Der Kampf um Gentechnik-Produkte – eine Chronik

30.06.2016

Offener Brief an Greenpeace: 107 Nobelpreisträger fordern ein Ende der Anti-Gentechnik-Kampagne

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Die gentechnische Veränderung von Nutzpflanzen ist seit langem umstritten. Theoretisch bietet die Technologie eine Menge an Vorteilen – Kritiker befürchten aber unabsehbare Folgen. Ein Beispiel für die hitzige Diskussion ist dabei die Reissorte Golden Rice. Diese wurde genetisch modifiziert und soll helfen Vitamin-A-Mangel bei Kindern in Schwellen- und Entwicklungsländern zu verhindern. Dieser führt dort oftmals zur Erblindung oder sogar zum Tod. Greenpeace und andere Organisationen lehnen den genveränderten Reis allerdings aus grundsätzlichen Erwägungen ab – weil sie unabsehbare Langzeitfolgen befürchten. 107 Nobelpreisträger haben sich nun allerdings mit deutlichen Worten für ein Ende dieser Kampagne ausgesprochen: „Wie sind Wissenschaftler. Wir verstehen die Logik der Wissenschaft. Es ist einfach zu sehen, dass das was Greenpeace tut gefährlich und anti-wissenschaftlich ist“, so Initiator Richard Roberts.

Richard Roberts gewann 1993 den Nobelpreis für Medizin

Roberts ist ein amerikanischer Biochemiker und Molekularbiologe und erhielt 1993 – zusammen mit Phillip A. Sharp – den Nobelpreis für Medizin. Er ist allerdings kein grundsätzlicher Gegner von Greenpeace. Im Gegenteil: Grundsätzlich unterstützt er die Arbeit der Umwelt- und Klimaschutzorganisation. In Sachen Gentechnik gibt es aber einen grundsätzlichen Dissens. Roberts hofft daher, dass Greenpeace „zugibt, in dieser Angelegenheit falsch zu liegen und sich wieder auf die Dinge konzentriert, die sie gut machen“. Die Umweltorganisation selbst hat sich zu dem offenen Brief bisher nicht geäußert.

Rund eine Millionen Todesfälle jährlich sind auf Vitamin-A-Mangel zurückzuführen

Die Zahl von bisher 107 Unterzeichnern ist dabei durchaus beeindruckend – vor allem vor dem Hintergrund, dass es überhaupt nur knapp 300 lebende Nobelpreisträger gibt. In dem nun veröffentlichten Brief heißt es wörtlich: „Wissenschaftliche Einrichtungen und Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt haben wiederholt und konstant festgestellt, dass biotechnologisch verbesserte Pflanzen und Nahrungsmittel mindestens so sicher – wenn nicht sogar sicherer – sind als solche jeder anderen Produktionsmethode.“ Zudem verweisen sie auf die desaströsen Auswirkungen von Vitamin-A-Mangel: Demnach ist darauf die Hälfte der jährlich weltweit zwei Millionen vermeidbaren Todesfälle zurückzuführen. Zudem könnten gentechnische Veränderungen sich auch positiv auf die Umwelt auswirken – beispielsweise weil weniger Pestizide benötigt werden.

http://www.trendsderzukunft.de/offener-brief-an-greenpeace-107-nobelpreistraeger-fordern-ein-ende-der-anti-gentechnik-kampagne/2016/06/30/

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02.06.2016

„Ja, wir Menschen pfuschen dem lieben Gott ins Handwerk“

Noch mehr Dünger, noch mehr Pflanzenschutzmittel – das ist keine Lösung, um die Erträge zu steigern, findet Mark Stitt, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie. Er plädiert für eine neue Diskussion über Grüne Gentechnik in Deutschland.

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Herr Stitt, Grüne Gentechnik hat in Deutschland nur Feinde – weder Verbraucher noch Politiker wollen sie. Was haben die Wissenschaftler falsch gemacht?

Wir haben sicherlich zu wenig geredet und erklärt, was wir da eigentlich tun. Und viele der ersten Produkte waren nicht relevant. Kein Mensch braucht Tomaten, die nicht schmecken, aber möglichst lange gut aussehen. Andererseits ist der Streit in Deutschland paradox: Dass wir Menschen dem lieben Gott ins Handwerk pfuschen, ist in vielen Lebensbereichen akzeptiert – in der roten Gentechnik etwa, also wenn mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen Medikamente hergestellt werden. Gentechnik wird jedoch strikt abgelehnt, wenn es um die Veränderung des Erbgutes von Pflanzen geht. Dabei brauchen wir diese Hochtechnologie. Denn die Weltbevölkerung wächst. Seit etwa zehn Jahren beobachten wir jedoch, dass die Ernteerträge weltweit stagnieren. 

Woran liegt das?

Die gewaltigen Ertragssteigerungen der vergangenen Jahrzehnte basieren im Wesentlichen auf den Erfolgen der klassischen Pflanzenzüchtung, man schätzt um die Hälfte, vielleicht sogar mehr. Das Saatgut ist einfach immer besser geworden. Die selektierten Eigenschaften hängen oft mit der Pflanzenstruktur zusammen. Beim Mais gelang es zum Beispiel Sorten zu züchten, die man wesentlich dichter pflanzen kann als früher. Oder der essbare Anteil wurde erhöht, bei Kartoffeln beispielsweise ist der Spross kleiner geworden, die Knolle größer. Das Problem, vor dem wir heute stehen, ist jedoch, dass die wichtigsten Nutzpflanzen so stark optimiert sind, dass man kaum mehr aus ihnen herausholen kann. Ihr Potenzial bezüglich dieser Eigenschaften ist ausgereizt. 

Die Antwort der industriellen Landwirtschaft lautet: noch mehr Ressourceneinsatz.

Noch mehr Dünger, noch mehr Pflanzenschutzmittel und noch mehr Wasserverbrauch sind keine Lösung. Die industrielle Landwirtschaft steckt in einer Sackgasse. Das ist Konsens unter vielen Wissenschaftlern. Und viele Politiker sehen das auch so. Schon jetzt werden bis zu 80 Prozent des Frischwassers für die landwirtschaftliche Produktion verbraucht, das lässt sich so nicht weiterführen. Auch stehen künftig weniger Anbauflächen zur Verfügung wegen der Bodenerosion und des Klimawandels. Deshalb müssen wir ganz neue Wege gehen.

Wie könnten die aussehen?

Die Folge all dieser Entwicklungen ist, dass die Anforderungen an die Pflanzenzüchtung weiter steigen werden. Die Zukunft liegt jedoch nicht in der Herstellung herbizidresistenter Pflanzen, wie Monsanto es getan hat. Wir müssen die Erträge umweltverträglich steigern, und dafür brauchen wir sowohl die klassische Züchtung als auch die Gentechnik. 

Was meinen Sie konkret?

Ein wichtiges Ziel unserer Forschung ist es, durch Eingriffe ins Erbgut, die Photosynthese-Leistung von Pflanzen zu steigern. Bei der Photosynthese verwandelt die Pflanze Sonnenlicht in Glukose, die sie für ihr Wachstum braucht. Und sie produziert zudem Sauerstoff, den sie an die Umwelt abgibt. Lauter positive Effekte. Wenn man diese Leistung um 20 Prozent erhöht, dann wachsen Pflanzen viel schneller, ohne dass sie mehr Dünger oder Wasser benötigen. Zum zweiten produzieren Pflanzen selbst Stoffe, die sie gegen Viren, Pilze, Bakterien und Tierfraß schützen. Wenn wir verstehen, wie das genau funktioniert, dann können wir Pflanzen so verändern, dass sie diese Stoffe vermehrt selbst herstellen.  

Kritiker argumentieren, dass wir nicht die Ernten steigern müssen, um Milliarden Menschen satt zu machen, sondern die Erträge gerechter verteilen.

Ja, eine gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel zwischen Arm und Reich würde uns entlasten. Ein riesiges Problem besteht auch darin, dass so viele Lebensmittel beim globalen Transport vom Acker zum Supermarkt verrotten. Aber ich befürchte, dass die Politik allein diese Probleme nicht in den Griff bekommen wird. Hier könnte Pflanzenzüchtung ebenfalls helfen, zum Beispiel durch die Verbesserung der Lagerfähigkeit. Und selbst wenn die Verteilung gerechter wäre und die Verschwendung geringer, müssten die Ernteerträge immer noch wachsen, um künftige Generationen zu ernähren. 

http://www.stern.de/panorama/wissen/natur/gentechnik-monsanto-bayer-deal-6880992.html

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28.10.2015

EU-Parlament stoppt Freiheit der Mitgliedsstaaten bei Gen-Futter

Zahlreiche EU-Länder hatten in den vergangenen Wochen von dem Recht Gebrauch gemacht, den Anbau von Genmais auf nationaler Ebene zu verbieten. Diese Entscheidung der nationalen Regierung ist nun nichtig. Das EU-Parlament lehnte diesen Vorschlag der EU-Kommission ab.

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Das EU-Parlament ist gegen eine Entscheidungsfreiheit der Mitgliedsländer beim Import von genetisch veränderten Futtermitteln. Mit großer Mehrheit lehnten die Abgeordneten am Mittwoch den Vorschlag ab, dass die EU-Länder selbst darüber befinden können, ob sie den Verkauf und die Verwendung von genetisch verändertem Soja und anderen Futtermitteln verbieten, auch wenn diese in der EU bereits genehmigt sind. Nach der Ablehnung durch das Parlament muss die EU-Kommission nun entscheiden, ob sie einen neuen Vorschlag vorlegt.

In der Europäischen Union werden laut EU-Kommission pro Jahr 36 Millionen Tonnen Sojabohnen für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere benötigt. Davon werden nur 1,4 Millionen Tonnen in der EU erzeugt, die komplett nicht genverändert sind. Der Rest kommt fast ausschließlich aus Brasilien, Argentinien, den USA und Paraguay, wo jeweils der Anteil von genverändertem Soja bei rund 90 bis 100 Prozent liegt.

Der Anbau von genetisch veränderten Organismen (GVO) kann in der EU bereits von den Mitgliedsländern eigenmächtig verboten werden, auch wenn die EU-Kommission für die Anpflanzung grünes Licht erteilt haben sollte. Deutschland hatte vor wenigen Wochen von diesem Recht Gebrauch gemacht und den Anbau von Genmais verboten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/28/eu-parlament-stoppt-freiheit-der-mitgliedsstaaten-bei-gen-futter/

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30.09.2015

Deutschland macht Anbau-Verbot offiziell

Keine GVO-Nutzpflanzen in Deutschland: Die Bundesrepublik hat das Anbauverbot für Genmais offiziell der EU-Kommission mitgeteilt. Diese übermittelt das Verbot nun zunächst als Wunsch an die betroffenen Unternehmen.

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Deutschland hat das Anbauverbot für Genmais bei der Europäischen Union angemeldet. In dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Mittwoch an die EU-Kommission wird die Aussaat mehrerer genetisch veränderter Organismen (GVO) auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik untersagt. „Der Anbau des gentechnisch veränderten Maises ist unvereinbar mit der in Deutschland üblichen Ackernutzung“, heißt es in dem Schreiben. Es sei mit negativen Folgen für den konventionellen und ökologischen Maisanbau zu rechnen.

Eigentlich entscheidet die EU über Anbaugenehmigungen. Seit diesem Jahr können Mitgliedsstaaten jedoch ein nationales Verbot erlassen. Mit dem nun an die EU-Kommission abgesandten Schreiben unternimmt Bundesagrarminister Christian Schmidt den ersten Schritt eines Verbotsverfahrens. Die EU-Kommission muss nun den Konzernen, die eine Anbaugenehmigung für ihre GVO-Nutzpflanzen beantragt haben, den deutschen Wunsch auf einen Vertriebsverzicht übermitteln. Erst wenn dies von den Unternehmen abgelehnt wird, kann nach den EU-Regeln der Anbau per nationaler Gesetzgebung untersagt werden.

Unmittelbar betroffen sind die Konzerne Monsanto, Syngenta, Dow AgroScienes und DuPont-Pioneer , die Anträge für den Anbau von acht Genmais-Sorten in Brüssel gestellt haben, die teilweise bereits genehmigt wurden.

Mit genetisch veränderten Sojabohnen und anderen Produkten machen die Agrarkonzerne weltweit Milliardenumsätze. GVO-Befürworter werben unter anderem mit höheren Erträgen. Gegner verweisen auf nicht restlich geklärte Risiken.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/genmais-deutschland-macht-anbau-verbot-offiziell/12392302.html

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26.08.2015

Der Traum von einem gentechnikfreien Land

Nahrungsmittel, Medikamente, Euro-Banknoten: Gentechnik ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Wer etwas anderes behauptet, ist unehrlich. Ein Einwurf.

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Frankenstein-Pflanzen, gnadenlose Agrokonzerne und Glyphosat – diese Worte werden hierzulande oft und gern genutzt, wenn es um Grüne Gentechnik geht. Wie bei anderen modernen Techniken auch, wird die Debatte nur bedingt entlang der Fakten geführt. Einen wesentlichen Anteil daran haben die politischen Akteure, die bei diesem Thema mit unerschrockener Selbsttäuschung und Scheinheiligkeit zu Werke gehen.

Das zeigt etwa ein aktuelles Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion, in dem es heißt: „Die SPD-Bundestagsfraktion will …, dass der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen grundsätzlich und bundesweit verboten werden kann, und somit Äcker und Umwelt in Deutschland gentechnikfrei bleiben. … Die Bundesregierung muss sich bereits beim EU-Zulassungsverfahren gegen die Zulassung aussprechen, um konsequent gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen einzutreten.“

Der gewaltige Milch- und Fleischbedarf ist ohne Importe eiweißreicher Futtermittel nicht zu decken

So viel vorab: Ich halte mich für einen Demokraten und habe kein Problem damit, dass „Deutschland gentechnikfrei bleibt“, wenn dies die Mehrheit seiner mündigen Bürger so will. Wir sollten aber offen und ehrlich aussprechen, was ein „gentechnikfreies“ Deutschland für uns tatsächlich bedeuten würde. Die Nahrungsmittelproduktion in Europa hängt bereits jetzt am Tropf der Produzenten gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel vor allem in Latein- und Nordamerika. Unseren gigantischen Milch- und Fleischbedarf ohne Importe eiweißreicher Futtermittel, insbesondere gentechnisch optimierter Sojabohnen, decken zu können, ist schon vor längerer Zeit unmöglich geworden. Jährlich werden etwa 35 Millionen Tonnen Sojabohnen in die Europäische Union eingeführt, das entspricht ungefähr 65 Kilogramm pro EU-Bürger. Mehr als 80 Prozent der Sojaproduktion basiert inzwischen auf gentechnisch veränderten Sorten, Tendenz steigend. Da die Vorteile der gentechnisch verbesserten Sorten für die Bauern so überwältigend sind, sinkt die Bereitschaft, konventionelle Sorten anzubauen immer weiter. Und das obwohl mit konventionellen Sojabohnen ein höherer Verkaufspreis erzielt werden kann.

Es ist scheinheilig, andere Länder für uns massenhaft Soja anbauen zu lassen

Wenn wir uns also für ein „gentechnikfreies Deutschland“ entscheiden, sollten wir es konsequent tun und auf gentechnische Nahrungs- und Futtermittel komplett verzichten. Vor allem sollten wir uns die Scheinheiligkeit ersparen, andere Länder diese Pflanzen für uns anbauen zu lassen, um sie dann möglichst heimlich nach Deutschland zu verschiffen, während wir uns gleichzeitig öffentlichkeitswirksam zur „gentechnikfreien“ Zone erklären. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern kommt auch einer modernen Form von Kolonialismus gleich – ein zu hoher Preis, um eine Illusion aufrechtzuerhalten und eine ökologisch verbrämte Ideologie auch weiterhin gut verkaufen zu können.

Nein“ zu Tierversuchen, aber „Ja“ zu sicheren Medikamenten

Und doch passt es zur inzwischen in unserer Gesellschaft salonfähig gewordenen Entkopplung als problematisch empfundener Methoden auf der einen Seite und ihrem unbestreitbaren Nutzen auf der anderen: „Nein“ zu Tierversuchen, aber „Ja“ zu sicheren Medikamenten und unbedenklichen Kosmetika; „Nein“ zur Gewinnung von embryonalen Stammzellen, aber „Ja“ zur Forschung an importierten Stammzellen, und so weiter.

Die Unehrlichkeit setzt sich bei der Kennzeichnung gentechnisch hergestellter Produkte fort. Sie ist richtig und wichtig, denn sie schafft Wahlfreiheit. Das hat sich bei Bioprodukten hervorragend bewährt, im positiven wie im negativen Sinne. Wer Bio bewusst kaufen will, erkennt es am großen Schriftzug auf der Verpackung und greift zu. Wer Bio aktiv vermeiden will, sei es aus Angst vor Keimen und Mykotoxinen oder aufgrund der regelmäßigen schlechten Qualitätsbewertungen bei der Stiftung Warentest, muss nur nach Produkten schauen, wo nicht in riesigen Lettern „Bio“ draufgedruckt ist.

Der EU-Grenzwert für gentechnische Bestandteile ist unsinnig

Genauso sollten alle Produkte gekennzeichnet sein, die mithilfe von Gentechnik hergestellt wurden. Der von der Europäischen Union eingeführte Grenzwert für eine Kennzeichnungspflicht ab 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile ist willkürlich und daher unsinnig. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche oder sonstige Begründung. Warum sollte ein Lebensmittel mit 0,8 Prozent gentechnischer Beimischung anders behandelt werden als eine Lebensmittel mit 1,0 Prozent?

Es sollten ausnahmslos alle Produkte gekennzeichnet werden, die bei der Herstellung mit Gentechnik in Kontakt gekommen sind, mindestens aber alle Produkte, in denen die gentechnisch erzeugten Bestandteile nachweisbar sind – sei es DNS, Enzyme oder Vitamine. Alles andere erfüllt den Tatbestand der Verbrauchertäuschung, ist allerdings recht nützlich, um Feindbilder zu pflegen, Ängste zu schüren und die Illusion aufrechtzuerhalten, dass wir uns „gentechnikfrei“ ernähren und unsere Politiker sich dafür heldenhaft engagieren. Das Dilemma ist offensichtlich. Eine vollständige Kennzeichnung hieße schon heute, Gentechnikaufdrucke überall im Regal: auf sehr vielen Lebensmitteln wie Käse und Wurst, auf nahezu allen Medikamenten und auch die bunten Euro-Geldscheine würden einen Aufdruck tragen, der darauf hinweist, dass sie aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt wurden (hier ist die Wahlfreiheit zugegebenermaßen etwas schwieriger umzusetzen, aber Münzgeld wird momentan noch gentechnikfrei hergestellt und Kartenzahlung ist schließlich auch vielerorts möglich …).

Wie viele Studien sollen noch angefertigt werden – die doch zum gleichen Ergebnis kommen?

Willkommen in der Realität – ein Leben ohne Gentechnik auf dem Teller, im Arzneischrank, im Portemonnaie und im Kleiderschrank ist in Deutschland schon heute kaum mehr möglich. Ob wir es wollen oder nicht.

Es geht weiter im Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion, wobei es auch in anderen Parteien ähnliche Forderungen gibt: „Wir wollen eine stärkere Gewichtung der gentechnikkritischen Forschungen, um dem Vorsorgegrundsatz der Umwelt- und Naturschutzpolitik besser gerecht zu werden.“ Was heißt das genau? Wollen Sie die Forscher in Deutschland so lange gängeln, bis sie sich Ihren Wunschthemen zuwenden und verzweifelt versuchen, mit der zigtausendsten Studie doch noch den Nachweis zu erbringen, dass Gentechnik Krebs auslöst, Marienkäfer tötet und heimische Orchideen bedroht? Reicht es nicht mehr aus, dass das seit Jahren mit der Ressortforschung in Bundesanstalten und Bundesinstituten geschieht, wo Wissenschaftler bevormundet und unliebsame Aktivitäten par ordre du mufti eingestellt werden, wie im Fall der Risikoforschung mit transgenen Pflanzen an der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig?

Warum nicht gleich das Grundgesetz ändern und die Forschungsfreiheit abschaffen?

Liebe SPD-Abgeordnete, nutzen Sie die Gunst der Stunde: Mit der großen Koalition können Sie das Grundgesetz ändern und die Forschungsfreiheit in Deutschland abschaffen. Dann können Sie den Wissenschaftlern im Lande endlich flächendeckend die Themen verordnen, die sie Ihrer Meinung nach beforschen sollten. Und im Idealfall können Sie vielleicht auch gleich die „gentechnikkritischen“ Forschungsergebnisse mitbestellen, die Sie sich zu erhoffen scheinen. Weltweit mehr als 10 000 aus Steuergeld finanzierte Studien und Metastudien müssen einfach irren!

Wissenschaftliche Beratung wird kaum angenommen

Jeder wird Verständnis dafür haben, dass Berufspolitiker nur begrenzte Zeit haben, um sich in ein ihnen weitgehend fremdes Thema einzuarbeiten, über das sie parlamentarisch entscheiden wollen und sollen. Noch größer ist die Herausforderung, wenn das fragliche Thema umfangreiches Hintergrundwissen über wissenschaftliche und ökonomische Zusammenhänge verlangt. In vielen anderen Ländern wird dieses Defizit kompensiert, indem Abgeordnete, Senatoren und Präsidenten einen oder mehrere wissenschaftliche Berater haben. Sie erklären ihnen bei Bedarf komplizierte Sachverhalte und stellen Informationen aus verlässlichen Quellen zur Verfügung. Auch die geballte Expertise der Mitgliedschaft einer Nationalen Akademie der Wissenschaften anzuzapfen, hat sich in anderen Ländern als ein probates Mittel der Politikberatung erwiesen. Deutsche Politiker hingegen scheinen eine Universalkompetenz zu besitzen, die eine unabhängige wissenschaftliche Beratung überflüssig macht und sie ausreichend qualifiziert, um Positionspapiere zu verfassen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beschloss unmittelbar nach seiner Wahl, den Posten des „Chief Scientific Advisor“ auf europäischer Ebene einfach abzuschaffen.

Gentechnische Veränderungen werden immer schwerer nachzuweisen sein

Vielleicht hätte ja ein kompetenter wissenschaftlicher Berater, der nicht einmal Pflanzenwissenschaftler sein müsste, den SPD-Bundestagsabgeordneten erklären können, dass es keinen Sinn ergibt, Herstellungsverfahren regulieren zu wollen, anstatt pragmatisch Produkte und ihre Eigenschaften zu bewerten, wie es sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Eine konventionell gezüchtete Erdbeere ist für den Allergiker gefährlich, eine gentechnisch veränderte krankheitsresistente Kartoffel ist es nicht. Im Zeitalter der „Genome-Editing“-Technologien werden gentechnische Veränderungen ohnehin zunehmend ununterscheidbar von natürlich entstandenen Erbgutveränderungen sein.

Wie will man in Zukunft etwas regulieren, dessen gentechnischer Ursprung sich im Zweifelsfall nicht einmal nachweisen lässt? Wie kann mir mein SPD-Bundestagsabgeordneter in Zukunft garantieren, dass „Deutschland gentechnikfrei bleibt“? Ich bin mir sicher, ein mehr oder weniger plumper juristischer Kniff wird auch dafür gefunden werden – und wenn dafür alle Gesetze der Logik ausgehebelt werden müssen.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/gruene-gentechnik-der-traum-von-einem-gentechnikfreien-land/12232728.html

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11.07.2015

Jetzt kommt Gen-Food auch zu uns

Mit neuen Verfahren schaffen Pflanzenzüchter genetisch veränderte Sorten, die kein artfremdes Erbgut enthalten. Bestehende Gesetze greifen daher nicht.

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Diesen Kampf haben Greenpeace & Co. verloren. Bald wird auf deutschen Feldern genetisch veränderter Raps erblühen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat im Februar eine Züchtung zugelassen, die unempfindlich gegen den Unkrautkiller Clearfield von BASF ist. Widerstand ist zwecklos. Sie unterliegt schlicht nicht den Vorschriften des Gentechnikgesetzes.

Gen-Food und Gesundheit müssen sich nicht ausschließen

In der sonst eher zögerlichen Schweiz genehmigten die Behörden im April den Anbau einer neuen Kartoffelsorte. Genschnipsel von Wildkartoffeln, die in die Pflanzen eingebaut wurden, schützen sie vor Kraut- und Knollenfäule.

In den USA kommen bald genetisch veränderte Apfelsorten auf den Markt, die beim Anschneiden nicht braun werden. Designer-Kartoffeln, die länger haltbar und gesünder sind, wurden dort ebenfalls in den vergangenen Monaten als sicher erklärt. Bei allem Unbehagen – Gen-Food und Gesundheit müssen sich nicht ausschließen.

Mit neuen Verfahren erzeugen Forscher Veränderungen in den Zellkernen der Pflanzen

Diese Sorten sind bloß der Anfang einer neuen Welle von Produkten, die in den Laboren der Pflanzenzüchter entstehen. Genetiker nutzen dabei innovative Verfahren, um gezielter als bisher in das Erbgut einzugreifen. Anders als bei der „klassischen“ Gentechnik bauen sie aber keine Gene von Bakterien oder Viren in die Pflanzen ein – und stoßen so in eine Gesetzeslücke vor. Denn das Gentechnikgesetz greift nur, wenn solch artfremdes Genmaterial zum Einsatz kommt.

Mit den neuen Verfahren erzeugen die Forscher Veränderungen in den Zellkernen der Pflanzen oder rüsten diese mit Erbgut-Abschnitten nahe verwandter Sorten aus – ähnlich wie es in der Natur zufällig geschieht. Die nun in Deutschland zugelassenen Rapslinien, die aus den Laboren der kalifornischen Firma Cibus stammen, sind deshalb nach Entscheidung des BVL keine „genetisch veränderten Organismen“. Also warnen Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen nun vor dem Gen-Food durch die Hintertür.

Forscher entfernen krebserregendes Gen aus Kartoffeln

Um Raps gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent zu machen, schleusten die Forscher einen Stoff in den Zellkern der Pflanze. Dieser löst an einer bestimmten Stelle eine Mutation aus, sodass die Aktivität eines bestimmten Gens vermindert wird. „Solche Mutationen treten auch auf, wenn eine Pflanze auf dem Acker in der Sonne steht“, erklärt Bernd Müller-Röber, Molekularbiologe an der Universität Potsdam.

Bei den jetzt in den USA zugelassenen Kartoffeln legten die Forscher ein Gen still, sodass die Knollen weniger von der Aminosäure Asparagin enthalten. Die Substanz verwandelt sich beim Frittieren zu Acrylamid, das als Krebs erregend gilt.

Auch kleinere Unternehmen können es sich leisten, damit zu arbeiten“

Für die Züchtungsforschung sind die neuen Verfahren „ein Riesenfortschritt“, sagt Luc Mathis. Der Pflanzengenetiker ist Leiter der französisch-amerikanischen Firma Calyxt. Das Unternehmen hat eine der neuen Designer-Kartoffeln in nur einem Jahr entwickelt. Mit klassischer Gentechnik hätte der Prozess zehn Jahre beansprucht, erklärt Mathis. Und eine weit höhere Summe geschluckt. Im Schnitt zahlen Konzerne wie Monsanto für die Entwicklung eines herkömmlichen Gentechnikprodukts bis zur Marktreife 136 Millionen Dollar – 35 Millionen allein für den Genehmigungsprozess.

Wegen der hohen Kosten haben bisher vorwiegend große Unternehmen in die Pflanzenbiotechnologie investiert. Damit sich der Einsatz auszahlt, arbeiten die Konzerne fast nur mit globalen Massenprodukten wie Mais, Soja oder Baumwolle. Mit den neuen Methoden koste der Weg vom Labor zum Markt zehn- bis 20-mal weniger, schätzt Mathis. „Auch kleinere Unternehmen und Forschungsinstitute können es sich leisten, damit zu arbeiten.“

Gen-Gras ist grüner und muss seltener gemäht werden

Mit der neuen Technik kreieren Wissenschaftler und Ingenieure auch gesündere Lebensmittel. In den Gewächshäusern von Calyxt wachsen Sojabohnen heran, die mehr gute Fettsäuren enthalten, und Weizensorten mit vermindertem Gehalt von Gluten, auf das manche Menschen allergisch reagieren. Forscher aus Florida arbeiten an Trauben mit erhöhtem Gehalt von Antioxidantien.

Manche der Züchtungen, die mit den neuen Verfahren entwickelt wurden, erscheinen hingegen bedenklich. So winkten die US-Behörden vor vier Jahren eine Grassorte der Firma Scotts Miracle-Gro durch, die tiefer grün gefärbt ist und weniger oft gemäht werden muss. Die Forscher rüsteten das Gras mit mehreren Resistenzgenen verwandter Grasarten aus, sodass es unempfindlich gegen das Herbizid Roundup ist. Das Gras darf ohne Genehmigung in Freilandversuchen getestet und verkauft werden.

Das Miracle-Gro-Gras ist mit rund 500 zum Teil wilden Grassorten verwandt und werde seine Resistenz „mit 98-prozentiger Sicherheit“ auf einige von diesen übertragen, sagt Norman Ellstrand, Pflanzengenetiker an der Universität Kalifornien in Riverside. Diese Sorten könnten sich zu „Superunkraut“ entwickeln.

Dass solche Pflanzen dem Radar der Regulierungsbehörden entgehen, alarmiert führende US-Pflanzenzüchter. In einer Stellungnahme im Wissenschaftsjournal „Nature Biotechnology“ kritisierten sie die „obsolete Gesetzgebung“, die „diese neuen Produkte“ außer Acht lasse, während „klassische Gentechnikprodukte, deren Sicherheit seit Langem erwiesen ist“, überreguliert seien.

Es sind die fertigen Züchtungsprodukte, die auf ihre Sicherheit geprüft werden müssen“

Auch in Europa sind die Gesetze, die vor Jahrzehnten erarbeitet wurden, heute überholt. Experten wie der Biochemiker Joachim Schiemann vom Julius-Kühn-Institut in Quedlinburg plädieren schon länger für deren Revision. Er fordert, genetisch veränderte Pflanzen nicht mehr danach einzustufen, mit welcher Methode sie entstanden sind. „Es sind die fertigen Züchtungsprodukte , die auf ihre Sicherheit geprüft werden müssen“, betont Schiemann. Der Cibus-Raps, dessen Mutation auch Mutter Natur erzeugen könnte, erscheint ihm unbedenklich. Die potenziellen Umweltauswirkungen etwa des Miracle-Gro-Grases sollten aber geprüft werden, so Schiemann.

Die Unterscheidung zwischen vermeintlich böser „klassischer“ Gentechnik und den neuen Verfahren ist zudem aus wissenschaftlicher Sicht kaum zu halten. Denn auch die Natur selbst führt jene „klassischen“ Genmanipulationen durch, die der Mensch erfunden haben will. Forscher entdeckten kürzlich, dass vor 8000 Jahren Erbgutschnipsel eines Bakteriums in das Genom von Süßkartoffeln eingebaut wurden. „Wir würden die Pflanze heute als ‚transgen‘ einstufen“, sagt der Pflanzenbiologe Müller-Röber. Und fügt mit leichter Ironie hinzu: „Müssen wir sie jetzt verbieten?“

http://www.focus.de/wissen/trendfrage_innovation/wissen-und-gesundheit-jetzt-kommt-gen-food-auch-zu-uns_id_4807290.html

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05.05.2015

Ernährung: Warum wir bald alle Genfood essen – und es nicht wissen werden

Die Akzeptanz gentechnisch veränderter Pflanzen ist unter Europas Verbrauchern ungefähr so hoch wie die von Heuschrecken auf der Fertigpizza. Großunternehmen wie Monsanto stecken dennoch viel Geld in die Entwicklung von Gen-Pflanzen. Und auch Wissenschaftler sind der tiefgehenden Veränderung des Erbgutes gegenüber häufig aufgeschlossener, als es die Endverbraucher sind.

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Trotz dieser Skepsis dürfen inzwischen mehr als 20 Sorten gentechnisch veränderter Pflanzen als Futtermittel oder in Lebensmitteln in der EU verkauft werden. Auch der Anbau geht in Europa weiter: So pflanzen Schweizer Forscher auf einem Testfeld genmanipulierte Kartoffeln an, die in den Niederlanden entwickelt wurden. Gentechnisch veränderte Organismen wurden im vergangenen Jahr bereits auf 13 Prozent der weltweiten Ackerflächen angebaut.

Allerdings mussten sich die Verbraucher bisher keine Sorgen machen, aus Versehen Genfood-Produkte zu kaufen. Denn sie sind kennzeichnungspflichtig. Noch.

Denn Forscher suchen derzeit nach Wegen, um das Genfood-Label zu vermeiden und gar nicht auf Ausnahmeregelungen der Regierungen angewiesen zu sein. Bestimmte Eingriffe in das Erbgut fallen nämlich nicht unter die Kennzeichnungspflicht.

Das “Copy-and-Paste”-Verfahren

Als besonders vielversprechend gilt dabei das CRISPR-Cas-System. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Art bakterielles Immunsystem. Bakterien sind dadurch in der Lage, Viren als fremd zu erkennen und einen Abwehrmechanismus aufzubauen. Vor allem das Protein Cas9 begeistert Forscher, denn mit ihm lassen sich DNA-Sequenzen erkennen und schneiden. Und das einfacher, schneller und kostengünstiger als mit jeder anderen Methode.

Zuletzt konnten mit dieser Methode menschliche Zellen gegen das HI-Virus immunisiert werden. Tech-Startups, Wagniskapitalfirmen und nicht zuletzt die Forscher selbst streiten derzeit um Patente auf die neue Technologie – während in anderen Labors bereits fleißig weitergeforscht wird.

Solange keine Geninformationen anderer Pflanzenarten eingesetzt werden, fällt eine Bearbeitung des Erbgutes mit dem “Werkzeug” Cas9 nicht unter die Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Lebensmittel, berichtete die WirtschaftsWoche kürzlich. Diese fällt nur bei transgenen Pflanzen an, bei denen genetische Informationen einer anderen Pflanzenart eingesetzt worden sind (arteigene Genkombinationen nennt man “cisgen”).

Cibus-Raps umgeht Kennzeichnung

Ein weiterer Weg, um die Kennzeichnung zu umgehen, ist die Herstellung eines künstlichen DNA-Abschnitts. Diesen schleusen die Forscher dann im Labor in die Pflanzenzelle ein. Mit dieser sogenannten Oligonukleotid-Technologie konnte das Unternehmen Cibus eine Raps-Sorte herstellen, der das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nun den Weg auf deutsche Felder geebnet hat – schon im Herbst könnte der Anbau beginnen (den Bescheid des Bundesamtes finden Sie hier).

Ein breites Bündnis aus Umweltschutzorganisationen und traditioneller, beziehungsweise Bio-Landwirtschaft sammelt derzeit Unterschriften dagegen und nimmt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in die Pflicht. Teilnehmer des Bündnisses befürchten, genmanipuliertes Erbgut könnte sich so weit verbreiten, dass der ursprüngliche Gencode irgendwann verloren geht.

Mutationen durch Gamma -Strahlen

Eine andere Methode um Pflanzen gentechnisch zu verändern, ist das Tilling. Bei dem werden – vereinfacht gesagt – Mutationen verursacht, analysiert und dann durch Züchtung verbreitet. Der Ansatz ähnelt dem Atomic Gardening – einer Forschungsmethode, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts sozusagen ein Vorläufer der Genmanipulation war.

Dabei wurden kreisrunde Gärten angelegt und in der Mitte ein radioaktives Material platziert. Dieses zerstörte meist einen Teil der Pflanzen, sorgte aber bei anderen für interessante Mutationen.

Da das bestrahlte Saatgut teils auch weiterverkauft wurde, ist gar nicht klar, wie groß der Einfluss von Atomic Gardening auf die heutige Pflanzenwelt ist. (Ein spannender Artikel über die Vergangenheit des Atomic Gardening findet sich auf dem US-Portal “Popular Science”). Und es gibt immer noch strahlende Testgärten, die Forscher in Japan und Österreich betreiben.

Mutation durch radioaktive Bestrahlung oder auch Veränderung mithilfe chemischer Substanzen sind zwar im Vergleich zu neuen Genmanipulationstechniken ineffizient, allerdings müssten auch sie im Handel wohl keine Kennzeichnung tragen.

Deshalb stellte ein Bündnis von Wissenschaftlern kürzlich die Frage, ob eine Kennzeichnung nicht eher vom Endprodukt als vom Erzeugungsweg der Pflanze abhängen sollte. Denn Änderungen etwa mithilfe der CRISPR-Cas9-Methode lassen sich im Nachhinein kaum noch feststellen. Wichtig wäre dann nicht mehr so sehr, ob Erbgut verändert wurde, sondern die daraus resultierende Pflanze Gefahren für Verbraucher oder Umwelt birgt.

http://green.wiwo.de/ernaehrung-warum-wir-bald-alle-genfood-essen-und-es-nicht-wissen-werden/

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24.04.2015

EU-Kommission: 17 Zulassungen für genetisch veränderte Organismen

Im Hintergrund tobt der Streit um die Auffassung der Kommission von „demokratischeren Zulassungsprozessen“

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Monsanto kann sich freuen: 11 der 17 gentechnisch veränderten Organismen (GVO), für welche die EU-Kommission heute eine Neuzulassung bzw. eine Erneuerung der Zulassung erteilt hat, sind Produkte des US-Konzerns, der eine monopolähnliche Stellung auf dem Markt hat.

Wie im offiziellen Schreiben mitgeteilt wird, handelt es sich um Futtermittel, in der Hauptsache Mais- und Sojabohnensorten, sowie um Baumwollsorten, die allesamt für den Handel, nicht für den Anbau, zugelassen werden. Dazu wurde noch die Einfuhr von zwei gentechnisch veränderten Schnittblumensorten genehmigt.

