DAS sind syrische Rebellen / Opposition – eine Chronik

18.12.2016

Wer in Syrien wirklich kämpft: Die schwarze Liste der Schande des Westens

Der Westen beklagt mit großem Pathos den Fall von Aleppo. Was die EU und die Bundesregierung nicht sagen: In Aleppo wie in Syrien kämpfen vor allem Söldner-Trupps, die vom Westen und seinen Verbündeten finanziert werden. Ohne sie hätte es in Syrien keinen Krieg gegeben.

————————————————————————————

In der deutschen Öffentlichkeit wird oft nicht klar, wer in Syrien gegen wen kämpft. Klar scheint nur eine Seite zu sein: Eine Allianz aus Russland, Syrien, dem Iran und der islamistischen Hisbollah. Doch gegen wen kämpft diese Allianz eigentlich? Die Bezeichnung der Gegner des gewählten Präsidenten Baschar al-Assad reicht von „Rebellen“ über „Aufständische“ bis hin zu „Opposition“. Nun gibt es zwar im syrischen Parlament sogar eine Oppositionspartei, sie hat sogar ein Ministerium inne (das für die nationale Versöhnung). Doch die kämpfenden „Rebellen“ werden fast ausschließlich von ausländischen Regierungen und Geheimdiensten unterstützt.

In der folgenden Aufstellung beziehen wir uns fast ausschließlich auf westliche Quellen – womit klar wird, dass der Einsatz der Söldner in den internationalen Medien bekannt ist.

Die Liste ist eine Liste der Schande: Westliche Geheimdienste und Regierungen finanzieren in Syrien mit Steuergeldern einen Krieg, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Der Grund sind energiepolitische Interessen. Das gilt für den Westen genauso wie für Russland und den Iran.

Die russische Armee ist Assad zu Hilfe gekommen. Sie hat dies im Einklang mit dem Völkerrecht gemacht – auch wenn Krieg immer grauenvoll ist und auch Russland nicht vermeiden konnte, dass Zivilisten zu Schaden kommen. Die hier angeführten Söldner und ihre Unterstützer handeln alle gegen das Völkerrecht.

Southern Front:

Aktiv in Daraa und Quneitra, berichtet Al Jazeera.

Die Gruppe wird vom Militärischen Operations Zentrum (MOC) in Amman, welches den USA untersteht, finanziert und dirigiert, berichtet die Heinrich-Böll-Stiftung.

Die BBC berichtet, dass es sich bei der Southern Front um einen Zusammenschluss diverser Gruppen mit einer Kämpferstärke von 38.000 handelt, die von der CIA unterstützt wird.

Von westlichen Vertretern wird sie als die am besten organisierte „Rebellengruppe“ umschrieben, so Reuters.

Die Southern Front wird vom ehemaligen syrischen General Baschar al-Zoubi angeführt. Al-Zoubi ist ein reicher Geschäftsmann, der sein Geld vor allem im Tourismus-Sektor verdient hat. Zudem ist er Mitglied im Al-Zoubi-Clan, so das Magazin NOW.

Al-Rahman-Legion und Dschaisch al-Islam:

Aktiv in Ost-Ghouta, im Umland von Damaskus und in Ost-Qalamoun, berichtet Asharq al-Awsat.

Die Gruppe operiert durchgehend gemeinsam mit der salafistischen Söldner-Truppe Dschaisch al-Islam. Die Al-Rahman Legion und Dschaisch al-Islam wurde von Saudi-Arabien ausgehoben und finanziert. Riad nutzt die Gruppe als Dachverband, um weitere Söldnertruppen in Syrien zu finanzieren. „Koordinationstreffen“ hatte es in der Vergangenheit zwischen dem ehemaligen saudischen Geheimdienstchef Bandar, dem US-Botschafter in Syrien, Robert Ford, und dem Außenminister von Katar, Khaled al-Attiyeh gegeben. Die geheimen Treffen zwischen Vertretern aus Saudi-Arabien. Den USA und Katar fanden auf dem türkischen Territorium statt, berichtet der Guardian.

Die Anzahl der Kämpfer beträgt zwischen 40.000 und 70.000 Mann, berichtet die Stanford University. Der Sprecher von Dschaisch al-Islam, Mohammed Allusch, nahm al Söldner-Vertreter an den Genfer Friedensgesprächen teil, die von Allusch einseitig abgerochen wurden, berichtet Al Jazeera.

Der Gründer von Dschaisch al-Islam, Zahran Allusch, kam bei einem russischen Luftschlag ums Leben, berichtet der Guardian. Der aktuelle militärische Führer der Gruppe ist Essam al-Buwaydhani. Über al-Buwaydhani gibt es keine gesicherten Angaben.

Die Levante Front (Dschabat al-Schamiyah):

Aktiv im Norden von Syrien/Provinz Aleppo.

Die Gruppe wird sowohl von westlichen Staaten als auch von Saudi-Arabien unterstützt, berichtet Reuters. Sie hatte im Verlauf des Syrien-Kriegs US-Panzerabwehrwaffen erhalten.

Die Anzahl der Kämpfer der Gruppe liegt nach Angaben vom Medium.com bei etwa 7.000.

Der Oberkommandierende der Levante Front ist Abdelaziz Salamah. Salamah ist nach Informationen des Carnegie Middle East Centers ein „Söldner“ aus der syrischen Stadt Anadan, der zuvor andere Söldnertruppen angeführt hatte.

Nura al-Din al-Zinki:

a) Die Söldner-Truppe Nura al-Din al-Zinki ist in der Provinz Aleppo aktiv – insbesondere in den nordwestlichen Vororten der Stadt Aleppo, berichtet der Militant Leadership Monitor der Jamestown Foundation.

Die Gruppe wird finanziell und mit Waffen von den USA ausgestattet. Das Militärische Operations Zentrum (MOC) der USA spielt hier eine Schlüsselrolle, wobei die CIA den Einsatz von Geld und Material kontrollieren soll. Die Gruppe soll auch US-Panzerabwehrwaffen von der CIA und Saudi-Arabien erhalten haben, berichten der Guardian und NOW.

Nach Angaben von Medium.com soll die Gruppe über etwa 3.000 Kämpfer verfügen.

Der Oberkommandierende der Gruppe ist Scheich Tawfik Schahabuddin, so das Carnegie Middle East Center.

Mountain Hawks Brigade:

a) Die Mountain Hawks Brigade ist in der Provinz Idlib, im Nordwesten Syriens, aktiv.

b) Die Gruppe wird von den der CIA finanziell unterstützt und mit Waffen ausgestattet. Koordiniert werden ihre Aktionen vom Militärischen Operations Zentrum in der Türkei, die von westlichen und arabischen Geheimdienstmitarbeitern geführt wird, berichtet Radio Free Europe/Radio Liberty.

Die Gruppe hat einer Kämpferstärke von 1.000 Personen, so das Magazin Medium.com.

Der Oberkommandierende der Söldner-Truppe ist Hassan Haj Ali, ein ehemaliger Hauptmann der syrischen Armee. Trainiert werden die Kämpfer der Gruppe in Katar und Saudi-Arabien, so Radio Free Liberty/Radio Europe.

Die Mountain Hawks Brigade hat bisher gemeinsam mit der Al-Nusra-Front und Ahrar al-Scham gegen die syrische Armee gekämpft.

Die 13. Division:

Die 13. Division ist vor allem in der Provinz Idlib aktiv, berichtet der Business Insider.

Sie wird von Katar und Saudi-Arabien finanziert, berichtet Al Jazeera.

Nach Informationen der New York Times soll die CIA die Gruppe mit US-Panzerabwehrwaffen ausgestattet haben. Sie verfügt über ine Kampfstärke von 1.800 Personen, so Medium.com.

Oberkommandierender der Gruppe ist Oberstleutnant Ahmed al-Saud, berichtet die BBC. Al-Saud desertierte im Jahr 2012 aus der syrischen Armee und hatte zuvor 20 Jahre lang gedient, so Al Jazeera.

Dschaisch al-Nasr:

Die Gruppe Dschaisch al-Nasr ist in der Provinz Hama und Idlib aktiv.

Nach Angaben des Middle East Eye wird Dschaisch al-Nasr von der CIA bewaffnet und unterstützt.

Oberkommandierender der Gruppe ist Major Mohamed al-Mansour, berichtet RFS North. Al-Mansour ist ein Deserteur der syrischen Armee.

Dschaisch al-Nasr hat 3.000 Kämpfer. Die Gruppe wird vom Westen unterstützt und schoss in März 2016 einen syrischen Kampfjet mit einer Luftabwehrwaffe ab, berichtet die L.A. Times.

Northern Division:

Die Northern Division ist in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo aktiv.

Die Northern Division gehört zu den Söldner-Truppen, die von der CIA bewaffnet und unterstützt werden. Die CIA hatte die Gruppe unter anderem mit Panzerabwehrwaffen beliefert, berichtet The Daily Mail.

Oberkommandierender der Söldner-Truppe ist Oberstleutnant Fares al-Bayousch, der zuvor in der syrischen Armee gedient hatte und als Flugzeugingenieur tätig war, berichtet die Jamestown Foundation.

Die Gruppe hat eine Kampfstärke von 3.250 Personen, so das Magazin Medium.com.

First Coastal Division:

Die First Coastal Division ist in den Provinzen Idlib und Latakia aktiv.

Die Gruppe gehört ebenfalls zu den von der CIA unterstützten Söldner-Truppen, berichtet das Wall Street Journal. Sie hatte zuvor US-Panzerabwehrwaffen erhalten, so Stratfor. Oberkommandierender der First Coastal Division ist Generalmajor Muhammad Haj Ali.

Haj Ali ist der hochrangigste Deserteur der syrischen Armee, der sich den Söldner-Truppen angeschlossen hat. Er hat an der Nasser-Akademie in Ägypten promoviert, berichtet Al Araby.

Die First Coastal Division verfügt über schätzungsweise 2.800 Kämpfer, so Medium.com.

The Sham Legion/Faylaq al-Sham:

Die Sham Legion ist in Homs, Hama, Idlib und Aleppo aktiv.

Die Sham Legion wird von den USA unterstützt, berichtet das russische Militärportal South Front.

Allerdings nahmen sie auch an der Operation Euphrats Shield teil, was dazu führte dass die von den USA unterstützten Kurden-Milizen die Gruppe im Norden Syriens angriffen. Die Söldner-Gruppe beschäftigt sich aktuell mit den Kurden-Milizen im Norden Syriens, berichtet die New York Times. Zuvor hatte sie fast ausschließlich gegen die syrische Armee gekämpft.

Die Gruppe verfügt über 4.000 Kämpfer, berichtet Medium.com.

Chef der Gruppe ist Mondher Saras, berichtet Carnegie. Über Saras gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen.

Ahrar al-Scham:

Die Söldner-Truppe Ahrar al-Scham ist vor allem in der Provinz Idlib aktiv.

Sie gehört zu den Söldner-Gruppen, die von der CIA unterstützt werden, berichtet The International Reporter. Nach Informationen des russischen Staatssenders Sputnik News soll auch Saudi-Arabien die Gruppe finanziell unterstützen. Al-Masdar News umschreibt die Gruppe als eine vom „Westen“ unterstützte Gruppe.

Ihr aktueller Kommandeur ist Abu Yahya al-Hamawi, ein Ingenieur aus Hama, der an der Tishreen Universität studiert hatte, berichtet Joshua Landis auf seiner Webseite. Allerdings soll Abu Ammar al-Ommar die Führung von Ahrar al-Scham übernehmen, berichtet AP. Al-Omar gilt als Hardliner, der eine Feuerpause mit der syrischen Armee ablehnt, berichtet Alalam.

Ahrar al-Scham hat eine Kämpferstärke von 15.000 Personen, so Medium.com.

Al-Nusra-Front (Fatah al-Scham):

Die Al-Nusra-Front ist hauptsächlich in den Provinzen Idlib und Deir-Ezzor aktiv.

Nach Recherchen des britischen Journalisten Peter Oborne unterstützen die USA und Großbritannien die Al-Nusra-Front – ein syrischer Al-Qaida-Ableger – und zahlreiche andere Söldner-Truppen in Syrien. Das geht aus der Dokumentation „The Report“ des BBC Radio hervor. Die USA und die Al-Nusra-Front seien auf derselben Seite, wenn es um die Bekämpfung von Präsident Baschar al-Assad geht.

Der aktuelle Oberkommandeur der Al-Nusra-Front ist Abu Mohammed al-Julani, so die BBC. Al-Julani ist gebürtiger Syrer. Er hatte sich zuvor im Irak Al-Qaida angeschlossen und war Inhaftierter im Camp Bucca, berichtet Orient News.

Die Al-Nusra-Front hat 12.000 Kämpfer berichtet Medium.com

Spezialfall MI6 im Syrien-Krieg:

Nach dem Sturz Gaddafis richteten der MI6 und die CIA eine „Rat Line“ von Libyen nach Syrien ein. Es wurden Waffen und Kämpfer nach Syrien verschoben, um Assad zu stürzen.

Briten und Franzosen trainierten Rebellen der Freien Syrischen Armee und waren auf einem türkischen Stützpunkt stationiert. Die Rebellen sollen unter anderem im Nordlibanon und in Teilen von Libyen stattgefunden haben, berichtet die Militärwebseite UK Elite & Special Forces.

Die Asia Times berichtet, dass der MI6 und der französische DGSE die Rebellen in der türkischen Region Hatay und im libyschen Tripoli trainiert haben soll.

Hinzu kommt, dass der MI6 gemeinsam mit dem CIA und französischen Ausbildern, Rebellen gegen Syrien in Jordanien trainiert und bewaffnet, so der Guardian.

Martyrs of Islam Brigade/ Liwa’ Shuhada al-Islam:

Diese Gruppe ist in den Vororten von Damaskus/Daraya aktiv. Sie ist die größte Söldner-Truppe in Daraya, berichtet Orient News.

Zwischen 2012 und 2016 hatte die Gruppe US-Panzerabwehrwaffen von der CIA erhalten, berichtet die Webseite Democratic Revolution, Syrian Style. Die Nutzung von US-Panzerabwehrwaffen geht auch aus Videos der Truppe hervor.

Der militärische Führer der Söldner-Truppe ist Hauptmann Saeed Enker. Er sagte Orient News, dass seine Truppe künftig die Gruppen in Idlib im Kampf gegen Assad unterstützen werde.

Medium.com berichtet, dass die Gruppe über 1.000 Kämpfer verfügt.

Islamic Muthanna Movement/ Harakat al-Muthanna al-Islamiya:

Diese Gruppe ist in der Provinz Daraa aktiv.

Der Verbündete des Islamic Muthanna Movement ist die Terror-Miliz ISIS (Liwa Shuhada’ al-Yarmouk). Die Finanzierung der Gruppe ist intransparent. Nach Angaben des arabischen Journalisten Nabegh Soror soll die Gruppe in ihren Anfängen finanzielle Hilfen von einer Person aus den Golf-Staaten erhalten haben, die sich als Geheimdienstmitarbeiter präsentierte. Später jedoch stellte sich heraus, dass es sich bei der Person um eine Privatperson handelte, berichtet Zaman al Wasl.

Die Organisation gilt auch als Vermittler zwischen diversen Islamisten-Truppen, so Zaman al Wasl.

Oberkommandierender und „Emir“ der Gruppe ist Abu Ayyup, über den wenig bekannt ist, berichtet Al Jazeera.

Die Gruppe hat 2.000 Kämpfer, berichtet Medium.com

Sultan Murat Brigade:

Die Sultan Murat Brigade operiert in der Provinz Aleppo.

Die Gruppe wird von der Türkei unterstützt und wirkt bei der Operation Euphrates Shield mit.

Ihre Kommandeure sind Oberst Ahmet Othman Fehim Isa, berichtet Voice of America.

Die Gruppe hat 1.000 Kämpfer, die hauptsächlich Turkmenen sind, so Medium.com. Die Gruppe gehört dem militärischen Dachverband Turkmenische Armee Syrien (STO) an.

Turkmenische Armee Syrien (STO):

Die STO wurde im August 2012 gegründet. Sie ist in Latakia, Aleppo, Idlib, Homs und Hama aktiv, berichtet Turkomania.org.

Die STO wird von der Türkei unterstützt. Der politische Arm der Truppe ist das Syrisch-Turkmenische Parlament mit ihrem Hauptsitz in Istanbul und weiteren Vertretungen in Gaziantep und Yayladag.

Der Gründer und Kommandeur der Söldner-Truppe ist Oberst Abu Bakir Muhammed Abbas, der ein Deserteur der syrischen Armee ist, berichtet Haberler.

Die türkische Zeitung Yeni Safak berichtet, dass die STO über 5.000 Kämpfer verfügt.

***

In diesem Zusammenhang wird klar, warum der Westen nichts zum Schutz der Bevölkerung in Syrien machen kann: Er muss seine Leute aus dem Kampfgebiet bekommen, was nach einer verlorenen Schlacht immer schwierig ist. Es ist unklar, ob Russen und Syrer sind so verhalten werden, dass die Söldner wirklich sicher weggebracht werden können. Es ist ebenfalls unklar, wo die Söldner am Ende hinreisen sollen.

Die Erklärungen der EU und Deutschlands sind vor diesem Hintergrund zu lesen. Die AFP fasst zusammen:

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben den Schutz der Bevölkerung von Aleppo angemahnt, zugleich aber ihre Machtlosigkeit im Syrienkonflikt eingestanden. In der Abschlusserklärung des EU-Gipfels in Brüssel verurteilten sie am Donnerstagabend die Angriffe auf die syrische Großstadt und forderten, die Bewohner müssten Ost-Aleppo „in Sicherheit und Würde“ verlassen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer „sehr deprimierenden“ Situation und erhob schwere Vorwürfe gegen Russland und den Iran.

Die am Donnerstag begonnene Evakuierung von Ost-Aleppo müsse unter der Aufsicht der Vereinten Nationen erfolgen, heißt es in der Abschlusserklärung. Zugleich müssten Hilfsgüter und Medikamente in die Stadt gebracht werden können. Im ganzen Land müssten Ärzte und Krankenhäuser geschützt werden.

EU-Ratspräsident Donald Tusk forderte zum Abschluss des EU-Gipfels die sofortige Einrichtung „humanitärer Korridore“. „Der Schutz der Zivilisten hat absolute Priorität.“

Zugleich räumte Tusk ein, im Syrienkonflikt sei die EU angesichts der „Brutalität des Regimes“ und seiner Verbündeten Russland und Iran „nicht so effektiv, wie wir es gerne wären“. Die EU sei aber nicht gleichgültig gegenüber dem Leid der Menschen in Syrien und werde weiter „Druck“ auf die Akteure ausüben.

Auch Merkel äußerte sich niedergeschlagen angesichts der Lage in Syrien: „Dieser Teil der Diskussion, das will ich nicht verschweigen, war sehr deprimierend, weil wir alle etwas sehen im 21. Jahrhundert, was zum Schämen ist, was das Herz bricht, was zeigt, dass wir politisch nicht so handeln konnten, wie wir gerne handeln würden.“

Zugleich warf sie Russland und dem Iran vor, mitverantwortlich für Angriffe auf Zivilisten und Krankenhäuser in Aleppo zu sein. Dies seien „Verbrechen, die auch geahndet werden müssen“.

In der umkämpften Stadt Aleppo hatte am Donnerstag die Evakuierung von Menschen aus dem belagerten Ostteil begonnen. Der französische Präsident François Hollande warnte aber in Brüssel, in Ost-Aleppo befänden sich noch 50.000 Menschen „in der Falle“.

Sanktionsandrohungen gegen Russland finden sich in der Abschlusserklärung nicht – die EU-Staats- und Regierungschefs haben keine Hoffnung, damit wirklich Druck auf Moskau ausüben zu können. In der Gipfelerklärung heißt es lediglich: „Die EU zieht alle verfügbaren Optionen in Betracht.“ Hollande sagte, Sanktionen seien in der Zukunft nicht ausgeschlossen, noch „sind wir aber nicht so weit“.

Der letzte EU-Gipfel des Jahres hatte unter dem Eindruck der dramatischen Lage in Aleppo gestanden. So war der Bürgermeister des Ostteils der Stadt, Brita Hagi Hassan, zu dem Treffen in Brüssel eingeladen.

Wir brauchen dringend eine Koalition, um das Regime und die iranischen Milizen vor Ort zu zwingen, die Waffenruhe einzuhalten“, sagte Hassan. „Und wir müssen die sichere Evakuierung der Zivilisten organisieren.“ Er mahnte: „Die Geschichte erinnert sich an das internationale Schweigen angesichts der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien.“

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/18/wer-in-syrien-wirklich-kaempft-die-schwarze-liste-der-schande-des-westens/

———————————————————————————————————————

05.07.2016

Amnesty: Vom Westen unterstützte Söldner begehen Kriegsverbrechen in Syrien

Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen von den USA und der westlichen Allianz finanzierte Söldner in Syrien: Die sogenannten „Rebellen“ hätten freie Hand gegen Zivilisten und würde „ohne Furcht vor Strafe Kriegsverbrechen“ begehen. Der Bericht zeigt, dass der Westen mitverantwortlich für den Krieg und seine Folgen ist. Diese Diskussion wurde von den Regierungen in der EU bisher gemieden.

————————————————————————————-

Amnesty International hat Rebellengruppen im Syrien-Konflikt brutale Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die regierungsunabhängige Organisation legte am Dienstag einen Bericht vor, in dem sie Fälle von Entführungen, Folterungen und Hinrichtungen dokumentierte. Syrische Zivilisten seien unter der Herrschaft der Rebellen einer „erschreckenden Welle“ von Gewalttaten ausgesetzt, heißt es darin.

Einige der verantwortlichen Rebellengruppen erhielten vermutlich Unterstützung von Ländern wie Saudi-Arabien, Katar, der Türkei und den USA, kritisiert Amnesty. Die Gruppierung rief die internationale Gemeinschaft auf, die Unterstützung für jene Rebellengruppen einzustellen, die sich der Verletzung von Menschenrechten schuldig gemacht haben.

In den von Rebellen kontrollierten Stadtgebieten in Aleppo und Idlib hätten „bewaffnete Gruppierungen freie Hand, ohne Furcht vor Strafe Kriegsverbrechen und andere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht zu begehen“, kritisierte der Leiter des Nahost-Programms von Amnesty, Philip Luther. Die Gruppierungen nähmen willkürlich Zivilisten fest, die kritisch eingestellt seien, die gegen moralische Gebote verstießen oder Minderheiten angehörten.

Radikalislamische Gruppierungen hätten in ihrem Herrschaftsbereich Religionsgerichte installiert, die etwa bei Ehebruch oder beim Verdacht auf Abfall vom Glauben die Todesstrafe verhängten, heißt es in dem Bericht. „Viele Zivilisten leben in anhaltender Furcht vor Entführung, wenn sie das Verhalten der herrschenden bewaffneten Gruppen kritisieren oder gegen die strengen Regeln verstoßen, die manche Gruppen verhängt haben“, erklärte Luther.

Amnesty dokumentiert in dem Bericht Menschenrechtsverletzungen von fünf Gruppierungen, die im Norden Syriens aktiv sind: al-Nusra-Front, Ahrar al-Scham, Nureddin Sinki, Levante-Front und Division 16. Untersucht wurden Vorfälle aus den Jahren 2012 bis 2016. Die Fälle betreffen gewaltlose Aktivisten, Kinder und ethnische sowie religiöse Minderheiten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/05/amnesty-vom-westen-unterstuetzte-soeldner-begehen-kriegsverbrechen-in-syrien/

———————————————————————————————————————

24.11.2015

Rebellen schießen russischen Such-Hubschrauber ab

Rebellen in Syrien haben einen russischen Hubschrauber abgeschossen, der nach der Mannschaft des zerstörten Kampfjets suchen sollte.

