Dramatische Investorenflucht aus Asien

21.08.2013

Das Ende des billigen Zentralbankgeldes rückt langsam näher – und wirft große Schatten auf Asien. Fast schon panikartig ziehen Investoren derzeit ihr Geld ab.

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Sie fürchten, dass die US-Notenbank Fed im September das Tempo ihrer Staatsanleihen-Käufe drosseln könnte und damit weniger als bisher die Konjunktur stützt. Das aus den Schwellenländern abziehende Geld setzt die dortigen Währungen massiv unter Druck.

Indien und Indonesien leiden schon jetzt darunter. Malaysia, Thailand und die Philippinen gelten als gefährdet. „Der Rückenwind, den Asien in den vergangenen fünf bis zehn Jahren verspürt hat, verliert an Kraft und wird in manchen Fällen sogar zum Gegenwind“, sagt Andrew Swan vom weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock. Denn nun rächt sich, dass Länder wie Indien oder China die Jahre mit hohen Wachstumsraten nicht für dringend nötige Strukturreformen genutzt haben.

Viele Staaten haben sich in der Vergangenheit auf billige Kredite verlassen, um ihr Wachstum zu befeuern. Das hinterlässt Spuren: Die Verschuldung der Privatwirtschaft in Asien schnellte nach Berechnungen der Investmentbank Nomura auf 165 Prozent der Wirtschaftsleistung hoch, vor der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre waren es 127 Prozent. Das Geld ist nicht immer gut angelegt. So schaffte China zwar ein Spitzentempo beim Wachstum, doch leerstehende Gebäude und ganze Geisterstädte sind ein Anzeichen für zu hohe Investitionen im Bau. Dazu sind viele Branchen im Land, wie etwa der Schiffsbau, von Überkapazitäten geprägt.

Indien stark unter Druck

In anderen Ländern wurde das Geld erst gar nicht investiert. Beispiel Indien: Dort gehen die Investitionen – mit Ausnahme von Immobilien – nach Berechnungen der Weltbank seit 2007 zurück. Investoren haben es hier besonders schwer – und daran hat die Regierung von Manmohan Singh seit ihrem Amtsantritt 2009 nichts geändert. In der Leistungsbilanz, die den Handel mit Waren sowie Dienstleistungen umfasst, klafft ein Loch von fast fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Land ist auf ausländische Investitionen angewiesen, um diese Differenz auszugleichen. Auch Indonesien und Hongkong liegen inzwischen bei der Leistungsbilanz im Minus. Nach Nomura-Berechnungen hatten die elf größten asiatischen Volkswirtschaften 2007 einen Überschuss von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geschafft, 2012 waren es nur noch 1,6 Prozent.

Einige Volkswirte sehen aber auch Gutes in dieser Entwicklung: „In vielen Ländern, die in der Vergangenheit überwiegend von Exporten an Industrieländer abhängig waren, hat nun die Binnennachfrage eine wichtigere Rolle“, erklärt Anoop Singh, beim Internationalen Währungsfonds in Washington zuständig für Asien. Allerdings ist der Beitrag des privaten Konsums zur Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren vielerorts kaum gestiegen. Der durch die Kapitalflucht ausgelöste Währungsverfall verschärft das Problem. Besonders stark unter Druck steht etwa die indische Rupie, die zeitweise auf ein Rekordtief gefallen ist. Dadurch werden Einfuhren teurer.

Um Straßen, Strom- und Telekommunikationsnetze sowie die Wasserversorgung auszubauen, sind nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank in den kommenden zehn Jahren 8,3 Billionen Dollar nötig – das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Chinas. Sollte Geld weltweit knapper und teurer werden, kommt das für Asien zu einem schlechten Zeitpunkt. Werden jetzt Strukturreformen in Angriff genommen und wie etwa in China Branchen mit Überkapazitäten der Geldhahn zugedreht, könnte das zunächst einmal die Wirtschaft belasten. Für Experten führt daran kein Weg vorbei, denn allein mit dem Einsatz Devisen-Reserven lässt sich der Verfall der Währungen nicht dauerhaft stoppen. „Es ist entscheidend, strukturelle Wachstumshemmnisse zu beseitigen“, sagt Wai Ho Leong, Regionalexperte bei der Barclays-Bank in Singapur. „Wenn der Wind wieder zunimmt, müssen die Segel groß genug sein, um das Schiff in Fahrt zu bringen.“

http://www.format.at/articles/1334/936/364620/dramatische-investorenflucht-asien

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