Die Einfuhrerlaubnis erfolgte laut Kommission nach einem „vollständigen Zulasssungsverfahren“ durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Deren Objektivität gegenüber Großkonzernen wird von Kritikern angezweifelt, wie auch die politische Entscheidung der Kommission kritisiert wird, die dem heute bekannt gegebenen Zulassungsbescheid voranging.

Der Leser des Dokuments kommt etwas ins Staunen, wenn er nämlich erfährt, dass es für die Zulassung keine „qualifizierte Mehrheit“ bei der Abstimmung unter den Vertretern der Mitgliedsstaaten gab, und ins Grübeln, wenn er erfährt, dass es auch keine „qualifizierte Mehrheit“ dagegen gab, die Beschlüsse nun aber erlassen werden mussten, weil sie gemäß GVO-Rechtsrahmen dazu verpflichtet waren. Ein Entscheidungsprozess, der die Skepis gegenüber EU-Regelungen, die Konzerne bevorteilen, gewiss nicht lindert.

Die Zulassungen erfolgen mitten in einem Streit über demokratischere Entscheidungsprozesse bei Gentechnik-Zulassungsverfahren. Kommissionspräsident Juncker hatte vor seinem Amtsantritt solches versprochen:

Um gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel zuzulassen oder abzulehnen, muss im EU-Ministerrat eine qualifizierte Mehrheit gefunden werden. In den vergangenen zehn Jahren ging keine einzige der Abstimmungen mit einem klaren Ergebnis aus, weil vor allem viele kleine Staaten – wie etwa Österreich, Ungarn oder Luxemburg – dagegen stimmten. Das hat zur Folge, dass letztlich die Entscheidung der EU-Kommission obliegt. EU-Kommissions-Präsident Juncker versprach bei seinem Amtsantritt, den Zulassungsprozess zu demokratisieren und das Verfahren zu verbessern.

Junckers Idee dazu sieht auf den ersten Blick gut aus: Mehr Selbstbestimmungsrechte für EU-Mitgliedstaaten. Konkret läuft dies darauf hinaus, dass EU-Mitgliedsländer mit einer sogenannten „Opt-out“-Regelung smehr Möglichkeiten erhalten sollten, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verbieten.

Genau dies steht im Mittelpunkt eines EU-Kommissionsbeschlusses vom vergangenen Mittwoch. Vorgeschlagen wird eine Änderung der Rechtsvorschriften, die laut EU-Kommission, „den Mitgliedstaaten mehr Möglichkeiten einräumen soll, die Verwendung von auf EU-Ebene zugelassenen GVO in Lebens- und Futtermitteln in ihrem Hoheitsgebiet zu beschränken oder zu untersagen“.

Kritiker, diverse Agrarverbände, Grünen-Politiker, der Deutsche Bauernverband (DBV) und andere Bauernverbände sowie Greenpeace-Vertreter sind nicht begeistert. Sei halten dies für eine Mogelpackung.

Ihr Argument: Ist eine Zulassung erst einmal für die EU gegeben, tun sich die Einzelstaaten schwer, dagegen vorzugehen, zumal es keine Rechtsicherheit darüber gebe, wie der Einspruch genau funktioniere, ob etwa die Konzerne nicht leichtes Spiel haben, gegen den Einspruch rechtlich vorzugehen, mit Hinweis auf die größere EU-Regelung. Zumal der konzernnahen EFSA eine große Rolle im Entscheidungsverfahren zukomme, wie man das ja auch bei der aktuellen Zulassung sieht.

Die Grünen Politikerin Maria Heubuch mahnt zur Vorsicht:

Indem die EU-Kommission die letzte Entscheidung über den Import von GVO den Mitgliedstaaten überlassen will, räumt sie den Weg frei für schnellere Gentechnik-Zulassungen und erbringt somit eine Vorleistung für die TTIP-Verhandlungen.

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44750/1.html

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06.03.2015

Genmais-Studie: GVO-Pollen-Verseuchung umfangreicher als gedacht

Was Gentechnikgegner schon seit langer Zeit kritisieren, wurde nun in einer Studie bewiesen: Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen verbreiten sich weiter, als es die GVO-Hersteller behaupten. Wissenschaftler der Universität Bremen wiesen sogar Flugweiten von bis zu 4,5 Kilometern nach. Für GVO-Konzerne wie Monsanto wird es nun schwieriger, ihr Gentech-Saatgut zu vertreiben. Von Marco Maier

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Bislang waren entsprechende „Schutzzonen“ rund um Anbauflächen von gentechnisch verändertem Getreide vergleichsweise gering angesetzt. Vorgegeben sind normalerweise um die 30 Meter – jene Entfernung, die laut GVO-Herstellern die Pollen zurücklegen würden. Dass diese Entfernungsangabe jedoch purer Humbug ist, wusste man eigentlich schon seit langem. Nun gibt es eine Studie dazu.

Wissenschaftler der Universität Bremen untersuchten im Laufe der letzten 10 Jahre an 216 Standorten die Reichweite von Maispollen, die von gentechnisch veränderten Maispflanzen stammen. Das erschreckende Ergebnis: häufig fand man diese noch in mehreren hundert Metern Entfernung. Der Rekordwert hingegen lag bei ganzen 4,5 Kilometern. Für Bauern mit konventioneller und biologischer Landwirtschaft ist dies ein Alptraum.

Damit steht fest, dass die Kontamination durch gentechnisch veränderte Pflanzen weitaus größere Bahnen zieht, als man es bisher offen zugeben wollte. GVO-Produzenten wie Monsanto oder Pioneer, die bisher ihren Einfluss in der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA geltend machen konnten, dürften nun vielleicht etwas mehr Gegenwind spüren. Für die EFSA wird es ebenfalls eng. Immerhin hat sich die Behörde offenbar auf die Angaben der Gentech-Konzerne verlassen, anstatt unabhängige Untersuchungen durchführen zu lassen.

Für Monsanto, welches derzeit um die Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 in Europa kämpft, kommen dadurch jedoch neue Hürden auf den Weg. Immerhin bringen die Erkenntnisse der Studie auch zwingend notwendige Überarbeitungen in Sachen Sicherheitsabstand mit sich.

http://www.contra-magazin.com/2015/03/genmais-studie-gvo-pollen-verseuchung/

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22.12.2014

Sygenta darf Genmais nach China exportieren

Marktöffnung in Fernost: China genehmigt nach sieben Jahren den Import einer Genmaissorte aus dem Hause Syngenta. Dabei steht der Schweizer Agrochemiekonzern weltweit wegen seiner umstrittenen Gentechnik in der Kritik.

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Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta darf einen umstrittenen Genmais nach China exportieren. Syngenta habe von den chinesischen Regulierungsbehörden das Sicherheitszertifikat für „Agrisure Viptera“ erhalten, teilte das in Basel ansässige Unternehmen am Montag mit. Damit sei der Export der Maissorte und von Verarbeitungsprodukten nach China offiziell erlaubt. Die Schweizer hatten die Zulassung bereits im März 2010 beantragt.

Syngenta ist in den USA wegen des auch unter der Bezeichnung MIR162 bekannten gentechnisch veränderten Mais von verschieden Unternehmen und Landwirten verklagt worden. Die chinesischen Behörden wiesen in diesem Jahr mehr als eine Million Tonnen US-Mais und Futtermittelzusätze zurück, weil sie darin Syngenta-Genmais vermuteten.

Am Freitag hatte China nach siebenjähriger Prüfung die Einfuhr der gentechnisch modifizierten Sojasorte LL55 des deutschen Bayer-Konzerns erlaubt. US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack hatte bereits vergangenen Mittwoch erklärt, China habe den Import von gentechnisch verändertem Saatgut der Firmen Bayer, Dupont und Syngenta genehmigt.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/umstrittene-maissorte-sygenta-darf-genmais-nach-china-exportieren/11153270.html

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10.12.2014

Gentechnik: China stoppt Importe aus den USA

China duldet keinerlei Gentechnik in Importen aus dem Ausland, nicht einmal im ppm-Bereich. Nun wurden in Heu aus den USA Spuren einer Monsanto-Sojabohne entdeckt, weshalb hunderte Container abgelehnt wurden und das Produkt nun auf der schwarze Liste steht.

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China hat für Gentechnik nicht besonders viel übrig. Nicht einmal im ppm-Bereich dürfen sich gentechnisch veränderte Bestandteile in importierter Ware befinden.

Zuletzt wurden in aus den USA importiertem Alfalfa-Heu Spuren von Monsantos herbizidresistenter Sojabohne RoundupReady entdeckt, weshalb dieses nun auf die schwarze Liste gesetzt wurde, wie Natural Society meldet. Auch Importe aus Kanada werden aktuell gründlich untersucht, um festzustellen, ob diese ebenfalls kontaminiert sind und auf die schwarze Liste gesetzt werden müssen. Dabei geht es nicht um Peanuts: Hunderte Containerladungen aus den USA sollen von China bereits abgelehnt worden sein, nachdem die Spuren entdeckt wurden. Bereits im vergangenen Jahr wurde Heu aus den Vereinigten Staaten abgelehnt, nachdem eine Kontamination festgestellt worden war.

Einer der US-Exporteure bezeichnete dies als “katastrophal.” Nicht nur dass hunderte Container abgelehnt wurden, sondern auch die Gefahr einer sogenannten Kreuzkontamination der Produkte. Wird eine solche Kreuzkontamination festgestellt, kann der betroffene Landwirtschaftsbetrieb seine Produkte unter Umständen nicht mehr verkaufen und muss möglicherweise sogar Lizenzgebühren an Monsanto bezahlen. Zahlreiche solcher Fälle sind bereits bekannt.

Die wichtigsten Abnehmer für Heu aus den USA sind Japan, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate und China. Im Jahr 2012 importierte allein Japan Heu im Wert von über 460 Millionen Euro aus den Vereinigten Staaten.

http://www.gegenfrage.com/gentechnik-china-stoppt-importe-aus-den-usa/

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26.08.2014

Frankensteinsküche: Medikamente aus gentechnisch verändertem Mais, Reis, Karotten

Viele Medikamente enthalten Hilfsstoffe, wie genmanipulierten Mais oder GVO-Baumwolle. Was auf unserem Teller nicht erwünscht ist, wird als Medikament verordnet. Auch dienen Reissamen als Produzenten, genauso wie Karotten. Derzeit sind in Deutschland mindestens 169 Arzneimittel mit 128 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt werden.

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Die Bundesregierung ist so „nett” und hat eine Plattform: Pflanzenforschung.de zur Verfügung gestellt, auf der wir nun erfahren, dass seit Jahren bestimmte Verfahren erprobt werden – Pflanzen als Medikamentenproduzenten zu nutzen. Dies nennt man „Molecular Pharming“. Die daraus gewonnenen Produkte bezeichnet man als „Plant Made Pharmaceuticals“ (PMP). Molecular Pharming ist der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen als Produktionsplattform, für z.B. nachwachsende Rohstoffe, Feinchemikalien oder Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel.

Reissamen als Produzenten

Dort erfahren wir, dass es Forschern 2011 gelungen war, Reispflanzen genetisch so umzubauen, dass sie das im Blutserum vorkommende Serumalbumin (HSA) produzieren. Dieses Eiweiß wird weltweit in großen Mengen zur Medikamenten- und Impfstoffproduktion eingesetzt. Auch bei der Behandlung von Patienten mit beispielsweise schweren Verbrennungen oder Leberzirrhose wird es benötigt. Bisher war der Nachschub jedoch begrenzt, da HSA nur aus Blutsplasma gewonnen werden konnte. Und vor allem ist es für die Pharma eine weitaus billigere Lösung, wie der folgende Fall zeigt.

Im August 2013 war es Forschern  gelungen, Antikörper gegen Rotaviren-Infektionen in transgenen Reispflanzen herzustellen. Die Pflanzen produzierten die fremden Antikörper dabei in ihren Samen. Künftig könnten sie neben der Therapie auch der Prävention von Infektionen dienen. Die Forscher hoffen auf diesem Weg, künftig günstig und schnell große Mengen des Antikörpers herstellen zu können. Gelingt dies, dann kann auf dieser Basis ein marktfähiges Medikament entwickelt werden, dass man oral verabreicht und gegen Rotaviren-Infektionen einsetzen kann. Bis es soweit ist, muss der Antikörper erst noch auf seine Wirksamkeit im menschlichen Körper getestet werden. Es ist teuer und aufwendig Proteine für eine medizinische Anwendung aus modifizierten Mikroorganismen oder Säugetierzellen zu gewinnen. Diese sogenannten rekombinanten Proteine werden daher immer häufiger in Pflanzen produziert.

Im Mai 2012 erhielt das erste Biopharmazeutikum für die Behandlung von Menschen, die Zulassung der U.S. Food and Drug Administration (FDA): Das Medikament wird unter dem Namen Elelyso vermarktet und enthält ein rekombinantes Protein (Taliglucerase alfa), welches in Karotten-Zellen hergestellt wird. Es wird in der Enzymersatztherapie der Stoffwechsel-krankheit Morbus Gaucher verwendet. Morbus Gaucher ist eine lysosomale Speicherkrankheit.

Erstes Humanarzneimittel aus gentechnisch veränderten Pflanzenzellen 2012 zugelassen

In den USA wurde ein Arzneimittel aus einer gentechnologisch veränderten Möhre zugelassen.   Es ist deutlich billiger als gängige Therapien.

Elelyso ist das erste, für den Menschen zugelassene Medikament, welches in gentechnisch veränderten Pflanzenzellen produziert wird. Das Medikament wurde am 1. Mai 2012 in den USA zugelassen. Es enthält ein Enzym, das durch das Einfügen eines Gens in den Zellen von Karotten hergestellt werden kann. Das Medikament wird als Enzymersatztherapie zur Behandlung von Morbus Gaucher, einer Erbkrankheit, eingesetzt.

Hergestellt wird das therapeutische Enzym von der israelischen Biotechnologiefirma Protalix Biotherapeutics. Statt auf die klassischen Modellorganismen für Pflanzengentechnik wie Ackerschmalwand, Mais, Tabak oder Kartoffel zu setzen, entschied sich Protalix für die Möhre oder besser gesagt für Möhrenzellen. Denn statt das schmackhafte Wurzelgemüse im umstrittenen Freilandanbau heranzuziehen, können die veränderten Möhrenzellen bequem in Bioreaktoren gezüchtet werden.

Elelyso ist in den USA von Pfizer lizenziert und die wiederum gehen aus Monsanto hervor und arbeiten mit Nestlé, da Nestlé die Babynahrungs-sparte von Pfizer gekauft hat.

Die Zulassung von Elelyso könnte nun anderen PMP die Tür öffnen, hieß es nach der Zulassung und damit scheinen die Forscher recht behalten zu haben.

Mais produziert Enzyme für Medikamente

Auf der Plattform erhalten wir auch eine Information aus 2012, dass die Forscher mit  einer neuartigen Technologie menschliche Enzyme für Therapien in Maissamen produzieren. Bislang werden diese teuer und aufwändig in Säugetierzellen hergestellt. Die vorliegende Studie weckt die Hoffnung, so die Forscher,  bald Biopharmazeutika in größeren Mengen herzustellen. Damit ließen sich auch seltene genetische Krankheiten kostengünstig behandeln. Uns sei die Frage nun erlaubt, geht es um den Menschen als solches oder um das kostengünstige Verfahren.

Um die Modifikation des menschlichen Proteins in den Maiszellen zu vermeiden, manipulierten die Forscher die intrazellulären Abläufe, damit das Enzym im Nährgewebe der Samen produziert werden kann und nicht durch den Golgi-Apparat bewegt wird. Dazu veränderten sie gezielt die Boten-RNA (auch mRNA genannt) des Protein-produzierenden Gens. Die mRNA sorgt dafür, dass die Erbinformation aus dem Zellkern zu den Orten der Proteinsynthese gelangt. Die Veränderung erzielten sie durch eine neuartige Technologie: Die gezielte mRNA-Modifikation (mRNA Targeting genannt) erfolgte mit Hilfe von bestimmten Abschnitte eines Maisgens (α-zein), das bei der Proteinbildung (Genexpression) ebenfalls den Golgi-Apparat umgeht. 

 Wie wir berichteten, ist Ebola ist ein RNA-Virus und RNA-Interferenz (RNAi) ist ein vorwiegend bei Pflanzen, Pilzen, Fadenwürmern und Insekten vorkommender Abwehrmechanismus gegen fremdes Erbgut, etwa gegen RNA-Viren. Würde man RNAi auch beim Menschen ermöglichen, hätte man einen effektiven Wirkstoff gegen Ebola.

Tekmira Pharmaceuticals, eine Firma, die an einem Medikament gegen Ebola arbeitet, hat gerade erst eine Finanzspritze in Höhe von 1,5 Millionen Dollar von Monsanto bekommen. Öffentlich wurde bekanntgegeben, dass die Investitionen von Monsanto in Zusammenhang mit Technologien für die Landwirtschaft stehen, die Tekmira entwickelt. Die vereinbarte Gesamtsumme wird auf 86,2 Millionen Dollar geschätzt.

Und das andere Medikament gegen Ebola hat die Sarepta Therapeutics, die hat ein ehemaliges Mitglied des Verwaltungsrates und Vizepräsiden(USA) des Unternehmens Pfizer zum Leiter seiner Entdeckung und Frühphasenforschung ernannt. [Siehe: EBOLA – Die Büchse der Pandora erreicht Europa].

Obwohl die FDA 2012 das Medikament Elelyso von Pfizer, dass ist übrigens das Pharmaunternehmen, welches mit Viagra berühmt geworden ist, genehmigte, heißt es, dass die Forschung noch in einem frühen Stadium ist und der Weg des Medikaments zum Markt noch lang sei. In klinischen Tests muss die Wirksamkeit sowie die Sicherheit und Verträglichkeit des potentiellen Medikaments geprüft werden. Dies wird erfahrungsgemäß noch einige Jahre dauern und bedarf finanzieller Aufwendungen im mehrstelligen Millionen-Euro Bereich.

Wie kann es sein, das doch Medikamente auf dem Markt sind, die eben aus diesen genmanipulierten Pflanzen hervorgehen, wie diese Beispiel aus der Schweiz zeigen?

Die Schweizer Pharmaindustrie setzt sich über den Willen der Bevölkerung zur GVO freien Ernährung hinweg. Unglaublich aber wahr, wenn wir diese genmanipulierten Lebensmittel nicht auf dem Teller haben möchten, dann landen diese halt in unserem Magen via Medizin-Kapseln.

Alleine in der Schweiz, sind über 50 Medikamente mit Bestandteilen von GVO Pflanzen versehen.

Roche hat ein Medikament das Cellcept heisst, in diesem wird die Kapsel um den Wirkstoff mit GVO-Baumwolle umhüllt. In der Schweiz ist zum Beispiel die Aufsichtsbehörde Swissmedic für die Kontrolle zuständig. Da Medikamente nicht unter das Lebensmittelgesetz fallen, ist dieses erlaubt.

Es gibt sogar Medikamente, z.B. eines von GlaxosmithKline, ein morphiumhaltiges Schmerzmittel namens Kanapol, welche mehrere GVO Pflanzenbestandteile beinhalten.

In der Schweiz hat sich die  «Basler Appell gegen Gentechnologie» an die Swissmedic gewandt und fordert keine GVO-Pflanzen mehr einzusetzen, welche laut dem Lebensmittelgesetz nicht verwendet werden dürfen.

Die meisten GVO’s in Medikamenten werden als Hilfstoffe beigefügt … jedoch gibt es auch andere Beispiele.
Insulin wurde früher von der Bauchspeicheldrüse der Schweine genommen, heute wird es aus GVO Bakterien und Hefen gewonnen. Auch Impfstoffe werden oft ähnlich produziert. [Siehe dazu auch: Impfstoffe aus Frankensteins Küche].

Basler Appell kritisiert GVO-Trägerstoffe bei Medikamenten

Die Pharmabranche ignoriert den Willen der KonsumentInnen, auf Gentech-Bestandteile zu verzichten: Recherchen des Basler Appells gegen Gentechnologie zeigen, dass mehr als 50 in der Schweiz erhältliche Medikamente Stoffanteile enthalten, die aus gentechnisch veränderten Nutzpflanzen hergestellt wurden. Die Palette ist breit, sie reicht von der Hepatitis-Spritze mit Polysorbat aus Gentech-Mais bis zum Medikament gegen Schmerzen, das neben Zucker-Stärke-Pellets aus Gentech-Mais zusätzlich eine Cellulose-Verbindung enthält, die aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt ist.

Der Basler Appell gegen Gentechnologie ruft die Bevölkerung dazu auf, Verpackungstexte und -beilagen kritisch zu lesen. Vor der Einlösung des Rezepts können Fach- und Patienteniformationen auch im Internet unter www.swissmedicinfo abgerufen werden. Nur auf diese Weise kann die unwissentliche Einnahme von Gentech-Bestandteilen vermieden werden.” http://www.baslerappell.ch/aktuell/

Zugelassene gentechnische Arzneimittel in Deutschland

Derzeit sind in Deutschland mindestens 169 Arzneimittel mit 128 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt werden (Stand: 31.07.2014). Wichtige Anwendungsbereiche sind u.a. Diabetes (Insuline), Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis (Immunmodulatoren), Krebserkrankungen (monoklonale Antikörper), angeborene Stoffwechsel- und Gerinnungsstörungen (Enzyme, Gerinnungsfaktoren) sowie Schutzimpfungen (Gebärmutterhalskrebs, Hepatitis B). Zur Datenbank: http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/datenbanken-zu-arzneimitteln/amzulassungen-gentec.html

10 Studien beweisen: GVO schaden der Gesundheit

10 Scientific Studies Proving GMOs Can Be Harmful To Human Health – Warum entscheiden sich die Regierungen von immer mehr Ländern FÜR die Gesundheit ihrer Bevölkerung – oder sollten wir uns lieber fragen, warum unsere Regierung sich GEGEN unsere Gesundheit, gegen … Weiterlesen → Scheint es nicht irgendwie paradox, auf der einen Seite bekommen wir Medikamente gegen Krankheiten und nehmen dann wiederum GVO-Medikamente, wo doch zahlreiche Studien beweisen, dass GVO gesundheitsschädlich ist. Wir sind keine Ärzte und keine Forscher und kennen uns auf diesem Gebiet daher nicht aus. Nur irgendwie merkwürdig scheint uns das doch.

Netzfrau Doro Schreier in Zusammenarbeit mit Netzfrauen-Mann Dominik Crimi

http://netzfrauen.org/2014/08/26/frankensteinskueche-medikamente-aus-gentechnisch-veraendertem-mais-reis-karotten-kostenguenstig/

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24.06.2014

Brisante Studie zu Gentechnik-Risiken wieder veröffentlicht

Ein halbes Jahr nachdem eine Fachzeitschrift eine von Industrie und Behörden heftig attackierte Studie zu den Risiken von gentechnisch verändertem Mais zurückgezogen hat, wurde sie nun erneut veröffentlicht. Das Journal „Environmental Sciences Europe“ des renommierten Wissenschaftsverlags Springer stellte die Untersuchung von Forschern der Universitäten Caen in Frankreich und Verona in Italien heute freizugänglich zur Verfügung. Die Forscher sind von ihrer Arbeit immer noch überzeugt: sie liefere Hinweise, dass Gentech-Mais des Konzerns Monsanto bei Ratten Organschäden hervorrufe.

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Zusätzlich zu der ursprünglich vor knapp zwei Jahren erstveröffentlichten Version geben die Wissenschaftler um Professor Gilles-Eric Séralini auch die Rohdaten ihrer Analyse heraus – im Gegensatz zur Gentech-Industrie, die ihre Daten unter Verschluss halte, obwohl darauf die Risikobewertung in der EU beruhe, betont die Informationsseite gmoseralini.org.

Die Nichtveröffentlichung der Rohdaten war ein Kritikpunkt an der Séralini-Studie, die nach hitzigen Debatten vom Fachjournal „Food and Chemical Toxicology“ zurückgezogen wurde. Danach wurde wiederum dem Verlag Elsevier vorgeworfen, gegen wissenschaftliche Grundsätze verstoßen zu haben und vor dem Agrochemiekonzern Monsanto eingeknickt zu sein. Das Fachblatt Environmental Sciences Europe verweist darauf, die jetzt erfolgte Wiederveröffentlichung der Studie diene der Debatte um wissenschaftliche Methoden und trage zur Transparenz bei. Zuvor musste erneut ein Peer-Review durchlaufen werden, das die Einhaltung wissenschaftlicher Standards prüft.

Séralini und seine Universitätskollegen betonen nun noch einmal: anders, als vielfach dargestellt, hätten sie nicht zu beweisen versucht, dass Gentechnik-Mais Krebs auslöse – auch wenn sie das Auftreten von Tumoren bei den Ratten, die mit dem Monsanto-Mais NK603 gefüttert worden waren, beobachtet hatten. Ihnen sei es um langfristige, toxikologische Auswirkungen gegangen: und dabei hätten sie „sehr signifikante“, chronische Schäden an Leber und Nieren festgestellt. Anders als die Industrie fütterten die Wissenschaftler die Tiere nicht nur über 90 Tage sondern über zwei Jahre hinweg mit dem transgenen Mais.

Als die Studie 2012 zum ersten Mal erschien löste sie zahlreiche Medienberichte und eine erregte Diskussion über wissenschaftliche Standards aus. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung disqualifizierten die Untersuchung. Andere Forscher sprangen Séralini und seinen Kollegen bei – häufig wurde darauf verwiesen, dass alle Studien von Gentechnik-Unternehmen wie Monsanto gleich aufgebaut seien, aber nie so kritisch unter die Lupe genommen würden. Die EFSA bewertet die Risiken von gentechnisch veränderten Organismen vor allem anhand der Daten, die die Antragssteller bei ihnen einreichen. Gentech-Kritiker bemängelten deshalb „Doppelstandards“.

Die Autoren der Studie kommen angesichts ihrer Ergebnisse zu dem Schluss, es müssten weitere Langzeitstudien zu den Risiken von Gentechnik-Pflanzen sowie Pestiziden durchgeführt werden – und zwar anhand der Endprodukte, die auf den Markt gelangen. Der Mais NK603 ist resistent gegen das Spritzmittel „Roundup“ (Wirkstoff Glyphosat).

Die Wiederveröffentlichung der Studie kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: gestern wurde auf EU-Ebene über die Verlängerung der Zulassung von NK603 um weitere zehn Jahre abgestimmt. Es kam zu einem Patt. Deutschland enthielt sich der Stimme. Demnächst wird noch einmal in einem weiteren Ausschuss abgestimmt, danach kann die EU-Kommission den Gentech-Mais durchwinken.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/29335.html

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17.06.2014

Fünf weitere Gentech-Pflanzen dürfen importiert werden

Fünf weitere Gentechnik-Pflanzen dürfen wohl bald in die EU importiert werden. Es handelt sich um Soja- und Maispflanzen von Monsanto, Bayer, BASF und Pioneer – auch sie werden in den Futtertrögen der hiesigen Ställe landen. Deutschland enthielt sich bei der entscheidenden Abstimmung letzte Woche der Stimme – insgesamt kam keine qualifizierte Mehrheit zustande. Nun kann die EU-Kommission den Gentech-„Events“ grünes Licht erteilen.

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Am Dienstag vergangener Woche trat in Brüssel ein Ausschuss zusammen, in den alle EU-Mitgliedsstaaten ihre Vertreter entsenden. Entscheidungen für oder gegen die Zulassung einer gentechnisch veränderten Pflanze können dort nur mit qualifizierter Mehrheit über 70 Prozent der Stimmen getroffen werden. Das geschieht jedoch fast nie – meist bleibt es bei einem Patt. So auch letzte Woche, wie der Informationsdienst von einem Sprecher der EU-Kommission erfuhr: es gab jeweils eine Mehrheit für die Zulassung der fünf Pflanzen, jedoch fehlten noch rund 80 Stimmen oder mehr bis zur qualifizierten Mehrheit.

Deutschland enthielt sich bei allen Entscheidungen, zusammen mit Italien. Frankreich und Kroatien enthielten sich oder stimmten gegen einzelne Gentech-Pflanzen. Länder wie Polen, Bulgarien, Österreich, Ungarn, Luxemburg und Lettland stimmten in jedem Fall mit „nein“ – während unter anderem die Niederlande, Tschechien, Großbritannien, Spanien und Schweden stets für die Zulassung votierten.

Bei den Pflanzen, die die Kommission nun zum Import durchwinken kann, handelt es sich um vier Soja- und eine Maislinie. Die Sojasorten MON87708 und MON87705 stammen vom US-Agrochemiekonzern Monsanto, beide sind resistent gegen ein Herbizid – die erste gegen Dicamba, die zweite gegen Glyphosat. MON87705 hat außerdem eine andere Fettsäurenzusammensetzung, genau wie Soja 305423 von Dupont-Pioneer, die auch gegen Herbizide aus der Gruppe der ALS-Hemmer resistent ist.

Die vierte gentechnisch veränderte Sojalinie stammt von BASF: BPS-CV127-9 ist gegen Herbizidwirkstoffe wie Imazamox widerstandsfähig, den der deutsche Konzern unter dem Markennamen „Clearfield” verkauft. Die Maislinie T25 von Bayer Cropscience ist resistent gegen das Herbizid Glufosinat (Markenname „Liberty”). T25 durfte auch bisher schon importiert werden, nun wird die Genehmigung um 10 Jahre verlängert. [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/29299.html

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16.06.2014

Freiwillige testen erstmals genmanipulierte Bananen

Sie sollen mehr Vitamin A enthalten und dadurch Hunderttausende Leben in Afrika retten: Freiwillige in den USA essen bald sechs Wochen lang Gen-Bananen. Das Projekt hat einen mächtigen Unterstützer.

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In den USA beginnt in den nächsten Wochen ein Test, bei dem Menschen erstmals genmanipulierte Bananen essen werden. Etwa zehn Kilo der gelben Früchte seien bereits von Innisfail im australischen Queensland, wo sie gewachsen sind, in die USA unterwegs, teilte die federführende Technische Universität Queensland (QUT) mit. Der Test mit einer Reihe von Freiwilligen an der Iowa State University solle sechs Wochen dauern. Ergebnisse würden im Laufe des Oktobers erwartet.

Die große Mehrheit der Verbraucher in Deutschland lehnt Genmanipulation bei Nahrungsmitteln strikt ab. Selbst genmanipulierter Mais als Hühnerfutter stößt auf massive Skepsis. Erst in der vergangenen Woche hat die EU nationale Anbauverbote für genmanipulierte Pflanzen erleichtert.

Doch die Gen-Banane aus Queensland soll Hunderttausende Leben in Afrika retten, argumentieren die australischen und amerikanischen Forscher. Weltweit stürben dort jährlich bis zu 700.000 Kinder an einem Mangel an Provitamin A und Eisen, weitere 300.000 erblindeten, sagte Projektleiter James Dale australischen Medien.

Genau an dieser Stelle setzt die Gen-Banane an. Die manipulierte Banane, deren Fruchtfleisch statt des üblichen cremefarbenen Tons eher ins Orangefarbene spielt, soll deutlich mehr dieser Inhaltsstoffe enthalten und den verbreiteten Mangel ausgleichen.

Bill Gates unterstützt Projekt

Microsoft-Gründer Bill Gates finanziert einen großen Teil der Kosten. Seine Stiftung, die Bill and Melinda Gates Foundation, unterstützt das Projekt mit zwölf Millionen Dollar. „Gute Wissenschaft kann einen riesigen Unterschied bewirken, indem sie die Grundnahrungsmittel wie ugandische Bananen mit Provitamin A anreichert und die armen Bevölkerungsteile mit ernährungsphysiologisch wertvoller Nahrung versorgt“, sagte Dale. „Wir wissen, unsere wissenschaftliche Arbeit wird funktionieren“, gab er sich selbstgewiss.

Etwa 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren in Uganda, wo die neue Frucht vor allem eingesetzt werden soll, leiden unter chronischem Vitamin-A-Mangel. Für zwei Drittel der ugandischen Bevölkerung sind Kochbananen zugleich das mit Abstand wichtigste Nahrungsmittel.

Sollte der Test erfolgreich sein, haben die Befürworter bereits eine Ausweitung des Anbaus über Uganda hinaus ins Auge gefasst. Auch in Ruanda, Kenia, Tansania und Teilen der Demokratischen Republik Kongo sei ein Anbau leicht möglich, sagte Dale. Der Professor aus Queensland kooperiert auch mit indischen Biotechnologie-Behörden, um dort besonders eisenreiche Bananen gegen Blutarmut einzuführen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article129134900/Freiwillige-testen-erstmals-genmanipulierte-Bananen.html

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10.06.2014

Strategiepapier der Gentechniklobby: Schlachtplan für Europa

Die Gentechnikindustrie will in Europa endlich Fuß fassen. Das verdeutlicht ein internes Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt: Demnach will der Lobbyverband EuropaBio die Politik mit enorm dreisten Strategien vor sich hertreiben.

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Mit der Anti-Matsch-Tomate fing es an. Amerikanische Wissenschaftler hatten es geschafft, das Gammelgen auszuschalten. Die knackige Tomate sollte 1994 ein ganz großer Wurf der Gentechnikindustrie werden. Dass irgendetwas schiefgegangen war, merkten die Mitarbeiter schon, bevor der erste Laster mit den in Mexiko gepflanzten Wundertomaten bei ihnen in Chicago hielt: Was hinten aus der Ladefläche quoll, war reines Tomatenpüree.

Weitere Flops folgten: Mit dürreresistenten Pflanzen sollte das Hungerproblem in Afrika gemildert werden. Ein Durchbruch ist bis heute nicht in Sicht. Nutzpflanzen wie Soja und Mais bekamen Gene eingesetzt, die sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat unempfindlich machten; doch inzwischen sind auch die Unkräuter resistent.

Von solchen Pannen und der Skepsis der Europäer gegenüber der Gentechnik in Pflanzen und Lebensmitteln lässt sich die Branche jedoch nicht beeindrucken – im Gegenteil: Weil sie mit ihren Produkten nicht überzeugen kann, setzt sie seit einigen Jahren auf gezieltes Lobbying in Brüssel. Wie weit sie hiermit bereits gekommen ist, zeigt ein internes Papier, das von der PR-Frontgruppe EuropaBio kommt und SPIEGEL ONLINE vorliegt. Es trägt den Titel „A new strategy on GM issues“ und zeigt den unverhohlenen Willen der Branche, Europa mit Gentech-Gewächsen zu überziehen. EuropaBio selbst bezeichnet das Dokument als „Brainstorming“-Grundlage.

Hauptziele sind laut Papier die schnellere Zulassung von Gentechnik-Produkten und die Aufweichung der Verunreinigungsregeln für Saatgut und Futtermittel. Genau jene Punkte also, die in den kommenden Monaten in den EU-Staaten und in Brüssel verhandelt werden.

Akribisch haben die Lobbyisten in dem Papier aufgelistet, welche Brosamen sie den einzelnen Regierungen hinwerfen müssen, um deren Unterstützung zu bekommen: Für die Deutschen etwa müsse es „Spielraum“ geben, Produkte mit dem Label „Ohne Gentechnik“ zu kennzeichnen. Für die Franzosen müsse deutlich werden, dass es heimischen Bauern freistehe, zugelassenen Genmais anzubauen.

Und noch ein Ziel der Branche wird definiert: Nationale Anbauverbote soll es nur geben, wenn die EU-Mitgliedstaaten „nicht gegen eine technische Lösung bei Lebensmitteln votieren“. „Übersetzt heißt das: eine Verunreinigung von Lebensmitteln, ohne dass es draufsteht„, sagt Mute Schimpf von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth.

Ungeniertes Agieren der Interessenvertreter

Der Druck der Lobbyisten scheint Erfolg zu haben. Die EU-Kommission, so ein Ziel des Papiers, solle „mehr Kompromissdruck“ auf die Länder ausüben. Genau das hat die Kommission im November 2013 getan – indem sie den Ministerrat aufforderte, über die Zulassung des lange umstrittenen Genmaises 1507 der US-Firma Pioneer DuPont zu entscheiden. Damit kam die von der Genlobby erhoffte Diskussion über nationale Anbauverbote wieder in Schwung. „Wie servil diese Lobbywünsche des Verbands EuropaBio umgesetzt wurden, ist erschreckend“, sagt Harald Ebner, Gentechnikexperte der Grünen im Bundestag.

Ebner hat weitere Kotaus beobachtet. So leidet die Genindustrie nach eigenen Angaben unter „Zulassungsstau“. Die Kommission, heißt es im Papier, solle deutlich machen, dass sie „unter rechtlichem Druck“ stehe. Eben das, so Ebner, habe der zuständige EU-Kommissar Tonio Borg in vielen Ratssitzungen betont.

Entsprechend fragwürdig ist die geplante Regelung nationaler Anbauverbote. Hier sollen Staaten die Möglichkeit bekommen, nicht nur bei wissenschaftlichen Bedenken, sondern auch bei Vorbehalten der Bevölkerung eine Anbauerlaubnis von genetisch modifizierten Pflanzen zu untersagen – die sogenannte Opt-out-Möglichkeit. Was die Politiker nicht klar sagen:

Wer im eigenen Land zukünftig den Anbau verhindern will, darf sich im Gegenzug den Genzulassungen in der übrigen EU nicht mehr widersetzen. Solidarität unerwünscht.

Die griechische EU-Ratspräsidentschaft plante gar, dass ein Staat sich vor einem Verbot erst einmal mit dem betroffenen Unternehmen an einen Tisch setzen sollte. „Grotesk“, findet Mute Schimpf das. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dagegen betont, die Regierung sei gegenüber den Firmen „Koch und nicht Kellner“. Das Ausstiegsverfahren sei „rechtssicher“.

