Bargeld wird abgeschafft – eine Chronik

 14.07.2017

EU: Hinter den Kulissen tobt Streit um Bargeld-Abschaffung

In der EU tobt hinter den Kulissen der Streit um die Bargeld-Abschaffung.

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In der EU wird offenbar heftig über die Abschaffung des Bargelds gestritten. Der Österreichsche Rundfunk berichtet, dass EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici eine solche Abschaffung vorantreiben wolle.

Der ORF wörtlich:

Eine Abschaffung von Bargeld wäre „absurd“, hat der Gouverneur der Oesterreichische Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, heute in Brüssel bekräftigt. Das werde „sicher nicht“ kommen. EU-Währungskommissar Pierre Moscovici teile diese Position nicht völlig, erklärte OeNB-Direktor Kurt Pribil, aber „wir sind gegen jede weitere Einschränkung bei der Verwendung von Bargeld“

Nowotny sagte, bei Bargeld werde immer die Möglichkeit für kriminellen Missbrauch hervorgehoben. Es gehe aber auch darum, Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen. „Ich werde einen Missbrauch wie bei vielen anderen Dingen nie völlig vermeiden können.“ Auch „eine generelle Beschränkung der Verwendung von Bargeld ist nicht sinnvoll“.

Wesentlich ist es für den Gouverneur, dass die EU-Länder die Frage auf nationaler Ebene für sich entscheiden können. „Es ist die Frage, ob es eine gesamteuropäische Regelung geben soll oder man das den Staaten überlässt. Unsere Meinung ist, dass man das den einzelnen Ländern überlassen soll.“ Nowotny verwies darauf, dass schon jetzt in Österreich in einem kleinen Bereich – der Bauwirtschaft – eine Bargeldobergrenze gelte.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/07/14/eu-hinter-den-kulissen-tobt-streit-um-bargeld-abschaffung/

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21.12.2016

EU kündigt schärfere Kontrollen für das Führen von Bargeld an

Die EU verschärft den Kampf gegen die internationale Kriminalität und fokussiert sich dabei unter anderem auf den grenzüberschreitenden Transport von Bargeld.

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Die EU will laut AFP schärfer gegen organisierte Kriminalität, Terrorfinanzierung und Geldwäsche vorgehen. Dazu plant die EU-Behörde eine Verschärfung der Zollkontrollen mit Blick auf den Bargeldverkehr. So sollen Beamte künftig Menschen, die krimineller Straftaten verdächtigt werden, auch bei geringeren Beträgen als der zulässigen anmeldefreien Höchstmenge von 10.000 Euro in bar kontrollieren dürfen. Häufigere Stichproben sind demnach auch bei Paketen und Frachtsendungen vorgesehen.

Um die Strafverfolgung länderübergreifend zu vereinfachen, will die Kommission zudem eine Grundlage schaffen zur gegenseitigen Anerkennung von juristischen Beschlüssen, Geldmittel sicherzustellen. Vermögenswerte aus kriminellen Straftaten könnten über eine entsprechende gemeinsame Rechtsgrundlage leichter eingezogen werden.

Außerdem plant die EU-Kommission eine Erweiterung des Schengen-Informationssystems zum besseren Datenaustausch unter den EU-Ländern sowie gemeinsame Gesetzesgrundlagen für grenzübergreifende Strafverfolgungen, wie aus einem am Mittwoch in Brüssel vorgestellten Maßnahmenpaket hervorgeht.

Wir müssen schon früh ansetzen, um Mittel und Wege abzuschneiden“, sagte der für Inneres und Migration zuständige Kommissar Dimitris Avramopoulos. Geplant ist demnach eine neue Richtlinie zur strafrechtlichen Verfolgung von Geldwäsche. Damit sollen bestehende Gesetzeslücken und nationale Unterschiede bei der Definition des Straftatbestandes und darauf stehende Sanktionen geschlossen werden.

Zudem ist vorgesehen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in diesem Bereich zu verstärken und durch gemeinsame Vorschriften bisherige Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Derzeit hätten Justiz und Strafverfolgung gerade bei umfangreicheren Geldwäschedelikten „große Schwierigkeiten“, erklärte der für die Sicherheitsunion zuständige EU-Kommissar Julian King. Die Anzahl der Ermittlungsfälle, die mehrere Mitgliedstaaten betreffen, liegt nach Angaben der Behörde zwischen zehn und 70 Prozent – je nachdem, welches EU-Land betroffen sei.

Ein Ausbau des Schengen-Informationssystems (SIS) soll die Daten für Justiz- und Grenzbeamte leichter zugänglich machen und inhaltlich verbessern. Dem Reformvorschlag zufolge sollen Menschen, die in Verbindung zu terroristischen Straftaten stehen, „zwingend“ ausgeschrieben werden.

Den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten will die Kommission unter anderem durch eine neue Kategorie für „unbekannte gesuchte Personen“
erweitern, außerdem soll Europol uneingeschränkt auf die Datenbank zugreifen dürfen.

Im Januar nahm unter der Schirmherrschaft von Europol in Den Haag ein neues Terrorabwehrzentrum seine Arbeit auf. Am Dienstag einigten sich die Vertreter der Mitgliedstaaten formal auf eine Verschärfung des Waffenrechts, nach der halbautomatische Waffen künftig verboten sind.

Anfang Dezember hatten sich die EU-Botschafter zudem auf die Inhalte der sogenannten Anti-Terrorismus-Richtlinie geeinigt. Demnach sollen schon „vorbereitende Handlungen“ im Zusammenhang mit Terroranschlägen als Straftatbestand in der gesamten EU gelten. Dazu gehören auch Reisen in von Terrororganisation kontrollierte Gebiete sowie die Ausbildung oder Finanzierung terroristischer Handlungen. NGOs und Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Vorschriften als zu weitreichend.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/21/eu-kuendigt-schaerfere-kontrollen-fuer-das-fuehren-von-bargeld-an/

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19.12.2016

„Berichte über den Tod des Bargelds waren stark übertrieben“

Studie zeigt, dass Scheine und Münzen selbst in den USA noch das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel sind

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Eine im International Journal of Central Banking (IJCB) erschienene vergleichende Studie zu den Zahlungsgewohnheiten in den USA, Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien, den Niederlanden und Österreich zeigt, dass Bargeld in allen diesen Ländern weiterhin das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel ist. Sogar in den USA, wo der Anteil von Kreditkartenzahlungen mit 26 und 19 Prozent deutlich höher ist als in den europäischen Ländern, kommt es in 46 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz.

In den Niederlanden (wo mit 41 Prozent besonders häufig Debitkarten verwendet werden) kommen Scheine und Münzen in 52 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz, in Kanada in 53 Prozent, in Frankreich in 56 Prozent, in Australien in 65 Prozent und in Deutschland und Österreich sogar in jeweils 82 Prozent. Deutsche und Österreicher führen mit umgerechnet durchschnittlich 123 beziehungsweise 148 US-Dollar auch das meiste Bargeld mit sich. Danach folgen Amerikaner mit 74, Franzosen mit 70, Kanadier mit 64, Australier mit 59 und Niederländer mit 51 Dollar.

Angesichts dieser Anteile und Werte kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis: „Um Mark Twain zu paraphrasieren, würden wir sagen, Berichte über den Tod des Bargelds waren stark übertrieben“ – und der Finanznachrichtendienst Bloomberg titelte: „Forget Bitcoin and Mobile Pay – Cash is Still King of the World“.

Ist die Bargeldstudie des deutschen Finanzministeriums „Fake News“?

Dass Bargeld in Deutschland und Österreich eine noch deutlich wichtigere Rolle einnimmt als in den anderen fünf Ländern dürfte die Delegierten des CDU-Parteitages in Essen mit dazu bewogen haben, sich unlängst nicht nur gegen eine Barzahlungsobergrenze auszusprechen, sondern auch gegen das Vorhaben der Europäischen Zentralbank, ab 2018 keine 500-Euro-Schein mehr auszugeben.

Damit stellten sie sich gegen Wolfgang Schäuble, dessen Bundesfinanzministerium die angebliche Notwendigkeit einer Einschränkung von Barzahlungen mit eine Studie zur Bedeutung des Bargeldes für die Schattenwirtschaft und das Organisierte Verbrechen zu rechtfertigen versuchte, die „mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung herausfand: „In Ländern mit Bargeldobergrenze wie Italien oder Frankreich“, so die FAZ, „gibt es mehr Mafia oder Terror als in Deutschland“ – und das bargeldfeindliche Schweden hat „eine größere Schattenwirtschaft als die Schweiz, das Land mit dem größten Geldschein.“

Ob Medien, die die von Schäubles Ministerium in Auftrag gegebene Studie unkritischer verbreiten, deshalb zukünftig als „Fake News“ gelten und „hart bestraft“ werden, hängt wahrscheinlich davon ab, wie die von Justizminister Heiko Maas angedachte „Wahrheitskommission“ besetzt wird und nach welchen Kriterien sie entscheidet.

Venezuela erklärt 100-Bolivar-Schein wieder für gültig

Welche Wirkungen ein mit dem Volk nur bedingt abgestimmter Eingriff in Barzahlungsoptionen haben kann, zeigt sich aktuell gerade in Venezuela: Dort nahm Staatspräsident Maduro am Samstagabend die zuvor verkündete Ungültigkeit von 100-Bolivar-Scheinen wieder zurück, nachdem es nicht nur zu landesweiten Protesten, sondern auch zu Plünderungen kam, weil die Banken des Landes nicht in der Lage waren, die Scheine in neue 500-Bolivar-Banknoten umzutauschen. Maduro machte dafür im Fernsehen einen „internationalen Sabotageakt“ verantwortlich, weil ausländische Druckereien angeblich nicht pünktlich lieferten.

Anlass für den Einzug der 100-Bolivar-Scheine ist eine seit Jahren andauernde und alleine für 2016 auf bis zu 700 Prozent geschätzte Inflation, die dazu führte, dass mit immer dickeren Geldbündeln bezahlt werden muss. Wegen dieser Inflation steigen immer mehr Venezolaner auf Bitcoins als Zahlungsmittel um (vgl. Venezuela: Bitcoin gegen Staatsversagen).

https://www.heise.de/tp/features/Berichte-ueber-den-Tod-des-Bargelds-waren-stark-uebertrieben-3574646.html

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18.12.2016

Bargeld-Abschaffung: Skandinavien stoppt Prägung von Münzen

Die skandinavischen Länder gelten als Vorreiter bei der Abschaffung von Bargeld. Dänemark hat seine letzte Münzprägeanstalt geschlossen.

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Die skandinavischen Staaten Schweden, Dänemark und Norwegen gelten als Vorreiter bei der Abschaffung von Bargeld, welche auf der ganzen Welt Führsprecher findet. Dänemark hat seine letzte Münzprägeanstalt inzwischen geschlossen und den Betrieb nach Finnland ausgelagert, berichtet Bloomberg. Damit gibt es in den drei besagten Staaten keine Münzprägung mehr.

Nur noch rund 20 Prozent aller Transaktionen wurden in Dänemark im vergangenen Jahr mit Bargeld abgewickelt – in Deutschland und Österreich sind es etwa 80 Prozent gewesen. Diesen Wert der Bargeldverwendung erreichte Dänemark das letzte Mal Anfang der 1990er Jahre.

Im Juni schrieb die dänische Zentralbank, dass die Verwendung von Bargeld mehr als doppelt so hohe Kosten verursachen würde, wie der bargeldlose Zahlungsverkehr. Zudem arbeite man an einer elektronischen Form der Landeswährung Kroner. Auch die schwedische Zentralbank entwickelt derzeit eine virtuelle Form der Landeswährung. Die dänische Regierung erlaubt Geschäften sogar mittlerweile, die Annahme von Bargeld zu verweigern. Mehr als die Hälfte der Dänen benutzt zudem die Smartphone-App „MobilePay“, um Geldbeträge schnell zu überweisen.

Die Umstellung auf einen elektronischen Zahlungsverkehr birgt jedoch auch große Risiken – besonders für den Schutz persönlicher Daten. Im Jahr 2014 wurde beispielsweise bekannt, dass eine Zeitschrift über Jahre einen Berater des Zahlungsabwicklers Nets dafür bezahlt hatte, Informationen über die Geldgeschäfte von Politikern und Prominenten zu liefern. Die Abschaffung von Münzen und Scheinen ist noch aus einem anderen Grund riskant: Nur Bargeld – und Edelmetalle wie Gold und Silber – ermöglichen es den Bürgern, ihre Ersparnisse vor dem Zugriff von Banken und Regierungen zu schützen und so mögliche Strafgebühren zu entgehen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/18/bargeld-abschaffung-skandinavien-stoppt-praegung-von-muenzen/

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30.11.2016

Indien: Regierung will weitgehende Abschaffung des Bargelds

Die indische Regierung drängt die Bürger, ihre Geldgeschäfte fortan digital abzuwickeln. Der Weg in eine bargeldlose Gesellschaft sei das Ziel. Die Bürger gehen jedoch auf die Barrikaden.

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Der indische Premierminister Narendra Modi hat die Bürger des Landes dazu aufgerufen, ihre Geldgeschäfte vermehrt bargeldlos abzuwickeln, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters. Dadurch sei es leichter, das im Zuge des überraschend eingeführten Umtausches der 500-Rupien-Noten und der 1000-Rupien-Noten entstandene Chaos zu umgehen. Im Zuge der Umstellung der großen Banknoten kommt es seit Wochen zu Schlägereien und langen Schlangen vor den Banken, weil der Nachschub nach neuen Geldscheinen zusammengebrochen ist.

Die Regierung in Neu Delhi gibt an, mit der Reform den Schwarzhandel sowie Geldwäsche und Korruption bekämpfen zu wollen.

Bemerkenswert ist die zeitliche Verbindung zwischen der mangelhaft umgesetzten Bargeldreform einerseits und dem Aufruf Modis, eine „bargeldlose Gesellschaft“ anzustreben. „Ich möchte meinen kleinen Brüdern und Schwestern im Handelsgewerbe sagen: Dies ist eure Chance, die digitale Welt zu betreten.“ Die Bürger sollten ihre Geldgeschäfte in digitaler Form tätigen. „Es ist wahr, eine hundertprozentig bargeldlose Gesellschaft ist nicht möglich. Aber warum machen wir nicht den ersten Schritt hin zu einer Gesellschaft, in der weniger Bargeld verwendet wird? Wir können schrittweise von einer wenig Bargeld gebrauchenden Gesellschaft zu einer bargeldlosen Gesellschaft werden.“

Bemerkenswert ist auch, dass der Präsident der Kreditkartengesellschaft Mastercard in Südasien die Bargeldreform in Indien als Teil einer Digitalstrategie der Regierung versteht. Der Vorstoß Modis sei „ein wichtiger Schritt, um Indien als globalen Führer im Bereich der bargeldlosen und digitalen Wirtschaft zu positionieren“, wird er von Bloomberg zitiert.

Die Vorstöße für eine Abschaffung oder Einschränkung der Bargeld-Verwendung nehmen seit einigen Jahren weltweit merklich zu.

Mehr als 90 Prozent aller Käufe in Indien werden wahrscheinlich mit Bargeld abgewickelt. Auch ein Smartphone-Boom in den vergangenen Jahren konnte daran nichts ändern. Modi rief junge, technikaffine Menschen dazu auf, ihren Mitbürgern die Vorteile digitaler Transaktionen aufzuzeigen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/30/indien-regierung-will-weitgehende-abschaffung-des-bargelds/

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27.09.2016

Experten-Kritik an Bargeld-Grenze: Regierung stützt sich auf fragwürdige Studie

Die Bundesregierung möchte Bargeld-Zahlungen auf eine Obergrenze von 5000 Euro beschränken. Auch auf Länderebene gäbe es derzeit eine Mehrheit dafür. Offiziell sollen auf diese Weise Geldwäsche und Terroristen bekämpft werden.

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Doch Experten bezweifeln, dass das der wahre Grund für die geplante Maßnahme ist. Schon die Zahlen, mit der sich die Politiker rechtfertigen, machen die Experten misstrauisch.

Als Beleg für den Sinn und Zweck einer Bargeld-Obergrenze stützt sich der Staat auf die sogenannte „Dunkelfeldstudie“ von Kai Bussmann aus dem August 2015. Der Jurist der Universität Halle schätzt den Umfang der Geldwäsche in Deutschland darin auf bis zu 100 Milliarden Euro im Jahr.

Experte: Studie der Regierung ist unwissenschaftlich – und falsch

Doch Bussmanns Studie halte wissenschaftlichen Kriterien überhaupt nicht stand – und komme überdies zu völlig falschen Ergebnissen, sagt Friedrich Schneider, Experte für organisierte Kriminalität und Schattenwirtschaft der Universität Linz. Im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat er ein Gutachten zum Umfang der Geldwäsche in Deutschland und weltweit erstellt und dabei auch Bussmanns Studie für das Bundesfinanzministerium untersucht.

Die Kritik an der Studie im Detail:

  • Bussmanns Studie basiert auf Befragungen zu Geldwäsche-Verdachtsfällen in deutschen Unternehmen. Anhand dieser Aussagen schließt der Autor auf das Gesamtvolumen. Das ist laut Schneider zwar legitim. Allerdings sei „dieZahl der Verdachtsfälle mit 68 so gering, dass dasErgebnis automatisch extremen Schwankungen unterliegt“.
  • Bussmanns Berechnungen beziehen sich lediglich auf den Nicht-Finanzsektor. Hier ergibt sich der Studie zufolge ein Volumen von 16 bis 26 Milliarden Euro.Für eine Aufrundung des Geldwäscheumfangs in Deutschland auf bis zu 100 Milliarden Euro gebe es indessen „keinerlei wissenschaftliche Begründung“, kritisiert Schneider. Er geht nur von insgesamt 15 bis 30 Milliarden Euro aus.
  • Laut Schneiderignoriert Bussmann die Frage, wo das Geld gewaschen wird. Das könne auch im Ausland geschehen, etwain Italien, von wo das Geld dann über Scheinfirmen nach Deutschland gelangt. Eine Bargeld-Obergrenze in Deutschland würde dagegen nichts ausrichten, sie wäre zwecklos.
  • Die Wirkung einer Obergrenze werde in der Studie stark übertrieben, sagt Schneider. In der organisierten Kriminalität spiele Bargeld inzwischen eine untergeordnete Rolle. „Nur noch im „Tatort“ wird der Koffer mit einer Million in Barem über die Grenze geschmuggelt“, so Schneider wörtlich.

Größter Anschlag in Belgien hat nur 12.000 Euro gekostet“

Darüber hinaus würde eine Bargeld-Obergrenzelediglich die Symptome bekämpfen, statt das Problem bei der Wurzel zu packen, kritisiert der Kriminalitäts-Experte. „Wenn ich die Ursachen der Kriminalität nicht bekämpfe, werde ich sie nicht beseitigen können.“  

Auch als Instrumentfür die Terror-Bekämpfungtauge eine Obergrenze nicht. Denngroße Bargeld-Summensind dafür meistens garnicht notwendig. „Der größte Anschlag in Belgien hat gerade einmal 12.000 Euro gekostet“, erklärt Schneider.

Stattdessen werde die Freiheit der Deutschen angegriffen. „Die Kosten einer Abschaffung des Bargeldes wären für den Bürger, der in 95 Prozent der Fälle Bargeld für legale Zwecke verwendet, eine sehr starke Einschränkung seiner Freiheitsrechte“, sagt Schneider.

Geld, das auf dem Konto liegt, ist vor dem Staat kaum geschützt

Andere Experten sahen das bei der Vorstellung seiner Studie ähnlich. Michael Eilfort etwa, Politikwissenschaftler und Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, vermutet, dass sich der Staat in erster Linie ein „prickelndes Geschäftsmodell“ sichern wolle.

Flüchtlingskrise, Rentenpakete und ausbleibende Rückzahlungen aus Griechenland würden den Staatshaushalt in den kommenden Jahren enorm unter Druck setzen. Der Staat sei deshalb gezwungen, neue Mittel und Wege zu erschließen, auf denen noch mehr Steuergelder eingezogen werden können.

Einer dieser Wege besteht in der Komplett-Abschaffung des Bargelds. Denn Vermögen, die bei einer Bank auf einem Konto liegen, sind vor dem Zugriff des Staates kaum geschützt.

Auch die Zentralbanken könnten in einer Welt ohne Bargeld viel mehr ausrichten, mahnen die Experten: Wenn die Zentralbankdie Zinsensenkt, gibt es kein Entkommen mehr. Verbraucher müssen ihr Geld auf dem Konto dahinschmelzen lassen – oder es schnell wieder ausgeben. Die Entscheidung dürfte in den meisten Fällen nicht sehr schwer fallen. Die Konsequenz: Der Konsum zieht stark an und der Staat freut sich über steigende Steuereinnahmen.

Gib dein Geld aus oder stirb!“

Für Regierungen, Banken und Unternehmen geht diese Rechnung auf. Doch mit der viel beschworenen Verbrechensbekämpfung hat all das nichts zu tun, warnte Roland Tichy, Vorsitzender der Ludwig-Erhardt-Stiftung, bei der Vorstellung der Studie. „Gib dein Geld aus oder stirb! Diese Devise finde ich fürchterlich“, sagte Tichy. Er fürchtet, dass der Staat seine Bürger unter Generalverdacht stellt. Dabei sei es vielmehr Aufgabe des Staates, „unser Unrecht zu beweisen“ – wenn dies die Umstände erfordern.

Die Regierung habe schon jetzt ein „gestörtes Bürgerverständnis“, kritisierte Tichy. Wenn die Bürger bei jeder Transaktion ihre Unschuld beweisen müssten, hätten diese „endgültig verloren“. Mit dem Elektrogeld würden sie „voll überwachbar – und das schafft den gläsernen Bürger“.

Das Bundesfinanzministerium betont zwar seit Monaten, dass der Staat das Bargeld nicht komplett abschaffen wolle. Reiner Holznagel, Präsident des Bundes Deutscher Steuerzahler, schenkt solchen Beteuerungen allerdings keinen Glauben. Es sei klar, dass die Obergrenze nur ein erster Schritt auf dem Weg in eine bargeldlose Zukunft ist, sagte Holznagel bei der Vorstellung der Studie.

http://www.focus.de/finanzen/banken/studie-der-friedrich-naumann-stiftung-experten-decken-auf-das-ist-die-wahrheit-hinter-der-bargeld-obergrenze_id_5990494.html

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26.09.2016

Ökonom: Abschaffung des Bargelds würde illegale Migration stoppen

Der US-Ökonom Rogoff hat eine ganz neue Begründung für die Abschaffung des Bargeld gefunden: Es würde die illegale Einwanderung beenden, weil dann niemand mehr schwarz bezahlt werden könnte. Im Kampf gegen das Bargeld scheut die Finanzindustrie nicht davor zurück, die niedrigen Instinkte im rechten Lager anzusprechen.

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Der US-amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff fordert eine Einschränkung des Gebrauchs von Bargeld. Seiner Meinung nach sollen Dollar-Scheine mit den Nennwerten 100 Dollar, 50 Dollar und 20 Dollar abgeschafft werden. Ihm schwebt mittelfristig eine Gesellschaft vor, in der nur noch wenig Bargeld verwendet wird, wie aus seinem Gastbeitrag im Wall Street Journal hervorgeht.

Bemerkenswert ist Rogoffs Begründung. Demzufolge soll auch die illegale Migration in die Vereinigten Staaten eine Folge des Gebrauchs von Bargeld sein. „Bargeld ist auch der Hauptgrund für die illegale Einwanderung nach Amerika. Wenn US-Arbeitgeber nicht mehr so einfach ihre Angestellten schwarz mit Bargeld bezahlen könnten, würde die Attraktivität der USA abnehmen und der Zufluss illegaler Einwanderer würde drastisch schrumpfen. Die Abschaffung des meisten Bargelds wäre ein weitaus humanerer und sensiblerer Weg, illegale Einwanderung zu verhindern, als der Bau einer gigantischen Mauer zu Mexiko“, schreibt Rogoff im Wall Street Journal.

Rogoff macht Bargeld zudem für eine Reihe weiterer gesellschaftlicher Übel verantwortlich. „In den Sicherheitsbehörden gibt es wenig Zweifel daran, dass Bargeld – insbesondere große Scheine – das Verbrechen erleichtern: Schutzgelderpressung, Wucher, Geldwäsche, Drogen- und Menschenhandel, Korruption und Terrorismus. (…) für viele Arten krimineller Transaktionen ist Bargeld ein Segen.”

Viele Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Kampf gegen das Bargeld – welcher auch in Europa Anhänger findet und bereits zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins geführt hat – ganz andere Gründe als die Kriminalprävention hat. Bargeld erlaubt es Sparern nämlich, ihre Guthaben aus dem Geldkreislauf der Banken herauszuziehen. Eine vollumfängliche Anwendung von Negativzinsen durch die Zentralbanken wird dadurch verhindert. Solange die Bürger also über die Möglichkeit verfügen, ihre Ersparnisse in bar von den Konten abzuheben, sind die Möglichkeiten der finanziellen Repression durch die überschuldeten Staaten in Form von Sonderabgaben und Negativzinsen begrenzt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/09/26/oekonom-abschaffung-des-bargelds-wuerde-illegale-migration-stoppen/

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14.06.2016

Ex-Verfassungsrichter: Beschränkung des Bargelds schränkt Grundrechte ein

Der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen lehnt Bargeld-Obergrenzen ab. Diese würden gleich gegen mehrere Grundrechte verstoßen. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist kritisch – er bezweifelt, dass Obergrenzen die organisierte Kriminalität wirksam eindämmen würden.

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Der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier hat erhebliche rechtliche Bedenken gegen die von der Bundesregierung erwogene Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld, wie dpa berichtet. „Es geht um nicht unwesentliche Beschränkungen mehrerer Grundrechte“, sagte der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts bei einer Tagung der Deutschen Bundesbank am Montag in Frankfurt.

Das im Grundgesetz verbürgte Recht auf Eigentum und dessen freie Nutzung würde ebenso beschnitten wie die Vertragsfreiheit, weil Bürgern vorgeschrieben würde, Zahlungen ab einer bestimmten Höhe elektronisch abzuwickeln. Auch in Bezug auf Europarecht habe er „erhebliche Bedenken“, sagte Papier, denn der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr würde beschränkt. „Auf jeden Fall gilt, dass der Gesetzgeber für seine Grundrechtseinschränkungen legitime Gründe des Gemeinwohls anführen muss“, betonte Papier.

Befürworter versprechen sich von Obergrenzen eine Eindämmung krimineller Machenschaften. Es gebe von Polizeibehörden und Zoll „sehr klare Hinweise auf die Risiken“ von Bargeld wie Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche, erklärte der Leiter der Finanzmarktabteilung im Bundesfinanzministerium, Levin Holle. Die Politik müsse daher abwägen zwischen individueller Freiheit und dem allgemeinen Schutz der Sicherheit der Bürger. Holle sagte: „Es geht in keiner Weise um die Abschaffung von Bargeld.“

In 12 der 28 EU-Staaten gibt es bereits Beschränkungen von Zahlungen mit Schein und Münze. Deutschland strebt eine gemeinsame Lösung an und hat eine 5000-Euro-Grenze ins Spiel gebracht.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bekräftigte seine Zweifel an der Wirksamkeit einer solchen Maßnahme. Ihm seien „keine Studien bekannt, die eindeutig belegen, dass mit Bargeldbeschränkungen die organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und der internationale Terrorismus tatsächlich wirksam bekämpft werden“.

Papier führte aus, Obergrenzen für sehr hohe Bargeldzahlungen schienen „nicht gänzlich untauglich zu sein, um diese Kriminalität einzudämmen“. Allerdings sei diese Bewertung „noch sehr vordergründig“. Der Jurist mahnte: „Der Gesetzgeber sollte sich von vorschnellen und vagen Annahmen nicht leiten lassen.“ Es sei auch „nicht ersichtlich, wie der Staat die Einhaltung solcher Obergrenzen wirksam kontrollieren und durchsetzen könnte“.

Unterdessen ist das Aus für den 500-Euro-Schein seit Anfang Mai beschlossen. Voraussichtlich frühestens Ende 2018 werden keine 500er mehr in Umlauf gebracht. Begehrlichkeiten nach einer vollständigen Abschaffung des Bargeldes wies Weidmann zurück. Er halte „die Abschaffung des Bargelds für kein sinnvolles Instrument, um die Geldpolitik zu beflügeln“. Es gehe vielmehr darum, das Wachstum im Euroraum zu stärken. Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei derzeit angemessen, sagte Weidmann, betonte jedoch zugleich: „Das derzeitige geldpolitische Umfeld erfordert keine weiteren Lockerungen.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/06/14/ex-verfassungsrichter-beschraenkung-des-bargelds-schraenkt-grundrechte-ein/

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04.05.2016

Was steckt hinter der Bargeld-Attacke?

Die EZB zieht den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr – offiziell um Geldwäschern und Kriminellen das Leben schwerer zu machen. Doch viele Kritiker vermuten, dass es womöglich noch ganz andere Motive gibt.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Aus für den 500-Euro-Schein beschlossen. Nur noch bis Ende 2018 soll die größte Banknote des Euroraums ausgegeben werden. Neue will die EZB nicht mehr drucken. Die 500-Euro-Note soll gesetzliches Zahlungsmittel bleiben. Kritiker sehen darin den Einstieg in die totale Bargeldabschaffung. n-tv.de erklärt, welche Motive hinter der Entscheidung stecken könnten und was für und gegen jede Erklärung spricht.

Kampf gegen Geldwäsche

Offiziell begründet die EZB ihren Schritt damit, Terrorfinanzierung, Geldwäsche und Schwarzarbeit eindämmen zu wollen. „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten“, hat EZB-Chef Mario Draghi gesagt. Tatsächlich werden die 500er eher als Wertaufbewahrungs- statt als Zahlungsmittel genutzt. Die meisten Normalbürger haben wohl noch nie einen in der Hand gehabt. Laut EZB machen sie nur drei Prozent aller Euro-Scheine aus, decken aber 28 Prozent des Geldwertes ab. Kleine Menge, großer Wert, kaum nachzuweisen – verlockend für zwielichtige Gestalten, gerade in Deutschland.

Verbrecher seien ja nicht zwingend auf große Scheine angewiesen, hält Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele dagegen. Kriminelle dürften es nach dem Aus für den 500er nun zwar tatsächlich schwerer haben. Ihre Machenschaften werden sie aber wohl kaum beenden. Zudem gibt es auch in Ländern mit kleineren Banknoten wie den USA nicht weniger organisierte Kriminalität. Dort ist der Hundert-Dollar-Schein das größte Zahlungsmittel.

Auch darf man bezweifeln, dass Terroristen, Drogenhändler und Mafia-Clans ihr Vermögen nur über Bargeld waschen. Der Islamische Staat verstecke seine „Öl-Milliarden nicht in 500-Euro-Scheinen unter Kopfkissen in Syrien“, erklärte der Europaabgeordnete Fabio de Masi (Linke). Verbrecher verschieben ihr Geld regelmäßig über das offizielle Bankensystem, mithilfe von Tarnfirmen oder Strohmännern. Auch dort könnte man die Kontrolle verbessern.

Stärkere Kontrolle der Bürger

Kritiker halten das Geldwäsche-Argument deshalb für vorgeschoben. Sie sehen in der 500er-Abschaffung den Anfang vom Ende des Bargelds. „Freiheit stirbt scheibchenweise„, bringt es Bundesbank-Vorstand Thiele auf den Punkt. Die Sorge ist berechtigt: Größere Beträge können nur noch überwiesen werden, falls das Bargeld tatsächlich komplett abgeschafft werden sollte. Dann kann der Staat jede Geldbewegung nachvollziehen – und damit auch, wer wem was verkauft und warum.

Davon ist aber bislang keine Rede. Zwar haben Spanien, Frankreich, Italien und andere Länder in der Euro-Krise Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen eingeführt. Und auch Finanzminister Schäuble fordert nun eine Obergrenze von 5000 Euro. Aber bisher stößt er damit nicht auf Gegenliebe. Und lediglich der 500er und nicht alle Euro-Scheine werden abgeschafft. Und selbst wenn das Ende des Bargelds irgendwann kommen sollte, muss das nicht das Ende der Freiheit sein: In Schweden wird schon jahrelang nahezu bargeldlos bezahlt.

