Telekom, O2: Wie Provider versuchen das Internet einzuschränken – eine Chronik

09.10.2014

O2 drosselt ab 3. November DSL-Anschlüsse

Mit dem unbegrenzten Surfen ist es für einige O2-Kunden bald vorbei: Der DSL-Anbieter wird ab 3. November eine DSL-Drosselung einführen. Ab 300 Gigabyte wird die Internet-Bremse gezogen. Von Christoph Fröhlich

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Surfen, so viel man will – damit ist es für einige O2-Kunden demnächst vorbei. Ab 3. November wird der Münchner DSL-Anbieter eine Drosselung seiner DSL-Angebote starten, berichtet das Tech-Portal „Caschys Blog“. Wie bei Mobilfunkverträgen mit Internetzugang üblich wird das schnelle Surfen begrenzt, wenn ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wird. Beim kleinsten DSL-Paket S wird die Drosselung bereits ab 100 GB gestartet. In den Tarifen O2 DSL All-in M, L und L Family beträgt das Datenkontingent 300 GB, im Tarif O2 DSL All-in XL 500 GB. Laut „heise.de“ betrifft die Regelung alle Kunden, die nach dem 16. Oktober 2013 einen DSL-Vertrag bei O2 abgeschlossen haben.

Bei 300 GB zieht die DSL-Bremse an

Wer in drei aufeinanderfolgenden Monaten mehr als 300 Gigabyte verbraucht, wird ab dem vierten Monat und jeweils ab 300 GB bis zum Ende des Monats auf 2 Mbit (2000 Kbit/s) gedrosselt. Zum Surfen oder dem Abrufen von E-Mails reicht das, wer allerdings regelmäßig Streamingportale wie Netflix oder Amazons Prime Instant Video nutzt, um sich HD-Filme anzusehen, muss dann mit langen Wartezeiten rechnen. Auch Gamer dürften mit 2000 Kbit/s keine Freude am Zocken haben. Die Regelung tritt in Kraft, „damit alle User das Internet gleich gut nutzen können“, wie O2 auf seiner Webseite schreibt.

O2 nennt die Drosselung schönfärberisch „Fair-Use-Vorteil“. Für die Kunden gibt es aber keinen Vorteil: Wer sowieso kaum Datenvolumen verbraucht, spart kein Geld. Viel-Downloader hingegen müssen tiefer in die Tasche greifen, denn zusätzliche 100 GB schlagen mit 4,99 Euro zu Buche. Eine echte Flatrate mit unbegrenztem Datenvolumen kostet 14,99 Euro extra.

Ursprünglich wollte O2 die Regelung schon im Oktober einführen. Gründe für die Verzögerung nannte der Konzern bislang nicht.

Ein falsches Signal von O2

In Zeiten von boomenden Streaminganbietern und der wachsenden Verbreitung von ultrahochauflösenden 4K-Fernsehern ist die Einführung der DSL-Bremse ein gewagter Schritt. Je nach Laufzeit ist ein 4K-Film zwischen 100 und 160 Gigabyte groß. Bei einem mittleren Tarif mit 300 GB Datenvolumen ist dann bereits nach zwei bis drei Filmen Schluss.

Netflix hat bereits angekündigt, in den kommenden Jahren verstärkt auf UltraHD-Inhalte zu setzen. Vereinzelte Serien wie „Breaking Bad“ oder „House Of Cards“ werden bereits jetzt als 4k-Stream angeboten. Noch können das hierzulande nur wenige User nutzen, doch in ein paar Jahren werden 4K-Fernseher in den Elektronikfachmärkten Standard sein. Spätestens dann wird der Aufschrei unter den O2-Kunden groß sein.

http://www.stern.de/digital/online/o2-dsl-drosselung-ab-3-november-2144270.html

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02.12.2013

Ende der „Drosselkom“: Telekom hebt alle DSL-Drosselungen auf

Die Deutsche Telekom hebt alle Drosselungen in ihren DSL-Flatrate-Tarifen wieder auf. Der Konzern beugt sich damit dem Druck von Verbraucherschützern und Gerichten.