Doch da könnte Schmidt irren. Die „Rechtsqualität“ der „zu erzielenden Einigung“ mit den Firmen sei unklar, heißt es in einer juristischen Beurteilung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Klagen wären Tür und Tor geöffnet.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gentechnik-lobbystrategie-von-europabio-a-973630.html

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29.05.2014

EU-Staaten dürfen Genpflanzen bei sich verbieten

Kurswechsel in Sachen Gentechnik: Die EU-Staaten haben für nationale Anbauverbote gestimmt. Auch Deutschland ist nach langem Zögern umgeschwenkt. Doch den Gegnern reicht das nicht.

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Mit der Zustimmung Deutschlands haben sich die EU-Staaten für eine Änderung der Zulassungsregeln für Genpflanzen ausgesprochen. So sollen nationale Anbauverbote erleichtert werden.

Bei einer Sitzung der EU-Botschafter in Brüssel habe es „eine sehr breite Unterstützung“ für die Neuregelung gegeben, sagten EU-Diplomaten. Die Entscheidung muss nun bei einem Rat der EU-Umweltminister am 12. Juni noch offiziell bestätigt werden.

Bisher können EU-Staaten eine in Europa zum Anbau zugelassene Genpflanze nur schwer vom eigenen Staatsgebiet fernhalten. Der Antrag eines Unternehmens auf eine Anbauerlaubnis in der EU wird den Mitgliedsstaaten zur Abstimmung vorgelegt, wenn die EU-Lebensmittelbehörde EFSA nach einer wissenschaftlichen Analyse das Produkt für unbedenklich erklärt.

Gibt es keine qualifizierte Mehrheit gegen die Anbauerlaubnis, wird die Genpflanze in allen 28 Mitgliedsstaaten zugelassen.

CDU-Vertreter tun sich schwer

Will eine Regierung dies auf nationaler Ebene verhindern, muss sie bisher neue Erkenntnisse über Gefahren vorlegen, die in die EFSA-Bewertung nicht einbezogen wurden. An diesem Verfahren gab es wiederholt Kritik.

Deshalb machte die EU-Kommission bereits im Jahr 2010 den Vorschlag, nationale Anbauverbote bei Zulassung in der EU zu erlauben. Dieser Vorstoß scheiterte jedoch – unter anderem an Deutschland.

Als Folge des Regierungswechsels im vergangenen Jahr gab es eine Neupositionierung, die vor allem CDU-Vertretern nicht leicht fiel. In der vergangenen Woche hatten die Koalitionsfraktionen im Bundestag ein deutsches Votum für die nationalen Anbauverbote gefordert. Und kurz vor der aktuellen Abstimmung in Brüssel traf eine entsprechende Weisung für den deutschen Vertreter in der Botschafterrunde ein.

Gegner kritisieren das „Pseudoverbot“

EU-Diplomaten zufolge stimmten fast alle Mitgliedsstaaten mit Ja, nur Belgien enthielt sich. Nach den neuen Regeln kann ein Land den Experten zufolge gleich zu Beginn eines Zulassungsverfahrens fordern, dass das zuständige Unternehmen in seinem Antrag den Mitgliedsstaat ausnimmt.

Folgt der Konzern dem Ansinnen nicht, sollen den Angaben zufolge Anbauverbote auf nationaler Ebene deutlich leichter werden, auch wenn die Pflanze im Rest der EU zugelassen wird. Demnach muss ein Mitgliedsstaat dafür künftig nicht mehr neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorlegen, sondern kann umweltpolitische oder sozioökonomische Gründe anbringen. Das könnte beispielsweise großer Widerstand in der Bevölkerung sein.

Gentechnikgegner lehnen die Neuregelung dennoch ab. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, sprach von einem „Pseudoverbot“, das sich „schnell als Einfallstor für mehr Gentechnik in Deutschland“ entpuppen werde.

Ministerin lobt „Kurswechsel“

Der Gentechnikexperte der Grünen im Bundestag, Harald Ebner, kritisierte, die Neuregelung mache die Staaten zu „Bittstellern“ und gebe den Konzernen „faktisch die Macht, Zugeständnisse zu erpressen“.

EU-Diplomaten bestritten aber, dass die Unternehmen nach den neuen Regeln ein Veto gegen nationale Anbauverbote einlegen könnten. Die Gentechnikgegner unter den EU-Staaten erhielten nun eine Reihe von Absicherungen, sagte ein Diplomat.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wies die Kritik zurück. Der Vorwurf, die Regierung müsse künftig „mit den Konzernen verhandeln“, treffe nicht zu. Die einzelnen Länder könnten hoheitlich handeln, erklärte er in Berlin.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) begrüßt den „seit Langem fälligen Kurswechsel in der Haltung der Bundesregierung“.

http://www.welt.de/wirtschaft/article128530946/EU-Staaten-duerfen-Genpflanzen-bei-sich-verbieten.html

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28.05.2014

Deutschland stimmt umstrittenem Opt-Out-Entwurf zu

Die Bundesregierung hat in Brüssel einem umstrittenem Entwurf zu nationalen Anbauverboten von Gentech-Pflanzen zugestimmt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf EU-Diplomaten. Kritiker sehen im sogenannten „Opt-Out“ ein Täuschungsmanöver und befürchten den „Anfang vom Ende der Gentechnikfreiheit in Europa.“

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Besonders wird kritisiert, dass die EU-Regierungen laut dem jüngsten Entwurf der griechischen Ratspräsidentschaft zuerst die Gentech-Konzerne um Ausnahmen für ihr Land zu bitten. Dabei ist die EU-Kommission als Mittlerin zwischen geschaltet. Erst wenn die Unternehmen eine Einschränkung ihres Antrags auf Zulassung der gentechnisch veränderten Pflanzen ablehnen, dürfen die Staaten Verbote erlassen. Diese wären aus Sicht von NGOs und Oppositionsparteien allerdings auch rechtlich unsicher.

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte vergangene Woche im Bundestag erklärt, Verhandlungen zwischen Staaten und Konzernen dürfe es nicht geben. Trotzdem stimmte Berlin heute einem Entwurf zu, der genau dies – über den Zwischenschritt Kommission – beinhaltet. „Offenbar hat dem Minister niemand in Europa zugehört“, kommentierte der Grünen-Politiker Harald Ebner. „Warum die Große Koalition diesen Vorschlag trotz ihrer Worte und trotz ihrem Bundestagsantrag von letzter Woche durchwinkt, bleibt ihr Geheimnis.“ Damit habe sie sich „zur Küchenhilfe von Monsanto und anderen Gentech-Riesen degradiert“. Laut AFP enthielt sich nur Belgien der Stimme.

Noch ist der Beschluss nicht endgültig, da heute „nur“ die Ständigen Vertreter der Mitgliedsstaaten tagten. Am 12. Juni folgt die offizielle Abstimmung der Umweltminister. Stimmen auch sie mit qualifizierter Mehrheit für den Entwurf, muss noch das EU-Parlament abstimmen, eventuell kommt es zu Verhandlungen zwischen den Institutionen. Ebner forderte die Regierung auf, nun für eine Sperrminorität im Rat zu sorgen. Nur so könne die GroKo „sich einen winzigen Rest Glaubwürdigkeit in Sachen Gentechnikfreiheit zurückerobern“. [dh]

+++UPDATE+++ Das Landwirtschaftsministerium hat die Zustimmung Deutschlands zum Opt-Out mittlerweile bestätigt.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/29187.html

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21.05.2014

Hendricks will Anbauverbot für Genpflanzen rasch umsetzen

Genpflanzenverbot in Deutschland: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht dieses Ziel in greifbarer Nähe. Doch die Regierung muss sich noch abschließend einigen.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist optimistisch, dass die Bundesregierung ihren Streit um grüne Gentechnik rasch beilegt. „Ich gehe davon aus, dass wir in der Bundesregierung jetzt schnell zu einer gemeinsamen Position kommen“, sagte Hendricks dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Ziel muss sein, dass wir den Anbau von Genpflanzen in Deutschland ausschließen können.“

Am Dienstag hatten sich die Bundestagsfraktionen von Union und SPD auf ein nationales Anbauverbot verständigt und die Regierung aufgefordert, sich in Brüssel für eine nationale Ausstiegsklausel einzusetzen. „Der Antrag ist ein starkes Signal gegen die grüne Gentechnik in Deutschland und für den Umweltschutz“, sagte Hendricks.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umweltministerin-hendricks-will-anbauverbot-fuer-genpflanzen-rasch-umsetzen/9929056.html

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08.05.2014

EU-Staaten entscheiden gegen Verbraucher und Imker: Keine Kennzeichnungspflicht für Gentechnik-Honig

Schlag ins Gesicht der europäischen Verbraucher und Imker“.

Honig darf auch künftig Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten – ohne dass dies auf der Packung gekennzeichnet ist. Das wurde heute durch die EU-Staaten  in Brüssel endgültig beschlossen.

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Die EU-Richtlinie tritt in den nächsten Wochen in Kraft, danach haben die 28 EU-Staaten ein Jahr Zeit zur Übertragung in nationales Recht.

Die Vorgeschichte:

Am 16. April 2014 wurde über den Bericht „Honig“ im Europäischen Parlament in Straßburg abgestimmt. Die Kommission empfahl den Mitgliedstaaten ein Urteil des EuGH bezüglich Pollen aus genetisch veränderten Pflanzen zu ignorieren und versuchte Pollen als Bestandteil und nicht als Zutat zu bezeichnen, um so das Urteil zu umschiffen. Das fatale Ergebnis: Das Europaparlament wollte Gen-Pollen im Honig nicht kennzeichnen. Eine Mehrheit der Europa-Abgeordneten hat einem verbraucherschutzfeindlichen Kompromiss zwischen Kommission, Rat und Parlament zugestimmt, der die nötige Kennzeichnung von gentech-verunreinigtem Honig verhindert.

Die EU-Gesetzgebung wurde nun dahingehend geändert, dass das Vorkommen von Gen-Pollen im Honig nicht gekennzeichnet werden muss! Letzte Instanz waren die 28 EU-Staaten. Die wie oben berichtet, wieder mal gegen Verbraucher und Verbraucherinnen abgestimmt haben. 

Bereits in Januar berichteten wir dass das EU-Parlament sich gegen Verbraucher und Imker entschieden hatte.

Das EU Parlament unterstützte am 15.1.2014 den Gesetzesentwurf, Pollen als natürlichen Bestandteil von Honig zu definieren, anstatt als Zutat. Das bedeutet, dass GMO-Pollen gekennzeichnet werden muss, wenn er mehr als 0,9% des Honigs ausmacht, was nie der Fall ist, wie Sustainable Pulse berichtete. Da Pollen nur rund 0,5 % von jeder Charge eines Honigs bildet, würde es nie die Kennzeichnungsschwelle überschreiten”, sagte die Berichterstatterin Julie Girling (ECR/UK). Ihr Bericht wurde mit 430 Stimmen bei 224, mit 19 Enthaltungen angenommen.

Das gesamte Parlament lehnte daraufhin den vom Umweltausschuss präsentierten Vorschlag, entsprechend des Urteils des EuGH von 2011, GM Pollen als Zutat und nicht als einen natürlichen Bestandteil von Honig zu definieren, ab. GM-Pollen wird also erst gekennzeichnet, wenn er über 0,9% des Honigvolumens liegt.

In Zukunft Honig mit GM-Pollen in den Regalen aller europäischer Länder

Spanien und Rumänien sind die Länder die GMO-Mais anbauen, sie gehören gleichzeitig zu den größten Honig-Exporteuren. Für die Sicherheit der Verbraucher und  zum Schutz der GM-Pollen freien Imker sollte dieser Honig als GMO-Honig gekennzeichnet werden.

Leider war die Mehrheit der Abgeordneten durch eine intensive Lobby-Kampagne beeinflusst. Die Abstimmung ist ein Schlag ins Gesicht für die europäischen Verbraucher und Imker, die sich immer wieder für transparente Etikettierungsvorschriften ausgesprochen haben.”

Den unteren Teil hatten wir für Sie zu dem Ergebnis in Januar aus  Sustainable Pulse ” EU Parliament Votes against Labelling GM Pollen in Honey” übersetzt.

Heute ist es nun offiziell und wieder entscheidet die Bundesregierung gegen den Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher und auch der Imkerinnen und Imker. Netzfrau Doro Schreier

http://netzfrauen.org/2014/05/08/eu-staaten-entscheiden-gegen-verbraucher-und-imker-keine-kennzeichnungspflicht-fuer-gentechnik-honig/

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27.04.2014

McDonald’s: Gentechnik im Burger

McDonald’s ist gentechnikfreies Futter zu teuer, deshalb erlaubt der Fast-Food-Konzern nach SPIEGEL-Informationen den Einsatz in der Hähnchenmast. Scharfe Kritik kommt von Greenpeace.

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Der Fast-Food-Konzern McDonald’s lässt den Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln in der Hähnchenmast wieder zu. Damit beendet die Burger-Kette nach SPIEGEL-Informationen die seit 2001 bestehende Selbstverpflichtung, europaweit auf den Einsatz von Genfutter bei der Produktion von Chickennuggets und Chickenburgern zu verzichten. Das bestätigte der Konzern in einem Brief an die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Es gebe keine ausreichenden Mengen an gentechnikfreien Futtermitteln „zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen„, heißt es darin. „Für McDonald’s zählt nur der Preis“, kritisiert Stephanie Töwe-Rimkeit von Greenpeace. Mit jedem Chickenburger bekomme der Kunde in Zukunft ein Menü, das den Einsatz von Gift und Gentechnik in der Landwirtschaft fördere. „Und das, obwohl eine Mehrheit der Verbraucher keine Gentechnik im Essen will!“

Nach Berechnungen von Greenpeace würde sich ein Chickenburger um weniger als einen Cent verteuern, wenn der Konzern weiterhin auf gentechnisch verändertes Futtermittel verzichten würde. McDonald’s bestätigte die neue Politik, betonte aber, die Qualität des Essens werde dadurch nicht beeinträchtigt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mcdonald-s-gentechnik-in-chickenburger-und-chickennuggets-a-966345.html

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22.04.2014

Das Geheimnis der GVO-Deals – Britische Regierung lässt die Öffentlichkeit im Dunkeln stehen

Das GVO durch Lobby-Arbeit den Weg auf unsere Teller und damit in unsere Körper findet dürfte jedem von uns klar sein. Kann diesem Verbrechen noch Einhalt geboten werden? Was passiert, wenn diese häufig schmutzigen Geschäfte öffentlich gemacht werden? Können wir noch hoffen?

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Bemühungen, so manches Geschäft und so manchen Klüngel öffentlich zu machen, gibt es immer wieder, wie auch dieser Beitrag “UK Government Keeps Public in Dark over Secret GMO Deals ”  von Sustainable Pulse, vom 15.April 2014, zeigt, den wir für Sie übersetzt haben.

Wir, die Netzfrauen, haben schon oft über die Verflechtungen mit Monsanto und Co. berichtet. So auch wenn wir uns die EFSA näher anschauen, dann müssen wir uns fragen, wie unabhängig ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit der Grundpfeiler der Risikobewertung der Europäischen Union (EU). In enger Zusammenarbeit mit nationalen Behörden und offenem Austausch mit betroffenen Interessengruppen stellt die EFSA wissenschaftliche Beratung zur Verfügung.

Lobbyverflechtungen in der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nehmen kein Ende, wie unser Beitrag: Lobbyverflechtungen in der EFSA zeigt. Sogar bei dem transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, die  hinter verschlossenen Türen verhandelt werden gibt es zahlreiche Verflechtungen. Eine Zusammenfassung der Verflechtungen können Sie in unseren Beitrag: Freihandelsabkommen – Alle unter einer Decke mit Monsanto und Co. entnehmen.

So überrascht uns der folgende Beitrag nicht sonderlich, sondern unterstreicht unsere bisherigen Recherchen.

Das Geheimnis der GVO-Deals – Britische Regierung lässt die Öffentlichkeit im Dunkeln stehen

GeneWatch hat 12 Monate lang gekämpfen, um die Dokumente zu offenbaren, die umfangreiche staatliche Kontakte zwischen der Abteilung für Food, Environment and Rural Affairs (DEFRA) und der GVO-Lobby der Agricultural Biotechnology Council (ABC) zeigen.

Diese Teildokumente deuten stark darauf hin, dass die Regierung mit der Gentechnik-Industrie zusammenarbeitet – um Medien zu manipulieren, den Zugang zu GVO-freien Fleisch- und Milchprodukten zu untergraben und einen Komplott für die Rückkehr der GVO-Pflanzen in Großbritannien zu schmieden”, sagte Dr. Helen Wallace, Direktor von GeneWatch Großbritannien. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, was sich hinter verschlossenen Türen tut.”

Wesentliche Teile der Unterlagen, wozu die Protokolle der Sitzungen, Telefonate und Aktionspunkte für die Beamten gehören, bleiben vor der Öffentlichkeit verborgen. Dazu gehören:

  • Protokolle und Aktionspunkte aus einer Telefonkonferenz zwischen Defra und dem ABC – abgehalten am 10. Juni 2013 vor der Rede von Umweltminister Own Paterson am 20. Juni 2013, in der eine Pro-Gentechnik-Politik befürwortet wurde;
  • Der Inhalt einer “Nachricht mit Medien-Vorschlägen”, die der Defra am 15. April 2013 durch ABC gesendet wurde;
  • Material einer E-Mail von Monsanto an Defra mit dem Betreff “wie gesprochen”, gesendet am 8. Februar 2013. In dieser Mail geht es um Lobbyarbeit gegenüber den Einzelhändlern und deren Einstellung zum Tierfutter, im Vorfeld der Entscheidung im April 2013 von Tesco, Marks and Spencer, der Co-op und Sainsbury, den Verkauf von GVO-frei gefütterten Hühnern und Eiern zu stoppen oder zu  begrenzen;
  •  Die Details und die Ergebnisse eines Treffens zwischen dem damaligen Staatsminister David Heath und dem ABC im Januar 2013 (2) und dem darauf folgendem E-Mail-Verkehr über dieses Treffen.

Treffen zwischen dem ABC und Ministern im Juni 2012 führten zu einer Entscheidung der britischen Regierung, gentechnisch veränderte Pflanzen in Großbritannien zu fördern (3). ABC-Mitgliedsunternehmen sind die GVO-Unternehmen Monsanto, Syngenta, BASF, Bayer CropScience, Dow AgroSciences und Pioneer Hi-Bred.

Auf der Europäischen März-Sitzung des Environment Council, im März 2014, unterstützte Paterson einen Vorschlag, der den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderte Pflanzen in den Pro-Gentechnik-Ländern beschleunigen würde, während gleichzeitig Länder, die gegen GVO sind, die Option haben, sich dagegen zu entscheiden.

Wenn dieser Vorschlag von anderen EU-Ländern in der nächsten Sitzung des Umweltrates am 12. Juni gebilligt wird, könnten Monsantos oder Syngentas GVO-”Roundup Ready” Mais – resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup – schon im Frühjahr 2015 in England gepflanzt werden (4). Herbizidresitente GVO-Pflanzen erhöhen die ohnehin schon vorhandenen großen Umweltbedenken, weil das dichte Spritzen mit Unkrautvernichtungsmittel die Lebensräume für Wildtiere wie Vögel und Schmetterlinge zerstört.[Siehe dazu: Schmetterlingssterben durch Monsanto]

Widerstandsfähige “Superunkräuter” führen ebenfalls zu großen Problemen für die Landwirte und erfordern noch mehr giftige Unkrautvernichtungsmittel.[Siehe dazu: Die Natur schlägt zurück – Pestizid-resistente Insekten kehren zurück]

Die Minister, die unsere Umwelt schützen sollten, haben Monsanto und Syngenta in den Fahrersitz der Politik gesetzt, Richtung gentechnisch veränderter Pflanzen und Lebensmittel, trotz zunehmender Beweise, dass die Gentechnik-Pflanzen, die in den Startlöchern stehen, der britischen Tierwelt schaden werden,  wie z.B. den Schmetterlingen”, sagte Dr. Wallace.

References:

(1)    The GeneWatch UK appeal to the ICO is on: tinyurl.com/lsdugjt ; Defra’s response to GeneWatch’s complaint about the withheld information is on:tinyurl.com/l52jxlo
(2)    Meeting recorded on: www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/212312/defra-min-transparency-1213-q4.pdf  Rt Hon David Heath MP Minister of State. January 2013. Agri Biotech Council “To discuss role of agri-biotech including GM, in the UK and particularly food security and economic opportunities”.
(3)    GeneWatch UK and GM Freeze Press Release: Monsanto meets ministers to push return of GM crops to Britain. Thursday 25th October 2012.www.genewatch.org/article.shtml?als[cid]=492860&als[itemid]=571449
(4)    Environment groups condemn Paterson’s plans to plant RoundUp Ready GM crops in England. Joint PR: GeneWatch UK, Greenpeace UK, Friends of the Earth, GM Freeze, Soil Association. Monday 10th March 2014. www.genewatch.org/article.shtml?als[cid]=492860&als[itemid]=574352

Bereits im Juli 2013 machten wir Sie über die Auswirkungen des bevorstehenden Freihandelsabkommen mit den USA aufmerksam. Wie sooft kündigte Monsanto wieder mal seinen Rücktritt aus der EU an. Doch unsere Skepsis hatte sich bewahrheitet.Wir hatten Ihnen 10 Gründe genannt, warum wir der Meinung waren, dass der erneute Rückzug für Monsanto eher eine Image-Kampagne war. Unter Punkt 2. ist die Pflanzenzüchtung Internationale Cambridge Limited

Der größte europäische Pflanzenzüchter “Plant Breeding International Cambridge Limited A UK“, ursprünglich öffentliches Eigentum, dann im Besitz von Unilever, ist seit 1998 im Besitz von Monsanto. Sie ist im Besitz von einer großen Sammlung von Gras-und Baumarten, mit zahlreichen Zuchtprogrammen einschließlich Kartoffeln, Gerste, Winterweizen und Raps. Das Unternehmen wurde 1987 von Unilever gegründet: Ziel war es, ertragreiche, hochwertige Sorten mit der notwendigen Schädlings-und Krankheitsresistenz zu erzeugen und um Input-Kosten zu minimieren. Und ist nicht nur für Europa tätig, sondern weltweit. Siehe dazu unseren Beitrag: Monsanto kündigt erneut einen Rücktritt an – 10 Gründe zur Skepsis!

Wie der Beitrag zeigt, lässt die Britische Regierung die Öffentlichkeit im Dunklen, doch im Juni 2013 enthüllte die dailymail.co.uk, dass Gentechnisch veränderte Lebensmittel in den Häusern des Parlaments verboten seien. Paradox, das gentechnisch veränderte Lebensmittel auf der Speisekarte in den Restaurants des Parlaments verboten wurden, und dies bereits seit 1998, wie der Catering-Service des britischen Unterhauses (House of Commons Catering Service) bestätigte. Der Bericht erschien genau zu dem Zeitpunkt, als Owen Paterson, der britische Minister für Umwelt, Ernährung und ländliche Räume von der Konservativen Partei, einen Appell an die britische Öffentlichkeit gerichtet hatte, ihre Zweifel zu überwinden und gentechnisch veränderte Produkte anzunehmen.

Es gibt keine Veranlassung, negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu befürchten, laut Paterson. Warum essen es die Parlamentarier nicht selber? Kennen diese auch die vielen Studien, die zeigen, wie gesundheitsschädlich genmanipulierte Lebensmittel sind? Lesen Sie dazu 10 Studien beweisen: GVO schaden der Gesundheit.

Wenn Ihnen also irgend jemand erzählt, GVO sei für den Verzehr völlig sicher, so deuten viele Beweise auf das Gegenteil. Netzfrau Kerstin Hördemann

http://netzfrauen.org/2014/04/22/das-geheimnis-der-gvo-deals-britische-regierung-laesst-die-oeffentlichkeit-im-dunkeln-stehen/

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16.04.2014

EU-Parlament: Keine Kennzeichnungspflicht für Gen-Honig

Grüne und Foodwatch kritisieren das Votum

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Das Europaparlament hat eine Kennzeichnungspflicht für Honig mit gentechnisch veränderten Pollen abgelehnt. Das Plenum verabschiedete am Mittwochabend in abschließender Lesung einen Kompromiss, der zuvor von Vertretern der EU-Kommission, der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments ausgehandelt worden war.

Heftige Kritik an dem Votum äußerten Vertreter der Sozialdemokraten und Grünen. Gentechnisch verunreinigter Honig könne nun in die Regale gelangen, betonte der Agrarexperte der Grünen, Martin Häusling. Die Mehrheit der Abgeordneten habe unter der Lobby-Arbeit der Industrie und der Staaten mit gentechnisch veränderten Kulturen, etwa Argentinien, Spanien und Rumänien, nachgegeben.

Dem Kompromiss zufolge werden Pollen – auch wenn sie gentechnisch verändert sind – künftig als „natürlicher Bestandteil“ von Honig definiert und nicht wie bisher als „Zutat„. Für „natürliche Bestandteile“ gilt, dass eine gentechnische Veränderung erst ab einer Schwelle von 0,9 Prozent des Endprodukts angegeben werden muss. Der Anteil von Pollen im Honig insgesamt liegt aber in der Regel bei nur 0,5 Prozent.

Anlass für die Änderung der Honigrichtlinie war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahre 2011, wonach ein mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigter Honig als solcher gekennzeichnet werden muss. Dieses Urteil basierte auf der bisher geltenden Vorschrift, wonach gentechnisch veränderte Organismen bereits als solche gekennzeichnet werden müssen, wenn sie 0,9 Prozent einer Zutat – und nicht des Endprodukts – ausmachen.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sprach von einem „billigen Definitionstrick“, mit dem der Einsatz von Agrar-Gentechnik „noch intransparenter“ gemacht werden solle. Nur eine lückenlose Kennzeichnung gebe den EU-Bürgern aber die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie mit ihrem Einkauf den Einsatz von Gentechnik auf dem Acker unterstützen wollen oder nicht.

Da es sich um eine abgeänderte Richtlinie handelt, tritt die Neuregelung sofort in Kraft.

http://www.welt.de/newsticker/news1/article127037422/EU-Parlament-Keine-Kennzeichnungspflicht-fuer-Gen-Honig.html

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11.04.2014

Länder wollen keine Genpflanzen

Die Bundesländer wollen verhindern, dass in Deutschland Genmais angebaut werden darf. Sie verlangen vom Bund, sich auf EU-Ebene für eine entsprechende Ausstiegsklausel einzusetzen. Die Forderungen gehen aber noch weiter.

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Die Länder wollen gentechnisch veränderte Pflanzen von deutschen Feldern fernhalten und machen dafür Druck auf den Bund. Der Bundesrat forderte die Bundesregierung am Freitag auf, Verhandlungen über nationale Ausstiegsklauseln in der Europäischen Union (EU) nicht zu blockieren. Mitgliedstaaten sollten den Anbau EU-weit zugelassener Genpflanzen für ihr Hoheitsgebiet verbieten können. Deutschland solle sich auch um ein generelles EU-Anbauverbot von Genpflanzen bemühen.

Nordrhein-Westfalens Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) sagte: „Die Menschen wollen keine Gentechnik, weder auf dem Teller noch auf dem Feld, noch in der Natur.“ Der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) sagte mit Blick auf den Anbau von Genpflanzen: „Wir fordern ein Selbstbestimmungsrecht ein.“

Die Länderkammer sprach sich gegen Überlegungen in der EU-Diskussion aus, wonach Regierungen für nationale Anbauverbote selbst die Pflanzenhersteller kontaktieren müssten. Bis zu einer Umsetzung von Ausstiegsregeln solle die Bundesregierung in EU-Abstimmungen gegen Anbauzulassungen stimmen. Bei der gentechnisch veränderten Maissorte 1507 hatte sich Deutschland kürzlich enthalten, weil die Regierung intern uneins war.

Die Grünen starteten am Freitag in Berlin eine bundesweite Unterschriftenaktion. Parteichefin Simone Peter sagte: „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene aktiv gegen weitere Zulassungen von gentechnisch veränderten Pflanzen, Tieren und deren Produkten einzusetzen.“

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesrat-fuer-ausstiegsklauseln-laender-wollen-keine-genpflanzen/9753044.html

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05.04.2014

Medwedew: Russland will keine genveränderten Produkte importieren

Russland will laut Premier Dmitri Medwedew keine genveränderten Lebensmittel einführen.

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Wir haben keinesfalls das Ziel, eine Produktion von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu entwickeln oder solche in unser Land einzuführen“, sagte Medwedew am Samstag bei einem Landwirtschaftlichen Kongress in der Wolga-Stadt Wolgograd. „Wir sind imstande, uns mit normalen üblichen Lebensmitteln zu ernähren.“

Die Amerikaner mögen tun, was sie wollen, wenn es ihnen gefällt, sich mit genveränderten Lebensmitteln zu ernähren, so Medwedew. „Wir haben ausreichend Fläche und Möglichkeiten, um normales Essen zu haben.“

Man müsste jedoch prüfen, wie es damit in Russland momentan steht, sagte er weiter. „Denn trotz strenger Beschränkungen gelangen genmodifizierte Lebensmittel sowie genverändertes Saatgut in gewissen Mengen nach Russland.“

Eben deshalb habe ich angewiesen, den Zustand des Saatguts zu überprüfen sowie ein umfassendes Monitoring unter Einbeziehung der modernsten Labors vorzunehmen“, sagte Medwedew weiter. Ziel sei es, eventuelles genverändertes Material in Ackerbau und Viehzucht sowie in Nahrungsmitteln aufzudecken.

Zuvor hatte der russische Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow erklärt, Russland müsse ein von genveränderten Erzeugnissen freies Territorium bleiben.

http://de.ria.ru/business/20140405/268212340.html

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02.04.2014

China zerstört Illegale Gentech-Pflanzen –

Schmuggelring für GVO-Saatgut aufgedeckt

Die Provinz Hainan zerstört gentechnisch veränderte Mais-und Baumwollpflanzen, die in illegalen Versuchen 2013 verwendet wurden. Die landwirtschaftliche Behörde der Provinz bestätigte am Montag, dass  in den Städten und  Landkreisen Sanya, Lingshui und Ledong  vom 23. bis 27. Dezember 2013 107 Pflanzenproben untersucht wurden.

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Die Prüfung ergab, dass neue Mais- und Baumwollpflanzen identifiziert waren, somit wurden die gentechnisch veränderten Feldversuche zerstört.  Es gab noch weitere sechs verdächtigte Proben, dass Endergebnis liegt noch nicht vor.

Die Behörde betonte, dass keine gentechnisch veränderten Anbauversuche ohne vorherige Genehmigung durchgeführt werden dürfen und diejenigen, die solche Versuche durchführen, werden bestraft.

China kämpft zur Zeit vermehrt gegen genmanipulierte Pflanzen, da die chinesische Bevölkerung gegen die Biotech-Branche ist. 

Im Dezember 2013 deckte die Polizei in Huaihua,  in der zentralchinesischen Provinz Hunan, einen Schmugelring für  GVO-Mais-Saatgut auf, wie die National Business Daily berichtete.

Die Samen von “US-golden corn”, die angeblich seit 2003 von Hong Kong und Thailand geschmuggelt werden, verunreinigten im letzen Jahr etwa 200 Hektar Mais. Es handelte sich bei dem geschmuggelten Mais-Saatgut  um solche der Konzerne Monsanto und Syngenta.  Die Polizei hatte einen der Hauptschmuggler, Luo Haihong, festgenommen, der angeblich seit 2003  über 500.000 Tonnen Mais-Saatgut  ohne Genehmigung importierte.

Original: China Destroys Illegal GM Crop Trials on Hainan Island und Chinese Police Bust GM Corn Smugglers as GMO Crisis Deepens

Nachdem wir diese Artikel für Sie im eigenen Wortlaut übersetzt haben, fragen wir uns, gibt es weitere Schmuggler? Vielleicht auch in Europa?

http://netzfrauen.org/2014/04/02/china-zerstoert-illegale-gentech-pflanzen-schmuggelring-fuer-gvo-saatgut-aufgedeckt/

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26.03.2014

Bundesländer für nationale Gentechnik-Anbauverbote

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Die Mehrheit der Bundesländer will, dass EU-Mitgliedsstaaten den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf ihrem Gebiet verbieten können. Das wurde laut einem Agenturbericht diese Woche im Agrarausschuss des Bundesrats deutlich. Allerdings müsse die Bundesregierung in Brüssel auf einige Änderungen am derzeitigen Entwurf drängen: unter anderem lehnen die Länder direkte Verhandlungen mit Gentechnik-Konzernen ab.

Die nationalen Anbauverbote (opt-out) werden zurzeit auf EU-Ebene diskutiert. Ein Entwurf der Kommission sieht vor, dass Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten bekommen, solche Verbote auszusprechen. Zuvor sollen sie aber versuchen, eine Einigung mit den Unternehmen herbeizuführen, die die Genehmigung der Pflanzen beantragt haben. Das lehnen die meisten Bundesländer ab, ebenso wie die Regierungen Frankreichs, Ungarns und Luxemburgs.

Laut Agenturbericht wollen die Bundesländer die Große Koalition in Berlin auffordern, bei den Verhandlungen in Brüssel auf Rechtssicherheit zu achten. Die nationalen Anbauverbote sollen nicht durch Klagen der Konzerne ausgehebelt werden können, wie es auch Umweltschutzorganisationen befürchten. 13 der 16 Bundesländer plädieren offenbar sogar für ein generelles Anbauverbot transgener Pflanzen in der EU. Da das kaum durchsetzbar sein wird, ist die opt-out-Regelung das Mittel der Wahl.

Außerdem wollen die Bundesländer verhindern, dass der gentechnisch veränderte Mais 1507 von Dupont-Pioneer demnächst in Deutschland angebaut wird. Der Mais steht kurz vor einer EU-Zulassung und könnte nach der Sortenprüfung wohl ab 2015 auf die Felder. Über eine Änderung der Koexistenzregeln im Gentechnik-Recht wollen die Länder den Anbau unterbinden. Zudem verlangen sie von der Regierung bessere Schutzmaßnahmen für Imker und Bienen – deren Honig soll nicht durch Gentech-Pollen verunreinigt werden, beispielsweise indem größere Mindestabstände zwischen Imkerstand und Gentechnik-Feld festgelegt werden. Im April werden die Ministerpräsidenten der Länder über die Empfehlungen des Agrarausschusses abstimmen.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28886.html

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19.03.2014

Preiskampf im Einzelhandel: Gensoja im

Tierfutter macht Discounter-Fleisch billig

Die Discounter senken die Fleischpreise – auch weil die Geflügelzüchter künftig nur noch billiges Gensoja verfüttern und damit Kosten sparen. Angeblich gibt es zu wenig gentechnikfreies Futter. Der Kampf um jeden Cent geht weiter.

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Aldi senkt die Preise, die Konkurrenten ziehen – manchmal unter Protest – nach: ein bekanntes, wiederkehrendes Ritual. Nach Butter und Eiern war am Samstag Frischfleisch an der Reihe. Um bis zu 30 Cent verbilligte der Discounter Hähnchen- und Putenbrustfilets, Geschnetzeltes und Rindfleischprodukte. Der Grund dafür dürfte auch vielen preissensiblen Kunden nicht schmecken: Das Fleisch nämlich stammt künftig von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter fressen – obwohl die große Mehrheit der Deutschen Gentechnik im Essen ablehnt.

Im Februar hatte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) angekündigt, die „Zusage, gentechnikfreies Futter zu verwenden“ zurückzunehmen, wenig später folgte der Bundesverband Deutsches Ei. Ein überraschender Schritt, schließlich hatte die Branche rund 14 Jahre lang auf Gensoja verzichtet. Auf dem Weltmarkt sei 2014 schlicht nicht genügend gentechnikfreies Soja zu beschaffen, teilte der ZDG lakonisch mit. Einer der weltweit größten Sojaproduzenten im Hauptlieferland Brasilien habe erklärt, nur noch 50 Prozent der Vorjahresmenge bereitstellen zu können.

Der zweite Grund: Die deutschen Geflügelzüchter könnten nicht mehr garantieren, dass ihr Futter wirklich frei von Gensoja sei, heißt es beim ZDG. Viele Lieferungen seien über die erlaubte Toleranzmenge von 0,9 Prozent hinaus verunreinigt – die Branche würde sich dem Vorwurf der Verbrauchertäuschung aussetzen, wenn sie weiterhin an der offiziell gentechnikfreien Fütterung festhielte.

An dieser Darstellung gibt es aber handfeste Zweifel.

Kritiker der Gentechnik werfen den Geflügelzüchtern vor, falsche Informationen zu verbreiten. „Brasilianische Landwirte produzieren im Vergleich zur Vorsaison zehn Prozent mehr gentechnikfreies Soja“, teilt der brasilianische Branchenverband Abrange mit. Zudem werde die Ernte ab sofort verstärkt in Containern verschifft – dadurch würden nicht nur die Engpässe an den Schüttgutterminals umgangen, auch das Risiko der Vermischung mit gentechnisch verändertem Soja werde verringert.

Keine Lieferengpässe bei gentechnikfreiem Soja

Wer hat nun recht? Laut Agravis, einem der größten Händler von Agrarrohstoffen in Deutschland, gibt es derzeit überhaupt keine Lieferengpässe bei gentechnikfreiem Soja. Stattdessen, und das schreibt der ZDG in seiner Pressemitteilung nicht, gehe es ums Geld: Gentechnikfreies Soja ist gut ein Drittel teurer als herkömmliches.

Pro Hähnchen können die Tierzüchter dem Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) zufolge mit dem Verzicht auf Gentechnikfreiheit rund acht Cent sparen. „Wer sagt, eine gentechnikfreie Fütterung sei nicht möglich, der will nicht, dass sie möglich ist„, sagt VLOG-Sprecher Alexander Hissting.

