Arbeitsmarkt in Deutschland – eine Chronik

 07.05.2017

Wie steht es wirklich um das deutsche Jobwunder?

Erwerbstätigkeit, Arbeit, auskömmliche Beschäftigung – alles einerlei

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Unsere Medien schwelgen bei ihrer Arbeitsmarktberichterstattung gerne in Superlativen. Hier einige Schlagzeilen aus den letzten Monaten: „Rekordbeschäftigung – Deutsches Jobmärchen geht weiter“ (Welt.de), „Deutscher Arbeitsmarkt – So viele freie Stellen wie noch nie“ (Tagesschau), „Konjunktur – so wenig Arbeitslose wie seit 1991 nicht mehr“ (Sueddeutsche.de).

Oberflächlich betrachtet, handelt es sich bei all diesen Schlagzeilen um Fakten. Bei näherem Hinsehen erkennt man leicht, dass beispielsweise die Aussage der Süddeutschen mit der Realität in etwa so viel gemein hat wie weiland die Jubelmeldungen über 120 Prozent Planerfüllung in der DDR-Presse, angesichts der zahllosen Manipulationen der Arbeitslosenstatistik, die seit 1991 sukzessive eingeführt wurden.

Als das Statistische Bundesamt vermeldete, dass die durchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2016 bei 43,4 Millionen lag, ging wieder einmal ein Jubelsturm durch den Blätterwald. Bild.de titelte „Neuer Job-Rekord in Deutschland“ und behauptete frech: „43,4 Millionen Menschen waren in Lohn und Brot, so viele wie seit der Wiedervereinigung nicht.“ Das Handelsblatt schrieb: „Um Lohn und Brot brauchten sich die meisten Deutschen im vergangenen Jahr keine Sorgen zu machen“ – und bezog dies auf die Erwerbstätigen.

Es hat Tradition, dass deutsche Medien die Begriffe Erwerbstätigkeit, Beschäftigung und Arbeit munter vermischen und, wenn es der gewünschten Aussage dienlich erscheint, synonym verwenden. So muss man erst einmal darauf kommen, dass es unter den Erwerbstätigen auch immer mehr ältere Menschen gibt, die einen Nebenjob ausüben, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Mit steigender Altersarmut aufgrund der Rentenkürzungen dürfte die Erwerbstätigenquote sicher noch ungeahnte Höhen erklimmen.

Zahlenzauber und Ameisenschrift – wie man die hohe Arbeitslosigkeit Älterer beseitigt

Die bewusste oder gedankenlose Vermischung von Begriffen und Bezugsgrößen ermöglicht es, die Zustände auf dem deutschen Arbeitsmarkt als geradezu paradiesisch darzustellen. Ein Paradebeispiel dafür lieferte kürzlich Spiegel Online ab. Um seine Behauptung zu belegen, auch Ältere säßen heute „fest im Job“, scheut Wirtschaftsredakteur Florian Diekmann keine Mühen. Neben seinem spielerischen Umgang mit Begriffen und Bezugsgrößen beeindruckt die kreative Auslegung amtlicher Statistiken.

Die Grafik, die belegen soll, dass „Arbeiten“ für Ältere „zum Normalfall“ wird, zeigt angeblich die Entwicklung der „Beschäftigungsquote“ (laut Text und Überschrift der Grafik), in Wahrheit aber die Erwerbstätigenquote, wie in blasser Ameisenschrift darunter zu lesen ist. Klickt man die 55- bis 59-Jährigen an, tritt Erstaunliches zutage: Mehr als 80 % von ihnen gehen einer „Beschäftigung“ nach – in Wahrheit einer Erwerbtätigkeit. Betrachtet man hingegen tatsächlich die Beschäftigungsquote, fällt das Ergebnis weniger eindrucksvoll aus, wie die folgende Grafik zeigt.

So lag 2015 die Erwerbstätigenquote der 15-64-Jährigen bei 77,6 %, die Beschäftigungsquote dagegen nur bei 56,9 %. Von den 55- bis 59-Jährigen waren 81,1 % erwerbstätig und 57,4 % beschäftigt. Tatsächlich sind 55- bis 59-Jährige nicht nur überdurchschnittlich oft erwerbstätig, sondern auch leicht überdurchschnittlich oft sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wenn auch erst seit 2015. Den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in dieser Altersgruppe führen Arbeitsmarktexperten unter anderem darauf zurück, dass ihr heute geburtenstarke Jahrgänge angehören, die von jeher auf dem Arbeitsmarkt stark vertreten waren.

Doch eigentlich geht es in dem besagten Spiegel-Online-Artikel nicht um 55- bis 59-Jährige. Da der Autor sich nach Kräften bemüht, seinen Lesern weitere Erhöhungen des Renteneintrittsalters, über die Rente mit 67 hinaus, schmackhaft zu machen, sollten vielmehr die über 60-Jährigen im Fokus stehen. Auch für diese sei es „mittlerweile die Regel, zu arbeiten“, behauptet Diekmann.

Vor unserem geistigen Auge sehen wir Menschen kurz vor der Rente, die 40 Stunden die Woche am Schreibtisch sitzen oder an der Werkbank stehen und in Zeiten des „Fachkräftemangels“ für ihre Arbeitgeber unentbehrlich geworden sind – ein Trugbild, wie ein näherer Blick auf die Statistik zeigt. Immerhin 56,2 % der über 60-Jährigen sind erwerbstätig; beschäftigt sind dagegen nur 35,9 %. Und beschäftigt heißt nicht vollzeitbeschäftigt. Wie das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen (IAQ) errechnet hat, lag im Jahr 2015 die Vollzeitbeschäftigungsquote unter den 60-Jährigen bei 35,2 %, unter den 63-Jährigen bei 15,0 % und unter den 64-Jährigen bei 10,3 %.

Was für die Älteren gilt, gilt, wenn auch in etwas geringerem Maße, auch für die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter insgesamt. Zweifellos ist die Beschäftigungsquote, auch unter den Älteren, gestiegen. Doch geht das vorgebliche Beschäftigungswunder allein auf den Anstieg der Teilzeitbeschäftigung zurück. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten lag 2016 mit rund 22,9 Millionen zwar über den 21,8 Millionen im Jahr 2006, jedoch immer noch niedriger als 2000, als es in Deutschland noch 23,9 Millionen Vollzeitbeschäftigte gab. Steil angestiegen ist hingegen die Zahl der Teilzeitbeschäftigten, von 3,9 Millionen im Jahr 2000 auf 4,5 Millionen im Jahr 2006 und 8,7 Millionen im Jahr 2016.

Zudem ist der für die letzten Jahre ausgewiesene Anstieg der Beschäftigungsquote zum Teil ein statistisches Artefakt. Nach Angaben der BA fallen die Zahlen ab 2011 unter anderem deshalb höher aus, da sie auf Grundlage des Zensus 2011 erstellt wurden. Da die Bevölkerungszahl zuvor zu hoch angesetzt worden war, fielen die für die Jahre vor 2011 berechneten Beschäftigungsquoten zu niedrig aus.

Trifft denn wenigstens der von Politik und Medien vermittelte Eindruck zu, dass es in Deutschland immer mehr Arbeit gibt? Die Antwort lautet: nicht wirklich. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist zwar die Zahl der Erwerbstätigen und der Beschäftigten gestiegen, die Arbeit verteilt sich jedoch nur auf mehr Schultern. Wie die folgende Grafik zeigt, liegt das Arbeitsvolumen aller Erwerbstätigen heute zwar über dem Stand von 2005, aber immer noch unter dem Stand von 1991.

So entpuppt sich das angebliche Beschäftigungswunder als Teilzeitbeschäftigungswunder. Da in dem hier dargestellten Zeitraum die Zahl der Erwerbstätigen deutlich angestiegen ist, ist klar, dass das Arbeitsvolumen pro Kopf entsprechend deutlich gesunken sein muss. In welchem Maße dies geschehen ist, verdeutlicht die folgende Grafik. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort, wie eine bis 1960 zurückreichende Aufstellung des IAQ beweist.

Zu erklären sein dürfte diese Entwicklung zum Teil mit Produktivitätsfortschritten, wachsender Automatisierung und dem durch Hartz IV ausgelösten Druck, auch geringfügige Beschäftigungen aufzunehmen. Dazu kommt die unter anderem durch das Ehegattensplitting geförderte klassische Rollenverteilung. Zwar ist die Frauenerwerbstätigkeit stark angestiegen und liegt inzwischen in der europäischen Spitzengruppe, doch in keinem anderen europäischen OECD-Land tragen Frauen im Durchschnitt so wenig zum Haushaltseinkommen bei wie in Deutschland, wie eine OECD-Studie ergab.

