Fracking: Der Kampf ums Öl auf Kosten der Umwelt – eine Chronik

21.06.2016

Koalition will Fracking nun doch noch verbieten

Die Koalition will nach jahrelangem Stillstand nun doch noch schnell ein Gesetz zur umstrittenen Fracking-Technologie verabschieden. Das Gesetz soll einem Verbot der Technik nahekommen. Die Länder sollen das letzte Wort haben und dürfen auch Probebohrungen verhindern.

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Union und SPD wollen kurz vor der Sommerpause nun doch noch ein Gesetz zur umstrittenen Fracking-Technologie verabschieden. Die Spitzen der Koalitionsfraktionen verständigten sich auf einen Kompromiss, der die Technik bis auf wenige Ausnahmen verbieten soll. Nun muss er noch von den Fraktionen selbst beraten werden. Kommt es zu einer Einigung, könnte der Bundestag das geänderte Gesetz noch am kommenden Freitag verabschieden.

Beim Fracking wird durch Einpressen von Flüssigkeiten Gas aus Gesteinsschichten gefördert. In den USA ist die Technologie mittlerweile etabliert, in Deutschland hingegen noch immer hoch umstritten. Unklar sind beispielsweise die Folgen der Bohrungen für das Trinkwasser.

SPD-Umweltexperte Matthias Miersch sprach am Dienstag von einem Riesenerfolg. Der Beschluss entspreche einem unbefristeten Verbot der Technik. Im Gesetz soll laut Koalitionsmitgliedern stehen, dass der Bundestag im Jahr 2021 erneut entscheide, ob das Verbot der Technologie noch angemessen ist. Grundlage für die Entscheidung soll ein bis dahin erstellter Expertenbericht sein. Fällt der Bundestag keine neue Entscheidung, gilt das Verbot weiter; nach bisherigem Stand wäre es 2021 ausgelaufen.

Das letzte Wort beim Fracking sollen nach dem Kompromisspapier weiterhin die Bundesländer haben. „Das Bundesgesetz ist jetzt so formuliert, dass ein Ländervorbehalt im Gesetz steht“, sagte der CDU-Vizechef Armin Laschet. Einzelne Probebohrungen wären noch möglich, dürfen dem Beschluss zufolge aber nur bei Zustimmung der jeweiligen Landesregierung stattfinden.

Energiekonzerne wollten Fracking schon erzwingen

Nach derzeitiger Rechtslage ist unkonventionelles Fracking wie in den USA, also das Aufbrechen von Gestein in flacheren Schichten unter hohem Druck und Einsatz von Chemikalien, in Deutschland möglich. Es wurden aber praktisch keine Bohrungen mehr genehmigt. Dies betrifft auch das seit vielen Jahren in Niedersachsen angewandte konventionelle Fracking in tiefen Gesteinsschichten.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Anwendung der Technologie gesetzlich zu regeln. Bislang konnte sich die Koalition aber nicht auf ein Fracking-Gesetz einigen. Energiekonzerne hatten deshalb kürzlich angekündigt, Bohrungen notfalls zu erzwingen und die Politik so stärker unter Druck gesetzt, ein Gesetz zu verabschieden, das Regeln für die Technologie festlegt.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erdgas-koalition-will-fracking-nun-doch-noch-verbieten-1.3044797

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06.06.2016

Schottlands Parlament verlangt ein vollständiges Fracking-Verbot

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Die britische Politik dreht sich momentan vor allem um die Volksabstimmung über einen möglichen EU-Austritt. Die Schotten hingegen konnten bereits im vergangenen Jahr über ihre Unabhängigkeit abstimmen – und entschieden sich für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Dort besitzt Schottland inzwischen allerdings ein hohes Maß an Autonomie. Bereits im vergangenen Jahr hat die Regionalregierung daher ein Fracking-Moratorium verhängt und wollte zunächst weitere Studien über mögliche Gefährdungen durch die neue Technologie abwarten. Das schottische Parlament geht nun aber sogar noch einen Schritt weiter: Mit knapper Mehrheit votierten die Parlamentarier für ein vollständiges Fracking-Verbot in Schottland. Ein solches Verbot existiert bereits im ebenfalls mit Autonomierechten ausgestatteten Nordirland.

Die Konservativen stimmten gegen das Fracking-Verbot

Das Votum des schottischen Parlaments hat allerdings noch keine bindende Wirkung, es sendet aber ein starkes Signal an die Regierung. Für das vollständige Verbot votierten dabei die Abgeordneten der Labour Partei, der Liberaldemokraten und der schottischen Grünen. „Es gibt keine Zweifel an den wissenschaftlichen Fakten – um unsere Klimaschutzziele zu erreichen und unsere Umwelt zu schützen, müssen wir emissionsarme Ernergiequellen erschließen und nicht weitere fossile Brennstoffe. Labours Position ist daher eindeutig“, erklärte Claudia Beamish, umweltpolitische Sprecherin der Labour-Partei. Die Konservativen, die Partei des britischen Premierministers David Cameron, hingegen sprachen sich gegen ein Komplett-Verbot aus und verwiesen auf mögliche wirtschaftliche Vorteile des Frackings.

Fracking führte in den Vereinigten Staaten zu verunreinigtem Grundwasser

Der schottische Energieminister Paul Wheelhouse erklärte im Anschluss an den Parlamentsbeschluss, seine Regierung bleibe gegenüber der Fracking-Technologie „extrem skeptisch“. Er versprach daher, dass es in Schottland keine Fracking-Förderstellen geben werden, so lange nicht zweifellos nachgewiesen werden kann, dass dadurch keine bleibenden Umweltschäden entstehen. Ein vollständiges Verbot wollte er zunächst aber nicht befürworten. In den Vereinigten Staaten hatte die Fracking-Technologie zu sinkenden Energiepreisen geführt – aber auch zu heftigen Protesten von Umweltschützern. So wird vermutet, dass die Technik für eine steigende Zahl von Erdbeben verantwortlich ist. Rückstände der genutzten Chemikalien konnten zudem im Grundwasser nachgewiesen werden.

http://www.trendsderzukunft.de/schottlands-parlament-verlangt-ein-vollstaendiges-fracking-verbot/2016/06/06/

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24.09.2015

Umweltschutz: NRW Landeskabinett fordert landesweites Fracking-Verbot

Aktuellen Medienberichten zufolge plant das Land Nordrhein-Westfalen ein landesweites Fracking-Verbot im Landesentwicklungsplan zu implementieren. Ein Entwurf ist bereits auf den Weg gebracht. Dieser beinhaltet ein Verbot der Gewinnung von Erdgas durch das umstrittene Fracking-Verfahren. Fracking schadet der Umwelt und kann zudem Ursache für kleine Erdbeben sein. Darüber hinaus wird das Grundwasser verunreinigt und das Risiko gesteigert die Menschen und die Umwelt maßgeblich zu beeinträchtigen.

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Frackingverbot auf Landesebene ist das Ziel

Die Umweltorganisation BUND begrüßt in einem öffentlichen Statement das geplante Fracking-Verbot in NRW. Es wäre zudem auch sehr begrüßenswert ein bundesweites Untersagen auszusprechen und gesetzlich zu manifestieren. In den USA hat Fracking für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg gesorgt. Ein Aufstieg mit großen Konsequenzen. Befürworter sehen im Fracking, die neue Atom-Energie. Umweltschützer halten das Verfahren jedoch für viel zu gefährlich. Auch hierzulande möchte die Industrie und auch die Bundesregierung das Fracking zumindest erproben. Es seien auch in Deutschland durchaus Stellen verfügbar, die sich als geeignet erweisen.

Konkret wird beim Fracking eine mit chemischen Zusätzen versehene Flüssigkeit in bisher kaum nutzbares Gestein gepumpt um im Resultat kleine Risse zu erzeugen. Hierbei kann das im Mutterstein verbliebene Gas einfacher entweichen und somit gefördert werden. Um die Gesteine zu erreichen müssen teilweise mehrere tausend Meter tiefe Bohrungen vorgenommen werden. Das und die Tatsache, dass Wasser mit sehr hohem Druck in das Gestein gepresst wird, macht vielen Menschen Angst. Im April brachte die Bundesregierung daher einen Gesetzentwurf auf den Weg, der das Fracking in Deutschland in weniger als 3000 Meter untersagen soll. Der Entwurf wurde im Mai das letzte Mal kommentiert.

NRW geht mit dem geplanten Frackingverbot mit gutem Vorbild voran. Die Umweltschutzorganisation BUND wünscht sich nun, dass sich auch auf Landesebene gegen ein striktes Verbot weiter stark gemacht wird. Quelle: dpa

http://www.trendsderzukunft.de/umweltschutz-nrw-landeskabinett-fordert-landesweites-fracking-verbot/2015/09/24/

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08.09.2015

Anleger ziehen Kapital aus Fracking ab

In der ersten Jahreshälfte 2015 haben Anleger insgesamt 32 Milliarden Dollar aus der US-Frackingindustrie abgezogen. Die Branche leidet aufgrund des Ölpreisverfalls unter einer Pleite-Welle. Die Öl- und Gasproduktion wird zurückgefahren.

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Anleger haben in den ersten beiden Quartalen des aktuellen Jahres insgesamt 32 Milliarden Dollar aus der US-Frackingindustrie abgezogen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche ein Defizit von insgesamt 37,7 Milliarden Dollar, meldet Factset.

Die Unterdeckung weist auf einen Anstieg der Insolvenzen und Restrukturierungen in der Branche hin, die in den vergangenen sieben Jahren rasant erweitert wurde. Nach Informationen des US-Energieministeriums ist die US-Ölproduktion im Mai und Juni zurückgegangen. Fracking-Unternehmen haben Anteile und Vermögenswerte verkauft und sich Geld geliehen, um die Produktion zu erhöhen und ihre Reserven aufzustocken.Die Gesamtnettoverschuldung der US Öl- und Gasproduktionsfirmen lag Ende 2010 bei mehr als 81 Milliarden Dollar. Bis Ende Juni 2015 verdoppelte sich die Verschuldung auf 169 Milliarden Dollar.

Die Kapitalmärkte waren für diese Firmen derart zugänglich, dass jene Firmen sich massiv verschuldet haben“, zitiert die Financial Times Terry Marshall von der Rating-Agentur Moody ‚s. Die Kreditaufnahme erfolgte trotz des stetig fallenden Ölpreises. Allerdings gibt es nun Anzeichen dafür, dass sich der Kapitalfluss verlangsamt. US-Förderer haben im ersten Quartal des aktuellen Jahres Aktien im Wert von 10,8 Milliarden Dollar verkauft. Doch dieser Anteil betrug im zweiten Quartal 3,7 Milliarden Dollar und fiel im Juli und August weiter auf eine Milliarde Dollar, meldet das finanzunternehmen Dealogic.

Derselbe Trend lässt sich beim Verkauf von Unternehmensanleihen beobachten. In der ersten Hälfte des aktuellen Jahres verkauften die US-Förderer monatliche Anleihen im Wertdurchschnitt von 6,5 Milliarden Dollar. Dieser Anteil ging in der Zwei-Monats-Spanne von Juli und August auf insgesamt 1,7 Milliarden Dollar zurück.

Eine weitere Hürde für viele US-Ölunternehmen ist die Zurücksetzung der Beleihungsgrundlage („Borrowing Base“). Im Gegensatz zur gängigen Kreditfinanzierung dienen nicht persönliche Bürgschaften oder sonstige generelle Sicherheiten als Beleihungsgrundlage, sondern ausschließlich das Umlaufvermögen, also der Warenbestand und/oder Forderungen, der Ölförderer.

Der Energie-Analyst Virendra Chauhan erwartet für das vierte Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang bei der US-Produktion.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/08/anleger-ziehen-kapital-aus-fracking-ab/

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15.07.2015

Walsrode lässt ExxonMobil nicht auf die Straße

Die vor der Sommerpause gescheiterte Verabschiedung des umstrittenen Fracking-Gesetzes im Bundestag sorgt für Aufregung in Walsrode. Der Energiekonzern ExxonMobil will den Umstand offenbar ausnutzen, um doppelt so viel giftiges Lagerstättenwasser zu verpressen wie bisher. Das Unternehmen hat einen entsprechenden Antrag beim Landesbergamt gestellt. Die Stadt stellt sich allerdings quer.

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Stadt will Durchfahrt verweigern

Der Plan von ExxonMobil sieht vor, insgesamt 60.000 Kubikmeter der giftigen Flüssigkeit im Bereich der Fulde im Nordwesten Walsrodes in den Boden zu pressen. Bisher war lediglich die Hälfte genehmigt. Um zu der Verpressstelle zu gelangen, müssten die Tanklastzüge des Unternehmens das letzte Stück der Strecke über öffentliche Gemeindestraßen fahren. Ein Antrag auf die entsprechende Sondergenehmigung liegt im Rathaus bereits vor, doch die parteilose Bürgermeisterin Helma Spöring weigert sich, diesen zu unterschreiben. Die Straßennutzungsordnung sei die einzige Chance der Stadt, selbst in das Genehmigungsverfahren einzugreifen, so Spöring. Damit habe ExxonMobil keine Zufahrt zu seiner Versenkstelle und müsse das Vorhaben aufgeben.

Große Empörung über Pläne von ExxonMobil

Auch Politiker und Umweltschützer empören sich über die aktuellen Pläne des Konzerns. Der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel forderte, das Bergamt müsse verhindern, dass ExxonMobil vollendete Tatsachen schaffe, bevor der Bundestag die geplanten strengeren Vorschriften für die Verpressung von Lagerstättenwasser beschließe. Der Heidekreis werde als untere Wasserbehörde an dem Verfahren beteiligt und werde es kritisch verfolgen, sagte Landrat Manfred Ostermann (parteilos). Auch Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative Umweltschutz Uelzen fordert, den neuen ExxonMobil-Antrag keinesfalls zu genehmigen.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Walsrode-laesst-ExxonMobil-nicht-auf-die-Strasse-,fracking660.html

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01.07.2015

Steht das Fracking-Gesetz vor dem Aus?

Das umstrittene Fracking-Gesetz steht möglicherweise vor dem Scheitern. Vertreter von SPD und Union haben am Dienstag in Berlin bestätigt, dass man sich bisher nicht auf Regelungen zu der umstrittenen Gas-Fördermethode verständigen konnte.

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Eigentlich sollte der Bundestag das Gesetzespaket am Freitag auf den Weg bringen. Nun ist die Entscheidung nach Angaben von Vertretern der Großen Koalition auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben. Sollte das Gesetz kommen, beträfe es vor allem Niedersachsen: Immerhin 95 Prozent des deutschen Erdgases werden hierzulande gefördert.

Grüne und Linke fordern generelles Fracking-Verbot

Beide Seiten machten sich gegenseitig für das Scheitern verantwortlich. Unions-Vize-Fraktionschef Georg Nüßlein sagte, der Gesetzentwurf hätte „strengste Umweltstandards“ vorgesehen. Er setze darauf, dass Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) nun für die von ihnen erarbeiteten Regelungen auch in den eigenen Reihen werben würden. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Matthias Miersch, kritisierte dagegen, dass die Union nicht bereit gewesen sei, die Zahl der Probebohrungen zu beschränken. Nun gelte „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagte Miersch. Die Opposition hält Fracking in Deutschland überflüssig und gefährlich. Statt das Gesetz zu verschieben, sei ein generelles Fracking-Verbot nötig, forderten Linke und Grüne.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Steht-Fracking-Gesetz-vor-dem-Aus,fracking658.html

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16.06.2015

Amtlich bestätigt: Fracking löst Erdbeben aus

Erdbeben durch Fracking-Bohrungen – diesen Verdacht hegen Bürgerinitiativen und kritische Wissenschaftler/innen schon lange. Jetzt haben die Geologiebehörde der USA und der US-Bundesstaat Ohio amtlich bestätigt: Es besteht ein Zusammenhang von Fracking und Erdbeben.

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In vielen US-Bundesstaaten mit Fracking-Industrie wird über eine Zunahme leichter Erdbeben berichtet, zum Beispiel in Texas, Ohio oder wie die Karte oben zeigt, in Oklahoma. In der Vergangenheit haben die Behörden den Zusammenhang von Fracking-Bohrungen und Erdbeben zumeist geleugnet. Doch jetzt wurde der Druck der Fakten zu groß.

Verpressung von Fracking-Abwässern ist schuld

Die US-Geologiebehörde hat in einem Bericht festgestellt, dass die Erdbeben in 14 Regionen der USA aufgetreten sind, die auf die Verpressung von Abwässern aus Fracking-Bohrungen zurückzuführen sind. Bei der Öl- und Gasförderung mit Fracking fallen viele Millionen Liter giftiger Abwässer an – das so genannte Lagerstättenwasser.

Die Fracking-Unternehmen pumpen dieses mit Schwermetallen belastete Abwasser zurück unter die Erde.

Denn eine überirdische Entsorgung würde erhebliche Mehrkosten verursachen. Insbesondere im Zentrum und im Osten des Landes habe die Zahl der Erdbeben seit 2009 stark zugenommen – und zwar seit dort mit Fracking Öl und Gas gefördert wird. Der Leiter der Studie Mark Petersen sagt dazu:

„Die Erdbeben kommen viel öfter vor als früher und sie stellen ein zunehmendes Risiko für die Menschen dar, die in den betroffenen Gebieten leben.“

Oklahoma: extreme Zunahme der Erdbebenhäufigkeit

Besonders deutlich wird das Problem in Oklahoma: Seit in dem US-Bundesstaat mit Fracking nach Öl und Gas gebohrt wird, ist die Anzahl leichter Erdbeben der Stärke 3+ geradezu explodiert.

Aus einem Bundesstaat, der beinahe frei von Erdbeben war, wurde innerhalb weniger Jahre der US-Bundesstaat mit den meisten Erdbeben. Das Energie- und Umweltministerium von Oklahoma schreibt dazu auf einer Website zum Thema:

Wir wissen, dass sich 2013 in Oklahoma 109 Erdbeben der Stärke 3+ ereigneten, 2014 waren es fünf Mal so viele. Die Geschwindigkeit der Erdbeben-Aktivität hat dieses Jahr zugenommen. Die gegenwärtige durchschnittliche Zahl von Erdbeben ist ungefähr 600 mal höher als der historische Durchschnitt.“ (Übersetzung durch Autor)

Das Ministerium sieht, ebenso wie die US-Geologiebehörde, die mit dem Fracking einhergehende Verpressung von Abwässern als Ursache der Erdbeben:

Seismologen haben dokumentiert, dass die Entsorgung von Lagerstättenwasser seismische Aktivitäten auslöst. Das geologische Amt von Oklahoma hat festgestellt, dass die Mehrheit der jüngsten Erdbeben in Mittel- und Nord-Mittel-Oklahoma sehr wahrscheinlich durch die Verpressung von Lagerstättenwasser in Versenkbohrungen verursacht wurde.“ (Übersetzung durch Autor)

Deutschland: Fracking-Gesetz kurz vor der Verabschiedung

Dass Fracking Erdbeben auslösen kann, ist also nicht mehr zu bestreiten. Umso problematischer ist es, dass die Bundesregierung der Risikotechnologie nun auch in Deutschland den Weg ebnen will. Ihr Gesetzesentwurf soll Fracking wieder möglich machen – mit Ausnahme weniger Ausschlussgebiete.

Unterhalb von 3.000 Metern Erdtiefe soll das sogenannte konventionelle Fracking grundsätzlich erlaubt sein. Und oberhalb von 3.000 Metern soll ab 2018 eine demokratisch nicht legitimierte Expertenkommission auch „unkonventionelles“ Fracking möglich machen.

Auch die unterirdische Verpressung von Lagerstättenwasser ist nach dem Gesetzentwurf möglich – trotz der damit verbundenen Erdbebengefahr. Dabei lassen die Erfahrungen aus den USA eigentlich nur einen Schluss zu: Fracking muss konsequent und ohne Ausnahmen verboten werden.

http://www.huffingtonpost.de/gerald-neubauer/fracking-erdbeben-ausloesen_b_7593474.html?utm_hp_ref=germany

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13.05.2015

Fracking: Dänemark stoppt Probebohrung wegen ungeprüfter Chemikalie

Für den Energie-Konzern Total war der vergangene Montag ein großer Tag: Die Franzosen durften als erstes Unternehmen für ein Frackingprojekt auf dänischem Boden probebohren. Allerdings war die Freude schon am nächsten Tag vorbei: Die Regierung stoppte die Bohrungen nach Schiefergas wegen einer der dabei verwendeten Chemikalien.

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Diese sei “nicht Teil der autorisierten Produkte” gewesen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher von “Energistyrelsen”, der dänischen Energieagentur. Diese ist dem Energieministerium unterstellt und kümmert sich auch um Auslands-Kooperationen.

Der öffentlich-rechtliche Sender “DR” sprach von einem Produkt namens “Null Foam”, das Schaumbildung verhindern soll und als umweltschädlich gilt. Das Ministerium hat das Produkt wegen fehlender Tests noch nicht freigegeben, berichtet das Portal “Shalegas International”.

Total überrascht, Stadtrat wütend

Total-Projektleiter Henrik Nicolaisen hingegen sagte, die Chemikalie sei nicht illegal und habe nicht auf der genehmigten Liste gestanden, “weil wir nicht erwartet haben, dass es ein Problem sein würde.”

Man habe seit Februar mit der Gemeinde und der Energieagentur in Kontakt gestanden und “gefühlt, dass wir eine gemeinsame Verständigung darüber hatten, dass diese Substanz genutzt werden könne”, so Nicolaisen weiter.

Die Testbohrungen fanden im Norden Dänemarks, in der Region Vendsyssel statt. Der Vorsitzende des Umweltausschusses des zuständigen Rates in der Stadt Frederikshavn, Anders Brandt Sørensen, sagte gegenüber DR: Die Nutzung des nicht erlaubten Produktes mache ihn “sehr wütend”.

Aktivisten kletterten auf den Bohrer

Wütend waren schon im Vorfeld Anwohner und Umweltorganisationen. Gegner hatten die Bohrfelder im vergangenen Jahr blockiert, noch diesen April waren Greenpeace-Aktivisten auf die 45 Meter hohe Bohrmaschine geklettert.

Die Erdgasvorkommen Dänemarks (und Grönlands) sind nach derzeitigen Schätzungen die viertgrößten in Europa. Die Schiefergasvorkommen gelten dagegen als weit weniger bedeutend.

Die bislang tolerante Haltung gegenüber Fracking macht das Land aber attraktiv für Unternehmen – andere Staaten wie Frankreich oder die Niederlande haben allen Frackingbemühungen zumindest vorerst eine Absage erteilt.

In Deutschland will die Regierung Fracking unter Auflagen erlauben, auch wenn sich zahlreiche Politiker dagegen aussprechen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf beschloss das Kabinett Anfang April. Einen Fracking-Boom wie in Vereinigten Staaten dürfte es laut einer aktuellen Studie hierzulande allerdings nicht geben.

http://green.wiwo.de/fracking-daenemark-stoppt-probebohrung-wegen-ungepruefter-chemikalie/

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12.05.2015

Fracking-Lobbyismus an Schulen? Niedersachsen stoppt umstrittene Projekte

Den Begriff „Lobbyismus“ verbinden viele Bürger mit hoch dotierten Beraterposten, Luxus-Reisen und vor allem dunklen Hinterzimmern – weniger mit hell beleuchteten Klassenräumen. Doch auch hier versuchen Unternehmen, junge Menschen für ihre Geschäfte und ihre Branche zu begeistern.

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So auch der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), der – wie der Name nahe legt – die Interessen der Unternehmen in diesem Bereich unter anderem gegenüber der Politik vertritt. Er arbeitete bis vor kurzem in Niedersachsen mit fünf weiterführenden Schulen zusammen. Für den Geschmack des Kultusministeriums war diese Zusammenarbeit aber etwas zu eng – das Ministerium beendete die Kooperationen nun.

Praxisnähe oder Lobbyarbeit?

Den Grund kann der WEG nicht nachvollziehen. Es gehe nur um eine „fächerübergreifende und praxisnahe Heranführung an technisch-naturwissenschaftliche Themen“, rechtfertigt sich der Verband. Und die Schüler nähmen diese „sehr gerne an“.

Der WEG bot den Schülern zum Beispiel an, ihre Seminararbeiten etwa beim Ölgiganten ExxonMobil, dem mittlerweile in Engie umbenannten französischen Konzern GDF Suez oder der unlängst von RWE verkauften Deutschen Erdöl AG (DEA) zu schreiben.

Ein einfacher Einblick in die Praxis also, alles halb so wild?

Dieser Darstellung widerspricht der Lobbyismus-kritische Verein Lobbycontrol entschieden. Schon Anfang 2013 hatte die Watchdog-Organisation das Projekt kritisiert. Nicht zuletzt, weil Vertreter des WEG in einer Dokumentation die Ziele des Schulprojekts als „Verbesserung der Reputation der Branche“ und „Versachlichung der Darstellungen über die Erdöl- und Erdgasproduktion in Schulen“ formulierte.

Schulen bekamen 10.000 Euro

ExxonMobil soll den beteiligten Schulen 10.000 Euro im Jahr gezahlt haben, GDF Suez 3000 Euro. „Hinzu kommt, dass die Kooperationen in einer Gegend stattfinden, in der die umstrittene Fracking-Technik vermehrt zum Einsatz kommt“, kritisiert Felix Kamella von Lobbycontrol und nennt die Kooperation „einen der deutlichsten Fälle von Lobbyismus an Schulen“.

2007 war es die Regierung unter Christian Wulff (CDU), die das Projekt auf den Weg brachte – übrigens keine drei Jahre, nachdem dieselbe Regierung die Landeszentrale für politische Bildung schloss, die bis dahin unabhängige Bildungsangebote erstellt hatte.

Der Beschluss, die Kooperation zu beenden, kommt nun aus dem von Frauke Heiligenstadt (SPD) geführten Kultusministerium – mit Hinweis auf eine derzeit gültige Antikorruptionsrichtlinie.

Schülerinnen und Schüler müssen sich frei und ohne einseitigen Einfluss ihr eigenes Urteil bilden können, in diesem Fall war dies nach unserer Einschätzung nicht mehr gewährleistet“, heißt es aus dem Ministerium. Den darin mitschwingenden Vorwurf der unzulässigen Beeinflussung weist der WEG wiederum von sich.

Kooperationen mit Unternehmen sind an vielen Schulen üblich. Diese profitieren vom externen Wissen. Die vielerorts marode Infrastruktur macht Schulen aber auch für materielle Unterstützungen empfänglich, etwa Laptops oder Tafeln. Anders als zum Beispiel angehende Mediziner werden Lehrer in ihrer Ausbildung noch nicht für Lobbyismus sensibilisiert.

http://green.wiwo.de/fracking-lobbyismus-an-schulen-niedersachsen-stoppt-umstrittene-projekte/

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28.04.2015

Fracking: Erdbeben in den USA nehmen drastisch zu

Schon länger untersuchen Wissenschaftler in den USA, welchen Zusammenhang es zwischen der Förderung von Erdgas und Erdöl aus Schiefergestein und Erdbeben gibt. Eines scheint dabei sicher: Das Fracking-Verfahren, mit dem die Rohstoffe aus dem Gestein geholt werden, ist nicht direkt für die Beben verantwortlich.

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Vielmehr ist es das Schmutzwasser, das nach dem Fracking an die Oberfläche kommt und dann von den Unternehmen an anderer Stelle wieder unter die Erde gepresst wird, um es zu entsorgen. Das Wasser ist mit Schadstoffen aus dem Untergrund und teilweise mit Fracking-Chemikalien belastet. Die Brühe wieder in Hohlräume im Boden zu verpressen, ist bisher die günstigste Art mit dem unerwünschten Nebenprodukt umzugehen.

Das hat aber Folgen, wie die US-Geologiebehörde USGS jetzt in einem Report feststellt (hier als PDF).

Insgesamt in 14 Regionen in den USA sind laut den Geologen Erdbeben aufgetreten, die vor allem durch das Verpressen von Flüssigkeiten aus der Öl- und Gasförderung ausgelöst wurden.

Der Leiter der Studie Mark Petersen beschreibt die Ergebnisse des Reports so: “Die (vom Menschen verursachten, Anm. d. Red.) Erdbeben kommen viel öfter vor als früher und sie stellen ein zunehmendes Risiko für die Menschen dar, die in den betroffenen Gebieten leben.”

Vor allem im Zentrum und Osten der USA hätten die von Menschen verursachten Erdbeben seit 2009 drastisch zugenommen, warnt die USGS. Dieser Zeitraum fällt mit dem Schiefergas- und Schieferölboom in den USA zusammen.

Derzeit arbeiten die USGS-Geologen daran, Modelle zu entwickeln, die die Erdbebengefahr in den betroffenen Gebieten vorhersagen können. Die USGS-Studie ist insofern interessant, weil erstmals ein Überblick über die von Menschen verursachten Erdbeben für die gesamte USA erstellt wurde. Bisher lagen nur Studien aus den einzelnen Bundesstaaten vor.

Für die Fracking-Industrie in den USA sind das keine guten Nachrichten.

Einmal könnten die Ergebnisse dazu führen, dass Unternehmen viel gründlicher als bisher testen müssen, ob geologische Strukturen erdbebensicher sind. Das würde ebenso mehr Geld kosten wie die Vorgabe, das Schmutzwasser wieder aufzubereiten. Technisch ist das möglich, aber eben teuer.

Zudem könnten Schadenersatzklagen auf die Unternehmen zukommen, die von den Öl- und Gasförderern mit der Entsorgung beauftragt sind. Unter anderem stützen Versicherungen ihre Policen auf die Erdbebenwarnungen der USGS. Immobilien in den betroffenen Gegenden würden stark an Wert verlieren.

Auch für Deutschland ist der Report interessant. Denn die Bundesregierung hat in ihrem kürzlich beschlossenen Entwurf für ein Frackinggesetz (das noch den Bundestag passieren muss) Tests mit dem Verfahren erlaubt.

Sollte es in dem kommenden Jahren wirtschaftlich und im großen Stil genutzt werden – auch das ist laut dem Gesetz möglich, allerdings mit Einschränkungen – müssen die Unternehmen auch in Deutschland das Abwasser entsorgen. Auch hier ist die Verpressung zum Beispiel in leere Gasfelder die günstigste und naheliegende Variante. Allerdings soll sie nur in Ausnahmefällen erlaubt werden.

Wie groß die Erdbeben-Gefahr im Zusammenhang mit der Förderung von Schiefergas und Schieferöl tatsächlich ist, weiß derzeit aber wohl niemand genau. Die USGS-Geologen weisen darauf hin, dass die Verpressung des Frackingwassers Erdbeben auslösen kann, aber zumeist keine negativen Folgen hat.

http://green.wiwo.de/fracking-erdbeben-in-den-usa-nehmen-drastisch-zu/

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01.04.2015

Kabinett regelt Fracking – Kritik von allen Seiten

Barbara Hendricks lächelt, sie scheint erleichtert. Das Kabinett hat heute im x-ten Anlauf ihren Gesetzentwurf zum Fracking abgesegnet. „Hier wird nichts ermöglicht, was bislang verboten ist“, betonte die Ministerin. Doch Kritik kommt von allen Seiten. von Kristina Hofmann

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Die Debatte geht schon seit Jahren: Dürfen Gas und Öl aus Schiefergestein oder Kohleflözen durch Wasserdruck, Sand oder Chemikalien gewonnen werden? Teufelszeug, sagen Naturschützer. Heilsbringer für alle Energiekrisen, sagen Unternehmen. Schon die schwarz-gelbe Koalition hatte vor Jahren versucht, einen Mittelweg zu finden, war aber gescheitert. Diesen Hinweis konnte sich die Ministerin dann aber nicht verkneifen, als sie heute ihr Gesetz vor der Presse vorstellte: „Unsere Auflagen sind deutlich strenger, und wir haben es ins Kabinett geschafft“, sagte die SPD-Politikerin. Ihr Gesetz sei ein „Fracking-Verhinderungsgesetz“, die derzeitige Rechtslage ermögliche dagegen so gut wie alles.

Hendricks: Fracking ist nicht die Antwort auf die Energiekrise

Nach dem jetzt vorliegenden Gesetzentwurf wird das so genannte unkonventionelle Fracking in Wasserschutz- und Trinkwasserschutz-Gebieten generell verboten. Geht den Ländern das nicht weit genug, können sie das Verbot erweitern. „Damit kommen wir der Forderung der Getränkeindustrie und der Bürger nach“, sagte Hendricks. Vor allem die Bierbrauer sahen ihr Reinheitsgebot gefährdet. Zudem soll durch das Gesetz verboten werden, dass in Schiefergesteinen nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen gefrackt wird. Erprobungen sind aber ab einer Tiefe von 3.000 Metern erlaubt. Vorher muss allerdings eine Expertenkommission diesen Antrag auf Erprobung prüfen, erst wenn sie diese für Umwelt und Mensch unbedenklich halten, können sie die Genehmigung bei den Landesbehörden beantragen. „Die Wasserbehörden der Länder haben ein Vetorecht“, so Hendricks.

Geht es nach Hendricks, ist durch das Gesetz ein „größtmöglicher Schutz der Umwelt“ erreicht. Eine Befürworterin des Frackings ist sie damit noch nicht. Es werde in Deutschland sicher nur eine „sehr geringe Zahl von Erprobungen geben, wenn überhaupt“, sagte die Ministerin. Die Kosten beliefen sich etwa auf 30 Millionen Euro pro Probebohrung. „Ob es für Fracking einen Bedarf gibt, bezweifle ich. Fracking ist nicht die Antwort auf die Energiekrise.“ Hätte man aber generell diese Erforschung des unkonventionellen Frackings verboten, hätte nach Ansicht der Ministerin das Bundesverfassungsgericht das Gesetz wieder kassiert.

Union: Es passt noch nicht, BDI: Auflagen „völlig überzogen“

Alles also halb so schlimm? Die Grünen glauben das nicht. Sie befürchten, dass durch das Gesetz der Weg für das Fracking geebnet wird. Prompt jubelt der Bundesverband der Industrie: Der Kabinettsbeschluss sei ein „positives Signal, dass Schiefergas-Förderung nicht vollständig verboten wird“, die Auflagen seien aber „vollkommen überzogen“, sagte Matthias Wachter vom BDI. Die Fracking-Technik sei beherrschbar. Das glaubt Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nicht: „Deutschland braucht ein Fracking-Verbot.“ Allerdings haben die Grünen keine Möglichkeit, über den Bundesrat Druck zu machen – das Gesetzespaket, insgesamt müssen zwei Gesetze und eine Verordnung geändert werden – ist nicht zustimmungspflichtig.

Ärger droht daher für Hendricks eher aus den eigenen Reihen. Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus Nordrhein-Westfalen, woher die Ministerin selbst stammt, sind gegen das Gesetz und wollen ein Frackingverbot bis 2021. Außerdem stört sie die Expertenkommission. Auch aus der Unions-Fraktion gibt es Widerstand. Etwa 100 Abgeordnete hatten einen Zehn-Punkte-Plan mit Änderungen vorgelegt, den sie gerne vor der Verabschiedung im Gesetz eingearbeitet hätten. Ein Stück kam Hendricks ihren Kritikern schon entgegen: Künftig muss nicht mehr ein Hausbesitzer beweisen, dass Schäden beispielsweise durch ein von Fracking ausgelöstes Erdbeben entstanden sind. Die Beweislast liegt jetzt beim Unternehmen. Der CDU reicht das noch nicht: Sie fordert weitere Änderungen. „Es geht in die richtige Richtung, aber es passt noch nicht“, sagte CDU-Bundestagsabgeordneter Andreas Mattfeldt, der Kopf der Widerstandsgruppe in der Union.

Dass die Union im jetzt folgenden Gesetzgebungsverfahren Ruhe gibt, glaubt Ministerin Hendricks aber auch selbst nicht: „Es wird sicher noch Änderungen geben.“ Dafür sei sie „offen“, wenn sie „mehrheitsfähig und fachlich vertretbar sind“.

http://www.heute.de/bundesregierung-verabschiedet-gesetzentwurf-zum-fracking-37852610.html

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29.03.2015

Amerika droht die Fracking-Flaute

Die Internationale Energieagentur prophezeite den USA bereits vollkommene Unabhängigkeit von Energieimporten. Doch durch den niedrigen Ölpreis könnte sich die aufwändige Fördermethode bald nicht mehr rechnen.

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Fracking galt in den USA lange als energiepolitischer Heilsbringer. Die Anhänger der umstrittenen Fördermethode für Schiefergas und Schieferöl frohlockten, dass die Vereinigten Staaten in nicht allzu ferner Zukunft ihren gesamten Energiebedarf selbst abdecken könnten. Bundesstaaten wie North Dakota, unter dessen Präriegras riesige Schieferölvorkommen liegen, erlebten einen Wirtschaftsboom. Doch seit einigen Monaten herrscht Ernüchterung. Grund ist vor allem der Absturz des Ölpreises.

Das Kabinett in Berlin befasst sich voraussichtlich am Mittwoch mit der Frage, welche Regeln für das Fracking künftig in Deutschland gelten sollen. Die USA decken bereits einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl ab.

Ende 2012 sorgte eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) für Aufsehen, die den Vereinigten Staaten für das Jahr 2030 eine vollkommene Unabhängigkeit von Energieträgern aus dem Ausland prophezeite. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen, prognostizierte die IEA.

Beim Fracking – kurz für „hydraulic fracturing“ – werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein gepresst. Durch den dadurch entstehenden Druck soll Gas oder Öl freigesetzt werden. Kritiker warnen davor, dass die chemischen Substanzen durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen könnten. Auch in den USA stemmen sich Fracking-Gegner gegen die Fördermethode. Der Bundesstaat New York etwa verhängte ein Fracking-Verbot und begründete dies mit möglichen Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung.

Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge ist die öffentliche Meinung in den USA beim Thema Fracking gespalten. Befürworter und Gegner halten sich mit je 40 Prozent die Waage, 19 Prozent der Amerikaner haben keine Meinung. Anhänger von Präsident Barack Obamas Demokraten sehen Fracking demnach eher kritisch, Republikaner sind dagegen Fracking-Fans.

Massenentlassungen und Insolvenzen“

Obama erließ vor gut einer Woche erstmals Vorschriften für die Förderung von Schieferöl und Schiefergas auf bundeseigenem Land. Laut „New York Times“ sind davon rund 100.000 Förderstätten betroffen. Kontrolleure der Bundesregierung sollen künftig die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen. Außerdem müssen die Unternehmen die verwendeten Chemikalien öffentlich machen und detaillierte Informationen über die geologischen Bedingungen an den Bohrstellen vorlegen. Weiterhin sollen einheitliche Standards für die Lagerung und den Einsatz der chemischen Substanzen gelten.

Die drohende Fracking-Flaute in den Vereinigten Staaten hat aber vor allem wirtschaftliche Gründe. Seit vergangenem Sommer hat sich der Ölpreis mehr als halbiert, Förderfirmen in den USA gerieten in der Folge unter finanziellen Druck. Bei dauerhaft niedrigen Energiepreisen könnte sich das aufwändige Verfahren nicht mehr rechnen. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) lieferte Mitte März eine Gegenanalyse zur optimistischen Aussicht der IEA und erklärte, dass der Ölboom in den USA am Jahresende vorbei sein könnte.

Eine Studie der Energy Watch Group – ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern – warnte mit Verweis auf die jüngsten Entwicklungen in der US-Frackingindustrie vor einem Ausbau der Schiefergasförderung in Deutschland und Europa. „Massenentlassungen und Insolvenzen zeigen ein völlig anderes Bild als das des jahrelangen sicheren Aufschwungs der fossilen Wirtschaft“, heißt es in dem Bericht.

Die Rohöl-Lager in den USA sind dank Fracking allerdings prall gefüllt. Nach Angaben des US-Energieministeriums liegen die Ölbestände auf einem so hohen Niveau wie seit mindestens 80 Jahren nicht mehr.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/oelboom-in-gefahr-amerika-droht-die-fracking-flaute-/11571218.html

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23.03.2015

Auf fremdem Terrain

Die Regierung will die unkonventionelle Gasförderung regulieren. Wie gefährlich die Technik ist, weiß niemand. Eigentlich reicht aber ein einziges Argument für ein Verbot

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Es ist eine seltsame Demonstration: Drei Mitarbeiter des Energiekonzerns ExxonMobil stellen sich vor einem Fernsehteam auf. Sie tragen rote Arbeitskleidung und weiße Helme. In der Hand halten sie Pinnchen. „Wenn’s denn der Sache dient, trinken wir das jetzt“, sagt einer. Dann folgt vor laufender Kamera der angebliche Beweis: Das Gemisch, das ExxonMobil für die umstrittene Gasfördermethode Fracking benutzen will, soll völlig ungefährlich sein.

Das ARD-Magazin Panorama hat die Exxon-Mitarbeiter zu dieser Inszenierung gedrängt. Es passt so schön zum Tenor des Beitrags: Die Risiken des Frackings würden „maßlos übertrieben“, da seien sich die Experten einig. Zum Beweis wird noch der Autor einer Studie für das Umweltbundesamt interviewt. Die Technik sei „beherrschbar“, sagt er. Wirklich? In der Studie selbst ist zu lesen, es bestehe noch Forschungsbedarf, „ob und wie die Grundwassersituation beherrscht werden kann“. Das erfährt der Fernsehzuschauer allerdings erst wenige Wochen später. Da nimmt sich auch das ARD-Magazin Monitor des Themas an – und den Panorama-Beitrag auseinander. Unter anderem muss ein Exxon-Sprecher einräumen, dass die demonstrativ getrunkene Flüssigkeit bisher noch gar nicht bei Fracking-Bohrungen getestet wurde. Das deckt sich mit der Aussage des Bundesumweltministeriums: Alle Angaben der Gasförderunternehmen zeigten, „dass auf wassergefährdende Stoffe derzeit nicht vollständig verzichtet werden kann“.

