Lage der deutschen Wirtschaft – eine Chronik

02.11.2015

Maschinenbau: Auslands-Aufträge brechen ein

Das Geschäft im Maschinen- und Anlagenbau hat sich im Jahresverlauf stark eingetrübt, so der Branchenverband VDMA. Im September sanken die Auftragseingänge um 13 Prozent, das Auslandsgeschäft sogar um 18 Prozent. Hauptursache sei die Krise in China.

————————————————————————————-

Die Konjunkturabkühlung in China macht den deutschen Maschinenbauern zu schaffen. „Im Verlauf des Jahres hat sich das Geschäft im Maschinen- und Anlagenbau wieder eingetrübt“, erklärte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers, am Montag. Hauptursache seien Turbulenzen insbesondere in China, die auf andere wichtige Märkte ausstrahlten. Bislang sei es den Unternehmen aber gelungen, die dortigen Rückgänge durch Zuwächse in den klassischen Industrieländern zu kompensieren. So sanken die Bestellungen insgesamt in den ersten neun Monaten nur um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das ist hart erarbeitet und zeugt von der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller“, betonte VDMA-Experte Olaf Wortmann. Im September sanken die Auftragseingänge indes um 13 Prozent, wie der Verband mitteilte. Während sie im Inland um ein Prozent zulegten, sank das Auslandsgeschäft um 18 Prozent. Nach Angaben Wortmanns hätten im Vorjahresmonat etliche Bestellungen über Großanlagen Rückenwind verliehen.

Trotz der Konjunkturschwäche in China ist die Volksrepublik für die Branche mit ihren rund eine Million Beschäftigten Hauptabsatzmarkt. „China ist der Markt Nummer eins für den deutschen Maschinenbau und er bleibt der Markt Nummer eins auf absehbare Zeit“, hatte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann zuletzt im Reuters-Interview erklärt.

Die einstige Lokomotive China wird für viele deutsche Unternehmen derzeit zum Bremsklotz. Wegen des trüben Geschäftsumfelds in den Schwellenländern haben zuletzt zahlreiche Firmen wie der Modekonzern Hugo Boss, der Autozulieferer Leoni oder der Spezialanlagenbauer Manz ihre Prognosen gesenkt und das vor allem mit Problemen auf dem riesigen chinesischen Markt begründet.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/02/maschinenbau-auslands-auftraege-brechen-ein/

———————————————————————————————————————

30.05.2015

Der deutsche Wirtschafts-Aufschwung ist eine Illusion

Der deutsche Aufschwung ist eine Illusion, sagen nun erstmals auch die Wirtschafts-Lobbyisten selbst. Der Grund für die guten Zahlen: Wegen der niedrigen Zinsen und den gefallenen Ölpreises haben die Unternehmen mehr Spielraum. Doch das kann sich rasch ändern.

————————————————————————————-

Der Lobbyverband DIHK hob jetzt seine Wachstumsprognose von 1,3 auf 1,8 Prozent deutlich an und schloss sich damit Bundesregierung und führenden Ökonomen an. Der Verband warnte aber, die guten Zahlen beruhten fast ausschließlich auf Sondereffekten wie dem billigen Öl, den Niedrigzinsen und dem schwachen Euro: „Das ist ein gedopter und geliehener Aufschwung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag in Berlin.

Der niedrige Euro im Vergleich zum US-Dollar, der Exporte außerhalb des Euroraums günstiger macht, habe einen Wachstumsschub von etwa einem Prozent gebracht. Der Verfall des Ölpreises – der inzwischen wieder anzieht – habe für ein Plus von geschätzt 0,7 Prozent gesorgt. Dazu trieben die Mini-Zinsen die Bau- und Immobilienwirtschaft an.

Im Kern sei die deutsche Wirtschaft gar nicht so wettbewerbsfähig aufgestellt wie es derzeit den Anschein habe, sagte Wansleben. Der Aufschwung werde in erster Linie von den konsumfreudigen Bürgern getragen, die wegen höherer Löhne und sicherer Jobs reichlich Geld ausgeben. Ein Rückfall in eine „Dümpel-Konjunktur“ mit einem Wachstum unter 0,5 Prozent sei für die Zukunft keineswegs ausgeschlossen: „Zu jedem Hoch gibt’s irgendwann auch mal ein Ab. Dann reiben wir uns die Augen.“

Auch die große Koalition müsse aufwachen. Wahlgeschenke wie Rentenpaket und Mindestlohn, der im Osten im Niedriglohnbereich seine Spuren hinterlasse, dürften sich nicht wiederholen: „Koste es, was es wolle, geht nicht mehr.“ Weil die Arbeitskosten stiegen, würden wieder mehr Firmen im Ausland investieren, drohen die Lobbyisten: „Der heimische Standort verliert an Attraktivität.“ So wird zwar vom DIHK im laufenden Jahr ein Beschäftigungsplus von 250.000 Stellen erwartet – angesichts des kräftigen Wachstum sei das aber ein „bisschen enttäuschend“, sagte Chefvolkswirt Alexander Schumann.

Für die kommenden Monate sind die Unternehmen dennoch optimistischer als noch zu Jahresbeginn, wie eine DIHK-Umfrage unter mehr als 23 000 Firmen ergab. Die Firmen wollen mehr investieren und einstellen. An frühere Spitzenwerte reichen die Geschäftserwartungen aber nicht heran.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet für das zweite Quartal 2015 einen Wachstumsschub. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte imim Vergleich zu Januar bis März um 0,5 Prozent steigen nach 0,3 Prozent im Vorquartal, heißt es im DIW-Konjunkturbarometer. Die Erholung des Euroraums und die höhere Wettbewerbsfähigkeit dank des schwachen Euros dürften der Exportindustrie Impulse verleihen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/30/der-deutsche-wirtschafts-aufschwung-ist-eine-illusion/

———————————————————————————————————————

09.04.2015

Deutsche Industrie-Produktion fällt überraschend im Februar

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,3 Prozent zurückgegangen. Das entspricht dem größten Einbruch seit August 2014. Vor allem im Baugewerbe kam es zu massiven Rückgängen. Außerdem mussten die Ergebnisse vom Januar nach unten korrigiert werden.

————————————————————————————-

Das Produzierende Gewerbe in Deutschland muss einen Einbruch hinnehmen: Wie die neuesten Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigen, sank die Produktion hier im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,3 Prozent. Während die Industrieproduktion nur um 0,1 Prozent gegenüber Februar 2014 zulegen konnte, verbuchte das Baugewerbe ein Minus von 8,1 Prozent. Lediglich der Energiesektor konnte in Plus von 4,5 Prozent erreichen.

Zudem hat das Bundesministerium die Daten von Januar im Vergleich zum Vormonat nach unten korrigieren müssen. Statt eines Wachstums von 0,6 Prozent im Produzierenden Gewerbe wurde die Produktion nun auf Minus 0,4 Prozent gesenkt. So ist dann auch die Produktion im Februar gegenüber Januar um 0,2 Prozent gestiegen. An den Märkten war die Nachricht ebenfalls zu spüren. Hier rutschten die Dax-Futures in den frühen Morgenstunden von 12.120 Punkten auf 12.083 Punkte.

Erst am Mittwoch vermeldete das Statistische Bundesamt zudem einen Rückgang der Auftragseingänge im deutschen verarbeitenden Gewerbe aus dem Ausland. Sie fielen im Februar um insgesamt 1,6 Prozent. Die Auftragseingänge aus der Eurozone fielen um 2,1 Prozent und die Aufträge aus dem restlichen Ausland fielen im Vergleich zum Vormonat um 1,3 Prozent zurück.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/09/deutsche-industrie-produktion-faellt-ueberraschend-im-februar/

———————————————————————————————————————

17.11.2014

Maue Aussichten für die deutsche Wirtschaft

Die Bundesbank rechnet auch im Winter mit einer schwunglosen Entwicklung. Damit dürfte Deutschland noch länger als Konjunkturlokomotive Europas ausfallen – obwohl Güter „Made in Germany“ gefragt seien.

————————————————————————————-

Die deutsche Wirtschaft wird nach Überzeugung der Bundesbank auch im Winter kaum vom Fleck kommen. „Die weiter eingetrübten Geschäftserwartungen und der stagnierende Auftragseingang deuten auf eine schwunglose Wirtschaftsentwicklung in Deutschland mindestens bis zum Jahresende 2014 hin“, erklärte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Zwar seien Güter „Made in Germany“ auf den Weltmärkten gefragt, doch fehle es derzeit an kräftigen Impulsen im globalen Handel.

Auch erholten sich große Partnerländer in der Euro-Zone noch nicht spürbar. „Von anderen außenwirtschaftlichen Faktoren wie der erheblichen Abwertung des Euro und dem stark gefallenen Ölpreis könnten allerdings allmählich in begrenztem Umfang belebende Wirkungen ausgehen“, fügten die Bundesbank-Volkswirte hinzu.

Die deutsche Wirtschaft war im Sommerquartal haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt. Nach dem schwachen Frühjahr, als die Wirtschaft um 0,1 Prozent zum Vorjahr schrumpfte, ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent wieder minimal gewachsen. Das kleine Plus war vor allem der ungebrochenen Konsumlust der Verbraucher zu verdanken.

Die Bundesbank erwartet, dass der private Konsum dank der guten Arbeitsmarktlage, der kräftigen Zuwanderung und spürbarer Lohnsteigerungen auch in naher Zukunft der einzige nennenswerte Wachstumstreiber in Deutschland bleibt. Denn während sich die Stimmung in den Unternehmen merklich eingetrübt habe, zeigten sich die Verbraucher bisher unbeeindruckt von den schwächeren Konjunkturaussichten. Sie stuften ihre Einkommensperspektiven und Anschaffungsneigung bis zuletzt ausgesprochen gut ein.

Hingegen schätzen die Experten der Deutschen Bundesbank die Konjunkturimpulse aus dem Ausland weiter als schwach ein. Ein Grund seien die Folgen der Sanktionspolitik gegen Russland. Eine spürbare Erholung in wichtigen Euro-Partnerländern sei zudem noch immer nicht in Sicht.

Auch die Unternehmensinvestitionen, die die Konjunktur im Sommer erheblich gebremst hatten, dürften sich angesichts der gestiegenen globalen Risiken und der Ungewissheit bezüglich der Folgen wirtschaftspolitischer Maßnahmen erst mit Verzögerung wieder erholen.

Diese Prognose wird auch von der „Konjunkturumfrage Herbst“ bestätigt, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) an diesem Montag veröffentlichte. Demnach wirken sich die schwache Konjunktur im Euro-Raum und der andauernde Russland-Ukraine-Konflikt zunehmend negativ auf deutsche Unternehmen aus. Zudem stellten die Betriebe wegen der hohen Energie- und Arbeitskosten Investitionen zurück. Insgesamt haben sich die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen für 2015 nach den Angaben spürbar eingetrübt.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/bundesbank-legt-monatsbericht-vor-maue-aussichten-fuer-die-deutsche-wirtschaft/10990386.html

———————————————————————————————————————

27.10.2014

Es geht abwärts

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Index fällt auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Prompt dreht der Dax ins Minus.

————————————————————————————-

Kein Stimmungsaufheller für die deutsche Wirtschaft in Sicht: Der Geschäftsklimaindex fiel unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Damit hat sich die Stimmung im Oktober den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 104,3 Zähler erwartet.

Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus.

Im Großhandel und bei den Dienstleistern hellte sich die Stimmung auf, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie trübte sie sich dagegen ein. „In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Allein die Exporterwartungen seien gestiegen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies nur ein Strohfeuer sei. Der Euro hat zuletzt zum Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte in vielen Ländern attraktiver macht.

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Wachstumsprognosen zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem Jahr noch mit einem Plus von 1,3 Prozent und geht für 2015 sogar nur von 0,8 Prozent aus.

