Chinesen übernehmen reihenweise deutsche Firmen

31.01.2014

Chinesen kaufen in großem Stil deutsche Firmen auf

Eine Analyse zeigt, dass chinesische Unternehmen immer häufiger deutsche Firmen übernehmen. Meist sind wenig bekannte Mittelständler betroffen. Doch gerade ihre Technologien sind enorm wichtig. Von Frank Stocker

Motorola wird Chinesisch. Die Übernahme der Google-Mobilfunktochter durch den Lenovo-Konzern hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Gleichzeitig kaufen chinesische Firmen ebenso eifrig Unternehmen in Deutschland auf. Allerdings sind diese Übernahmen wesentlich weniger publikumsträchtig. Meist sind mittelständische, nur regional bekannte Firmen betroffen. Doch für den globalen Wettbewerb sind deren Technologien oft besonders wichtig.

25 deutsche Firmen wurden im vergangenen Jahr von Chinesen gekauft, wie eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Ernst&Young (EY) zeigt. Damit war Deutschland neben Großbritannien das beliebteste Ziel für solche Übernahmen in Europa. In Frankreich fanden die Investoren aus dem Reich der Mitte nur 15 attraktive Firmen, in Italien und Schweden jeweils sieben.

Insgesamt wanderten jedoch so viele europäische Firmen wie noch nie in chinesische Hände. 120 Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen erwarben sie 2013. Im Jahr davor waren es 119, 2004 dagegen gerade mal 34. In Deutschland ist China inzwischen der sechstwichtigste Investor, hinter den USA, Großbritannien, der Schweiz, Frankreich und Österreich.

„Die Werkbank der Welt zu sein genügt den chinesischen Unternehmen schon lange nicht mehr“, sagt Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin des China-Geschäfts. Sie wollten expandieren und neue Märkte erschließen. „Zudem verfolgen sie das Ziel, sich verstärkt als Innovatoren zu positionieren – und benötigen dazu den Zugriff auf europäisches Know-how.“

Autoindustrie im Fokus

Das finden sie vor allem in Deutschland. Prominenteste Beispiele für eine Übernahme waren im vergangenen Jahr Kion, ein Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten, der Solarmodulentwickler Conergy oder die alte Traditionsmarke Pfaff (Nähmaschinen). Genau wie diese Firmen zeichnen sich auch die anderen Übernommenen meist dadurch aus, dass sie technologisch hochwertige Maschinen oder Produkte herstellen, seien es Elektrowerkzeuge (Flex-Elektrowerkzeuge), industrielle Ventilatoren (TLT Turbo) oder Designelemente im Fahrzeuginnenraum (HIB Trim Part Solutions).

Ganz klar im Fokus stehen dabei Firmen aus der Automobilindustrie. „Chinas Autobranche drängt auf den Weltmarkt und benötigt dafür das Know-how, die kompetenten Mitarbeiter und die Netzwerke europäischer und insbesondere deutscher Automobilunternehmen“, sagt Yi Sun.

In Großbritannien dagegen kauften Chinesen überwiegend Immobilienunternehmen oder Bergbaukonzerne, in Frankreich handelte es sich bei drei der 15 Übernahmen um Weingüter, hinzu kam ein Käsehersteller und ein Seifenproduzent.

Sun erwartet für die kommenden Jahre sogar eine weitere Zunahme chinesischer Übernahmen. „Das Interesse an deutschen Industrieunternehmen ist riesengroß.“ Zudem werde die zunehmende Professionalisierung der chinesischen Unternehmen in Bieterprozessen dazu führen, dass sie häufiger den Zuschlag erhielten.

„Und auch dank der geraden von der chinesischen Regierung verabschiedeten neuen Vorschriften zur Erleichterung von Genehmigungsprozessen bei Auslandsinvestitionen werden Investoren aus China künftig gerade in Deutschland häufiger zum Zug kommen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article124411801/Chinesen-kaufen-in-grossem-Stil-deutsche-Firmen-auf.html

———————————————————————————————————————

01.12.12

Investoren aus China sind auf der Suche nach lukrativen Unternehmen. Weitgehend unbemerkt haben sie sich einen guten Teil des deutschen Maschinenbaus und der Autozulieferer gekrallt. Von und J. Hartmann

Satt muss es klingen, hochwertig, eben genau so, wie BMW oder Mercedes das wollen. Astrid Kuchenbecker steht im Echolabor. Dicker blauer Teppich unter den Füßen, ringsum Wände mit Lochmuster, die den Schall schlucken.