Stützung des Bankensystems

„Ohne Bargeld werden wir zu Geiseln der Banken“, führt Wirtschaftswissenschaftler Max Otte ein weiteres Argument gegen das Ende des 500ers an. „Die Politik hat sich die Finanzbranche schon weitgehend gekauft, nun sollen auch die Bürgerinnen und Bürger noch erpressbar gemacht werden.“ Das stimmt: Je weniger große Scheine es gibt, desto weniger Geld können die Leute halten. Und wenn sie ihr Geld nicht abheben können, können Banken auch nicht Pleite gehen.

Es ist ein Nebeneffekt der Bargeldbegrenzung: Im Krisenfall stützt er das Bankensystem. Denn weniger Bargeld bedeutet weniger Fluchtmöglichkeiten. Eine totale Abschaffung würde die Menschen völlig abhängig machen von der Rettungspolitik. Auch Haircuts wie in Zypern, als Sparer mitrasiert wurden, weil ihre Banken sich verzockt hatten, könnten sie nicht entgehen.

Gegen die Bankenrettung als wahres Motiv hinter der 500er-Abschaffung spricht: Kapitalkontrollen und Abhebelimits kann man viel schneller und effektiver über Nacht einführen, um die Banken zu schützen, wie die Zypern-Krise und das Schuldendrama in Griechenland gezeigt haben. Dafür muss man nicht erst schrittweise das gesamte Bargeld abschaffen.

Vorspiel für Strafzinsen auf breiter Front

Deshalb vermuten Kritiker noch einen anderen Grund hinter der Entscheidung. Wie der neue Präsident des Münchner ifo-Instituts Clemens Fuest sehen sie im Aus für den 500er den Auftakt für die Ausweitung der Strafzinsen, die die Notenbanker seit Juni 2014 von den Banken verlangen. „Für die EZB würde es einfacher, die Negativzinsen weiter herunterzufahren“, sagt Fuest. „Denn Bargeld kennt keine Negativzinsen, wohl aber elektronische Konten.“

In der Tat denken Banken schon darüber nach, überschüssiges Geld lieber im eigenen Tresor zu lagern, statt es über Nacht bei der EZB zu parken und dafür auch noch draufzuzahlen wie bisher. Sie wollen es sozusagen lieber unter ihr Kopfkissen stecken. Bei den Bürgern ist es nicht anders: Sollten Strafzinsen auch für Normalsparer wirklich auf breiter Front Realität werden, würden viele wohl ihr überschüssiges Geld einfach abheben und unter die Matratze packen.

Der Geldkreislauf könnte dann ins Stocken geraten. Gut möglich, dass die EZB dem nun vorbeugen will, indem sie das Bargeld verknappt. Inzwischen schließen selbst die Sparkassen Strafzinsen für Normalkunden nicht länger aus. Aber dass sie bald auf breiter Front auch für Kleinsparer eingeführt werden, ist dennoch unwahrscheinlich.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Was-steckt-hinter-der-Bargeld-Attacke-article17626686.html

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28.04.2016

Kein Schein zahlt mich an

Barzahlungen sollen bald begrenzt werden – als Maßnahme gegen Kriminalität. Funktioniert das? Wissenschaftler sind skeptisch.

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Immobilienmakler zum Beispiel, die sind ein Problem. Aber auch: Händler, die Luxusgüter wie Yachten oder hochpreisige Uhren, Antiquitäten, Kunstobjekte oder teure Autos verkaufen. Sie alle gehören laut einer Studie der Universität Halle-Wittenberg zu einer Hochrisikogruppe. Einer Gruppe, die häufig mit Kunden konfrontiert ist, die illegales Bargeld möglichst schnell und unauffällig zu legalen Gütern waschen wollen. Und dabei aber, so die Autoren der Studie im Auftrag des Finanzministeriums, nicht gerade ein hohes Problembewusstsein an den Tag legen.

Seitdem die EU-Finanzminister eine gesetzliche Obergrenze für Bargeldtransaktionen ins Gespräch gebracht haben und die EU-Kommission bis zum 1. Mai einen entsprechenden Bericht vorlegen soll, steht die Frage im Raum: Kann eine solche Obergrenze Geldwäsche, Terror oder überhaupt Kriminalität eindämmen? Und wenn ja, welche Nachteile gälte es dafür in Kauf zu nehmen?

Hundert Milliarden Euro jährlich. Das ist die Größenordnung, in der die Wissenschaftler aus Halle das jährliche Geldwäschevolumen in Deutschland beziffern. Das weltweite Volumen schätzt der IWF auf umgerechnet zwischen 530 Milliarden und 0,9 Billionen Euro. Darin enthalten ist der Bootsbesitzer, der sich seine Yacht mit Geld aus der organisierten Kriminalität bezahlen lässt. Die Restaurantinhaberin, die nur ausnahmsweise Gäste bewirtet und stattdessen mit Schwarzgeld Waren einkauft und unter der Hand wiederverkauft. Und die illegalen Glücksspielmillionen, das Geld auf Schweizer Nummernkonten, die in Tranchen überwiesenen Beträge, die über diverse Briefkastenfirmen weitergewaschen werden.

Ralf Fendel, Professor für monetäre Ökonomik an der Beisheim School of Management, erklärt das Prinzip, nach dem Geldwäsche in der Regel funktioniert: Zuerst wird das zu waschende Geld in den Kreislauf gebracht. Es wird hin und her überwiesen, nach Möglichkeit über Strohleute oder Briefkastenfirmen. Ist irgendwann die ursprüngliche Herkunft praktisch nicht mehr zu ermitteln, kommt der Zeitpunkt der sicheren Geldanlage – zum Beispiel ein Immobilienkauf.

Bargeldzahlungen sind weit verbreitet, um terroristische Aktivitäten zu finanzieren“, sagt ein Sprecher der EU-Kommission. Daher prüfe man ein EU-weites Limit für Bargeldzahlungen. Derzeit gibt es in der EU einen Flickenteppich – manche Länder schreiben gar keine Grenze vor, in anderen ist bei tausend Euro Schluss mit Bargeld.

Die Kriminellen werden ausweichen“

Hans-Peter Burghof, der an der Universität Hohenheim unter anderem zu Finanzdienstleistungen forscht, sagt: „Sie kriegen nicht den kleinen Drogenhändler, der kommt gut mit unter 5.000 Euro aus.“ Und für alle anderen gelte: „Die Kriminellen werden einfach stückeln oder ausweichen.“ Zum Beispiel auf andere Währungen oder eines der zahlreichen digitalen Zahlungssysteme.

Tatsächlich ist eine positive Auswirkung von Beschränkungen bei Bargeldtransfers etwa auf die Geldwäsche nicht belegt – auch wenn es in zahlreichen europäischen Ländern bereits Grenzen gibt. Burghoff sagt: Es ließe sich auch gar nicht belegen. Zwar würde bei einer Untersuchung vermutlich das gemessene Geldwäschevolumen sinken – dafür stiege äquivalent der nicht messbare Anteil, weil sich Zahlungswege verlagerten. Und: Die jüngsten Anschläge wurden geplant und durchgeführt in Ländern mit Obergrenze. In Belgien liegt das Limit bei 3.000 Euro, in Frankreich wurde es als Reaktion auf die Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo auf 1.000 Euro gesenkt.

Die Wirkung auf Kriminalität wäre also zweifelhaft – und die Auswirkungen für Verbraucher?

Der Otto Normalbürger würde von einer Bargeldtransaktionsgrenze bei 5.000 Euro überhaupt nichts merken“, sagt Fendel. Denn die Zahl der Fälle, in denen Verbraucher hohe Summen mit Bargeld zahlen müssen, ist eher begrenzt. Berühmte Ausnahme: der Gebrauchtwagenkauf. „Für uns wäre so ein Limit tatsächlich ein Problem, denn die meisten Autos, die wir verkaufen, kosten mehr als 5.000 Euro“, sagt Özlem Koc vom gleichnamigen Gebrauchtwagenhändler in Mannheim. Barzahlung sei vor allem wichtig, weil zahlreiche Kunden aus dem Ausland kämen. Da sei eine Überweisung nicht unbedingt ein verlässlicher Zahlungsweg. Und für EC- oder Kreditkarten sprenge ein Autokauf meist das Zahlungslimit.

Abhängigkeit von Paypal

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband ist gegen ein Limit für Bargeldzahlungen. In jedem Fall müssten Verbraucher untereinander Güter frei verkaufen können. Ohne sich in Abhängigkeit von Anbietern zu begeben, die Zahlungswege wie Paypal mit sich bringen. Und ohne die Unsicherheit, ob das Gegenüber die vereinbarte Summe tatsächlich auch überweist. „Einige Mitgliedsstaaten mit Bargeldbegrenzungen haben aus guten Gründen private Zahlungen explizit ausgenommen“, sagt Verbandsvorstand Klaus Müller.

Und was ist mit einer Abschaffung des 500-Euro-Scheins? Wissenschaftler Fendel sieht diese Idee etwas weniger kritisch: Denn obwohl der 500er selten vorkomme, sei sein Anteil am im Umlauf befindlichen Bargeldvolumen überproportional hoch. „Das lässt sich nicht durch normale Transaktionen erklären.“ In anderen wichtigen Währungen gebe es Scheine vergleichbarer Größenordnungen nicht. Ein 500-Euro-Schein macht es Kriminellen also leichter als notwendig – doch auch hier gilt: Ob eine Abschaffung nur mehr Aufwand für die Kriminellen bedeutet oder manche Geschäfte damit tatsächlich unattraktiv werden, könnte nur die Praxis zeigen.

Denn Ausweichmöglichkeiten haben Kriminelle zur Genüge – selbst falls die Eurozone komplett das Bargeld abschaffen wollte. Andere Währungen, ob bar oder per Überweisung, digitale Währungen wie Bitcoin, Geldversender wie Western Union oder die immer wichtiger werdenden Gutscheinkarten. Vor allem bei Händlern mit sehr umfassendem Sortiment. „Ein 50-Euro-Amazon-Gutschein ist so etwas wie ein 50-Euro-Schein“, sagt Fendel. Ein Verschieben auf andere Zahlungswege also. Bis zum nächsten Verbot.

Burghof fordert daher, in anderen Bereichen anzusetzen. Und zum Beispiel die Regeln für Geldwäsche, die bislang schon für Banken gelten, auszudehnen. Etwa auf Immobilienmakler. Er vermutet dann auch etwas anderes hinter dem Vorstoß aus der Finanzpolitik: „Die Europäische Zentralbank würde gerne Konjunkturpolitik machen mit noch niedrigeren Zinsen.“ Doch je niedriger die Zinsen, desto eher flüchteten Kunden ins Bargeld – zumindest, solange es möglich ist.

https://www.taz.de/Bargeldlos-gegen-Kriminalitaet/!5296953/

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14.04.2016

Bundesbank: Bargeld ist nicht schuld an Geldwäsche und Kriminalität

Die Bundesbank bricht eine überraschend deutliche Lanze für das Bargeld. Die gegen das Bargeld ins Treffen geführten Argumente seien nicht plausibel. Länder mit Bargeld-Obergrenzen hätten genauso Kriminalität und Geldwäsche – weil es genügend Ausweichmöglichkeiten gäbe.

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Die Bundesbank hat sich deutlich für den uneingeschränkten Erhalt von Bargeld positioniert. Ihr Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele sprach sich am Mittwoch bei einem Anlass in Berlin dezidiert gegen die Abschaffung und Kriminalisierung des Bargelds aus. Die Bürger sollten weiterhin selbst entscheiden, wie und in welcher Form sie ihr Geld verwenden möchten. Die in jüngster Vergangenheit gegen das Bargeld vorgebrachten Argumente bezeichnete Thiele als nicht überzeugend.

Thieles wichtigste Argumente aus der Rede:

  • Jeder Bürger hat das Recht, mit seinem Geld so zu verfahren, wie er möchte. Wenn an dieser Stelle in das Freiheitsrecht des Bürgers eingegriffen wird, muss dies gut begründet sein. Und deshalb stellt sich die Frage: Wie hat eine Bargeldobergrenze in anderen Ländern Kriminalität eingeschränkt? Mir ist nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze, etwa in Italien oder Frankreich, die Kriminalität entsprechend geringer wäre als in Ländern ohne Obergrenze.
  • Die Argumente, die gegen Bargeld und Barzahlungen vorgebracht werden, sind wenig überzeugend. Doch was spricht ganz konkret dafür, weiterhin mit Banknoten und Münzen bezahlen zu wollen? Eine ganze Menge – und diese Gründe werden oftmals vernachlässigt: Zum einen schützen Barzahlungen die Privatsphäre der Bevölkerung. Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und Achtung des Privatlebens ist ein hohes Gut, welches nicht aufgeweicht oder preisgegeben werden sollte. „Bargeld ist geprägte Freiheit“ – dieses abgewandelte Dostojewski-Zitat hat nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt.
  • Wenn man sich auf eine inhaltliche Diskussion über die angeblichen Nachteile des Bargelds einlässt, findet sich wenig Stichhaltiges. Das Argument der Bekämpfung von Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Kriminalität greift nicht. Einerseits könnten die handelnden Personen auf Fremdwährungen zurückgreifen – sofern das Bargeld nicht weltweit abgeschafft wird – oder alternative Tauschmittel nutzen. (…) Und schließlich muss man auch nicht auf Banknoten und Münzen verzichten, damit die Geldpolitik wirkt. Das derzeitige Niedrigzinsniveau ist ein Symptom, das auf tieferliegende Ursachen – im Kern eine Wachstumsschwäche – zurückzuführen ist. Diese Wachstumsschwäche gilt es zu überwinden. Eine Bargeldabschaffung geht an dieser Problemstellung vorbei.

Das Engagement der Bundesbank zeigt, dass es offenbar eine große Verunsicherung in der Bevölkerung beim Thema Bargeld gibt. Diese gründet auf einer auffallenden Zunahme der bargeldkritischen Vorstöße (Abschaffung des 500-Euro-Scheins, Einführung einer Obergrenze) auf deutscher und EU-Ebene. Damit, so die Vermutung von Beobachtern, sollen Ausweichmöglichkeiten gegen die von der EZB eingeführten Strafzinsen erschwert werden.

Realpolitisch sind die Möglichkeiten der Bundesbank, gegen ein Verbot oder eine Eingrenzung vorzugehen, beschränkt. Denn Entscheidungen über den Euro werden auf europäischer Ebene vor allem von der EZB getroffen. Die Aussagen der Bundesbank haben deshalb den Charakter einer juristisch nichtbindenden Feststellung. Tatsächlich läuft in der EU der Harmonisierungsprozess weiter. Laut EZB-Präsident Mario Draghi gibt es technische Vorbereitungen für eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird der Rat der EZB Anfang Mai über dessen Abschaffung entscheiden.

Die Bundesregierung erwägt außerdem die Einführung einer Bargeld-Obergrenze im Inland. Das Bundesfinanzministerium unter Wolfgang Schäuble peilt eine Deckelung bei 5000 Euro an. In anderen europäischen Ländern existiert bereits eine solche Begrenzung – in Italien gelten beispielsweise 3000 Euro als Obergrenze. Auch hiergegen hat sich die Bundesbank in der Vergangenheit ausgesprochen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/18/internationale-soeldner-erklaeren-in-syrien-den-beginn-der-schlacht/

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10.04.2016

EU-Kommissar Oettinger: Bargeld wird komplett verschwinden

EU-Kommissar Günther Oettinger erwartet das vollständige Ende des Bargelds. Künftig werde man mit der Apple-Watch bezahlen, sagte Oettinger. Die EZB brauche den 500 Euro Schein daher nicht abzuschaffen, weil der Markt das Bargeld abschaffen werde.

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Das Ende von Münzen und Scheinen zur Bezahlung ist nach Ansicht von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger unvermeidlich. «Bargeld stirbt aus: Wir werden mit der Apple-Watch bezahlen, mit dem Smartphone bezahlen», sagte Oettinger auf einer Veranstaltung des Beratungsunternehmens Deloitte in Stuttgart, wie die dpa meldet.

Deutsche seien in Sachen Bezahlungsart zwar «etwas konservativer» als Finnen oder Dänen. Bundesbürger hätten in der Vergangenheit noch lange am Scheck festgehalten, als anderswo die EC-Karte längst Usus gewesen sei. Das Ende der Barzahlungen und die Verlagerung der Transaktionen komplett ins Digitale würden aber kommen, sagte Oettinger.

Der CDU-Politiker sprach sich jedoch gegen die von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwogene Abschaffung des 500-Euro-Scheins aus. Anstatt regulatorisch einzugreifen, sollte man dies dem Markt und der absehbar sinkenden Nachfrage überlassen. «Mein Rat ist: Schafft den 500-Euro-Schein nicht ab, haltet am Bargeld fest – der Markt macht es», sagte Oettinger.

Bargeldloses Bezahlen werde im Zuge der Digitalisierung der Verbrauchergewohnheiten immer selbstverständlicher. Diesem Trend wird nach Auffassung des EU-Kommissars das Bargeld komplett zum Opfer fallen. Wann dies wohl geschieht, ließ er offen.

Die EU wird in den kommenden Monaten einen Vorschlag für eine Obergrenze des Bezahlens mit Bargeld festlegen. Deutschland hatte diese ins Gespräch gebracht. In vielen Ländern wie Frankreich und Italien ist der Einsatz von Bargeld schon heute begrenzt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/10/eu-kommissar-oettinger-bargeld-wird-komplett-verschwinden/

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08.04.2016

500-Euro-Schein vor dem Aus: Steuerzahler müssen Millionenlücke stopfen

Die EZB will den 500-Euro-Schein abschaffen. Doch der Plan ist teuer. Besonders für Druckkosten für neue Hunderter und Zweihunderter fallen hohe Kosten an. Diese müssten im Ernstfall die Steuerzahler in der Eurozone tragen.

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In Frankfurt berät der Banco-Ausschuss derzeit über ein mögliches Aus des 500-Euro-Scheins. Das Gremium besteht aus Fachleuten der nationalen Notenbanken des Euroraums und der EZB. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zeigen Schätzungen des Ausschusses, dass eine Abschaffung rund 500 Millionen Euro kosten könnte.

Ein Großteil der Kosten entsteht durch den kurzfristig notwendigen Druck von 100- und 200-Scheinen. Sie müssten die bisher 600 Millionen 500-Euro-Scheine ersetzen. Voraussichtlich koste allein die Verteilung der neuen Scheine einen dreistelligen Millionenbetrag, so die FAZ.

Je schneller das Aus der Banknote komme, desto höher fallen die Kosten aus. „Wenn die Abschaffung sehr schnell geschehen soll und die Druckkapazitäten eng werden, könnten die Kosten noch deutlich steigen“, sagte ein Experte der FAZ. Fachleute der EZB schätzen, dass der Druck dann um ein Drittel teurer wird. Das Grundproblem sei jedoch, dass derzeit kaum Druckkapazitäten bestünden, da alle Gelddruckereien weltweit gut ausgelastet seien.

Steuerzahler müssten blechen

Verschwindet der 500-Euro-Schein, wälzt die EZB die Druck- und Beförderungskosten auf die Notenbanken ab. Die Deutsche Bundesbank müsste ein Viertel der Kosten tragen. Das wiederum führt dazu, dass die Gewinne der Notenbank sinken und weniger Geld in die Staatskasse fließt. In der Regel müsste dann der Steuerzahler für das entstandene Finanzloch geradestehen. Im vergangenen Jahr erzielte die Bundesbank einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro.

http://www.focus.de/finanzen/banken/ezb-rechnet-nach-steuerzahler-muss-blechen-abschaffung-des-500-euro-schein-kostet-millionen_id_5419837.html

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19.02.2016

Bürger wären dem Bankensystem ausgeliefert

Die Abschaffung des Bargelds hätte für Bürger unkalkulierbare Risiken. Bürgerkonten bei der Zentralbank könnten die Freiheit sichern. Ein Kommentar.

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Die Einschläge kommen näher. Erst waren es nur ein paar Wissenschaftler, die der Abschaffung des Bargeldes das Wort redeten. Larry Summers etwa oder Kenneth Rogoff, ehemalige Chefökonomen von Weltbank und Währungsfonds, fabulieren schon seit Jahren darüber, dass es keine Münzen und Scheine mehr brauche. Schließlich gehe es elektronisch schneller und billiger.

Dann sprangen mächtige Banker auf den Zug auf. Da sponserte etwa die amerikanische Citibank eine Studie, um nachzuweisen, dass mit dem Übergang zum rein digitalen Zahlungsverkehr mehrere hundert Milliarden Dollar einzusparen seien. Genauso argumentierte kürzlich auch John Cryan, der Chef der Deutschen Bank. Cash sei „als Zahlungsmittel unglaublich ineffizient und teuer“, sagte er und prophezeite, „in zehn Jahren“ werde es „keinen Bedarf an Bargeld mehr geben“.

Die 500-Euro Note soll aus dem Verkehr gezogen werden

Prompt unternimmt nun EZB-Chef Mario Draghi, als Ex-Manager von Goldman Sachs und Mitglied der Lobbygruppe G-30 der Finanzbranche eng verbunden, den ersten Schritt. Die 500-Euro-Note soll aus dem Verkehr gezogen werden, kündigte er an. Nur einen Tag später forderte Summers das Gleiche für Amerikas 100-Dollar-Scheine.

Offensichtlich, so urteilt Norbert Häring, Fachmann für Geldpolitik beim „Handelsblatt“ und Autor eines in Kürze erscheinenden Buches zum Thema, laufe da „eine abgestimmte Kampagne“ der Geldmächtigen und ihrer Freunde in Wissenschaft und Politik.

Neben dem vermeintlichen Effizienzgewinn baut die anwachsende Schar einflussreicher Bargeldverächter vor allem auf ein Argument: Geldnoten, so heißt es allenthalben, nützten vor allem Kriminellen, weil sie damit anonym ihre illegalen Einnahmen erzielen und durch Erwerb legaler Güter reinwaschen könnten. Weniger Bargeld, weniger Kriminalität, lautet das Versprechen.

Es wird gar kein Kampf gegen Geldwäsche betrieben

Doch das ist ein allzu durchsichtiger Vorwand. Die Berichte der „Financial Action Task Force“ der OECD-Staaten belegen, dass Bankaufseher Draghi und seine Kollegen den Kampf gegen die Geldwäsche gar nicht betreiben. Seit Jahren monieren da die Experten, dass Banken fast nirgendwo gezwungen werden, die Herkunft der Kundengelder zu prüfen und im Zweifel zurückzuweisen. Völlig unbehelligt können darum Kleptokraten und Mafiosi aller Länder ihre illegalen Erlöse in den legalen Kapitalmarkt einschleusen, und das ganz ohne Bargeld und sogar am Sitz der EZB in Frankfurt. „Wenn ich Mafioso wäre, würde ich mein Geld in Deutschland anlegen“, beklagt der italienische Staatsanwalt und Mafiajäger Roberto Scarpinato.

Umso härter aber würde die Abschaffung des Bargeldes die einfachen Bürger treffen. Dass sie fortan gezwungen wären, mit jedem Kauf eine endlose Datenspur zu erzeugen, wäre ja vielleicht noch zu beherrschen. Gegen die Datenkraken des Internet-Oligopols wird es ohnehin bald harte Gesetze zur Datenlöschung geben müssen. Weit gefährlicher wäre eine andere Konsequenz: Ohne die Möglichkeit, ihr Geld in bar abzuheben, wären alle Bürger auf Gedeih und Verderb einem Bankensystem ausgeliefert, das inhärent instabil ist. Würde aber privates Geld nur noch als Bankguthaben existieren, wäre das die Einladung, alle Krisenverluste per Negativzins, Gebührenwucher und notfalls Umwandlung in Aktienkapital auf die Kunden abzuwälzen.

Jeder Bürger könnte ein Konto bei der Zentralbank haben dürfen

Ist das also das eigentliche Ziel der Kampagne? Dieser Verdacht liegt jedenfalls nahe, solange die Apologeten der bargeldlosen Gesellschaft das einzige staatlich garantierte Zahlungsmittel abschaffen wollen, ohne dafür eine Alternative anzubieten. Dabei wäre eine solche leicht zu schaffen, wie es die britische Organisation „Positive Money“ jüngst mit einem überzeugenden Gutachten belegt hat: Wenn jeder Bürger ein Konto bei der Zentralbank haben dürfte, dann könnte das die individuelle Geldfreiheit auch elektronisch sichern. Ein jeder könnte das staatlich garantierte Zahlungsmittel in beliebiger Höhe nutzen, ohne dabei von Bankenkrisen bedroht zu sein. Nur so wäre der Übergang zu einem E-Cash-System mit den Grundrechten vereinbar.

Natürlich hätte auch das seine Tücken. Denn früher oder später würden alle Bürger ein solches Konto beim Staat führen. Das herkömmliche Geschäftsmodell der Banken, das auf die Nutzung der Kundeneinlagen als Sicherheit setzt, wäre damit am Ende. Ihnen bliebe nur noch die Aufgabe, Anlagen aller Art an die Sparer zu vermitteln. Deutschbanker Cryan und seine Kollegen sollten vielleicht noch mal überlegen, was sie sich da eigentlich wünschen.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/bargeld-abschaffen-buerger-waeren-dem-bankensystem-ausgeliefert/12990202.html

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09.02.2016

Berlin und Paris wollen Bargeldgeschäfte zurückdrängen

Die Finanzminister Schäuble und Sapin fordern eine Obergrenze für Bargeld-Transaktionen in Europa. „In Deutschland ist die Debatte völlig falsch verstanden worden.“

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Deutschland und Frankreich sind entschlossen, Bargeld-Transaktionen für die Bekämpfung von Terrorismus und Geldwäsche zu begrenzen. Dies bekräftigten die Teilnehmer des deutsch-französischen Finanz- und Wirtschaftsrates, der regelmäßig die Spitzen der Finanz- und Wirtschaftsministerien und der beiden Zentralbanken zusammenbringt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte, dass die unterschiedlichen Obergrenzen in Europa zu einem einheitlichen Limit zusammengeführt werden sollten. Dabei bleibe die Bargeldhaltung unbegrenzt erlaubt, sie habe nichts mit den geplanten Einschränkungen der Höhe von Bargeldtransaktionen zu tun. „In Deutschland ist die Debatte völlig falsch verstanden worden“, sagte Schäuble während einer Pressekonferenz im Pariser Finanzministerium.

Erstmals brachte er dabei den Vorschlag ins Spiel, dass Obergrenzen für Transaktionen auch überschritten werden könnten – nämlich dann, „wenn die Teilnehmer der Transaktion eindeutig identifiziert sind“. Das entspreche der „britischen Regelung“, sagte der Bundesfinanzminister.

Sein französischer Amtskollege Sapin wies daraufhin, dass Frankreich nach den Terroranschlägen vom Januar 2015 die Höchstgrenze für Bargeldtransaktionen zwischen Privatleuten und Unternehmen von 3000 auf 1000 Euro gesenkt habe. Ausländer könnten in Frankreich bis 15.000 Euro ohne Angabe ihrer Identität bezahlen.

Französische Sicherheitskreise weisen immer wieder darauf hin, dass die Bargeldbegrenzung sinnvoll sei, weil Gewalttäter bei den anderen Zahlungsformen Spuren hinterließen. Einer der Drahtzieher der Anschläge vom 13. November konnte durch eine solche Geldspur identifiziert und wenige Tage vor einem mutmaßlichen weiteren Terrorakt getötet werden, heißt es.

Wichtig fürs Wirtschaftsleben

Bundesbankpräsident Jens Weidmann schlug in Paris abermals skeptische Töne an. Im Hinblick auf die Wirksamkeit zur Verbrechensbekämpfung „gibt es unterschiedliche Evidenz“, sagte er in Paris. Die im Rat der Europäischen Zentralbank diskutierte Frage der Abschaffung der 500-Euro-Scheine habe auch das Ziel, Geldwäsche und Terrorismus einzudämmen. „Die offene Frage ist, wie weit das mit diesen Maßnahmen gelingt“, sagte Weidmann.

Man dürfe nicht vergessen, dass „Bargeld und Barzahlung in Deutschland ein sehr wichtiger Bestandteil des Wirtschaftslebens sind“. 80 Prozent aller Transaktionen an den Verkaufsstellen wie Kassen in Geschäften würden bar abgewickelt. Bei den Umsätzen seien es sogar 53 Prozent. „Die Bürger wollen selbst entscheiden, ob sie Bargeld zu nutzen oder nicht“, meinte Weidmann. Im Übrigen sei die Entscheidung, ob im Euroraum die 500-Euro-Scheine abgeschafft werden, die der Europäischen Zentralbank zukommt, noch nicht gefallen, sagte der Bundesbankpräsident.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/deutsch-franzoesisches-treffen-berlin-und-paris-wollen-bargeldgeschaefte-zurueckdraengen-14060971.html

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07.02.2016

So sinnlos wie die Vorratsdatenspeicherung

Außerhalb des Finanzministeriums glaubt kaum jemand, dass eine Beschränkung von Bargeldzahlungen im Kampf gegen Geldwäsche, Schwarzarbeit und Terror hilft.

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Geldwäsche, Terrorfinanzierung, Steuerbetrug und Schwarzarbeit: All das will das Bundesfinanzministerium besser bekämpfen können, weshalb es eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte von 5.000 Euro in Erwägung zieht. Die erste Frage lautet nun: Wäre das überhaupt ein geeignetes Mittel? Die zweite: zu welchem Preis?

Das Finanzministerium könnte es schwer haben, Verbündete zu finden, die Frage eins mit ja beantworten. Aus der EU-Kommission heißt es laut FAZ, „es gebe im Kampf gegen die Terrorfinanzierung wichtigere und effizientere Schritte“. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte der Zeitung: „Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeldtransaktionen illegale Aktivitäten unterbindet, ist (…) eine offene Frage.“ Zwar gibt es bereits in zwölf EU-Ländern Höchstgrenzen für Barzahlungen, doch Studien, in denen ein positiver Effekt auf die Kriminalitätsbekämpfung festgestellt wird, kennt offenbar auch Weidmann nicht.

Gleiches gilt für Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz. Er sagte der FAZ: „Das bringt fast gar nichts.“ Schneider forscht seit einem Vierteljahrhundert zum Thema Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung sowie zur Ökonomie des Organisierten Verbrechens. Allenfalls „minimale senkende Effekte auf die Schwarzarbeit oder die Kriminalität“ seien seinen Berechnungen zufolge zu erwarten. In Zahlen: Im Falle einer Einführung der 5.000-Euro-Obergrenze rechnet Schneider mit einem Rückgang der Schwarzarbeit von einem Prozent. Selbst nach einer kompletten Bargeldabschaffung wären es nur zwei bis drei Prozent.

Elektronische Zahlungsmittel haben andere Schwächen

Auch der Deutsche Richterbund, dessen Mitglieder eher nicht im Verdacht stehen, neue Mittel zur Strafverfolgung abzulehnen, halten die Bargeldobergrenze für wenig sinnvoll: „Die Abschaffung von Bargeld würde (…) Terrorismusfinanzierung oder Geldwäsche nicht verhindern, sondern nur auf elektronische Zahlungswege verlagern“, sagte Präsidiumsmitglied Peter Schneiderhan der FAZ. Durch die Nutzung von Konten, die mithilfe falscher Identitäten veröffentlicht werden, sowie durch mehrfaches Überweisen in wahrscheinlich immer anderen Beträgen sei es „verhältnismäßig einfach, (…) Geldflüsse zu verschleiern und Geldwäsche zu betreiben“.

Bleibt noch die zweite Frage, die Frage nach dem Preis für ein Barzahlungslimit: Schneiderhan sagt, elektronische Zahlungsmittel hätten „zu einem ganz erheblichen Anstieg von Straftaten geführt, in denen Täter die Anonymität und Verwundbarkeit dieser Zahlungswege gezielt ausnutzen und ganz erhebliche Schäden verursachen“.

