Deutsche Exporte: Die Entwicklung in einer Chronik

20.04.2017

Deutschland wird zum bösen Buben des Welthandels

Seit Jahren wird Deutschland für seine Exportstärke kritisiert. Die Bundesregierung hat diese Kritik immer beiseite gewischt. Das ging bislang auch relativ leicht. Doch diese Zeiten sind nun vorbei.

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Christine Lagarde und Donald Trump haben eigentlich nicht viel miteinander gemein. Auf der einen Seite die ebenso charmante wie charismatische Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), eine vehemente Verfechterin des Freihandels alter Prägung. Eine Frau mit Stil. Auf der anderen Seite der US-Präsident mit seinen verbalen Attacken, die eher an das schlechte Verhalten vieler Rivalen vor einem Boxkampf erinnern. Einer, der im Kampf auch mal unter die Gürtellinie schlägt. Und der den Freihandel, wie wir ihn kennen, ablehnt.In einer Frage aber sind sich die beiden einig. Und das könnte für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nun zu einem ernsthaften Thema werden. Der deutsche Exportüberschuss und die daraus resultierenden Ungleichgewichte seien ein Problem für die Weltwirtschaft, argumentiert der IWF. Trump wiederum interessieren zwar die Ungleichgewichte der Welt herzlich wenig. Dass die Deutschen aber mehr in den USA verkaufen als die Amerikaner in Deutschland, hält er für eine Schande, die noch dazu Arbeitsplätze daheim kostet. Und er hat seinen Wählern versprochen, das zu ändern.

Was wie eine neue Allianz klingt, kommt als Sachverhalt für die Bundesregierung allerdings nicht überraschend. Seit Jahren schreibt der IWF in seine Berichte, wie problematisch die globalen Ungleichgewichte werden könnten. Seit Jahren beklagt man auch innerhalb Europas Deutschlands erdrückende Exportmacht. Bis zu Trumps Wahlsieg aber waren das viele Worte auf einem Papier. Der US-Präsident will nun politische Schritte folgen lassen.

Und das ist ein Problem für Berlin. Denn den Erfolg der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren und die schönen Haushaltszahlen will man sich von den internationalen Neidern nicht kaputt machen lassen. Zur IWF-Frühjahrstagung in Washington ist Schäuble deshalb mit einem Positionspapier gereist, das klarmachen soll, wie wenig Handlungsspielraum Deutschland in dieser Frage hat.

Für den schwachen Euro kann Berlin nichts

Deutschlands Exportstärke lasse sich nur in sehr begrenztem Rahmen durch politische Maßnahmen beeinflussen, argumentiert die Bundesregierung. Etwa die Hälfte des Überschusses sei zurückzuführen auf strukturelle Rahmenbedingungen, an denen die Politik kurzfristig nichts zu ändern vermöge. Hierzu zählten „die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter auf den Weltmärkten“, aber auch „die qualitativ hochwertige, industriell geprägte und komplexe Güterstruktur“.

Die deutschen Handelsüberschüsse seien zudem auch ein Resultat der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Schäuble in Washington. Als die EZB ihre Anleihenkäufe ankündigt habe, sei er skeptisch gewesen. „Ich habe auch gesagt, dass das unseren Überschuss erhöhen wird“, so der Minister. Nun wolle er nicht für die erwartbaren Folgen kritisiert werden. Der Bundesregierung wäre es sehr recht, wenn EZB-Präsident Mario Draghi endlich die Zinsen anheben und den Euro damit verteuern würde.

Keines dieser Argumente wird die Kritiker überzeugen, denn sie sind weder neu, noch decken sie die Problemlage überzeugend ab. Seit Jahren wird den Deutschen von ihren ausländischen Partnern – nicht nur den USA – vorgehalten, sie täten zu wenig für die Investitionen im Land. Wenn bei größeren Investitionsprojekten, etwa in der Rüstung, der IT-Infrastruktur oder anderen Bereichen auch ausländische Firmen Aufträge bekämen, würde sich das Verhältnis von Exporten zu Importen besser ausbalancieren, so die Argumentation.

Kritik an zu niedrigen Löhnen in Deutschland

Damit endet die Kritik aber noch nicht. Deutschlands über viele Jahre gemäßigte Lohnpolitik habe zu zu geringen Löhnen und damit einer Art Dumpingwettbewerb geführt, argumentieren andere europäische Staaten seit langem. In Deutschland hat man dieses Argument immer weit von sich gewiesen und den Partnern einen ebenso rigiden Spar- und Reformkurs angeraten, um ähnlich wettbewerbsfähig zu werden.

Die Gewerkschaften wiederum halten die Kritik für angebracht. Durch stärker steigende Löhne ließen sich die Ungleichgewichte verringern. Parallel dazu müsse aber auch der Staat deutlich mehr investieren, argumentiert das gewerkschaftsnahe Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in einer Studie. Wirkungsvoll sei „eine Kombination aus makroökonomisch orientierten Lohnerhöhungen und unterstützender Finanzpolitik“.Wären die Löhne in den vergangenen 15 Jahren nicht nur um durchschnittlich 1,7 Prozent gestiegen, sondern knapp einen Prozentpunkt stärker, hätte dies die Staatseinnahmen am Ende um rund 18 Milliarden Euro erhöht, heißt es in der Studie. „Diese Mehreinnahmen hätten genutzt werden können, um höhere staatliche Ausgaben für Straßen, Breitbandnetze, Stromnetze und erneuerbare Energien zu finanzieren, aber auch für Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenversorgung und Wohnungsbau“, schreiben die Forscher. Da sich öffentliche Ausgaben besonders stark auf das Wachstum auswirkten, würde so die Binnenwirtschaft gestärkt und die Importe gesteigert. „Dies würde zu einer ausgewogeneren Handelsbilanz beitragen.“

Wenn der Staat die zusätzlichen Steuereinnahmen durch höhere Löhne wieder investiert hätte, wäre der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz um rund 35 Milliarden Euro oder 14 Prozent niedriger als aktuell, schreibt das IMK. Dies reicht aber noch nicht aus, um den Leistungsbilanzüberschuss auf sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken, wie es die EU-Kommission fordert.

Deswegen sollte eine expansive, wachstumsfördernde Finanzpolitik nicht auf die Steuermehreinnahmen bei höheren Löhnen begrenzt bleiben. Sie kann und sollte mehr tun“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Das hätte zudem den Vorteil, dass auch das Wachstum in Nachbarländern unterstützt, der Euro-Raum stabilisiert und damit der Euro tendenziell gestärkt würde.

Bundesregierung fürchtet konkrete Maßnahmen

Schäuble kennt die Argumente alle. Und er hält wenig davon. Die Bundesregierung habe hohe Mittel für Investitionen bereitgestellt, die kaum abgerufen werden, argumentieren seine Experten. Das war natürlich nicht immer so. In früheren Legislaturperioden hat die Regierung versucht, den ausufernden Staatshaushalt in den Griff zu bekommen und dafür nicht zuletzt bei den Investitionen kräftig gebremst. Höhere Löhne seien zudem nicht Sache der Bundesregierung, so das Mantra aus dem Bundesfinanzministerium. Außerdem seien sie in den vergangenen Jahren ja auch kräftig gestiegen.

Schäuble muss sich schon selbst nicht mehr hören können. Denn seine Argumente sind inzwischen fast so bekannt wie die Angriffe der Kritiker. Mit Trump ist allerdings nun erstmals jemand im Amt, der es ernst meinen und notfalls auch Maßnahmen ergreifen könnte, fürchtet man in der Bundesregierung. Anders als die europäischen Partner lassen sich die Amerikaner nicht so einfach beiseite schieben.

Es gäbe natürlich noch einen alternativen Ansatz, der – neben mehr Investitionen – die Kritiker ruhig stellen könnte: kräftige Steuersenkungen. Hätten die Bürger mehr Geld in der Tasche in der Tasche, könnten sie es für Konsumgüter – auch aus dem Ausland – ausgeben.

Schäuble weiß das natürlich. Immerhin schlägt er eine Entlastung im Volumen von 15 Milliarden Euro für die Zeit nach der Wahl vor plus einer Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Dass ihm nicht jeder dieses Versprechen glaubt, weiß er allerdings auch. Denn immerhin regiert die Union nun schon seit zwölf Jahren. Und egal wer der Partner war – ob SPD oder FDP – Steuersenkungen gab es in dieser Zeit nicht.

https://www.welt.de/wirtschaft/article163862076/Deutschland-wird-zum-boesen-Buben-des-Welthandels.html

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20.03.2017

Wenn die Bundesregierung auf stur schaltet

Deutschland steht wegen seines hohen Exportüberschusses in der Kritik – doch die Wirtschaftsweisen können darin kein Problem erkennen. Hört die Bundesregierung auf den Rat der Ökonomen, wäre das gefährlich. Eine Analyse.

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Die Mehrheit im Sachverständigenrat verteidigt Deutschland gegen den Vorwurf, der hohe Außenhandelsüberschuss belaste andere Länder. Die Argumente wirken extrem, der Politikvorschlag der Weisen noch mehr. Die außergewöhnlich hohe deutsche Konkurrenzfähigkeit im internationalen Geschäft soll durch eine Förderung der Angebotsbedingungen in Deutschland noch erhöht werden. Würde die Regierung auf die vier Weisen hören, wäre das gefährlich für Deutschland.

Seit rund 2007, also seit fast 10 Jahren, exportiert Deutschland erheblich mehr als das es importiert – das zeigt der oft diskutierte Leistungsbilanzüberschuss. Im Jahr 2016 betrug der satte 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit 261 Milliarden Euro war der Überschuss größer, als der jedes anderen Landes, einschließlich China. „Der Leistungsbilanzüberschuss signalisiert aus Sicht des Sachverständigenrats kein makroökonomisches Ungleichgewicht“, stellen dennoch vier der fünf Weisen fest.

Nur der nicht allein angebotsorientiert argumentierende Peter Bofinger ist anderer Meinung. Die jahrelange schwache Lohnentwicklung, da ist er sich sicher, könne die Regierung wirtschaftspolitisch beeinflussen. Die Mehrheit der Experten führt den Überschuss jedoch auf „zeitlich begrenzt wirkende Faktoren“ zurück und sieht keine sinnvollen Handlungsmöglichkeiten für die Regierung. Der deutschen Wirtschaft gehe es gut, und bei jedem Staatseingriff zur Senkung des Überschusses müsse man mit einer Verschlechterung rechnen.

Die US-Regierung dürfte sich für die Argumente des Sachverständigenrats weder interessieren, noch sich von diesen überzeugen lassen. Die Trump-Berater denken derzeit lieber über protektionistische Maßnahmen gegen die deutschen Exporterfolge nach. Die Ratschläge der Wirtschaftsweisen sind für den Binnenkonsum bestimmt. Man muss also fragen, ob die Experten Deutschland einen Gefallen tun, wenn sie die Regierung dazu bringen, auf stur zu schalten – und mit Maßnahmen zur weiteren Verbilligung der Produktion in Deutschland, wie sie der Sachverständigenrat vorschlägt, sogar noch eins draufzusetzen.

Protektionistische Ideen der USA und anderer Länder werden so immer wahrscheinlicher. Das würde Deutschland mit seinem exportorientierten Wirtschaftsmodell extrem treffen. Und selbst wenn es dazu nicht kommt, steigt mit jedem Jahr hoher deutscher Überschüsse die Verschuldung des Auslands bei Deutschland immer mehr an. Immer mehr Staaten, Unternehmen oder Finanzinstituten aus dem Ausland droht die Zahlungsunfähigkeit. Für Deutschland bedeutet das Forderungsausfälle – die Schulden werden nicht bedient.

Oder die Forderungen werden durch Abwertung im Auslands entwertet. In der Vergangenheit war das regelmäßig der Fall – in beträchtlichem Umfang. Im Zusammenhang mit der Euro-Krise könnte diese Entwertung deutscher Forderungen sogar besonders schnell, krisenhaft und radikal geschehen – wenn die Währungsunion zerfällt. Dieses Risiko sollte nicht unnötig gesteigert werden, indem man darauf beharrt, die anderen sollten noch stärker an der Wettbewerbsfähigkeitsschraube drehen als Deutschland. Das kann leicht das eine oder andere Land überfordern.

Wenn die Regierung tatsächlich nichts Sinnvolles tun könnte, wäre die Abwehrhaltung vielleicht gerechtfertigt. Aber ganz so ist es nicht. Dass der Sachverständigenrat eine „außergewöhnlich hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit“ bei gleichzeitiger Überauslastung der Produktionskapazitäten diagnostiziert, deutet darauf hin, dass die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer nachhaltig reduziert wurde. Denn die Sachverständigen bezweifeln auch nicht, dass die Agenda 2010 und das Bündnis für Arbeit aus Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands kräftig verbessert hat. Ganz so machtlos ist die Regierung also nicht, wenn es darum geht das Ergebnis von Tarifverhandlungen zu beeinflussen.

Die bisher betriebene merkantilistische Politik sucht die zum Wachstum nötige Nachfrage vor allem im Ausland. Wenn sie an ihre Grenzen stößt – sei es, weil das Ausland rebelliert oder zu kollabieren droht – wäre es weise, diese Politik zu modifizieren. Dass es sich um Merkantilismus handelt, machte der Sachverständige Lars Feld auf der Pressekonferenz des Rates unfreiwillig deutlich, als er sich über das Ansinnen seines Kollegen Bofinger lustig machte, man solle über höhere Löhne für mehr Nachfrage sorgen. Das sei, „wie Münchhausen sich selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen“, warf Feld ein – als könne eine Wirtschaft immer nur von außen, aus dem Ausland Wachstumsimpulse bekommen.

Wenn nach Jahren unterdurchschnittlichen Verdienstzuwachses in Deutschland die Arbeitnehmer für einige Zeit höhere Lohnsteigerungen bekämen als der Durchschnitt des Euroraums, dann würde es der EZB entschieden leichter fallen, ihre expansive Geldpolitik etwas zu straffen – und damit auch dem Rat der Weisen folgen. Und das wäre für das wirtschaftliche Gleichgewicht in Deutschland und im Euroraum sehr hilfreich.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/export-wachstum-ohne-limit-wenn-die-bundesregierung-auf-stur-schaltet/19543008.html

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06.09.2016

Deutschlands gefährlicher Höhenflug im Welthandel

Die deutschen Unternehmen sind nicht zu bremsen. Dieses Jahr werden sie mit ihren Exporten sogar China überflügeln und 310 Milliarden Dollar Überschuss machen. Es ist ein Weltrekord mit Sprengkraft.

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Deutschland ist auf dem besten Weg, Weltmeister zu werden. Doch es ist ein Erfolg, der vielerorts Besorgnis und sogar Frustration auslöst. Die brummenden Geschäfte unserer Exportunternehmen werden dieses Jahr einen Rekord in der Leistungsbilanz nach sich ziehen. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) erwartet, dass sich der Überschuss im Handel mit dem Rest der Welt auf 310 Milliarden Dollar summieren wird – 25 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr.

Das wäre nicht nur ein Spitzenwert für die deutschen Ausfuhrunternehmen, sondern vermutlich auch der größte Überschuss auf dem Globus. Trifft die Prognose zu, würde Deutschland sogar an China vorbeiziehen. Für die chinesische Volkwirtschaft erwartet Ifo-Experte Christian Grimme einen Überschuss von nur noch 260 Milliarden Dollar, 50 Milliarden Dollar unter dem deutschen Wert. Auf Rang drei folgt demnach Japan mit rund 170 Milliarden.

Verantwortlich für den hohen Leistungsbilanzüberschuss ist vor allem der Güterhandel mit dem Rest der Welt und die große Differenz zwischen Aus- und Einfuhren. In den ersten Monaten des Jahres hat das Geschäft mit anderen europäischen Ländern kräftig angezogen, während die Nachfrage deutscher Verbraucher und Firmen nach ausländischen Gütern überraschend schwach war.

Während das deutsche Handelsplus kräftig wächst, dürfte Chinas Überschuss in diesem Jahr um etwa 70 Milliarden Dollar zurückgehen, weil die dortigen Unternehmen spürbar weniger ins Ausland verkaufen. Allein im ersten Quartal sanken die Exporte um 35 Milliarden Dollar. Der hiesige Leistungsbilanzüberschuss war lange der größte aller Volkswirtschaften, bis China im vergangenen Jahr an Deutschland vorbeizog.

Der IWF teilt die Sorgen der EU-Kommission

Der Exporterfolg der deutschen Unternehmen könnte nun allerdings Brüssel auf den Plan rufen, denn die EU-Kommission hält einen langfristigen durchschnittlichen Überschuss von mehr als sechs Prozent für wirtschaftlich schädlich. Trifft die Prognose des Ifo zu, wird der deutsche Überschuss in diesem Jahr bei 8,9 Prozent liegen.

Hierzulande gilt das Exportplus vor allem als Ergebnis hoher Wettbewerbsfähigkeit. Die Kommission sieht das allerdings anders. Anhaltend hohe Überschüsse hält sie für eine Gefahr für die Stabilität der Euro-Zone. Den Überschüssen der Bundesrepublik stehen Defizite anderer Euro-Länder gegenüber und damit verbunden potenziell auch hohe Schulden. So zumindest sieht es die Kommission.

Internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) teilen die Sorgen der EU-Kommission. Ihrer Einschätzung nach bringt Deutschland mit seinen Überschüssen den gesamten Welthandel durcheinender. Prompt meldete sich auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Wort. Man sei besorgt wegen der globalen Ungleichgewichte, hieß es in einer Reaktion der Organisation mit Sitz in Paris.

Die Bundesrepublik könne dazu beitragen, die Ungleichgewichte zu reduzieren, etwa durch mehr staatlich finanzierte Investitionen. Auch die EU-Kommission empfiehlt regelmäßig höhere Investitionen, um die Nachfrage in Deutschland zu steigern und so die Importe in die Höhe zu treiben.

https://www.welt.de/wirtschaft/article157969742/Deutschlands-gefaehrlicher-Hoehenflug-im-Welthandel.html

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26.11.2015

Brüssel warnt Deutschland

Die EU-Kommission will aber keine Sanktionen verhängen. Die Bundesrepublik darf sich weiter auf Kosten anderer Mitgliedsländer bereichern.