Vor diesem Hintergrund entpuppen sich im Übrigen die Standardaussagen arbeitgebernaher Wirtschaftsexperten, Arbeitszeitverkürzung sei des Teufels und eine Verlängerung der Wochen- und Lebensarbeitszeit führe zu mehr Beschäftigung, als leeres Geschwätz. Arbeitszeitverkürzung ist seit langem Realität, nur weitestgehend ohne Lohnausgleich. Ohne die stetige Verkürzung der realen durchschnittlichen Arbeitszeiten läge die Arbeitslosenquote, bei stagnierendem Arbeitsvolumen, heute weitaus höher. Doch mit solch defätistischem Zahlenwerk behelligen die Medien ihre Konsumenten hierzulande nur selten. So wird es wohl auch künftig, weitgehend unwidersprochen, heißen: Wir müssen alle nur mehr und länger arbeiten, dann steigt die Beschäftigung und die Rente ist sicher. Und die Arbeitslosenquote wird weiter sinken, zumindest auf dem Papier.

Die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen ist dazu kein Widerspruch, sondern im Gegenteil die Voraussetzung dafür. So erklärt es sich wohl auch, warum die sozialdemokratische Arbeitsministerin Andrea Nahles partout nichts dabei finden kann, wenn immer mehr Teilzeitverträge mit fester Stundenzahl in Verträge mit flexiblen Einsatzzeiten umgewandelt werden, die ständige Verfügbarkeit mit schmalem Einkommen kombinieren.

Doch was ist mit den vielen Flüchtlingen, die auf den Arbeitsmarkt drängen? Für sie gibt es Ein-Euro-Jobs und die bewährten arbeitsmarktpolitischen „Maßnahmen“. Sollte das wider Erwarten nicht reichen, um einen Anstieg der offiziellen Arbeitslosenquote zu verhindern, so können sich die Regierenden auf willfährige Journalisten verlassen, die dieses Problem mittels kreativer Statistikauslegung aus der Welt schaffen.

Wie das geht, hat einmal mehr Spiegel Online unter Beweis gestellt. Da berichtet das IAB, dass vielleicht, wenn alles optimal läuft, in fünf Jahren die Hälfte der Flüchtlinge einer Erwerbstätigkeit nachgehen wird, also beispielsweise einem Ein-Euro-Job oder einem bezahlten Praktikum. Und der Online-Ableger des Hamburger Nachrichtenmagazin macht daraus: „Jeder zweite Flüchtling hat nach fünf Jahren einen Job.“

https://www.heise.de/tp/features/Wie-steht-es-wirklich-um-das-deutsche-Jobwunder-3701936.html

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01.09.2015

Sommer lässt Zahl der Arbeitslosen steigen

Die Zahl der Arbeitslosen ist im August leicht gestiegen. Die Arbeitsagentur sieht dennoch Grund zur Freude, denn im Vergleich zum Vorjahr nahm die Erwerbslosenquote deutlich ab.

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Die übliche Sommerpause hat die Arbeitslosenzahl im August weiter steigen lassen. Zuletzt waren 2,796 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Das waren 23.000 mehr als im Juli. In den vergangenen drei Jahren war die Zahl der Arbeitslosen im August im Schnitt um 30.000 gestiegen. Behördenchef Frank-Jürgen Weise sagte daher: „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin günstig: Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im August saisonbereinigt gesunken, das Beschäftigungswachstum hält an.“ Es ist zudem die niedrigste Arbeitslosigkeit in einem August seit 1991.

Die Arbeitslosenquote nahm gegenüber Juli um 0,1 Punkte auf 6,4 Prozent zu. Saisonbereinigt sank die Zahl der Jobsucher um rund 7000 auf 2,790 Millionen. Und im Vergleich zum Vorjahr waren 106.000 Menschen weniger erwerbslos gemeldet. Hauptursache für den Anstieg im August sei die anhaltende Sommerpause, sagte Weise. Viele junge Menschen melden sich nach abgeschlossener Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos. Außerdem stellen die Unternehmen in den Ferien weniger neue Mitarbeiter ein.

Viele Metaller gesucht

Die Zahl der offenen Stellen stieg im August erneut auf nun 597.000 – das sind 81.000 mehr als vor einem Jahr. „Besonders gesucht sind zurzeit Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau, Verkauf sowie Verkehr und Logistik“, teilte die BA mit. „Es folgen Berufe in Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik.“

Auch Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind weiter gewachsen. Nach den jüngsten Daten vom Juli stieg die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 26.000 auf 42,99 Millionen. Das sind 160.000 mehr als im Vorjahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte von Mai auf Juni um 41.000 auf 30,72 Millionen zu. Das sind 547.000 Menschen mit regulärem Job mehr als vor einem Jahr.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/7229332/sommer-laesst-zahl-der-arbeitslosen-steigen.html

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09.11.2014

Deutschland schummelt bei den Zahlen zur Langzeit-Arbeitslosigkeit

Trotz statistischer Tricks ist es nicht gelungen, die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland abzubauen. Schlimmer noch: In keinem europäischen Land ist die soziale Ausgrenzung von Arbeitslosen größer als hier: 86 % der Erwerbslosen in Deutschland waren 2013 von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen.

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Wenn man die Länder, die derzeit als Eurokrisenländer gelten, unberücksichtigt lässt, so hat Deutschland mit 2,4 % der aktiven Bevölkerung noch immer nach Frankreich, Belgien und Großbritannien die höchste Rate an Langzeitarbeitslosen an der aktiven Erwerbsbevölkerung unter westlichen Industrieländern (Abb. 13479). Seit 2009 ist es – trotz aller Jubelmeldungen vom Arbeitsmarkt – nicht gelungen, die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiter abzubauen (Abb. 18564), obwohl dabei auch viele statistische Tricks zum Einsatz kamen.

So sind in Deutschland mehr als 100.000 Menschen, die mindestens 58 Jahre alt sind, bei der Bundesagentur für Arbeit registriert, ohne in der Arbeitslosenstatistik mitgezählt zu werden. Menschen in langen Warteschleifen von wiederholter Weiterbildung oder auf dem Niveau von 1-Euro-Jobs fallen ohnehin aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen ist seit 2009 sogar von 33 % auf 36 % gestiegen. 87.000 Langzeitarbeitslose sollten durch das von Arbeitsministerin von der Leyen mit viel Tam-Tam aufgelegte Programm der Bürgerarbeit wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Doch nur 20 bis 25 % waren nach Ausscheiden aus der Bürgerarbeit in sozialversicherungspflichtigen Jobs gelandet und bis zu 23 % waren sogar schlicht völlig aus der Statistik verschwunden.

Noch immer sind mehr als eine Million Menschen in Deutschland ein Jahr oder länger amtlich ohne Job. Ministerin Nahles hat Pläne gegen die Langzeitarbeitslosigkeit, doch ob sie wirklich helfen werden, mag man bezweifeln. Schlimmer noch: Erst ist der Job weg, kommt die soziale Ausgrenzung hinterher. 86 % der Erwerbslosen waren 2013 von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, der weitaus höchste Anteil aller Vergleichsländer, selbst unter Einschluß der Eurokrisenländer, und fast doppelt so hoch wie beispielsweise in der Schweiz

Als armutsgefährdet gilt nach der Definition der EU-Statistiker, wer inklusive Sozialleistungen weniger als 60 Prozent des sogenannten nationalen Medianeinkommens erzielt. Das ist der Wert, der in der Mitte steht, wenn man alle Einkommen in einem Land in einer Liste aufreiht. Soziale Ausgrenzung droht nach Definition der Statistiker zum Beispiel dann, wenn sich Menschen keine Waschmaschine, keinen Fernseher und kein Telefon leisten können und zudem nicht einmal eine Woche Urlaub pro Jahr bezahlbar ist.

Am Beispiel der Hartz-4-Empfänger wurde im Oktober 2013 durch eine neue Studie unter Mitwirkung des bundeseigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bekannt, wie stark durch Arbeitslosigkeit ausgelöste Armut auf die Psyche schlägt. Die darin ausgewerteten Daten der Techniker Krankenkasse für 2006 zeigen, daß schon vor 7 Jahren 22 % der berufstätigen Versicherten eine psychiatrische Diagnose gestellt bekommen hatten. Bezieher von Arbeitslosengeld II – also Hartz IV – waren schon zu 37 % betroffen. Noch brisanter sind die aktuelleren Daten der AOK, nach denen der Anteil von Hartz-IV-Beziehern mit psychischen Problemen an allen Hartz-4-Beziehern der AOK allein zwischen 2007 und 2011 um ein Viertel von knapp 33 % auf über 40 % gestiegen ist (Abb. 18240).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/09/deutschland-schummelt-bei-den-zahlen-zur-langzeit-arbeitslosigkeit/

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30.09.2014

Deutscher Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitslose als erwartet

Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich im September schlechter entwickelt als für die Jahreszeit üblich. Die Zahl der Arbeitslosen ging im Monatsvergleich zwar um 94.000 auf 2,808 Millionen zurück. Saisonbereinigt legte die Arbeitslosenzahl aber unerwartet stark um 12.000 Personen zu.

