Deutsche Renten = Altersarmut – eine Chronik

02.08.2016

Renten: Zwölf Millionen Arbeitnehmern droht die Altersarmut

Gewerkschaften und Arbeitgeber bereiten sich auf heftige Kämpfe um die Zukunft der Rente vor. Die Politik sieht sich zunehmend unter Druck gesetzt, die Renten abzusichern. Im Herbst soll es konkret werden.

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Für Millionen Bundesbürger ist das Thema hochsensibel – und nach der Sommerpause wird es bei der Rente ernst. Noch ist völlig ungeklärt, ob Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) mit ihrem Gesetzesvorschlag für eine Ost-West-Rentenangleichung bis 2020 beim Koalitionspartner durchkommt. Da nimmt bereits der Streit um die Zukunft der gesetzlichen Rente insgesamt an Schärfe zu – es dürften harte Kämpfe werden.

Was fordert die Koalition?

Die Koalition hat es vor allem SPD-Chef Sigmar Gabriel zu verdanken, dass sie das heikle Thema Rentenniveau auf dem Tisch hat. Im Frühjahr kündigte er einen Kurswechsel weg von der Reformagenda unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder an – das Rentenniveau müsse, so der SPD-Vorsitzende, stabilisiert werden.

CSU-Chef Horst Seehofer forderte höhere Bezüge für breite Schichten – die Rentendebatte war da. Nahles blieb nichts anderes übrig, als die heikle Angelegenheit in die Hand zu nehmen, schon allein, um die Debatte zu kanalisieren. Mit steigender Spannung wird ihr für Herbst versprochenes Rentenkonzept erwartet.

Gewerkschaften erhöhen den Druck – mit zwei Zielen

Nach den Sommerferien wollen die Gewerkschaften den Druck auf die Politik stark erhöhen – mit groß angelegten Kampagnen für ein höheres Rentenniveau. Gabriels und Seehofers Vorstöße zeugen „von einer gewissen Nervosität“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske. „Die ist auch angebracht.“ Bsirskes Diagnose: „Die Gesellschaft wird reicher und reicher, doch sie scheint ärmer und ärmer zu werden. Diese Paradoxie werden die Menschen nicht mehr akzeptieren.“

DGB, IG Metall, Verdi und Co. haben zwei Ziele, wenn sie in den kommenden Monaten für einen Kurswechsel in der Rente mobil machen wollen: den Kampf gegen Altersarmut, aber auch eine auskömmliche Rente für die Mittelschicht. Die Politik – so das Kalkül der Gewerkschaftsbosse – soll die Debatte vor der Bundestagswahl 2017 nicht mehr los werden.

Experten warnen vor Rentengeschenken

Bei den Arbeitgebern ist man alarmiert. Die Volksparteien leiden unter AfD-Konkurrenz und sinkendem Zuspruch. Den Ausweg dürften sie nun nicht in teuren Rentengeschenken suchen, warnt der einflussreiche Verband Gesamtmetall. „Schon heute investiert der Staat nicht genug in die Zukunft“, sagt Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. „Alles was das Wachstum befördert, könnte nicht mehr finanziert werden.“

Was würde es kosten, wenn das Rentenniveau, das Verhältnis von Rente zum Einkommen, wieder so hoch wäre wie in Zeiten vor der Reformagenda 2010? „Für ein Rentenniveau von 53 Prozent müsste der Beitragssatz auf 25 Prozent steigen und der Bundeszuschuss müsste auf über 100 Milliarden Euro wachsen“, warnt Zander. Heute liegt das Rentenniveau bei knapp 48 Prozent, der Beitragssatz bei 18,7 Prozent, der Bundeszuschuss noch unter 90 Milliarden. „Pro Jahr hätten wir einen finanziellen Mehrbedarf von 50 bis 60 Milliarden Euro“, mahnt Zander.

Zwölf Millionen Arbeitnehmer laufen in die Altersarmut

Bsirske macht eine ganz andere Rechnung auf:

  • „Ein Babyboomer des Jahrgangs 1964, der 2012 2500 Euro brutto verdiente, kann nach 40 Arbeitsjahren 2030 nur mit einer Rente von 786 Euro rechnen.“

Ein Drittel der Beschäftigten hätte sogar noch weniger Einkommen.

