Bilanzen der Euro-Banken

12.12.2013

Europas Großbanken fehlen 110 Milliarden Euro

Europas Banken sind im internationalen Vergleich am stärksten von Kapitalnot betroffen. Ratinganalysten haben herausgefunden, dass den 50 größten Geldhäusern Europas 110 Milliarden Euro Eigenkapital fehlen – die Belastung könnte schwere Folgen haben.

————————————————————————————-

Die 50 größten Banken in Europa brauchen nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) noch 110 Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital. Erst dann wäre die Kapitalausstattung der Geldhäuser keine Belastung mehr für deren Ratingnoten, erklärte S&P in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Die Institute dampften derzeit vor allem ihre Bilanzen ein, um den Kapitalbedarf zu senken: Im ersten Halbjahr habe ein Bilanzabbau um 1,1 Billionen Euro die Lücke in der Kapitaldecke um 34 Milliarden Euro gesenkt.

Dabei leiden Europas Banken im internationalen Vergleich am stärksten an Kapitalnot. Die weltweite Lücke beziffert S&P auf 185 Milliarden Euro. Über 70 Milliarden Euro bräuchten allein Banken aus Griechenland, Portugal, Italien und Spanien. „Wir glauben, dass die Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der für 2014 geplante Stresstest die Banken weiter ermutigen wird, en Risikoabbau fortzusetzen und frisches Kapital aufzunehmen “, schreiben die Ratinganalysten. Doch bei großen Instituten in Portugal und Irland habe der Bilanzabbau nicht ausgereicht. Weitere Rückstellungen für faule Kredite vernichteten dort unter dem Strich Kapital.

Frisches Kapital von mutigen Aktionären

Nur wenige Banken – wie Barclays und die Deutsche Bank – hätten es gewagt, die Aktionäre um frisches Kapital zu bitten. „Wir glauben allerdings, dass die Aktionäre es grundsätzlich vorziehen, wenn die Banken eine Verwässerung bei den derzeitigen Bewertungen vermeiden“, schreibt S&P. Für das kommende Jahr erwartet S&P daher, dass die Banken mehr Hybridkapital aufnehmen werden, auch um die vorrangig besicherten Gläubiger vor Ausfällen zu schützen. Noch warteten sie aber darauf, dass die EU-Bankenaufseher Klarheit schaffen, welche dieser Mischformen von Eigen- und Fremdkapital als Kapitalpolster anerkannt werden.

http://www.focus.de/finanzen/banken/desastroese-finanzluecke-kapitalnot-europas-grossbanken-fehlen-110-milliarden-euro-kapital_id_3477652.html

———————————————————————————————————————

29.10.2013

Euro-Banken hocken auf einer Billion fauler Kredite

Wegen der Wirtschaftsmisere in Teilen Europas haben Verbraucher und Unternehmen Schwierigkeiten, ihre Kredite an Banken zurückzuzahlen. Die Folge sind faule Kredite. Die Summen sind astronomisch.Die Banken der Eurozone haben einer Hochrechnung zufolge so viele faule Kredite in den Büchern wie noch nie. „2013 fallen in der Eurozone 7,8 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie, das entspricht 940 Milliarden Euro – ein neuer Rekordwert“, berichtete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) am Dienstag in Frankfurt.

————————————————————————————-
Angesichts von Konjunkturflaute und Rekordarbeitslosigkeit steige die Zahl der Unternehmen und Bürger im Euroraum, die ihre Kredite nicht oder nicht fristgerecht zurückzahlen können, gegenüber 2012 um 120 Milliarden Euro oder 15 Prozent.
Besonders stark betroffen seien Institute in den Krisenländern Spanien und Italien, wo in diesem Jahr 12,0 beziehungsweise 11,5 Prozent der vergebenen Kredite ausfallgefährdet seien. „Aufgrund der Konjunkturkrise und der steigenden Arbeitslosigkeit ist europaweit die Zahl der Bankkunden, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, deutlich gestiegen“, sagte EY-Partner Claus-Peter Wagner.

Faule Kredite landen bereits auf „Bad Banks“

Die deutschen Geldhäuser stehen hingegen mit einem Anteil notleidender Kredite von aktuell 3,2 Prozent relativ gut da. Für die kommenden Jahre werde dank der vergleichsweise starken Binnenkonjunktur und des boomenden Immobilienmarkts zudem ein weiterer leichter Abbau auf 2,8 Prozent im Jahr 2017 prognostiziert.

Nach Überzeugung von EY ist der Höhepunkt der Entwicklung aber inzwischen aber erreicht. Teilweise würden faule Kredite bereits auf sogenannte „Bad Banks“ übertragen, um den Bankensektor zu entlasten. Vom kommenden Jahr an dürften die Banken ihren Bestand an notleidenden Krediten auf breiter Front reduzieren – dank der verbesserten Konjunkturaussichten und der weiteren Übertragung von Krediten auf „Bad Banks“.