Das weltwirtschaftliche Umfeld bremst die Exportunternehmen und Investitionsgüterhersteller“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die schlechte Stimmung verzögere Investitionen. Vor allem die Entwicklung in Europa sei wichtig, damit es wieder deutlicher aufwärts geht. „Gerade für Wachstum in Europa haben wir aber noch kein Rezept gefunden“, erklärte Zeuner. Für viel mehr als Stagnation bis ins neue Jahr reiche es aber wohl in Deutschland und Europa nicht.

Der Dax fiel nach Bekanntgabe des Ifo-Index ins Minus. Der deutsche Leitindex, der zu Handelsbeginn am Montag noch positiv auf die Ergebnisse des Banken-Stresstests reagierte hatte, lag zuletzt 0,6 Prozent niedriger bei 8932 Punkten. Auch der Euro schwächelte etwas und fiel auf 1,2688 Dollar.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ifo-geschaeftsklimaindex-es-geht-abwaerts/10894024.html

———————————————————————————————————————

14.10.2014

Regierung senkt Wachstums-Prognose drastisch

Die Bundesregierung hat ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum drastisch nach unten korrigiert. Für 2014 wird statt 1,8 Prozent nur noch ein Plus von 1,2 Prozent erwartet.

————————————————————————————-

Der deutschen Wirtschaft geht zum Ende des Jahres die Luft aus: Die Bundesregierung korrigierte ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum drastisch nach unten. Für 2014 geht sie nur noch von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent aus. Im Frühjahr hatte die Regierung mit einem Plus von 1,8 Prozent gerechnet.

Im nächsten Jahr sieht es den Schätzungen zufolge nicht besser aus: 2015 soll die gesamte Wirtschaftsleistung nur um 1,3 Prozent statt der bisher erhofften 2,0 Prozent zulegen. Europas größte Volkswirtschaft steht damit im Vergleich zu großen EU-Ländern aber immer noch gut da.

Geopolitische Krisen sorgten in Deutschland für Verunsicherung und die moderate weltwirtschaftliche Entwicklung schlage sich auf die deutsche Konjunktur nieder. Positiv hob der Wirtschaftsminister den weiterhin „robusten Arbeitsmarkt“ hervor: Löhne und Beschäftigung würden weiter zunehmen.

Auch Wirtschaftsinstitute senkten Prognose

Am vergangenen Donnerstag hatten die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute bereits ihre gemeinsame Wachstumsprognose gesenkt. Sie sagten für 2014 ein Wachstum von 1,3 Prozent und für 2015 von 1,2 Prozent.

Die Herbstprognose der Bundesregierung bildet die Grundlage für die Steuerschätzung im November 2014. Sie dient der Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen für das kommende Jahr. Das Wirtschaftsministerium erstellt sie zusammen mit dem Statistischen Bundesamt und der Bundesbank.

http://www.welt.de/wirtschaft/article133260832/Regierung-senkt-Wachstums-Prognose-drastisch.html

———————————————————————————————————————

06.10.2014

Heftiger Rückschlag für die Industrie

So heftig ging es seit der globalen Finanzkrise vor gut fünf Jahren nicht mehr nach unten: Im August fallen die Aufträge der deutschen Industrie um fast sechs Prozent. Immer mehr negative Signale deuten darauf hin, dass es für viele Firmen bald eng werden könnte.

————————————————————————————-

Was genau ist im August passiert?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schrumpften die Bestellungen im verarbeitenden Gewerbe, damit ist die Industrie gemeint, im August um 5,7 Prozent. Besonders krass ging es bei den Orders nach unten, die aus Ländern kamen, die nicht zur Euro-Zone gehören – hier errechneten die Statistiker ein Minus von 9,9 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Januar 2009 ging es ähnlich steil bergab. Volkswirte hatten ein deutlich geringeres Minus erwartet.

Warum ist der Auftragseingang so wichtig?

Der Auftragseingang gilt als verlässlichster Indikator für die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Nach dem Prinzip: Die Aufträge von heute sind die Einnahmen von morgen. Für viele Unternehmen sind die Auftragseingänge der entscheidende Faktor für die kurz- und mittelfristige Planung.

Müssen wir jetzt mit einer schweren Krise in den nächsten Monaten rechnen?

Das wäre übertrieben. Die Zahlen für August sind eine Momentaufnahme. Im Juli noch war der Auftragseingang noch deutlich gestiegen. Beides hängst offenbar miteinander zusammen: Die Sommerferien waren in diesem Jahr spät. Im August gab es bei vielen Firmen Werksferien – Bestellungen konnten gar nicht auf den Weg gebracht werden. Zugleich wurden offenbar im Juli noch zahlreiche Aufträge unter Dach und Fach gebracht. Unvermutete Schwankungen beim Auftragseingang haben zudem oft mit einigen wenigen Großaufträgen zu tun, die gab es dieses Jahr just im Juli – beispielsweise für den Flugzeugbauer Airbus. Dennoch interpretieren viele Volkswirte die schwachen Auftragszahlen als Hinweis auf eine schwache Konjunktur im gesamten zweiten Halbjahr.

Wo ging es besonders stark nach unten?

Firmen, die Investitionsgüter herstellen, mussten Einbußen von 8,5 Prozent hinnehmen. Hart hat es vor allem die hiesigen Hersteller von Nutzfahrzeugen getroffen.

Das gilt auch für Firmen aus der Elektrotechnik-Branche. Dagegen kamen die Maschinenbauer noch einmal einigermaßen glimpflich davon. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA stagnierte der Auftragseingang, allerdings im Vergleich zum August des Vorjahres und nicht zum Vormonat. Weniger Orders aus dem Ausland wurden durch ein Plus bei den Bestellungen aus dem Inland ausgeglichen. Im Dreimonatszeitraum von Juni bis August – hier haben kurzfristige Schwankungen weniger Einfluss – verzeichnet der VDMA sogar ein Wachstum im Vergleich zu Vorjahr von drei Prozent. Die deutschen Maschinenbauer rechnen damit, dass ihre Produktion in diesem Jahr leicht und im nächsten Jahr sogar wieder um zwei Prozent wächst. Getragen wird dieses Szenario von der Annahme, dass sich in Europa viele Länder endlich wieder berappeln, die durch staatliche Sparprogramme über mehrere Jahre arg gebeutelt wurden. Hinzu kommt, dass die Konjunkturexperten des VDMA daraufsetzen, dass sich die vielen geopolitischen Konflikte wieder beruhigen.

Wie sicher sind solche Prognosen?

Experten weisen immer darauf hin, dass derzeit Prognosen extrem schwierig sein, da die Folgen der Ukraine-Krise nur schwer kalkulierbar sind. Noch schwieriger ist einzuschätzen, was die Konflikte im Mittleren Osten für die globale Konjunktur bedeuten werden. Hinzu kommen viele Verunsicherungen über die Wirtschaftsentwicklung in schnell wachsenden Volkswirtschaften wie Brasilien oder China.

Was tut sich in diesen Schwellenländern?

Brasilien, das größte südamerikanische Land, ist im ersten Halbjahr in die Rezession gerutscht. Und nach einer am Montag veröffentlichten Prognose der Weltbank wird China das von der Regierung vorgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent für 2014 nicht erreichen – besonders China ist für die deutsche Exportwirtschaft extrem wichtig.

Sind schon konkrete Folgen erkennbar?

Unter anderem dürfte es die Stahlkocher treffen. Am Montag teilte der Weltstahlverband mit, dass er für dieses und fürs nächste Jahr nur noch mit einem Nachfrageplus von jeweils zwei Prozent rechnet. 2015 würden demnach nur noch knapp 1,6 Milliarden Tonnen Stahl weltweit abgesetzt. Bislang ging die Organisation jeweils von einem Plus von mehr als drei Prozent aus. Neben einem schwächeren Wachstum in China wird als einer der weiteren Gründe die Ukraine-Krise angeführt. Der Stahl-Absatz gilt als eine Art Konjunkturindikator.

Was bedeuten die finsteren Prognosen für Arbeitsplätze in Deutschland?

Das lässt sich im Moment noch nicht absehen. Folgen für die Beschäftigung werden generell erst mit deutlicher Zeitverzögerung spürbar. So verweisen die Maschinenbauer darauf, dass die Reichweite ihrer Auftragsbestände derzeit noch rechnerisch 5,7 Monate ausmacht. Das bedeutet: Wenn vom heutigen Tag an keine einzige Bestellung mehr einginge, würde es immer noch 5,7 Monate dauern bis die Unternehmen alles abgearbeitet haben. Behalten die Optimisten also Recht, werden Belegschaften von der August-Delle bei den Bestellungen gar nichts spüren. Die hohe Reichweite bei den fixen Aufträgen kann für die Kunden der Maschinenbauer sogar zu einem Problem werden. Denn dies bedeutet auch, dass Lieferzeiten relativ lang sind.

http://www.fr-online.de/wirtschaft/auftragsrueckgang-heftiger-rueckschlag-fuer-die-industrie,1472780,28658596.html

———————————————————————————————————————

30.08.2014

Regierung schaut dem Abschwung untätig zu

Im zweiten Quartal lief die deutsche Wirtschaft schlecht. Im dritten könnte es ähnlich aussehen. Die schwarz-rote Koalition aber redet die Lage schön. Gegenmaßnahmen plant sie bislang nicht.

————————————————————————————-

Wolfgang Schäuble ist offensichtlich ein Optimist. Deshalb ist er ganz zuversichtlich, als eine Reporterin der Finanzagentur Bloomberg ihn fragt, ob er nach einem schlechten Wachstum im zweiten Quartal die Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft reduzieren möchte.

„Nein“, sagt der Bundesfinanzminister. „Wir waren sehr vorsichtig.“ Vor einigen Monaten hätten die meisten Ökonomen Deutschland noch eine höhere Wachstumsrate vorausgesagt. Die Bundesregierung sei nicht so optimistisch gewesen. „Und deshalb sind unsere Finanz- und Wirtschaftsziele immer noch gültig.“

Schäuble betet den deutschen Aufschwung gesund, dem gerade die Luft ausgeht. Damit ist er kein Einzelfall in der Regierung. Der Bundeswirtschaftsminister, gleichzeitig auch noch Vizekanzler und SPD-Chef, äußert sich auf solche Fragen ähnlich.

Und die Bundeskanzlerin hat im Moment durch die Krisen in der Ukraine und Russland ohnehin so viel größere Themen auf dem Zettel, dass sich schon die Probleme unseres wichtigsten Euro-Partners Frankreich dagegen klein ausnehmen. Erst Recht die maue inländische Konjunktur. Die Bundesregierung kümmert sich derzeit um vieles, um Deutschlands Wachstum dagegen mit Sicherheit nicht.

Dabei gäbe es dafür durchaus gute Gründe für grundsätzliche Überlegungen. Im zweiten Quartal rutschte die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung ins Minus. Die weltweiten Krisen drücken auf den Außenhandel. Die Unternehmen – verunsichert durch diese Lage – geben ihr Geld lieber nicht für Investitionen aus.

Die Stimmung in den Unternehmen wird schlechter

Eine durchgreifende Besserung der geopolitischen Gesamtsituation ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil. Im Konflikt mit Russland um die Ukraine werden die Töne schärfer. Die Staatschefs der EU diskutieren gerade neue, härtere Sanktionen. Für den deutschen Export in den Osten verheißt das nichts Gutes.

Das anvisierte Wirtschaftswachstumsziel von 1,8 Prozent wird immer schwieriger zu erreichen sein. „Unwahrscheinlich“, heißt es inzwischen in Regierungskreisen, entgegen den Behauptungen der Minister. Und das ist nicht nur in einem Ministerium so. Alles hänge am dritten Quartal.

Das läuft nicht gerade rosig. Die Konjunkturdaten haben sich stetig verschlechtert. Nicht nur die Stimmungsindikatoren sinken, auch die härteren Konjunkturdaten werden schlechter. Deutschland, dem Wachstumsmotor in der Euro-Zone, fehlt gerade keine Kraft.

Gründe für diese Entwicklung gibt es – neben den internationalen Krisen – genügend. So erfindet die Bundesregierung Sachen wie den Mindestlohn, die Rente mit 63. Nichts davon ruiniert die Wirtschaftslage derzeit akut. Aber es drückt zusätzlich auf die Stimmung in vielen Unternehmen.