  • „Elf bis zwölf Millionen Arbeitnehmer laufen auf Hartz-IV-Anspruch im Alter und Altersarmut zu“, mahnt er. „Hier tickt eine soziale Zeitbombe.“

Alle Seiten schüren Ängste und Hoffnungen. Der Druck auf die Regierung ist hoch. Für Oktober hat Nahles Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Spitzentreffen zur gesetzlichen Rente eingeladen. Alles kann auf den Tisch: Rentenniveau, eine Lebensleistungsrente zur Aufwertung von Minirenten, Rentenformel. Klar ist: Je gründlicher Renten der Zukunft verbessert werden, desto stärker belastet es Beitrags- oder Steuerzahler.

Daneben verhandeln Sozial- und Finanzministerium weiter um das Vorhaben einer Verbreitung der Betriebsrenten. Denn wenn betriebliche und private Vorsorge gestärkt werden, so die Hoffnung, nimmt das den Druck von der gesetzlichen Rente. Doch dass so Erwartungen und Emotionen beim Thema Rente gedämpft werden können, glaubt man selbst in der Bundesregierung nicht. 

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/zwoelf-millionen-arbeitnehmer-betroffen-experten-warnen-vor-altersarmut-hier-tickt-eine-soziale-bombe_id_5785360.html

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31.05.2016

Immer mehr Rentner leben von Hartz IV

Immer mehr Rentner in Münster sind auf staatliche Unterstützung angewiesen: 3991 Menschen erhielten im vergangenen Jahr Grundsicherung(„Alters-Hartz-IV“) im Alter oder bei Erwerbsminderung – 72 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

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Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) hervor, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. Die NGG Münsterland warnt vor einer weiteren Zunahme der Altersarmut und fordert eine Stärkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Zudem dürften tarifliche und betriebliche Zusatzrenten nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden.

Innerhalb von zehn Jahren sind in Münster rund 1670 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente beim Staat aufbessern müssen“, sagt NGG-Geschäftsführer Helge Adolphs. Es sei ein „sozialpolitisches Armutszeugnis“, wenn selbst immer mehr Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe. „Wir brauchen daher dringend Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden gerade die jungen Beschäftigten später in Altersarmut geschickt“, warnt Adolphs. Für sie laufe die Rente derzeit auf 43 Prozente ihres Einkommens hinaus, aber alles unter 50 Prozent sei „extrem ungerecht“, so der Gewerkschafter.

Gleichzeitig müsse auch die betriebliche Vorsorge ausgebaut werden. Das sei gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern. „So hat die NGG in Nordrhein-Westfalen für alle Branchen Zusatzrenten vereinbart“, sagt Adolphs. Zum Beispiel in der Ernährungsindustrie. Dort zahle der Arbeitgeber im Schnitt 500 bis 600 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein.

Aber das Ersparte landet nur dann im Portemonnaie der Menschen, wenn die Zusatzrente nicht länger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird“, betont der Gewerkschafter. Bislang werde Beschäftigten, die eine Tarifrente und Anspruch auf Grundsicherung haben, ein Großteil der Zusatzrente wieder abgezogen. Das sei ein Missstand, den der Gesetzgeber unbedingt beheben müsse.

Hinzu komme: „Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Hier sind die Arbeitgeber in Münster gefordert. Sie sollen sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken“, so Adolphs. Zudem müsse der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann könne man Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindern.

http://www.muensterschezeitung.de/Lokales/Staedte/Muenster/2394027-Gewerkschaft-NGG-warnt-vor-steigender-Altersarmut-in-Muenster-Immer-mehr-Rentner-leben-von-Hartz-IV

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17.04.2016

Bundesregierung macht sich Sorgen um die Sicherheit der Rente

Die Bundesregierung kämpft um die Sicherung der Renten. Allerdings haben die Parteien keine Lösung bei der Hand. Sie fürchten einen massiven Anstieg der Altersarmut. Die CDU rät daher, das Thema tunlichst aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

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Die Riester-Rente als private Ergänzung zur gesetzlichen Altersvorsorge hat laut Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Man könne zwar nicht einfach sagen, dass sie gescheitert sei, sagte die SPD-Politikerin am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ der ARD. „Aber die hochfliegenden Erwartungen, die Anfang der 2000er Jahre mit der Riester-Rente verbunden waren – die sind eben nicht eingelöst worden.“ Insbesondere Kleinverdiener hätten die Riester-Rente nicht abgeschlossen, daher sehe sie Handlungsbedarf. Nahles bezeichnete die gesetzliche Rente in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ als „wesentlich robuster und wetterfester als die private Konkurrenz“.