Bisher hatten die großen Handelsketten die Gentechnikfreiheit in ihren Lieferverträgen häufig festgeschrieben. Die höheren Preise für das teurere Futter hätten sie aber nicht zahlen wollen, klagt die Branche hinter vorgehaltener Hand. Die Reaktion des Handels auf die Rückkehr des Gensojas kam umgehend, und sie war hart: Man gebe „bessere Einkaufspreise direkt an die Kunden weiter“, teilte Aldi mit. Die Aktion der Discounter hat das Minus für die Produzenten nur noch vergrößert und darunter dürfen vor allem die kleineren Unternehmen leiden.

Vor allem Wiesenhof und Rothkötter füttern mit Gensoja

Tatsächlich ist der Schritt des ZDG selbst innerhalb der deutschen Geflügelwirtschaft umstritten: Es sind vor allem Wiesenhof (PHW-Gruppe) und Rothkötter, die ihre Hühner und Puten jetzt wieder mit Gensoja füttern. Die beiden Großkonzerne, die auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage keine Stellung beziehen wollen, beherrschen aber 70 bis 75 Prozent des deutschen Hähnchenmarktes. Und diejenigen, die am teureren gentechnikfreien Futter festhalten, leiden noch stärker unter den Preissenkungen.

Zwar hält zumindest der Einzelhändler Rewe derzeit noch an seinem Versprechen fest, das Hähnchensortiment der Eigenmarken gentechnikfrei zu halten. Edeka ist dagegen offenbar noch dabei, den Markt zu sondieren und „strebt eine schrittweise Umstellung“ auf gentechnikfreies Soja an.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erhöht unterdessen den Druck und sucht in Supermarkt- und Discounter-Filialen nach Geflügel, das mit gentechnisch verändertem Soja aufgezogen wurde – zum Beispiel von Wiesenhof – und veröffentlicht die Bilder bei Twitter.

Die einzige Hoffnung für die Gentechnikgegner ist der Markt: Wenn sich die größten Abnehmer von gentechnikfreiem Soja zurückziehen, könnten auch die Preise für das Futtermittel sinken – und andere Geflügelzüchter wieder einspringen. Möglich wäre aber auch das Gegenteil: Dass sich nämlich noch mehr Sojaproduzenten aus dem gentechnikfreien Geschäft zurückziehen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/preiskampf-im-einzelhandel-billigfleisch-dank-gensoja-im-tierfutter-a-958100.html

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18.03.2014

Genmais-Gifte: Resistente Schädlinge breiten sich aus

Eigentlich sollen gentechnisch veränderte Maissorten Schädlinge fernhalten. In den USA aber wappnen sich Käfer zunehmend gegen Gifte im Genmais. Nun schlagen Forscher vor, die noch anfälligen Insekten zu schützen – und so die Resistenzen zu bekämpfen.

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Der großflächig in den USA angebaute Genmais fördert Resistenzen von Schädlingen gegen Giftstoffe. Wie ein Team um den Insektenkundler Aaron Gassmann von der Iowa State University in Ames herausfand, breiten sich resistente Westliche Maiswurzelbohrer im Bundesstaat Iowa rasch aus. Die Larven des Käfers ernähren sich von Maiswurzeln und verursachen nach Angaben der Wissenschaftler jährlich einen Schaden von mehr als 1 Milliarde Dollar (720 Millionen Euro).

Zum Schutz vor den Schädlingen werden in den USA seit Jahren modifizierte Maissorten angebaut: Ihr Erbgut wurde derart verändert, dass sie Giftstoffe gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) produzieren. Die Pflanze bekämpft ihren Schädling damit selbst.

Im vergangenen Jahr kamen in den USA drei Typen Genmais zum Einsatz, die verschiedene Formen des für die Käfer tödlichen Bakterien-Giftes Bt (Bacillus thuringiensis) produzieren. Dennoch stieg die Zahl der befallenen Genmais-Felder von 2009 bis 2011, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Die Wissenschaftler sammelten Käfer von den mit Schädlingen befallenen Feldern und prüften ihre Reaktion auf die verschiedenen Bt-Gifte. Dabei fanden sie sogar Kreuzresistenzen gegen die beiden Varianten Cry3Bb1 und mCry3A. Genmais produziere derzeit nur eine geringe Dosis Gift, die – bei jedem der drei Stoffe – mindestens zwei Prozent der Käfer überleben, erläutern die Wissenschaftler. Dies beschleunige die Entstehung von Resistenzen.

Refugien für Käfer ohne Resistenzen

Um die Ausbreitung resistenter Maiswurzelbohrer zu bremsen, plädieren die Forscher für eine ungewöhnliche Strategie: Nichtresistenten Käfern sollten ausreichend große Genmais-freie Felder überlassen werden. In diesen Refugien könnten diese noch anfälligen Käfer überleben und sich auch mit resistenten Tieren vermehren. Damit wären letztlich wieder mehr Käfer empfänglich für das Bt-Gift. Außerdem empfehlen die Wissenschaftler, regelmäßig die Anbaufrucht zu wechseln.

In Europa steht der umstrittene Genmais 1507, der ein anderes Bt-Gift produziert, vor der Zulassung. Als bedeutendster Maisschädling gilt hierzulande ein Kleinschmetterling, der Maiszünsler. Wo in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, kann über das Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/genmais-gifte-resistente-schaedlinge-breiten-sich-aus-a-959316.html

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17.03.2014

Bundesländer verschieben Entscheidung über Gentechnik

Die Regierungen der Bundesländer haben am Freitag drei Anträge zum Thema Agro-Gentechnik an die Fachpolitiker des Bundesrats weiter geleitet. Sie diskutieren nun darüber, wie sich die Länderkammer zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen und einer Änderung des Gentechnikrechts positionieren soll.

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Der erste Antrag, der an den EU-Ausschuss sowie den Agrar- und den Umweltausschuss überwiesen wurde, kam vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Titel: „Forderung nach Selbstbestimmung der Mitgliedstaaten über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen.“ Der CSU-Politiker will damit die Bundesregierung auffordern, einen Vorschlag der EU-Kommission zu unterstützen. Dieser sieht vor, den Nationalstaaten mehr Möglichkeiten für Anbauverbote zu gewähren. Das Problem aus der Sicht von Gentech-Kritikern: die Verbote würden wohl nicht auf stabilen Füßen stehen und könnten vor Gericht angegriffen werden. Außerdem sollen die Regierungen zuerst mit den Gentechnik-Konzernen über das Verbot verhandeln, was diesen noch mehr Einfluss zugestehen würde.

Auch die Anträge der rot-schwarzen Regierung Mecklenburg-Vorpommerns („Schutz der gentechnikfreien Produktion durch Selbstbestimmungsrecht der Mitgliedstaaten sicherstellen“) und der rot-grünen Länder Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen („Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft sichern – Handlungsmöglichkeiten der Länder stärken“) wurden in die Ausschüsse überwiesen.

Die beiden Anträge pochen darauf, dass nationale Anbauverbote rechtssicher sein müssen. Allerdings kritisieren die rot-grünen Regierungen den Vorschlag der Kommission – unter anderem wegen der direkten Verhandlungen mit den Konzernen. „Eine Regelung, wonach Mitgliedsstaaten, falls sie ein nationales Anbauverbot aussprechen wollen, während des EU-Zulassungsverfahrens im Rahmen einer vorhergehenden Konsultation aktiv auf die Antragsteller zugehen sollen, stößt auf große Bedenken“, heißt es in ihrem Entwurf.

Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bevorzugen einen Vorschlag, den das EU-Parlament 2011 vorgelegt hat. Dieser nach der liberalen Abgeordneten Corinne Lepage benannte Bericht fand auch die Zustimmung von Umwelt- und Verbraucherschützern, weil er den Mitgliedsstaaten echte und rechtssichere Verbotsmöglichkeiten einräumen würde. Die Kommission drängt aber darauf, ihren eigenen Entwurf von 2010 – mit leichten Änderungen durch die derzeitige Ratspräsidentschaft aus Griechenland – möglichst bald zu verabschieden.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28838.html

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13.03.2014

Genmanipulierte Äpfel aus Frankensteins Küche

Makellos soll er sein, glänzen und appetitlich aussehen – der perfekte Apfel. Wenn er aber einmal aufgeschnitten ist, verliert selbst der frischeste Apfel seine Appetitlichkeit und wird mit der Zeit braun. Obwohl es auch bei konventioneller Züchtung möglich ist, die Oxidation der Schnittflächen zu verlangsamen, will jetzt ein Biotechnologieunternehmen den genmanipulierten „Alasca Apple“ auf den Markt bringen.

Der Pomologen-Verein hält gentechnisch veränderte Apfelsorten für hoch problematisch und lehnt eine Zulassung genveränderter Apfelsorten für Anbau und Vermarktung ab.

Begründung:

1. Gentechnische Verfahren zur Manipulation von Erbgut sind immer noch ein großes

Experimentierfeld.

2. Langfristige Wirkungen sind nicht ausreichend untersucht. Langfristige Folgen nicht

absehbar.

3. Eine Markteinführung genveränderter Apfelsorten bedeutet die unkontrollierte

Ausbreitung des genveränderten Apfel-Erbgutes

4. Es gibt längst Apfelsorten, die natürlicherweise – ohne gentechnische Eingriffe –

nach dem Anschneiden nicht verbräunen

5. Notwendigkeit und Nutzen nicht verbräunender Äpfel für Endverbraucher sind fraglich

6. Es gibt andere – natürliche – Methoden, um ein Verbräunen der Äpfel zu verhindern

oder zu vermindern

Es folgt nun eine aktuelle Nachricht aus Kanada, wir möchten darauf hinweisen, dass das Freihandelsabkommen zwischen EU und Kanada voraussichtlich 2015 in Kraft tritt.

Obstbauern aus Nova Scotia wehren sich gegen genmanipulierte Äpfel

STARRS POINT – Die Bauern aus der kanadischen Provinz Nova Scotia sind gegen den Anbau und den Verkauf von gentechnisch veränderten Äpfeln, betont ein Farmer aus British Columbia.

Ein Apfelbauer aus Summerland, BC bestätigte, dass ein genetisch veränderter Apfel, der in Stücke geschnitten wird, sich nicht mehr braun verfärbt.

Der „Arctic Apple“ wurde von Okanagan Specialty Fruits, einem landwirtschaftlichen Biotechnologie-Unternehmen entwickelt. Die Ausgangssorte ist Golden Delicious. Diese wurde dahingehend gentechnisch modifiziert, dass sie ein bestimmtes Enzym nicht mehr produziert, welches die Oxidation auslöst. Die Oxidation führt zu einer bräunlichen Verfärbung, sobald der Apfel aufgeschnitten ist. Diese Technik kann auch für jede andere Sorte verwendet werden. Apfel-Farmer in den Vereinigten Staaten wollen ebenfalls eine Zulassung des Produktes für den Markt.

Firmengründer Neal Carter meint, der Apfel wäre sinnvoll, vor allem für den Bereich frisch verarbeitetes, zerkleinertes und vorgeschnittenes Obst. Das Produkt wäre langlebiger und könne länger in den Regalen liegen, was dazu führe, dass die Erzeuger mehr Äpfel in das Produktionssystem einbringen könne, sagte er CBC News.

Aber die Bauern aus Nova befürchten, dass Kanadas erster gentechnisch veränderter Äpfel ihre ganzen Marketing-Bemühungen zunichte machen und die Verbraucher abgeschreckt.

Robert Peill, Präsident der Vereinigung der Nova Scotia Obstbauern (vertritt etwa 60 kommerzielle Züchter), sagte in einem Interview: „Der Bereich der vorgeschnittenen Äpfel, die die Verbraucher in Paketen kaufen, mache nur einen winzigen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. „Verbraucher reagieren skeptisch und nervös auf alles gentechnisch Veränderte” Peil weiter: „Unsere Branche ist sich nicht sicher, ob diese Funktion von ‘Nicht-Bräunung’ wirklich das Risiko wert ist, den gesamten kanadischen Apfelmarkt in Frage zu stellen.“ Er befürchtet, die Verbraucher können nicht zwischen genetisch veränderten Produkten und normalen Äpfeln unterscheiden.

GVO ist unübersichtlich und wir haben Angst vor den Folgen für unsere Industrie. Der Verbraucher könnte sich von kanadischen Äpfeln abwenden. Egal, ob dies nun eine wissenschaftliche Basis hat oder nicht – das spielt keine Rolle. Märkte reagieren auf die Wahrnehmung “, sagte Peill, der selbst 30 Hektar Obstgärten auf seiner Farm in Starrs Point, nördlich von Wolfville hat.

Er meint, die Canadian Food Inspection Agency und die Food and Drug Administration in den USA, werden die Anträge allein auf wissenschaftlicher und umwelttechnischer Basis überprüfen, nicht aber auf ihre Marktproblematik.

Sie betrachten nicht die Marktseite, was uns in im höchsten Maße besorgt… Wir glauben nicht, dass es notwendig ist, diesen genmodifizierten Apfel auf dem Markt einzuführen. Der Wert ist nicht da, und das Risiko ist zu hoch. Unsere Verpacker, die an der Marktfront stehen, sagen, dass nichts Gutes dabei herauskommen wird.”

Der kanadische Horticultural Council, ein nationaler Verband der Landwirte, hat sich mit Nachdruck gegen gentechnisch veränderte Äpfel ausgesprochen. „Wir stehen dahinter”, sagte Peill.

Die Nova Scotia Apfelernte macht rund 10 Prozent des kanadischen Marktes aus. Die Branche erwirtschaftet etwa 14 Millionen Dollar ab Hof – und trägt in der Provinz jedes Jahr zu weiteren 70 Millionen Dollar bei.

Dieser Artikel wurde frei übersetzt aus: N.S. growers say no to GMO apples

Aus der Stellungnahme des Pomologen-Vereins e.V., zur möglichen Zulassung von gentechnisch veränderten „Anti-Verbräunungsäpfeln“

ARCTIC TM Apples „Arctic Golden“ (Event GD 743) und „Arctic Granny“ (Event GS 784)

Wie bereits oben erwähnt, hält der Verein gentechnisch veränderte Apfelsorten für hoch problematisch und lehnt eine Zulassung genveränderter Apfelsorten für Anbau und Vermarktung ab.

Der Pomologen-Verein e. V. wurde 1991 gegründet in der Tradition vom „Deutschen Pomologenverein“ (1860–1919).

Pomona ist die römische Göttin des Obst- und Gartenbaus. Die Pomologie ist die Lehre von den Obstarten und Obstsorten und umfasst deren Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung.

Die Gründe im Einzelnen:

1. Manipulative Eingriffe in Zellkerne und ihre Abläufe sind nach wir vor ein großes Experimentierfeld. Die gentechnischen „Einbauverfahren“ arbeiten gegen die natürlicherweise ablaufenden Prozesse. 98% aller mittels Gentechnik erzeugten Pflanzen sterben ab, nur ein Bruchteil

von ihnen überlebt. Der „Einbauort“ der mittels Agrobacterium tumefaciens eingeschleusten Gene kann nicht

exakt vorhergesagt und bestimmt werden. Es besteht die Gefahr der Instabilität der so gewonnenen Genkonstrukte, mit unbekannten Spätfolgen.

Durch die Genmanipulation können unbekannte Effekte entstehen – speziell im Hinblick auf die noch sehr unerforschten Aspekte der Epi-Genetik.

Es besteht die Gefahr eines „horizontaler Gentransfers“ des künstlichen Erbguts auch über Artgrenzen hinweg, möglicherweise also auch zum Menschen.

2. Künstliche / manipulative Eingriffe in die Erbsubstanz können hinsichtlich ihrer langfristigen Wirkungen auf den betroffenen Organismus selbst wie auch die Umwelt mit der er in Wechselbeziehung steht noch nicht ausreichend beurteilt werden. Apfelbäume sind von Natur aus langlebige Pflanzen. In Bezug auf die zur Zulassung in Betracht gezogenen genveränderten Apfelsorten ist nicht absehbar, welche langfristigen

Folgen für die Pflanzen selber bestehen, z. B. unter den Aspekten von Vitalität und Gesundheit . Auch mögliche Effekte auf die mit den genveränderten Apfelbäumen in Kontakt kommende Umwelt wie bestäubende Insekten oder fruchtfressende Tiere sind nicht vorhersehbar.

Dies trifft umso mehr zu auf die Verbraucherinnen und Verbraucher, die die genveränderten Apfelfrüchte verzehren sollen.

3. Die antragstellende Firma Okanagan Specialty Fruits Inc. of Summerland, B.C. behauptet, die Gefahr einer Auskreuzung des gentechnisch veränderten Erbgutes sei gering. Wir sind anderer Auffassung: Bei der Markteinführung dieser genveränderten Apfelsorten wäre die Verbreitung der dort eingebauten gentechnisch veränderten Konstrukte nicht mehr rückholbar, was eine Gefahr für die biologische Vielfalt darstellen

würde.

Die Verbreitung erfolgt zum einen durch unkontrollierte Auskreuzung der genveränderten Erbinformationen durch bestäubende Insekten, die den genveränderten Pollen zu benachbarten nicht genveränderten Apfelbäumen tragen und dort das genveränderte

Erbgut in die Samen der dann heranwachsenden Früchte einschleusen. Das Fruchtfleisch dieser Äpfel wäre zwar nicht genverändert, aber auch Kerngehäuse und Samen werden z. T. gegessen – auch von Menschen. Die Samen werden zudem bei manchen Verarbeitungsverfahren – insbesondere bei Versaftung beschädigt, und Kernsubstanzen könnten Bestandteile von Apfelsaft oder Apfelwein werden.

Die Verbreitung erfolgt zum anderen beispielsweise durch achtlos weggeworfene Apfelgehäuse nach Verzehr durch die Verbraucher bzw. achtlos entsorgte Verarbeitungsrückstände (z. B. Trester). Auch Tiere verschleppen unkontrollierbar Apfelfrüchte. Die in den Apfelrückständen enthaltenen Samen können unerkannt zu neuen Apfelpflanzen heranwachsen. Dieses unkontrollierte Aufwachsen erfolgt auch in unserer Kulturlandschaft, was man insbesondere an viel benutzten Reisestrecken wie Bahngleisen, Straßen und Wanderwegen beobachten kann, wo sich viele wilde Apfelgebüsche finden lassen.

4. Eine Genmanipulation zur Erzielung von Apfelsorten, die nach dem Anschneiden nicht oder kaum verbräunen ist nicht

erforderlich. Im Spektrum der vorhandenen Sorten gibt es bereits Apfelsorten, die natürlicherweise, ganz ohne gentechnische Veränderung,

nach dem Anschnitt nicht verbräunen. Als hervorragendes Beispiel möchte ich hier auf die in Deutschland im Bundesland Hessen verbreitete Sorte

Heuchelheimer Schneeapfel“ hinweisen, die dem für die genveränderten Früchte zugedachten Sortennamen „Arctic“ dank ihres schneeweißen Fruchtfleischs viel eher nahe kommt, als z. B. der gelbfleischige „Arctic Golden“. Die Sorte zeichnet sich außerdem u.a. durch eine schöne

Fruchtfärbung und hohe Robustheit aus.

Eine ganze Reihe weiterer Sorten, die kaum verbräunen, wäre hier auch noch zu nennen: z. B. auch zwei Sorten, die sogar auf dem Weltmarkt noch von Bedeutung sind wie „Idared“ und „Braeburn“.

5. Hauptzweck der genveränderten „Arctic Apples“ ist eine ansprechende Präsentation der geschälten oder aufgeschnittenen Früchte.

Ein mehr oder minder schnelles oder starkes Anlaufen von Apfelfrüchten ist ein spezifisches Merkmal der meisten Apfelsorten und kann dem Verbraucher eine Information über die Frische des Produkts liefern.

Äpfel geschält und häppchengerecht zubereitet anzubieten, haben in den USA zwar hohe Marktbedeutung – ähnlich wie z. B. bei den aktuell in Mode gekommenen geputzten und vorgewaschenen Salaten – sind unter dem Aspekt der Gefahr von hygienischen Verunreinigungen und v. a. in Bezug auf den dadurch geförderten Verlust gesundheitsfördernder Inhaltstoffe eher als bedenklich und für den Verbraucher als nicht nützlich zu betrachten. Beispiel: es besteht eine hohe Konzentration an Polyphenolen direkt unter der Fruchtschale, weshalb Äpfel eigentlich nicht geschält werden sollten.

6. Das Verbräunen ist ein natürlicher Oxidationsprozess.

Um eine Verbräunung – also Oxidation – zu vermindern gibt es bekannte natürliche Mittel, wie den Zusatz von Zitronensaft oder Ascorbinsäure (Vitamin C). Kühles Lagern hilft ebenfalls, die Oxidation zu verzögern.

Eine Oxidation kann außerdem durch Ausschluss von Sauerstoff – also Vakuumierung

verhindert werden. In den USA gibt es zum Verhindern des Verbräunens spezielle Produkte (u.a.

NaturalSeal). Es ist also nicht nötig sich dem unkalkulierbaren Risiko der künstlichen Genveränderung

bei Äpfeln auszusetzen, nur um das Verbräunen von aufgeschnitten Früchten zu

verhindern.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass das Verbräunen bei manchen Produkten zum

Teil auch gewünscht ist. Gelees bekommen dadurch beispielsweise eine dunklere Farbe

oder werden geschmacklich intensiver.

Was können Sie tun?

alte Obstwiesen wieder nutzen und pflegen

neue Obstgärten und -wiesen anlegen

beim Kauf von Obstbäumen regionale ökologisch

angepasste Sorten verlangen

Geschmacksvielfalt alter Obstsorten wieder entdecken

nach alten Obstsorten fragen (Wochenmarkt, Handel)

Erzeugnisse von heimischen Obstwiesen kaufen,

z.B. Apfelsaft, Obstbrand

Und übrigens! Die gesundheitsfördernde Wirkung des Apfels ist schon lange bekannt. In einem Apfel stecken je nach Sorte bis zu 60 Milligramm Vitamin C. Das entspricht etwa zwei Drittel des Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen. Der Apfel trägt deshalb besonders zur Stärkung des Immunsystems bei und beugt Zellschäden vor. Auch Vitamin A, das die Sehkraft fördert, schlummert in Äpfeln. Die meisten Vitamine stecken in der Schale und unmittelbar darunter. Experten raten deshalb, die Äpfel zwar gut zu waschen, aber stets mit Schale zu verzehren. Wer braucht da noch Äpfel aus Frankensteins Küche?

Netzfrau Ingrid Mengeringhaus

http://netzfrauen.org/2014/03/13/obstbauern-aus-nova-scotia-wehren-sich-gegen-genmanipulierte-aepfel/

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12.03.2014

Streit um Gentechnik-Honig geht weiter

Muss Honig, der Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen enthält, gekennzeichnet werden oder nicht? Darüber wird zurzeit in Berlin und Brüssel diskutiert. Die Große Koalition lehnte heute einen Antrag der Grünen im Agrarausschuss ab, laut dem sich die Regierung für die Kennzeichnung einsetzen sollte. Die EU beschäftigt sich in den nächsten Wochen erneut mit dem Thema – bislang sieht es danach aus, dass sich die Kommission mit ihrem Plan durchsetzt, Gentech-Honig ohne Hinweis ins Supermarktregal zu lassen.

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Um was genau wird gestritten? Knackpunkt ist die Definition von Pollen. 2011 hatte der EU-Gerichtshof geurteilt, Honig sei ein Lebensmittel mit Gentechnik-Zutaten, wenn er Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais oder Raps enthält. Dementsprechend müsse er gekennzeichnet werden – oder dürfe nicht in den Verkauf. Das freute Imker, die Bienen und Honig vor Gentechnik-Pflanzen, die oft ein Gift zur Insektenabwehr produzieren, schützen wollen.

Der EU-Kommission passte das Urteil nicht. Sie schlug deshalb vor, Pollen künftig als „natürlichen Bestandteil“ zu definieren. Dann bräuchte auch Gentechnik-Honig nicht gekennzeichnet werden, selbst wenn er beispielsweise aus kanadischem Raps gemacht ist – dort wächst fast ausschließlich Gentech-Raps. Die Verbraucher könnten nicht erkennen, dass sie ein Produkt kaufen und essen, das Bestandteile von transgenen Pflanzen enthält.

Ähnlich ist das bei Fleisch, Eiern und Milch: auf der Verpackung muss nicht stehen, ob die Tiere Gentechnik-Pflanzen zu fressen bekommen haben – solches Futter ist weit verbreitet. Die Kommission lehnt eine Kennzeichnung hier ebenfalls ab. „Entscheidend für eine Kennzeichnung sei, ob biologisch verändertes Material im Endprodukt nachweisbar ist. ‚Das ist bei diesen Produkten nicht der Fall’“, zitiert die Süddeutsche Zeitung die zuständigen Kommissare für Gesundheit und Landwirtschaft. Doch bei Honig wäre der Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen zweifelsohne direkt im Endprodukt. Dennoch will Brüssel auch dafür keine Verpackungshinweise.

Über den Vorschlag der Kommission stimmte letztes Jahr der Umweltausschuss des EU-Parlaments ab. Die Abgeordneten dort widersprachen der Kommission und forderten, beim Urteil des EuGH zu bleiben. Die Freude bei Imkern und Verbraucherschützern währte jedoch nur kurz. Im Januar stimmte das Parlamentsplenum ab – und entschied sich doch für den Kommissionsentwurf. Allerdings änderten sie einige Paragraphen, was wiederum die Kommission zurückwies. Dadurch ging das Thema zurück an den Umweltausschuss, der wohl am 19. März über einen Kompromissentwurf abstimmt, der mit Vertretern der Mitgliedsstaaten ausgehandelt wurde. Auch die nationalen Regierungen müssen die Änderung der Honigrichtlinie nämlich mit beschließen.

Hier kommt nun der deutsche Bundestag ins Spiel: die Grünen wollen, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für die Kennzeichnung von Gentech-Pollen in Honig einsetzt. CDU/CSU und SPD lehnten dieses Ansinnen heute im Agrarausschuss ab. Die Union stützte sich auf die Argumentation der EU-Kommission: Pollen sei keine Zutat, sondern ein natürlicher Bestandteil. Deshalb laufe der Antrag der Grünen ins Leere, hieß es in einer Mitteilung. Auch die SPD lehnte den Antrag ab. Sie befürworte zwar die Kennzeichnung von Gentech-Honig. Allerdings seien die Verhandlungen auf EU-Ebene abgeschlossen. „Die Mehrheit der EU-Parlamentarier und Mitgliedstaaten hat sich anders positioniert“, so die SPD. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Wie passiert als nächstes? Morgen muss auch das Plenum des Bundestags über den Grünen-Antrag befinden. In zwei Wochen geht es in Straßburg weiter: wenn das EU-Parlament für den Vorstoß der Kommission stimmt, muss noch der Ministerrat nachziehen. Laut Beobachtern lehnen Ungarn und Luxemburg das Vorhaben ab, Gentech-Pollen nicht zu kennzeichnen. Frankreich und Tschechien peilten eine Enthaltung an. Damit würde eine Sperrminorität in greifbare Nähe rücken – wenn Deutschland, das als größter Mitgliedsstaat auch über viele Stimmen verfügt, sich ebenfalls enthalten würde. Reichen die Stimmen nicht aus, wäre der Plan der Kommission vorerst gestoppt. [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28823.html

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07.03.2014

Genmais-Lüge: Alleingang für Deutschland nicht möglich

Nationale Anbauverbote sind in der EU schwer durchsetzbar. Gesundheitliche oder Umwelt-Bedenken werden als Begründung für ein Verbot nicht akzeptiert. Den Bürgern wurde bewusst die Unwahrheit erzählt.

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Nach der Zulassung von Genmais 1507 hatte der damalige Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich verkündet, Deutschland werde den Genmais National verhindern.

Wie sich jetzt herausstellt, war das ein Märchen.

Nationale Anbauverbote sind in der EU nämlich faktisch nicht durchsetzbar. Ein erstes Gesetz zur Erleichterung für Anbauverbote wurde bereits 2010 angekündigt, allerdings nie umgesetzt.

Nun wurde unter der griechische Ratspräsidentschaft eine neue Gesetzes-Initiative vorgestellt: Ein Zwei-Phasen-System. Der alte als auch der neue Gesetzes-Vorschlag lässt ein entscheidendes Detail nicht zu: Dass Umwelt- oder Gesundheitsbedenken als Begründung für eine Verbot akzeptiert werden.

Der neue Vorschlag sieht vor, dass nach der der Prüfung durch die europäische Aufsichtsbehörde EFSA aber vor der EU-Zulassung ein Mitgliedsland einen Saatguthersteller wie Dupont, Bayer, BASF und Monsanto dazu auffordern kann, das Land von der Zulassung auszunehmen. Das geschieht, ohne dass Gründe genannt werden müssen.

Sollte wider Erwarten die Saatgutkonzerne auf diesen Vorschlag nicht eingehen, kann das Land nach der Zulassung bei der EU „für das gesamte Land oder Teile des betreffenden Landes“ ein Anbauverbot beantragen. Hier müssen Gründe genannt werden. Gesundheitliche oder Umwelt-Bedenken werden allerdings nicht akzeptiert, so Greenpeace.

Vergangenen Monat jubelte die Agrar-Industrie, weil die Agrarminister der EU keine qualifizierte Mehrheit gegen den Genmais 1507 bilden konnten. Eine Zulassung ist jetzt nur noch Formsache (mehr hier). Der damalige Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich versuchte seine Stimm-Enthaltung damit herunterzuspielen, dass die Entscheidung in Deutschland den Ländern überlassen werde (hier). Wie die neue Initiative zeigt, ist das fast nicht umsetzbar.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/07/genmais-luege-alleingang-fuer-deutschland-nicht-moeglich/

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28.02.2014

Deutschland enthält sich auch bei Gentechnik-Raps

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In Brüssel wurde gestern für die gentechnisch veränderte Raps-Sorte GT73 die Erweiterung der Zulassung als Futter- und Lebensmittel ermöglicht. Laut einem Sprecher der EU-Kommission hat sich Deutschland erneut enthalten und so dazu beigetragen, dass sich keine qualifizierte Mehrheit gegen die Zulassungserweiterung gefunden hat. Mit grünem Licht für Gentechnik-Raps in Lebensmitteln ist seitens der EU-Kommission schon innerhalb der nächsten Tage zu rechnen.

Bisher war die Raps-Linie GT73 der Firma Monsanto für den Import in raffiniertem Öl und Zusatzstoffen sowie zur Verarbeitung als Futtermittel zugelassen. Pollen von GT73 in Lebensmitteln wie Senf oder Honig war bisher nicht erlaubt, wurden jedoch in Proben gefunden. Erst im Sommer 2013 beanstandete das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gentechnische Verunreinigungen durch den GV-Raps in Speise-Senf.

Im Rahmen einer Sonderuntersuchung durch die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung waren fast bei 20 Prozent der Honig-Importe gentechnische Verunreinigungen festgestellt worden. Besonders betroffen waren Honige aus Kanada – dem Land, in dem nahezu ausschließlich Gentechnik-Raps angebaut wird. Seit dem Grundsatzurteil („Honigurteil“) im September 2011 durch den Europäischen Gerichtshof ist ein Honig, der mit gentechnisch verändertem Pollen ohne Lebensmittelzulassung verunreinigt ist, nicht mehr verkehrsfähig. Mit der Erweiterung der Zulassung auf Futter- und Lebensmittel durch die EU-Kommission werden Verunreinigungen mit einem Gentechnik-Raps in Deutschland legal, der beispielsweise in Norwegen verboten wurde. Auch die Sicherheitsprüfung durch die zuständige EU-Behörde EFSA wurde von unabhängigen Forschern und Experten der Mitgliedsstaaten kritisiert.

Die geplante lebensmittelrechtliche Zulassung hat aber auch im Hinblick auf die geplante Änderung der Honigrichtlinie hohe Relevanz. Die EU-Kommission hat vor, pflanzlichen Pollen in Honig neu zu definieren. Er würde dann als „natürlicher Bestandteil“ und nicht wie derzeit als Zutat gelten. Dann wäre auch Honig zum Verkauf zugelassen, der Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen enthält. Die Grüne Bundestagsfraktion fordert die Regierung in einem Antrag auf, sich bei den Trilogverhandlungen auf EU-Ebene für eine Kennzeichnung von Honig mit gentechnisch verändertem Pollen einzusetzen.

Harald Ebner, Gentechnikexperte der grünen Bundestagsfraktion, kommentiert die Entscheidung mit den Worten: „Die Zulassung für den Gentechnik-Rapspollen soll den Verhandlungen über Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) und Kanada (CETA) den Weg ebnen.“

Dass das Prozedere in diesem Fall so schnell durchlaufen werden konnte, liegt am veränderten Zulassungsverfahren. Gentechnik-Anträge werden seit der Gültigkeit des Lissabonner Vertrages lediglich durch den weitestgehend unbeachteten EU-Berufungsausschuss behandelt. Da der Zulassungs-Antrag von Gentechnik-Mais 1507 schon 2001 gestellt wurde, war bei dieser Entscheidung der EU-Ministerrat beteiligt. Auch da hatte sich Deutschland enthalten, so dass keine qualifizierte Mehrheit für die Ablehnung der Anbauzulassung einer neuen Gentechnik-Pflanze möglich war. [keh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28771.html

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27.02.2014

Wiesenhof füttert nur noch Gensoja und Monsanto erhält Patent

Rund sieben Millionen Tonnen Soja werden jährlich nach Deutschland eingeführt, der Hauptteil stammt aus Südamerika und landet in Futtertrögen von Schweinen, Rindern und Geflügel.

Bislang dürfen auf dem EU-Markt nur Pflanzen angebaut und gehandelt werden, die auch eine entsprechende Zulassung haben. Doch die Zahl der zugelassenen Pflanzen wächst stetig und 2012 hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA erstmals grünes Licht für den Anbau von gentechnisch verändertem Soja in Europa gegeben.

Monsanto erhält Patent auf konventionelle Sojapflanze

Das Europäische Patentamt hat gestern dem US-Gentechnikkonzern Monsanto ein Patent auf die Nutzung natürlicher, genetischer Sojavarianten erteilt. Darauf machte die Initiative „No Patents on Seeds“ aufmerksam.

Diese sollen an unterschiedliche klimatische Bedingungen angepasst sein und so einen erhöhten Ertrag ermöglichen.

Betroffen sind wilde und gezüchtete Sojapflanzen aus Asien und Australien, teilen die Kritiker des Bündnisses „Kein Patent auf Saatgut“ mit. Nach dem Wortlaut des Patentes wurden mehr als 250 Pflanzen aus den Herkunftsregionen untersucht. Für die konventionelle Züchtung beanspruche Monsanto dabei ein Monopol auf die Verwendung von mehreren 100 Genvarianten, die bei diesen Pflanzen natürlicherweise vorkommen. Das Patent wurde auch in anderen Ländern wie den USA, Kanada, China und Südafrika angemeldet.

Und dann war da noch Wiesenhof: Letzte Woche haben die PHW-Gruppe (Wiesenhof), die Rothkötter Unternehmensgruppe (Emsland Frischgeflügel) und andere Geflügelmäster den Ausstieg aus der Verfütterung von gentechnisch unverändertem Sojaschrot angekündigt und dies mit einem sinkenden Angebot an gentechnikfreier Ware aus Brasilien begründet.

Wenige Tage später folgte der Bundesverband Deutsches Ei (BDE) und kündigte den Ausstieg eines Teils der Eiererzeuger an. Zur Erläuterung: Nach einen Telefonat mit ohnegentechnik.org wurde bestätigt, dass nur noch genmanipulierter Soja zur Fütterung verwendet werden soll.

Laut Agraranalysten aus Brasilien nimmt die Verfügbarkeit von gentechnikfreien Sojabohnen jedoch rasant zu!

75 Prozent der Verbraucher ist die Angabe zur „Ohne Gentechnik“-Produktion auf Lebensmitteln wichtig. „Für nur 8 Cent Mehrkosten je Hühnchen könnten Wiesenhof und Co. dem Verbraucherwunsch nachkommen“, stellt Alexander Hissting, Sprecher des VLOG, fest. „Wer heute sagt, eine gentechnikfreie Fütterung sei nicht möglich, will nicht, dass sie möglich ist.“

Wiesenhof – Lieferant von McDonalds

Welcher größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter hat seinen Sitz in Niedersachsen? Genau, Wiesenhof-Gruppe (PHW-Gruppe Lohmann & Co. AG) mit Hauptsitz in Visbek (Landkreis Vechta) und bekannt durch zahlreiche Skandale. Und diese Skandale nehmen kein Ende… Gequälte Küken, die lebendig in die Tonne geschmissen werden, inmitten von Kadaver ihrer Artgenossen und vieles mehr.

In der Hähnchenmast werden über 96 Prozent der Tiere mit Antibiotika behandelt – mit riskanten Folgen auch für den Menschen. Und nun nur noch Gensoja!

Interessant ist, wo McDonalds den Großteil seiner Hähnchenprodukte bezieht. Nach eigenen Angaben bezieht McDonalds einen Teil seines in Deutschland verkauften Geflügelfleischs von Wiesenhof. (Siehe dazu:  Erneuter Skandal bei Wiesenhof – Lieferant von McDonalds )

Eine neue Studie zeigt nun, dass es sowohl bei weiblichen, als auch bei männlichen Mäusen und Ratten, die mit RoundUpReady®-resistentem Soja gefüttert wurden, zu dramatischen Organveränderungen kam.

Die Leber zeigte zytoplastische Vacuolation von zentrilobulären Leberzellen und Fettsäuren Degeneration der Hepatozyten.