Wer als Manager oder Unternehmer erwartet, dass Deutschland in Zukunft weniger wettbewerbsfähig ist als heute, der schraubt zunächst seine Gewinnerwartungen für die Zukunft zurück. Und anschließend seine Investitionen.

Schäuble nutzt seinen Spielraum nicht

Gegenmaßnahmen? Fehlanzeige. Bislang steckt die Bundesregierung den Kopf in den Sand und ignoriert die Sachlage. Der Finanzminister betont zwar, dass jedes Land der Euro-Zone sich anstrengen müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch für Deutschland gelte das. Nur unternommen wird wenig.

Niemand denkt derzeit im Finanz- oder Wirtschaftsministerium daran, der Wirtschaft im Fall weiterer Schwierigkeiten mit Fiskalmaßnahmen zu helfen. Wolfgang Schäuble werde auf keinen Fall seine schwarze Null bei der Neuverschuldung gefährden, die im Haushalt 2015 stehen soll, heißt es in Regierungskreisen.

Zwar hätte Schäuble im Rahmen der Schuldenbremse jede Menge Spielraum. Aber Schäuble sorge sich um seinen historischen Platz. Schließlich wolle er als erster Finanzminister in über vier Jahrzehnten bundesdeutscher Geschichte mal keine neuen Schulden machen. Und damit habe er Angela Merkel durchaus auf seiner Seite.

Wer immer also den Finanzminister dazu bewegen will, mehr Geld für die Konjunktur locker zu machen, sei es für Investitionen oder andere Vorhaben, muss ihm gleichzeitig Sparmöglichkeiten an anderer Stelle im Haushalt präsentieren. „Damit wird das Ganze für Sigmar Gabriel unattraktiv“, heißt es in Koalitionskreisen.

Denn der SPD-Chef müsste damit vor allem in den Ministerien streichen, die seiner Partei unterstehen. Etwa im Ressort Arbeit und Soziales von Andrea Nahles. „Als SPD-Chef und vermutlich nächster Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten kann er so bei den Wählern nicht punkten. Das wird er sich genau überlegen.“

Investitionen in die Infrastruktur fehlen

Dabei gäbe so einiges, was die Bundesregierung seit ihrem Amtsantritt auf die Spur hätten bringen können und was auch der Konjunktur geholfen hätte: Deutschlands Infrastruktur verfällt allmählich. Gerade die Städte und Gemeinden haben kaum Geld, um in ihre Straßen zu investieren.

Das Schienennetz könnte ebenfalls eine Auffrischung gebrauchen. Beim schnellen Internet bleibt unsere Infrastruktur selbst hinter einigen Schwellenländern zurück.

Selbst die inzwischen mehrfach von Schwarz-Rot diskutierte Minderung der kalten Progression ist derzeit kein Thema mehr. Die Mehreinnahmen, die entstehen, weil der Bund selbst Lohnerhöhungen zum Zwecke des Inflationsausgleichs überproportional besteuert, behält der Finanzminister lieber für sich.

Dabei würden höhere Konsumausgaben dank niedrigerer Steuern für die Mittelschicht nicht nur kurzfristig das Wachstum treiben. Sie könnten auch langfristig zu besseren Erwartungen für die Wirtschaft führen. Und damit zu höheren Investitionen. Aber wie sagt einer, der Schäuble und Gabriel seit langem kennt: Die beiden sind nun einmal keine studierten Ökonomen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article131735356/Regierung-schaut-dem-Abschwung-untaetig-zu.html

———————————————————————————————————————

12.08.2014

Konjunkturerwartung bricht dramatisch ein

Dunkle Wolken tauchen am deutschen Wirtschaftshimmel auf. Die Konjunkturerwartungen sind im August so stark eingebrochen wie seit Juni 2012 nicht mehr. Grund dafür sind die weltweiten Krisenherde.

————————————————————————————-

Die Skepsis unter Finanzmarktexperten mit Blick auf die Konjunktur in Deutschland und in der Eurozone hat deutlich zugenommen. Der monatlich vom Mannheimer Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene ZEW-Index stürzte im August im Vergleich zum Vormonat um 18,5 Punkte auf nur noch 8,6 Punkte ab, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Das sei der stärkste Einbruch seit Juni 2012, der Index sei dabei auf den tiefsten Stand seit Dezember 2012 gefallen. Insgesamt sei der viel beachtete Konjunkturindex im August zum achten Mal in Folge gesunken.

Als Ursache für den starken Einbruch vermuten die Forscher die anhaltenden geopolitischen Spannungen in der Welt und die damit verbundenen unsicheren Absatzperspektiven für deutsche Export-Unternehmen. Weil auch das Wirtschaftswachstum im Euroraum nicht richtig in Fahrt komme, sei zu befürchten, dass das Wachstum in Deutschland „weniger stark ausfallen wird, als bisher erwartet“, warnt das Institut.

Der ZEW-Index misst, wie Analysten und institutionelle Anleger die ökonomische Lage in sechs Monaten einschätzen. Je niedriger der Wert, desto pessimistischer sind sie. Daneben erhebt das Institut auch einen Index, der die Experten-Einschätzung zur aktuellen Lage der deutschen Wirtschaft abbildet. Dieser sank im August ebenfalls klar, um 17,5 Zähler auf 44,3 Zähler.

Die extra erfassten Konjunkturerwartungen für die Eurozone gingen im August ebenfalls zurück. Das ZEW verzeichnete einen Rückgang um 24,4 Punkte gegenüber dem Vormonat auf nur noch 23,7 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage im Euroraum verschlechterte sich demnach um 2,3 Zähler auf 33,8 Zähler. An der aktuellen Umfrage beteiligten den Angaben zufolge 222 Finanzmarktexperten.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/5218818/konjunkturerwartung-bricht-dramatisch-ein.html

———————————————————————————————————————

06.08.2014

Weiße Seiten in den Auftragsbüchern

Die Aufträge der deutschen Industrie sind im Juni um 3,2 Prozent gesunken. Dies ist der größte Rückgang seit drei Jahren. Hierfür gibt es vor allem einen Grund.

————————————————————————————-

Das Neugeschäft der deutschen Industrie ist überraschend eingebrochen. Vor allem ein starker Nachfrage-Rückgang aus der Euro-Zone sorgte im Juni für das größte Auftragsminus seit September 2011. Insgesamt gingen die Bestellungen um 3,2 Prozent zum Vormonat zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Plus von einem Prozent gerechnet.

Bereits im Mai hatte es einen Rückgang um 1,6 Prozent gegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium begründete die Entwicklung mit geopolitischen Risiken und betonte: „Es ist daher zu erwarten, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten eher moderat entwickeln wird.“

Zuletzt hatte die Ukraine-Krise für trübere Stimmung in der deutschen Wirtschaft gesorgt. Vor allem wegen der schärferen Sanktionen gegen Russland kam Verunsicherung auf. Ökonomen betonten allerdings, die schwächelnden Aufträge seien nicht allein auf diesen Konflikt zurückzuführen. „Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet“, sagte ING-Bank-Analyst Carsten Brzeski.

Während das gesamte Auslandsgeschäft um 4,1 Prozent nachließ, brachen die Bestellungen aus der Währungsunion um 10,4 Prozent ein. Die Orders von außerhalb der Euro-Zone hingegen blieben stabil. „Möglicherweise hat sogar die kräftigere US-Konjunktur im zweiten Quartal einem noch stärkeren Rückgang entgegengewirkt“, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. Auch Commerzbanker Ralph Solveen führt die Entwicklung weniger auf geopolitische Risiken zurück. Vielmehr spiegelten die Daten das zuletzt schlechtere konjunkturelle Umfeld wider – „stärkerer Euro, schwächere Weltwirtschaft“. „Damit steigt das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft – nach einem leichten Minus im zweiten Quartal – auch im dritten Quartal enttäuschen wird“, fügte Solveen hinzu.

Zu Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft – beflügelt vom starken Bau im milden Winter – noch kräftig um 0,8 Prozent gewachsen. Für das abgelaufene Quartal rechnen die meisten Ökonomen mit einem deutlich schwächeren Wachstum.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/rekordminus-fuer-deutsche-industrie-weisse-seiten-in-den-auftragsbuechern-/10297440.html

———————————————————————————————————————

25.06.2014

Deutschland: Wirtschafts-Wachstum halbiert sich

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal mehr als halbiert. Das BIP wird nur noch um 0,3 Prozent zulegen. Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise lassen vor allem die deutschen Investitionen nach.

————————————————————————————-

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird sich nach Prognose des DIW-Instituts im ablaufenden zweiten Quartal mehr als halbieren. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um nur noch 0,3 Prozent zulegen, sagte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch voraus.

Zu Jahresbeginn hatte es – begünstigt vom milden Winter – noch ein Plus von 0,8 Prozent gegeben. Besonders die Investitionen dürften sich „angesichts der gestiegenen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise moderater als zuletzt entwickeln“.

Zuletzt haben zwar wichtige Konjunkturindikatoren leicht nachgegeben. Dennoch bleibt die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe weiterhin gut. Insbesondere die exportorientierten Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. „Die zuletzt gestiegenen Auftragseingänge aus dem Ausland deuten auf eine kräftige Expansion der Exporte im zweiten Quartal hin”, so DIW-Deutschlandexperte Simon Junker.

In der Bauwirtschaft bleibt die übliche Frühjahrsbelebung wegen der bereits im ersten Quartal ungewöhnlich milden Witterung aus; allerdings ist bei nach wie vor günstiger Grunddynamik mit einer Belebung im weiteren Jahresverlauf zu rechnen.

Stütze der Konjunktur bleibe dagegen dank merklicher Lohnsteigerungen der private Konsum. Auch die Exporte haben im Frühjahr kräftig zugelegt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/25/deutschland-wirtschaft-wachstum-halbiert-sich/

———————————————————————————————————————

13.05.2014

ZEW-Index bricht überraschend stark ein

Die Situation in der Ostukraine bleibt hochexplosiv. Außerdem kann die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo offenbar nicht halten. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate bewerten Finanzmarktexperten deutlich schlechter als erwartet.

————————————————————————————-

Das aus einer Umfrage unter 350 Finanzmarktexperten ermittelte ZEW-Barometer sank stärker als vermutet. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich veröffentlichte Index brach im Mai auf 33,1 Punkte ein, nach 43,2 Punkten im Vormonat. Das war der niedrigste Stand seit Januar 2013 und der fünfte monatliche Rückgang in Folge.

Mit einem solch massiven Einbruch hatten Bankvolkswirte nicht gerechnet. Sie hatten einen wesentlich geringeren Rückgang auf 40,0 Punkte erwartet.

Geht der deutschen Konjunkturlokomotive die Puste aus?

„Der Rückgang der Konjunkturerwartungen muss vor dem Hintergrund der starken Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal 2014 gesehen werden“, lieferte ZEW-Präsident Clemens Fuest als Erklärung. „Es zeichnet sich bereits ab, dass die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten kann.“ Dennoch ist seiner Meinung im laufenden Jahr in der Tendenz immer noch mit einer positiven konjunkturellen Entwicklung zu rechnen.

Deutlich besser bewerteten die Teilnehmer der Umfrage die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland. Entsprechend stieg der Lage-Index im Mai um 2,6 auf 62,1 Punkte. Das war sogar etwas besser als Bankvolkswirte vermutet hatten. Sie hatten nur mit einem Anstieg auf 60,5 Punkte gerechnet.

Die Lage in der Ostukraine bleibt angespannt

Johannes Jander, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen, bringt den erneuten Rückgang des ZEW-Index mit der Krise in der Ostukraine in Zusammenhang. Aufgrund der gestiegenen politischen Risiken dort sei er keineswegs überrascht, schreibt er in seinem Kurzkommentar. Generelle Konjunkturzweifel dürften aber nicht aufkommen. Denn der Index befinde sich immer noch auf einem sehr hohen Niveau, schreibt Jander. Außerdem deute auch die bessere Beurteilung der derzeitigen Lage darauf hin.