Das Problem: Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren Millionen Deutsche ermuntert, mit der sogenannten Riester-Rente auch private Vorsorge zu treffen. Wegen einer falschen Deregulierung und der niedrigen Zinsen sind die Lebensversicherer jedoch massiv unter Druck geraten.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die Riester-Rente vor wenigen Tagen für „gescheitert“ erklärt. Er schlug vor, in einer großen Rentenreform die Altersbezüge für breite Bevölkerungsschichten wieder zu erhöhen. Die Anfang des vergangenen Jahrzehnts beschlossene Kürzung des Rentenniveaus würde dazu führen, „dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Sozialhilfe landen würde“.

Union und SPD wollen den Kampf gegen Altersarmut zu einem großen Reformvorhaben der verbleibenden gemeinsamen Regierungszeit machen.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte dem „Spiegel“: „Die Rente mit 63 und die Mütterrente waren schon ziemlich teuer.“ Wer „jetzt mal eben das Rentenniveau anheben will, bekommt kurzfristig Applaus, verschärft aber die Probleme massiv. Das wird dann richtig teuer.“

In die gleiche Kerbe schlug Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats: „Ein drittes großes Rentengeschenk in dieser Legislaturperiode passt überhaupt nicht in die Zeit, verlagert immer größere Lasten auf die nächste Generation“, sagte er der „Bild“-Zeitung. In der „Rheinischen Post“ empfahl Steiger stattdessen, den Höchstbetrag zur Förderung der Riester-Rente von 2100 auf 3000 Euro jährlich anzuheben und gleiches mit den Steuerfreibeträgen dafür sowie für die private und betriebliche Altersvorsorge zu tun.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sagte der „Rheinischen Post“: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, das moderate Wachstum durch Mehrausgaben bei den Sozialleistungen zu gefährden, etwa mit Blick auf eine Lebensleistungsrente.“ Carsten Linnemann, Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, argumentierte ähnlich: „Altersarmut verhindert man besser, indem man das bestehende System der privaten, betrieblichen und gesetzlichen Rente stabilisiert und längeres Arbeiten attraktiver macht.“

Nahles hob in der ARD Betriebsrenten als „sehr wichtige Ergänzung der jetzigen Altersversicherung“ hervor. Sie arbeite mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an Lösungen, um Betriebsrenten auch in kleinen und mittelgroßen Unternehmen attraktiv zu machen. Dabei gehe es zum Beispiel um den Abbau von Haftungsrisiken, die für kleine und mittlere Unternehmen derzeit noch erdrückend sein könnten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/18/internationale-soeldner-erklaeren-in-syrien-den-beginn-der-schlacht/

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12.04.2016

Mit Altersgrundeinkommen gegen Armut

Immer mehr Menschen reicht die Rente nicht, viele Rentner sparen sich arm. Das System der Vorsorge muss reformiert werden. Ein Gastbeitrag.

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Plötzlich redet auch die Bundesregierung wieder über das wachsende Wohlstandsgefälle – gerade auch unter älteren Menschen. Endlich möchte man meinen. Die Einkommensschere klafft immer weiter auseinander, die Armut wächst und das schon lange bevor Menschen seit dem letzten Jahr auch vor unseren Waffen verstärkt zu uns fliehen. Die Zahlen von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden belegen seit Jahren, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet. Strategien zur Armutsbekämpfung gehören ganz oben auf die politische Agenda. Dies gilt besonders auch für die wachsende Altersarmut.