Die Nieren zeigen Verengungen der Blutgefäße und zystische Veränderungen der Nierengänge. Tests ergaben Hoden-Nekrosen und Abschuppung der Keimzellen in den Hodenkanälen sowie schwere Störungen im Verdauungstrakt.

Aufgrund dieser Beobachtungen wird empfohlen, die Gefahr von GV-Pflanzen nicht zu unterschätzen und Langzeitstudien abzuwarten, ehe Empfehlungen zum Verzehr von GVO-Pflanzen abgegeben werden. (Siehe dazu: Neue Studie zeigt, dass der Verzehr von Gen-Mais und Gen-Soja gesundheitsschädlich ist)

Eine andere Studie beweist, das genetisch veränderte Nahrungsmittel wie Soja und Mais für eine Anzahl glutenbedingter Krankheiten wie beispielsweise Darmkrankheiten verantwortlich sein können, die bereits 18 Millionen Amerikaner plagen. (Siehe dazu: Studie – GVO verursacht Glutenunverträglichkeit – 18 Millionen Amerikaner betroffen, aber nicht nur die!) Und eine weitere aktuelle Studie finden Sie hier: Nun ist es bestätigt: Die DNA aus genetisch veränderten Pflanzen wird durch die Nahrung auf den Menschen übertragen

 MC Donalds und Monsanto

Janice L. Felder ist im Vorstand von Monsanto und war vorher ehemalige Präsidentin der McDonalds USA, LLC, einer Tochtergesellschaft der McDonalds Corporation.

Und wenn wir schon dabei sind, dann gibt es eine Verflechtung zu dem zukünftigen Freihandelsabkommen EU-USA.

Denn der Chefverhandler der US-Regierung für den Bereich Landwirtschaft ist Islam Siddiqui, der von 2001 bis 2008 als registrierter Lobbyist den Branchenverband CropLife America vertrat, in dem auch Monsanto Mitglied ist.

Wir können unendlich so weitermachen, zum Beispiel ist der neue Landwirtschaftsminister Schmidt seit 2006 amtierender Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.

http://netzfrauen.org/2014/02/27/wiesenhof-fuettert-nur-noch-gensoja-und-monsanto-erhaelt-patent/

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23.02.2014

Die Natur schlägt zurück – Pestizid-resistente Insekten kehren zurück

Eigentlich sollten diese Insekten hier gar nicht da sein. Denn diese gentechnisch veränderten Pflanzen bilden ein Gift, das diese Insekten töten sollten

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Eine Invasion von Pestizid-resistenten Insekten auf den Soja-, Mais- und Baumwollfeldern Brasiliens breiten sich weiter aus, diese Nachricht erhielten wir In November 2013. Für zwei Bundesstaaten in Brasilien hatte das Landwirtschaftsministerium daraufhin den  Notstand ausgerufen. An die hohe Belastung mit Pestiziden haben sich die Schädlinge mittlerweile angepasst – das Gift bleibt wirkungslos.

Bereits im April 2013 haben wir auf die Insekteninvasion aufmerksam gemacht. Die Zeitschrift  Agro DBO berichtete im März von einem „Angriff der Raupen“ in nie gekanntem Ausmaß. Sogar optimistische Landwirte erwarteten Ernteausfälle von 10 Prozent. Als Ursache wird vermutet ,das sich die Insekten an das Gift der Gentechnik-Pflanzen angepasst haben; denn obwohl Gentechnik-Mais eigentlich gegen diese Insekten resistent sein sollen, waren zahlreiche Felder in Brasilien von Insekten befallen.

In mindestens neun Bundesstaaten des Landes waren Landwirte, die gentechnisch veränderten Mais anbauen, von dem Schädlingsbefall betroffen. Sie verwendeten deshalb wieder Insektizide. Dabei sollten die Pflanzen aufgrund der gentechnischen Veränderung ein eigenes Gift absondern und die Schädlinge so in Schach halten. Doch auch die zusätzliche Giftbehandlung blieb anscheinend erfolglos: Laut Agro DBO konnten manche Bauern die Raupen vom Heerwurm und Baumwollkapselbohrer auch mit fünf oder sechsmaliger Insektizid-Dusche nicht davon abhalten, sich in die Maiskolben zu fressen.

Die Baumwollkaspelbohrer sind nur wenige Zentimeter groß haben aber ein großes Zerstörungspotential: Die Raupen des Baumwollkapselbohrers Helicoverpa zea richten Jahr für Jahr gewaltige Schäden an Mais, Baumwolle oder Raps an. Und dies, obwohl viele der auf dem Speisezettel von Helicoverpa zea stehenden Pflanzen in ihren Zellen über ein ganze Palette an Giften und Wirkstoffen verfügen, die für andere Insekten tödlich sind. Gentechniker berichteten 2005, sie hätten  zumindest bei Baumwolle und Mais einen Weg gefunden, das Erbgut der Pflanzen so zu verändern, dass sie resistent gegen den Pflanzenschädling sind. Doch nun 10 Jahre später kehren die Pestizid-resistente Insekten zurück.

Ein Landwirt, der die Bt-Mais-Sorte Herculex des US-Unternehmens DuPont Pioneer anbaut, rechnete mit einem Rückgang seiner Ernte von 182 auf 165 Säcke pro Hektar bei der ersten Ernte. Die Schäden bei der zweiten Ernte könne er noch nicht absehen. Dabei hatte er große Mengen von Insektiziden verwendet. Ein Anderer erzählte den Journalisten, seine Kosten seien wegen des hohen Spritzmittelverbrauchs um 10 bis 12 Prozent gestiegen. Seinen Nachbarn gehe es ähnlich. So etwas hab er „noch nie gesehen. Ein weiterer Landwirt gab an, pro Quadratmeter Gentechnik-Mais 15 Schädlingsraupen gezählt zu haben – im Vorjahr sei es auf der gleichen Fläche nur eine Raupe gewesen.

Viele der befragten Maisbauern erklärten, sich an die Empfehlungen gehalten und Schutzzonen errichtet zu haben. Mit solchen Streifen von nicht-genmodifiziertem Mais soll der Druck auf die Insekten gemildert werden, damit sich die Resistenten nicht so rasch ausbreiten können. Ein DuPont-Pioneer-Manager schob die Schuld an dem Schädlingsbefall dennoch den Landwirten zu. Diese seien womöglich nachlässig und hätten zu kleine oder gar keine Schutzzonen eingerichtet, erklärte er gegenüber Agro DBO. Ein Versagen der Bt-Technologie konnte er aber nicht prinzipiell ausschließen.

In USA gibt es Probleme mit resistenten Insekten auf angeblich „insektenresistenten“ Gentechnik-Maispflanzen.

Auch in den USA gibt es Probleme mit resistenten Insekten auf angeblich „insektenresistente“ Gentechnik-Maispflanzen. Laut dem Agrarforscher Mike Gray von der Universität Illinois planen zahlreiche Landwirte im Bundesstaat, auf den Bt-Mais-Feldern zusätzliche Spritzmittel einzusetzen.

Im US-Bundesstaat Illinois werden dieses Jahr vermutlich mehr Insektizide auf Gentechnik-Mais-Feldern eingesetzt werden. Dabei soll der gentechnisch veränderte Mais laut Herstellern eigentlich das Gegenteil bewirken. Doch fast die Hälfte der Farmer plant, zusätzliches Gift zur Schädlingsbekämpfung auszubringen, berichtet Agrarprofessor Mike Gray von der Universität Illinois.

Gentechnisch veränderter Bt-Mais setzt aufgrund eines eingebauten Bakterien-Gens permanent Gift frei, um den Maiszünsler zu töten. In der Folge nehmen jedoch andere Insekten den Platz dieses Schädlings ein. Außerdem entwickelt der Zünsler eine Resistenz gegen das Insektizid der genmodifizierten Pflanze. So begründeten denn auch die von Gray befragten Farmer den Einsatz von zusätzlichen Chemikalien mit zunehmender Bt-Resistenz und dem Befall mit Sekundärschädlingen.

Dabei war der Gentech-Mais stets damit beworben worden, es müssten weniger Insektizide eingesetzt werden, wie Agrarwissenschaftler Gray erinnert. „Es ist ein bisschen überraschend, dass sich, zehn Jahre nach der Markteinführung der ersten Bt-Hybriden zur Bekämpfung des Maiszünslers im Jahr 2003, ein zunehmendes Interesse an der Verwendung von Boden-Insektiziden in einer solch deutlichen Art und Weise zeigt.“

Wissenschaftler sind alarmiert. Eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern um Joseph Spencer von der University of Illinois schrieb bereits im März 2013 einen Brief an den Leiter der US-Umweltbehörde EPA, in dem die Forscher dringend dazu aufrufen, sich mit dem Problem zu befassen, bevor sich die resistenten Käfer weiter verbreiten.

Die Probleme sind die gleichen, die auch Antibiotika plagen.

Unerwartet kommt das Problem nicht – genau wie Krankheitserreger gegen Antibiotika resistent werden können, entwickeln Ernteschädlinge früher oder später Unempfindlichkeiten gegen häufig auftretende Gifte. Die Probleme sind die gleichen, die auch Antibiotika plagen:  Die veränderten Pflanzen werden insgesamt zu oft eingesetzt, nicht nur dann wenn es nötig wäre. Die Wissenschaftler beklagen in ihrem Memorandum, dass Bauern den Mais routinemäßig auch in Gebieten anpflanzen, in denen die Maiswurzelbohrer nur geringe ökonomische Schäden hervorrufen. Zunehmend gebe es zudem gar kein anderes Saatgut mehr auf dem Markt, schreiben die Forscher.

Auch die Biologie der Käfer macht den Forschern einen Strich durch die Rechnung. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Maiswurzelbohrer schlicht oft nicht dorthin geht, wo wir ihn vermuten”, schrieb zum Beispiel Joseph Spencer von der University of Illinois. Der Entomologe erforscht die Effektivität eines zentralen Teils der Resistenzvermeidung, nämlich die Refuge-Gebiete, die Bauern in Feldern mit Bt-Mais anlegen müssen. Dabei bepflanzt der Landwirt ein Teil des Feldes mit einer nicht vor dem Schädling geschützten Maissorte. In diesen Refuge-Bereichen vermehren sich gegenüber Bt-Toxin empfindliche Maiswurzelbohrer stark. Diese Tiere sind gegenüber den wenigen im eigentlichen Feld lebenden resistenten Käfervarianten in Überzahl, so dass die resistenten Exemplare sich nahezu zwangsläufig mit nichtresistenten Partnern paaren. So wollen die Bauern verhindern, dass resistente Maiswurzelbohrer miteinander wiederum resistente Nachkommen zeugen und sich eine widerstandsfähige Population etabliert.

Das allerdings hat sich als vergebliche Hoffnung erwiesen. Die Käfer nämlich fliegen nicht annähernd so weit zu potenziellen Partnern wie vermutet – die Refuge-Strategie stütze sich auf veraltete Daten, beklagt Spencer. Anders als vermutet dringen die Käfer aus den Refuge-Bereichen gar nicht zu allen potenziell resistenten Populationen vor.

Monsanto-Aktien fielen, im August 2011 um knapp 4 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass Maiswurzelbohrer in Iowa Resistenzen gegen gentechnisch veränderten Mais der Firma entwickelt haben. Auf vier Feldern hat der Entomologe Aaron Gassmann der Iowa State University die resistenten Insekten entdeckt. Monsantos Bt-Mais produziert ständig ein für Insekten giftiges Protein. Die Entwicklung von Resistenzen wird dadurch begünstigt. Zwar handele es sich noch um Einzelfälle, hieß es 2011 aber es sei gleichzeitig eine Warnung an die Landwirte, ihre Anbaupraxis zu ändern, so der Wissenschaftler.

Die Aktien von Monsanto haben sich längst erholt, jedoch nicht die Soja-, Mais- und Baumwollfelder Brasiliens. Das Ministerium für Landwirtschaft in Brasilien musste nun sogar den Notstand ausrufen.

Im Oktober 2013 hat die Präsidentin  Dilma Rousseff, den Landwirtschaftsminister ermächtigt, sich dem Verfahren zur Schädlingsbekämpfung anzunehmen, sofern es zu einem Ausnahmezustand kommen sollte. Um weitere Resistenzbildungen der Baumwoll-Kapseleule zu vermeiden, sollten die Farmer zu biologischen Bekämpfungsmethoden statt Pestiziden greifen, so das Landwirtschaftsministerium. Der Notstand wir für ein Jahr ab dem Tag der Veröffentlichung ausgerufen.

Gerade in solchen Monokulturen könnten sich keine natürlichen Fressfeinde der Raupen entwickeln. Kleine Familienfarmen waren damals noch nicht betroffen, erklärte José Carlos Zukowski vom Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung. Wenn ihre Äcker in der Nähe von Gentechnik-Feldern lagen, sollten sie laut dem Experten aber besonders achtsam sein.

Um weitere Resistenzbildungen der Baumwoll-Kapseleule zu vermeiden, sollten die Farmer zu biologischen Bekämpfungsmethoden statt Pestiziden greifen, so Zukowski. Die Gentechnik könnte sich dabei eher als kontraproduktiv erweisen. So wurden beispielsweise aus Indien resistente Populationen von Helicoverpa armigera gemeldet – dabei sollten die High-Tech-Pflanzen mit ihren Insektiziden genau diese Schädlinge abwehren.

Die EU und der Wundermais- Die zweifelhaften Versprechen der Genlobby

Am 18.Februar 2014 bestätigte report München  unsere Recherchen  anhand von Brasilien: Statt mehr Ertrag und weniger Pestizideinsatz erlitten Bauern Umsatzeinbrüche und müssen zudem mehr Spritzmittel einsetzen. In Puerto Rico wurde der Genmais 1507 bereits vom Markt genommen. Und hier in Brasilien bereuen viele schon den Anbau. Denn außer Abhängigkeit von den Gentech-Riesen hat es ihnen nicht viel gebracht. Die Recherchen bestätigen unseren Beitrag vom November 2013 Die Natur schlägt zurück- Pestizid-resistente Insekten kehren zurück- Brasilien ruft Notstand aus!

Josef Göppel, Bundestagsabgeordneter, CSU: „Letztlich kommt es schon von Frau Merkel. Die hat zur grünen Gentechnik eine eher positive Haltung. Und sie und auch andere glauben, dass man den Hunger in der Welt mit Gentechnik bekämpfen kann.“

Die Folge: Deutschland wehrte sich nicht gegen die Zulassung von 1507 in Europa. Es ist klar: Die EU-Kommission wird den Genmais zum Anbau zulassen.

Und damit Sie wissen, auf was sich die EU einläßt, lesen Sie dazu: Die dunkle Geschichte von DuPont – Von Atombombe über Nylonstrümpfe zum Genmais

Und dann gibt es noch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit:

Es ist unbegreiflich: Wie viele Beweise braucht die EFSA noch? Der gentechnisch veränderte Mais MON863 ist sicher. Diese Auffassung hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach einer Prüfung von Belegen bestätigt, mit denen Österreich die Aufrechterhaltung seines Vermarktungsverbots der Monsanto-Maislinie begründet hatte. Die neuen wissenschaftlichen Elemente, die von den österreichischen Behörden vor einem Jahr vorgelegt wurden, bewegten die EFSA nicht dazu, ihre frühere Bewertung von MON863 zu ändern.

Die gegen den Maiswurzelbohrer resistente Maislinie ist zum Import als Futter- und Lebensmittel, aber nicht zum Anbau in der EU zugelassen.

Wien hatte unter anderem ins Feld geführt, das von Monsanto verwendete Markergen nptII, das Widerstandsfähigkeit gegen das Antibiotikum Kanamycin verleiht, könnte im Falle einer Übertragung zur vermehrten Antibiotikaresistenz von Krankheitserregern führen. Daneben bezweifelte Österreich die Aussagekraft der von Monsanto durchgeführten Studien.

Die EFSA hielt die vorgebrachten Argumente jedoch entweder für nicht stichhaltig oder für nicht relevant. Die Europäische Kommission muss die Stellungnahme jetzt prüfen. Sie könnte Österreich dazu auffordern, das Vermarktungsverbot aufzuheben.

Aber da ist ja noch das Freihandelsabkommen: Siehe: Nicht nur Klonfleich – Monsanto, Basf, Bayer, Coca-Cola und Co. reiben sich die Hände, denn Chefverhandler für die Landwirtschaft in USA ist beim Freihandelsabkommen Islam Siddiqui, der von 2001 bis 2008 als Lobbyist CopLife America vertreten hat. Dazu gehört auch Monsanto, Basf, Bayer, Coca-Cola Company, Dow AgroSciences LLC und DuPont Crop Protection , aber auch die US-Fleisch-Lobby.

Viele Landwirte praktizieren keine Fruchtfolge und fördern dadurch die Resistenzbildung. Gentechnik-Konzerne bemühen sich derzeit darum, ihre Pflanzen mit weiteren Resistenzen auszustatten und bieten mittlerweile Pflanzen mit mehreren gentechnischen Veränderungen an – doch die Natur schlägt zurück! Brasilien ruft den Notstand aus!

Erst kürzlich machte sich unter brasilianischen Umweltschützern und Bauern Erleichterung breit: Die Verfassungskommission des Parlaments hat kurzfristig einen Gesetzesentwurf von der Tagesordnung genommen, der den Handel und Anbau von Terminator-Saatgut legalisieren sollte. Siehe: Brasilien stoppt Legalisierung von Terminator-Saatgut – Monsantos Gentech-Mais versagt in Südafrika

Nachdem sich immer mehr Super-Unkräuter ausbreiten, die ganz und gar resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sind, holt Monsanto zum nächsten Schlag aus und bringt mit „Roundup Rekord“ , das mit 720 g Glyphosat je Kilogramm die höchste Wirkstoffkonzentration aller Zeiten besitzt, die dritte Granulatgeneration des Herbizids heraus. SIehe „Roundup Rekord“ – Man mag es kaum glauben – Nein, wir wollen es nicht glauben!

Ein französischer Molekularbiologe hat nun nachgewiesen, dass im Handel erhältliche Pestizide bis zu tausendmal giftiger sind als nach der offiziellen Rezeptur. Denn die Agrochemie-Firmen halten sich nicht an die Menge der Inhaltsstoffe, welche sie der Zulassungsbehörde angegeben haben, doch Brüssel erkennt es wiedermal nicht an! Siehe: Das tägliche Gift Pestizide – “Mord auf Raten” – doch Brüssel erkennt die neue Studie nicht an!

Immer mehr Regionen, Länder, Staaten haben Zweifel an der Ungefährlichkeit der gentechnisch veränderten Saaten und verbannen sie aus ihren Gebieten. In unserem Beitrag “ MONSANTO, adé! Es gibt sie – Länder die Monsanto mit Erfolg verbannen!“ finden Sie eine Liste, die sich erfolgreich von  Monsanto und Co. veranschiedeten. 

Wir müssen den Schluss ziehen, dass selbst bei präziser Kenntnis aller Gene das biologische Geschehen nie genau vorhergesagt werden kann. Die Natur räumt sich anscheinend selbst bei molekularen Reaktionen Freiräume ein, deren Nutzung wir kaum kausal erklären und rational erfassen können.” (Prof. Dr. Werner Arber,Forschungsleiter Biozentrum Basel) 

http://netzfrauen.org/2014/02/23/die-natur-schlaegt-zurueck-pestizid-resistente-insekten-kehren-zurueck/Netzfrau Doro Schreier

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20.02.2014

Bundesamt für Naturschutz warnt vor Gentechnik-Mais 1507

Der kurz vor der Zulassung stehende Gentechnik-Mais 1507 sondert 350 Mal mehr Insektengift ab als der bisher in der EU zugelassene Monsanto-Mais Mon810. Er weist eine ungewohnt hohe Gift-Konzentration im Pollen auf, der gesetzlich vorgeschriebene Monitoringplan ist missverständlich und eine ausreichende Prüfung der Risiken für nützliche Insekten hat nicht statt gefunden. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nach einer Bewertung. Die Behörde fordert nun strengere Sicherheitsvorkehrungen, falls der Gentech-Mais 1507 angebaut werden sollte.

Das BfN äußert sich besorgt, das Gift des Gentech-Maises könne auch auf Futterpflanzen geschützter Schmetterlingsarten gelangen. Wie das Gift auf solche Schmetterlingsarten wirkt, ist kaum untersucht. Die Daten, die das Herstellerunternehmen Dupont Pioneer mit dem Antrag einreichte, beziehen sich laut BfN bis auf zwei Ausnahmen nur auf Schädlingsarten, die aus Naturschutzsicht wenig relevant sind. Um das Risiko zu mindern, schlägt die Behörde Abstände zwischen Gentechnik-Feldern und Naturschutzgebieten von 300 bis 1.000 Metern vor. Bisher sind solche Abstandsregelungen im Zulassungsantrag nicht vorgesehen.

Auch der gesetzlich vorgeschriebene Monitoringplan ist laut BfN derzeit völlig unzureichend. Das Vorlegen einer Studie seitens der Antragsteller reiche nicht aus. Es müssten klare Analyseparameter durch die EU-Kommission vorgegeben werden. Schließlich diene das Monitoring als Frühwarnsystem für unvorhersehbare Wirkungen der ausgesetzten gentechnischen Organismen. Dringend notwendig ist aus Sicht des Amts auch unabhängige Forschung zum Gentechnik-Mais. Dafür müsse seitens der Firmen, die den Gentech-Mais patentiert haben, ein freier Zugang zum Saatgut gewährleistet werden. Die Zeitung taz hatte gestern aus dem Papier des BfN zitiert, mittlerweile liegt es auch dem Infodienst vor.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28737.html

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19.02.2014

Französische Bauern wollen Monsanto-Mais anbauen

Die französische Regierung will den Anbau von Genmais verhindern. Die Landwirte könnten einem Verbot mit einer frühen Aussaat zuvorkommen. MON810 sei widerstandsfähig gegen bestimmte Insekten-Arten, die in der Region bis zu 450.000 Hektar Anbaufläche bedrohen, argumentieren die Bauern.

Frankreich treibt seine Bemühungen zum Verbot von Genmais voran. Um die Aussaat im Frühjahr zu verhindern, erließ die Regierung am Montag ein entsprechendes Dekret. Dieses kann aber frühestens um den 9. oder 10. März in Kraft treten – und könnte dann erneut vor dem Obersten Verwaltungsgericht angefochten werden.

Eigentlich arbeitet das Land an einem Gesetz, das den Anbau von genmanipulierten Mais verbieten soll. Zwei Anläufe wurden jedoch bereits von einem Gericht gekippt.

Doch französische Bauern könnten mit einer frühen Aussaat von MON810 dem Verbot zuvorkommen. Vor allem die Landwirte im Südwesten Frankreichs stehen einem Anbau offen gegenüber, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. MON810 sei widerstandsfähig gegen bestimmte Insektenarten, die in der Region bis zu 450.000 Hektar Anbaufläche bedrohen.

Die Debatte im französischen Senat über ein neues Gesetz begann am Montag, abgestimmt werden soll im April. Üblicherweise wird Mais aber in der zweiten Märzhälfte ausgesät. MON810 ist zurzeit der einzige Genmais der in Europa angebaut werden darf.

Der Genmais der Sorte 1507 hatte letzte Woche auch mit Hilfe Deutschlands eine Hürde zur Zulassung in der EU genommen. Im EU-Ministerrat stimmten 19 Staaten gegen eine Anbau-Erlaubnis für die von den US-Konzernen DuPont und Dow Chemical entwickelte Pflanze und verfehlten damit die qualifizierte Mehrheit für ein Nein der EU. Deutschland enthielt sich der Stimme, will die Aussaat hierzulande aber verhindern. Frankreich hatte sich für ein Verbot eingesetzt und sucht dabei auch den Schulterschluss mit Deutschland (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/19/franzoesische-bauern-wollen-monsanto-mais-anbauen/

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18.02.2014

Deutsches Geflügel bekommt wieder Gentechnik-Futter

Große Hähnchen- und Putenfleischproduzenten aus Deutschland wollen ab sofort wieder gentechnisch veränderte Pflanzen an ihre Tiere verfüttern. Grund sei die unsichere Versorgungslage bei gentech-freiem Soja aus Brasilien, teilte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) mit. Branchenkenner halten das für „nicht nachvollziehbar“.

Vierzehn Jahre lang hätte die Geflügelindustrie auf gentechnik Futter verzichtet, nun müsse man das aber ändern, erklärte der ZDG heute – der Verband vertritt Unternehmen wie die PHW-Gruppe (Wiesenhof) und Rothkötter. Begründung: Das Angebot an nicht-modifziertem Soja, das hauptsächlich aus Brasilien stammt, werde 2014 geringer ausfallen, weil mehr Gentech-Sorten angebaut würden. Außerdem käme es häufiger zur Verunreinigung von gentechnikfreier Ware während der Lieferung, argumentierte Thomas Storck, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Putenerzeuger.

Den Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) überzeugt das nicht. Dessen 190 Mitglieder, darunter auch Geflügelproduzenten, produzieren weiter mit gentechnikfreier Soja. Statt weniger erzeugten brasilianische Landwirte dieses Jahr sogar mehr Soja ohne Gentechnik, zitiert der VLOG Branchenanalysten. Und auch bei der Verschiffung, wo es im letzten Jahr zu Engpässen gekommen war, habe sich viel getan. So würde das Sojaschrot zunehmend per Container transportiert, wodurch das Risiko von Gentechnik-Verunreinigungen deutlich abnehme.

VLOG-Sprecher Alexander Hissting versteht den Sinneswandel der Geflügelindustrie daher nicht. „Große Supermarktketten wie Rewe und Edeka haben sich das Ziel gesetzt für Ihre Eigenmarken in Zukunft ganz auf gentechnisch verändertes Soja zu verzichten. Eine größere Akzeptanz für gentechnikfrei produziertes Geflügelfleisch kann es am Markt nicht geben.“ [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28726.html

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14.02.2014

Gentechnisch veränderte Lebensmittel sollen in Russland verboten werden

Russland beharrt darauf, die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen bei der Nahrungsmittelproduktion zu verbieten. Dies erklärte, wie Natalia Poltorazkaja bei Radio „Stimme Russlands“ berichtet, Nikolai Fjodorow, der Minister für Landwirtschaft, bei der allrussischen Sitzung der Agrarier.

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In dem Bericht heißt es weiter: „Wissenschaftler, Ökologen und Hersteller führen schon seit langem heftige Debatten über gentechnisch veränderte Organismen. Um die Wirkung gentechnisch veränderter Organismen vollkommen zu erforschen, braucht man noch zehn bis 20 Jahre, meinen die meisten Wissenschaftler. Doch bereits heute ist bekannt, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel lebensgefährlich sind, sagt Irina Jermakowa, internationale Expertin für Umwelt- und Nahrungsmittelsicherheit.

Sie sind alle gefährlich, weil das Produktionsverfahren nicht perfekt ist. Für die Produktion werden pathogene Bakterien und Viren eingesetzt. Wenn Wissenschaftler die Wirkung solcher Produkte bei Tierversuchen testen, sind sie entsetzt. Denn die Wirkung umfasst unter anderem die Entstehung von Krebserkrankungen und Fettleibigkeit. Die einzig richtige Lösung wäre es, gentechnisch veränderte Organismen bei der Produktion von Nahrungsmitteln vollkommen zu verbieten, wie es europäische Länder schon gemacht haben.“

Russland gehört heute zu den wichtigsten Erzeugern von Getreide ohne gentechnisch veränderte Organismen. In diesem landwirtschaftlichen Jahr kann der Getreideexport rund 20 Millionen Tonnen betragen. Doch um die Produktion von Biolebensmitteln zu erweitern und einen Qualitätsvorteil Russlands auf dem Weltmarkt zu sichern, seien entsprechende Gesetze nötig, meint Konstantin Lyssenko, Chefredakteur des Fachmagazins „Agrarrundschau“ und der Zeitung „Bäuerliches Russland“.

Wir haben nicht einmal Gesetze, die bestimmen, was Biolebensmittel sind. Potentiell kann Russland die ganze Welt mit Biolebensmitteln reichlich versorgen. Denn bei uns sind gentechnisch veränderte Produkte verboten.“

Der Experte gibt jedoch zu, dass die aktuelle Lage alarmierend ist, weil praktisch alle Soja- und teilweise auch Maisprodukte gentechnisch verändert sind. Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedjew hat verfügt, zu ermitteln, ob gentechnisch veränderte Kulturen in Russland angebaut werden. Als nächster Schritt wird geplant, alles was gesät, eingeführt und hergestellt wird, unter Kontrolle zu nehmen.“

http://www.extremnews.com/nachrichten/natur-und-umwelt/a65e14bf9727470

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12.02.2014

Das Märchen von der guten Gentechnik

Gentec-Pflanzen halten bisher nicht, was die Agrarindustrie verspricht. Dennoch gibt es auch in Deutschland Bauern, die unbedingt Gentec-Mais aussäen wollen.

Mancher Landwirt kann es nicht lassen: Obwohl seit 2009 in Deutschland wegen unkalkulierbarer Auswirkungen auf die Umwelt verboten, haben zwei Bauern aus Sachsen-Anhalt die Aussaat des Gentec-Maises Mon810 beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für dieses Frühjahr angemeldet. Sie geben die Hoffnung auf Wiederzulassung nicht auf. Einmal 5 Hektar, einmal 50.

Das mag so ganz nach dem Geschmack des dortigen Landwirtschaftsministers Hermann Onko Aeikens sein. Der Christdemokrat wird nicht müde, für die Gentechnik zu werben – und weiß sich doch auf verlorenem Posten. Sachsen-Anhalt war lange Zeit ein Hot-Spot von Freisetzungsversuchen mit allerlei gentechnischen Experimenten – geblieben ist davon praktisch nichts. Manchmal spielten Steuerhinterziehung und zwielichtige Doppelförderung dabei eine Rolle, dass die Versuche beendet wurden. Dann wieder setzten Gentechnik-Gegner den Forschungen derart zu, dass die Wissenschaft resigniert aufgab. 2013 war das erste Jahr in der Bundesrepublik seit 1994, in dem es weder Freisetzungsversuche noch einen regulären Anbau von Gentec-Pflanzen gab.

Doch Politiker wie Aeikens geben nicht auf. Am Dienstag bekräftigte er im Deutschlandradio, dass gentechnisch veränderte Produkte auf dieser Welt einen Beitrag zur Lösung etwa des Hungers leisten könnten. Wie? Das ließ Aeikens wohlweislich offen. Tatsächlich hinkt die Agro-Industrie seit Jahren ihren Versprechungen hinterher. Gen-Pflanzen, die das Hungerproblem lösen können, gibt es nicht. Über die üblichen Merkmale wie Herbizid-Toleranz oder Insektizid-Produktion geht es kaum hinaus.

Der oft zitierte Goldene Reis, der den Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern bekämpfen soll, hat keine Marktreife. Für ihn liege keine einzige Fütterungsstudie an Tieren vor, um das gesundheitliche Risiko zu beurteilen, bemängelt die Organisation Foodwatch. Auch die ökologischen Risiken seien nicht untersucht worden. Überdies, so BUND-Expertin Heike Moldenhauer, gebe es von den UN empfohlene Alternativen, die ohne Gentechnik auskommen.

Skepsis kommt auch beim Dürre-Mais auf, den BASF und Monsanto 2013 erstmals in den USA testeten. „Es ist zweifelhaft, ob dieser Mais gegenüber konventionell gezüchteten Sorten, die bereits auf dem Markt sind, echte Vorteile aufweist“, meint der Münchener Wissenschaftler Christoph Then. So biete auch die Konkurrenz von Syngenta in den USA einen trockenheitstoleranten Mais an. Dieser stammt jedoch aus konventioneller Zucht und „scheint keineswegs schlechter zu sein“ was die Dürre-Toleranz anbelangt, schreibt Then in der Studie „Cyberkrieg auf dem Acker – was blüht uns da?“

Industrie setzt auf Wachstum

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling zitiert genüsslich neuseeländische Wissenschaftler mit den Worten: „Die Landwirtschaft in den USA ist im Vergleich zu der Westeuropas in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht zurückgefallen – weil sie auf Gentechnik gesetzt hat.“ Das war das Ergebnis einer Studie der Universität Canterbury in Neuseeland. Deren Autoren haben Ernteerträge und Pestizideinsatz bei Mais, Raps und Soja verglichen. Das Resümee: Gentec-Pflanzen liefern keine höheren Erträge, benötigen aber – im Gegensatz zu den Behauptungen der Industrie – gleich viel oder sogar mehr Pestizide.

Die Industrie setzt dennoch auf Wachstum bei der Gentechnik. Doch sie übersieht, dass die Skepsis selbst dort zunimmt, wo man sie nicht vermutet. Etwa in China. So ließ sich 2013 ein Regierungssprecher der Volksrepublik zitieren, auch in China sei die Öffentlichkeit „sehr besorgt“ über gentechnisch veränderte Nahrungs- und Futtermittel. Weltweit freilich sieht es anders aus: Außerhalb Europas, das zeigen die Zahlen der industrieabhängigen Agentur ISAAA, stieg der Anbau von Gen-Pflanzen in 2012 um zehn auf 170 Millionen Hektar. Der weltweite Anbau konzentriert sich dabei auf gerade sechs Länder: USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien, China. In China freilich macht der Gen-Anbau gerade drei Prozent der Agrarfläche aus.

Ein Blick ins EU-Kataster mit den Anbauversuchen belegt den Erwartungsdruck der Industrie: Dutzende Genpflanzen, etwa für die Verwendung als Futtermittel, Agrosprit oder T-Shirts, stehen zur Genehmigung an. Die Zahl allerdings sinkt, wie Forscher Then herausfand: 2013 wurden mehrere Anträge für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zurückgezogen: BASF zog drei Zulassungsanträge für Kartoffeln zurück, Monsanto verzichtete auf fünf Anträge zum Anbau von Mais und einen von Zuckerrüben.

Doch der angekündigte Rückzug Monsantos trifft nicht zu: Zum einen bleiben die Amerikaner in Südeuropa aktiv, zum andern will der Konzern seine Herbizid-tolerante Soja vermarkten, um sie etwa auf Feldern in den Donauländern auszusäen.

http://www.fr-online.de/ernaehrung/genmais-1507-das-maerchen-von-der-guten-gentechnik,9563634,26166706.html

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12.02.2014

Deutschlands Bauern verschmähen den Gen-Mais

Europas Bauern dürfen bald einen neuen gentechnisch veränderten Mais anbauen. Werden sie das tun? Ein Beispiel aus Deutschland spricht für das Gegenteil. Der Mais lohnt sich für die Bauern kaum.

Laut ist die Diskussion um Genmais in Deutschland, weil die Zulassung der Sorte „1507“ in der EU bevorsteht. Dabei ist überhaupt nicht sicher, dass Bauern in Deutschland den Mais in großem Maßstab einsetzen wollen. „Ich sehe gar nicht mal so ganz große Vorteile bei uns in Europa“, sagt zum Beispiel der Landwirt und CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Dass andere Bauern so denken wie er, darauf deutet die Geschichte einer anderen Genmais-Sorte: Mon810.

Sie wuchs bis vor sechs Jahren auf deutschen Feldern. Aber den Durchbruch schaffte sie bei weitem nicht. Von 300.000 Landwirten säten und ernteten nur rund 60 die Pflanzen, auf nur weniger als 4000 Hektar. So groß sind manche einzelne landwirtschaftliche Betriebe. Die jetzt zugelassene Sorte 1507 unterscheidet sich kaum vom älteren Mon810. Der Wirkstoff Bt ist identisch, wenn auch etwas höher konzentriert. Und der Genmais „1507“ ist außerdem resistent gegen das Herbizid Glufosinat.

Warum nutzten nicht mehr Bauern die Sorte – wo sie doch angeblich so viel Nutzen bringt in Form von steigenden Erträgen und sinkendem Pestizideinsatz?

Ein Grund: Der Anbau war wegen der gesetzlichen Bestimmungen insbesondere für Großbetriebe interessant. Denn die Landwirte waren zum einen gesetzlich verpflichtet, die Pflanzen in einigen hundert Metern Abstand zu benachbarten Feldern anzubauen, auf denen nicht genveränderte Pflanzen wuchsen. Somit lohnte es sich nur, auf großen Feldern die neue Pflanze auszusäen. Auch fürchteten viele, von den Nachbarn in Haftung genommen zu werden. Für Ökobauern oder Saatgutvermehrer etwa gilt eine Nulltoleranz-Regel. Das heißt: Wenn nur eine genveränderte Pflanze auf dem Öko-Feld wächst, verliert die ganze Ernte an Wert – und der Landwirt, der dies verschuldet, muss haften. Solche Fälle gab es in Deutschland aber nicht.

Der Maisfresser wird langsam resistent

Viele Landwirte scheuten auch den Konflikt mit Nachbarn und Anwohnern, es gab zum Beispiel in Franken Bürgerprotest und immer wieder Zerstörung durch sogenannte „Feldbefreier“ von Pflanzen auf den Feldern. Also bauten Landwirte den Mais in der Regel nur dort an, wo es wenig Widerstand gab: Wesentlich in dünn besiedelten Regionen, in denen sich viele benachbarte Bauern einig wurden, gemeinsam auf „Genmais“ umzustellen.

Sie gründeten damals auch einen gemeinsamen Verein namens „Innoplanta“. Den gibt es auch heute noch, auch wenn die Agrarministerin Ilse Aigner im Jahr 2009 den Mon810-Mais auf Grundlage einiger Studien, aus denen sie Gesundheitsrisiken ablas, verbot und es seitdem keinen kommerziellen Anbau in Deutschland mehr gegeben hat.