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Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich im September schlechter entwickelt als für die Jahreszeit üblich. Die Zahl der Arbeitslosen ging im Monatsvergleich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwar um 94.000 auf 2,808 Millionen zurück. Der Rückgang fiel damit schwächer aus als für die einsetzende Herbstbelebung üblich.

Saisonbereinigt legte die Arbeitslosenzahl unerwartet stark um 12.000 zu. Banken-Volkswirte hatten im Durchschnitt noch mit einer Abnahme um 2000 im Monatsvergleich gerechnet. Die BA erklärte die Zunahme damit, dass die Entlastungswirkung durch die Arbeitsmarktpolitik zurückgegangen sei. Warnsignale, dass eine Verschlechterung bevorstehen könnte, sieht die Behörde nicht.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise unterstrich am Dienstag, dass die Zahl der Arbeitslosen in geringerem Umfang als in den Vorjahren durch Förderprogramme gesenkt worden sei. Angesichts der Ukraine-Krise und der Sanktionen gegen Russland sowie der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der Euro-Zone wird für das laufende Jahr bei der Arbeitslosigkeit in Deutschland wenig Bewegung erwartet.

BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker widersprach einem Zeitungsbericht, wonach es erste Warnsignale bei der Kurzarbeit gebe. Der Beratungsbedarf bei der Kurzarbeit sei regional und über Branchen breit gestreut im September gestiegen, aber nicht so stark, wie im September vorigen Jahres. „Wir haben keine Signifikanz, dass da was droht“, sagte Becker. In Kurzarbeit seien derzeit 45.000 Beschäftigte, für 11.000 sei sie angekündigt.

Banken-Volkswirte etwa von der BayernLB sprachen dennoch von „ersten Bremsspuren am Arbeitsmarkt“. Diese seien dem konjunkturell schwachen zweiten Quartal und „zum Teil der gestiegenen außenwirtschaftlichen Unsicherheit zuzuschreiben“. Von einer negativen Trendwende sei aber nicht auszugehen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/30/deutscher-arbeitsmarkt-mehr-arbeitslose-als-erwartet/

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28.08.2014

Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt stärker als erwartet

Im August ist die Arbeitslosigkeit stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Die Bundesagentur macht für den Anstieg nicht das Wetter, sondern die unterschiedlichen Termine der Sommerferien in den Bundesländern verantwortlich. Die Ukraine wurde nicht erwähnt – wohl auch, um Widerstand der deutschen Arbeitnehmer gegen die Russland-Politik zu vermeiden.

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Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Ferienmonat August etwas stärker als üblich gestiegen. Sie legte im Vergleich zum Vormonat um 30.000 auf 2,902 Millionen zu, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte. Im Schnitt der vergangenen Jahre lag das Plus bei rund 22.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 6,6 auf 6,7 Prozent. “Ein Anstieg ist im August üblich, er fiel aber stärker aus als in den letzten Jahren”, erklärte die Bundesagentur. “Grund ist, dass die Sommerferien in vielen Bundesländern später begonnen haben und im August in allen Ländern noch andauerten.”

In der Ferienzeit stellen Unternehmen weniger Personal ein, während sich viele Jugendliche nach Schul- oder Ausbildungsabschluss vorübergehend arbeitslos melden. Werden solche saisonalen Faktoren herausgerechnet, dann nahm die Erwerbslosenzahl um 2000 zum Vormonat zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen einen Rückgang um 5000 erwartet.

Im Vergleich zum August 2013 nahm die Zahl der Erwerblosen um 44.000 ab. “Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich tendenziell fort”, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. “Auch für die nächste Zeit erwarten wir aus heutiger Sicht keine wesentlichen Änderungen. Ein signifikanter Anteil der Erwerbstätigen arbeitet allerdings Teilzeit oder im Billigsegment. Viele Arbeitnehmer brauchen mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen. 

Interessanterweise erwähnte Weise die Ukraine-Krise nicht. Zuletzt hatte der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft Befürchtungen geäußert, dass die Sanktionsspirale die deutsche Wirtschaft bis zu 50.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Offenbar will die Bundesregierung vermeiden, dass die Arbeitnehmer die deutsche Russland-Politik für die Probleme am deutschen Arbeitsmarkt verantwortlich machen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/28/arbeitslosigkeit-in-deutschland-steigt-staerker-als-erwartet/

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28.05.2014

Sogar in der offiziellen Statistik: Mehr Arbeitslose im Mai

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai um 24.000 gestiegen. Die Frühlingsbelebung habe sich deutlich abgeschwächt, so der Chef der Agentur für Arbeit. Ökonomen sehen daran ein Zeichen, dass der kurze Aufschwung in Deutschland schon wieder vorüber sein könnte.

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Die offizielle Zahl der Arbeitslosen ist im Mai zum ersten Mal seit sechs Monaten gestiegen. Die Agentur für Arbeit vermeldete einen saisonalbereinigten Anstieg von 24,000 Arbeitslosen auf 2,905 Millionen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,7 Prozent.

Die Frühjahrsbelebung hat sich im Mai abgeschwächt“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise.

In den vergangenen drei Jahren gab es im Mai durchschnittlich einen Rückgang von gut 100.000 Arbeitslosen. Von Reuters befragte Banken-Volkswirte hatten in diesem Jahr immerhin mit einem Rückgang um 15.000 gerechnet.

Der milde Winter, der den deutschen Wirtschaftsdaten im ersten Quartal mit einem starken BIP-Zuwachs und sinkender Arbeitslosigkeit geschmeichelt hat, schlägt nun zurück“, zitiert Bloomberg den Chef-Ökonomen der Berenberg Bank Christian Schulz. „Deutschlands Arbeitsmarkt zeigt einen starken Positiv-Trend trotz des leichten Rückgangs im Mai“, so Schulz weiter.

Die Zahl der Arbeitslosen nahm in den alten Bundesländern um 16,018 zu, während sie in den neuen Bundesländern nur um 7,919 stieg.

Wir sollten anerkennen, dass der Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns liegt“, sagte der Dekabank-Ökonom Andreas Scheuerle zu Bloomberg. „Wir haben viel erreicht und es wird schwierig in derselben Geschwindigkeit weiterzumachen“, so Scheuerle weiter.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/28/sogar-in-der-offiziellen-statistik-mehr-arbeitslose-im-mai/

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17.12.2013

Mehr Arbeitslose, mehr Mini-Jobs

Das ist das Ende des deutschen Job-Wunders

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist solide. Aber wie lange noch? Tatsächlich ist die Lage am Job-Markt längst nicht so rosig, wie gedacht. Noch schlimmer: Bald wird die Arbeitslosigkeit wieder steigen.

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Deutschland hat seit der Finanzmarktkrise einen geradezu märchenhaften Stellenaufbau erfahren. Obwohl das Wachstum in dramatisch einbrach, stieg die Arbeitslosigkeit kaum. Und trotz der Krise im Euroraum wuchs danach die Zahl der Beschäftigten Jahr um Jahr. Viele der neu geschaffenen Jobs sind jedoch Teilzeitstellen oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Insofern ist die Qualität des Beschäftigungsaufschwungs durchaus zweifelhaft.

Nun droht aber auch die quantitative Seite des Stellenwunders zu verblassen. Blickt man auf die Konjunkturaussichten in Deutschland, ist der Horizont nicht nur rosarot. Zwar hat sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr dieses Jahres belebt, aber ein durchgreifender Aufschwung ist nicht in Sicht. Das schwache Wachstum 2014, wahrscheinlich rund 1,2 Prozent, hat negative Folgen für den Arbeitsmarkt. Zwar wird sich die Zahl der Stellen im kommenden Jahr noch leicht erhöhen (um 0,4 Prozent), doch zugleich steigt auch die Zahl der Arbeitslosen. Im Jahr 2014 dürften im Durchschnitt wieder rund drei Millionen Menschen ohne Arbeit sein.

Paradoxes Phänomen

Dieses auf den ersten Blick paradoxe Phänomen eines gleichzeitigen Anstiegs, sowohl der Beschäftigung als auch der Arbeitslosigkeit, lässt sich mit drei Faktoren erklären. Erstens: Der demografische Zustrom auf den Arbeitsmarkt ist derzeit trotz der generellen Tendenz zur Alterung recht hoch. Zweitens gibt es einen Zustrom von Arbeitskräften durch verstärkte Migration. Und drittens wirkt die Arbeitsmarktpolitik der Bundesagentur für Arbeit aufgrund von Einsparungen relativ wenig entlastend.

Alle drei Faktoren zusammengenommen bedeuten, dass das Arbeitskräfteangebot derzeit relativ stark zunimmt. Aufgrund des verhaltenen Wachstums nimmt aber die Nachfrage nach Arbeitskräften nur wenig zu, so dass nur ein Teil der neuen Arbeitsuchenden Beschäftigung findet. Die Übrigen rutschen in die Arbeitslosigkeit.

