Niedriger EZB-Leitzins zerstört deutsche Vermögen – eine Chronik

1.08.2016

Schäuble verdient mit Schulden 1,5 Milliarden Euro

Davon können Normalbürger nur träumen: Mit Schulden Geld verdienen. Die Bundesregierung hat genau das einem Zeitungsbericht zufolge in der ersten Jahreshälfte wegen der Negativzinsen geschafft.

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Insgesamt habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) 1,5 Milliarden Euro an Zinsen von den Geldgebern für neu ausgegebene Staatsanleihen erhalten, berichtete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Finanzministeriums. Die Zinsausgaben des Bundes verringerten sich demnach in den ersten sechs Monaten um 27,3 Prozent. Das entspreche einem Rückgang von 9,7 Milliarden Euro auf sieben Milliarden Euro, hieß es.

Derzeit liegen die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren im Minusbereich. Zuletzt hat Deutschland erstmals eine zehnjährige Staatsanleihe mit einem negativen Zins auf den Markt gebracht, Anleihen mit kürzerer Laufzeit kann der Bund bereits seit längerem zu Geld machen. Hinter der jüngsten Entwicklung steckt die Europäische Zentralbank (EZB), die in großem Stil Staatsanleihen am Markt aufkauft und so die Zinsen drückt.

http://www.rp-online.de/wirtschaft/negativzinsen-wolfgang-schaeuble-verdient-mit-schulden-15-milliarden-euro-aid-1.6154492

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02.12.2015

Banken-Chef: EZB enteignet Sparer in ganz Europa

Die EZB sorgt für eine Enteignung aller Sparer in Europa, so der österreichische Banken-Chef Andreas Treichl. Nicht einmal gutverdienende Personen können ein kleines Vermögen aufbauen. Derzeit müsse man reich sein, um noch reicher zu werden, so der Bankchef.

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Der Chef der österreichischen Erste-Bank Andreas Treichel kritisiert die Niedrigzins-Politik der EZB deutlich: „Die Niedrigzinsphase ist eine Enteignung für Sparer in ganz Europa“, zitiert Die Presse Treichl.

Zudem sei es „extrem problematisch“, dass nicht einmal gutverdienende Personen ein kleines Vermögen aufbauen können. Die EZB würde Staaten mit mäßiger Bonität helfen, „meinem Geschäft und meinen Kunden schadet aber die EZB.“ Derzeit müsse man reich sein, um noch reicher zu werden, so der Bankchef.

Die EZB führt ihre großangelegten Anleihen-Käufe weiter fort. Die EZB nahm in der Woche bis zum 27. November Staatsanleihen der Euro-Länder im Ausmaß von 13,75 Milliarden Euro vor, wie die EZB am Montag in Frankfurt mitteilte. In der Vorwoche waren es noch 12,57 Milliarden Euro.

Seit Beginn der Käufe im März erwarben die EZB und die nationalen Zentralbanken damit insgesamt Staatsbonds im Volumen von 445,45 Milliarden Euro. Das Programm soll bis September 2016 laufen und dann – Pfandbriefe und Hypothekenpapiere eingeschlossen – eine Größenordnung von 1,14 Billionen Euro erreichen. Um Weihnachten herum wollen sie die Käufe zeitweise aussetzen.

Die EZB will mit den Bond-Käufen Banken dazu bewegen, mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Das würde die Konjunkturentwicklung beflügeln und so die zuletzt hartnäckig niedrige Teuerung im Euro-Raum nach oben treiben. Bei der Inflation blieben die Effekte bislang aber gering. EZB-Chef Mario Draghi hat daher seine Bereitschaft bekräftigt, auf der Ratssitzung am kommenden Donnerstag die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. An den Finanzmärkten wird inzwischen fest mit einem solchen Schritt gerechnet.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/02/banken-chef-ezb-enteignet-sparer-in-ganz-europa/

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19.05.2015

Geld wird zur Waffe: Die Rentner als Kollateral-Schaden der EZB-Politik

Mit dem Einstieg ins hemmungslose Gelddrucken wurde die EZB zu einem Teil der Umverteilungs-Maschine, die die Sparer geschädigt und die Reichen zu Gewinnern der Krise gemacht hat. Nun räumt Mario Draghi genau diesen Mechanismus erstmals öffentlich ein. Betroffen sind die Rentner, weil die Inflation auf die Produkte des alltäglichen Bedarfs viel höher ist als die offizielle Durchschnitts-Inflation.

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Immer wieder weisen viele Kritiker auf die sozialen Konsequenzen der von der EZB betriebenen Niedrigstzinspolitik hin: Verlust an Ersparnissen bei darauf angewiesenen Menschen, vor allem künftigen Rentnern einerseits, und enorme spekulative Gewinne bei wohlhabenden Anlegern auf den Aktienmärkten andererseits, die im Zeichen der von der EZB über die Zentralbanken ausgeschütteten Billionen-Euro-Liquidität boomen.

Nun kommt EZB-Präsident Mario Draghi daher und warnt vor den sozialen Konsequenzen dieser Politik, als hätte er nichts damit zu tun. Und er fordert auch noch die Regierungen der Eurozone dazu auf, die Konsequenzen zu beseitigen, als könnten sie nun den Sparern finanziellen Ausgleich leisten und die von der EZB-Politik Bereicherten höher besteuern, was sie natürlich nie tun werden. In welcher seltsamen Welt leben wir da eigentlich?

Man muss sich Auszüge aus der Rede, die Draghi am 14. Mai vor dem IWF gehalten hat, fast Wort für Wort vornehmen, um diese „verkehrte Welt“ zu begreifen (hier in gekürzter Fassung):

Unsere politischen Entscheidungen sind auf zweierlei Weise komplexer geworden. Erstens mussten wir neue Instrumente entwickeln, nachdem die Zinsraten ihre effektive untere Grenze erreicht hatten. Zweitens, da diese neuen Instrumente andere Konsequenzen als die normale Geldpolitik haben, besonders hinsichtlich der Verteilung von Vermögen und der Zuführung von Mitteln, ist es wichtiger geworden, diese Konsequenzen zu identifizieren, zu beurteilen und, wo nötig, abzumildern.“

Das „abzumildern“ ist eine kaum verschleierte Aufforderung an die Regierungen, die Verantwortung zu übernehmen. Später in der Rede folgt ein langes Kapitel unter der bezeichnenden Überschrift „Kollaterale Folgen der Geldpolitik“. Das erinnert schon deshalb an die unvermeidbaren kollateralen Folgen eines Krieges für die Zivilbevölkerung, mit der sich die Militärs die Hände reinwaschen. Nichts anderes tut nun Draghi:

Eine längere Periode von unterstützender Geldpolitik kann jedoch mit Nebeneffekten kommen. Dass unsere Politik sich bisher als wirksam erwiesen hat, sollte uns dafür nicht blind machen. Doch wir müssen diese kollateralen Auswirkungen managen und – soweit möglich – minimieren. Wo das nicht möglich ist, haben wir die Pflicht, die Aufmerksamkeit dafür zu erhöhen, so dass die minimierende oder korrektive Aktion von anderen relevanten Autoritäten getroffen werden kann.“

Eine andere Sorge, die den Fall der Zinsraten und die Einführung der unkonventionellen Maßnahmen begleitet hat, betrifft die Folgen der Geldpolitik für die Einkommensverteilung. Insbesondere gibt es Sorgen, dass sehr niedrige Zinsraten über längere Zeiträume die Sparer zum Vorteil der Schuldner bestrafen könnten oder dass steigende Preise für Finanzanlagen als Folge unserer Wertpapieraufkäufe (meint: die Aufkäufe der EZB) den Reichen unverhältnismäßig nützen und damit die Ungleichheit erhöhen könnten. Es ist wahr, dass unsere niedrigen Zinsraten und Aufkäufe von Finanzpapieren den derzeitigen Marktwert steigern und damit den Anlegern in solche Papiere nützen. Wir müssen uns bewusst sein, dass zu lange Perioden sehr niedriger Zinsraten unerwünschte Folgen im Zusammenhang mit alternden Gesellschaften haben können, wo viele Haushalte sparen, um den Verbrauch über ihre Lebenszeit einzuschränken. Für Rentner und diejenigen, die für ihre Rentenzeit sparen, können niedrige Zinsraten kein Anreiz sein, den Verbrauch vorzuziehen. Sie können im Gegenteil ein Anreiz sein, noch mehr zu sparen, um den langsameren Aufbau ihrer Pensionsanlagen zu kompensieren.“

Es ist aber auch im Interesse der Langzeitsparer, dass (über niedrige Zinsen) die Wirtschaftsleistung ohne Verzögerung zu ihrem vollen Potenzial erhöht wird. Denn die Finanzanlagen der Sparer sind immer ein Anspruch auf den Reichtum, den der produktive Teil der Wirtschaft erzeugt.“

Die in der Eurozone politisch Handelnden sind unabhängig voneinander. Aber die Effekte ihrer Politiken hängen voneinander ab. Deswegen wird am Ende nur eine Kombination von Politiken, die komplementär und gegenseitig konsistent sind, unserer Politik erlauben, ihre vollen Effekte zu ernten und eine dauerhafte Rückkehr von Wohlstand und Stabilität für die gesamte Eurozone bringen.“

So spricht der Mann, der über ein Spitzeneinkommen bei Goldman Sachs und später als Chef der Banca d‘Italia selbst enorm reich geworden ist, der jetzt mit 368.000 Euro Jahresgehalt weit mehr als die deutsche Bundeskanzlerin verdient und der in den Worten eines Bundesbankers am Donnerstagabend ins Wochenende nach Italien verschwindet und erst am Dienstagmorgen nach Frankfurt zurückkommt. Zu sparen braucht er selbst sicher nicht.

Hier noch einige Fakten zur Politik der EZB. Seit nun 6 Jahren hält die EZB den Zentralbankzins im real negativen Bereich (Abb. 16317). Der deutsche Spareckzins folgte dem auf dem Fuße (Abb. 18816). Mit zahlreichen markigen Drohungen mit der Absicht, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, hat die EZB den Zins auf Staatsanleihen ebenfalls in den Keller geprügelt. Der Zins auf Bundesanleihen, in denen vor allem deutsche Sparer und Altersversicherungen die Ersparnisse anlegen, fiel in vier Jahren von fast 3,5 % auf nur noch knapp 0,7 %, was etwa der Inflationsrate entspricht und also real keinen Ertrag mehr bringt (Abb. 18757). Die EZB trieb dabei auch die Zinsen auf Ramsch-Anleihen in den Keller (Abb. 18754), in deren hohes Risiko immer mehr der besser betuchten Anleger ausgewichen sind. Insgesamt sind die Finanzmärkte durch den Eingriff der EZB sehr viel unsicherer geworden.

Durch die Politik der EZB hat Deutschland nach Berechnungen der Allianz pro Kopf bis Ende vergangenen Jahres bereits etwa 280 Euro an Zinsen verloren, Spanien dagegen 1.149 Euro und Italien 655 Euro gewonnen (Abb. 18497). Bezogen auf den einzelnen Sparer in Deutschland ist der Betrag natürlich wesentlich höher, denn er ist das Netto nach Abzug der Gewinne für die Schuldner in Deutschland.

Unter dem Eindruck des Schocks der weltweiten Kreditkrise, wurde so auch die EZB zu einem Teil der Umverteilungsmaschine, die die Sparer schädigt und die besser Betuchten zu Krisengewinnlern gemacht hat. So bezogen 2012 rund zwei Drittel der Rentnerinnen aus der deutschen Sozialversicherung eine Altersrente von weniger als 600 Euro/Monat (Abb. 17864). Was sagt dann eigentlich Draghi einer Rentnerin, die sich zur Aufbesserung ihres Alterseinkommens und in Angst vor Altersarmut in langen Jahren 40.000 Euro auf dem Sparbuch der Sparkasse mühsam zusammengespart hat und damit ein monatliches Zinseinkommen von real etwa 70 Euro/Monat zur Aufbesserung der knappen Rente erwarten konnte, die aber jetzt bei einem Sparerzinssatz von gerade einmal 0,05 % und einer Inflationsrate von 1,3 % für Nahrungsmittel, 2,3 % für Gesundheitspflege, 2,5 % für Verkehrsdienstleistungen und 1,3 % für die Miete von Monat zu Monat an ihrem Ersparten verliert?

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/19/geld-wird-zur-waffe-die-rentner-als-kollateral-schaden-der-ezb-politik/

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09.04.2015

Die große Umverteilung: EZB erleichtert deutsche Sparer um 190 Milliarden Euro

Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank hat die deutschen Sparer bisher 190 Milliarden Euro gekostet. Das ist der Preis, damit Bundesfinanzminister Schäuble verhindern kann, dass der Schulden-Haushalt aus dem Ruder läuft. Die DZ Bank erwartet, dass den Sparern in den kommenden Jahren noch höhere Verluste bevorstehen.

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Die Null-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kostet deutsche Privathaushalte laut einer Studie Milliarden. Der deutsche Staat kann sich hingegen über kräftige Einsparungen freuen. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank sind deutschen Sparern in den vergangenen fünf Jahren Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen. Der Einbruch dieser Einkünfte bei der Geldanlage zähle damit zu den gravierendsten Folgen der immer weiter sinkenden Zinsen, erklärte DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.

Diese Entwicklung hat die Sparer vor allem in den Jahren 2011 bis 2013 für Sparer besonders getroffen. Denn seinerzeit fiel der durchschnittliche Nominalzins aller verzinslichen Vermögensbestandteile der Bürger unter die Inflationsrate: «Für letztes Jahr lässt sich lediglich dank einer extrem niedrigen Inflationsrate ein leicht positiver Realzins errechnen», schreiben die Experten.

Um das angestrebte Niveau bei der Vermögensbildung halten zu können, müssen die privaten Haushalte einen immer größeren Teil ihres Einkommens auf die hohe Kante legen, sagt DZ-Bank-Experte Michael Stappel laut dpa. Die Ökonomen erwarten, dass sich die Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzten oder sogar noch verstärken wird: «Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto stärker schlägt das auf die Durchschnittsverzinsung des Geldvermögens durch.»

Netto-Schuldner, allen voran der Staat, aber auch Unternehmen und Privatleute, profitieren dagegen von den Mini-Zinsen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat ausgerechnet, dass der deutsche Finanzminister bis ins Jahr 2030 auf Zinseinsparungen von 160 Milliarden Euro zählen kann.

Allein 2015 wird der Bund demnach im Vergleich zu langjährigen Durchschnitts-Zinssätzen weitere 20 Milliarden Euro an Kreditzinsen sparen. Zum Teil verdient der Staat sogar Geld mit der Schuldenaufnahme, weil Anleger mittlerweile bereit sind, eine Gebühr in Form von Negativzinsen zu zahlen.

IfW-Experte Jens Boysen-Hogrefe rechnet mit einem Anstieg des Zinsniveaus erst ab etwa 2017. «Dabei ist es wahrscheinlich, dass gerade dann die Zinslast deutlich steigen wird, wenn zeitgleich die Demografie die öffentlichen Haushalte stark belasten dürfte.» Die aktuell sehr gute Lage dürfe daher nicht darüber hinweg täuschen, dass mittel- bis langfristig spürbare Haushaltsrisiken bestünden.

Den Zinsverlusten stünden zwar auch Einsparungen infolge geringerer Kreditzinsen im Wert von 78 Milliarden Euro gegenüber. So können nicht nur Immobilien so günstig finanziert werden wie nie. Unter dem Strich bleibe aber ein erheblicher Verlust – von durchschnittlich 1366 Euro pro Bundesbürger.