Wie verwundbar Onlinebanking, das EC-Bezahlsystem und schlecht implementierte Chip+PIN-Systeme für Kreditkarten mitunter sein können, haben allein in den vergangenen Wochen deutsche Sicherheitsforscher aus Erlangen und Berlin gezeigt sowie Enthüllungen der ZEIT und c’t. Daraus sollte man zwar keine generelle Schwäche elektronischer Zahlungswege ableiten, aber jede neue Sicherheitslücke in elektronischen Zahlungssystemen verdeutlicht, dass eine Bargeldobergrenze bestenfalls ein Problem verringert, indem es ein anderes potenziell vergrößert. Die Mehrheit der Deutschen ahnt das zumindest auch: Laut eine Yougov-Umfrage halten 72 Prozent der Deutschen Bargeld grundsätzlich für sicherer als Kartenzahlungen.

Parallelen zur Vorratsdatenspeicherung

Das andere wichtige Argument gegen die Beschränkung lautet: Sie würde einen Einschnitt in die Privatsphäre der Bürger darstellen. Die Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie der ehemalige Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, kritisieren die Idee des Finanzministeriums aus diesem Grund ebenso wie Politiker der Grünen, der FDP, der Piraten und der AfD.

Schaar und andere ziehen mehrere Parallelen zur Vorratsdatenspeicherung:

Jede Einschränkung von Freiheiten wird mit der Terrorismusbekämpfung begründet.

Belastbare Studien, die belegen, dass die Maßnahme den gewünschten Effekt hat, fehlen.

Eine ganze Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, wird zum Normalfall.

Und früher oder später wird es Rufe nach der Ausweitung der Maßnahme geben. In diesem Fall entweder danach, immer mehr Behörden auf die elektronischen Zahlungsbewegungen zugreifen zu lassen, oder nach einer Absenkung der Obergrenze.

Die erste entsprechende Forderung kommt von Transparency International. Die Organisation gehört bisher zu den wenigen Befürwortern der Barzahlungsobergrenze. Sie sei „ein sinnvoller Beitrag, um die Schattenwirtschaft zu bekämpfen“, sagte Vorstandsmitglied Caspar von Hauenschild der Berliner Zeitung. Er regte an, die Grenze schon bei 1.000 Euro zu ziehen, so wie es in Frankreich der Fall sei.

http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2016-02/bargeld-obergrenze-5000-euro-vorratsdatenspeicherung

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05.02.2016

Abschaffung des Bargelds: Bundesbank stellt sich gegen Schäuble

Die Bundesbank lehnt die von der Bundesregierung geplante Obergrenze von 5.000 Euro für Bargeldzahlungen ab. Schließlich seien Banknoten das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, so Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

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Die Bundesbank lehnt die von der Bundesregierung geplante Grenze für Bargeldzahlungen ab. „Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann der Bild-Zeitung. „Der Bürger soll selbst entscheiden können, ob er lieber Bargeld nutzen oder bargeldlos bezahlen möchte.“

Die Regierung dürfe bei der „Diskussion über Barzahlungen nicht vergessen, dass Banknoten das einzige gesetzliche Zahlungsmittel sind“, sagte Weidmann dem Blatt. Zugleich sei eine Abschaffung des Bargelds aus geldpolitischer Sicht „nicht die angemessene Antwort auf die Herausforderung des Niedrigzinsumfeldes“. Wichtiger sei es, das Wirtschaftswachstum dauerhaft zu stärken, „damit die Zinsen auch wieder steigen können“.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch angekündigt, sich für eine EU-weit einheitliche Obergrenze bei Bargeldzahlungen einzusetzen. „Wir haben an eine Größenordnung von 5.000 Euro gedacht“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Doch auch die EZB plant eine Einschränkung des Bargelds: Sie will die 500-Euro-Note abschaffen. Das gab Mario Draghi vor dem EU-Parlament bekannt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/05/abschaffung-des-bargelds-bundesbank-stellt-sich-gegen-schaeuble/

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03.02.2016

„Krieg gegen Bargeld“: Datenschützer kritisieren Pläne für Obergrenze bei Barzahlung Update

Im Bundesfinanzministerium gibt es Pläne, Barzahlungen über 5000 Euro zu verbieten, um Geldwäsche zu erschweren. Die könnten dann nur noch elektronisch erledigt werden. Nicht nur Datenschützer üben Kritik daran.

Die Bundesregierung plant, eine Obergrenze von 5000 Euro für Barzahlungen einzuführen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, werde schon seit längerem über ein Limit bei Barzahlungen diskutiert. Die aktuelle Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus habe die Debatte nun wieder angefacht. Kritik daran komme aber nicht nur vom Handel und den Banken, sondern auch von Datenschützern. Klaus Müller, der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, sagte der Zeitung: „Bargeld ist gelebter Datenschutz. Und der darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.“

Bereits vor einigen Tagen hatte die SPD angeregt, den 500-Euro-Schein abzuschaffen, um Geldwäsche und Kriminalität einzudämmen. Dem hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann ebenfalls in der FAZ widersprochen. Kriminelle Handlungen würden auch ohne den violetten Schein weiter existieren. Skeptisch hatte sich Weidmann bei der Gelegenheit auch zu Prognosen geäußert, in zehn Jahren werde es kein Bargeld mehr geben. Die Deutschen seien dafür zu bargeldaffin. Kritik hatte auch schon FDP-Chef Christian Lindner geübt, der Bargeld als Freiheit bezeichnete.

Skepsis bei der Union

Wie die Zeitung weiter erläutert, fordert die SPD schon seit längerem eine Obergrenze von Barzahlungen, habe aber nun Gehör im Bundesfinanzministerium gefunden. Solch ein Limit gebe es etwa in Frankreich (1000 Euro) oder Griechenland (500 Euro). Das solle nicht nur Geldwäsche erschweren, sondern auch Steuerhinterziehung und Schwarzgeldgeschäfte. Angesichts des neuerlichen Anlaufs gebe es aber Zweifel in der Unionsfraktion, mit der die SPD im Bundestag koaliert. Ralph Brinkhaus (CDU) wertet demnach die Beschränkung des Bargeldverkehrs als Einstieg in eine umfassende Kontrolle der Bürger, die „irgendwann im Big Brother“ ende.

[Update 03.02.2016 12:11]:

Vor allem um die Finanzströme von Terroristen auszutrocknen, möchte die Bundesregierung tatsächlich eine Obergrenze für die Bezahlung mit Bargeld durchsetzen. Finanzstaatssekretär Michael Meister (CDU) erklärte mittlerweile: „Wir können uns eine Größenordnung von 5000 Euro vorstellen.“ Er versicherte aber auch: „Das Bundesfinanzministerium ist der Meinung, es soll auch in Zukunft Bargeld geben.“

Eine nationale Obergrenze soll es nach Meisters Worten aber nur geben, wenn keine europäische Lösung zustande kommt. „Unsere Position an dieser Stelle ist, dass wir sehr gerne einen international-europäischen Aktionsplan hätten.“ Wenn es zu keiner europäischen Lösung komme, werde Deutschland vorangehen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Datenschutz-Experte Konstantin von Notz kritisierte den Vorstoß des Finanzministeriums via Twitter: „Der Versuch, nun Bargeldzahlungen massiv einzuschränken, ist ein neuer fundamentaler Angriff auf den Datenschutz + die Privatsphäre.“ Für die nicht mehr im Bundestag sitzende FDP sagte der Finanzexperte Volker Wissing: „Union und SPD geht es nicht um die Bekämpfung der Terrorfinanzierung, sondern um die Kontrolle über die Sparguthaben.“ Die FDP lehne den Einstieg in ein Bargeldverbot ab. „Bargeld ist gelebte Freiheit, die wir nicht preisgeben sollten.“

Die Bundesbank hatte erst Ende Januar deutlich gemacht, dass sie im Gegensatz zu Deutsche-Bank-Chef John Cryan nicht von einer Abschaffung des Bargeldes in naher Zukunft ausgehe. „Klar ist, dass bargeldlose Zahlungen weiter an Bedeutung gewinnen werden, denken Sie zum Beispiel an das Bezahlen mit dem Handy“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Aber Bargeld wird auch in Zukunft einige Vorteile haben. Es ist unabhängig von einer elektronischen Infrastruktur und deren Ausfallrisiken. Außerdem sind Bargeldzahlungen einfach und schnell.“

Cryan hatte zuvor beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärt: „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient.“ Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern. Deswegen werde es in den nächsten zehn Jahren verschwinden. (mho)

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Krieg-gegen-Bargeld-Datenschuetzer-kritisieren-Plaene-fuer-Obergrenze-bei-Barzahlung-3091924.html

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22.01.2016

„Schafft das Bargeld ab!“

Bares hat ausgedient, sagt Deutsche-Bank-Chef Cryan. Doch die Deutschen wollen ihre Banknoten behalten.

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Sollte man Bargeld ganz abschaffen? Dann wäre auch das Falschgeldproblem mit einem Schlag aus der Welt. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern, sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos – und überraschte mit einer gewagten These: Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Denn: „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient.“

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger die Abschaffung des Bargeldes gefordert und damit Stürme der Entrüstung ausgelöst. Schließlich hängen die Deutschen sehr an ihren Scheinen und Münzen. Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor vor allem bar: bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt.

Handel glaubt nicht an schnelles Aus

Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen und trotzdem wird Bargeld bleiben“, bekräftigte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Barzahler schätzen es, dass sie einen genaueren Überblick über ihre Ausgaben haben und sich beim Bezahlen keine Sorgen über Datenschutz machen müssen.

Auch beim Handelsverband HDE glaubt man nicht an einen schnellen Abschied von Schein und Münze. „Ob und wann das Ende für das Bargeld kommt, entscheiden die Kunden. Der Handel nimmt derzeit noch mehr als die Hälfte seines Umsatzes per Bargeld entgegen“, ließ HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf Nachfrage erklären. „Insofern ist ein Ende noch nicht absehbar, auch wenn die Umsätze mit Kartenzahlungen stetig, aber langsam steigen.“

Sinn warnt vor Strafzinsen

Zu den Ökonomen, die das Bargeld verteidigen, gehört Hans-Werner Sinn. Der Präsident des Ifo-Instituts sieht im Bargeld einen Schutz der Bürger vor der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. „Einige Zentralbanker wollen das Bargeld abschaffen, damit die Banken negative Zinsen einführen können und die Schuldenstaaten Südeuropas für ihre Schulden keine Zinsen mehr zahlen müssen, sondern ganz im Gegenteil bezahlt werden“, sagte der Ifo-Chef kürzlich im Tagesspiegel-Interview.

Schon heute verlangen Banken in Einzelfällen Strafzinsen, wenn Großanleger Geld bei ihnen parken. Kleinanleger und -sparer sind davon aber bislang nicht betroffen. Das Bargeld bewahre sie vor Strafgebühren, sagt Sinn. „Solange es Bargeld gibt, kann man sich vor einer solchen Ausbeutung schützen“, meint Sinn – notfalls, indem man das Geld unters Kopfkissen legt.

In Kleve am Niederrhein sollen zumindest Ein- und Zwei-Cent-Münzen bald der Vergangenheit angehören. Unter der markigen Überschrift „Kleve verbannt das Kleingeld“ wurden 800 Einzelhändler in dieser Woche aufgerufen, sich ab dem 1. Februar an der Aktion zu beteiligen. Die Preise sollen dann auf- beziehungsweise abgerundet werden: Kosten zwei Artikel zusammen beispielsweise 14,48 Euro werden bar 14,50 Euro fällig, kommt ein Gesamtpreis von 15,61 Euro zustande, wird auf 15,60 Euro abgerundet.

Kleingeld sei für den Einzelhandel zunehmend ein Kostenfaktor, heißt es zur Begründung. „Wir liegen nah an der Grenze, die Niederländer machen das seit elf Jahren“, erklärte die Geschäftsführerin des Stadtmarketings, Ute Marks. „Vielleicht geht ja von dem kleinen Kleve mal eine Welle übers Land.“

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/debatte-ueber-zahlungsmittel-schafft-das-bargeld-ab/12868980.html

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11.11.2015

Hot Dog per Kartenzahlung: Schweden schafft das Bargeld ab

Mittlerweile kann in Schweden in jedem noch so kleinen Laden mit Karte gezahlt werden. Bargeld wird in einigen Geschäften schon gar nicht mehr akzeptiert. Experten zufolge soll das Münz- und Scheingeld in acht bis neun Jahren sogar komplett verschwinden. Sogar die Verkäufer der Obdachlosenzeitungen in Schweden sind mit einem Kartenterminal ausgestattet und empfangen Spenden via Kreditkarte und Co.

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Abschaffung von Bargeld wird von Verbrauchern begrüßt

Ob die Äpfel vom Wochenmarkt oder der Hot Dog vom Grillstand, in Schweden können auch Lebensmittel und Sachen geringen Wertes bequem bargeldlos bezahlt werden. Was hierzulande noch undenkbar scheint, ist in Schweden seit knapp zwei Jahren immer mehr im Kommen. In Dänemark soll ebenfalls das Bargeld bald abgeschafft werden. Auch hierzulande fordern Top-Ökonomen seit geraumer Zeit schon die Abschaffung von Münzen und Scheinen.

Die Banken und zuletzt auch die Verbraucher Schwedens nehmen die Abschaffung des Bargeldes sehr gut an. So soll dadurch durchaus auch die Gefahr von Raub und Diebstahl geschmälert werden. Die Suche nach Kleingeld an der Kasse hat ebenfalls ein Ende, was vor allem auch längere Wartezeiten erspart. Darüber hinaus könnte mit der Abschaffung von Bargeld auch der Drogen- und Schwarzmarkt ausgerottet werden. So werden die 500 Euro Scheine kaum für den Alltagseinkauf benötigt, vielmehr wickeln ominäse Gestalten mit den Scheinen ihre zwiespältigen Geschäfte ab, mahnen die Befürworter des Giralgeldes.

Problematisch ist die Umstellung von Barzahlung auf Kartenzahlung vorwiegend für ältere Menschen. So horten viele Schweden über 70 ihr Bargeld innerhalb der heimischen vier Wände und wissen damit vermehrt nichts mehr anzufangen. Die Umstellung auf die Kartenzahlung überfordert viele Ältere. Hier ist Unterstützung nötig. Alles in allem wagt Schweden jedoch einen großen Schritt in die richtige Richtung, der durchaus erfolgversprechend ist.

http://www.trendsderzukunft.de/hot-dog-per-kartenzahlung-schweden-schafft-das-bargeld-ab/2015/11/11/

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26.10.2015

Der Iran schafft das Bargeld ab

Der Iran will das Bargeld abschaffen und durch elektronische Zahlungsmittel ersetzen. Das Vorhaben soll erstmals in einer Freihandelszone im Süden des Landes getestet werden.

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Der Iran will langfristig das Bargeld abschaffen und durch elektronische Zahlungsmittel ersetzen. Der Plan solle zunächst auf der Insel Kisch in Südiran getestet werden, sagte Zentralbank-Präsident Walliollah Sejf am Montag. Kisch ist eine Freihandelszone im Persischen Golf mit vielen Einkaufszentren. Der elektronische Bankservice habe in den vergangenen Jahren viele positive ökonomische sowie gesellschaftliche Auswirkungen gehabt, sagte Sejf der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge.

Im Iran bezahlen allerdings die meisten Menschen immer noch in bar. Zwar besitzen viele Iraner Bankkarten, aber nicht alle Läden verfügen über die notwendigen Kartenlesegeräte. Auch Taxis müssen in bar bezahlt werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/26/der-iran-schafft-das-bargeld-ab/

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14.10.2015

Bundesbank lehnt Abschaffung von Bargeld strikt ab

Die Bundesbank lehnt die Abschaffung von Bargeld ebenso ab wie Beschränkungen der Verwendung von Bargeld. Die Bundesbank will offenbar die Sorge zerstreuen, dass der Trend aus anderen Ländern Europas auch auf Deutschland übergreifen könnte.

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Die Bundesbank hat Forderungen zur Abschaffung von Bargeld erneut eine deutliche Absage erteilt. Eine Zurückdrängung oder Einstellung des Bargelds sei nicht sinnvoll und widerspreche auch den Wünschen der Bevölkerung, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Dienstag auf einer Veranstaltung in Stuttgart laut Redetext. „Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Die Deutsche Bundesbank lehnt die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds ebenso ab wie Restriktionen für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit Bargeld“, sagte Thiele.

Zuletzt hatten einige Volkswirte dafür argumentiert, Scheine und Münzen abzuschaffen – etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der US-Ökonom Kenneth Rogoff. Eine ihrer Ideen: In einer Welt ohne Bargeld könnten Notenbanken leichter von den Geschäftsbanken und diese wiederum von ihren Kunden Zinsen für Guthaben verlangen. Geld zu horten würde sich nicht mehr lohnen, was stärkere Anreize für Investitionen und mehr Konsum schaffen würde. Geldpolitik wäre dann wirksamer. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte sich bereits kritisch zu diesen Argumenten geäußert.

In seiner Rede verwies Thiele auf eine Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland 2014, nach der gemessen am Umsatz hierzulande nach wie vor 53 Prozent der Waren und Dienstleistungen beim Einkauf bar bezahlt werden. Mittelfristig rechnet allerdings auch die Bundesbank laut Thiele damit, dass an der Ladenkasse der Anteil des Barbezahlens unter die 50-Prozent-Marke sinken wird. In anderen Ländern wie Großbritannien oder in Skandinavien sind neue Bezahlformen über das Internet oder mittels des Smartphone bereits viel stärker verbreitet als in Deutschland. Thiele führte als Beispiel Dänemark an. Dort wolle die dänische Notenbank wegen fehlender Nachfrage ab 2016 voraussichtlich keine neuen Banknoten mehr drucken. Es werde dort auch erwogen, einige kleine Läden vom Annahmezwang von Bargeld zu befreien. Eine solche Einschränkung des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel sei in Deutschland aus seiner Sicht aber nicht denkbar, sagte Thiele.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/14/bundesbank-lehnt-abschaffung-von-bargeld-strikt-ab/

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24.09.2015

Bank of England: Abschaffung von Bargeld zwingend erforderlich

Die Bank of England sieht nur ein Mittel, um sich gegen die nächste Rezession zu wappnen: Mit Negativ-Zinsen sollen die Sparer zum Geldausgeben gebracht werden. Dazu sei es zwingend erforderlich, das Bargeld abzuschaffen.

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Der Chef-Ökonom der Bank of England Andy Haldane rechnet damit, dass die britische Zentralbank bald Negativzinsen einführen wird. Das schwache Wirtschaftswachstum zwinge die Zentralbank zu diesem radikalen Schritt. Doch um eine Flucht der Bürger ins Bargeld zu verhindern, forderte er eine Abschaffung von Scheinen und Münzen. Haldane ist einer von neun Mitgliedern des Monetary Policy Committee (MPC), dass sich zwölf Mal im Jahr trifft, um die Leitzinsen für Großbritannien festzusetzen.

Bei den großen Industrienationen stehen die Leitzinsen praktisch bei Null“, so Haldane. Dies erschwere es den Zentralbanken zusehends, Rezessionen mit geldpolitischen Maßnahmen zu bekämpfen. Als Grund für die historisch niedrigen Zinsen nennt Haldane eine Mischung aus niedrigem Wirtschaftswachstum, geringeren Investitionen, einer alternden Bevölkerung und steigender Ungleichheit bei den Einkommen. „All diese Faktoren sind keine Trugbilder. Keiner davon wird sich demnächst umkehren“, so Haldane.

In Großbritannien stehen die Leitzinsen seit nunmehr sechs Jahren bei 0,5 Prozent. Doch die lockere Geldpolitik hat dem Land keinen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Vielmehr droht der britischen Wirtschaft die nächste Rezession. Dennoch sprach sich Haldane auf einem Kongress in Nordirland nun für weitere geldpolitische Maßnahmen aus. Er sieht „eine Notwendigkeit, die geldpolitischen Zügel als nächsten Schritt zu lockern statt sie zu straffen, um das Wachstum in Großbritannien zu unterstützen und das Inflationsziel zu erreichen“, zitiert der „Telegraph“ den Zentralbanker. Doch eine Zinssenkung könnte dazu führen, dass die Sparer ihre Guthaben von der Bank abheben. Das Horten von Bargeld hätte negative Effekte auf die Wirtschaft und könnte das Wachstum weiter bremsen. Um dies zu verhindern, plädiert Haldane für eine Abschaffung des Bargeldes.

Mit dieser Forderung ist der britische Zentralbanker nicht allein. Auch der ehemalige Chef-Ökonom der Weltbank Larry Summers und der deutsche „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger sprachen sich schon öffentlich für eine Abschaffung des Bargeldes aus. Der Münchener Ökonom Gerald Mann geht davon aus, dass eine schrittweise Abschaffung bereits beschlossene Sache ist. Mann glaubt, dass die Schulden-Staaten in Abschaffung des Bargeldes die Möglichkeit sehen, die Sparer zum Konsum zu zwingen. Der Verfassungsrechtler Christoph Degenhart hält ein Bargeldverbot allerdings für verfassungswidrig. Er sieht in der Forderung eine bedenkliche Entwicklung hin zur Totalüberwachung des Bürgers und zur Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten.

Die Schweiz hat bereits Anfang des Jahres Negativzinsen eingeführt. Seit der Einführung horten die Schweizer vermehrt Bargeld zu Hause. Für die Sparer gibt es damit keinerlei Anreize mehr, ihr Geld auf der Bank zu belassen. Auch in Schweden sind die Leitzinsen bereits im Negativ. Die schwedische Zentralbank kündigte kürzlich an, den Leitzins mindestens bis Jahresende auf minus 0,25 Prozent zu belassen. Als Begründung nannten die Notenbanker, dass das Inflationsziel von 2 Prozent erreicht werden müsste, bevor die Zinsen wieder erhöht werden könnten.

Als einzige Alternative zu Negativzinsen sieht der britische Zentralbanker die Erhöhung des Inflationsziels. Die derzeitige Vorgabe von zwei Prozent stamme aus einer Zeit, als die Leitzinsen bei sechs Prozent lagen. Eine Erhöhung des Inflationsziels auf vier Prozent würde der Zentralbank mehr Spielraum für geldpolitische Maßnahmen verschaffen, so Haldane. Doch er gab zu Bedenken, dass dies bei der Bevölkerung vermutlich nicht auf große Gegenliebe stoßen werde.

Die Leute, die von der Inflation am stärksten getroffen werden, sind die Armen, die Alten und all jene, die sich nicht gegen ein solches Risiko absichern können. Das sind die Erfahrungen aus der Geschichte“, zitiert der „Telegraph“ den britischen Zentralbanker. „Ein Inflationsziel über dem derzeitigen Niveau würde nicht nur die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken aufs Spiel setzen, sondern könnte auch die Präferenzen der allgemeinen Bevölkerung erschüttern.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/24/bank-of-england-abschaffung-von-bargeld-zwingend-erforderlich/

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01.09.2015

Schleichende Abschaffung: Wer Bargeld will, soll dafür eine Gebühr zahlen

Die renommierte Financial Times macht sich zum Anwalt der Bargeld-Abschaffung. Die Existenz von Bargeld vermindere die Fähigkeit der Zentralbanken, die angeschlagene Wirtschaft zu stimulieren. Die Zeitung fordert: Wer Bargeld weiter verwenden will, soll dafür eine Gebühr zahlen.

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Der größte Anteil des Geldes ist heute bereits in elektronische Form umgewandelt. Dennoch reiche der kleine Rest an physischem Bargeld, um das Wirtschaftssystem zu verzerren, so die Financial Times. Die Zeitung, die als Sprachrohr der City of London immer eine avantgardistische Rolle spielt, beschäftigt sich in einem Artikel damit, welche Vorteile es für eine Wirtschaft hätte, wenn das Bargeld gänzlich abgeschafft würde. Als ersten Profiteur macht die FT die Zentralbanken aus.

Die bloße Existenz von Cash – eine Finanzinstrument mit null Zinsen – begrenze demnach die Fähigkeit der Zentralbanken, eine angeschlagene Wirtschaft zu stimulieren. Die Sparer könnten demnach ihre Einlagen in Bargeld umwandeln, sobald die Zinsen in den negativen Bereich rutschen. Nachdem die Zentralbanken in Dänemark, Schweden und der Schweiz diesen Schritt bereits vollzogen haben, dürften andere Staaten folgen. Durch die Flucht ins Bargeld könnte den Zentralbanken die „Munition“ für neue Stimuli ausgehen, wenn es zu einem weiteren Abschwung kommt.

Ein weiterer Argumentationspunkt ist, dass Bargeld im Gegensatz zu elektronischem Geld nicht verfolgt werden kann. So werden anonyme und illegale Aktivitäten begünstigt, so die FT. Die Abschaffung des Bargelds würde es Regierungen vereinfachen, die Schattenwirtschaft auszumerzen. Zugleich könnten steuerehrliche Unternehmen bei elektronischem Zahlungsverkehr vom Staat belohnt werden. Etwa, dass die Mehrwertsteuer in Echtzeit während den Transaktionen erhoben beziehungsweise erstattet wird.

Jene Länder, die Probleme bei der Steuereintreibung haben, könnten mit der Beschränkung von Bargeld diese abschaffen. Als Beispiel wird Griechenland angeführt, das die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen dazu nutzen sollte, die Bargeld-Kultur im Land abzuschaffen.

Die technologischen und praktischen Hindernisse für die Verwendung von Bargeld sind weitgehend verschwunden, so die FT. In skandinavischen Ländern wird die Kartenzahlung regelmäßig auch bei kleinsten Transaktionen verwendet. Schweden erreichte den „Peak Cash“ vor fast einem Jahrzehnt: der Betrag des Bargeldumlaufs ist seit 2007 um, mehr als ein Viertel geschrumpft, obwohl die Bevölkerung und die Wirtschaftsleistung gewachsen sind. In Dänemark hat die Notenbank das Drucken von Bargeld eingestellt, weil es momentan keine Nachfrage mehr danach gibt.

So schlussfolgert die FT, dass es zwar in der Post-Snowdon-Ära Bedarf an anonymen Zahlungen gäbe, um keine digitalen Fußspuren zu hinterlassen. Allerdings soll für das Privileg der Anonymität eine Gebühr gezahlt werden. Zudem könnten die Banknoten datiert werden und nach einer gewissen Frist verfallen.

Seit der Einführung der Niedrigzinsen gibt es zahlreiche Vordenker, die eine drastische Einschränkung von Bargeld für wahrscheinlich halten, dazu gehören etwa Kenneth Rogoff von der Universität Harvard und Willem Buiter, der Chefökonom der Citigroup, der dafür plädiert, nur noch Fünf-Euro-Scheine auszugeben. Die Baader Bank erwartet ebenfalls eine Abschaffung von Bargeld. Die UBS hält ein Verbot für nur schwer durchsetzbar. Die Zentralbanken diskutieren ebenfalls über ein Verbot.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/01/schleichende-abschaffung-wer-bargeld-will-soll-dafuer-eine-gebuehr-zahlen/

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07.07.2015

Erster Vorstoß: Deutschland will Bezahlen mit Bargeld begrenzen

Im Zuge der Finanzkrise kommt nun auch in Deutschland die Bargeld-Grenze. Künftig sollen nur noch 2.000 Euro für Bargeschäfte erlaubt sein. Offiziell wird diese Maßnahme erstmals in NRW diskutiert. Der Finanzminister des Landes hat schon ziemlich genau Vorstellungen, wie die Maßnahme durchgesetzt werden kann.

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Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) fordert eine Obergrenze für das Bezahlen mit Bargeld. So sollen Schwarzgeldgeschäfte und Steuerhinterziehung unterbunden werden. Andere Länder hätten solche Höchstgrenzen bereits, sagte Walter-Borjans kürzlich in Düsseldorf.

Brojans hat offenbar sehr konkrete Vorstellungen, wie die WAZ berichtet:

Um Steuerhinterziehung an Ladenkassen einzudämmen, will der Bund im Herbst ein Konzept für einen „Fahrtenschreiber“ in den Geschäften vorlegen. Dann soll an jeder Kasse der Bargeldfluss registriert werden. Bisher gehen dem Fiskus jährlich zwischen fünf und zehn Milliarden Euro Steuern durch Betrügereien mit Ladenkassen verloren. „Die Einführung einer Kontroll-Software an den Kassen und Taxametern in Deutschland ist überfällig“, sagte der Minister.

Borjans sagte, es gehe ihm nicht um die Abschaffung von Bargeld, sondern um die „Auswüchse“: Wenn Beträge über 3.000 Euro hinaus bar bezahlt würden, werde er skeptisch, zitiert in die WAZ. Ganz logisch ist das nicht: Einkäufe in Supermärkten über 3.000 Euro oder Taxifahrten in dieser Größenordnung dürften selbst in NRW eher die Ausnahme sein. Wenn Borjans jedoch genau hier mit der Überwachung beginnen will, dürfte ihm nicht um die Verbrecher gehen, sondern um die einfachen Bürger.

Er verwies auf Italien, wo es seit längerem eine Obergrenze für Bargeschäfte von 1.000 Euro gebe. In Frankreich wird dieses Limit gerade auf 1.000 Euro herabgesetzt. Wegen der anderen „Bezahlkultur“ in Deutschland müsste die Grenze höher liegen, etwa bei 2.000 oder 3.000 Euro. .

Der Münchener Ökonom Gerald Mann geht davon aus, dass eine schrittweise Abschaffung des Bargelds bereits beschlossene Sache ist. Er glaubt, dass die Schulden-Staaten in dieser Maßnahme die Möglichkeit sehen, die Sparer zum Konsum zu zwingen. Die Bargeld-Abschaffung liegt im Trend der Überwachung und Bespitzelung. Die Möglichkeiten, sich zu schützen, sind ziemlich begrenzt.

Eine komplette Abschaffung des Bargelds ist allerdings schwer durchzusetzen und daher unrealistisch, wie auch Bank-Experten meinen. Jede Begrenzung ist allerdings eine ernsthafte Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten. Im Zuge des wegen der Schuldenkrise erhöhten Finanzbedarfs der Staaten muss man allerdings davon ausgehen, dass Restriktionen in Deutschland eingeführt werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/07/05/bargeld-obergrenze-kommt-nach-deutschland/

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15.06.2015

«Jeder sollte so zahlen, wie er es bevorzugt»

Bundesbank-Chef Jens Weidmann erteilt den Gedanken zur Abschaffung des Bargelds eine klare Absage. Man solle lieber die Wachstumsschwäche, das Kernproblem vieler entwickelter Volkswirtschaften, bekämpfen.

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(Reuters) Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat sich vehement gegen eine Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. Auf einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt wandte er sich am Montag gegen Argumente von Ökonomen, die mit einem solchen Schritt die Konjunktur ankurbeln wollen. Weidmann unterstrich dagegen, jeder solle in der Form bezahlen können, die er bevorzuge.

Wirksamere Durchsetzung der Geldpolitik

Vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Leit- und Kapitalmarktzinsen hatten sich zuletzt einige Volkswirte dafür ausgesprochen, Scheine und Münzen abzuschaffen, etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der US-Ökonom Kenneth Rogoff. Dahinter steht unter anderem die Idee, Notenbanken könnten dann Geschäftsbanken und diese in der Folge ihren Kunden Zinsen für die Guthaben abverlangen. Geld zu horten, könne so weniger attraktiv werden – wodurch Anreize für Investitionen und mehr Konsum gegeben würden. Insgesamt würde damit die Geldpolitik der Notenbanken wirksamer, lautet das Argument.

Grenzen der expansiven Geldpolitik

Es steht aus Weidmanns Sicht allerdings auf tönernen Füssen. Eine der wesentlichen Ursachen des momentanen Niedrigzinsumfelds liege im flauen Wirtschaftswachstum vieler Volkswirtschaften. «Wenn also die Wachstumsschwäche den Kern des Problems darstellt, dann gilt es, diese Schwäche zu überwinden, anstatt kühne Akrobatik in der Form zu betreiben, das Bargeld abschaffen zu wollen», sagte Weidmann. Zu den Ursachen der Konjunkturflaute gehöre die demografische Entwicklung in vielen Staaten. Für die Euro-Zone nannte er als weitere Faktoren die sehr hohe Staatsverschuldung und die damit einhergehende starke Steuerbelastung. «Hinzu kommt sicherlich in vielen Euro-Ländern auch die hohe private Verschuldung», sagte Weidmann. Diese Faktoren können gemäss seinen Worten auch mit einer noch expansiver ausgerichteten Geldpolitik nicht beseitigt werden.