In Hinblick auf die Europäische Zentralbank, die neuerliche geldpolitische Maßnahmen von weiteren Konjunkturdaten abhängig machen will, schreibt der Helaba-Volkswirt: „Zusätzlicher Druck auf die EZB, im Juni weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen zu beschließen, sollte unseres Erachten aber nicht aufkommen.“

Kritischer äußert sich ING-DiBa-Volkswirt Carsten Brzeski. Der neuerliche Rückgang beim ZEW-Index ist für ihn ein Zeichen, dass die Risiken für die Aussichten der deutschen Konjunktur zunehmen.

Der Dax gab nach Bekanntgabe leicht nach und notiert nun noch mit 0,5 Prozent im Plus. Der Euro ist auf 1,3750 Dollar gefallen.

http://boerse.ard.de/anlagestrategie/konjunktur/zew-index-bricht-ueberraschend-stark-ein100.html

———————————————————————————————————————

10.02.2014

Deutschland: Umsatz der Industrie sinkt das zweite Jahr in Folge

Die deutsche Industrie erlitt 2013 erneut Umsatzeinbußen. Schon 2012 war der Umsatz gesunken. Die schwache Binnen-Nachfrage ist dafür genauso verantwortlich (-1,6%) wie die stockenden Exporte in die Euro-Länder (-1,7%).

————————————————————————————-

Die deutsche Industrie hat 2013 wegen schwächelnder Geschäfte auf dem Heimatmarkt und in der Euro-Zone das zweite Jahr in Folge weniger Umsatz erzielt. Die Einnahmen schrumpften um 0,2 Prozent, nachdem sie 2012 sogar um 0,8 Prozent gesunken waren. „Das Inlandsgeschäft nahm dabei um 1,6 Prozent ab, während der Auslandsumsatz 1,4 Prozent zulegte”, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Der Umsatz mit den Euro-Ländern fiel um 1,7 Prozent, während er im restlichen Ausland um 3,5 Prozent zulegte (mehr hier).

In den wichtigsten Branchen lief es recht unterschiedlich. Die Maschinenbauer nahmen 2,2 Prozent weniger ein, mussten aber zum Jahreswechsel einen großen Auftragsverlust verkraften (mehr dazu – hier), die Chemieindustrie meldete ein Minus von 0,6 Prozent. Besser erging es der Autobranche, die auf ein Plus von 2,2 Prozent kam.

Zuletzt zeigte der Trend im gesamten Verarbeitenden Gewerbe nach unten. Im Dezember erlösten die Unternehmen saison- und arbeitstäglich bereinigt 1,5 Prozent weniger als im November. „Dabei nahmen sowohl der Inlandsumsatz als auch der Auslandsumsatz um jeweils 1,4 Prozent ab“, so die Statistiker.

Sorgen bereitet der schwache Export, der auf dem tiefsten Stand seit 2009 gefallen ist (hier).

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59370/

———————————————————————————————————————

06.02.2014

Binnennachfrage schwach: Aufträge der Industrie rückläufig

Wegen eines Rückgangs der Binnen-Nachfrage um 1,6 Prozent gingen die Aufträge der deutschen Industrie im Dezember leicht zurück. Die deutschen Unternehmen haben vor dem Hintergrund der Krise weniger investiert.

————————————————————————————-

Die Aufträge der deutschen Industrie gingen im Dezember überraschend zurück. Ursache ist die schwächere Binnennachfrage. Die deutschen Unternehmen haben weniger investiert.

Der Auftragseingang der deutschen Industrie sank im Dezember um 0,5 Prozent, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet.

Die deutsche Binnennachfrage fiel im Dezember um 1,6 Prozent, berichtet Bloomberg. Die Exporte stiegen um 0,4 Prozent. Bestellungen aus der Eurozone stiegen um 7,5 Prozent, Bestellungen von außerhalb fielen jedoch um 3,7 Prozent.

Aber auch die Nachfrage aus Europa ist schwach. Für die Maschinenbauer sind im Dezember 21 Prozent der Aufträge aus dem europäischen Ausland weggebrochen (mehr dazu – hier).

Langfristig steige die Nachfrage nach deutschen Produkten, so das von Sigmar Gabriel (SPD) geführte Ministerium. „Besonders erfreulich ist, dass die kräftig steigenden Auftragseingänge aus dem Euro-Gebiet eine weiter fortschreitende Erholung signalisieren.“

Die Investitionsgüter-Aufträge legten um 1 Prozent zu. Schlechter sah es dagegen für die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien mit einem Rückgang von 2,2 Prozent und Konsumgütern mit minus 2,0 Prozent aus.

Im Gesamtjahr 2013 erhielte die Industrie 1,6 Prozent mehr Bestellungen, auch dank einer erstarkenden Nachfrage aus den USA und China (hier). Die deutsche Wirtschaft hatte 2013 nur ein mageres Wachstum von 0,4 Prozent geschafft.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59301/

———————————————————————————————————————

03.02.2014

Deutsche Industrie profitiert von Nachfrage aus Übersee

Die deutschen Industriebetriebe profitieren von der langsam steigenden Nachfrage aus China und den USA. Der Einkaufsmanager-Index steigt. Auf dem Arbeitsmarkt und die Verkaufspreise ist davon bislang nur wenig zu spüren.

————————————————————————————-

Die steigende Nachfrage aus Übersee hat der deutschen Industrie zu einem guten Jahresauftakt verholfen. Ihre Geschäfte liefen im Januar so gut wie seit gut zweieinhalb Jahren nicht mehr, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 500 Unternehmen mit. Der Einkaufsmanagerindex kletterte um 2,2 auf 56,5 Punkte. Ab 50 Zählern zeigt das Barometer ein Wachstum an.

Produktion und Auftragzuwächse erreichten dabei fast ein Drei-Jahres-Hoch. Grund ist die anziehende Weltkonjunktur. „Die Exportgeschäfte gewannen merklich an Dynamik”, erklärte Markit. „Die deutschen Unternehmen profitierten hierbei vor allem von erhöhten Auftragseingängen aus Asien und den USA.“ Insbesondere Konsumgüter seien vermehrt nachgefragt worden. Die Firmen stellten deshalb den zweiten Monat in Folge mehr Mitarbeiter ein, und zwar gleich so viele wie zuletzt vor zwei Jahren.

Derzeit sieht es ganz so aus, als würde das Industriewachstum einen merklichen Stellenaufbau nach sich ziehen können”, sagte Kolodseike. „Die Neueinstellungen sind ein ermutigendes Zeichen dafür, dass die Industriemanager wohl auch weiterhin mit steigenden Auftragszahlen rechnen.“

2013 hatte es nur zu einem Wachstum der Wirtschaft von 0,4 Prozent gereicht, weil neben den Exporten auch die Investitionen schwächelten.

Der Einkaufsmanagerindex in den Euro-Ländern stieg um 1,3 auf 54,0 Punkte, teilte das Markit-Institut mit. Seit einem halben Jahr liegt es nun schon über der Marke von 50 Zählern. Selbst in Griechenland wurde die wichtige 50-Punkte-Marke überschritten – zum ersten Mal seit August 2009. In Frankreich steht die Konjunktur nach wie vor still (hier).

Die Konjunktur schlägt allmählich auch auf den Arbeitsmarkt durch. Für die Industrie der gesamten Euro-Zone wurde zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ein Stellenplus gemessen. Dieses fiel zwar bescheiden aus, erreichte aber dennoch das höchste Niveau seit September 2011. Bislang steht die hohe Arbeitslosigkeit in Staaten wie Griechenland und Spanien einer nachhaltigen Erholung im Weg, da sie vor allem den Konsum belastet.

Wermutstropfen aus Sicht der Unternehmen: Sie konnten ihre Verkaufspreise nur moderat und geringfügiger als in den beiden Vormonaten anheben. Das spricht für einen anhaltend niedrigen Inflationsdruck. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone war zu Jahresbeginn auf 0,7 Prozent gefallen.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59188/

———————————————————————————————————————

15.01.2014

BIP +0,4 Prozent: Deutsche Wirtschaft kraftlos

Die deutsche Wirtschaft war im letzten Jahr so schwach wie seit 2009 nicht mehr. Die schwache Weltwirtschaft drückte die Exporte. Die Binnennachfrage konnte dies nicht kompensieren.

————————————————————————————-

Die deutsche Wirtschaft ist 2013 so schwach gewachsen wie seit dem Rezessionsjahr 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte nur um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mitteilte. 2012 hatte es noch zu einem Plus von 0,7 Prozent gereicht, 2011 sogar von 3,3 Prozent. Ein eher enttäuschendes Jahr war es vor allem für die Exporteure. Die maue Konjunktur in der Euro-Zone und die Abkühlung auf wichtigen Absatzmärkten wie China belasteten ihr Geschäft.

Der Staat musste zudem ein leichtes Defizit im Staatshaushalt hinnehmen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung gaben zusammen 1,7 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Dies entspricht einem Defizit von 0,1 Prozent des BIP. 2012 hatte es einen Überschuss von 0,1 Prozent gegeben, 2011 dagegen ein Defizit von 0,8 Prozent

Die Exporte stiegen nur um 0,6 Prozent, nach einem Plus von 3,2 Prozent im Jahr 2012. Wegen der Unsicherheit behielten viele Firmen Pläne für neue Investitionen in der Schublade. Die Wirtschaft steckte 2,2 Prozent weniger in Maschinen und Anlagen. Impulse kamen hingegen von den Verbrauchern, deren Konsum um 0,9 Prozent zulegte.

Offensichtlich wurde die deutsche Wirtschaft durch die anhaltende Rezession in einigen europäischen Ländern und eine gebremste weltwirtschaftliche Entwicklung belastet“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. „Die starke Binnennachfrage konnte dies nur bedingt kompensieren.“ Dennoch steht Deutschland konjunkturell besser da als die meisten anderen Euro-Staaten. Trotz zuletzt positiver Signale dürfte die Wirtschaft etwa in Italien und Spanien 2013 geschrumpft sein.

Investitionen fehlen

Wegen der Unsicherheit behielten auch viele Firmen Pläne für neue Investitionen in der Schublade. Die Wirtschaft steckte 2,2 Prozent weniger in Maschinen und Anlagen. Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will „eine weitere Belebung der privaten und öffentlichen Investitionstätigkeit“ forcieren.

Für die meisten Wachstumsimpulse sorgten 2013 die Konsumenten, die jedoch kaum mehr ausgaben als in 2012 (+0,9%).

Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf 41,8 Millionen und erreichte das siebte Jahr in Folge einen Höchststand. In einzelnen Branchen erwarten Insider jedoch ein schwieriges Jahr 2014. In der Solar-Branche stehen sogar Stellenstreichungen bevor (mehr hier).

Die Deutschen legten zudem weniger auf die hohe Kante. Die Sparquote sank auf 10,0 (2012: 10,3) Prozent. „Sie war damit so niedrig wie seit 2001 nicht mehr, was angesichts historisch niedriger Zinsen nicht überrascht”, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler.

Deutschland hält sich zwar besser als die meisten Euro-Partner, hinkt aber hinter anderen großen Wirtschaftnationen hinterher. Die US-Wirtschaft dürfte 2013 der Notenbank Fed zufolge um gut zwei Prozent gewachsen sein, Japan ebenfalls um rund zwei Prozent und China sogar um 7,5 Prozent.

Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung  machten 2013 wieder mehr Schulden. Sie gaben 1,7 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Das entspricht einem Defizit von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/01/58593/

———————————————————————————————————————

06.12.2013

Stärkstes Auftragsminus seit einem Jahr

Im Oktober hat die Industrie 2,2 Prozent weniger Aufträge erhalten. Vor allem die Bestellungen von Investitionsgütern gingen stark zurück. Tendenziell soll die Nachfrage aber wieder steigen.