Die Fracking-Technik zur Erdgasgewinnung spaltet die deutsche Gesellschaft. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern. Gegner hingegen fürchten die Verschmutzung des Trinkwassers. Durch Fracking lassen sich Erdgasvorkommen ausbeuten, die mit den bisher genutzten Methoden nicht erschlossen werden können. Dazu wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Durch den hohen Druck bricht das Gestein und das Gas entweicht. Aber können dabei gefährliche Stoffe ins Grundwasser gelangen?

In den USA wird die Methode schon im großen Stil angewendet. Die deutsche Bevölkerung ist noch skeptisch. Viele sind verunsichert, etwa wegen der Bilder aus dem Dokumentarfilm Gasland: Ein Mann hält sein Feuerzeug neben den laufenden Wasserhahn und plötzlich entsteht eine riesige Stichflamme. Zu viel entzündliches Methangas im Wasser. Allerdings haben Untersuchungen inzwischen gezeigt, dass in diesem konkreten Fall nicht das Fracking in der Region schuld war, sondern Methan, das aus natürlichen Gasschichten kommt.

Doch es gibt Risiken, das bestreitet auch niemand. Das Umweltbundesamt fordert daher eine starke Regulierung. Die könne so weit reichen, dass sie „einem Verbot von Fracking gleichkommt“, wie Präsidentin Maria Krautzberger sagt. Auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) spricht gerne davon, dass ihr mit dem Wirtschaftsministerium ausgehandeltes Gesetzespaket die neue Fördertechnik im Kern verbiete – mit wenigen Ausnahmen. Der Referentenentwurf liegt vor, in der kommenden Woche soll er im Kabinett beschlossen werden.

Die Länder warten schon

Doch von einem Fracking-Verbot kann keine Rede sein; es gibt es jede Menge Ausnahmen. In Sandstein darf die Methode angewendet werden – das passiert auch schon in Deutschland. Alle Bohrungen, die tiefer als 3.000 Meter gehen, sind ebenfalls erlaubt. In Schiefergestein und Kohleflözen oberhalb der Grenze sind Forschungsprojekte zulässig, und ab 2018 darf auch kommerziell gefrackt werden, wenn ein Expertengremium die Risiken für beherrschbar hält. Die Frack-Flüssigkeit, die in den Boden gepresst wird, darf zwar als Gemisch nur schwach wassergefährdend sein, einzelne Bestandteile können aber durchaus gefährlicher sein.

Bisher gibt es in Deutschland noch gar kein Gesetz zu der umstrittenen Fördermethode, jetzt wird das Fracking erstmals ausdrücklich reguliert. Die Bundesländer warten bereits darauf, und auch die Firmen halten so lange noch still. In Nordrhein-Westfalen gilt derzeit ein Moratorium, und auch in Niedersachsen wird seit drei Jahren nicht mehr gefrackt. Rund 95 Prozent der deutschen Erdgasförderung findet in Niedersachsen statt, dort haben sich das rote Wirtschaftsministerium und das grüne Umweltministerium auf einen Kompromiss geeinigt: Fracking soll in Sandstein weiter erlaubt bleiben, in anderen Gesteinen aber verboten werden. Diese Regelung wurde allerdings noch nicht verabschiedet, stattdessen wartet die Landesregierung offenbar das Gesetzespaket des Bundes ab. Die Firmen stehen mit ihren Anträgen bereits in den Startlöchern.

Ist es akzeptabel, diese Technik komplett zu verbieten, wie Grüne und Linkspartei fordern? Darf man gegen Probebohrungen sein, die möglicherweise neue Daten zur Risikominimierung liefern?

Eigentlich reicht ein einziges Argument für das Verbot: Wenn das Klima noch gerettet werden soll, muss der Großteil der fossilen Rohstoffe im Boden bleiben – Fracking macht nun mal das Gegenteil. Wenn die Konzerne jetzt einsteigen, investieren sie Millionen und werden daher noch jahrelang an der Gasförderung festhalten. Die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden, bringt es auf den Punkt: „Fracking verlängert das fossile Zeitalter. Für die Energiewende brauchen wir es nicht.“ Strom lässt sich leicht aus Wind- und Sonnenkraft produzieren. Gas wird zwar auch von ungefähr jedem zweiten Haushalt fürs Heizen genutzt. Der Bedarf ließe sich durch Gebäudesanierung jedoch enorm senken, sodass die konventionelle Erdgasförderung ausreichen würde.

Schlechtes Vorbild

Die Konzerne argumentieren, Gas sei klimafreundlicher als Kohle oder Öl. Dabei werden drei Dinge übersehen: Erstens wird beim Fracking auch Methangas freigesetzt, das 21 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Wie viel Methan genau entweicht, weiß nicht einmal die Bundesregierung. Wissenschaftliche Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Zweitens wird beim Fracking mehr Energie benötigt als bei der konventionellen Erdgasgewinnung. Manche Untersuchungen gehen daher davon aus, dass die Klimabilanz von gefracktem Gas insgesamt ähnlich katastrophal ist wie die von Steinkohle. Und drittens stellt sich die Frage, ob das Gas tatsächlich Kohle und Öl verdrängt oder nicht dazu führt, dass zusätzlich fossile Rohstoffe verbrannt werden. Wer sich die mühseligen Klimaverhandlungen ansieht, wird wohl das zweite Szenario vermuten. Und sollten die Fortschritte in der Technik dazu führen, dass nicht nur mehr Gas, sondern auch noch mehr Öl gefrackt wird, tritt für das Klima endgültig der GAU ein.

Die Gas-Fördermengen in Deutschland sind zwar begrenzt und dürften im globalen Maßstab keine große Rolle spielen. Das spricht aber weder für noch gegen ein Verbot. Vielmehr droht die Bundesrepublik zum schlechten Vorbild zu werden: Wenn schon die umweltfreundlichen Deutschen das Fracking erlauben, kann es nicht so schlecht sein. Für den Klimaschutz wäre das ein verheerendes Signal.

https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/auf-fremdem-terrain

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23.02.2015

Nach Chevron-Rückzug aus Rumänien – Steht Fracking in Europa vor dem endgültigen Aus?

Nach Exxon Mobil und Total hat nun auch der US-amerikanische Energieriese hinsichtlich seiner Schiefergas-Explorationsprojekte in Osteuropa das Handtuch geworfen. Umweltverbände werten dies als großen Erfolg ihrer anhaltenden Proteste gegen die umstrittene Fracking-Technologie.

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Europa bleibt ein hartes Pflaster für Fracking-Unternehmer. Nun hat der US-Energieriese Chevron das Ende seiner Explorationsbemühungen in Rumänien bekannt gegeben. Gründe hierfür waren unter anderem eine unter den Erwartungen bleibende Ausbeute und anhaltende Proteste von Umweltgruppen. Der Rückzug aus Rumänien bedeutet gleichzeitig auch das Ende aller Bemühungen Chevrons, in Europa nach Fracking-Standorten zu suchen.

Vor dem Hintergrund fallender Ölpreise und schlechter Ergebnisse in Europa will sich Chevron auf den Heimatmarkt fokussieren. Bereits im letzten Monat hatte man den Stopp aller Projekte in Polen verkündet und von Vereinbarungen in Litauen und der Ukraine zurückgetreten. Ein Sprecher des Unternehmens hatte nun gegenüber dem Wall Street Journal das Ende der Tätigkeit in Rumänien anklingen lassen, ohne die Gründe zu spezifizieren. Ein offizielles Statement steht noch aus.

Während die Energieinformationsverwaltung der USA ursprünglich davon ausging, dass Rumänien über ausreichend Schiefergas verfügen könnte, um den heimischen Bedarf für mehr als ein Jahrhundert zu decken, bekannte Premierminister Victor Ponta bereits im Vorjahr:

Es sieht so aus, als gäbe es in Rumänien gar kein Schiefergas.”

Global gesehen ist die “Versagerquote” unter den Explorationen, die Chevron vorangetrieben hatte, Bloomberg zufolge von 18 Prozent im Jahre 2013 auf 30 Prozent im Vorjahr angestiegen. Ganze 16 von 53 Bohrstellen, an denen das Unternehmen tätig wurde, wiesen gar keine oder für die kommerzielle Nutzung zu geringe Mengen an Erdgas auf.

Auch in anderen europäischen Ländern geht es mit der Fracking-Technologie nur schleppend voran. In Deutschland und Frankreich gelten Moratorien, in Großbritannien wurden strenge Regulierungen in Kraft gesetzt. Insgesamt strich Chevron unter dem Eindruck der wenig zufriedenstellenden Ergebnisse das Budget für Explorationsunternehmungen für 2015 um 13 Prozent auf 35 Milliarden US-Dollar zusammen. Umweltaktivisten betrachten diese Entwicklung als einen bedeutenden Erfolg ihrer Aktivitäten gegen die umstrittene Technologie.

Fracking, der Prozess hydraulischer Spaltung und horizontalen Bohrens auf Landflächen, war ursprünglich wesentlich teurer als die Erdölexploration auf See. In den vorangegangenen Jahren konnten die Kosten jedoch massiv gesenkt werden und es wurde günstig und effizient, Fracking zu betreiben. Ölkonzerne wollten nun vom Ölboom profitieren, den die USA infolge dieser Entwicklung erlebten. Umweltverbände warnten davor, weil sie die Risiken der Technologie für nicht abschätzbar und nicht ausreichend erforscht hielten. So wurden beispielsweise Kontaminierungen des Grundwassers befürchtet oder sogar durch Fracking-Aktivitäten ausgelöste Erdbeben.

Analysten gehen davon aus, dass Schieferöl einen Preis von 60 bis 100 US-Dollar pro Barrel auf dem Weltmarkt erzielen müsste, um die Milliarden an Schulden amortisieren zu können, die seitens der Energieunternehmen im Vertrauen auf die Effizienz der Technologie gemacht worden waren. Die fallenden Ölpreise machten ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung. Chevrons Entscheidung, sich aus Europa zurückzuziehen, wird nicht ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik anderer Fracking-Unternehmen bleiben. Auch Exxon Mobil und Total haben ihre Schiefergasprojekte in Europa bereits gestoppt.

http://www.rtdeutsch.com/12790/wirtschaft/nach-chevron-rueckzug-aus-rumaenien-steht-fracking-in-europa-vor-dem-endgueltigen-aus/

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21.02.2015

Fracking spaltet Grossbritannien

Kein Land in Westeuropa ist gegenüber Fracking so positiv eingestellt wie Grossbritannien. Die Branche kommt aber derzeit nicht vom Fleck.

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Westeuropa ist kein gutes Pflaster für Fracking. Was in Nordamerika im Verbund mit der Technik der Horizontalbohrung zu einem Boom in der Erdöl- und Erdgasförderung führte, sorgt auf dem alten Kontinent für Ängste und Ablehnung. Das Vereinigte Königreich bildet eine Ausnahme: Der konservative Premierminister David Cameron sagte im vergangenen Jahr, er setze ganz auf Schiefergas. In der letzten Zeit mussten jedoch Unternehmen, die Schiefergas fördern möchten, politische Rückschläge hinnehmen. Hinderlich sind sicherlich auch die derzeit niedrigen Energiepreise.

Widerstand auf lokaler Ebene

Unter Fracking wird eine Gasfördermethode verstanden, bei der ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst wird. Das Gestein bricht dadurch auf, das darin gespeicherte Gas kann entweichen. Fracking ist umstritten, weil Umweltschäden und die Beeinträchtigung der Gesundheit befürchtet werden. Zudem sollen durch Fracking Erdbeben entstehen. Vor kurzem legte ein Ausschuss des Parlaments in Westminster einen Bericht vor, der die gefährlichen Seiten von Fracking betonte. Ausserdem sei die Förderung eines fossilen Energieträgers nicht mit den Klimazielen der Regierung vereinbar. Die Parlamentarier, unter denen sich auch konservative Abgeordnete befanden, verlangten deshalb ein Moratorium für die Technik.

Die Forderung wurde im Parlament abgelehnt – zum Preis weiterer Einschränkungen, die von der oppositionellen Labour-Partei eingebracht worden waren: Konsultationsverfahren werden ausgeweitet, die Überwachung des Umweltschutzes wird strikter. Bohrungen in Nationalparks werden untersagt. Die Branche steckte bereits Ende Januar eine Niederlage ein: Die schottische Regierung führte ein Moratorium ein.

Der Entscheid bringt die in der Schweiz domizilierte Gesellschaft Ineos in die Bredouille. Ineos betreibt die Raffinerie und petrochemische Anlage Grangemouth in Schottland und ist auf langfristig günstige Energie angewiesen. Der Konzern möchte bis zu 1 Mrd. $ in Schiefergasprojekte stecken. Das schottische Moratorium macht diese Pläne vorerst zunichte.

Wales kann im Gegensatz zu Schottland nicht eigenständig über den Einsatz von Fracking bestimmen, dafür ist – noch – das Parlament in London zuständig. Die walisische Regierung empfiehlt aber örtlichen Behörden, Fracking zu untersagen. Damit ist die Methode vor allem noch in England willkommen. Ein Heimspiel für Fracking ist es dennoch nicht, der Widerstand auf lokaler Ebene ist gross. Dies muss derzeit das Unternehmen Cuadrilla erfahren, das im Februar von den Umweltbehörden die Erlaubnis erhalten hat, in der nordenglischen Grafschaft Lancashire Fracking einzusetzen. Zuvor hatten lokale Behörden dem Grafschaftsrat aber empfohlen, keine Genehmigung für Bohrungen zu erteilen. Es wurden die Zunahme des Verkehrs und eine hohe Lärmbelastung während der Nacht ins Feld geführt. Cuadrilla suchte um eine Verzögerung der Entscheidung an, um auf die Einwände einzugehen. Der Grafschaftsrat will nun bis April zu einer Lösung kommen. Die Vorgänge in Lancashire haben Signalwirkung: Es wäre die erste Fracking-Bohrstelle seit 2011. Damals waren bei Probebohrungen kleinere Erdbeben ausgelöst worden, was zu einer temporären Einstellung aller Aktivitäten geführt hatte.

Die hochfliegenden Pläne der britischen Regierung für Schiefergas begannen recht hoffnungsfroh. Schiefergas schien die ideale Lösung, um dem Rückgang der Erdgasförderung in der Nordsee zu begegnen. Im Jahr 2000 hatte die britische Gasförderung den Höhepunkt erreicht, seit 2004 ist das Vereinigte Königreich Nettoimporteur; 2013 wurden gut 73 Mrd. m³ Erdgas verbraucht. Allein im Bowland-Becken in Nordengland vermutet eine Studie von British Geological Survey Schiefergas-Mengen von 37,6 Bio. m³. Selbst wenn davon nur 10% gefördert würden, könnte damit für 50 Jahre der britische Bedarf gedeckt werden. Das US-Energieministerium ist in einer Aufstellung nüchterner und beziffert die technisch abbaubaren Schiefergas-Reserven in Grossbritannien auf 0,7 Bio. m³, was für zehn Jahre reichen würde.

Staatsfonds in Planung

Das grosse Vorbild sind die USA, wo Schiefergas half, die Energiepreise stark zu senken. Die britische Förderung hätte wohl nicht diesen Effekt, auch wenn dieser von der Regierung in Aussicht gestellt wird. In den USA verbilligte sich Gas stark, weil es keine Möglichkeiten zum Export gab. Grossbritannien ist aber gastechnisch an Europa angeschlossen. Bei eigener Produktion würden jedoch die Transportkosten gesenkt, die Handelsbilanz gepflegt und die Versorgungssicherheit erhöht. Weil bei der Verbrennung von Gas weniger CO2 als bei der Nutzung von Kohle entsteht, gilt Gas als der fossile Energieträger, der die Klimabilanz am wenigsten belastet. Deshalb wird in den meisten Projektionen für die Energienutzung Erdgas ein starkes Wachstum zugebilligt.

Grossbritannien ist mit der zaghaften Aneignung der Fracking-Methode keine Ausnahme. Laut dem US-Energieministerium wird derzeit nur in den USA, Kanada und China nennenswert Schiefergas gefördert. Die amerikanische Gas-Revolution ist nicht leicht kopierbar, weil anderswo wichtige Voraussetzungen fehlen. Ein wichtiger Faktor ist, dass in den USA die Bodenschätze dem Landbesitzer gehören. In Grossbritannien gehören sie der Krone. Die Attraktivität von Fracking in der Öffentlichkeit wird auch dadurch nicht gesteigert, dass das britische Gesetz vorsieht, die Förderung auch gegen den Willen des Landbesitzers zu gestatten. Deshalb sind Förderunternehmen angehalten, einen Teil der Erträge an die Gemeinden zu erstatten. Ineos bietet beispielsweise 6% der gesamten Einnahmen. London hat zudem einen Staatsfonds für Nordengland angekündigt, der von den staatlichen Einnahmen der Schiefergasförderung profitieren soll. Bevor das Geld fliesst, müsste aber zunächst einmal Gas fliessen.

http://www.nzz.ch/finanzen/devisen-und-rohstoffe/rohstoffe/fracking-spaltet-grossbritannien-1.18487764

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13.02.2015

USA: Fracking-Genehmigungen gehen drastisch zurück

Im Oktober sind in den USA die Fracking-Genehmigungen für zwölf der größten Schiefer-Gesteine um 15 Prozent zurückgegangen. Das ist eine schlechte Nachricht für die betroffenen US-Konzerne, da sie mit Fracking doppelt profitieren. Denn Fracking wird staatlich subventioniert und steuerlich begünstigt.

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US-Ölproduzenten befanden sich in den vergangenen Jahren in einem Konkurrenz-Kampf um die besten Schieferöl-Vorkommen. Doch der Fracking-Boom stößt an seine Grenzen. Die Erteilung von Fracking-Lizenzen ist im vergangenen Monat in Bezug auf zwölf der wichtigsten amerikanischen Schiefer-Gesteine um 15 Prozent zurückgegangen.

Im September erteilte der US-Bundesstaat Texas insgesamt 934 Förder-Genehmigungen. Das war ein landesweiter Monats-Rekord. Doch im Oktober fiel diese Anzahl auf 885 Genehmigungen zurück. Die Erdöl-Ressourcen gehen nach dem plötzlichen Fracking-Auftrieb offenbar zur Neige.

Aus unserer Sicht besteht wenig Zweifel daran, dass niedrigere Öl- und Gaspreise auch zu geringeren Ausgaben und geringerer Schieferöl-Produktion zwischen 2015 und 2017 führen werden“, zitiert CNBC den Wells Fargo-Analysten Roger Read. Einschnitte in der US-Frackingindustrie könnten in die Hände der Saudis spielen, die den internationalen Preiskampf angenommen haben.

Bei Energie-Analysten herrscht Einigkeit darüber, dass die Fracking-Industrie in den USA in der ersten Hälfte des kommenden Jahres stabile Produktions-Ergebnisse erzielen wird. Einige Öl-Unternehmen weisen darauf hin, dass ein Rückgang bei der Produktion aufgehalten werden könnte. Jedenfalls fahren die Unternehmen mit dem Aufkauf von Bohrgeräten fort. Allerdings besteht die Gefahr, dass die gesamte Branche aufgrund des niedrigen Öl-Preis zum Erliegen kommt.

Der erste Domino-Stein ist der Preis. Dieser wird folglich alle anderen Domino-Steine zu Fall bringen“, sagt der US-Energieanalyst Karr Ingham. Die Entwicklung der US-Frackingindustrie hat eine herausgehobene Stellung für das US-amerikanische Establishment. Die US-Politik ist auf das Engste mit der Fracking-Industrie verflochten: Hunter Biden, Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, arbeitet für die ukrainische Firma Burisma, die der größte Gasproduzent der Ukraine ist.

Die gesamte amerikanische Fracking-Industrie wurde durch Subventionen und Steuererleichterungen unterstützt und aufgebaut. „Fracking ist deutlich teurer als die herkömmlichen Bohrmethoden. Doch es wird in den USA stark subventioniert. Für die Firmen, die hier aktiv sind, ist dieses Betätigungsfeld auch deshalb zusätzlich lukrativ“, zitiert das Handelsblatt Jörg Horneber von der KSW Vermögensverwaltung.

Zwischen 1980 und 2002 hat die US-amerikanische Fracking-Industrie Steuervergünstigungen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar erhalten, berichtet das Dissent Magazine. Hinzu kommen 137 Millionen US-Dollar an staatlichen Zuschüssen in die direkte Erkundung von Erdgas-Vorkommen.

Die ersten staatlichen Subventionen für die US-Energiebranche wurden 1916 getätigt. Bis in die 1970er Jahre konzentrierte sich die US-Regierung ausschließlich darauf, mit Steuergeldern die Öl- und Gasproduktion anzukurbeln, berichtet die Huffington Post.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/13/usa-fracking-genehmigungen-gehen-drastisch-zurueck/

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12.02.2015

Fracking-Rodeo

Unabhängigkeit vom fremden Öl. Es ist ein großes Versprechen, dass US-Präsident Barack Obama seinem Land nicht müde wird, auch im siebten Jahr seiner Amtszeit mitzuteilen. Er ist auch nicht der erste Präsident, der Auswege sucht, um nicht mehr von der Gnade der OPEC abhängig sein zu müssen. Richard Nixon startete als Antwort auf das Öl-Embargo 1973 „Project Independence“, durch das im eigenen Land nach alternativen Energiequellen gesucht werden sollte.

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Das Projekt war ambitioniert, bereits 1980 sollte die Energie-Unabhängigkeit der USA ausgerufen werden. Vierzig Jahre später ist es tatsächlich so weit: Bis 2035 könnten die USA Energieautark sein, analysierte die International Energy Agency (IEA) vor gut zwei Jahren in ihrem World Energy Outlook (WEO). Vor allem, so heißt es, dank der Wunderwaffe des Fracking, dessen erneuerte Technik auch bisher unerreichbare Gas- und Ölvorkommen anbohren kann. Die Förderart habe enorme Folgen für die globale Wirtschaft und Geopolitik, sagte Fatih Birol, Chefökonom bei der IEA

Die USA als Selbstversorger und oberster Energie-Exporteur? Für die OPEC und Saudi-Arabien als bisherige Nummer 1 ist die drohende Neugestaltung des Energiehandels eine beunruhigende Aussicht. Den besten Kunden, die eigene Marktstellung und im Falle von Saudi Arabien wichtigen politischen Einfluss zu verlieren, war Antrieb genug für das Kartell, im Herbst aktiv zu werden: Es legte fest, die eigene Fördermenge trotz Marktsättigung nicht zu beschneiden. Seitdem sinken die Preise. Von 107 US-Dollar auf 45 US-Dollar innerhalb von sieben Monaten. Seit kurzem steigt der Preis zwar wieder minimal, eine Erholung auf die alten Werte aber wird es wohl so schnell nicht geben: Saudi Arabien will seine „Strategie nicht ändern“, erklärte kürzlich Suhail al-Mazrouei, Energieminister des Königreichs. Sehr zum Leidwesen der Fracking-Industrie.

Lebensdauer von Fracking-Quellen

Denn die Unternehmen benötigen wegen der kostenintensiven Art ihrer Förderung einen Preis von 60 bis 100 US-Dollar pro Fass, um ökonomisch zu sein, analysiert das Climate News Network. Aber Fracking ist nicht nur teuer. Die Industriebranche reagiert auch deutlich sensibler auf Preisschwankungen als jene von konventionellem Öl. Der Grund: Konventionelle Ölquellen sind langlebig, unkonventionelle Fracking-Quellen nicht. Erstere geben über 20 Jahre Öl bei gleichzeitig minimalem Förderrückgang (zirka 2 Prozent pro Jahr). Fracking-Formationen wie Bakken in North Dakota und Montana- die Boom-Formation neben Eagle Ford, Permian und Haynesville in Texas – könnte dagegen bereits innerhalb von drei Jahren um die Hälfte leer gesaugt sein, berichtet das Wirtschaftsmagazin Forbes (s. a.: Fracking Wells Lack Staying Power).

Aktienkurse auf Talfahrt

Bei einem so kurzfristig angelegten Rendite-Zeitraum, ist die Rechnung einfach: Sinkt die Aussicht auf Profite, wird eine Investition massiv risikoreich und der Markt reagiert entsprechend: Die Aktienkurse von erfolgreichen US-Fracking-Unternehmen wie Pioneer Natural Resources oder Apache Corp. fielen mit Beginn der Öl-Talfahrt im vergangenen Jahr innerhalb von nur vier Monaten um über 25 Prozent. Um besser dazustehen, veräußerte PNR sogar ihr Pipeline-Geschäft in Eagle Ford.

Weitere am Fracking beteiligte Firmen wie Royal Dutch Shell, ConocoPhillips und Occidental Petroleum Corp. wollen bereits geplante Ausgaben in der Größenordnung von 20 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr einsparen. Auf 30 bis 40 Prozent, verglichen zu 2014, schätzt die Ratingagentur Moody’s den Investitionsrückgang von US-Mineralölunternehmen (E&P Companies) in diesem Jahr, wenn der Ölpreis unter 60 US-Dollar pro Fass bleibt, um 20 Prozent bei 75 US-Dollar. Das Ergebnis: Über 90 US-Bohrplattformen schlossen laut Baker Hughes-Index alleine in der letzten Januar-Woche 2015, seit Januar 2014 sind es insgesamt 315.

„Die Umstände werden brutal werden“, prophezeit ein Analyst der Vermögensverwaltungs-Firma Cowen Group dem Houston Chronicle. Bis Endes des Jahres könnten von jetzt 1.543 Bohrplattformen 1.000 verschwinden. Der Fracking-Geist sei aus der Flasche, glaubt auch Fadel Gheit, Geschäftsführer der Investmentfirma Oppenheimer & Co: „Das letzte Mal, dass ich so etwas ähnliches sah, war 2008, als der Aktienmarkt zusammenbrach.“

„100 Jahre“-Mythos Fracking

Ist Obamas Traum also ausgeträumt, bevor die USA überhaupt richtig anfangen konnten, von der „Energy-Independence“ zu träumen? „Hundert Jahre“ werde das Gas aus der Fracking-Methode reichen, sagte Obama in seiner State-of-the-Union-Ansprache 2012. Tatsächlich ist es eher so, dass die Unabhängigkeit von fremdem Öl durch Fracking alleine schlicht nicht machbar ist.

Die optimistischen Angaben zu Erdgas, über ein Produktionswachstum von „locker“ 56 Prozent zwischen 2012 und 2040, stammen aus Berechnungen der US-Energy Information Administration (EIA). Genau an diesen Angaben aber haben Forscher der Universität Texas mittlerweile Zweifel angemeldet. Sie untersuchten die vier größten Formationen der USA, die zusammen Zweidrittel des Erdgas-Ertrages ausmachen, mit einem 20-mal genauerem Rasterverfahren als die Berechnung der EIA. Das Ergebnis: Der Spitzenwert der Erdgas-Produktion wird nicht 2040 erreicht sein, wie die EIA annimmt, sondern 2020. Zudem lag die von den Wissenschaftlern ausgerechnete Produktionsmenge an Erdgas 2030 gerade einmal bei der errechneten Hälfte der Energy Information Administration. Das sei die „geologische Realität“ des Fracking-Booms, schreibt der National Geographic.

Schlussendlich wird nicht den Ausschlag machen, ob die Ölpreise steigen oder fallen. Entscheidend sind die niedrigen Reserven der Gas- und Öl-Formationen. Freilich wird das die Fracking-Industrie, die sich dann gesund geschrumpft haben dürfte, nicht davon abhalten, erneut massiv zu investieren, sobald die Ölpreise wieder auf die 100 US-Dollar Marke oder sogar darüber hinaus ansteigen.

Arctic National Wildlife Refuge

Inmitten der Fracking-Euphorie gelang es Barack Obama unterdessen einen kleinen Sieg für die Umwelt einzuholen: Vor einigen Tagen entschied er, fast 50.000 Quadratkilometern des Naturschutzgebiets Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) vor künftigen Ölbohrungen zu schützen. Dazu will er diesen Sommer strengere Regulierungen für den industriellen Ausstoß von Methan erlassen, das vor allem während des Fracking-Prozesses austritt und bis zu 25 Mal gefährlicher ist als CO2. Die Emission soll bis 2025 um 45 Prozent (Ausgangswert 2012) verringert werden.

Allerdings gilt die Vorgabe nicht für existierende Bohrplattformen, sondern nur für neue. Da anzunehmen ist, dass der von Republikanern dominierte US-Kongress diesbezüglich ein Wort mitreden würde, plant die Obama-Administration diesen durch den Clean Air Act und mit Hilfe der US-Umweltbehörde zu umgehen, um das Gesetz durchzusetzen.

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44127/1.html

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02.02.2015

Breite Ablehnung für Schiefergas-Gewinnung

Nicht nur Wien ist anders – in Europa unterstützen nur wenige Länder die als umweltschädlich verschriene Technologie

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Nicht nur Wien ist anders. Auch der überwiegende Teil Europas ist, was die Gewinnung von Öl und Gas mittels Hydraulic Fracturing (Fracking) betrifft, deutlich skeptischer eingestellt, als es etwa die USA sind. Während jenseits des großen Teichs die durch Chemieeinsatz und hohen Druck aus dem Gestein gesprengte Energie Grundbesitzern und der US-Industrie viel Geld bringt, ist die Front der Ablehnung der als umweltschädlich verschrienen Technologie in Europa massiv.

Großbritannien prescht vor

Großbritannien ist eines der wenigen Länder mit einem Premier, der Fracking unterstützt. Erst vergangene Woche hat David Cameron Rufe nach einem Moratorium, auch aus seiner konservativen Partei, zurückgewiesen. „Ich möchte, dass Schiefergas in unserem Land richtig genutzt wird,“ sagte Cameron. „Wir wollen höhere Energiesicherheit, die Preise niedrig halten, und wir wollen den Klimawandel bekämpfen.“ Geplant ist eine Gesetzesänderung, die Fracking erleichtert. So ist vorgesehen, Rechte von Grundeigentümern abzuschwächen, sich gegen Fracking stellen zu können. Die Schotten sind anders, in Edinburgh wurde vorigen Mittwoch ein Moratorium beschlossen.

In Deutschland hat die Regierung auf Druck von Wirtschaftspolitikern der Koalition ihre Pläne für ein Fracking-Verbot aufgeweicht. Nach erfolgreichen Probebohrungen und der Genehmigung eines Wissenschaftsgremiums kann in Ausnahmefällen kommerzielles Fracking erlaubt werden, steht in dem Gesetzentwurf des Berliner Umweltministeriums.

Österreich blockiert

In Österreich war die OMV 2012 drauf und dran, nach Schiefergas im Weinviertel zu bohren. Wegen massiver Proteste und fehlender Unterstützung durch die Politik bekam man kalte Füße und stellte das Projekt zurück. Ein Team um Herbert Hofstätter treibt unterdessen an der Montanuniversität Leoben ein Projekt voran, Schiefergas möglichst umweltfreundlich aus dem Gestein zu pressen. Dabei wird Wasser, gemischt mit Kaliumkarbonat, mit hohem Druck in die Erde gepumpt, was die Steine sprengt und so den Fluss für das Gas nach oben freimacht. Was noch fehlt, sind Feldtests.

Verboten ist Fracking außer in Rumänien und Bulgarien auch in Frankreich und seit kurzem in Dänemark. In Polen, das mit Großbritannien im Hinblick auf Schiefergas zu den aufgeschlossensten Ländern gehört, ist die Anfangseuphorie verflogen. Die Vorkommen haben sich als deutlich kleiner herausgestellt als erwartet, die Kosten dafür als umso höher. (Günther Strobl, DER STANDARD, 2.2.2015)

http://derstandard.at/2000011125094/Breite-Ablehnung-fuer-Schiefergas-Gewinnung?ref=rss

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Furcht vor neuen Fracking-Plänen

Umweltverbände kritisieren Gesetzentwurf

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Die Umweltschutzverbände in Ostwestfalen-Lippe befürchten weiterhin Fracking-Projekte in der Region. Zwar habe der kanadische Konzern BNK 2014 seine Konzessionsrechte für Gebiete im Kreis Paderborn überraschend zurückgegeben, im größeren Teil von OWL halte der Konzern Exxon Mobil jedoch bergbaurechtliche Konzessionen für Fracking, schreibt Fritz Buhr in einer Mitteilung für die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.

Diese Konzessionen sind Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen irgendwann Probebohrungen für die unkonventionelle Gasgewinnung beantragen kann. Beim Fracking wird der Boden unter hohem Druck und zum Teil mit Hilfe eines Gemischs aus Wasser und Chemikalien aufgebrochen, um an Gasvorkommen zu gelangen, die anders nicht erschlossen werden können. Unter Umweltgesichtspunkten wird das Verfahren überaus kritisch gesehen.

Exxon Mobil habe deutlich gemacht, dass es nicht vorhabe, seine Konzessionen zurückzugeben, die unter anderem die Felder Herford und Minden umfassen, schreiben die Umweltschützer. Es sei im Gegenteil zu befürchten, dass der Konzern die aufgegebenen Rechte im Paderborner Raum für sich beantragen werde.

Scharf kritisiert die Bezirkskonferenz den Gesetzentwurf der Bundesregierung in Sachen Fracking. Was verkauft werde als restriktive Handhabung der neuen Technologie, sei in Wahrheit ein „Fracking-Ermöglichungsgesetz“. Wenn es verabschiedet werde, drohe ab 2019 flächendeckendes Fracking in Deutschland.

http://www.nw.de//lokal/bielefeld/mitte/mitte/20295056_Furcht-vor-neuen-Fracking-Plaenen.html

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13.12.2014

Katerstimmung im Energierausch

Die Vereinigten Staaten drohen zum Menetekel zu werden: Wie lange hält der Boom des Fracking wohl noch an, angesichts fallender Preise und wachsender Umweltprobleme?

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Landwirtschaft im Appalachen-Gebirge war nie ein Geschäft, mit dem die Bauern dort auf Dauer reich werden konnten. Dass in den vergangenen Jahren in den amerikanischen Bundesstaaten West Virginia, Pennsylvania und New York aber dennoch Hunderte von Landwirten gleichsam über Nacht zu Millionären wurden, hat nichts mit steigenden Preisen für Agrarprodukte zu tun. Die Ursache für den Reichtum liegt einige Kilometer tief unter der Ackerkrume, denn dort gibt es eine dicke Schicht schiefrigen Gesteins, das große Mengen Erdgas enthält. Die Erschließung dieser als „Marcellus Shale“ bekannten geologischen Formation hat nicht nur Bauern wohlhabend gemacht. Selbst Präsident Obama jubelte vor einiger Zeit in einer Regierungserklärung, in den Appalachen und anderswo in Amerika gebe es genug Schiefergas, um die Wirtschaft seines Landes hundert Jahre lang brummen zu lassen.

Tatsächlich wird inzwischen allein in den vier größten amerikanischen Schiefergaslagerstätten, Marcellus, Barnett, Fayetteville und Haynesville, aus mehr als 30.000 Bohrungen Erdgas gepumpt. Und in den Bundesstaaten Nord-Dakota, Colorado und Kalifornien werden zur Zeit weitere riesige Vorkommen erschlossen. Allerdings könnte es mit diesem Erdgasboom in den Vereinigten Staaten schon bald wieder vorbei sein. Viele Fachleute, halten nämlich die Vorhersagen über die Menge an förderbaren Schiefergasreserven für zu optimistisch. Das britische Wissenschaftsmagazin „Nature“ nennt es in seiner jüngsten Ausgabe sogar einen Trugschluss, zu glauben, Schiefergas sei das Allheilmittel einer nachhaltigen Energieversorgung. Tatsächlich gibt es ökonomische und geologische Gründe, die der Lust nach dem Gas aus Schiefer einen gewaltigen Dämpfer aufsetzen können – von den Bedenken der Umweltschützer über die Erschließungs- und Fördertechniken zu schweigen.

Im Gegensatz zu konventionellen Lagerstätten, in denen die Kohlenwasserstoffe meist in porösen Sandsteinen vorkommen, haben die Schiefergas führenden Gesteinsschichten eine weitaus geringere Permeabilität. Um dennoch aus ihnen Gas oder Öl fördern zu können, müssen zunächst „Wegsamkeiten“ im Gestein geschaffen werden. Unter diesem Begriff verstehen Geologen Klüfte und Spalten, durch die sich die Kohlenwasserstoffmoleküle auf ein Bohrloch zubewegen und so aus der Erde gepumpt werden können.

Seit mehr als 60 Jahren ist Fracking das gängige Verfahren, um unter Tage solche Wegsamkeiten zu schaffen. Allerdings ist jeder Frack recht teuer. Im San-Juan-Becken im Bundesstaat Colorado kostet beispielsweise eine 3000 Meter Tiefe Frackbohrung mehr als fünf Millionen Dollar, in der Bakken-Formation Nord-Dakotas sogar das Doppelte. Vertikalbohrungen in „klassischen“ Ölfeldern schlagen dagegen lediglich mit durchschnittlich 500.000 Dollar zu Buche. Deshalb lohnt sich die Erschließung neuer Schiefergaslagerstätten erst dann, wenn der Preis für „West Texas Intermediate“ WTI-Öl mindestens über 80 Dollar pro Barrel liegt. Dieser Wert wurde Anfang 2008 erstmals überschritten. Abgesehen von wenigen Monaten im Jahre 2009, lag der Preis seitdem über diesem magischen Wert. Das machte sowohl das Fracking als auch die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus Schieferschichten derart profitabel, dass Amerika inzwischen zum größten Produzenten von Methan wurde. Dieses Überangebot führte vor wenigen Wochen zum Preisverfall. Inzwischen wird WTI-Öl für weit unter 70 Dollar pro Barrel gehandelt. Hält dieser Abwärtstrend länger an, lohnt sich die Erschließung neuer Schiefergaslagerstätten nicht mehr. Schon jetzt haben die ersten Wildcatter das Fracking in ihren kleineren Claims eingestellt.

Unwegsamkeiten bei der Öl- und Gasförderung

Es gibt aber auch geologische Gründe, die zwar nicht unbedingt für ein Ende des Schiefergasbooms, aber zumindest für sein Abflauen sprechen. So bleiben nämlich die durch das Fracken geschaffenen Klüfte und Spalten in den gasführenden Schichten nicht endlos lange offen. Der Druck des darüberliegenden Gesteins – oft ist es mehrere Kilometer dick – führt dazu, dass sich die Wegsamkeiten langsam schließen. Je enger aber die Öffnungen sind, desto weniger Öl und Gas kann gefördert werden. Wegen der Beschaffenheit der gashaltigen Schiefer schließen sich dort die Klüfte schneller als in Sandsteinen. So sank beispielsweise die Förderung aus der Frackbohrung „Chaco#114“ in Colorado innerhalb eines Jahres von ursprünglich 250 Fass auf unter 50 Fass pro Tag. Um die Förderung aufrechtzuerhalten, müssen Schiefergaslagerstätten deshalb regelmäßig nachgefrackt werden, was die Rentabilität deutlich herabsetzt.

Hinzu kommt, dass es kein Öl- oder Gasfeld gibt, in dem die Kohlenwasserstoffe gleichmäßig verteilt sind. Es gibt „Sweety Spots“, an denen sich besonders viel Rohöl oder Methan sammelt, und andere Bereiche, in denen deren Konzentration deutlich geringer ist. Wegen der hohen Porosität von Sandsteinen gleichen sich diese Unterschiede in klassischen Feldern etwas aus, so dass es keine große Rolle spielt, ob eine Bohrung einen Sweet Spot exakt trifft oder nicht. Weil die Kohlenwasserstoffe in Schieferlagerstätten aber viel unbeweglicher sind, kommt es dort nicht zu einer Ausgleichsbewegung. Eine Bohrung und die entsprechenden Fracks müssen deshalb genau in Gebiete hoher Konzentration führen, um überhaupt Kohlenwasserstoffe rentabel fördern zu können.

Gefrackt wird in Ölfeldern schon seit fast 70 Jahren. Um mehr Öl aus einem 700 Meter tiefen Bohrloch in Kansas zu pumpen, pressten Mitarbeiter der Stanolind Oil and Gas Company im Jahre 1947 ein Gemisch aus fast 4000 Litern Napalm und Sand in das Loch. Die Firma meldete das erfolgreiche Verfahren zum Patent an. Der amerikanische Ölfelddienstleiter Haliburton erkannte schnell die darin steckenden Möglichkeiten und erwarb die entsprechende Lizenz. Im Jahre 1949 begann Haliburton in Oklahoma und Texas kommerziell zu fracken. Ziel dieses klassischen Frackverfahrens ist es, die Ausbeute bestehender Bohrungen in Öl- und Gasfeldern zu erhöhen. Nach einer Schätzung, die Carl Montgomery und Michael Smith im Jahre 2010 im „Journal of Petroleum Technology“ veröffentlichten, ist dieses Verfahren inzwischen derart verbreitet, dass 80 Prozent aller Produktionsbohrungen in den Vereinigten Staaten mindestens einmal gefrackt wurden.