Die Bundesbank hatte sich bereits früher zu Überlegungen kritisch geäussert, die Bargeldhaltung über Vorschriften zu beschränken.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/jeder-sollte-so-zahlen-wie-er-es-bevorzugt-1.18562756

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18.05.2015

Wer vom Ende des Bargeldes profitieren würde

Dänische Shops sollen in Zukunft kein Bargeld mehr annehmen müssen, und Ökonomen plädieren für eine bargeldfreie Gesellschaft. Dass diese Offensive gerade jetzt kommt, ist kein Zufall.

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Beim bargeldlosen Bezahlen haben die nordischen Länder dem Rest Europas einiges voraus. In Schweden zum Beispiel machen Banknoten und Münzen gemessen am Bruttoinlandprodukt nur noch drei Prozent aus, während es in der gesamten Eurozone durchschnittlich neun Prozent sind. Die dänische Regierung will nun noch einen Schritt weiter gehen und die Annahmepflicht von Bargeld ganz abschaffen, als erstes Land in Europa.

Sagt das Parlament Ja zum Vorschlag, könnte er schon nächstes Jahr in Kraft treten. Dänische Shops und Betriebe dürften sich dann weigern, Barzahlungen anzunehmen, und könnten sich ganz vom Cash verabschieden. Laut Sofie Findling Andersen, Vertreterin der dänischen Handelskammer, liesse sich so viel Geld sparen. Barzahlungen seien teuer, immerhin müssten sie von Angestellten abgewickelt werden. Ausserdem stellten sie ein Sicherheitsrisiko dar, da Bargeld gestohlen oder für kriminelle Zwecke genutzt werden könne.

Nicht nur die dänische Regierung will das bargeldlose Zahlen in diesen Tagen forcieren. Auch namhafte Ökonomen preisen die Vorteile des elektronischen Geldes an, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Für den deutschen Wirtschaftsweisen Peter Bofinger etwa ist das Papiergeld vom technologischen Fortschritt überholt worden. «Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus», sagt er gegenüber dem «Spiegel». Bargeld erschwere den Zahlungsverkehr «ungemein».

Attraktiv für Notenbanken

Die Abschaffung des Bargelds würde zudem die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen austrocknen, so Bofinger. Dieses Argument führen auch Notenbanken und Regierungen gerne ins Feld. Für sie hätte die bargeldlose Gesellschaft in diesen Tagen allerdings andere, weit gewichtigere Vorteile. Das zeigt das Beispiel der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Sie erhebt seit Anfang Jahr Negativzinsen, um Anlagen in Franken unattraktiv zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln. Die meisten Banken geben die Negativzinsen zwar (noch) nicht an Privatkunden weiter, doch attraktiv ist das Geldanlegen auch für diese nicht mehr. Weil es an risikolosen Anlagealternativen mangelt, wächst der Anreiz, das Geld vom Konto abzuziehen und zu horten.

Gerade das läuft den Bemühungen der Notenbank aber zuwider, denn vom Geldhorten wird die Wirtschaft gewiss nicht angekurbelt. Laut dem Ökonomen und ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers liesse sich dieses Problem mit der Abschaffung von Bargeld lösen. So wäre es nicht mehr möglich, Geld abzuheben und ausserhalb der Bank aufzubewahren. Der Anreiz, es stattdessen zu investieren, wäre grösser. Und im Notfall könnten die Zinsen noch weiter gesenkt werden als bislang, ohne dass es zu einem massenhaften Abzug von Devisen käme.

Auf diesen Vorteil weist auch Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff hin. In einem Aufsatz beschreibt er den Übergang zur elektronischen Währung als «simple und elegante Lösung», um die unerwünschten Effekte der Negativzinsen abzufedern. Notenbanken könnten die Zinsen je nach Erfordernissen per Knopfdruck reduzieren oder erhöhen. Ausserdem, so Rogoff, sei die Modernisierung des Zahlungsverkehrs längst überfällig.

Neue Verdienstmöglichkeiten für Banken

Auch wirtschaftlich angeschlagenen Ländern wie Italien, Frankreich oder Griechenland käme ein elektronisches Zahlungssystem entgegen. Denn damit liesse sich ganz leicht nachvollziehen, wer wann was wo bezahlt hat – und Steuerhinterziehung würde zum Kunststück. Ein erster Schritt in diese Richtung ist schon gemacht, indem die drei Länder Höchstgrenzen für Bargeldgeschäfte erliessen. In Italien dürfen Rechnungen über 1000 Euro nicht mehr bar beglichen werden, in Griechenland liegt die Grenze bei 1500, in Spanien bei 2500 Euro.

Und schliesslich verdienen auch die Banken gut am elektronischen Geld. Für Kreditkarten bezahlen die Kunden eine jährliche Gebühr. Banküberweisungen sind zu einem grossen Teil kostenpflichtig, vor allem wenn sie ins Ausland gehen. Je mehr Geldtransfers elektronisch abgewickelt werden, desto mehr Möglichkeiten für neue Abgaben und Gebühren tun sich auf.

http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Wer-vom-Ende-des-Bargeldes-profitieren-wuerde/story/22885626

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17.05.2015

Drohung des Bargeld-Verbots: Eine Warnung an die Sparer

Die Diskussion um die Abschaffung von Bargeld soll die Sparer zwingen, ihr Geld in den Konsum zu stecken. Die Forderung belegt, dass die bisherige Politik des Gelddruckens durch die Zentralbanken grandios gescheitert ist. Anleger dürften gewarnt sein und sich nach Alternativen umsehen: Offenbar brodelt es gewaltig hinter den Kulissen des künstlichen Geld-Systems.

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Die Rufe nach der Abschaffung des Bargelds hallen plötzlich auch durch den deutschen Blätterwald: Im Spiegel fordert der „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger die Zwangs-Maßnahme. Im Handelsblatt wärmt der Ökonon Kenneth Rogoff die von ihm schon seit längerem vertretene These aus und reichert sie mit der Idee von William Buiter an, nur noch kleine Geldscheine auszugeben. Die dpa berichtet groß über die angeblich spektakuläre Entwicklung und versieht ihren Bericht mit dem dramatischen Titel „Top-Ökonomen für Abschaffung des Bargelds“. Mit der dpa wird die Idee auch in viele Zeitungen eingespeist, die sich mit diesem Thema bisher nicht beschäftigt haben oder aber die Idee als „Spinnerei“ abgetan haben.

Tatsächlich dient die Kundmachung der Idee für das allgemeine Publikum in Deutschland vor allem einem Zweck: Die Sparer sollen ausbügeln, was die Zentralbanken verbockt haben. Diese haben nämlich wie verrückt Geld gedruckt – doch das Geld kommt nicht in der realen Welt an. Die seit einiger und wohl auch noch für längere Zeit geltenden Negativ-Zinsen können nämlich nur durchgesetzt werden, wenn die Flucht ins Bargeld verhindert wird. Aus der Schweiz wurde kürzlich bekannt, dass die Pensionsfonds wegen der Strafzinsen offenbar dazu übergehen, ihr Geld bar abzuheben und in Tresoren aufzubewahren.

Die Drohung der Abschaffung des Bargelds verfolgt unterschiedliche Ziele: Kreditkarten sind ein hervorragendes Geschäft für die Banken. Es fallen Zinsen an und die Hoffnung steigt, dass die Kunden den Überblick verlieren und zuviel ausgeben, womit Überziehungszinsen erhoben werden können – ein bekanntermaßen lukratives Geschäft.

Der wichtigste Grund besteht jedoch darin, dass man die Sparer aus dem Sicherheitsdenken treiben will: Mit der Kredit- oder Bankomatkarte gehen die Leute in der Regel sorgloser um als mit dem Bargeld. Bargeld abzuheben ist mühsam, man muss mit der Hand nachzählen und man bekommt Mitte des Monats ein mulmiges Gefühl, wenn der Stapel mit den Scheinen immer kleiner wird. Das weltweite Schulden-Kasino braucht aber Billionen – nicht an künstlichem Geld, das auf der Soll- und Haben-Seite immer in einem virtuellen Bereich verbleibt, sondern real erwirtschaftetes Geld, mit dem real erzeugte Produkte gekauft werden. Die Drohung mit dem Bargeld-Verbot ist auch eine Versprechung: Die Versprechung des Kredits auf Lebenszeit, der den Leuten erscheint wie „geschenktes Geld“ oder eine Wette auf die Zukunft.

Die von den „Top-Ökonomen“ angeführten Gründe wie Schwarzarbeit oder Geldwäsche sind vorgeschoben: Denn im realen Wirtschaftsleben spielt das Bargeld kaum noch eine Rolle. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ermittelt, dass in Europa nur noch neun Prozent der Wirtschaftsleistung in Scheinen und Münzen erbracht werden. In Skandinavien, wo das Bargeld de facto schon vor Jahren aus dem Geschäftsleben verschwunden ist, sind es gar nur noch drei Prozent. Außerdem ist ein Bargeld-Verbot praktisch nicht durchzusetzen, wie neulich ein Ökonom der UBS erklärt hat.

Für die Schulden-Staaten hat die Drohung mit der Bargeldabschaffung einen angenehmen Nebeneffekt: In Zeiten, in denen die Staaten wegen der gigantischen Steuerverschwendungen immer weniger Rechenschaft über den Verbleib der Steuergelder ablegen, wollen sie den „gläsernen Steuerbürger“. Die österreichische Zeitung Die Presse hat in einem Kommentar treffend gefordert, es müsse eigentlich den „gläsernen Staat“ geben. Doch Beispiele wie Griechenland zeigen, dass die Entwicklung in die andere Richtung laufen: Weil die Staaten immer mehr Geld brauchen, wollen sie Einblick auf jede Transaktion haben. Die Bürger werden in die Defensive gedrängt, weil sie sich rechtfertigen müssen.

Es ist daher nur logisch, dass die Zentralbanken alles versuchen, um die Sparguthaben „flüssig“ zu machen. Bei einer Tagung werden sich in einigen Wochen die Zentralbanken explizit mit dem Thema beschäftigen. Der Wirtschaftsweise Bofinger hält das Thema für wichtig genug, um zu fordern, die Staatschefs sollten beim G-20 das Bargeld-Verbot auf die Tagesordnung setzen.

Die Drohkulisse, die mit der plötzlich auch nach Deutschland geschwappten Diskussion verbunden ist, könnte jedoch auch einen ganz anderen Hintergrund haben: Offenbar brodelt es hinter dieser Kulisse des künstlichen Geldsystems gewaltig. Große institutionelle Anleger können nicht untätig bleiben: Sie verwalten die Pensionen von Millionen Rentnern. Sie können sich keine Negativ-Zinsen leisten, weil sie wegen der Überalterung immer mehr Geld ausschütten müssen. Sie können sich erst recht keinen Totalverlust im Crash-Fall leisten, weil dieser wegen der Wut der Rentner die Regierungen enorm unter Druck setzen würde.

Die Diskussion signalisiert also einen Vertrauensverlust in das System des ungedeckten Geldes. Professionelle Anleger werden sich also umgehend nach Ausweichmöglichkeiten umsehen, um ihre Risiken zu begrenzen: Diversifikation in den Bereichen Devisen, Rohstoffe und Edelmetalle könnten die Folge sein. Staatsanleihen scheiden aus, weil sie aktuell auch zu niedrig oder gar negativ verzinsen. Immobilien sind vielleicht noch da und dort Übergangslösungen – doch die Preise sind zumindest in Europa schon fast flächendeckend überhöht. So muss man, wie neulich auf einem Immobilienportal gesehen, für eine Almhütte im schönen, aber bankrotten Kärnten 300.000 Euro berappen. Vor 20 Jahren kosteten vergleichbare Objekte 80.000 österreichische Schillinge. Das Platzen dieser Blase ist nur eine Frage der Zeit und des Ortes.

Private Anleger sollten sich vom anschwellenden Angst-Gefühl nicht anstecken lassen, sondern mit kühlem Kopf kalkulieren, wo tatsächliche Werte sind. Auf die möglicherweise bald einsetzenden politischen Beschwichigungs-Versuche sollte man nicht allzu viel geben. Es ist nicht allzu lange her, da war zu hören dass die Rente sicher sei und eine Pkw-Maut niemals kommen werde.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/17/drohung-des-bargeld-verbots-eine-warnung-an-die-sparer/

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11.05.2015

Tankstellen und Restaurants nicht mehr zur Annahme von Bargeld verpflichtet

Die dänische Regierung plant einen Vorstoß gegen Bargeld-Zahlungen: Restaurants, Geschäfte und Tankstellen sind künftig nicht mehr verpflichtet, Cash zu akzeptieren. Begründet wird das Vorhaben mit den enormen Kosten, die bei der Bargeld-Zahlung für die Einzelhändler entstehen.

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Dänemark treibt die Einschränkung von Bargeld voran: Mit dem geplanten Gesetz sind kleinere Unternehmen wie Tankstellen, Einzelhändler und Restaurants nicht mehr rechtlich gebunden, Bargeld zu akzeptieren. Eine Ausnahme gibt es: Supermärkte müssen auch künftig Cash annehmen.

Die Regierung erklärt den Vorstoß mit den hohen Sicherheitskosten, die der Bargeld-Verkehr mit sich zieht. Die Kosten für das Zählen der Einnahmen, das nächtliche Lagern in Tresoren und die Abholung durch Sicherheitsdienste seien für die kleinen Shops nicht hinnehmbar. Die Einschränkung von Bargeld ist Teil eines Reformpakets, welches die Wirtschaft im Land ankurbeln soll, und muss noch vom dänischen Parlament abgesegnet werden. Geplant ist, dass das neue Gesetz ab Januar 2016 gilt meldet Reuters.

Rund ein Drittel der dänischen Bevölkerung nutzt bereits MobilePay und zahlt so über das Smartphone. Zudem sind Schweden, Dänemark und Finnland in der EU führend bei den Kreditkartenzahlungen pro Einwohner.

Bereits im Oktober 2014 kündigte die dänische Notenbank daher an, selber künftig keine Geldscheine und Münzen mehr herauszugeben, da die Nachfrage zu niedrig sei. Eine Trendumkehr sei nicht zu erwarten. Die Produktion der Banknoten und Münzen rechne sich daher für die Notenbank nicht mehr. Der Druckstopp beginnt im Jahr 2016. Sollte es dennoch Bedarf an neuen Geldscheinen geben, werden externe Dienstleister die Ausgabe übernehmen, so die Notenbank in einer Mitteilung.

Damit folgt Dänemark einer Reihe von Staaten, die ebenfalls schon konkrete Maßnahmen gegen den Gebrauch von Bargeld ergriffen haben: Frankreich mit einem neuen Gesetz ab dem Sommer seine Bargeldbestimmungen drastisch. Schweden setzt schon seit längerem auf die Reduktion vor Bargeld, die Schweden sollen künftig Bargeld nur noch im eingeschränkten Ausmaß halten dürfen. In Griechenland wird angesichts der Krise ebenfalls eine drastische Einschränkung diskutiert, Rechnungen über 70 Euro sollen nur noch mit Scheck oder Kreditkarte gezahlt werden dürfen.

Seit der Einführung der Niedrigzinsen gibt es zahlreiche Vordenker, die eine drastische Einschränkung von Bargeld für wahrscheinlich halten, dazu gehören etwa Kenneth Rogoff von der Universität Harvard und Willem Buiter, der Chefökonom der Citigroup, der dafür plädiert, nur noch Fünf-Euro-Scheine auszugeben. Die Baader Bank erwartet ebenfalls eine Abschaffung von Bargeld. Die UBS hält ein Verbot für nur schwer durchsetzbar. Die Zentralbanken diskutieren ebenfalls über ein Verbot.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/11/tankstellen-und-restaurants-nicht-mehr-zur-annahme-von-bargeld-verpflichtet/

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02.05.2015

EU-Trend: Frankreich schränkt Verwendung von Bargeld drastisch ein

Frankreich setzt einen Meilenstein in der EU und verschärft die Kontrolle von Bargeld-Zahlungen drastisch. Auch der Gold-Verkauf ist betroffen. In Griechenland ist die Einschränkung noch deutlicher: Hier will die Regierung Bar-Geschäfte nur noch bis 70 Euro tolerieren.

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Der französische Finanzminister Michel Sapin hat eine drastische Verschärfung für die Verwendung von Bargeld in Frankreich bekanntgegeben. Wie die Zeitung Le Parisien berichtet, sollen die Bürger ab September 2015 streng überwacht werden, wenn sie Zahlungen in Bargeld vornehmen.

Das Limit für Barzahlungen wird von 3.000 Euro auf 1.000 Euro gesenkt.

Touristen dürfen nur noch bis 10.000 Euro in bar bezahlen, bisher waren es 15.000 Euro.

Wenn ein Franzose Geld in eine andere Währung wechseln will, darf er das nur noch bis 1.000 Euro ohne Ausweis tun. Bisher konnten Franzosen für 8.000 Euro Fremdwährungen kaufen.

Wenn ein Bank-Kunde mehr als 10.000 Euro in einem Monat von seinem Konto abhebt, muss die Bank diese Transaktion der Geldwäsche-Behörde Tracfin melden.

Die Banken müssen die Behörden über alle Fracht-Transfers innerhalb der EU informieren, die 10.000 Euro übersteigen. Von dieser Regelung sind Schecks, Pre-Paid-Karten und sogar Gold betroffen.

Auch die Kontrolle über Krypto-Währungen wie Bitcoin soll drastisch verschärft werden.

Der offizielle Grund für diese Maßnahmen ist der “Kampf gegen den Terror”. Tatsächlich handelt es sich bei der Maßnahme um eine neue Form der finanziellen Repression. Noch ist unklar, ob auch andere Euro-Staaten dem Pariser Beispiel folgen und den Bürgern auch in anderen Staaten die freie, private Verwendung ihres Geldes beschränken.

In der griechischen Presse gab es Berichte über eine Verschärfung der Verwendung von Bargeld: Die Regierung in Athen wolle etwa eine Extra-Steuer zwischen ein bis fünf Euro pro Übernachtung auf den meisten Inseln der Ägäis. Zudem solle es eine Regelung geben, mit der die Steuerhinterziehung durch fehlende Quittungen bekämpft werden soll. Zu diesem Zweck soll die Verwendung von Bargeld drastisch eingeschränkt werden.

Alle Rechnungen von mehr als 70 Euro sollten nur noch mit Kredit- oder Scheckkarten bezahlt werden. Dies solle auf 23 Ägäis-Inseln gelten, die touristisch entwickelt sind. Besitzer von Luxusautos und Schwimmbädern müssten sich zudem auf Steuererhöhungen einstellen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/24/frankreich-schraenkt-verwendung-von-bargeld-drastisch-ein/

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02.05.2015

Zentralbanken diskutieren Bargeld-Verbot, um globale Bank-Flucht zu stoppen

Die Zentralbanken wollen bei einer Tagung über die effektivste Strafe für das Halten von Bargeld beraten. Die Neue Zürcher Zeitung untersucht die Möglichkeiten, wie „im Notfall“ das Bargeld eingeschränkt werden kann. Man kann das hektische Treiben durchaus als Crash-Vorbereitungen sehen. Offenbar wissen die Zentralbanken mehr über den tatsächlichen Zustand des Finanzsystems als sie öffentlich einräumen.

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Die Anzeichen mehren sich, dass die Zentralbanken drastische Einschränkungen beim Bargeld planen. Zunächst hatten einige Vordenker die Idee eines Bargeldverbots lanciert. Vor allem Kenneth Rogoff von der Universität Harvard und Willem Buiter, der Chefökonom der Citigroup, haben in viel beachteten Papieren ihre Überlegungen dargelegt, wie man das Bargeld aus dem Geldkreislauf bekommen könnte.

In einzelnen Staaten wurden bereits konkrete Maßnahmen ergriffen – als Testläufe gewissenmaßen. So verschärft Frankreich mit einem neuen Gesetz ab dem Sommer seine Bargeldbestimmungen drastisch. Schweden, seit jeher ein Vorreiter des elektronischen Zahlungsverkehrs, setzt schon seit längerem auf die Reduktion vor Bargeld. Es ist den Bürgern dann nur noch im eingeschränkten Ausmaß möglich, Bargeld zu halten. In Griechenland wird angesichts der Krise ebenfalls eine drastische Einschränkung diskutiert, Rechnungen über 70 Euro sollen nur noch mit Scheck oder Kreditkarte gezahlt werden dürfen. Die Baader-Bank erwartet offiziell die Abschaffung des Bargelds, um zu erwartende, schmerzhafte Strafzinsen auf Sparguthaben durchzusetzen. Die Bundesbank beruhigt noch und verspricht, dass es in Deutschland auch weiterhin Bargeld geben werde.

Ende Mai wird es nun zu dem Thema eine große Tagung in London geben. Die nicht zum Alarmismus neigende Neue Zürcher Zeitung berichtet, dass ausgerechnet jene Ökonomen zu Wort kommen werden, die sich in den vergangenen Monaten als Vordenker der Bargeldabschaffung profiliert haben – nämlich Rogoff und Buiter. Außerdem sollen an der Tagung Vertreter der Notenbanken aus der Schweiz, Dänemark, der Eurozone und den USA teilnehmen. Das Ziel dieser Tagung, so die NZZ, eine „Lösung für den Notfall“ zu finden. Es ist äußerst ungewöhnlich, dass die im Grunde sehr nüchterne NZZ sich mit solchen Planspielen beschäftigt. Die Zeitung schreibt:

Man hofft auf das Beste und bereitet sich für das Schlimmste vor. Dieses Motto gilt auch für die Geldpolitik der Nationalbank. Manche mögen darauf setzen, dass sich die Wechselkurslage allmählich «normalisiert» oder zumindest nicht mehr verschlechtert, doch eine weitere Zuspitzung dürfte eine mehr als nur marginale Wahrscheinlichkeit haben.“

Diese Erkenntnis führt die NZZ dazu, Maßnahmen zu analysieren wie man auf eine erneute, gegebenenfalls dramatisch zugespitzte Finanzkrise reagieren könnte. Wegen eines möglichen, weltweiten Bank-Runs, aber auch wegen eines weiteren Vertrauensverlust in die globalen Finanzinstitutionen steht die Abschaffung des Bargelds auch in diesem Kontext im Vordergrund. Zwar räumt die Neue Zürcher ein, dass eine vollständige Abschaffung des Bargeld zumindest in der Schweiz kaum realistische Chancen habe, weil damit die Freiheitsrechte der Bürger zu sehr eingeschränkt würden. Doch prüft die Zeitung auch zwei weitere Möglichkeiten wie das Halten von Bargeld bestraft werden könne.

Wie ernst die Lage ist zeigt der Blick in die Zukunft, den die NZZ riskiert – wenngleich auch nur als theoretisches Gedankenspiel. Demnach müsste, um die aufkommende Finanzkrise in den Griff zu bekommen, der Negativzins auf bis zu 5 Prozent erhöht werden. Dies ist eine unvorstellbar hohe Zahl und würde, so die NZZ, zu einer massiven Flucht ins Bargeld führen. Wie sehr die Strafzinsen die Anlieger jetzt schon drücken, zeigte jüngst das Beispiel der Schweizer Pensionskassen. Sie haben im großen Stil ihr Geld von der Bank abgehoben und lagern es mittlerweile in Tresoren in bar, um der finanziellen Repression zu entgehen.

Um einen solchen globalen Bank-Run zu unterbinden, wäre die radikalste Methode das Verbot von Bargeld. Dies ist sowohl in der Schweiz als auch in den USA eher unwahrscheinlich, weil die Wirtschaftssysteme dort von einem gewissen Liberalismus geprägt sind. Die Tatsache, dass aber die Frage des Bargeldverbots im Kontext mit einer globalen Tagung unter Beteiligung der wichtigen Notenbanken der USA und der EZB diskutiert wird, zeigt, dass das Problem kein regionales Problem ist mit dem sich im speziellen die Schweizer oder die Deutschen herumschlagen müssen, sondern dass es sich offenbar um eine globale Entwicklung handelt, deren Folgen es in den Griff zu bekommen gilt.

Für die NZZ gilt unter der Annahme, dass der Negativzins in den kommenden Monaten tatsächlich noch dramatisch steigen dürfte, eine Variante als möglich – nämlich, dass die Vermögensbestände an Bargeld mit einer Steuer oder einer Gebühr im Umfang des Negativzinses belegt werden sollten. Diese Idee scheint jedoch ebenfalls schwer umzusetzen, weil sie letztlich darauf hinauslaufen würde, dass alle Banknoten jährlich gestempelt werden müssten – ein kaum zu kontrollierendes Unterfangen.

Daher wird zumindest in der Schweiz eine andere Variante favorisiert. Die NZZ schreibt:

Diese Variante umfasst die Einführung eines Wechselkurses zwischen Buchgeld und Bargeld, wobei der Kurs sich im Ausmass des gewünschten Negativzinses verändert. Würde zum Beispiel ein solches Regime mit einem gewünschten Negativzins von 3% pro Jahr heute starten, bekäme ein Bargeldbesitzer in einem Jahr nur noch 97 Rp., wenn er dann sein Geld auf ein Konto einzahlte.“

Man kann zwar davon ausgehen, dass sich die Überlegungen erst in einem frühen Stadium befinden. Dies sagt jedoch nichts über den Zustand des Finanzsystems aus. Denn in der Regel werden die großen Finanzinstitutionen fast immer auf dem falschen Fuß erwischt, wenn eine Krise erst einmal ausbricht. Die Tatsache, dass nach den ersten praktischen Testläufen nun auch umfassende theoretische Überlegungen angestellt werden, zeigt, dass die wichtigen Finanzinstitutionen die Möglichkeit eines Crashs offenbar doch sehr realistisch betrachten und sich darauf vorbereiten.

Für die Sparer bedeutet dies die Notwendigkeit von erhöhter Wachsamkeit. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Maßnahmen über Nacht umgesetzt werden. Aber der Trend einer Besteuerung und Reduktion des Bargelds scheint unaufhaltsam zu sein. Die Möglichkeiten der Sparer und Anleger bestehen nun einerseits in einer größeren Diversifizierung, welche vor allem darauf achten sollte, keine großen Summen in einer Vermögensklasse investiert zu halten.

Dies mag für viele Sparer zwar dazu führen, dass die Verfügbarkeit der Vermögen beschränkt wird, könnte aber bei wirklich radikalen Maßnahmen eine gewisse Flexibilität beim Prozess der Schadensminimierung herstellen. Zugleich empfiehlt sich die genaue Beobachtung der weltweiten Währungsmärkte, weil nicht zu erwarten ist, dass alle Staaten gleichzeitig zur finanziellen Repression übergehen werden. Die rechtzeitige Kenntnis von Ausweichmöglichkeiten, etwa im Devisen-, Edelmetall- oder Rohstoffbereich, scheint dringender denn je.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/02/zentralbanken-diskutieren-bargeld-verbot-um-globale-bank-flucht-zu-stoppen/

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25.04.2015

Abschaffung von Bargeld: Nur noch Fünf-Euro-Scheine für die Kunden?

Die Diskussion um die Abschaffung von Bargeld gewinnt an Fahrt. Die Finanzbranche sondiert Wege, um den Bank-Kunden den Fluchtweg gegen Strafzinsen für Sparguthaben abzuschneiden. Der neueste Vorschlag: Es sollen künftig nur noch 5-Dollar (Euro)-Scheine ausgegeben werden, um den Zahlungsverkehr bei kleinen Einkäufen zu erleichtern.

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Weil mit Bargeld die Negativ-Zinsen umgangen werden können, mehren sich die Stimmen für die Abschaffung von Cash. Bei Straf-Zinsen sei es nur logisch, dass Bank-Kunden ihre Einlagen abziehen. Dies müsse mit dem Verbot verhindert werden.

Der jüngste Vorschlag kommt von Willem Buiter, dem Chefökonom der Citigroup. Denn er ist der Auffassung, dass in schwachen Konjunkturphasen die Notenbanken die Zinsen immer weiter senken würden, berichtet Bloomberg. Unter die Null-Grenze könnten die Zinsen hingegen kaum gedrückt werden, da die Anleger in Bargeld ausweichen würden. Bargeld bietet den Anlegern den letzten möglichen Weg, um Negativ-Zinsen zu umgehen,. ohne in hochriskante Investments gezwungen zu werden. Dies könnte mit dem Verbot verhindert werden.

Buiter sieht drei Möglichkeiten: Bargeld könnte grundsätzlich verboten werden, der Staat könnte Steuern auf Bargeld erheben, der fixe Wechselkurs zwischen Zentralbanken und Währungen könnte aufgehoben werden.

Buiter bringt eine interessante Variante ins Gespräch: Weil vor allem ältere Menschen und Arme Bargeld verwenden und bei kleinen Alltags-Transaktionen nicht immer eine elektronische Zahlungsform möglich sei, sollte das Bargeld nicht völlig abgeschafft werden: Die Bürger sollten noch kleine Scheine bekommen, es sollten maximal 5-Dollar-Noten ausgegeben werden. In Europa würden die Bank-Kunden demnach nur noch 5-Euro-Scheine erhalten, um den Cash-Alltag zu gestalten. Größere Scheine würden gestrichen. Erst vor kurzem hatten Schweizer Pensionsfonds damit begonnen, ihre Auszahlungen bar abzuheben und in Tresoren zu lagern. Dies würde unmöglich, sollte sich die von Buiter vorgeschlagene Methode durchsetzen.

Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff schlug schon vor geraumer Zeit die vollständige Abschaffung von Bargeld vor. „Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln“, sagte er bei einer Vorlesung in München. „Außerdem könnten Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft werden“, fügte er hinzu. „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken. Seine Beseitigung wäre seine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem“. Außerdem wären die Bürger dann gezwungen, jeden Cent den Finanzbehörden zu melden.

Der Chef-Analyst der Baader Bank, Robert Halver, sieht als Folge der Einführung von Negativ-Zinsen die Abschaffung von Bargeld in zahlreichen europäischen Staaten. „Wenn Bargeld abgeschafft wird, kann sich auch niemand mehr gegen Negativ-Zinsen wehren“, sagte Halver den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Furcht der Regierenden vor einem Bank-Run sei groß.

In Österreich hat eine Studie von Wissenschaftler der Wirtschafts-Universität Wien berechnet, dass Karten- statt Bargeldzahlungen die Volkswirtschaft um hunderte Millionen Euro entlasten könnten. Die Studie haben die Forscher im Auftrag der Bankomatkarten-Betreiberin Payment Services Austria erstellt.

Die Presse zitiert WU-Professor Guido Schäfer: „Eine Bargeldzahlung kostet pro Euro Umsatz im Schnitt 2,6 Cent, eine Kartenzahlung hingegen 0,8 Cent. Im Schnitt werden pro Barzahlung 15 Euro ausgegeben – was volkswirtschaftlich gesehen 40 Cent kostet“. Schäfers Kollege Hanns Abele geht von jährlichen Einsparungen – wenn ständig mit Karten bezahlt wird – von 150 bis 300 Millionen Euro aus.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/23/abschaffung-von-bargeld-nur-noch-fuenf-euro-scheine-fuer-die-kunden/

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31.03.2015

Schuldenkrise: Baader-Bank erwartet Abschaffung des Bargelds in Europa

Der Chef-Analyst der Baader Bank, Robert Halver, sieht als Folge der Einführung von Negativ-Zinsen die Abschaffung von Bargeld in zahlreichen europäischen Staaten. „Wenn Bargeld abgeschafft wird, kann sich auch niemand mehr gegen Negativ-Zinsen wehren, so Halver. Die Furcht der Regierenden vor einem Bank-Run ist groß.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Neulich hat eine Bank in der Schweiz den Pensionskassen die Auszahlung ihrer Gelder in bar verweigert. Dürfen die Banken das?

Robert Halver: Die schweizerischen Banken können den Pensionskassen ihre Gelder nicht in bar auszahlen. Das gilt auch für anderen Länder. Denn nur ein geringer Teil der Einlagen werden bei den Banken in bar gehalten. Zudem würden die Banken einen Präzedenzfall schaffen, dem andere Kunden folgen würden. Das würde aufgrund der Negativ-Zinsen einen regelrechten Bank-Run auslösen. Dann wären die Banken schlichtweg bankrott.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was bedeutet der Zusammenhang zwischen Negativ-Zinsen und Bargeld für die Bürger?