————————————————————————————-

Unerwarteter Rückschlag für die deutsche Industrie: Ihre Aufträge sanken im Oktober so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Wegen der geringeren Nachfrage nach Maschinen und anderen Investitionsgütern fielen sie um 2,2 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,6 Prozent gerechnet. Im September waren die Bestellungen – vor allem wegen vieler Großaufträge für den Flugzeugbauer Airbus – noch um 3,1 Prozent gestiegen. Diesmal gab es weniger Großaufträge als üblich. Die Regierung geht aber von einer grundsätzlich anhaltenden Erholung aus.

Die aktuell schwächere Entwicklung geht ausschließlich auf die Abnahme der Bestellungen an Investitionsgütern zurück, die sich im Monat zuvor im selben Umfang erhöht hatten“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. „Hier machen sich die starken Schwankungen der Großaufträge bemerkbar.“ Tendenziell ziehe die Nachfrage weiter an. „Dies deutet auf eine fortgesetzt positive Entwicklung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin“, so das Ministerium.

Ökonomen sind etwas vorsichtiger. „Es gibt in der Industrie derzeit keine allzu große Dynamik“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Das Wachstum kommt eher von der Inlandsnachfrage wie durch den Konsum und Bauinvestitionen, weniger vom Export.“ Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist enttäuscht, dass aus dem Inland den zweiten Monat in Folge weniger Investitionsgüter nachgefragt wurden. „Das Anspringen der Investitionskonjunktur in Deutschland ist beileibe noch kein Selbstläufer“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Dirk Schlotböller.

Die Bestellungen für Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter gingen um 5,2 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien zog hingegen um 2,2 Prozent an, die nach Konsumgütern um 0,6 Prozent. Die Aufträge aus dem Inland schwächten sich mit 2,0 Prozent etwas weniger stark ab als die aus dem Ausland mit 2,3 Prozent.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/industrie-staerkstes-auftragsminus-seit-einem-jahr-/9182862.html

———————————————————————————————————————

14.11.2013

Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal mehr als halbiert. Das BIP stieg von Juli bis September um 0,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Positiv entwickelten sich aber die Investitionen.

————————————————————————————-

Die Konjunktur in Deutschland hat nach dem starken Frühjahr wie erwartet wieder an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Juli bis September nur noch um 0,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal gab es wegen Nachholeffekten nach dem langen Winter noch ein Plus von 0,7 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte Europas größte Volkswirtschaft stagniert.

Für das Wachstum in den Sommermonaten sorgte ausschließlich die robuste Binnennachfrage. „Die Konsumausgaben von privaten Haushalten und Staat waren etwas höher als im Vorquartal“, schrieben die Statistiker. Außerdem wurde sowohl in Ausrüstungen wie Maschinen als auch in Bauten mehr investiert. Dagegen bremste der Außenhandel die Konjunktur: Während die Importe weiter zulegten, zeigten die Exporte „wenig Dynamik“.

Aus Sicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, liegen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen. „Die Wirtschaft wächst nicht mehr ganz so schnell wie im zweiten Quartal, das durch wetterbedingte Nachholeffekte beim Bau sehr stark ausgefallen war,“ sagte Krämer. Positiv sei, dass die Unternehmen jetzt das zweite Quartal in Folge mehr investiert hätten. Die anderthalbjährige Phase rückläufiger Investitionen scheine nun überwunden zu sein.
Auch für Carsten Brzeski bewegen sich die Zahlen im Rahmen der Erwartungen. „Nach dem starken zweiten Quartal ist Deutschland wieder zu einem Wachstum zurückgekehrt, das seinem Potenzial entspricht,“ sagt er.

Für das laufende vierte Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium wieder mit einem höheren Tempo. „Wir erwarten ein Wachstum von knapp einem halben Prozent“, sagte Staatssekretär Bernhard Heitzer. Trotzdem wird es den Wirtschaftsweisen zufolge im Gesamtjahr nur zu einem Plus von 0,4 Prozent reichen. 2014 sollen es dann 1,6 Prozent sein.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/bruttoinlandsprodukt-deutsche-wirtschaft-verliert-an-schwung/9073390.html

———————————————————————————————————————

04.11.2013

Der deutsche Mittelstand rutscht in die Krise

Europäische Unternehmen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Konkurrenz aus Asien ist stark. Europas Wirtschaft stagniert. Die meisten Unternehmen zweifeln daran, dass die Politik diesem Trend etwas entgegensetzen kann. Mittelständler scheuen Investitionen und Risiken zugunsten von Restrukturierungs-Maßnahmen.

————————————————————————————-

Sieben von zehn befragten Unternehmen gaben an, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren wird. Dabei kommt die Konkurrenz nicht nur aus Asien. Auch nord- und südamerikanische Unternehmen werden die europäischen Mitstreiter in den kommenden Jahren einholen, lautet das Ergebnis der internationalen Restrukturierungsstudie 2013 „Europe’s competitiveness” von Roland Berger Strategy Consultants.

Die Bemühungen für die Errichtung einer Freihandelszone (hier) mit den USA sowie Handelsabkommen mit Canada (hier) und China wird den Wettbewerb noch verschärfen. Ein Handelskrieg mit dem Reich der Mitte konnte die EU nach langen diplomatischen Verhandlungen über die Vermarktung von Solarzellen in Europa nicht ohne Gesichtsverlust abwenden: Strafzölle für EU-Produkte in China hätten fatalere Auswirkungen als eine Blockade von chinesischen Solarzellen in der EU  (hier).

Die europäische Wirtschaft entwickelt sich nur schleppend. Der gemeinsame Binnenmarkt ist für viele Firmen zu dem wichtigsten Absatzmarkt geworden. Wenn es nicht gelingt, die Binnennachfrage zu stärken, müssen europäische Mittelständler mit Umsatzeinbußen rechnen. Die Konkurrenten aus Asien können mit den Produktionspreisen aus Europa mithalten oder diese gar unterbieten.

Chinas außenpolitische Wirtschaftsstrategie ist darauf ausgelegt, den Export nach Europa zu steigern. Die eigene Währung wird durch eine exzessive Geldpolitik niedrig gehalten (mehr zur Rekord-Inflationhier). Die Unternehmen bekommen massive staatliche Unterstützung in Form von Subventionen. Das versetzt exportorientierte Firmen in China in die Lage, den europäischen Markt für sich zu erobern.

Um den Anschluss zu anderen Volkswirtschaften nicht komplett zu verlieren, sollten die europäischen Länder verstärkt in wettbewerbsfördernde Faktoren wie Infrastruktur, Innovationskraft und Bildungssystem investieren“, sagte Max Falkenberg, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Die Regierungen Europas sollten an dem Abbau der Staatsverschuldung weiterarbeiten sowie wirtschaftlich und politisch noch stärker zusammenwachsen. „Doch bei den Unternehmen herrscht hier Skepsis: Über 60 Prozent der Befragten bezweifeln, dass die aktuellen politischen Maßnahmen in den einzelnen Ländern das Vertrauen in Europa stärken können, heißt es in der Restrukturierungsstudie.

Prozent der Unternehmen gehen von sinkenden oder stagnierenden Umsätzen aus. Als Wachstumsgarant gelten Investitionen in Europa und Asien. Jedes zweite Unternehmen bemängelt die fehlende Verfügbarkeit von Fachkräften. Neben der schwachen europäischen Binnennachfrage (48%) ist die schwindende Risikobereitschaft für 38 Prozent der Unternehmen die größte Wachstumsbremse.

Da sich Firmenchefs mit Investitionen und Risiken in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zurückhalten, verschiebt sich der Fokus bei 70 Prozent aller Unternehmen auf interne Restrukturierung. „Dabei stehen Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen (77%), Wachstumsinitiativen (76%) sowie Anpassungen der Strategie und Geschäftsmodelle (69%) ganz oben auf der Agenda“, so die Studie.

Um sich vor Finanzierungsrisiken zu schützen, sind Bankkredite immer noch das beliebteste Mittel. Die Zinsen sind niedrig und die Banken buhlen um die Gunst des Mittelstands. Trotzdem greifen Unternehmen derzeit lieber auf die eigenen Rücklagen zurück – in der Hoffnung darauf, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr wieder anzieht.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/04/der-deutsche-mittelstand-rutscht-in-die-krise/

———————————————————————————————————————

03.11.2013

Deutschlands Wirtschaft droht eine Dauerstagnation

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, hat in einer Studie herausgefunden: Nullwachstum droht in Deutschland bald zur Normalität zu werden. Aber es gibt Gegenmittel.

————————————————————————————-

Der demografische Ausblick für Deutschland für die kommenden 20 Jahre ist ungünstig. Die Bevölkerung insgesamt wird zurückgehen, stärker aber noch die Erwerbsbevölkerung. Im Jahr 2030 wird die Zahl der Einwohner Deutschlands um rund 3,2 Millionen Personen geringer sein als 2012.

Die Zahl der 15- bis 74-Jährigen wird zwischen 2012 und 2030 gar um knapp 4,9 Millionen Personen sinken – ein Minus von 7,7 Prozent. Pro Jahr wird die Einwohnerzahl im Durchschnitt um 176.000 Personen fallen und die Erwerbsbevölkerung um 271.000 Personen mit im Zeitablauf steigender Tendenz. Zum Vergleich: Volkswagen beschäftigt rund 250.000 Mitarbeiter am Standort Deutschland.

Die wirtschaftlichen Folgen nahezu aller realistischen demografischen Szenarien für Deutschland sind eindeutig: das Potenzialwachstum fällt. Selbst in einem verhalten optimistischen Basisszenario fällt das Potenzialwachstum bis 2030 auf 0,6 Prozent, verglichen mit 1,4 Prozent 2012.

Babyboomer gehen in den 2020er-Jahren in Rente

Mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation schlägt die demografische Entwicklung vor allem in den 2020er-Jahren negativ durch. Der Wachstumsbeitrag des Arbeitsvolumens wird im nächsten Jahrzehnt zunehmend negativ. Das Pro-Kopf-Wachstum sinkt ebenfalls, aber nicht so stark, da auch die Einwohnerzahl zurückgeht. Es vermindert sich von 1,3 Prozent im Jahr 2012 auf 1,0 Prozent im Jahr 2030.

Ohne die positiven Effekte vom Arbeitsmarkt, der Investitionstätigkeit, einer jährlichen Nettozuwanderung von rund 100.000 neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und einer jährlich wiederkehrenden Verbesserung unserer Produktivität sähe die Wachstumsperspektive düster aus.

Verharrten Arbeitsmarktparameter sowie Bruttoinvestitionsquote auf den heutigen Strukturwerten und wären die Grenzen zu, fiele das Potenzialwachstum bis 2030 auf 0,2 Prozent. Das Pro-Kopf-Wachstum sänke auf 0,7 Prozent.

Zwei Prozent Wachstum pro Jahr sind möglich

Deutschland muss sich damit jedoch nicht zufriedengeben. Statt 0,7 wären auch zwei Prozent Pro-Kopf-Wachstum möglich – das ist ehrgeizig, aber erreichbar. Zuletzt schaffte Deutschland dies in den 80er-Jahren.

Auch eine Vergleichsgruppe von 15 hoch entwickelten Industrieländern kam in den 20 Jahren bis 2008 im Schnitt auf einen ähnlichen Wert – selbst wenn man vom Immobiliensektor ausgehende Übertreibungen außen vor lässt. Und die USA sind bereits zurück auf dem Weg zu einem Pro-Kopf-Wachstum von zwei Prozent.

Ein erster Ansatzpunkt zur besseren Nutzung des in Zukunft noch vorhandenen Arbeitskräftepotenzials ist eine Erhöhung der Partizipationsquote. Zentrale politische Hebel sind dabei Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Steueranreize zur erhöhten Erwerbsbeteiligung von Eheleuten sowie Maßnahmen zur Erhöhung des effektiven Renteneintrittsalters.