Napalm wird dabei aber schon lange nicht mehr verwendet. Vielmehr wird in der Regel eine Mischung aus etwa 90 Prozent Wasser und 9,5 Prozent Sand unter hohem Druck ins Bohrloch gepumpt. Das restliche halbe Prozent sind Chemikalien, welche die Viskosität von Wasser herabsetzen. Dieses sogenannte „slick water“ kann unter Druck besser in vorhandene kleine Öffnungen im Gestein eindringen und sie brechend erweitern. Der Sand hilft dabei, dass sich die neuen Öffnungen nicht unmittelbar nach dem Frackvorgang wieder unter dem Gebirgsdruck schließen. In der Regel werden beim klassischen Fracken weniger als 1000 Kubikmeter Flüssigkeit ins Bohrloch gepumpt.

Ganz anders verhält es sich dagegen beim „Super-Fracking“, einem Verfahren, das Ingenieure des Unternehmens Pan American Petroleum vor gut 40 Jahren zunächst für ein klassisches Ölfeld in Oklahoma entwickelten. Dabei wurden mehrere hunderttausend Kubikmeter Slick-Wasser und Sand in eine Bohrung gepresst. Mit diesem auch als „Massivfracking“ bezeichneten Verfahren werden seit ersten Anfängen in Nordtexas vor etwa 30 Jahren heutzutage nahezu alle Schiefergasfelder erschlossen.

Wege zum umweltschonenden Fracking

Dieses Super-Fracking rechnet sich aber nur dann, wenn eine Bohrung eine große Strecke innerhalb der Schiefergaslagerstätte „durchteuft“. Das geht wiederum nur, wenn zunächst bis in die Tiefe der Lagerstätte vertikal gebohrt wird. Die meisten Schiefergasfelder in Nordamerika liegen knapp unter zwei Kilometer Tiefe. Dort wird die Bohrung, dann um 90 Grad umgelenkt und führt anschließend nahezu horizontal noch einmal zwei bis drei Kilometer weit durch das Schieferfeld. Beginnend vom Ende der Bohrung wird das Gestein dann sukzessive an zahlreichen Stellen gefrackt. Auf diese Weise entstehen die meisten Klüfte und Spalten, durch die Öl und Gas zum Bohrlochkopf gepumpt werden.

Im Laufe der Zeit wurde das Fracking technisch erheblich weiterentwickelt. Die größte Schwierigkeit stellt zweifellos die große Menge an Wasser dar, die zum Fracken ins Gestein gepumpt wird. Bevor die Öl- oder Gasförderung überhaupt beginnen kann, muss dieses Wasser zunächst aus der Bohrung gepumpt werden und anschließend teuer als Gefahrengut entsorgt werden. Inzwischen haben zahlreiche Unternehmen damit begonnen, das Wasser noch am Bohrloch zu klären und dann wiederzuverwenden. So recycelt Chesapeake Energy mittlerweile alles Wasser, das das Unternehmen in seinen Bohrlöchern in den Marcellus-Shale von Pennsylvania verwendet. Auch in den wasserarmen Gegenden von Colorado und Texas wird Frackwasser wiederverwendet.

Ginge es nach Yu-Shu Wu, einem Forscher an der Bergakademie des amerikanischen Bundesstaates Colorado, könnten die Fracker sogar völlig ohne Wasser auskommen. Er hat ein Verfahren entwickelt, das Lagerstättengestein nicht mit Wasser unter hohem Druck aufzubrechen. Vielmehr birst hierbei das Gestein, sobald es mit tiefgekühltem, flüssigen Kohlendioxid oder Stickstoff in Berührung kommt. Diese eiskalten Flüssigkeiten werden durch das Bohrloch in die Tiefe gepumpt. In Laborversuchen sind dabei erheblich größere Wegsamkeiten entstanden als bei der Verwendung von Wasser. Inzwischen fördern sowohl das amerikanische Energieministerium als auch einige Frackingunternehmen erste Versuche dieses Tiefkühlverfahrens in echten Bohrlöchern.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/fracking-katerstimmung-im-energierausch-13310111.html

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21.11.2014

Fracking kommt schon 2019 – trotz giftiger Erfahrungen in den USA

Laut neuesten Informationen wird es Fracking schon bald in Deutschland geben. Nach langem Feilschen mit Wirtschaft und Umwelt hat Kanzleramtsminister Altmeier einer Aufweichung der aktuellen Rechtslage zugestimmt. Von 2019 an, statt wie bisher 2021, ist es möglich Gas aus Schiefergesteinsschichten zu fördern, die tiefer liegen als 3000 Meter. Die Industrie freut sich über diesen Beschluss und verspricht sich enorme Gewinne durch die neue Art der Gasförderung. [1]

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Was ist eigentlich Fracking?

Der Begriff Fracking steht für die englischen Wörter ‚Hydraulic Fracturing‘ und heißt im Deutschen so viel wie ‚hydraulisches Aufbrechen‘. Bei diesem komplexen Prozess werden in einer zweiteiligen Bohrung erst senkrecht in die Erde gebohrt, bis die gewünschte Schicht erreicht ist. Danach wird auf einer Länge von mehreren Kilometern horizontal durch das Schiefergestein gebohrt. Kleine Explosionen in der horizontalen Bohrung und ein Gemisch von Wasser, Sand und Chemikalien brechen das Gestein auf und lösen das Gas, welches anschließend an der Oberfläche aufgenommen wird (Video). [2]

Giftige Erfahrungen aus den USA

In den USA ist Fracking schon seit längerem ein Thema. Die langjährige Erfahrung mit dieser Art der Gasförderungen hat gezeigt, dass es Nebeneffekte gibt, die sich negativ auf Mensch und Umwelt auswirken: die erhöhte Anzahl an kleineren Erdbeben in frackingnahen Gebieten werden auf das Aufbrechen der Gesteinsschicht und der dadurch entstehenden Risse zurückgeführt[3]; Die verwendeten Chemikalien, unter anderem Benzol[4], sind hochgiftig und verseuchen das Grundwasser – viele Bewohner, die nah an den Frackinggebieten leben beklagen gesundheitliche Folgen:

Wenn man den Erfahrungen der Menschen vor Ort in Pennsylvania und anderen Staaten [der USA] zuhört, dann hört man Geschichten von toten Kühen und Haustieren, kranken Kindern, vergiftetem Wasser und anderen gravierenden Gesundheits- und Umweltschäden.“ (Freie Übersetzung aus dem Englischen)[5]

Hinzu kommt, dass der ‚flow-back‘, also das Wasser-Sand-Chemikalien Gemisch das nach der Verwendung wieder zu Tage kommt hochgiftig ist und entsorgt werden muss – die Kosten sind hoch und das Wasser unbrauchbar.

Alles im Grünen Bereich

Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bestehen durch die strenge Reglementierung in Deutschland jedoch keine Umweltrisiken. Bis auf weiteres darf somit ab 2019 gefrackt werden.[6]

Quellen

[1] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/deutschland-macht-den-weg-fuer-fracking-frei-13275384.html

[2] http://www.spiegel.de/video/animation-so-funktioniert-fracking-video-1249736.html

[3] http://www.usgs.gov/blogs/features/usgs_top_story/man-made-earthquakes/

[4] https://fracfocus.org/chemical-use/what-chemicals-are-used

[5] http://ecowatch.com/2013/01/30/fracking-victims-share-stories/

[6] http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_71857162/fracking-in-deutschland-hendricks-schuetzt-umwelt-und-trinkwasser-.html

http://www.neopresse.com/umwelt/fracking-kommt-schon-2019-trotz-giftiger-erfahrungen-in-den-usa/

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20.11.2014

Bundesregierung will Fracking erlauben

Die „strengsten Regelungen die es jemals gab“ kündigt Umweltministerin Hendricks an – doch die umstrittene Fördermethode Fracking soll doch erlaubt werden. Die Regierung weicht den Gesetzentwurf auf.

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Gas soll in Deutschland künftig doch durch die umstrittene Förder-Methode Fracking gewonnen werden können. Auf Druck von Wirtschaftspolitikern der Koalition weicht die Bundesregierung ihre Pläne für ein Fracking-Verbot auf und will es unter Auflagen in Einzelfällen zulassen.

Nach erfolgreichen Probebohrungen und der Genehmigung eines Wissenschaftsgremiums könne in Ausnahmefällen kommerzielles Fracking erlaubt werden, wie am Donnerstag aus dem Gesetzentwurf des Umweltministeriums hervorging. „Wir legen damit die strengsten Regelungen im Bereich Fracking vor, die es jemals gab“, erklärte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Es werde nur unter schärfsten Auflagen bei oberster Priorität für Umwelt und Trinkwasser möglich sein.

Der Entwurf ist aber in einem Kernpunkt gegenüber den Eckpunkten des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums aus dem Sommer abgeschwächt: Damals sollte Fracking, auch unkonventionelle Schiefergas-Förderung genannt, mit Ausnahme wissenschaftlicher Probebohrungen komplett bis 2021 verboten bleiben. Dieses Verbot sollte im Anschluss anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft werden.

Nun kann nach Probebohrungen und mit Genehmigung der Mehrheit eines sechsköpfigen Wissenschaftlergremiums Fracking eingesetzt werden, um Gas oder Öl zu fördern. Dies kann frühestens ab 2019 möglich sein, da bis dahin Erfahrungen mit den Probebohrungen gesammelt werden. Zudem sind Wasser- oder Naturschutzgebiete tabu.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die Bürgerbeteiligung einschließt, ist in jedem Fall nötig. Die Genehmigungsbehörden können Fracking zudem auch bei einem positiven Votum der Wissenschaftler verbieten.

In Kreisen des Umweltministeriums hieß es, man rechne auf viele Jahre hinaus nicht mit dem Einsatz in Deutschland. Fracking könne hierzulande zudem keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten.

Die Wirtschaft hatte mit Blick auf die USA darauf gedrängt, Fracking nicht komplett zu verbieten. Beim unkonventionellen Fracking, wie im großen Stil in den USA eingesetzt, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck ins Gestein gepresst und in großer Tiefe auch horizontal gebohrt

Damit werden Schichten aufgebrochen („fracken“) und bisher unerschlossene Gas- und Öl-Blasen frei gesetzt. In den USA und Kanada sind dadurch die Energiepreise gesunken, die Länder haben sich unabhängig von Gas-Importen gemacht und energieintensive Betriebe angezogen.

Die Umweltfolgen vor allem für das Grundwasser gelten aber bisher als kaum erforscht. Deshalb beschränken sich die strengen Auflagen im Gesetzentwurf des Bundes auch auf Tiefen bis 3000 Meter, wo Grund- und Trinkwasser gefährdet sein könnte.

Erlaubt bleiben soll indes das seit Jahrzehnten vor allem in Niedersachsen eingesetzte konventionelle Fracking in sehr tiefen Schichten wie Sandgestein. Hiefür wird aber ebenfalls künftig eine Umweltverträglichkeitsprüfung wie beim unkonventionellen Fracking vorgeschrieben. Den Ländern soll zudem ermöglicht werden, weitere Regelungen in Eigenregie zu erlassen.

Deutschland fördert rund zehn Prozent seines Erdgas-Vebrauchs selbst, auch über das konventionelle Fracking. Aufgrund der Verunsicherung und der hitzigen Debatte über Fracking-Methoden wie in den USA haben die Behörden jedoch in vergangenen Jahren kaum noch neue Bohrungen erlaubt.

Vor allem Niedersachsen hatte deshalb auf ein Gesetz gedrängt, um die konventionelle Förderung zu sichern. Derzeit ist Fracking in Deutschland nicht gesondert geregelt. Ein Gesetzesvorstoß in der vergangenen Wahlperiode war gescheitert.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umschwenken-bei-der-gasfoerderung-bundesregierung-will-fracking-erlauben/11005828.html

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30.10.2014

Dicke Luft an Fracking-Standorten:

Proben zeigen vielfach erhöhte Werte von Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff

Nach Wasser und Boden jetzt auch die Luft: In der Nähe von US-Fracking-Standorten haben Forscher teilweise enorm erhöhte Werte von Luftschadstoffen gemessen. Vor allem Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff lagen bei der Hälfte der Proben um ein Vielfaches über den Grenz- oder Hintergrundwerten, wie die Forscher im Fachmagazin Environmental Health“ berichten.

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Die Förderung von unkonventionellen Gas- und Ölvorkommen sorgt weltweit für Diskussionen. Den vor allem bei der Erdgasgewinnung durch Fracking mehren sich Berichte über die Kontamination von Wasser und Böden durch austretende Frackflüssigkeit und aus undichten Bohrlöchern entweichendes Methangas. Welche Folgen das Fracking und die unkonventionelle Ölförderung für die Luftgüte haben, ist bisher jedoch deutlich weniger gut untersucht.

Luftproben von Fracking-Anliegern

„Wir haben die Luftqualität nun in einem zuvor vernachlässigten Maßstab untersucht: Auf der Ebene der Kommunen, die nahe von ÖL- und Gasförderanlagen liegen“, erklärt Studienleiter David Carpenter von der University at Albany in New York. Dafür wiesen sie die Einwohner von elf Orten in fünf Bundesstaaten an, immer dann Luftproben zu nehmen, wenn an den Anlagen starke Aktivität herrschte oder wenn sie gesundheitliche Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit verspürten. Zusätzlich wurde die Luftgüte durch 41 passive Messstationen ermittelt.

Die Auswertung ergab Alarmierendes: Knapp die Hälfte aller Proben enthielten Schadstoffkonzentrationen, die deutlich über den Grenzwerten der US-Umweltbehörde EPA und der US-Agentur für Gifte lagen. Vor allem die Werte von Benzol, Formaldehyd und Schwefelwasserstoff waren stark erhöht, wie die Forscher berichten.

Benzol bis 770.000-fach erhöht

Beim Benzol lagen die gemessenen Konzentrationen zwischen 35 und 770.000-fach über den normalen Hintergrundwerten. „Die Belastung, die man in fünf Minuten an einer der Orte in Wyoming bekommt, entspricht der von zwei Jahren Aufenthalt in Los Angeles oder acht Monaten in Peking“, erklären die Forscher. Benzol gilt als krebserregend.

Ebenfalls erhöht waren die Werte für Formaldehyd, dass in hohen Dosen als krebserregend gilt und zu Reizungen der Atemwege führen kann. Von diesem lagen die Werte bei 14 der 41 Messstationen zwischen 30 und 240-fach über den normalen Hintergrundwerten, wie die Forscher berichten. Der nach faulen Eiern riechende Schwefelwasserstoff erreichte sogar bis zu 60.000-fach höhere Konzentrationen als in normaler Atemluft. Solche Werte können nach Angaben der US-Giftagentur bereits nach einer Stunde Exposition Reizungen der Augen und Schleimhäute hervorrufen und Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit.

Worst-Case-Beispiele

„Dieses Monitoring in der Nähe von unkonventionellen Gas- und Ölförderanlagen hat gefährlich erhöhte Werte von Luftschadstoffen unter verschiedenen Umständen ergeben“, sagt Carpenter. Das sei Anlass zur Sorge. Die Forscher betonen aber auch, dass solche Messungen zwangsläufig nur eine Stichprobe sein können – es wurden nur wenige von tausenden Fracking-Standorten beprobt. Zudem repräsentieren die Messungen eher ein „Worst-Case“ als einen langfristigen Durchschnitt, weil die Bewohner immer dann Proben nahmen, wenn sie etwas spürten oder die Förderaktivität hoch war. ( Environmental Health, 2014)

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-18175-2014-10-30.html

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26.09.2014

Exxon verspricht harmloses Fracking

Der US-Konzern setzt auf ein neues Chemie-Gemisch. NRW verlängert die Frist für die Abbaurechte von Exxon. Von Reinhard Kowalewsky und Thomas Reisener

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Trotz des Moratoriums der Landesregierung gegen jegliche Fracking-Projekte in NRW brodelt es in der Szene so stark wie schon lange nicht mehr. Während auf Bundesebene die Union auf eine Lockerung der Verbotsregeln im geplanten Fracking-Gesetz dringt, wittert die Industrie bereits Morgenluft: „Wir haben soeben auf Antrag des Konzerns ExxonMobil die Konzession für einen großen Claim in NRW um drei Jahre verlängert“, sagte am Donnerstag auf Anfrage Andreas Nörten vom zuständigen Bergamt bei der Bezirksregierung in Arnsberg. „Außerdem kündigen die Stadtwerke Hamm einen Antrag für Probebohrungen an“, so Nörten.

Energiemultis wie Exxon und die deutsche BASF-Tocher Wintershall haben in NRW 20 Claims abgesteckt, wie die potenziellen Abbaugebiete für Gas, Gold und Öl im Fachjargon heißen. Ihr Problem: NRW hat 2011 faktisch sogar Probebohrungen verboten. Denn das Gas ist in tiefen Gesteinsschichten eingeschlossen und müsste mit der umstrittenen Fracking-Technologie gefördert werden, bei der ein Chemie-Cocktail tief unter der Erdoberfläche das Gestein aufsprengt. Das gefährdet das Grundwasser.

Aber offenbar glaubt die Industrie nicht, dass dieses Moratorium noch lange hält. Der Claim, den Exxon sich nun für weitere drei Jahre hat sichern lassen, heißt „NRW-Nord“ und reicht vom nördlichen Münsterland bis Unna und von der niederländischen bis zur niedersächsischen Landesgrenze – es ist einer der größten in NRW. „Damit hat Exxon sich das Erstzugriffsrecht für Probebohrungen und eine eventuelle Förderung gesichert, falls es irgendwann doch eine gesetzliche Grundlage für Fracking-Genehmigungen geben sollte“, sagt Nörten.

Zumindest scheint sich die bislang starre Ablehnung auf Bundesebene zu lockern: Bei den Beratungen in Berlin zeichnen sich moderate Öffnungsklauseln gegenüber den bisher sehr restriktiven Verboten gegen neue Fracking-Vorhaben ab. Diese werden in Niedersachsen ohnehin konterkariert, wo schon seit 1961 gefrackt wird.

Der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel, Anton Börner, sagt: „Die USA profitieren vom Boom mit Schiefergas. Wenn Europa ähnliche Vorkommen nutzen würde, könnte uns das unabhängiger von Gasimporten machen.“ Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konfliktes mit Russland ein aktueller Hinweis: Deutschland bezieht 40 Prozent seines Gases aus Russland.

Wohl auch vor diesem Hintergrund startete Exxon gestern eine bundesweite Imagekampagne. In Zeitungsanzeigen warb Exxon-Chef Gernot Kalkoffen: „Wir möchten in Deutschland für Schiefergas mit höchsten Umweltstandards, modernster Technologie und unter Beteiligung der kritischen Öffentlichkeit neue Maßstäbe setzen – mit Fracking, aber giftfrei.“

Auf Nachfrage erklärte ein Exxon-Sprecher, man habe einen neuen Cocktail erfunden, der neben Wasser und Sand mit nur noch zwei Chemikalien auskomme: Cholinchlorid, das auch in Futtermitteln verwendet werde, und Butyldiglycol, das als Lösemittel für Farben und Lacke bekannt ist. Beide machen zusammen nur noch 0,2 Prozent des neuen Gemisches aus.

Ob das Fracking damit wirklich gefahrlos wird, wurde von Fachleuten gestern kontrovers eingeschätzt. Einig sind die Experten sich aber darin, dass dieses Gemisch – wenn es denn funktioniert – zumindest wesentlich weniger gefährlich als die bisher eingesetzten Substanzen wäre.

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/exxon-verspricht-harmloses-fracking-moegliche-standorte-in-nrw-aid-1.4554783

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22.09.2014

Siemens setzt sechs Milliarden Euro auf Fracking-Boom

Deutscher Konzern will den US-Öl- und Gastechnik-Spezialisten Dresser-Rand übernehmen

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Siemens will den US-Öl- und Gastechnik-Spezialisten Dresser-Rand für umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro übernehmen. Die beiden Unternehmen vereinbarten, dass die Münchner alle ausgegebenen und ausstehenden Aktien von Dresser-Rand im Zuge eines freundlichen Übernahmeangebots erwerben, wie Siemens am frühen Montagmorgen mitteilte. Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Bar-Offerte einstimmig und habe den Aktionären empfohlen, das Gebot anzunehmen. Zugleich teilte Siemens mit, dass Bosch dem Industriekonzern für drei Milliarden Euro den 50-Prozent-Anteil an dem vor fast einem halben Jahrhundert entstandenen gemeinsamen Hausgeräte-Unternehmen BSH abnehmen wolle.

Dresser-Rand ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, teilte Siemens mit. Das Angebot beträgt den Angaben nach 83 Dollar je Aktie in bar. Das entspreche einem Gesamtwert von rund 7,6 Milliarden Dollar. Am Freitag hatte die in New York gelistete Dresser-Rand-Aktie mit 79,91 Dollar geschlossen. Mit der Übernahme will Siemens vom Fracking-Boom in den USA profitieren, der die Nachfrage nach Förderequipment deutlich erhöht hat.

Neben Siemens hatte auch der Schweizer Technologiekonzern Sulzer Interesse an Dresser-Rand signalisiert. Medienberichten vom Wochenende zufolge erwog zudem der US-Rivale GE, in den Firmenpoker mit einzusteigen.

Kaeser auf Einkaufstour

Siemens hatte Kennern zufolge immer wieder mit Dresser-Rand verhandelt, war vor einer Übernahme angesichts des hohen Preises bisher aber zurückgeschreckt. Abgesehen vom Preis sei Dresser-Rand jedoch schon seit längerem ein Traum-Übernahmeziel, hieß es im Siemens-Umfeld. Konzern-Chef Joe Kaeser hatte Dresser-Rand als eine von mehreren interessanten Firmen in Übersee genannt. Der Manager will sein Haus stärker als Lieferant der boomenden Öl- und Gasindustrie in Nordamerika etablieren. Um dort zu reüssieren, verlegt er eigens die Zentrale seiner Energiesparte in die USA.

Siemens geht davon aus, dass die Dresser-Rand-Übernahme bis zum Sommer 2015 unter Dach und Fach ist. Der Verkauf des Anteils an dem Joint Venture BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) soll voraussichtlich im ersten Kalenderhalbjahr 2015 abgeschlossen werden. Das bisherige Gemeinschaftsunternehmen werde dann eine 100-prozentige Tochter der Bosch-Gruppe sein. Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat von Bosch sowie der Vorstand und der Aufsichtsrat von Siemens hätten der Transaktion bereits zugestimmt, teilten die beiden Konzerne mit. Vor der Transaktion erfolge eine zusätzliche Ausschüttung in Höhe von jeweils 250 Millionen Euro von BSH an Siemens und Bosch. Die Kartellbehörden müssen dem Anteilsverkauf aber noch zustimmen. (Reuters, 22.9.2014)

http://derstandard.at/2000005866432/Siemens-setzt-sechs-Milliarden-Euro-auf-Fracking-Boom

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13.09.2014

1,35 Millionen Hektar Wildnis in der kanadischen Arktis für Fracking freigegeben

Das Dröhnen der Bohrer ist immer häufiger zu hören in der kanadischen Arktis. Unternehmen konkurrieren um die 2-3 Milliarden Barrels Schieferöl in den nordwestlichen Territorien, deren Regierung die Forderung von indigenen Nationen und Wissenschaftlern nach einem Moratorium bis zur abgeschlossenen Überprüfung der Auswirkungen von Fracking ignoriert.

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Es besteht echte Angst um das Grundwasser, um die Gesundheit und die Sicherheit der in der Region lebenden Menschen und Sorge darüber, wie das Fracking zu den globalen Treibhausgasemissionen beitragen wird.

Der Natla und der Keele – zwei Flüsse von malerischer Schönheit und kultureller Bedeutung. Sie sind besonders wichtig für das Volk der Dene in der Region Sahtu, die sich um den Polarkreis der nordwestlichen Territorien spannt. Die beiden Flüsse fließen kristallklar aus den Mackenzie Mountains entlang des Yukon-Territoriums/der nordwestterritorischen Grenze bevor sie am Ende im Mackenzie River zusammenfließen.

Seit hunderten, wenn nicht gar tausenden von Jahren, reisten die in den Bergen lebenden Dene flussaufwärts zu den Salzlecken, die im frühen Herbst Karibus, Elche und Bergschafe aus den höheren Lagen anzogen – eine günstigste Gelegenheit, um sich mit Wild, Fisch und Beeren für den langen Winter zu bevorraten.

Fracking auf dem Weg zum Polarkreis

Viele der im Sahtu lebenden Dene sind besorgt, dass diese Zeiten nun, da Energiekonzerne die Erlaubnis zum horizontalen Fracking in einer Region südlich des Polarkreises haben, bald vorbei sind.

Conoco-Phillips hat bereits Probefracks an zwei Quellen in der Sahtu durchgeführt und plant für die Zukunft noch einige mehr. Auch einige weitere Unternehmen, stehen mit eigenen Plänen bereit.

Bisher weiß niemand genau wie viel Schieferöl und Gas es im Yukon-Territorium, den Nordwest-Territorien und dem Nunavut-Terrotorium gibt. Aber die Regierung der Northwest-Territorien schätzt, dass die unterirdische Schiefer-Lagerstätte Canol Shale, die sich von den Bergen entlang der Grenze Yukons mehrere hundert Meilen östlich in Richtung Colville und Great Bear Seen erstreckt, 2-3 Milliarden förderbares Öl enthält, genausoviel oder vielleicht mehr als die hochproduktive Bakken-Formation in North Dakota.

Derart potenzielle Reserven haben für großes Interesse gesorgt. Und dafür, dass sich hydraulisches oder konventionelles Fracking zur erschließung von Öl- und Gasquellen in Kanada unaufhaltsam weiter in Richtung Polarkreis bewegt.

Ökosysteme in Gefahr

Fracking kann das Grundwasser verschmutzen, Gas kann freigesetzt und seismische Aktivitäten ausgelöst werden. Wissenschaftler sagen, dass viele sensible Ökosysteme von Nord-Kanada, inklusive der Tundra, Moore, Sümpfe und Dauerfrostgebiete, besonders anfällig für die umfangreichen Störungen sein können, die in Gebieten mit hoher Fracking-Aktivität auftreten können

Außerdem bestehen Bedenken bezüglich notwendiger Reinigungsarbeiten nach Verschmutzungen durch Öl oder Chemikalien in den vielen Feuchtgebieten der Region. Ein weiterer Kritikpunkt ist der sogenannte „Boomtown-Effekt“, der durch zu rasche Entwicklung in abgelegenen und unbewohnten Gebieten entsteht – ein Phänomen, das Teile von North Dakota, Pennsylvania und anderen von „unkonventionellen“ Bohrungen nach Öl und Gas betroffene US-Staaten stark veränderte.

Bewohner des Yukon-  und des Norwest-Territoriums fürchten, dass diese abgelegenen und dünn besiedelten Gebiete weder die Kompetenz noch die staatliche Infrastruktur haben, Fracking einzuschätzen oder mit den Konsequenzen umzugehen – wie eine aktuelle Studie zeigt, In der Region Sahtu leben weniger als 1.500 Menschen.

Bereits lizenziert – 1,35 Millionen Hektar Wildnis

Jim Tredger, ein ehemaliger Hochschuldirektor, der die Gemeinschaft vornehmlich indigene Gemeinschaft der Mayo-Tatchun der Yukon-Legislative vertritt, hat sich gemeinsam mit anderen erfolgreich für ein Moratorium für Oberflächenfracking im Yukon eingesetzt, so dass eine vollständige öffentliche Überprüfung der gesundheitlichen und ökologischen Risiken erfolgen konnte. Die Nordwest-Territorien haben es deutlich eiliger, Fracking zuzulassen.

Konventionelles Bohren nach Öl in der Region Sahtu ist nichts Neues. Imperial Oil, die kanadische Tochtergesellschaft von ExxonMobil, fördert bereits seit fast 70 Jahren Erdöl aus dem Mackenzie River. Aber die Sondierung von Energiequellen hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt. Dies liegt teilweise daran, dass Fracking Unternehmen den Zugang zu Reserven vereinfacht hat, die bislang nur schwer zu erschließen waren.

Bislang umfassen die aktiven Lizenzen im Gebiet der Canol Schiefervorkommen 1,35 Millionen Hektar Wildnis.“

Fracking als Schlüssel zur Unabhängigkeit?

John Hogg, Vizepräsident für Forschung und Betrieb der in Calgary ansässigen MGM Energy Corp, sagte in einer Anhörung vor einem Yukon Sonderausschuss für Fracking, dass Schieferressourcen in einer verantwortlichen Art und Weise genutzt würden, vorausgesetzt, die entsprechenden Umweltvorschriften seien vorhanden. Schieferöl und Gas, schlug er vor, könne der Schlüssel sein, um das Yukon-Territorium in Sachen energieautark zu machen.

Ein bereits entlang des Mackenzie Rivers vorhandener Ölkorridor könnte diese neuerschlossene Energie zukünftig Richtung Süden transportieren.

Das National Energy Board, der Hauptregulator in Kanada, hat außerdem Pläne von Trans Canada, dem Unternehmen hinter der umstrittenen Keystone-XL-Pipeline in den USA, genehmigt, eine 16 Milliarden Dollar Erdgas-Pipeline von der arktischen Küste bis nach Alberta zu bauen. Niedrige Gaspreise und erhöhte US-Produktion brachten das Projekt zum Stillstand.

Grundwasservorkommen sind nicht einmal kartografiert

Husky Energy Inc., MGM Energie und Shell Canada bauen auch in der Region Sahtu Straßen und führen Tests in den vertikalen ölreichen Schichten durch. Im Juni 2013 widerrief das Sahtu Land und Water Board frühere Entscheidungen, die eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung für Erkundungsbohrungen erforderlich gemacht hätten.

Eine der neuesten Studien über hydraulisches Fracking, veröffentlicht im letzten Jahr in der Zeitschrift Science, weist darauf hin, dass die mit Fracking verbundenen Umweltrisiken gehandhabt werden könnten – vorausgesetzt, es entwickle sich ein erhöhtes Verständnis für die Tragweite, der Transport von Schadstoffen werde verbessert und es gebe mehr langfristige Überwachung und erhöhte Transparenz.

Diese Vorschläge wären weder für die nordwestlichen Territorien noch für den Yukon so ohne weiteres umsetzbar. Im Gegensatz zu vielen Regionen im Süden, sind dort Grundwasservorkommen nicht einmal kartografiert.

Widerstand im Norden Kanadas

Indigene Gruppen, Umweltorganisationen und der Ältestenrat der Nordwest-Territorien haben vor kurzem ein Moratorium für Fracking in den Nordwest-Territorien gefordert. Ausschlag gebend ist der Bericht eines Expertengremiums der kanadischen Akademien, der auf bislang nicht berücksichtigte Risiken und die unbekannten Auswirkungen dieser umstrittenen Bohrmethode hinweist.

Der Rat der Yukon First Nations hat geschworen, Fracking auf seinen Ländereien nicht zuzulassen. Angesichts des massiven Widerstands haben Conoco-Phillips und Husky eine einjährige Pause anberaumt, um sich den Anliegen und Fragen, die vorgebracht wurden, zu stellen.

Yukons überparteilicher Regierungsausschuss zu Fracking hat in den letzten 14 Monaten Ökonomen, Toxikologen, Mediziner, Erdölingenieure, Oberhäupter der First Nations, Umweltorganisationen und Industrie-Experten angehört. Die Regierung der Nordwest-Territorien allerdings hat deutlich gemacht, dass sie beabsichtigt, auf Fracking-Kurs zu bleiben.

Fracking – eine wachsende Kontroverse

Es hat sich herausgestelt, dass hydraulisches Fracking in Kanada umstrittener ist als in den Vereinigten Staaten, die in den letzten Jahren einen wahren Fracking-Boom erlebten.

Fracking st eine neue Technik in den Nordwest-Territorien und wir haben nicht genug Informationen über sie. Wir wissen, sie wird in vielen Orten auf der ganzen Welt wegen ähnlicher Bedenken wie unserer verboten.”

Die Regierung von Quebec hat Fracking wegen der Sorge um das Grundwasser bereits verboten. In New Brunswick wurden kürzlich Regelungen eingeführt, die die Art Wasser, die für Fracking genutzt werden darf, eingrenzt.

Beim hydraulischen Fracking wird eine Mischung aus Sand, Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in Schieferformationen tief unter der Erde gepresst, zerschmettert den Stein, so dass auch eingeschlossene Erdgas- oder Ölressourcen freigesetzt werden. [Siehe auch: „Fracking – Nun mal Klartext, werte Herren Experten!“]

Je nach Geologie und abhängig von der Tiefe des Fracks müssen mehrere Millionen Liter Wasser verwendet werden, um ein einziges Vorkommen zu fracken. [Fracking hat dramatische Auswirkungen auf den WasserhaushaltIn vielen Fällen führen Energieunternehmen das Abwasser wieder dem Grundwasser zu.

Risiken von Fracking

Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass wenn die Industrie nicht ausschließlich die optimalsten Methoden anwendet oder die Zementverkleidung versagt, Bohrungen undicht sein können.

Eine in 2011 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie erbrachte den systematischen Nachweis von im Zusammenhang mit Schiefergasförderung auftrender Methankontaminierung der Trinkwasservorkommen im Nordosten von Pennsylvania und im New Yorker Hinterland.

Die Sorgen um die Verschmutzung des Grundwassers und der Flüsse wie den Natla und den Keele werden untermauert durch Fracking-Projekte, die kürzlich in Alberta schief liefen. [Siehe auch: Neue Ölkatastrophe am Great Lakes]

Es kostete Canadian Natural Resources 50 Millionen $ und dauerte mehr als neun Monate, eine fortlaufende Serie von Leckagen in den Griff zu bekommen, die durch eine Fracking-Methode – Dampfinjektion in diesem Fall – im letzten Jahr an einer ihrer Quellen verursacht wurden. Mehr als 12.000 Barrel Bitumen sickerten an die Oberfläche, was als viertgrößter Überlauf in die Geschichte Albertas einging.

Frei übersetzt und zusammengefasst aus dem englischen Original: Drills away in Canada’s Arctic – 1.35 million hectares of wilderness open to fracking Netzfrau Andrea Wlazik

http://netzfrauen.org/2014/09/13/135-millionen-hektar-wildnis-der-kanadischen-arktis-fuer-fracking-freigegeben/

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08.08.2014

Geheim verhandelt: Fracking nimmt Kurs auf Europa

Die Vorbereitungen zur Einführung von Fracking in Europa sind bereits weit gediehen. Die EU will einen Super-Kommissar nach dem Vorbild Sigmar Gabriels: Er soll für Umweltschutz, Energie und Klima zuständig sein und kann versuchen, per Richtlinie auf EU-Ebene den Nationalstaaten Fracking zu erlauben. Mit dem Freihandelsabkommen CETA wurde gerade der rechtliche Rahmen geschaffen, um den US-Konzernen den Weg nach Europa zu ebnen.

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Es dürfte wieder einmal eine alternativlose Entscheidung werden: Das im Geheimen verhandelte und bis zum heutigen Tag keinem Medium zugängliche Freihandelsabkommen CETA wird im September von den Parlamenten der EU-Staaten durchgewunken werden. Die EU hat eben den Abschluss der Verhandlungen vermeldet, laut EUObserver sind alle strittigen Punkte beseitigt.

Für die US-Energiebranche ist dieses Abkommen besonders wichtig: Sie unterhält eigene Firmen in Kanada und wird so in die Lage versetzt, ihren neuen Exportschlage Fracking nach Europa zu exportieren (mehr hier). Der neue Kalte Krieg gegen Russland dient nicht zuletzt dem Bestreben der Industrie, die Russen aus dem europäischen Energiemarkt zu verdrängen, um amerikanischen Konzernen einen neuen Absatzmarkt zu erschließen (mehr hier).

Dass die EU hier ganz auf der Linie der USA liegt, belegt die Rolle des deutschen EU-Kommissars Günther Oettinger: Oettinger wird nicht müde, für die höchst umstrittene Fördermethode von Erdgas die Werbetrommel zu rühren. Er hofft auf noch umfassendere Kompetenzen in der kommenden EU-Kommission.

Oettinger macht sich deswegen für „Cluster“ stark. Die Vizepräsidenten der Kommission sollten für große Themenbereiche wie „Binnenmarkt und Handel“ oder „Energie, Klima, Umwelt“ zuständig sein und die „normalen“ Kommissare und Kommissarinnen sollten ihnen zuarbeiten. Damit könnten Oettingers Ambitionen befriedigt und die Arbeit der Kommission effizienter gestaltet werden“, schreibt Energie und Management.

Würde es ihm gelingen für Energie, Klima und Umwelt eine Zuständigkeit zu erlangen, könnte er noch wirkungsvoller die Kritiker aus dem Bereich Umwelt und Klima kaltstellen. Eine EU-Richtlinie, die Bürgerproteste dadurch aushebelt, dass man das Bergrecht auf europäischer Ebene im Sinne der Reform in Großbritannien reformiert, wäre ein großer Sieg für die Fracking-Lobby in Brüssel.

Sollte es nationale Widerstände geben, hat die EU-Kommission mit dem eben zu Ende verhandelten Freihandelsabkommen CETA bereits Vorsorge getroffen: Zwar ist die finale Version wegen der Geheimhaltung noch nicht bekannt, doch die in einer Zwischenversion enthaltene Möglichkeit, Milliarden Strafzahlungen von Fracking-unwilligen Regierungen in der EU einzufordern, würde umweltbewusste Staaten schnell gefügig machen. So wird die demokratische Grundlage der Bürger innerhalb der EU systematisch weiter ausgehöhlt. Ob die jetzt geäußerten Bedenken in Berlin seitens der Bundesregierung ausreichen werden, dass noch zu verhindern, bleibt abzuwarten. Fracking, CETA und TTIP sind ein Maßnahmenpaket, das zusammen mit Änderungen im EU-Bergrecht, den Weg zu einem massenweisen Fracking in Europa ebnen soll.

Großbritannien prescht bereits im Alleingang voran. Da spielen Naturschutz und Recht der Grundeigentümer keine Rolle mehr, wie DW berichtet. Es wurde in Großbritannien jetzt extra ein Gesetz verabschiedet, dass den Grundeigentümern die Rechte entzieht, über die Nutzung ihrer Grundstücke für Fracking bisher Mitspracherecht hatten. Man reformiert einfach das Bergrecht, so dass es keinerlei Einspruchsmöglichkeiten der lokalen Grundbesitzer mehr gibt.

Investitionsschutz klingt erst einmal ganz harmlos. Im ursprünglichen Sinne sollten sie dazu dienen, dass mittels völkerrechtlicher Verträge zwischen Staaten Direktinvestitionen von Ausländern in einem fremden Staat rechtlichen Schutz, insbesondere gegen eigentumsbeeinträchtigende Maßnahmen wie entschädigungslose Enteignungen genießen. Eine Fabrik oder ein Haus im Ausland, sollten nicht aufgrund von Gesetzen ausländischer Regierungen willkürlich enteignet werden. Allerdings hat sich diese einfache und jedem einsichtige Definition von Investitionsschutz oder Eigentumsgarantie im Zuge der juristischen Deutung und Ausweitung wesentlich verändert.

Insbesondere in den USA haben Juristen die Bedeutung von Investitionsschutz fundamental dahingehend modifiziert, dass es gar nicht nur um den Schutz bestehender materieller Investitionen geht, sondern um die Frage, ob durch die Änderung von Rechtsrahmen eines anderen Landes die ausländischen Investoren Nachteile für die von ihnen erwarteten Gewinne einer getätigten oder sogar geplanten Investition erlangen könnten. Das ist nun natürlich ein weites Feld.

Das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) wurde seit 2009 zwischen der EU und Kanada verhandelt. Die Verhandlungen wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen und der Ratifizierungsprozess eingeleitet. Insgesamt erwartet die EU ein jährliches Plus von zwölf Milliarden Euro beim Bruttoinlandsprodukt der EU aufgrund eines wachsenden Handels zwischen Kanada und der EU. Das Abkommen soll für Wachstum und Arbeitsplätze sorgen. Man nennt das dann auch in Deutschland gerne Freihandelsabkommen, was letztendlich den Abbau von Zöllen und anderen nicht-tarifären Handelshemmnissen suggeriert. CETA und TTIP, ein analoges Abkommen zwischen der EU und den USA, sind quasi siamesische Zwillinge. Da die Zollsätze zwischen der EU und Kanada, aber eben auch zwischen der EU und den USA bereits aufgrund der vorherigen multilateralen Freihandelsabkommen im Rahmen der WTO bzw. ehemals GATT bereits weitgehend gesenkt worden sind, sind es andere Aspekte wie insbesondere der Investitionsschutz der eine wesentlich größere Bedeutung hat. Da es auch hier weniger um die Frage der Enteignung von Immobilien von Ausländern geht, sondern um die Frage was bei einer Investition geschützt sein soll, scheiden sich hier die Geister.

Besonders viel Kritik kommt dem Abkommen bezüglich des Investitionsschutzkapitels. Es wird befürchtet, dass ausländische Unternehmen auf Grundlage des Abkommens beispielsweise gegen Umweltschutzstandards eines Nationalstaates klagen könnten (etwa ein mögliches Fracking-Verbot).

Dass es ein starkes Interesse der ausländischen Energiekonzerne aus den USA, Kanada und Großbritannien gibt, das Investitionsschutzabkommen als strategischen Hebel für die Genehmigung von Fracking innerhalb der EU einzusetzen, steht außer Zweifel. Dass die Weichen dafür schon frühzeitig gestellt worden sind, ist belegbar.