In der Mitte steht ein Mikrofon in der Form eines Kopfes. Es gilt, den optimalen Türzuschlag herauszufinden. Und deshalb wird das Geräusch nicht nur per Mikro aufgenommen, sondern mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet. Der Fall ins Schloss lässt sich in Einzelbilder zerlegen. „So können wir genauestens analysieren, wo wir noch mal nachjustieren müssen“, sagt die Mitarbeiterin des Testlabors der Firma Kiekert.

Mit einem Produkt von Kiekert hat fast jeder schon mal zu tun gehabt – meistens ohne es zu wissen. Das Unternehmen aus Heiligenhaus bei Düsseldorf ist Weltmarktführer für Seitentürschlösser bei Autos. Kiekerts Marktanteil in Europa liegt bei rund 35 Prozent. Zu den Kunden gehören praktisch alle großen Automobilhersteller. In seinen Werken stellt das Unternehmen in diesem Jahr 45 Millionen Schließsysteme her. „Wenn es bei Kiekert hakt, hat sofort die gesamte Branche ein riesiges Problem“, sagt ein Automanager.

Chinesen schlucken Autozulieferer

Kiekert hatte ein Problem. Nicht etwa wegen Rückrufaktionen infolge schadhafter Produkte, sondern wegen der Eigentümer: Finanzinvestoren, die den Kaufpreis für den Erfinder der Zentralverriegelung dem Unternehmen selbst aufbürdeten. Inzwischen aber haben die Rheinländer eine harte Restrukturierung durchgemacht und wieder beste Aussichten – unter anderem auch, weil es seit Kurzem einen neuen Eigentümer gibt: die chinesische LingYun-Gruppe.

Der Kauf von Kiekert ist innerhalb eines Jahres bereits die fünfte Übernahme eines namhaften Unternehmens aus der Autobranche durch chinesische Investoren. Und die Branche ist nur ein Beispiel von vielen. Die Chinesen kommen nicht, wie es lange beschworen wurde. Sie sind inzwischen schon da.

Sie investieren in ihre eigenen Unternehmen hierzulande, vor allem aber schlucken sie reihenweise deutsche Firmen. „Die Übernahmen bekommen eine ganz neue Dimension“, sagt Thomas Lindner, der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der „Welt am Sonntag“. Und anders als früher sind die Chinesen hochwillkommen.

Chinesen investieren elf Milliarden in Europa

Lange waren es die Deutschen, die in China investiert, den dortigen Markt aufgerollt haben. Das Land diente als Absatzregion und verlängerte Werkbank zugleich. Nun drehen die Chinesen den Spieß ganz einfach um.

2012 werden Unternehmen und andere Investoren aus der Volksrepublik erstmals mehr Geld in Europa investierenals umgekehrt. Elf Milliarden Euro chinesische Investitionen auf dem alten Kontinent stehen sieben Milliarden Euro in China gegenüber. Und Deutschland ist für die Konzerne und Investoren aus Fernost die erste Adresse, nirgendwo in Europa legen die Chinesen mehr Geld an – Tendenz stark steigend.

Die Liste namhafter deutscher Firmen mit chinesischen Eigentümern ist bereits ansehnlich. Der Aldi-Techniklieferanten Medion, der Solarzellen-Hersteller Sunways oder der baden-württembergische Betonpumpenhersteller Putzmeister haben inzwischen chinesische Eigentümer oder Teilhaber. Dazu kommen Saar Gummi, ein Hersteller von Karosseriedichtungen, der Betonpumpenhersteller Schwing, das Solarunternehmen Solibro oder Sellner, ein Produzent von Auto-Zierteilen.