Im vergangenen Jahr bezogen gut 20 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – eine Rente. Die durchschnittliche Altersrente liegt dabei in den alten Bundesländern bei 771 Euro monatlich. Männer kommen auf etwa 1020 Euro und Frauen im Schnitt auf 566 Euro. In den fünf jüngeren Bundesländern beträgt die Durchschnittsrente 944 Euro, wovon Männer 1111 Euro, Frauen 824 Euro monatlich beziehen. Gleichzeitig liegt die monatliche Rente bei über 40 Prozent der Frauen in Westdeutschland bei unter 450 Euro.

Diese Zahlen zeigen: Viele ältere Menschen – insbesondere Frauen in den westlichen Bundesländern – beziehen eine Rente, die teils unterhalb des Mindest-Pro-Kopf-Bedarfes von monatlich 783 Euro liegt. Dem versucht unser Staat durch die Grundsicherung im Alter zu begegnen. Diese bezogen im vergangenen Jahr 528 000 Personen. Dieses Modell beruht auf dem Prinzip der Sozialhilfe. Viele Rentnerinnen und Rentner, die eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, beantragten diese gar nicht.

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung verzichten 68 Prozent der Berechtigten auf die Grundsicherung im Alter – aus Scham oder Unwissen. Hinzu kommt, dass bei der Grundsicherung im Alter nahezu jedes weitere Einkommen angerechnet wird – etwa die staatlich geförderte Riester-Rente, Ersparnisse für plötzliche Pflegesituationen oder bescheidenes Wohneigentum. Viele Menschen mit einstmals geringen Löhnen sparen sich „arm“. Die Bundesregierung wiederum spart jährlich rund elf Milliarden Euro, weil mehr als zwei Drittel der Anspruchsberechtigten die Grundsicherung im Alter nicht abrufen.

Für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist mehr Mut und Kreativität in der Politik gefragt. Deshalb plädiere ich für die gestufte Einführung eines Alters-Grundeinkommens (AGE). Das AGE soll sich zunächst auf 500 Euro monatlich belaufen und die besonders von Altersarmut betroffenen Menschen erreichen. Die älter werdende Gesellschaft wird zu einer Ausweitung des AGE führen und eine schrittweise Erhöhung auf 800 Euro sollte von vorne herein in den Blick genommen werden.

Gestaffeltes Modell

Das von mir und meinem Team entwickelte Modell setzt bei niedrigen Renten an und verringert sich in der Einführungsphase schrittweise bis zu einer Rentenhöhe von 1050 Euro. Durch diese „degressive Staffelung“ würde das AGE vor allem den Bezieherinnen der kleinsten Renten zugutekommen, wobei die kleinen und mittleren Renten ebenfalls – freilich in geringerem Umfang – profitieren würden. Durch diese „fließende Grenze“ wird vermieden, dass durch das AGE geringere Renten bisher höhere Renten „überholen“. Es geht ja um die Bekämpfung der Altersarmut.

Konkret würde sich eine heutige Rente von 50 Euro also auf monatlich 550 Euro erhöhen, eine solche von 300 Euro – mit einem Degressionsabschlag von 25 Prozent – auf 675 Euro, eine Rente von 600 Euro – mit einem Degressionsabschlag von 55 Prozent – auf 825 Euro und eine Rente von 900 Euro immer noch auf 975 Euro.

Wie bei der Grundsicherung im Alter würden die Hinterbliebenenrenten angerechnet, nicht aber Vorsorgeleistungen. Anders als bei der Grundsicherung würde die Notwendigkeit entfallen, selbstbewohntes Eigentum zu veräußern. Der von uns unter Berücksichtigung von Einspareffekten bei der Grundsicherung berechnete Mehrbedarf für das hier skizzierte Altersgrundeinkommen beläuft sich auf jährlich gut acht Milliarden Euro.

Finanzieren ließe sich dies mit den bislang nicht abgerufenen Mittel der Grundsicherung in Höhe von elf Milliarden Euro. Denkbar wäre auch eine Finanzierung über Steuern oder durch den Abbau von Steuerprivilegien. Hierzu könnte etwa die Kapitalertragsteuer um bis zehn Prozentpunkte auf 35 Prozent angehoben werden (gut drei Milliarden Euro Mehreinnahmen) und das Dienstwagenprivileg ganz oder teils abgeschmolzen werden (Mehreinnahmen bis zu fünf Milliarden Euro).