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Die EU-Kommission schont den Exportweltmeister Deutschland. Obwohl die deutsche Wirtschaft seit Jahren wachsende Exportüberschüsse meldet und damit zu den wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone beiträgt, will Brüssel keine Sanktionen verhängen. Die Kommission warnte nur vor Wachstumsrisiken durch zu niedrige Investitionen und zu hohe Exportabhängigkeit.

Der Überschuss bei der Leistungsbilanz ist weiter angestiegen, unterstützt von niedrigen Ölpreisen und günstigen Wechselkursentwicklungen“, bilanzierte die Brüsseler Behörde. „Ein Abbau der Überschüsse würde die dringend nötige Verbesserung der Binnennachfrage bringen und den hoch verschuldeten Ländern helfen“, heißt es in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht weiter.

Deutschland hat weltweit den höchsten Überschuss bei der Leistungsbilanz. Nach Angaben des Münchener ifo-Instituts stieg er 2014 um rund 30 Milliarden auf knapp 220 Milliarden Euro (285 Milliarden Dollar). Weit abgeschlagen folgten China (150 Millliarden Euro) und Saudi-Arabien (100 Milliarden Euro). In die Leistungsbilanz gehen neben Exporten und Importen auch alle anderen wirtschaftlichen Transfers mit dem Ausland ein – von Dienstleistungen bis hin zur Entwicklungshilfe.

Aus Sicht vieler Kritiker ist Deutschland daher mit schuld an den Problemen der Eurozone. Die EU-Kommission sieht das zwar auch so, drückt aber immer noch ein Auge zu. Denn Deutschland verstößt zusätzlich gegen eine neue EU-Regel, die im Zuge der Eurokrise eingeführt wurde. Demnach soll der Leistungsbilanzüberschuss nicht höher als 6 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Laut EU-Prognosen dürfte der deutsche Überschuss mit 8,7 Prozent im laufenden Jahr weit höher ausfallen.

Neben Deutschland zählen auch die Niederlande und Italien zu den chronischen „Überschusssündern“. Insgesamt wirft die EU-Kommission 18 EU-Staaten einen Verstoß gegen die Regeln vor. Im letzten Jahr waren es noch 16 Sünderlein.

http://www.taz.de/EU-kritisiert-Handelsueberschuss/!5252079/

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08.10.2015

Deutsche Exporte in Schwellenländer brechen ein

Die deutschen Exporte sind im Monat August aufgrund der schwachen Nachfrage in den Schwellenländern eingebrochen. „Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009“, so das Statistische Bundesamt.

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Die deutschen Exporte sind im August wegen der schwachen Nachfrage aus großen Schwellenländern und der späten Sommerferien so stark eingebrochen wie seit der weltweiten Finanzkrise nicht mehr. Sie fielen um 5,2 Prozent zum Vormonat. „Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009“, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,2 Prozent gerechnet, nachdem es im Juli noch ein Plus von 2,2 Prozent gegeben hatte.

Die späte Lage der Sommerferien – die diesmal stärker in den August hineinragten als normalerweise üblich – dürfte zum Einbruch beigetragen haben. Dadurch waren zuvor bereits Produktion und Industrieaufträge merklich gefallen, wie das Bundeswirtschaftsministerium erklärte. „Die Zahl der Ferientage im August war diesmal höher als normal“, sagte Ökonom Stefan Schilbe. „Das könnte eine Rolle gespielt haben.“ Allerdings dürfte auch die geringere Nachfrage aus wichtigen Schwellenländern wichtig gewesen sein.

Die Schwäche von China, Brasilien, Russland und Co. schlägt sich nieder“, sagte auch der Europa-Chefvolkswirt der Nordea-Bank, Holger Sandte. „Sie trifft Deutschland stärker als andere europäische Länder, weil die Unternehmen dort stärker engagiert sind.“ Rund 30 Prozent der Exporte gingen dorthin. „Die kommenden Monate werden zeigen, ob das der Anfang einer schwächere Entwicklung ist oder nur ein Ausreißer. Bei mir wächst der Verdacht, dass eine schwächere Periode folgt.“ Auch die Aufwertung des Euro im Vergleich zu vielen Währungen der Schwellenländer könne sich negativ bemerkbar machen, sagte HSBC-Experte Schilbe: „Das macht deutsche Güter dort teurer.“

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 88,0 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 5,0 Prozent mehr als im August 2014. Dafür sorgte vor allem die starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der EU – also etwa der Handel mit den USA. Hier gab es ein Anstieg von 6,8 Prozent. Die Exporte in die Euro-Zone erhöhten sich um 2,1 Prozent. Die Importe fielen im August um 3,1 Prozent zum Vormonat. „Das ist der kräftigste Rückgang seit November 2012“, erklärte ein Statistiker. Ökonomen hatten ein Minus von 1,2 Prozent erwartet. Die um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Handelsbilanz – die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren – wies ein Plus von 19,6 Milliarden Euro aus.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/08/deutsche-exporte-in-schwellenlaender-brechen-ein/

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10.04.2015

Wir sind gedopt mit einem schwachen Euro

Deutschland müsse als Führungsmacht in Europa mehr für den Kontinent tun, fordern die USA – am besten mit viel Geld. Dabei geht es Deutschland gar nicht so gut, wie die Amerikaner glauben.

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Deutschland ist so etwas wie der Zuchtmeister der Euro-Zone. Wo immer er auftritt, ruft der Bundesfinanzminister seine europäischen Kollegen zu Sparsamkeit auf. Wirtschaftswachstum entstehe vor allem durch Strukturreformen, nicht durch höhere Staatsausgaben, so sein Mantra.

Übersetzt heißt das: Wer mit den USA und Asien konkurrieren will, muss fit sein. Austrainiert und hungrig also. Und nicht fett und satt. Wolfgang Schäuble hatte in den vergangenen Jahren auch schon versucht, den übergroßen Rest der Welt, vor allem die Amerikaner von dieser Sichtweise zu überzeugen. Erfolglos, wie wir wissen.

Die USA wiederum verweisen seit Jahren darauf, dass Deutschland zu wenig für die Nachfrage im Inland und in Europa tun. Die Löhne zu niedrig, die Abgaben zu hoch, die Investitionen im Keller. So fassen die Amerikaner die Lage in Deutschland zusammen. Die Folge: Die deutsche Wirtschaft wächst weniger stark, als sie könnte.

Dahinter steht die Ansicht, dass Deutschland für eine Führungsmacht zu wenig tut, um Europa wirtschaftlich voran zu bringen. Die Bundesrepublik ist aus amerikanischer Sicht nicht die Konjunkturlokomotive, die es für Europa sein müsste. Und damit ist die deutsche Sparpolitik eine Bremse für die gesamte Weltkonjunktur.

Der Schuldenkrise entwachsen?

Jeder malt sich eben die Welt, so wie sie ihm gefällt. Es sind schwarz-weiß Gemälde, die einerseits für verschiedene wirtschafts- und finanzpolitische Philosophien stehen. Die andererseits den Abwehrkampf der Deutschen gegen die Forderung nach höheren Staatsausgaben zeigen, die gerade aus den USA immer wieder vorgebracht werden.

Denn ginge es nach US-Finanzminister Jack Lew, würde Berlin endlich einmal richtig Geld in die Hand nehmen, investieren und damit die gesamte Konjunktur in der Euro-Zone anschieben. Die Hoffnung dahinter: Mit deutlich mehr Geld könnte Europa der Schuldenkrise entwachsen. Die Amerikaner machen gerade vor, wie das geht.

Nur ist Europa nicht Amerika. Und die Euro-Zonenländer sind nicht die Vereinigten Staaten. Europa – in all seiner Heterogenität – hat andere Probleme, jedes Land andere Hausaufgaben. Frankreich und Italien müssen mehr für ihre Wettbewerbsfähigkeit tun. Italien etwa, indem es seine Märkte öffnet. Restriktionen abbaut. Beim Nachbarn Frankreich sollte die Politik endlich die Finger aus der Wirtschaft lassen. Das Land braucht viel mehr und nicht weniger Freiheit. Und nur weil bei uns die Wirtschaft brummt, heißt das nicht, dass es den anderen ebenfalls gut gehen muss.

Deutschland spart an den falschen Stellen

Deutschland spielt innerhalb der Euro-Zone seit Jahren eine Sonderrolle. Die Bundesrepublik ist exportstark wie kein anderes Land des Währungsraums. Deutsche Unternehmen verkaufen ihre Waren in alle Teile der Welt.

Eines aber ist auch wahr: Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung investiert Deutschland zu wenig. An vielen Stellen zerfällt die Infrastruktur. Wichtige Brücken sind marode. Straßen verrotten. Schulen verfallen. Und auch die Industrie macht weniger als sie müsste. Für unsere Zukunft ist das schlecht.

Deutschlands Politik spart oft an den falschen Stellen und steckt stattdessen vorhandenes Geld lieber in die Sozialetats. So austrainiert, wie Schäuble tut, ist das Land nämlich gar nicht. Wir sind gedopt mit einem schwachen Euro. Zwar will Berlin jetzt zusätzlich 15 Milliarden Euro für Investitionen ausgeben. Das ist sehr viel Geld.

Aber vermutlich eben bei weitem nicht genug, um die Probleme zu lösen. Nur heißt das nicht, dass die deutsche Politik wahllos ihre Ausgaben nach oben fahren sollte. Im Gegenteil: Anstatt bei der Rente und in anderen Sozialbereichen nach immer neuen Lieblingsprojekten zu suchen, muss dieses Land endlich Prioritäten für die Zukunft setzen.

US-Vorstellungen sind wirtschaftspolitischer Fehler

Investitionen in Infrastruktur, auch in IT-Infrastruktur und in Bildung müssen Vorrang haben vor weiteren Ausgaben in den Sozialetats. Damit Deutschland auch wettbewerbsfähig bleibt. Die Einkommen im Inland steigen dann fast von allein.

Nur hat so eine Politik wenig mit den Vorstellungen der USA gemein, die sich wünschen, dass Berlin die Kassen im ganz großen Stil öffnet. Denen am allerliebsten ein europäisches Konjunkturprogramm mit deutschem Geld wäre. Mal ganz abgesehen davon, dass die Euro-Zone derzeit kein Bundesstaat ist, der solche Finanztransfers institutionell möglich macht. Die US-Vorstellung von einer deutschen Wirtschaftspolitik wäre den Deutschen selbst weder zu vermitteln, noch ist sie wirtschaftspolitisch richtig.

http://www.welt.de/wirtschaft/article139373373/Wir-sind-gedopt-mit-einem-schwachen-Euro.html

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07.04.2015

Schwacher Euro hilft deutschen Export-Firmen nicht

Der weiche Euro hilft den deutschen Exporteuren kaum: Die meisten anderen Währungen sind wegen des starken Dollars ebenfalls unter Druck geraten. Die Stärke der deutschen Produkte liegt in der Qualität. Die durch die EZB herbeigeführte Abwertung verpufft dagegen, weil 40 Prozent der deutschen Exporte in die Euro-Zone gehen.

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Der schwache Euro hilft den Exportunternehmen in Deutschland nur in sehr überschaubarem Ausmaß. Insgesamt werde der deutsche Export in diesem Jahr um 2,7 Prozent oder um 36 Milliarden Euro wachsen, heißt es in einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Der schwache Euro trage dazu 5 Milliarden Euro bei.

«Da sich die Margen der Unternehmen auf einem Zehnjahrestief befinden, erhöhen viele Firmen vermutlich eher die Verkaufspreise, als den verbilligenden Effekt des Euro zu nutzen», sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe.

Zudem entfallen 40 Prozent der deutschen Exporte auf Länder der Eurozone, so dass der Währungseffekt wegfällt. «In vielen aufstrebenden Wachstumsmärkten haben jedoch die Währungen – wie auch der Euro – stark an Wert verloren, so dass sich kein großer Vorteil ergibt», sagte Subran. «Die stärksten Effekte erwarten wir im Handel mit den USA.»

Risiken für den deutschen Export sehen die Experten von Euler Hermes vor allem in Rezessionen und geopolitischen Krisen. So könnte das schwächere Wachstum in China die deutschen Exporteure rund fünf Milliarden Euro Umsatz kosten, die geringeren Investitionen in ölfördernden Ländern vier Milliarden Euro und die schwere Rezession in Russland acht Milliarden Euro. Daher falle die Wachstumsrate des deutschen Exports in diesem Jahr mit 2,7 Prozent auch geringer aus als im Vorjahr mit 3,6 Prozent.

Die deutsche Exportwirtschaft könne sich jedoch auf ihre bewährten Erfolgsrezepte stützen, heißt es in der Studie. Dazu gehörten die Diversifizierung der Absatzmärkte und die Internationalisierung der Produktion, hohe Direktinvestitionen im Ausland und die Qualität deutscher Produkte. «Deutschland ist in vielen aufstrebenden Märkten bereits hervorragend positioniert», heißt es in der Studie.

Es gebe aber auch noch Länder mit zusätzlichem Exportpotenzial. Dazu gehörten zum Beispiel Malaysia, Singapur, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie langfristig auch Indien. In Afrika sehen die Experten in Ländern wie Nigeria, Ghana oder Kenia noch viel Luft nach oben sowie auf dem amerikanischen Kontinent in Kolumbien.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/07/schwacher-euro-hilft-deutschen-export-firmen-nicht/

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26.03.2015

Deutschland wegen Exportüberschuss in der Kritik

Nach Einschätzung des EZB-Präsidenten Mario Draghi verstößt Deutschland mit seinem Exportüberschuss gegen EU-Regeln. 2014 übertrafen die Aus- die Einfuhren um rund 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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EZB-Präsident Mario Draghi hat die Euro-Länder aufgefordert, bei der Reform ihrer Volkswirtschaften nicht nachzulassen. Dass Regierungen jeweils selbst für ihre Reformen verantwortlich seien, bedeute auch, dass die Währungsgemeinschaft fragil bleibe, sagte Draghi am Donnerstag im italienischen Abgeordnetenhaus in Rom.

Mit Blick auf Deutschland sagte Draghi, der Handelsbilanzüberschuss der Bundesrepublik verstoße zweifellos gegen EU-Regeln. Deutschland steht seit längerem in der EU für seinen Exportüberschuss in der Kritik. 2014 übertrafen die Aus- die Einfuhren um 216,9 Milliarden Euro – das entspricht rund 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend ein.

Der EZB-Präsident äußerte sich im Abgeordnetenhaus auch zur italienischen Politik. So begrüßte er Bemühungen der Regierung in Rom, heimischen Geldhäusern beim Abbau fauler Kredite zu helfen. „Die EZB betrachtet Maßnahmen zur Verringerung ungedeckter Elemente in den Bilanzen der Banken, einschließlich italienischer Banken, sehr wohlwollend“, sagte der Italiener. Auch für die gesamte Euro-Zone müsse schnell eine Lösung für dieses Problem gefunden werden, sagte er den Abgeordneten.

Italiens Finanzhäuser hatten beim jüngsten EZB-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten. Sie saßen zuletzt auf faulen Krediten in Höhe von 186 Milliarden Euro, was die Geschäfte der Banken ebenso belastet wie es die italienische Wirtschaft bremst. Die italienische Regierung ist dabei, einen staatlichen gestützten Mechanismus zu schaffen, mit dem heimischen Instituten der Abbau solcher Problemkredite erleichtert werden soll. „Eine Initiative wie diese schafft Ressourcen zum Vorteil vor allem für die Unternehmen“, sagte Draghi.

Die Wirtschaft in der 19-Länder-Gemeinschaft sieht Draghi insgesamt auf Erholungskurs. Dabei sorgt nach Einschätzung des Italieners die ultralockere Geldpolitik der Währungshüter für zusätzlichen Schub. „Die Geldpolitik unterstützt die zyklische Erholung“, sagte Draghi.

Von einer strukturellen Erholung wollte Draghi jedoch nicht sprechen. Der EZB-Chef verwies damit auf die vielen langanhaltenden Problemfelder in der Währungsunion wie etwa die notorisch hohe Arbeitslosigkeit in manchen Ländern oder regulatorische Hürden, die die Wirtschaft belasten.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ezb-chef-mario-draghi-deutschland-wegen-exportueberschuss-in-der-kritik/11562824.html

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02.02.2015

Deutschland hat weltweit größten Exportüberschuss

Die deutsche Wirtschaft hat 2014 einen Exportüberschuss erzielt, der größer ist als der von China und Saudi-Arabien zusammen. Kritikern wie etwa der EU-Kommission dürfte das gar nicht gefallen.

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Deutschland hat 2014 mit einem neuen Rekordwert den größten Exportüberschuss aller Länder erzielt. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts für die Nachrichtenagentur Reuters weist die sogenannte Leistungsbilanz ein Plus von 285 Milliarden Dollar auf.

Auf Platz zwei kommt die weltgrößte Handelsnation China (150 Milliarden Dollar), gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien (100 Milliarden). Kritikern der starken deutschen Exportausrichtung dürfte diese Entwicklung nicht gefallen – zumal das Ifo-Institut sogar noch steigende Werte vorhersagt.

Hinter den Zahlen steckt die sehr starke Nachfrage nach Waren made in Germany. „Eine Ursache für den Überschuss in der Leistungsbilanz ist die gute Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien“, sagt Ifo-Experte Steffen Henzel. „Zudem musste Deutschland wegen des Preisverfalls gegen Jahresende deutlich weniger für Ölimporte bezahlen.“ Dadurch wuchs die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren.

In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein – von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe. Der Überschuss in dieser Statistik stieg 2014 um rund 30 Milliarden auf knapp 220 Milliarden Euro. „Das entspricht 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung“, so Henzel.

EU-Kommission rügt Überschuss

Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt als stabilitätsgefährdend ein. Da Deutschland seit Jahren über dieser Grenze liegt, wurde die Bundesregierung im März 2014 von Brüssel gerügt. Gleichzeitig wird ihr empfohlen, mehr zu investieren und so die Nachfrage im Inland zu stärken.

Auch das US-Finanzministerium prangerte die Überschüsse wiederholt als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an, da Länder mit hohen Überschüssen solchen gegenüberstehen, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.