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Die Umstellung werde spätestens bis zum 5. Dezember erfolgen, gab der Bonner Konzern am Montag in einer Telefonkonferenz bekannt. „Wir verabschieden uns damit zunächst von der Drossel“, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme. Frühestens 2015 soll es neue gedrosselte Tarife geben, die die Telekom dann als Pauschaltarife vermarkten will. „Die neuen Volumentarife werden nicht in den nächsten 12 Monaten kommen, das hat technische Gründe“, sagte van Damme.

Das Landgericht Köln hatte dem Konzern am 30. Oktober in einem Urteil eine monatliche Drosselung des Datenvolumens auf bestimmte Maximalwerte in den so genannten Flatrate-Tarifen „Call&Surf“ und „Entertain“ untersagt.

Das Thema Drosselung hatte die Telekom im April diesen Jahres selbst aufgebracht. Damals kündigte der Konzern erstmals an, fast alle neuen DSL-Tarife mit einer monatlichen Drosselung zwischen 75 und 200 Gigabyte zu versehen. Der Schachzug brachte dem Unternehmen den Spottnamen „Drosselkom“ ein. Verbraucherschützer drohten daraufhin mit Klage und einem Prozess, den sie schließlich in Köln gewannen. Ursprünglich hatte die Telekom das Datentempo nach dem Erreichen des maximalen Datenvolumens auf eine Ladegeschwindigkeit von 364 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Später wurde diese Regelung widerrufen und auf zwei Megabit pro Sekunde erhöht.

Die Telekom will mit der neuen Maßnahme nach den Worten von van Damme „verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen“. Insider vermuten, dass der Magenta-Konzern zuletzt im DSL-Neukundengeschäft an Boden verlor, weil kein Nutzer etwas mit AGB-Angaben wie einer Drosselung „von 75 Gigabyte pro Monat“ anfangen konnte. Dass Tarife mit weniger Maximalvolumen günstiger angeboten wurden als größere Pakete, war dem Markt ebenfalls kaum zu vermitteln.

http://www.focus.de/finanzen/boerse/streit-um-volumenbegrenzung-bei-flatrate-ende-der-drosselkom-telekom-hebt-alle-dsl-drosselungen-auf_id_3447031.html

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30.10.2013

Niederlage für die Telekom: Gericht stoppt Drossel-Pläne

Die Deutsche Telekom darf nach einer Entscheidung des Kölner Landgerichts die Surfgeschwindigkeit bei Pauschaltarifen nicht einschränken. Das Unternehmen wird voraussichtlich Berufung einlegen: „Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen.“

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Das Landgericht Köln hat die umstrittenen Pläne der Deutschen Telekom für eine Tempobremse im Internet untersagt. Die Richter erklärten entsprechende Vertragsklauseln des Bonner Konzerns für ungültig, wie die klagende Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Mittwoch mitteilte. Die Telekom will das Urteil prüfen und erwägt, Berufung einzulegen.
Die Telekom hatte die umstrittenen Klauseln vor einigen Monaten in alle neuen Verträge aufgenommen. Sie sehen vor, dass Internetnutzern bei Überschreiten einer bestimmten Datenmenge die Zugangsgeschwindigkeit gedrosselt wird. Dies gilt allerdings nicht für bestimmte Dienste der Deutschen Telekom wie etwa das Fernsehangebot Entertain. Konkurrenzdienste könnten bei gedrosselter Geschwindigkeit allerdings unter Umständen nicht mehr gut funktionieren.