Robert Halver: Die Einführung von Negativ-Zinsen ist ein genereller Trend, von dem wahrscheinlich auch anderen Staaten in Europa betroffen sein werden. Ich gehe davon aus, dass es bei diesem Prozess zwei Phasen geben wird. Zunächst wird es zu einer Begrenzung des Bargeld-Haltens und anschließend zur Abschaffung des Bargelds kommen – vielleicht nicht in den nächsten Jahren, aber langfristig gesehen schon. Natürlich wird das der Öffentlichkeit dann anders verkauft. Die Abschaffung wird dann auf beispielsweise den ausufernden internationalen Drogenhandel oder die Schwarzarbeit zurückgeführt. Die Logik dahinter ist: Wenn Bargeld abgeschafft wird, kann sich auch niemand mehr gegen Negativ-Zinsen und auch gegen eine weitere Erhöhung der Negativ-Zinsen wehren.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Folgen entstehen für die Konjunktur?

Robert Halver: Als Folge davon werden die Bürger ihr Geld ausgeben. Das wiederum wird die Konjunktur massiv beleben. Dann bedarf es auch keiner anderen Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/01/schuldenkrise-baader-bank-erwartet-abschaffung-des-bargelds-in-europa/

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27.03.2015

USA: Werden Bargeldabhebungen zu einer Straftat?

Langsam scheint es global zu einem „Krieg“ gegen das Bargeld zu kommen. Vor allem größere Barabhebungen gelten als Indiz für kriminelle Machenschaften. In den USA sollen Bankangestellte nun die Polizei rufen, wenn jemand mehr als 5.000 Dollar in bar abhebt. Von Marco Maier

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Es gibt immer noch viele Menschen, die sich – zurecht – gegen die finanzielle Totalüberwachung durch Überweisungen, Kreditkartentransaktionen und bargeldlose Kartenzahlung sträuben. Zu leicht wird es dadurch, Profile von Menschen zu erstellen und diese gegebenenfalls auch gegen einen zu verwenden. Dennoch geht das System deutlich in die Richtung Abschaffung des Bargelds.

So führte der Investor und Finanz-Blogger Simon Black vergangene Woche aus:

„Ein hoher Offizieller des Justizministeriums hat vor einer Gruppe von Bankern über die Notwendigkeit gesprochen, dass sie ihre Kunden an die Polizei verpfeifen“. Der stellvertretende Staatsanwalt Leslie Caldwell hat eine Rede gehalten, in der er die Banken dazu drängte, die „Strafverfolgungsbehörden auf das Problem aufmerksam zu machen“, damit die Polizei „die Geldmittel beschlagnahmen“, oder zumindest eine „Ermittlung einleiten“ kann.

Grund dafür ist eine Richtlinie im Handbuch des „Federal Financial Institution Examination Council“, in dem „Transaktionen die von, bei oder durch die Bank (oder einen Partner) durchgeführt oder versucht werden und 5.000 Dollar oder mehr umfassen“ als „verdächtige Aktivität“ betrachtet werden. So wird von den Banken bereits gefordert, dass sie „Suspicious Activity Reports“ (Verdächtige Aktivitäten Reporte) abgeben. Bei Nichtbeachtung drohen den Bankdirektoren Strafzahlungen und gar Gefängnisstrafen.

Faktisch heißt das, dass beispielsweise der Privatkauf eines Autos via Bargeld schon als „kriminelle Aktivität“ gelten kann. Zumindest ist dies für die Behörden schon sehr verdächtig. Macht man das ab und an, könnte man dadurch sogar auf einer schwarzen Liste von „Terrorverdächtigen“ landen. So krank und paranoid ist das System schon.

Doch wenn man den Leuten immer wieder einbläut, dass Barzahlungen „kriminell“ wären (wozu dann überhaupt noch Banknoten drucken?), glauben sie es irgendwann. Und jeder der an der Tankstelle oder am Zugschalter mit Scheinchen zahlt, kommt in eine Verdächtigen-Kartei. So weit wird es mit dieser Politik noch kommen.

http://www.contra-magazin.com/2015/03/usa-werden-bargeldabhebungen-zu-einer-straftat/

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24.03.2015

Frankreich schränkt Verwendung von Bargeld drastisch ein

Frankreich setzt einen Meilenstein in der Verwendung von Bargeld und verschärft die Kontrolle von Bargeld-Zahlungen drastisch. Auch der Gold-Verkauf ist betroffen.

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Der französische Finanzminister Michel Sapin hat eine drastische Verschärfung für die Verwendung von Bargeld in Frankreich bekanntgegeben. Wie die Zeitung Le Parisien berichtet, sollen die Bürger ab September 2015 streng überwacht werden, wenn sie Zahlungen in Bargeld vornehmen.

Das Limit für Barzahlungen wird von 3.000 Euro auf 1.000 Euro gesenkt.

Touristen dürfen nur noch bis 10.000 Euro in bar bezahlen, bisher waren es 15.000 Euro.

Wenn ein Franzose Geld in eine andere Währung wechseln will, darf er das nur noch bis 1.000 Euro ohne Ausweis tun. Bisher konnten Franzosen für 8.000 Euro Fremdwährungen kaufen.

Wenn ein Bank-Kunde mehr als 10.000 Euro in einem Monat von seinem Konto abhebt, muss die Bank diese Transaktion der Geldwäsche-Behörde Tracfin melden.

Die Banken müssen die Behörden über alle Fracht-Transfers innerhalb der EU informieren, die 10.000 Euro übersteigen. Von dieser Regelung sind Schecks, Pre-Paid-Karten und sogar Gold betroffen.

Auch die Kontrolle über Krypto-Währungen wie Bitcoin soll drastisch verschärft werden.

Der offizielle Grund für diese Maßnahmen ist der “Kampf gegen den Terror”. Tatsächlich handelt es sich bei der Maßnahme um eine neue Form der finanziellen Repression. Noch ist unklar, ob auch andere Euro-Staaten dem Pariser Beispiel folgen und den Bürgern auch in anderen Staaten die freie, private Verwendung ihres Geldes beschränken.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/24/frankreich-schraenkt-verwendung-von-bargeld-drastisch-ein/

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11.12.2014

Ohne Bargeld verlieren wir jede persönliche Freiheit

Erst peinigen sie uns mit Negativzinsen. Dann wollen sie Bargeld durch Plastikkarten ersetzen. Das Lieblingsargument vieler Politiker und Banker: Bargeld sei „Blut in den Adern der Kriminalität“. Doch ohne frei verfügbare Geldscheine verlieren wir jede persönliche Freiheit.

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Die großen Ungeheuerlichkeiten der Weltgeschichte beginnen immer gleich: Erst denken die Anstifter laut nach, lassen sich kurz beschimpfen, schütteln sich und wiederholen danach ihre Attacken ebenso hartnäckig wie ungerührt. So lange, bis sie die Öffentlichkeit an das ehemalige Tabuthema gewöhnt haben.

Nach genau diesem Muster läuft gerade die Debatte rund um das Thema „Abschaffung des Bargeldes“. Den Anfang machten schwedische Politiker, Gewerkschafter und Banker: „Nur alte Leute und Bankräuber wollen heute noch Bargeld“, behaupteten sie. Und der Stockholmer Polizeipräsident verteufelte Bargeld als „das Blut in den Adern der Kriminalität“. Es ist nicht nur Zufall, dass einer der größten aktuellen Bargeld-Gegner der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers ist.

Sind wir alle Rauschgiftschmuggler?!

Die Bargeld-Abschaffer zitieren immer wieder das Beispiel des mexikanischen Drogenbosses Joaquin Guzman, der 200 Millionen Dollar in 100-Dollar-Noten hortete, als ihn die Polizei schnappte. Deshalb lautet ihr vordergründiges Argument: Rauschgiftschmuggler, Waffenhändler und Steuerhinterzieher bezahlen bar, damit sie keine Spuren hinterlassen – deshalb müsse man ihnen diese Möglichkeit nehmen.

Doch nicht nur den Kriminellen. Sondern am besten gleich auch noch dem Rest der Menschheit. Denn wir alle verhindern mit unserem Bargeld den großen Masterplan von Politik und Finanzindustrie: Nur dank des Bargeldes haben sie uns noch nicht komplett in der Hand – wissen noch nicht, was wir kaufen, wann wir verreisen und wo wir unsere Ersparnisse parken.

Das wollen sie ändern. Mit einer perfiden Doppelstrategie – Negativzinsen und Bargeldentzug. Und so beschloss die Europäische Zentralbank vor kurzem Negativzinsen, nur wenig später verlangten die ersten Banken Strafzinsen, wenn man bei ihnen Geld anlegt. Noch können Sparer dem ausweichen. Sie heben ihr Geld ab und bewahren es zuhause oder sonstwo auf.  

Ohne Bargeld landet das Vermögen unweigerlich auf der Bank

Doch ohne Bargeld funktioniert das nicht mehr. Ökonomieprofessor Frank Riedel beschrieb kürzlich in der FAZ, was passiert, wenn Politik und Finanzindustrie alles Geld kontrollieren würden: „Nur auf Konten darf Geld gelagert werden und dort erzwingen Staat und Banken negative Zinsen.“ Die Politik, so Riedel, brauche diese „negativen Zinsen, damit die Haushalte nicht mehr sparen sondern konsumieren. Der erzwungene Konsum befeuert die Wirtschaft und erzeugt Wachstum.“

Zwang, Enteignung, Bevormundung – nur noch in diesen Kategorien scheinen Politiker denken zu können. Ganz anders der frühere Bundesbank-Volkswirt Otmar Issing. Er nannte Bargeld „geprägte Freiheit“. Und hat damit völlig Recht: Nur dank Bargeld können wir unsere Geschäfte frei abwickeln – ohne aufdringliche Finanzkonzerne. Und vor allem ohne den Staat, der nur zu gern unser Geld für uns verwalten würde.

Bald gibt es Taschengeld aus Berlin

Denn ohne Bargeld könnte der Staat auch gleich die Arbeitgeber dazu nötigen, unser komplettes Gehalt an ihn zu überweisen. Die Regierung würde dann die Steuern einbehalten, unsere Arztrechnungen bezahlen und uns vielleicht noch ein kleines Taschengeld zukommen lassen. Selbstverständlich nicht in bar, sondern in Form von Gutscheinen für all die schönen staatlichen Zwangsdienstleistungen, die wir erwerben müssen.

http://www.focus.de/finanzen/doenchkolumne/plastikkarten-statt-scheine-jetzt-nehmen-sie-uns-auch-noch-das-bargeld_id_4334931.html

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28.11.2014

Schweizer Nationalrat kippt Verbot von Zahlungen mit Bargeld

Der Schweizer Nationalrat hat überraschend ein geplantes Bargeld-Verbot für Käufe über 100.000 Franken gestoppt. Das Verbot hätte zur Bekämpfung der Geldwäsche eingeführt werden sollen. Nun können die Schweizer weiter in unbegrenzter Höhe bar bezahlen. Das Land riskiert damit jedoch, auf eine Schwarze Liste gesetzt zu werden.

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Äußerst knapp ist in der Schweiz ein Bargeld-Verbot verhindert worden. Mit dem Stimmenverhältnis von 94:90 hat der Nationalrat jegliche Regeln zur Bekämpfung von Geldwäscherei mit Bargeld abgelehnt.

Zuvor war überlegt worden, Barkäufe über 100.000 Franken zu verbieten. Dazu hätte das Gelwäschereigesetz einer Revision bedurft.

Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Als Konsequenz dürfte die Schweiz nun Schwierigkeiten mit der internationalen Ländergruppe Groupe d’action financière (Gafi) bekommen. Da die bestehenden Regeln nicht umgesetzt werden, droht 2015 eine Platzierung auf der Schwarzen Liste jener Länder, die die internationalen Regeln zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung nicht einhalten.

Dort ist folgendes Procedere festgelegt: „Die Händler müssten die Vertragspartei und die wirtschaftlich berechtigte Person identifizieren und dies dokumentieren. Wenn das Geschäft ungewöhnlich erscheint oder wenn Anhaltspunkte vorliegen, dass das Geld aus einem Verbrechen oder aus Steuerbetrug stammt, müssten sie die Hintergründe abklären. Erhärtet sich der Verdacht, wäre unverzüglich die Geldwäscherei-Meldestelle zu benachrichtigen“, berichtet der Tagesanzeiger.

Der Verkäufer müsste so zum Detektiv werden. Vor allem bei Schmuck und Uhren werden Beträge über 100.000 Franken häufig bar bezahlt, so der Tagesanzeiger.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/28/schweizer-nationalrat-kippt-verbot-von-bargeld-kaeufen/

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19.11.2014

US-Ökonom: Zentralbanken sollen Bargeld abschaffen

Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff schlägt die vollständige Abschaffung von Bargeld vor. So könnten die Zentralbanken Negativ-Zinsen problemlos durchsetzen. Außerdem wären die Bürger dann gezwungen, jeden Cent den Finanzbehörden zu melden. Wegen der Schuldenkrise sind die Regierungen in aller Welt auf der Suche nach Refinanzierungs-Möglichkeiten.

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Der US-Ökonom Kenneth Rogoff von der Universität Harvard hat sich für die Abschaffung von Papiergeld ausgesprochen. „Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln“, sagte er am Dienstagabend bei einer Vorlesung in München. „Außerdem könnten Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft werden“, fügte er hinzu. „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken. Seine Beseitigung wäre seine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.“ Die US-Notenbank habe erwogen, zum Höhepunkt der Finanzkrise zeitweise Negativzinsen von vier oder fünf Prozent einzuführen, um zu verhindern, dass die Menschen das zusätzliche Geld horten, das sie in Umlauf brachte.

Viel Geld werde für nicht deklarierte Geschäfte ausgegeben. Die US-Zentralbank habe etwa 4.000 Dollar Papiergeld pro US-Bürger ausgegeben und die EZB 4.000 Euro pro Bürger der Eurozone. Doch der Durchschnittsbürger habe weniger als 100 Dollar oder 100 Euro in seiner Brieftasche. Der Rest liege vermutlich in schwarzen Depots. „Zum Beispiel bei Drogenbaronen. Kürzlich sind bei einer Razzia in Mexiko 250 Millionen US-Dollar gefunden worden. So etwas ließe sich ohne Papiergeld vermeiden“, sagte Rogoff.

In Deutschland hat die Skatbank als erste Bank Negativzinsen offiziell eingeführt, allerdings zunächst nur auf größere Vermögen. Sparkassen und Volksbanken haben eine solche Maßnahme als allgemeine Politik ihrer Institute ausgeschlossen. Die Bundesbank hatte erklärt, es gäbe kein Recht auf Zinsen für Sparguthaben.

Rogoff hielt seine Vorlesung, weil er zum „Distinguished CES Fellow“ der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgezeichnet wurde. Sein bekanntestes Werk ist “This Time is Different: Eight Centuries of Financial Folly”. Mehrere frühere „Distinguished CES Fellows“ haben später den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten, so in diesem Jahr der Franzose Jean Tirole. CES ist ein eng mit dem ifo Institut verbundenes Institut der volkwirtschaftlichen Fakultät der Ludwigs-Maximilians Universität, das von Prof. Hans-Werner Sinn geleitet wird.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/19/us-oekonom-zentralbanken-sollen-bargeld-abschaffen/

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14.11.2014

Ein Bargeld-Verbot rückt näher

Bargeld ist gedruckte Freiheit. Doch diese Freiheit wird immer mehr eingeschränkt. Große Scheine werden heute kaum noch akzeptiert und in der Euro-Zone gibt es schon jetzt strikte Restriktionen in Sachen Barzahlung. In Schweden fordern Gewerkschaften, Unternehmen und Behörden gar ein komplettes Bargeldverbot. Von Frank Schäffler

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Bargeld ist gedruckte Freiheit. Als ich im Frühjahr auf Zypern war wurde mir dies schnell klar. Denn seit der „Rettung“ des Euro auf Zypern im Frühjahr 2013 – einer halben Insel mit 800.000 Einwohnern, deren größte Bank kleiner ist, als die Hamburger Sparkasse – gelten dort strenge Kapitalverkehrskontrollen.

Maximal 200 Euro konnte man pro Tag vom Geldautomaten abheben. Größere Anschaffungen sind dann schwierig. Wollte ein Unternehmen seinen Mitarbeitern das Gehalt am Ende des Monats überweisen, musste dies von der Notenbank auf Zypern genehmigt werden. Die Einschränkung des Bargeldverkehrs trifft die Zyprioten unmittelbar im täglichen Leben, egal ob man arm oder reich ist. Wie in der sozialistischen Planwirtschaft geht es im Geldsozialismus auf Zypern allen gleich schlecht.

Aber nicht nur dort auch in anderen Ländern wird der Bargeldverkehr eingeschränkt. In Griechenland gilt ein Verbot von Bargeldzahlungen über 1.500 Euro für Privatpersonen und 3.000 Euro für Unternehmen. In Italien und Frankreich gelten Obergrenzen von 1.000 Euro, in Spanien von 2.500 Euro und in Schweden fordern Gewerkschaften, Unternehmen und Behörden ein komplettes Bargeldverbot. Und auch in Deutschland ist der Bargeldverkehr limitiert. Nicht so restriktiv wie in anderen Ländern, aber die Tendenz ist die gleiche. Viele Geschäfte und Tankstellen akzeptieren heute keine 200 oder 500 Euro-Scheine. Wenn Sie Geld vom Geldautomaten abholen erhalten Sie in der Regel nur noch 50 Euro-Scheine.

Das war nicht immer so. In meiner auch schon lange zurückliegenden Jugend war es nicht ungewöhnlich, dass größere Anschaffungen wie eine Stereoanlage, ein neuer Fernseher oder eine Urlaubsreise bar bezahlt wurden. Es war auch nicht unschicklich mit einem 500- oder 1.000 DM-Schein zu bezahlen. Versuchen Sie heute mal mit einem 200- oder 500 Euro-Schein im Laden einzukaufen. Ungläubiges Staunen des Verkäufers ist das Mindeste was Ihnen passieren kann. Tatsächlich werden Sie wahrscheinlich behandelt wie ein Verbrecher. Bei diesem Geld kann es sich nur um „Schwarzgeld“ handeln oder aus anderen illegalen Quellen stammen! Wieso sollte jemand denn sonst mit einem so großen Geldschein bezahlen wollen? Die Unschuldsvermutung wird in eine moraline Beweislastumkehr verwandelt. Der Barzahler muss nachweisen, dass er sein Geld legal erworben und versteuert hat. Und das nicht nur national, sondern inzwischen international. Ende Oktober haben 50 Länder auf dieser Welt in Berlin den automatischen Daten- und Informationsaustausch von uns allen beschlossen.

Natürlich nur, um den Steuerbetrug, den Schwarzmarkt und die Geldwäsche zu bekämpfen. Alle müssen einem höheren Ziel folgen, koste es was es wolle – im Zweifel die Freiheit von uns allen. Wohin das führt beschreibt die amerikanische Autorin Ayn Rand in Ihrem Buch „Hymne“ sehr treffend:

Wir sind nichts. Die Menschheit ist alles. Durch die Gnade unserer Brüder dürfen wir leben. Wir existieren durch und für unsere Brüder, die der Staat sind. Amen.“

www.frank-schaeffler.de

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/26957-ein-bargeld-verbot

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09.08.2014

Girokonto für Jedermann“ wird umgesetzt

Die EU formulierte im Frühjahr eine Art Grundrecht auf ein eigenes Girokonto. Verbraucherminister Maas will die Vorgaben nun umsetzen. Die Opposition mahnt, nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen.

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Bundesverbraucherminister Heiko Maas will die EU-Richtlinie zum „Girokonto für Jedermann“ zügig umsetzen. Der geforderte Rechtsanspruch auf ein Konto auf Guthabenbasis werde verankert, kündigte der SPD-Politiker in der „Rheinischen Post“ (Samstag) an. „Wir brauchen das „Girokonto für Jedermann“. Jeder sollte das Recht auf ein Basiskonto haben“, sagte Maas. Im Berufs- und im Wirtschaftsleben komme fast niemand mehr ohne eines aus.

Dennoch hätten in Deutschland rund 670.000 Menschen kein eigenes Girokonto – darunter Obdachlose, Saisonarbeiter, freie Dienstleister oder Gaststudenten. Das EU-Parlament hatte im April einem Rechtsanspruch jedes Bürgers – auch ohne festen Wohnsitz – auf ein Konto zugestimmt. Das Gesetz muss bis spätestens 2016 in den einzelnen EU-Mitgliedsländern national umgesetzt werden.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, mahnte ein rasches Handeln an: „Maas muss die EU-Vorgabe zügig umsetzen und nicht nur ankündigen.“ Das neue „Girokonto für Jedermann“ dürfe zudem nicht durch überhöhte Gebühren oder eingeschränkte Funktionen zu neuen Diskriminierungen führen.

Maas hatte in der Zeitung auch seine Ansicht bekräftigt, dass Banken solchen Kunden, die länger teure Dispokredite nutzen müssen, künftig verpflichtende Beratungsgespräche anbieten sollen. So könne etwa die Umwandlung in Ratenkredite empfohlen werden. Union und SPD hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Institute verpflichtet werden sollen, Kunden mit einem überzogenen Konto zu warnen und ihnen bei längerer Inanspruchnahme günstigere Alternativen anzubieten. Mass dringt auch darauf, dass die Dispozinsen verschiedener Banken im Internet besser verglichen werden können.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/verbraucherminister-maas-girokonto-fuer-jedermann-wird-umgesetzt-13089457.html

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21.05.2014

Carl-Ludwig Thiele: „Bargeld ist Schwerstarbeit“

Im Bargeldbereich ist vieles operative, manuelle und mitunter körperlich anstrengende Arbeit, so Bundesbank-Vorstand Thiele. Jedes Jahr werden etwa 15.000 Tonnen Geldscheine bewegt. Rein rechnerisch bearbeitet jeder Filialbeschäftigte somit mehr als 20.000 Banknoten pro Tag.

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Die Bundesbank hat fünf Kerngeschäftsfelder – Geldpolitik, Bankenaufsicht, Finanz- und Währungssystem, barer und unbarer Zahlungsverkehr – und darüber hinaus noch viele weitere Arbeitsgebiete. In einigen dieser Tätigkeitsfelder bestehen die Aufgaben der Mitarbeiter fast ausschließlich darin, auf hohem wissenschaftlichem Niveau zu forschen und zu analysieren, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und Entscheidungsträger bestmöglich vorzubereiten.

Im Bargeldbereich hingegen ist vieles von dem, was wir tun, operative, manuelle und mitunter körperlich anstrengende Arbeit. Man kann hier den Vergleich zum Maschinenraum eines Schiffes ziehen, den ich Ihnen mit einigen Zahlen illustrieren möchte. Betrachten wir zuerst die Beschäftigten als wichtigsten Produktionsfaktor. Während in der Zentrale der Bundesbank die hochqualifizierten und wissenschaftlichen Tätigkeiten dominieren, liegt der Schwerpunkt in den Filialen mit circa 77 Prozent des Personals eher auf den operativen Arbeitsgebieten. Wie äußert sich das im Arbeitsalltag? Nun, Banknoten, Münzen oder auch Goldbarren sind im Gegensatz zu beispielsweise geldpolitischen Analysen physische Produkte, die transportiert, gezählt, bearbeitet und überwacht werden müssen. Allein für die abzuwickeln- den Bargeldtransporte – national oder grenzüberschreitend – verfügt die Bundesbank über einige Dutzend Fahrzeuge, mit denen jährlich 1,3 Millionen Kilometer zurückgelegt werden.

Was die Bearbeitung betrifft, so arbeiten wir bankweit mit 141 Banknotenbearbeitungsmaschinen, mit denen wir jährlich fast 15 Milliarden Banknoten auf Echtheit und Umlauffähigkeit überprüfen. Das bedeutet, dass wir im Jahr annähernd 15.000 Tonnen Geldscheine bewegen. Rein rechnerisch bearbeitet jeder Filialbeschäftigte somit mehr als 20.000 Banknoten pro Tag. Zum Vergleich: vor mehr als 20 Jahren wurde mit dreimal so vielen Maschinen weniger als die Hälfte des aktuellen Volumens bearbeitet. In der Zwischenzeit haben wir den Maschinenpark durch leistungsfähigere Multistückelungsgeräte ersetzt.

Die nicht mehr umlauffähigen Banknoten werden schließlich geschreddert. Hinsichtlich der Schredderquoten von Banknoten müssen wir immer aufs Neue die Balance finden zwischen den Zielen eines qualitativ sehr hochwertigen Banknotenumlaufs – was für hohe Schredderraten spricht – und eines wirtschaftlichen Bargeldumlaufs – was für niedrigere Schredderraten spricht. Jede Banknote, die geschreddert wird, obwohl sie noch umlauffähig bzw. fit ist, belastet letztlich den Steuerzahler. Sie muss neu beschafft werden. Unsere Fachleute arbeiten vor diesem Hintergrund permanent daran, die Maschinen optimal zu justieren. Außerdem entwickeln sie zusammen mit den Herstellern der Banknotenbearbeitungsmaschinen die Sensortechnik weiter.

Ziel ist es, dass die Maschinen sämtliche nicht mehr umlauffähigen Banknoten zuverlässig schreddern. Manchmal kommt es aber gerade bei sehr ungewöhnlich verschmutzten oder stark beschädigten Noten vor, dass die Maschinen die Annahme quasi verweigern. Über manche Banknoten kann man zuweilen nur schmunzeln: von Liebeserklärungen bis hin zu aufwändigen Graffitis haben wir schon alles auf Geldscheinen gefunden. Doch letztlich landen sie alle im Schredder. 2013 summierte sich das Gewicht dieser Schnipsel auf 1.000 Tonnen, was fast zwei voll beladenen A 380 Flugzeugen entspricht. Als Dämmmaterial, Brennstoff oder käuflich zu erwerbende Schreddergeldbriketts finden die winzigen Banknotenreste eine neue Verwendung.

Die Aufgaben im Bargeldbereich der Bundesbank sind sehr vielfältiger Natur. Vor allem aber werden Banknoten, Münzen oder Goldbarren hin und her bewegt, bearbeitet, kontrolliert und gelagert. Die Mitarbeiter sind dabei enormen körperlichen Belastungen ausgesetzt – sei es durch Lärm, Schmutz oder anstrengende Aufgaben.

Die Zukunft des Bargelds

Wie steht es nun um die Zukunft des Bargelds? Seit langem wird dem Bargeld der baldige Tod attestiert; es sei altmodisch, ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Diesen Kritikern möchte ich entgegnen, dass der Euro-Bargeldumlauf ungebrochen weiter wächst. Der Banknotenumlauf für das gesamte Eurosystem ist von 806 Milliarden Euro in 2009 um 150 Milliarden Euro auf 956 Milliarden Euro in 2013 gestiegen, also um 18,6 Prozent. Allein im letzten Jahr ist der Umlauf um 43,6 Milliarden Euro bzw. 4,8 Prozent gewachsen. Von diesem Banknotenumlauf wurden von der Bundesbank gut 49 Prozent ausgegeben. Sie versorgt nicht nur den nationalen Zahlungsverkehr mit Geldscheinen und Münzen, sondern leistet einen erheblichen Beitrag für die täglichen Transaktionen am Point of Sale im gesamten Euroraum. Im Wesentlichen fließen diese Banknoten über den Tourismus und die Bargeldtransfers von hier tätigen Arbeitnehmern in andere Länder des Euroraums.

Darüber hinaus spielt die Euro-Bargeldnachfrage aus nicht EWU-Ländern eine erhebliche Rolle. Der Flughafen Frankfurt mit einer Vielzahl von Direktverbindungen in diese Ländern und die seit der D-Mark-Zeit bestehenden Geschäftsbeziehungen der Bundesbank mit internationalen Sortenhändlern führen dazu, dass der Euro insbesondere zur Wertaufbewahrung auch außerhalb des Währungsraums nachgefragt wird.

Neben der Zahlungsmittelfunktion stiftet das Bargeld für die Bevölkerung auch einen Nutzen als Wertaufbewahrungsmittel. Letzteres ist für die Menschen gerade in finanziell unsicheren Zeiten von großer Bedeutung, wie wir während der Lehman-Krise im Jahr 2008 bemerkt haben, als die Nachfrage nach Banknoten sprunghaft anstieg. Und auch die Nutzung von Bargeld als Zahlungsinstrument ist trotz steigender Verwendung von unbaren Zahlungsinstrumenten bemerkenswert hoch. Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland und wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben.

Das Eurosystem gibt nicht zuletzt mit der derzeitigen Einführung der neuen Euro-Banknotenserie ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Bargelds ab. Die neuen Geldscheine ähneln optisch der ersten Serie, die 2002 in Umlauf gegeben wurde. Sie wurden jedoch gestalterisch überarbeitet und weisen einige neue und verbesserte Sicherheitsmerkmale auf. Sie sollen somit noch fälschungssicherer werden, damit Bargeld seine Funktionen auch in Zukunft reibungslos und sicher wahrnehmen kann.

Seit einem Jahr ist die 5-Euro-Banknote als erste Stückelung der neuen Serie im Umlauf. Die Umstellung verlief in Deutschland weitgehend reibungslos. Einige Probleme gab es allerdings bei der Akzeptanz der neuen Scheine an Parkhaus-, Nahverkehrs- und Verkaufsautomaten. Die Automatenwirtschaft führte dies auf eine zu kurze Umstellungsfrist zurück. Das Eurosystem hat bezüglich der 10-Euro-Banknote, die im September 2014 erscheinen wird, reagiert und den Zeitraum zwischen der Vorstellung der Note und der Einführung deutlich verlängert. Ebenso wurden die Test- und Ausleihmodalitäten erleichtert und die Informationspolitik intensiviert. Ich bin daher zuversichtlich, dass die 10-Euro-Banknote im September erfolgreich an den Start gehen kann.

So mancher findet die neuen Geldscheine allerdings so attraktiv, dass er nicht bis September warten kann. Wie Sie der Presse entnehmen konnten, wurden kürzlich in Hamburg einige Hundert 10-Euro-Banknoten der neuen Serie gestohlen, die sich eine Firma zu Testzwecken ausgeliehen hatte. Ein derartiger Diebstahl sollte natürlich unbedingt vermieden werden. Die Tat könnte allerdings in Zukunft als Vorlage für eine herausfordernde Aufgabe in einer Strafrechtsklausur genutzt werden. Ist es Diebstahl oder Hehlerei? Was bedeutet es, wenn die Täter bis zur offiziellen Einführung der Banknoten warten, um dann erst die Beute in Umlauf zu bringen? Sie sehen, ein derartiger Einzelfall wirft juristische Fragen auf.

Insgesamt kann man jedoch konstatieren, dass Bargeld in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft ein begehrtes Zahlungsmittel war, ist und bleiben wird – und das ganz überwiegend für die rechtschaffenen Bürgerinnen und Bürger.

Die zukünftige Ausrichtung des Kerngeschäftsfelds „Bargeld“ in der Bundesbank

Wie steht es nun vor diesem Hintergrund um die Zukunft des Kerngeschäftsfelds „Bargeld“ in der Bundesbank? Die Bundesbank wird auch in Zukunft den Sorgeauftrag für den baren Zahlungsverkehr, der aus § 3 des Bundesbankgesetzes resultiert, durch eine angemessene Einbindung in den deutschen Bargeldkreislauf wahrnehmen. „Angemessen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein jährliches Banknotenbearbeitungsvolumen von 15 Milliarden Stück Banknoten angestrebt wird. Dies entspricht ungefähr der jährlichen Bearbeitungsleistung der vergangenen Jahre. Wie Sie sehen, ist dies ein starkes Signal nach innen und außen, das die Bedeutung dieses Kerngeschäftsfeld betont.

Dieses ausdrückliche Bekenntnis zur Zukunft des Bargelds in der Bundesbank drückt sich auch im Bau der neuen Filiale in Dortmund aus. Damit wird sozusagen ein neuer, moderner, hochleistungsfähiger „Maschinenraum“ geschaffen, in dem das Bargeld noch effizienter bearbeitet werden kann. Dieser wird auf einem 80.000 Quadratmeter großen Areal gebaut und ein geplantes Investitionsvolumen von voraussichtlich deutlich mehr als 200 Millionen Euro aufweisen.