————————————————————————————-

Ein russischer Hubschrauber ist während der Suche nach der Mannschaft eines abgeschossenen Kampfjets selbst vom Himmel geholt worden. Russische Militärsprecher bestätigten am Dienstag, dass der Helikopter in Syrien von Rebellen abgeschossen worden und ein Crewmitglied getötet worden sei.

Der Hubschrauber hatte nach dem russischen Kampfjet gesucht, der am Dienstag von der Türkei abgeschossen worden war. Die Türkei sah ihren Luftraum verletzt; russische Beamte bestreiten aber, dass das Militärflugzeug in den türkischen Luftraum eingedrungen sei.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-rebellen-schiessen-russischen-such-hubschrauber-ab/12635216.html

———————————————————————————————————————

19.11.2015

Mogherini: Auseinanderhalten von Terroristen und Opposition in Syrien problematisch

Die Einstufung der unterschiedlichen Gruppierungen in Syrien als Terroristen oder gemäßigte Opposition ist laut der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini eine der kompliziertesten Fragen bei den Wiener Gesprächen.

————————————————————————————-

Wir arbeiten in Wien daran, welche Gruppen als Zielscheibe zu definieren sind. Wir haben dies mit Türken, Saudis, Iranern, Libanesen, Jordaniern, Russen, Amerikanern und Europäern besprochen“, sagte Mogherini auf einer Pressekonferenz in Brüssel. 

Ein Unterhändler vertrete nach wie vor die EU in Syrien, dessen Sitz sich aber in der libanesischen Hauptstadt Beirut befinde, so Mogherini. Dennoch fahre er regelmäßig nach Damaskus und unterhalte ständigen Kontakt zu den syrischen Behörden.  

Die EU pflegt laut der EU-Außenbeauftragten Kontakte mit allen in den Syrien-Konflikt verwickelten Parteien – der Opposition sowie bewaffneten Oppositionsgruppen. Nicht jedoch mit den Terroristen, zu denen der sogenannte Islamische Staat und die Al-Nusra-Front gehören.

Außerdem wurde über eine weitere Zusammenstellung der Liste terroristischer Gruppierungen unter Koordination Jordaniens durch die Syrien-Unterstützergruppe entschieden.

http://de.sputniknews.com/politik/20151119/305772662/europa-syrien-terroristen-einstufung.html

———————————————————————————————————————

11.06.2014

Krieg im Krieg“ spielt Assad in die Hände

Abgesehen vom Kampf gegen Präsident Assad waren sich die Rebellengruppen in Syrien wohl noch nie einig. Doch inzwischen führen sie auch untereinander Krieg. Im Zentrum steht dabei eine von al-Qaida abgespaltene Gruppe.

————————————————————————————-

Die Bevölkerung in Syrien hat längst nicht mehr nur unter einem Krieg zu leiden. Gegen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad treten Rebellen aus zahlreichen Splittergruppen an – und sie führen seit Monaten einen „Krieg im Krieg“.

In dessen Zentrum steht die von al-Qaida abgespaltene Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis), die auch unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und der Levante bekannt ist, einer Bezeichnung für die Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeers. Wegen ihrer Wurzeln im irakischen Widerstand wird die dschihadistisch-salafistische Organisation auch al-Qaida im Irak genannt.

Bei Kämpfen zwischen Isis und anderen, teils auch islamistischen Rebellen sind seit Ende April in der ostsyrischen Provinz Deir al-Sur mindestens 634 Menschen getötet worden. Mindestens 130.000 Menschen seien vor den Kämpfen geflohen, teilte das der Opposition nahestehende Beobachtungszentrum für Menschenrechte am Dienstag mit.

Unter den Opfern in Deir al-Sur sind den Angaben zufolge 354 Rebellen, darunter 241 Isis-Kämpfer, 39 Zivilisten sowie viele Mitglieder der Nusra-Front. Jene hatte al-Qaida-Anführer Eiman al-Sawahiri 2013 zum offiziellen al-Qaida-Vertreter in Syrien erklärt.

Verschiedene Rebellengruppen liefern sich seit Monaten einen „Krieg im Krieg“ mit Isis. Als Auslöser gelten Vorkommnisse in von Isis unterhaltenen Geheimgefängnissen: Die Organisation soll dort im Januar mehrere bedeutende syrische Aktivisten ermordet haben. Zudem wirft Isis dem al-Qaida-Führer al-Sawahiri vor, er habe sich von den „Grundsätzen des Heiligen Kriegs“ entfernt.

Seither wurden nach Angaben des Beobachtungszentrums mehr als 6000 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen den Rebellengruppen getötet. Durch die Gefechte mit den Extremisten wurden die der syrischen Opposition nahestehenden Rebellenverbände stark geschwächt, was Präsident Baschar al-Assad im Bürgerkrieg in die Karten spielt.

Isis hat die Offensive der Provinz gestartet, um zum einen die an Ölvorkommen reiche Region unter ihre Kontrolle zu bringen und sie zum anderen mit den bereits von ihr kontrollierten Gebieten im angrenzenden Irak zu verbinden. Dort nahmen Kämpfer der Gruppe am Dienstag Teile Mosuls ein, die zweitgrößte Stadt des Iraks.

Später teilte die Polizei mit, auch Teile der angrenzenden Provinz Kirkuk seien in die Hände der Extremisten gefallen. Offenbar zogen sich auch dort die Sicherheitskräfte kampflos zurück. Es ist das erste Mal, dass Rebellen im Irak eine ganze Provinz unter ihre Kontrolle brachten. Bereits seit Januar halten Isis-Kämpfer die Stadt Falludscha sowie andere Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad.

Angesichts des Vorrückens der Aufständischen kündigte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki an, Freiwillige für den Kampf gegen die Extremisten zu bewaffnen und die Ausrufung des Notstands zu beantragen.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung kämpfen immer mehr Muslime aus Deutschland im Nahen Osten. Bis Ende Mai 2014 seien rund 350 junge deutsche Muslime als „Heilige Krieger“ nach Syrien gereist, berichtete das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise. Dort unterstützen sie in vielen Fällen das Terrornetzwerk Al-Kaida im Kampf gegen die syrische Regierung von Diktator Baschar al-Assad.

Nach Angaben des Blattes sind rund 50 der Kämpfer inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Für den Staatsschutz gelten sie als „Gefährder“, also Personen, bei denen befürchtet wird, dass sie „politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ begehen könnten.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/rebellenkaempfe-in-syrien-krieg-im-krieg-spielt-assad-in-die-haende/10018280.html

———————————————————————————————————————

11.04.2014

Befreiter Österreicher in Syrien: „Sie sind ein Haufen von Schlägern und Dieben“

Den syrischen Sicherheitskräften ist es gelungen den österreichischen Anwalt Anton Sandrer aus der Gewalt von bewaffneten Rebellen in der Nähe von Homs zu befreien.

————————————————————————————-

Sandrer, ein österreichischer Anwalt, der am 24. August in Syrien ankam, erzählte, dass das Leben in al-Waar, einem Stadtbezirk Homs, normal war, als er dort ankam. „Nachdem die Terroristen die Nachbarschaft erstürmten, wurde das Leben bald zur Hölle.“

Er wurde unter eine Art Hausarrest gestellt und im November von den Terroristen entführt, sagte er.

„Ich wurde von den Entführern, die mir die Augen verbanden, hart geschlagen. Man fesselte mich mit Ketten und nahm mir das Geld ab. Danach haben sie auch noch nach Lösegeld gefragt. … Ich dachte, sie würden mich umbringen.“

„Ich konnte immer die Menschen hören, die weinten vor Schmerzen, als ob sie gefoltert würden. Es war schrecklich“, erinnerte er sich.

Er konnte fliehen und setzte sich mit der österreichischen Botschaft in Verbindung. Dieses verständigte die syrischen Behörden. Der Anwalt sagte, die syrische Armee habe ihn mit Respekt behandelt und bot ihm einen sicheren Hafen an.

„Als ich befreit wurde, war ich überglücklich vor Freude … Es war als ob ich neu geboren sei“, fügte er hinzu.

Er beschrieb die Terroristen als Verbrecher, Diebe und Söldner ohne jeglichen Willen, Reformen anzustreben. „Sie sind ein Haufen von Schlägern und Dieben, die nach dem Überfall Menschen nach Lösegeld erpressen.“

Die Nachbarschaft al-Waar sei wegen diesen Terroristen in den Zustand des Chaos geglitten, sagte Sandrer.

Er beklagte, dass der Terrorismus das Leben in Syrien erschüttert habe. „Zuvor besuchte ich Syrien mehrmals.. Es war ein wahres Paradies,“ sagte er.

Sandrer appelliert an jene Länder, welche die Terroristen in Syrien mit Waffen und Geld unterstützten, damit aufzuhören. Er dankte der syrischen Regierung für seine Rettung.

Er hoffe, dass die syrische Armee bald die Terroristen beseitigen und die Sicherheit und Stabilität in Syrien wiederherstellen wird.

Quelle: http://213.178.225.235/eng/337/2014/04/11/538474.htm

http://de.ibtimes.com/articles/26850/20140411/befreiter-sterreicher-in-syrien-sie-sind-ein-haufen-von-schl-gern-und-dieben.htm

———————————————————————————————————————

25.03.2014

Syrien: Terroristen eröffnen Lager für Ausbildung minderjähriger Selbstmordattentäter

Die Terrorgruppierung Islamischer Staat im Irak und der Levante hat im Norden Syriens ein Übungslager für die Ausbildung von Selbstmordattentätern und die Vorbereitung von Kindern für Handlungen unter realen Kampfbedingungen eröffnet.

————————————————————————————-
Im Lager werden rund 50 Jungen im Alter von sieben bis 13 Jahren ausgebildet. Die Ausbildung minderjähriger Selbstmordattentäter nimmt 25 Tage in Anspruch.

Innerhalb dieser Zeit lernen sie die Grundlagen des Dschihad und die Anwendung moderner Schusswaffen. Nach der Ausbildung treten Minderjährige der Organisation bei, die eine der radikalsten regierungsfeindlichen Gruppierungen ist.


http://german.ruvr.ru/news/2014_03_25/Syrien-Terroristen-eroffnen-Lager-fur-Ausbildung-minderjahriger-Selbstmordattentater-7932/

———————————————————————————————————————

07.03.2014

Russlands Außenamt: Syrische Rebellen behindern Lieferung von humanitärer Hilfe

„Über 500 Rebellen der Gruppierungen Al-Nusra-Front und Ibn Taimīya sind Anfang März ins Lager für palästinensische Flüchtlinge Jarmuk zurückgekehrt.“

————————————————————————————-

„Somit haben die Extremisten grob gegen die zuvor erreichten Abkommen verstoßen, laut denen ihnen ungehinderter Ausgang aus dem Lager im Austausch gegen den Zugang humanitärer Hilfe für die dort bleibenden Einwohner gewährt wird“, steht im Kommentar des Informations- und Pressedepartements des russischen Außenministeriums.

Truppen der syrischen Armee betraten die Lager nicht, heißt es in dem Bericht.

http://german.ruvr.ru/news/2014_03_07/Russlands-Au-enamt-Syrische-Rebellen-behindern-Lieferung-von-humanitarer-Hilfe-2739/

———————————————————————————————————————

24.02.2014

Immer mehr Extremisten reisen nach Syrien

Die Situation bleibe „dynamisch“, heißt es im Bundesinnenministerium. Immer mehr Dschihadisten aus Deutschland kämpfen in Syrien. „Traumatisierte“ Rückkehrer seien eine potentielle Terrorgefahr. Von Christoph Ehrhardt und Jasper von Altenbockum

————————————————————————————-

Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Zahl der nach Syrien reisenden Extremisten aus Deutschland weiter zunimmt. „Die Situation bleibt dynamisch, es ist davon auszugehen, dass die Zahl von Reisebewegungen insgesamt aus Europa weiter ansteigt“, teilte das Bundesinnenministerium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) mit. Im Januar war die Zahl der Dschihadisten aus Deutschland noch mit 270 angegeben worden, inoffizielle Schätzungen liegen deutlich höher. Ähnlich hohe Zahlen werden aus Frankreich, Belgien und Großbritannien gemeldet. Die Zahl der Syrien-Kämpfer aus der gesamten Europäischen Union wird mit etwa 2.000 angegeben.

Als besonders gefährlich gelten die Kämpfer, die sich in Syrien weiter radikalisieren und mit terroristischen Absichten nach Europa zurückkehren. Nach Angaben des Ministeriums sind bislang 50 Fälle von Dschihadisten bekanntgeworden, die nach Deutschland zurückgekehrt sind. „Hiervon verfügen etwa ein Dutzend über Kampferfahrung“, teilte das Innenministerium mit. Mehrere Fachleute wiesen gegenüber der F.A.Z. darauf hin, dass es Fälle gebe, bei denen die Rückkehrer unter schweren Traumata litten und desillusioniert aus dem nahöstlichen Kampfgebiet zurückgekehrt seien.

Das Ministerium wies darauf hin, dass die Rückkehrer nicht nur kampferprobt seien, sondern auch Verbindungen zu anderen Dschihadisten hätten. Recherchen dieser Zeitung und des ARD-Magazins „Report München“ hatten ergeben, dass eines dieser Netzwerke für die Rekrutierung junger Männer für den Einsatz in Syrien aus den Resten der längst verbotenen Organisation „Millatu Ibrahim“ besteht. Die salafistische Vereinigung hatte ihren Sitz in Solingen und war 2012 nach gewalttätigen Ausschreitungen verboten worden. „Anhänger verbotener Vereine versuchen, Verbote zu unterlaufen“, hieß es jetzt aus dem Bundesinnenministerium.

Mit Kalaschnikow-Magazinen unbehelligt in die Türkei

Der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sei konsequent gegen „Millatu Ibrahim“ und entsprechende Teilorganisationen vorgegangen, teilte das Bundesinnenministerium mit. Auch wenn die weiteren Radikalisierungs- und Propagandaaktivitäten der Vereinigung unterbunden worden seien, heiße das nicht, dass bereits radikalisierte Islamisten ihre Aktivitäten deshalb einstellten. „Deshalb sind die Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder weiterhin in diesen Szenen präsent. Soweit belastbare Hinweise auf Nachfolgeaktivitäten vorliegen, gehen wir mit straf- und vereinsrechtlichen Mitteln gegen solche Strukturen vor.“

Auf Schwierigkeiten stoßen die deutschen Behörden offenbar auch bei dem Versuch, kampfbereite Islamisten an der Reise von Deutschland nach Syrien zu hindern. Dafür sind die Behörden der Länder zuständig. Aber auch die Bundespolizei kann bei Ausreisekontrollen die Weiterreise verhindern, wenn aus den Ländern noch keine entsprechende Anordnung vorliegt.

Das Passgesetz eröffnet laut dem Ministerium die Möglichkeit, den Islamisten den Pass zu entziehen oder die Ausreise zu untersagen, „wenn es begründeten Anlass für die Annahme gibt, dass von den Betroffenen Gefahren ausgehen“. Das ist aber offenbar schwierig nachzuweisen. Die Zahl der Fälle, in denen die Voraussetzungen zur Verhinderung von Ausreisen vorgelegen hätten, bewege sich „im niedrigen zweistelligen Bereich“, teilte das Bundesinnenministerium mit.

Zum Fall einer Ausreisekontrolle der Bundespolizei im Jahr 2013, bei der die Mutter zweier islamistischer Extremisten am Flughafen Köln/Bonn nicht an der Reise in die Türkei gehindert wurde, wollte das Ministerium nicht Stellung nehmen. Im Gepäck der Frau waren Dutzende leerer Magazine für Kalaschnikow-Gewehre des Typs AK 47 gefunden worden. Die Magazine wurden nicht einbehalten.

Das Bundesinnenministerium teilte mit, angesichts eines laufenden Ermittlungsverfahrens, das die Staatsanwaltschaft Köln in dieser Sache gegen die Frau eingeleitet habe, wolle es nicht Stellung nehmen. Unabhängig davon sei aber klar, dass Magazine für Sturmgewehre des Typs AK 47 Kalaschnikow ausfuhrgenehmigungspflichtig seien und für Syrien ein Ausfuhrverbot gelte.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/islamismus-immer-mehr-extremisten-reisen-nach-syrien-12816845.html

———————————————————————————————————————

18.01.2014

Massenhinrichtungen in Syrien: Moskau fordert Bestrafung der Islamisten

Die extremistischen Gruppen, die hinter dem Massaker an Zivilisten in Syrien stehen, müssen bestraft und ihre Taten müssen als Kriegsverbrechen eingestuft werden. Damit kommentierte das russische Außenministerium die jüngsten UN-Angaben über massenhafte Hinrichtungen in Nordsyrien.

————————————————————————————-

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hatte in dieser Woche bekannt gegeben, dass Kämpfer der der al-Qaida-nahen Dschihadisten-Organisation „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ in den vergangenen Tagen in Aleppo, Idlib und Rakka massenhaft Zivilisten, Journalisten und Kriegsgefangene massakriert hätten.

„Laut der UN-Hochkommissarin gab es sogar im Kinderkrankenhaus Aleppo Hinrichtungen, das  ISIL als Stützpunkt nutzt“, so das russische Außenamt am Freitag.  „Wir teilen die Meinung der Hochkommissarin, dass diese Handlungen der bewaffneten Opposition gegen die Menschenrechte und gegen das internationale humanitäre Recht verstoßen und als Kriegsverbrechen anzusehen sind. Die Anführer und Kämpfer der Extremistengruppen, die in die Morde verwickelt sind, müssen ihre verdiente Strafe erhalten.“

http://de.ria.ru/politics/20140118/267664187.html

———————————————————————————————————————

16.01.2014

Uno: Handlungen radikaler Islamisten in Syrien sind als Kriegsverbrechen anzusehen

Die rasant zunehmende Zahl der Hinrichtungen, die von den radikalen Islamisten im syrischen Norden vorgenommen werden, können laut dem Büro der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte (OHCHR) mit Kriegsverbrechen gleichgestellt werden, meldet Associated Press am Donnerstag.

Bei dem Büro sind laut OHCHR-Chefin Navi Pillay in den vergangenen zwei Wochen Berichte über „massenhafte Hinrichtungen von Zivilisten und Soldaten eingegangen, die nicht mehr an den Kämpfen in Aleppo, Idlib und Rakka teilgenommen hatten“.

Die meisten Hinrichtungen seien von der al-Qaida-nahen Dschihadistenorganisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL) erfolgt.

Solche Abrechnungen mit Menschen stellen einen Verstoß gegen das humanitäre Recht dar. Die Zahl dieser Verstöße sei derzeit „besorgniserregend hoch“.

Seit Anfang dieses Jahres seien viele von den bewaffneten Gruppen gefasste Zivilisten und ehemalige Kämpfer getötet worden, so Pillay.

http://de.ria.ru/society/20140116/267653356.html

———————————————————————————————————————

05.01.2014

Syrien: Radikale Islamisten stellen an andere Rebellen Ultimatum

Die mit al-Qaida verbundene Bewegung „Islamischer Staat im Irak und der Levante“, die bei Zusammenstößen mit anderen Gruppierungen große Verluste erlitt, hat Feuereinstellung verlangt. Einem Vertreter der Islamisten zufolge wird die Bewegung Aleppo vor Regierungstruppen nicht mehr schützen, falls die Attacken gegen sie innerhalb von 24 Stunden nicht aufhören.

Grund der Unruhen ist der Kampf um die Herrschaft unter den Rebellen und die heranwachsende Missbilligung wegen der Brutalität der Islamisten.
http://german.ruvr.ru/news/2014_01_05/Syrien-Radikale-Islamisten-stellen-an-andere-Rebellen-Ultimatum-3117/

———————————————————————————————————————

18.12.2013

Freie Syrische Armee vor der Auflösung – Medien

Vor dem Hintergrund der an Stärke gewinnenden islamistischen Gruppen in Syrien büßt die Freie Syrische Armee (FSA), der bewaffnete Arm der Opposition, rapide an Einfluss ein und könnte aufgelöst werden, schreibt die in London erscheinende saudi-arabische Zeitung „Asharq Al-Awsat“ am Mittwoch.

Die ausländische Militärhilfe für die FSA ist seit mehreren Monaten praktisch komplett eingestellt“, wird eine Quelle in der syrischen Opposition von der Zeitung zitiert.

Viele FSA-Kommandeure seien aus Angst vor einer „Abrechnung“ innerhalb der bewaffneten Opposition nach Europa geflüchtet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass „beschlossen wurde, die FSA aufzulösen, die Schlägen der Kräfte des Regimes wie auch von dessen Anhängern ausgesetzt und dabei völlig auf ihre Verbündeten angewiesen ist.“

Die als gemäßigt geltende FSA, die vom ehemaligen syrischen Brigadegeneral Salim Idriss geleitet wird, wird vom Westen sowie einigen arabischen Ländern unterstützt, welche einen Regimewechsel in Syrien anstreben.

In letzter Zeit nimmt der Einfluss der „Islamischen Front“ immer mehr zu, zu der sich im November sieben kleinere islamistische Brigaden zusammengeschlossen hatten.

Die „Islamische Front“  distanzierte sich sofort von der FSA und verkündete ihre Selbständigkeit. Laut Berichten vom Anfang Dezember haben die Kämpfer der „Islamischen Front“ FSA-Waffendepots erobert und sind in Besitz großer Mengen von Waffen, Munition, Ausrüstung und Technik gekommen.

Beachtenswert ist, dass die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte ungeachtet der Differenzen mit der FSA im Kontakt mit der „Islamischen Front“ steht.

Alle oppositionellen Kräfte, darunter auch die Nationale Koalition und der Nationalrat, halten die ‚Front‘ für einen Teil der Revolutionskräfte, die bestrebt sind, das syrische Regime gemeinsam zu stürzen“, zitiert die Zeitung einen Vertreter des Nationalrates. Auch die USA schließen Konsultationen mit der „Islamischen Front“ nicht aus.

http://de.ria.ru/politics/20131218/267499450.html

———————————————————————————————————————

15.12.2013

„Die Islamisten sind schlimmer als Assad“

Libyen ist zur Drehscheibe des Terrors geworden. Von hier werden Kämpfer und Waffen nach Syrien geschleust. Nun erzählt erstmals ein Aussteiger von den dortigen Gräueln der Gotteskrieger.

„Bestimmte Namen und Orte kann ich Ihnen nicht nennen, sonst verliere ich meinen Kopf“, erklärt Alah al-Fakhri (Name geändert) vor Beginn des Gesprächs. Dabei fährt er mit der Hand quer über seine Kehle. „Sie wissen doch, diese Leute verstehen keinen Spaß.“ Der 43-Jährige hat in Syrien aufseiten der al-Qaida-nahen Gruppe Dschabhat al-Nusra (JAN) gekämpft. Er ist der erste ausländische Kämpfer, der darüber bereitwillig erzählen will – und das ohne die übliche Dschihad-Propaganda von der göttlichen Scharia, dem Märtyrer-Paradies oder der Errichtung eines glorreichen Kalifats wie vor 1400 Jahren.

Das Treffen mit al-Fakhri findet in einem Dorf knapp eine Autostunde von Bengasi entfernt statt. Es ist kein Zufall, dass er aus Libyen in den syrischen Bürgerkrieg zog. Nach dem Ende des Regimes von Muammar al-Gaddafi ist Libyen zur Terrordrehscheibe geworden. Von hier werden Kämpfer und Waffen nach Syrien geschleust. Und seit Libyen in von Milizen beherrschte Einzelteile zerfallen ist, wird es von Terroristen als Rückzugsraum benutzt. Und für Konferenzen, auf denen die Terrorfürsten ihre Strategie in der Region abstimmen.