Außerdem sind die Aktienkurse in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Das Problem: Nur wenige der traditionell eher vorsichtigen deutschen Anleger profitieren davon, wie Bielmeier betont. «Lediglich rund zehn Prozent des gesamten privaten Geldvermögens besteht hierzulande aus Aktien.» Das sei nicht einmal die Hälfte des Anteils, den private Haushalte in anderen europäischen Ländern halten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/09/die-grosse-umverteilung-ezb-erleichtert-deutsche-sparer-um-190-milliarden-euro/

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27.02.2015

Sparkassen drohen wegen Niedrigzins „schwierige Jahre“

Die Bundesbank drängt die Sparkassen, sich frühzeitig für eine lange Durststrecke zu rüsten. Grund dafür sind vor allem die Niedrigzinsen. Eine auf das Sparkonto ausgerichtete Sparkultur stoße in einer Phase niedriger Zinsen früher oder später an ihre Grenzen.

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Die Bundesbank drängt die Sparkassen, sich frühzeitig für eine lange Durststrecke zu rüsten. „Es ist offensichtlich, dass der Zinsüberschuss generell weiter sinken wird“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Donnerstag in Berlin. Die Kapitalausstattung der „allermeisten Sparkassen“ sei zwar komfortabel und ihre Risikotragfähigkeit gut. Einige hätten ihre Geschäftsstrategie allerdings darauf ausgerichtet, dass die Zinsen relativ schnell wieder steigen. Dies sei jedoch eine Illusion.

An dieser Stelle mein Appell: Bitte bedenken Sie nicht nur Ihre aktuelle Situation, die vielen von Ihnen noch auskömmlich vorkommen mag. Es kann keine Strategie sein, auf Dauer aus der Substanz zu leben“, sagte Dombret auf einer Handelsblatt-Konferenz, an der auch Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon teilnahm.

Den Instituten müsse klar sein, dass auch mittelfristig nicht mit einem Anstieg der Zinsen zu rechnen sei. Dies werde „deutliche Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung der Sparkassen hinterlassen“. Eine auf das Sparkonto ausgerichtete Sparkultur stoße in einer Phase niedriger Zinsen früher oder später an ihre Grenzen: „Ich dränge Sie, realistisch die Zinssituation einzuschätzen – ohne Angst, aber eben realistisch.“ Die Sparkassen dürften nicht der Versuchung erliegen, auf der „Jagd nach Rendite“ immer höhere Risiken einzugehen. Dies könne im schlimmsten Fall dazu beitragen, dass sich Preisblasen bildeten. Dombret rät daher, auf die Kostenbremse zu drücken: Mitarbeiter könnten noch effizienter eingesetzt und Sachkosten gedrückt werden. Auch das „relativ große“ Filialnetz einiger Sparkassen müsse hinterfragt werden.

Die Sparkassen stellen sich angesichts niedriger Zinsen bereits auf harte Zeiten ein. „Es stehen uns schwierige Jahre ins Haus“, so Fahrenschon am Donnerstag. Sowohl im Kreditgeschäft als auch mit ihren eigenen Anlagen würden die Institute in den kommenden Jahren weniger verdienen.

Dombret forderte Sparkassen und Landesbanken auf, den Streit über ihr gemeinsames Einlagensicherungssystem beizulegen. „Ich würde mich freuen, wenn die Gruppe zusammenbleiben würde.“ Sparkassen und Landesbanken ringen seit Monaten darum, wie sie ihr Einlagensicherungssystem an neue EU-Richtlinien anpassen. Sie müssen in den kommenden Jahren rund zwei Milliarden Euro nachschießen, um neue EU-Regeln zur Sicherung von Spareinlagen zu erfüllen. Die westfälischen Sparkassen haben mit einem Austritt aus dem Verbund gedroht, falls ihre Forderung nach einer Haftungsbegrenzung nicht erfüllt werde.

Fahrenschon und NordLB -Chef Gunter Dunkel zeigten sich zuversichtlich, dass sich die Institute zeitnah einigen. Viel Zeit dafür bleibt beiden Seiten allerdings nicht mehr, wie Dombret betonte. Bis Juli müssen die Institute die neuen gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Trotz des Haftungsverbunds werden in Ernstfall wohl auch wieder die Steuerzahler bluten, sollte eine große Landesbank in Schieflage geraten, fürchtet Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. „Wenn wirklich Landesbanken in Schwierigkeiten kämen, wären die Sparkassen relativ schnell überfordert.“

Fahrenschon will von solchen Szenarien nichts wissen. Die Lage der Landesbanken habe sich seit der Finanzkrise gebessert, sagte er in Berlin. Auch die Sparkassen hätten ihre Reserven deutlich aufgestockt und seien damit für „absehbar schwierige Zeiten“ gut gerüstet. Im vergangenen Jahr sei das Betriebsergebnis der 416 deutschen Sparkassen „kaum schlechter“ ausgefallen als 2013.

Neben den niedrigen Zinsen kritisierte Fahrenschon auch die gestiegenen Kosten zur Erfüllung neuer Aufsichtsregeln. Die höheren Anforderungen der Regulierer, „die eigentlich für ganz Große erdacht worden sind“, würden schleichend auf kleine und mittlere Institute übertragen. So müssten immer mehr Institute, die nach deutschem Handelsrecht (HGB) bilanzieren, Bilanzen in Anlehnung an den internationalen IFRS-Standard vorlegen.

NordLB-Chef Dunkel, der auch Präsident des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB) ist, bereitet vor allem die Überprüfung der Geschäftsmodelle durch die Europäische Zentralbank (EZB) Sorgen. „Wenn einer auf die Geschäftsmodelle draufschaut, besteht die Gefahr, dass die Modelle immer ähnlicher werden.“ Am Ende könne Gleichmacherei dazu führen, dass sich alle in die gleiche Richtung bewegen. Auch Bundesbank-Vorstand Dombret treibt diese Sorge um. „Wir sehen nicht nur bei Investoren immer mehr ein Herdenverhalten“, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters und dem Handelsblatt. „Bei den Banken selbst und bei anderen Anbietern im Markt gibt es gleichgerichtete Geschäftsmodelle, die Wirkungen verstärken können.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/27/sparkassen-drohen-wegen-niedrigzins-schwierige-jahre/

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02.02.2015

Staat soll das deutsche Sparbuch retten

Die Sparer sind die Dummen, und einer der Gewinner ist der Fiskus“, sagt der Chef der Südwest-Sparkassen – und will das Sparbuch retten. Seine Idee: Der Staat soll kurzerhand fünf Prozent Zinsen zahlen.

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Die Sparkassen fordern vom Staat angesichts der niedrigen Zinsen eine Sparprämie. Die Sparkultur in Deutschland gehe mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) vor die Hunde, klagte der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider, am Montag in Stuttgart. Der Staat profitiere dagegen davon, dass er beim Verkauf mancher Anleihen Zinsen erhalte, statt welche zu bezahlen. „Die Sparer sind die Dummen, und einer der Gewinner ist der Fiskus“, sagte Schneider. Es liege deshalb auf der Hand, dass der Finanzminister einen Teil seiner Ersparnis an die Sparer zurückgeben müsse.

Mit der deutschen Sparkassen-Dachorganisation DSGV sei der Vorstoß nicht abgestimmt, sagte Schneider, dessen Landesverband 53 Institute im Südwesten der Republik vertritt. Es habe bis 1980 schon mal eine Sparprämie gegeben, argumentierte Schneider. Nach seiner Rechnung würde eine Prämie von fünf Prozent auf einen Sparbetrag von maximal 1200 Euro im Jahr den Steuerzahler eine Milliarde Euro jährlich kosten, wenn diese 20 Millionen Kunden in Anspruch nähmen.

Die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik, die den Leitzins nahe Null hält und die langfristigen Zinsen über Staatsanleihekäufe noch weiter drückt, werden laut Schneider „heillos unterschätzt“. Neben den Geldhäusern litten darunter vor allem Bausparkassen und Lebensversicherungen.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/sparkassen-fordern-sparpraemie-staat-soll-das-deutsche-sparbuch-retten/11315976.html

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21.01.2015

Niedrige Zinsen belasten Bausparkasse Wüstenrot

Die zweitgrößte deutsche Bausparkasse, Wüstenrot, meldet, dass sich das Volumen neuer Bausparverträge 2014 auf 13,7 Milliarden Euro belaufen habe. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von zehn Prozent.

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Die niedrigen Zinsen haben den Bausparkassen im vergangenen Jahr einen starken Rückgang beim Neugeschäft eingebrockt. Die zweitgrößte deutsche Bausparkasse, Wüstenrot, erklärte am Mittwoch, das Volumen neuer Bausparverträge habe sich 2014 auf 13,7 Milliarden Euro belaufen. Im Vergleich zum Vorjahr, als noch ein Rekordwert erreicht worden war, bedeutet das einen Rückgang um gut zehn Prozent.

Marktführer Schwäbisch Hall hatte tags zuvor ebenfalls über ein geringeres Volumen berichtet. Mit 31,1 Milliarden Euro lag das Neugeschäft 13 Prozent unter dem Vorjahreswert.

In diesem Jahr können die Bausparkassen nicht mit Rückenwind von der Zinsseite rechnen. Sie setzen aber darauf, dass der Trend zur energetischen Sanierung und das wachsende Interesse an Wohneigentum ihr Geschäft belebt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/21/niedrige-zinsen-belasten-bausparkasse-wuestenrot/

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30.12.2014

Fahrenschon fordert rasche Zinswende

Sparkassenpräsident attackiert lockere Geldpolitik der EZB

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon hat scharfe Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geäußert und für das kommenden Jahr eine Zinswende gefordert. Die Niedrigzinsen nähmen den Reformdruck von den Krisenstaaten. Das würde die Schuldenkrise vertiefen.

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Die bisherigen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten „nicht die erwünschten Effekte gebracht, im Gegenteil“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon der „Saarbrücker Zeitung“ vom Dienstag. Vielmehr werde in einigen Euroländern die Krise vertieft, wenn der Reformdruck durch niedrige Zinsen weggenommen werde. Das Übermaß an Geld der EZB setze zudem die klassische Funktion von Zinsen außer Kraft und habe auf Teilmärkten negative Folgen.

„Sparen muss sich wieder lohnen“

„Wenn das zum Normalzustand wird, funktionieren viele wichtige Grundsätze nicht mehr. Zum Beispiel, dass sich Sparen lohnt, dass sich Vorsorge lohnt, dass sich Vorsichtigkeit lohnt. Das alles wird beschädigt“, sagte Fahrenschon der „Saarbrücker Zeitung“. Er kritisierte, dass die EU-Staats- und Regierungschefs die EZB zum zentralen Krisenmanager gemacht hätten, obwohl dies „eigentlich nicht ihre Aufgabe“ sei. Für das kommende Jahr forderte er von der EZB, dass sie „ähnlich wie die Fed in den USA“ Signale zu einer Zinswende gebe. „Niemand darf für alle Ewigkeit auf so niedrige Zinsen setzen“, sagte Fahrenschon.

Angesichts der anhaltend schwachen Konjunktur hatte die EZB Anfang September die Zinsen weiter gesenkt. Den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, senkten die Währungshüter um 0,1 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Kreditinstitute, die Geld kurzfristig bei der Notenbank parken, müssen einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. Die EZB hatte Anfang Juni erstmals in ihrer Geschichte einen Einlagezins von minus 0,1 Prozent beschlossen. Banken müssen seitdem dafür zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen.

http://www.focus.de/finanzen/banken/fahrenschon-fordert-zinswende-im-kommenden-jahr-sparkassenpraesident-attackiert-lockere-geldpolitik-der-ezb_id_4373968.html

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24.09.2014

Zins-Politik der EZB hat deutsche Sparer bisher 23 Milliarden Euro gekostet

Die Zinspolitik der europäischen Zentralbank hat den deutschen Sparern Milliardenverluste beschert. Im Gegensatz dazu wurden Kreditnehmer vor allem in den anderen Eurostaaten begünstigt. Erstaunlich: Der Konjunktur in den Euro-Staaten hat dies nicht geholfen.

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Ihre Vorliebe für sichere Sparanlagen kostet die Deutschen derzeit viel Geld: Nach einer Studie der Allianz hat die Niedrig-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) den deutschen Sparern seit 2010 Zinsverluste von 23 Milliarden Euro eingebrockt. Hingegen hätten Privathaushalte in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal beträchtlich von der Krisenstrategie des billigen Geldes profitiert, sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise am Dienstag bei der Vorlage des «Global Wealth Reports». Denn Schuldnern spielen niedrige Zinsen in aller Regel in die Karten, während Gläubiger die Verlierer sind.

Zu der Entwicklung tragen die Deutschen aus Sicht der Experten allerdings auch selbst mit bei. Denn in den unsicheren Krisenjahren stecken die Europameister im Sparen immer mehr Geld in vermeintlich sicherere kurzfristige Bankeinlagen. Das wirft kaum Renditen ab, abzüglich der Inflation bleibt unterm Strich ein Verlust. Und: Während beispielsweise Spanier oder Griechen von günstigen Krediten profitieren, bleibt die Schuldenquote hierzulande niedrig.

Doch obwohl die Bürger Südeuropas leichter und billiger an Kredite kommen, hat sich dies nicht positiv auf die Konjunktur in den Eurostaaten ausgewirkt. Kaum ein Eurostaat kann noch Wachstum verzeichnen. Auch die Schuldenstände der Staaten haben sich erhöht: im Durchschnitt liegt fast jeder Eurostaat mit seiner Staatsverschuldung heute höher als noch vor der Finanzkrise.

Deutsche Anleger meiden nach einer Reihe negativer Erfahrungen anders als etwa US-Amerikaner Aktien, obwohl Aktien in den vergangenen Jahren Haupttreiber für den Anstieg privater Geldvermögen in aller Welt waren. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank hat sich der Wert deutscher Aktien gemessen am Leitindex Dax seit 1988 bis Ende August 2014 knapp verzehnfacht. Davon profitierten allerdings immer weniger Privathaushalte: Ende Mai hielten die privaten Haushalte 11,8 Prozent der deutschen Aktien, 2011 waren es noch 13,1 Prozent.

Um die Wirkung der Zinspolitik zu beziffern, hat die Allianz die Zinssätze der letzten fünf Jahre mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen. Die durch die gelockerte Geldpolitik «entgangenen» Zinsen auf der Einlagenseite stellt sie den Zinsgewinnen bei Krediten gegenüber. Das Ergebnis: Während die Menschen in Deutschland seit 2010 im Saldo 23 Milliarden Euro oder 281 Euro pro Kopf verloren, wurden die Bürger in den meisten anderen Euroländern entlastet.

Das gilt nach der Analyse vor allem für Finnland, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal: In diesen Ländern liegen die Haushalte mit rund 1000 Euro pro Kopf oder mehr im Plus. Insgesamt addieren sich die Gewinne dort seit Krisenbeginn auf 97 Milliarden Euro. «Die Peripherie ist der große Profiteur der Niedrigzinspolitik», sagt Allianz-Ökonom Arne Holzhausen.

Diese Wirkung der Geldpolitik ist für Heise zwar nicht überraschend. Schließlich sei die Entlastung der Schuldner gewollt: «Man sollte jedoch auch nicht die Augen davor verschließen, dass diese Politik erhebliche Nebenwirkungen hat, vor allem auf deutsche Anleger und ihre Altersvorsorge.»