Innoplanta wittert nach der sich abzeichnenden Zulassung der Sorte 1507 in der EU eine neue Chance auf einen Anbau in Deutschland, auch wenn die Bundesregierung dies nicht zulassen will: „Die Landwirte haben das nicht aufgegeben, sie glauben, es ist nur eine Frage der Zeit, bis es kommt. Der 1507 kann durchaus ein Türöffner sein“, sagt der Vorstand von Innoplanta, Uwe Schrader, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Das Genmais-Experiment von 2004 bis 2009 war vor allem für Landwirte im Süden und Osten Deutschlands interessant, weil dort der Schädling Maiszünsler besonders verbreitet ist. Er frisst ab dem Spätsommer Teile der Maiskolben und zerstört so laut der Weltagrarbehörde FAO rund vier Prozent der Maisernte auf der ganzen Welt. In Unterfranken, am Oderbruch, im Süden Sachsen-Anhalts waren die Anbau-Schwerpunkte in Deutschland.

In Franken war Reinhard Dennerlein einer der Bauern, die sich dem Experiment angeschlossen haben. „Durch Mon810 habe ich keine Probleme mit Mais-Schädlingen“, sagte er damals der Süddeutschen Zeitung. „Mon801 ist ein Risenfortschritt, er ist nicht aufzuhalten“. In Franken kommt es in manchen Jahren es zu großen Ernteverlusten von bis zu einem Drittel durch den Zünsler-Befall. „Die Erfahrung war durchaus positiv“, sagt auch Uwe Schrader.

Gleichwohl treten in den Regionen etwa der Vereinigten Staaten, wo in riesigen Monokulturen genveränderte Sorten wie Mon810 wachsen, vermehrt Resistenzen von Zünslern gegen das Bt-Gift auf, wie auch Resistenzen von Wildkräutern gegen das Pestizid Glyphosat.

In Nordwestdeutschland, wo der meiste Mais in Deutschland wächst, kam der „Genmais“ nie an. Landwirte in Niedersachsen, wo sehr viel Mais angebaut wird, interessierten sich nicht dafür. Denn dort ist das Insekt kaum verbreitet, und das Saatgut ist teurer als nicht genverändertes. Weil der Maiszünsler in Spanien weiter verbreitet ist, ist es dort auch der dort weiterhin zum Anbau zugelassene Mon810.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/veraenderte-lebensmittel-deutschlands-bauern-verschmaehen-den-gen-mais-12797931.html

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12.02.2014

Genmais-Anbau in Europa nimmt zu

Gestern hat die EU beschlossen, den Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte 1507 zuzulassen. Möglich war das nicht zuletzt deswegen, weil sich Deutschland bei der Abstimmung enthalten hat. Indes plant Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) den Anbau in Deutschland zu verhindern. Zuletzt wurde hierzulande 2008 auf 3171 Hektar Genmais angebaut. Seit 2009 gilt in Deutschland ein Anbauverbot. Ingesamt wurde im vergangenen Jahr nach Angaben von transGEN auf 148.867 Hektar gentechnisch veränderter Mais angebaut. Davon entfällt der Löwenanteil mit 136.962 Hektar auf Spanien.

http://de.statista.com/infografik/1888/genmais-anbau-in-europa/

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11.02.2014

Merkel macht den Weg für Gen-Mais frei

Die Deutschen sind gegen Gen-Mais, doch die Pflanze könnte bald auf deutschen Feldern wachsen. Denn die EU stoppt die Zulassung nicht. Schuld ist die uneinige Koalition. Und Kanzlerin Merkel, die zu den Profiteuren hält.

Wir wollen den Anbau dieser neuen Sorte Pioneer 1507 in Deutschland nicht haben.“ Die Aussage ist klar und eindeutig. Sie kommt von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU), kurz vor der Abstimmung der EU-Landwirtschaftsminister am Dienstag über die unionsweite Zulassung einer neuen Gen-Mais-Sorte. Diese klaren Worte können eigentlich nur eines bedeuten: Friedrich wird mit „Nein“ stimmen. Doch eben nur eigentlich. Denn Deutschland hat sich enthalten.

Schuld daran ist die Bundesregierung, die sich uneinig ist. Friedrich als CSUler ist traditionell gegen die Zulassung, genauso wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Dafür ist jedoch Johanna Wanka (CDU) als Forschungsministerin. Und deshalb hatte Merkel schon zuvor angekündigt, sich bei der Abstimmung zu enthalten.

Doch mit dieser Enthaltung macht Merkel den Weg frei für den Gen-Anbau. Denn die Entscheidung wird mit einer qualifizierten Mehrheit, einer zwei Drittel-Mehrheit, getroffen. „Eine Enthaltung nützt gar nichts“, sagt Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Im Gegenteil: Sie ermöglicht die Zulassung.“ Doch eine qualifizierten Mehrheit wurde am Dienstag nicht erreicht, nun wird die Entscheidung weitergereicht an den EU-Kommission. Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg gilt als Befürworter.

Nun versucht Friedrich, sich aus der unangenehmen Lage herauszumanövrieren: Er schlägt vor, dass jedes Land eigenständig entscheiden könne, ob es gentechnisch veränderte Pflanzen auf seinen Feldern erlaube. Ein Vorschlag der EU-Kommission für eine solche „Ausstiegsklausel“ liege bereits vor, sagte Friedrich. Doch Gentechnik-Expertin Moldenhauer hält das für „Augenwischerei“. Denn Merkel werde einen „Flickenteppich Europa“ in Sachen Gen-Anbau nicht zuzulassen, damit überschreite Friedrich damit seine Kompetenzen.

Doch vor allem glaubt die Expertin, dass dieser Vorschlag „ein vergiftetes Geschenk“ sei – wenigstens auf nationaler Ebene. Denn erst einmal würden die Zulassungsanträge auf EU-Ebene schneller durchgewunken. Vor der Zulassung käme es auf einen „Deal mit den Konzernen an“, einzelne Mitgliedstaaten würden mit einem Konzern aushandeln, dass eine Gentech-Pflanze auf ihrem Territorium nicht angebaut werden dürfe, dafür müssten sie für die Zulassung stimmen. Nach der Zulassung könnten EU-Länder ebenfalls ein Verbot erlassen, etwa aus sozioökonomischen Gründen. Was das genau bedeuten würde, sei nicht geklärt. Jedoch sei dieser Verbotsgrund vermutlich nicht „gerichtsfest“, denn es könnte beispielsweise ein Bauer darauf klagen, Gen-Mais anzubauen – weil durch ein Verbot seine freie Berufswahl gefährdet sei.


Doch Friedrich lässt sich einen weiteren Ausweg offen, vielleicht auch, um sein Gesicht in vor den bayrischen Wählern zu wahren: Die Bundesländer könnten selbst entscheiden, wie sie verfahren wollen. Denn tatsächlich sind laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur die meisten Länder gegen die Zulassung. Die Flächenländer, in denen es größere Agrarflächen gibt, sprechen sich nahezu einhellig dagegen aus. Prinzipiell offener äußerten sich nur Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Die neue schwarz-grüne Regierung in Hessen will die Landwirtschaft generell gentechnikfrei lassen. In der Frage einer Ausstiegsklausel spreche man sich mit den anderen Ländern ab. Das Saarland, das dem Netzwerk „Gentechnikfreie Regionen in Deutschland“ angehört, lehnt den Mais 1507 ebenfalls ab. Eine bundesweite Entscheidung sei besser als eine Ausstiegsklausel, hieß es im Umweltministerium. Die Grünen-geführten Ressorts von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen forderten ein nationales Verbot für gentechnisch veränderte Sorten. Doch das würde wieder eine Flicken-Teppich-Lösung bedeuten – und auch dafür sind nicht alle Länder. Und erst einmal entscheidet nun Brüssel.

Bei der Abstimmung geht es um die Maissorte 1507 der Firma Pioneer Dupont. Die Pflanze wurde im Labor so verändert, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent sein soll. Außerdem produziert der Mais ein Insektengift, um sich vor dem Maiszünsler zu schützen. Mit dem Schädling haben auch deutsche Bauern zu kämpfen. Kritiker warnen jedoch, dass die Auswirkungen der Pflanze auf andere Insekten und die Umwelt nicht ausreichend geprüft wurden.

Befürworter von Gen-Mais argumentieren, dass gentechnisch veränderte Pflanzen dazu beitragen können, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen – etwa durch besondere Widerstandsfähigkeit gegen Klimaveränderungen in ärmeren Ländern. Auch als Energiequelle könnten Genpflanzen dienen. Doch die Mehrheit der Deutschen lässt solche Argumente nicht gelten: Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstitutes Forsa (2013) sind 73 Prozent der Westdeutschen und 63 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass man Gentechnik in der Landwirtschaft verbieten sollte. Der Grund: Die Risiken seien unkalkulierbar. Weil die Deutschen Gentechnik so eindeutig ablehnen, ist dies auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Dort heißt es: „Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.“ Warum nur dann dieses „Jein“ bei der Abstimmung?

Es ist nicht nur der Konzern Pioneer, der von der Zustimmung profitiert“, sagt Expertin Moldenhauer. „Es sind vor allem die beiden deutschen Gentechnik-Unternehmen Bayer und BASF, die schon lange auf die Gentech- Freundlichkeit Deutschlands hinarbeiten.“ Sie vermutet, dass der Einfluss der Lobby-Gruppen so stark ist, dass Angela Merkel denen die Tür aufhalten wolle. „So profitieren wieder einmal die üblichen Verdächtigen.“

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/abstimmung-in-der-eu-merkel-macht-den-weg-fuer-gen-mais-frei/9463758.html

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05.02.2014

Deutschland stimmt Anbau von Genmais indirekt zu

In Europa könnte bald Genmais angebaut werden. Die EU-Kommission möchte ihn offenbar zulassen. Deutschland will sich in der EU-Abstimmung enthalten und ebnet dem Anbau so indirekt den Weg. Kritiker schätzen Kosten für Mensch und Umwelt hoch ein, der Nutzen bleibt fraglich.

Die Bundesregierung kann sich offenbar nicht entscheiden, wie sie zum Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen in der EU steht. Heute verkündete sie, dass sie sich bei der Abstimmung über eine Zulassung die Genmaissorte 1507 in der EU kommende Woche enthalten wird. Der EU-Kommission liegt der Antrag der US-Saatgutkonzerne Pioneer Dupont und Dow AgroSciences vor, gentechnisch veränderte Maispflanzen auch in der EU zuzulassen. Die „Sorte 1507ist resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und Mottenlarven.

Über die Anbaugenehmigung müssen die Regierungen der 28 EU-Staaten entscheiden. Sollte sich bis zum 12. Februar keine qualifizierte Mehrheit finden, wäre die EU-Kommission am Zug. Die Brüsseler Behörde will den Mais nach eigener Aussage zulassen. Dabei sprach sich das Europaparlament in Straßburg bereits mit deutlicher Mehrheit gegen eine Anbauerlaubnis aus. Die Abgeordneten fürchten unter anderem Schäden für Motten und Schmetterlinge.

In der Bundesregierung ist die Haltung uneinheitlich

Die Bundesregierung steht dem Genmaisanbau gespalten gegenüber. Zwar ließ Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verkünden, sein Ministerium lehne die Zulassung ab. Doch Presseberichten zufolge erklärte das Gesundheitsministerium, eine Gesundheitsgefährdung durch die Genpflanzen sei nicht nachweisbar, und das Forschungsministerium (beide sind von CDU-Ministern geleitet) hält den Mais für „unbedenklich“. Immerhin erklärte Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU), wenn Verbraucher und Bauern gentechnisch veränderte Produkte nicht wollten, sollte dies für die Politik ein wichtiges Kriterium sein.

Nun hat sich die Bundesregierung darauf  geeinigt, sich aus der Entscheidung herauszuhalten. Wenn die Ministerien in einer Frage unterschiedlicher Meinung seien, sei dieses Vorgehen üblich, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums fügte hinzu, das deutsche Verhalten bei der Abstimmung in der kommenden Woche habe ohnehin keine Auswirkungen, da die EU den Genmais unabhängig von dem Votum zulassen wolle.

„Ohrfeige für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land

Gentechnikkritiker hatten die Bundesregierung aufgefordert, gegen die Zulassung zu stimmen. Die Grünen kritisierten die angekündigte Enthaltung am Mittwoch als „Ohrfeige für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land, die keine Gentechnik auf Acker und Teller wollen“. Eine Enthaltung bedeute faktisch eine Zustimmung, erklärte der Grünen-Gentechnikexperte Harald Ebner.

Solche Entscheidungen werden häufiger werden

Künftig könnten die Behörden in Deutschland und Europa häufiger vor solchen Entscheidungen stehen. Denn es rollt eine ganze Welle neuer Genpflanzen an. Hinsichtlich ihrer genetischen Ausstattung und Wirkweise haben sie eine neue Qualität. Damit aber könnten die Risiken für Mensch und Umwelt steigen, fürchten Gentechnikkritiker wie Christoph Then von der Organisation Testbiotech. „Die aktuelle Entwicklung führt weg von den traditionellen Systemen der Landwirtschaft und der Züchtung hin zu Technologien, die störanfälliger, immer komplexer und mit immer mehr Unsicherheiten und Risiken verbunden sind“, erklärt Then.

„Was blüht uns da?“

In einem Report, den er für den Abgeordneten Martin Häusling von der Grünen-Fraktion im EU-Parlament verfasste, beleuchtet Then die zukünftige Entwicklung der Agro-Gentechnik und deren Umfeld. Die Studie mit dem bezeichnenden Titel „Cyberkrieg auf dem Acker – was blüht uns da?“ listet gentechnisch veränderte (GV) Nahrungspflanzen auf, die zur Zulassung in der EU angemeldet sind. Sie zeigt auch, welche GV-Bäume und -Tiere in den Labors der Agrarkonzerne heranwachsen und welche neuen Methoden zur Manipulation des Erbgutes zur Anwendung kommen.

Zwar konnten sich Genpflanzen in der EU bislang nicht durchsetzen, das heißt, sie werden bis auf wenige Ausnahmen nicht angebaut. Doch als Futter- oder Lebensmittel dürfen bereits 49 verschiedene GV-Sorten eingeführt werden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Soja, Mais, Raps und Baumwollsamen, die zumeist mit einer Herbizidresistenz ausgestattet sind oder Insektengifte produzieren. „Etwa die Hälfte der Pflanzen ist mehrfach gentechnisch verändert und kombiniert Insektengifte mit Herbizidresistenz“, weiß Then.

Dabei dürfte es aber nicht bleiben. Zwar werden auch die neu entwickelten Genpflanzen gegen Pflanzenschutzmittel resistent gemacht und sie produzieren Insektengifte zum Schutz vor Fraßfeinden. Doch die Hersteller kombinieren solche Eigenschaften zunehmend in Kreuzungen von GV-Pflanzen. Spitzenreiter sind Sorten, die gegen vier Unkrautvernichtungsmittel gleichzeitig resistent sind und ein halbes Dutzend Insektengifte erzeugen.

http://www.focus.de/wissen/weltraum/odenwalds_universum/regierung-steht-vor-gentechnik-entscheidung-laesst-die-eu-bald-gentechnisch-veraenderten-mais-zu_id_3581636.html

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04.02.2014

EU-Kommission lehnt Transparenz über Agrar-Gentechnik ab – entscheidende Kennzeichnungslücke verschleiert

Die Europäische Kommission lehnt eine umfassende Transparenz über den Einsatz von Agrar-Gentechnik bei Lebensmitteln ab. Das geht aus einem Schreiben der Kommissare für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg und Dacian Ciolos, an die Verbraucherorganisation foodwatch hervor. Sie antworten damit auf eine E-Mail-Aktion unter www.foodwatch.de/aktion-gentechnik, über die fast 30.000 Verbraucher eine bessere Information über den Einsatz von Agrar-Gentechnik gefordert haben. Die beiden Kommissare sehen demnach keine Veranlassung, die bestehende Kennzeichnungslücke über Gentechnik in Tierfutter zu schließen. In der EU werden millionenfach Tierprodukte mit Hilfe von Agrar-Gentechnik hergestellt und verkauft, ohne dass dies für Verbraucher gekennzeichnet werden muss. foodwatch forderte die EU-Kommission deshalb auf, auch bei den Verhandlungen mit den USA über ein transatlantisches Freihandelsabkommen endlich auf einer lückenlosen Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Tierfutter bei tierischen Produkten zu bestehen. Es reiche nicht aus, nur eine Verwässerung der bestehenden Kennzeichnungsvorschriften zu verhindern.

„Die Kennzeichnungslücke beim Einsatz gentechnisch veränderten Futters entmündigt die Verbraucher Europas“, kritisierte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch. „Obwohl fast 80 Prozent aller in der EU verwendeten gentechnisch veränderten Pflanzen in den Futtertrog wandern, erfahren die Bürger Europas darüber beim Einkauf tierischer Produkte meist nichts – und werden somit zu Zwangsunterstützern der Agrar-Gentechnik. Die EU-Kommission muss in den Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen durchsetzen, dass der Einsatz von Agrar-Gentechnik lückenlos für Verbraucher gekennzeichnet wird.“

In den EU-Staaten muss der Einsatz gentechnischer Methoden bisher nur dann auf dem Etikett angegeben werden, wenn das Endprodukt selbst genveränderte Zutaten enthält. Haben jedoch Tiere genverändertes Futter erhalten, muss bei Fleisch, Milch, Eiern oder anderen Tierprodukten keinerlei Kennzeichnung erfolgen – Verbraucher haben daher keine Möglichkeit, sich durch ihre Produktauswahl bewusst für oder gegen Agrargentechnik zu entscheiden. In den USA sind die Regeln noch laxer: Hier müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel bisher überhaupt nicht gekennzeichnet werden.

In ihrem Brief an foodwatch betonen die Kommissare Borg und Ciolos zwar: „Die Kommission betrachtet es als notwendig, die Verbraucher exakt über das Vorhandensein zugelassener genveränderter Organismen in Lebensmittel und Tierfutter zu informieren, um ihnen sachkundige Kaufentscheidungen zu ermöglichen.“ Angesichts der entscheidenden Kennzeichnungslücke über den Einsatz von genverändertem Futter ist genau dies allerdings nicht möglich: Zwar muss Tierfutter gekennzeichnet werden, wenn es genveränderte Bestandteile enthält – Bauern und Lebensmittelhersteller müssen diese Information jedoch nicht an die Verbraucher weitergeben. Im Supermarkt fehlt deshalb auf Fleisch, Milch oder Eiern genau dieser Hinweis, der es Verbrauchern ermöglichen würde, eine bewusste Wahl zu treffen. Dennoch schreiben die Kommissare im krassen Widerspruch zur geltenden Rechtslage: „Die Gesetzgebung stellt sicher, dass Verbraucher umfassend über die Existenz von genveränderten Organismen in Lebensmitteln und Futter informiert werden.“

foodwatch kritisiert die Antwort der EU-Kommissare als bewusste Täuschung der Verbraucher. „Es ist reine Augenwischerei, wenn die EU-Kommission behauptet, die Verbraucher könnten sich schon jetzt über genveränderte Futtermittel informieren! Das Gegenteil ist der Fall, und die Kommissare wissen das auch. Die EU verhöhnt die Informationsrechte der Konsumenten und redet Monsanto, Bayer Crop und Co. das Wort“, so Matthias Wolfschmidt.

http://www.presseportal.de/pm/50496/2655863/eu-kommission-lehnt-transparenz-ueber-agrar-gentechnik-ab-entscheidende-kennzeichnungsluecke/rss

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04.02.2014

Patent auf eine Frucht: Syngenta greift nach Paprika

Der Schweizer Saatgut-Konzern Syngenta hat ein Patent auf eine Frucht angemeldet: Der Konzern will die exklusiven Rechte für eine Paprika-Sorte.

Ein Patent sichert Syngenta das Recht auf eine gegen weiße Fliegen resistente Paprika zu. Der Schweizer Konzern lässt damit eine Insektenresistenz schützen, die er von einer wilden Paprika kopiert hat. Das Problem bei solchen Aktionen: Nach einer gewissen Zeit kann niemand mehr sagen, welches Saatgut in welcher Frucht steckt. Ein Hersteller, der ein Patent hat, könnte im Grunde jeden Anbauer attackieren. Einen solchen Fall hat es bereits einmal in den USA gegeben.

Bauern, Züchter und Umweltschützer haben sich zusammengeschlossen, um beim Europäischen Patentamt Widerspruch einzulegen.

Durch das Patent könne die Pflanze nicht mehr frei zur Zucht verwendet werden, so die Kritiker von Keine Patente auf Saatgut. Die Grundlagen der Ernährung könnten so in die Abhängigkeit weniger internationaler Konzerne geraten. Da diese spezifische Resistenz aus einer wilden jamaikanischen Sorte in eine kommerzielle Paprika eingekreuzt wurde, handelt es sich nach Ansicht der Einsprechenden keinesfalls um eine Erfindung von Syngenta (hier eine Grafik, wie aus einer natürlichen Pflanze ein Patent wird). An dem Einspruch beteiligen sich 32 Bauern-, Züchter-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen aus 26 Ländern.

Nie zuvor hat eine so breit gefächerte Koalition mit einem Einspruch gegen die Privatisierung natürlicher Ressourcen protestiert. Patente auf Pflanzen, die auf konventioneller Züchtung beruhen, sind nicht nur ethisch fragwürdig, sie verstärken auch die Konzentration im Saatgutmarkt, behindern Innovationen und sind somit ein Risiko für unsere Ernährungssicherheit“, sagt Christoph Then von Keine Patente auf Saatgut.

Im vergangenen Jahr hat Agrarchemie-Konzern Monsanto vor Gericht einen wichtigen Sieg auf dem Weg zur totalen Dominanz des Saatgut-Marktes errungen. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied einstimmig, dass ein Farmer aus dem Bundesstaat Indiana gegen ein vom Konzern geführtes Patent verstoßen hat.

Die betroffene Sojabohnen-Sorte hat in den USA einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent am gesamten Soja-Anbau. Der Farmer hatte bei einem kleinen Getreidesilo Sojabohnen für die Aussaat gekauft, welche von anderen Bauern geliefert wurden. Dabei handelte es sich um einen Mix aus verschiedenen Sorten. Ein Teil dieses Saatgutes stammte von Monsanto. Dieses Saatgut aus zweiter Generation kaufte der Farmer und vermehrte es anschließend auf konventionelle Art weiter.

Das Gericht sieht darin einen Verstoß gegen den Vertrag, den alle Bauern unterschreiben, die Monsanto-Saatgut kaufen. Dieser verbietet die Aufbewahrung von Samen der daraus erwachsenen Soja. Die Bauern müssen also jedes Jahr neues Saatgut von Monsanto kaufen. Auch der Beklagte kaufte regelmäßig diese Sorten. Sein Handeln verstieß damit gegen den Patentvertrag, stellte das Oberste Gericht nun endgültig fest. Nun muss er dem Saatgut-Hersteller eine Entschädigungszahlung in Höhe von 85.000 Dollar zahlen (mehr hier).

Dieselbe Gefahr gilt auch Bauern, auf deren Nachbarfelder Gentechnik-Pflanzen angebaut werden. Die Pollen können sich vermischen – und der Bauer läuft Gefahr, mit der Aufzucht gegen das Patent zu verstoßen und hohe Strafzahlungen leisten zu müssen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/04/patent-auf-eine-frucht-paprika-gehoert-syngenta/

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30.01.2014

Abgeordnete ebnen den Weg für Gentechnik-Mais

Heute ebneten die Abgeordneten im Bundestag den Weg für die EU-Zulassung des umstrittenen Gentechnik-Maises 1507. Sie bringen die Bundesregierung nicht von ihrem Enthaltungskurs ab. 1507 wäre dann, neben dem Monsanto-Mais MON810, die zweite transgene Pflanze, die auf europäischen Äckern angebaut werden darf.

Erwartungsgemäß stimmten die Abgeordneten heute im Plenum gegen einen Antrag der Grünen. Die Oppositionspartei hatte das Parlament aufgefordert, die Regierung zu veranlassen, im Februar auf EU-Ebene gegen 1507 zu stimmen. Bei der namentlichen Abstimmung lehnte die Große Koalition den Grünen-Antrag jedoch mit 452 Stimmen ab, 121 stimmten dafür, 18 Abgeordnete enthielten sich.

Ein klares „Nein“ Deutschlands auf EU-Ebene hätte weitere Mitgliedsstaaten bewegen können, ebenfalls gegen den Gentechnik-Mais 1507 zu votieren. Nun ist in Brüssel nicht mehr mit einer qualifizierten Mehrheit gegen die transgene Pflanze zu rechnen, da sich Schwarz-Rot auf eine Enthaltung geeinigt hat. Die EU-Kommission kann den gentechnisch veränderten Mais somit zulassen. [keh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28645.html

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19.12.2013

Große Koalition will nicht über Gentechnik-Mais abstimmen

Im Bundestag wurde heute nicht über eine Position zur möglichen Zulassung des gentechnisch veränderten Maises 1507 abgestimmt. CDU/CSU und SPD verwiesen einen Antrag der Grünen in eine Ausschusssitzung Mitte Januar – dann könnte es aber schon zu spät sein. Die Agrarminister der EU-Staaten sollen in den kommenden Wochen über die Anbaugenehmigung für den Mais des US-Unternehmens Pioneer entscheiden.

Die Grünen hatten beantragt, dass der Bundestag die Regierung dazu verpflichten soll, die Genehmigung von 1507 auf EU-Ebene abzulehnen. Um zu verhindern, dass der insektengift-produzierende Mais angebaut werden darf, ist eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten nötig. Ohne Deutschland kann diese beim Thema Gentechnik kaum zustande kommen. Unter Schwarz-Gelb enthielt sich die Bundesregierung meist der Stimme, nun wird mit Spannung das Votum des neuen Agrarministers Hans-Peter Friedrich (CSU) erwartet.

Aus dem Bundestag gibt es für den frisch gebackenen Amtsinhaber jedoch keine Vorgabe. Der Antrag der Grünen wurde mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD an den Parlamentsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft überwiesen. Der Gentechnik-Sprecher der Grünen, Harald Ebner, hatte genau davor gewarnt. Die Entscheidung werde in Brüssel fallen, bevor der Ausschuss tagt. „Mit CSU und SPD haben sich zwei der drei Koalitionspartner vor der Wahl eindeutig und ausdrücklich gegen Gentech-Anbau positioniert“, sagte Ebner gestern. „Unser Antrag gibt ihnen morgen die Chance, zu ihrem Wort zu stehen und sich klar gegen die anstehende Anbauzulassung für den Gentech-Mais 1507 festzulegen.“ Dazu ist es nicht gekommen.

Es wird also auf Agrarminister Friedrich ankommen. Dieser hatte am Mittwoch laut dpa erklärt, der „Erhalt einer starken, bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft sei von grundlegender Bedeutung.“ [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28502.html

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13.12.2013

Zulassung von Gen-Kartoffel widerrufen

Für den Entwickler wäre sie ein neuer Umsatzbringer geworden: Amflora. Doch das Zulassungsverfahren der gentechnisch veränderten Kartoffel wurde vom EU-Gericht für nichtig erklärt.

Die Beschlüsse der EU-Kommission zur Zulassung der Gen-Kartoffel Amflora sind von einem EU-Gericht für nichtig erklärt worden. Die Kommission habe die Verfahrensvorschriften für die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Europäischen Union verletzt, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des Gerichts der Europäischen Union in Luxemburg. Neben dem Genmais MON810 ist die Kartoffel Amflora des deutschen BASF-Konzerns die einzige Genpflanze, deren Anbau in der EU erlaubt ist. Sie ist zudem für die Verarbeitung in Futtermitteln zugelassen.

Amflora war 2010 nach einem 13-jährigen Verfahren von der EU-Kommission in der EU für den Anbau und zur Verwendung in Futtermitteln zugelassen worden. Die EU-Kommission sei jedoch von den Vorschriften des Zulassungsverfahrens abgewichen, heißt es in der Erklärung des Gerichts. „In diesem Zusammenhang geht das Gericht davon aus, dass das Ergebnis des Verfahrens oder der Inhalt der angefochtenen Beschlüsse wesentlich anders hätte ausfallen können, wenn die Kommission diese Vorschriften beachtet hätte“, wird die Entscheidung begründet.

Die genmanipulierte Knolle sorgte bereits vor ihrer Zulassung für Streit. Der Anbau wird von mehreren Ländern abgelehnt, weil Amflora durch ein bestimmtes Gen resistent gegen bestimmte Antibiotika ist. Ungarn hatte deshalb gegen die Kommissionsentscheidung Klage eingereicht.

http://www.handelsblatt.com/technologie/das-technologie-update/themen-und-termine/eu-gericht-zulassung-von-gen-kartoffel-widerrufen/9210502.html

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05.12.2013

China lehnt 60’000 Tonnen (Gen-) Mais aus den USA ab

China hat kürzlich 60’000 Tonnen gentechnisch veränderten Mais aus den USA abgelehnt. Grund: In den Lieferungen wurde gentechnisch manipulierter MIR162-Mais des umstrittenen Biotechnik-Konzerns Syngenta festgestellt, der in China keine Zulassung besitzt.

China hat Ende November 60’000 Tonnen aus den Vereinigten Staaten importierten Mais abgelehnt. Grund: In den Lieferungen wurde MIR162 (“Agrisure Viptera”) der umstrittenen Schweizer Agrarfirma Syngenta entdeckt, gentechnisch veränderter Mais, der in China keine Zulassung besitzt.

Der genmanipulierte Mais ist in nur 11 Ländern auf der ganzen Welt als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Das erste Land, das den insektenresistenten Mais für den menschlichen Verzehr freigab, waren die USA im Jahr 2008, später auch die Europäische Union in 2012. Die Besonderheit der veränderten Pflanze ist die Fähigkeit der Absonderung eines Giftes gegen Insekten, was laut der “Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit” (EFSA) entgegen der Meinung zahlloser Verbraucherschützer, Nahrungsmittelexperten und Forscher anscheinend keine Gefahr für den Menschen selbst darstellt.

Allerdings sollen durch den Anbau der Gen-Pflanzen sowie durch den Einsatz von Syngenta-Pestiziden laut Studien nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere nützliche Tiere massenhaft sterben. Syngenta streitet die Forschungsergebnisse ab.

Der Agrarkonzern Syngenta wurde 2012 aufgrund des Vertriebs hochgiftiger Produkte, welche Mensch und Umwelt in hohem Maße schädigen und bereits für zahlreiche Todesfälle unter Landwirten gesorgt haben, für den Public Eye People’s Award 2012 nominiert. Im Juni 2013 gewann Syngenta gemeinsam mit Monsanto den “Welternährungspreis” mit der Begründung, dass gentechnisch veränderte Pflanzen höhere Renditen erzielen und weniger anfällig sind für Seuchen und schlechte Witterungsbedingungen. Grotesk: Monsanto und Syngenta sind selbst Sponsoren des Preises.

http://www.gegenfrage.com/china-lehnt-60000-tonnen-gen-mais-aus-den-usa-ab/

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11.11.2013

Gentechnik kommt auf leisen Sohlen

Die Null-Toleranz-Grenze bei Futtermitteln wird aufgehoben. Nicht weil sich die bisherigen Bedenken in Bezug auf die Harmlosigkeit gentechnisch veränderter Pflanzen für Umwelt und Gesundheit als unbegründet herausgestellt hätten, sondern weil die Futtermittelindustrie die wirtschaftlichen Einbußen, die sich regelmäßig aufgrund der bisher gültigen Null-Toleranz-Grenze ergaben, nicht mehr hinnehmen möchte.

Die Menschen in Europa sind mehrheitlich gegen Gentechnik

Zwar hat eine kürzlich durchgeführte Umfrage in Europa gezeigt, dass nicht weniger als 95 Prozent der Europäer gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mit einer gewissen Skepsis gegenüber stehen. Doch nützt uns unsere Skepsis herzlich wenig, wenn wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen.

Schwellenwert für illegale Genpflanzen

Bisher durften im Tierfutter in der EU keine gentechnisch veränderten Pflanzen vorhanden sein, die noch nicht über eine EU-Zulassung verfügten. Es galt die sog. Null-Toleranz-Grenze. Das soll nun anders werden. Künftig dürfen auch Gen-Pflanzen ohne EU-Zulassung bis zu einem gewissen Schwellenwert von 0,1 Prozent im Viehfutter sein.

Dabei handelt es sich bevorzugt um Maissorten, die gentechnisch verändert sind und die in anderen Ländern der Erde bereits fröhlich angebaut werden, in der EU nach den geltenden Prüfstandards jedoch noch nicht für sicher und auch nicht für eindeutig ungefährlich befunden wurden.

Schwellenwert von 0,1 Prozent

Zwar hören sich 0,1 Prozent nach sehr wenig an, betrachtet man sich jedoch diese Menge auf beispielsweise einem Maisfeld, so würden sich auf einem Hektar gentechnikfreier Pflanzen immerhin 10 Quadratmeter voller illegaler Genpflanzen ausmachen lassen.

Logistisch nicht mehr möglich: Sauberes Viehfutter

Der Grund für die Lockerung des Reinheitsgebots scheint schnell erklärt: In letzter Zeit hätten sich angeblich gehäuft ganze Schiffsladungen mit Viehfutter, das mit nicht zugelassenen Genpflanzen verunreinigt war, in den Häfen Europas eingefunden.

Aufgrund der Null-Toleranz-Grenze in der EU habe man diese Schiffe wieder unverrichteter Dinge in ihre Heimathäfen (z. B. die USA) zurück schicken müssen, was natürlich großen Verlusten gleichgekommen sei. Rein logistisch sei es also einfach nicht mehr möglich – so hieß es – ein Futter zu liefern, das frei von illegalen Genpflanzen sei.

Aufhebung der Null-Toleranz aus Sicherheitsgründen?

Laut Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht die Situation ein klein wenig anders aus:

Im Jahr 2010 gab es nicht einen Eintrag über Futtermittelverunreinigungen durch nicht zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen, auch 2011 noch nicht.

Warum also dann – wenn von verunreinigten Schiffsladungen weit und breit keine Spur zu scheint – der neue Schwellenwert?

Wir müssen Sicherheitssysteme einführen und Maßnahmen einleiten, um das Risiko einer Vermischung mit nicht zugelassenen GVO zu minimieren

meint Claudia Döring vom Deutschen Raiffeisenverband. Ein Schwellenwert, der eine Vermischung mit nicht zugelassenen GVO überhaupt erst erlaubt, soll das Risiko einer Vermischung minimieren?

Das klingt wenig einleuchtend.

Noch ein angeblicher Grund: Eiweißfutterdefizit

Der Deutsche Bauernverband hingegen hat eine andere Erklärung parat. Es gehe darum, dass Eiweißfutterdefizit in der EU zu beheben. Um die Versorgung mit Futtermitteln sicherzustellen und Lieferengpässe auszuschließen, brauche man die neue Regelung.

Abgesehen davon, dass gerade die übermäßige Eiweißfütterung zu vielerlei gesundheitlichen Problemen der heute üblichen bemitleidenswürdigen Hochleistungstiere in den Massenställen beiträgt und damit sicher nicht zu gesünderen Produkten führt, ist man bei den Grünen ganz anderer Meinung:

Die Lobbyinteressen der Futtermittelindustrie haben sich durchgesetzt

sagt Martin Häusling, Mitglied des Agrarausschusses und Koordinator der Grünen im EU-Parlament.

Lebensmittel sollen dem Viehfutter alsbald folgen

Die Viehfutterindustrie freut sich jedenfalls mächtig, hat sie doch für diesen Schritt seit fünf Jahren tapfer gekämpft. Doch ist sie längst noch nicht zufrieden. Bernhard Krüsken, Geschäftsführer des Deutschen Verbands Tiernahrung, verkündet daher, weitere Schritte müssten diesem ersten unbedingt folgen.

Und da er der Meinung ist, man sollte Futtermittel und Lebensmittel keinesfalls unterschiedlich behandeln, dürfen wir annehmen, dass sich Herr Krüsken und Kollegen intensiv dafür einsetzen werden, damit auch im Lebensmittelbereich eine Lockerung der hier bislang noch bestehenden Null-Toleranz-Grenze eingeführt wird.

Freie Bahn für Gentechnik

Der wirkliche Grund für die Aufhebung der Null-Toleranz ist also kein geringerer als der, dass man langsam zwar, aber dennoch zielstrebig jene Bahn für gentechnisch veränderte Organismen frei machen will, die mitten auf unsere Teller führt.

EU-Kommission überschreitet Kompetenzen

Die Umweltverbände wollen den Abschied von der Null-Toleranz-Grenze nicht hinnehmen. Da laut eines vom BUND beantragten juristischen Gutachtens die Europäische Kommission nach EU-Recht gar nicht befugt war, die Schwellenwert-Regelung für gentechnisch veränderte Organismen im Tierfutter ohne EU-Zulassung überhaupt vorzuschlagen, will die Umweltschutzorganisation beim Europäischen Gerichtshof gegen die neue Verordnung klagen, um weiterhin den Verbraucherschutz vor das Wohl der Industrie zu stellen.

Schwellenwerte machen Null-Toleranz praktikabel

Eine Umweltschutzorganisation muss sich also für unser Wohl einsetzen, während die Regierung sich darüber freut, „die Null-Toleranz praktikabler gemacht zu haben“, wie es aus dem Aigner-Ministerium hieß.

Vielleicht sollte irgendjemand das Ministerium darüber aufklären, dass eine Null-Toleranz im Augenblick der Schwellenwerteinführung gar keine Null-Toleranz mehr ist.

Quellen u. a.:

Quelle 1
Quelle 2

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/gentechnik-hintertuer-ia.html

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07.11.2013

Dammbruch der Verseuchung: EU stellt Weichen für Gen-Mais

Die EU-Kommission hat den Weg für einen neuen Gen-Mais freigemacht. Ist der Mais einmal ausgesät, wird er sich mit ursprünglichen Sorten kreuzen und weiterverbreiten. Die Folgen für das Öko-System in Europa könnten weitreichend sein.

