Deutsche Bad-Banks und andere Kosten der Bankenkrise – eine Chronik

09.08.2014

Bankenretter Merkel und Steinbrück: Völlig unnötig 2 Milliarden Euro verbrannt

Aus Angst vor einem Finanz-Crash haben Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück bei der Rettung der HRE 2 Milliarden Euro an Steuergeldern verbrannt – obwohl die Abwicklung auch anders möglich gewesen wäre. Kein Politiker wurde je zur Verantwortung gezogen. Die Steuerzahler müssen in den kommenden Jahren hart arbeiten, um für das politische Versagen zu bezahlen.

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Vor einigen Wochen geriet eine Bank, deren Namen die meisten Deutschen kaum kennen, erneut in die Schlagzeilen: Die Bundesregierung beschloss, die Depfa-Bank nicht zu verkaufen, sondern abzuwickeln. Das sei, so die Meinung im Bundesfinanzministerium, billiger für den Steuerzahler (hier). Die Chefin der Depfa-Mutter HRE trat daraufhin aus Protest zurück (hier). Niemand kann sagen, ob die Abwicklung wirklich billiger ist.

In der aktuellen Debatte geriet jedoch die Größenordnung in Vergessenheit, wieviel die Rettung der Bank die Steuerzahler bereits gekostet hat. Es ist der Bundesregierung erfolgreich gelungen, das Thema aus den Schlagzeilen zu halten. Der flüchtige Betrachter hat in Deutschland den Eindruck gewonnen, dass die Banken-Krise einigermaßen glimpflich an den Deutschen vorübergegangen ist.

Doch dieser Eindruck täuscht: Das Depfa-Debakel kostet den deutschen Steuerzahler vermutlich einen hohen einstelligen Milliardenbetrag. Darunter sind zwei Milliarden Euro, die der Bund dem Steuerzahler durch Beteiligung nachrangiger Gläubiger hätte ersparen können, nachdem Irland dazu 2011 über sein neues Bankenabwicklungsrecht die Möglichkeiten geschaffen hatte.

Der Fall der irischen Depfa Bank ist der Schlüssel für eines der größten deutschen Bank-Desaster aller Zeiten. Die Staatskreditbank drehte nach ihrer Auswanderung aus Deutschland 2001 das große Rad mit dem Verpacken von Staatsbonds in Pfandbriefen und ging dabei hohe Zinsrisiken ein. Mit dem Austrocknen der Kreditmärkte mit Beginn der Finanzkrise scheiterte dieses Geschäftsmodell zwangsläufig.

Die 2009 verstaatlichten Hypo Real Estate, der die Depfa seit 2007 gehörte, brachte die Bank durch ihre umfangreichen Griechenlandinvestments zusätzliche hohe Belastungen ein. Neben den Landesbanken und der IKB entstand so das größte Finanzloch des deutschen Teils der Finanzkrise.

Doch man hielt stur am unzureichenden deutschen Bad-Bank-Gesetzes, das nur die Eigentümer der Banken belastet, fest. Mit diesem Gesetz waren bei den Landesbanken sämtliche nachrangige Gläubiger geschont worden, unter ihnen viele öffentliche Einrichtungen und Sparkassen. Vor allem Kommunal- und Landespolitiker sollten per Gesetz nicht zusätzlich in Erklärungsnot gebracht werden.

Durch das starre Festhalten an der einmal beschlossenen Bankenrettungsstrategie wurden also nebenbei auch bei einer Privatbank die Rettungskosten für den Steuerzahler maximiert.

Die Aufarbeitung eines Lehrstücks über die teure Verquickung von Politik und Banken in Deutschland:

Die Deutsche Pfandbriefanstalt geht zurück auf den 1924 in Berlin gegründeten Staatsfinanzierer Preußische Landespfandbriefanstalt, den ersten auf den Massenwohnungsbau zugeschnittenen deutschen Pfandbriefemittenten, der zahlreiche kommunale Großsiedlungen der 20er-Jahre finanzierte. Seit den 1970er-Jahren mit ihrer steigenden öffentlichen Verschuldung entwickelte sich die Bank daneben zu einem der größten Finanzierer des öffentlichen Sektors neben den Landesbanken und der KfW.

War das Modell der 1970er-Jahre noch die direkte Kreditvergabe an Kommunen und Kontrolle ihrer Haushalte, so entwickelte sich die Bank mit der stürmischen Kapitalmarktentwicklung der 1980er-Jahre und der Privatisierung 1991 zu einem faktischen Versicherer von Bonds einer großen Bandbreite öffentlicher Emittenten im In- und Ausland. In diesem Geschäftsmodell wurde etwa ein Single-A-Kreditrisiko über die Refinanzierung durch Depfas AAA-geratete Pfandbriefe deutlich günstiger refinanziert. Die ersparten Zinsen teilten sich der ursprüngliche Emittent und Depfa, die darüber hinaus für Kreditrisiken des öffentlichen Sektors kaum Kapital halten musste. Das hohe Rating der Depfa und ihre niedrigen Refinanzierungskosten waren wiederum ohne die implizite Garantie des deutschen Staates für die Bank beziehungsweise das Pfandbriefsystem kaum denkbar, der damit dieses Geschäftsmodell subventionierte.