Telekom: „Entscheidung nicht nachzuvollziehen“

Noch setzt die Telekom die Tempobremse nicht um, es ist bislang auch unklar, wann dies kommen soll. Die Verbraucherzentrale hatte gegen die neuen Telekom-Klauseln nach eigenen Angaben geklagt, da das Unternehmen seine Tarife als „Internet-Flatrate“ und unter Angabe einer „bis zu“-Geschwindigkeit bewarb. Eine nachträgliche Drosselung sei dann eine „unangemessene Benachteiligung der Kunden“. „Kunden sollten über die gesamte Laufzeit die Sicherheit haben, dass das versprochene Surftempo nicht reduziert wird“, erklärten die Verbraucherschützer.
Ein Sprecher der Deutschen Telekom erklärte auf Anfrage, das Unternehmen könne „diese Entscheidung nicht nachvollziehen“. Noch liege das Urteil der Telekom aber nicht vor. „Wir werden es prüfen und dann voraussichtlich Berufung einlegen“, erklärte der Sprecher.

http://www.focus.de/digital/internet/entscheidung-im-internet-streit-gericht-stoppt-drossel-plaene-der-telekom_aid_1143738.html

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11.06.2013

Deutsche Telekom entschärft Tempo-Drosselung

Konzern lenkt laut einem Blog-Bericht nach Kritik an ihrer Tempo-Bremse ein

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Statt der bisher vorgesehen 384 kBit pro Sekunde soll auf 2 MBit pro Sekunde gebremst werden, schrieb der bekannte Technologieblogger Carsten Knobloch unter Berufung auf Informationen aus zwei Quellen. Mit 2 Megabit pro Sekunde wäre auch eine gedrosselte Leitung noch so schnell wie die langsamste DSL-Verbindung, würde aber zum Beispiel kein Video-Streaming in hoher Auflösung erlauben. Die Telekom äußerte sich nicht zu dem Bericht.

Obergrenzen geplant
Die Telekom hatte am 2. Mai für Neukunden im Festnetz Daten-Obergrenzen eingeführt, bei deren Überschreiten die Geschwindigkeit der Internet-Verbindung gedrosseln werden kann. Die Tempo-Bremse soll allerdings nicht vor 2016 greifen. Dann will die Telekom für einen Aufpreis aber auch „echte“ Flatrates ohne Einschränkungen anbieten.

http://futurezone.at/digitallife/16425-deutsche-telekom-entschaerft-tempo-drosselung.php?rss=fuzo

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28.04.2013

Telekom-Chef verteidigt geplante Datenbremse

In der Debatte um die Flatrate-Drosselung der Telekom hat sich jetzt erstmals der Konzernchef zu Wort gemeldet. René Obermann beschwichtigt: Die Änderungen träfen nur sehr wenige Kunden.

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Telekom-Chef René Obermann wehrt sich gegen Kritik an der geplanten Daten-Drosselung im Internet. In einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verteidigte er die Pläne, berichtet der „Spiegel“.

„Begriffe wie Netzneutralität und Sicherstellung von Wettbewerb“ würden in der Debatte „dahingehend missbraucht, einen Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet zu zementieren“, erklärte Obermanns Brief.

Von der vorgesehenen Preisänderung seien nur drei Prozent der Kunden betroffen. „Diese Kunden nutzen in unserem Netz zehn- bis 20-mal größere Datenmengen als ein durchschnittlicher Kunde, der 15 bis 20 Gigabyte pro Monat verbraucht.“

„Die meisten Kunden werden nichts bemerken“

Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl sprang Obermann im „Focus“ bei. „Wenn wir die Volumenbegrenzung einführen, werden die meisten Kunden davon nichts bemerken.“ Investitionen in den Breitbandausbau seien wichtiger als immer niedrigere Preise.

Obermann erklärte, es stimme nicht, dass die Telekom das eigene Fernsehangebot „Entertain“ bevorzuge und Rivalen diskriminiere. Telekom-eigene Internetdienste wie Videoload oder die Telekom-Cloud würden auf die Datenmenge angerechnet.

„Entertain“ sei jedoch kein „typischer Internetdienst, sondern eine von den deutschen Landesmedienanstalten durchregulierte separate Fernseh- und Medienplattform, für die unsere Kunden ein entsprechendes Zusatzentgelt bezahlen“, erklärte Obermann.

Rösler hatte die Telekom wegen ihrer Pläne kritisiert. Das Vorhaben könnte die Gleichbehandlung von Anbietern im Internet gefährden. Ihre Position als Großaktionär der Telekom will die Regierung nach seinen Worten allerdings nicht offensiv nutzen, um auf Änderungen hinzuwirken.