Immer mehr Direktinvestitionen in Deutschland

Nach Schätzungen der Experten für Standortmarketing von Germany Trade & Invest betrugen die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland 2005 gerade mal 235 Millionen Euro. 2010 waren es bereits 775 Millionen Euro. „Bis 2005 war Deutschland als Wirtschaftsstandort nicht so stark und weltweit anerkannt wie derzeit“, sagt Ilja Nothnagel, Leiter des Referats Grundsatzfragen Außenwirtschaft beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

„Es gab die Debatte um den Standort Deutschland, viele Mittelständler waren noch nicht so weit, was die Globalisierung angeht. Und daher entsprechend weniger bekannt in Fernost. Das hat sich geändert.“ Kurzzeitig kam dann auch noch der wirtschaftliche Einbruch durch die Folgen der Lehman-Krise den Investoren aus der Volksrepublik in die Quere. „Erst vor ein, zwei Jahren setzte die Kaufwut der Chinesen in Deutschland richtig ein“, berichtet Nothnagel.

Kiekert hat sich Chinesen als Investoren ausgesucht

Das Beispiel Kiekert ist dabei aus mehreren Gründen ein Sonderfall. Zum einen, weil die Chinesen dabei ein gesundes Unternehmen gekauft haben und nicht, wie sonst häufig, einen Sanierungsfall. Zum anderen, weil Firmenchef Karl Krause und sein Vorstandskollege Ulrich-Nicolaus Kranz selbst auf Investorensuche gingen. „Wir haben gesucht und wurden nicht gefunden“, sagt Kranz. Und bei der Suche landete Kiekert schließlich bei Herrn Li, dem Chef der börsennotierten LingYun-Gruppe.

Mit der Übernahme von Kiekert haben die chinesische Investoren Neuland betreten: Nach kleineren Herstellern haben sie damit erstmals einen wichtigen Schlüssellieferanten der Automobilbranche erworben. Bei Ford etwa gehört das Seitentürschloss zu den 70 wichtigsten Komponenten eines Autos. Und da hatten die mächtigen Hersteller bislang großen Wert darauf gelegt, dass die entsprechende Technologie nicht ausgerechnet in chinesische Hände gelangt. Doch die Angst vor der „gelben Gefahr“ gibt es nicht mehr, zumindest nicht mehr so wie vor einigen Jahren noch.

Deutschland ist bei Chinas Managern beliebt

Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat in diesem Jahr 400 chinesische Topmanager befragt, wo sie gerne investieren würden. Deutschland schnitt dabei hervorragend ab. Als Gründe für die Attraktivität des Standorts D wurden der technologische Vorsprung vieler Firmen genannt, die große Zahl bekannter Marken, die gute Ausgangsbasis für weiteres Wachstum in Europa – und die vielen Mittelständler, deren Übernahmen finanziell zu stemmen sind.

Vor allem die Maschinen- und Automobilbauer, genauer die Zulieferer in diesen Branchen, haben die Chinesen dabei im Visier. In gewisser Weise sind die Investoren aus China einem Staatsauftrag verpflichtet. „Durch den neuen Fünf-Jahres-Plan, der ausdrücklich qualitatives Wachstum fordert und zu Aktivitäten außerhalb Chinas ermutigt, werden Zukäufe auch auf politischer Ebene unterstützt“, sagt Yi Sun, die bei Ernst & Young mit chinesisch-deutschen Transaktionen betraut ist. „Die Zeiten, in denen einfach nur abfotografiert und kopiert wurde, sind längst vorbei. Nach schnellem Wachstum geht es jetzt darum, das Niveau anzuheben“, ergänzt DIHK-Experte Nothnagel.

Deutscher Maschinenbau für Chinas Investoren wichtig

Der deutsche Maschinenbau war für Investoren aus der Volksrepublik jahrelang die wichtigste Branche, wurde allerdings in den vergangenen zwei Jahren von der Automobilindustrie in den Hintergrund gedrängt, hat Kuang-Hua Lin, Chef des Beratungsunternehmens Asia-Pacific Management Consulting (APMC) in Düsseldorf beobachtet. „Zurzeit ist die Automobilzulieferbranche die mit Abstand wichtigste Branche.