Das Ifo-Institut prophezeit für 2015 sogar einen steigenden Überschuss. „Angesichts des niedrigen Ölpreises und einer weiter aufwärtsgerichteten Konjunktur in wichtigen Abnehmerländern außerhalb des Euro-Raums dürfte sich der Leistungsbilanzüberschuss noch erhöhen – auf rund 240 Milliarden Euro“, schätzt Henzel. „Zudem stützt der schwache Euro die Exporte.“ Der Überschuss werde daher voraussichtlich auf acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article137024573/Deutschland-hat-weltweit-groessten-Exportueberschuss.html

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30.10.2014

Minus 26,3 Prozent: Deutsche Exporte nach Russland brechen ein

Deutsche Unternehmen bekommen die Sanktionen gegen Russland massiv zu spüren. Die Exporte sind massiv eingebrochen, die mittelständischen Unternehmen im Maschinenbau halten sogar einen Rückgang von 35 Prozent für möglich.

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Der Konflikt mit Moskau um die Ukraine schlägt massiv auf die deutschen Exporte nach Russland durch. Die Ausfuhren in das Land brachen im August im Vergleich zum Vorjahr um 26,3 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro ein, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden berichtete.

In den ersten acht Monaten wurden Waren im Wert von 20,3 Milliarden ausgeführt, das war ein Minus von 16,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf der Liste der wichtigsten Empfängerländer für Produkte «made in Germany» sackte Russland auf Rang 13 ab.

Im Jahr 2013 hatte Moskau den Angaben zufolge noch den elften Platz belegt. Dabei hatten sich die deutschen Ausfuhren nach Russland bereits 2013 mit einem Minus von 5,2 Prozent überdurchschnittlich schwach entwickelt.

Wichtigste Exportgüter in den ersten acht Monaten 2014 waren Maschinen mit einem Anteil von 22,6 Prozent an den gesamten deutschen Exporten nach Russland, Autos und Autoteile (19,0 Prozent) sowie chemische Erzeugnisse (10,0 Prozent). Unter diesen Gütern war der Ausfuhrrückgang mit 27 Prozent bei den Kraftwagen am höchsten. Die Maschinenexporte sanken um 17 Prozent zum Vorjahr, die Exporte von chemischen Erzeugnissen gingen um 6 Prozent zurück.

Für die deutschen Maschinenbauer ist Russland der viertwichtigste Absatzmarkt. Daher schmerzt der Exporteinbruch in das Land die mittelständisch geprägte Branche. Sollten weitere gegenseitige Sanktionen auf die Branche durchschlagen, schließt der Branchenverband VDMA ein Export-Minus nach Russland von 35 Prozent im Gesamtjahr nicht aus.

Das treffe gerade viele Mittelständler, die teilweise schon Kurzarbeit einführen mussten, weil ihr Russland-Geschäft wegbricht, erklärte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Erst kürzlich hatte VDMA-Präsident Reinhold Festge die überzogene Handhabung der EU-Sanktionen in Deutschland kritisiert: «Bitter für uns: Anbieter aus Asien, insbesondere aus China, springen sofort in die Lücke, und deutsche Unternehmen verlieren ihren über viele Jahre aufgebauten Ruf als zuverlässigen Lieferanten.»

Das schwache Russlandgeschäft hat im August auch die deutschen Exporte insgesamt belastet und die Ausfuhren im Jahresvergleich um ein Prozent ins Minus gedrückt. Damit hätten die Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland im August erstmals ihren vollen Effekt entfaltet, erklärte die BayernLB. Denn auch die Exporte in Drittländer außerhalb der EU insgesamt lagen deutlich um 4,7 Prozent im Minus: «Offenbar konnte auch die Konjunkturbelebung in den USA und der bereits im August etwas schwächere Euro den Russland-Effekt nicht kompensieren.»

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft geht weiter davon aus, dass sich der negative Trend wegen der gegenseitigen Wirtschaftssanktionen noch beschleunigen wird. «Für das Gesamtjahr 2014 bleiben wir bei der Prognose, dass wir einen Rückgang der deutschen Exporte nach Russland von ungefähr 20 Prozent sehen werden. Das entspricht einem Handelsvolumen von rund 7 Milliarden Euro», sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes: «Das gefährdet in Deutschland 50 000 bis 60 000 Jobs, wenn das die Unternehmen nicht mit anderen Märkten kompensieren können.»

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/30/minus-263-prozent-deutsche-exporte-nach-russland-brechen-ein/

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01.08.2014

Zu viele Exporte: IWF erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutschland

Der IWF hat in seinem Länderbericht die deutschen Exportüberschüsse scharf kritisiert. Die Bundesregierung solle ihre Überschüsse in angemessene Löhne und Binnenkonjunktur investieren, das würde auch der EU helfen. Bisher versickert ein erheblicher Teil der Überschüsse durch schlechte Investitionen im Ausland.

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Seit einiger Zeit, vor allem seit Ausbruch der Eurokrise, grummeln unsere Partner über die wachsenden Ungleichgewichte in der deutschen Außenhandels- und Leistungsbilanz. Deutschland lebt so auf Kosten seiner Partner und raubt diesen Arbeitsplätze. Die deutsche Politik ignoriert solche Vorwürfe bisher und behauptet, im Gegenteil die Lokomotive der Eurozone zu sein. Allerdings musste sie akzeptieren, dass die EU ein Verfahren zur Beobachtung der Leistungsbilanzen eingeführt hat, das zu erheblichen Strafen gegen Deutschland führen kann. Dieses Problem wird nun auch den neuen Kommissionspräsidenten Juncker beschäftigen. Sollte er Deutschland, das sich für seine Nominierung eingesetzt hat, vor Strafe schonen, so würde er sich dem Vorwurf aussetzen, die neuen Spielregeln nur gegen schwache EU-Mitglieder durchzusetzen. Deutschland würde sich dann die Rechte zum Alleingang gegen die Spielregeln herausnehmen, die seinerzeit Schröder in der Verletzung der Maastricht-Kriterien für Haushaltsdefizite praktizierte.

Nun hat sich die Situation durch schwere Vorwürfe des IWF in seinem neuen Länderbericht zu Deutschland verschärft. In der deutsche Öffentlichkeit ist indes nur der positive Teil des IWF-Berichts angekommen, vor allem die vom IWF sehr optimistisch formulierte Wachstumsprognose.

Tatsächlich ist es eine sehr handfeste, deutliche und sorgfältig dokumentierte Kritik. Deutschland solle sich darauf konzentrieren, sein Wachstum so zu orientieren, dass es auch die Erholung in der Eurozone unterstütze. So würden höhere private und öffentliche Investitionen und Reformen des Dienstleistungssektors den großen und dauerhaften Leistungsbilanzüberschuss zurückführen und deutliche positive Nachfrageffekte zu Gunsten des Restes der Eurozone erzeugen und so helfen, die Währungsunion besser auszugleichen. Eine solche schnellere Ausbalancierung sei notwendig.

In der Grundprojektion des IWF würde der Leistungsbilanzüberschuss trotz eines Rückgangs immer noch bei 5,75 % des BIP liegen. Damit bliebe immer noch ein Ungleichgewicht von 0,5 bis 3,5 % des BIP. Angesichts negativer Output-Differenzen, keinen fiskalischen Spielräumen und Liquiditätsproblemen in vielen der Haupthandelspartner, könnte Deutschland als stärkste europäische Volkswirtschaft eine größere Rolle beim regionalen Ausgleich spielen. Deutschland habe finanzielle Spielräume für Investitionen von jährlich 0,5 % des BIP über die kommenden vier Jahre. Ein solches Programm würde den Leistungsbilanzüberschuss um 0,4 % des BIP reduzieren. Die Effekte auf die Wirtschaftsleistung in Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien würden bis zu 0,3 % des BIP gehen können. Vor allem Italien hätte wegen seiner besonders starken Handelsverbindung mit Deutschland solche Vorteile zu erwarten. Die deutsche Verschuldungsrate würde dagegen wegen der gleichzeitigen Wachstumsimpulse für Deutschland nicht zunehmen.

Doch die Bundesregierung hat sofort abgewunken. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, die Bundesregierung habe für diese Legislaturperiode bereits fünf Milliarden Euro zum Ausbau der Verkehrswege zur Verfügung gestellt (entspricht gerade einmal 0,18 % des BIP). Deutschland sei aber auch der Stabilitätsanker in der EU: „Wir dürfen diese Position nicht einfach verspielen“. Diese Antwort zeigt eigentlich nur, wie wenig Wert Deutschland auf die Solidarität innerhalb der Eurozone legt. Sollte der Euro eines Tages zerbrechen, so wird es vor allem Deutschlands Schuld sein.

Tatsächlich hat Deutschland zwischen 2003 und 2013 kumuliert einen Leistungsbilanzüberschuss von 1,6 Billionen Euro erwirtschaftet, etwas mehr als die Hälfte (51 %) allein mit der Eurozone (Abb. 18413, 16909). Das entspricht dem Einkommen aller deutschen Haushalte innerhalb von 16 Monaten. Bezogen auf die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung stieg der Leistungsbilanzüberschuss auf über 7 % (Abb. 18414). Dabei ist der Überschuss mit der Eurozone zwar etwas zurückgegangen, lag aber 2013 immer noch bei rund 60 Mrd Euro

Deutschland hat pro Einwohner die weitaus größten Überschüsse aller größeren Industrieländer und China in der Leistungsbilanz aufgebaut, die auch Dienstleistungen, Übertragungen und einige andere Posten enthält (Abb. 18773).Im Durchschnitt gibt jeder Deutsche vom Neugeborenen bis zum Greis mehr als 2000 US$ pro Jahr ans Ausland ab, statt sie zu Hause zu verbrauchen oder in Investitionen für Arbeitsplätze oder für die marode Infrastruktur anzulegen. Ohne ständige Lohnverzichte der deutschen Arbeitnehmer wären solche Überschüsse nicht entstanden.

Ein erheblicher Teil der Leistungsbilanzüberschüsse ist über kreditierten Export aufgebaut worden, wobei man nicht weiß, ob die Eurokrisenländer diese Kredite jemals voll zurückzahlen werden. Ein anderer hoher Anteil wurde verschenkt, indem der Gegenwert mit hohen Verlusten im Ausland angelegt wurde. Nach der Kapitalbilanz hat Deutschland zwischen 2000 und Oktober 2013 rund 1,8 Billionen Euro ans Ausland gegeben. Die deutschen Direktinvestitionen in ausländischen Industrieanlagen sind seit Ende 2000 nur um 560 Mrd Euro gestiegen. Der große Rest von gigantischen 1,2 Billionen Euro landete über Banken, Versicherungen und Investmentfonds in unsicheren Anlagen auf den Finanzmärkten von vergifteten amerikanischen Hypothekenpapieren bis zu hochriskanten Finanzanlagen in den Eurokrisenländern, von Staatsanleihen bis zu Anleihen und Aktien der Banken, und ist teilweise inzwischen verloren gegangen. Deutsche Banken waren zu massiven Abschreibungen gezwungen, die den Staat zum stützenden Eingreifen veranlassten und zu hohen Steuerverlusten führten mit entsprechenden Folgen für die Staatsverschuldung.

Erik Klär, Fabian Lindner, Kenan Šehovic haben vor Kurzem in einer Studie die Rentabilität des deutschen Auslandsvermögens untersucht und dabei massive Bewertungsverluste in den letzten Jahren in Höhe von etwa einer halben Billion Euro sowie einen durchgängig adversen Trend in früheren Jahrzehnten identifiziert. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsentwicklung schreibt in seinem Wochenbericht Nr. 26.2013:

Seit 1999 haben deutsche Investoren rund 400 Milliarden Euro durch schlechte Investitionen im Ausland verloren, etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Von 2006 bis 2012 waren es sogar rund 600 Milliarden Euro – das sind 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.“

Man muß sich vergegenwärtigen, was 600 Mrd Euro an Verlust in 7 Jahren oder 86 Mrd Euro pro Jahr bedeuten. Das sind jedes Jahr mehr als 11 % der durchschnittlichen Nettolöhne und Gehälter aller deutschen Arbeitnehmer, die an der Außenwirtschaftsfront sinnlos verbraten werden.

So zeigt auch das 2007 einsetzende Auseinanderklaffen der steil steigenden kumulierten deutschen Leistungsbilanz und der geringeren Entwicklung der deutschen Auslandsvermögensbilanz, wie hier Vermögen verloren geht

Es ist höchste Zeit, mit diesem Unsinn aufzuhören und statt dessen über eine angemessene Lohnentwicklung eine gesunde Binnenkonjunktur aufzubauen, die dann auch unseren Europartnern bei der Überwindung der Krise helfen würde.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/01/zu-viele-exporte-iwf-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-deutschland/

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28.04.2014

Exporte nach Russland brechen um 16 Prozent ein

Die Ukraine-Krise hinterlässt Spuren in der deutschen Außenhandelsbilanz: Die Exporte nach Russland sinken dramatisch. Die Importe steigen hingegen, weil sich Firmen aus Angst mit Erdgas eindecken.

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Die deutschen Exporte nach Russland sind schon vor den ersten Sanktionen wegen der Ukraine-Krise eingebrochen. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres fielen die Ausfuhren um 16 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf rund 4,7 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Damit hat sich der im vergangenen Jahr begonnene Abwärtstrend erheblich verschärft: 2013 waren die Exporte nach Russland um fünf Prozent auf 36 Milliarden Euro gefallen. Noch stärker gingen im Januar und Februar die Exporte in die Ukraine zurück. Sie schrumpften um mehr als ein Fünftel auf 659 Millionen Euro.

Grund dafür dürfte die Talfahrt der beiden Währungen Rubel und Hrywnia sein. Diese waren im Februar auf Rekordtiefs gefallen, nachdem Anleger wegen der Krim-Krise massenhaft Geld aus beiden Ländern abzogen. Dadurch werden Waren „Made in Germany“ teurer. „Der starke Einbruch der Währungen ist der Hauptgrund für die sinkenden Exporte“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

Einfuhren legen zu

„Darüber hinaus hat die Krim-Krise Verbraucher wie Unternehmen vor Ort stark verunsichert.“ Eine rasche Trendwende sei nicht in Sicht. „Unsere Exporte nach Russland brechen in diesem Jahr um acht bis zehn Prozent ein, selbst wenn sich die Krise mit der Ukraine nicht noch weiter verschärft“, sagte Treier.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Einfuhren. Die Warenimporte aus Russland erhöhten sich in den beiden ersten Monaten um fünf Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass sich deutsche Unternehmen mit Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas eingedeckt und ihre Speicher aufgefüllt haben. Die Einfuhren aus der Ukraine legten im Januar/Februar sogar um elf Prozent auf 273 Millionen Euro zu.

Die EU und die USA stehen vor einer Verschärfung der Sanktionen wegen des russischen Vorgehens im Ukraine-Konflikt. Im Gespräch ist die Ausweitung der seit März bestehenden Strafmaßnahmen wie Kontensperren und Einreiseverbote. Auch Wirtschaftssanktionen könnten in nächster Zukunft verhängt werden.

http://www.welt.de/wirtschaft/article127392150/Exporte-nach-Russland-brechen-um-16-Prozent-ein.html

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05.03.2014

Deutschland stört das wirtschaftliche Gleichgewicht

Seit Jahren überschreitet die Bundesrepublik die Schwelle für Überschüsse in der Leistungsbilanz. Nun stellt die EU-Kommission offiziell fest: Deutschland verletzt so die Regeln des Stabilitätspakts. Von Jan Dams und Florian Eder

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Nach Informationen der „Welt“ wird die EU-Kommission der Bundesrepublik wegen anhaltend hoher Überschüsse in der Leistungsbilanz am Mittwoch bescheinigen, das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht in Europa zu stören.

Dieses Ergebnis einer seit November laufenden eingehenden Analyse der deutschen Leistungsbilanz habe der zuständige Währungskommissar Olli Rehn kommissionsintern angekündigt, verlautete aus hohen EU-Kreisen.

Damit befeuert die Kommission einen ohnehin schwelenden Streit mit Deutschland. Bereits im November, als Rehn die Untersuchung ankündigte, hatte die Bundesregierung empfindlich reagiert und die EU-Position als Kritik an der deutschen Exportstärke ausgelegt.

Hinweise zum Abbau des Überschusses

Die EU-Kommission muss nach europäischen Stabilitätsregeln eine Untersuchung einleiten, wenn ein Land über Jahre hinweg die Richtwerte für Überschüsse oder Defizite in der Leistungsbilanz überschreitet.

Deutschland habe seit 2007 die Überschussschwelle überschritten, hatte die Kommission im Herbst mitgeteilt, der Grund für die eingehende Analyse, deren Ergebnis nun vorliegt und veröffentlicht wird.

Die Kommission werde die Schlussfolgerungen ihrer Analyse präsentieren und damit erste Hinweise, wie der Überschuss abgebaut werden könne, hieß es. Diese Hinweise solle die Bundesregierung bei der Vorbereitung ihres Reform- und Stabilitätsprogramms in Betracht ziehen, das sie – wie jedes EU-Mitgliedsland – im April in Brüssel vorlegen muss.

Trotz in Berlin

Die Bundesregierung selbst äußerte sich bislang nicht offiziell zu dem Ergebnis der Kommissionsuntersuchung. In Regierungskreisen hieß es allerdings, man habe mit diesem Ergebnis gerechnet. Dass die Kommission zum Abbau der Ungleichgewichte aufrufe, sei nicht überraschend, so die Einschätzung.

Deutschland bleibe aber bei seiner Position, dass Überschussländer – anders als Defizitländer – für die EU keinen Grund zur Besorgnis darstellten. Daran werde man die EU-Kommission weiterhin erinnern.

Diese Botschaft ist in Brüssel bereits angekommen. Das Verfahren zum Umgang mit makroökonomischen Ungleichgewichten sieht als Sanktionsmöglichkeit zwar auch Strafzahlungen vor.

Deutschland braucht kein Bußgeld zu fürchten

Mit einem Bußgeld müsse die Bundesregierung aber nicht rechnen, hieß es in hohen EU-Kreisen. Die entsprechenden Verabredungen der EU-Finanzminister vom November 2011 seien weiter gültig.