Konkurrenten wollen dem Beispiel nicht folgen

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schloss sich der Kritik Röslers an und forderte: „Das Prinzip Netzneutralität darf nicht in Frage gestellt werden. Es darf keine Datenpakete erster und zweiter Klasse geben.“

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gesteht der Telekom in dem Magazin zwar „Pioniergewinne“ für den Netzausbau zu, nicht akzeptabel seien aber „Zugangsbeschränkungen nur für die Wettbewerber der Telekom“.

Die Konkurrenz grenzt sich von der Telekom ab und will ihr Modell großteils nicht übernehmen. Der in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia plant nach Aussagen einer Sprecherin keine Begrenzung der Internet-Nutzung.

Ebenso hält es Vodafone. Ein Sprecher von O2 hatte gesagt, der Schritt der Telekom sei aus Branchensicht angesichts der rapide steigenden Datenmengen nachvollziehbar. „Sollten wir so etwas einführen, würden wir das rechtzeitig ankündigen.“ Der DSL-Anbieter bremse seine Kunden derzeit aber nicht aus.

Dagegen hat Kabel Deutschland eine Begrenzung bereits eingeführt, allerdings eine großzügige: Ab einem Datenvolumen von 60 Gigabyte am Tag kappt der Kabel-Marktführer die Geschwindigkeit für die Nutzung von Tauschnetzwerken. Internetsurfen ist weiter in Normalgeschwindigkeit möglich.

http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article115682662/Telekom-Chef-verteidigt-geplante-Datenbremse.html

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27.04.2013

Internet-Kontrolle: Jeder Haushalt muss Modem der Deutschen Telekom kaufen

Die Deutsche Telekom kann aufgrund einer neuen Rechtslage alle Internet-User zwingen, sich ein Telekom-Modem zu kaufen. Die Telekom vertreibt ein Modell aus China. Die alten Modems müssten weggeworfen werden. Die Bundesregierung spekuliert mit fantastischen Mehreinnahmen und der totalen Kontrolle des Internet durch einen Staatsbetrieb.

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Unabhängige Provider schlagen Alarm: Die Deutsche Telekom ist offenbar drauf und dran, die Zugänge zum Internet komplett zu übernehmen.

Der Gründer des Routing-Unternehmens Viprinet, schlägt Alarm: Wegen einer von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkten Entscheidung der Bundesnetzagentur wird die Deutsche Telekom ihren Einfluss direkt in die Wohnzimmer der Deutschen ausdehnen. Die Kunden können gezwungen werden, nur noch Modems der Deutschen Telekom zu verwenden. Für den Staat ein Riesengeschäft mit der angenehmen Wirkung der totalen Kontrolle.

Viprinet schildert die gefährliche Lage:

Die schlimmsten Auswirkungen für den freien Markt verspricht aber die im Januar gefällte Entscheidung der Bundesnetzagentur, dass der Netzanschluss eines Providers nun nicht mehr die Telefondose sei, sondern das vom Netzbetreiber gelieferte Modem. Damit kann die Telekom künftig vorschreiben, dass nur noch die von ihnen gelieferten Modems am Anschluss benutzt werden dürfen. „Das ist ein Horrorszenario für die Verbraucher, wie auch für die gesamte Branche der Modem- und Routerhersteller in Deutschland“, ist Kissel entsetzt.

Es ist branchenbekannt, dass unter Kontrolle der Volksrepublik China stehende Hersteller mittlerweile eng mit der Deutschen Telekom kooperieren, und die Telekom kaum noch Geräte von europäischen Herstellern ausliefert. „Ein chinesisches Modem in jedem deutschen Haushalt, und ein Verbot, dieses wegzuschmeißen und durch ein deutsches Markenprodukt zu ersetzen? Wahnsinn!“, zeigt sich der Viprinet-Gründer schockiert. Deutsche und europäische Hersteller haben sich mittlerweile zusammengetan und eine Protestnote an die Bundesnetzagentur verfasst. Ohne Druck durch Öffentlichkeit und Politik besteht aber die Gefahr, dass dieser Protest nicht gehört wird.