Wenn die Regierung nun ihrerseits eine Sockel-Rente von 880 Euro monatlich ins Gespräch bringt, ist das auf den ersten Blick ein Schritt in die richtige Richtung. Das ist aber oberflächlich. Denn sie nimmt auch nur bescheidene 180 Millionen Euro in die Hand. Der Trick: In den Genuss der Sockel-Rente soll kommen, wer 40 Jahre einer Erwerbsarbeit nachgegangen ist. Selbst in den letzten Jahrzehnten wird diese Biographie männlicher Facharbeiter längst nicht mehr allen Menschen gerecht. Rückblickend gehen vor allem die besonders von Altersarmut betroffenen Frauen in den westlichen Bundesländern erneut leer aus. Für zukünftige Rentner dürfte das Modell vollends unzureichend sein.

Wer den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ernst meint, sollte die Armut in den Fokus seiner politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten stellen. Das Modell eines Altersgrundeinkommens kann helfen. Handeln wir nicht endlich, wird uns unser Gemeinwesen schon bald politisch entgleiten. Die Zeit symbolischer Ansätze sollte vorbei sein.

http://www.fr-online.de/gastbeitraege/altersarmut-mit-altersgrundeinkommen-gegen-armut-,29976308,34077296.html

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29.02.2015

Nahles kündigt neues Rentenpaket an

Die Koalition streitet über die Ausgaben für Flüchtlinge und Soziales. Im Koalitionsvertrag findet sich noch ein teures Vorhaben gegen Altersarmut.

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Zwei Jahre nach Einführung des umstrittenen Pakets aus Rente mit 63 und erweiterter Mütterrente bereitet Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein weiteres womöglich teures Rentenpaket vor. Ihr Ministerium arbeite derzeit an der Vorlage für eine sogenannte Mindestrente, und sie werde dazu „noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen“, kündigte eine Sprecherin der Arbeitsministerin am Montag an. Zugleich machte auch das von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) geführte Wirtschaftsministerium deutlich, dass das Projekt einer Mindestrente für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer mit geringem Einkommen noch vor der Bundestagswahl auf den Koalitionstisch kommen werde.

Formal kann sich die SPD bei dem Vorhaben auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag berufen. Darin hatten die Regierungspartner Ende 2013 konkrete Eckpunkte für eine „Solidarische Lebensleistungsrente“ festgelegt. „Wir wollen, dass sich Lebensleistung und langjährige Beitragszahlung in der Sozialversicherung auszahlen“, heißt es dort zur Begründung. Die Einführung dieses neuen Rentenrechts werde „voraussichtlich bis 2017 erfolgen“, so der Koalitionsvertrag.

Der aktuelle Vorstoß war überdies durch entsprechende Forderungen von SPD-Vizechef Ralf Stegner in der „Bild“-Zeitung vorangetrieben worden. Stegner hatte damit mittelbar an die am Wochenende ausgefochtene Kontroverse zwischen Gabriel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angeknüpft. Beide hatten sich öffentlich darüber gestritten, inwieweit es im Bundeshaushalt Spielraum gebe, um gleichzeitig ein Integrationspaket für Flüchtlinge und höhere Sozialausgaben für Inländer zu finanzieren. „Wenn wir in dieser Krise nicht eine Politik für alle Menschen machen, profitieren die Demokratiefeinde von rechts“, hatte Stegner dazu nachgelegt.

Die Ankündigung des Arbeitsministerium kam am Montag insofern überraschen, als hinter den Kulissen der Regierungskoalition eigentlich schon als ausgemacht galt, dass für das Projekt der „solidarischen Lebensleistungsrente“ wohl in dieser Legislaturperiode nicht mehr genügend Geld und Zeit vorhanden sein würden. Andererseits lag es nahe, dass Nahles bei einem solchen Projekt nicht von sich aus auf eine Umsetzung des Koalitionvertrags verzichten würde. Nun dient das Thema vorerst zumindest dazu, einige politische Unterschiede zwischen Union und SPD in den laufenden Landtagswahlkämpfen zu verdeutlichen.