Zwei Scheichs kamen einmal pro Woche vorbei

Al-Fakhri stammt aus der Hafenstadt im Osten Libyens, in der am 15. Februar 2011 die Revolution gegen Gaddafi begann. „Ich war vom ersten Tag an dabei und habe bis zum Ende der Revolution an der Front gekämpft.“ Er wisse, welche Opfer nötig sind, um seine Freiheit zu erkämpfen. Deshalb habe er sich entschlossen, dem syrischen Volk zu helfen. Aus eigener Kraft schien es nicht mehr weiterzukommen. „Vom 2. Februar bis zum 10. März war ich in Aleppo, hatte aber dann genug“, gesteht al-Fakhri. Es sei alles nicht so gewesen, wie er sich das vorgestellt hatte. „Diese Leute sind schlimmer als der syrische Präsident Baschar al-Assad.“

Der Libyer kämpfte mit Ansar al-Allah, einer Gruppe von rund 100 Männern, von denen gut die Hälfte extreme Dschihadisten waren. Man durfte sich nicht rasieren. Selbst ein Schnauzbart war verboten, denn Prophet Mohammed soll Vollbart getragen haben. Verboten waren auch Fernsehen, Radio und jede Form von Musik. Handys wurden abgenommen. Rauchen war ebenfalls untersagt. „Für mich das schwierigste Problem“, meint al-Fakhri lachend und zündet sich eine Zigarette im geräumigen Salon seines Hauses an.

Ansar al-Allah kämpfte unter der Leitung von JAN am internationalen Flughafen von Aleppo und in den östlichen Dörfern in der Umgebung der nordsyrischen Industriemetropole. „Manchmal bekämpften wir auch Einheiten der Freien Syrischen Armee, die von unseren Führern als Kuffer (Ungläubige) bezeichnet wurden, weil sie vom Westen infiltriert seien und Demokratie wollten.“ In den vier Wochen, in denen er da war, habe es insgesamt sechs „Märtyrer“, also Gefallene, gegeben. „Relativ wenig“, hält der erfahrene Revolutionär fest. Als Ausrüstung hatte er in Aleppo eine Kalaschnikow und neue russische Handgranaten erhalten.

Zwei Scheichs kamen einmal pro Woche, um die Gruppe zu kontrollieren, Einsatzbefehle zu geben, den Bedarf an Waffen und Proviant aufzunehmen. Die Namen der beiden Führungsfiguren will al-Fakhri nicht preisgeben. Er sagt nur so viel: „Es waren ein Syrer und ein Ägypter, die noch weitere Gruppen unter ihrem Befehl hatten.“ Von syrischen Rebelleneinheiten sei der Libyer gewarnt worden: „Die Leute deiner Truppe sind äußerst gefährlich und schlachten rücksichtslos Menschen ab.“ Der Familienvater von fünf Kindern will nie derartige Untaten beobachtet haben. Er kenne das nur aus Erzählungen. Man glaubt es ihm kaum. Sein Gesicht versteinert buchstäblich bei diesem Thema. Zu groß sind zudem seine Enttäuschung und die Ablehnung der Dschihadisten.

„Sie kämpfen nicht für die Freiheit des syrischen Volkes“, schimpft al-Fakhri aufgebracht. „Sie kämpfen nur für ihre eigene Macht, für einen islamischen Staat in allen arabischen Ländern. Wer gegen dieses Projekt ist, ob Muslim oder Christ, ist ein Ungläubiger, und sein Todesurteil ist besiegelt.“ Und dann platzt es aus ihm heraus: Es sei erschreckend gewesen, mit welcher Bereitschaft die Dschihadisten Menschen hinschlachteten. „Das hat mit Islam nichts zu tun“, stellt er entschieden fest und sagt erneut: „Sie sind schlimmer als Assad.“

In den Trainingslagern herrscht Kommen und Gehen

Bezahlt und organisiert wurde al-Fakhris Syrien-Reise von der libyschen Ansar al-Scharia. Das ist eine radikal-islamische Organisation, die über eine der mächtigsten Milizen in Ostlibyen verfügt. Die „Parteigänger des islamischen Rechts“ sollen für den Angriff auf das US-Konsulat im September 2012 verantwortlich sein. Vier Menschen, darunter Botschafter Christopher Stevens, kamen ums Leben. Ansar al-Scharia unterhält in den libyschen Städten Sirte, Bengasi und Derna Militärbasen, Waffenlager und Camps, in denen Kämpfer trainiert werden.

„Ansar al-Scharia ist ein relativ neues Phänomen“, erklärt Alaya Allani, Professor und Islamismusexperte an der Manouba-Universität in Tunis. „Sie gehören zu einem Netzwerk gleichnamiger Organisationen, die alle nach dem ,arabischen Frühling‘ gegründet wurden.“ Heute operieren weitgehend unabhängige Ansar-al-Scharia-Filialen in Libyen und sechs weiteren arabischen Ländern: im Jemen, in Marokko, Tunesien, Mali, Ägypten und Mauretanien. Der libysche Ableger ist einer der aktivsten und gefährlichsten. Die Gruppe arbeitet Hand in Hand mit al-Qaida.

„Ich musste in Derna, in einem Camp von Ansar al-Scharia, ein Training absolvieren, bevor es nach Syrien ging“, erzählt al-Fakhri. „Ich bin ein erfahrener Kämpfer und wurde nur drei Tage im Straßenkampf trainiert. Andere, ohne Erfahrung, können drei Monate bleiben.“ Derna, eine Stadt mit 80.000 Einwohnern, liegt 290 Kilometer östlich von Bengasi am Mittelmeer. Sie dient Ansar al-Scharia und al-Qaida als Hauptstützpunkt. Hier gibt es schon lange keine Polizei und kein Militär mehr. Im Stadtzentrum steht ein Werbestand von al-Qaida, eine Radiostation predigt den Dschihad. Für Ausländer ist die Stadt tabu. In Derna leben die gesuchten Al-Qaida-Funktionäre Abdul Basit Azuz und Abu Sufyan Bin Qumu, der ehemalige Fahrer von Osama Bin Laden. Bin Qumu soll in Derna mit einem gepanzerten Wagen spazieren fahren, der beim Attentat auf das US-Konsulat erbeutet worden sein soll.

„Viele, viele Hundert von Dschihadisten sind hier“, berichtet Abdelmalik, ein Bewohner Dernas. „Sie kommen aus Somalia, Nigeria, Afghanistan, Tunesien, Algerien und aus Mali.“ Trainiert würden sie in sechs oder sieben Camps in der Nähe der Grünen Berge. In dieser Gegend seien auch umfangreiche Waffenarsenale versteckt. Nur wenige Kommandeure, wie etwa Abdul Basit Azuz, hätten Waffen direkt in Derna gelagert. Al-Fakhri, der Syrien-Kämpfer, will sich dazu nicht auslassen. Nur so viel: In den Trainingslagern herrsche ein stetes Kommen und Gehen.

Als Familie getarnt über die Grenze

Er reiste in einer aus verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzten Gruppe, darunter sechs Libyer, in die Türkei. In Istanbul wird die Gruppe geteilt. Die einen fliegen nach Antakya, die anderen nach Gaziantep. Beide Städte liegen im türkischen Grenzgebiet. Ein Mann von Ansar al-Scharia ist immer dabei, bezahlt und sagt seinen Schützlingen, was zu tun ist. Bevor es über die Grenze nach Syrien geht, müssen alle ihre Reisepässe und Handys abgeben. Dazu eine Telefonnummer hinterlegen, unter der im Todesfall angerufen wird. Sonst gibt es keinerlei Kommunikation mit der Familie. „Meine Frau ist daran gewöhnt, dass ich in den Krieg ziehe und längere Zeit nichts von mir hören lasse“, meint al-Fakhri lachend. Dieses Mal habe sie jedoch gedacht, er sei tot. „Ist doch Blödsinn, nicht telefonieren zu dürfen. Bei diesem Verbot geht es nur um die Angst, ihre Machenschaften könnten an die Öffentlichkeit gelangen.“

Über die Grenze kommen sie auf illegalen, aber von den türkischen Behörden geduldeten Routen. „Ein Kleinbus mit syrischen Frauen und Kindern pendelte zwischen den Grenzseiten hin und her“, erinnert sich al-Fakhri. „Als Familie getarnt kamen wir alle unbehelligt nach Syrien.“ Schmunzelnd fügt er an: „Die Türken hätten uns mehrmals aufhalten können, aber sie haben keinerlei Interesse. Wie ich gehört habe, lassen sie ausländische Kämpfer noch heute passieren.“

Regionales Geheimtreffen im September

„Libyen ist die Bastion der Dschihadisten in Syrien“, erklärt Islamismusexperte Allani. „Aber die Bestrebungen von Ansar al-Scharia gehen über das Projekt Syrien hinaus. Sie wollen die gesamte Region beeinflussen.“ Recherchen der „Welt am Sonntag“ ergaben, was bisher unbekannt war: Ansar al-Scharia hielt im vergangenen September ein regionales Geheimtreffen in Libyen ab. Mitglieder der Schwesterorganisationen aus Marokko, Ägypten, Tunesien und Libyen trafen sich mit algerischen Vertretern von al-Qaida im Maghreb (AQIM) und der radikal-islamischen JAN aus Syrien. Drei Tage lang konferierten die militanten Islamisten völlig unbehelligt in Bengasi. So etwas ist nur in Libyen möglich. Die Regierung in der Hauptstadt Tripolis besitzt nach wie vor keine Autorität. Für radikale Islamisten ist das ein gefundenes Fressen. Sie können ungestört ihre Strukturen aufbauen.

Einer der prominenten Teilnehmer der Terroristenkonferenz soll Abu Ayad gewesen sein. Er ist der Anführer der tunesischen Ansar al-Scharia und wird von den dortigen Behörden wegen der Erstürmung der US-Botschaft in Tunis im September 2012 gesucht. Er hat nach Informationen der „Welt am Sonntag“ Hilfe bei den Glaubensbrüdern in Libyen gesucht. „Abu Ayad wollte Unterstützung für den Fall, dass sich der Konflikt mit der tunesischen Regierung weiter zuspitzt“, sagt ein Informant, der anonym bleiben möchte.

Der Gründer von Ansar al-Scharia hatte lange Zeit gute Beziehungen zu Ennahda, der islamistischen Regierungspartei Tunesiens. Als man jedoch Verbindungen zwischen den Morden an zwei Oppositionspolitikern und Ansar al-Scharia entdeckte, wurde sie im August 2013 zur Terrororganisation erklärt und verboten. Daraufhin kam es in der Region Mount Chaambi an der algerischen Grenze zu Gefechten mit dem tunesischen Militär.

Ayad soll beim Terrortreffen auch gebeten haben, keine Tunesier mehr nach Syrien zu schicken, da er die Kämpfer dringend bei sich zu Hause brauche. „Rund 1200 Tunesier sind in Syrien bereits im Kampf an der Seite von radikal-islamischen Extremisten gefallen“, erläutert Professor Allani. „Weitere 1000 sollen noch an der Front kämpfen.“

Zunächst einmal Arbeit finden

Den Vertretern von JAN wird die Forderung Abu Ayads wenig gefallen haben. Sie sind auf Nachschub an ausländischen Kämpfern angewiesen, die seit über einem Jahr von Libyen aus zu Tausenden nach Syrien eingeschleust wurden. Angeblich soll es einen Kompromiss gegeben haben. Die tunesischen Dschihadisten kehren zurück an die Heimatfront. Im Gegenzug gewährleistet Ansar al-Scharia, dass alle anderen Kämpfer, die nach Syrien gehen, unter das Kommando von JAN gestellt werden und nicht etwa beim Islamischen Staat im Irak und in der Levante (ISIL) landen, einer bedenklich wachsenden Konkurrenz für JAN. Zwischen den zwei Al-Qaida-Flügeln kommt es immer wieder zu Konflikten.

Der ehemalige Syrien-Kämpfer al-Fakhri will damit nichts mehr zu tun haben. Er ist schwer enttäuscht. Man sieht es ihm deutlich an. Der 43-Jährige war bereit, für eine „gute Sache“ zu sterben. Er wollte mit der FSA kämpfen, landete aber bei den Dschihadisten. Ihre Vision war nicht die seine, und er machte sich wieder auf den Heimweg. „Ich bin heute mehr über Libyen als über Syrien besorgt“, sagt er. „Wer weiß, vielleicht klappt es mit der Freien Syrischen Armee später einmal.“

Doch statt in den Krieg zu ziehen, muss er nun erst einmal Arbeit finden, um seine fünf Kinder durchzubringen. „Dagegen hat meine Frau ausnahmsweise keine Einwände“, behauptet er schmunzelnd und zündet eine weitere seiner dünnen Zigaretten an. Er inhaliert kurz, und wieder fährt er mit der Hand quer über seine Kehle. Diesmal folgt ein erleichtertes Lachen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article122939894/Die-Islamisten-sind-schlimmer-als-Assad.html

———————————————————————————————————————

12.12.2013

Nach Kommandeursflucht

Syrische Rebellen-Armee FSA löst sich auf

Der moderate Aufständischen-General Idriss hat sich nach Doha abgesetzt – die islamistische Konkurrenz hatte sein Hauptquartier erstürmt. Der Westen hat seine Lieferungen an die FSA umgehend eingestellt.

Der Generalstabschef der pro-westlichen Rebellengruppe FSA (Freie Syrische Armee), General Salim Idriss, ist nach einem US-Medienbericht aus Syrien geflohen. Idriss habe sich bereits am Sonntag über die Türkei in die katarische Hauptstadt Doha abgesetzt, berichtete das „Wall Street Journal“ in seiner Online-Ausgabe in der Nacht zum Donnerstag. Beobachter werteten die Flucht des Top-Militärs als Zeichen der Auflösung der FSA. Washington und London stellten nach der Flucht von Idriss ihre Lieferungen von militärischen Ausrüstungen an die FSA umgehend ein.

Idriss sei geflohen, nachdem Milizionäre der rivalisierenden Islamischen Front sein Hauptquartier im syrischen Grenzort Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei gestürmt hatten, heißt es in dem Bericht, der sich auf nicht namentlich genannte US-Offizielle beruft. Die USA seien über die Entwicklung „schockiert“.

Der FSA-Sprecher Luai al-Mokdad wollte telefonisch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa dazu nicht Stellung nehmen. Syrische Oppositionskreise bestätigten aber, dass sich Idriss aus dem Land abgesetzt hat, nachdem Lebensgefahr für ihn bestanden hätte. Bei der gleichzeitigen Erstürmung eines Waffenlagers in der Nähe des FSA-Hauptquartiers hätten Kämpfer der Islamischen Front und der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front „Tonnen von Munition“ erbeutet.

Offiziell wurde die Einstellung der Lieferungen an die FSA durch die USA und Großbritannien zunächst mit der Erstürmung des FSA-Waffenlagers in Bab al-Hawa durch die islamistischen Milizen begründet. Humanitäre Hilfe sei von der Einstellung der FSA-Lieferungen nicht betroffen, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Die FSA wurde nach Beginn des Aufstandes gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad 2011 von Deserteuren gegründet. Sie steht auf nicht-religiöser Grundlage und ist bevorzugter Ansprechpartner des Westens unter den syrischen Rebellenkräften, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen.

Im September des Vorjahres hatte die Rebellenstreitkraft ihr Hauptquartier aus dem türkischen Grenzgebiet nach Bab al-Hawa verlegt. Ihre Kommandeure wollten damit untertstreichen, dass sie in der Lage seien, aus den von den Assad-Truppen „befreiten Gebieten“ heraus zu operieren.

Doch in den vergangenen Monaten wuchsen rivalisierende islamistische Milizen zu immer gewichtigeren Konkurrenten heran. So entstand die Islamische Front im Vormonat als Zusammenschluss von sechs islamistischen Brigaden. Die Al-Kaida-nahe Milizen Al-Nusra-Front und ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien) gehören ihr nicht an.

Während die FSA von ihren westlichen Förderern fast nur sogenannte „nicht tödliche“ Hilfe erhielt – das heißt Fertignahrung und Erste-Hilfe-Sets für die Front, aber keine Schusswaffen oder Raketen – , genossen die islamistischen Fraktionen großzügige Zuwendungen an Geld und Waffen aus der arabischen Golfregion.

Dies führte zu einem zunehmenden Bedeutungsverlust der FSA in ihren Kerngebieten in den nordsyrischen Provinzen Aleppo und Idlib. Ihre Kämpfer liefen in Scharen zu den mit höherem Sold und besseren Waffen lockenden islamistischen Milizen über. Die Erstürmung des FSA-Hauptquartiers durch die Islamische Front stand letztlich am Ende des Niedergangs einer Widerstandsarmee, die auf westliche Hilfe angewiesen war, welche sie aber nie in ausreichendem Maße erhielt.

Der 1957 geborene Idriss hatte in der ehemaligen DDR Elektrotechnik studiert. Als Brigadegeneral der syrischen Regime-Armee lief er im Juli des Vorjahres auf die Seite der Aufständischen über. Vor genau einem Jahr wählte ihn eine Konferenz von FSA-Vertretern und weltlichen Oppositionsgruppen zum Generalstabschef des Obersten Militärrates, des Kommandos der FSA. Idriss wandte sich in wiederholten Appellen an die westlichen Mächte, um eine bessere Ausstattung der FSA mit Geld und Waffen zu erreichen.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/nach-kommandeursflucht-syrische-rebellen-armee-fsa-loest-sich-auf/9211256.html

———————————————————————————————————————

06.12.2013

Syrische Rebellen geben Bedingungen für Freilassung entführter Nonnen bekannt

Die syrische Gruppe „Brigaden des freien Kalamun“ hat sich zur Entführung von zwölf Nonnen aus einem Kloster im christlichen Dorf Maalula bei Damaskus am Montag bekannt.

Im Austausch gegen die Nonnen fordern die Rebellen die Befreiung von 1.000 gefangenen Frauen aus syrischen Gefängnissen, berichtet die libanesische Zeitung „Daily Star“.

Diese Bedingungen wurden an den Vatikan bei einem Telefongespräch zwischen der Äbtissin des Klosters und Vertretern der katholischen Kirche übergeben.

Die Rebellen behaupten, dass die verschleppten Nonnen an einem sicheren Ort seien.
http://german.ruvr.ru/news/2013_12_06/Syrische-Rebellen-geben-Bedingungen-der-Freilassung-von-entfuhrten-Nonnen-bekannt-7259/

———————————————————————————————————————

30.11.2013

Syrische Rebellen vereinigen sich und planen islamistischen „Idealstaat“

Dass hinter den syrischen Rebellen in Wirklichkeit radikale Islamisten der Al-Kaida stehen, ist einigen Medien und Regierungen bereits bekannt. Jedoch gibt es im Westen immer noch vehemente Stimmen, die zur Unterstützung der Aufständischen aufrufen, allen voran die die USA. Dank der neuesten Forderung der Rebellen dürften ihre internationalen Verbündeten immer rarer werden. Denn erst kürzlich schlossen sich mehrere islamistische Gruppen zur größten bewaffneten Rebellengruppe „Islamische Front Irak und Großsyrien (Isis)“ zusammen. Ihr Ziel ist es, in Syrien und dem Nordirak einen großislamischen Staat auszurufen. Die neu gegründete Allianz umfasst immerhin mehr als 50.000 Kämpfer und soll der Zersplitterung der kämpfenden Opposition in Syrien teilweise entgegenwirken. Wie die europäischen Verbündeten der Rebellen – allen voran Frankreich – auf diese neuen Entwicklungen reagieren, bleibt abzuwarten.

Proto-Staat von Al-Kaida ist am Entstehen

In einem erst kürzlich veröffentlichten Video zeigen die Dschihadisten, wie ihr „Idealstaat“ aussieht. Es werden in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten massenhaft islamische Gerichtshöfe installiert, die das Recht Gottes verbreiten sollen. Vor diesen Gebäuden wird dann vor den Strafen bei einer „Beleidigung des Propheten“ gewarnt. Gleichzeitig häufen sich Horrorberichte aus den islamistisch kontrollierten Regionen. Todesstrafen und Amputationen stehen auf der Tagesordnung. Frauen und Mädchen werden gezwungen, sich komplett zu verschleiern, was vormals in Syrien ein nahezu unbekannter Anblick war. In den Schulen werden die Lehrpläne auf Religion umgestellt und natürlich wird jeder andere Glaube außer dem Islam verboten. 

Unter der Regentschaft von Baschar al-Assad gab es keinerlei religiöse Spannungen in Syrien und auch die Bevölkerung war eine der gebildetsten und fortschrittlichsten im Nahen Osten. Nach dem blutigen Bürgerkrieg, angezettelt von den Rebellen, muss man als Christ in Syrien um sein Leben fürchten, die Bevölkerung hungert und das Land ist zunehmend einem islamistischen Terror ausgesetzt. 

http://www.unzensuriert.at/content/0014457-Syrische-Rebellen-vereinigen-sich-und-planen-islamistischen-Idealstaat

———————————————————————————————————————

26.11.2013

Die Welt ignoriert das größte Massaker an Christen in Syrien

Während Israel weltweit immer wieder wegen angeblicher Menschenrechts-Verletzungen gegen Palästinenser kritisiert wird – die sich bei näherer Betrachtung häufig als arabische Propaganda erweisen – ignoriert die westliche Welt, was sich im Nachbarland Syrien ereignet. Dort hat ein grausames Massaker an Christen stattgefunden. Es gab Massengräber, zu Tode gefolterte Frauen und Kinder, verwüstete Kirchen. Täter waren die vom Westen unterstützten Rebellen gegen das Assad-Regime. Das Massaker ereignete sich in Sadad. Diese Stadt, zwischen Damaskus und Homs gelegen, wird bereits im Alten Testament erwähnt und ist eine der ältesten christlichen Ortschaften Syriens.

Die Bewohner Sadads sind vorwiegend Aramäer und sprechen bis heute Aramäisch, die Sprache Jesu. Ende Oktober waren die islamistischen Rebellen in Sadad eingefallen und hatten die Ortschaft über eine Woche lang belagert. Wie jetzt bekannt wurde, kamen dabei 45 Christen – darunter Frauen und Kinder – ums Leben; die 14 historischen Kirchen wurden geschändet und demoliert. Die Leichen von sechs Angehörigen derselben christlichen Familie, zwischen 16 und 90 Jahre alt, wurden am Grund einer Quelle entdeckt (ein Schicksal, das immer mehr christliche ‚Untermenschen‘ ereilt).

Die islamistischen Gotteskämpfer hielten ihre Gräueltaten teilweise auf Video fest. Sie riefen „Allahu Akbar“ – „Allah ist größer!“. Der syrisch-orthodoxe Erzbischof Selwanos Boutros Alnemeh sprach vom „schlimmsten und größten Massaker an Christen in Syrien in den vergangenen zweieinhalb Jahren.“ Die islamistischen Kämpfer hätten 1500 christliche Familien eine Woche lang als menschliche Schutzschilde gegen die Regierungstruppen missbraucht.