Da nützen auch goldene Worte der Kanzlerin oder der jetzigen Umweltministerin wenig (mehr dazu hier). Merkel beherrscht die Kunst der asymmetrischen Demobilisierung perfekt. Man gibt sich konziliant und geht scheinbar auf die Interessen der Bürger ein, bis die Proteste abgeflaut sind. Zum Spiel auf Zeit gehören auch Nebelkerzen: Eine solche hatte die Bundesregierung erst vor wenigen Wochen geworfen, als sie durchsickern ließ, Deutschland könne CETA wegen des Investmentschutzes komplett ablehnen. Doch wenige Tage nach dem scheinbar heldenhaften Widerstand meldet nun der EUObserver: Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung seien bereits vor Monaten einvernehmlich beseitigt worden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/08/geheim-verhandelt-fracking-nimmt-kurs-auf-europa/

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30.07.2014

Umweltbundesamt will weitgehendes Fracking-Verbot

Das Umweltbundesamt fordert strengste gesetzliche Regelungen für die Erdgasförderung durch Fracking. Grundsätzlich seien die Gefahren dieser Technik zu unkalkulierbar für Mensch und Umwelt.

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Für die Präsidentin des Umweltbundesamts (Uba), Maria Krautzberger, ist die Sache klar: Fracking sollte es in Deutschland am besten gar nicht geben. Zu unkalkulierbar seien die Risiken für die Menschen und die Umwelt. „Grundsätzlich halten wir die Gefahren dieser Technik für zu groß“, sagte Krautzberger am Mittwoch bei Vorlage eines 600-seitigen Gutachtens ihrer Behörde zum Fracking.

Notwendig seien demnach strenge gesetzliche Regelungen, heißt es in dem Gutachten. Deutschland sollte auf Fracking verzichten, solange die Risiken nicht erforscht sind. Warum dann nicht gleich ein Verbot, wie von Grünen, Naturschutzverbänden und besorgten Bürgern gefordert?

„Ein Verbot ist rechtlich eine komplizierte Angelegenheit“, sagte Krautzberger. Stattdessen empfiehlt das Gutachten für den Einsatz der umstrittenen Technologie „enge Leitplanken“. Das beginnt mit der Forderung nach einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung vor jeder Frackingmaßnahme.

Bevor auch nur mit Probebohrungen begonnen wird, sollte in der betreffenden Region das Grundwasser untersucht und während der Arbeiten fortlaufend analysiert werden. „Wir müssen schauen, ob sich das Grundwasser irgendwie verändert“, sagte Krautzberger. Auch nach Beendigung des Frackings sollte das Monitoring fortgesetzt werden, um mögliche Langzeitfolgen erkennen zu können.

Risiko der Grundwasserverunreinigung

Doch derzeit sieht es so aus, als wenn es in Deutschland gar nicht so weit kommen würde. Die Skepsis gegenüber der Technologie ist groß. Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden verpresst. So entstehen Risse im Gestein, durch die Erdgas gefördert werden kann.

Die Bundesregierung will nun das Fracking zur Gasförderung aus Tiefen oberhalb von 3000 Metern verbieten. In diesem Bereich befinden sich zumindest in Deutschland jene Schiefergesteine – sogenannte unkonventionelle Lagerstätten –, die auch die USA derzeit in großem Stil fürs Fracking nutzen.

Da diese Tiefen auch von Grundwasserleitern durchzogen sind, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, besteht das Risiko von Verunreinigungen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) haben daher in einem gemeinsamen Eckpunktepapier für die Regelung von Fracking Anfang des Monats angekündigt, das Wasserhaushaltsgesetz entsprechend ändern zu wollen.

Frackingmethode aus 60er-Jahren bleibt möglich

Anders sieht es dagegen mit dem Fracking unterhalb der 3000-Meter-Grenze aus. Aus diesen Tiefen werden in Deutschland vor allem in Niedersachsen aus sogenannten konventionellen Lagerstätten wie Sandsteinen Erdöl und Erdgas gefördert. Auch dabei kommt die Fracking-Technologie zum Einsatz. Es werden jedoch andere Wasser-Chemikalien-Gemische verwendet als im Schiefergestein.

Hinzu kommt, dass in großen Tiefen kein nutzbares Grundwasser lagert und damit, wie es in dem Eckpunktepapier heißt, „keine Gefahr für die Gesundheit und das Trinkwasser“ bestehe. Diese Variante des Frackings, die in Deutschland bereits seit den 60er-Jahren genutzt wird, soll daher auch weiterhin möglich sein.

Allerdings empfiehlt das neue Uba-Gutachten, die dabei eingesetzten Chemikalien rechtlich verbindlich in einem Kataster bei einer Bundesbehörde auszulisten. Der möglicherweise giftige Rückfluss des Fracking-Gemisches (Flowback) sollte aufbereitet und im besten Fall wiederverwendet werden.

Grüne fordern kategorisches Verbot

Allerdings macht das Gutachten auch hier grundsätzliche Einschränkungen: In Wasserschutzgebieten sollte jede Form von Fracking untersagt werden. Um die Umweltauflagen insgesamt zu verschärfen, fordert Uba-Präsidentin Krautzberger eine entsprechende Reform der Bergrechts: „Das könnte am Ende einem Verbot des Frackings gleichkommen.“

Die Grünen fordern als Konsequenz aus dem Gutachten, Fracking gar nicht erst zuzulassen. „Wir fordern, dass Fracking zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl untersagt wird“, sagte die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Julia Verlinden. Ziel der Energiewende sei es ja ohnehin, in Zukunft Erdgas, Erdöl und Kohle konsequent durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

Auch der Chef des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Olaf Tschimpke, sieht sich durch das Gutachten in seiner Ablehnung des Frackings bestätigt. „Wir fordern ein klares Verbot der Fracking-Technologie in Deutschland – und zwar in unkonventionellen und konventionellen Lagerstätten.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article130712917/Umweltbundesamt-will-weitgehendes-Fracking-Verbot.html

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28.07.2014

Großbritannien genehmigt umstrittenes Fracking

Um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern, will die britische Regierung die Förderung von Schiefergas auf dem Festland voranbringen. Dafür werden neue Fracking-Lizenzen erteilt.

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Im Ringen um eine größere Unabhängigkeit von Energieimporten wird die britische Regierung erstmals seit sechs Jahren wieder Bohrlizenzen für die Öl- und Erdgasindustrie auf dem Festland vergeben.

Großbritannien hofft vor allem auf eine beschleunigte Erschließung seiner Schiefergasreserven, weil die Erdgasförderung in der Nordsee zurückgeht und das Land deshalb stärker auf Importe angewiesen ist. Als Vorbild dienen die USA, wo die Schiefergasbranche boomt und die nationale Erdgasversorgung sichert.

Wegen der Ukraine-Krise verlagern Staaten in ganz Europa ihre Prioritäten und versuchen, sich stärker von russischen Erdgasimporten zu lösen. Europa bezieht rund ein Drittel seiner Gaslieferungen aus Russland, und die politischen Entscheider fürchten sich vor Angebotsengpässen.

Fracking-Moratorium lief vor zwei Jahren aus

Ende 2012 hat Großbritannien ein Moratorium für die sogenannte Fracking-Branche aufgehoben. Damit darf die umstrittene Technologie wieder angewendet werden, bei der unterirdische Gesteinsschichten mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien gesprengt werden, um darin eingeschlossenes Erdgas freizusetzen.

„Die Erschließung von Schiefergas in Großbritannien hat das Potenzial, uns mit einer größeren Energiesicherheit, Jobs und Wachstum zu versorgen“, teilte der britische Energieminister Matthew Hancock in einer schriftlichen Erklärung mit.

An der Auktion neuer Lizenzen werden sich wohl einige Kleinbetriebe beteiligen, die in Großbritannien bereits aktiv sind. Aber laut Insidern werden auch neue Wettbewerber teilnehmen, darunter US-Konzerne sowie Unternehmen, die sich über Private-Equity-Kapital finanzieren.

Bisher nur Probebohrungen

Große europäische Energiekonzerne wie die französische Total und GDF Suez haben sich bereits Anteile an bestehenden Förderlizenzen in der Hand von Schiefergasunternehmen wie Igas Energy und Dart Energy gesichert.

Die US-Energiebehörde schätzt, dass in Großbritannien Schiefergasreserven von rund 736 Milliarden Kubikmeter schlummern. Aber Bürgerproteste und die Opposition haben die Entwicklung dieser Vorkommen gebremst. Bisher gibt es in Großbritannien nur eine Handvoll Probe-Bohrlöcher und nur eine einzige Stelle, an der bereits mit dem Fracking begonnen wurde.

Branchenexperten sagen, die Erkundungsarbeit müsse voranschreiten, um eine bessere Idee davon zu bekommen, wie viel des potenziellen Erdgases überhaupt profitabel gehoben werden könne.

http://www.welt.de/wall-street-journal/article130637489/Grossbritannien-genehmigt-umstrittenes-Fracking.html

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15.07.2014

Getränkehersteller warnen vor Fracking-Folgen

Die Macher von Bier und Mineralwasser mischen sich in die Fracking-Debatte ein. Ein neues Gesetz müsse die neuartige Gasgewinnung nahe von Quellen generell verbieten, fordern die Hersteller.

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Bierbrauer und Mineralwasserhersteller warnen vor zu großen Risiken bei der gesetzlichen Regelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten.

Es wäre völlig unverständlich, sollten die Brunnen von Lebensmittel- und Getränkeherstellern in dem geplanten Gesetz weniger Schutz genießen als Trinkwasserbrunnen“, heißt es in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In Einzugsgebieten von Mineral- und Heilquellen, von Braubrunnen, für die Herstellung von Getränken sowie für die Trinkwasserversorgung und für die Lebensmittelherstellung müsse Fracking generell verboten werden.

Die Erklärung des „Bündnisses zum Schutz von Wasser“ wird unter anderem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dem Brauerbund, Gelsenwasser und dem Verband Deutscher Mineralbrunnen getragen. Umstritten sind besonders die Chemikalien, die zum Aufbrechen von gasführendem Gestein verwandt werden.

Kritiker befürchten Schlupflöcher

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) wollen dem bisher weitgehend ungeregelten Umgang mit der umstrittenen unkonventionellen Gasförderung sehr enge Grenzen setzen. Die Regelungen für die konventionelle Gasförderung sollen verschärft werden.

Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern werden durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten“, betonen die Minister. Kritiker sehen in mehreren Detailvorschlägen aber zu große Schlupflöcher.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bierbrauer-und-mineralwasserhersteller-getraenkehersteller-warnen-vor-fracking-folgen/10200962.html

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08.07.2014

Ende des Booms: Fracking-Firmen machen immer neue Schulden

Der Schiefergas-Boom in den USA nimmt ein vorzeitiges Ende, denn die Gasquellen versiegen schneller als erwartet. Die Fracking-Firmen müssen sich immer höher verschulden, um weitere Bohrungen durchzuführen. Die entstehende Zinslast bringt sie an den Rand des finanziellen Ruins.

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Der Schiefergas-Boom in den USA ist nach wenigen Jahren schon wieder vorbei. Die Fracking-Firmen kämpfen mit schnell versiegenden Quellen. Die Firmen sind gezwungen, neue Schulden zu machen, um ihre Bohrungen auszuweiten. Die resultierende Zinslast frisst ihre Gewinne auf und macht das Fracking für sie immer unrentabler.

Der Geologe David Hughes untersuchte bereits vor zwei Jahren Daten von mehr als 65.000 Schiefergas-Quellen in 31 verschiedenen Felsformationen. Er kam zu dem Schluss, dass dem Schiefergas-Boom der USA ein baldiges Ende droht. Hughes rechnete mit stark steigenden Kosten, unregelmäßiger Förderleistung, zunehmender Umweltbelastung und schneller Erschöpfung der Quellen.

Schiefergas kann weiter wachsen, aber nur zu höheren Preisen und dieses Wachstum benötigt eine starke Ausweitung der Bohrungen mit den damit verbundenen unmittelbaren Finanz- und Umweltkosten. Und die langfristige Zukunftsfähigkeit [der Schiefergas-Förderung] ist sehr fragwürdig“, sagte der Geologe vor zwei Jahren voraus. Zu den angesprochenen unmittelbaren Umweltfolgen gehören neben der Trinkwasserbelastung durch die verwendeten Chemikalien auch das Auslösen von Erdbeben.

Die neuesten Daten der Internationalen Energie Agentur (IEA) über die Schiefergas-Industrie zeigen, dass Hughes mit seiner These vollkommen richtig lag. Demnach geben die großen Öl-Konzerne immer mehr Geld für die Schiefergas-Förderung aus, erwirtschaften damit aber immer geringere Gewinne.

Der US-Geologe Arthur Berman kommt in einem Interview mit Oilprice.com zu dem Schluss, dass der Höhepunkt der Förderung in den meisten Gebieten bereits überschritten sei. Die Felder, die ursprünglich auf Jahrzehnte Gas und Öl produzieren sollte, sind beinahe erschöpft. Die Fracking-Firmen kämpfen zudem mit dem Verfall des Gaspreises aufgrund der kurzzeitigen Überproduktion.

Doch ohne höhere Preise, sei „der Schiefergas-Boom ist nicht zukunftsfähig“, sagte Berman. Die Öl-Industrie und die US-Regierung seien für den Hype rund ums Fracking verantwortlich, denn die Schiefergas-Reserven „sind alles, was in der Welt noch übrig ist. Seien wir doch ehrlich: Das sind wirklich schwierige Speichergesteine und deshalb haben wir auch solange damit gewartet, sie zu fördern, bis all die attraktiveren Möglichkeiten ausgeschöpft wurden“, so Berman.

Die Erschöpfungsraten von Fracking-Quellen, egal ob sie Öl oder Gas fördern, sind so groß, dass Unternehmen konstant mehr Geld leihen müssen, um weitere Bohrungen durchzuführen“, so ein Bericht des Rohstoff-Analysten Virendra Chauhan im Magazin Energy Aspects.

Die schwindenden Gewinn-Margen bedrohen viele der Schiefergas-Firmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz. Die gesamte Schuldenlast der 61 führenden Fracking-Firmen hat sich seit 2010 auf 164 Milliarden Dollar verdoppelt, wie Bloomberg berichtet. Die Fracking-Firmen müssen aufgrund der schnell versiegenden Quellen immer mehr Kapital in neue Bohrungen stecken, um das Förderungsniveau zu halten. Dadurch machen die Zinszahlungen einen stetig steigenden Anteil der Kosten aus und schmälern die Gewinne der Unternehmen erheblich. Bei einigen Firmen beläuft sich die Zinslast inzwischen auf 45 Prozent der Einnahmen.

Als Folge dessen beliefen sich die Investitionsausgaben von 35 analysierten Firmen in den vergangenen fünf Jahren […] auf erstaunliche 50 Dollar pro Barrel Öl, während der Umsatz nur bei 51,5 Dollar pro Barrel lag“, schreibt der Rohstoff-Analyst Chauhan weiter. „Die Schiefergas-Revolution ist kein Allheilmittel, das unendliches Wachstum ermöglicht und es ist wichtig das zu erkennen, um einschneidende Enttäuschungen in der zukünftigen globalen Versorgung zu vermeiden.“

Doch genau diese Enttäuschungen sind kürzlich eingetreten, als die US-Behörden die ersten Schiefergas-Prognosen einkassiert haben. Die erwartete Förderung in Monterey im US-Bundesstaat Kalifornien wurde vom Energie Ministerium der USA von 13,7 Milliarden Barrel Öl auf nur 600 Millionen Barrel reduziert. Das entspricht einer Korrektur von 96 Prozent, wie die L.A. Times berichtet.

Der Analyst Ivan Sandrea ist sich sicher, dass die korrigierte Förderprognose von Monterey keine Ausnahme ist. „Entsprechende Abschreibungen von einigen der größten Player im Schiefergas-Sektor erreichen mittlerweile 35 Milliarden Dollar, was darauf hindeutet, dass einige dieser Investitionen nicht die technischen oder geschäftlichen Erwartungen erfüllen“, zitiert das Online-Magazin The Tyee den Analysten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es äußerst fragwürdig, dass der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, noch immer für Fracking als nachhaltige Lösung für Europas Energieversorgung wirbt.

Ich schätze, dass Europa das Potenzial hat, etwa ein Zehntel seines Bedarfs langfristig auf diesem Weg zu decken“, zitiert Euractiv den Energie-Kommissar. Das würde der EU erlauben sich von der Energieabhängigkeit Russlands zu lösen, so Oettinger. Erst kürzlich hat die Bundesregierung ein Fracking-Gesetz verabschiedet, dass die Schiefergas-Förderung in Deutschland unter Auflagen genehmigt (mehr hier). Und Firmen wie ExxonMobil und die BASF-Tochter Wintershall stehen schon bereit, um mit der Förderung zu beginnen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/08/ende-des-booms-fracking-firmen-machen-immer-neue-schulden

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04.07.2014

Umweltministerin Hendricks: Fracking-Gesetz stoppt Fracking

In Deutschland soll die umstrittene Schiefergas-Förderung Fracking laut Umweltministerin Hendricks nicht erlaubt werden. Die Regierung stellte am Freitag die Eckpunkte des Fracking-Gesetzes vor. Die Opposition bemängelte Schlupflöcher „so groß wie Scheunentore“.

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In Deutschland soll die umstrittene Schiefergas-Förderung (“Fracking”) wie in den USA oder Kanada auf längere Zeit keine Chance haben. “Das unkonventionelle Fracking wird nicht erlaubt“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Freitag in Berlin bei der Vorlage von Eckpunkten für ein Gesetz. Die mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) abgestimmten Regelungen würden die schärfsten sein, die es in diesem Bereich je gegeben habe. So soll es auch strengere Bestimmungen für die konventionelle Erdgas-Förderung geben, die ebenfalls unter dem Begriff Fracking seit Jahrzehnten in Deutschland eingesetzt wird. Das Bundeskabinett soll das Vorhaben nach der Sommerpause beschließen. Die Opposition sprach von einem Fracking-Ermöglichungs-Gesetz. Die Regelungen hätten Schlupflöcher groß wie Scheunentore.

Bohrungen in Schiefer- und Kohleflözgestein in weniger als 3000 Metern Tiefe würden verboten, heißt es in den Eckpunkten. Dies könne durch eine Verschärfung des Wasserhaushaltsgesetzes erreicht werden, da Grundwasser in diesen Tiefen betroffen sein kann. Wissenschaftliche Probebohrungen zur Erforschung von Umweltrisiken sollen aber erlaubt sein. Nach 2012 sollen diese Regelungen überprüft werden.

Erlaubt bleiben soll auch das seit Jahrzehnten in Deutschland, vor allem in Niedersachsen, eingesetzte konventionelle Fracking in sehr tiefen Schichten wie Sandgestein. Hiefür wird aber künftig eine Umweltverträglichkeitsprüfung wie beim unkonventionellen Fracking vorgeschrieben. In Wasserschutz- und Wassereinzugsgebieten bleibt es verboten. Den Ländern soll zudem ermöglicht werden, weitere Regelungen in Eigenregie zu erlassen.

Deutschland fördert rund zehn Prozent seines Erdgas-Vebrauchs selbst, teils mittels des schon lange angewandten konventionellen Frackings. Aufgrund der Verunsicherung und der hitzigen Debatte über Fracking-Methoden wie in den USA haben die Behörden jedoch in vergangenen Jahren kaum noch neue Bohrungen erlaubt. Vor allem Niedersachsen hatte so auf ein Gesetz gedrängt, um die konventionelle Förderung nicht zum Erliegen zu bringen. Derzeit ist Fracking in Deutschland gar nicht gesondert geregelt, ein Gesetzesvorstoß in der vergangenen Wahlperiode war gescheitert.

Die Opposition warf der Regierung vor, entgegen den Behauptungen auch unkonventionelles Fracking letztlich in Deutschland doch möglich zu machen. Das Konzept sei daher kurz vor dem Wochenende und am Tag des WM-Viertelfinales vorgestellt worden, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen. Unter dem Deckmantel eines angeblichen Verbots mache man Fracking dennoch zu großen Teilen möglich. Die erheblichen Risiken seien zudem mit den vorgeschlagen Auflagen nicht auszuschließen, sagte Linken-Experte Hubertus Zdebel. “Fracking muss ohne jegliche Ausnahmen verboten werden.” Auch Grünen-Vize-Fraktionschef Oliver Krischer verlangte ein klares Verbot ohne jegliche Schlupflöcher.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/04/umweltministerin-hendricks-fracking-gesetz-stoppt-fracking/

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04.07.2014

Fracking in den USA: „Sie nennen es Salzwasser, ich nenne es Gift“

Der Schiefergasboom fordert seine Opfer: Verunreinigtes Grundwasser und andere Nebenwirkungen haben die Bevölkerung sensibilisiert

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Nein, ein Howdy kommt Gale Wood nicht über die Lippen. Den urtexanischen Gruß bemüht er kein einziges Mal. Zu viel Klischee. Einem echten Texaner, erklärt der Ingenieur, der einst Raketenteile für die Raumfahrtbehörde Nasa konstruierte, einem waschechten Texaner seien andere Dinge wichtiger als eine Floskel. Erstens Schatten, eine Baumkrone zum Schutz vor der sengenden Sonne. Zweitens etwas, woran man sich anlehnen kann, wenn man eine schöne Geschichte erzählt, mit anderen Worten: Gelassenheit. Und drittens ein guter Deal.

Voller Stolz führt der kräftige Mann über seine Ranch im ländlichen Parker County. Wellige Weiden, hinter Maschendraht zwei große Tanks, Vorratsspeicher fürs Fracking. Von einem Erdwall geht der Blick auf einen nahezu ausgetrockneten Tümpel. Gale Wood hofft händeringend auf Regen im dürregeplagten Texas, auf dass sich der Teich wieder fülle. Einmal hat er Wasser daraus für 15.000 Dollar an eine Erdgasfirma verkauft, „ein guter Deal“.

Mit der Öl- und Gasindustrie haben die Woods schon Geschäfte gemacht, als Gales Großvater Phil einem Wildcatter namens George Mitchell erlaubte, auf seiner Ranch am Walnut Creek Bohrlöcher in die Erde zu treiben. Wildcatter, so nennt man die Branchenzwerge, die ihr Glück auch dort versuchen, wo die großen Konzerne abwinken.

Feilschen um Schürfrechte

Phils Enkel hat vor ein paar Jahren nachzubessern versucht. Die Bohrungen reichten nun bis zur Barnett Shale, einer Schieferschicht 1500 bis 2400 Meter tief unter der Erde. Da wollte er ein Fünftel des Gewinns für sich, nicht bloß die 12,5 Prozent, für die sein Opa die Schürfrechte verpachtete. Daraufhin kramten die Gasmänner, wie sie unter Ranchern schlicht heißen, ein vergilbtes Papier aus den Archiven, unterschrieben von Phil. In dem stand, dass ihre Rechte alles abdeckten, von der Bohrturmspitze bis zum Mittelpunkt der Erde.

Und damit war die Sache abgehakt. „Ich bin nicht gegen Fracking“, sagt Wood. Der Rentner versteht sich als Tüftler, Bastler und Erfinder, er ist so technik- und businessfreundlich, wie viele Texaner es von sich behaupten. Auch gegen Fracking in der Nähe von Wohnhäusern hat er eigentlich nichts, anders als Barbara, seine Frau, die einen Stapel akkurat sortierter Zeitungsausschnitte auf den Tisch legt. „Keine Bohrungen in besiedelten Gebieten“, sagt Barbara.

Die Fracking-Lauge unterirdisch zu entsorgen, noch dazu in der Nähe von Städten, das sieht Gale ganz klar als Regelbruch. In Texas gibt es achttausend solcher Lager, in denen die Brühe deponiert wird: das Wasser, das man – mit Chemikalien und Sand vermischt – in die Erde gepresst hatte, um die Schieferporen zu öffnen und das Gas freizusetzen, dazu das fossile Wasser aus der Tiefe, das mit nach oben gepumpt wurde. „Sie nennen es Salzwasser“, sagt Lynda Stokes. „Ich nenne es Gift, schon wegen der Chemie.“

Beben ändern Stimmung

In Reno, einem Dreitausend-Einwohner-Dorf am Rande der Großstadt Fort Worth, hat sich die Stimmung gedreht, seit Erdstöße die Gegend erschüttern. Die Beben erreichen eine Stärke zwischen 2,0 und 3,6 auf der Richterskala. Beim stärksten, im vorigen Spätherbst, hörte Lynda Stokes als Erstes einen Knall, der an ein Flugzeug beim Durchbrechen der Schallmauer denken ließ. Unter bestimmten Bedingungen, hat sie inzwischen gelernt, kann die Schallwelle eines Bebens solche Geräusche verursachen.

Jeder in Reno glaubt zu wissen, was die Erde zum Zittern bringt. Die Entsorgungslager. „Liegt doch auf der Hand“, sagt Lynda Stokes. „Sie pressen etwas unter Druck in die Tiefe, das darauf ausgelegt war, Gestein aufzusprengen. Soll mir keiner erzählen, dass sich dort unten nichts tut.“

Einst Stahlarbeiterin im Mittleren Westen, ist die wuselige Frau seit sechs Jahren Bürgermeisterin von Reno. In ihrem Versammlungssaal trinken ölgemalte Longhorn-Rinder aus einem idyllischen See. Daneben zieht sich ein millimeterbreiter Riss von der Decke bis zum Fußboden, die Folge eines Bebens. Lynda Stokes wartet auf eine Studie der Railroad Commission, des merkwürdig betitelten Regulierers der Öl- und Gasförderung. Die soll klarstellen, dass Fracking und Erdstöße miteinander zusammenhängen.

Nur, fügt die Bürgermeisterin skeptisch hinzu, „hundertprozentige Beweise wird es nicht geben, hundertprozentig ist ja nie irgendwas“. Die Industrie aber dürfte auf absoluter Gewissheit bestehen, zudem könne sie sich die besseren Anwälte leisten, wenn es denn vor Gericht ende. Ein Bohrmoratorium in Reno scheiterte am Widerstand des eigenen Gemeinderats. Man dürfe niemanden daran hindern, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, lautete das Argument.

Fracking-Pionier

Gewiss hat die Vorsicht auch mit der Causa Carrie Baran zu tun, dem Fall einer Texanerin, die ein teures Verfahren gegen Mitchell verlor. Das Wasser, das bei Baran aus dem Hahn kam, roch nach Gas und faulen Eiern. Sie klagte, gemeinsam mit ähnlich Betroffenen, weil der Verdacht nahelag, dass Erdgas aus rostzerfressenen Rohren ins Grundwasser strömte. Mitchell sollte 204 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen, er heuerte Spitzenadvokaten an, ging in Berufung – und wurde in zweiter Instanz in allen Punkten entlastet. Ein betagter Zeuge gab zu Protokoll, er habe bereits in den 1920er Jahren gesehen, wie ein Brunnen in Flammen stand wegen des Gases im Grundwasser.

Mitchell, der Fracking-Pionier in den Fußstapfen seines Vaters. Mitchell senior verwendete anfangs ein dickflüssiges Gel, um Risse im Sandstein so zu erweitern, dass Gas leichter herausströmen konnte. Als Mitchell Energy die Stadt Chicago via Pipeline mit Erdgas versorgen durfte, war der Wildcatter ein gemachter Mann. Anfang der Achtziger zeichneten sich Lieferengpässe ab, Mitchell musste neue Lagerstätten aufspüren, um den lukrativen Vertrag mit Chicago erfüllen zu können. Der Durchbruch folgte 1998, als der Ingenieur Nick Steinsberger vormachte, dass anstelle des teuren Gels auch Wasser verwendet werden konnte, um das Gestein aufzubrechen, sogar wirksamer. Kurzum, die Barnett Shale diente als eine Art Labor der Nation, bevor sich die Fracking-Welle fortpflanzte gen Osten, nach Ohio und Pennsylvania.

Pegel gesunken

Die Woods beenden ihre Tour am Eagle Mountain Lake, einem Stausee inmitten lauschiger Wälder. Hier haben sie sich vor Kurzem eine geräumige Villa gekauft, es sollte ihr Traumhaus sein. Doch nun sind die Klinker an manchen Stellen gerissen, und unten am Steg hängt ein komfortables Boot sehr, sehr hoch in der Luft. Der Pegel des Sees hat sich bedrohlich gesenkt: Wo früher Wellen ans Ufer schlugen, wuchert Unkraut im Schlamm. Es liegt an der Dürre, aber auch an den gewaltigen Wassermengen, die zu Fracking-Zwecken aus dem See gepumpt wurden. „Wissen Sie, ich stehe auf beiden Seiten des Zauns“, zieht Gale Wood nachdenklich Bilanz. „Ich bin beides, sowohl Gasmann als auch Umweltaktivist.“ (Frank Herrmann aus Fort Worth, DER STANDARD, 4.7.2014)

http://mobil.derstandard.at/2000002650575/Fracking-Sie-nennen-es-Salzwasser-ich-nenne-es-Gift

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29.06.2014

Bundesregierung will Fracking in Deutschland beschleunigen

Die Bundesregierung will Fracking in Deutschland beschleunigt etablieren. Energieminister Sigmar Gabriel muss wegen des Desasters bei den Erneuerbaren Energien nach Alternativen suchen. Schon in wenigen Wochen soll ein Gesetz vorliegen.

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Die Bundesregierung gibt dem Fracking in Deutschland energiepolitisch eine höhere Priorität als bisher (mehr hier).

De Grund: Die Energiewende läuft immer weiter aus dem Ruder. Zuletzt hat die EU-Kommission klar gemacht, dass die Förderung von Ökostrom in Deutschland nicht mit den europäischen Gesetzen vereinbar ist (mehr hier).

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will seine Pläne zur Regelung der umstrittenen Schiefergas-Förderung (“Fracking”) in wenigen Wochen vorstellen. “Noch vor der Sommerpause wollen wir Eckpunkte vorlegen und dann im Herbst ein Gesetz verabschieden”, sagte der SPD-Vorsitzende dem Focus. Derzeit arbeite man zusammen mit dem Umweltministerium an Änderungen des Wasser- und Bergrechts. “Die heutige Fracking-Technologie, wie sie in den USA und Kanada verwendet wird, wird es in Deutschland nicht geben.” Man wolle aber die seit Jahrzehnten in Deutschland angewandte Fracking-Methode in tiefem Sandstein weiter ermöglichen.

Mittels des unkonventionellem Frackings in flacher gelegenen Gesteine haben die USA neue Reserven an Gas und Öl erschlossen. Dadurch sind die Energiepreise gesunken und das Land hat sich unabhängig von Gas-Importen gemacht. Bei dieser Form des Frackings wird ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck ins Gestein gepresst und damit bisher unerschlossene Gas-Blasen frei gesetzt. Die Umweltfolgen vor allem für das Grundwasser gelten bisher als kaum erforscht.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/29/bundesregierung-will-fracking-in-deutschland-beschleunigen/

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28.06.2014

„Wir sehen unsere Gesundheit bedroht“

Nach dem Protest gegen Stromtrassen formiert sich in Bayern Widerstand gegen Fracking. In der Oberpfalz sucht derzeit ein Unternehmen nach Gas – doch die Bürger wittern eine Verschwörung.

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Das hätte sie nicht für möglich gehalten. Jeden Tag schaut Sonja Schuhmacher aus Weiden in der Oberpfalz im Internet nach, wie viele Menschen ihr Anliegen unterstützen. Jeden Tag schöpft sie mehr Hoffnung.

Am Montag standen 19.000 Unterschriften unter ihrer Online-Petition. Am Freitag war die 50.000er-Marke schon erreicht. Rund zwei Drittel der Unterzeichner kommen aus Bayern. Sie alle wollen Fracking verhindern, ausnahmslos.

Und sie wollen die Politik festnageln: Anfang Juli wird die Online-Petition zu Papier gebracht und dem Landtag übergeben. Horst Seehofer, der bekanntlich eine „Koalition mit der Bevölkerung“ eingegangen ist, bekommt also neue unbequeme Partner – denn politisch stehen ihm die wenigsten Fracking-Gegner aus der Oberpfalz nahe.

Das „Bündnis Weidener Becken gegen Fracking“, dessen Sprecherin Sonja Schuhmacher ist, setzt sich aus über 20 Organisationen zusammen, erst Anfang Juni haben sie sich zusammengeschlossen.

Es sind die „üblichen Verdächtigen“: der Bund Naturschutz, die Grünen, die ÖDP, die Freien Wähler, die Piraten, die Vogelschützer, die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen. Aber auch die örtliche CSU und der Bürgermeister der Stadt, Kurt Seggewiß von der SPD.

Gasstreit befeuert Fracking-Diskussion

Gerade hatten sich in der nördlichen Oberpfalz Initiativen gegen „Monster“-Stromtrassen gebildet. Jetzt steht wegen der Energiewende und wegen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine die nächste Protestwelle bevor. Die Argumente gleichen sich.

Die Aktivisten sehen durch gewinnorientierte Konzerne Heimat und die Natur bedroht. Und die angestrebte dezentrale, kommunale Energiewende. „Wir könnten uns ganz gut selbst mit Energie versorgen“, sagt Schuhmacher. Zu Beginn der Woche gab es dagegen in der beschaulichen 40.000-Einwohner-Stadt schon die erste Demonstration – wenn auch nur mit 50 Beteiligten.

In der Kritik steht die spezielle Fracking-Methode, bei der ein Gasvorkommen seitlich angebohrt und ein durchlöchertes Rohr verlegt wird. Durch dieses Rohr wird mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien gepresst.

Der Chemiecocktail dringt durch die Perforierung in das Gestein, in dem das Gas eingeschlossen ist, ein. Dadurch entstehen Risse und Spalten, durch die das Gas fließen kann – zurück ins Bohrloch, wo es nach oben steigt.

Fracking-Gegner voller Zweifel

Die Risse im Schiefergestein können sich laut Bundesumweltamt horizontal bis zu 100 Meter, vertikal bis auf einige Dutzend Meter ausdehnen. Normalerweise wird der Chemie-Cocktail auch wieder zurückgepumpt, sagen die Firmen, die diese Technologie vor allem in den USA nutzen. Dass dies tatsächlich möglich ist, glauben die Fracking-Gegner nicht.

„Wir sehen unsere Gesundheit, unser Wasser, unser Klima bedroht“, sagt Sonja Schuhmacher.

Die Fracking-Gegner misstrauen nicht nur den Förderfirmen und der Technologie, sondern auch der Politik. „Sie lässt sich von den großen Versorgungsunternehmen leiten“, sagt Schuhmacher.

Dabei hatte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Weidenern versichert, dass die umstrittene Fracking-Methode in Bayern nicht angewendet würde. „Ich glaube der Wirtschaftsministerin erst, wenn ein Verbot in einem Gesetz verankert ist“, erwidert Schuhmacher.

Ihr Argwohn wird genährt durch einen Verwaltungsakt des Wirtschaftsministeriums. Es hatte im Januar der englischen Firma Rose Petroleum eine geologische Erkundung des 2600 Quadratkilometer großen Weidener Beckens in der Oberpfalz genehmigt. Im März machten das die Grünen im Landtag öffentlich.

Verkauft die Regierung die Kritiker für dumm?

Die Lizenz erstrecke sich auch auf die Erdgassuche mit unkonventionellen Mitteln, also Fracking, sagt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann. Bei einem Unternehmen wie Rose Petroleum sei das auch schlüssig: Rose Petroleum ist in Deutschland mit den Tochterfirmen Parkyn Energy und Naab Energie GmbH vertreten.

Beide haben eine Freiburger Postadresse, Internetseiten sucht man vergeblich, unter der Telefonnummer von Naab Energie, die die Lizenz in Weiden hat, meldet sich nur der Anrufbeantworter. Parkyn Energy ist auch bei den Erdgas-Aufsuchungsfeldern um Konstanz und Biberach in Baden-Württemberg engagiert, was dort wegen des Trinkwasserspeichers Bodensee für Unruhe sorgt.

Mit der Erkundungslizenz in Bayern würde die Staatsregierung die Menschen für dumm verkaufen, sagte Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Aigner konterte und warf den Grünen „gezielte Fehlinformationen“ vor. Eine Genehmigung für Erkundungen, bei denen nicht einmal gebohrt werde, habe aber nicht verweigert werden können.

Bei der Frage, wie das Bürger-Problem gelöst werden kann, sieht die Staatsregierung den Ball aber in Berlin und dort bei der SPD liegen. „Die Position der Bayerischen Staatsregierung ist unverändert eindeutig. Solange eine Trinkwassergefährdung nicht auszuschließen ist, wird es keine Genehmigung für Fracking mit Giftstoffen geben“, sagte Umweltminister Marcel Huber.

Für Klarheit im Bergrecht, das auch Gasbohrungen regelt, müsse aber der zuständige Minister sorgen: „Bayern fordert von Bundeswirtschaftsminister Gabriel ein Gesetz, das ein klares umfassendes Fracking-Verbot formuliert. Solange beim Fracking mit großen Mengen giftiger Substanzen gearbeitet wird, die nicht beherrscht werden können, darf diese Technologie bei uns nicht eingesetzt werden.“

Gabriel soll die Entscheidung fällen

Weil sich Gabriel und sein Ministerium in der Vergangenheit unklar geäußert haben, wartet nicht nur die Staatsregierung, sondern auch die Bürgerinitiative gespannt auf den SPD-Chef.

„Vielleicht wird ja auch die SPD auf eine Zerreißprobe gestellt“, sagt Anti-Fracking-Aktivistin Schuhmacher. Das sieht Harry Scheuenstuhl, umweltpolitischer Sprecher der SPD im Landtag, nicht, aber auch er bleibt vorsichtig. „Die Haltung innerhalb der bayerischen SPD ist klar.“

Auch hier gilt: Kein Fracking mit wassergefährdenden Substanzen. Dass die Kollegen in NRW vielleicht ein etwas anderes Verständnis haben, hält der bayerische SPD-Politiker für denkbar. Ob es aber zu einem flächendeckenden Verbot komme, werde nun in Berlin „geprüft“.

Auch die Staatsregierung ist unsicher, ob Gabriel weit genug gehen wird. Doch Umweltminister Huber sieht sich auf der sicheren Seite: „Sollte vom Bund das Bergrecht und das Wasserhaushaltsgesetz nicht umfassend genug geändert werden, haben wir in Bayern die Möglichkeit, über das Wasserrecht Fracking zu unterbinden. Wir haben ein sehr strenges Wasserrecht, mit dem jede Gefährdung des Trinkwassers verhindert werden kann. Von der gesetzlichen Situation ist damit alles klar.“

Für die Bedenken der Bevölkerung habe er großes Verständnis. „Ich halte die Qualität des Trinkwassers für einen besonderen Schatz in Bayern. Für mich gibt es in der Güterabwägung keinen Grund, wegen ein paar Jahren, in denen Erdgas gefördert werden könnte, diesen Schatz zu gefährden“, sagt Huber. „Wir werden auf ein flächendeckendes Verbot hinwirken.“

Huber mag keine Prognose abgeben

Deutschland sei so eng besiedelt, und die Trinkwasservorkommen liegen so eng beieinander, dass es nicht ausreiche, die Gebiete mit Trinkwasservorkommen von Fracking auszunehmen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorzuschreiben. „Das Risiko, dass die Substanzen nicht Jahre später doch irgendwo auftauchen – an der Oberfläche oder im Trinkwasser –, besteht.“

Aber auch Huber ist vorsichtig: Wenn eine Firma eine Explorationsgenehmigung beantrage, um sich einen Überblick zu verschaffen, sei das zunächst nicht gefährlich. „Aber es stellt sich natürlich schon die Frage, was die Firma damit will. Denn eine Genehmigung für die unkonventionelle Gasgewinnung, sprich Fracking, wird sie nie bekommen.“

Denn bei der klaren Haltung der Staatsregierung sei die Chance auf einen Einsatz von Fracking mit giftigen Substanzen gleich null.

Dennoch rechnet Huber damit, dass die Dynamik des Protestes noch zunehmen wird. „Aber die Menschen fordern, was wir ohnehin vertreten. Wir sind auf ihrer Seite.“ In die CSU will er keinen Keil treiben lassen. „Ich denke, dass die Kräfteverhältnisse in der CSU eindeutig gegen Fracking sind.“

Bodenschätze im eigenen Land erkunden

Allerdings hatten Wirtschaftspolitiker der Partei in Berlin und München immer wieder geäußert, dass man diese Technologie, die zeitweise zu etwas mehr Unabhängigkeit von ausländischen Lieferungen führen könnte, nicht generell verdammen sollte.

„Das muss man differenziert betrachten, da wird jetzt leider vieles zusammengeschmissen und verkürzt“, sagt Erwin Huber (CSU), Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Auch die Wirtschaftspolitiker seien gegen den Einsatz giftiger Chemikalien.

Aber es sei auch selbstverständlich, wenn die Bodenschätze im eigenen Land erkundet würden. Und es dürfe nicht eine ganze Technologie verboten werden.

So differenziert sieht man das beim Weidener Aktionsbündnis nicht: Die Fracking-Gegner sind rigoros.

„Ziel muss ein sofortiges ausnahmsloses Verbot sämtlicher Formen von Fracking bei der Erforschung, Aufsuchung und Gewinnung fossiler Energieträger sein. Dies ist unabhängig davon, ob die Rissbildung mit oder ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, hydraulisch oder andersartig erzeugt wird“, heißt es in der Petition.

http://www.welt.de/regionales/muenchen/article129545163/Wir-sehen-unsere-Gesundheit-bedroht.html

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24.06.2014

Gibt’s doch gar nicht

Die Empörung ist groß: Mehr als 300.000 Menschen unterschreiben einen Aufruf der Organisation Campact gegen angebliche Fracking-Geheimpläne der Bundesregierung. Doch die Pläne existieren gar nicht.