Mit dem Maastricht-Konvergenzprozess und Liberalisierungen im Anlagespektrum bereits vor der Euro-Einführung – den Anfang machte 1997 Luxemburg – entstanden hohe Anreize, Kredite oder Bonds südeuropäischer Schuldner, die dort über kein dem Pfandbrief vergleichbares Refinanzierungsinstrument verfügten, in die Deckung aufzunehmen. Damit trugen die Pfandbriefemittenten, ebenso wie andere stark bondfinanzierte Banken wie etwa die Landesbanken, zur starken Verringerung der Zinsdifferenzen innerhalb Europas bei. In der Deckung deutscher Pfandbriefe gibt es bis heute ein hohes Exposure innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums EEA in Form von Krediten an öffentliche Haushalte und deren Bonds keine quantitative oder Ratingbegrenzungen.

Im Unterschied zu den USA, wo hoch geratete Bondversicherer wie MBIA ähnliche Funktionen durch das Einpacken („wraps“) von öffentlichen Bonds niedriger Ratingstufen wahrnahmen, konnte die Depfa als Bank in den 90er-Jahren neben den Gewinnen aus diesem Geschäft auch solche durch fristeninkongruente Refinanzierung erzielen. Dieses Element des Geschäftsmodells war umso profitabler, als der Pfandbrief in den 1990er-Jahren durch die Entwicklung des „Jumbo“-Marktes von Groß-Emissionen – anfangs 500 Millionen DM und rasch ansteigend auf 1 Milliarde Euro – dem Staatskreditmarkt bei institutionellen und vor allem internationalen Investoren ernsthafte Konkurrenz machte, was zu extrem niedrigen Finanzierungskosten führte. Es war jedoch auch der Beginn einer starken Orientierung der Emittenten auf die Erzielung möglichst großer Bondvolumen, die in den faktischen Zusammenbruch des Pfandbriefsystems 2008 mündete.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/09/banken-rettung-merkel-und-steinbrueck-haben-voellig-unnoetig-2-milliarden-euro-verbrannt/

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15.05.2013

Rettungsfonds Soffin Bund verliert mit der Commerzbank 2,5 Milliarden Euro

Seit 2008 gab es bei der Commerzbank einen Kursverlust von 95 Prozent. Sie verkauft Anteile zu Schleuderpreisen. Der Rettungsfonds des Bundes hat eine Beteiligung von 10 Prozent teurer erworben, als die gesamte Bank heute wert ist. Von Hanno Mußler

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Der Staat hat Aktien der Commerzbank mit einem hohen Verlust verkauft und damit seinen Anteil an der Bank kurzfristig auf 10 Prozent gesenkt. Der staatliche Rettungsfonds Soffin verkaufte am Mittwochmorgen gut 89 Millionen Commerzbank-Aktien zum Preis von 7 Euro an institutionelle Investoren außerhalb der Börse. Anschließend stieg der um das Bezugsrecht bereinigte Kurs in der Spitze um 18 Prozent auf 8,20 Euro.

Die 89 Millionen Aktien hatte der Soffin seit November 2008 in mehreren Schritten zum Durchschnittspreis von 34,70 Euro erworben. Der Rettungsfonds realisierte also einen Verlust von rund 2,5 Milliarden Euro. Dabei ist zu beachten, dass die Commerzbank vor kurzem zehn Aktien zu einer zusammengelegt hat. Diese Kapitalherabsetzung ist in den Kursen („mal zehn“) und der Zahl der Aktien rückwirkend berücksichtigt.

Seit seiner Auflegung im Oktober 2008 hat der Soffin in seinen Jahresbilanzen Verluste von 23 Milliarden Euro angehäuft. Für diese Verluste verantwortlich sind auch Abschreibungen auf Commerzbank-Aktien gewesen. Inwiefern die am Mittwoch realisierten Verluste schon vollständig in den Bilanzen des Soffin erfasst sind, beantwortete der Fonds auf Anfrage dieser Zeitung nicht. Der Soffin wird den 625 Millionen Euro großen Erlös aus dem Aktienverkauf von Mittwoch verwenden, um neue Commerzbank-Aktien aus einer Kapitalerhöhung zu beziehen. Die Bedingungen für die Mitte März angekündigte Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro hatte die Commerzbank am Dienstag bekannt gegeben. Demnach können Altaktionäre seit Mittwoch neue Aktien für 4,50 Euro beziehen (F.A.Z. vom 15. Mai).

Die Commerzbank wird mit Hilfe der Kapitalerhöhung dem Soffin Ende Mai 1 Milliarde Euro und damit den verbliebenen Rest der ursprünglich 16,4 Milliarden Euro großen stillen Einlage zurück zahlen. Der Anteil des Soffin am Aktienkapital der Bank sinkt von gut 25 auf 17 Prozent. Der Soffin hat sich zur Aufgabe der Sperrminorität entschlossen, weil die stille Einlage nun nicht mehr vor dem Zugriff eines möglichen Aufkäufers geschützt werden müsse.

Die gesamte Bank ist derzeit 4,5 Milliarden Euro wert

Dagegen lässt sich einwenden, dass ein Aktienpaket von gut 25 Prozent einen besonderen strategischen Wert hat, der sich bei einem weiteren Rückzug des Staates auf einen Schlag womöglich hätte auszahlen können. Doch dem Soffin ist wichtiger, die Kapitalerhöhung durch seine Teilnahme zu stützen und kein neues Geld in die Bank zu stecken. Deshalb verkaufte er vor Beginn der Kapitalerhöhung so viele Aktien, wie nötig, um nun anschließend neue Aktien für 625 Millionen Euro zeichnen zu können. Dann steigt sein Anteil wieder von 10 auf 17 Prozent.