Bei der Konzeption der Bearbeitungsprozesse in der neuen Filiale fließen die Möglichkeiten des technischen Fortschritts hinsichtlich der Automatisierung ein. Wir wollen vor allem die technischen Möglichkeiten nutzen, die sich aus der Größe der neuen Filiale ergeben. So wird die Bank erstmals Hochregallager und fahrerlose Transportsysteme einsetzen. Die Größe des Areals ermöglicht es erstmals, ein Gebäude um die Bargeldprozesse herum zu bauen; das alte Architekturprinzip „form follows function“ kann somit zum Tragen kommen. Bisher mussten wir die Prozesse an eine vorhandene Gebäudestruktur anpassen. Nun können wir optimale Bearbeitungsprozesse entwerfen und verwirklichen. Deswegen kommt dem Geldbearbeitungs- und Logistikkonzept eine besondere Bedeutung zu.

Die neue Filiale ist somit baulich und logistisch eine Filiale ganz neuer Art. Das Ziel besteht nicht nur darin, die Kosteneffizienz zu steigern; durch den Einsatz modernster Technik soll auch die physische Belastung unserer Mitarbeiter gesenkt werden. Nebenbei bemerkt: Im Leistungsangebot für die Bargeldgeschäftspartner wird sich die neue Filiale nicht von den bisherigen Filialen unterscheiden. Was die Öffnungszeiten, die Ein- und Auszahlungsgebinde oder die Belastungs- und Gutschriftskonditionen betrifft, werden auch in Zukunft überall gleiche Rahmenbedingungen gelten.

Nach Inbetriebnahme der neuen Filiale in Dortmund, in der fünf Filialen des Ruhrgebietes aufgehen werden, werden hinsichtlich der derzeit noch andauernden Straffung des Filialnetzes ruhigere Zeiten zu erwarten sein – sofern sich die Welt nicht völlig verändert. Die Bundesbank wird ihr Filialnetz dann auf 31 Standorte reduziert haben. Der Vorstand der Bundesbank hat auf meinen Vorschlag 2011 einstimmig entschieden, dass es für den Sorgeauftrag der Bundesbank nach § 3 Bundesbankgesetz erforderlich ist, ein Filialnetz von 31 Filialen einschließlich der neuen Filiale aufrechtzuerhalten. Mit der Beschlussfassung zur Errichtung der neuen Filiale ist also keine Abkehr von dem Grundsatz der Unterhaltung dieses flächendeckenden Filialnetzes verbunden. Mit der Eröffnung der neuen Filiale wird die Konsolidierung des Filialnetzes abgeschlossen sein.

Die ungebrochen hohe Beliebtheit und Nutzung der Banknoten und Münzen verlangt auf der anderen Seite auch, dass wir wachsende Anstrengungen unternehmen, die Verwendung von Bargeld wissenschaftlich zu analysieren. Die Forschungsergebnisse sollen uns dabei helfen, auch in Zukunft die Anforderungen der Marktteilnehmer an den Barzahlungsverkehr zu erfüllen beziehungsweise diese aktiv mitzugestalten. Daher bauen wir auch unsere „think tank“-Anstrengungen aus. Derzeit läuft die dritte Erhebung zum Zahlungsverhalten in Deutschland, deren Ergebnisse nächstes Jahr publiziert werden sollen. Außerdem veranstalten wir in diesem Jahr die zweite wissenschaftliche Bargeldkonferenz. Der Austausch von Forschern aus vielen Ländern soll dazu beitragen, die Zukunft des Bargelds zu gestalten.

Rede von Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zum 2. Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank am 19. Mai 2014.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/21/carl-ludwig-thiele-bargeld-ist-schwerstarbeit/

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21.04.2014

Schweden: Handflächen-Scan löst Kreditkarte ab

Das einzigartige Muster der Venen in der Handfläche identifiziert den Käufer. Für die alternative Bezahlmethode haben sich bereits mehr als tausend Schweden registriert. Die Methode ist sicherer und schneller als alle bisherigen Methoden, so die Foscher.

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In der schwedischen Stadt Lund können Kunden mittels Handflächen-Scan bereits in 15 Geschäften und Restaurants zahlen. Mehr als 1.600 Schweden haben sich bislang für diese alternative Bezahlmethode registriert. Das einzigartige Muster der Venen in der Handfläche identifiziert den Käufer.

Entwickelt wurde der Handflächen-Scan Forscher an der Universität Lund. „Jedes Venenmuster ist einzigartig.“ Es gebe daher keine Möglichkeit zum Betrug, so Fredrik Leifland, einer der Forscher. Statt einer Kreditkarte müsse in Zukunft nur die Handfläche über einen Scan gezogen werden. Das System sei nicht nur schneller, sondern auch sicherer als die traditionellen Zahlungsmethoden, so Leifland zur schwedischen Zeitung TheLocal.

Die Venen-Scan-Methode existiere bereits seit langem, allerdings nicht als eine Form der Bezahlung. Er selbst sei vor zwei Jahren auf diese Idee gekommen, als er in einer Schlange vor der Kasse warten musste. Die Herausforderung war die Terminals, Banken, Geschäfte und Kunden zu verbinden.

In jedem Restaurant oder Geschäft, dass die Bezahlmethode zulässt, können sich die Kunden registrieren lassen. Dafür wird die Handfläche drei Mal über das Terminal gezogen und die Sozialversicherungs- und Telefonnummer gespeichert. Die Zahlungen werden zwei Mal pro Monat vom Bankkonto abgezogen.

Auch in Nigeria soll ein Finder-Abdruck das Bezahlen ersetzen. Der Zentralbank-Chef sagt, Nigeria bekomme „eines der komfortabelsten und sichersten Finanzsysteme der Welt“ (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/21/schweden-handflaechen-scan-loest-kreditkarte-ab/

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26.01.2014

HSBC muss Bargeld-Limit zurücknehmen

Kunden der britischen Großbank kommen wieder unbegrenzt an ihr Geld, ohne dies der Bank erklären zu müssen. Nach massiven Protesten wurde eine Regelung zurückgenommen, wonach die Kunden bei größeren Abhebungen nachweisen mussten, wozu sie das Geld verwenden wollen.

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HSBC musste nach massiven Protesten ein verhängtes Bargeld-Limit wieder zurücknehmen. Die Großbank hatte von ihren Kunden bei größeren Beträgen einen Nachweis darüber gefordert, was diese mit dem vielen Bargeld machen wollen.

In einer Erklärung verteidigt die Bank das Bargeld-Limit damit, dass sie die Sicherheit ihrer Kunden gewährleisten und Finanz-Verbrechen verhindern wolle. Doch wegen des „Feedback“ der Kunden werde man die Regeln umgehend ändern und das Personal über die Änderungen informieren, so HBSC.

Kunden können nun wieder unbegrenzt Bargeld abheben, ohne das der Bank begründen zu müssen. Die Bank hat sich bei den Kunden entschuldigt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/26/hsbc-muss-bargeld-limit-zuruecknehmen/

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23.01.2014

Finanz-Konzerne wollen Abschaffung des Bargelds beschleunigen

Die Banken treiben die Verbreitung von kontaktlosen Geldkarten voran. Im deutschen Handel gibt es bereits 35.000 Karten-Lesegeräte, 300.000 weitere sind geplant. Die Banken halten die Technologie für „sicher, schnell und kostengünstig“. Die Bürger können sich dem Wandel zum elektronischen Zahlen nicht entziehen.

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Neue kontaktlose Geldkarten sollen in Deutschland Schritt für Schritt das Bargeld ersetzen. Kunden müssen ihre Karten beim Bezahlen dabei nur kurz an ein Lesegerät halten. Nach einem schleppenden Start gewinnt das kontaktlose Bezahlen in Deutschland zunehmend an Akzeptanz, sagen der Kartenanbieter Visa Europe und die Bankenverbände übereinstimmend.

Hauptgrund für den Aufwärtstrend sei, dass die Deutschen in immer mehr Geschäften kontaktlos ihre Rechnung begleichen können, sagte Visa-Deutschland-Geschäftsführer Ottmar Bloching am Mittwoch in einer Starbucks-Filiale in Frankfurt. Dort ist diese schnelle Zahlungsweise bereits möglich.

Wir gewinnen täglich neue Händler hinzu, weil das kontaktlose Bezahlen von Kleinbeträgen für den Handel sicher, schnell und kostengünstig ist“, sagte Bloching.

Laut Visa Europe ist kontaktloses Zahl im Handel in Deutschland mittlerweile an 35.000 Terminals möglich. Neben Starbucks ist dies unter anderem bei Tengelmann, Karstadt, Kaufhof und Aral-Tankstellen möglich. In den nächsten Jahren erwartet Bloching einen weiteren Schub. Dann müssten 200.000 bis 300.000 Lesegeräte ausgetauscht werden. „Wir gehen davon aus, dass die neuen Terminals dann so ausgestattet sind, dass an ihnen kontaktloses Bezahlen möglich ist.“

Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die die Technik in Pilotprojekten getestet haben, ziehen ebenfalls eine positive Zwischenbilanz. „Kontaktloses Bezahlen wird sich als logische technische Weiterentwicklung der Kartentechnik sukzessive am Markt etablieren“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), dem gemeinsamen Sprachrohr der fünf deutschen Bankenverbände.

Das kontaktlose Bezahlen hat sich in Deutschland bisher langsamer als in anderen europäischen Ländern verbreitet. Mittlerweile sei kontaktloses Bezahlen aber auch hierzulande auf dem Vormarsch, so Visa Europe. Der Konzern hat die Zahl der Karten, mit denen kontaktloses Bezahlen möglich ist, in Deutschland 2013 mehr als verdreifacht auf 1,7 Millionen. Zu den Abnehmern zählen unter anderem die Postbank, Comdirect und die DKB.

Visa Europe gehört Banken aus 37 europäischen Ländern, die Visa-Karten ausgeben. Mit dem börsennotierten Kreditkartenkonzern Visa Inc verbindet den Konzern nur ein Lizenzvertrag. In den kommenden Jahren will Visa Europa in Deutschland mit weiteren Neuerungen wachsen.

Seit Ende 2013 bietet der Konzern mit Vodafone eine Technologie an, mit der Bezahlen über das Smartphone möglich ist. Wenn Kunden sich ein Mobiltelefon mit einer entsprechend ausgestatteten SIM-card anschaffen, können sie das Gerät beim Einkauf – wie bisher die Bankkarte – an das Lesegerät halten. In den kommenden Wochen wollen die Unternehmen das Angebot, das es bisher nur in Düsseldorf gibt, auf weitere deutsche Großstädte ausweiten.

Europaweit arbeitet der Kartenanbieter zudem an einem Zahlungssystem für den Online-Handel – und macht damit der Ebay-Tochter PayPal und Google Wallet Konkurrenz. In Deutschland will Visa Europe die digitale Geldbörse „V.me“, die es in Frankreich, Großbritannien, Polen und Spanien gibt, im vierten Quartal 2014 einführen.

Die deutschen Sparkassen wollen bis 2015 alle 45 Millionen SparkassenCards mit der girogo-Funktion ausrüsten, mit der Einkäufe bis 20 Euro kontaktlos bezahlt werden können. Die Technologie soll bundesweit durchgesetzt werden. Geldkarten ohne die girogo-Technologie wird es dann nicht mehr geben (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/23/banken-beschleunigen-ende-des-bargelds/

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14.12.2013

Bargeldverbot ab 100 000 Franken

Trotz breiter Kritik in der Vernehmlassung hält der Bundesrat am Barzahlungsverbot bei Beträgen über 100 000 Franken fest. Die Regierung hat am Freitag die Botschaft zur Umsetzung der Globalstandards gegen Geldwäscherei verabschiedet. Hansueli Schöchli

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Die Hochkonjunktur der Finanzmarktregulierung wird noch länger anhalten. Die Stichworte reichen von Eigenmittel und Liquidität für Banken über Konsumentenschutz und Steuertransparenz bis zur Geldwäschereibekämpfung. Der Bundesrat hat am Freitag seine Botschaft zur Umsetzung der Globalstandards gegen die Geldwäscherei ans Parlament geschickt. Während die Schweiz in Steuerfragen beim Globalen Forum und bei der OECD in der Kritik steht, setzt in Sachen Geldwäscherei der ebenfalls mit der OECD verbundene Groupe d’Action financière (Gafi) faktisch die Weltstandards. In der Geldwäschereibekämpfung ist die Schweiz kein Nachzügler, aber sie ist wie viele andere Länder ebenfalls nicht voll konform mit den Standards.

Banken gegen Inhaberaktie

Zu den langjährigen Kritikpunkten im Gafi gehört die Inhaberaktie. Der Gafi fordert nicht die Abschaffung, aber die Eigentümer müssen bei grösseren Beteiligungen eruierbar sein. Aus der Steuersicht des Globalen Forums muss dies auch für kleine Beteiligungen gelten. Der Bundesrat will die Inhaberaktie leben lassen und die Standards durch Auflagen erfüllen. Demnach müssen Inhaberaktionäre künftig entweder beim Unternehmen registriert sein, eine Meldung an einen Finanzdienstleister machen oder die Titel bei einer Verwahrungsstelle hinterlegen.

Die Bankiervereinigung kritisierte am Freitag den Bundesrat für einmal, dass er zu wenig streng reguliere: «Die Banken sprechen sich grundsätzlich für eine Abschaffung der Inhaberaktien aus, da sich die Schweiz (mit der Inhaberaktie) unnötig internationaler Kritik aussetzt.» Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse sieht dagegen die Inhaberaktie vor allem für mittlere und kleinere Firmen als wichtiges Instrument. Etwa 50 000 Firmen haben Inhaberaktien herausgegeben. Administrative Einfachheit, leichte Handelbarkeit und Anonymität sind oft genannte Vorteile. Politisch war die Abschaffung der Inhaberaktie bisher nicht mehrheitsfähig.

Fraglich ist auch die Mehrheitsfähigkeit des vom Bundesrat vorgeschlagenen Bargeldverbots bei Zahlungen über 100 000 Franken. Der den Schwellenwert übersteigende Betrag muss laut Regierungsvorlage künftig über einen Finanzdienstleister fliessen, welcher dem Geldwäschereigesetz unterstellt ist. In der Vernehmlassung hatten vor allem bürgerliche Parteien und Wirtschaftsverbände die Idee bekämpft, unter anderem, weil ein Verbot unverhältnismässig sei. Die Gafi-Richtlinien fordern kein Verbot, doch grosse Bargeldflüsse gelten aus Sicht der Geldwäschereibekämpfung als Warnsignal. Laut Bundesangaben kam es namentlich im Immobiliensektor bei Barzahlungen zu grösseren Geldwäschereifällen.

In einem anderen Kernpunkt der Vorlage ist der Bundesrat den Kritikern entgegengekommen. Laut Gafi-Richtlinien muss jedes Land «schwere Steuerdelikte» als Vortat zur Geldwäscherei qualifizieren. Die Definition solcher Delikte ist jedem Staat überlassen.

Noch ein Schwellenwert

Der Bundesrat knüpft nun im Gegensatz zu seiner Vernehmlassungsvorlage an die geltende Definition des Steuerbetrugs an (Urkundenfälschung) und verbindet dies mit einem Schwellenwert (mindestens 200 000 Fr. vermiedene Steuern in einer Steuerperiode). Eine Ausdehnung der Definition könnte in der später kommenden Revision des Steuerstrafrechts zur Debatte stehen.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bargeldverbot-ab-100-000-franken-1.18204338

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18.11.2013

Straf-Zinsen für Sparer: Finanz-Eliten wollen Bargeld abschaffen

Die Niedrig-Zins-Politik der Zentralbanken ist gescheitert: Nun kursiert eine neue Idee, wie die Bürger gezwungen werden können, ihr Geld in den Konsum zu stecken: Die Zentral-Banken könnten Negativ-Zinsen einführen. Dies funktioniert nur in einer Gesellschaft ohne Bargeld. Der IWF fordert bereits seit Jahren die Abschaffung des Bargelds. Erste Staaten ergreifen Maßnahmen. In den USA hat nun Obama-Berater Larry Summers die neue Strategie angedeutet.

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Seit Jahren versuchen die Zentralbanken, mit niedrigen Zinsen Wachstum in die immer trägeren Weltmärkte zu bringen.

Das Experiment ist grandios gescheitert.

Larry Summers, enger Berater von US-Präsident Barack Obama, hat nun auf einer vielbeachteten Veranstaltung des IWF erstmals angedeutet, dass es auch weniger als Null geben könnte: Die bisherigen Maßnahmen des Gelddruckens hätten nicht funktioniert, sagte Summers (Video am Ende des Textes).

Summers:

Stellen Sie sich eine Situation vor, in der alle Zinsen deutlich unter Null gefallen sind. Das konventionelle makroökonomische Denken hinterlässt uns mit einem sehr ernsten Problem. Wir können uns zwar alle vorstellen, dass man die Zinsen für Staatsanleihen für immer auf einem sehr niedrigen Niveau halten können. Doch es ist viel schwieriger, außergewöhnliche Maßnahmen für immer zu ergreifen, aber das zugrunde liegende Problem bleibt für immer vorhanden.“

Summers meint damit, dass die Geldvermehrung dauerhaft ihren Zweck verfehlen könnte – nämlich die Erzeugung von Wachstum und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Es geht um unkonventionelle Gedanken.

Im Tagesanzeiger kommt der Blog NMTM zu einem ähnlichen Ergebnis: Wird die Wirtschaft nur noch von den Zentralbanken und ihrer Zinspolitik gesteuert, sind Negativ-Zinsen der logische nächste Schritt.

Der Business Insider hat Summers‘ Gedanken zu Ende gedacht – und kommt damit der Intention auf die Spur.

Das Magazin schreibt:

Die Notenbank kann die Leitzinsen nicht unter Null bringen, weil die Leute dann das Geld horten würden, anstatt es auf die Bank zu bringen.“

Daher sieht der Business Insider als eine Lösung die Abschaffung des Bargelds:

Wir könnten uns in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft entwickeln, in der alles Geld nur noch elektronisch existiert. Dadurch würde es unmöglich, das Geld außerhalb einer Bank zu horten. Die Notenbank könnte dann die Zinssätze unter Null drücken, wodurch die Leute angespornt würden, mehr Geld auszugeben.“

Hier wird konkret, wie die aktuelle Finanzkrise gelöst werden könnte: Mit der vollständigen Abschaffung des Bargelds würde praktisch eine Straf-Steuer für alle Sparer eingeführt. Der IWF hat bereits im Jahr 2004 in einem bemerkenswerten Papier die konkreten Folgen durchgespielt: Unter dem Titel „Geldpolitik, geldpolitische Felder und finanzielle Entwicklungen mit elektronischem Geld“ beschäftigt sich der IWF interessanter Weise ausgerechnet mit dem Zusammenhang von „e-money“ und der Rolle der Zentralbanken: Die Zentralbanken würden durch die flächendeckende Abschaffung des Bargelds nicht überflüssig. Das bedeutet: Das Welt-Finanzsystem würde nicht etwa dezentralisiert, sondern die Kontrolle der Geldflüsse würde effizienter.

2004 war der IWF noch skeptisch und äußerte Zweifel, dass sich die bargeldlose Gesellschaft „sogar auf lange Sicht“ durchsetzen werde. Doch im Prinzip sah der IWF schon damals eine große Chance, das aktuelle Finanz-System durch die Abschaffung des Bargelds zu stabilisieren:

Die Innovationen von Zahlung und Zahlungsabwicklungen können die Geschwindigkeit von finanziellen Transaktionen beschleunigen. Dadurch können sie möglicherweise den Gebrauch von liquiden Mitteln effizienter gestalten, was nur zu begrüßen ist.“

In der Praxis sind die damals eher theoretischen Überlegungen bereits viel fortgeschrittener: Die Times of Israel berichtet von konkreten Planungen der Regierung, das Bargeld dramatisch zu reduzieren: „Der Traum der Regierung von einer bargeldlosen Gesellschaft ist kein Hirngespinst – er ist schon eine Realität und praktisch unausweichlich.“ In Schweden werden sogar die Rentner bereits gezwungen, ihr Bargeld aufzugeben (mehr hier). Die SPD hat alle Deutschen aufgefordert, ihr Geld zur Bank zu bringen (hier).

Eine zentrale Rolle spielt bei dem Vorhaben Google: Mit der neuesten Version von Google Wallet ist es heute schon möglich, dass Arbeiter ihre Löhne über das Mobiltelefon ausbezahlt bekommen. Die großen Telekommunikations-Unternehmen AT&T, T-Mobile und Verizon betreiben mit Isis ein ähnliches Programm.

C-Net berichtet, dass der Milliardär Richard Branson (Virgin) in ein „geheimnisvolles Startup“ namens Clinkle investiert hat, durch welches die Leute Zahlungen von Handy zu Handy erledigen können.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Abschaffung des Bargelds soll durch wissenschaftliche Studien hergestellt werden: Die Tufts Universität hat errechnet, dass die US-Gesellschaft jährlich 200 Milliarden Dollar verliert – durch fehlende Steuereinnahmen und Gebühren von Kreditkarten.

McKinsey hat in einer Studie berechnet, dass jeder Deutsche 200 Euro im Jahr für sein Bargeld bezahlt. Die Steinbeis-Universität will ermitteln haben, dass die deutsche Gesellschaft bei „einer Abkehr von Münzen und Scheinen bis zu 35 Milliarden Euro“ jährlich sparen könnte. Die FAZ, die über diese Untersuchungen berichtet, erklärt, dass Bargeld eigentlich ein Unding sei:

Theoretisch wäre es für alle – Handel, Banken und Privatleute – am günstigsten, wenn es nur noch Kartenzahlung gebe. Möchte man verstehen, warum das so ist, muss man den Bargeldkreislauf verstehen. Dieser ist total widersinnig: Der Kunde holt Geld von der Bank, um damit in einem Geschäft zu bezahlen. Das Geschäft nimmt dieses Geld wieder und lässt es dann aufwändig zur Bank zurück transportieren, die es dann wieder zum Kunden bringt – ein wenig effizienter Kreislauf, der auf allen Ebenen mit Kosten verbunden ist.“

Das mag rein rechnerisch stimmen.

Doch die Betrachtung übersieht den wichtigsten Aspekt von Geld: Geld ist Vertrauen, das wusste schon Goethe.

Und in einem Finanz-Umfeld, in dem täglich neue Betrügereien, Manipulationen und Tricksereien mit dem Geld der Kunden ans Tageslicht kommen, sind die Kunden gut beraten, maximales Misstrauen walten zu lassen.

Der Verhaltensforscher Dan Ariely sagte dem Magazin Wired, dass Bargeldlosigkeit leichter zum Betrug verleitet und geradezu mit Unehrlichkeit in Verbindung gebracht werden kann. Es sei leichter, ethische Grenzen zu überschreiten, wenn das Geld, das man verschiebt, real gar nicht existiert. Der Taschendieb hat also immer noch eher ein schlechtes Gewissen als eine Bank, die hemmungslos mit den Einlagen der Kunden zockt.

Ariely:

Wir befinden uns auf dem Weg in eine Situation, in der es für Leute viel, viel leichter wird, ihre Unehrlichkeit rational zu rechtfertigen.“

Im Zusammenhang mit der vom IWF neulich lancierte Zwangsabgabe zum Abbau der Staatsschulden (mehr dazu hier) ist die beschleunigte Abschaffung von Bargeld der logische nächste Schritt.

Vorausgesetzt, man betrachtet die Zentralbanken als die wichtigsten Regierungen der Welt, erspart die Abschaffung des Bargelds bei gleichzeitiger Einführung von Negativ-Zinsen den Herren des globalen Finanzsystems den mühsamen Umweg über nationalstaatliche Regierungen. Diese müssen die Zwangs-Abgabe eintreiben – ein möglicher Weise mühsames Unterfangen, wie der IWF selbst einräumt.

Die Kombination von Negativ-Zinsen auf Spareinlagen mit der Abschaffung von Bargeld dagegen verschafft dem Finanz-System den direkten Zugriff auf den Sparer: Es hat gar keine Alternativen mehr, als sein Geld entweder schleunigst auszugeben – oder er verliert es über die Negativ-Zinsen.

Mit diesen Überlegungen wird die Bezahlung der global angehäuften Schulden tatsächlich alternativlos für den Bürger. Er muss nicht einmal mehr enteignet werden, um sein Erspartes loszuwerden.

Diese futuristisch klingende Entwicklung ist durchaus real: Durch komplizierte bürokratische Schikanen wie etwa die Umstellung auf SEPA, werden die Unternehmen in die Falle gelockt: Warum die Gehälter noch mühsam überweisen, wenn es mit einer SMS auch geht. Ist diese Art der Überweisung erst einmal Standard, gibt es kein Zurück mehr.

Dave Ramsey, Berater für persönliche Finanzen, schlägt etwas ganz Anderes vor: Damit die Bürger nicht in die Schuldenkrise geraten, sollten sie ihr Geld für die verschiedenen Ausgaben eines Monats in Briefumschläge stecken und von ihrem Budget nur verbrauchen, was in dem Umschlag ist.

Das ist eine gute Idee.

Sie ist nicht nur vernünftig, sondern auch politisch korrekt: Auf diese Weise sichert sich der Einzelne ab, indem er den Banken erhebliche Beträge zum Zocken entzieht.

So wird persönliche Disziplin zu einem Akt des zivilen Ungehorsams.

Das System lebt nämlich von der Nachlässigkeit der Bürger.

An dieser Stelle kann der Einzelne das System ändern.

Mit überschaubarem Aufwand, jedoch ungeheurer Wirkung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/18/straf-zinsen-fuer-sparer-finanz-eliten-wollen-bargeld-abschaffen/

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18.09.2013

Studie

93 Millionen Europäer vom Zahlungsverkehr ausgeschlossen

Kein Geld, kein Bankkonto, keine Kreditkarte – Millionen Menschen in Europa sind vom elektronischen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Überdurchschnittlich häufig trifft es Frauen, so eine aktuelle Studie

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In Europa leben 93 Millionen Menschen ohne oder nur mit stark eingeschränktem Zugang zum modernen Zahlungsverkehr. Dieser „finanzielle Graben“ kann sich auch im sozialen Umfeld der Betroffenen niederschlagen: Wer im Internet Flüge buchen,  beim Online-Versandhändler Kleider bestellen oder im Restaurant Freunde zum Essen einladen will, ist ohne Bankkonto und Kreditkarte aufgeschmissen. Eine Studie von MasterCard wirft nun ein Schlaglicht auf benachteiligte Gesellschaftsgruppen im Zahlungsverkehr.

Besonders dramatisch ist demnach die Situation der „finanziell Ausgeschlossenen“: Sie sind im Schnitt 40 Jahre alt und ihnen fehlt jeglicher Zugang zum Zahlungsverkehr – auch zu Bargeld. 55 Prozent davon sind Frauen, 51 Prozent sind verheiratet. 40 Prozent haben in den letzten drei Monaten keinerlei Einkommen erzielt. Die fehlenden Mittel wirken sich auch auf die Mobilität aus: 81 Prozent haben ihr ganzes Leben im gleichen Land gewohnt.

Ebenfalls schwierig ist die Lage der „finanziell Unterversorgten“: Sie verfügen zwar über Bargeld, haben jedoch keinen Zugang zum elektronischen Zahlungsverkehr. Auch bei ihnen liegen der Altersdurchschnitt bei 40 Jahren und der Frauenanteil bei 55 Prozent. Tendenziell sind in dieser Gruppe mit 37 Prozent weniger Verheiratete vertreten. 36 Prozent haben in den vergangenen drei Monaten Sozialhilfe (oder eine vergleichbare Unterstützung) erhalten, 33 Prozent hatten ein Arbeitseinkommen. Auch von ihnen hat die große Mehrheit (83 Prozent) ihr ganzes Leben im aktuellen Wohnsitzland gelebt.

Bargeld Zahlungsmittel erster Wahl

Nicht über genügend Geld zu verfügen ist für rund ein Viertel in beiden Gruppen der wichtigste Grund dafür, über kein Bankkonto zu verfügen. Andere gaben an, sie bräuchten kein Konto. Mehr als jeder Zehnte gab an, kein Bankkonto führen zu dürfen. Auch Misstrauen gegenüber den Banken kann ein Grund sein, kein Konto zu besitzen, so die Studie.

Praktisch alle Betroffenen zahlen ihre Mieten (98 Prozent) und Einkäufe (95 Prozent) bar. Ihre Bargeldreserven verstecken sie in ihrer Wohnung.

Immerhin zwei Drittel besitzen ein herkömmliches Mobiltelefon, mit dem sie jedoch keine Zahlungen veranlassen können – dafür bräuchten sie ein Smartphone. Ebenfalls zwei Drittel können sich denn auch unter dem Begriff „Mobile Banking“ nichts Genaues vorstellen. Für ein Viertel der Betroffenen ist zudem der Zugang zu Computern stark eingeschränkt.

Auch in Deutschland ein Problem

Die bisher größte Studie zum Thema wurde im Auftrag von MasterCard vom britischen Marktforschungsinstitut Ipsos MORI durchgeführt. Im Juni und Juli 2013 wurden dazu 631 Personen in sechs Ländern (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Spanien, Italien, Polen und Russland) befragt.

Das Armutsrisiko in Deutschland liegt nach Daten des Statistischen Bundesamtes unter dem EU-Durchschnitt.

Trotzdem seien die zentralen Ergebnisse auch auf Deutschland übertragbar, da fehlender Zugang zu elektronischem Zahlungsverkehr auch andere Bevölkerungsschichten treffe und das Risiko von Benachteiligung mit sich bringe, so MasterCard.

http://www.euractiv.de/finanzen-und-wachstum/artikel/93-millionen-europaeer-vom-zahlungsverkehr-ausgeschlossen-008024?newsletter=

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19.05.2013

Bundesbankpräsident gegen neue Euro-Scheine

Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich gegen die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus. Zugleich sieht er keinen Bedarf für die Einführung neuer Euro-Banknoten.

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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnt Überlegungen der EU-Kommission ab, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. „In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten“, sagte Weidmann der „Bild am Sonntag“. „Ich persönlich kann mich dem nur anschließen.“

Die Entscheidung über die Zukunft der Geldstücke liege allerdings nicht bei den Notenbanken, sondern bei den europäischen Finanzministern.

Die EU-Kommission hatte erklärt, über eine Abschaffung der Münzen im Wert von ein und zwei Cent nachzudenken. Die Herstellung und Herausgabe der Münzen seien relativ teuer, zumindest übersteige beides den Wert der Geldstücke, führte die Kommission zur Begründung an.

Keine Chance auf neue Banknoten

Weidmann sieht nach eigenen Angaben zudem keine Chance, Ein- und Zwei-Euro-Scheine einzuführen. Die jüngste Serie von Euro-Banknoten umfasse diese Scheine nicht. Er glaube auch nicht, dass die Menschen sie haben wollten, sagte Weidmann.

Zuletzt war im Euro-Raum eine neue Version des Fünf-Euro-Scheins eingeführt worden. Weidmann bedauerte, dass es dabei Probleme an Geldautomaten gab. Hersteller und Gerätebetreiber hätten rechtzeitig Gelegenheit gehabt, ihre Maschinen zu testen, sagte er. Trotzdem gebe es Schwierigkeiten. „Ich bin aber zuversichtlich, dass die Umstellung in einem überschaubaren Zeitraum abgeschlossen sein wird“, sagte der Bundesbankchef.

http://www.welt.de/wirtschaft/article116330951/Bundesbankpraesident-gegen-neue-Euro-Scheine.html

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14.05.2013

EU-Kommission prüft die Abschaffung von Kleingeld

Die Herstellung und Herausgabe der Ein- und Zwei-Cent-Stücke übersteigt ihren Wert. Daher denkt man in Brüssel über ihre Abschaffung nach. Währungskommissar Rehn stellt vier Szenarien vor.

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Die EU-Kommission erwägt, den Bürgern die Brieftasche zu erleichtern und Münzen im Wert von ein und zwei Cent gänzlich abzuschaffen. Die Ausgabe des Kleinstgeldes habe die 17 Euro-Staaten seit dem Start der Gemeinschaftswährung im Jahr 2002 zusammen etwa 1,4 Milliarden Euro gekostet, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.