Während die Zinsgewinne deutscher Kreditnehmer in etwa dieselbe Größenordnung erreichen wie in anderen Euroländern, rächt sich die Vorliebe deutscher Sparer für besonders schwach verzinste Sichteinlagen wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto, wie Heise betont. Die Deutschen legten zwar mehr Geld auf die hohe Kante als andere: «Aber kaum jemand bringt auch so viel Geld zur Bank wie wir, obwohl die Bankzinsen deutlich niedriger sind als im Rest Europas.»

Es scheine, als ob die deutschen Sparer immer noch im Krisenmodus verharrten und Anlageentscheidungen eher vermeiden wollten. Das sei ein Fehler, sagt der Experte der Allianz: «Abwarten heißt Geld zu verschenken. Sechs Jahre nach Lehman ist es höchste Zeit, wieder langfristig zu denken und zu investieren.»

Die Allianz rät den Sparern, in den Aktienmarkt einzusteigen: Eine hohe Rendite birgt erhebliches Risiko, so rät der Bankenverband zur «kalkulierten Risikobereitschaft». Wer in den vergangenen 30 Jahren monatlich 100 Euro in Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland angelegt habe, könne heute im Schnitt über etwa 121 000 Euro verfügen: «Das entspricht einer Rendite von rund sieben Prozent jährlich.» Auf eine Zinswende können Europas Sparer jedenfalls vorerst nicht hoffen. Die EZB hat den Leitzins gerade erst auf das Allzeit-Tief von 0,05 Prozent gesenkt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/24/zins-politik-der-ezb-hat-deutsche-sparer-bisher-23-milliarden-euro-gekostet/

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03.09.2014

Deutschen Sparern droht die Zinsstrafe

Die Europäische Zentralbank verlangt seit Juni Strafzinsen von den Banken. Bislang haben die Geldhäuser die Gebühren nicht auf ihre Kunden abgewälzt. Doch das können sich viele nicht länger leisten.

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Große Investoren kennen es schon, kleine Sparer werden es noch kennenlernen. Wer sein Geld sicher parken möchte, muss neuerdings Strafe zahlen: Einen solchen Negativzins gibt es zum Beispiel bei Bundespapieren. Wer dem deutschen Staat sein Geld anvertraut, bekommt dafür keine Zinsen mehr, sondern muss etwas drauflegen – zumindest gilt das für Obligationen bis drei Jahren Laufzeit. Vor der Euro-Krise gab es noch gut vier Prozent.

Die privaten Sparer sind von solchen Negativzinsen bisher noch verschont geblieben. Doch der Tag rückt näher, da das monetäre Strafgericht auch über ihnen niedergeht. Bei Tagesgeldkonten ist bisher eine Verzinsung von null das Schlimmste, was Anlegern blüht. Bei Girokonten kommen gelegentlich Kontoführungsgebühren dazu, die in der Regel allerdings nicht mit dem Volumen des geparkten Geldes steigen.

„Keine Ahnung, wo dieser Wahnsinn endet!“, sagt Frank Kohler, Vorstand bei der Sparda-Bank Berlin. Mit „Wahnsinn“ meint er die Geldpolitik der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrer Sitzung im Juni eine Politik des Strafzinses in Europa etabliert. Seither müssen Kreditinstitute, die ungenutztes Geld bei der Zentralbank deponieren, eine Gebühr von 0,1 Prozent entrichten.

Überschüssiges Geld, das die Banken nicht für Kredite oder andere Geschäfte verwenden können, ist im Finanzsektor damit zu einer Art heißer Kartoffel geworden.

Immer unattraktiver, Kundengelder anzunehmen

Mit einer gewissen Verzögerung ist dieser Negativzins nun auch am Geldmarkt angekommen. Früher kassierte eine Bank, die einer anderen Bank Geld leiht, üblicherweise Zinsen. Jetzt muss sie dafür sogar etwas drauflegen. Das Eonia-Barometer, das den Durchschnittszins dieser Verleihungen in Europa angibt, ist vergangene Woche zum ersten Mal ins Minus gerutscht. Diese Woche ist er noch weiter negativ geworden, da die Institute mit einer weiteren Zinssenkung rechnen. Schon am Donnerstag könnte die EZB mit dem Leitzins auch den Einlagenzins weiter verschlechtern.

Zuletzt lag der Eonia bei minus 0,013 Prozent. Banken, die überschüssiges Kapital mit sich herumschleppen, verlieren damit Geld. Sie können die Liquidität ungestraft weder bei der Zentralbank parken, noch können sie sie anderen Instituten, die in dem Moment gerade Liquidität benötigen, zur Verfügung stellen.

Auf diese Weise wird es für Banken immer unattraktiver, Kundengelder anzunehmen. Banken, die mehr Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten haben, als sie an Darlehen ausgeben können, machen damit Verluste – und über kurz oder lang werden sie das die Sparer spüren lassen.

Schon jetzt haben die Bundesbürger rund 1,9 Billionen Euro bei Banken deponiert und der Trend, immer mehr Geld auf Sparbücher, Tagesgeld- oder auch Girokonten zu legen, ist ungebrochen. Würde der EZB-Negativzins von 0,1 Prozent zum Maß der Dinge, müssten die Institute auf diese Einlagen 1,9 Milliarden Euro Strafe zahlen. Natürlich ist das nur hypothetisch, zeigt jedoch, um welche Dimensionen es sich handelt.

„Eine Menge negative Aufmerksamkeit“

Sparda-Vorstand Kohler hält derzeit einen Nullzins noch für angemessen. Negativzinsen, also die Belastung von Bankguthaben, seien für Sparer schwer vermittelbar. „Aber ernsthaft und seriös für die Zukunft ausschließen, kann man sie meines Erachtens nicht.“ Kohler weiß, wovon der spricht, die Sparda-Bank Berlin ist die nach Mitgliedern größte Genossenschaftsbank Deutschlands.

„Strafzinsen auf Kundeneinlagen sind aus unserer Sicht in Deutschland nicht vorstellbar“, sagt dagegen Stefan Marotzke, Pressesprecher beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Das ergebe sich schon aus der Konkurrenzsituation. Die Kunden würden dann zum Beispiel dazu übergehen, mehr Bargeld zu horten.

Ähnlich äußert sich der Bundesverband deutscher Banken, in dem sich große wie kleine private Kreditinstitute zusammengeschlossen haben. „Die erste Bank, die Negativzinsen auf Guthaben erhebt, wird eine Menge negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, sagt ein Sprecher. Man erwarte nicht, dass es zu negativen Einlagenzinsen kommt.

Eher vorstellbar als Negativzinsen sind Gebühren für die Neueröffnung eines Kontos oder einen Bankwechsel, merken Verbraucherschützer an.

„Weder für das Girokonto noch die Sparprodukte gibt es Planungen, Gebühren oder Negativzinsen einzuführen“, sagt Patrick Herwart von Bittenfeld, Sprecher der ING-DiBa, dem deutschen Marktführer bei Tagesgeld. Aktuell bietet sein Haus noch einen Zins von 0,8 Prozent aufs Tagesgeld. Die ING DiBa verfüge noch über genügend Spielraum bei weiteren Senkungen des Einlagensatzes oder des EZB-Leitzinses. Aber auch er gibt zu: „Die Niedrigzinsphase ist für das Geschäftsmodell von Kreditinstituten – und natürlich auch für die Sparkunden – eine große Herausforderung.“

Riesige Spannen an Konditionen

Auch Daniel Franke, Geschäftsführer des Finanzportals Tagesgeldvergleich.net kann sich Strafzinsen für Privatkunden schlecht vorstellen: „Bei 0,00 Prozent sollte Schluss sein, da Sparer ansonsten reihenweise ihr Geld bei den Banken abziehen und unterm Kopfkissen lagern.“

Darüber hinaus sorgen ausländische Banken für einen gewissen Wettbewerbsdruck: „Ob Fibank aus Bulgarien, die Alior Bank aus Polen, die Sberbank Direct aus Österreich oder MoneYou aus den Niederlanden – sie alle sorgen mit ihren hohen Zinsen dafür, dass inländische Banken nicht ganz so weit mit ihren Zinsen heruntergehen können, ohne Neukunden völlig abzuschrecken.“

Auch in der Strafzinswelt gibt es riesige Spannen bei den Konditionen: Noch immer bieten einige Institute mehr als ein Prozent Tagesgeldzins. Die Spitzenreiter Volkswagen Bank und Audi Bank locken derzeit mit 1,4 Prozent garantiert für vier Monate. Auf der anderen Seite zahlt ein Gutteil der Institute ihren Kunden längst gar nichts mehr.

Nach einer Untersuchung, die das Verbraucherportal Verivox für „Welt Online“ vorgenommen hat, beträgt der Tagesgeldzins bei 200 von insgesamt 639 Banken nunmehr null. Das ist ein deutlicher Anstieg verglichen mit 2013.

Der Kampf um den lukrativen Bankkunden

Welche Konditionen Sparer erwarten dürfen, hängt von der Geschäftspolitik der jeweiligen Bank ab. Manche Institute nehmen es in Kauf, so gute Zinsen zu bieten, dass sie bei den Konten Verluste machen, weil sie Neukunden gewinnen wollen. Hat eine Bank einen Kunden erst mal an der Angel, kann sie darauf hoffen, ihm weitere, potenziell lukrative Produkte zu verkaufen, zum Beispiel Investmentsfonds oder eine Baufinanzierung.

Andere Banken, die relativ hohe Zinsen bieten, haben ihren Hauptsitz in finanziell weniger soliden Ländern. Sie nehmen es in Kauf, deutsche Kunden mit deutlich höheren Renditen zu locken, weil es zu Hause für sie noch teurer wäre, an Liquidität zu kommen.

„Jeder sollte wissen, dass Banken, die heute noch hohe Einlagenzinsen zahlen, dringend Geld brauchen“, sagt Kohler. Und erinnert daran, dass es – zumindest theoretisch – immer einen Zusammenhang gibt zwischen erhöhten Renditen und erhöhtem Risiko.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article131864707/Deutschen-Sparern-droht-die-Zinsstrafe.html

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13.08.2014

Sparer bluten, Schäuble jubelt: Wie sich der Staat auf Kosten der Bürger entschuldet

Damit die Länder Europas ihre Finanzen in den Griff kriegen, greift die Europäische Zentralbank auf ein erprobtes Mittel zurück: finanzielle Repression. Während der Finanzminister dadurch Milliarden spart, haben die Sparer das Nachsehen.

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Wenn ein Mensch in Deutschland weiß, wie sich Dagobert Duck fühlt, dann ist es wahrscheinlich Wolfgang Schäuble (CDU). Der Finanzminister schwimmt derzeit im Geld. Das liegt zum einen an den sprudelnden Steuereinnahmen. Es liegt aber auch daran, dass der Bund nur noch extrem niedrige Zinsen für seine Schulden zahlen muss.

Nach neuen Berechnungen der Bundesbank hat der deutsche Staat dank der extrem niedrigen Zinsen seit der Finanzkrise 2007 rund 120 Milliarden Euro eingespart.

Anfang der 1990er Jahre musste der Bund im Schnitt acht Prozent Zinsen für seine Schulden zahlen, 2007 nur noch 4,3 Prozent. Im Jahr 2013 sank die Verzinsung laut Bundesbank dann auf historisch niedrige 2,6 Prozent.

Doch was die Regierung freut, ist für die Sparer ein Horror.

Hohes Risiko

Millionen deutscher Sparer und Anleger schauen in die Röhre, weil Bundesanleihen – jahrzehntelang eine ebenso sichere wie lohnende Geldanlage –kaum noch etwas abwerfen. Aktuell liegt die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen noch bei knapp über einem Prozent. Das reicht nicht einmal, um die Inflation auszugleichen.

Der Zinshammer trifft nicht nur Sparer, die direkt in Bundespapiere investieren. Indirekt sind viel mehr Menschen betroffen. Beispiel Lebensversicherung: In der Bundesrepublik gibt es rund 93 Millionen Verträge. Die Versicherer stecken das Geld ihrer Kunden zu einem Großteil in sichere Staatsanleihen, weil sie Garantiezusagen geben müssen. Die niedrigen Zinsen drücken nun auf deren Rendite. Fachleute sprechen von „finanzieller Repression“.

Sparer unter Druck

Die Vorteile einer solchen Geldpolitk für den Staat erklärt Hans-Jörg Naumer, Kapitalmarkt-Stratege der Allianz, in seinem Aufsatz „Die lautlose Entschuldung“: „Finanzielle Repression wirkt beim Abbau staatlicher Schulden lautlos und viel sanfter als ein Schuldenschnitt.“ Aus politischer Sicht sei eine finanzielle Repression zudem „bequemer als Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen.“

Schon die USA hätten sich den Umverteilungseffekt in der Nachkriegszeit zu Nutze gemacht, erklärt der Allianz-Mann. Mitte der 1940er Jahre waren die Schulden in Folge der „Großen Depression“ und des 2. Weltkriegs auf 122 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gestiegen. „Bis Mitte der 1970er Jahre gelang allerdings der Abstieg in Richtung 30 Prozent“, schreibt Naumer – auf Kosten der Bürger.

Kritiker wie Marc Tüngler fürchten, dass das nun auch in Europa passieren könnte: „Die finanzielle Repression, also die Entschuldung des Staates auf Kosten der Sparer und Anleger, ist weiter in vollem Gange“, beklagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).  „Betroffen von dem niedrigen Zinsniveau sind nahezu alle Bürger. So etwa auch diejenigen, die ihr Geld in Lebensversicherungen ansparen, die ja schon systembedingt einen Großteil des Kapitals in Staatsanleihen anlegen.“

Neue Wege gehen

Tüngler rät Anlegern, sich gerade in Sachen Altersvorsorge neu zu orientieren. Bislang hat sich trotz Niedrigzins-Umfeld viel zu wenig am Spar- und Anlageverhalten der Deutschen geändert: Die meisten setzten nach wie vor auf Sparprodukte, die weniger Zinsen abwerfen als die Inflationsrate – das kostet permanent Kaufkraft.

Die Zahlen der Bundesbank zeigen ungeschminkt, wie viel Geld verloren geht. Das sind 120 Milliarden Gründe, endlich aufzuwachen“, warnt Tüngler. „Wer ausschließlich auf Sparprodukte setzt, bei dem wird nach Inflation und Steuern wertmäßig ein Minus vor der realen Rendite stehen.“ Mit anderen Worten: Das Vermögen schrumpft.

Nichts tun kostet

Sich einfach zurücklehnen und hoffen, dass die Zinsen bald wieder steigen, könnte fatal sein. Denn so bald werden sich die Rahmenbedingungen am Zins- und Kapitalmarkt nicht ändern. Im Gegenteil: Die zahlreichen Krisen – vom Irak bis zur Ukraine – sorgen bereits jetzt für große Verunsicherung in der Wirtschaft. Das könnte die Notenbanken erneut zum Handeln zwingen – und zu noch niedrigeren Zinssätzen führen.

Sollte die Weltwirtschaft stärker beeinträchtigt werden, fahren die Zentralbanken die finanzielle Repression hoch“, warnt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. „Das bedeutet: Niedrigstes Zinsniveau und massenhafter Aufkauf von Staatsanleihen.“

Kaufen die Notenbanken mit ihren unendlichen Geldvorräten aber aggressiv Anleihen auf, sinken deren Renditen durch die erhöhte Nachfrage weiter.

Schäuble im Glück

Gut leben kann damit eigentlich nur der Finanzminister. Wolfgang Schäuble hat die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wiederholt verteidigt – aktuell liegt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent.