Bessere Bildung ist einer der Schlüssel

Ein weiterer Rückgang der strukturellen Erwerbslosigkeit würde selbstverständlich ebenfalls einen Beitrag leisten, die Demografiefalle zu umgehen. Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sind zentral, um die Qualifikationen der Arbeitsuchenden mit den Anforderungen der freien Arbeitsplätze möglichst in Einklang zu bringen, denn nur adäquat ausgebildete Personen haben in Deutschland eine gute Chance, sich auf Dauer in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Zugleich sind von einer besseren Bildung erhebliche Produktivitätseffekte zu erwarten. Das Steuer- und Sozialsystem schließlich sollte auf Anreizmechanismen ausgerichtet bleiben, die die Aufnahme von Arbeit begünstigen.

Doch selbst wenn es gelänge, die Erwerbslosenquote bis 2030 sukzessive auf null zu reduzieren, stiege das Potenzialwachstum gleichzeitig nur auf 0,9 Prozent. Der Grund ist das bereits niedrige Niveau der Erwerbslosigkeit.

Zuwanderung und Investitionen nötig

Auch Zuwanderung allein führt nicht zum Ziel. Denn unter sonst gleichen Bedingungen lässt sich durch mehr Zuwanderung nur das Potenzialwachstum insgesamt erhöhen. Damit auch das Pro-Kopf-Wachstum steigt, müsste zugleich auch die Investitionstätigkeit ausgeweitet werden.

Dennoch ist Zuwanderung ein sehr wichtiger Schlüssel zu mehr Wachstum. Zuwanderung auf freie, bestehende Arbeitsplätze ist sehr sinnvoll. Es ist gut möglich, dass im nächsten Jahrzehnt für doppelt so viele Zuwanderer freie Arbeitsplätze zur Verfügung stehen wie heute. Die richtige Auswahl, ein schneller, unbürokratischer Einwanderungsprozess sowie die Eingliederung in unsere Arbeitswelt und Gesellschaft werden in Zukunft große Aufgaben für alle Beteiligten werden.

Die Investitionstätigkeit der Unternehmen und – im Rahmen der nationalen sowie europäischen Schuldenregeln – des Staates werden ebenfalls ihren Beitrag zu mehr Wachstum leisten müssen. Einen signifikanten Beitrag zum Wachstum würde eine Erhöhung der Investitionsquote um rund 5,5 Prozentpunkte auf 23 Prozent im Jahr 2030 erbringen.

Heute liegt die Quote bei 17,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), wozu der Staat 1,5 Prozentpunkte und die Privatwirtschaft knapp 16 Prozentpunkte beitragen.

Technischer Fortschritt treibt die Produktivität voran

Die Produktivität der gemeinsam eingesetzten Arbeitskräfte, Prozesse, Maschinen und Bauten – die sogenannte totale Faktorproduktivität (TFP) – liefert seit Langem den größten Beitrag zum Wachstum. Der wesentliche Beitrag zur Zuwachsrate der totalen Faktorproduktivität resultiert aus technischem Fortschritt.

Für dessen Geschwindigkeit wiederum sind Umfang und Effektivität der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE), in die Innovationsfähigkeit von Firmen sowie in Bildung maßgeblich.

Der Wachstumsbeitrag der totalen Faktorproduktivität müsste von aktuell 0,8 Prozentpunkten bis 2030 auf 1,8 Prozentpunkte steigen, um allein für ein Pro-Kopf-Wachstum von zwei Prozent zu sorgen. Eine derart kräftige Verbesserung ist für ein reifes Industrieland wie Deutschland praktisch nicht erreichbar.

Seit der Wiedervereinigung bewegte sich der Wachstumsbeitrag der TFP in der Spitze bei 1,1 Prozentpunkten, im Mittel der Jahre 1992 bis 2012 betrug er 0,9 Prozentpunkte. Zukünftig sollten Effizienz- und Effektivitätsgewinne aber mindestens einen Prozentpunkt zum jährlichen Wachstum beitragen können.

An mehreren Stellschrauben drehen

Eine eindimensionale Strategie zur Erhöhung des deutschen Pro-Kopf-Wachstums ist zum Scheitern verurteilt. Gelingen kann dies aber, wenn man mit einem integrierten Ansatz an mehreren Stellschrauben gleichzeitig dreht. Dies unterstellen wir in unserem KfW-Szenario. Darin wird eine umfassende Mobilisierung der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung unterstellt, eine höhere Zuwanderung und ein höherer Produktivitätszuwachs.

Angenommen wird auch eine Investitionsquote von 22 bis 23 Prozent der Wirtschaftsleistung. Aus heutiger Sicht ist das ehrgeizig. Aber: Ein solcher Wert war Anfang der 90er-Jahre noch die Regel. Und: Mit der Energiewende, der Pflege und dem Ausbau international konkurrenzfähiger Wertschöpfungsketten im Unternehmenssektor, der Verbesserung der Infrastruktur, dem Ausbau von (frühkindlichen) Betreuungs- und Bildungseinrichtungen und dem demografiegerechten Umbau von Wohnungen gibt es genügend Investitionsanlässe für Unternehmen und Staat. In Summe sind sie mit den Herausforderungen im Zuge der Wiedervereinigung vergleichbar.

Zu der Investitionsquote von 23 Prozent sollten die staatlichen Investitionen rund drei Prozentpunkte beisteuern können – eine Größenordnung, die schon seit Langem in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Australien, Kanada und in Skandinavien die Regel ist. Der Rest muss aus der Privatwirtschaft kommen.

Investitionen verbessern die Arbeitsproduktivität

Zudem gehen wir im KfW-Szenario davon aus, dass die vermehrte Investitionstätigkeit die Arbeitsproduktivität nach oben zieht. Dies erfordert erhebliche Anstrengungen bei den wesentlichen Stellschrauben zur Beschleunigung des technischen Fortschritts, also bei Forschung und Entwicklung, bei der Innovationsfähigkeit von Unternehmen sowie im Bildungsbereich.

Um durch neues Wissen den technischen Fortschritt zu beschleunigen, ist eine weitere Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben notwendig. Darüber hinaus erscheint auch eine Verbreiterung der FuE-Basis wünschenswert.

Die FuE-Anstrengungen in Deutschland konzentrieren sich auf die Wirtschaftszweige der hochwertigen Technik – der Automobilsektor macht allein ein Drittel aus –, was umgekehrt Defizite bei der besonders wachstumsstarken Spitzentechnologie bedeutet.

Mehr Technologietransfer aus Hochschulen

Um mehr Innovationen auf den Markt zu bringen, muss der Technologietransfer aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen verbessert werden. Auch stellen die spezifischen Innovationshemmnisse von Mittelständlern Ansatzpunkte für die Wirtschaftspolitik dar. Finanzierungsprobleme, Bürokratie und Fachkräftemangel betreffen insbesondere Firmen mit anspruchsvollen Innovationsstrategien.

Angesichts der hohen Wissensintensität der deutschen Volkswirtschaft kommt es in erster Linie auf eine Verbesserung der kognitiven Kompetenzen der Erwerbspersonen, also eine hohe Bildungsqualität, an. Bildungsausgaben sind notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung dafür.

Vorrang sollte eine gute Bildungsqualität im frühen Kindesalter haben, da dort der Grundstein für nachfolgende Bildung gelegt wird. Auch ist eine höhere Chancengerechtigkeit im Bildungssystem anzustreben, und der Anteil Geringqualifizierter muss deutlich verringert werden.

Derzeit fehlt fast einem Viertel der Personen im Alter von 25 bis 30 Jahren ein beruflicher Abschluss. Durch gezielte berufliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen sollten sich sowohl Erwerbstätige als auch Erwerbslose kontinuierlich für vorhandene oder neue, zukunftsträchtige Arbeitsplätze weiterqualifizieren.

Handlungsbedarf bei Investitionen am höchsten

Wenngleich das KfW-Szenario nur bei gleichzeitigen Erfolgen auf allen wachstumsrelevanten Politikfeldern zu erreichen ist, ist der Handlungsbedarf unterschiedlich akut.

Vergleicht man die Geschwindigkeit bisheriger Veränderungen in den relevanten Kategorien Arbeit, Kapital und Produktivität mit der Geschwindigkeit der notwendigen Veränderungen bis zum Jahr 2030, ergibt sich eine mögliche Rangliste.

Unzweifelhaft sehr hoch ist der Handlungsbedarf bei den Investitionen – insbesondere beim Staat, aber auch in der Privatwirtschaft – und der Produktivität. Sowohl die Stärkung der Investitionen wie auch der Produktivität haben nach unserer Einschätzung Priorität.

Eine hohe Priorität zeigt unser Indikator auch bei der Zuwanderung an. Bei der Erwerbsbeteiligung dagegen müssen wir bis 2030 durchschnittliche Zuwächse erzielen, wie sie seit der Jahrtausendwende gelungen sind. Der Rückgang der Erwerbslosenquote kann sich sogar verlangsamen. Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt erscheinen also machbar.

Der Gastbeitrag basiert auf der Studie „Deutsches Wirtschaftswachstum in der Demografiefalle: Wo ist der Ausweg?“ von Klaus Borger, Elke Lüdemann, Jörg Zeuner und Volker Zimmermann. Sie wird am Montag auf www.kfw.de veröffentlicht

http://www.welt.de/wirtschaft/article121481526/Deutschlands-Wirtschaft-droht-eine-Dauerstagnation.html

———————————————————————————————————————

23.04.2013

Deutsche Industrie schwächer als erwartet

Das produzierende Gewerbe und die Dienstleistungen mussten wieder Verluste hinnehmen. Die Talfahrt geht weiter: Es gibt keine neuen Aufträge mehr. Die Wirtschaft in Deutschland schrumpft erstmals seit November.

————————————————————————————-

Die schwache konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ist vorbei. Die deutsche Wirtschaft hat erstmals seit November vergangenen Jahres wieder „den Rückwärtsgang eingelegt“, sagt Tim Moore, Senior-Ökonom bei Markit. Der neue Einkaufsmanager-Index ist deutlich gesunken und liegt mit 48,8 Punkten klar unterhalb der Wachstumsmarke von 50 (siehe Grafik). Auch das Bundesfinanzministerium kann die Fakten in seinem Monatsbericht nicht mehr schönreden (mehr hier).

Hauptsächlich verantwortlich für den Rückgang der Wirtschaftsleistung ist die Industrieproduktion. Es gibt keine neuen Aufträge mehr. Die Auftragslage in der Industrie schrumpft seit 22 Monaten in Folge. „So lange wie nie zuvor in der zehnjährigen Umfragegeschichte“, berichtet der Finanzdienstleister Markit in einer Pressemitteilung.

Der Automobilmarkt in Europa entwickelt sich zurück (mehr hier). Die Neuzulassungen brechen ein. Die Nachfrage aus dem europäischen Ausland lässt nach, da sich die Europäer infolge der Schuldenkrise die deutschen Produkte nicht mehr leisten können (hier).

Aber auch der deutsche Dienstleistungssektor ist vom Rückgang betroffen. Auch hier gibt es keine neuen Aufträge mehr. Experten rechnen damit, dass dieser Trend sich im Sommer noch verstärken wird. Auf den deutschen Arbeitsmarkt und die Inflation haben sich die negativen Entwicklungen der Wirtschaft noch nicht niedergeschlagen. Die Beschäftigung legte leicht zu.

Die EZB zieht aufgrund der Entwicklungen in Deutschland in Erwägung, den Leitzins für Europas Banken zu senken (hier). Draghi will dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Zuvor hatte der EZB-Chef zugegeben, dass die Sparpolitik in Eurpa an ihre Grenzen gekommen sei.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/23/deutsche-industrie-schwaecher-als-erwartet/

———————————————————————————————————————

24.04.2013

Trübe Stimmung in der Wirtschaft: Ifo-Index fällt unerwartet stark

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend deutlich abgekühlt. Der Ifo-Index fiel den zweiten Monat in Folge. Das Wirtschaftswachstum droht zum Erliegen zu kommen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 104,4 von 106,7 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mit. Damit fiel der Index den zweiten Monat in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 106,2 Zähler gerechnet.„Die deutsche Konjunktur legt eine Verschnaufpause ein“, erklärte Ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen. Die befragten Manager bewerteten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter: Das Barometer sank auf 101,6 Punkte von 103,6 Zählern. Die Lage wurde ebenfalls deutlich schlechter bewertet. Dieser Teil-Index sank auf 107,2 Punkte von 109,9 Zählern.