Das Kalkül, die Kapitalerhöhung zu stützen, ging am Mittwoch insofern auf, als die Commerzbank-Aktie einschließlich Bezugsrecht nach der Aktienplazierung durch den Soffin deutliche Kursgewinne verzeichnete. Erstmals wurde der Kurs am Mittwoch ohne Bezugsrecht ausgewiesen, das nun zwei Wochen separat gehandelt wird. Demnach kostete die Commerzbank-Aktie am Mittwoch zum Handelsschluss 7,79 Euro und das Bezugsrecht 3,05 Euro.

Da 21 Bezugsrechte zum Bezug von 20 neuen Aktien berechtigen, ergibt sich ein Wert für eine Commerzbank-Aktie zuzüglich Bezugsrecht von 10,80 Euro. Wer am Dienstag kurz vor Börsenschluss eingestiegen ist, konnte sich über einen Gewinn von 12 Prozent freuen. Vor allem Hedgefonds sollen sich kurzfristig in der Commerzbank-Aktie engagiert haben.

Langfristig betrachtet ist die Commerzbank nicht nur für den Soffin ein Verlustgeschäft, sondern für alle Aktionäre. Die Bank hat wegen vieler notwendiger Kapitalerhöhungen die Zahl der Aktien seit 2007 verzwanzigfacht und seit 2010 verzwölffacht. Damit gingen Kursverluste seit Mai 2008, als Vorstandsvorsitzender Martin Blessing antrat, von 95 Prozent einher. Trotz des Kursgewinns am Mittwoch weist die Commerzbank-Aktie auch in diesem Jahr mit 30 Prozent den höchsten Verlust aller Dax-Werte auf.

Die gesamte Bank ist an der Börse derzeit 4,5 Milliarden Euro wert. Der Soffin hat für sein derzeit 10 Prozent großes Aktienpaket 5,1 Milliarden Euro bezahlt. Jedoch wird er durch die Teilnahme an der Kapitalerhöhung zum Preis von 4,50 Euro je Aktie seinen durchschnittlichen Einstandspreis von 34,70 Euro deutlich senken.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/rettungsfonds-soffin-bund-verliert-mit-der-commerzbank-2-5-milliarden-euro-12184246.html

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06.05.2013

Geheimsache „Bad Banks“ – 600 Milliarden Euro Schrott, der von der Krise übrig blieb

Mehr als eine halbe Billion Euro – das ist eine Zahl mit elf Nullen. So viel „Schrott“ haben große deutsche Banken in den Jahren bis zur Finanzkrise in ihren Bilanzen angehäuft.

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637 Milliarden sind es genau. Jeder achte Euro, den sie in den Büchern haben, sollte dort nicht mehr sein. Die Banken selbst nennen freilich nicht alles Schrott, was sie an riskanten Krediten oder Wertpapieren ganz offiziell abgeschoben haben: in staatliche „Bad Banks“, interne Abbau-Einheiten und andere Park-Positionen, die blumige Namen tragen wie „Value Portfolio“.

Halbfertige Hotels pleite gegangener Investoren in Spanien stecken dort drin, und Schiffe, die nichts zu transportieren haben. Ausrangiert wurden auch verbriefte Hypothekenkredite oder ein Casino in Las Vegas, das die Deutsche Bank inzwischen selbst betreibt und von dem Finanzvorstand Stefan Krause alle drei Monate vorschwärmt, wie gut es laufe. So unterschiedlich die „Bad Banks“ sind – ihr Inhalt gehört nicht mehr zum Kerngeschäft, bindet aber viel Kapital, von dem eine Bank in Zeiten strengerer Regulierung immer mehr braucht.

Das heißt: alles muss raus. Möglichst wertschonend über Fälligkeiten oder über Verkäufe – wenn der Preis stimmt. Doch der schnelle Ausverkauf ist eine Illusion. Es dauert sehr lange, die Bestände abzuschmelzen. Staatsanleihen und Kredite für Infrastrukturprojekte laufen mitunter noch Jahrzehnte. Was irgendwann mit diesem harten Kern unverkäuflicher Wertpapiere passieren soll, weiß niemand. Wer einen Blick hinter die Kulissen der „Bad Banks“ werfen will, wird vertröstet oder gleich ganz abgewiesen. Eine Debatte, die den Steuerzahler aufschreckt, ist im Wahljahr nicht erwünscht. Die unliebsamen Bestände sind geheim. Banker, die daran arbeiten, werden abgeschottet.

Mehr als die Hälfte der „Schrott“-Bestände liegt noch in den eigenen Büchern der Banken, in internen „Bad Banks“ und anderen Abbau-Einheiten, die etwa bei der Commerzbank ein Drittel der Bilanzsumme ausmachen. Allein die Resterampen von Commerzbank und Deutscher Bank umfassten Ende vergangenen Jahres 151 und 97 Milliarden Euro – und waren damit fast so groß wie die beiden staatlichen Bad Banks von Hypo Real Estate (FMSW) und WestLB (EAA) zusammen. „Die internen Abbaueinheiten sind eine direkte Folge von Basel III“, erklärt Banken-Professor Mark Wahrenburg von der Frankfurter Goethe-Universität, der sich gerade eingehend mit Sinn und Unsinn von Bad Banks auseinandersetzt. Je schneller Banken risikobehaftete Papiere loswerden, desto mehr Luft haben sie, um anderes, weniger riskantes Geschäft zu machen. „Und so lange der Kapitalmarkt glaubt, dass die Banken kein tragfähiges Geschäftsmodell haben, wird die Abbauorgie weitergehen“, ist er sicher.

