruch: Japans Industrie gerät ins Stocken

Japans Firmen halten sich mit Bestellung von Maschinen zurück. Die Aufträge der Industrie sind im Dezember um 15,7 Prozent eingebrochen. Auch der Exportüberschuss Japans war 2013 so gering wie nie zuvor. Die lockere Geldpolitik von Regierungschef Abe scheint ihre Wirkung zu verfehlen.

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Ein überraschender Auftragseinbruch von Japans Industrie dämpft die Konjunkturentwicklung der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Bestellungen für Maschinen brachen im Dezember um 15,7 Prozent zum Vormonat ein und damit rund viermal stärker als von Ökonomen erwartet, wie die Regierung in Tokio am Mittwoch mitteilte.

Es war der größte Rückgang seit Beginn der Datenreihe im Fiskaljahr 2005. „Die Zahlen bestätigen, dass sich die Firmen mit der Erhöhung ihrer Investitionen zurückhalten”, sagte Chefvolkswirt Takeshi Minami vom Forschungsinstitut Norinchukin Research.

Die Zuversicht der Unternehmen ist wichtig, damit die Erholung der Konjunktur an Fahrt gewinnt. Den Anstoß gab Regierungschef Shinzo Abe mit seiner lockeren Geld- und Finanzpolitik (mehr zu „Abenomics“ – hier). Höhere Investitionen der Firmen sollen neue Jobs schaffen. Steigende Löhne wiederum sollen die Japaner zu mehr Konsum anregen.

Viele Unternehmen warten aber noch darauf, dass Abe Strukturreformen umsetzt und etwa ihre Steuerbelastung mildert. Vor kurzem erhöhte Denso, einer der weltweit führenden Autozulieferer, seine Investitionen zwar für das laufende Geschäftsjahr um rund neun Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro. Das zusätzliche Geld soll aber vor allem in die Produktion im Ausland fließen.

Im Schlussquartal 2013 lagen die Aufträge für Maschinen auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2008. Für das laufende Vierteljahr erwartet die Regierung aber einen Rückgang um 2,9 Prozent.

Exportüberschuss 2013 extrem niedrig

Auch Japans Exportüberschuss ist 2013 so klein ausgefallen wie noch nie. Die Leistungsbilanz wies ein Plus von nur noch 3,3 Billionen Yen (knapp 24 Milliarden Euro) auf, teilte das Finanzministerium am Montag in Tokio mit. Durch den geringsten Überschuss seit Beginn dieser Statistik 1985 wachsen die Zweifel, ob die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ihren enormen Schuldenberg von umgerechnet fast 7,3 Billionen Euro jemals abtragen kann. Japan ist die am höchsten verschuldete Industrienation der Welt gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Die Kombination aus steigenden Schulden und einem geringen Leistungsbilanzüberschuss sind unbequeme Aussichten“, sagte der Analyst des Finanzhauses Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities, Shuji Tonouchi. Lange Zeit galt die hohe Verschuldung nicht als großes Problem, da Japan enorme Handelsüberschüsse erzielte. Die Zeiten sind aber vorerst vorbei, da das Land seit der Abschaltung von Kernkraftkraftwerken nach der Atomkatastrophe von Fukushima zunehmend Energie aus dem Ausland importieren muss. Die Kosten dafür erhöhen sich noch durch den Wertverlust des Yen, der seit Ende 2012 um 23 Prozent zum Dollar fiel. Rohstoffe werden meist in Dollar bezahlt.

Der schwache Yen macht gleichzeitig japanische Waren im Ausland billiger (mehr zum Absturz der japanischen Währung – hier). Während die Importe 2013 um 15,4 Prozent zulegten, stiegen die Exporte aber trotz des Rückenwinds vom billigen Yen nur um neun Prozent. Viele Unternehmen verlieren Marktanteile an Rivalen aus Südkorea und anderen Ländern.