Kissel warnt, dass es durch diese Praxis zu einer vollständigen Monopolisierung des Provider-Geschäfts durch die Telekom kommen werde. Faktisch hat die Telekom nun die Möglichkeit, jeden Internet-Nutzer zu zwingen, das Modem der Telekom zu kaufen – weil er sonst keinen Internet-Anschluss bekommt. Damit möchte die Telekom offenbar einer Massenflucht der Kunden zuvorkommen, die sich durch die Ankündigung der künstlichen Verlangsamung („Drossel“) ergeben könnte (mehr zum Ende der Freiheit im Internet – hier).

Es zeichnet sich ein knallhartes Monopol ab:

Für Kissel ist es völlig unverständlich, wieso die Bundesnetzagentur abweichend von den gesetzlichen Vorgaben in der EU und der in Deutschland wie sämtlichen anderen EU-Ländern bisher ausgeübten Praxis plötzlich die freie Wahl des Verbrauchers bei Internetroutern abschaffen will. Dass man keine eigenen Geräte an Telefonanschlüsse anschließen darf, habe es zuletzt bei der Bundespost gegeben: „Da geht doch etwas nicht mit rechten Dingen zu.“ Mit Zwangsroutern würde nach Auffassung Kissels faktisch jeglicher Wettbewerb bei den Endgeräten in Deutschland abgeschafft. Ein solches Monopol ist wettbewerbsrechtlich höchst fragwürdig und nach EU-Recht wohl kaum zulässig. In Deutschland gibt es eine hohe Zahl von Diensten, z.B. in den Bereichen öffentliche Sicherheit, Gesundheit (KV-SafeNet) oder Finanztransaktionen, bei denen gesondert gesicherte und zertifizierte Router an das Netz angeschlossen werden müssen.

Es ist unvorstellbar, hier stattdessen vor Sicherheitslücken strotzende Billigware einzusetzen. Entsprechende Monokulturen sind bekanntlich höchst angreifbar. Es kann auch kaum den Sicherheitsinteressen Deutschlands entsprechen, wenn in jedem deutschen Haushalt ein Endgerät eines unter der Kontrolle des chinesischen Staates stehenden Herstellers betrieben wird – führende Sicherheitspolitiker in Europa wie den USA haben in diesem Zusammenhang wiederholt Bedenken geäußert. Kissel fordert daher ein sofortiges Einschreiten von Politik und Regulierungsbehörden: „Verhindern Sie, dass die Deutsche Telekom das von unseren Steuergeldern bezahlte Kupfernetz dazu missbraucht, den ohnehin schwachen Wettbewerb zu vernichten und ein Monopol bei Internetzugängen und Routern zu errichten. Wir wollen nicht zurück in die Bundespost-Steinzeit! Sorgen Sie endlich für die Gewährleistung der Netzneutralität und die Verhinderung weiterer Monopolbildungen zu Lasten der Bürger, des Mittelstandes und deutscher Sicherheitsinteressen!“

Der Appell dürfte ungehört verhallen.

Denn tatsächlich dürfte die Bundesregierung die Entwicklung begrüßen: Der wegen der hemmungslosen Schuldenpolitik ins Eck gedrängte Staat muss nach jeder zusätzlichen Einnahme-Quelle suchen. Die Telekom mit dem Staat und der KfW als größte Aktionäre könnte die Gelddruck-Maschine sein, die der Pleite-Staat braucht.

Die Interessen der Bürger nach freiem Internet-Zugang interessieren die Politik nicht.

Die Telekom kann nämlich durch die Rückkehr zu einem flächendeckenden Monopol auch dafür sorgen, dass der Internet-Zugang für alle Kunden in staatlicher Hand liegt.

Dadurch erhält die Regierung die Möglichkeit, den Leuten das Internet auch mal vorübergehend abzudrehen. Das kann im Fall der Zunahme von sozialen Spannungen und zivilen Widerstand ausgesprochen nützlich sein.