Zu wenig Schwung

Dies ist ein klares Indiz dafür, dass das Wachstum nicht mehr ausreicht, um die Arbeitslosen am Arbeitsmarkt zu absorbieren. Damit hat die Krise des Euroraums letztlich auch den deutschen Arbeitsmarkt erreicht. Denn die Ursachen für das schwache Wachstum sind die immer noch verhaltene Exportdynamik und die zähe Erholung der Investitionsbereitschaft. Beide Größen werden durch die Krise im Euroraum belastet.

Von daher gilt: Soll das Job-Wunder weitergehen, muss die Wachstumsschwäche des Euroraums nachhaltig überwunden werden. Das ist die wirtschaftspolitische Herausforderung für die Große Koalition.

http://www.focus.de/finanzen/news/gastkolumnen/horn/mehr-arbeitslose-mehr-mini-jobs-arbeitsmarkt-das-ende-des-deutschen-job-wunders_id_3485889.html

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28.11.2013

Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt. Das magere Wachstum reicht nicht, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Aktuell profitieren vor allem Zuwanderer von neuen Jobs, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.

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Trotz Beschäftigungsrekord und anziehender Konjunktur ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland überraschend gestiegen. Sie kletterte im November auf 2,806 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Das seien 5000 mehr als im Oktober und 55.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote blieb im Monatsvergleich unverändert bei 6,5 Prozent. Für die nächsten Monate sei wenig Besserung in Sicht, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Vielmehr werde die Arbeitslosigkeit bei hartem Winter womöglich schon im Dezember, spätestens aber im Januar über die Drei-Millionen-Marke steigen.

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Arbeitslosenzahl laut BA unerwartet deutlich um 10.000 zum Vormonat.

Auf den ersten Blick entwickelt sich der Arbeitsmarkt damit uneinheitlich. Denn zugleich stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Oktober auf ein Rekordhoch von rund 42,2 Millionen. Dies waren 252.000 mehr Männer und Frauen in Lohn und Brot als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt erklärte. Dennoch steigt die Zahl der Arbeitslosen, da laut Weise viele von ihnen mangels passender Qualifikation nicht vom Jobaufbau profitieren können: “Die Profile der Arbeitslosen passen nicht zu den angebotenen Arbeitsplätzen.” Von der anziehenden Beschäftigung profitieren nach Weises Worten vielmehr vor allem Frauen und Zuwanderer. In das wirtschaftlich stabile Deutschland wanderten im ersten Halbjahr 555.000 Menschen ein – vor allem aus Osteuropa und den Euro-Krisenländern. Das waren elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig zogen nur 349.000 Personen weg.

Holger Sandte von der Nordea sagte, dass das Wirtschafts-Wachstum nicht ausreichend sei, um für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu sorgen. Tatsächlich wird ein stärkerer Anstieg nur dadurch kaschiert, dass viele Deutsche im Niedriglohn-Segment beschäftigt sind, was sich zwar positiv auf die Statistik auswirkt, die reale Situation der Betroffenen jedoch nicht im mindesten verbessert.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/28/arbeitslosigkeit-in-deutschland-steigt/

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26.11.2013

Job-Barometer signalisiert Stillstand am Arbeitsmarkt

Derzeit gibt es keine Hinweise auf einen neuen Jobaufschwung. Trotz positiven Konjunkturausblicks sind Verbesserungen bei der Arbeitslosigkeit momentan noch nicht in Sicht. Das Job-Barometer signalisiert Stillstand.

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Arbeitsmarktforscher sehen derzeit keine Hinweise für einen neuen Jobaufschwung in Deutschland. „Trotz des positiven Konjunkturausblicks scheinen Verbesserungen bei der Arbeitslosigkeit im Moment noch nicht in Sicht zu sein“, stellte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag fest.

Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg beruft sich dabei auf das IAB-Arbeitsmarkt-Barometer, das mit einem November-Wert von 99,7 für die kommenden Monate einen ganz leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit signalisiert. Im Oktober hatte der Wert bei 99,6 Punkten gelegen, vor einem Jahr noch bei 97,9. Der Wert 100 bedeutet Stillstand auf dem Arbeitsmarkt, Werte darüber einen Rückgang der Erwerbslosenzahlen.

Das Job-Barometer bildet die aktuelle Bewertung der 156 deutschen Arbeitsagentur-Chefs ab. Sie werden monatlich danach befragt, mit welcher Entwicklung des Arbeitsmarktes sie in ihrer jeweiligen Region in den kommenden drei Monaten rechnen. Gefragt wird nach der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesagentur-fuer-arbeit-job-barometer-signalisiert-stillstand-am-arbeitsmarkt/9130162.html

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01.10.2013

Deutschland: Mehr Arbeitslose, weniger freie Stellen

Im September ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr um 61.000 gestiegen. Auch die Zahl der Unterbeschäftigten hat zugenommen. Das größte Problem: Es gibt immer weniger Stellen. Selbst die Billigarbeitsplätze sind in Gefahr.

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Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im September verschlechtert. Saisonbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum August und 25.000 und im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 61.000, wie die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Gleichzeitig ist auch die Zahl der freien Stellen zurückgegangen. Mit 446.000 bei der Bundesagentur gemeldeten Arbeitsstellen war dies im September ein Rückgang um 39.000 im Vergleich zum Vorjahr.

Zusätzlich zu der saisonbereinigt gestiegenen Zahl der Arbeitslosen ist auch die Zahl der Unterbeschäftigten ohne Kurzarbeit gegenüber dem Vorjahr gestiegen: um etwa 7.000 auf 3,793 Millionen. Und gegenüber August nahm auch die Zahl der „Teilnehme an ausgewählten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik“ zu.  Diese kletterte von 783.547 auf 800.280.

Vor allem für die älteren Menschen wird es zunehmend schwieriger, sich auf dem Arbeitsmarkt zu halten. Während die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren leicht zurückging, stieg die Zahl der über 50 –Jährigen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 32.000 Arbeitslose an.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/01/deutschland-mehr-arbeitslose-weniger-freie-stellen/

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31.07.2013

Viele Jobs gehen an den Arbeitslosen vorbei

Am Arbeitsmarkt geschieht Erstaunliches. Immer mehr Menschen kommen in sozialversicherungspflichtige Arbeit – und die Nachfrage bleibt groß. Doch die Zahl der Arbeitslosen bewegt sich kaum. Von Flora Wisdorff

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Der Arbeitsmarkt trotzt der Sommerflaute: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli nur leicht um 49.000 auf 2,914 Millionen gestiegen. Das waren nur noch 38.000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg.

Der Abstand hat sich damit verringert. Unter Herausrechnung der saisonüblichen Schwankungen ging die Arbeitslosenzahl sogar den zweiten Monat in Folge zurück. Hauptgrund dafür, dass die Zahl im Sommer üblicherweise steige, sei, dass sich viele junge Leute nach Abschluss der schulischen oder betrieblichen Ausbildung vorübergehend arbeitslos meldeten, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Zudem stellten viele Firmen neue Beschäftigte erst nach den Betriebsferien ein. Die unbereinigte Arbeitslosenquote in Deutschland stieg im Juli im Monatsvergleich um 0,2 Punkte auf 6,8 Prozent.

Die weiteren Aussichten schätzte Weise jedoch zurückhaltend ein. Es habe nun zwar „zumindest leichte gute Korrekturen“ der unerwartet schlechten Entwicklung im Frühjahr gegeben. Für das dritte Quartal seien die Erwartungen aber widersprüchlich: Während das Konsumklima gut sei, sei der Auftragseingang in der Industrie wohl schlechter. „Es ist nicht erkennbar, dass es jetzt einen Schub gibt im zweiten Halbjahr für eine wesentliche Verbesserung“, sagte Weise. Er rechne unverändert für das Gesamtjahr mit unter drei Millionen Arbeitslosen. 2012 waren im Durchschnitt knapp 2,9 Millionen Arbeitslose registriert.

Leyen: Deutscher Arbeitsmarkt „grundstabil“

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich optimistischer: „Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich weiter grundstabil“. Die Dynamik sei zwar weiterhin gebremst, aber es gebe eine Reihe von Signalen, die positiv stimmten. „Die Wirtschaft hat zwei gute erste Quartale hinter sich, der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen, die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist sie so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr, und die Nachfrage nach Fachkräften ist ungebrochen“, so von der Leyen. Die Ausgangslage für den Herbst sei also gut.

Worauf die Arbeitsministerin nicht verweist, ist, dass von der weiterhin hohen Nachfrage nach Arbeitskräften nicht unbedingt diejenigen profitieren, die arbeitslos gemeldet sind. In den vergangenen Monaten wurden mehr Arbeitsplätze geschaffen, als die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist: Die Erwerbstätigkeit legte auch nach den jüngsten Zahlen, die aus dem Juni stammen, auf hohem Niveau zu – gegenüber dem Vorjahr um 233.000 auf 41,89 Millionen.

Mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten legte im Mai binnen Jahresfrist um 366.000 auf 29,29 Millionen zu. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich. Diese scheinbar paradoxe Entwicklung liegt darin begründet, dass die Unternehmen ihre Stellen zunehmend mit Menschen besetzen, die gar nicht arbeitslos gemeldet sind: Wie etwa Frauen aus der sogenannten „Stillen Reserve“ oder mit Zuwanderern. Unter den Arbeitslosen fänden die Firmen immer seltener die qualifizierten Fachkräfte, die sie suchten, hieß es dazu bei der BA.

Während die Arbeitgeber mehr Kinderbetreuungsangebote fordern, um noch mehr weibliche Fachkräfte aus der Stillen Reserve rekrutieren zu können, beklagen die Gewerkschaften, dass zu wenig in die Förderung der Arbeitslosen investiert wird, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. „Wenn Deutschland wettbewerbsfähig bleiben soll, dürfen wir nicht auf die Arbeitskraft sehr gut ausgebildeter Beschäftigter, insbesondere von Frauen, verzichten. Ziel muss es sein, Frauen verstärkt in vollzeitnahe Beschäftigung zu integrieren und längere Erwerbsunterbrechungen zu vermeiden“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Im Vordergrund aller Bemühungen zur noch besseren Integration von Frauen ins Erwerbsleben müsse der bedarfsdeckende Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung stehen, so Hundt.

Arbeitslose profitieren kaum vom Aufschwung

„Arbeitslose können von der insgesamt relativ guten Arbeitsmarktentwicklung kaum profitieren“, beklagt dagegen Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Die Arbeitslosen leiden unter der rabiaten Kürzungspolitik der Bundesregierung – insbesondere im Hartz IV-System“, so Buntenbach. Knapp sieben Prozent weniger Arbeitslose hätten im Juli von Arbeitsförderung profitieren können. Dabei sind die Chancen von Langzeitarbeitslosen besonders schlecht. 68 Prozent aller Arbeitslosen sind inzwischen im Hartz-IV-System, doch nur gut die Hälfte der Geförderten sind Hartz-IV-Empfänger.

Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt zeigte sich die BA skeptisch: das Ergebnis zum Stichtag 30. September wird nach den Worten von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker „ein bisschen schlechter sein als im letzten Jahr“. Das könnte bedeuten, dass sowohl mehr Bewerber keine passende Lehrstelle finden und gleichzeitig mehr Stellen von den Betrieben nicht besetzt werden können.

Die Zahl der Bewerber sei aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen und Hessen nur leicht rückläufig, während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ebenso sinke wie die Zahl der von Industrie, Handel und Handwerk verzeichneten neuen Lehrverträge. Im vorigen Jahr hatte die BA das vierte Jahr in Folge mehr offene Lehrstellen als noch unversorgte Bewerber verzeichnet.

Bessere Zahlen aus der Euro-Zone

Aus Europa kamen überraschenderweise gute Nachrichten: Nach mehr als zwei Jahren beständig steigender Arbeitslosigkeit keimt nun Hoffnung auf Besserung: Erstmals seit April 2011 ist die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen in den 17 Euro-Staaten im Juni gesunken – um 24.000 auf nun knapp 19,3 Millionen, teilte die Statistikbehörde Eurostat mit. Die Arbeitslosenquote liegt bei 12,1 Prozent.

Im Jahresvergleich waren in der Euro-Zone gut 1,1 Millionen Menschen mehr auf Jobsuche. Grund dafür ist, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone sechs Quartale in Folge geschrumpft ist. Nun mehren sich die Hinweise, dass die längste Rezession in der Geschichte der Euro-Staaten vorbei sein könnte. Experten rechnen für das zweite Quartal wieder mit Wirtschaftswachstum.

http://www.welt.de/wirtschaft/article118574792/Viele-Jobs-gehen-an-den-Arbeitslosen-vorbei.html

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25.02.2013

Immer mehr Arbeitslose beziehen ergänzend Hartz IV

Weil der Lohn aus ihrer früheren Beschäftigung nicht ausreicht, brauchen laut Bericht immer mehr Arbeitslose zusätzlich Hartz IV. Ihre Zahl stieg im Jahresvergleich um fast 14 Prozent.

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Immer mehr Arbeitslose erhalten wegen ihres vormals geringen Lohns so wenig Arbeitslosengeld, dass sie zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind.

Wie die „Saarbrücker Zeitung“ unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete, gab es im vergangenen Oktober bundesweit 83.118 Parallelbezieher von Arbeitslosengeld I und Hartz IV. Das war etwa jeder zehnte Arbeitslosengeld-Empfänger.

Ein Jahr zuvor, im Oktober 2011, waren demnach 73.178 Menschen sowohl auf Arbeitslosengeld als auch auf Hartz IV angewiesen. Im Jahresvergleich stieg ihre Zahl damit um fast 14 Prozent.

Linke: Wachstum des Niedriglohnsektors

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Sabine Zimmermann, erklärte, in den Daten spiegele sich das Wachstum des Niedriglohnsektors und der Teilzeitbeschäftigung wider. „Das Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung, für die man oft viele Jahre eingezahlt hat, ist für immer mehr Arbeitslose keine Garantie mehr, um damit im Bedarfsfall über die Runden zu kommen.“

Nach Angaben der BA lag der komplette Hartz-IV-Bedarf, also einschließlich Miete und Heizung, für einen Alleinstehenden ohne Kind im August des Vorjahres bei durchschnittlich 668 Euro.

Um auf einen Arbeitslosengeldanspruch in gleicher Höhe zu kommen, musste ein Single nach Berechnungen der Linken einen monatlichen Bruttoverdienst von etwa 1600 Euro gehabt haben. Wer weniger verdiente, war demnach bei Arbeitslosigkeit auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article113876760/Immer-mehr-Arbeitslose-beziehen-ergaenzend-Hartz-IV.html

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18.01.2013

Arbeitsmarkt: Kaum Anreize durch neue 450-Euro-Jobs

Minijobs sollen attraktiver werden. Die Verdienstgrenze wird deshalb von 400 auf 450 Euro angehoben. Doch viele Minijobber bleiben schon jetzt deutlich darunter, wie neue Zahlen zeigen.

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Die neuen 450-Euro-Jobs werden voraussichtlich nicht die von der schwarz-gelben Bundesregierung erhofften Jobanreize schaffen. Schon jetzt nutzen nur wenige geringfügig Beschäftigte die bisherige 400-Euro-Regelung voll aus, geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.
Von den 7,5 Millionen Minijobbern hätten im vergangenen Jahr nur 52 Prozent im Schnitt zwischen 301 und 400 Euro verdient. Bei allen übrigen Minijobern seien es unter 300 Euro gewesen; zwölf Prozent verdienten mit ihrem Minijob sogar nur maximal 100 Euro, zeigen die BA-Zahlen. Die Zahl der Minijobber stagniert seit Jahren.
Der Bundestag hatte Ende Oktober eine Heraufsetzung der bisherigen Minijobgrenze von 400 auf 450 Euro beschlossen. Bis zu dieser Höhe sind die Minijobs für die Beschäftigten weiterhin steuerfrei. Mit der Neuregelung verbunden ist erstmals eine Versicherungspflicht für die Gesetzliche Rentenversicherung. Minijobber können sich davon aber auf Antrag befreien lassen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung war ein besonderes Anliegen der FDP. Die Obergrenze war seit 2003 nicht mehr angehoben worden.
Die Zahlen bestätigen eine Umfrage der BA und des Statistischen Bundesamts vom Herbst 2010. Darin hatte jeder zweite 400-Euro-Jobber kein Interesse an Mehrarbeit und damit an einer höheren Entgeltgrenze. Rund ein Viertel gab an, zwar grundsätzlich mehr arbeiten zu wollen, was aber aufgrund der persönlichen Situation nicht möglich sei. Lediglich jeder Vierte der knapp 6400 Befragten erklärte, er interessiere sich für Mehrarbeit, habe aber bislang keinen passenden Job gefunden. Vor allem Rentner, Schüler und Studenten, die zusammen 44 Prozent aller 400-Euro-Jobber ausmachen, streben keinen höheren Verdienst an.
Auch im Umfeld der Bundesagentur stößt die Anhebung der Entgeltgrenze bei 400-Euro-Jobs auf Skepsis. Die Bundesregierung strebe mit den künftigen 450-Euro-Jobs an, mehr Frauen einen Einstieg oder eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen. Stattdessen führe die Neuregelung dazu, dass Frauen „im Niedriglohnbereich steckenbleiben“, hieß es. Opposition und Gewerkschaften kritisieren die Anhebung der Verdienstgrenze, weil damit lediglich die Nische für unterbezahlte und sozial schlecht abgesicherte Arbeit ausgeweitet werde. Minijobber seien schon heute akut armutsgefährdet.
Nach den jüngsten BA-Zahlen machen Frauen bei den Mini-Jobbern einen Anteil von 65,7 Prozent aus. Minijobber werden hauptsächlich als Einzelhandelsaushilfen, für Putztätigkeiten in Betrieben, für Schreib- und Buchhalterarbeiten, als Aushilfen in der Gastronomie und als Austräger für Post und Zeitschriften angeheuert.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arbeitsmarkt-kaum-anreize-durch-neue-450-euro-jobs/7405938.html

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04.11.2012

Aufschwung geht an Langzeitarbeitslosen vorbei

Die Zahl der Menschen ohne Job verringert sich, die der Langzeitarbeitslosen aber kaum. Die Opposition schimpft: Ministerin Ursula von der Leyen rechne die Lage schön – mit einem Statistik-Trick. Von Stefan von Borstel

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Vom Aufschwung am Arbeitsmarkt in den vergangenen drei Jahren haben die Langzeitarbeitslosen in Deutschland nicht profitiert. Ihre Zahl sank nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums zwischen 2009 und 2011 im Jahresdurchschnitt lediglich um ein Prozent auf 1,15 Millionen. Insgesamt sank die Arbeitslosenzahl hingegen um 13 Prozent. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen registrierten Arbeitslosen erhöhte sich damit in den letzten drei Jahren sogar noch von 33,8 auf 37,5 Prozent.