Ministerpräsident Shinzo Abe will die Staatsfinanzen mit einer zweistufigen Anhebung der Umsatzsteuer in den Griff bekommen, mit der im April begonnen werden soll. Damit sollen auch steigende Kosten für Sozialausgaben angesichts einer rasch alternden Bevölkerung aufgefangen werden. Eine Schuldenkrise wie in der Euro-Zone befürchten Experten allerdings nicht. Die Zinsen für japanische Staatsanleihen sind sehr niedrig. Sie werden zudem vorwiegend von einheimischen Anlegern erworben, so dass Japan kaum auf ausländische Geldgeber angewiesen ist.

Auch in Europa leiden Industriebetriebe unter einer Auftragsflaute (mehr dazu – hier). Sie hoffen, die schwache Konjunktur auf dem Heimatmarkt durch den Absatzmarkt in Asien ausgleichen zu können. Diese Strategie droht durch die Zahlen aus Japan nun zu scheitern.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59448/

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17.12.2013

Drohnen, Zerstörer, U-Boote – Japan rüstet auf

Tokios Premier Shinzo Abe hat eine deutliche Erhöhung des Militäretats angekündigt und will hochmoderne Waffensysteme kaufen – um Chinas „gefährlichem Weg“ in der Sicherheitspolitik zu begegnen.

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Mitten im Inselstreit mit China rüstet Japan auf. In den kommenden fünf Jahren sollen die Militärausgaben um 2,6 Prozent steigen, wie die Regierung in Tokio am Dienstag mitteilte. Geplant sei der Kauf von Flugzeugen mit Frühwarnsystemen, Truppentransportern, drei Drohnen, 28 ultramodernen US-Tarnkappenbombern vom Typ F-35, fünf U-Booten, zwei mit dem Antiraketensystem Aegis ausgestatteten Zerstörern und 52 Amphibienfahrzeugen.

In den ebenfalls am Dienstag verabschiedeten neuen Richtlinien zur Militärstrategie heißt es, Japan wolle „gemeinsame Verteidigungskräfte“ aufstellen, um eine kombinierte Invasion in der Luft, zu Wasser und auf dem Lande abwehren zu können. China bewege sich auf einem „gefährlichen Weg“, was „unvorhergesehene Notfallsituationen“ zur Folge haben könne.

Das Rüstungsprogramm ist das bislang deutlichste Zeichen dafür, dass Ministerpräsident Shinzo Abe seinem Land eine stärkere militärische Rolle in der Asien-Pazifik-Region zugedacht hat, wo sich der Streit mit China um eine unbewohnte Inselgruppe zuletzt wieder verschärft hat. Die Pläne sind zudem eine klare Abkehr von der bisherigen japanischen Politik.

Auslandseinsätze sollen nicht mehr tabu sein

Für Abe, der vor einem Jahr sein Amt antrat, hatte die Wiederbelebung der dümpelnden Wirtschaft stets höchste Priorität. Aber er hat auch angekündigt, das Militär zu stärken, um der Bedrohung entgegenzutreten, die er in der raschen Aufrüstung Chinas sieht. Umgerechnet etwa 170 Milliarden Euro sind für die Streitkräfte in den kommenden fünf Jahren eingeplant.

Zudem will die Regierung in Tokio durch Rationalisierung Kosten senken. Zehn Jahre lang waren die Militärausgaben reduziert worden – bis Abe sie 2013 in einem ersten Schritt um 0,8 Prozent erhöhte.

Schon seine Vorgänger dehnten die Verfassung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges festschrieb, dass Japan nie wieder Krieg führen und nie wieder eine Armee oder Marine haben solle. Abe geht noch ein ganzes Stück weiter. Er will das Verbot aufheben, das Japan einen Militäreinsatz in Übersee oder die Unterstützung eines Verbündeten untersagt.