Die Minister hatten der Kommission damals die Erklärung abverlangt, dass „hohe und anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse im Gegensatz zu Leistungsbilanzdefiziten nicht Anlass zur Besorgnis … geben und keine Sanktionen zur Folge haben“ werden.

http://www.welt.de/wirtschaft/article125436047/Deutschland-stoert-das-wirtschaftliche-Gleichgewicht.html

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07.02.2014

Konjunktur: 2013 war schlechtestes Exportjahr seit der Finanzkrise

Seit 2009 waren die Zahlen der deutschen Exportunternehmen nicht mehr so schlecht. Die Produktion wurde heruntergefahren, die Aufträge fehlen. Die Nachfrage aus den Krisenländern der EU ist noch immer schwach.

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Deutsche Firmen verkauften 2013 insgesamt 0,2 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen ins Ausland. Ein Minus für die erfolgsverwöhnten Exporteure hatte es zuletzt 2009 gegeben, als die Weltwirtschaft in der Finanzkrise in die Knie ging. Vor allem das Geschäft innerhalb der Euro-Zone war angesichts der Probleme in Italien, Spanien und Griechenland besonders schlecht.

Die Nachfrage aus den Schwellenländern stagnierte und konnte den Rückgang aus dem Europa-Geschäft nicht auffangen”, sagte Außenhandelspräsident Anton Börner. Er setzt seine Hoffnungen 2014 insbesondere auf China: „Von dort erreichen uns Signale, dass das Geschäft wieder besser läuft“ (mehr dazu – hier). Zudem werde sich der Handel USA weiter entwickeln. US-Präsident Obama will das Freihandelsabkommen mit der EU so schnell wie möglich durchpeitschen (hier).

Im Dezember haben die deutschen Firmen ihre Produktion heruntergefahren. Die Betriebe stellten 0,6 Prozent weniger her als im Vormonat. Dass es zum Jahresende schlechter lief, lag auch an den Brückentagen zwischen Weihnachten und Silvester. Manche Unternehmen blieben geschlossen oder stellten weniger her. Vor allem im Maschinenbau zeigte sich ein deutliches Minus bei den Aufträgen (hier).

Trotz schwächelnder Exporte erzielte Europas größte Volkswirtschaft auch 2013 einen Handelsüberschuss – und zwar in der Rekordhöhe von 198,9 Milliarden Euro (mehr zur Kritik Frankreichs am deutschen Handelsbilanzüberschuss – hier). Bereits beim Treffen der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) in Sydney könnte dies noch in diesem Monat für Zündstoff sorgen.

Die DIHK befürchtet: „Die Kritik wird sicherlich nicht verstummen.“ Deutschland steht seit langem wegen seiner hohen Handelsüberschüsse am Pranger. Insbesondere die USA werfen dem Land vor, zu sehr auf die Exportwirtschaft zu setzen und zu wenig zu tun, um den Konsum anzukurbeln. Die schwache Nachfrage führt zum Auftragsverlust in der Industrie (hier).

Unternehmen halten sich noch mit Einstellungen und Investitionen zurück. Sie versuchen, die mangelnde Nachfrage durch ein optimiertes Prozess-Management wett zu machen (hier).

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59330/

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28.01.2014

Deutsche Exporteure müssen die Preise senken

Alarmsignal: Die deutsche Exportwirtschaft senkt erstmals seit 2009 wieder die Preise – weil die Nachfrage weltweit schwächelt. Allerdings sind die Importpreise noch kräftiger zurückgegangen.

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Die weltweit schwache Nachfrage zwingt die deutschen Exporteure erstmals seit dem Rezessionsjahr 2009 zu Preissenkungen. Im vergangenen Jahr fielen die Ausfuhrpreise durchschnittlich um 0,6 Prozent im Vergleich zum Jahr davor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

„Der Wettbewerbsdruck sorgt dafür, dass höhere Preise derzeit nicht durchgesetzt werden können“, sagte der Geschäftsführer des Außenhandelsverbands BGA, Jens Nagel.

Allerdings profitierten die Exporteure wiederum selbst von günstigen Preisen, da sich für sie wichtige Importgüter wie Energie und Metalle verbilligten. „Rund 40 Prozent unserer Vorleistungen für exportierte Produkte kommen aus dem Ausland.“

Maues Geschäft

Die gesamten deutschen Warenexporte sanken von Januar bis November 2013 – aktuellere Daten liegen noch nicht vor – um 0,5 Prozent. Für das laufende Jahr peilt der Exportverband BGA wieder ein Wachstum von rund drei Prozent an. Dann dürften sich auch mit steigender globaler Nachfrage die Preise normalisieren.

Im vorigen Jahr mussten die Exporteure noch Zugeständnisse machen. So sanken die Preise für Autos und Autoteile um etwa 1,1 Prozent. Die Märkte in den USA und Japan hätten sich zwar erholt, sagte Nagel. Die deutschen Hersteller hätten aber vor allem mit dem mauen Geschäft im Heimatmarkt und in Europa zu kämpfen. Sonstige Fahrzeuge verbilligten sich um rund 0,3 Prozent.

Beim Exportschlager Maschinen hingegen konnten die Exporteure noch eine Preiserhöhung von gut einem Prozent durchsetzen. „Auch im Maschinenbau wird der Wettbewerb aber zunehmend härter“, ergänzte der BGA-Experte.

Importpreise sind gefallen

Von Vorteil war für viele Außenhändler, dass sie wichtige Güter und Rohstoffe billiger einkaufen konnten. Die Importpreise fielen 2013 im Schnitt um 2,6 Prozent – dies war ebenfalls der erste Rückgang seit 2009. Damals waren die Preise um 8,5 Prozent eingebrochen.

Im vergangenen Jahr verbilligte sich importierte Energie insgesamt um sieben Prozent, darunter Rohöl um gut sechs Prozent. Eisenerze waren um 2,5 Prozent günstiger zu haben und Getreide um 5,5 Prozent günstiger.

Während der Preis für Rohkaffee um fast 30 Prozent nachgab, kosteten eingeführte Milch und Molkereiprodukte über sieben Prozent mehr.

http://www.welt.de/wirtschaft/article124299492/Deutsche-Exporteure-muessen-die-Preise-senken.html

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14.01.2014

Deutschland ist der größte Kapitalexporteur der Welt

Deutschland hat den weltweit höchsten Exportüberschuss der Welt. EU-Kommission und US-Finanzministerium warnen hingegen, der deutsche Export gefährde die Stabilität der Wirtschaft. Sie fordern Deutschland auf, die Binnenwirtschaft zu stärken. Für den Überschuss ist fast ausschließlich der Warenhandel verantwortlich.

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Neue Munition für die Kritiker der deutschen Exportstärke: Deutschland hat 2013 nach Berechnungen des Ifo-Instituts den weltweit höchsten Exportüberschuss erzielt. Mit umgerechnet rund 260 Milliarden Dollar weise die Leistungsbilanz ein deutlich höheres Plus aus als die der weltgrößten Handelsnation China mit rund 195 Milliarden Dollar. Auf Rang drei folgt der Rohstoffexporteur Saudi-Arabien, geht aus Berechnungen des Münchner Instituts für die Nachrichtenagentur Reuters hervor.

Demnach hat Deutschland im vergangenen Jahr in Euro gerechnet mit rund 200 Milliarden einen Rekordüberschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Das entspricht 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In diesem Jahr soll er auf 7,4 Prozent steigen, sagt das Ifo-Institut voraus. Die EU-Kommission stuft Werte von mehr als sechs Prozent auf Dauer als stabilitätsgefährdend ein und nimmt deshalb seit einigen Monaten die deutschen Überschüsse genauer unter die Lupe. Auch das US-Finanzministerium sieht durch sie die Stabilität in Europa und der globalen Wirtschaft gefährdet. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen Länder mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.

Größter Kapitalexporteur der Welt

Dabei ist der deutsche Überschuss im Handel mit den Euro-Ländern im vergangenen Jahr geschrumpft. Mit den USA hat er ein Rekordhoch erreicht. „Erstmals seit der Wiedervereinigung dürfte im Jahr 2013 auch mit China ein leichter Überschuss erzielt worden sein”, erklärte das Ifo-Institut.

Es bezeichnet Deutschland als „größten Kapitalexporteur der Welt. Leistungsbilanzüberschüsse messen jenen Teil der Ersparnis eines Landes, der nicht zu Hause investiert wird“, erklärte das Ifo. „Anstatt im Inland viel zu investieren, exportierte Deutschland wiederum einen Großteil seiner Ersparnisse ins Ausland.“ Das Geld gehe einerseits in Sach- und Finanzanlagen im Rest der Welt. Andererseits fließe es – direkt oder indirekt – auch in Form von Rettungskrediten oder öffentlichen Hilfen in Euro-Krisenländer.

In die Leistungsbilanz geht der gesamte Waren- und Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. „Für den deutschen Überschuss war fast ausschließlich der Warenhandel verantwortlich“, erklärte das Ifo-Institut.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/01/58517/

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06.01.2014

Diese Länder stoppen deutschen Export mit miesen Tricks

Alarm in der deutschen Exportwirtschaft: Jedes dritte Unternehmen klagt darüber, dass es mit teils zweifelhaften Methoden vom Handel ausgebremst wird. Vor allem drei Länder fallen negativ auf.

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Die deutsche Wirtschaft trifft bei ihren Exporten auf eine immer größere Zahl von Handelsbarrieren. Jedes dritte Unternehmen klagt, im vergangenen Jahr hätten die Handelshemmnisse zugenommen, ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 2200 Firmen.

„Geschäfte in Milliardenhöhe gehen damit verloren“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der „Welt“. Der Trend der letzten Jahre habe sich damit unvermindert fortgesetzt. Die „klassischen“ Handelshemmnisse wie Zölle oder Importsteuern sind aber nicht mehr die einzigen Instrumente, mit denen Staaten Handelsbarrieren aufbauen.

Zum Schutz ihrer heimischen Wirtschaft greifen die Regierungen auf „kreative Maßnahmen“ zurück, die oft im rechtlichen Graubereich liegen und daher bei der Welthandelsorganisation (WTO) nur schwer bekämpft werden können. Am häufigsten nannten die Unternehmen zusätzliche Zertifizierungs- und Sicherheitsanforderungen. Besonders Russland, China und Brasilien machen den Exporteuren der Umfrage zufolge das Leben schwer.

Zwang zum „local content“

„Die gesamte Trickkiste wird genutzt“, erklärt der DIHK. So fordern Empfängerländer von Waren zusätzlich zu den bereits in Europa vorgenommenen Zertifizierungen auch Tests nach heimischen Standards. Diese Standards würden oft willkürlich und kurzfristig eingeführt oder verändert.

Insbesondere in Indonesien und Russland, aber auch in den USA träfen die Betriebe auf diese Hemmnisse, heißt es im DIHK-Report „Going International“. Trotz des WTO-Beitritts griffen die russische Regierung und Verwaltung zu immer neuen Regelungen, wie etwa die Einführung einer Recyclingabgabe auf ausländische Fahrzeuge.

In China klagen die deutschen Unternehmen über Importsteuern, Kooperationszwang, schleppende Bürokratie und erschwerten Zugang zu Ausschreibungen. Immer mehr Schwellenländer, unter anderem Russland, zwingen die Exporteure zur Produktion im Empfängerland, indem sie „local content“ vorschreiben.

Auch deutsche Bürokratie bremst

Nur wenn ein Teil der Produktion im Land erbracht wird, dürfen die Waren ohne zusätzliche Steuern, Abgaben oder Vorschriften abgesetzt werden. Im Fahrzeugbau ist schon jetzt nahezu jedes zweite Unternehmen betroffen, im Maschinenbau jedes vierte.

Aber auch der Europäische Binnenmarkt, der mehr als die Hälfte der deutschen Exporte aufnimmt, ist nicht frei von Handelshemmnissen. Hier ist es die deutsche Verwaltung, die den Exporteuren das Leben schwer macht: mit langwierigen Verfahren zur Umsatzsteuerrückerstattung, beim Zoll aber auch beim Bundesamt für Ausfuhrkontrolle.

Angesichts der Schwierigkeiten im Außenhandel begrüßt der DIHK die jüngsten Beschlüsse der Welthandelsrunde in Bali. Dort haben sich die Mitgliedstaaten unter anderem auf eine Vereinfachung und Harmonisierung der Zollabwicklung verständigt. Davon könnte gerade deutsche Betriebe profitieren.

Hoffen auf Freihandel mit den USA

Von „einem Schritt nach vorn“, sprich Treier. „Hier kann das Motto nur lauten, weiter machen und nicht auf dem Kompromiss ausruhen.“ Es sei auch richtig, mit den USA über eine tiefgreifende Freihandelszone zu sprechen.

Mehr als 60 Prozent der außenwirtschaftlich aktiven Unternehmen halten eine Übereinkunft für wichtig oder sogar sehr wichtig. Die USA sind außerhalb Europas der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Der Warenhandel erreichte 2012 fast 140 Milliarden Euro.

Trotz der Handelsbarrieren blicken die Unternehmen insgesamt zuversichtlich auf das Auslandsgeschäft 2014. Gut 28 Prozent erwarten bessere Geschäfte, nur sieben Prozent schlechtere. Der DIHK rechnet deshalb 2014 mit einer Steigerung des Exports um vier Prozent, nach nur einem Prozent Plus im vergangenen Jahr.

Getragen wird diese Zuversicht vom Ende der Rezession in Europa, der Stabilisierung in den Schwellenländern und den besseren Aussichten in den USA. Am optimistischsten sind die Exporteure mit Blick auf Nordamerika, das noch vor den Wachstumsmärkten in Asien auf dem ersten Platz landet. Den größten Sprung nach vorn machten allerdings die Erwartungen für Europa.

http://www.welt.de/wirtschaft/article123580793/Diese-Laender-stoppen-deutschen-Export-mit-miesen-Tricks.html

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23.12.2013

Deutsche Exportpreise sinken rekordverdächtig

Die Exportnation Deutschland muss ihre Preise stark senken. Der Rückgang ist so stark wie zuletzt im November 2009.

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Hauptgrund ist die schwächelnde Weltkonjunktur, die die Unternehmen zu Preiszugeständnissen zwingt. So fielen die deutschen Exporte von Januar bis Oktober um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für 2014 zeichnet sich aber Besserung ab: Das Ifo-Institut rechnet mit einem Wachstum von fast sechs Prozent.

Die schlappe Weltkonjunktur hat auch Vorteile für die deutschen Unternehmen. Viele Vorleistungen und Rohstoffe können billiger eingekauft werden. Die Importpreise fielen im November 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Da die deutschen Warenexporte zu mehr als 40 Prozent aus zuvor importierten Teilen besteht, drückt das die Kosten spürbar.

http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/1510695/Deutsche-Exportpreise-sinken-rekordverdaechtig

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20.12.2013

Die dunkle Seite des Exportwunders

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Zu Weihnachten wird ganz besonders häufig dem Thema Wunder gedacht. Schließlich liegt dem Fest selbst ja mit der „jungfräulichen Empfängnis“ auch ein solches zugrunde. Gerne spricht man von einem Weihnachtswunder, wenn das heilige Brimborium der „staaden Zeit“ hartherzige Menschen weich und großzügig werden lässt.

Trotz der Jahreszeit sorgt ein Wunder hingegen nicht für besonders festliche Stimmung, sondern vor allem für Zwist und Missstimmung: Die Rede ist vom deutschen „Exportwunder“. Gemäß dem Münchner ifo-Institut soll dieses auch im kommenden Jahr Bestand haben. Auf 7,3 Prozent der Wirtschaftsleistung werden die Handelsbilanzüberschüsse im kommenden Jahr anwachsen, so die Prognose des Instituts.

Sein Exportwunder bezahlt Deutschland selbst

Besonders erstaunlich an diesem Mirakel ist, dass sich scheinbar die wenigsten Menschen mit den tieferen Ursachen desselben auseinandersetzen wollen – insbesondere jene, die es eigentlich von Berufs wegen tun müssten. Denn während die meisten deutschen Politiker die Exportstärke des von ihnen verwalteten Landes als Ausdruck der enormen Wettbewerbsfähigkeit über den Klee loben und am liebsten noch viel mehr exportieren wollen, wittern ihre Kollegen in Paris, Rom oder Brüssel ein unsolidarisches Komplott und reden von Lohndumping zu Lasten der europäischen Partner. Die EU-Kommission droht sogar mit Strafgeldern, da sie einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung des betreffenden Staates über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren als stabilitätsgefährdend einstuft.

Beide Seiten blenden dabei geflissentlich aus, dass mit den enormen Handelsbilanzüberschüssen der Republik noch größere Kapitalabflüsse einhergehen. Mit anderen Worten: Sein Exportwunder bezahlt Deutschland selbst.

Der Euro und die Kapitalflucht

Der Grund, dass dieser Zusammenhang vollständig ausgeblendet wird, ist darin zu suchen, dass die Ursache für die enormen Exportüberschüsse bzw. Kapitalabflüsse für die komplette Politikkaste Europas eine heilige Kuh ist: nämlich die Währungsunion. Vor der Einführung des Euro wurden große Differenzen der Handelsbilanzen relativ bequem durch eine Ab- bzw. Aufwertung der betreffenden Währungen ausgeglichen. Auf diese Art und Weise partizipierten die Bürger der aufwertenden Währung auf breiter Basis am Zuwachs gesamtgesellschaftlichen Wohlstands. Die  Bürger der abwertenden Währung verloren zwar an Kaufkraft, mussten aber keine jahrelangen Wirtschaftsdepressionen erdulden. Der Euro beendete diesen gesunden Ausgleichsmechanismus.

Durch seine Einführung wurde den Anlegern neue Sicherheit bei Investitionen in Südeuropa suggeriert – d.h. sie mussten keine Abwertungen mehr fürchten. Das Absinken der Zinsen auf deutsches Niveau spiegelte dies wider. Hierdurch wurde in diesen Ländern ein Wirtschaftsboom ausgelöst und entsprechend floss das Kapital massenhaft dorthin. Deutschlands Wirtschaftskraft hingegen nahm ab, weil es an inländischen Investitionen mangelte. In den boomenden Ländern stieg die Importrate und die Exportrate sank, weil die Produkte immer teurer wurden. Genau umgekehrt verhielt es sich lange Zeit in Deutschland. Die Leistungsbilanzüberschüsse, die sich in Deutschlands Flaute aufbauten, waren das Ergebnis der Kapitalflucht.