Dies geht aus der Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der „Welt“ vorliegt. Mehr als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen ist danach länger als zwei Jahre ohne Arbeit, mehr als 30 Prozent sogar länger als drei Jahre. Stetig gewachsen ist die Gruppe der über 50-Jährigen, die Älteren machen inzwischen 39 Prozent der Langzeitarbeitslosen aus.

„Ministerin hat die Langzeitarbeitslosen abgeschrieben“

„Für Langzeitarbeitslose waren drei Jahre schwarz-gelbe Bundesregierung verlorene Jahre“, lautet das Fazit der grünen Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer. Ein Minus von nur einem Prozent sei angesichts der guten allgemeinen Entwicklung am Arbeitsmarkt seit 2009 eine schlechte Bilanz.

Langzeitarbeitslose stünden auf dem „arbeitsmarktpolitischen Abstellgleis“, kritisierte Pothmer. Sie griff Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) scharf an: „Sie kürzt seit Jahren bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik und setzt vor allem auf schnelle Erfolge.“ Die Ministerin habe die Langzeitarbeitslosen abgeschrieben und rechne die Lage schön.

Auf den ersten Blick sieht die Lage der Langzeitarbeitslosen gar nicht so düster aus. Nach der offiziellen Statistik sank ihre Zahl um sieben Prozent auf 1,051 Millionen. Doch dahinter stecke ein Statistik-Trick. Wegen einer Sonderregelung werden 96.000 Langzeitarbeitslose über 58 Jahren nicht mehr mitgezählt, wenn sie ein Jahr ohne ein Beschäftigungsangebot blieben.

„Sie gelten nicht mehr als arbeitslos, obwohl sie keine Arbeit haben“, kritisiert Pothmer und fordert eine „ehrliche Statistik, die die Lage nicht beschönigt“. Von allen Personen, die ihre Langzeitarbeitslosigkeit 2011 beenden konnten, fanden nur 15 Prozent eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt. 85 Prozent fallen aus anderen Gründen aus der Statistik.

Langzeitarbeitslose werden weniger gefördert

Langzeitarbeitslose werden nach den Angaben des Ministeriums auch erheblich weniger gefördert als andere Arbeitslose. Gemessen an ihrem Anteil von 37,5 Prozent fällt ihr Anteil an den verschiedenen Maßnahmen der Arbeitsförderung unterdurchschnittlich aus. Bei den Ein-Euro-Jobs stellen sie noch 21 Prozent der Geförderten, beim Gründungszuschuss sind es sogar nur 2,4 Prozent.

Auch von der beruflichen Weiterbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses profitieren Langzeitarbeitslose nur mit 10,5 Prozent. Dabei sind laut Statistik 47 Prozent von ihnen ohne Berufsausbildung. „Langzeitarbeitslose müssen intensiver als bisher gefördert und qualifiziert werden“, fordert Pothmer.

„Es darf nicht mehr allein der schnelle Vermittlungserfolg zählen, in den Fokus gehört auch die nachhaltige Vermittlung.“ Für besonders schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose müsse es einen staatlich finanzierten „Sozialen Arbeitsmarkt“ geben, „von dem aus sie neu starten können“.

Ministerium: Chancen haben sich verbessert

Trotz der anhaltend hohen Langzeitarbeitslosigkeit ist das Ministerium in seiner Antwort davon überzeugt, die Chancen Langzeitarbeitsloser am Arbeitsmarkt hätten sich in den letzten Jahren „eindeutig verbessert“. „Arbeitgeber sind aufgrund der guten Arbeitsmarktlage und des damit einhergehenden Personalbedarfs stärker als früher bereit, auch arbeitsmarktferne Personen einzustellen“, erklärt das Ministerium.

Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel verweist auch auf spezielle Förderprogramme, von denen auch Langzeitarbeitslose profitierten. So die „Perspektive 50plus“ für Ältere, das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ oder das Netzwerk für Alleinerziehende. Die Bundesregierung werde die „weitere Entwicklung sorgfältig beobachten und erforderlichenfalls geeignete Maßnahmen ergreifen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article110605718/Aufschwung-geht-an-Langzeitarbeitslosen-vorbei.html

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30.10.2012

Mehr Arbeitslose in Deutschland als vor einem Jahr

Nach dem langen Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt ist die Arbeitslosenrate im Oktober erstmals gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Herbstbelebung fiel schwächer aus als sonst. Dafür gab es vor allem einen Grund.

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Nürnberg Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober leicht gesunken, im Vergleich zum Vorjahr aber erstmals seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 2,753 Millionen Arbeitslose registriert. Das waren 35.000 weniger als im September, aber 16.000 mehr als im Oktober vorigen Jahres.

Die übliche Herbstbelebung fiel damit deutlich gedämpft aus. „Die schwächere konjunkturelle Entwicklung macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Anlass zur Sorge sieht er nicht. „Die Entwicklung erschreckt nicht“, sagte Weise. Die Beschäftigung sei hoch und die Arbeitslosigkeit niedrig. Die BA bleibe bei der Einschätzung: „Seitwärtsbewegung, keine Trendwende.“ Erst im Januar werde es winterbedingt wieder über drei Millionen Arbeitslose geben.

Einen Anstieg im Jahresvergleich hatte es zuletzt im Februar 2010 gegeben. Die Zunahme hatte sich bereits angedeutet, weil die Abstände zum Vorjahr von Monat zu Monat kleiner geworden waren. Ein Grund für die schwächere Entwicklung ist auch, dass weniger Arbeitslose durch Förderprogramme aus der Statistik fallen. Weise verwies darauf, dass es allein schon ohne die Rückgänge beim Gründungszuschuss den Anstieg im Jahresvergleich nicht gegeben hätte.

Dieser Vergleich sei aber „nicht zulässig“, weil es gute Gründe gebe, dass die BA an dieser Stelle weniger aktive Arbeitsmarktpolitik betreibe. Weise erwähnte dabei nicht, dass die Kürzungen der BA von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verordnet worden waren, um Geld zu sparen.

Ein besseres Bild von der Lage auf dem Arbeitsmarkt zeichnet daher die Unterbeschäftigung. Dabei werden auch Arbeitslose berücksichtigt, die nur allein aufgrund von Krankheit oder Teilnahme an Förderprogrammen aus der Statistik fallen. Diese Zahl sank im Oktober auf 3,717 Millionen und lag damit noch um 164.000 niedriger als ein Jahr zuvor.

„Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt robust und in einer guten Verfassung“, sagte Weise. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl im Monatsvergleich um 20.000 Erwerbslose. Volkswirte hatten eine Zunahme um 10.000 erwartet. Auch das Stellenangebot der Unternehmen sinkt seit Jahresbeginn.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legen immer noch zu. Aber auch hier schrumpfen die Abstände zum Vorjahr zusehends. Im September gab es laut Statistischem Bundesamt 41,85 Millionen Erwerbstätige und damit 322.000 mehr als ein Jahr zuvor. Sozialabgabenpflichtig beschäftigt waren im August laut BA-Hochrechnung 29,13 Millionen Menschen. Das waren 472.000 mehr als im August 2011.

Warnsignale sieht die BA weder in der Zeitarbeit noch bei der konjunkturbedingten Kurzarbeit aufgrund von Auftragsflauten. „Wir sehen da momentan noch keine rote Lampe“, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. In den Arbeitsagenturen sei der Beratungsbedarf zur Kurzarbeit zwar gestiegen. Die Kurzarbeit selbst steige nicht. Im September hätten etwa 2000 Betriebe für rund 40.000 Beschäftigte angezeigt, dass möglicherweise Kurzarbeit ins Haus stehe.

Bis zu 100.000 Kurzarbeiter seien normal. Die BA sieht keinen Bedarf, zu den Krisenregelungen mit einer längeren Laufzeit der Kurzarbeit zurückzukehren. Dies fordern Gewerkschaften und Arbeitgeber. Im Arbeitsministerium wird das skeptisch gesehen, weil davon das Signal ausgehen könnte, dass mit einer Krise gerechnet werde.