China wittert „verborgene Motive“

Die Volksrepublik China wird auf die Pläne wohl verärgert reagieren, hatte sie doch schon die Entwürfe für die Militärausgaben kritisiert. „China beobachtet genau die Sicherheitsstrategie Japans und seine politische Ausrichtung“, hatte das Außenministerium erklärt. „Japans unvernünftige Kritik an Chinas üblichen Aktivitäten zur See und sein Aufbauschen einer chinesischen Bedrohung haben verborgene Motive.“

Die beiden Länder streiten seit Längerem um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer, die in China als Diaoyu und in Japan als Senkaku bekannt ist und in deren Nähe große Rohstoffvorkommen vermutet werden.

Japan stärkt nun nicht nur sein Militär und vertieft die Zusammenarbeit mit dem engen Verbündeten USA – schließlich werden von den Rüstungsaufträgen allen voran die US-Konzerne Boeing, Lockheed Martin, Raytheon und Northrop Grumman profitieren. Japan sucht auch strategische Partner in der Region wie Südkorea, Australien, Indien und die südostasiatischen Staaten. Mit Letzteren forderte Abe auf einem gemeinsamen Gipfel am Wochenende die Freiheit im See- und Flugverkehr – ein kaum verhüllter Hinweis an China, das im Zuge des Inselstreits eine Luftverteidigungszone ausgerufen hatte und nun für deren Durchquerung von ausländischen Maschinen die Flugpläne verlangt.

http://www.welt.de/politik/ausland/article123024609/Drohnen-Zerstoerer-U-Boote-Japan-ruestet-auf.html

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05.12.2013

Japan verabschiedet neues Konjunkturprogramm

In Japan steht eine Erhöhung der Verbrauchssteuerer bevor. Um die Folgen abzufedern legt die Regierung ein neues Milliarden-Konjunkturprogramm auf. Dazu kommen neue Ausgaben der Provinzregierungen.

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Die japanische Regierung will mit einer weiteren Milliarden-Konjunkturspritze die Folgen einer bevorstehenden Steuererhöhung abfedern. Das Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe segnete am Donnerstag ein Paket im Umfang von 5,5 Billionen Yen (39,5 Milliarden Euro) ab.

Zusammen mit geplanten Ausgaben der Provinzregierungen sowie des Privatsektors haben die Maßnahmen einen Umfang von 18,6 Billionen Yen. Zur Finanzierung ist ein Nachtragshaushalt vorgesehen. Wegen höher als erwartet ausgefallener Steuereinnahmen will das hoch verschuldete Land auf die Ausgabe neuer Staatsanleihen jedoch verzichten. Um die Einnahmen zu erhöhen, steigt die Verbrauchssteuer im April 2014 um 3 Punkte auf 8 Prozent.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/40-milliarden-euro-japan-verabschiedet-neues-konjunkturprogramm/9172870.html

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21.10.2013

Japan mit neuem Rekordhandelsdefizit

Japans Exportmotor brummt dank des deutlich abgewerteten Yen wie geschmiert. Doch die Importe steigen wegen der hohen Öl- und Gaseinfuhren immer weiter. Mit deutlichen negativen Folgen für die Handelsbilanz.

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Japan hat im September erneut ein Handelsdefizit in Rekordhöhe verzeichnet. Wie die Regierung am Montag bekanntgab, belief sich der Fehlbetrag auf 932,1 Milliarden Yen (rund sieben Milliarden Euro). Damit schreibt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt im nunmehr 15. Monat hintereinander rote Zahlen in seiner Handelsbilanz.

Bezogen auf die ersten sechs Monate des noch bis 31. März 2014 laufenden Steuerjahres belief sich der Fehlbetrag auf 4,9 Billionen Yen – auch dies ist ein Rekord. Zwar brummt Japans Exportmotor dank des deutlich abgewerteten Yen wie geschmiert. Doch steigen die Importe angesichts der hohen Öl- und Gaseinfuhren noch kräftiger.