„Wie in jedem guten Supermarkt“

Auch viele andere Institute haben ihr Nicht-Kerngeschäft inzwischen sauber gebündelt. Die von der Schifffahrtskrise schwer gezeichneten HSH Nordbank führt eine „Restructuring Unit“, die Ende 2012 rund 50 Milliarden Euro groß war. Bei der DZ Bank waren es 15 Milliarden Euro, bei der Dekabank gut vier Milliarden – und selbst die HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank (pbb), die eigentlich alle Schrottpapiere in die FMSW geschoben hatte, leistet sich ein kleines Abbau-Segment von 300 Millionen Euro.

Bilanziell bringt das anders als bei einer staatlichen „Bad Bank“ nichts, die Kredite und Wertpapiere müssen trotzdem mit Eigenkapital unterlegt werden. Das Kalkül ist: Eine eigene, darauf spezialisierte Mannschaft kann den Risikoabbau sehr viel fokussierter angehen. Der Rest der Bank widmet sich mit aller Kraft dem Tagesgeschäft. Den Anlegern wird transparent gemacht, was noch Kerngeschäft ist. „Es ist wie in jedem guten Supermarkt. Da finden Sie die Sonderangebote – also das, was dringend raus muss – auch getrennt vom übrigen Sortiment“, sagt ein Investmentbanker, der Institute im Umgang mit Schrottpapieren berät.

Wie zäh der Abbau sein kann, erlebt auch Commerzbanker Claas Ringleben. Er darf in der Mitarbeiterzeitung über den Ausstieg aus der Schiffsfinanzierung erzählen, der vor knapp einem Jahr in der Branche einschlug wie eine Bombe, hatte die Commerzbank die Schiffsbank doch gerade erst übernommen: Mit 19 Milliarden Euro an ausstehenden Krediten ist das Institut einer der größten Finanziers des Sektors. „Ein vollständiger Abbau bis 2016 oder 2017 ist nicht möglich“, sagt Ringleben. Viele Kreditverträge laufen viel länger und lassen sich nicht so schnell auflösen. Andere Banken oder Investoren seien auch nicht gewillt, sie zu übernehmen – oder nur mit erheblichen Preisabschlägen, wie es in der Mitarbeiterzeitung heißt.

Im Moment bringt die Abwicklung der Commerzbank mehr Verlust, als sie damit Kapital einspart. In spätestens zwei Jahren soll sich dieses Verhältnis umkehren. „Wertschonender Abbau“ heißt das Schlagwort, das auch der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin „seinen“ Bad Banks EAA und FMSW ins Stammbuch geschrieben hat. Die WestLB und die Hypo Real Estate hatten die vermeintlich eleganteste Lösung gewählt: alles in eine „Bad Bank“ zu packen, auf die der Staat aufpasst und für die der Steuerzahler bürgt. Die eigene Bilanz ist damit sofort sauber, und die „Good Bank“ kann weiterarbeiten.

Diese staatlichen Müllhalden haben ausreichend Zeit abzuwarten, wann sich toxische Verbriefungen und strukturierte Kredite am besten verkaufen lassen, die mit Ausbruch der Finanzkrise schlagartig an Wert verloren haben. Denn FMSW und EAA müssen nicht nach internationalen Standards (IFRS) zu Marktwerten bilanzieren, sie gelten nicht als Kreditinstitute. Das Handelsgesetzbuch (HGB) ist toleranter, was die Wertansätze betrifft. Und der Bund verschafft seinen Bad Banks die billigste Refinanzierung, die es gibt.

„Bore Out“ statt Burn Out

Das macht allerdings bequem. „Die deutschen Bad Banks haben zu geringe Anreize für einen betriebswirtschaftlich optimalen Abbau ihrer Bestände. Sie sagen ganz offen, dass es sie auch in 20 Jahren noch geben wird“, sagt Professor Wahrenburg. „Ich finde den Bürokratieaufwand und die langsame Geschwindigkeit, mit der die Bad Banks arbeiten, sehr bedenklich.“ Auch Andreas Steck, der als Bankenexperte bei der Anwaltskanzlei Linklaters Einblick in EAA und FMSW hat, ist skeptisch: „Ich gehe davon aus, dass der Abbau der Portfolios einen sehr langen Zeitraum in Anspruch nimmt. 20 Jahre und länger wären keine Überraschung.“

In den USA wurde die Bad Bank mit den toxischen Wertpapieren der zwangsfusionierten Investmentbanken Bear Stearns und Merrill Lynch nach vier Jahren, im Sommer 2012, abgewickelt – pünktlich vier Monate vor der Präsidentenwahl. Dort waren die alten Banker nach Hause geschickt und der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock als Reste-Verwerter angeheuert worden. Er hatte freilich Glück, dass sich der Immobilienmarkt – auch durch die Niedrigzinspolitik der Notenbank Fed – so schnell erholte.