Vertreter der Union im Bundestag sehen derweil mit einer gewissen Neugier dem geplanten Gesetzentwurf entgegen. „Wir sind gespannt, war die Bundesarbeitsministerin dazu vorlegen wird – und vor allem welche Finanzierungsvorschläge sie dazu unterbreitet“, sagte der rentenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Weiß, dieser Zeitung. Absehbar ist bisher vor allem, dass ein solches Rentenpaket zu Mehrausgaben von mehreren Milliarden Euro führen würde.

Den Eckpunkten des Koalitionsvertrags zufolge sollen diese aus Steuermitteln finanziert werden, weil die beabsichtigte Rentenaufstockung für Geringverdiener technisch gesehen eine versicherungsfremde Leistung ist. Konkret sollen damit Arbeitnehmer, die mit ihren Beiträgen in 40 Beschäftigungsjahren weniger als 30 Rentenpunkte gesammelt haben, einen Zuschlag bekommen. 30 Rentenpunkte sind derzeit rund 900 im Monat Euro wert. Die frühere CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte dazu 2013 ein Konzept vorgelegt, das zu einem schrittweisen Anstieg der Ausgaben auf 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2030 geführt hätte.

Während aus der Äußerung des CDU-Sozialexperten Weiß allenfalls eine gewisse Skepsis abzulesen ist, stellte sich der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsunion, Carsten Linnemann, am Montag offen gegen das Konzept. Er lehne die erwogene Lebensleistungesrente ab, weil sie zu „Fehlallokationen“ führte, sagte er. „Damit würde womöglich eher die sprichwörtliche Zahnarztfrau profitieren, ein tatsächlich bedürftiger Grundsicherungsempfänger mit unsteter Erwerbsbiographie hingegen nicht“, warnte er.

Die jährlichen Mehrausgaben für Mütterrente und Rente mit 63 belaufen ich derzeit auf etwa 10 Milliarden Euro. Daneben arbeitet die Regierungskoalition derzeit an einem Konzept zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung. Auch dieses zielt darauf, die Vorsorge vor allem von Arbeitnehmern mit geringeren Einkommen zu verbessern, deren gesetzliche Rente eher knapp ausfallen wird. Bisher profitieren von Betriebsrenten wie auch von der geförderten privaten Riester-Vorsorge eher Arbeitnehmer mit mittleren bis höheren Einkommen. Allerdings wird in der Koalition den bisher diskutierten Ansätzen zufolge auch die Reform der betrieblichen Vorsorge zu Mehrausgaben und Einnahmeausfällen für den Fiskus führen.

Die Gewerkschaften schieben indes noch ein weiteres Thema in den Vordergrund. Während sie von der neuerdings ebenfalls diskutierten „Deutschland-Rente“ – einem Mischmodell aus privater und betrieblicher Vorsorge – wenig halten, setzen sie darauf, das Niveau der gesetzlichen Rente zu stärken. Dafür wollen sie auch höhere Sozialbeiträge in Kauf nehmen. Auch SPD-Vize Stegner forderte am Montag ein entsprechendes Gesetz.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mindestrente-nahles-kuendigt-neues-rentenpaket-an-14097944.html

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20.12.2015

Tausende Euro jedes Jahr: Dämpfungstrick zieht Rentnern das Geld aus der Tasche

Eigentlich ist es so gerecht wie einfach: Die Renten werden erhöht, wenn es mit den Löhnen aufwärts geht. Doch seit zwölf Jahren manipuliert ein Rechentrick die Rentenformel – und klaut den Rentnern so jedes Jahr hunderte Euro. Bald werden es tausende sein.

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Die Renten folgen zwar den Löhnen – aber nicht ganz: Die Löcher im Budget der Rentner werden immer spürbarer. Schuld daran sind die sogenannten Dämpfungsfaktoren, die die Rente bezahlbar halten sollen.

Einerseits zieht der Riester-Faktor einen Prozentpunkt von der Rente ab. Den Verlust muss jeder selber durch die private Riesterrente wettmachen.