Die Exporteinnahmen erhöhten sich im Berichtsmonat um 11,5 Prozent auf 5,9 Billionen Yen. Dazu tragen wesentlich die Amerikaner mit ihrer hohen Nachfrage nach japanischen Autos bei. Hintergrund ist, dass der Außenwert des Yen im September gegenüber dem Dollar um 25,8 Prozent unter dem Vorjahreswert lag. Dadurch erhöhen sich entsprechend die Exporterlöse der Japaner. Statt ihre Marktanteile durch Preiskürzungen im Ausland zu erhöhen, sind für die japanischen Exportunternehmen Steigerungen ihrer Gewinnmargen bislang wichtiger.

Der schwache Yen lässt jedoch auch die Importpreise anziehen. So erhöhten sich die Einfuhren nach Japan im September um 16,5 Prozent auf 6,9 Billionen Yen. Hierbei wirkte sich zum einen Japans weiterhin hoher Energiebedarf aus, da das Land angesichts der heruntergefahrenen Atommeiler deutlich mehr Öl und Gas importiert. Zum anderen spielte aber auch die hohe Nachfrage nach chinesischen Solarpanelen, Smartphones und Kleidung eine große Rolle. China ist Japans größter Handelspartner. Während Japans Ausfuhren ins Reich der Mitte um 11,4 Prozent zulegten, stiegen die Importe um 30,9 Prozent.

Japans Ausfuhren in die Europäische Union stiegen um 14,3 Prozent auf 645,5 Milliarden Yen und die Einfuhren aus der Region um 30,7 Prozent auf 669,9 Milliarden Yen. Die Lieferungen in Richtung USA, wo die Wirtschaft wieder anzieht, kletterten deutlich um 18,8 Prozent auf 1,1 Billionen Yen, während sich die Importe aus den USA um 13,8 Prozent auf 576,3 Milliarden Yen erhöhten, so die Regierung weiter.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/zahlen-im-september-japan-mit-neuem-rekordhandelsdefizit-/8961098.html

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30.09.2013

Soros-Vertrauter warnt: „Japan wird nicht bis 2020 überleben“

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert einen enormen Anstieg von Japans Staatsverschuldung. „Es wird zu einer Finanzkrise kommen“, meint Experte Takeshi Fujimaki, ein ehemaliger Mitarbeiter von George Soros.

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Takeshi Fujimaki hält eine Haushaltskrise in Japan für unausweichlich. Weder eine Anhebung der Mehrwertsteuer noch die Olympischen Spiele 2020 können das aufhalten, sagte der ehemalige Berater von Milliardär George Soros, der nun Mitglied des japanischen Oberhauses ist.

Ich habe mich dazu entschlossen, Politiker zu werden, denn ich denke, es wird früher oder später zu einer Finanzkrise kommen“, erklärte Fujimaki letzte Woche im Interview mit Bloomberg News. „Die Gesamtverschuldung wird weiter steigen. Ich denke nicht, dass Japan bis 2020 überleben kann.”

Die Rendite der japanischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit wird seiner Einschätzung nach auf 70 Prozent in die Höhe schießen – basierend auf der Entwicklung in Russland, als das Land im Jahr 1998 Anleihen nicht mehr bediente. Die Rendite der japanischen Benchmark-Anleihe ist derzeit mit 0,68 Prozent die niedrigste der Welt, und die Kosten zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall liegen nahe einem Viermonatstief bei 62 Basispunkten.

Bevor Ministerpräsident Shinzo Abe im Dezember wieder an die Macht kam, entwarf seine Liberaldemokratische Partei 2011 einen als Projekt „X-Day“ bekannten Plan, mit dem ein möglicher Zusammenbruch am Anleihemarkt verhindert werden soll. Die öffentliche Verschuldung belief sich in dem Jahr auf 924,4 Billionen Yen (6,9 Billionen Euro) und ist seither auf über eine Billiarde Yen angeschwollen – ein globaler Rekord.

Es ist unausweichlich, dass es zu einem riesigen Schlamassel kommen wird“, sagte Fujimaki, der beim Wahlgang am 21. Juli für die Partei der Restauration Japans ins Oberhaus gewählt wurde.