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Die Vorstellung ist perfide, keine Frage. Halb Deutschland zittert vor den Fernsehern mit der Nationalelf, und hinter verschlossenen Türen peitscht die Bundesregierung ein Gesetz über die so umstrittene Fracking-Technologie durch, mit der sich Gas aus der letzten Gesteinspore pressen lässt. Allein die Vorstellung treibt aufrechte Demokraten auf die Barrikaden, so auch einige jener mehr als 300 000 Leute, die den jüngsten Aufruf der Kampagnenorganisation Campact unterschrieben.

In aller Stille, so warnen die Initiatoren, wolle Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Fracking-Gesetz durchdrücken. „Gabriel will noch vor der Sommerpause im Windschatten der WM-Begeisterung ein Gesetz durch Regierung und Bundestag bringen, das Fracking unter minimalen Auflagen erlauben will“, schreibt Campact auf ihrer Homepage. Das zieht: Die letzte Fracking-Kampagne unterzeichneten nur 170 000 Menschen.

Campact nennt sich selbst eine Kampagnenorganisation – sie greift heikle Themen auf und mobilisiert damit die Massen. Gegen das Freihandelsabkommen TTIP sammelt sie ebenso Unterschriften wie gegen Belastungen beim Ökostrom. Sie plädiert für Asyl von Snowden und kämpft gegen einen Kohlehafen in Australien. Oft schafft Campact erst die Öffentlichkeit für Themen, die andernfalls kaum jemand wahrnähme.

Kabinett will sich nicht mehr damit befassen

Nur: Beim Fracking geht der Schuss diesmal nach hinten los. Schon angesichts der parlamentarischen Abläufe wäre es kaum möglich, ein Gesetz während einer Fußball-WM durch Kabinett und Bundestag zu bringen, schon gar nicht so knapp vor der Sommerpause. Ein Fehler, den Campact nun auch einräumt. Und selbst das Kabinett wird sich nicht mehr damit befassen. Das hatte Gabriel zwar unlängst angekündigt, dann aber wieder fallen gelassen, der „Gründlichkeit“ wegen. Offenbar hatte er den Widerstand des Umweltressorts nicht einkalkuliert.

So bleibt von Gabriels angeblichem „Foul“ nicht mehr übrig als Ärger. In einem Brief an ihre Kollegen in der SPD-Fraktion forderte stattdessen am Dienstag die Umweltpolitikerin Ute Vogt die „rote Karte für diese Schwalbe“. Der Aufruf sei nichts als Panikmache. Vom Platz stellen lassen will sich Campact nicht, jeder Unterzeichner zählt. Schließlich hätten die ja nur gegen Fracking unterschrieben.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fracking-im-bundestag-gibts-doch-gar-nicht-1.2013994

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23.06.2014

Wasserverschmutzung durch Fracking – SPD die neuen Wendehälse

Fracking ist in vieler Munde, endlich scheint man auch in Deutschland und in ganz Europa aufzuwachen. Bereits im Dezember 2012 waren im Bundestag die Anträge von SPD, Grünen und Linke gescheitert, die klare Regelungen zum Einsatz der Fracking-Technik bei Erdgas-Bohrungen zum Ziel hatten. So war u.a. an ein Moratorium gedacht, in dem es keine Genehmigungen gäbe.

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Da stellt sich uns die Frage, wie kann die SPD, die noch 2012 sich gegen die Erdgasbohrungen ausgesprochen hat, plötzlich sich dafür aussprechen? Die damalige Argumentation ist doch die gleiche geblieben.

Wie Sie der namentlichen Abstimmung entnehmen können, hat sich sogar Sigmar Gabriel dagegen ausgesprochen, samt seinen Genossenen.

Die SPD forderte Ende 2012 ein Verbot von Fracking mit chemischen Zusatzstoffen. Sie wollte ein Genehmigungs-Moratorium, bis Fracking-Methoden ohne Chemie zur Verfügung stehen. Frack-Maßnahmen ohne gesundheitsschädliche oder wassergefährdende Chemikalien sollen genehmigungsfähig sein.

Antrag der Fraktion der SPD Ergebnisse der Gutachten zu Umweltauswirkungen von Fracking zügig umsetzen (Drucksache 17/11829)

Aus dem Antrag der SPD vom 11.12.2012

Der Deutsche Bundestag stellt fest:

Die Förderung von Erdgas mit der Fracking-Technologie kann zu Verunreinigungen des Trinkwassers führen. […] Oberstes Gebot muss

Sicherheit und Schutz von Mensch und Umwelt sein. Der Schutz des Trink-

und Grundwassers muss sichergestellt sein und Wissens- und Informationsdefizite müssen beseitigt werden.

Umweltgutachten belegen Risiken für das Grundwasser

Am 6. September 2012 haben das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Umweltbundesamt die Studie „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten“ vorgestellt. Einen Tag später stellte die Ladesregierung von Nordrhein-Westfalen (NRW) das Gutachten mit Risikostudie zur Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten in NRW vor. Beide Gutachten kommen zu dem Schluss, dass die unkonventionelle Förderung von Erdgas mit Risiken für das Grundwasser und damit auch für die Trinkwassergewinnung verbunden ist[…]

Im Mai 2013 hat der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel die EU-Kommission vor der umstrittenen Schiefergasförderung (Fracking) gewarnt. “Wir wollen nicht, dass giftige Chemikalien zur Erdöl- oder Erdgasgewinnung in den Untergrund gepresst werden”, sagte der frühere Bundesumweltminister am Rande eines Festakts zu 150 Jahren SPD Rheinland-Pfalz in Mainz. “Ich habe keine Lust, dass wir das Grundwasser verseuchen und Schwierigkeiten produzieren mit einem Verfahren, wo wir alle nicht wissen, welche Folgen das haben wird.” Quelle ntv.

Warum diese Umkehr Herr Gabriel? Die Risiken sind doch die gleichen geblieben!!!

Welche negative Auswirkungen Fracking hat, dazu Nachrichten aus den USA, dem Land des Frackings: Aus mehreren Staaten wurden nach Angaben der Associated Press hunderte Fälle von Wasserverschmutzung gemeldet. Die Verschmutzungen stammen sowohl aus Fracking, als auch aus konventionellen Methoden der Erdöl- und Erdgasgewinnung.

Alleine Pennsylvania bestätigte 106 Verschmutzungsfälle aus 5000 neuen Brunnen, die seit 2005 gebohrt wurden. Auch aus Ohio, Texas und West Virginia liegen bestätigte Berichte über Verschmutzungen mit unterschiedlichen Details vor.

Ein andere Nachricht aus Dallas:

Im Dezember 2013, beschloss der Stadtrat von Dallas nach Jahren der Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern, Ratsmitgliedern, Öl-und Gas-Befürwortern und Umweltschützern, eine neue Verordnung. Diese verbietet Bohrungen in der unmittelbaren Nähe von 1500 Fuß (ca.500 Meter) von Häusern, Schulen, Kirchen und anderen Schutzgebieten.

Dallas Fracking Kampf spitzte sich in den letzten zwei Jahren zu, nachdem der Stadtrat dem Konzern Trinity East Energy ermöglichte, den ungenutzten Stadtpark zu pachten um dort nach Erdgas zu bohren. Die 19 Millionen Dollar für die Pachtverträge, die Trinity bezahlt hatte, hat die Stadt sofort ausgegeben.

19 Millionen Dollar ist es dem Konzern wert sogar in einem Stadtpark zu fracken. Nun stellen wir uns vor, es kommt ein Konzern aus Amerika, legt unseren Kommunen diese Summe auf den Tisch und bietet dazu noch Ausbau von z.B. Schulen, Feuerwehr usw. Welche Kommune sagt dann nein zum Fracking? Wenn der Rubel rollt, dann interessiert es wenig, welche negativen Folgen diese Energiegewinnung mit sich bringt. Da werden dann auch mal Studien gefälscht oder verharmlost, wie eine unserer Recherchen über Fracking ergab s. Betreibt ExxonMobil im Jahr 2030 ca. 1.000 Erdöl- und Erdgasbohrungen in Deutschland? … und hat bis dahin für die durchgeführten Fracks etwa 150 verschiedene Chemikalien eingesetzt.

Kommissar Oettinger warnte in einem Interview in Januar 2014 davor, sich der „Option Schiefergas“ zu verschließen. „Dass Strom bei uns doppelt so teuer ist und Gas dreimal so viel kostet wie in den USA, kann unsere Industrie nicht verkraften.“ Wasserwirtschaftler, Anlagenbauer und Geologen sollten seiner Ansicht nach die Möglichkeit zu Demonstrationsprojekten für Fracking bekommen. „Sie könnten den Nachweis führen, dass Fracking in Europa – möglicherweise auch in Deutschland – ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar ist“, sagte der Energiekommissar. „Es wäre falsch, die Schiefergas-Förderung aus emotionalen Gründen abzulehnen und ein Moratorium zu beschließen.“

Im Okober 2013 berichteten wir schon einmal, dass der für Energie zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger schon wieder die Energiewende angreift. Der CDU-Politiker wollte die Erneuerbaren bremsen und Fracking den Weg bereiten. Er betreibt damit Lobbyarbeit für eine wenig erträgliche Risikotechnologie und verschönt einfach den Subventionsbericht. Siehe Oettinger schönt Subventionsbericht – eine chronologische Auflistung seiner “Lobbyarbeit”

Am Bodensee hat die britische Parkyn Energy rechtzeitig vor Weihnachten die Erlaubnis erhalten, zwei weitere Jahre auf den Erkundungsfeldern in Biberach und Konstanz nach Erdgasvorkommen zu suchen. Werden sie fündig, werden sie den Schatz heben wollen.Und nicht nur am Boodensee, sondern trotz Widerstands vor Ort hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) einem deutschen und einem US-Unternehmen im Nordosten Niedersachsen die Suche nach Erdöl und Ergas erlaubt. Es handelt sich um drei Felder im Bereich der Landkreise Harburg, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen, teilte das Bergbauamt Anfang 2013 mit. Während der fünf Jahre haben die Unternehmen Blue Mountain Exploration und PRD Energy das alleinige Recht, nach Vorkommen zu suchen. Für das Durchführen von Erkundungsbohrungen oder seismischen Untersuchungen sind weitere Genehmigungen erforderlich.

Freihandels-Abkommen EU – USA

Dieses Abkommen birgt eine Menge schlimmer Überraschungen für uns Europäer: Auch die Förderung von Erdöl mittels der umstrittenen Methode des „Fracking“, die in den USA bereits Tausende von Brunnen vergiftet hat, könnte dann bei uns ungehindert Einzug halten; wollte eine Gemeinde sich dann gegen Fracking in ihrem Gemeindegebiet entscheiden, so wäre diese Entscheidung laut Abkommen ebenfalls einklagbar – wieder unter dem Label „wettbewerbsbehindernd“. Siehe Die Schattenseite des Freihandelsabkommens – Monsanto, Fracking „Investoren-Schutzklausel“…

Welche denkbaren Gefahren für Mensch und Umwelt?

Die nebenstehende Abbildung beschreibt mögliche Gefährdungspunkte. Sie zeigt denkbare Pfade für die Freisetzung von Schadstoffen, wie sie auf den folgenden Seiten genauer beschrieben werden. Dazu gehören „Worst-Case-Szenarien“ an oder nahe der Oberfläche (Unfälle, Leckagen) sowie unterirdische Szenarien für den Transport von Frack-Flüssigkeit und Methan. Entsprechende Szenarien sind auch beim Transport (Pipeline) und bei der Versenkung von Abwasser vorstellbar.

Worst-Case-Szenarien in technischen Einrichtungen

> Blow-Out

> Leck eines Chemikalienbehälters auf dem Bohrplatz/LKW-Unfall

> Leck Abwasser-Pipeline

> Undichtes Bohrloch

Szenarien zum Transport von Schadstoffen unter konservativen Bedingungen

> Aufstieg Frack-Flüssigkeit

> Transport von Frack-Flüssigkeit im Tiefenwasser

> Aufstieg Methan

> Aufstieg Abwasser

> Transport von Abwasser im Tiefenwasser

Die auf das Abwasser bezogenen Szenarien sind grundsätzlich mit den Szenarien der Frack- und Produktionsbohrung vergleichbar. Sie werden daher nicht gesondert beschrieben.

Verbrauch von Wasser – Entsorgung von Abwasser

Pro Bohrloch benötigt man im Schiefergas zur Herstellung und zum Einpressen der Frack-Flüssigkeiten etwa 20.000 Kubikmeter Wasser. In Deutschland stammt das Wasser bisher aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung oder wird aus eigenen Brunnen der Unternehmen mit Trinkwasserqualität gefördert. In das Wasser werden die Stützmittel und die Chemikalien gemischt.

Gleich nach Durchführung des Fracks „saugt“ man möglichst viel Frack-Flüssigkeit zurück („Flowback”). Bisherige Versuche zeigen: Je nach Lagerstätte und Gestein kommen etwa 20 Prozent der Menge zurück. Im Abwasser hat man dann – je nach Beschaffenheit des Untergrundes – auch größere Anteile an Tiefenwasser.

Als problematisch stufen die Experten ein, dass die „unkonventionellen“ Erdgasvorkommen in der Regel weniger tief liegen als konventionelle Lagerstätten. Der Abstand zum Grundwasser ist daher geringer. Größer hingegen ist der Flächenverbrauch, weil zahlreiche Bohrungen und Frackvorgänge nötig sind. Mit mehr Bohrungen verbunden sind auch mehr Risiken von Unfällen, mehr Zersiedlung, mehr Belastungen der Anwohner durch LKW-Fahrten und mehr Lärm vom Bohrplatz. Pro Bohrplatz ist mit rund 14 Monaten Bauzeit zu rechnen. Viele Fragen seien zudem noch ungeklärt. Siehe Betreibt ExxonMobil im Jahr 2030 ca. 1.000 Erdöl- und Erdgasbohrungen in Deutschland?

Der „Neutrale Expertenkreis“ sieht keinen sachlichen Grund, das Fracking grundsätzlich zu verbieten. Angesichts der vielen Wissenslücken spricht er sich dafür aus, zunächst einzelne Demonstrationsvorhaben zuzulassen und sorgfältig wissenschaftlich zu begleiten. Was nichts anderes bedeutet als, fangen wir doch gleich mal an und sehen, was passiert. In Dallas zahlt das dortige Fracking-Unternehmen 19.Millionen Dollar Pacht und unsere Kommunen sind allesamt pleite. Es scheint nur nur eine Frage der Zeit zu sein, wann es richtig los geht.

Die Profite sollen in den Topf der Firmen fließen, während die Risiken beim Bürger hängen bleiben, der möglicherweise eine verwüstete Umwelt hinterlassen bekommt.

Die Risiken sind schlicht zu hoch.

Willkommen im Zeitalter des Frackings – Hier hilft nur noch Aufklärung und wir bleiben dabei – Stoppt Fracking! Netzfrau Doro Schreier

http://netzfrauen.org/2014/06/23/wasserverschmutzung-durch-fracking-spd-die-neuen-wendehaelse/

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21.06.2014

Nato: Widerstand gegen Fracking wird von Moskau ferngesteuert

Die Nato behauptet, dass Russland die europäischen Umweltaktivisten beim Widerstand gegen das Fracking fernsteuert. Um die Abhängigkeit vom russischen Gas zu erhalten, soll Moskau verdeckt kooperieren und für eine Finanzierung der Fracking-Gegner sorgen. Umweltgruppen sprechen von einer „absurden“ Vorstellung. Die simple Sicht der Militär auf die Welt gibt immer wieder Anlass für Verwunderung.

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Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat Moskau beschuldigt, Europa in der Energiefrage zu „erpressen“. Sein Verdacht: Russland mischt sich gezielt ein und unterstützt Fracking-Gegner. Dabei sei eine Energie-Unabhängigkeit von Russland von immenser Bedeutung.

Ich habe Verbündete getroffen, die berichten können, dass Russland (…) aktiv mit so genannten Nicht-Regierungsorganisationen kooperiert (…) um so die europäische Abhängigkeit von importiertem russischen Gas zu erhalten“, sagte Rasmussen in Brüssel. Wie die Kooperation der Russen mit den Fracking-Gegnern konkret aussieht, dazu machte der Nato-Generalsekretär aber keine Angaben.

Die 28 EU-Staaten beziehen etwa ein Drittel ihres Öl- und Gasbedarfs von Russland. Sie verfügen jedoch über bedeutende Gasvorkommen, mit denen man der Importabhängigkeit dauerhaft Einhalt gebieten könnte. Rasmussen rät: Die EU sollte den Bau einer neuen Gas-Pipeline zum Kaspischen Meer unterstützen und Russland umgehen, so der EUobserver. Außerdem sollte die Energiemarkt-Liberalisierung derart vorangetrieben werden, dass kein einziger Lieferant in der Lage wäre, eine Nation zu „erpressen“.

Nach Informationen der Financial Times glaubt die Allianz, dass Russland an einer „Desinformations-Kampagne“ beteiligt sei. Hier würde es auch um Energie-Themen gehen. Dass Russland seine Energielieferungen als Druckmittel gegen die europäischen Staaten einsetzen könnte, gebe Anlass zur Sorge. Die Befürchtung: Russland könnte versuchen, mögliche Projekte zur Gas-Förderung in Europa zu behindern, um bestehende Abhängigkeiten aufrechtzuerhalten.

Die Nato behauptet, dass dieser Aspekt auch für das Schüren von Unruhen im Osten der Ukraine verantwortlich sein könnte. Auf diese Weise sollen die Bemühungen der Region, Gasvorkommen zu fördern, behindert werden. Erst im vergangenen Jahr schloss Royal Dutch Shell eine Produktionsteilungsvereinbarung über das 8000 Quadratmeter große Feld von Yuzuvska in und um Donezk. Im Mai hatte die kontrollierende Separatistengruppe „Donezk People’s Republic“ die Förderung von Gas in ihrem Hoheitsgebiet im Osten der Ukraine jedoch verboten.

Auch für Anti-Fracking-Proteste in Bulgarien und Rumänien soll Moskau verantwortlich sein. Umweltgruppen in beiden Ländern haben derartige Spekulationen jedoch zurückgewiesen. Sie halten solche Vermutungen für „absurd“. An den Spekulationen beteiligt sich jedoch auch Rumäniens Präsident Traian Basescu. Er glaubt, dass Russland eine Rolle bei der Vereitelung der Gas-Förderung in der Nähe des Dorfes Pungesti spiele. Hiesige Umweltaktivisten beschuldigen wiederum die rumänische Polizei, als private Sicherheitskräfte für das US-Energiekonzern Chevron zu agieren. Anfang Mai hatten die Amerikaner trotz heftiger Proteste der lokalen Bevölkerung mit Probebohrungen zur Förderung von Gas in der Nähe des Dorfes Silistea im Osten des Landes begonnen.

US-Forscher warnen vor der Schiefergas-Förderung. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten habe man die Risiken für Umwelt und Gesundheit bislang kaum erforscht. Studien zeigten eine Reihe ungelöster technischer Probleme. Bisher habe es nur das Marketing zur Marktreife gebracht (mehr hier). Die Bundesregierung hält dennoch an ihrem Fracking-Gesetz fest. In den nächsten Wochen soll ein Entwurf fertig gestellt und noch in diesem Jahr beschlossen werden. Im Koalitionsvertrag wurde noch auf das „erhebliche Risikopotenzial“ der Technologie verwiesen (mehr hier).

In Niedersachsen hat sich ExxonMobil bereits weitgehende Rechte gesichert. Unter CETA könnte Fracking für den Konzern zum Milliardengeschäft werden (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/21/nato-widerstand-gegen-fracking-wird-von-moskau-gesteuert/

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10.06.2014

Furcht vor Fracking: Nach der Atomangst kommt die Gasangst

Wenn es um Fracking geht, setzt die Panik ein. Kritiker verdammen die vermeintliche Todestechnik – und warnen vor dem Höllenfeuer über dem heimischen Spülbecken. Das Gasgebohre ist der Deutschen neueste Lieblingsphobie.

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Ich war vergangenen Monat auf einer Podiumsveranstaltung in Hamburg, um über Fracking zu diskutieren. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hatte mich eingeladen. Einer der Verantwortlichen dachte wohl, es wäre eine gute Idee, neben den Experten aus dem eigenen Haus mal die andere Seite zu hören.

Mein Auftritt war ein Fiasko, muss ich leider sagen. Ich hatte kaum zu reden angefangen, da regte sich Unmut. Nach zehn Minuten packten die ersten Zuhörer ihre Sachen und gingen. Von hinten rief eine Frau: „Das ist ja peinlich, was Sie hier abziehen.“ Die Veranstaltung dauerte von da an noch eine Stunde. Ich kann nicht sagen, dass es mir gelungen wäre, die Gemüter zu beruhigen.

Ich hielt Fracking – ein Verfahren, bei dem Wasser, Sand und Chemikalien in das Gestein gepumpt werden – bislang für ein Randthema in der Energiedebatte. Mir war nicht klar, in was für ein Wespennest man sticht, wenn man die heimische Förderung von Erdgas nicht automatisch für Teufelszeug hält. Jedes Wochenende versammeln sich in Deutschland Menschen, um dagegen zu protestieren, dass man in die Erde bohrt. Die Umweltministerien der Länder bekommen tagtäglich Resolutionen von Gemeinden, die sich über alle Parteien hinweg gegen Fracking aussprechen, wie ich in der „FAS“ gelesen habe. Fracking scheint für die Umweltbewegung the next big thing zu sein. Nach der Atom- kommt nun die Gasangst.

Wenn man die Aufregung sieht, sollte man meinen, dass wir gerade dabei sind, nach der Atomenergie eine neue Todestechnik in Betrieb zu nehmen. In Wahrheit ist Fracking eine vertraute Sache. Seit 1961 wird in Deutschland auf diese Weise Erdgas gefördert: 350 Bohrungen sind in der Zeit niedergelassen worden, ohne dass dies in der Öffentlichkeit ein nennenswertes Thema gewesen wäre. Es ist auch nicht so, dass es plötzlich einen Boom gäbe, der uns besorgen müsste. Seit drei Jahren gilt sogar eine Art Moratorium, womit alle Versuche, neue Energiequellen zu erschließen, vorerst ausgesetzt sind. Aber das hindert die Fracking-Gegner nicht, gegen die Gefahr aus der Tiefe zu mobilisieren, als sei die Lebensgrundlage des Landes bedroht.

Steigerung der Angstlust

Jede Nation ängstigt sich vor anderen Dingen, auch Phobien lassen sich kartografieren. Asiaten fürchten sich in besonderer Weise vor Ansteckung, weshalb sie gerne einen Mundschutz tragen, wenn sie das Haus verlassen. Wir Deutschen haben Angst vor unsichtbaren Giftstoffen, die in der Nahrung lauern, Genverändertem und natürlich allem, was mit Strahlen verbunden ist, weshalb in umweltbewegten Haushalten schon die Einführung einer Mikrowelle immer ein heikles Thema war.

Was die Gefahren des Bergbaus angeht, ist das Land links der Mitte gespalten. Während man bei den Sozialdemokraten die Exploration der Schätze in der Tiefe bis heute eher romantisch sieht, findet man diese Ausbeutung auf grüner Seite unheimlich. Dass der Mensch in Mutter Natur eindringt, um sie auszuräubern, gilt hier als frevelhaftes Handeln, dem die Strafe auf dem Fuße folgt. Im Kampf gegen das Fracking treffen sich Esoterik und Feminismus; der Widerstand ist immer auch Widerstand gegen den männlichen Expansions- und Unterwerfungsdrang. Wer „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit gelesen hat, weiß wovon ich rede.

Auf der Veranstaltung in Hamburg wurde zur Einstimmung ein Film gezeigt, in dem die möglichen Folgen des Frackings zur Steigerung der Angstlust in den düstersten Farben geschildert wurden. Jedes Kind kennt in diesem Milieu die Szene, wie aus dem Wasserhahn plötzlich Gas schlägt: Ein Feuerfunke und schon brennt das Höllenfeuer auch über dem heimischen Spülbecken. Zwar hat es in den 50 Jahren, in denen in Deutschland Erdgas gefördert wurde, keinen einzigen Unfall mit Trinkwasser gegeben, aber das ist kein Grund, in seinem Protest nachzulassen. „Wir können das Risiko nicht ausschließen“, heißt das Expertenurteil, das in solchen Fällen immer greift. Welches Risiko lässt sich im Leben schon ganz ausschließen? Angeblich drohen in Deutschland sogar Erdbeben, wenn man mit dem Fracking fortfährt, jedenfalls gibt es keine Garantie dagegen.

Auch Windräder sind nicht aus Bambus gebaut. Tatsächlich sind moderne Windkraftanlagen Monster, die mit dem Windrädchen, wie man es aus der Ökobroschüre kennt, nichts mehr zu tun haben. Aber wenn es der guten Sache dient, kann die Ökoszene erstaunlich kaltherzig sein. Da müssen zur Not auch Landschaften weichen, die eben noch zum nationalen Kulturerbe zählten.

Das Windrad ist heilig, ebenso wie das Solarpanel. Wenn es gar zu arg wird, sorgt man dafür, dass die größten Schäden woanders entstehen, in China oder wo sonst noch produziert wird. So fährt man hier den Gewissensgewinn ein, während man die Umweltkosten externalisiert. So viel verstehen auch die Grünen von Marktwirtschaft, dass sie wissen, wie man die Dinge so organisiert, dass die Leute sich ihren Glauben ans Gute bewahren können.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fracking-jan-fleischhauer-ueber-die-deutsche-angst-vor-dem-bohren-a-974313.html

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04.06.2014

Bundesregierung erlaubt Fracking

Die Bundesregierung hält an ihrem Fracking-Gesetz fest. In den nächsten Wochen soll ein Entwurf fertig gestellt und noch in diesem Jahr beschlossen werden. Im Koalitionsvertrag wurde noch auf das „erhebliche Risikopotenzial“ der Technologie verwiesen.

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Die Bundesregierung hält an den Planungen für ein Gesetz fest, welches die als Fracking bekannte Schiefergas-Förderung regeln soll. So sollen wie im Koalitionsvertrag vorgesehen eine Umweltverträglichkeits-Prüfung vorgeschrieben und Bohrungen in Wasserschutzgebieten untersagt werden, heißt es in einem Schreiben von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an den Haushaltsausschuss des Bundestages, der am Mittwoch öffentlich wurde. Zudem würden weitergehende Anforderungen an die Genehmigung von Fracking geprüft. In den nächsten Wochen solle ein Entwurf fertig gestellt werden.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD wird auf das „erhebliche Risikopotenzial“ der Technologie verwiesen, ein Einsatz von Chemikalien wird abgelehnt. Auch die Entsorgung des Rückflusses des Wasser-Sand-Chemikaliengemisches sei „derzeit nicht verantwortbar“. Dies würde eine Förderung wie etwa in den USA in Deutschland unmöglich machen. Generell könne über Fracking-Anträge erst entscheiden werden, wenn ausreichend wissenschaftliche Daten zur Bewertung vorlägen, heißt es im Vertrag.

Nach dem Arbeitsplan der SPD-geführten Ministerien von Anfang des Jahres sollte ein Gesetzentwurf im ersten Halbjahr 2014 erstellt werden und das Vorhaben bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Auch der Bundesrat muss zustimmen.

Von Rumänien bis Portugal wird von den großen Energiekonzernen des Westens die Exploration von potentiellen Fördergebieten in Europa vorangetrieben.

Auch in Deutschland ist dieser Prozess in vollem Gange. Von NRW bis Niedersachen, von Mecklenburg-Vorpommern bis Brandenburg – überall werden Probebohrungen massiv vorangetrieben. Trotz gegenteiliger Äußerungen sind die Energiekonzerne intensiv darum bemüht, die wichtigen Politiker von der Ungefährlichkeit des Fracking zu überzeugen.

In Niedersachsen hat sich ExxonMobil bereits weitgehende Rechte gesichert. Unter CETA könnte Fracking für den Konzern zum Milliardengeschäft werden (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/04/bundesregierung-will-fracking-gesetz-verabschieden/

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29.05.2014

Fracking-Pläne der Niederländer alarmieren NRW

Die Landesregierung fordert das Nachbarland auf, seine Pläne für die Gasförderung im Grenzgebiet offenzulegen. In Deutschland ist Fracking hoch umstritten. Deshalb gibt es eine Bundesratsinitiative.

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Nordrhein-Westfalen hat die Niederlande um Auskunft zur möglichen Zulassung der Gasförderung durch Fracking entlang der Grenze ersucht. „Die Staatskanzlei hat das niederländische Wirtschaftsministerium am Mittwochabend unmittelbar um Informationen zu dem Stand des Beteiligungsverfahrens zur Umweltprüfung gebeten“, berichtete NRW-Regierungssprecher Thomas Breustedt in Düsseldorf.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepresst, um an gebundenes Erdgas zu kommen. Kritiker fürchten, dass das Trinkwasser dadurch verunreinigt werden könnte.

Die Staatskanzlei reagierte damit auf einen Bericht der „Rheinischen Post“, wonach die Niederlande das Fracking ab 2015 im Grenzgebiet zulassen könnten. Das Blatt berief sich auf den Entwurf „Strukturvision Schiefergas“ des niederländischen Wirtschaftsministeriums. In dem Papier werde von großen Schiefergasvorkommen in weiten Teilen des Landes ausgegangen. Dazu gehörten auch Teile der Provinzen Limburg, Nord-Brabant und Gelderland. Anfang 2015 wolle das niederländische Parlament entscheiden, ob es Probebohrungen und Fracking zulasse.

Ministerpräsidentin Kraft lehnt Fracking strickt ab

Bislang habe das niederländische Wirtschaftsministerium der NRW-Staatskanzlei weder konkrete Unterlagen zu seiner Planung noch eine Information zur Einleitung des Abstimmungsprozesses im Rahmen der Umweltprüfung übermittelt, sagte Breustedt. Erst im März hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ihre ablehnende Haltung zum Fracking erneuert. Bei dieser Methode wird mithilfe eines Chemiecocktails unter hohem Druck Gestein in großer Tiefe aufgebrochen, damit das Gas aus Zwischenräumen entweichen kann.

Anders als NRW will das erdgasreiche Niedersachsen die umstrittene Fracking-Methode weiter erlauben. Beschränkt werden soll sie allerdings auf die herkömmliche Gasförderung, wo sie bereits seit mehreren Jahrzehnten eingesetzt wird. Das sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bei der Vorstellung einer entsprechenden Bundesratsinitiative Anfang der Woche. Den Einsatz von Fracking zur Förderung von Schiefergas aus unkonventionellen Quellen will Niedersachsen per Erlass ausschließen. 95 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen befinden sich in Niedersachsen.

Angesichts der Debatte über die Methode hatte Niedersachsen Anträge auf Fracking auch für die herkömmliche Förderung in den vergangenen drei Jahren nicht mehr bearbeitet. Zwischen 1961 und 2011 gab es nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie 326 Fracking-Maßnahmen in Niedersachsen.

Gabriel unterstützt Initiative Niedersachsens

Niedersachsen will erreichen, dass künftig für Erdgasprojekte eine Umweltverträglichkeitsprüfung samt Öffentlichkeitsbeteiligung Pflicht wird. Außerdem soll in Wasserschutzgebieten Fracking auch bei herkömmlicher Förderung verboten werden. Ziel seien der Schutz der Umwelt, aber auch mehr Transparenz und eine Beteiligung für die Bürger, sagte Lies. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) unterstütze den Vorschlag aus Niedersachsen, hieß es in Hannover.

Der Sprecher des größten deutschen Öl-Gas-Unternehmens Wintershall, Stefan Leunig, sagte, die Bundesratsinitiative sei „ein wichtiger Schritt für die weitere Nutzung von konventionellen Lagerstätten“. Er unterstrich aber: „Das geplante pauschale Verbot einer Schiefergasförderung in Niedersachsen sehen wir kritisch, obwohl Wintershall selbst in Niedersachsen keine Schiefergasaktivitäten hat oder plant.“

Die Forschung zumindest müsse ermöglicht werden, denn eine Blockade könne Deutschland sich als Innovations- und Wissenschaftsstandort nicht leisten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) appellierte erneut, auf die Fracking-Methode zum Schutz des Wassers gänzlich zu verzichten.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article128534417/Fracking-Plaene-der-Niederlaender-alarmieren-NRW.html

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24.05.2014

Fracking ist in Deutschland schon längst Alltag

Im Norden Mecklenburg-Vorpommerns kommt Fracking bereits heute zum Einsatz – zu Testzwecken. Dort schlummern fünf Millionen Tonnen „bestes Öl“ im Wert von über drei Milliarden Euro in der Erde.

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Thomas Schröter ist Geologe und Geschäftsführer des deutsch-kanadischen Unternehmens Central European Petroleum (CEP). Im Norden Mecklenburg-Vorpommerns, in dem kleinen Örtchen Saal bei Ribnitz-Damgarten, bohrt CEP derzeit nach Öl. Schröter macht sich dabei keine Illusionen: „Meine Industrie hat keinen guten Ruf.“ Und das Image ist eher noch schlechter geworden, seit in den USA das neuartige Schiefergas-Fracking boomt und Horrorgeschichten von Stichflammen, die aus Wasserhähnen schießen, die Menschen in Angst versetzen.

Es ist diese Angst der Menschen, die Schröter zu schaffen macht. Die Bundesregierung spricht in ihrem Koalitionsvertrag von einer Technologie mit erheblichem Risikopotenzial. „Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang“, heißt es darin auf Seite 61. Die Umweltminister der Länder haben gerade einstimmig beschlossen, das umstrittene Fracking in sogenannten unkonventionellen Lagerstätten mit umwelttoxischen Substanzen zu verbieten. Aber ganz ohne eine bestimmte Fracking-Variante wird in Saal kein Öl sprudeln. In wenigen Tagen soll die Testförderung beginnen.

Ob CEP auf Dauer in der Region Erfolg hat, hängt daher auch davon ab, ob es Schröter gelingt, den Menschen die Furcht zu nehmen und ihnen klarzumachen, dass es zwei Arten von Fracking gibt: Das, was CEP in Saal vorhat, ist in Deutschland schon seit Jahrzehnten mehrere Hundert Mal zur Anwendung gekommen und soll nach dem Willen der Umweltminister auch weiterhin erlaubt bleiben. Die Methode unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem, was in den USA im großen Stil praktiziert wird und was die Umweltminister mit aller Macht verhindern wollen.

Erkundungsarbeiten haben schon begonnen

Mit Flugblättern hat CEP die Anwohner daher zu einem dreistündigen „Tag der offenen Tür“ eingeladen, um über den Stand der Arbeiten zu informieren. Am Straßenrand parken dicht an dicht die Autos, Fahrräder lehnen am Bauzaun. Das Interesse ist groß. Der Pförtner an der Schranke notiert 150 Besucher auf seiner Liste mit Namen und Wohnort – für die Statistik.

In einem der beiden Container, die an diesem Tag als Besucherzentrum dienen, begrüßt Schröter eine erste Gruppe zu einer Powerpoint-Präsentation. 15 Personen sitzen um einen großen Tisch, schauen interessiert und etwas skeptisch. „Lassen Sie sich nicht einreden, dass wir heimlich nach Schiefergas suchen“, sagt Schröter fast beschwörend.

Vor drei Jahren hat CEP hier mit den Erkundungsarbeiten begonnen. Fast 15.000 Quadratkilometer groß ist die Fläche, für die das Unternehmen in acht verschiedenen Gebieten eine sogenannte Aufsuchungserlaubnis hat. Vier Probebohrungen wurden bislang abgeteuft, alle waren ölfündig, wie es in der Sprache der Geologen heißt. In Saal hat CEP die Bohrung „schon einmal kurz fließen lassen“ – mit verheißungsvollem Ergebnis.

Fünf Millionen Tonnen Öl

„Bestes Öl, süße Qualität“, schwärmt Schröter. Er kennt sich aus, er hat in aller Welt nach Öl gesucht: in Texas, Venezuela und Libyen, in China, Kuwait, Russland und Kasachstan. Und jetzt reizt es ihn, den Großen in der Branche zu zeigen, dass es hier in Europa ein relevantes Erdölvorkommen gibt, das bislang einfach übersehen wurde. CEP rechnet allein in dem 160 Quadratkilometer großen Saal-Gebiet mit einer förderbaren Menge von etwa fünf Millionen Tonnen Öl – was gegenwärtig einem Wert von mehr als drei Milliarden Euro entspricht.

Im Container hören die Besucher aufmerksam zu und drehen wie auf Kommando die Köpfe, als Schröter aus dem Fenster und auf den rund 35 Meter hohen Bohrturm zeigt. Wer nicht zum CEP-Team (hellgrauer Overall) oder zur Bohr-Crew (dunkelblauer Overall) gehört, muss draußen bleiben. Das eigentliche Bohrgelände von der Größe eines Fußballfeldes darf aus Sicherheitsgründen nur mit einer Sondergenehmigung des zuständigen Bergamts betreten werden. Schließlich werden brennbare Rohstoffe gefördert.

Fast 100 Millionen Euro hat CEP in das Vorhaben bereits investiert. Derzeit wird das Bohrloch für das vorbereitet, was alle nur noch Fracking nennen, was Schröter aber konsequent als Stimulierung bezeichnet. In beiden Fällen wird unter hohem Druck mit bestimmten Chemikalien versetztes Wasser in die Tiefe verpresst. Gemeinsam ist beiden Methoden auch, dass in der Öl führenden Schicht der Bohrkopf umgelenkt und in der Horizontalen noch einmal bis zu einem Kilometer weitergebohrt wird. Das ist eine relativ neue Technologie, die die Ausbeute pro Bohrloch deutlich erhöht. Damit enden die Gemeinsamkeiten.

Unterschied zwischen Fracking und Stimulierung

Es ist nicht das erste Mal, dass Schröter den Unterschied zwischen Fracking und Stimulierung erklärt, wieder und wieder hat er das in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren getan. Er hat mit skeptischen Grünen-Politikern und kritischen Greenpeace-Aktivisten diskutiert, stand den Fraktionen im Schweriner Landtag Rede und Antwort und hat zu fast 4000 Bürgern und Touristen in mehr als 300 öffentlichen Veranstaltungen gesprochen. Das macht er inzwischen recht routiniert und mit plakativen Beispielen.

Schröter nimmt ein Stück schwarzen Schiefer und schlägt damit auf die Tischkante, sodass die Besucher im Container kurz zusammenzucken. Dann reicht er die beiden Stückchen herum und fordert jeden auf, an den frischen Bruchkanten zu riechen: Sie stinken geradezu nach Öl. Doch nach kurzer Zeit ist alles verflogen. Das, so erklärt Schröter, würde daran liegen, dass die Poren des Gesteins so elektronenmikroskopisch klein seien und zudem nicht miteinander in Verbindung stehen würden. Es könne daher kein Öl nachfließen, und somit sei auch nichts mehr zu riechen. Ähnlich verhält es sich unter Tage.

Um Öl oder Gas aus kompakten Schiefergestein zu gewinnen, müssen immer wieder neue und möglichst große Risse erzeugt werden. Das sei die Fracking-Methode, die derzeit in den USA zum Einsatz komme. In Deutschland würde für eine solche Art der Förderung der sogenannte Posidonienschiefer infrage kommen. In Niedersachsen gibt es davon einige Vorkommen, die in gerade einmal 1000 Metern Tiefe liegen, erklärt Schröter und überlässt die Interpretation dieser Fakten den Zuhörern selbst. Dass nämlich diese Lagerstätten relativ nahe am Grundwasser liegen und Fracking zumal mit giftigen Substanzen durchaus ein erhebliches Risiko mit sich bringen würde.

Das Öl sprudelt auch ohne Pumpe

In Saal ist die Geologie eine andere. Das Erdöl lagert hier in 2700 Meter Tiefe und ist durch eine 700 Meter mächtige Salzschicht abgedichtet. In dem plastischen Gestein könnte es auch keine Risse geben, durch die Öl entweichen und aufsteigen kann, versichert Schröter. „Versuchen Sie mal, einen Riss in Zahnpasta zu machen.“ Der Scherz kommt an, die Runde lacht.

Das Speichergestein, sogenannter Staßfurth-Karbonat, in dem das Erdöl hier im Untergrund lagert, ist sehr porös. Die Poren sind untereinander verbunden, sodass das Erdöl aus dem Gestein herausfließen kann. Die Bohrung muss nur einmal quasi freigespült – also stimuliert – werden, und das Öl sprudelt. Der Druck dürfte in den ersten Jahren so groß sein, dass nicht einmal Pumpen benötigt werden.

Um letzte Zweifel auszuräumen, liest Schröter die Zutaten der, wie er versichert, ungefährlichen Stimulierungsflüssigkeit vor: 77 Prozent Wasser, 23 Prozent Keramiksand als Stützmittel. Etwas Schwefelsäure, wie sie auch zur Herstellung von Biokäse zugelassen ist. Etwas Aluminiumsulfat, das auch in Gelees, Kosmetika und Arzneimitteln vorkommt. Zitrusextrakt, Isopropanol und verschiedene Enzyme, die das zunächst verdickte Wasser wieder verflüssigen. „Sie verpumpen im Prinzip eine Götterspeise“, sagt Schröter. Wieder sind ihm die Lacher sicher.