Wenigstens hat Schäuble die Sparer nicht ganz vergessen. Er forderte die EZB auf, die Zinsen nur so lange extrem niedrig zu lassen, wie es nötig sei.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/gluecksfall-niedrigzins-sparer-bluten-schaeuble-jubelt-wie-sich-der-staat-auf-kosten-der-buerger-entschuldet_id_4055165.html

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23.07.2014

Deutsche Sparer werden schon seit 40 Jahren enteignet

Die Nullzinspolitik der EZB erhitzt die Gemüter, die deutsche Finanzbranche wettert gegen die „Enteignung der Sparer“. Doch Zahlen der Bundesbank belegen: Mit Spareinlagen verlieren Anleger meist auch in Hochzinsphasen Geld. 

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Es ist paradox: Obwohl die Zinsen seit Monaten extrem mickrig sind, legen die Menschen in Deutschland ihr Geld bevorzugt auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto an. Um Aktien machen sie hingegen einen Bogen. Die Deutsche Bundesbank sieht eine „gewisse Risikoaversion“. Doch die Vorliebe für scheinbar sichere Anlagen kommt die Bürger teuer zu stehen: Weil Sparzinsen meist unter der Inflationsrate liegen, verlieren sie real Geld. Experten werfen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, mit ihrer Nullzinspolitik zugunsten kriselnder Euroländer die Sparer hierzulande zu enteignen. 

Europas oberster Währungshüter Mario Draghi will sich diesen Schuh nicht anziehen. Er nehme die Sorgen sehr ernst, doch „die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen“. Der EZB-Präsident betont: „Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“ Man wolle genau das Gegenteil: das Wachstum unterstützen. Dann werde auch das Zinsniveau wieder anziehen.

Niedrige Zinsen haben Tradition

Tatsächlich zeigen Zahlen der Bundesbank, dass Sparer in den vergangenen 40 Jahren immer wieder reale Verluste hinnehmen mussten, wenn sie ihr Geld in kurzfristigen Spareinlagen (maximal drei Monate Kündigungsfrist) anlegten. Und zwar nicht nur, wenn der Leitzins wie aktuell bei 0,15 Prozent liegt. Auch weitaus höhere Zinsen liegen meist noch unterhalb der Inflation, die dann die Rendite auffrisst. 

Trotzdem war der Aufschrei selten so groß wie derzeit. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge„, wettert etwa Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Mini-Zinsen. 

Tatsächlich müssen immer mehr Verbraucher sogar ganz auf eine Verzinsung ihrer Tagesgeldkonten verzichten, berichtete die „Welt am Sonntag“. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox zahlen mittlerweile 198 von 635 Instituten in Deutschland keinen Zins mehr auf Tagesgeldkonten. Die Bundesbank gibt den durchschnittlichen Effektivzinssatz für den Monat Mai – also noch vor der jüngsten Leitzinssenkung im Juni – mit 0,36 Prozent an. Die Inflationsrate lag in diesem Monat mit 0,9 Prozent deutlich höher.

Fast eine Billionen Euro auf dem Konto

Trotzdem steckt immer mehr Geld auf Tagesgeldkonten. Laut Bundesbank hatten private Haushalte Ende Mai 964 Milliarden Euro auf täglich fälligen Konten – ein Jahr zuvor waren es 83 Milliarden Euro weniger. 

Aktien vertrauen deutsche Sparer hingegen nicht. Obwohl die Börsen 2013 boomten – der deutsche Leitindex Dax legte um 25 Prozent zu -, trennten sich nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) rund  600 000 Menschen von Aktien oder Fonds. 

Damit waren nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in diesen Wertpapieren engagiert. DAI-Chefin Christine Bortenlänger klagt: „Gerade in der derzeit anhaltenden Niedrigzinsphase müsste die Aktie Anleger anziehen. Als relativ renditestarke Anlageform ist sie bei einer ausgewogenen Geldanlage eigentlich unverzichtbar.“ 

Jens Wilhelm, Vorstand der Union Asset Management Holding, sieht durch das Sicherheitsbedürfnis in Kombination mit dem Niedrigzinsumfeld gar den Wohlstand der Deutschen akut gefährdet: „Es besteht dringender Handlungsbedarf, da dem Sparer sein bester Verbündeter, der Zinseszinseffekt, abhandengekommen ist.“ 

Doch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet auch 2014 nicht mit einer Trendwende beim Sparverhalten der Deutschen. Die Sparquote wird demnach auf dem Vorjahresniveau von 10,0 Prozent bleiben – 2008 sparten die Menschen hierzulande noch 11,5 Prozent ihres Einkommens. Die Sparquote sei bisher zwar nicht ins Bodenlose gefallen, ihre sinkende Tendenz sei aber eine Gefahr für die finanzielle Altersversorgung. Denn eigentlich müsse die Quote sogar steigen, sagt BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin: „Ansonsten erhöhen sich die Risiken von Altersarmut in Deutschland.“ 

http://www.focus.de/finanzen/banken/verluste-durch-niedrige-zinsen-deutsche-sparer-werden-schon-seit-40-jahren-enteignet_id_4011549.html

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11.06.2014

Merkel-Vertrauter: Die Enteignung der Sparer ist notwendig

Ein enger Vertrauter von Angela Merkel hat die Enteignung der deutschen Sparer als notwendig bezeichnet, um die Euro-Zone zu stabilisieren. Zwar räumt die CDU ein, dass die niedrigen Zinsen das Problem nicht dauerhaft lösen. Doch Merkel lässt keinen Zweifel daran, dass die finanzielle Repression gegen die Bürger fortgesetzt wird.

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Unmittelbar vor dem Besuch von EZB-Präsident Mario Draghi bei Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der CDU-Wirtschaftsrat die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank verteidigt. “Letztlich ist zu erwarten, dass sich der Euro auf einen Wechselkurs von 1,30 zum Dollar entwickeln soll. Dies hilft der Exportfähigkeit der Südländer und schadet der deutschen Wirtschaft nicht”, sagte der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, am Mittwoch zu Reuters.

Lauk ließ keinen Zweifel, dass die Maßnahmen der EZB von der Bundesregierung gutgeheißen werden und einem klaren politischen Ziel dienten: “Im Übrigen hilft die Zinssenkung auch dem deutschen Bundeshaushalt. Was dem deutschen Sparer schadet, trägt zum Haushaltsausgleich bei.” Die EZB wird die Zinsen vier Jahre lang nicht erhöhen. Merkel und Schäuble sind entschlossen, den Euro auf Kosten der deutschen Sparer zu retten (mehr hier).

Das ist eine bemerkenswerte Aussage: Damit gesteht erstmals ein Merkel-Vertrauer, dass die Strategie der Euro-Rettung auf Kosten der Sparer ganz bewusst verfolgt wird. Jeder, der ein kleines Vermögen für das Alter zurückgelegt hat, muss auf der Hut sein. Mit dem Sparbuch verlieren die Kunden wegen der Kaufkraft reales Geld. Das Risiko von Banken-Crashs ist längst nicht vom Tisch (hier).

Lauk betonte, dass der Euro ohne Solidarität mit anderen Euro-Ländern nicht zu haben sei. “Die EZB hat kurzfristig erneut Zeit für die Politik gekauft.” Dies sei derzeit angemessen, stelle aber “mit Sicherheit langfristig keine Lösung dar“. Die Zinspolitik der EZB zeige vielmehr, dass die Eurokrise nicht beendet sei.

Auch am Dienstag hat der Euro gegenüber dem US-Dollar verloren. Die von der EZB beschlossene Niedrigzinspolitik setzt die Währung weiter unter Druck. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble findet, dass “die EZB hat einen exzellenten Job gemacht” hat (hier).

Lauk räumte immerhin ein, dass der Vorgang der Enteignung nicht ganz unproblematisch sei: “Demokratietheoretisch sind hier Fragezeichen anzumerken. Eigentlich muss die Politik handeln.” Merkel wird Draghi am Vormittag im Kanzleramt empfangen. Die EZB hatte ihren Leitzins in der vergangenen Woche auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt, was auch Kritik in der Union ausgelöst hatte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/11/cdu-lobt-draghi-enteignung-der-deutschen-sparer-ist-notwendig/

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31.05.2014

Sinn sieht EZB-Strafzinsen den Sparern schaden

Beschließt die EZB am Donnerstag den Strafzins auf Bankeinlagen? Ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnt vorab vor den Folgen: „Den Schaden haben die Sparer, deren Zins nun noch weiter unter die Inflationsrate gedrückt wird.“

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In der Debatte um Strafzinsen für Bankeinlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hat der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, vor möglichen Folgen für die Sparer gewarnt. Das ohnehin schon extrem niedrige Zinsniveau könnte abermals sinken, wenn Geschäftsbanken für bei der EZB deponiertes Geld einen sogenannten negativen Einlagezins zahlen müssten. „Den Schaden haben die Sparer, deren Zins nun noch weiter unter die Inflationsrate gedrückt wird“, sagte Sinn dem Magazin „Wirtschaftswoche“.

Sparkonten, aber auch viele Finanzprodukte werfen derzeit kaum Erträge ab, weil der Leitzins im Euroraum auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent verharrt. Dagegen befeuert das billige Zentralbankgeld die Aktienmärkte. Um die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe an Verbraucher und Unternehmen anzuregen, anstatt große Summen bei der EZB zu parken, wird die Einführung eines entsprechenden Einlagezinses bei der Notenbank diskutiert. Eine solche Entscheidung könnte bereits bei der kommenden EZB-Sitzung am Donnerstag fallen. Experten halten dort außerdem eine weitere Senkung des Leitzinses für möglich.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, äußerte sich ebenfalls skeptisch zu dem Strafzins auf Bankeinlagen bei der EZB. Die Kreditvergabe lasse sich so kaum zusätzlich ankurbeln, sagte der Ökonom dem Magazin: „Es ist eher als symbolische Geste zu verstehen.“ Mit Blick auf eine mögliche weitere Leitzinssenkung verlangt der Bundesverband deutscher Banken von der Politik, staatliche Zinsersparnisse in Steuersenkungen umzumünzen.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/ifo-chef-sinn-sieht-ezb-strafzinsen-den-sparern-schaden/9972890.html

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13.03.2014

Draghis Zinspolitik kostet den deutschen Steuerzahler 3,7 Milliarden Euro

Die deutschen Steuerzahlern haben im Jahr 2013 wegen der Niedrigzinspolitik der EZB 3,7 Milliarden Euro verloren. Die Bundesbank überweist 4,6 Milliarden Euro an die Staatskassen – auch das ist nur möglich, weil die Bundesbank auf die Bildung weiterer Rücklagen verzichtet.

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Wichtigste Einnahmequelle der Bundesbank waren auch 2013 die Zinserträge, die sich auf 7,3 Milliarden Euro summierten. Wegen der Leitzinssenkungen der EZB fielen sie damit deutlich niedriger aus als ein Jahr zuvor mit elf Milliarden Euro. In den Zinserträgen enthalten sind auch Einnahmen, die die Bundesbank im Zuge des in Deutschland umstrittenen Aufkaufs unter anderem griechischer Staatsanleihen erzielte. Die deutsche Zentralbank hatte diese – wie andere Notenbanken in der Euro-Zone zwischen 2010 und 2012 auch – im Rahmen eines Programms der Europäischen Zentralbank (EZB) gekauft.

Insgesamt lag der Gewinn im vergangenen Jahr bei 4,6 Milliarden Euro, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Das ist der höchste Gewinn der deutschen Notenbank seit 2008. Im vergangenen Jahr hatten hohe Rückstellungen das Ergebnis noch auf 664 Millionen Euro gedrückt. Für 2013 seien keine Rückstellungen gebildet worden, die gesamte Wagnisrückstellung bleibe deshalb bei 14,4 Milliarden Euro, sagte Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei der Vorlage der Jahresbilanz. Eine Auflösung der auf dem Höhepunkt der Krise angeschwollenen Rücklagen sei nicht angebracht, weil angesichts der im vergangenen Jahr gesunkenen Leitzinsen für 2014 ein niedrigeres Ergebnis zu erwarten sei.

Von den 4,6 Milliarden Euro Gewinn fließen 2,5 Milliarden Euro direkt in den Bundeshaushalt, der Rest geht in die Schuldentilgung des Bundes. Die Gewinne aus Frankfurt flossen in den vergangenen Krisenjahren deutlich spärlicher nach Berlin. Vor den 664 Millionen Euro für 2012 hatte die Bundesbank für 2011 lediglich 643 Millionen Euro an Schäuble überwiesen. 2010 gab es ein Plus von 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz.

Zur Staatsschuldenkrise in der Währungsunion äußerte sich Weidmann verhalten optimistisch: “Die notwendigen Anpassungsprozesse in den von der Krise besonders betroffenen Ländern sind erkennbar vorangekommen, das Vertrauen kehrt allmählich zurück.” Allerdings bleibe die Störanfälligkeit der europäischen und der globalen Wirtschaft wegen der drückenden Verschuldung weiter hoch. Deshalb sei es auch zu früh, die Krise für beendet zu erklären, sagte er. “Um die Krise und ihre tiefer liegenden strukturellen Ursachen tatsächlich dauerhaft zu überwinden, sind weiterhin erhebliche Anstrengungen und ein langer Atem nötig.”

Die deutsche Konjunktur profitiert nach Ansicht Weidmanns vom globalen Rückenwind, der maßgeblich von der weiter extrem expansiven Geldpolitik der Notenbanken herrühre. “Die Konjunktur in Deutschland dürfte auch in diesem sowie im kommenden Jahr weiter anziehen”, sagte der Bundesbank-Präsident. Grund dafür sei insbesondere die starke Binnenkonjunktur, die zu einer niedrigen Arbeitslosenquote, andauerndem Beschäftigungswachstum und einem Anstieg der Löhne und Gehälter führe.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/13/draghis-zinspolitik-kostet-den-deutschen-steuerzahler-37-milliarden-euro/

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08.03.2014

Kalte Enteignung: Deutsche Sparer müssen Staatsschulden bezahlen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble brüstet sich, dass Deutschland weniger Schulden machen muss. Die Wahrheit: Mit dem Zwangs-Hebel der niedrigen Zinsen werden die Sparer brutal enteignet. Schäuble will nun sogar die Ausgaben erhöhen. Die Umverteilung ist eine eiskalte Enteignung der privaten Vermögen.

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Wolfgang Schäuble hat gute Nachrichten für den Haushalt.

Doch was auf den ersten Blick aussieht wie die schwäbische Hausfrau in Reinkultur, ist ein Trick: Die Sanierung der Staatsschulden erfolgt wegen der niedrigen Zinsen der EZB auf Kosten der Sparer.

Dem Spiegel meldete Schäuble: Der Bund will sich im laufenden Jahr nur mit 6,5 Milliarden Euro neu verschulden und im kommenden Jahr erstmals seit 1969 überhaupt keine Schulden mehr machen.

Die Neuverschuldung des Bundes soll nur geringfügig über dem ersten Entwurf der früheren schwarz-gelben Regierung liegen, der 6,2 Milliarden Euro neue Schulden vorsah. Schon am Dienstag wurde bekannt, dass die Neuverschuldung 2014 unter sieben Milliarden Euro bleiben soll.

Schäuble hätte für das laufende Jahr 8,5 Milliarden Euro an neuen Krediten aufnehmen können und hätte dann immer noch der Schuldenbremse genügt. Auch für die Jahre bis 2018 gehe der Minister von ausgeglichenen Haushalten aus, will also keine neuen Schulden aufnehmen.