Mit seiner als „Abenomics“ bezeichneten Wirtschaftspolitik will der Ministerpräsident die seit 15 Jahren währende Deflation im Lande überwinden. Seine Politik setzt auf die „drei Pfeile“ Konjunkturpakete, wachstumsfördernde Reforminitiativen und geldpolitische Lockerung.

Die japanische Notenbank will die Inflationsrate innerhalb von zwei Jahren auf zwei Prozent treiben. Um das Ziel zu erreichen, kauft die Bank of Japan monatlich heimische Staatsanleihen im Wert von mehr als sieben Billionen Yen auf. Im August lagen die Verbraucherpreise ohne Berücksichtigung von frischen Lebensmitteln 0,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das war die höchste Teuerungsrate seit 2008.

Da die Bank of Japan enorme Volumina an japanischen Staatsanleihen aufkauft, sind die Grundsätze des Marktes in diesem Land außer Kraft gesetzt“, erklärte Fujimaki, der Vorstandsmitglied bei der Firma Morgan Guarantee Trust in Tokio war, die später vom Kreditinstitut JPMorgan Chase übernommen wurde. „Die geldpolitische Lockerung schafft eine Blase bei den japanischen Bonds. Früher oder später wird der Markt das Kreditrisiko widerspiegeln.“

Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass Japans Staatsverschuldung in diesem Jahr auf 245 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern wird. Das Land wird für den Schuldendienst in dem seit April begonnenen Haushaltsjahr 22,2 Billionen Yen zahlen müssen, geht aus einer Schätzung des Finanzministeriums vom Januar hervor. Das entspricht den Angaben zufolge mehr als der Hälfte der Steuereinnahmen und macht etwa 24 Prozent des Haushalts aus.

Tokio hat Madrid und Istanbul im Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 ausgestochen. Das Olympische Komitee entschied am 7. September, dass die Spiele erstmals seit 1964 wieder in der japanischen Hauptstadt abgehalten werden sollen. Zu dem Zeitpunkt werde das Land bereits seine Finanzkrise hinter sich haben und wieder im Aufschwung sein, erwartet Fujimaki.

Die Olympischen Spiele starten genau dann, wenn die Wirtschaft boomt“, erklärte er. In dieser konjunkturellen Wachstumsphase seien dann bei den zehnjährigen Anleihen „eine Rendite von fünf, vielleicht sechs Prozent ein angemessenes Niveau.“

Noch leidet das Land unter der immensen Staatsverschuldung. Die japanische Regierung hat sich deshalb zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer durchgerungen. Die Folgen für die Wirtschaft sollen aber mit einem Konjunkturpaket über umgerechnet 38 Milliarden Euro abgefedert werden. Dies geht aus dem endgültigen Entwurf der Regierungspläne hervor, der Reuters am Montag vorlag. Die Neuerungen sollen am kommenden Dienstag bekanntgemacht werden.

Dem Papier zufolge soll die Mehrwertsteuer im April auf acht von bislang fünf Prozent angehoben werden. Mit dem aktuellen Satz hat Japan gemeinsam mit Kanada die niedrigste Verbrauchsteuer aller Staaten in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Erhöhung ist der erste Versuch einer japanischen Regierung seit mehr als 15 Jahren, die galoppierende Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat das Land den höchsten Schuldenberg aller Industrienationen aufgetürmt.

Die in dem Entwurf aufgelisteten Vorhaben wurden größtenteils bereits erwartet. Eine wichtige Ausnahme gibt es allerdings: Es fehlt der Hinweis auf mögliche Senkungen der Unternehmenssteuer in der Zukunft. Dies geschah offenkundig auf Drängen des Finanzministeriums, das sich damit gegen Wirtschaftsminister Akira Amari durchsetzte.

Wir werden die Krise nicht verhindern können, indem wir die Verbrauchssteuer anheben“, sagte Fujimaki. „Die Unternehmenssteuern sollten gesenkt werden, damit japanische Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen können.“ Er sagt einen Zahlungsausfall Japans seit mindestens 2009 voraus.