Die Europäische Kommission hatte am Mittwoch die Chance, sich klar gegen den Anbau von Gen-Mais auszusprechen. Das passierte nicht. Stattdessen wurde die Abstimmung über die Zulassung an den Ministerrat weitergeleitet. 1998 wurde mit MON 810 der Firma Monsanto die bisher einzige Gen-Maissorte in der EU zugelassen. Nach 15 Jahren steht nun mit „Mais 1507“ eine weitere kurz vor der Zulassung.

Darüber werden nun die EU-Agrarminister entscheiden. Und die Vergangenheit zeigt: Entweder die Agrarminister einigen sich für einen Anbau von Gen-Mais. Oder sie kommen zu keiner klaren Entscheidung (mehr hier).

Damit wäre die Kommission wieder am Zug. Und die hat ihre Zustimmung bereits geäußert. Dabei beruft sie sich auf die Lebensmittelbehörde EFSA, die dem Gen-Mais für unbedenklich hält.

Pioneer, der Hersteller von „Mais 1507“, hatte den Antrag zur Zulassung bereits im Jahr 2001 gestellt und sich über das verzögerte Zulassungsverfahren beschwert. Der Europäische Gerichtshof hatte die Beschwerde im September zugelassen.

Die möglichen Folgen für Umwelt, Konsumenten und Bauern werden dabei außer Acht gelassen. Denn „Mais 1507“ produziert ein Insektengift. Dabei werden nicht nur Schädlinge wie der Maiszünsler getötet, sondern auch nützliche Tiere wie Schmetterlinge oder Falter, so Global 2000. Die Auswirkungen auf Honig- und Wildbienen wäre nicht abschätzbar.

Die Kommission wäre mit einer Ablehnung den Anliegen der Mehrheit der europäischen Bürger nachgekommen, denn die lehnen Gentechnik ab. Stattdessen haben sie wieder einmal der Agrar-Industrie Vorschub geleistet. Das ist eine völlig falsche Richtung“, sagt Heidemarie Porstner von Global 2000 den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Sollte der Anbau erlaubt werden, wird der Gen-Mais sowohl als Futter- und als Lebensmittel zugelassen. Das würde bedeuten, dass etwa Honig aus zugelassenen Gen-Mais-Pollen in Zukunft verkauft werden darf. In Bayern musste in einem ähnlichen Fall eine ganze Jahresernte Honig vernichtet werden. Der Unterschied: Der bayrische Genmais stammte von einem Versuchsfeld und war noch nicht zugelassen (hier).

Einzige Hoffnung ist, dass sich die Agrarminister überraschend doch auf eine Ablehnung einigen. „Wir werden in den nächsten Wochen den österreichischen EU-Kommissar und den österreichischen Landwirtschaftsminister einmal mehr darin bestärken, auf ihre internationalen Kollegen einzuwirken. Auch unsere Partnerorganisationen werden weiter auf ihre Entscheidungsträger einwirken, damit dieser Gentech-Mais in Europa keine Chance hat,“ so Porstner.

Derzeit verhandeln EU und USA über ein gemeinsames Freihandelsabkommen, bei dem die Agrarkonzerne profitieren würden (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/07/gefahr-fuer-schmetterlinge-eu-stellt-weichen-fuer-gen-mais/

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06.11.2013

Kommission spricht sich für neuen Gentechnik-Mais aus

Wie von Beobachtern im Vorfeld erwartet, hat sich die EU-Kommission für den Anbau einer neuen Gentechnik-Pflanze auf Europas Äckern ausgesprochen. Weder die Kritik europäischer Wissenschaftler noch die Ablehnung der Gentechnik-Produkte im Handel und in der europäischen Bevölkerung hatte auf die Entscheidung Einfluss. Nun ist es am EU-Agrarministerrat, die Anbau-Entscheidung abzuwenden.

Der Gentechnik-Mais 1507 von Pioneer produziert ein Insektengift, welches 350 Mal so stark ist wie das Insektizid, welches vom Gentechnik-Mais MON810 gebildet wird. Dieser ist derzeit wegen möglicher Gefahren für die Umwelt in einigen EU-Mitgliedstaaten verboten. Für diese Eigenschaft liegt eine Risikoprüfung vor, die jedoch laut eines Berichts der Organisation Testbiotech nicht ausreichend ist. So wurden wichtige Studien wie die von Hanley et al. unterschlagen. Sie zeigt eine überraschend hohe Empfindlichkeit von bestimmten Schmetterlingsarten, die als Modellorganismen dienen. Untersuchungen zur Auswirkung auf den Boden seien außerdem sehr lückenhaft, so Testbiotech. Der Gentechnik-Mais 1507 ist auch gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat widerstandsfähig. Spritzt der Landwirt ein Unkrautvernichtungsmittel, wird er wahrscheinlich auf Glufosinat zurückgreifen. Dieses Mittel steht jedoch in der Kritik, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wird der Wirkstoff daher spätestens im Jahr 2017 europaweit verboten werden. Eine gesetzlich vorgeschriebene Risikoprüfung für diese Eigenschaft wurde bisher nicht vorgelegt. Nicht mal die von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) selbst herausgestellten Nebenwirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen wie Schmetterlinge und Motten werden von der Kommission ernst genommen und sie empfiehlt den Anbau von Gentechnik-Mais 1507.

Nach wie vor ignoriert die Kommission die Empfehlungen des EU-Umweltrates, die derzeitige Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen zu verbessern. Schon im Dezember 2008 hat der Rat einstimmig festgestellt, dass die Langzeitfolgen von gentechnisch veränderten Pflanzen und ihre Auswirkungen auf sogenannte Nichtziel-Organismen besser abgeschätzt werden müssen. Er empfahl, die veränderten Einsatzbedingungen von Unkrautvernichtungsmitteln in die Bewertung mit einzubeziehen und mit der Pestizidrichtlinie abzustimmen. Er forderte auch, die sozio-ökonomischen Auswirkungen zu untersuchen.

Nachdem der Konzern Pioneer zwölf Jahre auf die Zulassung seines Gentechnik-Maises gewartet hat, verklagte das Unternehmen die EU-Kommission wegen Verschleppung des Antrages. Der Gerichtshof der Europäischen Union gab dem Konzern recht. Daher ist mit einer Entscheidung des EU-Agrarministerrates zur Anbauzulassung des Gentechnik-Maises 1507 noch vor Ende des Jahres zu rechnen. Lehnen die Minister den Gentechnik-Mais nicht mit einer qualifizierten Mehrheit ab, wird die Kommission die Anbau-Genehmigung zeitnah erteilen. (keh)

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28333.html

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24.10.2013

Fast 60% der EU-Gentechnik-Experten sind mit Industrie verbandelt

Über Interessenkonflikte bei der EU-Lebensmittelbehörde EFSA wurde schon häufig diskutiert. Nun zeigt ein neuer Bericht von Corporate Europe Observatory (CEO): Mehr als die Hälfte der Sachverständigen, die Industrie-Produkte bewerten, haben enge – oft finanzielle – Kontakte zur Industrie. Auch bei den Experten des Gentechnik-Gremiums sind mindestens 11 von 19 (58%) betroffen, darunter auch der Vorsitzende und seine Stellvertreter.

Zwar erkennt die Organisation CEO die Bemühungen der EFSA an, die Transparenz zu erhöhen und Abhängigkeiten zu mindern. So habe die Behörde mit Sitz im italienischen Parma 85 Experten von einer Tätigkeit in ihren Gremien ausgeschlossen. Dennoch: 122 von 209 Wissenschaftlern haben „mindestens einen Interessenkonflikt mit dem kommerziellen Sektor“, so der Bericht. „Wir waren überrascht, so viele zu finden.“ Und dabei hatte CEO einen „konservativen“ Ansatz gewählt und lediglich die Angaben geprüft, die die Experten der EFSA in ihren offiziellen Angaben zu Interessenkonflikten gemacht haben.

Im Gentechnik-Gremium, das die Anträge von Agrarkonzernen auf Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen (und künftig wohl auch Tiere) bewertet, konnte CEO nur für 3 von 19 Experten Entwarnung geben. Bei 5 weiteren konnte wegen mangelnder Angaben kein Urteil gefällt werden. Der Rest, 11 Experten, sind auf die eine oder andere Weise mit der Gentechnik-Industrie verbandelt. Drei von ihnen haben sogar für „Institutionen mit substantiellen Verbindungen zur Industrie“ gearbeitet. Das sind mehr als bei allen anderen Experten-Gremien der EFSA. Sieben der Wissenschaftler erhalten oder erhielten Forschungsgelder von Unternehmen, fünf waren oder sind beratend tätig.

CEO verweist auf die besondere Rolle der Lobbyorganisation International Life Sciences Institute (ILSI) und kritisiert, die EFSA toleriere, dass manche ihrer Experten gleichzeitig für diese tätig sind. „ILSI, mitgegründet von Philip Morris, wird finanziert von multinationalen Lebensmittel-, Chemie-, Pestizid-, Gentechnik- und Pharmazie-Konzernen, z.B. Coca-Cola, BASF, Unilever, Syngenta, Pfizer, usw.“ Frühere Berichte verschiedener Organisationen hatten auch bei den Gentechnik-Beratern der EFSA enge Kontakte zu ILSI festgestellt.

Experten mit Interessenkonflikten dominieren alle Gremien bis auf eines“, erklärte der Hauptautor der CEO-Studie, Stéphane Horel. „Wir haben herausgefunden, dass die meisten Konflikte mit Forschungsgeldern und privaten Beraterverträgen zu tun haben, aber einige für Wissenschaftler wichtige Institutionen (wissenschaftliche Gesellschaften, Fachzeitschriften) werden ebenfalls von Lobbymaßnahmen der Industrie beeinflusst und die EFSA ignoriert das offenbar.“

Der grüne EU-Parlamentarier Martin Häusling sagte in einer Pressemitteilung: „Es ist ein Skandal, dass die EFSA anscheinend wegschaut und falsche Deklarationen ihrer Mitarbeiter einfach ungeprüft durchgehen. Nun ist nicht nur die EFSA sondern auch die Kommission gefragt, wie sie endlich die Verwicklung zwischen der EFSA und der Industrie beenden will. Wir brauchen eine Agentur für die Lebensmittelsicherheit in Europa, die wirklich unabhängig und zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher arbeitet.“ [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28278.html

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30.09.2013

Babybrei auch gentechnisch verseucht – Vorsicht “Chemie-Cocktail” schon von Kindesbeinen an

Schädliche Chemikalien können Kindern das Leben ganz schön madig machen. Das neue bunte T-Shirt verursacht Hautausschlag und selbst die warme Milch aus der Babyflasche kann ein Gesundheitsrisiko darstellen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, ihr Körper reagiert empfindlicher auf Schadstoffe. Bei Chemikalien ist das Vorsichtsdenken plötzlich vergessen – Kinder bekommen die volle Giftdosis. Schon 2006 bewiesen Bluttests sogar mehr als das. Das Blut von Kindern ist heute stärker mit gefährlichen Chemikalien belastet als das von Erwachsenen Und es waren über 300 Schadstoffe in der Muttermilch nachweisbar. Auch ohne gesundheitliche Risikobewertung ist diese Zahl Besorgnis erregend. Und sie ist das Ergebnis einer verfehlten Chemikalienpolitik.

Immer mehr Wissenschaftler sind der Meinung, dass zwischen den frühen Schadstoffeinwirkungen und der zunehmenden Anzahl von Krankheiten bei Kindern ein Zusammenhang besteht.Die Anzahl von Chemikalien, die die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen können, nimmt zu.

Baby- Nahrung – Schwerpunktmäßig Pestizide.

Im Blut von Neugeborenen aus den USA wurden 287 verschiedene synthetische Stoffe nachgewiesen.Davon gelten 180 als Krebs erregend, 217 sind als toxisch für Gehirn und Nervensystem eingestuft. 208 der gefundenen Chemikalien haben sich im Tierversuch als Frucht schädigend erwiesen, d.h.sie können zu Geburtsdefekten und Entwicklungsstörungen (Environmental Working Group, 2005)

Meldungen wie „Nitrofen in Eiern und Geflügel“, „Dioxin in Futtermitteln“, oder „Etephon in Paprika“ verunsicherten in jüngster Zeit uns, als Verbraucher. Aber als ob das nicht schon reichen würden, nein auch Meldungen wie „Pestizide in Babynahrung“ bekommen zwar in den Medien keine Beachtung sind aber vorhanden.

Genau diese Meldungen tragen dazu bei, dass wir mehr Wert auf rückstandsfreie, qualitativ hochwertige Lebensmittel achten sollten, aber auch fordern müssen.

Mittlerweile kann man Lebensmittelproben auf verschiedene Rückstände überprüfen lassen, es liest sich wie aus einem Chemielabor:

Erschreckend- Zum Beispiel fast das Untersuchungsspektrum von mehr als 400 Wirkstoffen

Untersuchung von Lebensmitteln auf weitere relevante Wirkstoffe bzw. unerwünschte Stoffe, zum Beispiel:

Nitrat

Bromid

Dithiocarbamate

Chlormequat / Mepiquat

Schwermetallrückstände

Radioaktivität

Sortenechtheit

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO)

Ein Großteil der Babynahrung wird heute aus ökologischem Anbau angeboten, obwohl dies keine gesetzliche Vorschrift ist. Das ist auch gut so, denn dass sich sogar schon winzige Rückstände aus pestizidhaltigen Lebensmitteln negativ auf Babys auswirken können, ist seit Jahren bekannt.

Mittlerweile ist auch bekannt,dass sich bei Kindern, die mehr als ein halbes Glas Fruchtsaft pro Tag trinken, ein deutlicher Anstieg der Stoffwechselprodukte aus Pflanzenschutzmitteln nachweisen lässt, die als Nervengifte aktiv sind.

Es sollte nicht in der Verantwortung unserer Kinder liegen, Jahrzehnte später ungewollt den Beweis dafür zu erbringen, dass jene Pestizide, die sie als Kind konsumieren mussten, entscheidend zu den gesundheitlichen Problemen ihrer Generation beigetragen haben. Doch was können wir unseren Kindern und Enkelkindern wirklich noch als Nahrung zumuten, ohne dass sie einen gesundheitlichen Schaden erleiden? Wir sprechen hier nicht von der Muttermilch, sondern die Folge-Nahrung.

In den Regalen stehen jede Menge Produkte: Getreidebreie im Glas, mit Obst oder Schokoflocken, oft mit Zucker und Aromastoffen. Auch Unmengen von Breien zum Anrühren sind im Angebot – mal mit Milch, mal mit Trockenfrüchten, mal ganz ohne Zusätze. Außerdem gibt es von Grieß bis Mehrkornmischungen scheinbar alle Getreidesorten, die man sich vorstellen kann.

Die Hersteller von Babyfertignahrung setzen jährlich Milliarden um. In diesem Geschäft geht es um viel Geld, aber nicht um die Gesundheit der Kinder. Wie aktuelle Fälle aus China zeigen. Der Skandal um verseuchte Babynahrung hat einen internationalen Boykott neuseeländischer Milchprodukte ausgelöst. Auch der französische Lebensmittelriese Danone hat in mehreren asiatischen Ländern Babymilchpulver zurückgerufen. Russland stoppte den Import von Fonterra- Produkten. Nestlé liess gleich bestätigen, dass seine Produkte nicht betroffen seien. Fonterra und Nestlé bauten eine Molkerei in Brasilien Die Molkerei soll eine Kapazität von 1 Mio. l Milch pro Tag haben. Die Fabrik wird ungefähr 40 Mio. Euro kosten. Nach der Bakterienwarnung Anfang August hatten Abnehmer von Fonterra betroffene Produkte vom Markt genommen, vor allem in Asien.

Die Rangliste zeigt die fünf größten Hersteller von Babynahrung in Deutschland. Unangefochtener Marktführer ist Hipp mit seinem Angebot an Säuglingsmilch, Gläschenkost, Baby- und Kindertees sowie Brei. Das Ranking basiert auf den Endverbraucher-Umsätzen im Handel.

Umsatz 2012 (EVP)

in Deutschland

in Mio. Euro ▾

1

Hipp

Hipp, Bebivita

330

2

Danone

Milupa, Aptamil, Milumil

132

3

Nestlé

Alete, Beba

116

4

Alnatura

Alnatura, Biomio

27

5

DMK

Humana

16

Arsen, Mineralöl, Genmanipuliertes und Zucker – all das hat in Babygetreidebreien nichts zu suchen, doch gerade im Reisbrei findet man viel Arsen und manche Gemüsesorten wurden genmanipuliert.

Eine hohe Belastung von Reis mit Arsen kann einer englischen Studie zufolge beim Verzehr zu Genschäden führen. Darüber haben wir schon berichtet, den Beitrag finden Sie hier.

Reis speichert nicht nur von Haus aus Arsen, sondern enthält auch noch einen relativ hohen Anteil an anorganischem Arsen, das besonders gefährlich ist. Das gilt einmal mehr für die Reisbreie die ÖkoTest gestestet hat. Arsen gilt als krebserregend und hat wahrlich nichts in Babynahrung zu suchen.

Mineralöl durch schlechte Verpackung.

Die meisten Produkte sind durch Innenbeutel aus Aluminium vor einem Übergang von Mineralöl aus der Verpackung geschützt. Auch hier wurde laut Öko Test Mineralöl, unter anderem aromatische Kohlenwasserstoffe, die über ein krebsauslösendes Potenzial verfügen sollen, gefunden. Wie das komplexe Ölgemisch aus Altpapierkartons und Druckfarben allerdings genau wirkt, ist noch wenig bekannt. So hatten die Tester der Stiftung Warentest Ende November Rückstände von Mineralöl in Schoko-Adventskalendern gefunden. Aber wie immer gibt es auch hier sogenannte Grenzwerte. Fest steht, dass diese Stoffe in Lebensmitteln unerwünscht sind und ein Übergang vermieden werden sollte.

Nach langer Recherche gibt es keine neue Studien über Pestiziderückstände in Babynahrung. Allerdings gab es schon ältere Untersuchungen, die noch heute von Bedeutung sind. Und was für Lebensmittel für Erwachsenen gilt, ist auch ausschlaggebend für die Nahrung der Kleinen.

Gerade Säuglinge und Kleinkinder zählen zu den besonders empfindlichen Personengruppen, für die bezüglich ihrer Ernährung besondere Erfordernisse gelten. Im Vergleich zu den Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs sind Höchstmengen für Pflanzenschutzmittel (sowie Nitrat und andere Schadstoffe und Kontaminanten) bei Säuglings- und Kleinkindernahrung deutlich niedriger angesetzt.

Wichtig ist es, dass bei der Herstellung von Babynahrung die gefährlichsten Substanzen, wie giftige Pestizide, verboten werden. Leider fand dieses Problem weder im Parlament noch bei den Mitgliedsstaaten Unterstützung.

Die EFSAveröffentlichte 2010 ihren zweiten Jahresbericht über Pestizidrückstände in Lebensmitteln

Von 2062 Proben von Säuglingsnahrung enthielten 76 Spuren von Pestiziden, und der festgelegte Höchstgehalt wurde in 4 Proben (0,2 %) überschritten. Die europäischen Rechtsvorschriften erlauben für jedes einzelne Pestizid höchstens Rückstände von 0,01 mg/kg.

Ein aktueller Bericht aus der Schweiz, dass sich Baby-Nahrung sich deutlich verbessert hat. Kontrollen zeigen, dass sie nun deutlich weniger Pestizide enthalten ist als noch vor einigen Jahren. Aber immerhin, es ist Pestizide enthalten.

Zubereitung der Babaynahrung mit Mineralwasser

Aus anderen ÖKO-TESTs wissen wir, dass Mineralwässer auch mit Pestizidmetaboliten über dem Orientierungswert belastet sein können.Ebenfalls beinhalten einige Mineralwasser Rückstände von Medikamenten, Hormonen und Pestiziden. Auch hier gilt es, zu prüfen, welches Wasser für die Babynahrung verwendet wird.

Kekse mit Unkrautvernichtungsmittel

Die Zeitschrift ‘Öko-Test’ hat die 19 beliebtesten Kekssorten unter die Lupe genommen. Und beim Blick auf die Ergebnisse könnte so manchem der Appetit auf das Gebäck vergehen: Die Tester wiesen auch hier in manchen Sorten wiesen Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat nach.

Die Ergebnisse im Überblick

Die 5 Test-Sieger

1. Biscotto Butterkeks (Aldi Nord)

2. Choco Bistro Butterkeks (Aldi Süd)

3. Sesamstraße Ernie & Bert Kekse

4. ABC Russisch Brot (Bahlsen)

5. Shaun das Schaf Mini-Butterkekse (Griesson)

Die 5 Test-Verlierer

1. Dinkel Zoo Vollkorn-Gebäck (Werz; Fettschadstoffe und Acrylamid enthalten)

2. Meine kleine Farm, Vollkorn (Flemming; Fettschadstoffe)

3. Dino Kids (3 Pauly; Aroma- und Fettschadstoffe sowie Glyphosat)

4. Kex (Ikea, Aroma- und Fettschadstoffe)

5. Bio Mini-Dinkel-Kekse (Rewe; Acrylamid)

Quelle: ‘Öko-Test’, Heft November 2012

Obst und Gemüse

Sie enthalten nicht nur Vitamine und Nährstoffe, sondern oft auch abenteuerliche Giftmischungen.

Äpfeln und Birnen, was so gesund klingt, kann vor allem für Kinder gefährlich sein. In Europa sind 328 der zugelassenen Höchstmengen von Pestiziden für Kinder immer noch zu hoch. 4,4 Prozent der geltenden Grenzwerte für einige Obst- und Gemüsesorten können gesundheitsgefährdend sein – und das, obwohl sie EU-weit erlaubt sind. Das ist das Ergebnis einer Überprüfung von Greenpeace.

Die EU-Kommission hat rund 140 000 Pestizidgrenzwerte festgelegt. Pro Lebensmittel und Pestizid gibt es jeweils einen Grenzwert. Diese hat Greenpeacenach den kommissionseigenen Maßstäben nun überprüft. Schon im Jahr 2008 deckte Greenpeaceauf, dass 429 zulässige Höchstmengen von Obst und Gemüse die Akute Referenzdosis (ARfD) für Kinder überschritten. Die ArfD bezeichnet die Pestizidmenge, die ein Kind ohne akute Gesundheitsgefahr auf einmal zu sich nehmen kann.

Gift ist nicht aus der Welt, nur weil es nicht mehr gespritzt wird: Chlormequat ist in Deutschland im Obstanbau mittlerweile verboten. Dennoch fanden Prüfer Rückstände des Wirkstoffs selbst in einem besonders heiklen Prüfobjekt: in Baby-Obstbrei. Wie konnte das Gift in die Birnen gelangen? Untersuchungen ergaben, dass die Obstbäume den Stoff im Stamm eingelagert hatten und alljährlich an die Früchte abgaben.

Und ausgerechnet Bananen …

Merkwürdigerweise werden Bananen immer noch als DAS Obst für Babys und Kleinkinder angeboten und ist genauso wie die Karotte inzwischen überholt. Gerade bei allergiegefährdeten Kindern und bei Babys im Allgemeinen sollte ganz gravierend auf Südfrüchte jeglicher Art verzichtet werden. Banane ist eines der beliebtesten Inhaltsstoffe in Babyglässchen und auch wird es pur sehr gerne an Babys verfüttert .

Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Diese Maßnahme ist jedoch wirkungslos gegen systemisch wirkenden Pestizide, die gegen Pilzkrankheiten und Insekten vielfach angewendet werden und deren Wirkstoff in der Pflanze und nicht an ihrer Oberfläche ist.

Nach einer aktuellen Meldung der BBC enthalten 50 % aller in England konsumierten Obst- und Gemüsearten Rückstände von Chemikalien, deren Verwendung nicht erlaubt ist. Die Ergebnisse der ohnehin spärlich durchgeführten Kontrollen werden jedoch weder in England noch bei uns veröffentlicht und der Verbraucher erfährt nicht, was er täglich zu sich nimmt.

Auch wenn konventionelle Bananen stärker belastet sind, haften auch an Bio-Bananen Spuren von Pestiziden auf Stiel, Schale und Verpackung. Das Fruchtfleisch ist allerdings unberührt.

Brot und Brötchen

Zum Ende des 2. Lebenshalbjahres meist zwischen 9. und 12. Monat entdecken Babys die Familienkost. In dieser Phase fragt man sich zu Recht, wann darf ein Baby Brötchen essen?

Das Müsli zum Frühstück, das Brötchen als Snack zwischendurch – Getreideprodukte gehören zu unseren Grundnahrungsmitteln, dies gilt auch bei Babys und Kleinkindern. Aber gesund ist es nicht wirklich. Eine nicht sichtbare Gefahr lauert auch auf den Tellern der Kinder. Pestizide, wohin man auch schaut. Auch darüber haben wir berichtet, und zwar in dem Artikel: Die Giftdusche auf unseren Backwaren?!

Auf den Äckern werden regelmäßig Unkrautvernichtungsmittel gespritzt. Als das gefährlichste gilt Glyphosat. Ein Totalherbizid, das schnell und wirksam Unkraut vernichtet. Das Problem: Um das unliebsame Grün abzutöten, wird das Gift direkt auf das Getreide gespritzt – und das sogar bis zu einer Woche vor der Ernte. Was dann noch an Spritzmittel auf dem Korn ist, bleibt dort und wird zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet. Studien haben längst ergeben, dass schon kleine Mengen ausreichen, um die menschliche Zellkultur zu schädigen.

In 14 von 20 Proben entdeckten die Tester bei der Laboranalyse Rückstände von Glyphosat. Betroffen waren nicht nur Mehl und Haferflocken, sondern auch Brötchen. Das Pflanzengift blieb also auch bei hohen Backtemperaturen stabil

Fraglich bleibt auch, warum es unterschiedliche Grenzwerte für Glyphosat gibt:

Pflanzen, bei denen die Vorernte-Spritzung erlaubt ist, dürfen bis zu zehn Milligramm pro Kilogramm enthalten, alle anderen Obst- und Gemüsesorten nur 0,1 Milligramm. Verbraucherschützer raten Kunden zu Bio-Ware zu greifen, bei deren Herstellung der Einsatz von Pestiziden verboten ist.

Das Europaparlament hat im Juni über EU-Regeln für Nahrung für Säuglinge, Kleinkinder und für spezielle medizinische Zwecke abgestimmt.Die Neuregelung untersagt künftig eine „idealisierende“ Werbung für Milchpulver – etwa in Form von niedlichen Babyfotos. Dadurch solle verhindert werden, dass Mütter zum Verzicht aufs Stillen und zum Kauf von Muttermilchersatz animiert werden

Wir begrüßen die verbesserte Kennzeichnung, bedauern aber dass besonders giftige Pestizide bei der Herstellung von Babynahrung zu verbieten, nicht aufgenommen wurde.

Nahrungsmittel aus konventioneller Herstellung enthalten neben vielen Zusatzstoffen oft auch noch Reste von Schadstoffen wie Pestiziden. Auch wenn die Zusatzstoffe zugelassen sind oder bei Pestiziden die Grenzwerte nicht überschritten werden, hat man doch ein ungutes Gefühl. Kinder reagieren wesentlich empfindlicher auf solche Stoffe als Erwachsene, aber die sind immer Grundlage für die Zulassungen und Grenzwerte.

Mit Bio-Babynahrung liegt man auf der sicheren Seite, denn diese wird wesentlich strenger kontrolliert als konventionelle Produkte. Allerdings muss man wissen, dass es auch im Bio-Bereich Unterschiede gibt. Produkte mit der Kennzeichnung „Bio nach EG-Verordnung“ haben weniger strenge Anforderungen. Hier dürfen mehr Zusatzstoffe verwendet und teilweise konventionelle Futtermittel oder Methoden eingesetzt werden. Man bekommt hier aber immerhin ein 90%-Bio-Produkt.

Biologische Produkte sind in der Regel teurer als konventionelle Produkte. Das kommt auch ganz einfach daher, dass der zusätzliche Aufwand für die Kontrollen und Qualitätssicherung ein Übriges tut.

Aber man sollte gerade bei der Ernährung seiner Kinder diese Mehrausgaben gerne in Kauf nehmen. Bio-Babynahrung bildet die Basis für eine gesunde Entwicklung des Nachwuchses. Achtet man beim Einkauf auf saisonal verfügbare Produkte und nutzt Rabattaktionen der Hersteller oder Märkte, halten sich die Mehrkosten auch in Grenzen.

Obwohl auch bei Bio kann man sich nicht mehr sicher sein:

Ausgerechnet bei Hipp und Demeter wurde in Bio-Babynahrung gentechnisch verändertes Gemüse verarbeitet. Dies ist das Ergebnis einer Stichprobe des ZDF-Verbrauchermagazins “WISO“. Dabei haben gerade diese Hersteller sich auf die Fahne geschrieben, dass Gentechnik im Babybrei nichts verloren habe. So versteht sich beispielsweise Demeter als “Garant für Produkte aus kontrolliert biologischen Anbau” und die Firma Hipp wirbt mit dem Slogan “Das Beste aus der Natur”.

Es geht um CMS-Hybride, die Bio-Bauern sogar anbauen dürfen, die aber strenggenommen gentechnisch verändert sind. CMS steht für Cytoplasmatische Männliche Sterilität und bewirkt, dass sich Pflanzen nicht mehr selbst bestäuben, was auch nicht erwünscht ist. Als Folge wachsen die Ernte-Erträge stärker. Saatguthersteller übertragen deshalb CMS durch Zellfusion auf Gemüsesorten wie Blumenkohl oder Brokkoli. Mehr Informationen zu CMS-Hybride erhalten Sie in unserem Beitrag: Die EU verkauft unsere biologische Vielfalt

Von der Krippe bis zum Grab –Wir fordern eine Studie, natürlich eine neutrale, um auf ausreichende Art und Weise die Auswirkungen der Pestizidbelastung auf die menschliche Gesundheit zu dokumentierten. Letztendlich müssten die Auswirkungen der Pestizide sogar auch bei den Kindern und Kindeskindern überprüft werden.

Es sollte nicht in der Verantwortung unserer Kinder liegen, Jahrzehnte später ungewollt den Beweis dafür zu erbringen, dass jene Pestizide, die sie als Kind konsumieren mussten, entscheidend zu den gesundheitlichen Problemen ihrer Generation beigetragen haben.

Nahrungsmittelhersteller haben den Profit im Auge, aber ist es nicht an der Zeit, denen zu zeigen, nicht mit uns?Fortsetzung folgt. Netzfrau Doro Schreier

http://netzfrauen.org/2013/09/30/babybrei-auch-gentechnisch-verseucht-vorsicht-chemie-cocktail-schon-von-kindesbeinen-an/

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07.06.2013

Weizenkrieg – US-Bauern drehen jetzt den Spieß gegen Monsanto um

Reuters meldet gerade, dass einige Weizenbauern am Donnerstag in den USA zusammen mit dem Center for Food Safety Monsanto verklagt haben. Eine Petition auf Zulassung einer Sammleklage, an der sich andere Bauern der USA beteiligen können, wurde bei einem Bezirksgericht in Washington eingereicht.

Die Begründung: Der Biotech-Konzern soll es versäumt haben, die Bauern und deren Ernten gegen die Verunreinigung mit nicht genehmigtem gen-veränderten Saatgut zu schützen.

Das bezieht sich auf die Entdeckung einer bislang nicht genehmigten Sorte, über die an dieser Stelle vor einer Woche berichtet wurde. Japan stoppte daraufhin seine Weizenimporte aus den USA, die EU, Südkorea und die Philippinen verschärften die Einuhr-Kontrollen. Asien kauft 30-40% des weltweit gehandelten Weizens.

Der Bauer Tom Stahl von Clarmar Farms Inc., und das Center for Food Safety machen geltend, dass niedrigere Weizenpreise aufgrund der Reaktionen in Abnehmerländern der USA sie geschädigt haben. Schon am Montag hatte ein Weizenbauer in Kansas eine ähnliche Klage eingereicht. Dabei ging es ebenfalls um finanzielle Schäden aus der Entdeckung einer ungenehmigten Gen-Sorte, von der Monsanto sagt, es habe vor neun Jahren Tests damit eingestellt.

Das U.S. Department of Agriculture hatte am 29. Mai gemeldet, ein Weizenbauer in Oregon habe experimentellen Weizen von Monsanto auf seinem Anwesen entdeckt. Für die USA stehen möglicherweise größere Exporterlöse auf dem Spiel, für eine unbekannte Zahl von Bauern im schlimmsten Fall die Existenz. Die Monsanto-Aktie ist seit Jahresbeginn 2,9% im Plus, in den vergangenen 5 Handelstagen hat sie 4,7% verloren. Das entspricht einer Reduzierung der Börsenkapitalisierung um 2,6 Mrd. Dollar.

http://blog.markusgaertner.com/2013/06/07/weizenkrieg-us-bauern-drehen-jetzt-den-spies-gegen-monsanto-um/

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31.05.2013

Südkorea stoppt Importe aus USA nach Genweizen-Fund

Der Fund von genmanipuliertem Weizen im US-Bundesstaat Oregon hat immer weitreichendere Folgen.

Nach Japan stoppte am Freitag auch Südkorea aus Angst vor Verunreinigungen den Import von US-Weizen. Die Einfuhren würden erst nach Beendigung aller Tests wiederaufgenommen, teilten die Behörden am Freitag mit. Es werde geprüft, ob die genmanipulierte Sorte auch in anderem Weizen oder Mehl zu finden sei. Normalerweise deckt Südkorea rund die Hälfte seines Importbedarfs mit US-Weizen. Zuvor hatte bereits Japan eine größere Bestellung zurückgezogen. Andere asiatische Staaten hoben ihre Sicherheitsvorkehrungen an. Die Europäische Union will ihre Tests ausweiten.

Im April wurde auf einem Feld in Oregon nicht genehmigter, gentechnisch veränderter Weizen gefunden, der ursprünglich vom Biotech-Giganten Monsanto entwickelt worden war. Laut US-Landwirtschaftsministerium geht von der Weizensorte keine Gefahr für Menschen aus. Zudem gebe es keine Hinweise, dass die Sorte überhaupt in den Umlauf gekommen sei. Obwohl der Fund bereits einige Zeit zurück liegt, hatte die Regierung erst in dieser Woche die Öffentlichkeit informiert.

Am Freitag sank der Preis für Weizen den zweiten Tag in Folge. Sorgen um langfristige Auswirkungen auf die US-Exporte verbilligten den Weizen-Kontrakt um fast 0,6 Prozent auf 6,94 Dollar je Scheffel. Asien importiert jährlich mehr als 40 Millionen Tonnen Weizen und damit rund ein Drittel des gesamten Handelvolumens. Der Großteil kommt aus den USA.

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE94U04620130531

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29.01.2013

BASF begräbt seine Genkartoffel-Projekte in Europa

Fortuna, Amadea und Modena wird es in Deutschland nicht geben. Der Chemiekonzern BASF hat seine Genkartoffel-Projekte in Europa gestoppt. Einer der Gründe dafür ist der Widerstand der Umweltschützer.

Der Chemiekonzern BASF zieht bei seinen Genkartoffel-Projekten in Europa endgültig die Reißleine. Die europäischen Zulassungsverfahren für die Genknollen Fortuna, Amadea und Modena würden gestoppt, teilte BASF mit.

Weitere Investitionen in diese Projekte seien nicht zu rechtfertigen. Grund seien unter anderem der Widerstand von Umweltschützern und zu befürchtende Zerstörungen von Kartoffelfeldern.

Wegen der anhaltenden Gentechnik-Skepsis in Europa in vielen Ländern und jahrelangen Querelen mit Politikern und Umweltschützern hatte BASF bereits entschieden, seine Zentrale für Pflanzen-Biotechnologie von Deutschland in die USA zu verlagern.

Für alle Projekte, die ausschließlich auf Europa ausgerichtet waren, bedeutete das das Aus. Lediglich die in der EU schon angelaufenen Zulassungsprozesse für die Genkartoffeln und dazu gehörende Versuche wollte der Konzern noch weiterverfolgten.

BASF kündigte zudem an, auch die Forschungen für Gen-Futtermais mit verbesserten Nährstoffen in den USA nicht weiterzuverfolgen. Sechs Standorte würden deshalb geschlossen, etwa 40 Arbeitsplätze gingen verloren.

BASF setzt auf pilzresistenten Mais

Dafür setzt die BASF auf die Entwicklung von pilzresistentem Mais. Feldversuche dazu seien in den USA geplant. Dorthin verlagerte der Konzern vergangenes Jahr auch seine Pflanzenbiotechnologie-Tochter Plant Science, die zuvor in Limburgerhof bei Ludwigshafen angesiedelt war.

Die FDP nannte die aktuelle Entscheidung einen schweren Rückschlag für Landwirtschaft und Umweltschutz, der ein Alarmzeichen für die Bundesregierung sein müsse. „Damit erhält der Industrie- und Forschungsstandort Deutschland eine weitere Quittung für die innovationsfeindliche Haltung in der Agrar- und Biotechnologieforschung“, sagte die FDP-Agrarexpertin im Bundestag, Christel Happach-Kasan.

http://www.welt.de/wirtschaft/article113226560/BASF-begraebt-seine-Genkartoffel-Projekte-in-Europa.html

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http://www.youtube.com/watch?v=3U1RkrfC8NE&list=FL2Xf_h0kqZE80DrrMUjc0Dg&index=11

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22.01.2013

Baden-Württemberg: Behörde findet Gentechnik-Raps in Senf

In Baden-Württemberg wurde erneut gentechnisch veränderter Raps in Senf gefunden. Zwei von elf Proben scharfen Senfs enthielten Spuren des GT73-Raps des Agrochemiekonzerns Monsanto, teilte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg gestern mit. Als mögliche Ursache der Verunreinigung werden braune Senfsamen aus Kanada angegeben. In dem nordamerikanischen Land wird überwiegend Gentechnik-Raps angebaut.