„Wir brauchen das Öl nicht“

Vom Bohrturm ist die ganze Zeit metallisches Geklapper zu hören. Das Gestänge wird aus dem Bohrloch gezogen. 19,2 Meter lang ist ein Teilstück, ein sogenannter Zug. Roboter lösen die einzelnen Züge. Sechs Stunden dauert es, um fast 3000 Meter hochzuziehen. In wenigen Tagen wird der sogenannte Stimulationsstrang eingebaut. Danach verschwindet der Bohrturm. Im Juni wird stimuliert, und dann beginnt eine fünf- bis zehntägige Förderphase. Erst nach Auswertung aller Daten wird CEP entscheiden, ob sich die Ausbeutung der Lagerstätte lohnt, und entsprechende Anträge stellen.

Natürlich ist so eine Bohrung mit Lärm verbunden. Es sind viele Lkw-Fahrten notwendig, um Material anzuliefern und abzutransportieren. „Wenn Sie etwas stört, sprechen Sie uns bitte an“, verabschiedet Schröter seine Zuhörer. So viel Transparenz soll Vertrauen und damit Akzeptanz schaffen. Die Stimmung ist unaufgeregt und entspannt, nur einer der Besucher stellt noch fordernde Fragen.

Hannes Luck ist Mitbegründer einer Bürgerinitiative gegen die Erdöltestförderung in Saal. Er will wissen, wie groß das Risiko für die Umwelt ist? Ob CEP gegen Zwischenfälle versichert ist? Und ob auch Bohrungen in der Ostsee geplant sind? Seine Bedenken sind noch nicht ausgeräumt, und er fürchtet, der Tourismus könnte durch die Erdölförderung leiden. Für den heutigen Samstag hat seine Bürgerinitiative zu einer Demonstration vor dem Bohrgelände aufgerufen. Ziel müsse eine konsequente Energiewende hin zu erneuerbaren Energien sein, sagt Luck und ist überzeugt: „Dafür brauchen wir das Erdöl nicht.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article128356722/Fracking-ist-in-Deutschland-schon-laengst-Alltag.html

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02.05.2014

Fracking: Billiges Erdgas lockt BASF in die USA

BASF baut in den USA eine Großanlage, die durch Fracking gewonnenes Erdgas weiterverarbeiten soll. Mit mehr als einer Milliarden Euro ist dies die bisher größte Investition des Chemiekonzerns. Erdgas ist in Europa dreimal so teuer wie in den USA, wo das Fracking boomt.

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Der Chemiekonzern BASF lässt sich vom Schiefergas-Boom in den USA anlocken. Mit einer neuen Großanlage für Propylen an der amerikanischen Golfküste will das weltgrößte Chemieunternehmen von den niedrigen Gaspreisen dort profitieren.

Wir wollen diesen Grundstoff direkt in Nordamerika weiterverarbeiten und unser Geschäft kräftig ausbauen“, sagte Konzernchef Kurt Bock am Freitag auf der Hauptversammlung vor rund 5.500 versammelten Aktionären in Mannheim. Die Anlage kostet voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro – es wäre für BASF die bislang größte Einzelinvestition.

Im ersten Quartal bremste den Ludwigshafener Konzern vor allem ein schwaches Öl- und Gasgeschäft. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) sank um drei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Bock bekräftigte aber die Jahresziele.

Chemiekonzerne, die in den USA produzieren, haben wegen des niedrigen Gaspreises dort große Kostenvorteile im Vergleich zu Firmen, die hauptsächlich in Europa ihre Chemikalien herstellen. Erdgas kostete in den USA zuletzt nur ein Drittel von dem was in Europa gezahlt wurde. Dies ist einer der Gründe dafür, dass bei BASF in den nächsten fünf Jahren weniger als die Hälfte aller weltweiten Investitionen nach Europa fließen. „Das ist zum ersten Mal der Fall“, sagte Bock.

Die geplante neue Großanlage in den USA soll aus Erdgas Propylen herstellen, einen wichtigen chemischen Grundstoff für Autolacke, Waschmittel und Superabsorber für Windeln.

Um vom Schiefergasboom in den USA zu profitieren baut BASF bereits eine Anlage für Ameisensäure im US-Bundesstaat Louisiana, die dieses Jahr an den Start gehen soll. Die Chemikalie wird für die Schiefergas-Gewinnung eingesetzt. Zudem hatte der Konzern eine petrochemische Großanlage in Port Arthur in Texas von Rohbenzin (Nafta) auf günstige erdgas-basierte Rohstoffe umgestellt.

US-Forscher warnten zuletzt vor der Schiefergas-Förderung. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten habe man die Risiken für Umwelt und Gesundheit bislang kaum erforscht. Studien zeigten eine Reihe ungelöster technischer Probleme. Bisher habe es nur das Marketing zur Marktreife gebracht (mehr hier).

Im ersten Quartal war Nordamerika bei BASF die Region mit dem stärksten Umsatzplus und zudem die einzige Region, in der der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) zulegte. Insgesamt setzte BASF im Auftaktquartal 19,5 Milliarden Euro um – ein Minus von 1 Prozent binnen Jahresfrist. Der Konzernüberschuss legte wegen eines Sonderertrags aus dem Verkauf von Anteilen an Öl- und Gasfeldern in der britischen Nordsee hingegen um 2,1 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zu.

Wir gehen davon aus, dass wir uns in einem weiterhin volatilen und herausfordernden Umfeld gut behaupten werden“, sagte Bock. Der Konzernumsatz werde 2014 allerdings wegen der zur Jahresmitte geplanten Abspaltung des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts an den russischen Staatskonzern Gazprom leicht sinken. Mit dem Vorhaben liege BASF trotz der Ukraine-Krise im Plan, sagte Finanzchef Hans-Ulrich Engel.

Im Chemiegeschäft und beim Pflanzenschutz hat das Jahr 2014 für uns gut angefangen“, erklärte Bock. BASF habe mehr verkauft. „Damit konnten wir die Auswirkungen des vergleichsweise schwachen US-Dollars und der Währungen in Schwellenländern auf den Umsatz gut abfedern“, so der Manager.

Der Jahresstart im Öl- und Gasbereich, sonst eine Ertragsperle des Konzerns, fiel allerdings bescheiden aus: Der Umsatz der Sparte sank und der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn schrumpfte um mehr als ein Fünftel. Der milde Winter dämpfte das Gashandelsgeschäft – zudem produziert BASF seit Sommer 2013 in Libyen wegen Streiks in den libyschen Exportterminals an der Küste kein Öl mehr in der Wüste.

Dagegen profitierten die Ludwigshafener in der Sparte Performance Products, zu der auch das Geschäft mit Substanzen für die Gesundheits- und Ernährungsindustrie gehört, von Sparschritten. Der bereinigte Betriebsgewinn der Sparte stieg um 12,7 Prozent.

Rund lief es auch im Bereich Functional Materials & Solutions, zu dem das Geschäft mit Autokatalysatoren und Lacken zählt. Dank einer starken Nachfrage aus der Autobranche schnellte der bereinigte Betriebsgewinn des Segments um 30,1 Prozent in die Höhe.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/02/fracking-billiges-erdgas-lockt-basf-in-die-usa/

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30.04.2014

US-Wissenschaftler warnen: Wir wissen zuwenig über Fracking

US-Forscher warnen vor der Schiefergas-Förderung. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten habe man die Risiken für Umwelt und Gesundheit bislang kaum erforscht. Studien zeigten eine Reihe ungelöster technischer Probleme. Bisher habe es nur das Marketing zur Marktreife gebracht.

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Die Schiefergas-Förderung wird massiv vorangetrieben, obwohl die Risiken bisher kaum erforscht wurden, kritisieren US-Wissenschaftler. Weltweit fürchten die Bürger weitreichende Folgen für Umwelt und Gesundheit.

Vor allem in dicht besiedelten Gebieten sei die Untersuchung der möglichen Folgen bislang zu kurz gekommen, sagen Wissenschaftler vom New Yorker Weill Cornell Medical College und von der University of California. Im besten Fall versuchten die Unternehmen, technische Entwicklungen zur Risikovermeidung voranzutreiben.

Der Optimismus, dass unfallsichere Ingenieurs-Lösungen für eine sichere Schiefergasförderung sorgen können stammt eher von einem Vermarktungs-Triumph als von Nachweisen“, zitiert heise die Wissenschaftler.

In einem Berichtsentwurf von Public Health England wurde die wissenschaftliche Literatur über die Gesundheitsrisiken der Schiefergasförderung genau geprüft. Dabei seien die Probleme mit der Luft- und Wasserqualität und die zahlreichen Risiken zwar richtig dargestellt worden. Aber man habe daraus die falschen Schlussfolgerungen gezogen.

Der britische Bericht kam nämlich zu dem Ergebnis, dass viele der in den USA auftretenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme aus geologischen Gründen in Großbritannien nicht auftreten würden. Daher sei die Fördertechnik in Großbritannien weniger riskant. Dieses Ergebnis war politisch gewünscht.

Doch tatsächlich blieben viele gesundheitliche Risiken unbestimmt. Daher sei weitere Forschung notwendig, sagen die US-Wissenschaftler. Es gebe eine Reihe ungelöster technischer Probleme, beispielsweise beim Einfassen der Quelle, bei Brüchen des Zements oder dem Austritt von Abwasser. Diese Probleme würden auch in Großbritannien auftreten können.

Während Schiefergas in den USA meist in wenig bewohnten ländlichen Gebieten gefördert wird, muss die Förderung in Großbritannien oft in dicht besiedelten Gebieten erfolgen. Studien weisen aber darauf hin, dass Gesundheitsrisiken mit zunehmender Nähe zum Förderort anwachsen.

So komme es in der Nähe von Förderanlagen und bei einer hohen Dichte von Förderanlagen zu einer höheren Rate an Fehlgeburten. Zudem zeigten US-Studien: Je näher die Menschen an Förderanlagen leben, desto stärker sind sie Luftverschmutzung durch Benzene, Toluene, Xylene, Ozon und Dieselfeinstaub ausgesetzt.

Mangelhafter Umgang mit Abwasser ist laut anderen Studien verbunden mit einer höheren Belastung des Oberflächenwassers mit Chemikalien aus den eingepressten Flüssigkeiten und mit natürlich vorkommenden Substanzen wie Radium-226 oder Arsen. Grundwasserleiter in der Nähe von Förderanlagen können eine höhere Methankonzentration enthalten.

Die EU-Staaten wollen aufgrund der Ukraine-Krise eine größere Unabhängigkeit vom russischen Erdgas erreichen. Die USA und Kanada, wo das Geschäft mit dem Schiefergas boomt, haben sich bereits als Lieferanten ins Gespräch gebracht (mehr hier).

Allerdings wollen die EU-Staaten auch auf die eigene Förderung von Schiefergas setzen. Die EU-Kommission hat mit der Veröffentlichung der neuen Klimaziele dem Fracking in Europa bereits Tür und Tor geöffnet.

Vor allem Großbritannien hat sich an den amerikanischen Trend angehängt. In Deutschland hat die Regierung noch nicht entschieden. Doch Unions-Politiker und Teile der Wirtschaft fordern, die Erschließung zu beginnen.

In der vergangenen Woche forderte EU-Kommissar Oettinger von der Bundesregierung, das Fracking in Deutschland zuzulassen. Dies sei notwendig, um sich aus der Abhängigkeit von russischem Erdgas zu befreien (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/30/us-wissenschaftler-warnen-wir-wissen-zuwenig-ueber-fracking/

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24.04.2014

EU fordert von Deutschland grünes Licht für Fracking

EU-Kommissar Oettinger fordert von der Bundesregierung, das Fracking in Deutschland zuzulassen. Dies sei notwendig, um sich aus der Abhängigkeit von russischem Erdgas zu befreien. Denn Putin setze Energie als politische Waffe ein, so Oettinger.

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Die EU drängt Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Fracking in Deutschland zuzulassen. Ziel ist es, vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise die Abhängigkeit der EU-Staaten von russischem Gas zu reduzieren.

Die Forderung kommt von Energie-Kommissar Günther Oettinger (CDU), berichtet The Times. Dieser fordert, in Deutschland „Demonstrations-Projekte“ für hydraulisches Fracking zu erlauben. Damit kann Gas gefördert werden, das mit herkömmlichen Methoden nicht zugänglich ist.

Fracking sollte Teil der deutschen Antwort darauf sein, dass Russland Energie als politische Waffe einsetzt, sagte Kommissar Oettinger.

Noch ist die Methode in Deutschland verboten. Doch eine von der Bundesregierung eingesetzte Experten-Kommission forderte kürzlich den Abbruch der Energiewende. Sie empfiehlt stattdessen durch Fracking gewonnenes Erdgas (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/24/eu-fordert-von-deutschland-gruenes-licht-fuer-fracking/

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06.04.2014

Unionspolitiker befürworten Fracking als Alternative zu russischen Gasimporten

Unter dem Eindruck der Krim-Krise suchen führende Unionspolitiker nach Alternativen zu russischen Gasimporten.

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Durch die Krise in der Ukraine haben wir ein Versorgungsproblem mit russischem Gas und deshalb kann die Antwort doch nur heißen: Wir sind moralisch verpflichtet, alle möglichen Optionen zu nutzen,“ sagte der Vorsitzende der Unionsgruppe im Europa-Parlament, Herbert Reul, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Reul sprach sich für das umstrittene Fracking aus, mit dem sogenannte Schiefergas-Vorkommen exploriert werden können. „Auf Fracking leichtfertig zu verzichten, halte ich für unverantwortlich“, sagte Reul.

Auch in Berlin steigt die Zahl der Fracking-Befürworter. Der CDU-Energie-Experte Thomas Bareiß sagte dem „Focus“: „Deutsches Erdgas ist eine Säule unserer Versorgungssicherheit.“ Er forderte, den Genehmigungsstopp für konventionelle Erdgasförderung schnell per Gesetz zu beenden. „Bei der Schiefergasförderung müssen wir um Akzeptanz werben und bald ein Pilotprojekt starten“, so Bareiß.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl warnte davor, Fracking kategorisch abzulehnen. „Wir brauchen eine Aufgeschlossenheit gegenüber der Forschung und Entwicklung neuer Technologien in Deutschland. Das gilt ausdrücklich auch beim Thema Fracking“, sagte er.

Nach „Focus“-Informationen sondierten Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wie Unions-Fraktionschef Volker Kauder in der vergangenen Woche die Realisierungschancen eines längst verworfenen Plans für ein Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven. Allerdings müsste ein Milliardenbetrag investiert werden. Die Fläche für einen solchen Gas-Hafen wäre vorhanden, bloß das Geld nicht: Denn private Versorger fallen aus. Für sie wäre das ein reines Verlustgeschäft. Daher müsste der deutsche Staat die Milliardeninvestition weitestgehend allein schultern. Mehrere Ministerien wurden nach FOCUS-Informationen vergangene Woche mit einer Prüfung des Projekts betraut.

http://www.huffingtonpost.de/2014/04/06/unionspolitiker-befurworten-fracking-als-alternative-zu-russischen-gasimporten_n_5100916.html?utm_hp_ref=germany&ir=Germany

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04.04.2014

Fracking gegen Putin

Schiefergas könnte Europa auf viele Jahrzehnte unabhängig vom russischen Import machen. Kippt der politische Widerstand gegen die umstrittene Fördermethode wegen der Krim-Krise?

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Fracking hätte schon vor drei Jahren diskutiert werden müssen“, findet Peter Ramsauer (CSU), der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag. „Den Deutschen geht es zu gut“, glaubt EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) und kritisiert den Widerstand gegen das Fracking „aus emotionalen Gründen“. Die Krim-Krise hat Europa schlagartig vor Augen geführt, wie abhängig es von den Erdgaslieferungen aus Putins Russland ist – und schon kocht auch die Debatte um das Schiefergas-Fracking wieder hoch. Dabei werden große Mengen eines Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien in das Bohrloch gepresst, um Risse in unterirdische Gesteinsschichten zu sprengen. Zuvor unerreichbare Erdgasvorkommen können so ausgebeutet werden.

Bisher blockieren die meisten Regierungen in Europa aus Umweltschutzgründen die Fördermethode. Gegner befürchten unter anderem, der Chemiecocktail könnte das Grundwasser vergiften. Aber kann es sich die Europäische Union auf Dauer leisten, den vermuteten Energieschatz zu ignorieren? Bevor sich Russland im März die Krim-Halbinsel einverleibte, war die Antwort eindeutig: Fracking sei „eine Technologie mit erheblichem Risikopotential“, deren Umweltauswirkungen bisher „nicht ausreichend geklärt“ seien, heißt es im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung, der gerade mal vier Monate alt ist.

Das unpopuläre Thema wurde auf die lange Bank geschoben. Aber gilt das auch noch, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vergangene Woche unter dem Eindruck der Krim-Krise „eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik“ angekündigt hat?

Klar ist, dass die Abhängigkeit Europas vor allem von den Erdgasimporten Russlands bedenklich steigen wird, wenn nichts geschieht. Schon heute deckt die EU mehr als 60 Prozent ihres Gasverbrauchs durch Import. Weil die eigene Förderung schrumpft und der Verbrauch wächst, werde der Anteil der Einfuhr bis zum Jahr 2035 auf mehr als 80 Prozent klettern, erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris. Russland ist mit einem Drittel der Importe mit Abstand wichtiger Gaslieferant der EU – und die Krim-Krise hat die Risiken dieser Abhängigkeit gezeigt: Die Wahrscheinlichkeit, dass es durch die Wirren in der Ukraine zu Pipelineschließungen nach Europa komme, sei „immer noch gering, aber es ist jetzt ein mögliches Szenario geworden“, kommentierten kürzlich die Energieanalysten der amerikanischen Großbank Citigroup. So sehen das viele Fachleute.

Kann das Schiefergas Europa aus der Energiefalle retten? Befürworter verweisen auf die Vereinigten Staaten: Dort hat die Fracking-Förderung binnen weniger Jahre zu einer Angebotsschwemme geführt. Experten prognostizieren, Nordamerika werde schon bald unabhängig von Erdgaseinfuhren sein. Auch in Europa werden große Lagerstätten vermutet, aber der Unsicherheitsfaktor dieser Schätzungen ist bisher groß. Es wären zahlreiche Probebohrungen nötig, um sie zu verifizieren. Als die gründlichsten Prognosen gelten in Fachkreisen die Studien der amerikanischen Energiebehörde EIA. Die taxierte Europas Schiefergaslagerstätten vergangenen Sommer auf rund 13 Billionen Kubikmeter. Mehr als die Hälfte davon dürften in Polen und Frankreich lagern.

Es sind verlockende Zahlenspiele: Beim heutigen Verbrauch würde das vermutete Schiefergas ausreichen, um den kompletten Erdgasbedarf in der EU für gut drei Jahrzehnte zu decken. Auf Importe aus Russland auf dem heutigen Niveau könnte Europa sogar für ein ganzes Jahrhundert verzichten. Auch Deutschlands Position könnte sich dramatisch verbessern: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe taxiert die Schiefergasvorkommen hierzulande auf bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter. Rechnerisch würde das reichen, um die heutigen Einfuhren aus Russland für 77 Jahre durch eigenes Gas zu ersetzen. Allerdings beziehen sich die Schätzungen auf die technisch förderbaren Vorkommen. Ob die Ausbeutung zu wirtschaftlich tragbaren Kosten möglich wäre, ist damit nicht gesagt.

In der Krim-Krise hilft das Schiefergas Europa nicht weiter. „Es würde mindestens fünf Jahre dauern, um die europäische Förderung in Gang zu bringen“, erwartet Jan Stuart, Chefanalyst der Großbank Credit Suisse für den Energiesektor – wenn denn der politische Wille und die gesellschaftliche Akzeptanz da wären. Bisher aber forcieren nur Polen, Rumänien und Großbritannien die Jagd nach dem Gas. Ein zentrales Problem der Förderung spielt in der Debatte bisher kaum eine Rolle: „Sie brauchen bei der Fracking-Förderung zwischen zehn- und hundertmal so viele Bohrlöcher wie bei konventionellen Erdgasvorkommen“, sagt der Geologe und frühere Shell-Chairman Ron Oxbburgh. Jede Bohrung verursacht aber Baustellenverkehr, macht Lärm und erschüttert den Boden. In den Weiten der amerikanischen Prärie mag das kein Problem sein – im dichtbesiedelten Europa könnte es zu einem Hindernis werden.

Wegen der vielen Bohrungen steigt auch die Zahl der Betriebsunfälle. Britische und amerikanische Wissenschaftler weisen in einem gerade erschienen Aufsatz im Fachblatt „Marine and Petroleum Geology“ darauf hin, dass es allein in der Marcellus-Lagerstätte im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania binnen acht Jahren in mehr als 500 Fällen zu Beschädigungen am Bohrloch kam. „Die Vielzahl der Bohrungen ist sicherlich ein Problem bei der Schiefergasförderung“, sagt der Energiewirtschafts-Professor Richard Davies von der Universität im britischen Durham, der zu den Autoren der Studie zählt. Auch diesseits des Atlantiks müssten wohl ganze Wälder von Bohrtürmen hochgezogen werden: Fast 70000 Fracking-Bohrungen seien nötig, um Europas Schiefergas abzuzapfen, prognostizierte kürzlich der Internationale Verband der Öl- und Gasindustrie.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/schiefergas-fracking-gegen-putin-12878834.html

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31.03.2014

Test für Fracking bei Mettmann geplant

Die BASF-Tochter Wintershall prüft Kernbohrungen im Kreis Mettmann. Damit will der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent das Potenzial für Fracking-Projekte ausloten. Von Thomas Reisener

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Die Industrie will die neue Fracking-Debatte nutzen. Die BASF-Tochter Wintershall will in NRW maximal fünf Kernbohrungen durchführen, um in Tiefen bis zu 300 Metern neue Gesteinsproben zu gewinnen. Damit können Geologen ermitteln, ob sich eine Erdgasförderung mit der umstrittenen Fracking-Tiefbohrung lohnt.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst. So kann Schiefergestein in mehreren Tausend Metern Tiefe aufgespalten und darin enthaltenes Erdgas gefördert werden. Gegner sehen darin ein unvertretbares Risiko für das Trinkwasser.

„Unsere Experten planen derzeit, an welchen Orten die Gesteinsuntersuchungen erfolgen können. Dabei konzentriert sich die Bewertung auf die Konzession ,Ruhr‘, insbesondere den Kreis Mettmann, den Hochsauerlandkreis sowie den Märkischen Kreis“, erklärte Wintershall auf Anfrage. 

Noch gilt das rot-grüne Moraturium

Der Leiter der deutschen Aktivitäten, Joachim Pünnel, versprach: „Unsere Aktivitäten sind dabei beschränkt auf geologische Erkundungen zur Bewertung des Potenzials.“ Tiefbohrungen jenseits von 300 Metern und Fracking fänden dabei nicht statt.

In NRW hat die rot-grüne Landesregierung Ende 2011 ein Moratorium für sämtliche Fracking-Aktivitäten erlassen. Sie werden nicht genehmigt, bis die Industrie Gefahren für das Trinkwasser ausschließen kann. „Das gilt auch für Kernbohrungen zur Gewinnung von Gesteinsproben“, stellte das NRW-Wirtschaftsministerium klar.

Trotzdem sind die Wintershall-Pläne nicht aussichtslos. Denn die starre ablehnende Haltung der Landesregierung gerät unter Druck – Politiker von CDU und SPD fordern inzwischen eine Pilotanlage, bei der Chancen und Risiken der Technik unter wissenschaftlicher Beobachtung aufgeklärt werden. EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) sagt, dass modernes Fracking mit weniger giftigen Chemikalien auskommt.

„Dringend offenhalten“

Am Wochenende betonte der ehemalige Spitzenkandidat der NRW-CDU und heutige Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, gegenüber der „Welt“ die Fracking-Erfolge der USA. Die Amerikaner setzen Fracking massenhaft ein und haben ihre Energiepreise damit auf ein Drittel des deutschen Niveaus gedrückt. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer (CSU), sagte, wenn die Bundeskanzlerin angesichts der Krim-Krise und der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas jetzt auf Einfuhren aus Nordamerika setze, sei das „ein klares Ja zur Schiefergasförderung“. Deutschland müsse sich „die Fracking-Option dringend offenhalten“.

Frühere Pläne für Probebohrungen in NRW musste Wintershall wegen des Moratoriums des Landes unterbrechen. Vor dem Hintergrund der neuen Fracking-Debatte sieht die BASF-Tochter jetzt bessere Chancen. Einen Teilerfolg hat das Unternehmen schon erzielt: Interessenten aus dem In- und Ausland haben in NRW 22 Claims unter sich aufgeteilt, in denen sie mögliche Fracking-Vorhaben erkunden dürfen. Wintershall besitzt die Konzessionen „Rheinland“ und „Ruhr“. Die Bergbehörde in Arnsberg hat diese beiden Konzessionen um drei Jahre verlängert.

http://www.rp-online.de/nrw/landespolitik/test-fuer-fracking-bei-mettmann-geplant-aid-1.4141835

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27.03.2014

Gasförderung in der Oberpfalz

Verwirrung um mögliche Fracking-Pläne

„Gefrackt“ wird nicht – so lässt sich die Aussage der Behörden zur Erkundungslizenz einer Gas- und Ölförderfirma zusammenfassen. Doch ein Verbot der Methode fehlt bislang.

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Es klingt beunruhigend, was Ludwig Hartmann, Chef der Grünen im Landtag, herausgefunden hat: Das bayerische Wirtschaftsunternehmen hat einem Freiburger Unternehmen die Lizenz erteilt, auf einem 2.662 Quadratkilometer großen Gelände bei Weiden nach Öl und Gas zu suchen. Gefördert werden unterirdische Gasvorkommen heute bevorzugt mit einer höchst umstrittenen Methode, dem Fracking.

Ein „Sturm im Wasserglas“ – meint Rainer Zimmer vom Bayerischen Wirtschaftsministerium. Zunächst, so Zimmer, dürfen die Freiburger Experten vorhandene geologische Daten und Bohrarchive auswerten. Um selbst zu bohren, müsste das Unternehmen eine gewerbliche Lizenz beantragen. Und schließlich sei Fracking in Bayern verboten. Ein klares Dementi?

Die Rechtslage ist uneindeutig – und auch die Firma selbst gibt Rätsel auf. Das Freiburger Unternehmen mit Namen Naab Energie GmbH hat keine eigene Website. Dahinter steht die britische Firma Rose Petroleum, die bisher unter anderem in Mexiko an der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen arbeitet.

Die Pläne von Rose Petroleum

Auf der Website von Rose Petroleum, das bis 2013 noch unter dem Namen VANE Minerals firmierte, findet sich das Weidener Projekt unter dem Punkt Anlagebestand („Asset Portfolio“) aufgelistet – zusammen mit zwei Erkundungslizenzen bei Konstanz und Biberach. Die Lizenzen im Bodenseeraum waren von der Firma Parkyn Energy Germany beantragt, Anfang des Jahres aber von „Rose“ übernommen worden – einem Bericht der Vorarlberger Nachrichten zufolge, ohne die zuständigen Stellen zu informieren. Die britische Finanzwebsite LSE berichtete über den Kauf mit der Überschrift „Rose Petroleum arbeitet am Erwerb von Fracking-Standorten in Deutschland.“

Am Montag erklärt ein Sprecher der PR-Agentur Lionsgate Communications BR.de auf Anfrage, dass nach konventionellen Lagerstätten gesucht wird, potentiell aber auch Hydraulic Fracturing („Fracking“) in Frage kommt.

„Wenn die deutschen Behörden das Fracking des Schiefers zulassen, um größere Mengen Öl und Gas zu fördern, möchte Rose soweit sein, zu entscheiden, ob damit begonnen werden soll oder nicht.“

Mitteilung der Lionsgate Communications vom Montag

Zukunftsmusik. Etwas später übermittelt die Agentur einen Brief an die Behörden, in dem sie bestätigt, …

„… dass das geplante Arbeitsprogramm für den erteilten Erlaubniszeitraum (01.02.2014 bis 31.01.2017) (…) sich ausschließlich auf die Erschließung von konventionellen Kohlenwasserstofflagerstätten bezieht.“

Weitere Mitteilung vom Mittwoch

Tatsache ist: In Bayern lehnen Wirtschafts- und Umweltministerium die Anwendung der Methode ab – ebenso mehrere befragte Politiker aus der Oberpfalz. Die Rechtslage aber ist bis jetzt vage.

Die Rechtslage: Ein klares Jein

„Die Fracking-Technik zur unkonventionellen Gasförderung darf solange nicht zur Anwendung kommen, bis jegliches Risiko für Mensch und Natur ausgeschlossen ist“, erklärt Bayerns Umweltminister Marcel Huber zuletzt am 27. Januar. Ein ausdrückliches Verbot gibt es bisher nicht. Zudem ist im Bergbaurecht in letzter Konsequenz der Bund zuständig – auch hier fehlt ein eindeutiges Gesetz.

Bereits die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte sich mit einer Regelung zur Schiefergasförderung beschäftigt. Im Juni 2013 scheiterte der Gesetzentwurf an der Weigerung der FDP, die Fracking-Technologie für einen befristeten Zeitraum zu untersagen. Der schwarz-rote Koalitionsvertrag stuft Fracking als „Technologie mit erheblichem Risikopotential“ ein und lehnt den „Einsatz umwelttoxischer Substanzen“ bislang ab. „Unter Federführung der Wissenschaft“ – so der entsprechende Passus – sollen Bundesregierung, Länder und Unternehmen nun zunächst die Erkenntnisgrundlage „für mögliche nachfolgende Schritte“ schaffen. Eine klares Nein ist das nicht. 

http://www.br.de/nachrichten/fracking-oberpfalz-erkundungslizenz-100.html

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25.03.2014

Oettinger fordert eine neue Chance für Fracking

Die umstrittene Gewinnung von Schiefergas aus dem Boden sollte nach Auffassung von EU-Energiekommissar Oettinger neu geprüft werden. Deutschland müsse seine Importabhängigkeit von Russland verringern.

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger fordert angesichts der Krim-Krise und des Streits mit Russland eine neue Chance für das Fracking zur Förderung von Schiefergas.

Deutschland könnte mit Fracking seine Importabhängigkeit von Russland „auf Jahrzehnte verringern“, sagte Oettinger der „Rheinischen Post“.

Er schlug vor, „an einem geeigneten Ort ein Demonstrationsprojekt“ zuzulassen, bei dem die neueste Generation der Fracking-Technologie zum Einsatz komme.

Bei einer solchen Anlage könnten „die besten Ingenieure und Geologen der Welt“ zeigen, wie unter größtmöglichem Umwelt- und Trinkwasserschutz eine wertvolle Energiereserve genutzt werden könne.

„Wir sollten das Thema Fracking nicht vorschnell unseren Vorurteilen opfern“, sagte Oettinger.

Bei der Fracking-Methode wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst, um Gestein aufzuspalten und das darin enthaltene Erdgas zu fördern.

Sorge um das Trinkwasser

Die Technologie ist unter anderem deshalb umstritten, weil durch die eingesetzten Chemikalien das Trinkwasser verunreinigt werden könnte.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte sich kürzlich gegen Fracking ausgesprochen.

Die Regierungskoalition habe sich klar positioniert, dass sie den Einsatz von Chemikalien im Boden ablehnt, sagte die SPD-Politikerin Ende Januar „Spiegel online“. Mehr als wissenschaftlich fundierte Probebohrungen könne es nicht geben.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article126151829/Oettinger-fordert-eine-neue-Chance-fuer-Fracking.html

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12.03.2014

Fracking Vorpommern: Oh wie schön war Fischland

Jetzt ist eingetreten, was wir befürchtet haben: CEP hat den Persilschein fürs Fracken!

Gestern hat das Landesbergamt in Stralsund den Kanadiern die Genehmigung zum Fracking erteilt. Alles sei gesetzeskonform gelaufen, steht da in der ministeriellen Mitteilung. Sogar für die wasserrechtliche Genehmigung habe die Wasserbehörde ihr Einvernehmen gegeben. In anderen Bundesländern, früher, war das nicht selbstverständlich.

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Aber eigentlich kein Wunder, dass es so weit kommen konnte. Wenn man bedenkt, dass bis auf ein, zwei Mahner eigentlich alle gejubelt haben. Die Bohrrentner aus DDR-Zeiten jubeln sowieso. Die Wirtschaftsunternehmen auch, mit Dollarzeichen in den Augen. CDU und SPD wollen die Sache “wohlwollend” begleiten. Was sie mit “Wohl” meinen, bleibt unklar. Die Grünen tun mal wieder ahnungslos und die Linken finden offenbar auch nichts dabei. Ein Phänomen. Erinnert nebenbei an die Linken in der Braunkohle-Lausitz. Sogar der vorpommersche Tourismus-Chef soll Fracking super finden. Die Bohrtürme will er gleich als touristische Attraktion verkaufen, wird gemunkelt. Aussichtspunkte über die Boddenlandschaft. Ganz toll. Und dann erst die vielen Arbeiter, die kommen und die Hotelbetten belegen sollen. Einfach traumhaft. Im strukturschwachen Vorpommern wird bald der Rubel rollen. Ach nein, der kanadische Dollar. Vineta wird vor Neid erblassen.

Oder Vorpommern irgendwann auch untergehen. Es ist eben kein zartes Streicheln, was CEP da jetzt tun will. Sondern brutales Aufknacken des Untergrundes. Weit über die Grenzen der dünnen Gesteinsschicht hinaus, die angeblich das Ziel der Erkundung ist. Die ist ja bekanntlich grade mal 20 Meter mächtig. Trotzdem will CEP dort unten in der Bohrung einen solchen Druck aufbauen, dass Risse von 140 Metern Länge entstehen. Mit 10 ausgewachsenen Fracs mit an die 150 m³ Frac-Flüssigkeit. Jeweils.So schön deutlich hat CEP das aber nur einmal zugegeben. Normalerweise wird etwas genuschelt wie: Es “soll, wie in jeder Bohrung, die ölführende Schicht mit der Bohrung verbunden werden, die Lagerstätte wird einmalig „angeschlossen“.”

Eine Testförderung nennt sich das dann. Wenn die Erfolg hat, dann will CEP nach amerikanischem Vorbild den Untergrund flächendeckend aufbrechen. Sechs weitere Bohrplätze einrichten, von da aus die Bohrer waagerecht durchs Gestein kriechen lassen, fracken, dass die Schwarte kracht. Wo viel gefrackt wird, passiert auch viel. Verseuchtes Grundwasser, Luft, die beim Einatmen krank macht… Beispiele gibt’s dafür genug. Was die Ja-Sager einst ihren Kindern erzählen wollen, ist schleierhaft. Sind sie schon alle ergriffen vom neuesten Hype von drüben? Das goldene Versprechen vom LTO? Light Tight Oil soll ja der neue Bringer sein. Jetzt, nachdem sich Schiefergasfracking als unwirtschaftlich herausgestellt hat…

http://www.gegen-gasbohren.de/2014/03/12/fracking-vorpommern-oh-wie-schoen-war-fischland/

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12.03.2014

EU macht Weg für Fracking frei

Das Europaparlament hat heute die Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bestätigt. Demnach wird es keine UVP-Pflicht für Schiefergasprojekte geben, welche die umstrittene Fracking-Technologie anwenden. Die europäischen Grünen hatten sich gegen eine entsprechende Einigung in erster Lesung ausgesprochen. 

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„Jetzt können diese Projekte gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger und gegen Umweltschutzinteressen durchgedrückt werden, ohne dass Mindeststandards für die Prüfung und öffentliche Beteiligung sichergestellt werden,“ sagte Rebecca Harms, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im EU-Parlament.

Ebenfalls beschlossen wurde eine Verordnung, die den Gebrauch klimaschädlicher F-Gase (fluorierte Treibhausgase) reduzieren soll. Diese Super-Treibhausgase haben eine sehr hohe Klimawirksamkeit, schädigen die Atmosphäre bis zu 23.000 Mal stärker als Kohlendioxid und bleiben teilweise für Tausende von Jahren in der Atmosphäre. Im Gegensatz zu anderen Treibhausgasen stieg der Ausstoß dieser F-Gase seit 1990 um 60 Prozent an.

Nach der  Verordnung müssen die EU-Staaten den Ausstoß dieser Treibhausgase nun bis 2030 um fast 80 Prozent reduzieren. Unter anderem finden die fluorierten Gase bisher Einsatz als Kühlmittel, was nun ab 2022 verboten wird. Mit der neuen F-Gas-Verordnung, die ab 2015 in Kraft tritt, will die Europäische Union im Rahmen ihrer Klimapolitik zusätzlich 70 Millionen Tonnen F-Gas-Emissionen im Jahr 2030 einsparen.

Die Liste der Treibhausgase war gerade erst um vier Einträge länger geworden: Wissenschaftler der University of East Anglia spürten vier Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) auf, von deren Existanz noch niemand wusste. Bislang hätten sich bereits rund 74.000 Tonnen davon in der Atmosphäre angesammelt, schrieben die Forscher in einem Artikel, der im Fachmagazin Nature Geoscience erschien.

http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/15929-eu-macht-weg-fuer-fracking-frei

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26.02.2014

Rex Tillerson: Exxon-Chef wehrt sich gegen Fracking nahe seinem Wohnhaus

Fracking? Ja! Aber bitte nicht vor der eigenen Haustür: Kaum ein Konzern trommelt so sehr für die Gasfördermethode Fracking wie ExxonMobil. Der Enthusiasmus von Konzernchef Rex Tillerson endet jedoch, wenn sein eigenes Anwesen betroffen ist.

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ExxonMobil-Chef Rex Tillerson liebt die ländliche Beschaulichkeit seines Wohnortes Bartonville, etwa 50 Kilometer außerhalb der texanischen Ölmetropole Dallas. Der 61-jährige Tillerson und seine Frau besitzen dort nach Angaben des „Wall Street Journal“ eine etwa 33 Hektar große Pferderanch und wohnen auf einem etwa 73.000 Quadratmeter großen Grundstück.

Doch seit einiger Zeit gerät die Idylle in Gefahr. Schon länger suchen Öl- und Gasfirmen – darunter Exxon-Tochter XTO Chart zeigen– nach Rohstoffen in der Gegend und setzen dabei auf die umstrittene Fördermethode Fracking. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst, um die Brennstoffe zu extrahieren. Umweltschützer warnen vor Gefahren für das Grundwasser.

Obwohl ExxonMobil mit diesem Geschäft selbst Milliardenumsätze macht und weltweit für die Fördermethode trommelt, sieht Tillerson das Treiben nahe seinem Hause skeptisch, berichtet die US-Zeitung. Konkret stören sich seine Mitstreiter und er an einem 49 Meter hohen Wasserturm, aus dem die Förderunternehmen vor Ort Nachschub beziehen.

Exxon hat vergleichsweise wenig Freude am Fracking

Die Anwohner fürchten demnach Lärmbelästigung und Gefahren durch Lastwagen, die große Mengen Wasser zu den Fördertürmen bringen. Nach Angaben seines Anwalts sorgt sich Tillerson vor allem um den Wert seines Grundstücks.

Der Exxon-Chef selbst besuchte dem „Wall Street Journal“ zufolge eine Stadtratssitzung, um mit anderen Grundstücksbesitzern seinen Unmut kundzutun. Tillerson stellte auf der Sitzung vor allem die Rechte des Wasserversorgers in Frage, den Turm zu bauen und somit Immobilienbesitzern zu schaden.

Der Versorger besteht auf dem Turm. Er sei erforderlich, um den wachsenden Bedarf nach Süßwasser zu decken.

ExxonMobil Chart zeigenist Ende 2009 groß ins Geschäft mit Schiefergas eingestiegen, das mit der Fracking-Methode gefördert wird. Zu diesem Zweck übernahm Exxon den Konkurrenten XTO Energy für 25 Milliarden Dollar. Da der Gaspreis in der Folge stark einbrach, belastet die Akquisition die Exxon-Bilanz.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/exxon-chef-rex-tillerson-will-kein-fracking-nahe-seinem-wohnhaus-a-955818.html

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22.01.2014

Brüssel empfiehlt Fracking: „Kniefall vor Lobby“

Die EU- Kommission hat am Mittwoch die umstrittene Förderung von Schiefergas, das Fracking, grundsätzlich empfohlen, wobei aber ein „angemessener Umwelt- und Klimaschutz gewährleistet“ werden solle. Von „sorgfältiger Prüfung“ war in Brüssel die Rede. Kritiker sprechen von einem Kniefall vor der Öl- und Gaslobby. „Die Kommission hat es verabsäumt, Schiefergas als das zu benennen, was es ist: ein Umwelt- und klimapolitischer Super- GAU“, sagt Grünen- Chefin Eva Glawischnig.

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Bei der umstrittenen Methode werden tief liegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde sogenannte Schiefergas und -öl mithilfe von Chemikalien gelöst. Während Umweltschützer die Methode verdammen, weil sie um das Grundwasser fürchten, lieben Industrievertreter rund um den Globus das Fracking – denn mehr Öl bedeutet niedrigere Preise.

Wachsende Sorge um umstrittene Methode

EU- Umweltkommissar Janez Potocnik sagte am Mittwoch, Schiefergas wecke in einigen Teilen Europas zwar Hoffnungen, bei der Öffentlichkeit, aber auch Befürchtungen. Die Kommission gebe „Mindestgrundsätze vor, die die Staaten befolgen sollten, um Umwelt- und gesundheitliche Bedenken auszuräumen und Betreibern und Investoren die Vorhersehbarkeit zu gewährleisten, die sie benötigen“.