Probleme in der Euro-Zone

Fachleute hatten angesichts des Ärgers rund um die Rettung von Zypern, der Regierungskrise in Italien und vieler weiterer ungelöster Probleme in der Euro-Zone mit einem leichten Rückgang bei dem wichtigsten Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft gerechnet.

Bereits im März war der Index überraschend gefallen, nachdem er seit November unablässig gestiegen war. Erst bei drei Veränderungen in die gleiche Richtung nacheinander sprechen Fachleute von einer Trendwende. Noch hält sich der Ifo-Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Für den Wert befragen die Wirtschaftsforscher monatlich 7000 Firmen.

Die Anleger zeigten sich zunächst unbeeindruckt.

Der Dax  behauptete sich leicht im Plus.

http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/ifo-geschaeftsklimaindex-truebe-stimmung-in-der-wirtschaft-ifo-index-faellt-unerwartet-stark_aid_969943.html

 

———————————————————————————————————————

23.08.2012

Sparen, kürzen, streichen: Deutsche Konzerne rüsten sich für den Abschwung

Die deutschen Großkonzerne schalten in den Krisenmodus um. Die Firmen suchen nach Möglichkeiten, die Flaute zu überstehen. Stellenstreichungen und Einsparungen stehen bei den Unternehmen nun auf der Tagesordnung.

————————————————————————————-

Die Details des Sparprogramms sollen erst auf der Führungskräftetagung von Siemens im Herbst präsentiert werden. Doch fest steht schon jetzt, wie die Schlüsselworte lauten werden: sparen, kürzen, streichen. Mitarbeiter der vier Sparten Industrie, Energie, Medizintechnik und Infrastruktur sowie der Strategieabteilung suchen derzeit nach Möglichkeiten, wie sich die von Vorstandschef Peter Löscher Ende Juli angekündigten Einsparungen umsetzen lassen. Es gebe „definitiv noch keine Entscheidungen“, heißt es im Konzernumfeld.

Aber, so fügt ein Insider hinzu: „Natürlich wird das Ganze nicht ohne Stellenstreichungen gehen. Der Konzern muss jetzt aus dem Rekordmodus in den Krisenmodus umschalten.“ Die „Börsen-Zeitung“ hatte berichtet, bei Siemens stünden „Tausende“ der insgesamt 400.000 Stellen auf dem Spiel.

Schuld am Sparzwang ist die sich ankündigende Konjunkturflaute. So ist der Auftragseingang bei Siemens im dritten Geschäftsquartal um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Viele andere deutsche Unternehmen kämpfen mit den gleichen Problemen, weshalb nun die Stunde der Controller schlägt.

Deutschlands größter Handelskonzern Metro leidet unter der Kaufzurückhaltung infolge der Euro-Krise und will deshalb jährlich 120 Millionen Euro einsparen. RWE macht nicht nur die Energiewende, sondern auch die sinkende Stromnachfrage wegen des Abschwungs zu schaffen – knapp 11.000 Stellen sollen wegfallen. Der Sportartikelhersteller Puma verzeichnete trotz Olympia im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von 29 Prozent und beschleunigt den Konzernumbau.

Bei der Deutschen Bank leidet das Investment-Banking, der Konzern will sich von 1.900 Mitarbeitern trennen. Und diese Zahl könnte, wenn die Vorstandschefs im September die neue Strategie verkünden, noch höher ausfallen.

Der Chemiekonzern Merck plant, in der Pharmasparte ab 2014 jährlich 300 Millionen Euro zu sparen. Und beim Autozulieferer Bosch-Rexroth droht bis zu 1 100 Mitarbeitern Kurzarbeit.

Die Sparprogramme sind nicht nur, aber auch eine Reaktion auf die zuletzt deutlich eingetrübten Konjunkturaussichten: Zwar ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um 0,5 Prozent und im zweiten noch um 0,3 Prozent gewachsen – aber nun zeigt der Trend nach unten.

Der Ifo-Index ist seit April um 6,5 Punkte auf 103,3 Zähler gesunken. Die Reaktionen der Unternehmen zeigen aber, dass sie sich nicht auf eine Krise, sondern vielmehr auf eine temporäre Nachfrageschwäche einstellen. So fallen die Stellenabbaupläne der 30 Dax-Konzerne eher moderat aus.

Sie planen zwar, sich von 32.000 Mitarbeitern zu trennen. Aber das ist weit weniger dramatisch, als es klingt: Seit dem Rezessionsjahr 2009 haben die Dax-Konzerne knapp 173.000 Stellen neu geschaffen.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/sparen-kuerzen-streichen-deutsche-konzerne-ruesten-sich-fuer-den-abschwung-seite-all/7039162-all.html

———————————————————————————————————————

23.08.2012

Konjunktur: Deutsche Privatwirtschaft setzt Talfahrt fort

Im August ist die deutsche Privatwirtschaft so stark geschrumpft, wie seit drei Jahren nicht mehr. Nicht nur die Industrieproduktion, sondern auch der Service-Sektor verbuchte Geschäftseinbußen. Die Neuaufträge sind in beiden Bereichen ebenfalls zurückgegangen.

————————————————————————————-

Wie die aktuellen Daten des Markit-Instituts zeigen, ist die deutsche Wirtschaftsleistung der Privatwirtschaft den vierten Monat in Folge geschrumpft. Der Composite Index Produktion, der sowohl die Industrieproduktion als auch den Servicebereich umfasst, ist von 47,5 Punkten im Juli auf ein 38-Montatstief von 47,0 Punkte im August gerutscht und liegt damit weiter unter der 50-Punkte-Marke, die für Wachstum steht. Zuletzt gab es einen Rückgang dieses Ausmaßes im Juni 2009.

So sank etwa der Service-Index mit 48.3 Punkten (Juli 50.3) auf den tiefsten Wert seit drei Jahren und auch der Index für Industrieproduktion befindet sich weiter im Rückgang, wenngleich er sich gegenüber Juli etwas erholen konnte: von 43,0 im Juli auf 45.1 im August. Da beide Indizes auf „ein Niveau gesunken sind, das erfahrungsgemäß einen BIP-Rückgang bedeutet, hat sich der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft im Verlauf des dritten Quartals ganz klar verstärkt“, kommentiert Tim Moore von Markit die aktuelle Situation (das BIP hat sich im 2. Quartal bereits verlangsamt – hier).

Die größte Gefahr geht wohl – keineswegs überraschend – vom verstärkten Rückgang des Exportneugeschäfts aus. Seit April 2009 klaffte kein so großes Loch mehr in den Auftragsbüchern der Industrieunternehmen wie jetzt”, warnt Tim Moore. Sowohl in der Industrie als auch im Service-Sektor verbuchten im August starke Auftragsverluste. Der Auftragsindex sank auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. Als Folge dessen reduzierten die Industrieunternehmen ebenfalls ihre Einkäufe und Lagerbestände.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/23/konjunktur-deutsche-privatwirtschaft-setzt-talfahrt-fort/

———————————————————————————————————————

24.07.2012

Deutsche Industrie: Aufträge brechen ein

Im Juli sind die die Aufträge sowohl in der deutschen Industrie als auch im Dienstleistungssektor so stark wie zuletzt vor drei Jahren zurückgegangen. Besonders die deutsche Industrie ist angeschlagen. Die Exportbestellungen sind rapide eingebrochen. Die Aussichten für die nächsten Monate sind alles andere als gut.

————————————————————————————-

Den dritten Monat in Folge ist die deutsche Privatwirtschaft im Juli geschrumpft, wie der Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion zeigt. Dieser sank um 0,8 Punkte auf 47,3 – also weiterhin unter der 50-Punkte-Grenze, die Wachstum bedeutet. „Unsere Juli-Daten verdeutlichen, dass sich die Lage der deutschen Privatwirtschaft im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 rapide verschlechtert hat“, beurteilt Tim Moore von Markit die aktuelle Lage. In der Krise stecke vor allem die Industrie.

Die Rezession in der Eurozone aber auch die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft haben bereits in den vergangenen Monaten für eine Flaute in der deutschen Privatwirtschaft gesorgt. Entsprechend wurde die Industrieproduktion im Juli so stark zurückgefahren wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Sowohl im Industrie- als auch im Service-Bereich waren die Verluste bei den Auftragseingängen noch deutlicher ausgefallen als im Juni. Die Industrie verbuchte den stärksten Rückgang der Exportbestellungen seit Mai 2009. „Wegen der sich verschärfenden Auftragsmisere könnte das BIP im laufenden Vierteljahr sogar noch stärker schrumpfen als im Schlussquartal 2011 mit 0.2%“, warnt Tim Moore. Dass die Kosten so langsam gestiegen sind wie seit gut zweieinhalb Jahren nicht mehr, sei momentan die wichtigste positive Entwicklung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/24/deutsche-industrie-auftraege-sinken-brechen-ein/

———————————————————————————————————————

22.07.2012

Deutsche Industrie stellt sich auf harte Zeiten ein

Infineon, Deutz, Puma: Die Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen häufen sich. Auch aus der Stahlbranche kommen schlechte Nachrichten. Erste Firmen prüfen bereits die Einführung von Kurzarbeit. Von C. Dierig, J.Hartmann und A. Tauber

————————————————————————————-

Die anhaltende Euro-Krise und das schwächere Wachstum in China machen jetzt auch der deutschen Industrie schwer zu schaffen. Viele Quartalszahlen, die Unternehmen in den kommenden Wochen präsentieren werden, dürften unter den bisherigen Erwartungen liegen.

Nachdem bereits der Halbleiterhersteller Infineon, der Motorenbauer Deutz sowie der Sportartikler Puma ihre Zahlen nach unten korrigiert haben, könnte jetzt Deutschlands größter Industriekonzern Siemens folgen.

Die Entwicklung bestätigt, dass die deutsche Industrie gegen die weltwirtschaftliche Entwicklung nicht immun ist. Zwar hält Deutschland der Krise bislang wacker stand, doch die Industrie stellt sich trotzdem auf harte Zeiten ein. Damit wird zunehmend fraglich, ob die erhoffte Erholung im zweiten Halbjahr wirklich kommen wird.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte in seinem Konjunkturbericht im April noch geschrieben, es bestünde „Anlass zur Zuversicht, dass sich die deutsche Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte deutlich beleben könnte“. Ähnlich hatte sich auch Siemens geäußert.

Doch die Aussichten sind nicht gut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bezeichnet die europäische Schuldenkrise als das größte Risiko für die globale Konjunktur und korrigierte den globalen Wirtschaftsausblick nach unten.

Weltweit werde die Wirtschaft nur um 3,5 Prozent wachsen. 2013 sollen es 3,9 Prozent sein. Die Euro-Zone werde in diesem Jahr in einer Rezession sein – wobei Deutschland mit einem Prozent Wachstum noch gut dastehe.

„Steinige Straße“ für Siemens

Bei Siemens liegt es gewöhnlich an Finanzvorstand Joe Kaeser, den Markt auf härtere Zeiten einzustimmen. So erklärte er bei einer Reise nach Washington Ende Juni, der Konzern müsse eine „steinige Straße“ bewältigen, wolle er noch die Finanzziele für 2012 erreichen. Dabei hatte Siemens erst im Frühjahr seine Gewinnprognose gekappt – von sechs auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro.

Mit Spannung wird daher der Auftritt von Siemens-Chef Peter Löscher erwartet, der am Donnerstag die jüngsten Zahlen zur Geschäftsentwicklung präsentieren wird. Viele fragen sich, ob er das Gewinnziel für das laufende Jahr noch einmal revidieren wird. Analysten erwarten nur noch einen Nettogewinn von 5,1 Milliarden Euro.