Wenige Wochen zuvor war bereits die aramäische Kleinstadt Maalula – eine der bedeutendsten christlichen Stätten Syriens – von islamistischen Rebellen angegriffen worden. Dabei wurden mehrere Aramäer getötet. Die meisten Bewohner konnten mitten in der Nacht in das benachbarte arabische Dorf Ayn it-Tine flüchten. Geflohene Bewohner berichten von anhaltenden Schießereien, schweren Verwüstungen, Übergriffen und sogar Zwangskonvertierungen zum Islam mit Waffengewalt und der Drohung, man werde ihnen sonst den Kopf abschlagen. Rebellen hätten die Bewohner als „Kreuzfahrer“ und den zum Weltkulturerbe zählenden Wallfahrtsort als „Wunde Christi“ bezeichnet.

Nach Angaben der syrischen Kirche übernehmen die Islamisten mehr und mehr die Kontrolle im Land. Sie sprechen den Christen in brutaler Art und Weise ihr Existenzrecht ab. Eine halbe Million Christen haben ihre Heimat bereits verlassen. Das aramäische Urchristentum steht in Syrien vor dem Aus.

http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/26441/Default.aspx

———————————————————————————————————————

24.11.2013

Scharfschützen jagen gezielt Kinder und Jugendliche

Im syrischen Bürgerkrieg sterben nach einer aktuellen Studie nicht nur Tausende Kinder durch Bomben und Granaten, sie werden auch gezielt getötet, gefoltert oder werden Opfer von Massenhinrichtungen. Von Jens Wiegmann

Fotos aus dem syrischen Bürgerkrieg sind kaum zu ertragen. Immer wieder sind auf ihnen Kinder zu sehen, einige erst wenige Monate alt, von Bomben getötet, erschossen, mit Chemiewaffen vergast. Mütter und Väter, die ihren toten Sohn oder ihre tote Tochter in den Armen halten, das Gesicht ungläubig, völlig starr oder verzerrt vor Schmerz über den Verlust. Zwei Jungs, die gemeinsam mit ihrer Mutter den Tod ihres vierjährigen Bruders betrauern, einer hält ein Bild des Kleinen in der Hand.

Die angesehene britische Nichtregierungsorganisation Oxford Research Group (ORG) hat sich nun in ihrer aktuellen Studie „Stolen Future: The Hidden Toll of Child Casualties in Syria“ speziell dem Thema getöteter Kinder im syrischen Bürgerkrieg gewidmet und es wissenschaftlich bearbeitet.

Aber als wäre die Zahl von 11.420 bestätigten Todesfällen von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zwischen März 2011 und August 2013 nicht furchtbar genug, kommen die Experten zu dem Schluss, dass Hunderte von ihnen gezielt umgebracht wurden.

„Am verstörendsten an den Ergebnissen ist nicht nur die bloße Zahl von Kindern, die in diesem Konflikt getötet werden, sondern die Art und Weise“, erklärt Hana Salama, Ko-Autorin des Berichts. „Bombardiert in ihren Häusern, in ihrem Wohnviertel, bei ganz alltäglichen Aktivitäten wie Schlange stehen beim Bäcker oder am Schulunterricht teilnehmen; getötet, weil sie zwischen die Fronten geraten sind, durch Scharfschützen, in Massenhinrichtungen, sie werden sogar vergast und gefoltert.“

Häufigstes Ziel waren junge Männer zwischen 13 und 17

So wurden in dem untersuchten Zeitraum 389 Kinder und Jugendliche Opfer von Scharfschützen, 764 starben bei Massenexekutionen, und mehr als 100 – einschließlich Säuglinge – wurden zu Tode gefoltert. Die mit Abstand meisten dieser Opfer waren männlich, in der Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen waren es sogar viermal so viele Jungs wie Mädchen.

Die tödlichste Gegend ist laut ORG-Studie die Region um die nordsyrische Stadt Aleppo, gefolgt von Homs – beides Hochburgen von Gegnern des Machthabers Baschar al-Assad. Insgesamt starben in dem Konflikt seit März 2011 mehr als 113.000 Menschen, mehr als zwei Millionen sind auf der Flucht. Schätzungsweise die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder.

Salama und ihr Kollege Hamit Dardagan bezogen sich in ihrer Studie vor allem auf Daten aus der syrischen Zivilgesellschaft und von Nichtregierungsorganisationen in dem Land. Dabei berücksichtigten sie nur Fälle, in denen Name, die Todesumstände und die eingesetzte Waffe bekannt sind. Gleichzeitig werteten Salama und Dardagan andere Statistiken aus und glichen sie mit ihrer ab.

Dennoch, so warnen die beiden, sei die Studie mit Vorsicht zu betrachten. Die Statistik sei unvollkommen, weil einige Gegenden keine Angaben liefern könnten. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob die Zahlen zu hoch oder zu niedrig sind.

http://www.welt.de/politik/ausland/article122211816/Scharfschuetzen-jagen-gezielt-Kinder-und-Jugendliche.html

———————————————————————————————————————

22.11.2013

Islamisten in Syrien vereinigen sich zum Kampf gegen Damaskus

Sechs syrische islamistische Gruppen, einschließlich „Liva-at-Taukhid“, „Ahrar ash-Sham“ und „Dzhejsh-al-Islam“, vereinen ihre Kräfte im Kampf gegen die syrischen Behörden, berichtet am Freitag die Website der ägyptischen Zeitung „Al-Ahram.“

Die Entscheidung über eine engere Zusammenarbeit zwischen den Rebellen folgte den Erfolgen der Regierungskräfte im Raum von Damaskus und Aleppo, stellt die Ausgabe fest.

Quellen in der Opposition führen die Erfolge von Damaskus bei der Rebellenbekämpfung auf ihre Uneinigkeit zurück, fügt „Al-Ahram“ hinzu.
http://german.ruvr.ru/news/2013_11_22/Islamisten-in-Syrien-vereinigen-sich-zum-Kampf-gegen-Damaskus-3057/

———————————————————————————————————————

15.11.2013

Irrtümlich geköpft: Regimegegner in Syrien von Mitstreitern hingerichtet

Extremisten aus der radikalen Gruppierung Islamischer Staat Irak und Levant (ISIS) in Syrien haben laut CNN irrtümlich einen ihrer Mitstreiter geköpft, den sie für einen Anhänger von Präsident Baschar al-Assad gehalten hatten. 

Diese Woche war im Internet ein ISIS-Video aufgetaucht, auf dem Extremisten der Menschenmenge in der Stadt Aleppo den Kopf eines Mannes zeigen, der nach ihren Worten ein Iraker gewesen ist, der sich freiwillig für die Regierungsarmee gemeldet habe. Später teilte das Syrische Zentrum für Überwachung der Menschenrechte mit  Sitz in London mit, der geköpfte Mann sei Mohammed Fares gewesen, der auf der Seite der Regimegegner gekämpft habe. 

Am Donnerstag veröffentlichte ISIS eine Erklärung im Internet, in der der Fehler eingestanden wurde. 

Die Gruppierung Islamischer Staat Irak und Levant (ISIS) war von den Medien bisher als Vertreterin der internationalen Terrorkette Al Qaida in Syrien vorgestellt worden. Letzte Woche teilte Aiman al-Zawahiri allerdings mit, ISIS werde aufgelöst. Al Qaida werde in Syrien weiterhin von Front al-Nusra vertreten werden, während ISIS ihre Aktivitäten auf das irakische Territorium beschränken und sich als Islamischer Staat Irak bezeichnen werde.

http://de.ria.ru/politics/20131115/267287159.html

———————————————————————————————————————

04.11.2013

Top-schiitischer Gelehrter: „Wahabiten sind ein Disaster welches die Muslimische Welt plagt“

Wie die Ahlul Bayt News Agency ABNA berichtet, hat ein schiitischer Gelehrter die Wahabiten als „Plage der Muslimischen Welt“ bezeichnet. Gleichzeitig warnte Ayatollah Mohammad Hassan Akhtari, der Generalsekretär der Ahlul Bayt (AS) Weltversammlung vor den wahabitischen Kriminellen und deren „Muftis“.
Er nannte sie Takfirigruppen, welche durch Wahabiten unterstützt werden und sich den Straftaten der Amerikaner in verschiedener Form im Irak, Pakistan, Syrien oder Ägypten hingeben.
Desweiteren verurteilte er die Schmähungen der Heiligen Schriften durch die Terroristen und die Zerstörung des wahren Islam und die Ignoranz die diese Terroristen für ihre Religion aufweisen.

http://www.abna.ir/data.asp?lang=7&id=478266

———————————————————————————————————————

28.10.2013

Terroristen brennen Kirche in Syrien nieder

Terroristen haben nach Angaben von Aktivisten in dem syrischen Grenzort Tell Abjad eine armenische Kirche niedergebrannt.

Die maskierten Männer, die in der Nacht zum Montag die armenische Heilig-Kreuz-Kirche zerstört hätten, gehörten der mit Al-Kaida verbundenen Gruppe namens „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS)“ an.
Das Gotteshaus stammt aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Tell Abjad liegt in der Provinz Al-Rakka im Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei.

http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/230560-terroristen-brennen-kirche-in-syrien-nieder

———————————————————————————————————————

20.10.2013

Syrische Terroristen schießen auf Schwangere: Jeder Treffer eine Zigarre

Syrische Terroristen wetten laut einem Zeitungsbericht untereinander um Zigaretten, dass sie die Babys von schwangeren Frauen im Bauch treffen können.

Das meldete die britische Zeitung ‚Daily Mail‘ am Samstag unter Berufung auf den Arzt, David Nott, der neben Syrien auch in anderen Kriegsgebieten freiwillig Dienste leistet.
Der britische Arzt sagte nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in Syrien, es sei zu beobachten, dass tageweise Patienten eingeliefert würden, die Schussverletzungen an bestimmten Stellen des Körpers aufwiesen.
„An einem Tag sind es Schüsse in die Leiste, am nächsten ist es die linke Brust“, führte er aus.
„An den ersten Patienten, die am Morgen eingeliefert wurden, ließ sich fast schon ablesen, was man den Rest des Tages über zu sehen bekam“, sagte Nott der Zeitung. „Es war ein Spiel.“
Immer mehr verletzte schwangere Frauen würden ins Krankenhaus kommen, was die Absicht der Scharfschützen beweise. Allein an einem Tag habe er in einer syrischen Stadt, die er aus Sicherheitsgründen nicht nennen wolle, mehr als sechs schwangere Frauen mit Schussverletzungen behandelt. „Allen Frauen war in die Gebärmutter geschossen worden, die Scharfschützen müssen direkt darauf gezielt haben“, sagte Nott.
Offenbar unternähmen die Terroristen aus Langeweile und zur eigenen Unterhaltung Zielübungen.
Der Arzt arbeitet normalerweise als Gefäßchirurg in einem Londoner Krankenhaus. Kriseneinsätze leistete Nott in den vergangenen 20 Jahren bereits in Bosnien, in Libyen und in Kongo. Zu seinen Erlebnissen in Syrien sagte: „Es war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe, das geschah mit Vorsatz.“

http://german.irib.ir/nachrichten/nahost/item/230141-syrische-terroristen-schie%C3%9Fen-auf-schwangere-jeder-treffer-eine-zigarre

———————————————————————————————————————

15.10.2013

Zum Islam konvertieren oder den Kopf verlieren

Islamistische Rebellen bedrohen den Wallfahrtsort Maalula in Syrien. Unter Assad durften die Christen ihre Religion frei ausleben – nun gelten sie als Kollaborateure und werden vertrieben.

„Maalula muss man unbedingt gesehen haben“, sagt Abu Hassan. Er sitzt am Steuer seines klapprigen weißen Peugeot und fährt mit hoher Geschwindigkeit aus Damaskus hinaus Richtung Nordwesten. „Das ist so wie die Pyramiden in Ägypten oder die Ruinenstadt Petra in Jordanien“, sagt der Syrer stolz – immerhin handelt es sich bei den beiden Vergleichsfällen um Weltkulturerbestätten. Mindestens so wichtig ist Maalula für die Identität seines Landes.

Kaum irgendwo sonst in Syrien verfließen Legenden, Märchen, Glaube und Geschichte so untrennbar ineinander. Seit der Steinzeit bewohnt, bildete sich hier eine der ersten christlichen Gemeinden. Heute ist das Dorf einer der wichtigsten christlichen Pilgerorte Syriens.

Die fast 60 Kilometer von Damaskus schafft der 56 Jahre alte Abu Hassan, im Hauptberuf Schreibwarenhändler, in etwas mehr als einer halben Stunde. Als sein Gefährt den Berg hinaufkommt, gerät es ins Stocken. Die Kalamun-Berge entlocken dem Wagen Baujahr 1981 die letzten Kraftreserven. Maalula liegt in 1500 Meter Höhe. Die letzten 200 Meter müssen zu Fuß bewältigt werden. Zwei enge Schluchten führen zu dem in die Felsen gebauten Dorf, das einmalig ist auf der Welt. Hier wird noch Aramäisch gesprochen, die Sprache, in der Jesus Christus gepredigt hat. Rafik Schami, einer der bekanntesten syrischen Schriftsteller und selbst aramäischer Christ, hat Teile seines Romans „Die dunkle Seite der Liebe“, eine arabische Variante von Romeo und Julia, in das Dorf verlegt, aus dem die Sippe seines Vaters stammt.

Maalula ist ein mystischer, ein friedlicher Ort. Wenn Abu Hassan wütend und frustriert ist, kommt er hierher, setzt sich in die kleine Kapelle des Klosters Mar Sarkis, redet ein wenig mit dem Pater und fühlt sich dann besser. Obwohl er Muslim ist, fühlt er sich bei den Christen in Maalula gut aufgehoben. „Es ist, als ob sie den Teufel austreiben könnten“, sagt er und hebt die Stille und Ausgeglichenheit hervor, die der Ort ausstrahlt. „Hier hat das Böse keinen Platz“, sagt Abu Hassan. Doch jetzt muss er feststellen, dass das Böse in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs inzwischen auch nach Maalula gegriffen hat.

„Hält sich Assad etwa in Maalula auf?“

Syrische Rebellen, vor allem die extremistisch-sunnitische Al-Nusra-Front, liefern sich seit Wochen erbitterte Gefechte mit den Regierungstruppen um das Bergdorf. Zeitweise konnten die Extremisten Teile des Dorfes einnehmen, die ursprünglich 3000 Bewohner flohen in Scharen. Sie berichten von schweren Verwüstungen, Beschimpfungen und sogar Zwangskonvertierungen zum Islam unter Waffengewalt und der Drohung, man werde ihnen sonst den Kopf abschlagen.

Das Dorf ist inzwischen wieder unter Kontrolle der Regierungstruppen, aber die Berge gehören den Rebellen. Auf halbem Weg sind 40 Nonnen und Waisen gefangen zwischen den Fronten. „Die Gemeinschaft Mar Takla durchlebt schmerzhafte Tage, weil sie sich mitten im Kampfgebiet befindet“, teilt die griechisch-orthodoxe Kirche in Damaskus mit. „Die Versorgung ist schwierig und gefährlich.“

Marie konnte aus Maalula fliehen und brachte sich in Damaskus in Sicherheit. Als die Al-Nusra-Kämpfer in die Stadt eingedrungen seien, hätten sie „Maalula ist die Wunde Christi“ gebrüllt und die Bewohner als „Kreuzfahrer“ bezeichnet. Ein anderer Bewohner erzählt, sein Nachbar sei mit einer Waffe bedroht und gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren. „Jetzt ist er einer von uns“, hätten die Islamisten anschließend lachend gerufen. Viele der Angreifer seien Ausländer gewesen, berichtet ein Bewohner telefonisch der Nachrichtenagentur Associated Press. Tunesier, Marokkaner, Libyer und Tschetschenen – er habe verschiedene Dialekte gehört.

„Sie behaupten, gegen Assad zu kämpfen – aber hält sich Assad etwa in Maalula auf?“, fragt eine andere Bewohnerin vorwurfsvoll eine Reporterin von Russia Today. Sie hat bei Verwandten im christlichen Stadtteil von Damaskus Zuflucht gefunden, in Bab Tuma. „Ihr Kampf richtet sich nicht gegen Assad. Sie wollen ein islamisches Emirat im gesamten Nahen und Mittleren Osten errichten.“ Maalula sei strategisch wichtig, meinen die islamistischen Rebellen. Viele halten das für einen vorgeschobenen Grund, um diesen christlichen Wallfahrtsort religiös zu „säubern“, die „Ungläubigen“ auszulöschen.

Exodus der Christen

Seit Jahrhunderten, wahrscheinlich seit Anbeginn christlicher Zeitrechnung, ist Maalula christlich-aramäisch geprägt. Bis heute wird dort eine weibliche „Apostelin“ verehrt, die Paulusschülerin Thekla. Die beiden Klöster, die den Ort prägen und ihn berühmt gemacht haben, sind Anfang des vierten Jahrhunderts n. Chr. erbaut worden. Sarkis, Sergius oder auch Serge, je nach Sprache, war ein römischer Soldat, der wegen seines christlichen Glaubens verfolgt, ermordet und dadurch zum Märtyrer erklärt wurde. Anfangs boten die Höhlen der unbewachsenen Kalamun-Berge Unterschlupf für religiös Verfolgte. Mit der Zeit sind Häuser aus Stein daraus erwachsen, zwei Klöster gebaut worden. Mar Sarkis ist eines der ältesten Klöster weltweit. Pater Michel ist der einzig noch verbliebene Abt in Maalula. Er will hier ausharren, solange es geht, obwohl seine Mönchsbrüder in Frankreich und Griechenland ihm raten, Syrien zu verlassen. Zeitweise, so heißt es, tauche er in Damaskus unter und versuche, medizinische Versorgung für seine Gemeinde zu organisieren.

Exodus der Christen: zuerst aus dem Irak, nun aus Syrien. In Scharen verlassen sie die Region. Bald wird es keine Assyrer, Aramäer, Chaldäer, Armenier, Kopten und Griechisch-Orthodoxe im Stammland der Christen mehr geben. Die Vielfalt der christlichen Konfessionen wird dann für immer verschwunden sein. Während sich die Zahl der Christen seit dem Einmarsch der Amerikaner und Briten im Irak vor zehn Jahren halbiert hat und heute nur noch zwei Prozent der fast 30 Millionen Iraker Christen sind, droht in Syrien das gleiche Szenario.

Als das Land 1945 unabhängig wurde, waren rund 20 Prozent der Syrer christlichen Glaubens, bei Ausbruch des Bürgerkrieges vor zweieinhalb Jahren wurden sie nur noch auf knapp sechs Prozent der etwa 22 Millionen Syrer geschätzt. Mit zunehmendem Einfluss der radikalen Islamisten hat sich ihre Zahl noch einmal drastisch verringert. Schätzungen zufolge sind unter den gut zwei Millionen Syrern, die bislang ins Ausland flohen, rund 100.000 Angehörige der verschiedenen christlichen Konfessionen.

Die meisten syrischen Christen gelten als Anhänger des Regimes von Baschar al-Assad, obwohl die Freie Syrische Armee der Aufständischen auch über ein christliches Rebellenbataillon verfügt. Doch je mehr die Dschihadisten an Einfluss in Syrien gewinnen, desto gefährdeter sind die Christen. In einem islamischen Gottesstaat, wie ihn die Radikalen propagieren, leben Christen gefährlich.

„Für uns gibt es in Syrien keinen Platz mehr“

Drei Jahrhunderte lebte die Familie von Abu Dschahia im Süden Syriens. Sie überstand zwei Weltkriege und unzählige regionale Konflikte in ihrer Heimat Ain al-Dschuseh im Umland von Homs. Doch dann kamen die Dschihadisten – und den christlichen Syrern blieb nur noch die Flucht. „Islamistische Kämpfer kamen zu unserem Haus und sagten, wir hätten zwei Möglichkeiten: zum Islam zu konvertieren oder zu gehen“, sagt Abu Dschahia, der inzwischen im jordanischen Flüchtlingslager Saatari lebt. „Für uns gibt es in Syrien keinen Platz mehr“, erklärt er. Er hat Angst. Seinen Familiennamen will er nicht nennen.

Die meisten Christen hatten zunächst versucht, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. Im säkularen Staat unter Baschar al-Assad konnten sie frei ihre Religion ausüben – allerdings wie andere gesellschaftliche Gruppen unter Kontrolle des Geheimdienstes. Von den radikalen Oppositionellen werden sie deshalb nun als „Kollaborateure“ angesehen. Als das Regime medienwirksam die „Rückeroberung“ Maalulas verkündete, waren die wenigen dort verbliebenen Bewohner zwar erleichtert, aber ihre Zukunft ist dennoch düster: ein Leben unter ständigem Schutz einer autokratischen Staatsmacht.

Die meisten blicken nach Europa

Abu Mohammed al-Hamad, ein Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee in Aleppo, will das Vertrauen der christlichen Gemeinde in seinem Zuständigkeitsbereich gewinnen. „Wir versichern unseren christlichen Brüdern immer wieder, dass wir für ein freies Syrien kämpfen und nicht für einen islamischen Gottesstaat“, sagt er. „Doch jedes Mal, wenn Dschihadisten für einen Angriff oder eine Entführung verantwortlich gemacht werden, ist das Vertrauen der Christen in die Revolution und in uns wieder verloren.“

Die meisten christlichen Syrer im Exil blicken nach Europa, weil sie die Hoffnung verloren haben, in ihr Heimatland zurückkehren zu können. Der 52-jährige Juwelier George aus Damaskus sagt: „Extremismus hat den Irak zerstört, den Libanon, Ägypten und jetzt Syrien.“ Er steht in einer Warteschlange vor der schwedischen Botschaft in Amman, wo er einen Antrag auf Asyl stellen will. „Für uns Christen gibt es nur noch einen Weg: den nach Westen.“

Der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, hat sich skeptisch über die Zukunft der Christen in Syrien geäußert. Auch nach einem Waffenstillstand würden viele Christen das Land verlassen, sagte er dem vatikanischen Pressedienst Fides. Es gebe keine Hoffnung mehr, dass das Land zu einem friedlichen Zusammenleben der Religionen wie früher zurückkehren werde. Weder von den oppositionellen Gruppen noch von den Dschihadisten oder anderen gebe es Zeichen, „die Christen ermutigen würden“, so der Erzbischof. Der Angriff auf Maalula durch islamische Extremisten habe „symbolischen Wert“.

http://www.welt.de/politik/ausland/article120910961/Zum-Islam-konvertieren-oder-den-Kopf-verlieren.html

———————————————————————————————————————

14.10.2013

Obamas falsche Freunde: Syrische Rebellen verüben Massaker an Zivilisten

Mindestens 190 Zivilisten sollen nahe der syrischen Stadt Latakia von Rebellen getötet und über 200 entführt worden sein. Mehrere Rebellen-Gruppen haben das Massaker verübt, berichtet Human Rights Watch. Finanziert wurden die Rebellen von den Golf-Staaten. Sie wären diejenigen gewesen, denen die Amerikaner mit einem Militärschlag gegen Assad zu Hilfe geeilt wären.

Während in Syrien gerade damit begonnen wird, die Chemiewaffen des Landes zu vernichten, taucht ein neues Massaker in Syrien auf. In einem 105-seitigen Bericht der Organisation Human Rights Watch wird ein Fall geschildert, bei dem Rebellen bzw. Oppositionsgruppen Verbrechen an Zivilpersonen verübt haben sollen.  Das Ganze soll sich am 4. April. In der Nähe der syrischen Stadt Latakia, südwestlich der Küstenstadt Aleppo, ereignet haben.

Rebellen sollen einen Armeestützpunkt überrannt und zehn alawitische Dörfer besetzt haben – Syriens Präsident Assad gehört zur alawitischen Minderheit des Landes. Erst zwei Wochen später gelang es der syrischen Regierung, wieder die Dörfer unter Kontrolle zu kriegen. Die Bilanz, so Human Rights Watch: Die bewaffneten Oppositionsgruppen töteten mindestens 190 Zivilisten und nahmen über 200 Zivilisten als Geiseln. Regelrechte Hinrichtungen sollen stattgefunden haben.