Kein echtes Nettoauslandsvermögen

Im Augenblick wird dieses System übrigens auf eine noch größere Stufe gestellt: Denn während die Überschüsse mit den Euroländern immerhin etwas gesunken sind (dank der massiven Austeritätspolitik dort), steigen sie im Verhältnis zu Asien stark an. Im Jahr 2012 war die Leistungsbilanz mit der Volksrepublik China erstmals seit 1990 positiv – dementsprechend wuchsen auch die Kapitalexporte.

Die Leistungsbilanzüberschüsse mit den europäischen Partnern sind nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stehen die Rettungskredite, Target-2-Forderungen und Kapitalgarantien, zu denen Deutschland im Zuge der Krise genötigt wurde. Dem Ausland kann ein Staat per saldo nur dann Kredit geben, wenn er auch Güter liefert. Betrachtet man die Dimension der aktuell akkumulierten Leistungsbilanzüberschüsse und der noch höheren akkumulierten Nettokapitalexporte, so wird schnell klar, dass den Nettokapitalexporten keine adäquate Werthaltigkeit der erworbenen Kredite und der erworbenen Assets entgegensteht. Anders als es beispielsweise im Falle des Wirtschaftswunders der 1950er und 1960er Jahre gewesen ist, wird also kein echtes Nettoauslandsvermögen durch die erzielten Überschüsse aufgebaut. Das verwundert auch nicht weiter, denn Länder mit derart chronischen Defiziten können weder werthaltige Assets in solchen Dimensionen zur Verfügung stellen, noch die gewaltigen aufgebauten Kredite auf Dauer bedienen.

Trauriger und teurer Witz

Die Konsequenz dieses „vendor-finance“-Systems und zwar aktuell, wie auch auf lange Sicht, ist der Bestandsverlust des deutschen Nettoauslandsvermögens. Dass die Bundesregierung dies als wirtschaftspolitischen Erfolg verkauft und zeitgleich die Europäische Kommission Deutschland für diesen realen Vermögensverlust mit Strafgeldern belegen will, ist kein Wunder, sondern ein Witz – aber ein ziemlich trauriger und für die deutschen Bürger ein teurer noch dazu.

http://www.geolitico.de/2013/12/20/die-dunkle-seite-des-exportwunders/

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02.12.2013

Schwaches Auslandsgeschäft setzt deutschen Maschinenbauern zu

Auch heute noch steht der Slogan „Made in Germany“ für Qualität – die Aufträge deutscher Maschinenbauer brechen dennoch ein. Vor allem die Nicht-Euro-Staaten halten sich neuerdings sehr zurück.

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Maschinen „Made in Germany“ sind weniger gefragt. Die deutschen Maschinenbauer erhielten im Oktober zehn Prozent weniger Aufträge als im Vorjahr, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag mitteilte. Dabei brachen die Bestellungen aus dem Ausland um 14 Prozent ein, das Inlandsgeschäft ging um zwei Prozent zurück. „Der Rückgang der Auslandsorders geht hauptsächlich auf die magere Nachfrage aus den Nicht-Euro-Staaten zurück und ist möglicherweise ein Reflex auf die Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern“, erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Das Minus lag hier bei 17 Prozent.

Der Auftragseingang von den Euro-Partnerländern habe sich dagegen besser entwickelt. Er lag im Oktober nur ein Prozent unter dem Vorjahresniveau, in den ersten zehn Monaten sogar drei Prozent darüber.

In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich August bis Oktober sank der Auftragseingang um vier Prozent. Die Bestellungen auf dem Heimatmarkt stiegen um sechs Prozent, die Auslandsaufträge sanken dagegen um acht Prozent.

Trotz der jüngsten Rückschläge erwarten die deutschen Maschinenbauer, zu denen neben mittelständischen Unternehmen auch die börsennotierten Konzerne ThyssenKrupp, DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) und Gea gehören, im nächsten Jahr wieder anziehende Geschäfte. Real soll sich der Zuwachs um drei Prozent bewegen. 2013 wird es aber wohl bei einem Minus von einem Prozent bleiben. Damit käme die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Branche mit knapp einer Million Beschäftigten im laufenden Jahr auf einen Produktionswert von 195 Milliarden Euro.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/weniger-auftraege-schwaches-auslandsgeschaeft-setzt-deutschen-maschinenbauern-zu-/9156260.html

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12.11.2013

EU will Deutschland wegen seiner Exporte bestrafen

Die EU-Kommission wird eine erweiterte Untersuchung der deutschen Export-Überschüsse durchführen. Kommt die EU zu dem Ergebnis, dass Deutschland Exzesse bei den Exporten veranstaltet, kann Brüssel eine Milliarden schwere Strafe verhängen.

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Die EU-Kommission will am Mittwoch eine erweiterte Untersuchung gegen Deutschland in die Wege leiten. Das deutet Währungskommissar Olli Rehn auf seinem Blog an. EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso bestätigte am Montag im französischen Fernsehen den Plan.

Die EU lässt damit der Kritik aus den USA Tatenfolgen. Eine solche erweiterte Untersuchung ist nach den neuen EU-Gesetzen möglich. Sie kann gegen Defizit-Sünder ebenso durchgeführt werden wie gegen Staaten mit dauerhaften Exportüberschüssen. Auch gegen Frankreich will Brüssel vorgehen – allerdings wegen der mangelnden Bereitschaft zu Reformen.

Die Idee in Brüssel: Deutschland soll die Binnennachfrage ankurbeln – durch Lohnerhöhungen, Steuersenkungen, Senkungen der Sozialabgaben und durch Investitionen in Infrastrukturen – etwa im Straßenbau.

Brüssel hofft, dass Deutschland dadurch mehr aus anderen Euro-Staaten importieren könnten und damit den verschuldeten Südstaaten in der Überwindung der Krise helfen könnte.

Was genau Deutschland aus Griechenland, Zypern oder Portugal für den dann boomenden Straßenbau importieren sollte, sagte Rehn nicht.

Die Prüfung der EU wird mehrere Monate dauern und kann am Ende zu einer Milliarden-Strafe für Deutschland führen.

Die EU erwartet von Deutschland, dass das Land für die Ankurbelung der Wirtschaft in Südeuropa neue Schulden macht. Brüssel übersieht dabei, dass Deutschland genauso wie alle anderen Staaten hoch verschuldet ist – und wegen der Überalterung der Bevölkerung nicht einfach blinden Wachstums-Fantasien anhängen kann.

Freilich dient die Forderung der EU einem höheren Ziel: Deutschland habe in den vergangenen Jahren vom schwachen Euro und den billigen Arbeitskräften in Osteuropa profitiert.

Rehn kritisiert, dass die Deutschen in den vergangenen Jahren ihre Vermögen in Immobilien-Blasen und andere spekulative Investments gesteckt hätten. Damit hätten die Deutschen den Banken geschadet, weil die unter den Blasen leiden. Stattdessen sollten die Deutschen in die südeuropäische Realwirtschaft investieren.

Es ist schon bemerkenswert, wie lange sich ein Politiker auf Kosten der deutschen Steuerzahler auf einer EU-Spitzenposition halten konnte und in der ganzen Zeit offenbar ignoriert hat, dass Deutschland als der größte Nettozahler der EU Milliarden in EU-Projekte gesteckt hat, deren Wirksamkeit zuletzt vom Europäischen Rechnungshof in einem denkbar schlechten Licht dargestellt wurde.

Unsere Empfehlung: Wenn schon Olli, dann Kahn oder Welke.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/12/eu-will-deutschland-wegen-seiner-exporte-bestrafen/

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09.11.2013

Deutscher Exportboom befeuert internationale Kritik

Deutschlands Exportstärke stößt international auf laute Kritik. Nächste Woche könnte die EU sogar eine Rüge gegen die Bundesrepublik verhängen. Das Wirtschaftsministerium bläst zum Gegenangriff.

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Diese Zahl dürfte den EU-Beamten gar nicht schmecken. Inmitten der ohnehin schon schwelenden Diskussion über seine Ausfuhrstärke meldet Deutschland im Oktober einen Rekordüberschuss beim Export. Die Ausfuhren übertrafen die Einfuhren im September um stolze 20,4 Milliarden Euro.

Nun könnte der Bundesregierung Ärger aus Brüssel ins Haus stehen: Die EU-Kommission klopft jeden der 28 EU-Staaten jährlich darauf ab, ob gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte bestehen. Schon im ersten Halbjahr exportierte die deutsche Wirtschaft 7,2 Prozent mehr Waren als sie importierte – ein außergewöhnlich hoher Wert. Die EU könnte deshalb gegen Deutschland ein Verfahren wegen eines zu hohen Leistungsbilanzüberschusses einleiten, an dessen Ende sogar Sanktionen stehen könnten – bis hin zu einem Bußgeld.

Am Mittwoch legt EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn seinen Bericht über die Entwicklung in den EU-Staaten vor. Darin wird auch aufgelistet, welches Land wegen möglicher Ungleichgewichte stärker unter die Lupe genommen wird. Ergebnisse dieser Analyse sollen im Frühjahr vorliegen, danach würde die Kommission Empfehlungen aussprechen, wie die Schieflage in einzelnen Staaten behoben werden kann.

Die Kommission beschwichtigte aber bereits: Selbst wenn sie eine gründliche Analyse des deutschen Leistungsbilanzüberschusses ankündigen und später Empfehlungen zu dessen Abbau geben sollte, drohe am Ende kein Bußgeld, verlautete aus EU-Kreisen. Die Beschlüsse der EU-Finanzminister vom November 2011 seien auch in diesem Fall gültig.

Die Kommission hatte damals gegenüber dem Rat der EU-Finanzminister erklärt, dass „hohe und anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse im Gegensatz zu Leistungsbilanzdefiziten nicht Anlass zur Besorgnis (…) geben und keine Sanktionen zur Folge haben“. Überschüsse würden ein Land nicht darin behindern, die Auslandsverschuldung und die Finanzierung unter Kontrolle zu halten. Diese beiden Faktoren beeinflussten aber das reibungslose Funktionieren des Euro-Währungsraumes und seien die wichtigsten Komponenten, damit das Verfahren gegen übermäßige Ungleichgewichte ausgelöst werde.

„Kritik nicht nachvollziehbar“

Das Bundeswirtschaftsministerium bringt sich dennoch schon einmal in Stellung. In einem internen Papier wehren sich die deutschen Beamten gegen die drohende Schelte. „Das Wirtschaftsministerium hält die Kritik für nicht nachvollziehbar„, heißt es in einer Analyse des Ministeriums, die der „Welt“ vorliegt.

Das Ministerium schießt darin auch gegen die Kritiker Deutschlands. Die Beamten beziehen sich auf eine Aussage des Internationalen Währungsfonds (IWF). Demnach liege eine Ursache für die hohen Überschüsse Deutschlands in den „fiskal- und strukturpolitischen Defiziten in den Partnerländern“. Mit anderen Worten: Deutschland ist auch so stark, weil die anderen Länder so schwach sind.

Zudem profitierten die Euro-Krisenländer indirekt von der Exportstärke der Bundesrepublik: Wenn Deutschland seine Staatsverschuldung ausweiten würde, um die hohen Leistungsbilanzüberschüsse abzubauen, „könnte die Kreditwürdigkeit Deutschlands – und damit letztlich die Stabilität des Euro-Raums insgesamt – infrage gestellt werden“, schreiben die Volkswirte aus dem Wirtschaftsministerium.

Deutschland soll Binnennachfrage stärken

International hatte es zuletzt wiederholt Kritik an den hohen Leistungsbilanzüberschüssen Deutschlands gegeben. Dem IWF – der über die globalen Leistungsbilanzen wacht – und Frankreich missfallen die Exportstärke Deutschlands schon lange.

Beide werfen Deutschland vor, auf Kosten der anderen Euro-Länder zu wachsen. Denn exportschwächere Länder mit Handelsdefiziten müssen ihre Importe über Kredite finanzieren, was die Schuldenberge in gefährliche Höhe treiben kann. Statt immer neue Exportrekorde aufzustellen, müsse das finanzstarke Deutschland daher die Inlandsnachfrage stärken, lautet die Forderung aus dem Ausland an die Bundesregierung. Nur so lasse sich der Euro-Raum wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs bringen.

Vergangene Woche warfen dann auch die USA Deutschland vor, die Ungleichgewichte im weltweiten Handel zu verstärken. Kurz darauf zog die EU nach: Die Bundesrepublik überschreite seit 2007 den Referenzwert für den Leistungsbilanzüberschuss, kritisierte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Betrachtet wird dabei ein Zeitraum von drei Jahren. „Wenn Deutschland und Frankreich den Empfehlungen der EU folgen würden, hätten sie der gesamten Euro-Zone einen großen Dienst erwiesen“, sagte Rehn unmissverständlich.

Überschüsse zeugen von Attraktivität

Bei den Beamten im Wirtschaftsministerium lösen diese Worte Kopfschütteln aus. „Die Kritik an den hohen Leistungsbilanzüberschüssen ist unbegründet, weil diese nicht auf wirtschaftspolitischer Einflussnahme beruhen“, heißt es in der internen Analyse. „Die deutsche Exportstärke beruht nicht auf staatlichen Interventionen. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss ist vielmehr das Ergebnis des freien Wettbewerbs auf dem Markt.“ Eine Art planwirtschaftliches Eingreifen sei weder „möglich“ noch „wünschenswert“.

Die Kritiker würden einige Punkte „übersehen“: So sei die Exportstärke nicht Niedriglöhnen zu verdanken. Auch spare der deutsche Staat nicht übermäßig stark. „Die hohen Leistungsbilanzüberschüsse sind vielmehr Ausdruck der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sowie der weltweit hohen Nachfrage nach Gütern ‚made in Germany‘.

Sowohl der IWF als auch die EU-Kommission hätten in Studien festgestellt, dass von den deutschen Überschüssen keine destabilisierende Wirkung für die Euro-Zone ausgeht. So sei gegenüber den Euro-Ländern der deutsche Leistungsbilanzüberschuss deutlich rückläufig. Die Exportüberschüsse gingen vor allem in den außereuropäischen Raum.

Weitere Strukturreformen notwendig

Davon profitierten auch die anderen Euro-Länder: So steckten in deutschen Exportgütern zu 40 Prozent im Ausland produzierte Vorleistungen. Wächst die deutsche Exportwirtschaft, wachsen dieser Logik zufolge auch die Importe aus anderen Euro-Ländern.

Eine Stimulierung der Binnennachfrage – etwa über höhere Staatsausgaben – käme den Euro-Krisenstaaten dagegen kaum zugute. Eine EU-Studie zeige, „dass eine Erhöhung der Nachfrage in Deutschland dort nur eine geringe Verbesserung der Leistungsbilanzen zur Folge hätte“, heißt es in dem Papier.

Zudem leiste Deutschland durch die „aktuell hohe binnenwirtschaftliche Dynamik“ einen wichtigen Beitrag zur Stabilität in Europa und zum Abbau der Ungleichgewichte. „Um diesen Abbau von Ungleichgewichten im Euro-Raum zu beschleunigen, sind weitere Strukturreformen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig“, mahnte das Wirtschaftsministerium in Richtung der anderen Euro-Länder.

In 15 Jahren könnten Überschüsse verschwunden sein

Für Deutschland hingegen sei es derzeit sinnvoll, hohe Überschüsse zu erzielen. Eine hohe Sparquote könne eine rationale Vorsorgeentscheidung sein. „Ebenso rational kann es sein, diese Ersparnis nicht im Inland anzulegen, sondern in dynamischen Wachstumsregionen mit entsprechenden Renditechancen“, heißt es in dem Ministeriumspapier. Rund ein Drittel des Leistungsbilanzüberschusses beruhe nicht auf dem Außenhandel, sondern auf Erträgen aus in der Vergangenheit im Ausland investiertem oder angelegtem deutschen Kapital.

Ähnlich argumentiert Marcus Kappler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): „In etwa 15 Jahren könnten die Leistungsbilanzüberschüsse verschwunden sein“, sagt Kappler. Ein Grund dafür sei die Demografie. „Wir werden schon in einigen Jahren deutlich weniger Erwerbstätige haben“, so Kappler. „Dadurch wird Deutschland auch weniger exportieren können.“

Allerdings haben sich viele Sparer in der Vergangenheit bei Auslandsinvestitionen die Finger verbrannt. Erinnert sei nur an die milliardenschweren Fehlinvestitionen deutscher Landesbanken vor Ausbruch der Finanzkrise. Einige Ökonomen sind zudem der Auffassung, dass das im Ausland investierte Geld dringend für Investitionen im Inland gebraucht werde. Denn in den vergangenen Jahren haben die deutschen Unternehmen nur wenig investiert.

Strafe könnte bis zu 2,5 Milliarden Euro betragen

Die EU-Kommission wollte aus den jüngsten Rekordzahlen keine unmittelbaren Konsequenzen ziehen. „Wir nehmen die am Freitag veröffentlichten Zahlen natürlich zur Kenntnis“, teilte der Sprecher von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn mit. In die Untersuchung über wirtschaftliche Ungleichgewichte in einzelnen EU-Staaten würden aber eine Reihe von Indikatoren einfließen, die man über Jahre hinweg betrachte.

Wenn sich die EU zu einer Rüge durchringt, drohen Sanktionen nur dann, wenn die Regierung des Landes die Empfehlungen aus Brüssel nicht umsetzt. Sanktioniert wird die Widerspenstigkeit der Regierung, nicht das Ungleichgewicht selbst. Strafzahlungen könnten bis zu 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines Landes betragen – im Falle von Deutschland wären das etwa 2,5 Milliarden Euro.