Allerdings winkt den Firmen eine Reihe anderer Erleichterungen, die der Konjunktur weiter auf die Sprünge helfen sollen. Vorgesehen sind Steuervergünstigungen für Investitionen und ein früheres Auslaufen der sogenannten Wiederaufbausteuer für Unternehmen, die nach dem verheerenden Tsunami 2011 eingeführt wurde. Hinzu kommen Gelder für staatliche Bauprojekte im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio 2020. Diese Wirtschaftshilfen summieren sich bislang auf fünf Billionen Yen. Am Ende könne der Betrag sogar noch etwas höher ausfallen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/soros-vertrauter-warnt-japan-wird-nicht-bis-2020-ueberleben/8867832.html

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18.09.2013

Riesiger Schuldenberg: Japan steht vor dem Finanz-Kollaps

Japans Verschuldung ist eine tickende Zeitbombe für das globale Finanzsystem. Die Schulden des Landes liegen inzwischen bei 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Wenn von überschuldeten Krisenländern die Rede ist, dann sind meist die europäischen Peripheriestaaten gemeint. Weniger bekannt sind hierzulande die gewaltigen Schulden, die der Wirtschaftsriese Japan vor sich her schiebt. Der fernöstliche Staat steht bei seinen Gläubigern inzwischen mit einer Billiarde Yen in der Kreide. Das sind umgerechnet fast 8 Billionen Euro – eine Summe, neben der die prekären Verbindlichkeiten in der Eurozone wie Peanuts aussehen.

Die japanische Verschuldung ist damit auf knapp 250 Prozent der Wirtschaftsleistung geklettert. Zum Vergleich: Selbst in Griechenland, das mittlerweile als hoffnungslos überschuldet gilt, liegen die Staatsschulden „nur“ bei 180 Prozent des BIP. Und die fatale Tendenz ist steigend. Bereits im laufenden Jahr wird die japanische Neuverschuldung satte 10 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen.

Stabilisierung auf Pump

In den frühen 90er Jahren platzte die japanische Aktien- und Immobilienblase. Seitdem befindet sich das Land fast durchgehend in einer Deflations- und Rezessionsspirale. Obwohl die Zinsen dort seit Jahrzehnten nahe Null verharrten, kam die Wirtschaft nicht auf die Beine. Die verschiedenen Regierungen reagierten darauf mit gewaltigen Konjunkturprogrammen. Finanziert wurden die Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft mit neuen Staatsschulden. Die Programme verpufften allerdings größtenteils, während Japans Schuldenberg immer mehr anschwoll.

Es gibt nur einen einzigen Grund, warum Japan seine immense Verschuldung noch nicht um die Ohren geflogen ist. Anders als in vielen anderen Ländern wurden die japanischen Staatsanleihen kaum von ausländischen Gläubigern erworben. Der Großteil der Schuldtitel liegt in den Depots japanischer Banken, Pensionskassen und der privaten Sparer.

Die heimischen Anleger hielten in den letzten Jahren trotz wachsender Bedenken still. Die Staatsbonds werfen zwar so gut wie keine Zinsen ab. Während aber Deflation herrschte, und die Preise für Immobilien, Aktien und andere Assets nach unten gingen, waren die japanischen Staatsanleihen wenigstens wertbeständig. So konnte die Regierung Schulden machen, wie sie wollte – die Anleihen fanden immer einen Abnehmer.

Flucht aus Staatstiteln steht bevor

Inzwischen wendet sich aber das Blatt. Das wirtschaftliche Umfeld in Japan beginnt sich aufzuhellen. Und der Yen ist bereits stark gefallen, was Japans Exportunternehmen einen kurzfristigen Exportvorteil verschafft. Japanische Aktien steigen wieder, und die Immobilienpreise dürften bald nachziehen. Das Problem dabei: All dies macht japanische Schuldtitel komplett unattraktiv.