Diese Übergriffe waren keine Aktion von skrupellosen Kämpfern“, so Joe Stork von Human Rights Watch. „Diese Operation war ein koordinierter, geplanter Angriff auf die Zivilbevölkerung in diesen alawitischen Dörfern.“ Die Untersuchungen von Human Rights Watch ergeben, dass mindestens 20 verschiedene bewaffnete Oppositionsgruppen an der Aktion beteiligt waren. Fünf Gruppen zählten jedoch zu den Hauptakteuren und Finanziers: Ahrar al-Sham, Islamic State of Iraq and Sham, Jabhat al-Nusra, Jaish al-Muhajireen wal-Ansar und Suquor al-Izz. Die über 200 Geiseln sollen sich noch immer in den Fängen der zwei Oppositionsgruppen Islamic State of Iraq and Sham und Jaish al-Muhajireen wal-Ansar befinden.

Human Rights Watch zufolge konnten einige Individuen identifiziert werden, die die Operation von Anfang April bzw. die an der Operation beteiligten Gruppen finanziell unterstützt haben. Überwiegend sollen diese aus den Golfstaaten kommen. Allerdings „gibt es noch keinen Beweis, dass die Finanziers und Unterstützer zu der Zeit, als die finanzielle Unterstützung gewährten, von den geplanten Tötungen und Geiselnahmen wussten“, so der Bericht.

Mittlerweile sollen in Syrien über 115.000 Menschen getötet worden sein, so das Syrian Observatory for Human Rights. Der UN zufolge werden Ende dieses Jahres 3,2 Millionen Syrer Flüchtlinge sein. Mehr als 5,2 Millionen könnten es im kommenden Jahr werden, zitiert NBCNews UN-Beobachter.

Die Situation im Land könnte nicht komplizierter sein. Noch immer ist nicht eindeutig geklärt, dass tatsächlich Assad bzw. seine Regierung den Giftgasanschlag durchgeführt hat. Der Anschlag, der nun die Vernichtung der Chemiewaffen im Land zur Folge hat. Von der einstigen Bevölkerung die noch vor Ausbruch der Krieges in Syrien auf die Straße gegangen war, um zu protestieren, ist bei den Oppositionellen nicht mehr viel zu sehen. Vielmehr sind viele der in den  Oppositionsgruppen Kämpfenden von der Nationalität her keine Syrer, sondern Söldner, wie es auch im Libyen Krieg zu sehen war.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/14/obamas-falsche-freunde-syrische-rebellen-verueben-massaker-an-zivilisten/

———————————————————————————————————————

13.10.2013

Syrien: Blutige Konflikte unter Regimegegnern nehmen zu

Rund 50 Menschen sind bei Zusammenstößen zwischen radikalen islamistischen Gruppierungen und Rebellen in der syrischen Stadt Aleppo ums Leben gekommen, meldet AFP unter Berufung auf das Syrische Zentrum für Überwachung der Menschenrechte (OSDH) mit dem Sitz in London.

Laut diesem Bericht hatten die Zusammenstöße zwischen der mit dem internationalen Terrornetz al-Qaida verbundenen Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und Einheiten der Freien Syrischen Armee am Donnerstag begonnen. Laut OSDH gab es auf der Seite der Freien Syrischen Armee mindestens 30 Tote, bei den Islamisten sollen 14 Kämpfer ums Leben gekommen sein.

Beide Gruppierungen kämpfen zwar gegen die syrischen Regierungstruppen, in letzter Zeit kommt es aber nicht selten zu Konflikten zwischen ihnen.

Experten zufolge gibt es innerhalb der bewaffneten syrischen Opposition viel mehr Kampfgruppen, deren ideologische Basis radikale fundamentalistische Ideen des Islam sind, als Gruppen, die weltliche Prinzipien vertreten.

http://de.ria.ru/politics/20131013/267064606.html

———————————————————————————————————————

11.10.2013

Islamisten massakrieren in Syrien 190 Zivilisten

Massaker in Syrien: Menschenrechtler berichten, Aufständische hätten in alawitischen Dörfern 190 Menschen ermordet, auch Dutzende Frauen und Kinder. Einige Opfer seien regelrecht hingerichtet worden.

Aufständische haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Anfang August ein Massaker in mehreren alawitischen Dörfern im Nordwesten Syriens verübt. Mindestens 190 Zivilisten seien bei dem Überfall am 4. August auf zehn Dörfer in der Küstenprovinz Lattakia von Dschihadisten und Aufständischen ermordet worden, wobei 67 Menschen regelrecht hingerichtet worden seien, schrieb die Menschenrechtsorganisation in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Für den Bericht führte HRW nach eigenen Angaben 35 Interviews, darunter mit mehreren Überlebende des Angriffs. Die Organisation erstellte bei ihrer Untersuchung vor Ort eine Liste mit den Namen der Toten. Ihr zufolge befinden sich 57 Frauen und 18 Kinder unter den Opfern. Die 67 Menschen, die gezielt hingerichtet wurden, seien nicht bewaffnet gewesen und hätten keine Bedrohung dargestellt, teilweise hätten sie sich sogar auf der Flucht befunden, schrieb HRW.

Die Region, in der die betroffenen Dörfer liegen, ist eine Hochburg von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Nach Angaben von HRW waren insgesamt 18 Rebellengruppen an dem Angriff beteiligt, doch hätten fünf radikale islamistische Gruppierungen bei der Operation die Führung gehabt. Die beiden Gruppen Islamischer Staat im Irak und der Levante und Dschaisch al-Muhadschirin wal Ansar würden noch immer mehr als 200 Zivilisten als Geiseln halten, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, hieß es weiter.

Es habe sich um einen gezielten Angriff auf die Zivilbevölkerung in den alawitischen Dörfern gehandelt, sagte der HRW-Interimsdirektor für den Nahen Osten, Joe Stork. Die Taten müssten als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gewertet werden, erklärte seine Organisation. Menschenrechtsgruppen haben seit Beginn des Konflikts in Syrien wiederholt Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Regierungstruppen sowie der Aufständischen dokumentiert.

UN-Sicherheitsrat unterstützt Syrien-Plan

Wie in der Nacht zum Freitag ebenfalls bekannt wurde, soll der UN-Sicherheitsrat den Plan von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon für eine gemeinsame Mission der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen unterstützen.

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte am Donnerstag (Ortszeit) nach den ersten Gesprächen des Sicherheitsrats über die Vorschläge, es habe „keine Einwände“ gegeben. Zudem sei eine „gute Kooperation“ der syrischen Behörden festgestellt worden.

Frankreichs UN-Botschafter Gérard Araud sagte, die 15 Mitglieder des Gremiums seien sich einig gewesen, dass die bereits nach Syrien entsandten Experten von UN und OVCW einen „tollen Job“ machten. Seit Anfang Oktober befindet sich ein Team von 20 Experten in Syrien, um gemäß einem Beschluss des Sicherheitsrats vom 27. September das syrische Chemiewaffenarsenal zu zerstören. Gemäß dem Plan von Ban soll die Mission auf bis zu 100 Experten aufgestockt werden.

Tschurkin sagte, der Sicherheitsrat werde einen Brief an die OVCW schicken, in dem die Einzelheiten der gemeinsamen Mission dargelegt werden sollen. Der Brief werde wahrscheinlich am Freitag beschlossen werden. Es wird erwartet, dass Ban rasch einen Leiter für die Mission ernennt, die ihre Basen in Damaskus und auf Zypern haben soll. Gemäß der UN-Resolution sollen die Produktionsstätten für Chemiewaffen bis zum 1. November unbrauchbar gemacht und das Arsenal bis Mitte 2014 zerstört werden.

http://www.welt.de/politik/ausland/article120816333/Islamisten-massakrieren-in-Syrien-190-Zivilisten.html

———————————————————————————————————————

08.10.2013

Kinderscharfschütze der Islamisten in Syrien: „Ich habe 32 Menschen getötet, ich bin das gewöhnt“

Er heißt Shaaban Abdallah Hamedah und ist gerade einmal 13 Jahre alt. In der syrischen Stadt Aleppo tötete er 32 Menschen, nachdem ihn die islamistischen Rebellen zum Scharfschützen ausgebildet hatten. Der Junge selbst erzählte seine Erlebnisse einem arabischen Fernsehsender. Der Internetkanal Eretz Zen übersetzte das Interview ins Englische.

Angeworben wurde Shaaban von seinem Onkel. Der 13-Jährige sagt heute: „Töten ist für mich kein Problem“.

Gute Entlohnung und eine Pistole

Shabaan arbeitete in einer Plastikfabrik. In Europa nennt man das Kinderarbeit. Eines Tages kam sein Onkel Yahya Aziz Aziz und warb ihn für die islamistische Rebellenbewegung an: „Er bot mir an, mich ihm und seiner Kampfgruppe namens Verzeih mir Vater anzuschließen. Die Gruppe gehört zum Kampfverband der Neffen des Propheten. Er sagte mir, daß er mir eine gute Entlohnung und eine Pistole geben wird, die ich dann meinen Freunden zeigen kann. Und ich habe für drei Monate mit ihnen gearbeitet“.

Der Rebellenverband Afhad al-Rasoul (Neffen des Propheten) ist eine Brigade von etwa 15.000 Angehörigen zwischen Kämpfern und Unterstützern, die vom Golfemirat Katar finanziert wird. Angeführt wird der Verband von Ziad Haj Obaid, der zum Oberkommando der Freien Syrischen Armee (FSA) gehört, die von den USA, Frankreich und Großbritannien indirekt über Saudi-Arabien und Katar mit Waffen versorgt werden. Zu direkten Waffenlieferungen dieser Länder an die Rebellenarmee, wie im vergangenen Sommer beabsichtigt, kam es wegen des russischen und innenpolitischen Widerstands nicht. Großbritannien war das erste Land, das von einer so offenen Parteinahme wieder abrückte.

Shaaban, mit 13 Jahren Todesschütze der Rebellen

Shaaban wurde einen Monat lang im Umgang mit Waffen ausgebildet. Ausgebildet wurde der Junge zum Scharfschützen. „Auf alle schießen“, habe die Anweisung gelautet, so der Junge. „Als ich ausreichend gut schießen konnte, fixierte mein Onkel ein Scharfschützengewehr auf dem Dach eines Gebäudes, von dem aus man die Shaar-Brücke sah. Als wir Zivilisten und Soldaten sahen, sagte er mir, sie zu treffen.“ Shabaan „arbeitete“ von sieben Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags. „Dann wurde ich abgelöst“, so der Junge. „Mir wurde gesagt, jeden abzuschießen, der die Brücke überquerte, jeden Menschen und jedes Fahrzeug, zivil oder militärisch. Auch wenn es eine Mutter war, hatte ich dennoch zu schießen. Wenn jemand von unserer Gruppe passieren mußte, ließen sie es mich wissen.“

Der erste Mensch, den ich getötet habe“

Der Junge erzählt in dem Interview vom ersten Menschen, den er tötete: „Den erste Menschen, den ich getötet habe, habe ich schon von weitem gesehen und als er auf die Brücke kam, sagte mir Yahya auf ihn zu schießen. Ich war blockiert und begann zu zittern. Es war der erste Mensch, den ich getötet habe. Ich verspürte einen Schauer. Er sagte mir: ‚Schieß ihn nieder, hab keine Angst.‘ Er nahm meine Hand und ich habe geschossen. Drei Tage lang konnte ich nicht schlafen. Ich sah im Schlaf immer diesen Mann. Dann habe ich mich daran gewöhnt und hatte keine Albträume mehr. Als ich dann gut schoß, tötete ich drei am Tag.“

Tödliche Schüsse auch auf andere Rebellen

Shaaban erinnert sich, auch andere Rebellenkämpfer getötet zu haben. Als ihn der Interviewer fragt, warum er das getan hat, antworte er: „Ich habe auch auf Rebellen geschossen, weil es Zwistigkeiten zwischen ihnen und der Gruppe meines Onkels gab. Das ganze Töten von Menschen schien wie ein Spiel für sie“.

Natürlich tötete er auch Soldaten der Regierungsarmee von Assad. „Wenn Soldaten die Brücke betraten, hatte ich sie abzuschießen. Sie rückten zu 15 Mann gleichzeitig vor und ich schaffte es einen oder zwei von 15 zu erschießen. Da verstanden sie, daß ein Scharfschütze lauerte und ich rief Yahya. Ich meldete ihm, wohin sich die Soldaten bewegten, ich hatte Angst, daß sie mich entdecken und zu mir kommen würden. Er kam dann mit drei oder vier Kämpfern, die unten im Gebäude warteten, und mir und den anderen Scharfschützen bei der Flucht halfen.“

Gewöhnt zu töten

Insgesamt, so Shaaban, habe er „etwa 10 Soldaten, 13 Zivilisten und neun Rebellen getötet, wie Yahya es von mir wollte“. Am Ende des Interview stellt er mit einer unmenschlichen Ruhe und Kälte fest: „Von einem Dach aus kann ich jeden töten. Es bereitet mir kein Problem, Menschen umzubringen. Inzwischen bin ich es gewöhnt.“

http://www.youtube.com/watch?v=WS5WrcvH46c&feature=player_embedded

http://katholisches.info/2013/10/08/kinderscharfschuetze-der-islamisten-in-syrien-ich-habe-32-menschen-getoetet-ich-bin-das-gewoehnt/

———————————————————————————————————————

25.09.2013

Pro-Scharia-Gruppen spalten sich von Opposition ab

Mehrere Gruppen syrischer Aufständischer wie die islamistische Al-Nusra-Front haben sich von der Nationalen Koalition losgesagt. Sie fordern, die Scharia müsse „einzige Quelle der Gesetzgebung“ sein.

Mehrere wichtige syrische Aufständischen-Gruppen haben sich von der Syrischen Nationalen Koalition losgesagt. Das im Ausland als bedeutendste oppositionelle Organisation angesehene Bündnis „vertritt uns nicht, und wir erkennen es nicht an“, hieß es in einer Mitteilung von 13 Gruppierungen, die am späten Dienstagabend verbreitet wurde.

Die Ablehnung gilt demnach auch für die „Übergangsregierung“ um Ahmed Tomeh, die von der Nationalen Koalition für die von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Syriens bestimmt wurde. Zu den Unterzeichnern der Erklärung zählen Vertreter der Freien Syrischen Armee, der militärischen Hauptorganisation im Aufstand gegen die Regierung unter Präsident Baschar al-Assad.

Außerdem unterschrieben die radikalislamische Al-Nusra-Front und die Tawhid-Brigade, die wichtigste Rebellengruppe in der nördlichen Provinz Aleppo. Die 13 Gruppen riefen in der Mitteilung zur Anwendung des islamischen Rechts, der Scharia, auf. „Alle militärischen und zivilen Gruppen“ sollten die Scharia zur „einzigen Quelle der Gesetzgebung“ machen. Darüber hinaus wird in der Erklärung zu Einigkeit innerhalb der Rebellenbewegung aufgerufen.

Innerhalb der syrischen Opposition gab es schon zuvor immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Zuletzt hatte es im Norden Syriens Kämpfe zwischen mehreren Rebellengruppen und der al-Qaida nahe stehenden dschihadistischen Gruppe Islamischer Staat des Irak und der Levante gegeben. Die Nationale Koalition wirft den Dschihadisten vor, sich vom Kampf gegen Assad abzuwenden und stattdessen ihren Einfluss in den „befreiten Zonen“ auszudehnen.

Männer vergewaltigen 14-Jährige in Flüchtlingslager

Die Gewalt in Syrien geht indes weiter. Bei einem Bombenanschlag am südlichen Stadtrand von Damaskus starben am Dienstag nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens sieben Menschen, rund 15 weitere wurden verletzt.

Nach Informationen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging die Autobombe in dem weitgehend von Aufständischen kontrollierten Viertel Tadamun hoch – allerdings in einer Gegend, die unter Kontrolle der syrischen Armee steht. Das syrische Staatsfernsehen machte die Aufständischen für den Anschlag verantwortlich.

In einem syrischen Flüchtlingslager in Jordanien vergewaltigten unterdessen mehrere Männer ein 14-jähriges Mädchen. Einer der Männer aus dem Lager Saatari sei festgenommen worden, nach den beiden anderen mutmaßlichen Vergewaltigern werde noch gefahndet, sagte der Leiter des syrischen Flüchtlingsamtes, Waddah Hmud, am Dienstag. Die Polizei bestätigte den Vorfall, äußerte sich aber nicht zu Details.

Jordanien hat mehr als eine halbe Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen, rund 120.000 von ihnen leben in dem nahe der Grenze zu Syrien liegenden Lager Saatari. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hatte vergangenen Monat davor gewarnt, die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge könnten als Kindersoldaten oder Arbeitssklaven ausgebeutet oder Opfer sexueller Gewalt werden.

http://www.welt.de/politik/ausland/article120359319/Pro-Scharia-Gruppen-spalten-sich-von-Opposition-ab.html

———————————————————————————————————————

11.06.2013

Lawrow: Syrische Rebellen setzen Artillerie ein

Die syrischen Regimegegner haben in Al-Kusair Artillerie und Luftabwehrsysteme eingesetzt, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit dem TV-Sender CBS.

Menschen, die gegen die syrische Armee kämpfen, sind sehr gut bewaffnet. Im Fall Al-Kusair haben die beiden Seiten schwere Waffen angewandt. Die Opposition setzte Artillerie und Luftabwehrsysteme ein“, hieß es.

Die Kriegsverbrechen in Syrien müssen aufgeklärt werden, führte Lawrow weiter aus. „Ich glaube, dass es Beweise gibt, dass viele Personen in Syrien Kriegsverbrechen begangen haben, und dies muss ermittelt werden“.

Lawrow kritisierte ferner die Haltung der USA, die nach seiner Ansicht die Opposition in Syrien unterstützen.

http://de.rian.ru/politics/20130611/266281755.html

———————————————————————————————————————

30.05.2013

Lawrow: Syrische Opposition will militärische Intervention provozieren

Die Nationale Koalition der syrischen Opposition tut laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow alles, um eine politische Regelung zu verhindern und eine militärische Intervention vom Zaun zu brechen,

Es entsteht der Eindruck, dass die Nationale Koalition und vor allem deren regionale Sponsoren alles tun, um den Beginn eines politischen Prozesses zu verhindern und mit allen Mitteln – unter anderem der gewissenlosen Bearbeitung der öffentlichen Meinung im Westen – eine militärische Intervention in Syrien vom Zaun zu brechen“, sagte Lawrow nach Verhandlungen mit seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodriguez.

Am Vortag  hatte die Nationale Koalition der syrischen  Oppositions- und Revolutionskräfte eine Erklärung verbreitet, in der sie den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad, der Regierung sowie der Führung der Geheimdienste und der Armee als eine der Bedingungen für ihre Teilnahme an der zweiten internationalen Syrien-Konferenz in Genf nannte.

Wir (…)  gehen davon aus, dass die Nationale Koalition, was immer man auch sagt, nicht der einzige legitime Vertreter des syrischen Volkes ist. Es gibt auch andere ernsthafte Gruppen der Oppositionskräfte, die nicht von aggressiven, sondern von patriotischen Positionen aus auftreten“, fügte Lawrow hinzu.

Zuvor hatte die syrische Regierung ihre prinzipielle Zustimmung geäußert, an der geplanten Konferenz teilzunehmen. Die Oppositionskoalition konnte sich lange Zeit zu keiner diesbezüglichen Entscheidung durchringen.

Die Initiative zur Durchführung einer Syrien-Konferenz, die eine Fortsetzung des Treffens vom 30. Juni 2012 in Genf werden soll, hatten der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein amerikanischer Amtskollege John Kerry ergriffen.

Die Gruppe der „Freunde Syriens“ hatte den amerikanisch-russischen Vorschlag begrüßt.

http://de.rian.ru/security_and_military/20130530/266214976.html

———————————————————————————————————————

30.05.2013

Mehrheit der Rebellen will keine Demokratie

Nach Einschätzung von UN-Ermittlern streben die meisten syrischen Rebellen keine Demokratie an. Währenddessen sorgen die Kämpfe für immer mehr Gewalt und Todesopfer. Doch Baschar al-Assad gibt nicht nach.

Die meisten syrischen Rebellen streben nach Einschätzung von UN-Ermittlern keine Demokratie an. Zudem bringe der Bürgerkrieg in Syrien immer schlimmere Gräueltaten zum Vorschein, sagte der Chef der UN-Untersuchungskommission zu Syrien, Paul Pinheiro, am Mittwoch zu Journalisten in Paris. „Die Mehrheit der Aufständischen hat keine demokratischen Gedanken oder Bestrebungen“, ergänzte der brasilianische Diplomat.

Die ausländischen Kämpfer hätten die Aufständischen radikalisiert. Der nächste Bericht der Kommission solle am 4. Juni veröffentlicht werden. Die Ermittler stützen ihre Erkenntnisse auf Aussagen von Augenzeugen und Opfern. Angesichts der zunehmenden Gewalt werde der Bericht fürchterlich ausfallen.

Staatschef Baschar al-Assad hat jedoch nicht vor, nachzugeben. Am Mittwoch hat er seinen Willen zu einer dritten Amtszeit als Präsident verkünden lassen. „Wenn das Volk ihn will, wird er sich bewerben, wenn nicht, wird er es nicht tun“, sagte Außenminister Walid al-Muallim dem in Libanons Hauptstadt Beirut ansässigen Fernsehsender Mayadeen. Auf jeden Fall werde Assad „bis zur nächsten Präsidentschaftswahl“ Staatschef bleiben.
Die Außenminister der Europäischen Union (EU) hatten am Montagabend entschieden, das Waffenembargo gegen Syrien auslaufen zu lassen. Der Bürgerkrieg in Syrien hat bereits mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet und droht zu einem Flächenbrand zu werden, der Konflikte vor allem zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen über Grenzen hinweg aufbrechen lässt.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-mehrheit-der-rebellen-will-keine-demokratie/8275072.html

———————————————————————————————————————

23.05.2013

Syrisches Oppositionsbündnis will in Istanbul „Übergangsregierung“ bilden

Vertreter des Nationalen Oppositionsbündnisses Syriens sind in Istanbul zusammengekommen, um eine eigene „Übergangsregierung“ zu bilden und über die Teilnahme an der nach Genf einberufenen internationalen Syrien-Konferenz zu entscheiden.

Das berichteten türkische Medien am Donnerstag. Geplant ist auch die Wiederwahl der Leitung der Koalition, zu der der Generalsekretär, dessen drei Stellvertreter und 63 Repräsentanten diverser oppositioneller Gruppierungen gehören werden. Als „Regierungschef“ soll der zuvor nominierte Ghassan Hitto bestätigt werden, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Das Kabinett soll zum Exekutivmachtorgan der Gegner von Präsident Baschar al-Assad werden.

Hitto hatte bereits Anfang April mit Konsultationen zur Bildung der Regierung begonnen. Dabei weigerten sich einige oppositionelle Gruppierungen, darunter innerhalb Syriens, den neuen Regierungschef zu akzeptieren, den sie als „Marionette der Muslimbrüder“ bezeichnen.