Praktisch bei jedem Verkauf eines Automobilzulieferers in Europa ist mindestens ein chinesischer Bieter dabei“, sagt Lin. Das liegt zum einen daran, dass der Automobilbau eine Hochtechnologie- und Wachstumsbranche ist – und eine Schlüsselindustrie in Deutschland, die in China bereits zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen hat.

Von westlicher Technologie unabhängig werden

„Darüber hinaus haben die Chinesen eingesehen, dass sie sich in diesem Bereich sehr schwer tun, eine eigene wettbewerbsfähige Industrie auf die Beine zu stellen“, sagt Christian Malorny, ein Automobilexperte bei McKinsey. Aber gerade die Unabhängigkeit von westlicher Technologie ist das Ziel Pekings und der großen Konzerne in der Volksrepublik. Und gleich danach, zumindest in bestimmten Industriezweigen, der Aufstieg in die Champions League.

Dazu braucht man aber das nötige Fachwissen, zugkräftige Marken, von denen die Volksrepublik praktisch keine hat. Und den Zugang zu den westlichen Märkten. „Der Aufbau einer Marktmacht gegenüber den europäischen Kunden ist eine sehr wichtige Motivation für Übernahmen. Sie wird jedoch ungern genannt, um Kunden in Europa nicht zu alarmieren“, so APMC-Chef Lin.

Durch Übernahmen wollen die Chinesen vorankommen

Und natürlich geht es auch um den Zugriff auf technologisches Know-how, also auf die berühmten Blaupausen. „In der Volksrepublik ist man unzufrieden mit den deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen, weil die Deutschen alles richtig gemacht haben: Sie haben verhindert, dass Know-how abfließt“, sagt Autoexperte Malorny. „Den in China erhofften Technologietransfer hat es nicht gegeben. Also versucht man nun, durch Übernahmen voranzukommen.“

Die Sorge, dass die Chinesen sich eine deutsche Firma kaufen, die relevanten Daten auf einen USB-Stick packen und wieder nach China reisen, sei aber unbegründet, sagt Auto-Experte Peter Fuß von Ernst & Young. Chinesische Investoren wollten sich in der Regel langfristig engagieren. „Das unterscheidet sie von klassischen Finanzinvestoren“, so Fuß. Zudem hätten die Autohersteller durchaus die Macht, ein Geschäft, das rein auf das Abschöpfen von Wissen hinausläuft, mit einem Veto zu stoppen, meint Kiekert-Chef Krause.

Chinesische Investoren im Abschwung gefragt

Der anfänglichen Skepsis gegenüber den Interessenten aus China ist er damit begegnet, dass er Herrn Li mit zu den großen Kunden nahm. „Die Bedenken waren sofort ausgeräumt“, sagt Krause. Mehr noch, mancher Hersteller frage, ob ein wachsender Konzern wie LingYun nicht auch weitere Investments in Europa plane. Gerade kapitalschwache Lieferanten sind, wenn im kommenden Jahr der Abschwung in der Autobranche kommen sollte, gefährdet.

Bislang sprangen in der Regel die großen Automobilbauer ein. „Wir haben großes Interesse daran, dass es bei den Zulieferern eine große Bandbreite an Anbietern gibt. Das garantiert Wettbewerb und entsprechende Preise“, sagt ein Daimler-Manager.

Übernahmen durch Chinesen laufen behutsam ab

Die Investoren aus Fernost sind also überwiegend willkommen, zumal sie sich behutsam vortasten. „Chinesische Investoren haben in aller Regel Respekt vor der Leistung in deutschen Firmen und Angst, dass nach falschen Entscheidungen Kunden abspringen könnten“, sagt McKinsey-Experte Malorny. Die bisherigen Firmenübernahmen in Deutschland sind denn auch nicht begleitet von raschen Wechseln an der Spitze, massivem Jobabbau oder Werkschließungen.