Genau die wirtschaftliche Erholung ist es also, die Japans Schulden-Regime jetzt zum Kippen bringen dürfte. Schon heute muss der japanische Staat die Hälfte seiner Einnahmen für den Schuldendienst aufbringen. Dabei sind die Zinsen für japanische Schuldtitel geradezu lachhaft niedrig. 10jährige Staatspapiere bringen dort eine Rendite von gerade mal 0,75 Prozent. Deutsche 10jährige Anleihen rentieren dagegen bei fast 2 Prozent, obwohl die Bundesrepublik finanziell viel stabiler ist als Japan. Und die USA müssen auf 10jährige Titel sogar schon 2,85 Prozent bezahlen.

Schulden zum Nulltarif“ war gestern

Dieser eklatante Renditeunterschied kann auf Dauer nicht bestehen bleiben.  Auch ein geringfügiger Anstieg des japanischen Zinsniveaus würde den Staatshaushalt schnell an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen. Dabei ist selbst eine Verdopplung des Zinsniveaus in kurzer Zeit nicht auszuschließen, wie das amerikanische Beispiel zeigt. Seit Mitte 2012 hat sich dort das durchschnittliche Zinsniveau fast verdoppelt, weil die Investoren auf einen wirtschaftlichen Aufschwung hoffen – und im Zuge dessen mit einem moderaten Anstieg der Inflation.

Die amtierende Regierung von Shinzo Abe glaubt dennoch, dieser Herausforderung bewältigen zu können, indem sie verstärkt Notenbankgeld drucken lässt und die Wirtschaft ankurbelt. Dies soll dem Staat dann höhere Steuereinnahmen bringen. Doch selbst ein Anstieg der japanischen 10-Jahres-Zinsen auf immer noch niedrige 1,5 Prozent würde erfordern, dass Japans Steuereinnahmen sich kurzfristig verdoppeln. Das ist völlig unrealistisch. Die Regierung konnte sich bisher noch einmal dazu durchringen, die Mehrwertsteuer von 5 auf 8 Prozent zu erhöhen, da sie fast ausschließlich auf die Steigerung des Wirtschaftswachstums fixiert ist.

Flächenbrand

Früher oder später sind die Zahlungsunfähigkeit Japans und der Kollaps des japanischen Finanzsystems unausweichlich. Hierzulande glauben viele Beobachter, dass dies nur die japanischen Banken und Sparer treffen würde, die den Großteil der japanischen Schuldtitel halten. Eine solche Sichtweise ist aber illusionär. Japan ist immer noch die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Es ist undenkbar, dass eine Staatspleite in dieser Größenordnung und der Zusammenbruch des riesigen japanischen Bankensystems stattfinden könnten, ohne dass gewaltige Schockwellen um den Planeten gehen würden.

Man bedenke, wie stark das globale Finanzsystem vor fünf Jahren bereits durch die Insolvenz einer verhältnismäßig kleinen US-Investmentbank erschüttert wurde. Eine Finanzkrise in Japan dürfte die Welt ungleich mehr schädigen als der Untergang von Lehman-Brothers mit seinen schwerwiegenden Folgen. Von Gerhard Heinrich

http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/japan-steht-vor-dem-finanz-kollaps_H464019005_63535/

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30.07.2013

Industrieproduktion verzeichnet deutlichen Rückgang

Rückschlag für Japans Industrie: Der Ausstoß verringerte sich zum Vormonat um 3,3 Prozent. Es ist der erste Rückgang der Produktion seit fünf Monaten. Positives vermeldete die Regierung unterdessen vom Arbeitsmarkt.

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Japans Industrieproduktion ist im Juni erstmals seit fünf Monaten wieder zurückgegangen. Das Minus belief sich auf 3,3 (Mai: plus 1,9) Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Monat, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Volkswirte hatten einen Rückgang von lediglich 1,8 Prozent vorausgesagt.

Für Juli erwarten vom Ministerium befragte Produzenten einen Anstieg von 6,5 Prozent, für August wieder ein Minus von 0,9 Prozent. Insgesamt registriert die Regierung weiter eine moderate Erholung der Industrietätigkeit. Dazu trügen die Exporte und der private Konsum bei.