Mit Hilfe von zusätzlichen Steuereinnahmen könne sich der Bund erhebliche Ausgabensteigerungen leisten, hieß es in dem Bericht weiter. In diesem Jahr kalkuliere der Minister mit Ausgaben von 298,5 Milliarden Euro, für 2018 sollen es dann 327,2 Milliarden Euro sein. Die Investitionen will der Bund dem Bericht zufolge von 25,8 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 27 Milliarden Euro in 2018 ausweiten. Die Eckwerte des Haushalts für 2015 und die mittelfristige Finanzplanung von Finanzminister Schäuble sollen am kommenden Mittwoch vom Kabinett beraten und beschlossen werden.

Wer sollte auf solch einen Finanzminister nicht stolz sein? Und welches Mitglied im rot-schwarzen Kabinett sollte nicht jubeln angesichts der Möglichkeit, die Ausgaben nicht zurückfahren zu müssen, sondern sogar steigern zu können?

Was für die politische Klasse ein Triumph ist, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als knallharte Enteignung der deutschen Sparer, um die Staatsschulden abzubauen.

Denn der Erfolg Schäubles ist mitnichten auf eine verantwortungsbewusste Haushaltspolitik zurückzuführen.

Der Grund liegt in der Politik von Mario Draghi, dessen niedrige Zinsen vor allem dazu dienen, dass sich die Staaten auf Kosten der Sparer entschulden können. Draghi hat daher am Donnerstag auch angekündigt, seine Politik der niedrigen Zinsen auch beizubehalten, wenn die Wirtschaft anzieht.

Die nackten Zahlen sind das nackte Grauen für die Sparer.

Mit der aktuellen Verzinsung von 0,25 Prozent würde Schäuble für rund 2,3 Billionen Gesamtschulden in Deutschland rund 5,75 Milliarden Euro Zinsen zahlen. Bei einer Verzinsung von zwei Prozent wären das 46 Milliarden Euro. Das entspricht einer Ersparnis zwischen beiden Zinssätzen von 40,43 Milliarden Euro p.a. auf die Gesamtverschuldung. Wären die Zinsen höher, wäre die Umverteilung noch massiver.

Die deutschen Sparer verlieren also mindestens 40 Milliarden Euro pro Jahr, um für die Schuldenpolitik von Wolfgang Schäuble und seinen Vorgängern zu bezahlen.

Die deutschen Sparer werden auf dem Umweg der EZB gezwungen, die Staatsschulden zu bezahlen.

Schlimmer noch: Mit dem Zins-Trick entzieht sich die Bundesregierung der Notwendigkeit, Strukturreformen durchzuführen. Im Gegenteil: Man wiegt die Öffentlichkeit in der Illusion, dass Abenteuer wieder möglich sind. Wer sollte daher ein Milliarden-Engagement im Pleite-Staat Ukraine in Frage stellen?

Wolfgang Schäuble wirtschaftet nicht wie die sparsame schwäbische Hausfrau.

Schäuble profitiert von der Plünderung der Sparer. Der private Sektor in Europa wird belastet, weil die Schulden-Politiker nicht daran denken, zu sparen.

Schäubles größte Freude dürfte jedoch sein, dass keiner es merkt – und der Finanzminister wegen seiner vermeintlichen Disziplin zu den beliebtesten Politikern Deutschlands zählt.

Doch was aussieht wie Disziplin, ist die Knute eines Schulden-Staates, der sich mit äußerster Brutalität und heimtückischer Raffinesse von den Bürgern holt, was ihm nicht gehört.

Die Euro-Zone entpuppt sich als kolossaler Schuldenturm, im dem die Bürger abarbeiten müssen, was der Staat verteilt.

Roland Baader hat dieses System “Geldsozialismus” genannt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/08/kalte-enteignung-deutsche-sparer-muessen-staatsschulden-bezahlen/

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17.02.2014

Degenhart: Karlsruhe kann kalte Enteignung der Sparer nicht stoppen

Die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gegen die Euro-Rettungspolitik der EZB bedeutet zwar das Ende der Bazooka von Mario Draghi. Doch die „mittelfristige kalte Enteignung“ der europäischen Sparer kann rechtlich nicht verhindert werden, sagt der Verfassungsrechtler Christoph Degenhart.

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Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, die Beurteilung der Rechtmäßigkeit des OMT-Programms von Mario Draghi an den EuGH zu verweisen, ist von weitreichender Bedeutung für die rechtliche Bewertung der Euro-Rettung: Draghi muss nun die angekündigte „Bazooka“ – den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen – wieder vom Schlachtfeld schieben. Dies könnte der Glaubwürdigkeit der EZB schaden, die ja mit der Ankündigung des OMT-Programms beabsichtigt hatte, an den Märkten für eine vorrübergehende Entspannung zu sorgen.

Einer der Kläger, der Verfassungsrechtler Christoph Degenhart, war „positiv überrascht von der Deutlichkeit der Entscheidung“. Degenhart sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Damit sei „klar gesagt, dass das OMT-Programm für Deutschland nicht in Frage kommt“. Die „Bundesregierung ist verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass dieses Programm nicht zum Einsatz kommt“.

Karlsruhe hatte in seiner Entscheidung festgehalten, dass das OMT-Programm, wie es von Draghi verkündet wurde, den Europäischen Verträgen widerspreche. Allenfalls wäre ein zeitlich befristeter Ankauf von ausgewählten Staatsanleihen möglich. Degenhart meint, dass „die Bundesregierung in keiner Weise mit diesem deutlichen Spruch gerechnet“ habe. Die Bundesregierung hatte die Entscheidung aus Karlsruhe nicht kommentiert – was darauf schließen lässt, dass man sich der weitreichenden Folgen durchaus bewusst ist.

Degenhart erwartet nun, dass auf politischer Ebene zwischen der EU und der Bundesregierung ein „Kompromiss gefunden werden muss, der verhindert, dass es zu einer echten Konfliktsituation zwischen den Höchstgerichten in Deutschland und Europa kommt“. Daran „kann die Politik kein Interesse haben“.

In anderer Hinsicht ist allerdings wenig gewonnen: Denn das Bundesverfassungsgericht kann, so Degenhart, der „EZB nicht verbieten, die Zinsen niedrig zu halten“. Dafür ist es nicht zuständig. Damit aber sei „eine mittelfristige, kalte Enteignung der Sparer und Vermögen in Europa eingeleitet worden“. Zwar besteht nach Artikel 14 des Grundgesetzes die Verpflichtung der Regierung, das Eigentum der Bürger zu schützen. Doch Degenhart sieht hier „eine massive Lücke im Rechtsschutz“. Kein Bürger kann demnach bei der aktuellen Gemengelage von politischen Interessen und wirtschaftlichen Maßnahmen sein Recht auf Eigentum rechtlich wirksam einklagen.

Degenhart glaubt daher nicht, dass die Entscheidung von Karlsruhe diese Enteignung stoppen kann: „Der Zug in diese Richtung ist abgefahren.“ Schon seit der Einführung des Euro sei es „zu ständigen Rechtsbrüchen und Vertragsverletzungen gekommen“. Daher sei er, Degenhart, „pessimistisch“, dass sich an dieser Linie etwas ändern werde. Zwar erwarte er keinen „großen Crash“, jedoch sehr wohl „beträchtliche Kollateralschäden“ in der Euro-Zone, die von der schleichenden Enteignung der Sparer verursacht werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/02/17/degenhart-karlsruhe-kann-kalte-enteignung-der-sparer-nicht-stoppen/

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11.11.2013

Sparer sind nicht die Verlierer der Geldpolitik“

Die deutsche Finanzwirtschaft hat die jüngste Zinssenkung der EZB heftig kritisiert. Was Benoît Cœuré nicht nachvollziehen kann. Das EZB-Direktoriumsmitglied verteidigt in einem Handelsblatt-Gastbeitrag die Zinspolitik.

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Benoît Cœuré, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), verteidigt in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt die jüngste Zinssenkung der EZB. „Immer lauter werden derzeit Klagen, die EZB bevorzuge mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen bewusst Kreditnehmer auf Kosten von Sparern“, schreibt er.

In Ländern wie Deutschland wird sogar von kalter Enteignung derjenigen gesprochen, die Geld für das Alter zurücklegen. Ich halte diese Schlussfolgerung nicht für angemessen. Die aktuell niedrigen Renditen für Sparer sind vor allem eine anhaltende Folge der jüngsten, tiefen Rezession und der Fragmentierung des Finanzmarktes im Euroraum“, so Cœuré.

In diesem Umfeld seien niedrige Leitzinsen ein Instrument, das mit dem Ziel eingesetzt werde, die Preisstabilität zu wahren. Und Preisstabilität sei eine Grundvoraussetzung, um die Konjunktur wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen. „Höhere Leitzinsen hätten die Rezession verschärft, das Einsetzen einer Erholung verzögert und zu deflationären Risiken beigetragen“, ist der Notenbanker überzeugt. Höhere Leitzinsen würden dem Sparer schaden. Er sei demnach kein Verlierer der EZB-Geldpolitik, wie viele behaupten.

Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Dies stieß bei deutschen Banken und Versicherern auf scharfe Kritik. Die Versicherer werteten die Senkung als „fatales Signal an alle Altersvorsorgesparer in Deutschland“.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/benoit-coeure-sparer-sind-nicht-die-verlierer-der-geldpolitik/9056324.html

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11.11.2013

Wie der Euro die Sparer enteignet

Die neuerliche Leitzinssenkung durch die EZB kommt bei vielen Staaten – insbesondere im Süden Europas – gut an. Das Problem: Für Deutschland und seine Sparer ist der Zinssatz deutlich zu niedrig.

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Die ökonomischen Schäden, die die Einheitswährung in den Länder der Eurozone anrichtet, wurden in „Henkel trocken“ immer wieder thematisiert. Dass der Euro für den Süden überbewertet ist, zeigen die anhaltende Rezession dort und die ins scheinbar Uferlose steigenden Arbeitslosenzahlen. Dass der Euro für den Norden unterbewertet ist, zeigt sich im steigenden Handelsbilanzüberschuss Deutschlands. Eine „one-size-fits-all“-Währung funktioniert in unterschiedlichen ökonomischen Situationen etwa so wie ein Jackett in einer Einheitsgröße. Dem Dünnen schlottert es um den Körper, den Dicken schnürt es ein.

Die neuerliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) lenkt die mediale Aufmerksamkeit auf einen weiteren schweren Nachteil der Einheitswährung: den durch den Euro bedingten Einheitszins. Nicht, dass das eine neue Erkenntnis wäre. Inzwischen weiß man, dass sich griechische Politiker ohne die – im Gefolge des Euro eingeführten – niedrigen Einheitszinssätze nie so hoch hätten verschulden können.

Auch die Immobilienblase in Spanien hätte mit einem höheren als dem einheitlich niedrigen Zinssatz der EZB kaum entstehen können. Dass die Politiker der Südländer ihre Reformbemühungen zum Zeitpunkt des Eintritts in die Eurozone einstellten, hat auch mit den fallenden Zinssätzen zu tun. Ohne mehr Zinsen in ihren Budgets bereitstellen zu müssen, konnten sie neue Schulden aufnehmen. Der französische Staatspräsident erklärte unlängst, dass die Zinsen der EZB für Frankreich „zu hoch“ seien. Es ist also kein Wunder, dass Politiker aus dem Süden der Eurozone einschließlich Frankreichs Mario Draghis neuerliche Zinssenkung bejubeln.

Neu ist, wie die Zinspolitik der EZB jetzt von deutschen Vertretern aus Politik, Medien und Wirtschaft kritisiert wird; auch von solchen, die dem Euro gegenüber in unverbrüchlicher Treue ergeben sind. Zwar wollten sie immer ein Einheitsjackett, aber jetzt beschweren sie sich darüber, dass es ihnen nicht passt. Vorstände von Versicherungen bejammern, dass es ihnen immer schwerer fällt, Zinserträge zu erwirtschaften, mit denen sie auskömmliche Pensionen zahlen können. Vertreter der Banken beklagen, dass ihre Kunden trotz niedriger Inflationsrate „kalt enteignet“ werden. Noch vor der neuerlichen Zinssenkung erklärte die Kanzlerin vor den versammelten Vertretern deutscher Sparkassen (Wo sonst?), dass „die Zinsen zu niedrig für die Deutschen seien“. In der Tat, der deutsche Sparer verliert durch „entgangene Zinsen“ für seine Einlagen weitaus mehr, als der deutsche Finanzminister durch „ersparte Zinsen“ bei der Bedienung der Staatsschulden gewinnt. Auch das erklärt, warum Wolfgang Schäuble nicht müde wird, der von ihm so gern gesungenen Hymne „Deutschland profitiert am meisten vom Euro“ weitere Strophen hinzuzufügen.

Als Francois Hollande das einheitliche Zinsniveau als „zu hoch“ für sein Land und Angela Merkel dieses zur gleichen Zeit als „zu niedrig“ für Deutschland erklärten, haben beide die Wahrheit gesagt, so wie es das Kind in Hans-Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ tat. Sicher ohne es zu wollen, haben sie damit bekannt: „Der Euro ist nackt“. Zwar kritisieren jetzt auch die wackeren Eurobefürworter die Folgen des Einheitszinssatzes. Das hält sie aber nicht davon ab, die Ursache dafür – die Einheitswährung – nicht zu benennen und stattdessen weiterhin seine prächtigen Kleider zu preisen.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/henkel-trocken-wie-der-euro-die-sparer-enteignet/9056392.html

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07.11.2013

Den Sparern droht eine Nacht ohne Morgen

Mit ihrer Leitzinssenkung betritt die EZB geldpolitisches Neuland. Für Sparer und Versicherte ist das eine schlechte Nachricht. Experten befürchten eine dramatische Lücke in der Altersvorsorge.

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Der Paukenschlag kam um 13.45 Uhr. In dieser Minute meldete die Europäische Zentralbank (EZB), dass sie den Leitzins senkt. Ab sofort können sich Finanzinstitute von der Zentralbank Geld für 0,25 Prozent leihen, so billig wie noch nie. Zuvor hatte der Leitzins bei 0,5 Prozent gelegen.

Mit dieser Entscheidung hatte kaum jemand gerechnet. Die Kapitalmärkte gerieten regelrecht aus dem Häuschen. Börsianer reagierten euphorisch. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sprang auf einen Rekordstand von 9194 Punkten.

Während die Aktienmärkte haussierten, brach der Kurs des Euro um zwei Cent ein – eine für die Devisenmärkte dramatische Bewegung. Erstmals seit September wurde die Gemeinschaftswährung am Donnerstag für weniger als 1,33 Dollar gehandelt.

Die heftigen Marktreaktionen könnten der Beginn noch viel größerer Umwälzungen sein. Denn der Schritt der EZB ist historisch einmalig. Die 1998 gegründete Zentralbank betritt damit Neuland, nicht nur weil der Leitzins so niedrig ist wie noch nie in der deutschen Geschichte, sondern weil EZB-Chef Mario Draghi angekündigt hat, dass noch weitere Schritte folgen könnten.

Reaktion auf gesunkene Inflation

„Die EZB ist gerade dabei herauszufinden, wie weit sie gehen kann, ohne den geldpolitischen Rubikon zu überschreiten“, sagt Werner Abelshauser, Professor an der Universität Bielefeld. Der Wirtschaftshistoriker sieht die Handlungsweise der EZB kritisch, da deutsche Wirtschaftsstruktur auf Geldwertstabilität baue. Und genau das könne durch eine allzu lange lockere Geldpolitik ins Rutschen geraten.