Und das Beste für Bundesfinanzminister Schäuble: Die Bürger müssen die totale Kontrolle zusätzlich zu ihren Steuern bezahlen.

Die Zusammenarbeit der Deutschen Telekom mit Unternehmen aus China ist in dieser Hinsicht ausgesprochen zweckdienlich: Denn auch die Regierung in Peking denkt nicht daran, ihren Bürgern die völlige Freiheit im Internet zu gewähren.

Von China lernen heißt siegen lernen.

Es lebe die deutsch-chinesische Freundschaft!

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/27/internet-kontrolle-jeder-haushalt-muss-modem-der-deutschen-telekom-kaufen/

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24.04.2013

Telekom baut Sperre ein: Freiheit des Internets geht zu Ende

Die Deutsche Telekom schafft als erstes Unternehmen die „Flatrate“ ab. Mit automatischen Sperren werden Programme gestoppt, die nicht von der Telekom sind. Vodafone & Co. werden dem Beispiel folgen. Die meisten unabhängigen Websites werden damit extrem langsam. Der Staat wird dann mit einem kleinen Oligopol das Internet in Deutschland beherrschen. Genießen Sie die letzten Monate der Freiheit im Internet.

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Die beliebte „Flatrate“ ist bald Geschichte: Künftig werden die Kunden massiv mehr für die Internet-Nutzung bezahlen müssen. Die Deutsche Telekom wird künftig automatische Sperren bei zu viel Daten-Volumen – etwa bei Video-Streaming – einbauen. Die Telekom wird eigene Inhalte produzieren und diese werden schneller laden. Damit gibt es neben der GEZ spätestens ab 2016 einen Anbieter von staatlich kontrollierten Informations-Websites.

Die anderen Konzerne werden dem Beispiel der Telekom gewiss folgen. Auch sie werden die Sperren einbauen und ihre eigenen Inhalte bevorzugen. Wir erleben eine neue Ära der Kommerz-Inhalte wie Telekom-TV und ähnlichen schönen Dingen.

Wir nähern uns einer Zeit ganz neuer Medien-Formate.

Die Telekom-Tagesschau.
Die Vodafone-Sportschau.
Der E-Plus-Jauch.
Der 02-Presseclub.

Die Zeit des Internet als Plattform für freie und unabhängige Medien geht damit zu Ende. Unter dem sperrigen Begriff der sogenannten „Bandbreiten-Drossel“ wird die Deutsche Telekom zum 1. Mai keine der bisher bekannten Flatrates mehr anbieten. Wenn ein gewisses Datenvolumen überschritten ist, etwa durch zu viel Video-Streaming, dann sperrt („drosselt“) die Telekom die Bandbreite für den Nutzer. Ausnahme: Er nutzt gerade – Bingo! – Telekom-Dienste.

Zunächst wird sich die Telekom nur das Recht sichern, solche Sperren einzusetzen, behauptet das Unternehmen. Erst 2016 werde man „technisch“ in der Lage dazu sein.

Bei Kabel Deutschland gibt es eine solche Blockade jetzt schon im Kleingedruckten. Sie ist allerdings noch nicht aktiviert. Das Unternehmen sagte jedoch, dass man sich bei „nicht absehbarem Kundeverhalten“ eine Sperre vorbehalte.

Vodafone will eine solche Maßnahme vorerst nicht treffen, sondern wartet ab. Gelingt der Telekom der Durchbruch, wird sich auch der Konkurrent nicht lange bitten lassen, erwartet die IT-Website Golem.

Mit dieser Entwicklung wird sich die Internet-Nutzung dramatisch ändern. Faktisch wird das Internet auf die Horror-Geschwindigkeiten der neunziger Jahre zurückgeschraubt, befürchtet Markus Beckedahl vom Verein Digitale Gesellschaft.