Die neuen Exportzahlen dürften mit Sicherheit neues Öl ins Feuer gießen. Im Wirtschaftsministerium sieht man dem nächste Woche erscheinenden EU-Bericht dennoch gelassen entgegen: „Die Argumente sprechen für uns“, heißt es dort lapidar.

http://www.welt.de/wirtschaft/article121716483/Deutscher-Exportboom-befeuert-internationale-Kritik.html

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08.11.2013

Paul Krugman: „Deutschland ist ein Schmarotzer“

Die Bundesrepublik muss derzeit einige Hiebe einstecken. Erst der Abhörskandal und dann die US-Kritik am deutschen Exporterfolg. Der amerikanische Ökonom Paul Krugman setzt nun noch einen drauf: Er behauptet, Deutschland sei Schuld daran, das Südeuropa ausblute.

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Sind die Deutschen ein Volk von Weicheiern, die sich einfach gerne empören und es lieben, in die Opferrolle zu schlüpfen? So sieht es zumindest der einflussreiche US-Ökonom Paul Krugman. Das Geschrei in der Bundesrepublik sei zuletzt wieder einmal groß gewesen: wegen der Merkel-Spionageaffäre und der Kritik des US-Finanzministeriums am deutschen Exportüberschuss, schreibt der Nobelpreisträger in seiner Kolumne für die New York Times. Krugman wirft den Deutschen vor, sich schlichtweg der Realität zu verweigern.

Der Bundesregierung wirft der Star-Ökonom vor, dass die deutsche Uneinsichtigkeit unangebracht sei – ganz im Gegensatz zur Schelte der US-Regierung, die deutsche Politiker und Unternehmer empört zurückgewiesen hatten. Schließlich behindere Europas größte Volkswirtschaft die Stabilisierung der globalen Wirtschaft. Die Krisenländer im Süden Europas bluteten aus, weil Deutschland massiv dorthin exportiere, aber nicht auch in gleichem Maße investiere.

Die Stimmung dreht auch in Europa

Gleichzeitig hätten die Deutschen diesen Ländern auch noch brutale Sparvorgaben aufgebürdet. „Deutschland hat viel zu der hohen Arbeitslosigkeit Spaniens beigetragen“, schreibt Krugman. Das Land sei ein Schmarotzer, der auf Kosten seiner Nachbarn Exportüberschüsse erziele, während diese noch immer unter den Folgen der Finanzkrise litten. Und obwohl die Exportnation zusätzlich noch vom schwachen Euro profitiere, weigere sie sich, endlich die Staatsausgaben zu erhöhen und ihren Beitrag zur Gesundung Europas zu leisten. Harte Worte, die auch in Europa Gehör finden.

Denn es braucht schon lange keinen Krugman mehr, um Stimmung gegen Deutschland zu erzeugen.

Erst kürzlich hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärt, der Leistungsbilanzüberschuss der Bundesrepublik liege bereits seit sechs Jahren über der zulässigen Grenze. Die EU-Kommission erwägt nun eine Untersuchung dieses – aus ihrer Sicht – Missstandes. Deutschland könnte sein Exporterfolg demnach auf die Füße fallen: Es droht ein EU-Verfahren und womöglich ein empfindliche Strafe.

http://www.focus.de/finanzen/news/us-oekonom-krugman-deutschland-ist-ein-schmarotzer_aid_1153054.html

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05.11.2013

Barroso fordert mehr deutsches Engagement

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, erwartet von der neuen deutschen Regierung noch stärkeres Engagement für Europa als bisher. „Ihr Deutschen habt diese historische Verantwortung.“

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Die EU-Kommission fordert von Deutschland im Streit um die massiven Exportüberschüsse konkrete Gegenmaßnahmen. „Die Wahrheit ist, dass der einheitliche Markt in seiner derzeitigen Form Deutschland erlaubt, seine Wettbewerbsvorteile – also Technologie und Industrie – auszuspielen„, sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche.

Im Gegenzug sollte Deutschland mehr tun, damit auch andere Länder ihre Vorteile zur Geltung bringen können. Möglich wären eine weitere Öffnung des Dienstleistungssektors oder eine Lohnentwicklung, die im Einklang mit der Produktivität stehe, führte Barroso aus.

Damit könnten stärkere Volkswirtschaften einen sehr wichtigen Beitrag zur Erholung von schwächeren Ländern leisten.

Rehn hofft auf Überschuss

Zuvor hatte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn die Erwartung geäußert, dass Deutschland auch in den kommenden Jahren einen Überschuss in der Leistungsbilanz von über sechs Prozent aufweisen werde.

Rehn vermied es jedoch, daraus eine drohende Rüge mit möglichen Strafverfahren für Deutschland abzuleiten. Zuletzt hatte es massive Kritik des US-Finanzministeriums an der deutschen Exportlastigkeit gegeben.

Die EU-Kommission will in der kommenden Woche Details zu ihren Untersuchungen über wirtschaftliche Ungleichgewichte in einzelnen EU-Staaten vorlegen.

Leistungsbilanzüberschüsse dürfen nach den Vorgaben des Verfahrens zur „Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte“ im Schnitt von drei Jahren maximal sechs Prozent betragen. Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission im Falle Deutschlands insgesamt nichts zu beanstanden. In die damalige Untersuchung floss allerdings noch das Krisenjahr 2009 ein.

http://www.welt.de/politik/ausland/article121581278/Barroso-fordert-mehr-deutsches-Engagement.html

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05.11.2013

EU wettert gegen Deutschlands Exportstärke

Nun greift auch die EU die deutsche Wirtschaft wegen ihres starken Exports an. Statt so viele Waren ins Ausland zu verkaufen, solle Deutschland in Infrastruktur investieren – und die Steuern senken.

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Es war nur eine kurze Frage eines amerikanischen Journalisten: „Kann Deutschland mehr tun für das Wachstum in Europa?“ EU-Währungskommissar Olli Rehn schien darauf gewartet zu haben: „Ich danke Ihnen für diese Frage“, sagte er – und legte los.

Er ging scharf und ungewöhnlich offen mit der Exportüberschüssen Deutschlands ins Gericht. Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, wies die Kritik zurück: „Die Kunden ordern unsere Waren nicht, weil wir Deutsche sind, sondern weil wir gut sind.“

Die größte EU-Volkswirtschaft, sagte Rehn, liege seit 2007 über den vereinbarten Werten bei den Leistungsbilanzüberschüssen von sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. „Und das wird auch in den nächsten Jahren so sein“, kritisierte der Finne. Für dieses Jahr erwartet die Brüsseler EU-Kommission einen Leistungsbilanzüberschuss von sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), im kommenden Jahr soll der Wert bei 6,6 Prozent liegen.

Rehn fordert „analytische Debatte“

Bereits in der vergangenen Woche hatte die US-Regierung die Exportüberschüsse Deutschlands scharf kritisiert. Deutschland gefährde nicht nur die Erholung der Euro-Zone, sondern auch die Weltwirtschaft, hatte das US-Finanzministerium kritisiert. Rehn sagte mit Blick auf die Haltung Washingtons in dieser Frage: „Ich dringe auf eine analytische und nicht auf eine politisch motivierte Debatte.“

Dennoch ließ der Währungskommissar keinen Zweifel daran, dass ihm die hohen Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands ein Dorn im Auge sind: „Deutschland und Frankreich haben den Schlüssel in der Hand für mehr Wachstum und Beschäftigung in der Eurozone.“

Deutschland soll die Steuern senken

Rehn forderte Deutschland auf, die Binnennachfrage anzukurbeln. Dazu gehöre, dass Berlin mehr Geld in die Infrastruktur stecke, die Steuern senke, die Gehälter im Niedriglohnbereich erhöhe und den Dienstleistungssektor liberalisiere.

Diese Forderungen gibt es seit Jahren. Aber aus Sicht der Kommissionsbehörde hat Berlin bisher viel zu wenig getan. Möglicherweise wird die EU-Kommission darum in der kommenden Woche ankündigen, die deutsche Exportstärke genauer zu untersuchen. Sie wird als ein Grund für die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa angesehen, weil viele EU-Länder anders als Deutschland Leistungsbilanzdefizite zu verzeichnen haben.

Im schlimmsten Fall drohen Geldstrafen. Es wird erwartet, dass die Bundesregierung alles versuchen wird, damit die EU-Kommission keine Untersuchung einleitet.

Die EU-Kommission will sich kommende Woche dazu äußern, welche EU-Länder bei den wirtschaftlichen Ungleichgewichten auf den Prüfstand kommen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article121562940/EU-wettert-gegen-Deutschlands-Exportstaerke.html

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31.10.2013

Amerika kritisiert deutsche Wirtschaftspolitik scharf

In scharfen Worten werfen die Vereinigten Staaten Deutschland vor, mit einer „blutarmen Binnennachfrage“ und dem Exporterfolg deflationäre Verzerrungen im Euroraum und der Weltwirtschaft hervorzurufen.

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In ungewöhnlich deutlichen Worten haben die Vereinigten Staaten Deutschland vorgeworfen, zu wenig für die Stärkung der Binnennachfrage zu tun und die wirtschaftliche Anpassung und Erholung im Euroraum und in der Welt zu behindern. Das Finanzministerium in Washington kritisiert in seinem halbjährlichen Währungsbericht ein „blutarmes Wachstum der Binnennachfrage“ in Deutschland und eine „Abhängigkeit vom Export“. Deutschland behindere eine Anpassung im Euroraum in einer Zeit, in der viele andere Länder unter Druck stünden, ihre Nachfrage und Einfuhr zu drosseln. „Das Nettoergebnis ist eine deflationäre Verzerrung im Euroraum wie auch in der Weltwirtschaft“, heißt es in dem Bericht.

Im Kern läuft die scharfe Kritik der Amerikaner darauf heraus, dass Deutschland mit seinen steten Exportüberschüssen die Anpassungslast in der Eurokrise auf die Krisenländer in der Peripherie abgeschoben habe. Das habe dort die Arbeitslosigkeit gerade unter Jugendlichen erhöht, heißt es in dem Bericht. Zugleich setze der Euroraum insgesamt in seiner Erholung auf Nachfrage aus dem Ausland, anstatt die Defizite in der eigenen Binnennachfrage anzugehen.

Als Beleg verweist das amerikanische Finanzministerium darauf, dass Deutschland im ersten Halbjahr seinen Leistungsbilanzüberschuss auf mehr als 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gesteigert habe, während zugleich Länder wie Irland, Italien, Portugal und Spanien nun alle Leistungsbilanzüberschüsse erzielten. Damit weise auch die Leistungsbilanz des Euroraums, die von 2009 bis 2011 nahezu ausgeglichen war, nun einen Überschuss von 2,3 Prozent des BIP aus.

Deutschland in einer Reihe mit China, Japan und Südkorea

Deutschland steht damit in der Kritik der Amerikaner in einer Reihe mit China, Japan und Südkorea. In der Kurzzusammenfassung des Berichts greift das Finanzministerium Deutschland sogar als erstes Land auf. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, im Kern der Überschuss von Export über Import, sei im vergangenen Jahr größer als der Chinas gewesen, bemerkt das Ministerium mit Missfallen.

Nach Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) erreichte der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 239 Milliarden Dollar gegenüber 193 Milliarden Dollar für China. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt hatte Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr von 6,9 Prozent des BIP gegenüber 2,4 Prozent in China.

Die Vereinigten Staaten kritisieren in dem Bericht neben Deutschland wie immer China für eine zu langsame Aufwertung des Renminbi, der deutlich unterbewertet sei. China habe entgegen internationaler Verpflichtungen wieder Interventionen in großem Stil aufgenommen. An Japan richtet das Finanzministerium die Mahnung, die Geldpolitik – wie zugesagt – nicht als Mittel der Wechselkurspolitik einzusetzen. Washington will das genau beobachten. Südkorea wird ermuntert, die Interventionen am Devisenmarkt auf außergewöhnliche Fälle zu beschränken.

Größeres Selbstbewusstsein in Washington

Mit der deutlichen Wortwahl in dem „Bericht zur Internationalen Wirtschafts- und Wechselkurspolitik“ verlassen die Vereinigten Staaten die in den vergangenen Jahren gepflegte Linie, Deutschland öffentlich nicht zu sehr anzuprangern. Die Kritik an der geringen deutschen Binnennachfrage war oft eher verhalten. So gaben Vertreter des Finanzministeriums auf Nachfrage von Journalisten nie eine klare Antwort, was Deutschland genau zur Förderung der Binnennachfrage denn tun solle. Vereinzelt gab es Hinweise, dass die Amerikaner höhere Lohnsteigerungen in Deutschland wünschten. Hinter verschlossener Tür soll es bei internationalen Treffen etwa im Rahmen der G-20-Gruppe nach Angaben von Teilnehmern aber teils hart zur Sache gegangen sein.

Neben Amerika hatte auch der IWF Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder bedrängt, mehr zur Stärkung der Binnennachfrage zu tun, auch um die Euro-Krise zu lindern. Die Forderungen des Fonds aber klangen zuletzt weitaus dünner, nachdem eine eigene Untersuchung schon im vergangenen Jahr gezeigt hatte, dass die Krisenländer im Süden Europas von einer verstärkten deutschen Importnachfrage kaum profitieren würden.

Die Verschärfung des amerikanischen Tonfalls kommt zu einer Zeit, in der die Bundesregierung in Washington auf Aufklärung über und Unterlassung von amerikanischen Spionageaktivitäten dringt. Die Mahnung an Deutschland spiegelt die Sorge in Washington über die Abschwächung in der Weltwirtschaft wider, aber auch erstarktes amerikanisches Selbstbewusstsein. Während der Euroraum nur mühsam aus der Rezession findet, schicken die Amerikaner sich an, im kommenden Jahr nach IWF-Prognose mit 2,9 Prozent wieder die Wachstumsführerschaft im Kreis der Siebenergruppe der großen Industriestaaten zu übernehmen.

Amerika halbiert sein Haushaltsdefizit

Im ständigen wirtschaftspolitischen Zwist mit Deutschland über Defizitrückführung versus keynesianischer Konjunkturstimuli verweisen die Amerikaner zugleich stolz darauf, dass sie ihr Haushaltsdefizit seit 2009 mehr als halbiert haben. Damit haben sie die 2010 in Toronto im Kreis der G20 getroffene Absprache eingehalten – entgegen ständiger Zweifel und Kritik aus dem Umfeld der deutschen Bundesregierung.

In der am Mittwoch veröffentlichten Abrechnung des im September geendeten Haushaltsjahres 2012/13 lag die Neuverschuldung des Bundes bei 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung, gegenüber 10,1 Prozent im Jahr 2009. Selbst unter Einbezug der Verschuldung der Bundesstaaten und Kommunen habe die Amerikaner das Defizit mehr als halbiert. Der IWF nennt Defizitquoten von 12,9 Prozent des BIP für 2009 und von 5,8 Prozent für 2013.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/waehrungsbericht-amerika-kritisiert-deutsche-wirtschaftspolitik-scharf-12641978.html

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10.10.2013

Deutsche Exporte gehen im August deutlich zurück

Die Ausfuhren fielen im August deutlich geringer aus als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Minus 5,4 Prozent. Die Hoffnungen ruhen nun auf Katar und der Fußball-WM: Die ist gefährdet, weil die Fifa entdeckt hat, dass es dort im Sommer zu heiß ist. Vielleicht ein Großauftrag für Miele – mit der Lieferung von Kühlschränken.

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Waren im Wert von 85,3 Milliarden Euro wurden im August ausgeführt. Diesem Wert stehen 72,2 Milliarden Euro gegenüber, die für Waren aus dem Ausland ausgegeben wurden. Bei den Exporten entspricht das einem Rückgang von 5,4 Prozent und bei den Importen von 2,2 Prozent im Vergleich zum Augst 2012, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis).

Die Außenhandelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 13,1 Milliarden Euro ab. Im August 2012 gab es noch ein Plus von 16,3 Milliarden Euro.

Die Leistungsbilanz – die Berücksichtigung der Salden für Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen, laufende Übertragungen sowie Ergänzungen zum Außenhandel – beträgt 9,4 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren es noch 13,2 Milliarden Euro.

Der Warenexport in die Mitgliedstaaten der EU nahm im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent ab. „Der Süden Europas – und dazu zähle ich auch Frankreich – hängt nach wie vor durch“, sagte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA dem SWR. „Von dort werden auch in den kommenden zwölf Monaten noch keine Impulse kommen.”

Die Exporte in Länder außerhalb der EU nahmen um 7,2 Prozent ab. Begründet wird das mit verschiedenen Faktoren. Zum Einen erfordert die unsichere politische Situation im Nahen Osten mehr Vorsicht bei den deutschen Exporteuren. Bestellungen gehen zurück.

Zum Anderen ist der Schuldenstreit in den USA noch im Gange. „Alles ist dort in Wartestellung, Investitionen werden aufgeschoben“, so Börner. Das Wachstum werde aber noch kommen.

Im schlechtesten Fall erwartet der BGA-Präsident eine Stagnation des Exports. In China gebe es jedoch noch Kapazitäten. „Dort hat die deutsche Wirtschaft noch viel Platz.” Ähnliches gelte für Lateinamerika und teilweise auch für Afrika.

Im arabischen Katar kann die mittelständische Bauwirtschaft derzeit vom anhaltenden Boom profitieren. Bis 2022 werden dort zum Start der Fußball-WM 2022 etwa 200 Milliarden US-Dollar in den Bau neuer Einrichtungen investiert, zeigte die Deutsche Auslandshandelskammer in einer Informationsveranstaltung auf. Deutsche Firmen sollten die Chancen nutzen, die sich ihnen auf der arabischen Halbinsel eröffnen.

Allerdings ist es mittlerweile unsicher, ob Katar die WM überhaupt ausrichten kann. Katar ist wegen Sklavenhandels beim Bau der Anlagen in Verruf gekommen. Erst kürzlich hatte die Fifa außerdem festgestellt, dass es im Sommer in Katar sehr heiß ist. Nun wird überlegt, die Spiele im Winter abzuhalten. Die Veranstalter versprechen, dass es ihnen mit ausgefeilter Technik möglich sei, die Stadien zu kühlen. In der Praxis erprobt ist dieses Konzept nicht.

Vielleicht kann der deutsche Mittelstand helfen.

Miele aus Gütersloh produziert exzellente Kühlschränke.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/10/deutsche-exporte-gehen-im-august-deutlich-zurueck/

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08.10.2013

Deutsche Exporteure geben das Jahr 2013 verloren

Der Außenhandelsverband nimmt seine Prognose zurück. Die Weltkonjunktur liefere kaum Impulse, das Asiengeschäft bliebe hinter den Erwartungen zurück. Eine Belebung sei nicht in Sicht.