Gesundheits- und Umweltrisiken müssten vermieden werden, die Transparenz für die Bürger sei zu verbessern, so die EU- Kommission. In ihrer Empfehlung fordert sie die Staaten auf, Projekte vorauszuplanen, um etwaige kumulative Wirkungen zu evaluieren, bevor Genehmigungen erteilt werden.

Neben den Umweltauswirkungen müsse die „Bohrlochintegrität den Bestpraktiken entsprechen“. Die Qualität von Gewässern, Luft und Boden sei an Ort und Stelle zu kontrollieren. Emissionen in die Luft vor allem durch Gasabscheiden müssten „unter Kontrolle gehalten“ werden. Die Öffentlichkeit sei über die in den einzelnen Bohrlöchern verwendeten Chemikalien zu informieren.

Grüne bestürzt über Fracking- Empfehlung

Unverbindliche Auflagen beim Fracking reichen als Schutz vor den massiven Umweltrisiken nicht aus, betonte wiederum Grünen- Chefin Glawischnig. „Der Vorschlag der Kommission kommt einem Kniefall vor der Öl- und Gasindustrie gleich: Mehr dreckiges klimaschädliches Gas, weniger Erneuerbare Energien“, kritisierte sie in einer Aussendung.

„Zu Recht wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen diese zukunftsfeindliche Technologie“, ergänzte die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner. Dass es die Kommission nun nicht einmal wage, verbindliche und harte Umweltprüfungen für das umstrittene Fracking durchzusetzen, „zeigt wie sehr ganz Europa unter dem Einfluss der Öl- und Gaslobby steht“, so Brunner.

Martin: „Brüssel beugt sich Lobby- Druck“

Auch EU- Abgeordneter Hans- Peter Martin sieht seine Befürchtungen bestätigt. „Die EU- Kommission stiehlt sich hier aus der Verantwortung und beugt sich dem Lobby- Druck. Obwohl die EU- Kommission auf die Risiken beim Fracking hinweist, schließt sie ein Verbot des umstrittenen Verfahrens aus“, kritisierte er die Empfehlung. Um so wichtiger sei der Druck der Bürger in Regionen, in denen umweltbedrohliches Fracking drohe.

http://www.krone.at/Welt/Bruessel_empfiehlt_Fracking_Kniefall_vor_Lobby-Umstrittene_Methode-Story-390616

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19.12.2013

Fracking-Gebiete: Forscher finden hormonähnliche Chemikalien im Grundwasser

Futter für Feinde des Frackings: US-Wissenschaftler haben im Grundwasser in der Nähe von Bohrtürmen hormonähnlich wirkende Chemikalien gefunden. Sie sind dafür bekannt, Unfruchtbarkeit, Krebs und Missbildungen zu verursachen.

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Sogenannte endokrine Disruptoren können den Hormonhaushalt des Menschen stören. Forscher fanden die Chemikalien erstmals im Grundwasser in der Nähe von Bohrtürmen im US-Bundesstaat Colorado. Sie vermuten, dass sie direkt aus der Fracking-Flüssigkeit stammen.

Mit Fracking haben die USA ihre Energieversorgungsprobleme weitgehend gelöst. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist diese Fördertechnik hingegen verpönt, weil sie möglicherweise negative Folgen für die Umwelt hat. Skeptiker bekommen jetzt mächtige Verbündete: amerikanische Wissenschaftler, die eine erschreckende Entdeckung gemacht haben.

In Grundwasser und Seen in der Nähe von Fracking-Standorten haben sie sogenannte endokrine Disruptoren nachgewiesen. Das sind Chemikalien, die den Hormonhaushalt von Mensch und Tier verändern. Die Forscher vermuten, dass sie direkt aus Fracking-Flüssigkeit stammen.

Brei aus Wasser, Sand und Chemikalien wird in Untergrund gepresst

Mit dem umstrittenen Fracking lassen sich Erdgas- und Erdölvorkommen in Gesteinsporen erschließen, die mit normaler Fördertechnik unerreichbar sind. Dazu wird ein dünnflüssiger Brei, der vor allem aus Wasser und Sand besteht und mit hunderten Chemikalien angereichert ist, mit sehr hohem Druck in den Untergrund gepresst.

Dort bricht das Gestein auf und es entstehen Gänge, in die Erdgas oder Erdöl eindringen und sich leicht fördern lassen. Während der Sand die Gänge offenhält, verhindern Chemikalien unter anderem das Wachstum von Mikroorganismen, die die Gänge verstopfen könnten.

Endokrine Disruptoren führen zu Krebs und Missbildungen

Bei Fracking-Prozessen werden mehr als 750 Chemikalien eingesetzt“, sagt Christopher Kassotis von der University of Missouri in Columbia, der die Untersuchungen leitete, in einem Bericht von scinexx.de. Mehr als 100 dieser Substanzen seien bekannte oder vermutete endokrine Disruptoren. Sie können zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Missbildungen führen, wenn sie in zu hohen Dosen in den Körper von Menschen und Tieren gelangen. Allerdings ist nicht für alle Stoffe bekannt, welche Mengen tatsächlich gefährlich sind.

Die Untersuchungen fanden in Garfield County im US-Bundesstaat Colorado statt. In der Region sind rund 10.000 Bohrtürme aktiv. In einigen Proben fanden die Forscher auch östrogenartige Bestandteile, die eigentlich menschliche und tierische Körper während der Schwangerschaft bilden, um die Reifung des Fötus zu beschleunigen. Andere Proben enthielten Chemikalien, die die Wirkung von Anti-Baby-Pillen haben.

Dass Fracking-Flüssigkeit unkontrolliert austritt, soll eigentlich ausgeschlossen sein. Überschüsse müssen entsorgt werden. Doch das klappt nicht immer. In einem bekannten Fall trat Flüssigkeit aus. Eine nahe gelegene Farm musste daraufhin aufgegeben werden, weil die Tiere keinen Nachwuchs mehr bekamen. Wissenschaftler vermuten, das könne an der hohen Östrogen-blockierenden Aktivität im Trinkwasser gelegen haben.

http://www.ingenieur.de/Themen/Klima-Umwelt/Fracking-Gebiete-Forscher-finden-hormonaehnliche-Chemikalien-im-Grundwasser

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13.11.2013

Schiefergas jagt Europäern Angst ein

Die USA steigen 2015 zum weltweit größten Öllieferanten auf. Europas Unternehmen warnen daher vor einer Verlagerung energieintensiver Branchen nach Nordamerika. Zahlreiche Arbeitsplätze könnten abwandern.

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Das billige Schiefergas aus den USA bereitet Europa zusehends Sorge. Denn durch die billige Energie in Nordamerika geraten die heimischen Arbeitsplätze unter Druck. „Die USA betreiben eine Reindustrialisierung mit neuen Arbeitsplätzen“, sagte Gerhard Roiss, Vorstandschef des Öl- und Gaskonzerns OMV, auf einer Energiekonferenz am Mittwoch in Wien.

In den Vereinigten Staaten sei das Schiefergas um zwei Drittel billiger als in Europa. „In Europa gehen Arbeitsplätze verloren. Während in den USA die Investments mit hohem Energieverbrauch wachsen, stehen sie in Europa auf Halten“, warnte auch Georg Kapsch, Unternehmer und Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung.

Nicht nur die Mienen der Mitglieder des OPEC-Kartells, sondern auch die der Chefs europäischer Energieunternehmen wie OMV verdüstern sich bei einem Wort: Fracking. Denn die Technologie, bei der Schieferstein mit Wasser und Chemikalien aufgebrochen und das gebundene Öl und Gas herausgelöst wird, sorgt zurzeit für eine Revolution auf dem Weltenergiemarkt.

Die USA sind auf dem Weg, der größte Ölproduzent auf dem Globus zu werden – und setzen damit nicht nur die klassischen Fördernationen im Nahen Osten unter Druck, sondern auch die europäischen Energiekonzerne. „Importeure werden zu Exporteuren“, sagte Fatih Birol, Chefökonom der Internationale Energieagentur (IEA), in Wien. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die US-Gaspreise nach oben gehen.“

Einfache Antworten kann es auf die Herausforderungen der billigen Energie aus Nordamerika nicht geben. In Namen der österreichischen Industrie forderte deren Präsident Kapsch, die Anstrengung zur Energieeffizienz zu verstärken. „Unser Ziel muss eine Reduzierung des Energieverbrauchs sein“, sagte er am Mittwoch. Ob das ausreicht, ist allerdings zweifelhaft.

In der EU-Kommission wurde intensiv über Maßnahmen diskutiert. In dieser Woche brachte EU-Energiekommissar Günther Oettinger das Fracking auch in Europa ins Spiel. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern, befürwortet der der frühere baden-württembergische Ministerpräsident die Gewinnung von Schiefergas nach amerikanischem Vorbild.

Wir brauchen in Europa die Option des Fracking, zumindest als Drohung gegen Putin“, sagte Oettinger auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft in dieser Woche in Wien. Russland ist bislang wichtigster Gaslieferant in der Europäischen Union. Noch liefert das von Wladimir Putin regierte Land vier Fünftel des Gases. „Uns geht es noch gut. Doch ein Weckruf muss jetzt her“, appellierte Oettinger.

Indirekt unterstützte Roiss die Position Oettingers. „Wir müssen einen Ausgleich zwischen einer besseren Marktfähigkeit und den Kampf gegen die Klimaerwärmung finden“, fordert der OMV-Chef. Der Vorstandschef des größten österreichischen Unternehmens drängt auf niedrigere Strompreise, damit es zu keiner Abwanderung der Industrie in Europa kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es viele Wege.

Wie Oettingers Mitarbeiter, Generaldirektor Fabrizio Barbaso, am Mittwoch in Wien ankündigte, sollte die Harmonisierung der Energiepolitik beschleunigt werden. „Wir müssen die europäische Energiemärkte besser integrieren, um niedrigere Preise zu erzielen“, sagte Barbaso. Die deutsche Bundesregierung mit ihrer großzügigen Hilfe für erneuerbare Energien gilt in Brüsseler Kreisen als Negativbeispiel.

Die Umbrüche auf den internationalen Öl- und Gasmärkten sind dramatisch. „Die Zukunft ist immer weniger vorhersehbar. Die Energiemärkte reflektieren die Volatilität der Welt“, resümierte OMV-Chef Roiss. Welche Dynamik die Märkte besitzen, zeigen die neuen Daten der Internationalen Energieagentur. Bereits 2015 werden die USA zum größten Erdöllieferant der Welt aufsteigen. Sie drängen damit die ölfördernden Länder aus dem Nahen Osten zurück.

IEA-Chefökonom Fatih Birol glaubt hingegen an eine Renaissance der OPEC-Länder. Ab 2025 würden sie ihre Rolle als Schlüsselenergieversorger wieder zurückgewinnen. Denn der Boom von Schiefergas und Ölsanden werde nicht über das Jahr 2020 hinaus anhalten. „Ich bin überzeugt, dass die Produzenten im Nahen Osten das Herz der weltweiten Ölproduktion bleiben werden“, betonte der aus der Türkei stammende Birol.

Indien werde als Land mit dem größten Öldurst China nach 2020 ablösen. In Europa gehe der Verbrauch vor allem aufgrund weiterer Effizienzsteigerungen zurück. Auf dem Treibstoffmarkt werde die Nachfrage vor allem von der weiter zunehmenden Zahl von Lastwagen getrieben. „Wir werden sehr viel mehr Diesel brauchen als Benzin“, sagte Birol.

Der Chefökonom der IEA, die 28 Regierungen in aller Welt in Energiefragen berät, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus, warnt darum die klassischen Ölförderländer eindringlich davor, die Hände in den Schoß zu legen. „Ich bin wirklich besorgt, dass wir die falschen Signale in den Nahen Osten senden und am Ende wichtige Investments nicht rechtzeitig erfolgen“, sagte Birol.

Denn insgesamt steige die Energienachfrage über alle Energieträger bis 2035 weltweit um ein Drittel – um 14 Millionen Barrel (ja 159 Liter) pro Tag auf dann 101 Millionen Barrel, heißt es in dem Bericht. Das wird auch Folgen für die Preise haben: Für 2035 sagt die Agentur einen Ölpreis von 128 Dollar je Barrel voraus, nachdem sie im vergangenen Jahr inflationsbereinigt noch von 125 Dollar ausgegangen war. In diesem Jahr liegt der Preis durchschnittlich noch bei rund 100 Dollar. Kein Grund also, für das Opec-Kartell in Trübsal zu verfallen.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/fracking-boom-in-usa-schiefergas-jagt-europaeern-angst-ein/9071298.html

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11.11.2013

Schiefergas droht Europa mit Umweltkatastrophe

Die Einführung der amerikanischen Technologien zur Erschließung von Schiefergas könnte zu einer Umweltkatastrophe in Europa führen. Zu dieser Schlussfolgerung sind Umweltschutzorganisationen gekommen. Washington fördert weltweit sehr aktiv seine Technologien zur Förderung von Schiefergas, um eigene Unternehmen zu unterstützen. Indessen sinkt das Interesse an diesem Thema in den USA selbst.

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Das Problem liegt darin, dass die Technologien zur Förderung von Schiefergas sehr gefährlich sind. Das Gas wird mithilfe der so genannten hydraulischen Rissbildung gewonnen. Durch Richtbohren entstehen horizontale Bohrlöcher, die die Austrittsfläche für das im Schiefergestein eingelagerte Erdgas erhöhen. Eine unter hohem Druck eingepresste Flüssigkeit („Fracfluid“: Wasser, Sand und Chemikalien) erzeugt rund um den Bohrstrang gasdurchlässige Strukturen. Teilweise enthalten die dabei eingesetzten Chemikalien krebserregende Verbindungen wie Benzol. Gegen das Fracking gibt es massive Umweltschutzbedenken. Das Problem wird dadurch schwieriger, dass die Inbetriebnahme der Bohrlöcher befristet ist, erklärt der Direktor des Instituts für die nationale Energiewirtschaft Sergej Prawosudow.

„Die Produktivität sinkt auf 80-90 Prozent nach zwei Jahren und diese Bohrlöcher werden verlassen. Das ganze Gebiet, wo das Schiefergas gefördert wird, ähnelt der Mondlandschaft.“

Es gibt sogar das Risiko, dass Methangas in die Atmosphäre freigesetzt wird, es gibt auch seismologische Gefahren, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Energieforschungen Swetlana Melnikowa. Die Probleme sind offensichtlich, doch inwieweit sie ernsthaft sind, muss noch herausgefunden werden.

„Es genügt nur zu sagen, dass die US- Umweltschutzbehörde noch keinen Bericht über die Einschätzung des Schadens des Frackings vorgestellt hat, obwohl die Arbeiten bereits seit sieben Jahren laufen.“

In den USA arbeiten die Unternehmen, die die Fracking-Ausrüstung herstellen, sehr aktiv mit der Bevölkerung. Sie zahlen einfach Geld an die Grundstücksbesitzer, auf deren Territorium die Arbeiten durchgeführt werden. Dazu kommt noch, dass Schiefergas in den USA in wenig besiedelten Gebieten gefördert wird. In Europa gibt es sehr wenige solche Gebiete. Die Folgen der Förderung von Schiefergas werden dort spürbarer sein. Um seine Firmen zu unterstützen, fördert Washington die Erschließung von Schiefergas im Ausland.
http://german.ruvr.ru/2013_11_11/Schiefergas-droht-Europa-mit-Umweltkatastrophe-0454/

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08.11.2013

Union und SPD wollen vorerst kein Fracking in Deutschland

Umweltpolitiker von Union und SPD haben sich auf einen vorläufigen Stopp der umstrittenen Fracking-Technologie verständigt. Der Einsatz von giftigen Chemikalien bei der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten soll dauerhaft verboten werden.

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Union und SPD streben ein Moratorium für die umstrittene Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten im Koalitionsvertrag an. Wie zuvor bereits grundsätzlich beschlossen, übermittelten die Leiter der Arbeitsgruppe Umwelt, Katherina Reiche (CDU) und Ute Vogt (SPD), der federführenden AG Energie einen entsprechenden Textvorschlag.

Darin heißt es: „Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang. Wir werden deshalb für ein Moratorium sorgen, das einen Verzicht dieser Technologie bei der unkonventionellen Erdgasgewinnung vorsieht, bis ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen und alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet und ausgeschlossen werden.“ Der Einsatz von giftigen Chemikalien solle dauerhaft verboten werden.

Zunächst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über den Passus berichtet, der nun aber noch von der AG Energie und der großen Runde gebilligt werden muss.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Chemie in den Boden gepresst, um Gestein aufzuspalten und das darin enthaltene Gas zu fördern. In Amerika sorgt diese Methode derzeit für einen Gasboom. In Deutschland gibt es aber Proteste gegen entsprechende Pläne. Anwohner und Umweltschützer fürchten vor allem um das Grundwasser, sollte die Chemie einmal austreten.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/koalitionsverhandlungen-union-und-spd-wollen-vorerst-kein-fracking-in-deutschland-12654420.html

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30.10.2013

BASF-Chef fordert Pro-Fracking-Test

In Deutschland herrscht großer Vorbehalt gegen die Fracking-Technik, mit der Schiefergas aus der Erde gewonnen wird. BASF-Chef Kurt Bock fordert nun die Umweltverträglichkeit dieser Methode zu testen – und zu beweisen.

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BASF-Chef Kurt Bock fordert einen Test der umstrittenen Schiefergas-Fördertechnik Fracking in Deutschland. Auf diese Weise könne unter kontrollierten Bedingungen die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fördermethode gezeigt werden, sagte Bock auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). „Wir würden das gerne beweisen“, sagte Bock. Kritiker der Technik, bei der Wasser und Chemikalien unter Tage gepresst werden, um Gas aus dem Gestein zu lösen, befürchten allerdings massive Umweltbelastungen.

Durch die Förderung von heimischem Schiefergas würde Deutschland Bock zufolge unabhängiger in der Energieversorgung. Mit Schiefergas ließe sich zehn Jahre lang der ganze Gasverbrauch in Deutschland sichern, sagte der Manager. „Das ist nicht trivial.“ Und wenn erst einmal gebohrt würde, dann sei auch mehr zu finden. Aktuell stammten nur 14 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases auch aus heimischer Förderung. „Und die Gasproduktion ist mittlerweile rückläufig“, sagte Bock. In den USA hat Schiefergas den Gasmarkt komplett umgewälzt. Inzwischen sind die deutlich niedrigeren Gaspreise für den Industriestandort USA auch ein großer Wettbewerbsvorteil.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/umweltvertraeglichkeit-basf-chef-fordert-pro-fracking-test/9005970.html

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04.10.2013

Umstrittene Gasförderung: Imagepolitur für Fracking

Ist die Gasförderung durch Fracking die Antwort auf die Energiesorgen des Westens oder ein riesiges Umweltrisiko? Mit teuren Kampagnen poliert die Branche ihr Image auf doch Negativschlagzeilen kann sie kaum abschütteln.

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Ein Pferd galoppiert über saftige Wiesen, ein Kind schaukelt im Garten und im Hintergrund glitzert ein glasklarer See. In dieser Idylle wird gefrackt – das heißt, Chemikalien werden tief in die Erde gepresst, um das Gestein aufzubrechen und so den Weg zu Erdgas freizumachen. „Jasons Großeltern haben diese Ranch gebaut. Also tun wir unser Bestes, um das zu schützen, was uns gehört“, sagt Jasons Frau Anne, eine robuste Farmerin in Jeansbluse, in die Kamera. „Wir haben die Fakten über Öl- und Gasbohrungen gelernt. Und wisst ihr was? Es ist ungefährlich.“

Diesen Werbespot verbreitet die Organisation „Energy from Shale“, ein Interessenverband der Gasbranche, derzeit im Netz und über das Internetradio Pandora – also über Kanäle, die Zuschauer und Zuhörer per IP-Adresse orten und gezielt ansprechen können. Denn in Bundesstaaten wie Colorado und Pennsylvania, wo die Gasförderung ausgeweitet werden soll, wollen Konzerne den Menschen klarmachen: Es gibt keinen Grund, sich vor Fracking zu fürchten.

Das Video wurde vom American Petroleum Institute finanziert, dem größten Branchenverband für Öl- und Gaskonzerne in den USA. Es ist lange nicht die einzige Initiative der Branche, um ihr Image aufzupolieren. Konzerne geben über speziell dafür geschaffene Organisationen Millionen Dollar für die Kommunikation mit dem skeptischen Bürger aus.

Es gibt unzählige Internetportale, die frackingfreundliche Studien sammeln und gegen die Kritik von Umweltschützern ankämpfen. Die Marcellus Shale Coalition, ein Branchenverband, der die Aktivitäten einer großen Schieferformation im Nordosten der USA abdeckt, veranstaltet jährlich eine Konferenz, bei der Politiker und Umweltschützer zu Debatten eingeladen werden.

Vor kurzem hat die Organisation Fragen von Menschen gesammelt, die in der betroffenen Gegend leben, und sie auf ihrer Webseite beantwortet. Mit gutem Grund: Die wohl größte Hürde für Bürger, die sich informieren wollen, ist die technische und chemische Komplexität des Frackings, die wiederholt zu Ratlosigkeit und Missverständnissen führt.

Doch weder kritische Aktivisten noch besorgte Bürger lassen sich so einfach besänftigen. Auf der eng mit der Ölindustrie verwandten Erdgasbranche lastet das Erbe von ölverseuchten Ozeanen und anderen Umweltsünden, die bei der Förderung von fossilen Brennstoffen immer wieder vorkommen. Für viele ändert es an ihrem Misstrauen auch nichts, dass durch den Erdgasboom in den USA die Energiepreise sowie die Abhängigkeit von anderen Rohstofflieferanten sinken und zahlreiche Jobs entstehen sollen.

Der Branche macht zu schaffen, dass Kritik und vermeintliche Umweltskandale oft bessere Schlagzeilen ergeben als eine Richtigstellung, die nur mit technischen Details oder Studienergebnissen effektiv sein kann. „Die Kritiker haben Erfolg, denn sie können oft in einem Satz die ganze Branche verleumden. Ausräumen kann man diese Mythen jedoch nicht in einem Satz“, sagt Steve Everley, Kommunikationsdirektor für Energy in Depth, der Informationsplattform der Independent Petroleum Association of America (IPAA). Die Beweispflicht dafür, dass Fracking sicher ist, liegt oft bei der Gasbranche.

Energy in Depth wird von der IPAA finanziert. Wie viel Geld der Organisation zur Verfügung steht, wollte Everley jedoch nicht sagen. Die Marcellus Shale Coalition finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen sowie aus Einkünften von Konferenzen und anderen Dienstleistungen. Jährlich stehen ihr etwa 15 Millionen Dollar zur Verfügung.

Trotz ihrer Anstrengungen werden die am Fracking beteiligten Konzerne von Negativschlagzeilen verfolgt. Als es in Colorado, einem Zentrum der amerikanischen Gasförderung, zu Überschwemmungen kam, kursierten im Internet Fotos von gefluteten Bohrstellen und in den Köpfen die Ängste vor einer Umweltkatastrophe. „In Colorado machten Umweltgruppen schon Anschuldigungen, bevor eine Verschmutzung des Grundwassers überhaupt festgestellt wurde – das sagt doch viel über die Kritiker aus“, sagt Everley. Die Verschmutzung, die später tatsächlich festgestellt wurde, sei durch Abwasser entstanden, nicht durch Gasbohrungen, sagt er.

Ein mit gefährlichen Chemikalien verschmutztes Grundwasser ist für US-Bürger laut Energy in Depth der größte Angstfaktor. Dass es bestimmte Gefahren gibt, muss die Branche zugeben: „Fracking ist kein risikofreier Prozess, genau wie jede andere Art der Energiegewinnung. Die Frage ist: Können wir mit diesem Risiko umgehen?“, sagt Everley.

Wie einige Firmen in der Branche mit dem Risiko umgehen, hat sich im Örtchen Mount Pleasant im Bundesstaat Pennsylvania gezeigt. Der Ort liegt im Gebiet des Marcellus-Beckens, wo es große Erdgasvorkommen gibt. Direkt neben dem Grundstück der Familie Hallowich wurde gefrackt: Vier Gasbohrungen, eine Kompressorstation und ein Abwasserbecken standen dort. Plötzlich sollen die Kinder der Familie Halsschmerzen, brennende Augen und Kopfschmerzen entwickelt haben.

Die dort aktiven Firmen Range Resources, Williams Gas/Laurel Mountain Midstream und MarkWest Energy beugten einem Gerichtsstreit mit einer Zahlung von 750.000 Dollar an die Hallowichs vor. Im Gegenzug musste die Familie ihr Haus in der Nähe der Gasbohrungen übergeben. Außerdem unterschrieb sie, keine Ansprüche mehr gegen die Firmen zu erheben, und nie mehr über das Marcellus-Becken und Fracking zu sprechen. Dieser Maulkorb gilt laut dem Gerichtsprotokoll auch für die damals minderjährigen Kinder.

Kathryn Klaber ist die Chefin der Marcellus Shale Coalition, dem Interessenverband, der auch die Region um Mount Pleasant abdeckt. Dem Verband gehören etwa 300 Unternehmen an, darunter bekannte Konzerne wie Chevron, Statoil und Halliburton sowie die US-Sparten der deutschen Unternehmen Linde und Dräger. Klaber äußert sich nur ungern zu dem Fall. Eine eigene Meinung habe sie nicht, weil sie die rechtlichen Details nicht kenne. „Das war ein unschöner Fall, aber man muss ihn immer von zwei Seiten betrachten“, sagt sie dazu dem Handelsblatt – mehr nicht.

Energy in Depth hat eine lange Ausführung veröffentlicht, die die Berichterstattung zu dem Fall kritisiert und auf Fehlinterpretationen hinweisen sollen. So heißt es darin, dass Range Resources den Maulkorb gegen die Kinder nicht geltend machen werde. Außerdem gebe es keine medizinischen Beweise dafür, dass die Gesundheitsprobleme der Kinder mit den Fracking-Aktivitäten zu tun hatten. Doch offenbar wollten die Firmen es auf eine solche Ermittlung nicht ankommen lassen.

Der Fall ereignete sich schon 2011, doch erst im vergangenen August konnte eine Lokalzeitung aus Pennsylvania, die Pittsburgh Post Gazette, eine Veröffentlichung der Gerichtsdokumente erwirken. Den Fracking-Unternehmen wäre es wohl lieber gewesen, die Akten wären unter Verschluss geblieben, denn die empörten Schlagzeilen zogen sich um die ganze Welt.

Die Kritik an der Branche hat die Bedeutung von Transparenz gesteigert“, sagt Klaber. Doch je mehr Studien, Werbevideos und Streitschriften Umweltschützer einerseits und die Gasbranche andererseits verbreiten, desto undurchsichtiger scheint das Thema für den Landbesitzer in den USA, der am liebsten beides hätte: sauberes Trinkwasser und billigen Strom.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/umstrittene-gasfoerderung-imagepolitur-fuer-fracking/8876728.html

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04.10.2013

Industrie fordert Schiefergasförderung in Europa

Teilhaben am Schiefergas-Boom: Die Chemiebranche drängt darauf, auch in Europa im großen Stil mit der Förderung zu beginnen. Ein Verzicht würde die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bedrohen.

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Die europäische Chemieindustrie macht sich für die umstrittene Förderung von Schiefergas stark. „Wir sehen Schiefergas als Chance. Ich denke, wir sollten es erschließen“, sagte der Chef des Branchenverbandes Cefic, Kurt Bock.

Die Frage, ob es sich in Europa lohne, sei noch unbeantwortet. „Es wäre aber töricht, die Chancen zu ignorieren“, sagte der BASF -Chef. Es gehe darum, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die umstrittene Fördermethode des Fracking nicht gefährlicher sei als die herkömmliche Weise, konventionelles Gas aus tiefen Gesteinsschichten zu holen.

Die Förderung von Schiefergas würde den Handel stärken, die Kaufkraft steigern, Arbeitsplätze schaffen und Wachstum fördern. Kritiker der Technik, bei der Dampf und Chemikalien unter Tage gepresst werden, um Gas aus dem Gestein zu lösen, befürchten indes massive Umweltbelastungen.

Als alternative Energiequelle könnte Schiefergas den Wettbewerb auf dem Energiemarkt anheizen. Gerade die europäischen Chemiefirmen litten unter den hohen Strom- und Gaspreisen in ihren Heimatländern, klagte Bock.

„Wettbewerbsfähigkeit beginnt mit Energie, gerade für Chemieunternehmen, wo die Ausgaben dafür 50 Prozent und mehr der Betriebskosten ausmachen“, klagte der Manager.

Renaissance der Industrie in den USA

„Die Kosten für Energie in Europa sind ein ernsthafter Grund zur Sorge.“ In den USA, wo Strom traditionell günstiger ist, sorgt der Schiefergas-Boom gerade für eine Renaissance der Industrie.

Auch Unternehmen im Mittleren Osten machen den europäischen Chemiefirmen aufgrund ihrer niedrigen Betriebskosten heftig Konkurrenz.

http://www.welt.de/wirtschaft/article120635403/Industrie-fordert-Schiefergasfoerderung-in-Europa.html

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02.10.2013

US-Schieferblase wird immer kleiner

Royal Dutch Shell“, einer der weltgrößten Ölgaskonzerne, gibt Schieferprojekte allmählich auf. Kürzlich hat „Shell“ angekündigt, eine Reihe von seiner Aktiva zur Produktion von Schiefergas verkaufen zu wollen. Das geht unter anderem auf die Nichterfüllung des Förderungsplans zurück.

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Noch Anfang vorigen Jahres war die Förderung von Schiefergas in den USA mit großen Hoffnungen verbunden. Der US-Präsident Barack Obama sagte, dass die neuen Technologien die Energieunabhängigkeit der USA ein ganzes Jahrhundert lang sichern könnten. Die sogenannte Schieferrevolution spielte tatsächlich eine große Rolle in der Wirtschaft des Landes. Die USA hörten auf, den blauen Brennstoff zu importieren, und förderten zunehmend Schiefergas. Doch einige Zeit später meldeten viele Förderunternehmen Entwertung der Shieferaktiva. So meldeten die britischen Unternehmen BP und BG Group den Verlust von je einer Milliarde US-Dollar und einer Milliarde 300 Millionen Dollar. Das kanadische Unternehmen EnCana verlor fast zwei Milliarden US-Dollar. Nun hat das Unternehmen „Shell“ über zwei Milliarden Dollar verloren. Experten hatten bereits darauf hingewiesen, dass die Schiefergasvorräte stark überschätzt seien und sich die Vorkommen schnell erschöpfen. Nun seien weitere Probleme entstanden, sagt der Analytiker Dmitri Alexandrow von der Firma „Univer Capital“.

Das Interesse an Schiefergas lässt offenbar nach. Im Hinblick auf die Haushaltsprobleme der USA sollten die Unternehmen, die auf diesem Gebiet tätig sind, nicht mit weiteren Subventionen rechnen. Deshalb ist die Erschließung von Schiefervorkommen finanziell gesehen nicht mehr lukrativ.“

Experten rechnen nun damit, dass sich die Förderung von Schiefergas bestenfalls stabilisiert. Dass der billige amerikanische Brennstoff nun massenhaft an die Märkte Europas und Asiens gelangt, sei ausgeschlossen, meint Dmitri Alexandrow. Auf Schiefergas setzen jetzt aber auch andere Länder, wie etwa Polen und die Ukraine, die damit ihre Abhängigkeit vom russischen Gas senken wollen. Warschau und Kiew hätten aus der amerikanischen Erfahrung schon längst Konsequenzen ziehen sollen, glaubt Konstantin Simonow, Generaldirektor des Fonds für die nationale Energiesicherheit.

Voriges Jahr entstand in Polen ein Schieferbohrloch mit dem Namen „Flamme der Hoffnung“. Doch kommerziell gesehen wird die Lage bei diesem Projekt immer schlimmer. Von einer Rentabilität ist gar keine Rede. Und die Unternehmen, wie etwa Exxon Mobil, verlassen jetzt das Land. In dieser Hinsicht ist auch in der Ukraine mit keinem Erfolg zu rechnen.“

 In der Ukraine soll die Förderung von Schiefergas im Jahr 2015 beginnen. Die Regierung rechnet mit den Selbstkosten von 120 bis 130 US-Dollar pro tausend Kubikmeter. Doch später teilte das Energieministerium mit, dass die tatsächlichen Zahlen erst in zwei Jahren bekannt würden.

http://german.ruvr.ru/2013_10_02/US-Schieferblase-wird-immer-kleiner-6082/

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01.06.2013

Gravierende Wissenslücken“ über Fracking

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung berät, spricht gegen den kommerziellen Einsatz von Fracking aus. Zu den Auswirkungen auf die Umwelt gebe es derzeit noch „gravierende Wissenslücken“.

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Das umstrittene Erdgas-Fracking bleibt Zankapfel in der schwarz-gelben Koalition. Erst verschob das Bundeskabinett die für diese Woche angesetzte Entscheidung über den Gesetzesentwurf erneut, weil die Mehrheit dafür im Bundestag offenbar nicht sicher ist. Am Freitag schalteten sich dann die sogenannten Umweltweisen mit einer Warnung in die Debatte ein.

Zunächst nur Pilotprojekte

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung berät, befürchtet einen übereilten Einsatz der Technologie. Fracking, bei dem Gas durch den Einsatz von Chemikalien aus Schiefergestein gelöst wird, dürfe „wegen gravierender Wissenslücken über die Umweltauswirkungen vorläufig noch nicht kommerziell eingesetzt werden“. Die Wissenschaftler plädierten dafür, erst einige Pilotprojekte durchzuführen, um die Risiken einschätzen zu können.

Der SRU weist auch Forderungen aus der Wirtschaft zurück. Die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie würden oftmals überzeichnet. „Damit besteht aus deutscher Perspektive auch kein energiepolitisches Interesse“ an der Förderung des Fracking. Die Umweltrisiken von Fracking müssten noch genauer untersucht werden. Die Pilotprojekte müssten transparent und unter Beteiligung der Öffentlichkeit gestaltet werden. Auf keinen Fall dürften die Pilot-Fracs aber im Einzugsbereich derzeitiger oder möglicher Trinkwasserschutzgebiete erfolgen.

Union und FDP wollen Fracking grundsätzlich erlauben

Union und FDP hatten sich vorige Woche auf einen Gesetzentwurf geeinigt, der Fracking grundsätzlich erlaubt, wobei allerdings Wasserschutzgebiete sowie die Region um den Bodensees, der als Trinkwasserreservoir für gut fünf Millionen Menschen dient, ausgenommen sein sollen.

Die SPD begrüßte am Freitag den Vorschlag des Sachverständigenrats, vorerst nur Fracking-Pilotprojekten durchzuführen. Auch dabei müsse allerdings der Einsatz wassergefährdender Chemikalien ausgeschlossen sein. Die Grünen sahen sich durch das SRU-Gutachten in ihrem Nein zu Fracking bestätigt. Schwarz-Gelb solle „auf die eigenen Experten hören und die Anwendung der Fracking-Technologie nicht zulassen“.

http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/fracking–gravierende-wissensluecken–ueber-fracking,10808230,23083522.html

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23.05.2013

Brauer-Bund schickt Brandbrief: Brauereien warnen: Fracking bedroht das Reinheitsgebot

Umweltschützer und Experten warnen vor dem sogenannten Fracking zur Gewinnung von Erdgas. In der Debatte um die umstrittene Fördermethode melden sich jetzt auch die Brauereien zu Wort: Eine Verunreinigung des Trinkwassers hätte fatale Folgen für das Reinheitsgebot.

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Die geplanten Gesetzesänderungen zum Fracking sorgen bei Deutschlands Brauereien für massiven Unmut. Einem Bericht der „Bild“ vom Donnerstag zufolge warnt der Deutsche Brauer-Bund in einem Schreiben an die Bundesregierung vor einer Verunreinigung des Trinkwassers mit fatalen Folgen für das Reinheitsgebot.„Die bislang von der Bundesregierung vorgesehenen Gesetzesänderungen reichen nicht aus, um die erforderliche Sicherheit für die Trinkwasserversorgung sicherzustellen und den Anforderungen an das Reinheitsgebot für Bier Rechnung zu tragen“, zitiert das Blatt aus dem Brief von Verbandschef Peter Hahn. Das Schreiben vom 21. Mai 2013 sei an sechs Bundesminister adressiert, darunter Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

Wieder in die Sachdiskussion einsteigen“

Hahn mahne, die Brauwirtschaft sei auf ein „qualitativ einwandfreies Trinkwasser zum Brauen angewiesen“. Durch Fracking könne diese Versorgungssicherheit eingeschränkt oder sogar ganz beseitigt werden. Die Regierung solle daher vor einem Beschluss zunächst wieder in die Sachdiskussion einsteigen.

Umweltschützer warnen längst davor, dass das Fracking das Grundwasser schädigen kann. In den USA, die sich mit dem Verfahren in einen Energieexporteur wandeln wollen, berichten Anwohner betroffener Gebiete bereits von katastrophalen Folgen.

Dennoch hat der Bundestag beschlossen, dass die umstrittene Methode auch in Deutschland zum Einsatz kommen soll. EU-Energiekommissar Oettinger hat deshalb am Montag EU-weite Regeln zum Schutz von Trinkwasser-Gebieten angekündigt.

http://www.focus.de/gesundheit/news/brauer-bund-schickt-brandbrief-brauereien-warnen-fracking-bedroht-das-reinheitsgebot_aid_996679.html

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21.05.2013

Bundesregierung bremst Brüssel beim Fracking aus

Beim Energiegipfel in Brüssel will die EU-Kommission einheitliche Regeln zur umstrittenen Schiefergas-Förderung vorschlagen. Doch der Bundesregierung geht selbst das schon zu weit.

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Billiges Schiefergas für die industriellen und privaten Verbraucher in Europa? Die EU-Kommission versucht die neue Gasfördertechnik namens Fracking als Option zu erhalten. Doch die Bundesregierung dämpft bereits im Vorfeld des anstehenden EU-Energiegipfels die Hoffnung, dass es beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in dieser Frage zu belastbaren Beschlüssen kommt.

Offenbar sollen sich private Strom- und Gasverbraucher schon mal generell keine Hoffnung auf stabile oder gar sinkende Energiepreise machen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der die Haushaltspreise auf dem Gipfel zur Sprache bringen wollte, handelte sich jedenfalls am Tag zuvor eine Abfuhr ein: Für den Schutz der Verbraucher vor einer hohen Strom- und Gasrechnung sei der Gipfel wohl nicht zuständig, sagte ein deutscher Regierungsvertreter. „Das ist eher Sozialpolitik als Energiepolitik und liegt insofern in der Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten.“

Ein Viertel des Monatsbudgets für Energie

Im Vorfeld des Gipfels präsentierte Kommissionspräsident José Manuel Barroso dem Europaparlament bereits alarmierende Zahlen: „Schon im Jahr 2012 waren die Gaspreise für die Industrie in den USA vier Mal niedriger als in Europa. Strom ist in der EU beinahe doppelt so teuer wie in den USA“.

Nach Angaben der Kommission müssen Menschen mit niedrigem Einkommen in einigen EU-Ländern fast ein Viertel ihres Monatsbudgets für Strom, Heizung und Benzin aufwenden.

Die EU-Kommission rechnet vor, dass die EU im Jahr 2035 voraussichtlich über 80 Prozent ihres Gas- und Kohlebedarfs im außereuropäischen Ausland einkaufen muss. Deshalb soll sich die EU in ihrer Energieversorgung breiter aufstellen. Neben dem Ausbau Erneuerbarer Energien setzt der Gipfel-Entwurf auch auf heimische fossile Energieträger.

Fossile, heimische Energieträger vorerst unverzichtbar

Barroso warnte, es gehe um die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Die EU-Staats- und Regierungschefs sehen das ähnlich: Die „Versorgung mit erschwinglicher und nachhaltiger Energie“ sei entscheidend, um Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu schaffen, heißt es im Entwurf der Gipfelerklärung.

Dennoch will die Bundesregierung auch im Falle der umstrittenen Erdgas-Produktion mittels „Fracking“ den Vorschlägen der EU-Kommission nicht so ganz folgen. Oettinger hatte europaweite Regeln für die umstrittene Förderung von Schiefergas angekündigt.

Es könne dabei aber nicht um eine gesetzgeberische Initiative zum Fracking gehen, stutzte ein deutscher Regierungsvertreter die Brüsseler Pläne zurecht. Die Kommission solle bis Jahresende lediglich „über die Möglichkeiten sichererer und nachhaltiger Nutzung unterrichten“, betonte der Regierungssprecher: „Es geht nicht um Regulierung.“

Umweltschützer – und Parteien im Wahlkampf – fürchten die Technologie, bei der Gas aus Schiefergesteinsschichten gefördert wird. Die Auswirkungen etwa auf das Grundwasser seien nicht ausreichend erforscht.

Dennoch sieht der Entwurf des Abschlussdokuments vor, die Option Fracking in Europa offen zu halten: „Es bleibt entscheidend, die Diversifizierung der Energieversorgung zu intensivieren und autochthone Ressourcen zu entwickeln.“

200 Milliarden Euro für Energie-Infrastruktur nötig

Eine weitere Empfehlung der Kommission zur Kostensenkung ist die Modernisierung und Verknüpfung der europäischen Energie-Infrastruktur – eine Grundvoraussetzung für die breite Anwendung der dezentralen und wetterabhängigen Erneuerbaren Energien.