In der Praxis wird es so aussehen: Wenn man Telekom-Kunde ist, kann man unbegrenzt jene Programme ansehen, die die Deutsche Telekom produziert. Schon jetzt hat die Deutsche Telekom viele Programm-Inhalte, eine Zeit lang versuchte sie sich als Sportanbieter. Einer der Vorstands-Chefs der Telekom, der Ex-Deutsche Banker Thomas Holtrup, wollte vor zehn Jahren schon die Telekom zu einem großen Medienhaus entwickeln. Medien, wie sie die Telekom anbietet, kennen keinerlei Trennung von Journalismus und PR. Die Telekom muss daher, damit die Kunden einen guten Eindruck von ihrem Programm haben, noch zulegen – etwa in gesellschaftlich wichtigen Bereichen wie „Promis, Stars, Sport, Lifestye“. Daher braucht das Unternehmen bis 2016.

Der Gedanke ist klar: Wenn der Telekom-Kunde Inhalte von anderen Anbietern ansieht, wird nach einer gewissen Menge an Datenvolumen die Geschwindigkeit der Internet-Seiten, die man gerade besucht, dramatisch langsamer. Er wird daher über die Schnelligkeit der Seiten gezwungen, auf den Telekom-Programmen zu bleiben.

Die offizielle Argumentation: Die Telekom will nicht allein die Kosten für den Netzausbau tragen. Vor allem aber will sie Kunden von anderen Medien im Internet abziehen. Zuallererst geht diese Strategie gegen YouTube und Google. Denn die Amerikaner sind aus der Sicht der Telekom Schmarotzer, die die Netze zwar nutzen, aber nichts für deren Erhalt zahlen.

Aber natürlich wird eine automatische Sperre auch für alle anderen Nicht-Telekom-Seiten gravierende Folgen haben. Denn die Telekom ist technisch und wirtschaftlich in der Lage, allen Inhalten den Saft abzudrehen, die nicht von ihr produziert und gesendet werden. Gemeinsam mit der staatlichen KfW-Bankengruppe hält die Bundesrepublik 32 Prozent an der Telekom. Daher wird es, wenn es nach dem Willen der Telekom geht, künftig neben dem GEZ-Apparat der öffentlich-rechtlichen Sender, der 8 Milliarden Euro jährlich an Zwangsgebühren kassiert, im Internet einen zweiten Anbieter geben, bei dem ohne den Staat nichts läuft.

Ähnlich wie bei TV und Rundfunk werden die Konkurrenten durchaus ein paar Brosamen bekommen: Ohne die geringsten Ansprache – das wäre ja ein Kartell, und so etwas bilden die hochanständigen Telekoms nicht – werden auch die anderen Anbieter nachziehen. Sie werden dann Programme anbieten, die denen von SAT1 und RTL ähnlich sind.

Der hochverschuldete deutsche Staat wird gegen die Errichtung eines zweiten Staats-Medien-Betriebs nichts unternehmen, weil er als Anteilseigner in hohem Maße davon profitiert, wenn die Kunden signifikant höhere Gebühren zahlen müssen. Und diejenigen, die weniger zahlen, weil sie sich nur noch das Telekom-TV leisten können, werden wenigstens unter staatlicher Aufsicht bespielte Websites konsumieren – was für die Regierung auch ein Wert an sich ist.

Schon heute ist wegen des Preisverfalls mit den Internet-Zugängen kein großes Geschäft mehr zu machen. Die großen Anbieter werden daher einen knallharten Verdrängungs-Prozess starten.

Natürlich werden sich auch Telekom-kritische Seiten nicht zu wundern haben, wenn sie plötzlich unerträglich langsam werden. Das hat natürlich nicht das Geringste mit kritischen Meldungen über die Telekom zu tun – sondern mit „der Verkehrsentwicklung im Internet“, wie Heise die Telekom zitiert.

Faktisch leitet diese Entwicklung das Ende des Internet als freies, unabhängiges Trägermedium für viele kleine Anbieter ein. Die Idee der „Netzneutralität“ – dass also alle Websites unabhängig von ihrem Inhalt gleich schnell abrufbar sind – ist Geschichte.

