Universitäten forschen für das US-Militär

15.12.2013

Pentagon finanziert Schweizer Uni-Studien

Das US-Verteidigungsministerium sponsert zahlreiche Studien an Schweizer Hochschulen – darunter solche, die ein effizienteres Durchsuchen von Datensätzen zum Ziel haben.

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Das US-Verteidigungsministerium finanziert zahlreiche Forschungsprojekte an Schweizer Hochschulen. Allein in den letzten zwei Jahren schossen die US-Streitmächte über eine Million Dollar für insgesamt ein Dutzend Studien an der ETH sowie den Universitäten Zürich, Bern und Neuchatel ein, schreibt die «SonntagsZeitung». Pikant: Diverse Projekte sind militärisch oder geheimdienstlich nutzbar.

An der ETH Zürich finanziert die amerikanische Luftwaffe Air Force zurzeit eine dreijährige Doktorandenstelle mit 200’000 Dollar. Die Hochschule tüftelt mit den Geldern an der Verbesserung von Flügelstrukturen – nutzbar für die Weiterentwicklung von Flugzeugflügeln.

Die ETH Lausanne und die Universität Zürich erhielten je 80’000 Dollar für Studien über Datenverarbeitung. Ziel: effizienteres Verwalten und Durchsuchen von grossen Datensätzen. Alle betroffenen Hochschulen bestätigen die Zuschüsse aus dem Pentagon. Gegenleistungen dafür gebe es nicht.

«Kooperationen müssen gestoppt werden»

Hochschulpolitiker von links bis rechts sind empört und fordern die sofortige Offenlegung der US-Zuschüsse. «Diese Kooperationen müssen gestoppt werden», sagt SVP-Nationalrat Felix Müri, Vizepräsident der Kommission für Wissenschaft Bildung und Kultur (WBK). Es gehe ums Prinzip: «Es kann doch nicht sein, dass eine fremde Streitmacht bei vielen kleinen Projekten ihre Finger im Spiel hat.»

Auch WBK-Präsident Matthias Aebischer (SP) spricht sich klar gegen die Annahme von Drittmitteln aus dem amerikanischen Militäretat aus.

http://bazonline.ch/schweiz/standard/Pentagon-finanziert-Schweizer-UniStudien/story/27932816

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25.11.2013

Das Pentagon lässt deutsche Hochschulen angeblich

zum Walschutz forschen – mit einem

Flugabwehrsystem von Rheinmetall

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Wieder gab es eine Enthüllung zu Aktivitäten von US-Militärs in Deutschland: Im Rahmen ihres Buch- und Filmprojekts “Geheimer Krieg” trugen der Norddeutsche Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung Details über Forschungsprojekte des US-Verteidigungsministeriums an öffentlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland zusammen. Demnach erhielten mindestens 22 Einrichtungen seit dem Jahr 2000 rund zehn Millionen Dollar aus dem Haushalt des Pentagon. Vertragspartner sind das US-Verteidigungsministerium und dessen angegliederte Behörden oder Unterabteilungen. Unter anderem habe die US-Armee an der Universität des Saarlandes die mathematische Verarbeitung von Sprachstrukturen erforschen lassen. Ähnliche Berichte hatte es bereits vor über zwei Monaten gegeben: Das ARD-Nachrichtenmagazin FAKT recherchierte, wie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an Sprachtechnologien für den Militärgeheimdienst NSA geforscht wird.

Laut “Geheimer Krieg” erhielt die Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Geld zur Verbesserung militärischer Sprengstoffe, ein Fraunhofer-Institut habe an Panzerglas und an Sprengköpfen geforscht. An der Universität Marburg sei untersucht worden, wie sich Orientierungssysteme für Drohnen und “präzisionsgelenkte Munition” verbessern ließen. In Frankfurt am Main hat die demnach US-Luftwaffe eine Untersuchung von Erdbeben im Iran in Auftrag gegeben. Unklar ist, auf welche Weise dies geschehen sein soll, vermutlich handelte es sich aber um satellitengestützte Bildverfahren. Auch an der Universität Bremen sei laut dem NDR “ein Satellitenforschungsprojekt von der amerikanischen Luftwaffe” finanziert worden.

Navigation von Wüstenheuschrecken und Walschutz

Wie zu erwarten hagelt es seit heute Morgen Dementis. Der Rektor der RWTH Aachen bestätigte die Berichte nicht, ließ aber mitteilen es werde nicht wie von Medien berichtet an einem “Gleichgewichtssystem für Schiffe” geforscht. Eine hessische Zeitung meldete, in Marburg sei an Orientierungssystemen von Wüstenheuschrecken gearbeitet worden, das Pentagon habe sich davon “Erkenntnisse für die Orientierung der unbemannten Flugkörper, der so genannten Drohnen” erhofft. Offizieller Partner sei ein in London ansässiges European Office of Aerospace Research & Development, offensichtlich ein Ableger eines gleichnamigen US-Instituts. Bei den Forschungen an der Philipps-Universität handele es sich laut der Zeitung “mit ziemlicher Sicherheit um einen Einzelfall”. Das kann sogar stimmen, denn selbst die vom Projekt “Geheimer Krieg” angegebene Summe von 10 Millionen US-Dollar innerhalb von 13 Jahren ist doch recht niedrig. Das deutsche Verteidigungsministerium gibt für den gleichen Zweck nach eigenen Angaben rund 900 Millionen Euro jährlich aus.