Mit der Zinssenkung reagierte die EZB offenbar auf den jüngsten deutlichen Rückgang der Inflation in den 17 Euro-Ländern. Die Teuerungsrate war im Oktober auf 0,7 Prozent gefallen. Schon seit längerer Zeit liegt sie deutlich unter der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent, die die Notenbanker als gleichbedeutend mit Geldwertstabilität betrachten.

Außerdem war der Kurs des Euro zuletzt auf ein Niveau geklettert, das die konjunkturelle Erholung in den Südländern der Währungsunion erschüttert. So wundert es nicht, dass sich der italienische Ministerpräsident Enrico Letta lobend äußerte: „Die EZB-Leitzinssenkung ist eine großartige Neuigkeit.“ Sie mache klar, dass es der EZB ernst damit sei, das Wachstum zu stimulieren.

Schwaches Wachstum und Inflationsraten, die sich der Nulllinie nähern, nährten zuletzt die Angst, dass Europa ein Schicksal wie Japan drohen könnte.

„In Europa geht die Angst um vor japanischen Verhältnissen. In Euroland scheint die Banken- und Kapitalmarktkrise vordergründig überwunden zu sein. Jetzt rückt die Angst vor Deflation in den Vordergrund“, sagt Christian Gärtner von der I.C.M. InvestmentBank.

Finanzmärkte gewöhnen sich an die süße Droge

Doch schafft es eine extreme Niedrigzinspolitik, eine lahmende Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen? Nicht alle sind davon überzeugt. Die Bank von Japan ist schon Ende der 90er Jahre dazu übergegangen, Geld praktisch gratis an die Finanzkonzerne zu verleihen, ohne dass die zweitgrößte Ökonomie der Welt zu ihrer alten Stärke der 80er Jahre zurückgefunden hätte. Stattdessen sind die Staatsschulden immer weiter gewachsen, zuletzt auf rund 230 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Japan demonstriert noch ein weiteres Phänomen: Einmal daran gewöhnt, sich Geld zum Nullzins leihen zu können, kann der Finanzsektor nicht mehr ohne die süße Droge auskommen. Immer wenn die Bank von Japan versuchte, das Geld zu verteuern, kippte die Konjunktur weg. Inzwischen muss die Notenbank immer neue Stimuli einsetzen, um eine Erschlaffung der Wirtschaft zu verhindern. So muss sie zum Beispiel zusätzlich zum Nullzins die Banken über Wertpapier-Käufe mit Liquidität dopen.

Auch die EZB könnte sich schon bald gezwungen sehen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Tatsächlich hat EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag bereits die Möglichkeit negativer Einlagenzinsen angedeutet. Mit negativen Einlagenzinsen würden die Banken, die Geld bei der Zentralbank deponieren statt es an Firmen und Private zu verleihen, mit Gebühren bestraft.

Allerdings würde das die Kontoinhaber weiter belasten. Sparern droht eine Nacht ohne Morgen. Schon jetzt bekommen sie auf ihre Einlagen im Schnitt nur noch 0,6 Prozent Zins im Jahr. Nach der Entscheidung der EZB dürfte es noch weiter abwärts gehen. Denn mit dem Leitzins nimmt die Zentralbank Einfluss auf die Konditionen der Banken.

Banken kritisierten EZB-Politik

Daher regt sich gerade in Deutschland Kritik. Hierzulande haben die Bürger 1,8 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten sowie Sparbüchern deponiert. „Realwirtschaftliche Auswirkungen wird die heutige Zinssenkung nicht haben, für die Sparer ist sie das falsche Signal“, kritisiert Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbandes den Zinsschritt. „Experimente mit Negativzinsen würden wir nicht für angemessen halten.“

„Zinssenkungen haben bisher nicht wirklich der Wirtschaft und den Notleidenden geholfen und werden alleine auch nicht in der Zukunft helfen. Sie werden aber die Spekulation weiter antreiben. Notwendig wären stattdessen Hilfsprogramme für die Wirtschaft der betreffenden Länder, also eine Art Marshall-Plan“, sagt Joachim Paul Schäfer, Vermögensverwalter bei PSM Vermögensverwaltung Langen v.d. Goltz, Dr. Prinz & Partner.

Politiker von Union und SPD warnten vor spekulativen Blasen in Folge der umstrittenen Geldpolitik. Die Zinsentscheidung sei zwar vor dem Hintergrund einer niedrigen Inflation zu sehen, sagte der für Finanzpolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister (CDU), der „Berliner Zeitung“. Allerdings sei schon jetzt zu viel Liquidität in den Kapitalmärkten. „Die Gefahr von Vermögenspreisblasen existiert und wird durch diese Entscheidung nicht geringer.“

SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider gab zu bedenken, dass die EZB für den Fall einer Verschlechterung der immer noch fragilen Lage nun kaum noch Spielraum habe. „In Deutschland steigt das Risiko von kreditgetriebenen Vermögenspreisblasen bei Immobilien oder Aktien weiter.“

Auch nach Ansicht von Sparkassen-Präsident Fahrenschon nehmen die Risiken des billigen Geldes weiter zu: „Niedrigzinsen führen zu dauerhaften Verlusten der Sparer, die quasi einer Enteignung gleichkommen, weil sie bei ihren Anlagen negative Realzinsen hinnehmen müssen. Das führt zu erheblichen Lücken in der Altersvorsorge.“ Für eine dramatisch alternde Gesellschaft sei das ein Problem.

Problem für Lebensversicherungen

Schon haben manche Lebensversicherer Mühe, die in alten Policen festgeschriebenen Garantie-Verpflichtungen an den Finanzmärkten zu erwirtschaften. Denn nicht nur die kurzfristigen Zinsen sind so niedrig wie nie, auch lang laufende Rentenpapiere werfen als Folge der EZB-Politik kaum noch etwas ab.

Freuen können sich indes die Aktionäre. Der Dax steht heute 20 Prozent höher als zu Beginn des Jahres. Südeuropas Börsen haben Anlegern sogar noch mehr Gewinn beschert. Teilweise legten die Kurse dort seit Januar um 50 Prozent zu.

Aber auch Börsianer wissen nicht, was Nullzins für die Ewigkeit für sie bedeutet. Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand, drückt es so aus: „Auch wenn die Börsen die Leitzinssenkung der EZB mit neuen Höchstständen feiern, es ist und bleibt ein großes Experiment.“

http://www.welt.de/finanzen/article121659571/Den-Sparern-droht-eine-Nacht-ohne-Morgen.html

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13.10.2013

Kampf dem billigen Geld: Sparkassen fordern höhere Zinsen

Die Sparkassen sorgen sich um die Guthaben der Sparer und fordern ein Ende der billigen Zinsen. Das billige Geld sei keine Lösung für die Schulden, weil die Probleme damit lediglich auf die nächste Generation abgeschoben würden.

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Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sorgt sich um die Sparguthaben der Deutschen – und fordert ein Ende des billigen Geldes, welches die Zentralbanken unverändert vor sich herschieben.

Die Finanz- und Staatsschuldenkrise sei noch nicht vorbei. Aus Instabilitäten in anderen Regionen der Welt und aus den Nebenwirkungen der Rettungspolitik ergäben sich erhebliche Gefahrenpotenziale. Das sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, bei der Pressekonferenz seines Verbandes anlässlich der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Washington.

Fahrenschon: „Niemand sollte glauben, vermeintlich weiche Instrumente wie ein sehr niedriger Zinssatz seien risikolos und würden nicht erhebliche Kosten verursachen. Man kann auf Dauer das Problem zu hoher Schulden nicht mit noch mehr billigem Geld bekämpfen“, sagte Fahrenschon. Eine Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte sei nicht zuletzt die hohe Staatsverschuldung in den USA. „Auch ohne eine Erhöhung der Schuldenobergrenze sind die USA pro Kopf der Bevölkerung bereits deutlich höher verschuldet als Griechenland.“ Auch eine Erhöhung der Schuldenobergrenze werde deshalb die Probleme in den USA nicht beseitigen. Eine auf Schuldenaufnahme ausgerichtete Politik sei ökonomisch nicht nachhaltig, weil sie bestehende Ungleichgewichte nur auf nachfolgende Generationen abschiebe, aber nicht löse.

Nach Einschätzung Fahrenschons führen die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen zu fehlerhaften Risikobepreisungen und Kapitalfehlleitungen. Durch zu niedrige Kreditkosten erlahme der Erneuerungswille in den Krisenstaaten, aber auch in Deutschland selbst. Und zu niedrige Zinsen würden auf Sicht zu deutlichen Lücken in der privaten Alterssicherung führen und besonders stabilen Institutionen wie Lebensversicherungen und einlagenstarken Kreditinstituten das Leben schwermachen. Fahrenschon forderte deshalb die Notenbanken auf, den Zinswendepunkt nicht zu spät ins Visier zu nehmen und die Staatshaushalte durch realistische Zinsen wieder in die Pflicht zu nehmen, ihre Ausgabepolitik in den Griff zu bekommen.

Außerdem wandte sich Fahrenschon erneut gegen eine gemeinsame Schuldenhaftung in Europa: „Gemeinsame europäische Standards sind wichtig. Aber eine europäische Banken-Union darf nicht als ständiger Griff in die Taschen anderer verstanden werden.“

Die Sparkassen werden aller Voraussicht nach aus der Banken-Union ausgenommen werden. Sie sollen weiter von der Bafin beaufsichtigt werden.

Das größte Problem der Sparkassen sind die Landesbanken, die zu der Gruppe gehören. Sie waren durch Spekulation massiv von der Finanzkrise betroffen gewesen. Die Bafin hatte keinerlei Probleme im Vorfeld erkannt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/13/kampf-dem-billigen-geld-sparkassen-fordern-hoehere-zinsen/

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02.10.2013

Zu viel Unruhe: Draghi behält niedrigen Leitzins bei

Die Entwicklungen in Italien und den USA sind der EZB zu undurchsichtig. Beide Länder könnten in den kommenden Wochen zu massiven Unruhen am Staatsanleihenmarkt führen. Aus diesem Grund druckt die EZB lieber weiter Geld.

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Die lockere Geldpolitik der EZB wird fortgesetzt. Bei der heutigen EBZ-Ratssitzung in Paris wurde beschlossen, den Leitzins nicht anzuheben. Damit steht dieser weiterhin auf dem historischen Tiefstwert von 0,5 Prozent.

Zu unsicher ist die derzeitige, politische Lage in Europa und den USA. In Italien muss sich Premier Letta einem Vertrauensvotum stellen – die ganze Regierung wackelt – in Deutschland ist eineinhalb Wochen nach der Wahl noch keine Regierungskoalition gebildet und in den USA herrscht Stillstand (hier).

Je nachdem, was sich in diesen drei Ländern in den kommenden Wochen abspielt, ist mit massive Turbulenzen am Finanzmarkt zu rechnen. Aus diesem Grund hält Mario Draghi am niedrigen Leitzins fest. Das Signal, dass er aussenden will: Was auch passiert, die EZB wird es nicht zulassen. Die Frage ist nur, wie lang die Investoren den Worten des EZB-Chefs noch Glauben schenken.

Insofern wird vielleicht die Pressekonferenz am Nachmittag Aufschluss darüber geben, ob die EZB noch neue Maßnahmen vorweisen kann oder, ob die Instrumente bereits begrenzt sind.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/02/zu-viel-unruhe-draghi-behaelt-niedrigen-leitzins-bei/

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05.09.2013

Europäische Zentralbank setzt Enteignung der deutschen Sparer fort

EZB und Bank of England haben am Donnerstag bekanntgegeben, ihre historisch tiefen Leitzinssätze beizubehalten. Damit hat sich in der EZB die Italien-Fraktion durchgesetzt. Die deutschen Sparer werden durch diese Entscheidung weiter um Milliarden erleichtert.

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Die Entscheidung der europäischen Zentralbank vom Donnerstag den Leitzinssatz auf einem historischen Tief von 0,5 Prozent zu belassen, bedeutet eine Fortsetzung der Enteignung der deutschen Sparer. Während nämlich die EZB die Zinsen auf weiteren 0,5 % belässt, musst die Zentralbank mitteilen das die Inflation stärker steigt als geplant. Draghi sagte, dass eine Inflation von 2 Prozent erwartet wird. Dies bewege sich im selbst gesetzten Rahmen.

Damit ist klar: Die deutschen Sparer, die ihre Rücklagen für die Rente vom Sparbuch oder anderen Bankanlageformen geparkt haben, verlieren durch diese Entscheidung real weitere Milliarden.

Konkret bedeutet diese Entwicklung bei einem Guthaben von 100.000 Euro: Nach einem Jahr verfügt man bei 0,75 Prozent Zinsen, etwa bei der Sparkasse Bochum, über 100.750 Euro. Davon gehen circa 200 Euro an Steuern und Abgaben weg. Der Sparer hat also noch 100.550 Euro. Bei einer offiziellen Inflation von 2 Prozent ist dieser Betrag so viel wert wie 98.578,43 Euro ein Jahr zuvor. Der Sparer verliert also mit einem solchen Sparbuch im Lauf eines Jahres real 1.421.57 Euro.

Draghi ging erstmals auf die Frage der Enteignung ein – allerdings etwas ausweichend: Die EZB ist für die ganze Eurozone dar, es gibt keine Inflation in Deutschland. Die Zinsen der Bunds seien gestiegen, obwohl die EZB die Zinssätze sogar gesenkt habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zwar, dass dies eine unbefriedigende Situation sei, und dass Deutschland eigentlich höre Zinsen brauche. Sie beharrte jedoch nicht auf ihre Forderung und gab somit dem Drängen der Süd-Fraktion in der EZB nach.

Zuletzt hatte der deutsche Sparkassenverband DSGV diese Entwicklung kritisiert und davon gesprochen, dass die Politik der EZB auf diese Weise die deutschen Sparer enteigne. Die Lage ist für den deutschen Sparer besonders unerfreulich, weil Draghi sagte, dass die EZB auch in den kommenden Monaten nicht die Absicht habe, die Zinsen anzuheben.

Andererseits profitiert der Staatshaushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von dieser Maßnahme. Die Schuldenaufnahme ist für Deutschland deutlich billiger geworden.

Die Rechnung ist einfach: der Staat saniert seine gigantischen Schulden. Die deutschen Sparer und ihnen die europäische Sparer müssen dafür aufkommen

Nichts anderes bedeutet diese Entscheidung der EZB. Draghis Ausführungen, dass sich die konjunkturelle Lage gebessert habe, sind daher für die Deutschen nicht von Belang. Draghi sagte außerdem, dass die Aussichten nicht allzu viel Anlass zu Optimismus geben. Die Rohstoffpreise könnten steigen, die Arbeitslosigkeit auch. Das zusätzlich gedruckte Geld kommt weiter nicht bei den Unternehmen an, wie Draghi vermerkte. Anders als bei früheren Auftritten sprach Draghi diese Entwicklung nicht mehr an.

Die Geldmenge M3 ist unverändert gering, weshalb die Inflation in der Euro-Zone weiter unter der zwei-Prozent-Rate liegt. Das ist trotzdem nur die halbe Wahrheit: Die zentralbanken haben durch das fortgesetzte, ungezügelte Gelddrucken die Inflation in die Schwellenländer exportiert. Die Länder, allen voran Indien und Brasilien, kämpfen gerade ums Überleben.