In Deutschland gibt es keinen Langzeitplan, stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung: Die HRE-Bad-Bank FMSW übernimmt im Herbst auf Drängen der EU-Kommission die technische Abwicklung der Portfolios von der HRE-Nachfolgerin pbb und trägt sich mit dem Gedanken, diese Sparte – mit dann 390 Mitarbeitern – bis Ende 2014 zu privatisieren. Dann könnte ein privater Investor den Reste-Abbau zu Ende führen.

Auch die Düsseldorfer Portigon als Abwickler der WestLB will sich als Abbau-Spezialist profilieren. Portigon hatte sich um den Auftrag in München beworben – vergeblich. Das Misstrauen ist groß: „Das sind ja alles die Asset Manager von der WestLB – die haben in den letzten Jahren nicht gerade unter Beweis gestellt, dass sie es können“, moniert ein Brancheninsider. Nun langweilt sich ein Teil der rund 2600 Portigon-Mitarbeiter – Banker, die keine Banker mehr sein dürfen. Der Betriebsrat habe sich intern über ein „Bore-Out“-Syndrom in der Belegschaft beklagt – das Gegenteil von „Burn Out“, berichtet ein Insider. Der Stellenabbau läuft.

Mit kleinen Tricks zum Gewinn?

Dass FMSW und EAA für 2012 jeweils einen kleinen Gewinn ausgewiesen haben, hält Wahrenburg für einen Versuch, Negativ-Schlagzeilen vor der Bundestagswahl zu vermeiden. „Sie neigen dazu, die Realisierung von Verlusten in die Zukunft zu verschieben, wenn es entsprechende politische Vorgaben gibt.“ Die EAA habe ein Wertpapierportfolio einfach um eine halbe Milliarde Euro höher bewertet – nicht weil sich sein Marktwert erhöhte, sondern weil eine Ratingagentur ihr Bewertungsverfahren änderte. Auch ein Banker beklagt: „Das ist die typisch deutsche Kultur: Ich sitze das Problem – und die Verluste – erst einmal aus.“

Wie stark der Steuerzahler belastet wird, ist so erst nach Jahrzehnten klar. Abgerechnet wird zum Schluss. Bislang sind bei der EAA rund 2,5 Milliarden Euro Verlust aufgelaufen, bei der FMSW sogar 13 Milliarden – den Schuldenschnitt für Griechenland eingerechnet. Wahrenburg fordert mehr Tempo bei den Aufräumarbeiten: „Die Bad Banks müssten härter durchgreifen. Ich würde mir wünschen, dass der Staat wesentliche Anteile an den Abwicklungsanstalten an Private-Equity-Firmen verkaufen würde. Es gibt genügend Beteiligungsgesellschaften, die sich auf solche Fälle spezialisiert haben.“

Mit dieser Idee kann sich auch Christian Bluhm anfreunden, der Vorstandssprecher der FMSW. In sechs bis acht Jahren soll die HRE-Bad-Bank nach seiner Vorstellung mit dem Gröbsten durch sein. „Was danach noch übrig ist, wollen wir so geordnet im Buch liegen haben, dass auch ein anderer damit arbeiten könnte“, sagt er. „Die FMSW ist ein großes Projekt und keine Dauereinrichtung.“ Als die FMSW 2010 an den Start ging, war ihr Portfolio noch mehr als 175 Milliarden Euro schwer. Ende 2012 waren davon 137 Milliarden übrig. Noch heute wundert man sich in der Bad Bank, was für Geschäfte das alte HRE-Management in den Boomzeiten gewagt hat – und mit welchen Laufzeiten und Sicherheiten. Bluhm traut seinen Leuten zu, jedes Jahr elf Milliarden abzutragen, davon zwei Milliarden über Verkäufe. „Im Moment ist da sogar etwas mehr Dynamik drin.“

Käufer gesucht

Immobilienkredite in stabilen Märkten, bei denen Zins und Tilgung bedient werden, lassen sich gerade gut verkaufen. Das hat die Deutsche Bank unlängst mit dem Verkauf eines milliardenschweren US-Hypothekenportfolios an die japanische Bank Mitsubishi UFJ bewiesen. Die Commerzbank tüftelt an einem ähnlich großen Deal in Großbritannien. Danach sollen Finanzkreisen zufolge Reste des Immobiliengeschäfts in Frankreich folgen.

Selbst für notleidende Immobilienkredite – vor allem in Deutschland – gebe es inzwischen wieder mehr Interessenten, zog die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in einer Studie Bilanz. Und auch für die lange geschmähten Verbriefungen steigt die Zahl der Abnehmer, wie Banker berichten. Seit die Notenbanken den Markt mit Geld fluten und die Zinsen niedrig halten, sind Profi-Investoren verzweifelt auf der Suche nach Rendite. „Hedgefonds, Finanzinvestoren und große Kapitalsammelstellen wie Pensionsfonds wissen nicht, wohin mit dem Geld. Und die großen US-Banken schauen sich in Europa ebenfalls nach Schnäppchen um“, berichtet ein Branchenkenner.