Den Investitionsbedarf schätzt die Kommission bis zum Jahr 2020 auf 200 Milliarden Euro. Der gesamte Bedarf für eine zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung liege bis 2020 sogar bei einer Billion Euro. Zuständig sei der Markt – der Entwurf für den Gipfelbeschluss sieht deshalb vor, die Rahmenbedingungen für private Investoren zu verbessern.

Die Regierungschefs wollen bei der Zusammenkunft am Mittwoch auch darüber beraten, wie europäische Energiepolitik die Wettbewerbsfähigkeit der EU im Vergleich mit anderen Wirtschaftsräume unterstützen kann. An Ehrgeiz mangelt es den Schlussfolgerungen nicht: Im Entwurf heißt es: „Die Energiepolitik der EU muss ununterbrochene Versorgung für Haushalte und Unternehmen sichern, zu günstigen und wettbewerbsfähigen Preisen“.

Auf die Preise für Öl und Gas aber hat die EU kaum Einfluss: Das Öl kommt zum Gutteil von außerhalb, die Gaslieferverträge mit Russland und Norwegen sehen oft noch eine Kopplung an den Ölpreis vor. Der EU-Abgeordnete Claude Turmes (Grüne) kritisierte, dass die Abschaffung der Ölpreisbindung nicht auf der Tagesordnung steht: „Den wirklichen Lösungen schenken sie kaum Aufmerksamkeit.“

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article116395808/Bundesregierung-bremst-Bruessel-beim-Fracking-aus.html

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20.05.2013

Fracking: EU-Diktat zeigt Muskeln – erst verharmlosen, dann regeln

Solange nichts dramatisches passiert, wiegt man sich in Sicherheit, befürwortet sogar vielfach fortschrittliche Technologien als folgerichtige Entwicklung menschlichen Erfindergeistes, um das Leben aller erträglicher zu gestalten.

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Soweit die nüchterne Feststellung, die ohne weiteres ihre Berechtigung haben kann, wenn da nicht gewisse Risiken für Umwelt und Natur bestünden. Beim Fracking zeigt nunmehr das EU-Diktat Muskeln, handelt nach bewährter Devise: erst verharmlosen, dann regeln. In wie weit läßt die Bevölkerung sich auf dieses perfide Spiel zwischen Fortschrittsargumentation und tatsächlichen Risiken zugunsten der ominösen Methode ein?

Nach AKW-Bewegung folgt zurecht STOP-Fracking-Bewegung  

In keinem anderen Land der Erde war eine Protestbewegung dermaßen konsequent nachhaltig vertreten wie die AKW-Bewegung in Deutschland, die nach jahrzehntelangem Ringen in Gänze ihre Daseinsberechtigung bedauerlicherweise erst mit dem zweiten Super-GAU von Fukushima unterstreichen konnte. Obwohl naheliegend die erheblichen Gefahren gegeben, hielt die verantwortliche Politik an den AKWs fest, werden auch weiterhin die strahlenden Altlasten noch Folgegenerationen beschäftigen herrscht immer noch Uneinsichtigkeit, wie der Euratom-Vertrag verdeutlicht.

Hatte schon bei der AKW-Technik der EU-Energiekommissar aus dem Ländle mit der in Brüssel vorgestellten “Energy Roadmap 2050″ seine Ignoranz gegenüber den Gefahren unter Beweis gestellt, warnte jetzt Günther Oettinger vor zu großer Furcht und will das Fracking europaweit regeln.

Kein Wunder, daß sich angesichts der viel zu hohen Risiken beim Hydraulic-Fracking zur Erdgasförderung massiver Widerstand formiert. Wer gleich zu Beginn angesichts dermaßen unbedarfter Vorgehensweise nicht die Stimme erhebt, muß mit den umweltbelastenden Folgen irgendwie leben müssen. Und gefährdetes Wasser, unser kostbarstes Gut, sollte Anlaß genug sein, vehement zu reagieren, von den möglichen geologischen Folgeerscheinungen, wie kleinere Erdbeben, etc. mal ganz zu schweigen. Aber wer sich für einen offenen Umgang mit einer riskanten Technologie ausspricht, hat in Wirklichkeit längst gewisse, lukrative Geschäftsideen im Hinterhopf, sieht klingende Kassen, wie wir doch alle nach dem Drama mit den AKWs wissen sollten! Warum sollte es jetzt diesmal anders sein?

Da wird einfach mal ein angeblicher Experte in einer Lokalzeitung interviewt, der dort behauptet, grundsätzlich sei Fracking eine machbare Technologie, schließlich gäbe es ja eine “Sicherheitszone um Wasserschutzgebiete”, was so nicht der Wahrheit entspricht, da tatsächlich ein Drittel von Niedersachsens Gasindustrie innerhalb von Wasserschutzzonen sich bereits befindet. In diesem Kontext darf man berechtigt anmerken, wieso Behörden das zulassen?!

Risiken vs. Profit – am Ende siegt das Kapital?

Natürlich kann man jeden Widerstand nur begrüßen, zumal jetzt schon deutlich wird, wie kaltschnäuzig die längst sich abzeichnenden Risiken einfach mal ausgeblendet werden, wer einen Blick gen USA richtet. Doch siegt am Ende das Kapital, bestimmt den wirtschaftlich lukrativen Kurs entgegen aller Bedenken? Werden Bürgerinitiativen genauso wie die Anmahnungen des NABU nach altem Rezept belächelt, die Gegner seien technologiefeindlich eingestellt, würden die Vorteile übersehen?  Der Weg zur Umsetzung des Frackings längst  beschlossene Sache, eine Genehmigung nicht mehr in weiter Ferne? Wer sich die gezielte Vorgehensweise seitens der Politik und erst recht der EU betrachtet, muß zwangsläufig genau das befürchten.

Einerseits begrüßenswert, daß ein breiter, europäischer Widerstand gegen das Fracking entstand, in Frankreich ist es weiterhin verboten, andererseits braucht man sich nicht zu wundern, daß Fracking-Befürworter sich aufgefordert fühlen, an dieser Technologie festzuhalten, wenn die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in einem Gutachten bescheinigt, daß die Umweltrisiken  „gering“ seien, sogar bei gründlicher Planung gut beherrscht werden könne.

Nach der Bundestagswahl wird die neue Regierung sich dem Thema stellen müssen. Um so wichtiger, daß der europäische Widerstand anwachsen muß, weil eine einmal geöffnete Tür nur allzu gern sperrangelweit aufgestoßen wird, wie sich in der Vergangenheit am Beispiel anderer gefährlich-riskanter Technologien gezeigt hat. Ihr Lotar Martin Kamm

http://www.buergerstimme.com/Design2/2013-05/fracking-eu-diktat-zeigt-muskeln-erst-verharmlosen-dann-regeln/

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07.05.2013

Bodensee als Problem bei Fracking-Gesetz

Die Gasförderung mit Hilfe von Fracking ist hierzulande zum Kampfbegriff geworden. Eine geplante Regelung soll die Methode erschweren, doch vielen reicht das noch nicht. Sorge macht auch das Trinkwasser aus dem Bodensee.

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Die Sorge um das Trinkwasser aus dem Bodensee könnte zu einer weiteren Verschärfung des Gesetzentwurfs für die Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten führen. „Der Bodensee und Fracking vertragen sich nicht“, sagte der Konstanzer CDU-Abgeordnete Andreas Jung am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Um den Bodensee sei nur die Hälfte der Gebiete als Wasserschutzgebiete ausgewiesen.

Diese sollen dem Entwurf von Umwelt- und Wirtschaftsministerium zufolge für das Fracking tabu sein. Besonders CDU-Abgeordnete aus Baden-Württemberg pochen auf eine Nachbesserung, das Bodenseewasser versorge fünf Millionen Menschen. Daher müssten Bohrungen auch in oberirdischen Einzugsgebieten von Seen und Talsperren verboten sein, forderte Jung. Dieser Punkt solle noch in die geplante Änderung des Paragrafen 52 des Wasserhaushaltsgesetzes eingearbeitet werden.

Kritiker warnen vor Risiken durch eingesetzte Chemikalien für das Trinkwasser. Bei der neuen Fördertechnik wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein aufgebrochen, damit das Gas durch feine Risse großflächig entweichen kann. SPD und Grüne sind für ein Verbot, bis ein Einsatz ohne giftige Chemikalien möglich ist. Die Linke will ein Komplettverbot von Fracking für ganz Deutschland.

Am 15. Mai soll der Entwurf von der schwarz-gelben Koalition in den Bundestag eingebracht werden. Bisher gibt es keine Regelung, so dass theoretisch überall Anträge gestellt werden könnten. De Facto gilt eine Art Moratorium bis zu einer Einigung.

Auch Baden-Württembergs CDU-Landeschef Thomas Strobl pocht auf eine Verschärfung. Denn der Schutz des Trinkwassers habe Priorität. Die Organisation Campact, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und das Bürgerbündnis „Gegen Gasbohren“ forderten am Dienstag die Bundesregierung auf, die Gasfördermethode zu verbieten. Nach einer Emnid-Umfrage würden 66 Prozent der Befragten ein Verbot befürworten, zudem hätten 150.000 Menschen im Internet den Appell „Fracking stoppen“ unterzeichnet, erklärten die Fracking-Gegner.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gasfoerderung-bodensee-als-problem-bei-fracking-gesetz/8173858.html

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02.04.2013

Oettinger fordert mehr deutsche Risikobereitschaft

Auch in Europa kann Fracking die Energieversorgung revolutionieren. Doch die Vorbehalte hierzulande sind groß. EU-Kommissar Oettinger warnt vor einem „eindeutigen Nein“ gegen die neue Technologie.

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht in Europa gute Chancen für die umstrittene Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten. Zugleich kritisiert er die verbreitete Skepsis beim sogenannten Fracking in Deutschland.

„Polen und Großbritannien sind interessant – und auch die Ukraine wird Europa mit Schiefergas beliefern“, sagte Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ich rate auch Deutschland, kein eindeutiges Nein zum Fracking zu formulieren. Sonst verlieren wir wichtige Kompetenzen.“

Hierzulande gebe es keine sachliche Debatte über das Thema. „Wir führen in Deutschland eine emotional geprägte Diskussion, die praktisch zum Aus der Forschung führt.“ Beim Fracking werden mit hohem Druck Wasser und Chemikalien in die Erde gepresst, sodass Gas und Öl daraus entweichen kann – auf aufwendige Bohrungen kann teilweise verzichtet werden, was erhebliche Kosten spart.

Bundesregierung plant ein Gesetz

Kritiker befürchten, dass Chemikalien das Grundwasser verseuchen könnten. Die Bundesregierung will den Einsatz der Technologie mit einem Gesetzentwurf regeln. Nach Einschätzung Oettingers besteht auch in anderer Hinsicht die Möglichkeit, dass die Bundesrepublik wichtige technologische Entwicklungen verpassen könnte.

„Deutschland ist so stark, dass es Gefahr läuft, notwendige Projekte, auch den Ausbau der Infrastruktur zurückzustellen“, sagte er. „Das würde sich im nächsten Jahrzehnt rächen.“ Oettinger:

„Wir müssen bereit sein, gewisse Risiken einzugehen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.“

Vor allem die USA setzen auf die Fracking-Technologie. Dort sinken daher die Energiepreise schneller als in Kerneuropa, was viele Unternehmen dazu bewegt, wieder oder erstmalig in den USA zu investieren, darunter auch E.on, Deutschlands größten Energieversorger.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article114926950/Oettinger-fordert-mehr-deutsche-Risikobereitschaft.html

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11.03.2013

Neue Studie aus den USAFracking kann Flüsse und Seen belasten

Fracking ist eine umstrittene Methode zur Gasförderung, deren Einsatz auch in Deutschland diskutiert wird. Eine Studie aus den USA zeigt, dass die Technik nicht nur das Grundwasser belasten kann, sondern auch Flüsse und Seen.

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Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Sheila Olmstead von der Forscherorganisation „Resources for the Future“ in Washington. Fracking ist eine relativ neue Methode zur Gewinnung von Erdgas aus Gestein. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, um dort Risse zu erzeugen, damit das Gas austreten kann.Die Wissenschaftler untersuchten das Wasser hinter Kläranlagen, in denen Abwässer solcher Bohranlagen gereinigt werden, und das Oberflächenwasser in der Nähe von Bohrplätzen. Flussabwärts dieser Anlagen sei die Chloridkonzentration im Wasser immer noch erhöht, schreiben sie in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“).

Mehr Schwebstoffe im Wasser

Die Konzentration von Schwebstoffen sei zwar unterhalb der Anlagen nicht erhöht, steigt hingegen den Forschern zufolge insgesamt, wenn die Zahl der Bohrplätze in einem Wassergebiet zunimmt – 18 zusätzliche Bohrplätze steigern die Konzentration um fünf Prozent. Hierfür machen sie Niederschlagswasser verantwortlich, das vom Bohrplatz ins Oberflächenwasser fließt.

Nicht nur Grundwasser gefährdet

Sowohl Chlorid als auch die Schwebstoffe haben negative Folgen für die Umwelt, so die US-Wissenschaftler. Erhöhte Chloridkonzentrationen schädigten direkt das Wasserökosystem. Gleichzeitig sei die Befreiung des Wassers von den Salzen ein teurer und aufwendiger Prozess. Schwebstoffe belasten das Wasser zusätzlich. Bisher wurden vor allem Auswirkungen des Frackings auf das Grundwasser befürchtet. Die Forscher warnen nun vor Folgen für das Oberflächenwasser und fordern weitere Untersuchungen.

Andere Bedingungen in Deutschland

In Deutschland sieht es nach Expertenmeinung besser aus. „Die Risiken für das Grundwasser sind im Vergleich zu den Gefahren für das Oberflächenwasser die größeren“, sagte Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Fachgebiet „Wasser und Boden“ erklärt: „Die Studie ist interessant, aber nur das Wenigste ist auf Deutschland übertragbar. Denn nach deutschem Recht müssen Bohrplätze vollständig versiegelt sein.“ Das gesamte Wasser am Bohrplatz, auch Niederschlag, müsse deshalb aufgefangen und ordnungsgemäß entsorgt werden.

Bei hochbelastetem Wasser sei sogar noch eine Vorbehandlung nötig, bevor es in die Kläranlage dürfe. „In der Abwasserverordnung gibt es da sehr strenge Vorschriften.“ Nach Einschätzung von Experten sei es derzeit nicht möglich, das Abwasser aus den Bohrungen ohne vorherige Behandlung in kommunale Kläranlagen einzuleiten, dafür sei die Belastung des Wassers zu hoch. Erst müssten geeignete Verfahren für die Vorbehandlung entwickelt werden.

https://www.focus.de/wissen/klima/neue-studie-aus-den-usa-fracking-kann-fluesse-und-seen-belasten_aid_937635.html

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01.03.2013

Das Eine-Billion-Euro-Geschäft mit dem Fracking

Die Förderung von Schiefergas ist umstritten, weil Umweltbelastungen befürchtet werden. Deutsche Energiekonzerne wollen die Methode abmildern – das könnte dem Staat Milliarden einbringen. Von Birger Nicolai

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Die Zahlen sind kaum vorstellbar: Zwischen 700 und 2300 Milliarden Kubikmeter groß soll das Potenzial in Schiefergaslagerstätten in Deutschland sein. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Jahresverbrauch deutscher Haushalte und Unternehmen von Erdgas bei 92 Milliarden Kubikmetern. Lediglich zwölf Prozent stammen davon aus heimischen Erdgasfeldern vor allem in Niedersachsen.

Diese gigantische Menge an Schiefergas hätte heute einen Wert von mehr als 1000 Milliarden Euro. Der Haken daran: Dieses Erdgas kann nur mit der umstrittenen Methode des Fracking aus dem Boden geholt werden. Dabei wird eine große Menge Wasser zusammen mit teilweise giftigen Chemikalien in die Erde gepresst, um das Gas aus Steinschichten in bis zu 3000 Meter Tiefe herauszulösen.

Keine Bohrung für Fracking zugelassen

Mit solchen Milliardenzahlen macht die deutsche Erdgasindustrie derzeit Stimmung für das Fracking. „Mehrere Hundert Milliarden Euro an Wertschöpfung sind für Deutschland möglich und auch hohe Steuereinnahmen“, sagte Gernot Kalkoffen, der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung, in Hamburg.

Für gewöhnlich blieben 70 bis 80 Prozent der Wertschöpfung im Land. Der Manager ist zugleich Chef von Exxon Mobil Europe sowie dessen Deutschlandchef. Exxon ist in Deutschland und weltweit einer der größten Öl- und Erdgaskonzerne. Die genannten Zahlen sind Berechnungen des Wirtschaftsverbandes sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Das Problem für die Industrie ist nur: Vergangenes Jahr haben die Behörden in Deutschland keine einzige Bohrung für das Fracking zugelassen. Die Unternehmen fördern derzeit lediglich sogenanntes konventionelles Erdgas. „Die Verunsicherung ist groß. Deshalb begrüßen wir, dass die Bundesregierung nun mit einem Gesetz die Rahmenbedingungen festlegen will“, sagte Kalkoffen.

Die Vorschläge von Bundesumweltminister Peter Altmaier seien „eine gute Basis und ein Schritt in die richtige Richtung“. Allerdings müssten Details diskutiert und Kompromisse gefunden werden. Ein Wunsch der Industrie: Zwischen Erkundungsbohrungen und Bohrungen zur Produktion solle es Unterschiede in den Genehmigungsverfahren geben.

Anteil der giftigen Chemikalien reduzieren

Ob es der Industrie gelingt, die Angst vor Umweltschäden und dem mit Chemikalien verseuchten Wasser zu nehmen, bleibt offen. Auch der Verweis auf die USA, wo Fracking und Schiefergas den Erdgaspreis um ein Vielfaches verringert haben, wird Kritiker kaum überzeugen.

Dennoch gibt sich die Erdgasindustrie einsichtig und offen für Diskussionen. So könne der Anteil der giftigen Chemikalien in dem zum Fracking benötigten Wasser noch deutlich reduziert werden. Angeblich existieren schon Methoden, bei denen dieses Wasser vergleichbar mit dem Abwasser aus einer Geschirrspülmaschine sein soll – und damit in die unterste Wassergefährdungsklasse gehört.

Die großen Erdgasunternehmen in Deutschland sind Exxon, RWE Dea, EWE und VNG. Vor zehn Jahren haben sie den deutschen Bedarf an Erdgas zu rund 20 Prozent aus heimischer Förderung gedeckt. Heute ist das rund die Hälfte, Tendenz abnehmend. Die Fördermethode Fracking soll diesen Trend umkehren – und den Unternehmen gute Geschäfte bescheren. In der Branche sind rund 10.000 Beschäftigte tätig, der Umsatz lag vergangenes Jahr bei 4,5 Milliarden. Das waren gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

http://www.welt.de/wirtschaft/article114025474/Das-Eine-Billion-Euro-Geschaeft-mit-dem-Fracking.html

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15.02.2013

Gasförderung gefährdet Trinkwasser in Hamburg

Der Senat bestätigt einen Antrag auf „bergrechtliche Erlaubnis“ von ExxonMobil in den Bezirken Bergedorf und Harburg. Die Umweltbehörde warnt vor der umstrittenen Fracking-Methode.

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Die Pläne von ExxonMobil zur möglichen Erdgasförderung in Hamburg mithilfe des umstrittenen Fracking gehen weiter als bisher bekannt. Nicht nur im Bezirk Bergedorf, sondern auch in Harburg prüft der Energiekonzern derzeit die Förderung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten. Das geht aus Unterlagen hervor, die der „Welt“ vorliegen.

Beim sogenannten „Hydraulic Fracturing“ wird eine giftige Flüssigkeit in den Boden gepresst, um feine Risse im Gestein zu erzeugen. Die Methode ermöglicht die Förderung großer, bisher nicht erreichbarer Gas- oder Ölreserven. Kritiker aber warnen vor einer Verseuchung des Grundwassers und vor unkalkulierbaren Bodenbewegungen.

Der Senat schweigt zum Antrag

Dass Exxon auf Bergedorfer Gebiet eine sogenannte Aufsuchungsgenehmigung bekommen hat, hatte die „Welt“ bereits vor Weihnachten berichtet. Nun aber räumt der Senat in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator ein: „Die Erlaubnis überdeckt im Wesentlichen den südöstlichen Teil Vierlande, reicht nach Westen auch in den Bezirk Harburg hinein und erstreckt sich über eine Fläche von 150.584.100 Quadratmeter.“

Auf die Frage, was Exxon konkret beantragt habe, schweigt sich der Senat aus. „Die Antragsunterlagen werden vom Unternehmen weitgehend als vertraulich und als Betriebsgeheimnis deklariert und stehen zur Veröffentlichung deshalb nicht zur Verfügung“, so die Antwort.

Bloggerin kommt an Antragsunterlagen

Der Bloggerin Carin Schomann aus Vierlande (www.vierlaender.de) ist es dagegen gelungen, mit Anfragen über das neue Transparenzgesetz zumindest an Teile der Antragsunterlagen zu kommen. Allerdings hat Exxon in einem Brief vom 25. Januar 2013, der auch der „Welt“ vorliegt, darauf bestanden, weite Strecken seines Antrags auf die „bergrechtliche Erlaubnis Vierlande“ vor der Veröffentlichung zu schwärzen.

Begründet wird dies mit Betriebsgeheimnissen. In der Folge hat die zuständige Wirtschaftsbehörde das gesamte, auf drei Jahre angelegte „Explorationsprogramm“ für die Vierlande unkenntlich gemacht. Es könne nicht sein, „dass die Beamten, deren Gehälter wir alle zahlen, uns Bürgern die uns zustehenden Informationen vorenthalten“, kommentiert Schomann das Vorgehen.

„Vorbereitung einer Explorationsbohrung“

Ähnlich sieht es die Politik. „Die kritiklose Übernahme von Schwärzungen durch die Behörde ist problematisch“, sagt der Bergedorfer Bürgerschaftsabgeordnete Gladiator. „Dass ich auf meine Anfrage noch weniger Informationen bekomme, ist ein Unding.“ Der Senat komme seiner Informationspflicht nicht nach, so Gladiator.

Die Wirtschaftsbehörde verweist zwar darauf, dass mit der jetzt erteilten Genehmigung noch keine Bohrungen und also auch kein Fracking verbunden seien. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) aber teilte mit: „Nach der Identifikation von Arealen mit hohem Kohlenwasserstoff-Potenzial (…) soll je nach Ergebnislage am Ende die Planung und Vorbereitung einer Explorationsbohrung stehen.“

Exxon-Vorhaben betrifft Wasserschutzgebiet

Die BSU hatte sich bereits im August klar gegen das Exxon-Vorhaben gestellt – und wollte sogar die nun genehmigte Prüfung der Vorkommen verhindern. „Der Aufsuchungsantrag betrifft (…) ökologisch sensible Naturschutzgebiete“, heißt es in einer Stellungnahme.

Zudem bestehe „die Besorgnis, dass bei zukünftigen Explorationstätigkeiten (…) der Schutz der für die Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasservorkommen nicht dauerhaft gewährleistet werden kann“. Dieses Risiko wird in den Vierlanden als besonders problematisch angesehen, da es sich hier um ein Wasserschutzgebiet handelt.

Prüfungsphase bis Ende 2015

ExxonMobil-Sprecherin Ritva Westendorf-Lahouse hatte hingegen kürzlich betont, dass während der Prüfungsphase bis Ende 2015 keine Bohrungen und damit auch keine Fracking-Maßnahmen geplant seien. Für die Zukunft ausschließen wollte sie diese aber nicht. Die Methode sei bereits „seit 50 Jahren ohne einen Umweltschaden in Deutschland zum Einsatz gekommen“, so die Sprecherin.

SPD-Umweltpolitikerin Monika Schaal dagegen sagte, sie habe „erhebliche Bedenken“. Bisher könne niemand Gefahren für Grundwasser und die Gesundheit der Menschen ausschließen. Auch die Grünen lehnen das Verfahren ab. Allein die FDP vertritt auf Landesebene eine differenzierte Position.

Bezirkspolitik ist skeptisch

Zwar sei der Schutz des Grundwassers elementar, betont ihr Umweltpolitiker Kurt Duwe. Zugleich aber wies er darauf hin, dass eine Energieförderung vor der eigenen Tür umweltverträglicher sei als der Import etwa aus Russland. Die Bergedorfer FDP lehnt die Gasförderung mittels Fracking dagegen ab.

Neben der Skepsis in der Bezirkspolitik, formiert sich nun offenbar auch Widerstand unter den Bergedorfer Bürgern. Am Mittwoch kommender Woche treffen sich „Aktive und Interessierte“ um 19 Uhr unter dem Motto „Kein Fracking in den Vier- und Marschlanden“ im Gasthaus Zum Elbdeich. Einen Tag später gibt es im Zollenspieker Fährhaus eine Diskussionsveranstaltung zu Fracking.

http://www.welt.de/regionales/hamburg/article113653202/Gasfoerderung-gefaehrdet-Trinkwasser-in-Hamburg.html

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13.02.2013

Fracking: Bundesregierung will gefährliche Technik im Schnell-Verfahren beschließen

Fracking gilt in den USA als neues Wundermittel zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl. Doch die Risiken für Umwelt und Gesundheit sind massiv. Nun will die Bundesregierung noch vor den Wahlen einen Gesetzesentwurf durchs Parlament peitschen. Man möchte scheinbar noch schnell Fakten schaffen, bevor in der Öffentlichkeit die Debatte über die gefährlichen Nebenwirkungen des Fracking beginnen kann.

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Fracking[1] gilt als neues Wundermittel zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl. In den USA findet derzeit bereits ein Boom der Fracking-Industrie statt, die die USA nicht nur langfristig die Unabhängigkeit von Erdgas- und Erdölimporten sichern soll, sondern die USA könnten so zu einem der großen Exporteure weltweit werden.[2] Nun springt auch die schwarz-gelbe Bundesregierung auf den vermeintlichen Trend auf und will noch vor den Wahlen im Herbst einen Gesetzesentwurf durchs Parlament bringen.[3] Offenbar möchte man schnell unumkehrbare Fakten schaffen, bevor in der Öffentlichkeit eine Debatte für das Für- und Wider von Fracking beginnt.

Gefahr nachhaltiger Umweltschäden durch Fracking

Offenbar möchte man die in den USA bereits hitzig geführte Debatte über die nachhaltigen Umweltschäden durch Fracking nicht auf Deutschland überschwappen lassen. Man könnte bereits jetzt den Zeitpunkt dafür verpasst haben. Auf Arte lief Ende Januar ein Dokumentarfilm über Fracking in den USA und Polen und die dabei bereits jetzt dort erkennbaren Umweltschäden.[4] Hinzu kommt, dass auf der Berlinale im Wettbewerb ein Film von Gus Van Sant mit dem Hauptdarsteller Matt Damon mit dem Titel „Promised Land“ läuft, der sich mit dem Thema Fracking und die Methoden der Öl- und Gasindustrie in den USA kritisch auseinandersetzt.[5]

Statt der Wunderwaffe gegen steigende Rohöl und Erdgaspreise wird dort eine ganz andere Rechnung aufgemacht. Langfristig drohen durch Fracking giftige Chemikalien, die beim Fracking einsetzt werden müssen, das Grundwasser zu verseuchen.[6] Bisher war die offizielle Haltung auch der Bundesregierung daher, Fracking in Deutschland nicht zuzulassen. Insbesondere bevor nicht eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung in Deutschland erfolgt ist, sollte auf Fracking-Lizenzen in Deutschland verzichtet werden. Damit erreicht Deutschland die Debatte über Fracking aus den USA schneller als man wohl erwartet hatte.[7]

Noch vor zwei Wochen berichtete der Spiegel, dass es keine Absicht gebe, noch in dieser Legislaturperiode einen Gesetzesentwurf einzubringen.[8] Was hat denn nun innerhalb dieser kurzen Zeitspanne den Sinneswandel der beiden herbeigeführt?

Kurzfristige Profitinteressen der Industrie und die von der Lobby gesteuerte Politik auch in Deutschland versuchen nun, schnell einen Rechtsrahmen zu implementieren, der ein Moratorium für Fracking aufgrund hoher Schadensersatzforderung der Industrie an die Bundesregierung unumkehrbar machen soll.

Wie bei der Kernenergie, die seit  über vierzig Jahren keine tragfähige für Endlagerung[9] von radioaktiven Stoffen weltweit entwickeln konnte, wird nun versucht, die langfristigen ökologischen Folgen des Frackings herunterzuspielen. Man hat damals auch eine Betriebsgenehmigung für AKWs und den damit entstehenden radioaktiven Müll erteilt, ohne über eine tragfähige Lösung für die Endlagerung zu verfügen. Die Folgen voreilig als sichere Endlager klassifizierter Salzbergwerke wie in Asse[10] kosten jetzt bereits und in der Zukunft den deutschen Steuerzahler Milliarden Euro. So könnte es auch beim Fracking kommen. Der giftige Chemikalien-Cocktail, der bei Fracking eingesetzt wird, kann auch erst nach bis zu fünfzig Jahren zurück in die oberen Schichten diffundieren und damit irreparable Schäden am Grundwasser anrichten. Hier gilt wieder einmal das Prinzip „l’aprés moi le deluge“.[11] Sollen doch die nachfolgenden Generationen mit diesen Konsequenzen fertig werden. So sieht die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und der Industrievertreter aus.

Fracking-Bubble: Übersteigerte Erwartungen

Wie bei jeder Spekulationsblase wird durch übersteigerte Erwartungen über die Ertragschancen und erschließbaren Vorkommen die Öffentlichkeit fehlinformiert. [12] Die goldenen Zeiten, die von der Fracking-Mafia der Öffentlichkeit vorgegaukelt werden, könnte wie zuvor die New Economy Blase[13] oder die durch Finanzderivate beim Immobilienmarkt insbesondere der Subprime Mortgage Krise in den USA[14] nach einem Investitionsboom in einem Katzenjammer enden. Weil man wenig über die derzeit vermuteten Lagerstätten und ihre Erschließungskosten sowie die nachhaltigen Umweltproblem weiß, wird eben alles schöngerechnet. Behauptung können ja kaum fundiert widerlegt werden. Es finden sich genug „Experten“, die leichtfertig Gutachten erstellen, die die Industrieinteressen stützen. Den Kritikern wird stattdessen mit kritischen Expertisen zu deren Analysen im Auftrag der Industrie die wissenschaftliche Reputation untergraben. Es geht auch hier erneut um die Lufthoheit, wer wissenschaftlich die Oberhand behält und damit Öffentlichkeit für sich gewinnen kann.

Das Ganze könnte sich jedoch für die Bundesregierung als Rohrkrepierer erweisen. Es wäre – sollte das Gesetz zustimmungspflichtig sein – eine Steilvorlage für den kommenden Bundestagswahlkampf insbesondere der Grünen. Wie bereits bei der Verlängerung der Laufzeit für AKWs durch die jetzige Bundesregierung, die sie zu ihrer vielbeschworenen Energiewende aufgrund des Desasters in Fukushima[15] zwang, häufen sich derzeit Meldungen über massive Schäden beim Fracking in den USA oder auch in Polen. Der öffentliche Widerstand wächst. Die allzu optimistischen Prognosen über Fracking-Vorkommen müssen bereits gekappt und die Kostenschätzungen nach oben korrigiert werden. Wie bei Stuttgart 21 haben inzwischen Lügen kürzere Beine als bisher.[16] Die Realität stellt sich schneller im Internet-Zeitalter als bisher ein. Hoffen wir das Beste lieber Leser, das hier Umsicht und Vernunft am Ende siegen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/13/fracking-der-neue-rohrkrepierer-der-bundesregierung/

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06.02.2013

Bundesregierung plant Zulassung für Fracking

Das hoch umstrittene Fracking, bei dem Schiefergas aus dem Boden gewonnen wird, steht vor einer Zulassung in Deutschland. Zuvor sollen allerdings die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht werden.

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Die Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten soll in Deutschland bald einheitlich geregelt sein und nur nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung erlaubt werden. Fachpolitiker der schwarz-gelben Koalition wollen entsprechende Vorgaben für eine Ausweitung des sogenannten Frackings machen.

Das geht aus einem gemeinsamen Papier der Vorsitzenden der Arbeitskreise Umwelt und Wirtschaft der Unions- und FDP-Fraktion hervor, über das die Zeitungsgruppe „Straubinger Tagblatt“/“Landshuter Zeitung“ unter Berufung auf ein Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) berichtet.

Es sei „klarzustellen, dass in Wasserschutzgebieten Erkundungs- und Gewinnungsmaßnahmen von Erdgas aus Schiefergas mittels Fracking ausgeschlossen sind“, heißt es darin. Heil- und Mineralquellen müssten geschützt werden. Ziel sei „eine gefahrlose Förderung von Schiefergas“.

Energiepreise in den USA gesunken

Vor einer Woche hatte bereits die FDP-Fraktion gefordert, unter Auflagen den Weg frei zu machen für eine Ausweitung des Frackings. Der Bundesrat hatte den Bund aufgefordert, den Einsatz umweltgefährdender Substanzen abzulehnen, bis die Risiken restlos geklärt sind.

Beim Fracking wird mit Chemikalien und Sand versetztes Wasser unter hohem Druck in die Erde gepresst, damit das Gas entweichen kann. In den USA hat diese Fördermethode die Energiepreise purzeln lassen.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article113406810/Bundesregierung-plant-Zulassung-fuer-Fracking.html

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02.02.2013

Die Macht auf der Erde könnte neu verteilt werden

Es wäre ein fundamentaler Umbruch, wenn die energiehungrigen Industriestaaten sich dank der Technik des Fracking plötzlich autark versorgen könnten. Eine geostrategische Zeitenwende wäre die Folge.

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Stellen wir uns eine reformierte Opec vor in, sagen wir, zehn oder 20 Jahren. Der Präsident kommt nicht mehr aus dem Iran, und der Generalsekretär ist kein Libyer. Die neue Organisation der Erdöl (und nun auch Erdgas) exportierenden Staaten hat ihren Sitz von Wien ins australische Canberra verlegt.

Der Generalsekretär wird einige Jahre von den USA gestellt und dann von China, der Präsident kommt aus Kanada. Diskutiert wird aktuell, ob der Irak austreten muss, weil er vom Öl-Exporteur zum Importeur wurde. Was wie Political Fiction klingt, hat eine reale Basis. „Fracking“ heißt der magische Begriff, es handelt sich um ein Kürzel für „hydraulische Frakturierung“, und die hat das Potenzial, Realitäten der Gegenwart gründlich umzukehren.

Wenn der Prozess der Förderung von Erdöl und Erdgas durch das Einpressen von Flüssigkeiten in tiefe Gesteinsschichten fortgesetzt wird, könnten die bislang Import-gefräßigen USA dank ihrer Schiefervorräte in Texas, Louisiana, North Dakota, Pennsylvania und New York bis 2020 der weltgrößte Energieexporteur werden. Kanada, China und Australien wären weitere Energiegiganten des 21. Jahrhunderts.

Russlands Dominanz wankt

Die Folgen? Russlands Dominanz über Osteuropa wankt, wenn die dortigen Staaten ihre Energie aus Nordamerika beziehen könnten – zumal auch Polen über beachtliche Vorräte verfügt. Vor allem aber den Ölpotentaten im Nahen Osten droht der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Israel hingegen sitzt auf Schiefervorkommen, die dem Ölvorrat der Saudi-Araber nahezu entsprechen.

Nie gibt es Fortschritt ohne Gefahren, auch jenseits des Umweltschutzes. Ein nachlassendes US-Engagement im Nahen Osten kann trotz der israelischen Reserven destabilisierend wirken, und der Rückzug der Chinesen etwa aus Ölinvestitionen im Südsudan würde ebenfalls Machtverhältnisse wenden. Man mag sich darüber freuen, wenn das bisherige De-facto-Monopol undemokratisch regierter Ölstaaten beendet wird. Aber deren Verarmung, die religiösen Extremisten neuen Zulauf bescheren könnte, möchte man sich auch nicht wünschen.

Letztlich geht es nicht darum, wie wir uns die Welt wünschen, sondern wohin sie sich entwickelt. Deshalb ist die Politik gefordert, die Chancen der künftigen Wirklichkeit zu nutzen, anstatt dem bröckelnden Status quo zu vertrauen.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article113330181/Die-Macht-auf-der-Erde-koennte-neu-verteilt-werden.html

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03.01.2013

Fracking: Behörden streiten über neue Gasfördertechnik

Zwei Gutachten, zwei Ergebnisse: Während das Umweltbundesamt die Fracking-Technologie kritisch sehen, sagen Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften: „Ein umweltverträglicher Einsatz der Technologie möglich“.

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Die ablehnende Haltung der Bundesregierung gegenüber der Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen mit der umstrittenen Fracking-Technologie fußt auf fehlerhaften Annahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine bislang unveröffentlichte Stellungnahme der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt. Nach Einschätzung der Experten ist „grundsätzlich ein umweltverträglicher Einsatz der Technologie möglich“.

Das Papier ist politisch brisant – und wird deshalb von der Bundesregierung unter Verschluss gehalten. Es wurde im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums angefertigt, um ein Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) zu bewerten, das wiederum vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben worden war. Die UBA-Gutachter warnen vor dem Einsatz der Fracking-Technologie, weil dadurch das Grundwasser verunreinigt werden könnte.

Beim Fracking wird mit Chemikalien versetztes Wasser unter hohem Druck in die Tiefe gepumpt, um dort gashaltige Gesteinsschichten aufzubrechen. So wird bislang nicht förderbares Gas freigesetzt und kann anschließend an die Erdoberfläche gebracht werden. Dabei geht es um beachtliche Mengen: Die Gasvorräte, die man mit Fracking in Deutschland erschließen könnte, würden ausreichen, um den Gasbedarf hierzulande für 13 Jahre komplett zu decken.

Die Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe werfen ihren Kollegen beim Umweltbundesamt vor, wissenschaftlich ungenau zu arbeiten und Tatsachen zu ignorieren. Durchaus süffisant merken die Verfasser der Stellungnahme an, in dem UBA-Gutachten werde irrtümlich Grundwasser mit Trinkwasser gleichgesetzt.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/fracking-behoerden-streiten-ueber-neue-gasfoerdertechnik/7580814.html

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09.11.2011

Fracking Insiders Admit To Employing Military ‚Psychological Operations‘ On American Citizens

Fracking is a contentious business. The process of injecting chemicals at high-pressure into the earth to pull out gas and oil has prompted as many reports condemning it as there are declaring it safe.

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Homeowners concerned for the safety of their well water, and environmentalists, who believe the drilling even caused the Oklahoma earthquake, have formed movements against the practice, and it was these efforts that came up for discussion at last week’s oil industry conference in Houston.

Filled with industry insiders all facing the same challenges and concerns, speakers lectured openly on how they handled the American public in communities where they drilled.

There, recording it all, was environmental activist Sharon Wilson, director of the Oil & Gas Accountability Project.

In the following recording, given to CNBC, one presenter tells the crowd to download a copy of the Army’s counterinsurgency manual. „Because,“ he said, the movement opposing the industry is an „insurgency.“

In this next recording (also given to CNBC) the speaker tells listeners that his organization maintains several military veterans who served as psychological warfare specialists. These former „psy ops“ soldiers, he explains, are using their skills in Pennsylvania.

Wilson paid full price for attendance to the conference and wore a nametag identifying herself and her organization.

In his forum called “Designing a Media Relations Strategy To Overcome Concerns Surrounding Hydraulic Fracturing,”  Range Resources communications director Matt Pitzarella explains how to „overcome stakeholder concerns“ surrounding fracking.

We have several former psy ops folks that work for us at Range because they’re very comfortable in dealing with localized issues and local governments,” Pitzarella said. “Really all they do is spend most of their time helping folks develop local ordinances and things like that. But very much having that understanding of psy ops in the Army and in the Middle East has applied very helpfully here for us in Pennsylvania.”

It was during Anadarko Petroleum’s manager of external affairs, Matt Carmichael’s, session on “Understanding How Unconventional Oil & Gas Operators are Developing a Comprehensive Media Relations Strategy to Engage Stakeholders and Educate the Public“ that he suggested his colleagues:

Download the U.S. Army-slash-Marine Corps Counterinsurgency Manual, because we are dealing with an insurgency,” Carmichael said. “There’s a lot of good lessons in there and coming from a military background, I found the insight in that extremely remarkable.”

To be clear on exactly what Carmichael meant when he said they’re „dealing with an insurgency“ we obtained a copy of the FM 3-24 — the final edition of the 2006 Counterinsurgency manual provided to psy ops soldiers. We substituted the word government with corporation.

“ … insurgency has been a common approach used by the weak to combat the strong. At the beginning of a conflict, insurgents have the strategic initiative … the insurgents generally initiate the war. They may strive to disguise their intentions, and the potential counter-insurgent will be at a great disadvantage until [corporate] leaders recognize that an insurgency exists and are able to determine its makeup and characteristics to facilitate a coordinated reaction.

While the [corporation] prepares to respond, the insurgent is gaining strength and creating increasing disruptions throughout the state. The existing [corporation] normally has an initial advantage in resources, but that edge is counterbalanced by the requirement to maintain order. The insurgent succeeds by sowing chaos and disorder anywhere; the [corporation] fails unless it maintains order everywhere.

Check out FM 3-24 below, section 1-1 provides the overview of an „insurgency.“ It provides an interesting insight into how corporations impacting the daily lives of US citizens conduct policy.

http://www.businessinsider.com/the-fracking-industry-admits-to-employing-military-psychologial-operations-on-american-citizens-2011-11#ixzz2tsfN4vVU

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