Das hat auch mit den Aktivitäten der EZB und der Bank of England zu tun.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/05/europaeische-zentralbank-enteignet-deutsche-sparer-weiter/

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04.08.2013

Umverteilung in Europa hat begonnen: Deutsche Sparer verlieren 21 Milliarden Euro

Laut Berechnungen der Postbank verlieren die deutschen Sparer in diesem Jahr 14 Milliarden Euro. Und im Jahr 2014 wird der Verlust bereits 21 Milliarden Euro betragen. Der Grund: Die niedrigen Zinsen der EZB führen zur direkten Zerstörung der Vermögen der Deutschen.

 

Die Zinsen in der Eurozone bleiben auf absehbare Zeit extrem niedrig. Davon profitieren vor allem die Staaten, die billig Schulden machen können. Die Sparer hingegen verlieren Milliardensummen.

Nach einer Studie der Postbank verlieren die Sparvermögen bei Banken in Deutschland allein in diesem Jahr real etwa 14 Milliarden Euro an Wert. Im Jahr 2014liege der Vermögensverlust bereits bei 21 Milliarden Euro. „Durch den Anstieg der Inflation bei anhaltend niedrigen Zinsen wird sich die reale Vermögensentwertung beschleunigen“, zitiert die Bild-Zeitung den Postbank-Chefstrategen Marco  Bargel.

Die EZB hatte den Leitzins im Mai auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. Am Donnerstag sagte EZB-Chef Mario Draghi, dass die Leitzinsen „für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ gehalten würden (hier).

Gleichzeitig droht eine immer stärkere Inflation, die derzeit in Deutschland offiziell bei 1,9 Prozent liegt. Das ist mehr, als man derzeit mit einem Tagesgeldkonto an Rendite erreichen kann. Doch das drohende massive Gelddrucken durch die EZB könnte bald eine viel höhere Inflation bewirken.

Im ersten Quartal sind die Spareinlagen der Deutschen bereits deutlich zurückgegangen. Um nicht real Geld zu verlieren, sind die deutschen Sparer offenbar bereit, hohe Risiken einzugehen. Statt Spareinlagen halten sie nun deutlich mehr Aktien und undurchsichtige Zertifikate (mehr hier).

Doch nicht nur die Spareinlagen leiden unter der EZB-Niedrigzinspolitik. Auch die durchschnittlichen Renditen von Riester-Rente und privater Rentenversicherung liegen in Deutschland derzeit unterhalb der offiziellen Inflationsrate. Und bei Lebensversicherungen mussten die Versicherer allein 2012 zinsbedingte Mindereinnahmen von 4 Milliarden Euro verkraften (hier).

Um die Verluste, die sich aus den Niedrigzinsen ergeben, auszugleichen, „werden viele Arbeitnehmer noch während der Rentenphase berufstätig sein“, sagte DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Die Diskussion um die Rente mit 70 hat daher offenbar nicht zufällig begonnen: Die Deutschen werden darauf vorbereitet, dass ihr Plan, mit dem Ersparten den Lebensabend zu bestreiten, wegen der Schuldenpolitik nicht aufgehen wird.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/04/umverteilung-in-europa-hat-begonnen-deutsche-sparer-verlieren-21-milliarden-euro/

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10.06.2013

EZB-Chef verteidigt Niedrigzins-Politik:

EZB-Direktor Asmussen: „Sparen lohnt sich in Deutschland“

Die Europäische Zentralbank versucht der Krise der Eurozone unter anderem mit niedrigen Zinsen Herr zu werden. Das trifft aber auch die Sparer im „sicheren Hafen“ Deutschland. EZB-Direktor Jörg Asmussen sieht dennoch keinen Anlass zur Sorge.

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EZB-Direktor Jörg Asmussen hat die Niedrig-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank verteidigt. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung vom Montag sagte er: „Die EZB muss bei ihren Zinsentscheidungen die Gegebenheiten in der gesamten Euro-Zone in Betracht ziehen. Und wenn die Lage in den Problemländern sich bessert, wird das Zins-Niveau sich in Deutschland wieder normalisieren.“In Deutschland seien die Zinsen aber auch deshalb niedrig, „weil derzeit sehr viel Kapital in den sicheren Hafen Deutschland fließt“, so Asmussen. Sparen lohne sich aber noch immer. Zugleich zeigte Asmussen Verständnis für die Inflationsängste vieler Deutschen. Asmussen: „Die Angst vor Inflation ist Teil unserer kollektiven Erinnerung. Aber die Bundesbürger können sicher sein: Die EZB wird alles tun, um stabile Preise in allen Eurostaaten zu sichern. Für 2013 erwarten wir gerade mal 1,4 Prozent Inflation.“

Vor der Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über den Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten durch die Europäische Zentralbank warnte Asmussen vor den Konsequenzen eines möglichen Urteils. Er habe hohen Respekt vor dem Gericht und werde einer unabhängigen Institution keine Ratschläge erteilen, sagte Asmussen der „Bild“. „Generell gilt aber: Keine Institution handelt im luftleeren Raum. Wenn das Aufkauf-Programm zurückgenommen werden müsste, hätte das erhebliche Konsequenzen.“Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen klammer Euro-Staaten in unbegrenzter Höhe anzukaufen, um so die Finanzmärkte zu beruhigen, hatte im September vergangenen Jahres für Klagen am Bundesverfassungsgericht gesorgt. Über sie wird nun ab Dienstag in Karlsruhe verhandelt, für die EZB nimmt Asmussen teil.Asmussen begründete in der „Bild“-Zeitung, warum er und nicht EZB-Präsident Mario Draghi nach Karlsruhe reist. „Das Verfassungsgericht hat eine Einladung an die EZB geschickt, nicht an Herrn Draghi persönlich. Wir haben uns dann überlegt, wer am geeignetsten wäre. Ich kenne das Verfassungsgericht von allen EZB-Direktoren am besten, deshalb fiel die Wahl auf mich.“ Er übernehme die Verantwortung gern, fügte das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied hinzu.

http://www.focus.de/finanzen/banken/ezb-chef-verteidigt-niedrigzins-politik-ezb-direktor-asmussen-sparen-lohnt-sich-in-deutschland_aid_1008876.html

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29.05.2013

Top-Ökonom warnt die Sparer„Deutsche: Konsumiert, bevor das Geld weg ist“

Zu hohe Ersparnisse führen zu Finanzkrisen – und am Ende trifft es den Steuerzahler. Im FOCUS-Online-Interview warnt Ökonom Daniel Gros die Deutschen vor allzu viel Spareifer: Weil ihr Geld nicht sicher ist, sollten sie es lieber ausgeben.Von FOCUS-Online-Autor Stefan W. Römmelt

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FOCUS Online: Herr Gros, Sie sagen Deutschland und Europa äußerst finstere Zeiten voraus. Warum?Gros: Die arbeitsfähige Bevölkerung schrumpft. Das heißt, dass das reale Wachstum des Bruttosozialprodukts (BIP) nicht mehr sehr hoch sein kann. Eine Abnahme der Arbeitsbevölkerung um 0,5 Prozent und ein Plus der Produktivität um ein Prozent führen zu einem strukturellen Wachstum von vielleicht einem Prozent. Das heißt nicht, dass jeder ärmer wird. Es heißt aber, dass keiner reicher wird.FOCUS Online: Müssen wir bescheidener werden? Uns mit dem erreichten Wohlstand zufrieden geben?Gros: Fraglich ist, ob wir diesen Zustand erreichen können, wenn wir gleichzeitig ein Finanzsystem haben, bei dem sich die Schuldenstände stark aufgebläht haben und wir diese Schulden nur tragen können, wenn es Wachstum gibt.

Zur Person
Daniel Gros ist Direktor des „Centre für European Policy Studies“ (CEPS), einer in Brüssel ansässigen Denkfabrik. Davor arbeitete der Ökonom für den Internationalen Währungsfonds und als Berater für die EU-Kommission und das EU-Parlament.

FOCUS Online: Was ist die Lösung?Gros: Wenn man mageres Wachstum erreichen möchte, muss man die Schulden irgendwie senken. Es wird wohl darauf hinaus laufen, dass viele Schuldner in die Insolvenz gehen. Außerdem müssen innerhalb des Bankensystems viele Schulden dadurch beschnitten werden. Das bedeutet, dass nicht mehr eine Bank etwas an die andere Bank weiterreicht. Denn wenn man so eine Pyramide hat und es unten ein bisschen wackelt, dann wackelt es gleich überall. Wenn die Einlagen nur an eine Bank gehen und dann wieder ausgeliehen werden, dann hat nur diese Bank ein Problem, aber das ganze System kann es überleben.FOCUS Online: Warum ist das nicht längst passiert?Gros: Dazu braucht es Regulierung, ein Eingreifen der Behörden. Natürlich wehren sich die Banken dagegen, denn das würde ja ihre gewohnten Geschäfte berühren. Außerdem würden sie vielleicht etwas weniger Gewinne machen. Die Banken haben natürlich lieber ein System, in dem jeder mit jedem zusammenhängt, weil sie dann wissen: Mir kann nichts passieren.FOCUS Online: Was soll die Politik tun?Gros: Es gibt erste Versuche in die richtige Richtung. Der Fall Zypern gibt mir etwas Hoffnung. Vor Zypern hieß es: Die Banken sind so vernetzt, dass nicht einmal eine kleine Bank fallen gelassen werden darf. Sonst passiert das Ungeheure. Doch man hat es in Zypern gemacht und die Märkte sind nicht zusammengebrochen. Das war ein ganz, ganz wichtiges Ereignis, damit hat die Politik Handlungsspielraum gewonnen.FOCUS Online: Zu einem hohen Preis: Seitdem haben viele Anleger Angst, ihre Ersparnisse zu verlieren.Gros: Es gibt nun mal keine hundertprozentige Sicherheit.FOCUS Online: Das kann kein Politiker öffentlich sagen.

Gros: Natürlich sagen sie das nicht (lacht). Das ist wie mit des Kaisers neuen Kleidern.

FOCUS Online: Was meinen Sie, werden die Deutschen in der nächsten Zeit tun?

Gros: Die Politiker werden den Sparern sagen: Es gibt keine Gefahr und es werden sich weiter Ersparnisse anhäufen. Die müssen im Ausland angelegt werden. Dabei werden Banken Verluste erleiden, der Staat wird einspringen und die Steuerzahler werden bezahlen.

FOCUS Online: Wann kommt das böse Erwachen?

Gros: Es kommt niemals, weil die Politiker es ja mit teuren Rettungsaktionen verhindern. Das hat man ja bei den deutschen Landesbanken gesehen.

FOCUS Online: Irgendwann muss sich dieses Verdrängen doch rächen?Gros: Nein, weil die Deutschen weiterhin bereit sind, zu sparen – selbst wenn sie nichts dafür bekommen. Es kann sogar sein, dass sie umso mehr sparen, je weniger sie bekommen. Denn wenn sich jemand bei einem Zinssatz von fünf Prozent eine Rente zusammensparen möchte, muss er 100 000 Euro sparen, um 5000 Euro an Zinsen zu bekommen. Wenn er ein Prozent Zinsen bekommt, muss er 500 000 Euro sparen, um 5000 Euro zu bekommen. Die meisten Leute, die sich jetzt eine Rente zusammensparen wollen, müssen also noch viel mehr sparen als vorher.FOCUS Online: Wie lautet Ihr Rat an die Deutschen Sparer?Gros: Sie sollen konsumieren, bevor das Geld weg ist. Wenn die Deutschen noch etwas mit ihrem Wohlstand anfangen wollen, sollten sie jetzt ihre Häuser ausbessern und ihr Geld im Inland ausgeben. Wenn sie darauf bestehen, weiter zu sparen, werden sie wenig von ihrem Ersparten zurückbekommen.FOCUS Online: Und wer trotzdem weiter sparen will?Gros: Für Leute, die zu viel sparen wollen, sieht die Welt schlecht aus. In Amerika könnte man noch investieren, aber da hat man sich in der Hypothekenkrise schon einmal die Finger verbrannt.

Und die Rendite amerikanischer Staatsanliehen geht – in Dollar gerechnet – gegen Null.

FOCUS Online: Aber es gibt doch viel andere Länder, die boomen. Dort könnte man sein Geld anlegen.

Gros: Drei Viertel des globalen Wachstums findet außerhalb der reichen Länder. Heute steht die Eurozone noch für über 20 Prozent der Weltwirtschaft und ist ein wichtiger Faktor. Ich schätze, dass es damit im Jahr 2030 vorbei ist. Dann macht die Eurozone weniger als zehn Prozent der Weltwirtschaft aus. Wichtiger werden China, Indien, überhaupt Asien – außer Japan.

FOCUS Online: Wo ist der Haken?

Gros: Aber in China ist nicht viel zu holen für ein Land wie Deutschland, das Exportüberschüsse hat. Die Chinesen haben ja selbst enorme Überschüsse und wollen noch mehr verkaufen. Wir müssten gute Schuldner finden, die unsere Ersparnisse akzeptieren und sagen: Vielen Dank – wir werden Euer Geld produktiv einsetzen und morgen das Ganze mit Zinsen zurückbezahlen.

FOCUS Online: Gibt es solche generösen Schuldner?

Gros: Davon gibt es sehr wenige. Vielleicht gerade noch Indien. Die Inder sparen etwas weniger als die Chinesen und versuchen trotzdem relativ viel zu investieren, damit sie Wachstum haben. Es ist das einzige Land, das mit Substanz wächst. Die anderen Länder wachsen auf Pump.

http://www.focus.de/finanzen/geldanlage/tid-31448/top-oekonom-warnt-die-sparer-deutsche-konsumiert-bevor-das-geld-weg-ist_aid_998348.html

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22.05.2013

Trotz Leitzins-Rekordtief

Banken kassieren bei den Dispo-Zinsen weiter ab

Die EZB hat den Leitzins auf einen historischen Tiefstand gesenkt. Doch die Geschäftsbanken geben ihre Finanzierungsvorteile nicht an die Kunden weiter: Gerade einmal vier Institute verlangen weniger Strafzinsen für die Konto-Überziehung.

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Knapp drei Wochen ist es her, dass die Zentralbank den Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent drückte – vor allem, um die Kreditvergabe der Banken und damit das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone anzukurbeln.Doch in Deutschland hält sich die Wirkung dieser Maßnahme in Grenzen. Einer Umfrage der „Bild“-Zeitung zufolge haben nur vier Banken daraufhin ihre Dispo-Zinsen anpassten: die Deutsche Bank, die Norisbank, die Berliner Bank und die Comdirect Bank.

Die Santander Consumer Bank sowie ihre Tochter Santander Bank sollen am 1. Juli folgen. Sie reduzieren die Überziehungskonditionen auf maximal 11,75 Prozent. Die restlichen Institute planen vorerst keine Anpassung. Begründung: Sie haben ihre Dispozinsen nicht direkt an den Leitzins der Europäischen Zentralbank gekoppelt und sehen daher keinen Grund für eine Senkung.