Doch müssen sich die Kreditgeber durchringen, Verluste in Kauf zu nehmen: „Die Käufer der Portfolios von EAA oder FMSW rufen auch heute noch Renditeerwartungen im hohen einstelligen Bereich auf“, sagt ein Insider. Ihr Gewinn liegt im Einkauf, aber sie nehmen nicht alles. „Gerade die Finanzierung sehr langlaufender Assets ist ein großes Problem“, berichtet Willi Hemetsberger, Manager des Hedgefonds Ithuba Capital, der 400 Millionen Euro verwaltet und Banken und Versicherer bei der Verwertung ihrer Abbau-Portfolios berät. Und für die Banken gilt: Nur wenn die Bilanz wirklich entlastet wird, sind die Geldhäuser gewillt, Portfolios zu verkaufen. Andernfalls wären die Schmerzen zu groß.

In Einzelfällen werden Kredite deshalb auch zu besseren Konditionen verlängert – nämlich dann, wenn komplexe Rechenmodelle zu dem Schluss kommen, dass der Steuerzahler damit am wenigsten Geld verliert. „Portfolio-Workout“, heißt das im Banker-Deutsch. Doch die staatlichen Abwicklungsanstalten müssen aufpassen. Denn ob sie Kredite verlängern dürfen, muss für jeden einzelnen Fall geprüft werden. Übertreiben sie es, könnte die EU sie dazu zwingen, eine Banklizenz zu beantragen und sich der Aufsicht durch die BaFin zu unterwerfen, warnt Anwalt Steck. „Ihre Aktivitäten müssen jederzeit dem Abwicklungszweck dienen.“

Motivation auf der Intensivstation

Diese strengen Regeln sind ein Grund, weshalb sich außer einem staatlichen (WestLB) und einem verstaatlichten Institut (HRE) keine Bank in Deutschland dazu durchgerungen hat, ihren „Schrott“ dem Staat vor die Füße zu kippen. Dabei hatte die Bundesregierung erst im Herbst den Bankenrettungsfonds SoFFin bis Ende 2014 verlängert. Einzige Bedingung: Die Bank-Aktionäre müssen künftig selbst für Verluste geradestehen – nicht mehr der Steuerzahler.

Ordnungspolitisch hat Deutschland seine Bad Banks so sauber aufgestellt wie kaum ein anderes Land. Doch praxistauglich ist das nicht: „Wenn die Commerzbank ihre Bestände in eine externe Bad Bank eingebracht hätte, hätte sie 20 Jahre lang nachhaften müssen. Das war aus Aktionärssicht unattraktiv“, so Wahrenburg. „Das Restrukturierungsgesetz funktioniert nicht. Wenn die WestLB nach diesem Modell abgewickelt worden wäre, wären in Nordrhein-Westfalen reihenweise Sparkassen Pleite gegangen.“ Ein Kapitalmarktexperte berichtet: „Es ist klar, warum sich Banken im Zweifelsfall dafür entscheiden, lieber interne Abbau-Einheiten einzurichten als externe Bad Banks: Erstens redet der SoFFin nicht rein, zweitens ist die Botschaft an den Markt nicht so verheerend, und drittens gibt es kein Beihilfeverfahren in Brüssel.“

Die internen Bad Banks haben mehr Freiheit. Banker dürfen hier wie Banker agieren – nur Neugeschäft ist tabu. „Intensive Care“ heißt bei der Commerzbank die Abteilung, in der die Abbau-Profis sitzen, „Intensivstation“. Sie haben ihre Erfolgserlebnisse, wenn sie das Risiko aus der Finanzierung von neun Riesen-Frachtern um 100 Millionen drücken können, ohne das Geld abschreiben zu müssen.

Doch die Banker wissen: Mit jedem Fall, den sie lösen, rückt ihr Abschied näher. Jeder dritte Mitarbeiter der internen Bad Bank der Commerzbank muss in den nächsten drei Jahren gehen. Viele Flure in der Zentrale des einstmals größten deutschen Immobilienfinanzierers Eurohypo in Eschborn bei Frankfurt sind schon verwaist, das rote Logo auf dem Dach ist abmontiert. Wie motiviert man Mitarbeiter, die sich selbst abschaffen sollen? Mit einer schnellen Karriere zum Beispiel – schneller als etwa in einer Filiale. „Auch in einem Restrukturierungssegment gibt es Chancen für eine persönliche und fachliche Weiterentwicklung“, wirbt Commerzbank-Managerin Katrin Stark zum Bleiben.

Den Spiess umgedreht

Und wenn die nächste Finanzkrise kommt? Die Politik hat den Spieß umgedreht, um die Steuerzahler nicht mehr auf Kosten der Banken und ihrer Eigentümer bluten zu lassen. Künftig soll der „gute“ Teil einer Bank ausgegliedert werden, wenn sie vor die Wand fährt. Die Aktionäre bleiben auf der „Bad Bank“ sitzen, die möglichst schnell abgebaut werden soll – auch mit Hilfe des aus der Bankenabgabe gespeisten Bankenrettungsfonds. Doch Experten sind skeptisch, was den Praxistest angeht. „Ob sich große Banken tatsächlich abwickeln lassen, wird sich erst im Krisenfall zeigen“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB.

http://www.format.at/articles/1319/935/357864/geheimsache-bad-banks-600-milliarden-euro-schrott-krise

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03.05.2013

Deutsche „Bad Banks“: Die dicke Rechnung kommt zum Schluss

Die beiden großen „Bad Banks“ in Deutschland haben 2012 Gewinne gemacht. In den nächsten Jahren könnte die Lage wieder deutlich schwieriger werden, weitere Milliardenverluste sind nicht ausgeschlossen.

