Die Weltkarte der Korruption: Bestechung nimmt in fast allen Ländern zu

11.07.2013

Wird die Welt in Zeiten des Internets transparenter? Von wegen. Nach Angaben von Transparency International nimmt die Bestechung weltweit zu. Auch in Deutschland ist die Lage mies – mit rühmlichen Ausnahmen.

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Die Korruption ist fast überall in der Welt auf dem Vormarsch. In der neuesten Studie der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International gibt es fast nur Länder, in denen Bestechung und Vetternwirtschaft zugenommen haben. Nur in ganz wenigen Staaten hat sich die Situation verbessert.

Gerade in vielen arabischen Staaten gibt es seit Beginn der Aufstände vor zwei Jahren vermehrt korruptes Verhalten. In Tunesien, Ägypten und dem Jemen beklage sich eine Mehrheit der Menschen darüber, dass sie häufiger Schmiergeld zahlen müssten, teilte Transparency International mit. Die Studie der Anti-Korruptionsorganisation dämpft Hoffnungen, dass die Revolutionen sauberere Regierungen und Unternehmen hervorbringen. Die anhaltende Frustration der Menschen in der Region könnte zudem die Bemühungen der Regierungen unterwandern, die politische Stabilität wiederherzustellen.

Wut im Bauch

Zwei Drittel der Ägypter beklagten sich über eine Zunahme der Korruption, in Tunesien waren es sogar 80 Prozent, in Jemen 56 Prozent. Lediglich in Libyen verbesserte sich die Lage: Hier berichteten nur 46 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass die Korruption zugenommen habe. Doch auch in vielen arabischen Staaten, in denen es nicht zu einem Regierungswechsel kam, berichteten die Menschen über eine Zunahme der Korruption.

Der für den Nahen Osten und Zentralasien zuständige Transparency-Direktor Christoph Wilcke sagte, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, seien Reformen bei Polizei, Justiz und den politischen Parteien nötig. Allerdings hätten viele Staaten nach den Aufständen kaum Zeit und Energie, um derartige Reformen voranzutreiben. „Es gibt einen Widerspruch zwischen dem Handeln und den Worten.“ Transparency befragte zwischen September und März in jedem Land etwa 1000 Menschen.

Mieses Image

Auch Deutschland kommt in der Studie schlecht weg. Hier gelten Parteien, die private Wirtschaft und die Medien laut Transparency International als korrupt – 1000 Bundesbürger gaben den Parteien die schlechteste Note (3,8). Auf den Plätzen dahinter folgten Wirtschaft (3,7) und Medien (3,6). Deutlich besser schnitten im „Korruptionsbarometer“ Polizei (2,7) und Justiz (2,6) ab. Die Skala der Bewertungen reichte von 1 bis 5.

Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, sprach mit Blick auf die schlechte Note für die Medien von einem „alarmierenden Zeichen“. Zunehmende wirtschaftliche Probleme – vor allem bei den Printmedien -, prekäre Arbeitsverhältnisse von Journalisten und Abhängigkeiten von Anzeigekunden könnten in der Praxis immer wieder zu Interessenkonflikten führen.

http://www.focus.de/finanzen/recht/kriminelle-geschaefte-boomen-die-weltkarte-der-korruption-bestechung-nimmt-in-fast-allen-laendern-zu_aid_1040032.html

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