SPD will gesetzliche Dispo-Zins-Grenze

Die Dispozinsen, die für eine Überziehung des Girokontos fällig werden, sind zwar bereits 2012 branchenweit etwas gesunken. Verbraucherschützer kritisieren aber seit langem, dass das Niveau mit durchschnittlich mehr als zehn Prozent zu hoch ist – angesichts der niedrigen Zinsen, zu denen sich die Banken selbst Geld leihen können. Im Durchschnitt liegt der Überziehungszins derzeit bei 10,51 Prozent. Zu hoch, meint Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Er hält maximal neun Prozent für angemessen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geht noch weiter: Er hatte nach der Zinssenkung gesagt, es werde Zeit für eine gesetzliche Zins-Obergrenze für Überziehungskredite. Die Dispo-Zinsen sollten nicht mehr als sieben Punkte über dem Leitzins liegen. Die SPD hat die Forderung, dass die Dispozinsen einen Maximalabstand zum Leitzins haben sollten,in ihr Wahlprogramm aufgenommen.

http://www.focus.de/finanzen/banken/trotz-leitzins-rekordtief-banken-kassieren-bei-den-dispo-zinsen-weiter-ab_aid_995824.html

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18.05.2013

Niedrigzinsen kein Dauerzustand“

Bundesbankpräsident warnt Deutsche vor Verschuldung

Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt davor, sich bei Investitionsentscheidungen auf dauerhaft niedrige Zinsen zu verlassen. Entscheidungsgrundlage sollten die langfristig normalen Zinssätze sein. Auch die Rettungspolitik der EZB ist ihm nicht geheuer.

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Die gegenwärtige Niedrigzinsphase darf kein Dauerzustand sein, und darauf sollte sich auch niemand verlassen“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann der „Bild am Sonntag“. „Das sollten auch all jene bedenken, die sich jetzt verschulden. Die Grenzen der eigenen Belastbarkeit sollte man nicht an den aktuell sehr niedrigen Zinsen, sondern an langfristig normalen Zinssätzen bemessen.“Weidmann bekräftigte zudem seine Vorbehalte gegen die Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank. Zum Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zur Stabilisierung des Euro aufzukaufen, sagte er der Zeitung: „Ist es eine gute Idee, dass wir einfach alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften? Eigentlich geht es doch darum, dass wir auf dem Weg zu einer stabileren Währungsunion vorankommen.“

Bundesbank will Euro erhalten“

Er habe die Sorge, dass die gute Entwicklung an den Finanzmärkten und insbesondere die niedrigen Zinsen auch für Staatsanleihen dazu führten, dass der Kampf gegen die Ursachen der Krise mit weniger Nachdruck geführt werde. „Das gehört zu den Risiken und Nebenwirkungen der Medizin, die Zentralbanken weltweit mit der Politik des billigen Geldes gerade verabreichen.“

Weidmann betonte, Kritik an der Ausgestaltung einzelner Rettungsmaßnahmen bedeute nicht, dass man den Euro abschaffen wolle. „Im Gegenteil: Für die Bundesbank gilt, dass wir den Euro erhalten wollen und zwar als stabile Währung.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins Anfang Mai auf den historischen Tiefstand von 0,50 Prozent abgesenkt. Angesichts schwacher Aussichten für den Arbeitsmarkt und für die Wirtschaft in etlichen Euro-Staaten war in den vergangenen Wochen der Druck auf die Währungshüter gewachsen, den Leitzins weiter zu senken. Durch die Absenkung der Zinsrate ist die Aufnahme von Krediten beispiellos günstig, während Anleger kaum noch Zinsen für ihr Geld bekommen.

http://www.focus.de/finanzen/banken/niedrigzinsen-kein-dauerzustand-bundesbankpraesident-warnt-deutsche-vor-verschuldung_aid_994048.html

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14.05.2013

14 Milliarden Euro Verlust durch Zins-Flaute

Vermögensvernichtung“: Deutsche Sparer verlieren 14 Milliarden Euro im Jahr

Die Zinsen sind niedrig wie nie zuvor. Wegen der Inflation heißt das für deutsche Sparer, dass sie Vermögen verlieren. Es geht um die gigantische Summe von 14 Milliarden Euro – in nur einem Jahr. Der Konjunktur-Chef des Ifo-Instituts spricht von einer „Geldentwertungsmaschine“.

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Die historisch niedrigen Zinsen führen bei deutschen Sparern in diesem Jahr zu einem realen Vermögensverlust in zweistelliger Milliardenhöhe, berichtet die „Bild“-Zeitung vom Dienstag unter Berufung auf eine Schätzung der Postbank. Demnach verlieren die Bankeinlagen der privaten Haushalte 2013 unter dem Strich rund 14 Milliarden Euro an Wert.

Experten sehen „Vermögensvernichtung“

Grund sei die im Vergleich zu den Zinsen hohe Inflationsrate, sagte Postbank-Chefstratege Marco Bargel der Zeitung. Er bezeichnete das Minus als „kräftige Vermögensvernichtung“, die langfristig Schaden anrichte.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, zeigte sich angesichts der Zahlen ebenfalls sehr besorgt. Er sagte dem Blatt: „Die Mini-Zinsen sind für die Sparer die größte Geldentwertungsmaschine seit Einführung des Euro.“

Keine Entwarnung für die kommenden zwei, drei Jahre

Ein Ende der Entwicklung sieht der Fachmann nicht. Deutsche Sparer würden voraussichtlich „noch zwei bis drei Jahre unter den Mini-Zinsen leiden müssen“, erklärte Carstensen.

Der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, forderte die Europäische Zentralbank (EZB) dem Bericht zufolge zur Anhebung des Leitzinses auf. „Wenn die Zinsen nicht bald wieder auf ein marktgerechtes Niveau steigen, entsteht ein riesiges Folgeproblem: große Lücken in der privaten Altersversorgung der künftigen Rentner. Das ist ein hoher Preis für die Niedrigzinspolitik der EZB“, sagte Erdland. Auch Postbank-Chefstratege Bargel mahnte, „die Phase der Niedrigzinsen sollte bald zu Ende gehen“.

Die niedrigen Zinsen machen neben den Sparern auch den Banken zu schaffen. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young rechnet in den kommenden Jahren mit weiter sinkenden Gewinnen der größten Geldhäuser des Landes. Grund seien neben den niedrigen Zinsen auch die schwache Konjunktur, die schärfere Regulierung und weitere Belastungen aus der Schuldenkrise.

https://www.focus.de/finanzen/banken/niedrige-zinsen-fuehren-zu-verlusten-vermoegensvernichtung-deutsche-sparer-verlieren-14-milliarden-euro-im-jahr_aid_988505.html

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03.05.2013

210 Milliarden Euro Verlust: Der niedrige Leitzins schröpft die Altersvorsorge

Die Niedrigzinspolitik der EZB macht den Lebensversicherungen zu schaffen. Alleine 2012 nahmen sie zinsbedingt vier Milliarden Euro weniger ein. Noch härter trifft es die Versicherten selbst. 210 Milliarden Euro haben diese seit 2000 verloren.

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Auf der ganzen Welt werden die Märkte mit Geld geflutet. Egal ob die amerikanische Fed, die Bank of Japan oder die Europäische Zentralbank (EZB): alle drücken sie ihre Leitzinssätze nach unten. So wollen die Notenbänker die lahmende Wirtschaft ankurbeln und – im Falle der EZB – nebenbei auch den Spekulanten, die den kriselnden Südländern kein Geld mehr leihen wollen, das Handwerk legen. Erst am Donnerstag senkte die EZB den Leitzins auf das historische Rekordtief von 0,5 Prozent.Einen großen Verlierer dieser Geldpolitik gibt es bereits: die Besitzer von Lebensversicherungen. Nach einer Berechnung des Branchendienstes Map-Report mussten sie bereits heftig bluten: Allein seit dem Jahr 2000 sind ihnen demnach 210 Milliarden Euro an Überschussbeteiligungen flöten gegangen. „Vor 2000 hatten wir in Deutschland jahrzehntelang einen recht starren und hohen Normalzins“, sagt Map-Report-Chef Manfred Poweleit. „Seitdem hat die EZB die Zinsen künstlich gedrückt und die Sparer mussten mit deutlich geringeren Renditen auf ihre Lebensversicherungen auskommen.“ Der Leitzins fiel von 4,75 Prozent um die Jahrtausendwende um 4,25 Prozentpunkte und riss die Anlagezinsen mit sich nach unten.Der tatsächliche Verlust deutscher Sparer aufgrund der niedrigen Zinsen dürfte laut Poweleit noch weit über den genannten 210 Milliarden Euro liegen. Schließlich legen die Deutschen ihr Geld nicht ausschließlich in Lebensversicherungen an. „Auch Immobilien im flachen Land haben an Wert verloren“, sagt Poweleit. „Wenn Sie im Umland von Göttingen ein Haus verkaufen wollen, das 200 000 Euro wert ist, können sie froh sein, wenn Sie am Ende 140 000 Euro dafür bekommen.“ Vor diesem Hintergrund hält der Map-Report-Chef die Lebensversicherung als Altersvorsorge noch für das geringere Übel. Auch wenn ein Ende der niedrigen Zinsen nicht in Sicht ist

Lebensversicherer nehmen vier Milliarden Euro weniger einDie Lebensversicherungsbranche gibt sich aktuell auch noch einigermaßen entspannt. Die deutschen Versicherer bieten im Marktdurchschnitt noch immer eine passable Verzinsung von 3,6 Prozent. Ursache dafür sind laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter anderem neue, langfristige Investitionen in Sparten wie die Erneuerbaren Energien. Zudem lagern noch ältere hochverzinste Anlagen in den Beständen der Assekuranz. Diese laufen jedoch zwangsläufig irgendwann aus. Dann muss das Geld neu angelegt werden – zu womöglich geringeren Zinsen. Und dann könnte es eng werden.„Allein 2012 verzeichneten die Lebensversicherer zinsbedingte Mindereinnahmen von vier Milliarden Euro“, sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Der GDV hatte die aktuellen Zinssätze der Anlagen der Versicherer mit denen verglichen, die nach seiner Ansicht ohne den Einfluss der Finanz- und Schuldenkrise entstanden wären. Auf Basis der Differenz beider Werte ergab sich schließlich der Milliarden-Fehlbetrag. Um trotzdem weiterhin relativ hohe Renditen zu erwirtschaften, wollen die Lebensversicherer nun vermehrt in Infrastrukturprojekte oder Wind- und Solarparks investieren.Mit niedrigen Renditen haben zurzeit alle Sparer zu kämpfen. Die Zinsen, die sie für Einlagen bekommen, liegen vielfach bereits unter der aktuellen Inflationsrate von 1,4 Prozent. De facto verlieren sie damit, in Kaufkraft gerechnet, Geld. Tagesgeld- und Festgeldkonten können kaum noch zum Erhalt des Geldwertes beitragen. Die EZB-Entscheidung von Dienstag könnte diese Problem noch verschärfen.

http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/lebensversicherung/tid-30986/210-milliarden-euro-verlust-der-niedrige-leitzins-schroepft-die-altervorsorge_aid_979308.html

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12.02.2013

So vernichtet die Hochfinanz das Geld der Sparer

Es sind harte Zeiten für Festgeld-Sparer: Mit den Zinsen, die sie für ihr Geld bekommen, machen sie oft nicht einmal die Inflation wett. AusgereGrund sei die im Vergleich zu den Zinsen hohe Inflationsrate, sagte Postbank-Chefstratege Marco Bargel der Zeitung. Er bezeichnete das Minus als „kräftige Vermögensvernichtung“, die langfristig Schaden anrichte.chnet die Angebote der großen Geldhäuser enttäuschen häufig. Aber es gibt Lichtblicke.

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Auf die großen, vertrauten Banken ist Verlass. Das denken zumindest viele Sparer in Deutschland, wenn es um ihr Geld geht – erst recht, wenn sich um sie herum Wirtschafts- oder Finanzkrisen abspielen. Wer möchte in Zeiten, da die Zukunft des eigenen Geldes ohnehin ungewiss ist, auch noch einem unbekannten, womöglich dubiosen Anbieter aus dem Ausland sein Erspartes anvertrauen? Dann doch lieber zu Altbewährtem greifen.Namen sind nur Schall und RauchBei den Banken ist es wie bei allen Marken: Die prominentesten, allgegenwärtigen Namen genießen immer einen Vertrauensvorschuss. Das mag in vielen Fällen die Folge erfolgreicher Marketingkampagnen und langjähriger Kundenbeziehungen sein. An besonders attraktiven Angeboten liegt es jedenfalls nicht. Denn ausgerechnet die größten und dem Normalbürger geläufigen Finanzinstitute in Deutschland schneiden häufig miserabel ab, wenn es etwa um die Konditionen für Tages- und Festgeld geht.FOCUS Online hat bei den Angeboten der „Großen“ genauer hingesehen – und festgestellt: Die attraktivsten von ihnen kratzen gerade einmal an der Inflationsrate. In den meisten Fällen aber verlieren die Sparer de facto Kapital, weil die Zinssätze die Inflation nicht mal annähernd ausgleichen.

Das sind, Stand 12. Februar 2013, die Zinssätze der „großen“, bekannten Anbieter für Tagesgeld bei einem Anlagebetrag von 10 000 Euro:

Deutsche-Bank-Tochter Norisbank (Top-Zinskonto; die Deutsche Bank selbst bietet kein Tagesgeldkonto an): 0,9 Prozent

Commerzbank (Topzins-Konto): 0,45 Prozent / Direktbank-Tochter comdirect (Tagesgeld PLUS -Konto): 1 Prozent

Postbank (Tagesgeld-Konto): 0,35 Prozent

ING-Diba (Extra-Konto): 1,25 Prozent (ab 15.2.: 1 Prozent)

Berliner Sparkasse (Tagesgeld direkt): 0,5 Prozent

Hamburger Sparkasse (DIREKT Cashkonto): 0,5 Prozent

Targo-Bank (Tagesgeld-Konto): 0,7 Prozent

Berliner Volksbank (VR AnlageKonto): 0,5 Prozent

Stadtsparkasse München (Cash direkt, Online-Sonderkondition): 0,5 Prozent

Und hier kommt die Übersicht über die Festgeldangebote der gleichen Institute (Anlagedauer zwei Jahre, Anlagebetrag 10 000 Euro):-Deutsche Bank (FestzinsSparen): 0,4 Prozent / Norisbank (Termingeld): 0,9 Prozent-Commerzbank-Tochter com.direct (Laufzeitkonto): 0,75 Prozent– Postbank (Kapital plus direkt): 0,1 Prozent

ING-Diba: (kein Angebot für zweijährige Anlagedauer; Angebot für zwölf Monate: 1,15 Prozent)

Berliner Sparkasse (Festzinssparen): 0,25 Prozent

Hamburger Sparkasse (FestzinsSparen): 0,35 Prozent

Targo-Bank (Festgeld): 0,95 Prozent

Berliner Volksbank: (kein Angebot für zweijährige Anlagedauer; Angebot für sechs Monate: 0,15 Prozent)

Stadtsparkasse München: (kein Angebot für zweijährige Anlagedauer; Angebot für 18 Monate: 1,0 Prozent)

Die gute Nachricht ist: Wer nicht stur nach großen Name aussucht, sondern nach Zinssatz, findet in der Vielfalt der Finanzdienstleister aus dem In- und Ausland durchaus noch ordentliche Angebote. Beim zweijährigen Festgeld beispielsweise sind beim aktuellen Top-Anbieter, der österreichischen Deniz Bank, immerhin 2,25 Prozent drin, beim Tagesgeld sind es zwei Prozent (Rabo Direct).

Wichtig: Auch die weniger bekannten Anbieter sind, je nach Sitz des Instituts, unterschiedlichen Einlagensicherungssystemen angeschlossen, bei denen der Durchschnittssparer um sein Erspartes nicht bangen muss, selbst wenn sein Institut pleiteginge.

http://www.focus.de/finanzen/banken/grosse-banken-kleine-zinsen-so-vernichtet-die-hochfinanz-das-geld-der-sparer_aid_918129.html

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