Währungskommissar Olli Rehn legte den Euro-Ländern vier Szenarien für eine Vergünstigung oder eine Abschaffung der Cent-Münzen zur weiteren Diskussion vor. Der Kostenaufwand für die Herausgabe des Kleingeldes hat mehrere Gründe. Die Herstellung und Herausgabe der Münzen ist nach Darstellung der Kommission relativ teuer, zumindest übersteige beides den Wert der Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

Zugleich müssten die Zentralbanken ausgerechnet von den Ein- und Zwei-Cent-Stücken besonders viele Münzen herausgeben. Gut jede zweite Eurocent-Münze ist laut Kommission eine Ein- oder Zwei-Cent-Münze. Insgesamt seien in den letzten elf Jahren 45,8 Milliarden solcher Kleinstmünzen in Umlauf gebracht worden.

Andere Materialmischung wäre ein Option

Zwei von der Kommission vorgeschlagene Szenarien sehen vor, die Kosten für die Cent-Münzen zu reduzieren, etwa durch eine andere Materialmischung oder ein effizienteres Prägungsverfahren. Für diese Option spricht aus Sicht der Kommission, dass ein Ende der Ein- und Zwei-Cent-Münzen bei viele Menschen kein Verständnis finden würde. Die Maßnahme könne durch die Menschen als Verteuerung wahrgenommen werden.

Das laut Kommission vernünftigere Szenario sieht die gänzliche Abschaffung vor. Dies solle entweder geschehen, indem innerhalb einer bestimmten Frist möglichst viele Cent-Münzen eingesammelt und sie dann als Zahlungsmittel verboten werden oder, indem einfach keine weiteren Münzen mehr herausgegeben werden.

Dann, so die Kommission, würden die Ein- und Zwei-Cent mit der Zeit automatisch verschwinden. Erstens weil sie keinen praktischen Nutzen mehr hätten und zweitens weil die kleinen Münzen sowieso ständig verloren gingen.

Kanada nimmt Ein-Penny-Münze aus dem Verkehr

Die Europäer wären mit der Einstellung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht alleine. Kanada hat im Februar diesen Jahres die Produktion der Ein-Penny-Münzen eingefroren. Sie werden nicht mehr an Banken verteilt oder in Umlauf gebracht.

Grund sind die teurer gewordenen Herstellungskosten, die mit 1,6 Cent pro Münze höher liegen als der eigentliche Geldwert liegen. Die kanadische Regierung erklärt den Schritt mit den gestiegenen Metallpreisen, Produktionskosten und Löhnen, die die Herstellung des Penny unrentabel machen.

Elf Millionen Dollar werden durch das Aussetzen der Produktion im Jahr eingespart – das käme auch dem Steuerzahler zu Gute, hieß es in der Regierungserklärung aus Ottawa.

http://www.welt.de/finanzen/article116179590/EU-Kommission-prueft-die-Abschaffung-von-Kleingeld.html

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25.04.2013

EZB denkt über 500-Euro-Schein-Abschaffung nach

Rechnerisch hat jeder mindestens einen davon: Der 500-Euro-Schein. Weil er im täglichen Leben kaum auftaucht, ihn aber immer wieder Betrüger nutzen, erwägt die EZB nun, ihn aus dem Verkehr zu ziehen.

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Die Europäischen Zentralbank (EZB) denkt über die Zukunft des 500-Euro-Scheins nach. „Das ist sicherlich eine Diskussion wert“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel.

Angesprochen auf die Bedeutung der größten Euro-Banknote, die im täglichen Leben kaum auftaucht, sagte Constancio: „Es ist etwas, wovon die Leute gewöhnlich keinen Gebrauch machen, so dass das Zahlungssystem so etwas wohl nicht so dringend braucht.“

Bislang hatte die EZB erklärt, eine Abschaffung der Banknote sei kein Thema.

Fast 600 Millionen Exemplare im Umlauf

In den vergangenen Wochen waren vermehrt Rufe nach der Abschaffung des violetten Geldscheins aufgekommen. Er steht im Ruf, vor allem von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden, um keine Spuren mit elektronischen Überweisungen zu hinterlassen.

Derzeit sind nach Angaben der EZB fast 600 Millionen Exemplare des wertmäßig größten Scheins im Umlauf – mit einem Gesamtwert von über 290 Milliarden Euro. Dies entspricht ungefähr einem Drittel des Gesamtwerts aller umlaufenden Euro-Noten.

Statistisch gesehen besitzt damit jeder Einwohner der 17 Euro-Länder eindreiviertel 500-Euro-Scheine.

http://www.welt.de/finanzen/article115592928/EZB-denkt-ueber-500-Euro-Schein-Abschaffung-nach.html

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24.04.2013

Lästig für die Banken: 80 Prozent zahlen mit Bargeld

Die EZB sagt, dass die Bedeutung des elektronischen Zahlungsverkehrs immer mehr zunimmt. Noch kämpfen die Zentralbanker jedoch mit der Tatsache, dass 80 Prozent der Transaktionen mit Bargeld erledigt werden. Die Banken machen Druck, denn sie wittern wieder einmal einen Wachstumsmarkt.

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Bei einer Konferenz in Wien zur Einführung neuer Euro-Scheine, hat sich die EZB auch zur Bedeutung des Bargelds geäußert. „Die Menschen in der ganzen Eurozone vertrauen ihren Geldscheinen“, sagte EZB-Vorstandsmitglied Benoît Cœuré.

Cœuré räumt zwar ein, dass das Bargeld nicht „außer Mode“ ist. Doch der EZB-Mann sagt auch, dass die Bedeutung des elektronischen Zahlungsverkehrs zunehme. Bedauernd fügte Cœuré hinzu: „Eine Gesellschaft ohne Bargeld ist in absehbarer Zukunft nicht möglich.“

Dennoch hält Cœuré die Abschaffung für wünschenswert. Er sagte, dass die „sozialen Kosten der Bargeldzahlung“ weiter steigen werden. Dies werde Druck auf den Bargeldsektor ausüben. Die Zahlung müsse effizienter werden, so der EZB-Mann.

Die EZB schätzt, dass 70 bis 80 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld abgewickelt werden. Es sind aktuell 15,2 Milliarden Euroscheine im Wert von insgesamt 883 Milliarden Euro im Umlauf. 50 bis 60 Prozent des Wertes aller Transaktionen macht das Bargeld aus.

Die EZB und vor allem die Finanzindustrie bevorzugt das Geld auf der Bank: Denn einserseits erhält die Bank mit jedem Euro, der auf einem Konto liegt, vom Kunden neuen Kredit, den sie hebeln kann – um damit durch die berüchtigten Finanzprodukte neue Profit zu generieren.

Außerdem bietet die Möglichkeit, die riesigen Bargeld-Ströme in den virtuellen Geldkreislauf zu lenken, für die Banken ein gigantisches Wachstumsfeld.

Wer in Deutschland kein Bank-Konto hat, wird schon heute von großen Teilen des wirtschaftlichen Lebens praktisch ausgeschlossen. Denn die Banken verlangen enorme Gebühren für Bareinzahlungen (mehr hier).

Selbst wenn das Bargeld nur in einigen wenigen Ländern abgeschafft würde und die Bürger dort elektronisch zahlen müssten, ergebe dies für die Banken einen deutlichen Zuwachs an Guthaben. Denn mit dem zusätzlichen Geld könnten sie ein Vielfaches an zusätzlichen Krediten vergeben und Zinsen einstreichen.

Um den Vermutungen über eine Abschaffung des Bargelds entgegenzuwirken, bringt die EZB ab dem 2. Mai erst einmal neue 5-Euro-Scheine in Umlauf. Doch der Trend zur elektronischen Zahlung ist offenkundig. Die SPD forderte kürzlich, dass alle Deutschen ihr Geld auf einem Giro-Konto aufbewahren sollten (mehr hier).

Tatsächlich ist das Geld auf der Bank nichts anderes als ein Kredit für die Bank. Die Diskussion um die Zwangsabgabe hat den meisten Bürgern bewußt gemacht, dass sie im Ernstfall keinen Anspruch auf ihr Geld haben.

Bundesfinanzminister und der DIHK raten den Bank-Kunden daher, die Bonität ihrer Bank regelmäßig zu prüfen (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/24/ezb-bedauert-80-pozent-aller-zahlungen-erfolgen-immer-noch-mit-bargeld/

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22.04.2013

Banken wollen mit Hammer-Gebühren Bargeld abschaffen

Wer in Deutschland kein Bank-Konto hat, wird vom wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen. Denn die Banken verlangen enorme Gebühren für Bareinzahlungen. Statt diese unsittlichen Gebühren einfach abzuschaffen, wollen EU und Regierung die Bürger zwingen, Bank-Kunden zu werden.

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Ein Vorschlag der SPD, per Gesetz allen Deutschen ein Girokonto zu ermöglichen, wurde am Freitag im Bundestag abgelehnt. Die SPD hatte argumentiert, es könne nicht sein, dass 670.000 Deutsche kein Konto haben (mehr hier). Der Kampf für das Girokonto ist aber gleichzeitig auch der Kampf gegen das Bargeld.

Es sind in Deutschland vor allem arme Leute, die kein Konto haben. Und dabei ist der Verzicht auf das Konto geradezu ein Luxus. Denn für diejenigen Leute, die nur Bargeld nutzen, sind die damit verbundenen Kosten enorm.

So kostet etwa bei der Sparkasse Trier eine Bareinzahlung für sie als Nichtkunden mindestens 10 Euro. Bei der Münchener Sparkasse zahlt man 12 Euro und bei der Baden-Württembergischen Bank sogar 15 Euro. Bei einigen Banken, etwa der Berliner Volksbank, ist es überhaupt nicht möglich, Bargeld auf Konten anderer Banken einzuzahlen.

Diese massiven Kosten und Komplikationen zwingen den Bürger praktisch dazu, ein Konto zu führen. Die meisten Vermieter, Telefonanbieter, Energiekonzerne oder Arbeitgeber verlangen nämlich, dass das fällige Geld auf ihr Konto eingezahlt wird. Auf Bargeldverkehr lassen sie sich nicht ein. Ohne ein eigenes Konto ist man daher vom wirtschaftlichen Leben in Deutschland ausgeschlossen.

Zwar gibt es in Deutschland etwa ein Recht auf die Grundversorgung mit Fußball durch die Öffentlich-Rechtlichen (mehr hier). Doch ein Recht auf die Grundversorgung mit Zahlungsverkehr gibt es nicht. Vielmehr nehmen die Banken den Bürgern enorme Gebühren ab.

Die SPD fordert nun aber nicht, dass diese Gebühren gesenkt werden. Stattdessen fordert sie, dass jeder ein Konto haben soll. Denn es geht den Genossen in Wirklichkeit gar nicht darum, den kleinen Leuten zu helfen. Vielmehr wollen sie den Geldverkehr aller Deutschen kontrollieren. Deshalb sollen wir alle zum Führen eines Kontos gezwungen werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/22/banken-wollen-mit-hammer-gebuehren-bargeld-abschaffen/

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09.04.2013

Reiche Rentner laufen Sturm gegen Bargeld-Verbot in Schweden

Die schwedischen Banken machen als erste ernst: Sie schaffen das Bargeld ab. Immer mehr Filialen bieten keine Bargeldauszahlung mehr an. Doch in Östermalm wehren sich nun gut betuchte Rentner gegen den Verlust der Freiheit, über das eigene Geld verfügen zu können.

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Schweden könnte schon bald zur bargeldlosen Gesellschaft werden. Wie die führende konservative Tageszeitung Svenska Dagbladet berichtet, steht die endgültige Umstellung unmittelbar bevor. Das Traditions-Institut Swedbank gab nämlich unlängst bekannt, nun auch in ihren Filialen in Östermalm kein Bargeld mehr auszuzahlen oder entgegenzunehmen. Die Gegend gilt als der wohlhabendste Bezirk Stockholms, viele der betuchten Einwohner sind im fortgeschrittenen Alter. Und gerade diese einflussreichen Bank-Kunden hängen an der Bargeld-Verwendung und sind gegen die Umstellung auf ein reines Chipkarten-System. Wenn das Bargeld jetzt auch aus den Filialen in Östermalm verschwinde, dann meinen es die Banken ernst, so ein Kommentar im Dagbladet. Es sei dies ein Symbol für eine Entwicklung in ganz Schweden, eine „Revolution der Banken“.

Die Finanzinstitute argumentieren damit, die Abwicklung der Bankgeschäfte für die Kunden einfacher zu machen. „Smart cash“ wird das Plastikgeld genannt, was Bargeld wohl zum „dummen“ Geld stempeln soll. Die Banken profitieren davon, wenn alle Ersparnisse auf ihren Konten liegen statt als Bares unter Omas Kopfkissen. Überdies gingen in Schweden bei jeder Kreditkarten- Transaktion rund 80 Öre (ca. zehn Cent) an die abwickelnden Institute, schreibt Svenska Dagbladet. Auch der Handel befürwortet die Umstellung, weil die Konsumenten laut Umfragen mit Kreditkarten mehr ausgeben als mit Bargeld.

Rentner kämpfen für ihr Bargeld

Die Anonymität von Zahlungstätigkeiten – auch für kleine Besorgungen und alltägliche Einkäufe – ist in einem bargeldlosen System nicht mehr gegeben. Das sei zwar gut zur Bekämpfung von kriminellen Machenschaften, meint auch der Zeitungskommentar, aber auch eine Gefahr für den Datenschutz und damit für die Bürgerrechte. Verbraucherverbände und Bürger von Östermalm reagieren mit unzähligen Beschwerdebriefen an die Banken. Es gebe einfach auch noch Menschen, die Bargeld haben möchten, heißt es darin. Auch Svenska Dagbladet kritisiert die schleichende Bargeldabschaffung durch die Banken ohne öffentliche Diskussion und parlamentarische Legitimation.

Doch konsequente, schwedische Barzahler werden die laufende Entwicklung vermutlich nicht stoppen können. Mehr als ein Viertel der 1.200 schwedischen Bankfilialen hat sich bereits vom Bargeldtransfer verabschiedet. Auch die EU treibt die Kontrolle aller privaten Transaktionen vehement voran (hier).

Ohne Bargeld mehr Kontrolle

Mittels der Ausrufung eines „sozialen Grundrechts“ auf ein Bank-Konto sollen auch jene 30 Millionen EU-Bürger zu Vollkunden gemacht werden, die noch über kein solches verfügen. Der Vorteil für die EU liegt auf der Hand. Kontobewegungen sind viel leichter zu kontrollieren als Bargeld. Und außerdem lässt sich eine Beteiligung der Bürger an einer Bankensanierung leichter durchführen. Wenn die Konten prall gefüllt sind, weil kein Bargeld mehr existiert kann durch eine eventuelle Zwangsabgabe mehr Geld abgezwackt werden (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/09/bargeld-verbot-in-schweden-die-rentner-laufen-sturm/

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05.03.2013

Abschied vom Bargeld: EU erklärt Giro-Konto als lebensnotwendig

EU und Finanzwirtschaft haben ein Auge auf 30 Millionen EU-Bürger geworfen, die kein Bank-Konto haben. Um sie zu vollwertigen Konsumenten zu machen, hat die EU nun ein „soziales Grundrecht“ auf ein Bank-Konto ausgerufen. Tatsächlich geht es um die Abschaffung des Bargelds zur Kontrolle aller privaten Transaktionen.

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Finanzindustrie und Politik wollen das Bargeld abschaffen, um die Geldbewegungen der Bürger möglichst vollständig kontrollieren zu können. Alle Beteiligten wollen den gesamten Geldverkehr elektronisch regeln. Bisher wurden als Hauptgefahren des Bargelds die Geldwäsche und der internationale Terrorismus genannt.

Diese Erklärung hat sich jedoch etwas abgenutzt – vor allem seit es im Westen kaum noch spektakuläre Terror-Anschläge gibt. Und weil die wahren Gründe – Kontrolle der Bürger und ihrer Steuerzahlungen bzw. neue Umsätze für die Banken – in der Öffentlichkeit wenig populär sind, häufen sich die ideologischen Verbrämungen der autoritären Maßnahme. „Der Kampf gegen das Bargeld ist ein Kampf für die Zivilisation“, sagte neulich der Chef der Vereinigung der italienischen Banken (ABI), Giovanni Sabatini. Beppe Grillo hat ihn dafür hart kritisiert (hier).

Die EU hat den Ansatz jedoch dankbar aufgegriffen: In der EU gibt es derzeit 30 Millionen Bürger, die über kein Bankkonto verfügen. 30 Millionen Unberechenbare, Steuersünder und potentielle Kunden für die Banken. Diese Gruppe will man sich nicht entgehen lassen.

Die EU macht sich zu diesem Zweck zum Anwalt der Schwachen und zeigt sich tief betroffen über die mangelnden Möglichkeiten dieser Bürger: Sie hätten erschwerten Zugang zu Mietwohnungen, zu Handyverträgen, Internet-Shopping, Kreditkarten – kurz, es fehlt ihnen an so ziemlich allem, was sie zu modernen Menschen Konsumenten macht.

Um dies zu ändern, hat Wettbewerbs-Kommissar Michel Barnier nun das Menschenrecht Recht auf ein Bankkonto ausgerufen. Das zumindest sieht ein Gesetzesentwurf vor, der mehreren Medien zugespielt wurde. Diese – vorwiegend linken Blätter – sind auch gleich in die Falle getappt und haben das Menschenrecht Bank-Konto zu einem humantiären Anliegen erklärt.

Die EU Kommission spricht in diesem Fall vom Durchsetzen eines „sozialen Grundrechts“. Mit dem Gesetz wolle man auch die Banken dazu verpflichten, ihre Angaben zu Gebühren und Konditionen vergleichbarer und transparenter zu machen. Schön wär’s, wenn es wirklich darum ginge.

Die EU will den Mitgliedsstaaten mit dem Gesetzespaket vorschreiben, den Bürgern das Grundrecht auf ein Bankkonto einzuräumen. So soll jeder Bürger Zugang zu einem Konto haben, auf das er einzahlen und von dem er abbuchen lassen kann, so lange ein Haben auf dem Konto ist. Kredite sollen jedoch nicht aufgenommen werden können. In Ausnahmefällen soll es Banken möglich sein „erschwingliche Gebühren“ zu veranschlagen. Ziel sei es jedoch, möglichst gebührenfreie Bankkonten anzubieten. Derzeit gibt es in elf Mitgliedsländern ein Recht auf ein Girokonto – in Deutschland aber beispielsweise nicht.

Der Vorteil für die EU, wenn alle EU-Bürger über ein Konto verfügen, liegt auf der Hand. Kontobewegungen sind viel leichter zu kontrollieren als Bargeld. Und die Banken haben, wenn sie ein Schlupfloch finden, die Möglichkeit mittels neuer Kunden Geld zu verdienen. Die GEZ in Deutschland hat diese Entwicklung bereits begonnen. Der neue einfache Rundfunkbeitrag kann nicht mehr bar oder mit Scheck eingezahlt werden (mehr hier).

Tatsächlich sollte sich die EU lieber Gedanken machen, ob es in Europa nicht ein Menschenrecht auf Aufklärung über Bankgeschäfte geben sollte. Es gibt wohl kaum einen Europäer, der in den vergangenen Jahren nicht festgestellt hat, dass er von seiner Bank getäuscht oder zumindest nicht ausreichend informiert wurde. Zahlreiche Klagen von frustrierten Kleinanlegern scheitern am unüberwindlichen Schutzwall des Kleingedruckten. Im für sie schlimmsten Fall kaufen sich die Banken mit lächerlichen Beträgen frei. Bei den großen Delikten – wie der Manipulation des Libor – erfolgt der Freispruch aus Brüssel, bevor die Skandale auch nur in die Nähe eines Gerichtssaals gekommen sind (hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/05/abschied-vom-bargeld-eu-erklaert-giro-konto-als-lebensnotwendig/

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26.02.2013

Schweden schafft das Bargeld ab

Schwedische Banken stellen den Bargelddienst in den Filialen ein. Kreditkarten sollen das Zahlen sicherer machen. Kritiker werfen ein, dass vor allem die Banken profitieren. Kunden würden zudem für den Handel völlig berechenbar.

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Das große schwedische Finanzinstitut Swedbank sorgt für Aufsehen. Die Bank verkündete, auch in ihrer altehrwürdigen Filiale am Östermalmstorg kein Bargeld mehr auszuzahlen oder entgegenzunehmen.

Der Stadtteil Östermalm ist nicht irgendein Stadtteil. Hier wohnen die reichsten, aber auch ältesten Bürger des Landes. 27 Prozent sind über 60 Jahre alt, sieben Prozent gar über 80 Jahre alt. Viele haben Bankautomaten und Plastikgeld noch nicht akzeptiert.

Den Kunden wird in einem Rundschreiben versprochen, dass die Abwicklung des historisch wohl grundlegendsten Bankdienstes überhaupt vor allem Vorteile bringe. „Das bedeutet, dass wir mehr Zeit aufwenden, um dich zu treffen. Und weniger, um mit Bargeld zu hantieren“, wird auch auf der Internetseite versprochen.

Selbst Busfahrer nehmen kein Bargeld

Die Bargeldabschaffung in der Filiale im feinen Östermalm ist symbolisch für eine Entwicklung in ganz Schweden, welche die führende konservative Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ etwas ironisch als „die Revolution der Banken“ betitelt.

Bereits 1661 gab es eine solche. Damals führte Schweden als erstes Königreich Europas Papiergeld ein. Postkutschen konnten plötzlich 50-mal mehr Geld transportieren als noch mit den beschwerlichen Gold- und Silbermünzen. Heute ist der Geldtransport in Sekundenschnelle über Computer vollstreckt. Nur noch die Barzahler bremsen diese Entwicklung. Von denen gibt es aber kaum noch welche in Schweden. Von insgesamt 1200 Bankfilialen im Königreich wurden bis Mitte 2012 bereits 330 zu bargeldlosen umgewandelt, berichtet „Dagens Nyheter“.

Lesen Sie auch: Hat die Banknote bald ausgedient?

Inzwischen werden auch an schwedischen Würstchenbuden und am Kiosk selbst Kleinstprodukte mit Kreditkarte bezahlt. Wer in Stockholm mit dem Bus fahren will, kann beim Einsteigen nur eine Karte über das Mobiltelefon kaufen.

Mit Karte wird mehr ausgegeben

Schützenhilfe erhalten die Banken von den Gewerkschaften. „Wo es kein Bargeld gibt, gibt es keine Raubüberfälle. Unsere Angestellten müssen sich sicherer fühlen können. Die Einzigen, die dein Bargeld brauchen, sind Verbrecher und deine Oma“, wiederholt Leif Karlsson von der schwedischen Bankengewerkschaft in den immer häufigeren Diskussionsrunden um die bargeldlose Gesellschaft. Der Handel ist positiv gestimmt. Umfragen haben ergeben, dass Konsumenten mit Kreditkarten mehr Geld ausgeben als mit Bargeld.

Aber gerade bei den Omas und Opas liege der Haken, kontern Rentner- und Verbraucherverbände mit unzähligen Beschwerdebriefen frustrierter Bankkunden im Nacken. Es gebe einfach auch noch Menschen, die Bargeld haben möchten. Für die sei einfach nicht nachvollziehbar, dass sie ihr in die Bank eingezahltes, mit Kontoführungsgebühren belastetes Geld nicht mehr ausgezahlt bekommen.

Auch die Anonymität werde nicht mehr gewahrt. Jeder Einkauf könne auf den Käufer zurückgeführt werden. Das sei zwar gut zur Bekämpfung von kriminellen Einnahmequellen, aber auch bedenklich für die Bürgerintegrität.

Auch „Svenska Dagbladet“ schlägt kritische Töne an. Der Übergang zur bargeldlosen Gesellschaft verlaufe in Schweden zu forciert über die Hintertür der Bankenvorstände statt über das Parlament, so ein Kommentator. Banken stellten vor allem die Sicherheit in den Vordergrund. Aber das sei nur die halbe Wahrheit. Banken profitierten, wenn das gesamte Geld der Kunden ständig auf der Bank statt unter einer Matratze oder im Portemonnaie stecke. Vor allem aber ließen die Banken laut „Svenska Dagbladet“ gern unter den Tisch fallen, dass sie rund 80 Öre (zehn Cent) für jeden mit Kreditkarte getätigten Kauf erhalten. Die bargeldlose Gesellschaft sei zwar praktisch, aber vor allem auch ein Mittel der Banken, um Betriebskosten zu senken und mehr Geld zu verdienen, so die Kritiker. Zudem würde der Handel die Kartengebühren an die Endkonsumenten und damit auch die gewöhnlichen Bankkunden abwälzen. Was praktisch wirkt, könne Verbraucher also teuer zu stehen kommen.

Bargeld hat es auch in Deutschland schwer

Auch in Deutschland sehen Finanzdienstleister und vor allem der Handel Vorteile im bargeldlosen Verkehr. Aber es gibt keine konkreten Schritte in Richtung Bargeld-Abschaffung, versichert der Bundesverband Deutscher Banken. Das trifft zwar auf die Banken zu. Doch wer versucht, seine Stromrechnung bar zu bezahlen, wird schnell merken, dass das nicht mehr möglich ist. Auch wer ein Auto zulassen will, darf das nicht, bevor er eine Einzugsermächtigung für die Steuer erteilt. Und Handwerkerrechnungen können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn die Rechnung per Überweisung beglichen wird. Beim öffentlichen Nahverkehr in München gibt es Rabatt für Bargeldverzicht. In Italien ist es inzwischen verboten, bei Summen über 1000 Euro mit Bargeld zu bezahlen. In anderen Ländern – so in Frankreich – gibt es entsprechende Bestrebungen.

http://www.merkur-online.de/aktuelles/wirtschaft/schweden-schafft-bargeld-2769638.html

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18.02.2013

Bargeldverbot in Dänemark?

Während Frankreich noch am Planen ist, haben andere Euro-Staaten die Bargeldobergrenzen bereits eingeführt. Dazu zählen Bulgarien, Griechenland, Italien und Spanien. Nun wird auch Dänemark ein Riegel vorgeschoben. Aufgrund des Bestrebens von Frankreich nahm ich mir vor, meinen Artikel zu den Bargeldverboten endlich zu schreiben. Das Vorgehen ist nicht durch geltendes Recht gedeckt, darauf geht im Augenblick jedoch niemand ein. Leider ist es dafür auch nötig, sich durch unzählige Dokumente zu arbeiten. Während ich die Arbeit von Neuem begann, stieß ich auf eine ganz neue Stellungnahme der EZB. Dort ist Dänemark bereits abgehandelt.

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Das Dokument trägt wie alle anderen auch eine schmucklose Bezeichnung. (CON/2013/9) steht auf dem Papier zu lesen. Darüber heißt es:

Stellungnahme der Europäischen Zentralbank vom 01. Februar 2013 zur Limitierung von Bargeldzahlungen

Während bei den anderen Nationen die Anfragen zumindest vom Finanzministerium kamen, haben die Dänen gleich Nägel mit Köpfen gemacht und dieses vom Justizministerium erledigen lassen. Die Dänen haben ja auch keinen Euro, sondern die Dänische Krone. In Dänemark fühlte man sich offensichtlich vernachlässigt durch die EZB und monierte, dass die bisherigen Regelungen nur für Staaten gelte, deren Währung der Euro sei. Wie es scheint, ist in Dänemark die Wirtschaftskriminalität und der Terror ein echtes Problem, gepaart mit Unmengen an Geldwäschern. Darauf lässt zumindest die Stellungnahme schließen. Dort heißt es:

1.1 Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, die bestmöglichen Bedingungen für die Verhütung, Untersuchung und Strafverfolgung von Wirtschaftskriminalität im Folge der Finanzkrise zu schaffen. Eine der Maßnahmen begrenzt Bargeldzahlungen auf 50.000 DKK (6702 Euro) für “economic operators” (Wirtschaftsbeteiligte?!?, Anm. d. Red.) zum Schutz vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. 

Immerhin will man berücksichtigen, dass die Bürger – scheinbar mit den Wirtschaftsbeteiligten gleichgesetzt – noch Zugriff auf Bargeld haben. Wenn auch nur begrenzt damit zu zahlen ist.

Ein Punkt der mir jedoch nicht klar werden will ist, was hat die EZB damit zu kriegen?

Aus Wikipedia:

Zentralbank für: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern.[1]

Die Einschränkungen von Bargeldzahlungen schreiten voran. Nicht nur in der Eurozone, wie man hier eindrucksvoll sieht. Offensichtlich stilisiert sich die EZB bereits als EU-Zentralbank und nicht mehr als Zentralbank der Eurozone. Nun nicht die erste Absurdität aus der Anstalt. All diese Verbote gehen jedoch zurück auf ein Dokument, dass aus dem Zusammenhang zitiert ist und sind damit nach meiner Einschätzung nichtig und ungültig. Dazu jedoch in einem weiteren Artikel mehr.

http://www.iknews.de/2013/02/18/bargeldverbot-in-daenemark/

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11.01.2013

Athen – Bargeldzahlungen über 500 Euro werden verboten

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Das griechische Finanzministerium plant die Einführung eines weiteren drastisch reduzierten Limits für Bargeldzahlungen. Der Betrag soll von derzeit 1’500 Euro auf 500 Euro herabgesetzt werden. Laut Ministerium müssen alle Gewerbetreibende die Waren und Dienstleistungen verkaufen sich ein Kartenlesegerät anschaffen, um bargeldlose Zahlungen abwickeln zu können. Mit dem Plan soll die Steuerhinter- ziehung bekämpft werden, heisst es. Eins müssen wir bei allem was in Griechenland passiert aber wissen, die Krise und die Massnahmen die dort eingeführt werden sind ein Test und eine Vorbereitung für das was der ganzen EU blüht.

Griechenland ist das Experimentierfeld der NWO. Wenn sie bei den widerspenstigen Griechen damit durchkommen und in der Lage sind ihren Widerstand zu brechen, dann können sie die Einschränkungen überall problemlos einführen. Das Limit von 1’500 Euro haben die Griechen schon länger geschluckt. Jetzt wird geprüft wie weit man noch gehen kann. Wenn ein Volk am Boden ist und ums Überleben kämpft, kann man ihnen alles aufs Auge drücken. Das ist ja überhaupt der Sinn einer Krise und deswegen wird sie bewusst gemacht.

Laut Finanzministerium sind alle Möglichkeiten die Staatseinnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu reduzieren ausgeschöpft. Bleibt nur in ihren Augen der Kampf gegen die Steuerhinterziehung übrig, der mit einem faktischen Bargeldverbot vollzogen wird. Ein Limit unter 500 Euro wird vorläufig nicht gehen, sonst müssen sie die grösste Euro-Note verbieten und die ist ja „noch“ ein legales Zahlungsmittel. Dabei geht es dem Staat gar nicht wirklich um Steuerhinterziehung, sondern um die totale Kontrolle der Bürger, in dem jede noch so kleine Transaktion elektronisch registriert wird.

Der stellvertretende Finanzminister Giorgos Mavraganis hat angekündigt, sie haben Pläne um die Bürger noch mehr für die Nutzung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu motivieren, entweder durch einen Rabatt oder via einem Bonus. „Die Veränderung die wir für 2013 planen schliessen Lockmittel ein, um die Bürger von der elektronischen Zahlung zu überzeugen, damit wir eine grössere Transparenz bei den Transaktionen haben und um die Steuerhinterziehung zu bekämpfen, die mit Bargeld möglich ist,“ sagte Mavraganis.

Mit dieser Aussage wird der dialektische Trick und die Propaganda sichtbar. Die Botschaft die damit allen eingehämmert wird, Bargeld ist gleich Schwarzgeld, deshalb ist Bargeld schlecht und Kartenzahlungen sind gut. Dabei ist es lächerlich uns glauben zu lassen, wenn wir mit Bargeld zahlen sind wir die Bösen. Die wirkliche Steuerhinterziehung im ganz grossen Stil läuft ganz anders ab, wie an der Wall Street, wo die HSBC Bank über die Cayman Islands die Milliarden des mexikanischen Drogenkartells gewaschen hat.