Das Internet wird zum Spiegelbild dessen, was wir im Fernseh-Bereich kennen: Ein riesiger staatlicher Moloch, und ein paar Feigenblätter – für andere Konzerne.

Die Folgen für viele Informations-Medien, die im Zuge der Wild-West-Zeit des Internets entstanden sind, sind absehbar: Diese Websites werden verschwinden.

Die Weichen für die Zukunft des Internets sind gestellt.

Sie laufen in dieselbe Richtung, in die der alte Staat bereits läuft.

Wir müssen uns auf eine gigantische Kommerz- und Manipulationswelle einstellen.

Der Un-Geist der GEZ schickt sich an, das Internet in Besitz zu nehmen.

Es ist ein Putsch, bei dem die Vielfalt zerstört und die alten Machtpositionen von Staat und Staatsbetrieben neu errichtet werden.

Eben genau die schöne, neue Medienwelt, die wir uns schon immer wünschen mussten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/24/telekom-baut-sperre-ein-freiheit-des-internets-geht-zu-ende

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24.04.2013

Netzneutralität. Datenbremse: Aufstand gegen Deutsche Telekom

Die Pläne der Deutschen Telekom, das Internet-Tempo ab einem bestimmten Datenvolumen zu drosseln, haben heftige Kritik ausgelöst. Internet-Nutzer regten sich bei Online-Diensten über die „Drosselkom“ auf, Grünen-Politiker Malte Spitz warnte in einem „Zeit“-Beitrag vor dem „Ende des Internets wie wir es kennen“.

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Die Telekom hatte am Montag angekündigt, dass für Neukunden vom 2. Mai an Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates gelten werden. So kann die Telekom bei Leitungen mit einer Geschwindigkeit bis 16 Megabit pro Sekunde die Geschwindigkeit drosseln, wenn das Datenvolumen 75 Gigabyte überschreitet. Die Tempo-Bremse solle nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen.

Eigener Videodienst ausgenommen
Für besondere Aufregung sorgt, dass die Nutzung des hauseigenen Videodienstes Entertain nicht auf das Daten-Kontingent draufgerechnet wird. Wenn man sich seine Filme aber bei Apples iTunes oder Streaming-Diensten wie Amazons Lovefilm oder dem deutschen Anbieter Watchever abruft, liefe nach heutigem Stand der Zähler.

Bei der Telekom heißt es, solche Dienste könnten eine Partnerschaft eingehen, und dann als vom Netzbetreiber garantierte „Managed Services“ ebenfalls nicht auf das Daten-Kontingent mitgerechnet werden. Managed Services würden „in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt“.

Netzneutralität wird abgeschafft
„Es geht darum, die Netzneutralität abzuschaffen“, wetterte Grünen-Netzpolitiker Spitz in seinem Beitrag in der Online-Ausgabe der „Zeit“. Netzaktivist Sascha Lobo warnte bei „Spiegel Online“ vor einer Benachteiligung kleinerer Anbieter: „Google könnte jeden noch so datenintensiven Dienst auf den Markt werfen“. Die Piratenpartei forderte, Netzneutralität gesetzlich festzuschreiben.

Rivale Vodafone will in einer ersten Reaktion zumindest keine Obergrenzen im Festnetz einführen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Es wurde erwartet, dass andere Anbieter mitziehen, wenn einer den Anfang macht.

Telekom: „Verstoßen nicht gegen Netzneutralität“
Die Telekom verpackte ihre Pressemitteilung am Dienstag nochmal in Form von Fragen und Antworten. Dabei wurde auch gefragt: „Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?“ Der Konzern verneint dies, da Entertain und Sprachtelefonie eben Managed Services seien. Reguläre Internetdienste würden diskriminierungsfrei nach dem „Best-Effort“-Prinzip behandelt – „so gut es die zur Verfügung stehenden Ressourcen ermöglichen“. Das gelte auch für Internetdienste der Telekom.

http://futurezone.at/netzpolitik/15414-datenbremse-aufstand-gegen-deutsche-telekom.php?rss=fuzo

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