Auch in der Zeitarbeit, die bei schwächelnder Konjunktur als Krisenbarometer gilt, deutet sich laut Becker nicht an, „dass es konjunkturell zu großen Problemen kommen könnte“. Die Zahl der Zeitarbeiter sei gesunken, weil viele Unternehmen ausgeliehene Fachkräfte fest in ihre Belegschaften übernommen hätten. Die Zeitarbeit scheine „einen Sättigungspunkt“ erreicht zu haben.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ba-beschwichtigt-mehr-arbeitslose-in-deutschland-als-vor-einem-jahr-seite-all/7320520-all.html

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17.10.2012

Arbeitsagentur: Chancen auf Arbeitsplatz in Deutschland sinken

Die Krise wirkt sich nun auch verstärkt auf den Arbeitsmarkt in Deutschland aus. Wegen des angespannten Arbeitsmarktes ist es schwerer geworden, über einen neuen Job wieder aus der Arbeitslosigkeit zu kommen. Das höchste Risiko, arbeitslos zu werden, haben junge Arbeitnehmer.

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Jeder zweite Deutsche hat Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Dies geht aus einer Umfrage der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Tatsächlich verlieren aktuell monatlich lediglich 9 von 1.000 Arbeitnehmern ihre Beschäftigung. Doch die Situation hat bereits Krisenausmaße erreicht: „Auch während der Wirtschaftskrise 2009 war das Zugangsrisiko nur unwesentlich höher“, teilt die BA nun mit. Vor drei Jahren wurde monatlich noch 11 von 1.000 Arbeitnehmern arbeitslos.

Wesentlich verschlechtert hat sich allerdings die Perspektive der Arbeitslosen: „Aktuell können monatlich 67 von 1.000 Arbeitslosen die Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigung oder Ausbildung beenden. Das sind weniger als 2011 (72 von 1.000), aber immer noch mehr als in der Wirtschaftskrise 2009 (61 von 1.000)“, schreibt die Agentur für Arbeit.

Besonders gefährdet sind junge Erwerbstätige. Sie haben ein deutlich höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Pro Monat werden 16 von 1.000 jugendlichen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitslos. Arbeitnehmer die älter als 55 Jahre sind, haben hingegen ein geringere Risiko, entlassen zu werden: In dieser Altersgruppe werden monatlich nur 10 von 1.000 Beschäftigten arbeitslos.

Dies hat vor allem zwei Gründe. Zum einen werden viele Jugendliche nach abgeschlossener Ausbildung im Betrieb nicht in eine Anstellung übernommen. Zum anderen werden Jugendliche leichter entlassen, wenn es in einem Unternehmen zu Stellenabbau kommt.

Jugendliche verlieren ihren Job zwar leichter, haben es dann aber einfacher, einen neuen zu finden: „Derzeit nehmen monatlich 141 von 1.000 Arbeitslosen unter 25 Jahre eine Beschäftigung auf oder beginnen eine Ausbildung. Ältere haben dagegen größere Schwierigkeiten, wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen; das gelingt pro Monat nur 29 von 1.000 Arbeitslosen über 55 Jahre“, heißt es von der Agentur für Arbeit.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/17/arbeitsagentur-chancen-auf-arbeitsplatz-in-deutschland-sinken/

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27.09.2012

Deutschland: Arbeitslosigkeit im September gestiegen

Die aktuelle Konjunktureintrübung in Deutschland wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. Während die Stellenangebote weniger werden, ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen.

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Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im September im Vergleich zum Vormonat gestiegen. In diesem Monat gab es demnach saisonbereinigt 9.000 mehr Arbeitslose als noch im August. Das sind zwar etwa 7.000 weniger Arbeitslose als im September 2011, der Abstand zum Vorjahreswert schmilzt allerdings. Dies teilte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mit.

Die Zahl offener Arbeitsstellen ist um 17.000 gesunken. Die sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften wird mit dem wirtschaftlichem Abschwung (mehr hier) erklärt: „Die schwächere wirtschaftliche Entwicklung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus, allerdings zeigt sich der Arbeitsmarkt insgesamt robust.“, sagte der Vorstandsvorsitzende BA, Frank-J. Weise.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/27/deutschland-arbeitslosigkeit-im-september-gestiegen/

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30.08.2012

Schwaches Wachstum: Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt

Die schwache Konjunktur wirkt sich bereits auf den deutschen Arbeitsmarkt aus. Im vergangenen Monat ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen, die Arbeitslosenquote bleibt hingegen konstant.

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Im vergangenen Monat ist die Zahl der Arbeitslosen wieder gestiegen. Zwischen Juli und August wuchs die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 29.000. Im August ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit durchaus üblich. Doch auch saisonbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 9.000 an.

Trotz des jüngsten Anstiegs waren im August 2012 40.000 Menschen weniger arbeitslos als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote blieb im August voraussichtlich unverändert bei 6,8 Prozent.

Insgesamt entwickeln sich die wesentlichen Arbeitsmarktindikatoren zunehmend schwächer. Hier zeigt sich auch das geringere Wachstum der deutschen Wirtschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-J. Weise, bei der Präsentation der jüngsten Zahlen heute in Nürnberg.

Die Unterbeschäftigung, in die auch Menschen fallen, die an arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, ist um 201.000 gesunken. Die Klassifizierung, wer als arbeitslos gilt, ist äußerst umstritten. Ökonomen kritisieren, dass durch die Kriterien die Arbeitslosenzahlen massiv verzerrt werden (mehr hier).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/30/schwaches-wachstum-arbeitslosigkeit-in-deutschland-gestiegen/

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24.08.2012

Ökonom Bosbach: „Offizielle Arbeitslosenzahlen sind Schönfärberei“

Die Arbeitslosenzahlen werden in Europa politisch geschönt, auch Deutschland ist da kein Ausnahme. Der Ökonom Gerd Bosbach sagt, die Staaten verhalten sich wie schlechte Schuldner: Sie manipulieren die Zahlen, damit sie leichter an Kredite kommen.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie sagen die Arbeitslosenzahlen sind politisch motivierte Schönfärberei. Diese Statistiken werden aber nicht von den politischen Parteien erhoben sondern über die Arbeitsämter. Welche Motive habe die Arbeitsämter, die Arbeitslosenzahlen zu manipulieren?

Gerd Bosbach: Die kleinen Stellen der Arbeitsämter haben kein Interesse, die Zahlen kleinzureden. Damit würden sie ihren Betreuungsaufwand kleinreden. Die oberen Stellen haben aber ein Interesse, weil sie von der Politik eingesetzte Beamte sind, die im Regelfall auch einer der Regierungsparteien angehören und in deren Sinne sie gerne die Welt schönfärben. Die Arbeitslosenzahlen sind für keine Regierung ein schönes Bild, daher färbt man. Wenn Sie zur Bank gehen und einen Kredit haben wollen, dann werden Sie die Risiken, die bei Ihren Einnahmen sind, kleinrechnen oder verstecken. Das weiß auch  der, der Ihnen in der Bank gegenübersitzt. Sie legen ihm nur die positiven Daten vor, immerhin wollen Sie ja einen Kredit haben. Schönfärben mit Zahlen ist eine ganz natürliche Angelegenheit. Was ich allerdings überraschend finde ist, dass man diesen Aspekt in der Öffentlichkeit gar nicht wahrnimmt und so tut, als handle es sich um objektiv richtige Daten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das bedeutet, die Öffentlichkeit müsste berücksichtigen, dass die Arbeitslosenstatistiken positiv dargestellt werden?

Gerd Bosbach: Ja, das würde ich erwarten. Ganz viele Ergebnisse die wir vorgelegt bekommen, kommen von großen Instituten, die von jemanden den Auftrag dafür bekommen und dafür auch bezahlen. Das alte Wort „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ trifft natürlich für diese Forschungsinstitute auch zu. Deshalb ist es überraschend, dass wir deren Ergebnisse als nackte Wahrheit verstehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie könnte der Spielraum für geschönte Zahlen eingeschränkt werden?

Gerd Bosbach: Es steht mir nicht zu, eine Neuorganisation der Erfassung der Arbeitslosenzahlen vorzuschlagen. Aber was man immer wieder schlecht gemacht hat, müsste man korrigieren: Man hat immer wieder die Erfassungsgrundlage für Arbeitslose verändert. Ich habe eine Liste der Agentur für Arbeit die zeigt, dass es zwischen 1986 und Januar 2009 17 Veränderungen gab, wie Arbeitslosenzahlen zu erfassen sind. Von diesen 17 Veränderungen haben 16 die Anzahl der erfassten Arbeitslosen verringert.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie werden die Arbeitslosenzahlen nach unten gedrückt?

Gerd Bosbach: Ein Beispiel dafür sind die Ein-Euro-Jobber. Die galten früher als arbeitslos, weil sie eigentlich einen richtigen Job haben wollen. Jetzt zählen sie nicht mehr als arbeitslos.