Auch in den letzten Jahren hatten baden-württembergische Behörden Spuren von gentechnisch verändertem Raps in Senfproben festgestellt. Seit 2009 wurden insgesamt 97 Proben untersucht, neun davon waren positiv. Meist handelte es sich um den herbizidresistenten GT73. Der Monsanto-Raps kann in der EU zwar als Futtermittel oder raffiniertes Öl verwendet werden, nicht jedoch im Senf als Lebensmittel. Der gentechnisch verunreinigte Senf darf deshalb nicht verkauft werden. Darauf wies gestern auch Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne) hin und fügte hinzu: „Das entspricht auch dem Empfinden der Verbraucherinnen und Verbraucher, die keinerlei Gentechnik auf dem Teller haben wollen – egal wie diese in die Produkte gelangt ist.“

Sein Ministerium habe Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gebeten, das Thema mit den Verbänden der Lebensmittelwirtschaft zu besprechen, um künftige Verunreinigungen auszuschließen, teilte Bonde mit. Nach Angaben eines Pressesprechers gegenüber dem Infodienst wurden außerdem die zuständigen Behörden der Bundesländer benachrichtigt, in denen die betroffenen Senf-Hersteller ihren Sitz haben. Diese müssten über weitere Schritte, beispielsweise einen Rückruf der Produkte, entscheiden. Namentlich könnten die Unternehmen erst nach Durchlauf eines Anhörungsprozesses genannt werden. [dh]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/26962.html

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21.01.2013

Nestlé: Bio-Sprit treibt Preise für Nahrungsmittel in die Höhe

Die Politik habe mit ihrer Biosprit-Politik zu der weltweiten Nahrungsknappheit entscheidend beigetragen, kritisierte Nestlé-Chef Brabeck-Letmathe. Zudem würden die Möglichkeiten genveränderter Pflanzen von der Politik nicht zugelassen. Auch dies befördere den Hunger auf der Welt.

Peter Brabeck-Letmathe, Präsident des Verwaltungsrats von Nestlé, hat im Rahmen der Lebensmittelmesse „Grüne Woche“ in Berlin schwere Vorwürfe gegen die Politik erhoben. Er kritisierte unter dem Motto „No food for fuel“ vor allem ihr verheerendes Vorgehen beim Thema Bio-Sprit. „Die Politik hat nicht nachgedacht“, sagte er auf einer Podiumsdiskussion, an der auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner teilnahm.

Wenn man die Energiegewinnung auf Kosten der Landwirtschaft fördere, dann seien Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung vorprogrammiert, so der Nestlé-Chef. Jeder Sechstklässler könne sich das ausrechnen. Und gerade in Zeiten der Wasserknappheit sei es eine riesige Verschwendung, wenn letztlich hunderte Liter Wasser benötigt würden, um nur einen Liter Biodiesel herzustellen. Zudem hätten die Maßnahmen der Politik überhaupt „keinen CO2-Nutzen“ gehabt, so Brabeck-Letmathe.

Der Nestlé-Chef kritisierte auch die Haltung der Politik in Bezug auf gentechnisch veränderte Lebensmittel. Die Forderung nach einem generellen Verbot sei „reine Emotion“, und die Diskussion über das Thema zu wenig an den Tatsachen orientiert. Mithilfe gentechnisch veränderter Pflanzen könnte etwa in Afrika die Versorgung der Bevölkerung mit Vitaminen deutlich verbessert werden, so Brabeck-Letmathe.

Die Politik versuche zwar, die hohen Preise für Nahrungsmittel auf die Spekulation an den Börsen zurückzuführen, so der Nestlé-Chef. Dafür gebe es allerdings keine Belege, Spekulationen könnten höchstens zu stärkeren Preisschwankungen führen. Jürgen Fitschen, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, stieß in dasselbe Horn und kündigte an, die Deutsche Bank werde an der Spekulation mit Lebensmitteln festhalten (mehr hier).

Brabeck-Letmathe wünschte sich von der für die Preisanstiege verantwortlichen Politik, sie solle ihre Entscheidungen nicht so sehr an den Vorstellungen der Wähler orientieren, sondern an den Fakten. Daraufhin forderte Ilse Aigner schlagfertig, dann solle aber auch die Nahrungsmittelindustrie ihre Entscheidungen nicht so sehr an den Quartalszahlen orientieren.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/21/nestle-bio-sprit-treibt-nahrungsmittel-in-die-hoehe/

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30.11.2012

Hessischer Bauer im Gefängnis: Die knallharten Methoden der Gentechnik-Industrie

Ein Bauer kauft Genmais von einem Chemiekonzern und füttert seine Tiere damit. Daraufhin werden sie krank und sterben. Er geht an die Öffentlichkeit und landet schließlich im Gefängnis.

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Der Kauf von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln für seine Tiere wurde einem hessischen Bauern zum Verhängnis. Als einer der ersten Bauern in Deutschland testete Gottfried Glöckner die Verfütterung von Genmais an Tieren mit verheerenden Auswirkungen auf seinen Zuchtbetrieb. Es ging eine Weile lang gut. Die genmanipulierten Pflanzen produzierten ein Gift, das den Maiszünzler-Schädling bekämpft. Darüber hinaus war der Proteingehalt der Pflanzen höher als bei konventionellen Maissorten. Zwei Jahre lang fütterte Glöckner seine Hochleistungs-Zuchtrinder mit dem Genmais, bis sie Durchfall und eitrige Euter bekamen und nur mehr vier bis sieben Liter Milch am Tag gaben. Außerdem kam es zu Totgeburten und Missbildungen bei Kälbchen und Todesfällen.

Für den Bauern bedeutete dies einen wirtschaftlichen Totalschaden. „Ich habe alles genetische Tiermaterial verloren, alle Zuchterfolge sind zunichte gemacht worden“, klagt er in einer Lokalzeitung.

Gekauft hatte Glöckner den Mais von dem Chemiekonzern Syngenta. Er fragte also bei der Firma nach, wodurch sein Rinder Schaden genommen haben könnten, wie Chiemgau Online berichtet. Syngenta beschwichtigte und teilte ihm mit, dass alles in Ordnung sei. Aufgrund seines gesunden Misstrauens gab er eigene Untersuchungen in Auftrag. Sein Verdacht bestätigte sich: In dem Futter, Milch und Gülle fanden sich giftige Stoffe.

Glöckner ging mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Er wandte sich an Greenpeace und die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Die Grünen). Im In- und Ausland berichtete der Bauer von seinen Erfahrungen. Syngenta war dies ein Dorn im Auge. Die Firma bot Glöckner Schadensersatz, wenn er keine Vorträge mehr hält. Als das nicht funktionierte und der Bauer weiter seine Erfahrungen publik machte, folgten etliche Bestechungsversuche. Aber auch davon ließ sich Glöckner nicht beirren.

Plötzlich kam es in seinem Scheidungsprozess zu einer Wendung: Er wurde auf Vergewaltigung in der Ehe angeklagt und wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Ob die Gentechnik-Industrie hinter dem Gerichtsurteil steht ist unklar. Fest steht, dass in Glöckners Unterlagen der Eintrag „Gentechnikgegner“ vermerkt ist. Wegen guter Führung wurde der Bauer vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. In Deutschland sind 80 Prozent der Bürger gegen den Anbau von Gen-Pflanzen. Die Bundesregierung und die EU-Lobbyisten agierten deshalb gegen den Willen des Volkes. „Es geht ja dabei um sehr viel Geld“, sagt Glöckner.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/30/bayerischer-bauer-im-gefaengnis-die-knallharten-methoden-der-gentechnik-industrie/

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25.09.2012

Reaktion auf Studie: Russland verbietet Gentech-Mais-Importe

Als Reaktion auf die zurzeit heftig diskutierte Langzeitstudie der Universität Caen hat Russland heute den Import und die Verarbeitung des gentechnisch veränderten Monsanto-Maises NK603 vorerst ausgesetzt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones unter Berufung auf eine Behörde des russischen Gesundheits- ministeriums. Außerdem hat Moskau bei der zuständigen Stelle der EU-Kommission um eine Erläuterung deren Position gebeten.

Die letzte Woche veröffentlichte Studie französischer Wissenschaftler sorgt weiterhin für großes Aufsehen. Sie zeigt, dass Ratten, die mit dem gentechnisch veränderten Mais NK603 gefüttert werden, häufiger und früher an Krebs erkranken als ihre Artgenossen. Ein russisches Forschungsinstitut soll diese Ergebnisse nun überprüfen. Gleiches haben auch die EU-Kommission und einige Mitgliedsländer von ihren jeweiligen Behörden verlangt.

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/26365.html

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21.09.2012

Genfood wird schon lange im Supermarkt verkauft

Eine Studie über schwerkranke Ratten nach der Fütterung von Genmais sorgt für Aufregung: Doch Genfood steht auch in Deutschland im Supermarkt-Regal. Wie Verbraucher die Produkte erkennen können.

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Eine neue Studie zu Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Lebewesen sorgt für Aufsehen: Der französischen Untersuchung zufolge sterben Ratten jünger und erkranken häufiger an Krebs, wenn sie mit Genmais gefüttert werden. Gen-Kritiker warnen vor möglichen Schäden auch bei Menschen.

Französische Forscher haben zwei Jahre lang Ratten Genmais der Sorte NK 603 des Agrarkonzerns Monsanto oder ein dazugehöriges Spritzmittel ins Futter gegeben. Daraufhin haben die Tiere Tumore, Leber- und Nierenschäden entwickelt und starben früher als die einer Vergleichsgruppe, die keinen genveränderten Mais gefressen hatten.

Die genveränderte Maissorte NK603 des Konzerns Monsanto kann in der Europäischen Union wie sonstiger Mais als Futtermittel oder in verarbeiteten Produkten verwendet werden. Seit 2005 ist die Sorte auch als Lebensmittel zugelassen. Sie darf zum Beispiel als Stärke und Öl sowie als Bestandteil anderer Lebensmittel verkauft werden. Die Produkte müssen gekennzeichnet werden – als „gentechnisch veränderter Mais“ oder „aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt“. Der Genmais NK603 darf in der EU allerdings nicht angebaut werden.

Jedoch findet sich Gentechnik schon heute im Supermarktregal. Teils können Verbraucher sie umgehen, wenn sie sich genau informieren. Jedoch ist nicht bei allen Produkten klar erkennbar, dass sie Gentechnik enthalten.

In welchen Produkten im Supermarkt steckt bereits Gentechnik?

Bislang gibt es im Handel laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur wenige Produkte mit direkt gentechnisch veränderten Zutaten wie etwa Genpflanzen. Bei den Ausnahmen handelt es sich einer Greenpeace-Erhebung zufolge meist um Lebensmittel aus dem Ausland wie Schokoriegel und andere Süßigkeiten aus den USA.

Reine Genprodukte wie etwa Gengemüse, Obst oder Fleisch gibt es nicht. Genpflanzen dürfen aber an Tiere verfüttert werden, wodurch Gentechnik in den Nahrungskreislauf gelangt. Dies kann unter anderem bei Milchprodukten oder Eiern der Fall sein.

Sind Lebensmittel mit Genzutaten speziell gekennzeichnet?

Ja, allerdings mit Einschränkungen. Hersteller sind grundsätzlich dazu verpflichtet, alle gentechnisch veränderten Lebensmittel-Bestandteile in den Zutatenlisten auf den Verpackungen abzudrucken.

Ausgenommen von der Pflicht sind aber Tierprodukte wie Milch, Eier und Fleisch oder Zusatzstoffe, die von gentechnisch veränderten Bakterien erzeugt wurden. Das freiwillige Siegel „Ohne Gentechnik“ der Bundesregierung bekommt nur, wer nachweisen kann, dass Tiere nicht mit Futter wie Gensoja gefüttert wurden oder dass keine gentechnisch veränderten Bakterien eingesetzt wurden.

Sind Bioprodukte gentechnikfrei?

Grundsätzlich ja, jedoch können auch hier teils Einschränkungen bestehen. Zwar sieht die EU-Ökorichtlinie vor, dass bei der Herstellung von Bioprodukten keine Gentech-Zutaten verwendet werden dürfen. Spuren gentechnisch veränderter Bestandteile aber – etwa verursacht durch den Pollenflug von Feldern mit Genpflanzen – müssen auf Lebensmittelverpackungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent nicht gesondert ausgewiesen werden. Die Hersteller von Bioprodukten sind jedoch gehalten, alles technisch Mögliche zu tun, um Verunreinigungen auszuschließen.

Müssen Gaststätten auf Speisekarten Gerichte mit Genzutaten kennzeichnen?

Ja. Nach Angaben von Greenpeace allerdings bleiben solche Hinweise in der Praxis nicht selten aus. Den Angaben zufolge werden etwa Pommes Frites in einigen Fällen in Speiseöl aus Genpflanzen frittiert. Für den Verbraucher ist dies oft nirgends nachzulesen.

Welche Auswirkungen haben Genprodukte auf die Gesundheit?

Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Laut BVL gibt es etwa aus den USA oder Kanada, wo Lebensmittel aus Genpflanzen oder Milch von mit Gensoja gefütterten Kühen schon seit über zehn Jahren auf dem Markt sind, „keine Erkenntnisse, dass sich der Verzehr (…) schädlich auf die Gesundheit von Menschen ausgewirkt hat“.

Greenpeace dagegen sieht beim Verzehr von Genpflanzen ein Risiko, dass diese aufgrund ihrer Genstruktur verstärkt allergische Reaktionen auslösen können. Milch von Kühen, die mit Gensoja gefüttert wurden, dürfte demnach aber risikolos sein.

http://www.welt.de/gesundheit/article109370720/Genfood-wird-schon-lange-im-Supermarkt-verkauft.html

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11.06.2012

Aigner will Lockerung des Gen-Verbots verhindern

Der Import gentechnisch verunreinigter Lebensmittel in die Europäische Union soll künftig erlaubt sein. Bislang wurden derartige Produkte auf dem europäischen Markt nicht toleriert. Verbraucherschutz- und Agrarministerin Ilse Aigner wehrt sich nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ gegen die Pläne aus Brüssel – und provoziert damit einen neuen Koalitionsstreit.

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Bundesagrarministerin Ilse Aigner will die von der EU-Kommission geplante Lockerung der Regeln für Gentechnik in Lebensmitteln verhindern. Bisher gilt innerhalb der Europäischen Union die sogenannte Nulltoleranz. Dass heißt, in Lebensmitteln darf nicht einmal eine Spur bisher nicht zugelassener gentechnisch veränderter Pflanzen enthalten sein.

Die EU-Kommission will diese Nulltoleranz nun aufheben und einen gewissen Grad an Verunreinigung erlauben. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat Aigner das Vorhaben der EU prüfen lassen und ist dabei zu der Erkenntnis gekommen, dass es auf unzulässige Weise die Transparenz und die Wahlfreiheit der Verbraucher einschränkt. Kunden könnten nicht mehr eindeutig erkennen, ob sie wirklich ein gentechnikfreies Produkt kaufen. Die CSU-Politikerin stellt sich damit nicht nur gegen große Teile der Lebensmittelwirtschaft. Sie provoziert auch einen neuen Koalitionsstreit: Die FDP befürwortet den Vorstoß der EU.

Bisher dürfen gentechnisch veränderte Pflanzenprodukte aus Drittländern nur dann in Europa auf den Markt, wenn sie hier vorher umfassend überprüft und zugelassen worden sind. Enthält eine Lieferung auch nur Spuren einer gentechnisch veränderten Pflanze, die keine solche Zulassung besitzt, muss die gesamte Ware zurückgeschickt oder vernichtet werden. Die Nulltoleranz gilt nicht nur für den Import, sondern auch für die Produktion von Lebensmitteln in Deutschland. Bis 2011 war diese Nulltoleranz auch für Futtermittel vorgeschrieben. Auf Druck der Agrarlobby wurde die Regel jedoch aufgeweicht. Seither dürfen beispielsweise Sojalieferungen bis zu 0,1 Prozent einer gentechnisch veränderten Sorte enthalten. Zu solchen Verunreinigungen kann es etwa beim Transport kommen, wenn unzureichend gereinigte Tanks benutzt werden.

EU-Verbraucherkommissar John Dalli will die Nulltoleranz nun auch für Lebensmittel aufheben. Dies ist seiner Ansicht nach „logisch“. Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft unterstützt Dalli. Nach Ansicht des Verbandes kann der bisher geltende absolute Nullwert angesichts der internationalen Handelsströme und feinerer Analyseverfahren nicht mehr garantiert werden. Ähnlich hatte auch die Futtermittelwirtschaft argumentiert – und damit die Aufhebung der Nulltoleranz für ihren Bereich erreicht. Die Agrarlobby hatte sogar gewarnt, ohne Aufweichung der Regeln sei die Futtermittelversorgung der deutschen Landwirte gefährdet. Nach Ansicht der Fachleute im Agrarministerium haben sich diese Befürchtungen in der Praxis jedoch nicht bestätigt.

Von der Nulltoleranz sind innerhalb Deutschlands beispielsweise die Betreiber von Mühlen betroffen. Sie müssen sich bisher entscheiden, ob sie gentechnikfreie oder gentechnisch veränderte Produkte verarbeiten. Denn in der Praxis ist eine Mühle, in der einmal gentechnisch veränderte Produkte gemahlen wurden, nicht mehr „gentechnikfrei“ zu bekommen. Der Europäische Gerichtshof hat in seinem „Honig-Urteil“ vom September 2011 das Prinzip der Nulltoleranz trotz der Folgen für manche Hersteller bestätigt. Zum „Schutze der menschlichen Gesundheit“ lehnte er eine Toleranzschwelle, wie sie jetzt von der EU-Kommission geplant wird, ab.

http://www.sueddeutsche.de/politik/gentechnisch-veraenderte-lebensmittel-aigner-will-lockerung-des-gen-verbots-verhindern-1.1378931

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25.05.2012

Wie eine Lobby die Kontrollbehörden unterwandert

Die meisten wollen nichts gentechnisch Verändertes essen. Doch eine neue Untersuchung zeigt, wie die mächtige Gentechnik-Lobby die angeblich neutralen deutschen Kontrollbehörden unterwandert hat – zum Schaden der gutgläubigen Verbraucher.

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Die meisten Verbraucher in Deutschland lehnen Gentechnik im Essen ab. Und sie verlassen sich darauf, dass sie von den zuständigen Aufsichtsbehörden über die Risiken der umstrittenen Technologie geschützt werden. Doch eine Untersuchung der gentechnikkritischen Organisation Testbiotech belegt das Gegenteil (hier online). Sie zeigt, wie stark das maßgebliche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von der Gentechnik-Lobby beeinflusst wird.

Neun von 13 Experten in der Kommission für genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel und auch hochrangige Angestellte der Behörde stehen demnach in enger Verbindung zur Agroindustrie, zu industrienahen Verbänden und wissenschaftlichen Zirkeln, die den Einsatz von Gentechnik befürworten. Dabei sollen sie als unabhängige Experten die Hersteller und deren Erzeugnisse unvoreingenommen kontrollieren.

Doch damit scheint es nicht weit her zu sein. Einige der BfR-Experten waren offenbar sogar selbst an Patentanträgen für gentechnisch veränderte Pflanzen wie Mais und Soja beteiligt. „Es bestehen erhebliche Interessenkonflikte. Damit ist das Funktionieren einer unabhängigen staatlichen Institution wie des BfR in Frage gestellt„, kritisiert Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then. Er fordert eine Untersuchung durch das Verbraucherministerium von Ilse Aigner (CSU), dem die Aufsichtsbehörde unterstellt ist.

Der frühere Greenpeace-Mann analysiert seit Jahren die Branche und verfolgt, wie Behörden die Anträge auf Marktzulassung von Konzernen wie Monsanto, BASF oder Bayer prüfen, die gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt bringen wollen.

Then wirft dem BfR außerdem vor, dass die meisten der Experten ihre Interessenkonflikte nicht offenlegen. Ein derartiges Verschweigen wird bei anderen Behörden, etwa von der Europäischen Lebensmittelbehörde Efsa, als gravierender Verstoß gewertet. Die EU-Aufsicht war in den letzten Monaten verstärkt in die Kritik geraten, weil hochrangige Mitarbeiter gleichzeitig wichtige Posten in der Industrie inne hatten. Auf Druck des europäischen Parlaments verschärfte die Efsa vor kurzem ihre Transparenzregeln und Richtlinien für Mitarbeiter.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung wies die Vorwürfe von Testbiotech am Donnerstag entschieden zurück. Das BfR sei eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). „Externe Sachverständige beraten das BfR lediglich, in keinem Fall treffen sie amtliche Entscheidungen oder führen wissenschaftliche Bewertungsarbeit“, hieß es in einer Stellungnahme.

Für Gentechnikkritiker Then ist das Problem damit aber nicht erledigt. Das Expertengremium der BfR für Gentechnik habe in mehreren umstrittenen Fällen zugunsten der Gentechnik-Lobby beraten, kritisiert er. Als Beispiel nennt er die Gensoja-Sorte MON87701 von Monsanto, die Anfang 2012 in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen wurde – mit Zustimmung der Bundesregierung und ohne Widerspruch durch das BfR.

Das besondere an der Soja-Pflanze: Sie produziert ein Insektengift, das zu den Bt-Toxinen gehört. Es soll Schädlinge fernhalten. „Bekannt ist inzwischen, dass dieses spezielle Bt-Toxin Reaktionen des Immunsystems auslösen und möglicherweise Allergien verstärken kann“, sagt Then. Das BfR hätte die Pflanze deshalb nach seiner Ansicht nicht ohne eine weitere umfassende Untersuchung bei Patienten mit Soja-Allergie befürworten dürfen. Tests wurden zwar gemacht, beim Paul-Ehrlich-Institut, bei dem BfR-Kommissionsmitglied Stefan Vieths Vizepräsident ist.

Allerdings sei diese Studie nicht im Auftrag der Aufsichtsbehörde, sondern von Monsanto erfolgt, wie Then moniert, „die Ergebnisse wurden nie richtig veröffentlicht“. In seiner Funktion als BfR-Berater hätte Vieths doch auf weitere Untersuchungen drängen müssen, meint Then. Dennoch sei der Antrag auf Marktzulassung von den deutschen Experten durchgewunken worden.

„Der offensichtlich vorhandene Interessenkonflikt bei Vieths hat hier allem Anschein nach dazu geführt, dass es gar nicht erst zu einer wissenschaftlich fundierten Risikodiskussion kam“, moniert Then. Er fordert, dass die Zulassung für MON87701 erneut überprüft werden müsse. Vieths äußerte sich bis Redaktionsschluss auf Anfrage nicht zu dem Vorwurf. Das BfR sieht nach eigenen Angaben derzeit keinen Anlass die Zulassung noch einmal zu prüfen.

Bedenklich ist für Then auch die Art und Weise, wie die Kommission mit der Frage umgeht, ob DNA-Bestandteile von gentechnisch veränderten Futterpflanzen in tierisches Gewebe übergehen können. Ein Thema, das für Verbraucher besonders brisant ist, weil es darum geht, ob sich gentechnisch verändertes Tierfutter auf die Qualität von Kuhmilch und eventuell sogar auf die Gesundheit von Konsumenten auswirkt. In der EU gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Milch, Fleisch und Eier, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. „Während die drei BfR-Experten Jany, Flachowsky und Heller jahrelang abgestritten haben, dass die spezifischen DNA Bestandteile auch auf das Tier übergehen, belegten längst mehrere Untersuchungen, dass sich diese in Fleisch, Fisch und Milch wiederfinden lässt“, erklärt Then. „Risiken für die Verbraucher werden so verschleiert und heruntergespielt.“

Testbiotech hat die möglichen Interessenkonflikte der BfR-Experten genau aufgeschlüsselt. Die Details sind offensichtlich: Inge Broer, seit 2011 Vorsitzende der Kommission für gentechnisch veränderte Lebensmittel- und Futtermittel und Professorin für Agrobiotechnologie in Rostock, hat unter anderem an der Anmeldung von Patenten der Firma Bayer auf herbizidtolerante gentechnisch veränderte Pflanzen mitgewirkt. Außerdem fungiert sie als Gesellschafterin der Firmen Biovativ und BioOK, die ihre Dienstleistungen für Konzerne wie Monsanto anbieten. Für Then ergeben sich daraus gleich mehrere Interessenkonflikte. Keinen einzigen davon hat Broer in ihrer Selbsterklärung für das BfR, die im Internet einsehbar ist, angegeben.

Gerhard Eisenbrand, ebenfalls Mitglied der Kommission, gibt zwar mehrere mögliche Interessenkonflikte an. Testbiotech bezeichnet ihn „als einen der einflussreichsten Lobbyisten der internationalen Lebensmittelindustrie“. Unter anderem ist Eisenbrand Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor von ILSI Europe, dem europäischen Arm des International Life Science Institute, das von der Lebensmittelindustrie und Agrar- und Gentechnikkonzernen (Monsanto, Bayer, BASF, Dow Chemical, Syngenta oder Dupont) finanziert wird.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gentechnik-in-lebensmitteln-wie-eine-lobby-die-kontrollbehoerden-unterwandert-1.1366416

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05.04.2012

BASF will Gen-Kartoffeln für Versuche anbauen

Das Chemieunternehmen BASF will in Deutschland, Schweden und den Niederlanden gentechnisch veränderte Kartoffeln in Feldversuchen testen. Noch hat die EU die beiden Kartoffelsorten jedoch noch nicht genehmigt.

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Der Chemiekonzern BASF will auch in diesem Jahr in Europa zwei umstrittene Gen-Kartoffeln in Feldversuchen testen. Die Kartoffelsorten Modena und Fortuna sollen an verschiedenen Standorten in Deutschland, Schweden und in den Niederlanden angepflanzt werden, wie BASF am Donnerstag ankündigte. 2011 und auch 2010 hatte der Konzern in Europa ebenfalls Gen-Kartoffeln in Feldversuchen getestet. Vor zwei Jahren hatte sich der Konzern erheblichen Ärger eingehandelt, als in einem Feld in Nordschweden neben der bereits genehmigten Gen-Knolle Amflora auch eine noch nicht zugelassene Sorte entdeckt wurde. Die Kartoffelsorten Modena und Fortuna stecken beide noch im Genehmigungsprozess in der EU.

Für die jetzt anlaufenden Feldversuche sollen die beiden Sorten insgesamt auf einer Fläche von weniger als einem Hektar angepflanzt werden. In Deutschland soll dies in Sachsen-Anhalt geschehen. Die Kartoffel Modena ist gentechnisch verändert worden, um höhere Stärkeerträge für industrielle Anwendungen in der Papier- und Klebstoffproduktion zu liefern.

Fortuna ist eine gentechnische Weiterentwicklung einer besonders bei Herstellern von Pommes Frites beliebten Knollensorte. Sie soll gegen Kraut- und Knollenfäule resistent sein, einer Kartoffelerkrankung, die von einem pilzartigen Erreger verursacht wird.

Da Kartoffeln nur begrenzt lagerfähig sind, würden sie in der Regel im Feld vermehrt, teilte die BASF mit. Außerdem gehe es bei dem anstehenden Projekt darum, die Leistungsfähigkeit der Sorten unter verschiedenen Umweltbedingungen zu überprüfen und zu dokumentieren. Das gelte auch für die spezielle Widerstandsfähigkeit der Fortuna. „Bei der Durchführung der Feldversuche werden wir – wie auch in den vergangenen Jahren – alle Maßnahmen in enger Absprache mit den zuständigen Behörden ausführen“, versicherte der Geschäftsführer der BASF Plant Science, Peter Eckes, laut Mitteilung.

Eine spätere kommerzielle Nutzung der Gen-Kartoffeln in Europa steht allerdings in den Sternen. Denn wegen der anhaltenden Gentechnik-Skepsis in vielen europäischen Ländern hatte BASF nach jahrelangen Querelen mit Politkern und Umweltschützern kürzlich die Reißleine gezogen.

In weiten Teilen Europas fehle noch immer die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker für die Pflanzenbiotechnologie, hieß es zur Begründung. Um sich aber alle Möglichkeiten offen zu halten, würden laufende Zulassungsanträge und Sortenschutzverfahren weiterverfolgt, teilte die BASF nun mit. Zudem gehe es darum, Saatgut zu vermehren.

BASF will alle Pflanzengentechnik-Projekte stoppen, die ausschließlich auf Europa ausgerichtet sind. Lediglich die in der EU schon angelaufenen Zulassungsprozesse und die dazu gehörenden Versuche sollen weiterverfolgt werden. Dazu gehören auch Modena und Fortuna. Der Konzern will sich in dem Gebiet künftig auf Nord- und Südamerika sowie auf die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren. BASF investierte zuletzt im Jahr rund 150 Millionen Euro in die Pflanzengentechnik.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/gentechnik-basf-will-gen-kartoffeln-fuer-versuche-anbauen/6483090.html

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18.01.2012

Gentechnik-Industrie will umstrittenen „Goldenen Reis“ ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführen –

Wirksamkeit gegen Vitamin-A-Mangel zweifelhaft

Das Vorzeigeprojekt der Gentechnik-Industrie, der umstrittene „Goldene Reis“, soll nach mehr als zehn Jahren der Produktentwicklung 2013 auf den Markt kommen. Dabei ist nach wie vor zweifelhaft, ob der in vielen Entwicklungsländern verbreitete gefährliche Vitamin-A-Mangel durch den gentechnisch veränderten Reis überhaupt wirksam bekämpft werden kann. Auch die Risiken sind unklar. Das dokumentiert ein aktueller Report der Verbraucherorganisation foodwatch.

Der wegen seiner gelblichen Färbung „golden“ genannte Reis soll den wertvollen Beitrag der Grünen Gentechnik im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung demonstrieren – doch bisher ohne Erfolg: „Die Gentechnik-Industrie propagiert den Goldenen Reis als Wundermittel gegen Vitamin-A-Mangel. Allerdings sind diese vollmundigen Versprechungen durch nichts belegt“, erklärt foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. „Das Golden-Rice-Projekt ist vor allem eines: Eine Image-Kampagne der Gentechnik-Lobby. Die wissenschaftlichen Nachweise für die Wirkung sind dünn, die Risiken nicht ausreichend untersucht und es gibt billige und effektivere Alternativen.“

Nach den Vorstellungen der Projektbetreiber soll der Goldene Reis ab 2013 zunächst auf den Philippinen kommerziell angebaut werden. Ein im Auftrag von foodwatch erstellter Report der Organisation Testbiotech zeigt jedoch, dass noch viele wichtige Fragen ungeklärt sind:

  • Bis heute wurde keine einzige Fütterungsstudie an Tieren zur Untersuchung gesundheitlicher Risiken mit dem Reis veröffentlicht. Trotzdem wurden bereits Versuche an chinesischen Schulkindern durchgeführt.
  • Die langfristigen ökologischen Risiken wurden bisher nicht untersucht.
  • Es fehlen Daten zur Stabilität der Carotinoide, die insbesondere bei einer Lagerung der Reiskörner abgebaut werden könnten. Die Carotinoide werden aufgrund der gentechnischen Veränderung im Reis gebildet und sollen die Versorgung mit Vitamin-A sicherstellen.
  • Es fehlen ausreichende Daten zur biologischen Verfügbarkeit. Damit ist unklar, inwieweit die im Reis produzierten Carotinoide vom menschlichen Körper zur Deckung des Vitamin-A-Bedarfs verwertet werden können.
  • Es liegen kaum Daten über mögliche ungewollte Veränderungen der Inhaltsstoffe im Reis und des Stoffwechsels der Pflanzen vor, ebenso wenig wie systematische Untersuchungen über die Reaktion der Pflanzen auf wechselnde Umweltbedingungen.
  • Ein kommerzieller Anbau des Golden Rice wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer nicht rückholbaren Ausbreitung des gentechnisch manipulierten Erbgutes in der Umwelt und zu einer Kontamination des Erbguts der regionalen Reissorten führen – mit nicht absehbaren langfristigen ökologischen und ökonomischen Folgen.

foodwatch fordert die Betreiber und finanziellen Unterstützer des Projektes auf, umfassende und unabhängige Studien zur Risikoabschätzung vorzulegen und die fehlenden technischen Daten zu publizieren. Thilo Bode: „Die Betreiber des Projektes dürfen sich einer offenen Diskussion über die Risiken des Golden-Rice-Projektes nicht länger verweigern.“

Andere, bereits verfügbare Maßnahmen, etwa die flächendeckende Verteilung von Vitamin-A-Präparaten oder mit Vitamin A angereicherte Nahrungsmittel versprechen eine zielgenauere und kostengünstige Alternative zur Bekämpfung des Vitamin-A-Mangels. Zudem gibt es auch konventionell gezüchtete Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Carotinoiden zur Deckung des Vitamin-A-Bedarfs. „Dennoch fördern die Rockefeller Foundation und die Bill und Melinda Gates Stiftung mit Millionenbeträgen weiterhin die Entwicklung des fragwürdigen Golden-Rice-Projektes“, kritisiert Thilo Bode.

Golden Rice ist durch gentechnische Eingriffe so verändert, dass in den Körnern Carotinoide gebildet werden. Der Reis hat eine gelbe Farbe und soll zur Versorgung mit lebensnotwendigem Vitamin A beitragen. Der Mangel an Vitamin A ist ein ernsthaftes Gesundheitsproblem in ärmeren Ländern. Er geht zurück auf eine Fehlernährung, die wiederum ihren wesentlichen Grund in der großen Armut weiter Bevölkerungskreise hat. Die Folgen: Augen- und Hauterkrankungen, Störungen des Immunsystems und der Fortpflanzung sowie Wachstumsstörungen bei Kindern. Auch Todesfälle werden auf Vitamin-A-Mangel zurückgeführt. Bereits 2009 hatte sich foodwatch mit dem Golden Rice-Projekt kritisch auseinandergesetzt.

http://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/gentechnik-industrie-will-umstrittenen-goldenen-reis-ohne-ausreichende-pruefung-der-risiken-einfuehren-wirksamkeit-gegen-vitamin-a-mangel-zweifelhaft/

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16.01.2012

BASF stampft seine Genkartoffel ein

Der deutsche Chemieriese hat die Nase voll – und wandert mit seiner Biotechnik in die Vereinigten Staaten. Der Grund: Mangelnde Akzeptanz für Gentechnologie in Europa. Die restriktive Politik fordert ihr erstes Opfer.

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Der erbitterte Streit hat ein Ende: Wegen der anhaltenden Gentechnik-Skepsis in Europa verlagert der Chemieriese BASF seine Zentrale für Pflanzen-Biotechnologie von Deutschland in die USA. Alle Projekte in der Pflanzengentechnik, die ausschließlich auf Europa ausgerichtet sind, sollen gestoppt werden, kündigte das Unternehmen am Montag an.

Das bedeutet auch das Aus für den Anbau der umstrittenen Genkartoffel Amflora. Der Konzern will bei seiner Tochter BASF Plant Science 140 Stellen in Europa streichen. Die Restrukturierung, die bis Ende 2013 abgeschlossen werden soll, kostet BASF einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Die Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker in weiten Teilen Europas akzeptiere die Gentechnik nicht, begründete BASF-Vorstand Stefan Marcinowski den Schritt. „Die Rahmenbedingungen haben sich insoweit verschlechtert, dass wir auf absehbare Zeit für uns jetzt erkennen müssen, keine Chance für eine erfolgreiche Kommerzialisierung gentechnischer Pflanzen in Europa“, räumte der Manager ein. Marcinowski ist für die Pflanzengentechnik im BASF-Vorstand zuständig.

Der Konzern will sich in dem Feld künftig auf Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren.

In vielen europäischen Ländern sind Genprodukte außerhalb der Medizin umstritten. Die Politik in Europa war in den vergangenen Jahren der ablehnenden Haltung in der Bevölkerung gefolgt. So hatte die EU für die BASF-Genkartoffel Amflora, die für industrielle Anwendungen in Europa gedacht war, erst nach jahrelangem Ringen im März 2010 den Anbau erlaubt.

Der Streit um die Zulassung hatte 13 Jahre gedauert. Gegen den Anbau der Genpflanze hatte es zum Teil heftige Proteste gegeben. „Wir werden alle unsere Kartoffelprojekte, also Amflora, Amadea, Modena, Fortuna sowie die Aktivitäten zu pilzresistenten Weizen stoppen“, kündigte Marcinowski nun an. Lediglich die bereits laufenden Zulassungsprozesse will BASF in Europa weiterführen.

Ein Neustart der Genkartoffel-Projekte in Nord-, Südamerika oder in Asien ist nicht geplant. BASF investierte zuletzt im Jahr rund 150 Millionen Euro in die Pflanzengentechnik.

In Zukunft will BASF seine Pflanzengentechnik-Forschung und -Entwicklung in Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina, im belgischen Gent sowie in Berlin konzentrieren. In der bisherigen
Pflanzenbiotech-Zentrale in Limburgerhof sollen lediglich elf Stellen erhalten bleiben. Das Arbeitsgebiet soll künftig von Raleigh aus gesteuert werden.

Die Standorte in Gatersleben in Deutschland und Svalöv in Schweden will BASF schließen. Der Konzern spreche mit Arbeitnehmervertretern über die insgesamt 140 Arbeitsplätze, die BASF in Europa abbauen will. Weltweit hat die Pflanzenbiotech-Tochter BASF Plant Science 840 Beschäftigte.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/flucht-in-die-usa-basf-stampft-seine-genkartoffel-ein/6073030.html

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Wie Verbraucherschützer gegen die Zerstörung & Verunreinigung der (Um-) Welt durch Gentechnik-Produkte kämpfen und Lobbyisten und Saatguthersteller wie Monsanto dagegen halten.

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