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Die deutschen Exporteure fallen in diesem Jahr als Wachstumslokomotive aus. Nach einem Einbruch im August senkte der Branchenverband BGA seine Prognose für 2013: Statt eines kräftigen Wachstums wird nun fast mit Stagnation gerechnet. Auch für das kommende Jahr sieht der BGA erhebliche Risiken.

„Wir gehen mit der Prognose deutlich herunter“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes, Anton Börner, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir erwarten eine schwarze Null – also ein Wachstum von weniger als einem Prozent.“

Bislang hatte der BGA für 2013 mit einem Plus von drei Prozent gerechnet. „Das Ziel können wir nicht erreichen.“ Zuvor hatte das Statistische Bundesamt ernüchternde Zahlen veröffentlicht: Im August brachen die Exporte um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein, weil besonders die Nachfrage aus Übersee stark nachließ und auch in der Euro-Zone schwächelte.

DIHK erwartet Wachstum

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet dagegen nach wie vor ein Wachstum von zwei Prozent im Gesamtjahr. „Das wird aber schwer zu erreichen sein“, räumte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier ein. Dafür müsste es im restlichen Jahr deutlich besser laufen. In den ersten acht Monaten schrumpften die Ausfuhren um 1,1 Prozent auf 726,1 Milliarden Euro.

Eine rasche Belebung ist nicht in Sicht: Die exportabhängige Industrie erhielt im August 2,1 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte.

„Es gibt einen ganzen Strauß von Faktoren, die uns bremsen“, so BGA-Präsident Börner. Vor allem der ungelöste Haushaltsstreit in den USA, der in eine Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft münden könnte, stört die Geschäfte. „Alles ist dort in Wartestellung, Investitionen werden aufgeschoben.“

In einigen großen Schwellenländern seien zudem die Währungen wegen der US-Geldpolitik in Turbulenzen geraten. Auch in der Euro-Zone – dem wichtigsten Absatzmarkt Deutschlands – sehe es noch immer nicht gut aus. „Der Süden Europas – und dazu zähle ich auch Frankreich – hängt nach wie vor durch. Von dort werden in den kommenden zwölf Monaten noch keine Impulse kommen.“ Der Nahe und Mittlere Osten sowie Teile von Nordafrika bildeten außerdem eine große Krisenregion.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Zu den Aussichten für 2014 äußerte sich Börner zurückhaltend: „Das hängt davon ab, wie die Krisen bewältigt werden. Wenn es schlecht läuft, werden wir im besten Fall eine Stagnation sehen. Werden sie gelöst, ist ein ordentliches Wachstum drin.“ Hoffnungsträger bleibe vor allem Asien. „Dort hat die deutsche Wirtschaft noch viel Platz.“ Lateinamerika bleibe attraktiv, Afrika teilweise auch. Und Amerika werde wieder kommen, so Börner. „Das Wachstum dort ist nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.“

Langfristig sind die Aussichten nicht schlecht, wie eine Studie der britischen Großbank HSBC zeigt. Demnach wird sich der weltweite Handel mit Produkten für die Infrastruktur – von schnellen Internetanschlüssen bis hin zu Fahrzeugen – bis 2030 mehr als verdreifachen.

Besonders asiatische Länder würden in den Ausbau von Straßen sowie des Schienen- und Stromnetzes investieren. Davon wiederum profitierten die deutschen Firmen, weil sie die passenden Produkte im Programm hätten. Allerdings steige auch der Wettbewerb, da Schwellenländer immer öfter hochwertige Erzeugnisse anböten und stärker mit Deutschland konkurrierten.

http://www.welt.de/wirtschaft/article120729099/Deutsche-Exporteure-geben-das-Jahr-2013-verloren.html

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30.09.2013

Deutsche Industrie kappt ihre Exportprognose

Enttäuschende Zahlen aus den Schwellenländern haben den deutschen Exporteuren das Geschäft vermasselt. Die Industrie ist deutlich pessimistischer für 2013. Aber es gibt auch positive Signale.

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Die deutsche Industrie hat vor allem wegen der schwachen Konjunktur in den Schwellenländern ihre Exportprognose für das laufende Jahr gekappt.

Für 2013 wird nur noch ein Wachstum bei den Ausfuhren von 1,5 bis 2 Prozent erwartet. Bisher lag die Schätzung bei 3,5 Prozent. Das geht aus dem Außenwirtschaftsbericht des Industrieverbandes BDI hervor, über den zuerst „Spiegel Online“ berichtete.

Besonders das Wachstum der Schwellenländer wie Brasilien oder China habe zuletzt enttäuscht. Die Staaten litten unter fehlenden Reformen und dem auslaufenden Rohstoffboom.

Industrie hofft auf Europa und die USA

„Angesichts des schwachen ersten Halbjahrs werden die Exporte in diesem Jahr unter den Erwartungen bleiben“, erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Im ersten Halbjahr 2013 lagen die deutschen Exporte um 0,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Kerber sieht aber auch positive Signale. „Die deutsche Industrie rechnet noch in diesem Jahr mit einer allmählichen Erholung. In den wesentlichen Exportbranchen stehen die Zeichen auf Wachstum.“ So hätten sich die Ausfuhren der Automobilindustrie in die Kernmärkte Westeuropa und USA zuletzt vergleichsweise gut entwickelt.

Der Außenhandelsverband BGA rechnet für dieses Jahr noch mit einem Exportwachstum von drei Prozent. Dazu muss die Nachfrage aber in den verbleibenden Monaten wieder deutlich anziehen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article120524574/Deutsche-Industrie-kappt-ihre-Exportprognose.html

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06.09.2013

Deutsche Exporte überraschend gesunken

Trotz großer Hoffnungen schwächelt die deutsche Exportwirtschaft. Der Euroraum kann keine Impulse liefern, und auch auf den Weltmärkten herrscht Verunsicherung. Doch das Jahr ist noch nicht zu Ende.

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Der erhoffte Aufwind für Deutschlands Exportwirtschaft lässt weiter auf sich warten: Im Juli belastete vor allem das schwache Geschäft in Übersee die deutschen Exporteure überraschend stark. Doch auch der kriselnde Euroraum kauft weniger Waren „Made in Germany“ als im Vorjahr.

Gegenüber dem Vormonat gingen die Ausfuhren im Juli saisonbereinigt um 1,1 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Die Einfuhren stiegen um 0,5 Prozent.

Im Jahresvergleich stagnierten die deutschen Exporte. Mit minus 1,0 Prozent entwickelten sich vor allem die Lieferungen in sogenannte Drittländer schwach, auch die Ausfuhren in die Eurozone sanken um 0,7 Prozent. Positiv entwickelte sich allein der Handel mit EU-Ländern, die nicht der Währungsunion angehören: Die Exporte dorthin lagen im Juli 3,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Importe stiegen im Jahresvergleich insgesamt um 0,9 Prozent.

Im Außenhandel nichts Neues. Es fehlt der Schwung, so verharren die Ausfuhren auf einem hohen Niveau“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, am Freitag. Die anhaltende Unsicherheit auf den Weltmärkten lähme Entscheidungen und damit das Geschäft: „So trägt beispielsweise die aktuelle Krise in Syrien mit den Auswirkungen auf den Ölpreis seinen Anteil an der weltweiten Verunsicherung.“

Von Januar bis Juli verfehlten die deutschen Exporte ihren Vorjahreswert um 0,5 Prozent.

Trotz des überraschend schwachen Juli-Ergebnisses müssen die Exporteure das Jahr noch nicht abhaken. „Die Exporte sollten in der zweiten Jahreshälfte allmählich anziehen, da die Eurozone die Rezession hinter sich gelassen hat“, sagte Moody’s-Ökonomin Anna Zabrodzka. Allerdings könnten rückläufige Ausfuhren in den drittwichtigsten Absatzmarkt China den Aufschwung der deutschen Exporteure bremsen.

Nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank schloss die Leistungsbilanz, die den gesamte Waren- und Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland sowie Erwerbs- und Vermögenseinkommen umfasst, im Juli mit einem Überschuss von 14,3 Milliarden Euro ab. Von Januar bis Juli stieg der Leistungsbilanzüberschuss damit von 101,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 105,3 Milliarden Euro.

Nach Schätzungen des ifo-Instituts wird Deutschland das Jahr 2013 mit einem Rekordüberschuss der Leistungsbilanz abschließen. Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfe sich das Plus auf die 200- Milliarden-Euro-Marke zubewegen, betonten die Experten.

Schon 2011 und 2012 habe Deutschland den höchsten Leistungsbilanzüberschuss weltweit erzielt und war damit der größte Kapitalexporteur der Welt. Mit 238 Milliarden US-Dollar (etwa 186 Mrd Euro) lag der deutsche Wert damit noch vor China mit einem Überschuss von 193 Milliarden US-Dollar. Für den deutschen Überschuss sei fast ausschließlich der Warenhandel verantwortlich gewesen.

Kritiker werfen Deutschland immer wieder vor, mit seinen Exportüberschüssen auf Kosten anderer zu leben und damit die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht zu bringen. Denn dem deutschen Überschuss steht andernorts ein Defizit gegenüber: Diese Länder müssen ihre Importe über Schulden finanzieren.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/schwache-geschaefte-deutsche-exporte-ueberraschend-gesunken/8753464.html

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15.08.2013

Zu geringes Wachstum: Deutsche Exporteure büßen Anteile am Welthandel ein

Zwar rechnet die Industrie- und Handelskammer in diesem und im kommenden Jahr mit einem weiteren Wachstum des deutschen Exports. Doch die deutsche Wirtschaft kann ihren Anteil am Welthandel nicht halten. Fehlende Finanzierungsmöglichkeiten und zunehmende Hemmnisse beim Export in andere Länder sind Gründe.

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Der deutsche Export ist weiterhin stark von der abgeschwächten Weltwirtschaft und der Eurokrise im Besonderen geprägt. Zwar geht die Deutsche Industrie- und Handelskammer von einem Wachstum in den kommenden Jahren aus. Doch gemessen am Wachstum des Welthandels ist dieser nicht ausreichend.

Der Weltkonjunkturbericht der Außenhandelskammern sieht für den deutschen Export ein Wachstum von zwei Prozent in diesem und vier Prozent im kommenden Jahr. „Allerdings reicht dieses Wachstum nicht aus, um den deutschen Weltmarktanteil zu halten“, sagte Volker Treier, der Außenwirtschaftschef der DIHK. Die DIHK rechnet nämlich für den Welthandel mit einem deutlich größeren Wachstum: 3,8 Prozent für 2013 und 6 Prozent für 2014.

Profitieren konnten die deutschen Exporteure in diesem Jahr vor allem von den überdurchschnittlich wachsenden Exporten nach Mexiko, Chile, Südkorea oder in die Türkei, so die DIHK. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, wie hart der Wettbewerb auf den Weltmärkten ist“, so Treier. Kritik übt Treier jedoch vor allem auch an den Bedingungen der deutschen Wirtschaft in Deutschland selbst:

Ob Steuerdebatte oder Energiekosten – wir schwächen uns derzeit selbst. Bei der Infrastruktur zehren wir die Substanz auf. Richtige Reformen wie die Rente mit 67 werden sogar wieder in Frage gestellt.“

Aber auch zunehmende Handelshemmnisse in den Schwellenländern bereiten den Exporteuren Schwierigkeiten. „Der Einfallsreichtum von Politik und Verwaltung kennt dabei keine Grenzen“, so Treiber. Auf europäischer Ebene ist die Kreditklemme noch immer ein Thema. Fehlende Finanzierungsmöglichkeiten erschweren hier den Handel für die deutschen Exporteure.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/15/zu-geringes-wachstum-deutsche-exporteure-buessen-anteile-am-welthandel-ein/

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08.07.2013

Deutsche Exporte – Größtes Minus seit Ende 2009

Der deutsche Außenhandel hat im Mai einen harten Dämpfer einstecken müssen: Die Ausfuhren sanken um über zwei Prozent – mehr als von Experten erwartet. In einer Region lief es besonders schlecht.

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Die deutschen Exporte sind im Mai so kräftig gesunken wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Sie fielen um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dies ist der größte Rückgang seit Dezember 2009. Experten hatten nur ein Minus von 0,4 Prozent erwartet.

Grund dafür ist neben der Rezession bei vielen Handelspartnern in der Euro-Zone die Konjunkturabkühlung auf wichtigen Absatzmärkten wie China. „Das ist aber kein Grund zur Panik. Es sieht eher nach einer Schwächeperiode aus und nicht nach einem Einbruch“, sagte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. Ab Jahresmitte dürfte sich die Lage für die heimischen Exporteure wieder bessern.

Bisher ist die Bilanz für die Unternehmen jedoch recht mau: Von Januar bis Mai führten sie Waren im Wert von gut 454 Milliarden Euro aus. Dies ist im Vergleich zum vorigen Jahr ein Minus von 0,3 Prozent. Der Branchenverband BGA hat für 2013 ein Plus von drei Prozent angepeilt und hält trotz des Rückschlags an seinem Ziel fest.

„Wir werden die Prognose zurzeit nicht ändern, weil im zweiten Halbjahr noch viel möglich ist“, sagte BGA-Konjunkturexperte Gregor Wolf der Nachrichtenagentur Reuters. „Europa als unser wichtigster Absatzmarkt schwächelt“, fügte Wolf hinzu. „Alle sind verunsichert, das führt auch zu einem Investitionsstau in Deutschland.“

Welthandel kommt nicht in Schwung

Das Minus im Geschäft mit den Euro-Staaten summierte sich nach fünf Monaten auf 3,6 Prozent. Für viele Fachleute ist das keine Überraschung, da wichtige Handelspartner wie Frankreich, Italien und Spanien schwächeln.

Dazu kommt nun eine Konjunkturdelle in vielen Schwellenländern. „Auch außerhalb der Euro-Zone läuft es nicht so rund“, sagte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. „Der Welthandel kommt nicht in Schwung.“

Während die Bundesbank dem deutschen Export 2013 ein Minus von 0,8 Prozent vorhersagt, setzen andere Ökonomen auf Besserung ab Jahresmitte. „Denn es gibt Anzeichen, dass sich die Nachfrage aus den Industrieländern in der zweiten Jahreshälfte wieder belebt“, sagte Rondorf.

Besseres Geschäft für Importeure

Auch Schulz betonte: „Wenn sich die Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte aus der Rezession herausarbeitet und die USA weiter stark bleiben, dann sieht die Lage für die deutschen Exporteure wieder wesentlich rosiger aus.“

Im Mai lieferten die Firmen zwar Waren im Wert von 88,2 Milliarden Euro ins Ausland. Sie mussten aber ein Minus von 4,8 Prozent im Vergleich zum Mai 2012 wegstecken. Besonders schwach war das Geschäft mit der Euro-Zone: Hier gab es ein Minus von 9,6 Prozent.

Etwas besser lief es für die Importeure. Ihre Einfuhren stiegen im Mai um 1,7 Prozent zum Vormonat, sanken jedoch um 2,6 Prozent binnen Jahresfrist. Die Handelsbilanz – die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhren – wies einen bereinigten Überschuss von 14,1 Milliarden Euro auf.

Firmen drosseln Produktion

Die deutschen Unternehmen drosselten zugleich ihre Produktion so deutlich wie seit Oktober nicht mehr. Die Firmen stellten 1,0 Prozent weniger her als im April, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Eine entscheidende Rolle dürfte gespielt haben, dass die Produktion am Bau nachließ. Im April hatte es ein kräftiges Plus von knapp 16 Prozent gegeben, da die Firmen mit Ende des Winters Produktionsausfälle aufholen konnten. Im Mai ging der Ausstoß im Bauhauptgewerbe dann mit 1,7 Prozent wieder etwas zurück.

Die gesamte Industrie fuhr ihren Ausstoß um 0,7 Prozent zurück. Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen stellten 2,3 Prozent weniger her. Konsumgüterproduzenten verbuchten ein Minus von 0,1 Prozent, Vorleistungsgüterproduzenten hingegen produzierten 1,0 Prozent mehr.

http://www.welt.de/wirtschaft/article117820021/Deutsche-Exporte-Groesstes-Minus-seit-Ende-2009.html

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10.05.2013

Deutschland: Exportvolumen mit -4,2% zum Vorjahresmonat

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Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute Morgen mitteilte, sanken die deutschen Exporte von Waren und Gütern im März 2013 um -4,2% zum Vorjahresmonat, auf 94,587 Mrd. Euro, nach 88,646 Mrd. Euro im Vormonat und nach 98,758 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Damit dokumentieren sich durchaus starke Daten, denn bei den -4,2% zum bisherigen Allzeithoch beim Exportvolumen aus März 2012 muss man auch berücksichtigen, dass der März 2013 zwei Arbeitstage weniger als der März 2012 hatte.

http://www.querschuesse.de/deutschland-exportvolumen-mit-42-zum-vorjahresmonat/

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08.01.2013

Deutsche Exporte brechen ein: Minus 3,4 Prozent

Im November sind die deutschen Exporte im Vergleich zum Oktober deutlich eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Exporte in Länder außerhalb der EU um 5,6 Prozent erhöht, doch Ausfuhren in EU-Länder sind um 4 Prozent zurückgegangen.

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Im November 2012 wurden Waren im Wert von 77,1 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt und Waren im Wert von 94,1 Milliarden Euro ausgeführt, berichtet das Deutsche Statistische Bundesamt. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Ausfuhren im Vergleich zum Oktober um 3,4 Prozent ab, die Einfuhren um 3,7 Prozent.

Die Exporte lagen im November 2012 etwa genauso hoch wie im Vorjahresmonat. Dabei sind die Ausfuhren in Länder der EU mit einem Minus von 4 Prozent besonders deutlich zurückgegangen. Sie lagen bei 53 Milliarden Euro und machten somit gut die Hälfte der deutschen Exporte aus. Die Importe aus EU-Ländern betrugen 50 Milliarden Euro, sodass sich für November ein Exportüberschuss mit den EU-Ländern von 3 Milliarden Euro ergibt.