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Nach der Abwicklungsanstalt der deutschen WestLB meldete Ende April auch die Bad Bank der verstaatlichten deutschen Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) schwarze Zahlen für 2012. Entwarnung gibt es nicht. In den Büchern schlummern immer noch Milliardenrisiken, die den Steuerzahlern am Ende um die Ohren fliegen könnten.

„Die Gefahren sind erheblich“, sagt der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Allein aus der Krise in Italien drohen horrende Verluste. Aufgabe der Abwicklungsanstalten ist es, den Giftmüll zu Geld zu machen, der ihnen nach der Finanzkrise von den Banken hinterlassen wurde. Dabei sollen sie die Verluste so gering wie möglich halten. „Aber sie werden natürlich zuerst das los, was sich leicht verkauft“, sagt Burghof. Für die besonders riskanten Kredite oder Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren wird sich aber womöglich nie ein Käufer finden: Die dicke Rechnung kommt zum Schluss – denn ein Finanzmüll-Endlager wird es nicht geben.

Bei der Bad Bank der Hypo Real Estate – „FMS Wertmanagement“ – werden 44 Prozent aller Papiere und Kredite erst nach dem Jahr 2030 fällig, einige laufen aber auch noch viel länger. Bis dahin soll die Bad Bank selber aber längst nicht mehr existieren. Vorstandschef Christian Bluhm und seine Kollegen müssten die Papiere deshalb früher los werden, Notverkäufe (Firesales) aber vermeiden. „Wir müssen entscheiden, welchen Abschlag nehmen wir in Kauf, um dafür in 30 Jahren kein Risiko mehr zu haben.“

2012 gelang das gut: Nach Milliardenverlusten in den Vorjahren verbuchte die Abwicklungsanstalt 37 Mio. Euro Gewinn. 17 Millionen davon werden an den deutschen Bankenrettungsfonds Soffin überwiesen. Gewöhnen sollte sich der deutsche Bund aber lieber nicht an diese Überweisungen: Besser als 2012 wird es in den kommenden Jahren kaum werden, machte Bluhm klar. Vor allem mit den Zinserträgen gehe es nach einem kräftigen Plus 2012 wieder bergab. „Da haben wir den Zenit erreicht.“

Altlasten im Wert von mehr als 170 Milliarden Euro

Insgesamt hat die deutsche HRE nach der Notverstaatlichung Altlasten im Wert von mehr als 170 Mrd. Euro in die FMS Wertmanagement abgeladen, davon sind immer noch mehr als 130 Mrd. Euro übrig. Darunter: Kaum verkäufliche Großfinanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen oder Tunnel. Das größte Risiko in der Bilanz ist Italien, allein dort ist die Abwicklungsanstalt mit 30 Mrd. Euro engagiert. Aufgabe der Bad Bank ist es, das Portfolio möglichst ohne Verluste wieder auf den Markt zu bringen. Ursprünglich sollte die FMS dafür bis zum Jahr 2020 Zeit haben. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist aber unklar.

Seine Prognosen versieht Bluhm deshalb immer mit vielen Fragezeichen. Ohne „Sonderbelastungen“ sei auch 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis möglich, sagte er. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland – und kostete die Abwicklungsanstalt fast 9 Mrd. Euro. Für diesen Verlust musste der deutsche Bund und somit der Steuerzahler aufkommen – und müsste das auch bei allen zukünftigen Sonderbelastungen.

Die Abschreibungen nach dem Griechenland-Haircut hatten auch bei der ersten staatlichen österreichischen Bad Bank KA Finanz im vorigen Frühjahr neue Staatshilfe nötig gemacht.

Die deutsche HRE (Good Bank) arbeitet seit der Auslagerung ihrer Altlasten wieder profitabel und soll bis zum Jahr 2015 wieder privatisiert werden.

Ziel: Bis 2027 das WestLB-Erbe loswerden

Als „Bad Bank“ der einst größten deutschen Landesbank wickelt die „EAA“ milliardenschwere Risikopapiere der früheren WestLB ab. Die „Erste Abwicklungsgesellschaft“ will bis 2027 das WestLB-Erbe los haben. Sie war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Risikopapiere der 2012 zerschlagenen WestLB – der heutigen „Portigon AG“ – wie Risiko-Kredite oder problematische Staatsanleihen zu verwerten.

Schon bis 2016 soll der Berg halbiert werden. Die Gesellschaft hat nach zwei herben Verlustjahren 2012 einen Minigewinn von 6,6 Mio. Euro erzielt. Die Risikovorsorge für faule Kredite konnte dank guter Konjunktur in den USA und Europa um rund 172 Mio. Euro verringert werden. In den ersten beiden Jahren 2010 und 2011 waren Verluste von 2,5 Mrd. Euro aufgelaufen.

„Wir haben Rückenwind“, sagt Vorstand Markus Bolder. Die Abwicklung komme schneller als geplant voran. Seit ihrer Gründung vor gut drei Jahren hat die Bad Bank in mehreren „Paketen“ WestLB-Aktivitäten in einer Größenordnung von insgesamt rund 200 Mrd. Euro übernommen. Abgewickelt wurden bereits Kredite und Wertpapiere in über 68 Mrd. Euro bis Ende März 2013.