Die Krise macht sich auch beim Halbleiterhersteller Infineon bemerkbar. Das Geschäft läuft schlechter als erhofft. In der kommenden Woche wird Konzernchef Peter Bauer, der im September aufhört, vermutlich einen leicht sinkenden Umsatz für das abgelaufene Quartal melden.

Die Gewinnprognose für das dritte Quartal hatte er bereits Ende Juni gekappt. Dabei war Bauer noch lange davon ausgegangen, sowohl den Umsatz als auch die Gewinnmarge halten zu können. Ein stabiles Geschäft erwartet Bauer hingegen im vierten Quartal des Geschäftsjahres.

Infineon steht dabei im Vergleich zu anderen Halbleiterherstellern, etwa Intel, noch gut da. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren aus den hart umkämpften Massenmärkten wie dem Geschäft mit Speicherchips zurückgezogen und bedient als Zulieferer unter anderem für die Autoindustrie, für Windkraftanlagen und Züge seither Nischenmärkte.

Vor allem als Autozulieferer ist das Unternehmen stark: Hier steuern die Halbleiter Fensterheber oder lösen Airbags aus. Trotzdem gibt es Risiken. „Wir gehen davon aus, dass diese Warnung angesichts des schwachen Wirtschaftstrends nicht die letzte sein wird“, schreibt Sandeep Deshpande, Analyst von J.P. Morgan. Vor allem ein Einbruch der Autoverkaufszahlen könnten Infineon Probleme bereiten.

China macht deutschen Firmen Sorgen

Den Unternehmen macht nicht allein die Euro-Krise zu schaffen. Auch ein schleppendes Geschäft in China setzt der deutschen Wirtschaft zu. In den vergangenen Jahren konnten die Hersteller noch darauf setzen, Absatzprobleme in Europa durch die hohe Nachfrage in den Schwellenländern, zuletzt auch in den USA, zu kompensieren.

Neben Brasilien und Indien steht China hier an vorderster Stelle. Doch das gilt nicht mehr automatisch. Siemens-Finanzchef Kaeser wurde in seiner Prognose für das China-Geschäft denn auch ungewohnt deutlich: Er erwarte bis Jahresende ein „sehr schwaches China“. Die Wachstumsdynamik werde erst 2013 zurückkehren.

Zwar bleibt China mit einem Wachstum von zuletzt 7,6 Prozent im zweiten Quartal des Jahres ein Wachstumsmotor der Weltwirtschaft und ein bedeutender Markt. Doch von den früheren Wachstumsraten im zweistelligen Bereich ist das Land weit entfernt.

Eine schwache Nachfrage beklagt auch die deutsche Stahlindustrie. Hier hat sich das Branchenklima massiv eingetrübt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl überlegt bereits, ihre Jahresprognose zu reduzieren. Bislang sagen die Verbandsexperten für 2012 ein Produktionsvolumen in Höhe von 44 Millionen Tonnen voraus – was nahezu exakt der Vorjahresmenge entsprechen würde.

„Vor dem Hintergrund der zuletzt verhaltenen Entwicklung der Auftragseingänge, der bestehenden konjunkturellen Unsicherheiten und der schwelenden Euro-Krise ist die Prognose aber mit einem Abwärtsrisiko verbunden“, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Noch zu Jahresbeginn hatte er sich betont optimistisch gezeigt und von „Anzeichen einer Stabilisierung“ gesprochen.

Stahlnachfrage lässt nach

Der Stahlindustrie fehlt vor allem die Nachfrage aus dem Ausland. Rund 50 Prozent der Produktion gehen demnach in den Export. Zu den größten Kunden gehören die namhaften Autokonzerne in Frankreich, Spanien und Italien. Deren Geschäft ist aber eingebrochen.

Ohnehin liegt der Stahlverbrauch in den schuldengeplagten Staaten Südeuropas um mehr als 50 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, meldet Gisbert Rühl, der Vorstandsvorsitzende des Stahlhändlers Klöckner&Co.

Die Entwicklung schlägt sich schon in den Bilanzen der Unternehmen nieder. Salzgitter zum Beispiel hat jüngst seine Prognose für den Unternehmensbereich Stahl gesenkt. Ein ausgeglichenes Ergebnis könne nicht mehr erwartet werden.

Der deutsche Branchenführer ThyssenKrupp wiederum prüft die Einführung von Kurzarbeit für die Standorte Duisburg und Bochum. Bei Dillinger Hütte und Saarstahl, die im Verbund Deutschlands drittgrößter Hersteller sind, werden technisch bedingte Reparaturstillstände länger ausfallen als üblich. Zuvor hatten bereits andere Hersteller Hochöfen vorübergehend stillgelegt.

Die Unternehmen schlagen auch deswegen einen Sparkurs ein. Allerorts ist von wachsendem Druck auf die Mitarbeiter zu hören, die Reiseetats zu senken und weniger Büromaterial zu verbrauchen.

Ein süddeutscher Autobauer wies all seine Verwaltungsabteilungen an, jeweils die Kosten um fünf Prozent zu senken. Beim Lkw-Bauer MAN herrscht erst mal ein Einstellungsstopp. Und der Chef des Softwarekonzerns SAP hat die Mitarbeiter angewiesen, künftig mehr auf die Kosten zu achten.

Auch Siemens spart. Zwar ist keine Rede davon, wieder ein großes Sparprogramm wie 2008 aufzulegen, als Tausende Stellen gestrichen wurden. Dafür aber gingen Arbeitnehmervertreter schon vor Wochen davon aus, dass im Abschlussquartal die Kosten gedrückt würden, um das Gewinnziel doch noch zu erreichen.

Noch kein „Paniksparen“

Das spüren auch die Lieferanten von Büromaterial. „In den vergangenen Jahren haben wir bemerkt, dass unsere Kunden weniger ausgeben“, erklärt Ramon Kok, Europachef von Office Depot, einem der der größten Anbieter in diesem Bereich in Europa. Vor allem am Zubehör für Drucker wird gespart.

Bei den Gewerkschaften wird dieser Sparkurs aufmerksam verfolgt. „Es geht dennoch längst nicht so heftig zu wie in den Krisenjahren 2008 und 2009. Es findet bislang noch kein Paniksparen statt“, sagt ein bayerischer IG Metall-Funktionär.

Zwar haben mehrere Unternehmen wie Karstadt, Opel und RWE jüngst Stellenstreichungen angekündigt. Doch das hat meist spezifische Gründe. Der deutsche Arbeitsmarkt gilt weiter als robust.

Doch nicht alle klagen. Deutschlands Maschinenbauer bewerten die Lage optimistischer. „Natürlich sind auch wir nicht losgelöst von den Problemen durch die Euro-Schuldenkrise“, sagt Olaf Wortmann, Konjunkturexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Für 2012 sei bei den Auftragseingängen bislang ein Gesamtminus von acht Prozent aufgelaufen, aber Besserung sei in Sicht: „Die Lage ist derzeit gut.“ Nach den ersten fünf Monaten 2012 beträgt das Produktionsplus 4,3 Prozent, sagt Wortmann: „Damit sind wir sogar besser als erwartet.“

Trotzdem hoffen die Maschinenbauer, dass die Euro-Krise schnell beigelegt wird. Während außerhalb der Euro-Zone die Talsohle durchschritten sei, liefen die Geschäfte in vielen Euro-Ländern weiterhin zäh – auch in Deutschland, sagt Wortmann: „Hier spüren wir unverändert eine gewisse Zurückhaltung.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article108357289/Deutsche-Industrie-stellt-sich-auf-harte-Zeiten-ein.html

———————————————————————————————————————

15.06.2013

Wohlstand auf wackligen Füßen: Top-Ökonom: Deutschland geht es schlechter als gedacht

Deutschland gilt als vorbildliche Wirtschaftsmacht. Der Spitzen-Ökonom Adam Posen sieht das anders und prangert nun an, dass Deutschland diesen Ruf gar nicht verdiene. Der Wohlstand basiere nur auf Billig-Löhnen und prekären Arbeitsverhältnissen.

————————————————————————————-Der amerikanische Spitzen-Ökonom Adam Posen warnt, dass die deutsche Wirtschaft in schlechterer Verfassung sei, als vielfach angenommen. „Es gibt keine Belege für eine besonders Industrie-Erfolgsgeschichte Deutschlands“, schreibt Posen in einem Gastbeitrag für „Die Welt“.Die hohe Wettbewerbsfähigkeit und das derzeitige Job-Wunder seien erkauft durch niedrige Löhne und eine Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen. Das sei der falsche Weg für ein wohlhabendes Industrieland. „Billige Arbeit ist der Hauptgrund des deutschen Exporterfolgs der letzten zwölf Jahre“, sagt Posen. „Aber billige Arbeit ist keine Basis, auf der reiche Länder miteinander konkurrieren sollten.“

Deutschlands Versäumnisse

Posen warnt in der „Welt“, dass deutsche Unternehmen es in den vergangenen Jahren versäumt haben, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch technologischen Fortschritt und mehr Bildung zu steigern. „Idealerweise sollte ein wohlhabendes Hochtechnologieland seine Wettbewerbsposition verteidigen, indem es durch Forschung und Entwicklung, sowie durch Investitionen technologisch führend bleibt. Doch die Investitionen gehen in Deutschland zurück“, schreibt Posen. Die deutsche Investitionsquote liegt deutlich unter denen der restlichen G7-Staaten.

Posen kritisiert auch, dass Deutschland es versäumt, seine Arbeitnehmer gut auszubilden. „Das Ergebnis ist, dass das Produktivitätswachstum in Deutschland verglichen mit seinen Wettbewerbern niedrig ist und nicht etwa hoch“, formuliert es der Ökonom in der Zeitung.

Posen fordert Reformen

Er fordert deshalb in der „Welt“ eine ganze Reihe von Reformen hierzulande: Unter anderem müssten der Dienstleistungssektor reguliert werden, der Zugang zu den Hochschulen leichter werden und die Unternehmenssteuern so reformiert werden, dass Firmen gezwungen sind, ihre vergleichsweise hohen Geldbestände zu investieren, in höhere Löhne zu stecken oder den Anteilseignern auszuzahlen.

Adam S. Posen ist Präsident des Peterson Institute for International Economics, einem der angesehensten Think Tanks der USA. Posen gilt als einer der weltweit führenden Experten für Geld- und Fiskalpolitik und als ausgesprochener Deutschland-Kenner.

http://www.focus.de/finanzen/news/wohlstand-auf-wackligen-fuessen-top-oekonom-deutschland-geht-es-schlechter-als-gedacht_aid_1015837.html

———————————————————————————————————————

27.06.2012

DIW: Deutsches Wirtschafts-Wachstum hat sich im 2. Quartal halbiert

Im zweiten Quartal des Jahres ist das Wachstum der deutschen Wirtschaft deutlich zurückgegangen, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die Schuldenkrise werde aber auch in den kommenden Monaten das Wachstum weiter dämpfen.

————————————————————————————-

Die Zuspitzung der Schuldenkrise macht sich mittlerweile immer stärker auch in Deutschland bemerkbar. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert, dass sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal halbiert habe. Das Konjunkturbarometer des DIW zeigt, dass das BIP nur mehr um knapp 0,2 Prozent gewachsen ist, wohingegen es zu Jahresbeginn ein Wachstum von 0,5 Prozent aufwies.

Aber auch die Aussichten für die kommenden Monaten zeigen ein deutlich geringeres Wachstum als bisher. „Die Krise im Euroraum dürfte die Exporte merklich dämpfen und zu einer wieder zunehmenden Zurückhaltung bei der inländischen Nachfrage beitragen”, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Erst am Dienstag zeigte sich, dass auch die deutschen Verbraucher mit einem Konjunktureinbruch rechnen (hier). „Die Menschen in Deutschland werden wegen der Krise wieder nervöser.“ Das schwäche die Konsum- und Investitionsausgaben, so Ferdinand Fichtner. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt könne sich kurzfristig wieder etwas verschlechtern.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/06/27/diw-deutsches-wirtschaftswachstum-hat-sich-im-2-quartal-halbiert/

———————————————————————————————————————

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.