Die neue Syrien-Konferenz war am 7. Mai in Moskau von den Außenministern Russlands und der USA, Sergej Lawrow und John Kerry, vereinbart worden. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN lehnen einige Mitglieder des Oppositionsbündnisses die Idee von Verhandlungen mit Assad kategorisch ab. Aber es gibt auch Kräfte, die sich an den Verhandlungstisch mit Damaskus setzen möchten.

http://de.rian.ru/politics/20130523/266179761.html

———————————————————————————————————————

27.03.2013

Syriens Opposition will Raketenschild und UN-Sitz

Die Revolutionäre verlangen einen Schutzschirm der Nato mit Patriot-Raketen. Nach der Anerkennung durch die Arabische Liga hofft die Opposition zudem auf den Sitz bei den Vereinten Nationen.

Der Vorsitzende des syrischen Oppositionsbündnisses, Muas al-Chatib, sagte vor den Teilnehmern des Arabischen Gipfels in Katar, er habe US-Außenminister John Kerry gebeten, den Raketenschild der Nato-Mitgliedstaaten nicht nur auf das türkische Grenzgebiet zu beschränken, sondern auch auf den von Rebellen kontrollierten Norden Syriens auszudehnen.

Kerry habe ihm versprochen, dieses Anliegen zu prüfen. „Doch dann ist nichts passiert“, sagte Al-Chatib enttäuscht.

An dem Patriot-Einsatz in der Türkei beteiligt sich auch die Bundeswehr. Allerdings hat das Militärbündnis mehrfach betont, der Einsatz diene einzig und allein dem Schutz des Nato-Mitglieds Türkei.

Fahne der Revolutionäre auf dem Konferenztisch

Die syrische Opposition nahm bei dem Gipfel erstmals den Sitz Syriens bei der Arabischen Liga ein. Auf dem Konferenztisch stand die Fahne der Revolutionäre.

Die syrische Delegation wurde von Al-Chatib geleitet, dem Vorsitzenden der Nationalen Syrischen Koalition, der allerdings bereits zuvor seinen Rücktritt angekündigt hatte. An diesem Mittwoch sollte Al-Chatib die Botschaft Syriens in Katar wiedereröffnen. Sein Rücktritt bedeutet eine Schwächung der moderaten Kräste des Bündnisses.

Al-Chatib hatte sich mit mehreren Parteien der Koalition überworfen, weil sie eine Erweiterung des Bündnisses um weitere Aktivisten ablehnen.

Außerdem enttäuschte ihn nach Angaben von Weggefährten die Entscheidung der Europäischen Union, keine Waffen an die Rebellen zu liefern. Damit habe der Westen den Einfluss der von Katar und Saudi-Arabien unterstützten Islamisten innerhalb der Opposition gestärkt, sagte einer seiner Mitstreiter.

Seit November 2011 war Syrien ausgeschlossen

Hinter Al-Chatib saß der neue Übergangsregierungschef Ghassan Hitto. Er steht der Muslimbruderschaft nahe und gilt als wenig charismatisch.

Syriens Mitgliedschaft war im November 2011 suspendiert worden, nachdem Präsident Baschar al-Assad acht Monate lang mit Gewalt gegen seine Gegner vorgegangen war. Der Irak, Algerien, der Libanon und der Sudan hatten sich dagegen ausgesprochen, die Opposition als „legitime Vertreterin des syrischen Volkes“ aufzunehmen.

Der Ministerpräsident von Katar, Hamad bin Dschasim Al-Thani, trat in einer Pressekonferenz nach dem Gipfel Medienberichten entgegen, wonach Katar die regierende Muslimbruderschaft in Ägypten unterstützt. Der Ministerpräsident behauptete, dies seien Gerüchte, die von Journalisten verbreitet würden, „die dafür gut bezahlt werden“.

Den syrischen Regierungstruppen gelang es nach Angaben von Regimegegnern, die Rebellen aus dem Viertel Baba Amr in der Stadt Homs zu vertreiben. Am Dienstag zählten sie landesweit 109 Tote.

In Damaskus schlugen Granaten in der Nähe des Gebäudes der staatlichen Nachrichtenagentur Sana ein. Eine Autobombe explodierte im Stadtteil Rukneddin. Das staatliche Fernsehen meldete, die Bombe sei von einem Selbstmordattentäter gezündet worden. Es habe mehrere Tote gegeben.

Liga debattiert auch über Palästinenser

Neben dem Bürgerkrieg in Syrien beschäftigte die Staatschefs während ihres Gipfels in Doha auch der Nahost-Friedensprozess. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, riet den Palästinensern davon ab, mit der neuen israelischen Regierung über Teilaspekte endlos zu verhandeln. Dies sei „reine Zeitverschwendung“, wenn gleichzeitig der Bau jüdischer Siedlungen vorangetrieben werde.

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al-Thani, schlug einen „kleinen Arabischen Gipfel“ in Kairo vor, an dem die rivalisierenden Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas teilnehmen sollen. Ziel sei die Aussöhnung der beiden Parteien.

Außerdem regte er die Gründung eines „Fonds für die Unterstützung Jerusalems“ mit einem Vermögen von einer Milliarde US-Dollar an. Katar sei bereit, 250 Millionen US-Dollar (192 Millionen Euro) beizusteuern, wenn die anderen arabischen Staaten den Rest aufbringen sollten. Was damit finanziert werden soll, blieb unklar. Der arabische Ostteil Jerusalems war von Israel annektiert worden.

http://www.welt.de/politik/ausland/article114800152/Syriens-Opposition-will-Raketenschild-und-UN-Sitz.html

———————————————————————————————————————

10.03.2013

Islamistische Rebellen wollen Osten Syriens regieren

In der östlichen Provinz Deir as-Saur haben islamistische Kampfbrigaden ein Scharia-Komitee gegründet, um die eroberten Gebiete zu regieren. Unter anderem wollen sie eigene Polizisten und Gerichte.

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder frei. Am Samstag passierten die vor allem von den Philippinen stammenden Männer die Grenze nach Jordanien, wie die Vereinten Nationen bestätigten. Im Osten Syriens gründeten islamistische Kampfbrigaden derweil ein Scharia-Komitee mit dem Ziel, in den von ihnen eroberten Gebieten zu regieren.

Die UN-Soldaten waren am Mittwoch in der syrischen Provinz Daraa unweit der von Israel besetzten Golanhöhen verschleppt und in das Dorf Al-Dschamla gebracht worden. Sie gehören der Undof-Mission an, die eine syrisch-israelische Waffenruhe auf den Golanhöhen überwacht.

Für die Entführung zeichnete eine Rebellengruppe verantwortlich, die sogenannte Märtyrer-von-Jarmuk-Brigade. Angehörige des Kampfverbands hatten zunächst behauptet, die UN-Soldaten hätten Truppen von Präsident Baschar al-Assad Hilfe geleistet. Der Gruppe wird nachgesagt, feindliche Kämpfer auch schon enthauptet zu haben. Für die Entführung wurden sie von anderen syrischen Revolutionären scharf kritisiert.

Philippinen wollen UN trotz Geiselnahme weiter helfen

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon würdigte am Wochenende die Bemühungen aller an der Freilassung Beteiligten. Wie sein Sprecher mitteilte, rief er zudem die Konfliktparteien in der Region auf, die Neutralität der Friedenstruppen zu respektieren. Die Blauhelm-Soldaten sollten sich frei und sicher bewegen können.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich erleichtert und verurteilte die Geiselnahme zugleich „in aller Schärfe“. Der FDP-Politiker betonte: „Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass der Bürgerkrieg in Syrien nicht nur für die UN-Beobachter, sondern auch für die ganze Region höchst gefährlich ist.“

Ein Sprecher des philippinischen Außenministeriums ging davon aus, dass die Blauhelm-Soldaten bald wieder an ihren Einsatzort zurückkehren. „Unsere Soldaten sind auf solche Situationen vorbereitet worden, deshalb ist vorgesehen, dass sie wieder zur Undof-Mission auf den Golanhöhen zurückkehren“, sagte er einem lokalen Radio-Sender am Sonntag. Die Männer seien unversehrt, ihnen gehe es gut.

Islamisten gründen Scharia-Komitee

In der östlichen Provinz Deir as-Saur gaben islamistische Brigaden derweil die Gründung eines Scharia-Komitees bekannt. Wie die syrischen Menschenrechtsbeobachter mit Sitz in London unter Berufung auf eine Erklärung der Islamisten mitteilten, will das Komitee unter anderem eine eigene Polizeitruppe einrichten sowie Gerichte und Fatwa-Büros für islamische Rechtsgutachten. Zudem wolle das Gremium humanitäre Hilfe leisten.

Der seit zwei Jahren andauernde Aufstand gegen Assad hat inzwischen nach internationalen Schätzungen rund 70.000 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Flüchtlinge wird auf mehr als eine Million geschätzt, allein seit Jahresbeginn stieg ihre Zahl demnach um 400.000. In der Türkei leben fast 180.000 Syrer in Flüchtlingslagern im Grenzgebiet.

Die Vereinten Nationen befürchten angesichts des anhaltenden Bürgerkriegs noch einen massiven Anstieg. UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres sagte am Sonntag bei einem Besuch in der Türkei, die Zahl der Syrien-Flüchtlinge könne sich in diesem Jahr verdoppeln oder gar verdreifachen.

USA bilden Rebellen in Jordanien aus

Nach Informationen des „Spiegel“ beteiligen sich die USA seit rund drei Monaten an der Ausbildung syrischer Rebellen in Jordanien. 200 Männer hätten das Trainig bereits durchlaufen, berichtete das Magazin unter Berufung auf mehrere Teilnehmer und Organisatoren. Die Kämpfer werden demnach vor allem im Gebrauch moderner Panzerabwehrwaffen geschult, damit sie gegen Panzer der syrischen Regierungstruppen vorgehen können.

Unklar ist dem Bericht zufolge, ob die US-Ausbilder für private Söldnerfirmen oder für staatliche Stellen arbeiten. Künftig sollen angeblich jeweils 600 Rebellen der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in zwei Camps im Osten und im Süden des Landes für je anderthalb Monate ausgebildet werden. Aus etwa einem Dutzend Einheiten mit insgesamt mehr als 10.000 Kämpfern solle „Tauhid al-Dschanub“, die „Einheit des Südens“, geformt werden.

Grund für das jordanische Engagement sind einem der Organisatoren zufolge vor allem Befürchtungen in Amman vor einem Machtzuwachs der Radikalen. Demnach wollen die jordanischen Sicherheitsdienste verhindern, dass Salafisten aus dem eigenen Land nach Syrien gehen und nach ihrer Rückkehr in Jordanien Unruhe erzeugen.

Obwohl bereits Waffen an die Rebellen weitergegeben würden, lagere der Großteil noch in Jordanien. Diese seien vor allem von Saudi-Arabien unter der Bedingung finanziert worden, dass sich die FSA-Einheiten im syrischen Daraa auf eine Kommandostruktur verständigen. Ein Großteil der Waffen stamme aus Libyen.

Ein weiterer Grund für die neu anlaufende Militärhilfe ist dem Bericht zufolge die Konkurrenz der Anrainerstaaten um die Frage, wer den größeren Einfluss auf die Gewinner des Bürgerkriegs in Syrien haben werde. Während die Türkei und Katar die syrischen Muslimbrüder unterstützten, wollten Jordanien und Saudi-Arabien ihren Einfluss auf die FSA ausbauen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article114306468/Islamistische-Rebellen-wollen-Osten-Syriens-regieren.html

———————————————————————————————————————

07.03.2013

Unbewaffnete Blauhelme bei Rebellen in Geiselhaft

Syrische Rebellen haben 21 philippinische Blauhelm-Soldaten gefangen genommen. Die Vereinten Nationen sind empört. Die Soldaten hätten mit dem Syrien-Konflikt nichts zu tun und seien unbewaffnet.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben auf das Schärfste gegen die Geiselnahme von 21 philippinischen Blauhelm-Soldaten durch syrische Rebellen protestiert. Die bewaffneten Rebellen hatten die UN-Soldaten am Mittwoch an der Grenze zu Israel gefangen genommen. Sie wollten damit nach Angaben aus den eigenen Reihen einen regionalen Rückzug der syrischen Regierungstruppen erzwingen. Die philippinische Regierung in Manila forderte die sofortige Freilassung ihrer Soldaten.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Geiselnahme scharf und forderte die sofortige Freilassung der Blauhelmsoldaten. Die Soldaten seien am Mittwoch in der syrischen Provinz Daraa nahe den Golanhöhen an der Grenze zu Israel gefangen genommen worden, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York nach einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Sicherheitsrats. Die Gegend werde weder von Syrien noch Israel kontrolliert, sondern sei „quasi Niemandsland“.

Die Blauhelme gehören der Undof-Mission an, die seit den 70er-Jahren eine syrisch-israelische Waffenruhe auf den Golanhöhen überwacht. „Sie sind unbewaffnet und haben mit dem derzeitigen Konflikt in Syrien nichts zu tun“, sagte Tschurkin. „Das ist eine schwerwiegende Missachtung der UN. Anscheinend wollen einige Gruppen derzeit unbedingt die geografischen Grenzen des Syrien-Konflikts ausweiten.“

„Wir hoffen, dass die Männer bald freigelassen werden“, sagte der philippinische Militärsprecher Arnulfo Burgos. Präsident Benigno Aquino III sagte am Donnerstag in Manila, ein UN-Kommandeur vor Ort habe ihm gesagt, die Gespräche mit den Rebellen verliefen positiv. „Sie erwarten, dass bis morgen alle freigelassen werden.“

http://www.welt.de/politik/ausland/article114207008/Unbewaffnete-Blauhelme-bei-Rebellen-in-Geiselhaft.html

———————————————————————————————————————

22.02.2013

Syriens Opposition will mit Übergangsregierung Chaos lindern

Im brennenden Syrien soll eine Übergangsregierung Ruhe in die „befreiten Zonen“ bringen. Schon in einer guten Woche soll die Führung bestimmt werden. Doch noch stellen sich viele Fragen – und es fehlt Geld.

Im syrischen Bürgerkrieg will die Opposition für die von ihr kontrollierten Gebiete eine Übergangsregierung bilden. Darauf habe sich das größte Oppositionsbündnis Nationale Koalition geeinigt, sagte sein Sprecher Walid al-Bonni am Freitag. Nach der Anschlagsserie vom Donnerstag mit laut UNO „rund 100“ Toten wurden am Freitag bei Raketenangriffen auf das nordsyrische Aleppo mindestens zwölf Menschen getötet.

Al-Bonni sagte, über die Zusammensetzung einer Regierung für die Verwaltung der „befreiten Zonen“ und ihren Chef solle bei einem weiteren Treffen am 2. März entschieden werden. Dieses soll nach Angaben anderer Oppositionspolitiker in Istanbul stattfinden.

Die verschiedenen Strömungen des Bündnisses hätten sich bei zweitägigen Verhandlungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo auf diesen Fahrplan verständigt. Dabei sei ein Kompromiss zwischen der einflussreichen Muslimbrüderschaft und den Befürwortern einer raschen Regierungsbildung erzielt worden. Über mögliche Kandidaten wurde zunächst nichts bekannt.

Wie aus der Nationalen Koalition weiter verlautete, will die Opposition damit verhindern, dass die von Rebellen gehaltenen Gegenden in Syrien im Chaos versinken. Bisher haben im Exil lebende Oppositionelle aber wenig Macht über die Aufständischen im Land selbst.

Die fehlende Zusammenarbeit stellte sich in dem seit zwei Jahren andauernden Konflikt als große Schwäche heraus. Dem Vernehmen nach haben die Rebellen bereits etwa die Hälfte Syriens unter ihrer Kontrolle, müssen aber täglich Angriffe der Regierungstruppen aus der Luft und vom Boden fürchten.

Ziel der Übergangsregierung ist es, ihren Sitz in diese Gegenden zu verlagern. Unklar ist, ob dies bereits von Beginn an umsetzbar ist. Zudem ist noch ungeklärt, wie sich die Übergangsregierung finanziert. Experten gehen von monatlichen Kosten aus, die mehrere Milliarden Dollar umfassen.

Ein Diplomat mit Kontakt zu den Oppositionellen sagte: „Es entsteht eine Situation, wo Chaos herrscht in den befreiten Gebieten, während es in den von Assad gehaltenen Regionen weiter Benzin, Strom und eine Grundversorgung gibt. Wenn dies andauert, dann wird die Unterstützung für die Rebellen schwinden und der Krieg könnte verloren gehen.“ Andere betonten, die Wahl eines Anführers sei ein gutes Zeichen nach draußen.

Auch am Freitag wurde in Syrien gekämpft. In der Großstadt Aleppo schlugen nach Angaben der Opposition mehrere Raketen ein. Mindestens zwölf Menschen seien bei dem Angriff auf zwei Viertel im Osten der Stadt getötet worden. Viele Familien seien unter den Trümmern ihrer Häuser verschüttet worden, berichtete ein Angehöriger der Opposition per Telefon.

In dem Konflikt wurden nach UN-Schätzungen bis zu 70.000 Menschen getötet. Der Bürgerkrieg zieht sich auch deshalb hin, weil die oppositionellen Kräfte lange Zeit zersplittert waren und immer noch unterschiedliche Interessen verfolgen. Die Nationale Koalition gilt aber als wichtigstes Oppositionsbündnis.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-krieg-syriens-opposition-will-mit-uebergangsregierung-chaos-lindern/7828118.html

———————————————————————————————————————

20.12.2012

Probleme bei Bildung einer Übergangsregierung

Die aufständischen Gruppen werden in Syrien immer stärker. Allerdings fällt es ihnen schwer, eine Übergangsregierung zu bilden. Es fehle an Geld – und die Einigung darüber, wer Regierungschef werden soll.

 

Die syrische Opposition tut sich schwer mit der Bildung einer Übergangsregierung, die ihren Sitz in den „befreiten Gebieten Syriens“ haben soll. Aus Kreisen der Regimegegner hieß es am Donnerstag, es fehle sowohl an Geld als auch an einer Einigung darüber, wer Regierungschef werden solle. Aus mehreren Provinzen meldeten die Regimegegner auch am Donnerstag Kämpfe. In der Hauptstadt Damaskus wurden Bewohner vom Lärm einer Explosion aus dem Schlaf gerissen.

Arabische Medien meldeten unterdessen, der syrische Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar werde seit Mittwoch in einem Krankenhaus in der libanesischen Hauptstadt Beirut behandelt. Er war bei einem Anschlag auf das Ministerium in der vergangene Woche verletzt worden.

Die Website „All4Syria“ veröffentlichte einen offenen Brief des bekannten syrischen TV-Moderators Ahmed Fachuri. Er habe sich mit Hilfe von bewaffneten Revolutionären in die Türkei abgesetzt, schreibt er darin und legt zugleich dar, weshalb er dem Regime von Präsident Baschar al-Assad den Rücken gekehrt hat.

Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen werden derweil die verschiedenen aufständischen Gruppierungen im Land immer stärker. In strategisch wichtigen Gebieten machten sie den Regierungstruppen die Kontrolle über Straßenverbindungen, Flughäfen und Ölfördergebiete streitig, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der vom UN-Menschenrechtsrat berufenen Syrien-Kommission.

Manche der regierungsfeindlichen Gruppen verfügten sogar über Raketen, mit denen Panzer und Flugzeuge bekämpft werden können.

Einige Oppositionsmilizen kooperierten aber nicht mit der Freien Syrischen Armee (FSA), sondern stünden unter Kontrolle von Islamisten. Die Expertengruppe wird von dem brasilianischen Diplomaten Paulo Pinheiro geleitet. Ihr gehört auch die frühere UN-Chefanklägerin Carla del Ponte an. Der Bericht für den Zeitraum Ende September bis Mitte Dezember wurde in Brüssel vorgelegt.

Syriens Regierungstruppen konzentrieren sich den Angaben zufolge inzwischen darauf, die Kontrolle über Großstädte wie Damaskus und Aleppo zu behalten. In vielen anderen Gebieten gingen sie verstärkt mit Bombenangriffen aus der Luft vor – dabei auch zielgerichtet gegen die Zivilbevölkerung. Kriegsverbrechen werden dem Bericht zufolge weiterhin von beiden Seiten begangen. So würden Aufständische willkürlich gefangene Soldaten exekutieren.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-probleme-bei-bildung-einer-uebergangsregierung/7547384.html

———————————————————————————————————————

13.12.2012

Terroristen töten mehrere Kinder nahe Damaskus

Nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus haben Terroristen bei einem Anschlag nahe einer Grundschule 16 Menschen getötet. Sieben Kinder starben, als ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug explodierte.

Bei einem Autobombenanschlag nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach unbestätigten Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana und von Anwohnern mindestens 16 Menschen getötet worden.

Unter den Opfern seien sieben Kinder und mehrere Frauen, meldete die Agentur unter Berufung auf Krankenhausangaben.

In der Nähe einer Grundschule in einer Wohngegend im Vorort Katana sei ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug explodiert, hieß es. Der Anschlag soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben.

Der libanesische Fernsehsender al-Manar berichtete, bei dem Anschlag seien außerdem 25 Menschen verletzt worden.

Bislang 40.000 Tote

Am Mittwoch hatten syrischen Behördenangaben zufolge mehrere Bombenexplosionen das Gebäude des Innenministeriums in Damaskus erschüttert. Dabei seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

In dem seit 20 Monaten währenden Syrien-Konflikt sind schätzungsweise 40.000 Menschen getötet worden.

Russland schließt Oppositionsieg nicht aus

Russland schließt einen Sieg der Opposition in Syrien nicht aus. „Die Führung verliert mehr und mehr die Kontrolle im Land“, sagte Vizeaußenminister Michail Bogdanow der Agentur Itar-Tass zufolge.

Deshalb sei eine Niederlage von Präsident Baschar al-Assad möglich, sagte Bogdanow. Zugleich warnte Moskau erneut davor, die Opposition mit Waffen zu unterstützen.

Assad hatte erst am Mittwoch international weiter an Boden verloren. Die Syrien-„Freundesgruppe“ aus mehr als 100 Staaten und Organisationen verständigte sich am Mittwoch in Marrakesch darauf, das Oppositionsbündnis Nationale Koalition als „die legitime Vertretung des syrischen Volkes“ anzuerkennen.

http://www.welt.de/politik/ausland/article111990186/Terroristen-toeten-mehrere-Kinder-nahe-Damaskus.html

———————————————————————————————————————

12.12.2012

USA erkennen Syriens Opposition als legitim an

Nach mehreren europäischen Staaten haben nun auch die USA das syrische Oppositionsbündnis anerkannt. Die Nationale Koalition sei die „legitime Vertretung des syrischen Volkes“. Deutschland erhöht derweil seine humanitäre Hilfe um 22 Millionen Euro.

Nach der EU erkennen nun auch die USA das syrische Oppositionsbündnis „Nationale Koalition“ als „legitime Vertretung des syrischen Volkes“ an. Das sagte US-Präsident Barack Obama dem TV-Sender ABC. „Das ist ein großer Schritt“, meinte Obama am Dienstagabend (Ortszeit). „Die Anerkennung bedeutet natürlich auch Verantwortung“, unterstrich er.Wie ABC unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, gehe mit der Anerkennung nicht die Aufnahme von Waffenlieferungen an die Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad einher. Jedoch sei damit eine Tür in diese Richtung geöffnet worden. Unter anderem Großbritannien und Frankreich haben das Oppositionsbündnis anerkannt. Auch die Europäische Union hat erklärt, sie betrachte das Bündnis als legitime Vertretung der syrischen Bevölkerung.

Aufstockung deutscher Hilfsgelder für Syrien

An diesem Mittwoch kommt die internationale Syrien-„Freundesgruppe“ im marokkanischen Marrakesch mit der syrischen Opposition zusammen. Vor dem Treffen kündigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle eine Aufstockung der deutschen Hilfen für Opfer des Syrien-Konflikts um 22 Millionen Euro an. Das Geld soll vor allem Flüchtlingen in Syrien und den Nachbarländern zugutekommen, die jetzt unter dem Winter zu leiden haben. Damit beträgt die humanitäre Hilfe aus Deutschland inzwischen mehr als 90 Millionen Euro. Die Bundesrepublik gehört international zu den größten Geberländern.