Landen die Bankmanager der HSBC im Gefängnis? Sicher nicht, sie kommen mit einer lächerlichen Busse davon. Dagegen muss die alte Oma aufhören ihre Rente von wenigen hundert Euro in Bar am Postschalter zu beziehen und sich mit einer Kreditkarte neu herumschlagen wenn sie in den Tante-Emma-Laden geht, weil sie ja in den Augen der Politiker potenziell eine Geldwäscherin ist. Die reinste Schikane, die mit dem was sie angeblich bekämpfen wollen gar nichts zu tun hat.

Bei dem Begriff „Transparenz“ handelt es sich um die Ermöglichung des gläsernen Bürgers, denn dann weis der Staat wer, was, wann und wo gekauft hat. Nicht nur Konzerne haben schon lange erkannt, der grösste Schatz den man heutzutage haben kann sind die kompletten Daten der Kunden. Die Sammelwut kennt deshalb keine Grenzen. Farcebook ist doch nicht Milliarden wert wegen der Server und der Seite die sie betreiben, sondern wegen der ganzen persönlichen Daten die ihnen die Nutzer freiwillig geben, die sie speichern, auswerten und verkaufen.

Bargeldzahlungen haben für uns kleine Bürger gar nichts mit Schwarzgeld zu tun, das ist eine unverschämte Unterstellung und falsche Beschuldigung seitens des Staates. Sondern es geht um die Erhaltung der Privatsphäre und um die Freiheit so zu zahlen wie man will, ohne dass diese Vorgänge elektronisch für alle Ewigkeit aufgezeichnet werden. Ausserdem, wenn wir nur noch mit Karte zahlen können, dann sind wir auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen des Staates und der Banken abhängig. Wenn wir ihnen nicht passen, können sie uns sofort die Karte sperren und dann sind wir manövrierunfähig und faktisch tot. Das ist ihr eigentliches Ziel.

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/01/athen-bargeldzahlungen-uber-500-euro.html

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12.12.2012

Banker: Bargeld muss abgeschafft werden, um die Zivilisation zu retten

Im globalen Kampf gegen das Bargeld verschärft die Finanzindustrie das Tempo. Denn nur, wenn Geld elektronisch überwiesen wird, verdienen die Banken. Die Regierungen unterstützen den Kampf, weil die Finanzminister am liebsten jede einzelne Überweisung der Bürger überprüfen möchten.

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Geldmünzen und Geldscheine gehören zu unserem Alltag, doch wenn es nach den Plänen der Finanzindustrie geht, könnte das physische Geld bald der Vergangenheit angehören. So häufen sich die Forderungen, den gesamten Geldverkehr elektronisch zu regeln. Die Banken bleiben dabei nicht beim einfach Bequemlichkeits-Argument stehen, sondern haben einen regelrechten Kulturkampf ausgerufen: „Der Kampf gegen das Bargeld ist ein Kampf für die Zivilisation“, zitiert la Repubblica den Chef der Vereinigung der italienischen Banken (ABI) Giovanni Sabatini.

Die italienischen Banken sind besonders klamm kreativ und haben die Kampagne „Krieg gegen das Bargeld“ gestartet, worin sie behaupten, Bargeld sei nicht nur altmodisch, sondern auch „teuer, gefährlich, schmutzig und unpraktisch“. Den Menschen soll so offenkundig ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn sie bar bezahlen, anstatt ihre Kreditkarten zu benutzen. Doch die Ablehnung des Bargelds durch die Banken hat eine ganz andere Ursache. Sie verdienen an allen Transaktion außer denen mit Münzen und Scheinen. Deshalb kämpfen sie für ein Bargeldverbot.

Die Deutsche Bundesbank steht dem Bargeld dagegen eher positiv gegenüber. „Nur Bares ist Wahres“, zitierte Bundesbankchef Jens Weidmann den Volksmund auf dem Bargeldsymposium im Oktober. Sein Kollege Helmut Rittgen sagte auf derselben Veranstaltung, er sei fest davon überzeugt, dass „die Vorzüge des Bargelds auch langfristig Gültigkeit haben werden“. Bargeld sei sicher gegen Betrug, weit akzeptiert, billig, bequem und schnell. Außerdem schütze es die Menschen davor „gläsern“ zu sein, was sein Kaufverhalten angeht, so Rittgen. Noch kann man sich durch Bargeldbezahlung der Überwachung entziehen, doch online werden die Menschen schon heute in großem Maßstab ausgespäht (mehr hier).

In Italien wird die deutsche Affinität zum Bargeld weitgehend verschwiegen, so der italienische Blogger Beppe Grillo. Es werde sogar behauptet, Italien hinke bei der Abschaffung des Bargeldes hinterher, die sowieso bald kommen werde.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/12/banker-bargeld-muss-abgeschafft-werden-um-die-zivilisation-zu-retten/

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19.11.2012

Kampf dem Steuerbetrug: Spanien verbietet Barzahlungen über 2500 Euro

Spanien hat im Kampf gegen Steuerbetrug die Zahlungen mit Bargeld im Lande eingeschränkt.

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Ab diesem Montag dürfen spanische Verbraucher Rechnungen über 2500 Euro nicht mehr in bar begleichen, wenn eine der Parteien bei der Transaktion in professioneller oder gewerblicher Kapazität handelt.

Das Gesetz vom 30. Oktober, das nun in Kraft tritt, ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, um “Steuerbetrug zu vermeiden und zu bekämpfen.” In der Präambel des Gesetzes heißt es, “die soziale und wirtschaftliche Realität in einer durch Krise und Haushaltseinsparungen geprägten Lage macht Steuerbetrug heutzutage noch verwerflicher”.

Die Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy versucht durch eine Reihe von Änderungen bei den Einnahmen und Ausgaben das Haushaltsdefizit des Landes zu verringern und einen Antrag auf Hilfe von außen zu umgehen.

Artikel 7 vom Gesetz 7/2012 zielt auf die Gepflogenheit ab, für Güter und Dienstleistungen in Bargeld zu zahlen, um Mehrwert- und Einkommenssteuern zu umgehen. Diese Praxis sei in Spanien sehr weit verbreitet, sagen Ökonomen. Darunter fallen Bargeld-Transaktionen, die in Spanien alltäglich sind, wie die Bezahlung eines Zimmermanns für Renovierungsarbeiten.

Das Gesamtaufkommen der Schattenwirtschaft in Spanien wird auf 245 Mrd. Euro geschätzt, das entspricht etwa 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie aus dem in diesem Monat vorgelegten Bericht der Gewerkschaft der spanischen Steuerprüfer (Gestha) hervorgeht. Das seien etwa zehn Prozentpunkte mehr als der EU- Schnitt.

Rein persönliche Transaktion sind von dem Gesetz ausgenommen, wie etwa der Kauf eines Gebrauchtwagens oder der Kauf eines Hauses von einer anderen Privatperson. Nicht- gewerbliche Geschäfte sind allerdings eingeschlossen, wenn der Zahlende in einem anderen Land besteuert wird. In diesem Fall liegt die Barmittel-Grenze bei 15.000 Euro.

In Italien hat Ministerpräsident Mario Monti die Grenze für Bargeld-Transaktionen im vergangenen Jahr von 2500 Euro auf 1000 Euro gesenkt, um gegen Steuerbetrug vorzugehen.

http://www.format.at/articles/1247/931/346819/kampf-steuerbetrug-spanien-barzahlungen-2500-euro

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10.08.2012

Bezahlen mit Smartphone: Bye, Bye Bargeld

Bargeldlos Bezahlen mit einem Kartenlesegerät, das ans Smartphone angeschlossen wird: Mit einer App wird das Mobiltelefon zur Registrierkasse. Das Berliner Start-up-Unternehmen „Payleven“ will das Bezahlen revolutionieren – und zwar weltweit.

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Makiel Rouven Marx steht in seinem Beauty-Salon in der Motzstraße in Schöneberg. In der Hand hält er ein rechteckiges Gerät, das nur so groß wie eine Streichholzschachtel ist, aber das Bargeld überflüssig machen soll. Der Make-up-Profi verbindet die Box mit dem Kopfhörereingang seines iPhones und verwandelt das Handy so in ein Kartenlesegerät. Dann zieht er die EC-Karte durch den Kartenleser, der Kunde muss den Haargel-Kauf nur noch auf dem Touchscreen signieren. Bezahlt. Fertig.

Der Käufer ist Payleven-Mitgründer Steve Krieger, er unterzeichnet mit seinem Zeigefinger. Der 30-Jährige ist einer der Geschäftsführer desDasBerliner Start-up-Unternehmens, das auf diese Weise Zahlungen mit EC- und Kreditkarten immer und überall möglich machen will. Mussten bislang Händler Kreditkartenlesegeräte kaufen oder mieten, verteilt Payleven seine kleinen Boxen umsonst und verdient an der Transaktionsgebühr von 2,9 Prozent des Kaufpreises, die es sich mit Kreditkartenunternehmen teilt.

Pizza-Lieferanten, Flohmarkthändler und Taxifahrer – sie alle könnten mit dem Payleven-Produkt nun unkompliziert bargeldloses Zahlen anbieten, hofft das Start-up und setzt dabei darauf, dass Kartenzahlungen längst zur Gewohnheit geworden sind. Der Inhaber des Beauty-Salons sagt, die Profimodells, die er in ihren Hotels erst zu solchen macht, hätten noch nie Bedenken gehabt, ihre Karte dem Smartphone-Anstecker anzuvertrauen.

Mächtige Financiers

Damit das Smartphone zum Kartenleser wird, benötigen Händler neben der kleinen Box nur die ebenfalls kostenlose Payleven-App, die der Händler dann wie eine Registrierkasse benutzen kann. Die eingelesenen Kartendaten werden wie bei herkömmlichen mobilen Kartenlesern verschlüsselt über das Mobilfunknetz oder eine WLAN-Verbindung übertragen.

Ein einfaches Konzept, auf das auch die mächtigen Financiers setzen, die hinter dem Berliner Unternehmen stehen: Das Geschäftsmodell für Payleven hat Steve Krieger zusammen mit Oliver Samwer ausgestaltet, Deutschlands bekanntestem Internet-Investor. Mit seinem Brüdern Marc und Alexander hat der Rocket Internet aufgebaut, eine Berliner Firma, die mit einer Armada an jungen Programmierern, Wirtschaftswissenschaftlern und Marketingexperten wie am Fließband Internet-Start-ups hochzieht.

Mit 15.000 Mitarbeitern weltweit gehören die Berliner inzwischen weltweit zu den mächtigsten Akteuren in der Internetwirtschaft, in Deutschland ist der Online-Händler Zalando ihr bekanntestes Projekt. Die Samwer-Brüder setzen dabei vor allem darauf, erfolgreiche Geschäftsmodelle von US-Firmen zu kopieren. Nicht selten, um sie nach einiger Zeit lukrativ an das Original zu verkaufen.

Auch Payleven ist ein Klon: Vorbild ist Square – eine Firma, die vor zwei Jahren vom Twitter-Gründer Jack Dorsey erschaffen wurde. Dorsey ist in Kalifornien für viele der spirituelle Erbe des Apple-Gründers Steve Jobs – und der Aufstieg des Zahlungsdienstes Square ist mindestens so spektakulär wie der des Kurznachrichtendienstes. Im ersten Halbjahr hat sich die Zahl der Geschäfte, die die Kartenlesegeräte nutzen, auf zwei Millionen verdoppelt. Inzwischen wickelt das Unternehmen Zahlungen in der Höhe von sechs Milliarden Dollar jährlich ab. Bald dürfte es deutlich mehr sein. Denn ab Herbst wird Starbucks die Zahlung mit Square in tausenden US-Filialen einsetzen und steigt zugleich sogar bei der Firma mit einer Millionenbeteiligung ein. Seinen Wert konnte Square innerhalb von zwei Jahren auf drei Milliarden fast verfünfzehnfachen.
Bislang ist Square allerdings nur auf dem US-Markt aktiv und genau diese Lücke versucht Payleven zu schließen. Ob es gelingt, wird wohl vor allem die Geschwindigkeit entscheiden, mit der Payleven Händler für sich gewinnen kann. Denn auch andere eifern Square nach: In Berlin steht mit SumUp ein weitere Firmengründung bereit, in München testet bereits Streetpay, Ableger einer britischen Firma, sein System.

Zwar ist das Payleven-Firmenschild bislang nur ein mit Folie überklebtes Stück Papier und die Mitarbeiter bejubelten erst vor kurzem die erste Transaktion in Berlin. Doch anders als die meisten Konkurrenten setzte Payleven von Beginn an auf internationale Expansion. Mehrere Teams bereiten bereits die Eroberung von Märkten in Asien und Europa vor. In Brasilien werden die Payleven-Boxen sogar schon genutzt. Entsprechend ist das Start-Up innerhalb kurzer Zeit von fünf Mitarbeitern auf 70 angewachsen. Durchschnittsalter: 27 Jahre. Schon werden neue Büroräume gesucht, obwohl in der dritten Etage eines ehemaligen Fabrikgebäudes im Prenzlauer Berg, in die sie gerade erst eingezogen sind, noch Umzugskartons stehen.

Ein Wachstum, das ohne Rocket Internet nicht möglich wäre. Die Beteiligungsgesellschaft sorgt nicht nur für Kapital, sondern mit inzwischen Niederlassungen in 25 Ländern auch für lokales Markt-Know-how und einen Pool erfahrener Mitarbeiter, die oft von einem Start-up der Beteiligungsgesellschaft ins nächste wechseln.

Nur mit dem Namen zahlen

Auch wenn Payleven daher schlagkräftiger aufgestellt ist als viele Konkurrenten, ist der Markt des mobilen Zahlens hart umkämpft. Denn neben Konzernen wie Square und Payleven, die daraufsetzen, dass die Smartphone-Revolution Kartenzahlungen radikal vereinfacht, wollen andere erreichen, dass auch Karten bald gar nicht mehr gebraucht werden. Google etwa baut wie viele Mobilfunkkonzerne auf die NFC-Technologie, bei der bezahlt werden kann, indem ein mit einem speziellen Chip ausgerüstetes Smartphone einen Kontakt berührt.

Ausgerechnet Paylevens US-Vorbild Square ist nun sogar bereits ein Stück weiter gegangen. Dort kann man in Cafés, die Square einsetzen, einfach mit seinem Namen zahlen – ohne noch einmal das Telefon oder eine Karte zu berühren. Voraussetzung ist nur, dass auch der Café-Besucher die Square-App installiert hat und die Funktion für das Geschäft aktiviert hat. Dann erscheint auf dem Display des Inhabers das Porträtfoto des Kunden, sobald dieser den Laden betritt. Statt bar oder mit Karte zu zahlen, reicht es dann, seinen Namen als Authentizifierung zu nennen. Die Zahlungsunterlagen sind bereits bei Square hinterlegt.

Unternehmen, die wie Square und Payleven nun den Kreditkartenindustrie höhere Transaktionsvolumen bescheren, könnte sich für Visa und Mastercard so als trojanisches Pferd entpuppen, die die Kreditkarte überflüssig machen. Davon will Payleven-Mitgründer Steve Krieger noch nichts wissen, aber er sagt auch: „Die Entwicklung geht so schnell, dass wir derzeit in Wochen und Monate denken – nicht in Jahren.“

http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/bezahlen-mit-smartphone-bye–bye-bargeld,10808230,16855858.html

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11.04.2012

Spanien will Barzahlung über 2500 Euro verbieten

Um gegen Steuerbetrüger vorzugehen, will Spanien künftig Barzahlungen von über 2500 Euro in der Geschäftswelt nicht mehr erlauben. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss hohe Bußgelder bezahlen.

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Spanien will im Kampf gegen Steuerhinterziehungen Zahlungen mit Bargeld einschränken. Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte an, dass in der Geschäftswelt Barzahlungen von über 2500 Euro künftig verboten werden sollen.

Dies sehe ein Plan zur Bekämpfung des Steuerbetrugs vor, der an diesem Freitag vom Kabinett verabschiedet werden soll. Das Verbot solle für Zahlungen gelten, an denen wenigstens ein Unternehmer beteiligt sei.

Madrid hofft auf Einnahmen in Milliarden-Höhe

Bei Verstößen werde ein Bußgeld erhoben, das 25 Prozent des gezahlten Betrags ausmachen werde. Rajoy rechtfertigte im Parlament seine geplante Steueramnestie, die er für den Staatshaushalt 2012 vorgesehen hat und mit der er auf viel Kritik gestoßen war.

Der Parteichef der Vereinten Linken (IU), Cayo Lara, sagte, die Amnestie sei verfassungswidrig und ein Anreiz zur Steuerhinterziehung.

Die Regelung sieht vor, dass Steuerhinterzieher ihre nicht deklarierten Einnahmen und Vermögen gegen Zahlung eines Bußgelds von acht bis zehn Prozent legalisieren können. Madrid erhofft sich davon Einnahmen für die Staatskasse in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

http://www.welt.de/wirtschaft/article106172628/Spanien-will-Barzahlung-ueber-2500-Euro-verbieten.html

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10.04.2012

Schweden wollen ihr Bargeld abschaffen

Digitaler Zahlungsverkehr macht Münzen und Scheine in Schweden überflüssig. Selbst die Kirchen-Kollekte wird bereits per Kreditkarte abgewickelt. Doch ältere Menschen wollen am Bargeld festhalten.

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Als erstes Land in Europa führte Schweden 1661 das Papiergeld ein. Aktuellen Trends zufolge könnten die Skandinavier auch die ersten werden, die es wieder abschaffen. „Mir leuchtet nicht ein, warum wir noch weiter Geldscheine drucken sollten“, sagt der frühere Abba-Star Björn Ulvaeus, der sich neben vielen anderen in Schweden für eine bargeldlose Gesellschaft einsetzt.

Kreditkarten gehören in der Hightech-Nation selbst bei kleinsten Einkäufen längst zum Standard. Neuerdings wird zunehmend auch per Smartphone gezahlt. Aus Sicht der Mehrheit eine Vereinfachung des Alltags. Gerade bei älteren Schweden regt sich aber auch Widerstand.

In den Bussen und Straßenbahnen der meisten Städte wird Bargeld nicht mehr akzeptiert. Tickets werden entweder vorab gekauft oder per SMS. In immer mehr Geschäften ist ohne Kreditkarte kein Einkauf mehr möglich.

Kirchen-Kollekte per Kreditkarte

Selbst einige Bankfilialen haben inzwischen komplett auf digitalen Zahlungsverkehr umgestellt. In einer Kirche in der südlichen Stadt Karlshamn wird sogar die Kollekte per Kreditkarte abgewickelt.

Ein entsprechendes Lesegerät habe er auf Wunsch der Gemeinde installiert, sagt der Pastor Johan Tyrberg. „Mehrere Male sagten mir die Leute, sie wollten gerne etwas geben, hätten aber kein Bargeld dabei.“ Geldscheine und Münzen stehen in Schweden nur noch für drei Prozent der Wirtschaft.

Der Durchschnitt in der Euro-Zone liegt nach Angaben der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bei neun Prozent. In den USA sind es demnach noch sieben Prozent.

Nach Ansicht von Ulvaeus sind die drei Prozent in Schweden allerdings noch immer zu viel. Als Argument führt der Musiker, der mit Hits wie „Money, Money, Money“ in den 70er-Jahren Millionen verdiente, auch die Sicherheit an. Sein Sohn sei drei Mal ausgeraubt worden.

Bargeldlose Gesellschaft macht Dieben das Leben schwer

Mit seinem Einsatz für einen schnellen Übergang in die digitale Wirtschaft wolle er nicht nur gewöhnlichen Menschen den Alltag erleichtern, sondern auch Dieben ihre Arbeit erschweren. „Wenn es kein Bargeld gibt, was würden sie dann tun?“, fragt der 66-Jährige.

Statistiken des Schwedischen Bankenverbandes scheinen seine These zu bestätigen. Die Zahl der Banküberfälle im Land ist von 110 im Jahr 2008 auf 16 im Jahr 2011 zurückgegangen. Auch die Zahl der Angriffe auf Geldtransporter ist den Angaben zufolge gesunken.

„Wenn weniger Bargeld im Umlauf ist, erhöht das die Sicherheit, für Mitarbeiter, die mit dessen Abwicklung befasst sind, aber natürlich auch für die Allgemeinheit“, sagt Pär Karlsson, ein Sicherheitsexperte des Verbandes.

Elektronischer Handel ist Schutz vor Korruption

Da elektronischer Handel fast immer Spuren hinterlässt, gilt er vielen zudem als effektives Mittel gegen Korruption. Auf diese Weise lasse sich auch erklären, warum Schweden weniger Probleme mit Bestechlichkeit habe als Länder wie Italien oder Griechenland, in denen die Bargeldkultur noch viel verbreiteter sei, sagt der Ökonom Friedrich Schneider von der Universität Linz.

Die Kehrseite ist die Gefahr von Cyber-Kriminalität. Nach Angaben der schwedischen Sicherheitsbehörden ist die Zahl der computergestützten Betrugsfälle von etwa 3300 im Jahr 2000 auf fast 20.000 im Jahr 2011 gestiegen. Auch Datenschützer schlagen Alarm: „Es sollte möglich sein, Geld zu überweisen oder an verschiedene Organisationen zu spenden, ohne dass dies jedes Mal nachverfolgt werden kann“, sagt Oscar Schwartz, Gründer des ersten schwedischen Internetproviders.

Smartphones fungieren als Kreditkartenterminal

Findige Unternehmer treiben die Entwicklung in dem skandinavischen Land derweil immer weiter voran. Das Start-up iZettle bietet eine Anwendung an, die Smartphones zu mobilen Kreditkartenterminals macht. Die großen schwedischen Banken wollen noch in diesem Jahr gemeinsam eine Technik vorstellen, mit der Kunden in Echtzeit über ihre Handys Geld von ihren Konten überweisen können.

Nicht allen gefällt diese Entwicklung. „Es gibt Städte, in denen ist es nicht mehr möglich, in eine Bank zu gehen und dort sein Bargeld zu nutzen“, sagt Curt Persson von der Nationalen Organisation der Pensionäre. Für viele ältere Menschen sei dies ein großes Problem. Gerade in ländlichen Gebieten sei nicht jeder mit dem Umgang mit Kreditkarten vertraut.

Bargeld verschwindet nur langsam

So rechnen Experten auch nicht damit, dass Münzen und Scheine allzu bald komplett verschwinden werden. Das Bargeld werde überleben, sagte im vergangenen Jahr Lars Nyberg von der schwedischen Zentralbank. Es werde überleben „wie das Krokodil, auch wenn es gezwungen wird, seinen Lebensraum allmählich immer weiter einzuschränken“.

Die Prognose von Andrea Wramfelt, die in der Stadt Landskrona eine Bowlingbahn betreibt, fällt anders aus. Seit 2010 nimmt sie kein Bargeld mehr an. Innerhalb von 20 Jahren werde es in Schweden aufhören zu existieren, sagt sie. Viele Einzelhändler stehen der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs allerdings auch skeptisch gegenüber.

Für jede Transaktion müsse sie umgerechnet etwa 60 Euro-Cent an ihre Bank abgeben – und ein Gesetz verbiete es ihr, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, sagt die Stockholmer Kioskbetreiberin Hanna Celik. Bei der Entwicklung gehe es also nicht nur um eine Vereinfachung des Alltags, sondern auch um das Profitstreben der Finanzinstitute.

http://www.welt.de/finanzen/article106169026/Schweden-wollen-ihr-Bargeld-abschaffen.html

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05.01.2012

Banken testen ersten Schritt zur totalen Geldkontrolle

Neue Kreditkarten sollen die bargeldlose Bezahlung selbst bei Kleinstbeträgen ermöglichen. Es wäre der erste Schritt zur bargeldlosen Gesellschaft, die gleichzeitig ungeahnte Möglichkeiten der Überwachung eröffnen würde.

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Im Rahmen eines Pilotprojektes testen Banken die Verwendung von Kreditkarten für die Bezahlung von Kleinstbeträgen. Der Clou: Das Ganze soll kontaktlos per Funk erfolgen, wie unter anderem die Bild-Zeitung berichtet. Sollte sich die Technik durchsetzen, so wäre dies der erste Schritt für die Kontrolle des gesamten privaten Geldverkehrs.

Denn Bargeld würde damit überflüssig. Würde der Staat das Bargeld in diesem Zuge komplett abschaffen, so wäre jedwede Finanztransaktion – vom Friseur-Entgelt bis zum Münzkauf – digital erfasst.

Was den Bürgern als bequeme Zahlungsart und als vielversprechendes Mittel gegen Schwarzarbeit, Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung angepriesen würde, hätte in letzter Konsequenz den totalen Überwachungsstaat zur Folge.

http://www.goldreporter.de/banken-testen-ersten-schritt-zur-totalen-geldkontrolle/news/17682/

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23.12.2011

Monti will Italien in eine bargeldlose Gesellschaft verwandeln

Eines zeichnet die Italiener aus, sie sind die grössten Sparer innnerhalb der EU, haben die geringsten Privatschulden und sie zahlen gerne mit Bargeld. Das eine hängt mit dem anderen zusammen, denn sie benutzen ungern Bank- und Kreditkarten, geben deshalb nicht mehr Geld aus als sie haben und landen nicht so im Minus. Der Bilderberger Mario Monti, als undemokratisch eingesetzter neuer Diktator über Italien, will das drastisch ändern. Am 4. Dezember verkündete er, es dürfen keine Bargeldzahlungen über 1’000 Euro mehr getätigt werden, vorher lag das Limit bei 2’500 Euro.

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Lass keine Krise ungenutzt und führe damit drastische gesellschaftliche Änderungen ein, die unter normalen Umständen nicht möglich wären, lautet das Motto der Elite. Deshalb fabrizieren sie Krisen, denn mit Angst, Panik und Notstand lässt es sich leichter gewünschte Massnahmen durchsetzen. Eine davon ist die Verwandlung in eine bargeldlose Gesellschaft. Warum? Vordergründig wird den Gutmenschen erzählt, es gehe um den Kampf gegen die Steuerhinterziehung, aber in Wirklichkeit ist die totale Kontrolle das Ziel, der gläserne Bürger, wo jede Finanztransaktion regstriert wird.

Die wirklichen Steuerhinterzieher sind ja nicht die Kleinbürger, die Omas und Opas, die auf dem Wochenmarkt und in den Läden barzahlen. Das ist lächerlich. Sondern die Besitzer der globalen Konzerne und Riesenvermögen, die mit Steuersparmodellen, Platzierung ihrer Holdinggesellschaften auf Off-Shore-Inseln und allen möglichen Schlupflöchern in den Steuergesetzen, dem Staat das Geld entziehen. Eines dieser Schlupflöcher, welches die Elite für sich reserviert hat, sind die britischen Kanalinseln. Wusstet ihr, die sind nicht ein Teil der EU, unterliegen nicht den üblichen Steuergesetzen und gehören der britischen Krone?

Darüber verschwinden Billionen und ist DIE Geldwaschanlage!

Ja die kriminelle Elite schafft immer Privilegien und Ausnahmen für sich, nur der Pöbel soll sich an die Regeln halten. Deshalb, was Monti und auch die anderen neuen „Regierungschefs“ in Griechenland, Spanien etc. jetzt durchsetzen, die Einschränkung der Barzahlung, ist eine Ausrede, eine gute Gelegenheit, die völlige Kontrolle und Überwachung einzuführen. Leider fallen viele gutgläubigen Bürger darauf rein und sagen, ja die Steuerhinterzieher müssen gestoppt werden, ich bin für die Einchränkung des Bargelds. Dabei lachen sich die wirklichen Diebe der Staatsfinanzen über diese Dummheit krumm.
Monti wollte anfänglich sogar das Limit auf 300 oder 500 Euro setzen, sah aber ein, das wäre zu drastisch für die Italiener. Der Vizefinanzminister Vittorio Grilli (der Name passt ja prima lach) sagte bei einer Pressekonferenz am 5. Dezember in Rom, „die Kultur des Bargeld ist sehr stark bei den Italienern eingeprägt,“ und er meinte, die Bürger müssen sich erst an die neuen Regeln gewöhnen, bevor man ein noch strengeres Limit einführt. Typische Salamitaktik, die gewünschte Änderung wird in kleineren Häppchen eingeführt, so schluckt es sich leichter.

Monti will, dass die Italiener in Zukunft nur noch Plastikkarten für jede Zahlung benutzen. Davon profitieren werden wieder nur die Banken, die dann noch mehr happige Gebühren kassieren können. Bei Kreditkarten bis zu 3 Prozent. „Wenn die Banken ihre Gebühren für Kreditkarten und Kontoführung nicht reduzieren, dann werden sie noch mehr Geld durch dieses neue Gesetz einsacken,“ sagte Mauro Novelli, Generalsekräter der Organisation, die Bank- und Versicherungskunden repräsentiert.

Im Gegensatz zum Staat, der mit fast 2 Billionen Euro verschuldet ist, sind die Italiener die fleissigsten Sparer und in der EU am wenigsten im Minus, wie Eurostat berichtet. Ihre Abneigung zum Plastikgeld zeigt auch diese Tatsache, sie benutzen im Durchschnitt Kreditkarten nur 26 Mal im Jahr, fünf Mal weniger als in anderen EU-Ländern, laut italienischer Zentralbank.
Bin sowieso gespannt, wie Italien aus der Schuldenkrise rauskommen will. Ich hab mal zusammengerechnet, 2012 werden Staatsanleihen in Höhe von 318 Milliarden Euro fällig. Ist aus den Daten des Finanzministeriums ersichtlich (Dipartimento Del Tesoro). Diese irrsinnige Summe muss refinanziert werden. Da sind ja die beschlossenen Sparmassnahmen lächerlich wenig dagegen, die decken nichtmal die Zinsen.

Am Donnerstag hat der Senat mit 257 zu 41 Stimmen Montis 33 Milliarden Euro „Rette Italien“ Paket verabschiedet. Wie soll denn das faktische Bargeldverbot ihnen dabei aus der Pleite helfen? Ist deshalb eine durchsichtige Ausrede zur Bevölkerungskontrolle.
Das neue Gesetz diskriminiert auch ältere Menschen, denn viele benutzen gar keine Karte. Viele Kleinbetrieb zahlen ihre Angestellten auch noch in Bar aus. 7,5 Millionen Italiener haben nicht mal ein Bankkonto. In Zukunft werden diese gezwungen werden Konten zu eröffnene und Bankkarten zu benutzen. Ausserdem befürchten viele Italiener, dass die Preise steigen werden, wenn man nicht mehr mit Barzahlung einen Rabatt aushandeln kann und die Gebühren aufgeschlagen werden.
Monti sagte dazu, „Was wir benötigen, ist eine Revolution im italienischen Denken und das braucht Zeit. Was wir hier machen ist der erste Schritt.“ Ja der Schritt zum kontrollierten Menschen, den man nach Belieben abschalten kann. Es war schon immer das Ziel der globalen Elite das Bargeld abzuschaffen, denn so hat man die totale Macht. Unliebsame Bürger kann man damit sofort lebensunfähig machen. Man muss nur im Computer das Konto sperren, dann steht man hilflos ohne Alternative vor der Kasse wenn es heisst, „Sorry, ihre Karte wird nicht akzeptiert!

Barzahler = Terrorist

Die Propaganda gegen Barzahlung geht so weit, in den USA wird man sofort als Terrorist verdächtig, wenn man keine Kreditkarte hat und mit Bargeld zahlen will. Das Heimatschutzministerium (US-Gestapo) hat sogar ein Video herausgebracht, um darauf hinzuweisen. Dabei gibt es gar keinen Präsendenzfall, der Bargeld und Terrorismus in Verbindung bringt. Im Gegenteil. Die angeblichen 9/11 Terroristen haben mit Kreditkarte ihre Flugtickets bezahlt und man staune, sie waren von einer US-Behörde ausgestellt (lach). Deshalb, die Behauptung, es gehe um den Kampf gegen Steuerhinterziehung oder Terrorismus, ist voll gelogen.

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2011/12/monti-will-italien-in-eine-bargeldlose.html

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Überall auf der Welt wird Bargeld immer mehr abgeschafft. Profiteure sind vor allem Banken und Regierungen.

 

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