Positives vermeldete die Regierung derweil vom Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote sank im Juni erstmals seit der globalen Finanzkrise 2008 unter die Marke von 4,0 Prozent auf 3,9 Prozent und ist damit auf dem tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren.

Saisonbereinigt betrug sie im Juni 3,9 (Mai: 4,1) Prozent, wie die am Dienstag veröffentlichte Statistik der Regierung zeigte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer Quote von 4,0 Prozent gerechnet. Die Zahl der neuen Jobangebote stieg im Juni. Sie lag 2,2 Prozent über dem Vormonatswert und 3,8 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/japan-industrieproduktion-verzeichnet-deutlichen-rueckgang/8566600.html

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26.06.2012

Japan verdoppelt die Mehrwertsteuer

Mit einer drastischen Erhöhung der Mehrwertsteuer will Japan seine immense Staatsverschuldung abbauen. Die Entscheidung im Parlament könnte aber die Regierungsmehrheit zu Fall bringen.

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Das japanische Unterhaus hat einer schrittweisen Verdopplung der Mehrwertsteuer von fünf auf zehn Prozent bis 2015 zugestimmt. Die Vorlage der Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda erhielt eine komfortable Mehrheit von 363 der 459 abgegebenen Stimmen, könnte aber dennoch zu einer Regierungskrise führen. Denn 57 Abgeordnete von Nodas eigener Partei, der Demokratischen Partei Japans, stimmten gegen die Steuererhöhung.

In monatelangen Verhandlungen gewann die Regierung zwei Oppositionsparteien für ihr Projekt, mit dem sie die astronomischen Staatsschulden eindämmen will. Japan hat mit einer Verschuldung in der doppelten Höhe des Bruttoinlandsprodukts einen weltweiten Höchststand erreicht. Die Abweichler aus der Regierungspartei, die von Ichiro Ozawa angeführt werden, argumentieren, die Mehrwertsteuererhöhung sei nicht im Wahlprogramm enthalten gewesen. Das Oberhaus muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen.

Nodas größter innerparteilicher Widersacher Ichiro Ozawa und mindestens 50 weitere Abgeordnete seiner regierenden Demokratischen Partei (DPJ) stimmten gegen das Steuergesetz. 363 Abgeordnete, darunter die der Oppositionsparteien LDP und Komeito, stimmten dafür. Noda brauchte deren Zusammenarbeit, da die Opposition die Mehrheit im Oberhaus hat und die Gesetzgebung hätte blockieren können. Nun richtet sich das Augenmerk auf das weitere Vorgehen von Ozawa, der innerhalb der DPJ die größte innerparteiliche Machtgruppe anführt.

Regierungsmehrheit gerät in Gefahr

Sollten Ozawa und mindestens 53 Anhänger die DPJ aus Protest verlassen, wie zuletzt spekuliert worden war, könnte die Partei nur drei Jahre nach Übernahme der Regierungsverantwortung ihre Mehrheit auch in der mächtigsten Kammer des Parlaments verlieren. Die Opposition könnte Noda per Misstrauensvotum zwingen, zurückzutreten oder Neuwahlen anzusetzen. Der Premier wird vom Unterhaus gewählt. Ozawa hatte schon in der Vergangenheit Revolten gegen Parteiführer angezettelt, nach Erhalt von Zugeständnissen aber wieder nachgegeben.

Umfragen zufolge findet seine neueste Revolte kein großes Verständnis beim Wähler. Medien erfuhren derweil aus Kreisen seiner Unterstützer, dass er seine Partei wohl doch nicht verlassen wolle. Premier Noda hatte sein politisches Schicksal an die Sozial- und Steuerreformgesetze gehängt. Oppositionschef Sadakazu Tanigaki forderte im Gegenzug für eine Kooperation, dass Noda in naher Zukunft Neuwahlen ansetzt. Bleibt nun abzuwarten, ob Noda dem nachkommt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article107271222/Japan-verdoppelt-die-Mehrwertsteuer.html

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