Zudem dürften Institute Kredite mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit weiter verkaufen, etwa an Finanzinvestoren. Nach EY-Schätzung wird das Volumen dieser Ausleihungen 2014 um 10 Prozent auf rund 846 Milliarden Euro sinken.

http://www.focus.de/finanzen/banken/gefahr-fuers-finanzsystem-euro-banken-hocken-auf-einer-billion-fauler-kredite_aid_1142959.html

———————————————————————————————————————

12.08.2013

Euro-Banken: In einem Jahr 375 Milliarden Euro an neuen Risiken angehäuft

Die Risiken der europäischen Banken sind im vergangenen Jahr nicht kleiner geworden, sondern gewaltig gestiegen. Niemand weiß, wie die Banken den vielen Schrott loswerden sollen. Die Lage ist brandgefährlich.

————————————————————————————

Deutsche Bank, Crédit Agricole und Barclays sind die am schlechtesten kapitalisierten Banken in Europa. Sie brauchen dringend frisches Geld und müssen Vermögenswerte von 661 Milliarden Euro abstoßen, um das Risiko eines Bailouts zu reduzieren.  Das ist das Ergebnis einer Studie der Royal Bank of Scotland (RBS).

Die europäischen Banken sind unverändert ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Europa. Ihre Bilanzen umfassen zusammengezählt etwa 32 Billionen Euro. Das entspricht dem Dreifachen des jährlichen BIP der Euro-Zone. Insgesamt müssen 3,2 Billionen Euro an riskanten Vermögenswerten aus den Bilanzen gestrichen werden, um den Vorschriften der Bankenregulierung Basel III zu entsprechen (mehr hier).

Den größten Teil dieser riesigen Summe müssen die kleinen und mittleren Banken aus ihren Bilanzen herausstreichen (2,6 Billionen Euro). Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Kreditvergabe an kleinere Banken ins Stocken geraten könnte.

Denn die Banken können faule Assets nicht aus dem Eigenkapital bezahlen. Sie müssen sie so lange mitschleppen, bis es entweder kracht oder aber ein Wunder dafür sorgt, dass die Risiken verschwinden.

Der Finanzblog Zerohedge hat errechnet, dass die Banken ihre Probleme in der Krise nicht nur nicht gelöst, sonders sogar vergrößert haben: In einem Jahr sind die Risiken um 375 Milliarden Euro gestiegen.

Es gibt zu viele Schulden, die in den Bilanzen der Banken festgeschrieben sind“, sagte James Campbell, Analytiker bei Berenbank in einem Bericht der FT. „Das größte Problem ist, dass die Banken immer noch nicht genug Kapital haben, um diese Kredite abzuschreiben.“ Eine neue Finanzkrise würde Europa nach Ansicht der RBS nicht überstehen (mehr hier).

Mag man den Zahlen der EZB Glauben schenken, dann haben die Banken ihre Bilanzen seit 2012 bereits um 2,9 Billionen Euro reduziert. Kredite wurden nicht wieder erneuert. Neue Investments wurden reduziert und ganze Sparten abseits des Kerngeschäftes veräußert.

Doch nur mit der Verkleinerung der Bilanzen ist es nicht getan. „Wenn man Banken dazu zwingt, Ihr Eigenkapital zu erhöhen, müssen sie mit den Vermögenswerten, die sie noch besitzen, mehr Risiko eingehen“, sagte Bridget Gandy, leitende Managerin, bei Fitch. „Es geht nicht nur um die Größe einer Bank.“ Vielmehr brauche man neben einer Eigenkapitaldecke auch einen finanziellen Ausgleich zum Risikogeschäft einer Bank.

Die Banken geben immer weniger Aktien heraus und erhalten folglich weniger Kapital. Um mehr Profit zu machen, müssen die Banken dann mehr Risiko eingehen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Bail-ins im Falle einer Bankenpleite. Dann wird nämlich für die Rettung einer Bank wie nach dem Vorbild in Zypern auf die Einlagen der Sparer zurückgegriffen (hier).

Neues Geld gibt es derzeit nur von der EZB. Der Interbankenmarkt in Südeuropa liegt weitgehend auf Eis. Die Banken vergeben untereinander keine Kredite mehr. Die so entstehende Kreditklemme verhindert auch Impulse für die Realwirtschaft und verringert die Wahrscheinlichkeit, der anhaltenden Rezession zu entkommen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/12/euro-banken-in-einem-jahr-375-milliarden-euro-an-neuen-risiken-angehaeuft/

———————————————————————————————————————

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.