Nicht alle deutschen Hochschulen haben einer sogenannten Zivilklausel zugestimmt. Meist auf öffentlichen oder studentischen Druck verpflichten sich die WissenschaftlerInnen darin, auf militärische Forschung zu verzichten. Jedoch ist die Frage, wie zwischen zivilen und militärischen Anwendungen unterschieden werden soll. Gerade im Bereich von Satellitentechnologie ist dies vielfach unmöglich: So werden Synthetic Apertur-Radarsysteme (SAR) gleichermaßen benutzt, um das Schmelzen der Polkappen zu dokumentieren oder das Feldlager von Osama Bin Laden aufzuspüren. Auch die Europäische Union verfolgt mit “Global Monitoring of Environment and Security” (mittlerweile umbenannt in “Copernicus”) ein derartiges, mächtiges Forschungsvorhaben. Die Plattform entsteht parallel zum Satellitenpositionierungsdienst Galileo und soll die bereits existierende Satellitenaufklärung einiger Mitgliedsstaaten um ein eigenes EU-System erweitern. “Copernicus” dient einer “Bekämpfung von Terrorismus und Klimawandel”.

Auch das Bremer Alfred Wegener Institut (AWI) forscht an derartigen Projekten, allerdings vorwiegend im Bereich der Polar- und Meeresforschung. Nach dem heutigen Bericht über Arbeiten für das Pentagon hatte das AWI heute ein FAQ veröffentlicht, wie es wohl zuvor an die Autoren von “Geheimer Krieg” gegangen war. Demnach handele es sich bei den US-Aufträgen “ausdrücklich nicht um Rüstungsforschung”. Vielmehr sei es um ein Projekt zum Schutz der Wale vor Unterwasserlärm gegangen. In einem anderen Vorhaben seien arktisweite Messungen der Bodentemperaturen in Dauerfrostgebieten vorgenommen worden. Ähnliche Forschungen betreibt das AWI für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Europäische Union.

Ein grün angestrichenes U-Boot bleibt ein Kriegsgerät

Wirklich entkräften können die Statements der Hochschulen und Institute den Verdacht der Beihilfe zum globalen Krieg nicht. Denn ein grün angestrichenes U-Boot, das in der Nähe von Walen das laute Sonar abschaltet, bleibt immer noch ein Kriegsgerät. Überdies können die Forschungen vom Militär auch für strategische, geopolitische Interessen genutzt werden, wenn etwa Gebiete des Iran oder der Arktis kartiert werden.

Wie auch solche Forschungen durch Greenwashing in militärische Vorhaben einverleibt werden, hatten vor zwei Jahren Bremer WissenschaftlerInnen dokumentiert: Unter dem Motto “Ziviles Bremen” veröffentlichten sie einen Aufruf gegen jede Militarisierung der Umweltforschung.

Besonders originell übrigens, dass das Alfred Wegener Institut aus Bremen zwar behauptet, mit einem “thermographischen Videostrom der Schiffsumgebung” lediglich blasende Wale erkennen zu wollen. Im heute eilig ventilierten FAQ des Instituts findet sich jedoch kein Wort darüber, dass für den “Walschutz” der US-Marine ein Flugabwehrsystem von dem deutschen Konzern Rheinmetall Defence genutzt wird.

https://netzpolitik.org/2013/das-pentagon-laesst-deutsche-hochschulen-angeblich-zum-walschutz-forschen-mit-einem-flugabwehrsystem-von-rheinmetall/

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25.11.2013

Deutsche Universitäten forschen für das US-Militär

22 deutsche Hochschulen und Institute haben seit 2000 rund zehn Millionen Dollar an Zuschüssen vom US-Verteidigungsministerium erhalten. Die LMU München erhielt Geld, um Sprengstoffe zu verbessern.

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22 deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute haben in den vergangenen Jahren nach Medienberichten Förderung in Höhe von mehr als zehn Millionen Dollar aus dem Haushalt des US-Verteidigungsministeriums erhalten. Die Einrichtungen bestätigten entsprechende Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der „Süddeutschen Zeitung“, wie das Blatt schreibt. Bei den Projekten handele es sich sowohl um Grundlagen- als auch um Rüstungsforschung, zum Beispiel an Sprengstoffen.

Gelder des US-Militärs seien dabei auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben. So habe die Ludwig-Maximilians-Universität in München vom US-Verteidigungsministerium 2012 mehr als 470.000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern.

Die Fraunhofer-Gesellschaft forschte dem Bericht zufolge für die US-Armee an Panzerglas und an Sprengköpfen. Die Universität Marburg forschte an Orientierungssystemen für Drohnen und „präzisionsgelenkte Munition“.

Zuschuss vom Pentagon seit 2000

Seit dem Jahr 2000 waren mindestens 18 deutsche Hochschulen an Forschungsprojekten beteiligt, die das Pentagon bezuschusst hat. Die Verträge fänden sich in einer öffentlichen US-Datenbank und hätten ein Gesamtvolumen von mehr als 9,4 Millionen Dollar.

Ein Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Alfred-Wegener-Institut und ein Leibniz-Institut erhielten Mittel des US-Verteidigungsministeriums. Zusammen soll es ein Betrag in Höhe von 1,1 Millionen Dollar gewesen sein.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article122221208/Deutsche-Universitaeten-forschen-fuer-das-US-Militaer.html

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