Die besonders giftigen WestLB-Papiere, die die einstmals größte deutsche Landesbank bereits 2008 in die Zweckgesellschaft „Phoenix“ auslagerte, sind mit Garantien von 5 Mrd. Euro durch das deutsche Bundesland NRW und die Sparkassen abgesichert. Davon wurden bisher 1,3 Mrd. Euro in Anspruch genommen.

http://www.format.at/articles/1318/931/357779/deutsche-bad-banks-die-rechnung-schluss

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27.04.2013

WestLB: In Düsseldorf tickt eine 1,5 Billionen Euro Derivaten-Bombe

Die Nachfolge-Bank der WestLB verwaltet ein mysteriöses Derivate-Portfolio. Nennwert: 1,5 Billionen Euro. Wem die Papiere gehören, sagt die Bank nicht. Der deutsche Steuerzahler sollte sich jedoch auf einen lauten Knall in Düsseldorf einstellen.

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Die Nachfolgebank der WestLB, in deren Aufsichtsrat der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sein segensreiches Wirken entfaltete, ist eine Geisterbank (mehr zu diesem abenteuerlichen Phänomen – hier).

Das merkwürdige Unternehmen mit dem Namen Portigon sorgt weiter für Unruhe – vor allem für das Land Nordrhein-Westfalen. Denn die Bilanz ist im vergangenen Jahr sehr schlecht ausgefallen. Etwa eine Milliarde Euro hat die WestLB-Nachfolgerin bereits verbrannt. Dem Geschäftsbericht zufolge kostete allein der Verwaltungsaufwand Portigon 926,7 Millionen Euro. Über 425 Millionen Euro wurde für das Personal aufgewendet. Für das kommende Jahr sieht Portigon ebenfalls kein Verbesserung: „Unter dem Strich erwartet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2013 einen Verlust in Höhe von rund 1 Milliarde Euro“.

Noch immer gibt es bei Portigon nach eigenen Angaben 2.559 Vollzeitbeschäftigte. Eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass die einzigen zwei Kunden des Unternehmens die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die EAA (Erste Abwicklungsanstalt – das ist die Bad Bank der WestLB, in der die Schrottpapiere geparkt wurden) sind. Zumal sowohl die Helaba als auch die EAA wie Portigon mit der Zerschlagung der WestLB im Zusammenhang stehen. Die Helaba erhielt das Geschäft mit den öffentlichen Kunden und den Mittelstandskunden der WestLB und die EAA übernahm die Portfolios der WestLB.

Portigon preist seine Expertise offensiv an. Auf der Webseite des Unternehmens wird damit geworben, dass Portigon das „aktive Managment großer komplexer Portfolios“ übernehme: Wertpapiere und Kredite im Umfang von 120 Milliarden Euro. Außerdem gehört auch die Abwicklung von Kredit- und Zinsderivaten mit „einem Nennwert von etwa 1,5 Billionen Euro“ zum Portfolio. „Alle Portfoliorisiken liegen beim Auftraggeber“, sagte Walter Hillebrand-Droste von Protigon den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Im Klartext: Das Kapitel der WestLB ist noch lange nicht geschlossen. Denn selbst wenn die 1,5 Billionen Euro nur verwaltet werden, muss man sich fragen: Was sind das für Produkte? Wer sind die Auftraggeber? Sind es die anderen Landesbanken? Sind dies die Assets aus der Bad Bank EAA, die aus der WestLB hervorgegangen ist? Was muss der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) noch erwarten? Welches Risiko lauert hier für den deutschen Steuerzahler?

Der Ökonom Stefan Homburg kann bei dieser Darstellung nur den Kopf schütteln. Homburg sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Wenn eine Schrottbank von “Expertise” spricht, hat das natürlich etwas. Ich würde mein Vermögen dort nicht betreuen lassen. Andere scheinen ebenfalls so zu denken, denn nach allem, was man hört, tut sich Portigon mit dem Kundenschwang schwer.“

Portgon will aber neben der Helaba und der EAA weitere Kunden finden. „Viele Banken müssen Bilanzsummern und Risikoaktiva verringern“, so Droste. „Daraus ergeben sich wiederum Geschäftschancen für Portigon.“ Sollte das Unternehmen weitere Kunden finden, muss eine Tochtergesellschaft für das „Servicegeschäft“ gegründet und bis Ende 2016 verkauft werden, entschied die EU-Kommission Ende 2011.

Die Neugründung von Unternehmen aus einem gescheiterten Unternehmen hält Homburg für geradezu absurd: „Wenn man bedenkt, was solcherlei M&A kostet und dass alles effektiv vom Steuerzahler getragen wird, kann einem übel werden. Besser wäre es gewesen, man hätte die WestLB soweit im Rahmen der nachlaufenden Gewährträgerhaftung möglich in Insolvenz gehen lassen.“

Solche Geschäfte müssen aber eben nicht sinnlos sein: Denn sie bieten große Chancen für andere Experten wie Goldman Sachs, Deutsche Bank, Morgan Mappus Stanley und all die anderen tüchtigen Investment-Banken.

Und die haben ja Erfahrung, wie man aus Schrott Gold macht – siehe US-Subprime-Markt.

Der deutsche Steuerzahler kann also beruhigt sein: Bevor die 1,5 Billionen Euro Derivaten-Bombe bei der Portigon in die Luft fliegen, werden einige damit noch gutes Geld verdient haben.

Das nennt man Wertschöpfung in der Finanz-Industrie. 

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/27/westlb-in-duesseldorf-tickt-eine-15-billionen-euro-derivaten-bombe

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