Westerwelle sagte kurz vor Beginn, neben dem politischen Signal der Anerkennung müsse die Opposition auch eine „handfeste Unterstützung ihrer Arbeit und der Menschen in Syrien“ bekommen. Das Geld wird insbesondere dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, dem Welternährungsprogramm und dem UN-Flüchtlingskommissariat für deren Programme zur Verfügung gestellt. Geplant ist auch die Einrichtung eines internationalen Hilfsfonds, mit dem Geld zum Wiederaufbau gesammelt werden soll.

Aufwertung der Opposition

Bei dem Treffen in Marrakesch soll die „Nationale Koalition“ gegen Machthaber Baschar al-Assad diplomatisch aufgewertet werden. Die „Freundesgruppe“ aus mehr als hundert Staaten und internationalen Organisationen will das erst im vergangenen Monat gegründete Oppositionsbündnis ebenfalls zur legitimen Vertretung des syrischen Volkes erklären.

Der Konflikt zwischen dem Assad-Regime und der Opposition dauert seit März 2011 an. Seitdem wurden Schätzungen zufolge mehr als 42 000 Menschen getötet. Die EU verhängte vielfach Sanktionen gegen die Regierung. Aufgrund der Kämpfe gibt es mehr als 1,2 Millionen Vertriebene innerhalb Syriens sowie fast eine halbe Million Flüchtlinge in den Nachbarländern.

http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/vor-treffen-in-marrakesch-usa-erkennen-syriens-opposition-als-legitim-an_aid_879757.html

———————————————————————————————————————

11.12.2012

Syrien: Nationale Koalition kündigt Regierungsbildung an

Die Nationale Koalition der Opposition und der Revolutionskräfte Syriens wird nach dem Treffen der Gruppe der „Freunde Syriens“ am Mittwoch in Marokko eine interimistische Übergangsregierung bilden, meldet das Nachrichten-Internetportal Cham Press.

Einer Cham-Press-Quelle in der Nationalen Koalition zufolge braucht die Opposition internationale Anerkennung, Unerstützung und Finanzmittel, um sichere Vertretungen der künftigen Interimsregierung auf dem syrischen Territorium zu organisieren.

Die Gruppe der „Freunde des syrischen Volkes“ wird am Mittwoch in der marokkanischen Stadt Marrakesch ein neues Treffen – das erste Treffen nach Bekanntgabe des Zusammenschlusses der syrischen Opposition im November – durchführen.

Bei dem Treffen wird es voraussichtlich um die internationale Anerkennung der Koalition und um eine wirksamere Hilfe für die Gegner des Regimes von Syriens Präsident Baschar al-Assad gehen.

Die Vertreter einzelner Gruppierungen der syrischen Opposition haben am 11. November dieses Jahres in Doha (Hauptstadt von Katar) die Nationale Koalition der Opposition und der Revolutionskräfte Syriens gebildet. Die Koalition erklärte sich zum legitimen Vertreter des syrischen Volkes und verlangte von der Weltgemeinschaft Waffen und Geld für den Kampf gegen das Assad-Regime.

Als nächstliegende Aufgaben nannte die Nationale Koalition die Bildung einer Interimsregierung für die Verwaltung der von den Aufständischen eingenommenen syrischen Territorien.

http://de.rian.ru/world/20121211/265118763.html

———————————————————————————————————————

13.11.2012

Rebellen stellen Bedingungen für Militärintervention

Eine ausländische Militärintervention wollen Syriens Aufständische nur dulden, wenn der Einsatz mit ihnen koordiniert wird. Ansonsten würden sie fremde Truppen genauso empfangen wie die von Assad.

Die syrischen Rebellen stellen ungeachtet des andauernden Blutvergießens in ihrem Land Bedingungen für den Fall einer ausländischen Militärintervention. Ein solcher Einsatz müsse mit den Aufständischen koordiniert werden, sonst würden fremde Soldaten als Feinde wie die Truppen von Baschar al-Assad behandelt, sagte Bassam al-Dade, politischer Berater der Freien Syrischen Armee (FSA), der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in Kairo.

Er reagierte auf Äußerungen des Befehlshabers der britischen Streitkräfte, Sir David Richards, der ein Eingreifen aus humanitären Gründen nicht völlig ausgeschlossen hatte. Richards hatte dem britischen Sender BBC erklärt, man müsse sich mit der Frage einer Intervention befassen. Wenn sich die humanitäre Situation weiter verschlechtere, könne dies Gründe für ein begrenztes Eingreifen liefern. Militärisch sei dies auch machbar.

Al-Dade sagte, britische Truppen könnten nicht einfach, wann immer sie wollten, nach Syrien kommen, berichtete Anadolu in der Nacht zum Dienstag. Syrien habe „Besitzer“. „Wir trauen den Briten nicht und betrachten ihre Absicht nach Syrien zu kommen als schlecht. Wenn das Regime gestürzt ist, werden sie das Land entlang ethnischer und konfessioneller Linien teilen“, sagte er.

Human Rights Watch nimmt Opposition in die Pflicht

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte vom neuen syrischen Oppositionsblock ein deutliches Signal gegen Menschenrechtsverletzungen. Wie die Organisation in New York mitteilte, sei eine klare Ansage an die syrischen Kämpfer nötig, dass diejenigen, die Menschenrechte verletzen, dafür zur Verantwortung gezogen würden.

Diese Botschaft müssten auch jene Länder an die Aktivisten senden, die die Opposition mit Waffen oder Geld unterstützen.

Die Menschenrechtler haben nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Hinrichtungen von Angehörigen der Regimestreitkräfte durch Oppositionelle dokumentiert sowie Fälle von Misshandlung und Folter in von Rebellen betriebenen Haftanstalten.

http://www.welt.de/politik/ausland/article110980468/Rebellen-stellen-Bedingungen-fuer-Militaerintervention.html

———————————————————————————————————————

11.11.2012

Syrische Opposition einigt sich auf gemeinsamen Anführer

Die zerstrittenen Regimegegner in Syrien können erstmals seit dem blutigen Konflikt mit einer Stimme sprechen. Bei einem Treffen bestimmten die Oppositionsgruppen den moderaten Geistlichen Ahmed al-Chatib zu ihrem Kopf.

Der neue Zusammenschluss syrischer Oppositionsgruppen hat einen gemäßigten islamischen Geistlichen zu seinem Führer bestimmt. Der 52-jährige Scheich Ahmed al-Chatib sei am Sonntagabend bei einem Treffen in Katar zum Präsidenten der neuen „nationalen Koalition“ aus Gegnern von Syriens Präsident Baschar al-Assad gewählt worden, sagten Teilnehmer der Nachrichtenagentur AFP. Der aus Damaskus stammende al-Chatib hatte Syrien vor drei Monaten verlassen, nachdem er mehrfach von den Sicherheitskräften Assads festgenommen worden war.

Die zersplitterte syrische Opposition hatte sich am Sonntag in Katars Hauptstadt Doha auf die Bildung einer „nationalen Koalition der Kräfte der syrischen Revolution und Opposition“ verständigt. Dem Durchbruch war ein tagelanges Ringen bei den Verhandlungen unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga und Katars vorausgegangen. Dabei blockierte zunächst der hauptsächlich aus Exilsyrern bestehenden Syrische Nationalrat (SNC) eine Einigung, weil er nach Angaben von Teilnehmern einen Bedeutungsverlust befürchtete.

Erstmals seit Beginn der Krise vor 20 Monaten soll es damit nun ein übergreifendes Oppositionsbündnis geben. Die zutiefst zerstrittene Opposition war von Staaten aus der Gruppe der Freunde Syriens – allen voran Katar und die USA – zu einem Zusammenschluss gedrängt worden. Zur Einigung gelockt wurden sie unter anderem mit der Aussicht auf finanzielle Unterstützung.

Der Syrische Nationalrat (SNC), der sich bisher als einzige legitime Vertretung der Opposition verstand, hatte Teilnehmern zufolge zuvor nach langem Zögern eingewilligt, Teil einer Koalition der Regimegegner zu werden. Für die SNC-Mitglieder sollen demnach 22 von insgesamt etwa 55 Sitzen in der neuen Syrischen Nationalen Allianz reserviert werden. Alle Streitfragen seien geklärt, hieß es. Die Plattform will künftig die gesamte syrische Opposition vertreten und soll nach einem Sturz von Präsident Baschar al-Assad eine Übergangsregierung bilden.

In Syrien lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen landesweit weiter erbitterte Kämpfe. Allein am Wochenende kamen nach Angaben der Opposition mehr als 170 Menschen ums Leben. In dem Land tobt seit mehr als anderthalb Jahren ein Aufstand gegen Staatschef Baschar al-Assad. Dabei wurden bislang etwa 36.000 Menschen getötet.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/gespraeche-in-katar-syrische-opposition-einigt-sich-auf-gemeinsamen-anfuehrer/7376118.html

———————————————————————————————————————

01.11.2012

Rebellen töten Soldaten, die sich ergeben hatten

Syrische Rebellen haben im Norden des Landes über 70 Soldaten bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkte der Armee getötet. Auch Soldaten, die sich schon ergeben hatten, erschossen die Rebellen.

Bei einer Offensive syrischer Rebellen sind am Donnerstag mindestens 78 Soldaten getötet worden. Rund die Hälfte der Opfer sei bei Angriffen auf Militärkontrollposten ums Leben gekommen, berichteten Aktivisten. Staatliche Medien meldeten derweil eine Serie von Bombenanschlägen in Damaskus.

Wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mitteilte, griffen die Rebellen unweit der Stadt Sarakeb in der nördlichen Provinz Idlib insgesamt drei Stellungen der Regierungskräfte an und töteten dabei 37 Soldaten. Bei den Feuergefechten seien zudem fünf Rebellen umgekommen. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie einige Soldaten erschossen wurden, nachdem sie sich ergeben hatten.

Die Beobachtungsstelle machte für die Tötungen die islamische Rebellengruppe Dschabhat al-Nusra verantwortlich, die sich die al-Qaida zum Vorbild nimmt. Von unabhängiger Seite konnten die Informationen nicht bestätigt werden.

Den Angaben zufolge wurden allein am Donnerstag landesweit 182 Menschen getötet. Bei 104 der Opfer habe es sich um Zivilisten und Rebellenkämpfer gehandelt, 78 seien Regierungssoldaten gewesen.

Nach Ende einer kaum beachteten Waffenruhe hatte die syrische Armee am Dienstag eine neue Offensive mit Luftangriffen gegen Rebellen gestartet. Die vom internationalen Syrien-Beauftragten Lakhdar Brahimi vermittelte Feuerpause war auch von den Rebellen weitgehend ignoriert worden.

China mit eigenem Plan

China gab bekannt, man habe Brahimi einen eigenen Plan zum Ende der Gewalt überreicht. Dieser sehe die schrittweise Einführung einer Waffenruhe und die Errichtung einer Übergangsregierung vor. „Immer mehr Staaten sind zu der Einsicht gekommen, dass es keine militärische Lösung geben kann“, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei.

Der neue Vorschlag solle zu einem internationalen Konsens führen und die Friedensbemühungen Brahimis unterstützen. China und Russland halten im UN-Sicherheitsrat ihre schützende Hand über Syrien und haben mehrere Resolutionen verhindert.

Der Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hält seit März 2011 an und hat sich zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Schätzungen zufolge sind mehr als 32.000 Menschen getötet worden.

http://www.welt.de/politik/ausland/article110546242/Rebellen-toeten-Soldaten-die-sich-ergeben-hatten.html

———————————————————————————————————————

16.10.2012

Syrische Rebellen einigen sich auf Führung

Die zersplitterten Rebellengruppen in Syrien haben sich Kreisen der Aufständischen zufolge auf die Bildung einer gemeinsamen Führung verständigt. Türkei und Katar sollen die Einigung vorangetrieben haben.

Die Einigung sei am Sonntag bei einem Treffen in dem arabischen Land erzielt worden, sagten zwei Insider am Dienstag. „Das Abkommen steht, sie müssen es nur noch unterzeichnen“, sagte einer von ihnen. Der von Dutzenden Rebellen – darunter auch Anführern der Freien Syrischen Armee – getroffene Beschluss solle die militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad verbessern. Aus diplomatischen Kreisen erfuhr Reuters unterdessen, der Sondervermittler Lakhdar Brahimi wolle die Konfliktparteien von einem Waffenstillstand überzeugen.

Die Rebellen kämpfen zumeist als autonome Zellen gegen die Armee: Misstrauen sowie Differenzen bei der militärischen Führung sowie der Finanzierung haben die Kluft zwischen den Brigaden zuletzt verschärft. Die Spaltung der Opposition ist einer der Gründe, warum viele ausländische Staaten die Aufständischen nicht uneingeschränkt unterstützen wollen. In den Kreisen hieß es, eine geeinte Führung sei von ausländischen Unterstützern als Bedingung für die Lieferung schwerer Waffen genannt worden.

Treiber der Einigungsbemühungen seien vor allem die Türkei und Katar – zwei scharfe Gegner von Assad.

Die neue Führung schließe die FSA-Kommandeure Riad al-Asaad und Mustafa Scheich ein. Beide stehen in der Kritik vieler Rebellen, weil sie sich in die Türkei abgesetzt haben. Dabei seien auch der kürzlich übergelaufene General Mohammed Hadsch Ali sowie die Spitzen der regionalen Militärräte.

Erwartet wird, dass sich die erweiterte Führung aus 60 Vertretern der meisten Gruppen zusammensetzt, darunter auch der islamistischen Befreiungsfront. Dass sich immer mehr Islamisten unter die Assad-Gegner gemischt haben und wohl auch Al-Kaida-Kämpfer ins Land eingesickert sind, sorgt besonders im Westen für Befürchtungen.

Die internationalen Friedenbemühungen sind bislang de facto fruchtlos geblieben. Diplomatischen Kreisen zufolge unternimmt Brahimi derzeit einen neuen Anlauf. Eine Unterstützung zeichne sich aber nicht ab. In New York hieß es, Brahimi wolle die Regierung in Damaskus und die Rebellen von einem Waffenstillstand überzeugen, den UN-Beobachter überwachen sollen. UN-Diplomaten sagten, der Vorstoß sei mit dem fehlgeschlagenen Plan seines Vorgängers Kofi Annan vergleichbar. Weder die Regierung noch die Opposition habe allerdings angedeutet, die Waffen ruhen lassen zu wollen. Auch aus Saudi-Arabien und Katar sei keine Unterstützung gekommen. Brahimi vermittelt im Auftrag der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga.

Die Proteste gegen Assad halten seit März 2011 an und haben sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Dabei sind schätzungsweise 30.000 Menschen getötet worden. Die Kämpfe drohen auf Nachbarstaaten wie die Türkei überzugreifen.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/konflikt-syrische-rebellen-einigen-sich-auf-fuehrung/7263622.html

———————————————————————————————————————

23.09.2012

Konferenz syrischer Opposition in Damaskus – Freie Syrische Armee verweigert Teilnahme

Eine Konferenz von Oppositionskräften unter dem Motto „Für die Rettung Syriens“ hat am Sonntag in Damaskus begonnen.

An dem Treffen, das auf Initiative des Nationalen Koordinierungskomitees für demokratische Umwandlungen in Syrien stattfindet, nehmen 15 Oppositionsparteien und acht Bewegungen teil. Anwesend sind Botschafter Russlands, Chinas, des Irans und einiger arabischer Länder.

In seinem Appell an die Konferenzteilnehmer verwies der russische Botschafter Asamat Kulmuchametow darauf, dass das heutige Hauptziel in einem „unverzüglichen Waffenstillstand“ besteht. „Die bewaffnete Konfrontation zwischen der Regierung und der Opposition muss in eine friedliche politische Bahn umgeleitet werden“, hieß es.

Ein Dialog ohne Vorbedingungen ist nach unserer Überzeugung der einzige Ausweg aus der jetzigen Krise, deren Fortsetzung weder Syrien, noch der ganzen Region etwas Gutes verspricht“, erklärte der Diplomat.

Laut arabischen Medien werden die Konferenzteilnehmer Fragen des Regimewechsels und des Übergangs zu einem demokratischen weltlichen Staat erörtern.

Die Konferenz findet vor dem Hintergrund von Meinungsdifferenzen innerhalb der syrischen Opposition statt: Einige Vertreter bzw. Gruppen der Opposition nehmen nicht daran teil. Auch die Syrische Freie Armee, die den bewaffneten Kampf gegen die Regierungstruppen führt, verweigert die Teilnahme an der Konferenz.

Wie ein Sprecher der Freien Armee erklärte, vertreten die Teilnehmer des Forums in Damaskus „nicht die wirkliche Opposition, sie sind nur eines der Gesichter des syrischen Regimes“. „Ziel dieser Konferenz besteht darin, die internationale Öffentlichkeit irrezuführen und den angeblichen politischen Prozess in Syrien zu demonstrieren“.

http://de.rian.ru/politics/20120923/264493351.html

———————————————————————————————————————

22.09.2012

Verlagerung aus der Türkei: Rebellen verlegen Kommandozentrale nach Syrien

Die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) haben ihre Kommandozentrale von der Türkei in „befreite Gebiete“ auf syrischem Boden verlegt. Nahe der jordanischen Grenze kam es indes erneut zu heftigen Gefechten.

Die bewaffneten Gegner von Syriens Präsident Baschar al-Assad haben ihre Kommandozentrale von der Türkei nach Syrien verlegt. In einem am Samstag im Internet veröffentlichten Video teilte die Freie Syrische Armee (FSA) mit, ihre Führung befinde sich jetzt in den „befreiten Regionen“ in Syrien. Dort gab es unterdessen heftige Kämpfe, vor allem in der Provinz Aleppo.

FSA-Chef Riad al-Assaad sprach in dem Video von „einer guten Nachricht für unser freies und heroisches syrisches Volk“. Die Freie Syrische Armee hatte sich im Juli vergangenen Jahres aus Deserteuren der regulären syrischen Truppen gebildet.

Der heutige FSA-Chef Al-Assaad, ein ehemaliger Oberst der syrischen Armee, war damals in die Türkei geflohen, um gegen die gewaltsame Unterdrückung von Demonstrationen in seinem Land zu protestieren.

Inwieweit der Schritt darauf schließen lässt, dass die FSA sich in Syrien auf dem Vormarsch sieht, war zunächst unklar. Sie machte auch keine Angaben dazu, wo ihre Kommandozentrale künftig ansässig sein wird. Innerhalb der FSA gab es in der Vergangenheit immer wieder Reibungen. Inbesondere zwischen der bisherigen Führung in der Türkei unter al-Assaad und dem für den Kampf in Syrien selbst zuständigen Oberst Kassem Saadeddin traten Spannungen auf.

Bei Angriffen und Kämpfen im Gebiet der syrischen Metropole Aleppo wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte unterdessen mindestens elf Soldaten und fünf Rebellen getötet. Schwere Gefechte gab es demnach in den Ortschaften Orm und Kafar Dschum im Westen der Provinz Aleppo.

Die syrische Armee will offenbar verhindern, dass die Rebellen dieses Gebiet nach weiteren Bodengewinnen mit der Provinz Idlib verbinden, weil sie dann die Kontrolle über eine bis zur türkischen Grenze reichende Region innehätten. Die Stadt Aleppo stand am Samstag erneut unter schwerem Beschuss. Artillerieschüsse und schwere Explosionen waren in der ganzen Stadt zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Laut Beobachtungsstelle wurden am Morgen unter anderem die Bezirke Hanano, Arkub und Mardsche bombardiert.

In der südlichen Provinz Daraa, die wie Aleppo zu den Hochburgen der Assad-Gegner zählt, gab es Aktivisten zufolge in der Ortschaft Al-Hara eine Welle von Festnahmen und Razzien. Nahe der Hauptstadt Damaskus wurde zudem bei Kämpfen ein Deserteur der syrischen Armee getötet. In und um Homs, der drittgrößten Stadt des Landes nach Damaskus und Aleppo, wurden demnach fünf Soldaten getötet. Nach Angaben der libanesischen Armee griff eine „große Zahl“ syrischer Rebellen in der Nacht zum Samstag einen ihrer Posten im Osten des Libanon an. Opfer habe es bei dem Überfall von Kämpfern der Freien Syrischen Armee nahe des libanesischen Dorfs Arsal nicht gegeben, teilte das Militär mit. Es sei bereits der zweite derartige Angriff innerhalb weniger als einer Woche.

Frankreich brachte über einen ranghohen Vertreter in Washington erneut eine Flugverbotszone ins Spiel. Eine Zustimmung Chinas und Russlands im UN-Sicherheitsrat zur Flugverbotszone, die militärisch abgesichert werden müsste, gilt jedoch als ausgeschlossen. Die Rebellen fordern eine Flugbverbotszone als Schutz vor Angriffen der syrischen Luftwaffe. (AFP)

http://www.tagesspiegel.de/politik/verlagerung-aus-der-tuerkei-rebellen-verlegen-kommandozentrale-nach-syrien/7168710.html

———————————————————————————————————————

18.09.2012

Syrische Opposition verspricht Kopfgeld:

25 Millionen Dollar für Assad – „tot oder lebendig“

Die syrische Opposition verspricht ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar für den Machthaber Baschar El Assad. Die Deserteur-Truppe FSA hofft, damit Assad-Vertraute auf ihre Seite zu ziehen.

Von dem Kopfgteld berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee (FSA), Ahmed Hicazi, sagte der Agentur, Ziel des Kopfgeldes sei es, Mitglieder der syrischen Führung um Assad dazu zu bringen, etwas gegen den Präsidenten zu unternehmen.Derjenige, der Assad „tot oder lebendig“ der Opposition ausliefere, habe zwar mehr als 25 Millionen Dollar verdient, sagte Hicazi. Doch dies sei die Summe, die bisher zusammengetragen worden sei. Das Geld komme von syrischen Geschäftsleuten innerhalb und außerhalb Syriens, die regelmäßig die FSA unterstützten. Die Führung der FSA lenkt die Operationen der Rebellen in Syrien von der Türkei aus.Hicazi, sagte, die Geldgeber wollten aus Angst um ihr Leben nicht namentlich genannt werden. Die FSA war am Dienstag für eine Stellungnahme zu dem Bericht zunächst nicht zu erreichen.

http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/syrische-opposition-verspricht-kopfgeld-25-millionen-dollar-fuer-assad-tot-oder-lebendig_aid_821831.html

———————————————————————————————————————

27.08.2012

Hollande fordert von syrischen Rebellen Bildung von Übergangsregierung

Der französische Präsident Francois Hollande hat die syrische Opposition aufgerufen, eine Übergangsregierung zu bilden. Ihm zufolge wird Paris eine solche Regierung sofort anerkennen.

Frankreich fordert die syrische Opposition auf, eine repräsentative Übergangsregierung zu bilden, die zum legitimen Repräsentanten eines neuen Syrien wird“, sagte Hollande am Montag in Paris. Frankreich würde eine solche Regierung anerkennen, sobald diese stehe.

Der französische Staatschef warnte die syrische Staatsführung um Präsident Baschar al-Assad davor, Chemiewaffen einzusetzen. Ein Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Regime wäre Hollande zufolge ein Grund für eine militärische Invasion in Syrien.