Andere Veränderungen waren schon fast böswillig. Wenn man sagt, dass alle Arbeitslosen die privaten Vermittlern zugeteilt werden, nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden, ist das beinahe Willkür pur.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie könnte man ein objektiveres Bild über die Arbeitslosigkeit bekommen?

Gerd Bosbach: Die Agentur für Arbeit ist intern von diesen ständigen Veränderungen auch nicht begeistert. Daher gibt sie regelmäßig tiefgehendere Zahlen heraus. Im März 2012 wurden 3 Millionen Arbeitslose registriert. Es gab aber zu diesem Zeitpunkt 5,3 Millionen erwerbsfähige Empfänger von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II. Es gab parallel dazu 5,1 Millionen Leute, die als Arbeitssuchen registriert waren. Dazu kommt noch, dass die Bundesagentur für Arbeit eine Zahl von Unterbeschäftigten herausgibt. Diese Unterbeschäftigung wurde im März 2012 mit 4,1 Millionen tituliert. Unterbeschäftigung bedeutet auch fehlende Arbeitsplätze. Also 5,1 Millionen suchen Arbeit bei der Agentur für Arbeit. Die spricht selbst von 4,1 Millionen fehlenden Arbeitsplätzen. Das zeigt die Dimension der versteckten Arbeitslosigkeit.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wo steht Deutschland in Hinblick auf politische Abhängigkeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bei den Arbeitslosenzahlen?

Gerd Bosbach: Je weiter weg desto unabhängiger sind die Organe. Ich vermute deshalb, dass bei den europäischen Definitionen die Abhängigkeit weniger vorhanden ist. Allerdings darf man dabei nicht vergessen: Erfasst wird das, was nach Europa überliefert wird, auch von Deutschland. In der EU sind die Arbeitslosenstatistiken allerdings völlig anders aufgebaut als in Deutschland. Da zählt meines Wissens jeder der auch nur eine Stunde arbeitet nicht mehr als arbeitslos. Dadurch ist die EU-Quote der Arbeitslosen noch geringer. Im europäischen Vergleich stehen wir recht gut da.

Gegenüber anderen Ländern haben wir vor allem eine sehr geringe Jugendarbeitslosigkeit. Was  aber auch nicht heißt, dass die Jugendlich alle eine Arbeits- oder Lehrstelle hätten. Sondern wir schaffen es sie durch überwiegend schulische Maßnahmen aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik rauszuhalten. Ein Teil der Jugendlich wird im Berufsgrundbildungsjahr und in anderen Förderangeboten verwaltet.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wäre es sinnvoll, die Arbeitslosendaten zentral von der EU erheben zu lassen, um die politische Einflussnahme auf nationaler Ebene zu verhinern?

Gerd Bosbach: Wie soll die EU unsere Arbeitslosen zählen? Das geht gar nicht. Das gilt für alle Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung: Die EU bekommt nach ihren Vorschriften die Daten von den Ländern geliefert. Nur bei Dingen die gefährlich sein könnten, kontrolliert Brüssel, ob die Formulare in ihrem Sinne ausgefüllt werden. Damit da nicht gepfuscht wird, was sich zumindest in Bereichen wo die EU Förderungen vergibt, anbieten würde. Sonst kann die EU selbst keine Daten erheben. Das ist auch bei uns so gegliedert: Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg weiß nicht, wer in Euskirchen arbeitslos ist. Die kommunalen Ämter geben die Zahlen an die Landesämter weiter. Die Landesämter geben die Daten gesammelt an das Bundesamt weiter, das die Daten dann überprüft. Die Vorschriften, wie die Daten gesammelt werden, kommen hingegen immer von oben.

Prof. Dr. Gerd Bosbach vom Rhein-Ahr-Campus in Remagen ist Mitherausgeber des Buches „Lügen mit Zahlen“ und lehrt Mathematik, Statistik sowie Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/24/oekonom-bosbach-%E2%80%9Eoffizielle-arbeitslosenzahlen-sind-schoenfaerberei/

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24.02.2012

Arbeitslosigkeit ist in Deutschland viel höher als offiziell verkündet

Die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen für die Arbeitslosigkeit im Januar entsprechen nicht der Realität: Statt der angegebenen 3 Millionen waren tatsächlich 4 Millionen Deutsche arbeitslos. Wenn man die fragwürdige Berechnung der BA ignoriert und nur die Empfänger von ALG 1 und ALG 2 zusammenzählt, kommt man sogar auf 5,3 Millionen Arbeitslose.

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In der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Jahreswechsel 2011/12 stach besonders ein Satz heraus: Stolz verkündete die Kanzlerin, dass trotz Euro-Krise so wenig Menschen arbeitslos seien wie seit zwanzig Jahren nicht.

Wenn man sich die Januarzahlen jedoch einmal genauer ansieht, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die offiziellen Zahlen blenden bestimmte Arbeitslosen-Gruppen einfach aus. Zwar kann man in Deutschland nicht von einer so dreisten Manipulation sprechen wie in den USA (hier) oder gar bei Papandreous Statistikfälschungen. Aber korrekte Zahlen bekommt die deutsche Öffentlichkeit genau so wenig präsentiert wie die Amerikaner oder die Griechen.

Die von der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2012 veröffentlichte Arbeitslosenquote von 7,3%, was einer Gesamtarbeitslosigkeit von 3.081.706 Menschen entspricht, spiegelt nicht die tatsächliche Anzahl der Arbeitslosen wider. Hierbei werden viele verschiedene Gruppen nicht erfasst bzw. aus der Statistik heraus gerechnet, da sie sich beispielsweise in sogenannten arbeitspolitischen Maßnahmen befinden.

Eine entscheidende Rolle kommt hierbei § 16 SGB III zu, indem geregelt ist, dass mit dem Dritten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (in Kraft seit 01.01.2004) Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik als nicht arbeitslos gelten. Zu diesen vermeintlichen Arbeitslosen, die nicht in der offiziellen Zahl der Bundesagentur für Arbeit enthalten sind zählen unter anderem diejenigen, die eine Berufliche Weiterbildung machen (154.648 im Januar) die staatlich finanziert wird. Im Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit wir die Umschreibung „ausgewählte Maßnahme aktiver Arbeitsmarktpolitik“ verwendet, an welcher im Januar 2012 sage und schreibe 1.075.004 Menschen teilgenommen haben. Unter diesen Begriff fallen Maßnahmen wie Qualifizierung, Förderung der Berufsausbildung, Beschäftigung schaffende Maßnahmen und Beschäftigungsbegleitende Leistungen.

Man sollte meinen, dass dies das Ende der Fahnenstange sein könnte aber bei genauerer Betrachtung stellt man mit Verwunderung fest, dass ebenfalls alle Arbeitssuchenden über 58 Jahren, die trotz der Tatsache, dass sie Arbeitslosengeld I und/oder II empfangen nicht als arbeitslos in der Statistik geführt werden (§ 428 SGB III). Dies waren 374.592 im September 2011. Von Januar liegen keine offiziellen Zahlen vor, aber man kann davon ausgehen, dass die Zahl mindestens so hoch ist wie im September.

Die Anzahl derjenigen, die sich in Arbeitsgelegenheiten befanden, zu welchen im Übrigen auch 1 Euro – Jobber zu zählen sind, belief sich im Januar auf 133.298. Hinzu kommt die Fremdförderung mit 72.513 Menschen, kurzfristige Arbeitsunfähigkeit unter welche kranke Arbeitslose fallen (§ 126 SGB III) im Januar 68.202, Aktivierung und berufliche Eingliederung (127.742), Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (35.000), Beschäftigungsphase Bürgerarbeit (21.823), Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (456.000) und Beschäftigungszuschuss für schwer vermittelbare Arbeitslose (9.533). Wenn man nun die ermittelten vermeintlichen Arbeitslosen zu der offiziellen Zahl der Bundesagentur für Arbeit hinzu addiert, kommt man auf eine Gesamtarbeitslosigkeit von 4.044.548 was sich letztendlich doch signifikant von den 3.081.706 der Bundesagentur für Arbeit unterscheidet.

Aufgrund all dieser Ausnahmen und Sonderregelungen drängt sich einem die Frage auf, ob es keinen einfacheren Weg gibt die tatsächliche Arbeitslosenzahl zu ermitteln. Ein Ansatz, der zumindest aus einer anderen Perspektive betrachtet Sinn machen würde, wäre einfach die Arbeitslosengeldempfänger zu addieren. Denn wie das Wort „Arbeitslosengeldempfänger“ schon sagt, sind dies Menschen, die arbeitslos sind und daher Geld vom Staat empfangen.
Dies wären im Januar 2012 937.194 die Arbeitslosengeld I beziehen und 4.456.870 die Arbeitslosengeld II erhalten, was einer Gesamtzahl von 5.394.064 Arbeitslosengeldempfängern in Deutschland entspricht.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/38739/

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