Die Exporte in Länder außerhalb der EU haben im November 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,6 Prozent zugenommen. Sie lagen bei circa 41 Milliarden Euro und standen Einfuhren von 27 Milliarden Euro gegenüber. Mit anderen Worten, es werden circa 1,5-mal so viele Waren in Nicht-EU-Länder exportiert wie importiert. Das IMK-Institut hat sich für Deutschland höhere Löhne gewünscht, weil dadurch auch die deutschen Importe steigen könnten (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/08/deutsche-exporte-brechen-ein-minus-34-prozent/

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27.11.2012

OECD korrigiert Merkel: Deutsche Wirtschaft auch 2013 schwach

Der Anteil der Langzeitarbeitslosen in Deutschland ist hoch, warnt die OECD. Fehlende Nachfrage aus Europa und Turbulenzen an den Staatsanleihenmärkten stellen weiterhin ein Risiko für Deutschland dar. Im vierten Quartal werde de deutsche Wirtschaft sogar schrumpfen.

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Entgegen der Prognosen der deutschen Bundesregierung geht die Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nur noch um 0,5 Prozent wachsen wird. Die Bundesregierung erwartet ein Plus von 1,0 Prozent. Erst 2014 werde das deutsche BIP sich mit einem Wachstum von 1,9 Prozent wieder etwas erholen, so die OECD in ihrem am Dienstag veröffentlichent Ausblick. Im vierten Quartal dieses Jahres werde die Wirtschaft sogar um 0,2 Prozent schrumpfen (die deutschen Verbraucher sind verunsichert – hier).

Die Krise im Euroraum stellt das Hauptrisiko bei diesem Ausblick dar”, schreibt die OECD (die Ausfuhren nach Europa gehen bereits drastisch zurück – mehr hier). Sollten die „Spannungen an den Märkte für Staatsanleihen“ weiter so groß bleiben, „werden sich die deutschen Exporte möglicherweise nicht in dem projizierten Ausmaß erholen.” Dies hätte Rückwirkungen auf die Banken und Konsequenzen für die Kreditvergabe an Unternehmen. Zudem geht die OECD davon aus, dass die Arbeitslosigkeit leicht zunehmen werde. Trotz dem es in einigen Berufsfeldern einen Fachkräftemangel gebe, ist der „Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit ist nach wie vor groß”, heißt es in dem Bericht. Das lege den Schluss nahe. „dass sich die Lage am Arbeitsmarkt angespannt hat.”

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/27/oecd-korrigiert-merkel-deutsche-wirtschaft-auch-2013-schwach/

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07.11.2012

Auftragseinbruch: Deutsche Industrie drosselt Produktion

Im September ist in Deutschland das produzierende Gewerbe den zweiten Monat in Folge geschrumpft. Vor allem der Produktionseinbruch in der Industrie ist für den Rückgang verantwortlich.

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Die erbrachte Leistung im produzierenden Gewerbe ging im September gegenüber dem Vormonat um 1,8 Prozent zurück, so das Wirtschaftsministerium. Im August war bereits ein Rückgang von 0,4 Prozent verzeichnet worden. Ausschlaggebend für die gesunkene Leistung des produzierenden Gewerbes im September war der Rückgang der Industrieproduktion um 2,3 Prozent. Vor allem die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern haben ihre Produktions zurückgefahren. Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe  hingegen stieg um 2,7 Prozent, so das Ministerium.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Leistung des produzierenden Gewerbes im Zeitraum August/September um 1,2 Prozent ab, in der Industrie sogar um 1,8 Prozent. Besonders der starke Einbruch der Auftragseingänge war für die Drosselung der Produktion verantwortlich (mehr hier). Der Rat der Wirtschaftsweisen rechnet für das letzte Quartal in diesem Jahr sogar mit einem regelrechten Tiefpunkt für die deutsche Wirtschaft (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/07/industrie-deutsche-produktionen-ruecklaeufig/

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24.10.2012

Deutsche Wirtschaft vor dem Stillstand

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend weiter eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Oktober auf 100 Punkte von 101,4 Zählern im Vormonat. Ökonomen sind alarmiert.

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Damit fällt eines der wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer bereits den sechsten Monat in Folge. Der erneute Rückfall trifft die Börse unvorbereitet. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 101,5 Zähler gerechnet.Die Stimmung in der Wirtschaft war angesichts der weltweit schlechteren Konjunkturaussichten und der ungelösten Schuldenkrise in Europa seit Mai jeden Monat gesunken. Obwohl sich die Lage an den Finanzmärkten stabilisiert hatte, verschlechterte sich die Stimmung weiter, weil die Betriebe mit ihrer aktuellen Geschäftslage deutlich weniger zufrieden waren. Die Kapazitäten seien schwächer ausgelastet. Auch im Handel und auf dem Bau wurde das Geschäftsklima schlechter.Der Index basiert auf einer Umfrage unter 7000 Unternehmen. Werte unter 100 deuten auf eine drohende Rezession hin.

Ökonomen fürchten Abkühlung zum Jahresende

Tatsächlich befürchten Ökonomen nun einen Einbruch im vierten Quartal: „Vorboten gab es zuhauf: Die Unternehmen sprachen in immer düsteren Tönen über ihre Geschäftsentwicklung, sie berichteten von Kosteneinsparungsprogrammen, Investitionsaufschub, Produktionsdrosselungen und zuletzt wieder vermehrt von Kurzarbeit“, erinnert Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka Bank. „Nun hat im Oktober die Einschätzung der Geschäftslage spürbar nachgegeben. Das deutet auf eine Abkühlung der Konjunktur im vierten Quartal hin.“Auch Holger Schmieding von der Berenberg Bank in Hamburg bezeichnete die Daten als „insgesamt enttäuschend“. Sie deuteten darauf hin, „dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal bestenfalls stagniert“. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gebe es aber, so Schmieding: „Die Erwartungen sind nicht weiter gefallen. Eine Trendwende zeichnet sich immer zuerst bei den Erwartungen ab. Das macht Hoffnung, dass es am Jahresbeginn 2013 wieder aufwärts geht.“ In dieses Horn stößt auch Postbank-Volkswirt Marco Bargel. Di eDaten zeigten „noch nicht wirklich eine Stabilisierung der Wirtschaftslage in Deutschland“. Dennoch sei der Stand des ifo-Index noch nicth dramatisch. „Eine Rezession in Deutschland erwarten wir nicht“, stellte Bargel klar.Andreas Rees von Unicredit sieht ebenfalsl Hoffnungschimemr am Horizont: „Das Geschäftsklima ist ausschließlich wegen der schlechteren Lage zurückgegangen, weil die Unternehmen jetzt ihre Auftragsbestände abarbeiten. Das ist ein natürlicher Prozess“, sagte Rees. Durch die in Aussicht gestellten Anleihenkäufe der EZB und der jüngsten Beruhigung an den Finanzmärkten hätten sich die Erwartungen an dei Zukunft jedoch stabilisiert. Zudem gehe es „in China und anderen asiatischen Ländern wieder bergauf. Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, prophezeit der Unicredit-Experte.

http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/ifo-index-faellt-zum-sechsten-mal-in-folge-deutsche-wirtschaft-vor-dem-stillstand_aid_845169.html

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05.10.2012

Deutschland: Auftragseinbruch der Industrie doppelt so hoch wie erwartet

Die Aufträge an die deutsche Industrie sind im August doppelt so stark zurückgegangen. Aufgrund der schwachen Binnennachfrage ist ein Wachstum der deutschen Wirtschaft für 2012 unwahrscheinlich. Investitions- und Konsumgüter sind besonders stark rückläufig. Die Angst vor dem Zusammenbruch des Euro verhindert Investitionen.

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Die deutsche Industrie muss im August im Vergleich zum Vormonat schwerwiegende Auftragsverluste verkraften. Gemäß der wirtschaftlichen Entwicklung wurden von Experten Auftragsrückgänge in Höhe von bis zu 0,5 Prozent erwartet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie enthüllte nun allerdings ein mehr als doppelt so hohes Auftragsminus von 1,3 Prozent.

Für eine Erklärung dieses Ergebnisses macht das Bundesministerium den Rückgang der Großaufträge vor allem aus Deutschland verantwortlich: „Der Umfang an Großaufträgen war im August deutlich unterdurchschnittlich. Der Nachfragerückgang war auf die schwache Inlandsnachfrage zurückzuführen, die mit einem Minus von 3,0 % zu Buche schlug“. Besorgniserregend ist auch der Auftragsrückgang von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen um drei Prozent (mehr hier). Bereits am Donnerstag hatte der Autobauer Daimler einen Absatzeinbruch vermelden müssen (hier). Die Nachfrage nach Konsumgütern schwächte sich ebenfalls ab (0,7%).

Die hohe Unsicherheit im Zuge der Eurokrise ist verantwortlich dafür, dass Unternehmen sich vorerst mit größeren Investitionsvorhaben zurückhalten. Die Angst vor dem Ende des Euro dämpft Investitionsanreize, die wichtig wären für den Beginn eines ökonomischen Aufschwungs. Das Bundesministerium bezeichnet die rückläufigen Bestellungen in einem schwachen ökonomischen Umfeld als erwartungsgemäß. „Gleichwohl zeichnet sich ein stärkerer Rückgang der ökonomischen Aktivität derzeit nicht ab.” In diesem Zusammenhang spricht man allerdings nur von zurückhaltenden Entwicklungen. Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in 2012 nicht oder nur noch geringfügig wachsen wird (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/05/deutschland-auftragseinbruch-der-industrie-doppelt-so-hoch-wie-erwartet/

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01.10.2012

11 Prozent weniger Aufträge für den Maschinenbau

Die Aufträge an deutsche Maschinenbauern sind im August deutlich zurückgegangen. Den zehnten Monat in Folge nehmen die Auftragseingänge nun bereits ab. Ob und inwiefern die Entscheidungen der EZB und des Bundesverfassungsgerichts positive Auswirkungen auf die Maschinenbauer haben werden, muss sich erst zeigen, sagt der Chefsvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer.

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Im August sind die Bestellungen bei den deutschen Maschinenbauern zum zehnten Mal in Folge zurückgegangen – und zwar sehr deutlich: um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag mitteilte, gingen die Bestellungen im Inland im Ausland um sechs Prozent und im Inland sogar um 18 Prozent zurück. „Das Inlandsgeschäft enttäuschte abermals“, so der VDMA Chefvolkswirt Ralph Wiechers. „Das Ausland konnte diesen Rückgang dieses Mal nicht kompensieren“. Sowohl aus den Euroländern (-9%) aus auch aus den Nicht-Euro-Ländern (-5%) gingen weniger Bestellungen ein. Grund hierfür sei die große Verunsicherung, so der Chefsvolkswirt.

Investitionen in Maschinen und Anlagen werden von vielen Unternehmen genauso zurückgefahren wie die Produktion und die Einstellung neuer Arbeitskräfte (hier). Zu unsicher sind die Aussichten hinsichtlich der Schuldenkrise, der sich verlangsamenden Wirtschaft in China und des Ausgangs der Wahlen in den USA (die könnten den USA noch gefährlich werden – hier). „Es bleibt abzuwarten, ob und wann der Befreiungsschlag von Europäischer Zentralbank und Bundesverfassungsgericht vom September bei den internationalen Maschinenbaukunden seine Wirkung entfaltet“, ergänzt Ralph Wiechers.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/10/47097/

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03.09.2012

Deutsche Exporte: Größtes Auftragsminus seit drei Jahren

Zwar legte der deutsche Einkaufsmanager-Index der deutschen Industrie im August leicht zu, aber er blieb unter den Erwartungen. Lediglich die Geschwindigkeit der Talfahrt hat sich verlangsamt – die Zeichen stehen weiter auf Kontraktion. Besonders die starken Rückgänge bei den Neuaufträgen bereiten Sorgen.

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Zum ersten Mal in diesem Jahr ist der Markit-Einkaufsmanager-Index für die deutsche Industrie im August gestiegen, um 1,7 Punkte auf 44,7 Punkte. Doch auch damit befindet sich der PMI der deutschen Industrie noch immer unter der 50er-Marke, die Wachstum signalisiert. Der deutschen Industrie steht im dritten Quartal das schlechteste Quartal seit über drei Jahren bevor“, sagt Tim Moore von Markit.

So fiel etwa die Produktion zum fünften Mal hintereinander, ein Rückgang, der „auch im historischen Vergleich erneut relativ stark war“, so das Markit Institut. Doch der Einkaufsmanager-Index zeigt auch, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht allzu bald erholen wird. Besonders die deutschen Exporteure standen diesbezüglich im August im Mittelpunkt. Sie verbuchten ihr größtes Auftragsminus seit 2009. „Besonders markant ging die Zahl der Bestellungen aus Südeuropa zurück.” Die höchsten Exportverluste hatten die Hersteller von Investitions- und Vorleistungsgütern zu beklagen. „Wacker gehalten haben sich lediglich die Konsumgüterproduzenten, die von der anziehenden Binnennachfrage profitierten“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/03/deutsche-exporte-groesstes-auftragsminus-seit-drei-jahren/

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30.08.2012

Deutsche Exporte in Euro-Krisenländer brechen ein

Die deutschen Exporte in die Euro-Krisenländer sind laut dem Statistischen Bundesamt im ersten Halbjahr eingebrochen. Gleichzeitig steigerten Krisenländer wie Portugal und Italien ihren Absatz in Deutschland.

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Die Unternehmen verkauften 1,2 Prozent weniger in die Währungsunion als im Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. In das unter einen Rezession leidende Portugal fielen die Ausfuhren mit 14,3 Prozent besonders stark. Die Exporte nach Spanien sanken um 9,4 Prozent, die nach Griechenland um 9,2 Prozent und die nach Italien um 8,2 Prozent. Dagegen legten die Geschäfte mit Frankreich und den Niederlanden – den beiden wichtigsten Kunden im Euro-Raum – um jeweils mehr als vier Prozent zu.

Die gesamten Ausfuhren stiegen von Januar bis Juni 4,8 Prozent auf 550,5 Milliarden Euro. Die starke Nachfrage aus Übersee und Osteuropa glich die Schwäche in der Euro-Zone mehr als aus. Besonders starke Zuwächse gab es in Japan (plus 19,9 Prozent), in den USA (plus 18,6 Prozent) und in Russland (plus 14,8 Prozent).

Vor allem die deutschen Maschinenbauer konnten erstmals seit Monaten im Ausland wieder punkten: Während die Bestellungen im Juli im Inland überraschend um 18 Prozent einbrachen, stieg der Auftragseingang aus dem Ausland um 8 Prozent, wie der Branchenverband VDMA am Donnerstag mitteilte. „Impulse kamen nicht nur aus Übersee, sondern auch aus den Euro-Partnerländern“, erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Insgesamt sanken die Orders allerdings um 2 Prozent unter den Wert von Juli 2011 und damit zum neunten Mal in Folge.

Eine eindeutige Erklärung für das schwächere Inlandsgeschäft blieb Wiechers schuldig. Der Rückgang könnte auf das hohe Vorjahresniveau zurückzuführen sein, vielleicht hätte aber auch die Ferienzeit für Kaufzurückhaltung bei den Kunden gesorgt oder auch die Euro-Schuldenkrise. „Einen Grund zur Panik gibt es aber nicht“, betonte Wichers. Es habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder Ausreißer nach oben oder unten gegeben.

In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Mai bis Juli ergibt sich insgesamt ein Plus von zwei Prozent. Die Inlandsbestellungen stagnierten, die Auslandsaufträge legten um sechs Prozent zu.

Der deutsche Exportumsatz hatte 2011 erstmals die Billionen-Marke übertroffen. Der Branchenverband BGA senkte wegen der Rezession in vielen Euro-Ländern seine Wachstumsprognose für dieses Jahr auf gut vier Prozent. Bislang wurde ein Plus von mindestens sechs Prozent erwartet.

Die deutschen Importe erhöhten sich im ersten Halbjahr um 2,4 Prozent auf 457,1 Milliarden Euro. Krisenländer wie Portugal (plus 4,6 Prozent) und Italien (plus 4,3 Prozent) steigerten ihren Absatz in Deutschland.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/statistisches-bundesamt-deutsche-exporte-in-euro-krisenlaender-brechen-ein/7072810.html

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16.05.2012

EU-Anteil an deutschen Exporten auf 20-Jahres-Tief

Die deutsche Wirtschaft kann sich beim Export immer weniger auf ihre EU-Partner verlassen, der Exportanteil ist 2011 auf unter 60 Prozent gesunken. Andere Regionen drängen in den Vordergrund.

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Die EU-Länder als traditionell wichtigster Handelspartner verlieren für die deutsche Exportwirtschaft zunehmend an Bedeutung. 2011 landeten nur noch 59,2 Prozent der Ausfuhren in der Europäischen Union. „Das war der niedrigste Stand seit 20 Jahren“, teilte das Statistische Bundesamt mit. 2007 lag der Anteil noch bei 64,6 Prozent und ist seither kontinuierlich gesunken.

„Im Rahmen fortschreitender Globalisierungsprozesse verlieren die traditionellen Handelspartner wie die EU-Mitgliedstaaten oder auch die Vereinigten Staaten immer weiter an Gewicht“, begründeten die Statistiker. „Das ist bedingt durch die Erschließung neuer Märkte, die immer mehr Staaten am weltweiten Handel teilnehmen lässt.“

Schwellenländer gewinnen an Bedeutung

Auch Schuldenkrise und Rezession in großen EU-Staaten wie Spanien und Italien dürften dazu beigetragen haben, dass die Exporte in die Europäische Union langsamer zulegen als in andere Regionen.

An Bedeutung gewonnen haben für die Exporteure vor allem bevölkerungsreiche Länder mit schnell wachsenden Märkten, zu denen die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) gehören.

Am stärksten stieg demnach die Nachfrage nach deutschen Waren in China. 2007 gingen lediglich 3,1 Prozent der Exporte dorthin, bis 2011 hat sich der Anteil auf 6,1 Prozent nahezu verdoppelt. Für Unternehmen wie die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche ist die Volksrepublik bereits der wichtigste Absatzmarkt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article106320516/EU-Anteil-an-deutschen-Exporten-auf-20-Jahres-Tief.html

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