Der syrische Außenamtssprecher Dschihad Makdisi hatte im Juli gesagt, dass sein Land im Falle eines ausländischen Angriffs Chemiewaffen einsetzen könnte. Eine Anwendung von C-Waffen gegen Zivilisten hatte Makdisi völlig ausgeschlossen. Daraufhin warnte US-Präsident Barack Obama den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor Konsequenzen, sollten diese Kampfmittel eingesetzt werden. Obama schloss einen US-Militäreinsatz nicht aus, sollte das Regime in Damaskus biologische oder chemische Waffen einsetzen.

In Syrien dauern seit fast anderthalb Jahren Kämpfe zwischen Armee und Regierungsgegnern an. Laut UN-Angaben sind bei den Gefechten insgesamt etwa 17 000 Menschen getötet worden. Die syrischen Behörden sprechen von 8000 Toten. Die syrische Opposition, aber auch westliche Staaten wollen Assad zum Rücktritt zwingen. Die UN-Vetomächte Russland und China lehnen ein internationales Eingreifen in Syrien ab. Nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow weiß Assad noch immer einen bedeutenden Teil der Bevölkerung hinter sich.

http://de.rian.ru/politics/20120827/264273159.html

———————————————————————————————————————

20.08.2012

Terrorist Al-Shehabi gesteht, in der Stadt Al-Bab in der Umgebung von Aleppo unschuldige Menschen ermordet zu haben

Übersetzung des am 20. August 2012 publizierten SANA-Artikels “Terrorist al-Shehabi Confesses to Killing Innocent People in al-Bab City in Aleppo Countryside

Der Terrorist Jaber al-Shehabi hat am Montag gestanden, in der Stadt Al-Bab in der ländlichen Umgebung von Aleppo unschuldige Menschen ermordet zu haben, nach dem sie entführt wurden.

In seinen im syrischen TV ausgestrahlten Geständnissen sagte der Terrorist Al-Shehabi, er komme aus der Stadt Al-Bab in der Provinz Aleppo und er machte die Bekanntschaft mit Mohammad Kheir Darwish, der zu seinem Haus kam und ihn und seinen Cousin darum gebeten hat, seiner bewaffneten Gruppe beizutreten, und er würde ihnen ein Gehalt geben und eine Belohnung von 50.000 syrischen Pfund für jede Person, die sie abschlachten.

Er fügte hinzu, nach einer Weile rief er Mohhamed an und sagte ihm, er und sein Cousin seien bereit, seiner Gruppe beizutreten.

Al-Shehabi sagte, nachdem sie der Gruppe beigetreten waren, machten sie sich auf in die Innenstadt von Al-Bab und sie beobachteten eine Woche lang einen Polizisten bevor sie ihn umbrachten.

Danach sind sie zu ihrem Anführer zurückgegangen, der sie angewiesen hat, zwei Militäroffiziere zu beobachten, und er fügte hinzu, dass sie eine Belohnung von 100.000 syrischen Pfund für das Abschlachten dieser bekommen haben.

F.Allafi

50.000 syrische Pfund sind umgerechnet rund 628 Euro. Aus der Stadt Al-Bab wurde kürzlich durch ein Video bekannt, dass dort Terroristen vor etwa einem Monat unter dem Beifall eines johlenden Mobs Menschen vom Dach des mehrstöckigen Postgebäudes geworfen hatten, wo die toten Körper auf den Stufen vor der Tür liegen blieben. Bevor diese Grausamkeit durch das Video aufgeflogen ist, waren Ivan Watson und zahlreiche andere “Journalisten” der Propagandaschleudern der NATO- und Golfstaaten in Al-Bab und haben von dort sinngemäß unisono berichtet, wie gut und human die “Rebellen” nach der “Befreiung” der Stadt mit den besiegten Regierungsloyalisten umgehen.

In Anbetracht der mit Unterstützung durch die britische Propagandaschleuder Guardian operierenden Bande, die gestern im Raum Duma-Harasta-Qabon aufgeflogen ist, sieht ein gewöhnlicher gedungener FSA-Auftragskiller wie Jaber al-Shehabi aber vielleicht wirklich sogar noch vergleichsweise human aus.

Nachtrag: Press TV meldet, Jaber al-Shehabi habe im syrischen TV auch gestanden, dass er bereits überwältigten und von den Terroristen gefangen gehaltenen syrischen Soldaten auf Anweisung von Abu bakr al-Sidiq, dem Anführer der zur FSA gehörenden Terrorgruppe Abu-bakr-al-Sidiq-Bataillon, den Kopf abgeschnitten hat.

Falls jemand ein Video seines im syrischen TV ausgestrahlten Geständnisses und eine Übersetzung hat, wäre das sicher hilfreich, um mehr darüber zu lernen, wie die Terroristen in Syrien vorgehen.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/08/20/terrorist-al-shehabi-gesteht-in-der-stadt-al-bab-in-der-umgebung-von-aleppo-unschuldige-menschen-ermordet-zu-haben/

———————————————————————————————————————

13.08.2012

Videos zeigen mögliche Taten syrischer Rebellen

Die Aufständischen sind in Syrien in Misskredit geraten: Internetvideos zeigen, wie die Rebellen Leichen von regierungstreuen Kämpfern von einem Dach werfen. Andere werden misshandelt und erschossen.

Video-Aufzeichnungen von in Syrien begangenen Grausamkeiten haben die Aufständischen in Misskredit gebracht. Die im Internet verbreiteten Videos, deren Entstehungsbedingungen nicht sofort aufgeklärt werden konnten, zeigen unter anderem, wie einem gefesselten Mann mit verbundenen Augen die Kehle durchgeschnitten wird und wie eine Menschenmenge „Allahu Akbar“ („Gott ist der Größte“) ausruft, während von einem Dach die Leichen mutmaßlicher regierungstreuer Kämpfer geworfen werden.

„Wenn sich diese Videos als echt herausstellen, werden die Grausamkeiten der Revolution schaden“, sagte der Direktor der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman. „Sie werden nur der Führung des Landes und den Feinden der Revolution nützen.“

Die drei am Montag aufgetauchten Videos zeigen offenbar ausnahmslos Vorfälle aus der Provinz Aleppo, in der sich die Regierungstruppen und die Aufständischen in den vergangenen Wochen heftige Auseinandersetzungen lieferten. Die Szene, auf der zum Jubel der Menge Leichen von einem Dach geworfen werden, soll aus Al-Bab stammen.

Gefesselter wehrt sich

Auf dem Video mit dem Gefesselten ist zu sehen, wie sich der Mann wehrt und von mehreren Männern auf eine Straße in Aleppo niedergedrückt wird. Dann taucht ein Mann mit einem kleinen Messer auf und schneidet dem Gefesselten die Kehle durch; sein Blut breitet sich auf der Straße aus. „Das ist das Schicksal aller Milizionäre!“, sagt der Filmende.

Auf einem dritten Video, das aus Asas stammt, wird ein bärtiger, gefesselter Mann aus einem Wagen gezerrt und zu Boden geworfen. Dann schießt ein bewaffneter Mann mit einer Pistole auf ihn, ein zweiter mit einem Schnellfeuergewehr. Nach mehreren Schüssen stirbt der Gefesselte, der mit dem Gesicht auf den Boden gefallen ist.

Erstmals haben die syrischen Rebellen am Montag nach eigenen Angaben einen Kampfjet der syrischen Armee abgeschossen und den Piloten gefangen genommen. Der Sprecher der Freien Syrischen Armee, Kassem Saadeddin, sagte, ein Kampfflugzeug vom Typ MiG 21 sei in der ostsyrischen Region Deir Essor abgeschossen worden. „Er wurde von einem 14,5 Millimeter-Geschoss aus einem Luftabwehrgeschütz getroffen.“

Sana stellt Vorfall als Panne dar

Der Pilot wurde nach Angaben einer Rebellengruppe namens „Die revolutionäre Jugend des Landes am Euphrat“ gefangen genommen. Die Gruppe veröffentlichte ein Video, in dem ein von drei bewaffneten Männern umstellter Mann zu sehen ist. Dieser wird als Pilot Mufid Mohammed Suleiman vorgestellt. Er sagt, er habe den Auftrag gehabt, die Stadt Muhasen in Deir Essor anzugreifen.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete vom Verlust eines Kampfjets, stellte den Vorfall jedoch als Panne dar. Das Flugzeug sei im Osten des Landes während eines routinemäßigen Trainingsflugs aufgrund eines technischen Defekts abgestürzt.

Die Navigationsgeräte der Maschine seien infolge der Panne ausgefallen und hätten einen Weiterflug unmöglich gemacht. Der Pilot habe seinen Schleudersitz aktiviert. Die Suche nach dem Piloten dauere an.

Erster Abschuss durch Regierungsgegner

Sollten sich die Angaben der Rebellen bestätigen, wäre dies der erste Abschuss eines Armeeflugzeugs durch die Regierungsgegner seit Beginn des Aufstandes im März 2011. Es wäre ein Beweis dafür, dass die Aufständischen im Besitz von Luftabwehrgeschützen sind.

Ein weiteres von der „Revolutionären Jugend des Landes am Euphrat“ auf der Internet-Plattform Youtube veröffentlichtes Video zeigt den Abschuss eines Flugzeugs, das offenbar bei schwerem Beschuss getroffen wird. Aus dem Flugzeug entweicht Feuer, Rauch steigt auf. Das Flugzeug fliegt weiter, obwohl es offenbar am Heck getroffen wurde. Ein in dem Video nicht vorgestellter Mann ruft „Allahu Akbar (Gott ist groß), eine MiG wurde in der Stadt Muhasen getroffen“.

http://www.welt.de/politik/ausland/article108602274/Videos-zeigen-moegliche-Taten-syrischer-Rebellen.html

———————————————————————————————————————

12.08.2012

Syrian video said to show rebels throwing bodies off roof

A graphic video widely circulated online among Syrians on Sunday purported to show rebels throwing the bodies of slain government soldiers from the roof of a post office in the northeastern city of Al-Bab.

The video shows a crowd gathered in front of the post office as a voice shouts, „The heroes of Al-Bab.“ At least two bodies are lying in front of the building. The video shows three bodies being thrown from the roof of the building before a crowd surrounds the corpses and gunshots are heard.

Both sides of the conflict in Syria have been accused of human rights violations. The latest video drew quick condemnation from Syrians who argued that the rebels should not emulate the brutality of President Bashar Assad’s forces.

Syrians circulated the video via Facebook and Twitter, adding critical comments.

One activist, known on Twitter as @KareemLailah, posted this reference to the rebel Free Syrian Army: „FSA throwing security forces from the post building in Bab city in #Aleppo is a big shame & must be widely condemned. #Syria.“

Another activist known as @Rafif Jouejati on Twitter, wrote: „No amount of torture & barbarism will bring back our dead, and heinous acts only make us JUST LIKE THE REGIME if we accept them. #Syria.“

A Syrian media activist and member of the Al-Bab Coordinating Committee said via Skype that the incident occurred about three weeks ago as rebels battled government forces for control of the city.

„There were snipers on the roof of the post office,“ said the activist, who asked to be identified as Barry for security’s sake. „Several of them surrendered and left the building. Five remained, killing at least seven fighters.

„There was a lot of anger,“ he said. „Finally the rebels managed to storm the post office and threw explosive devices and the five snipers were killed. Then the rebels threw the bodies from the roof.“

„What happened was really bad. We should respect the dead even if they were our enemies,“ he added, saying that later the bodies were buried according to Muslim customs.

http://latimesblogs.latimes.com/world_now/2012/08/syria-rebels-video-bodies-thrown-off-roof.html

———————————————————————————————————————

27.03.2012

Freie Syrische Armee wirbt Kindersoldaten an – Agentur

Die Freie Syrische Armee (FSA), der militärische Flügel der syrischen Opposition, rekrutiert Minderjährige in seine Reihen, berichtet die Agentur France Presse unter Hinweis auf Radhika Kumaraswamy, UN-Sondervertreterin zur Lage der Kinder in bewaffneten Konflikten. 

Wir haben die Information bekommen, dass es in der Freien Syrischen Armee Kinder gibt“, so die UN-Sondervertreterin. Ihr zufolge kann im Moment weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden, dass unter 16-Jährige in den Reihen der FSA im Dienst sind.

Die aus Deserteuren der syrischen Regierungstruppen bestehende Freie Syrische Armee ist die größte bewaffnete Oppositionsgruppe und zählt laut ihrem Chef Riyad al-Asaad rund 30 000 Mitglieder. Nach türkischen Angaben gehören zehn Generale und 19 Militärangehörige mit dem Dienstgrad Oberst der FSA an.

In Syrien dauern seit rund einem Jahr gewaltsame Proteste gegen die Regierung um Präsident Baschar al-Assad an. Laut UN-Angaben sind dabei mehr als 8000 Menschen getötet worden. Die syrischen Behörden machen bewaffnete Extremisten für die Todesopfer verantwortlich. Die bewaffnete Opposition fordert einen Rücktritt des Präsidenten sowie demokratische Wahlen.

http://de.ria.ru/world/20120327/263173547.html

———————————————————————————————————————

20.03.2012

Menschenrechtler registrieren Rechtsverletzungen durch syrische Opposition

Die Internationale Bürgerrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat auf ihrer Webseite der syrischen Opposition ernsthafte Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen.

In einem offenen Brief an den Syrischen Nationalrat und an andere oppositionelle Gruppen berichten die Menschenrechtler von Kidnapping, rechtswidrigen Verhaftungen sowie Folterungen von syrischen Armeeangehörigen und anderen Anhängern des Präsidenten Baschar al-Assad.
Es gab laut HRW auch Fälle von Tötungen syrischer Militärs und Zivilisten durch bewaffnete Oppositionelle.
„Das brutale Vorgehen der syrischen Regierung kann nicht die Verletzung der Menschenrechte durch bewaffnete oppositionelle Gruppen rechtfertigen. Die Oppositionsführer müssen ihren Anhängern klar machen, dass man unter keinen Umständen die Menschen foltern, entführen und töten darf“, verweist die für den Nahen Osten zuständige HRW-Direktorin Sarah Leah Whitson.
Die Menschenrechtler hatten bereits mehrmals auch von zahlreichen Verletzungen der Rechte und Tötungen syrischer Bürger seitens der regierungstreuen Kräfte berichtet.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am heutigen Dienstag die in Syrien bestehende Situation als „unzulässig“ und „unannehmbar“ bezeichnet und die Weltgemeinschaft aufgerufen, sich zur Lösung des Syrien-Konflikts zusammenzuschließen.
Am Dienstag soll der UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf zu Syrien mit weiteren Sanktionen gegen das Land behandeln.

In Syrien dauern seit rund einem Jahr gewaltsame Proteste gegen die Regierung um Präsident Baschar al-Assad an. Laut den jüngsten UN-Angaben sind dabei bereits mehr als 8000 Menschen getötet worden. Täglich berichten die Medien über immer neue Opfer unter Zivilisten und Sicherheitskräften. Die syrischen Behörden machen bewaffnete Extremisten für die Todesopfer verantwortlich.

http://de.ria.ru/politics/20120320/263113227.html

———————————————————————————————————————

08.03.2012

Die syrischen Rebellen schikanieren das Volk

Die Führung der Freien Syrischen Armee ist unklar – unter ihr könnten Islamisten sein. Die UN legen ihnen Menschenrechtsverletzungen zur Last. Von Gabriela M. Keller

Die Spitzel machen Amir keine großen Sorgen mehr. Früher beobachteten die Informanten der Geheimdienste alles, was in den Wohnsiedlungen der Industriestadt Deir Asur tief in der syrischen Wüste geschah. Sie spionierten ihren Nachbarn nach und belauschten Gespräche auf der Straße. Doch das ist jetzt vorbei, sagt der Student, „die Freie Syrische Armee hat begonnen, die Spitzel zu eliminieren“.

Die Rebellen machten Jagd auf die Informanten und richteten sie hin, in den Geschäften, an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Häusern oder auch einfach auf der Straße. Damit solle den Regimeanhängern eine Lektion erteilt werden. „Wir haben das Recht, uns zu verteidigen“, sagt er, „in Deir Asur herrscht jetzt das Gesetz des Dschungels.“

Entführungen, Vergeltungsmorde, Folter

Das, was Amir erzählt, wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Komplexität des syrischen Aufstandes. Mehr und mehr Rebellen erheben die Waffen; in vielen Orten herrscht inzwischen offener Bürgerkrieg. Mindestens 8000 Zivilisten sind nach Schätzungen der UN bislang bei der Unterdrückung der Proteste durch die Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.

Zwar ist die Gewalt von Seiten der Rebellen nicht mit den Gräueltaten des Regimes vergleichbar, doch ein kürzlich veröffentlichter UN-Bericht wirft auch der Freien Syrischen Armee (FSA) „schwere Menschenrechtsverstöße“ vor, darunter Entführungen, Vergeltungsmorde und Folter. Zahlreiche Videoclips im Internet, auf denen erzwungene Geständnisse angeblicher regimetreuer Milizionäre zu sehen sind, lassen nichts Gutes ahnen.

Die FSA hat nach eigenen Angaben etwa 30.000 Kämpfer. Es ist derzeit nahezu unmöglich zu ermitteln, ob diese Zahl stimmt und wer genau die Rebellen sind. Anfänglich wurde die FSA vor allem als Bündnis desertierter Soldaten dargestellt. Doch zunehmend wird deutlicher, dass unter ihnen auch viele bewaffnete Zivilisten kämpfen – sie könnten sogar die Mehrheit bilden.

„Dass Deserteure die FSA gegründet haben, ist ein Mythos“, sagt der syrische Menschenrechtler Wissam Tarif. „Die FSA ist aus der Mitte der syrischen Gesellschaft hervorgegangen. Es sind vor allem junge Männer in den Vororten, die sich den Regierungstruppen entgegenstellen und versuchen, ihr Zuhause und ihre Familien zu verteidigen.“

„Wenn man ein Gewehr hat, fürchtet man sich nicht mehr“

Junge Männer wie Amir. Der 24-Jährige ist Student, kein geschulter Kämpfer. Doch für ihn gibt es keinen Zweifel daran, dass es an der Zeit ist, das Regime mit Gewalt zu stürzen. „Es ist ein Dschihad“, sagt er, „für mich als Gläubigen ist es eine Ehre zu kämpfen.“ Deswegen hat er sich vor einigen Wochen eine Kalaschnikow besorgt. Neulich hat ihn die FSA zu seinem ersten Einsatz gerufen: Im Schutz der Dunkelheit pirschte er sich mit wild zusammengewürfelten Kameraden an einen Checkpoint heran.

„Dann haben wir das Feuer eröffnet und ,Gott ist größer‘ geschrien. Wie Muslime es eben tun.“ Früher, als er unbewaffnet demonstriert habe, sei die Angst sein ständiger Begleiter gewesen. „Doch wenn man ein Gewehr hat, fürchtet man sich nicht mehr“, sagt er, „dann will man nur eines: alle Gegner töten, die man sieht.“

Unterdessen sucht die internationale Gemeinschaft noch nach einer Lösung, wie das Blutvergießen in Syrien beendet werden kann. Eine militärische Intervention scheint derzeit nicht aussichtsreich. Doch inzwischen werden die Stimmen lauter, die eine Bewaffnung der Rebellen fordern. Denn bislang verfügt die FSA nur über leichte Waffen und ist den Streitkräften des Regimes nicht annähernd gewachsen.

FSA laut Experten „eher Unbekannte als kalkulierbare Größe“

Katar und Saudi-Arabien haben schon angekündigt, die FSA künftig beliefern zu wollen; die westliche Welt zögert noch. „Wir wissen wirklich nicht, wer das ist, den wir da bewaffnen würden“, sagte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton im Februar vor Journalisten. Die unabhängige Expertenorganisation International Crisis Group bezeichnete die FSA in einem ihrer Berichte als „eher als Unbekannte denn als kalkulierbare Größe“.

Denn die FSA ist keine Armee mit zentralen Kommandostrukturen, sondern eher ein Sammelbegriff für ein wirres Mischmasch aus lokalen Milizen und Bürgerwehren. Auch die formale Führung der FSA in der Südtürkei hat keinen direkten Einfluss auf den bewaffneten Aufstand. Selbst Offiziere der FSA räumen organisatorische Probleme ein.

„Die Koordination ist schwierig“, sagt Abu Thaer, ein übergelaufener Oberstleutnant aus Homs. „Oft sind Internet und Telefone abgestellt. Deswegen haben die Brigaden der FSA häufig keine Möglichkeit, miteinander Kontakt zu halten.“

Bewaffnung birgt Risiko der Ausweitung von Gewalt und Chaos

Auch die offene Frage, inwieweit islamistische Strömungen innerhalb der FSA eine Rolle spielen, sorgt für Skepsis. Amir, der Student aus Deir Asur, ist ein Beispiel dafür, dass zumindest einige der Kämpfer stark religiös motiviert sind. Ob auch extremistische Kräfte Einfluss haben, ist von außen schwer zu überprüfen. Erst im Februar hatte Al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri dazu aufgerufen, den Kampf gegen das Regime zu unterstützen.

Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass längst Islamisten aus den Nachbarstaaten nach Syrien eingesickert seien. Der US-Geheimdienst geht davon aus, dass die al-Qaida im Irak dabei ist, ihren Einfluss auf Syrien auszuweiten. Doch auch diese Berichte sind kaum nachzuprüfen. Ein Reporterteam der „New York Times“, das eine Woche lang mit der FSA in Nordsyrien unterwegs war, hat keinerlei Hinweise für eine Beteiligung ausländischer Dschihadisten gefunden.

Fest steht, dass der Vorstoß von Katar und Saudi-Arabien das Risiko einer Ausweitung von Gewalt und Chaos birgt. „Viele verschiedene Leute kämpfen in der FSA, manche sind jünger als 18 Jahre, arbeitslose Jugendliche, die nun mit einem Gewehr auf der Straße herumlaufen“, sagt Adel, ein Ingenieur und Aktivist aus dem südsyrischen Deraa. „Es wäre sehr gefährlich, diese Leute weiter aufzurüsten.“

Rebellen schikanieren die Bevölkerung

Schon heute, sagt Adel, schikanierten die Rebellen die Bevölkerung. Neulich wollten sie Scharfschützen auf einem Haus positionieren. Als der Eigentümer ihnen den Zugang verweigern wollte, hätten sie ihn geschlagen und zu Boden geworfen. „Sie stehlen Passanten ihre Mobiltelefone“, sagt Adel, „und immer wieder entführen sie Regimeanhänger, die sie erst nach Zahlung von Lösegeld freilassen.“

Doch aus Angst vor der Brutalität der Regierungstruppen hat sich die Bevölkerung in den Protesthochburgen weitgehend hinter die FSA gestellt. Auch der „taktische“ Rückzug der Rebellen aus dem belagerten Stadtviertel Baba Amr in Homs kurz vor dem vernichtenden Sturm der Armee Ende Februar hat daran nichts geändert. „Am Anfang sah es nicht so aus, als wäre die FSA besonders hilfreich“, sagt Abu Emad, ein Aktivist aus Homs.

„Einer meiner Freunde, ein Student, hat sich vor einigen Monaten ein Gewehr gekauft. Als er damit nach Hause kam, wurde sein Vater wütend. ,Schmeiß das Ding weg!‘, hat er geschrien. Aber inzwischen hat sich doch gezeigt, dass die ganze Welt uns im Stich lässt. Nur die Freie Syrische Armee steht uns heute noch bei.“

http://www.welt.de/politik/ausland/article13911437/Die-syrischen-Rebellen-schikanieren-das-Volk.html

————————————————————————————————————————

Wer sind die syrischen Rebellen? Wie gehen Sie vor? Eine Aktuelle Chronik verrät es.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.