Der neue Investor begnügt sich meist mit der Einflussnahme über den Aufsichtsrat. Auch Krauses Erfahrungen mit dem chinesischen „Hauptaktionär“, wie er ihn nennt, sind bislang ausnahmslos positiv. Der wisse, was er wolle, mische sich nicht ins Tagesgeschäft ein, möchte die Firma weiterentwickeln. „Wie Sie sehen, sitzt auch in meinem Büro kein chinesischer Aufpasser“, sagt Krause. „Die lassen uns hier in Ruhe arbeiten.“

Unterschiedliche Management-Kulturen

Entscheidet sich ein chinesischer Investor für einen Firmenkauf in Deutschland, treffen aber auch zwei unterschiedliche Management-Kulturen aufeinander. „Durchregieren von oben nach unten, so wie die Deutschen das machen, ist in chinesischen Firmen unmöglich“, sagt ein französischer Spitzenmanager, der mehrere Jahre in der Volksrepublik einen Konzern geleitet hat. Gerade für deutsche Unternehmer und Manager muss die Bedächtigkeit, mit der die asiatischen Verhandlungspartner oft vorgehen, eine arge Nervenprobe sein. Bei Kiekert erstreckte sich der gesamte Verkaufsprozess über fast zwei Jahre.

Chinesen nehmen sich viel Zeit, bis sie eine Entscheidung treffen, sagt der Maschinenbau-Ingenieur Xiawei Wang, der seit drei Jahren bei Kiekert beschäftigt ist und einen Großteil der Gespräche mit LingYun begleitet hat. Das hat durchaus seine Gründe. So testen Chinesen, berichtet Wang, gerne erst einmal die Grenzen des Gegenübers aus. „Sie wollen feststellen, ob du auch in harten Gesprächen ein guter Geschäftsmann bist“, sagt der 29-Jährige, der zunächst eine Elite-Universität in Peking besucht und anschließend seinen Master an der RWTH in Aachen gemacht hat.

Deutsche Familienunternehmen stehen hoch im Kurs

Harte Gespräche dieser Art wird es in Zukunft mehr geben. So wie der chinesische Markt für Deutschlands Auto- und Maschinenbauer immer wichtiger wird, wird sich auch das Engagement chinesischer Investoren in Deutschland verstärken. Ernst-&-Young-Expertin Sun berichtet denn auch, man bekomme „fast im Wochenrhythmus Anrufe von chinesischen Unternehmen, die Übernahmeziele suchen“.

Deutsche Familienunternehmen stünden hoch im Kurs, inzwischen aber auch Geschäftseinheiten börsennotierter Konzerne. Allein „für den ganz großen Wurf“ sei es „noch zu früh“. Kiekert-Manager Kranz weiß Ähnliches zu berichten: „Der Käufer will mehr machen. Wenn wir das erste Engagement sind, werden Nummer zwei, drei, vier und fünf vermutlich folgen.“

Investoren öffnen auch Türen in Fernost

Die rund 1000 Kiekert-Mitarbeiter am Stammsitz sind derweil gespannt, ob die guten Erfahrungen der ersten Monate von Dauer sein werden. Vorstand Kranz erwartet, dass man erst in drei Jahren wird bewerten können, ob das Engagement der Chinesen auch dauerhaft Erfolg hat. Doch schon jetzt spüre er Synergien, etwa wenn Kiekert nun auf einmal Termine bei chinesischen Autofirmen erhält, zu denen es bislang keinen Zugang gab. Umgekehrt nutzen Manager von LingYun Kiekert, um bei europäischen Autobauern vorzusprechen.

Im Versuchslabor testet Astrid Kuchenbecker derweil weiter ihre Türschlösser, als sei alles wie früher. Die asiatische Note bekommt das Labor durch die Tests mit speziell aus China importiertem Sand. Der wird aus Düsen in eine Kammer geblasen und verwirbelt, damit man nachher, wenn sich der Staub gelegt hat, erkennen kann, ob ein Schloss auch nach einem Sandsturm in Peking noch funktioniert.

Aber auch Klangspiele im Echolabor von Kiekert sorgen für fernöstliches Empfinden: In Asien wird beim Zuschlagen einer Autotüre meist ein hellerer Klang einem satten Geräusch vorgezogen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article111752743/Chinesen-uebernehmen-reihenweise-deutsche-Firmen.html

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.