Andererseits gibt es den Nachhaltigkeitsfaktor: Die Rentenerhöhungen werden gekürzt, wenn die Zahl der Rentner stärker als die Zahl der Beitragszahler steigt. Diese Dämpfung ist flexibel: Je mehr sich das Verhältnis verschlechtert, umso geringer steigen die Renten.

Schon jetzt 722 Euro weniger

Diese Veränderungen der Rentenformel zur Berechnung der Bezüge wurden 2003 beziehungsweise 2005 eingeführt. Schon jetzt sind die Rentenanpassungen im Vergleich zu 2003 rund 4,4 Prozentpunkte hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben. Das zeigt eine Aufstellung der Fraktion der Linken auf Basis einer Antwort der Bundesregierung.

Für jemanden, der 45 Jahre zum Durchschnittsverdienst gearbeitet hat, bedeutet das einen Verlust von mehreren hundert Euro: Würden die Rentenkürzungen bis zum Jahr 2015 rückgängig gemacht, hätte er jährlich rund 722 Euro mehr, erläutert Matthias W. Birkwald, Rentenexperte der Linken.

2029 verliert der Durchschnittsrentner 2939 Euro – jedes Jahr!

Doch es kommt noch viel schlimmer. Zwischen 2016 und 2029 soll ein Dämpfer von weiteren knapp acht Prozentpunkten hinzukommen. Der Durchschnittsrentner würde so am Ende dieser Zeit jedes Jahr 2939 Euro verlieren.

Laut aktuellem Rentenversicherungsbericht sinkt so das Rentenniveau, also das Verhältnis der Höhe einer Standardrente gegenüber dem Durchschnittsverdienst, von rund 48 Prozent im letzten Jahr auf voraussichtlich knapp 45 Prozent im Jahr 2029 ab. Die Differenz sei genau das, „was den Rentnern zur Existenzsicherung fehle“, so Birkwald.

Linke fordern Ende der Dämpfung

Während langjährige Beitragszahlungen schon jetzt kaum noch für auskömmliche Renten sorgen, leiden die heutigen Rentnerinnen und Rentner schon jetzt an dem steigenden Wertverlust ihrer Renten“, sagte Birkwald. Er warnt vor einer „Legitimationskrise“ der Rentenversicherung.

Ohne die Manipulation würde die Rente „wieder den Lebensstandard sichern“, so Birkwald weiter. Die Linke fordert deshalb eine Rücknahme der Dämpfungsfaktoren: Die Renten sollten einfach wieder eins zu eins den Löhnen folgen.

Rentenbeiträge müssten dramatisch erhöht werden

Außerdem solle auch das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent angehoben werden. Das entspricht in etwa dem Rentenniveau von 2002, also dem Jahr vor der Einführung der Dämpfungsfaktoren. Bis 2014 war es bereits auf rund 48 Prozent abgefallen.

Eine Abschaffung des Dämpfers hätte allerdings schwerwiegende Konsequenzen, denn die Rentenbeiträge müssten dramatisch erhöht werden. Zum Vergleich: Die geltende Regelung sieht lediglich vor, dass das Sicherungsniveau bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen darf. Um allein dieses bescheidene Ziel zu sichern, musste das Rentenalter für die Jahrgänge ab 1964 bereits auf 67 Jahre angehoben werden.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rentenniveau-sinkt-immer-tiefer-tausende-euro-jedes-jahr-daempfungstrick-zieht-rentnern-das-geld-aus-der-tasche_id_5167019.html

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12.11.2015

So unglaublich wenig bleibt von Ihrer Rente übrig

Wer sich fragt, wie viel er später Rente erhält, findet meist pauschale Berechnungen. Diese aber ignorieren wichtige Details. Eine Studie hat nun ehrlich gerechnet – mit erstaunlichen Resultaten.

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Die Sümpfe in Deutschland sind zwar schon seit Jahrhunderten trocken gelegt. Doch viele Deutsche leben dennoch auf morastigem Grund, dann nämlich, wenn es um ihre finanzielle Zukunft geht. Schlagzeilen und aktuelle Probleme verdecken eine grundlegende Erkenntnis, die allerdings Sprengkraft hat: Nur die wenigsten Bundesbürger dürfen darauf hoffen, dass die gesetzliche Rente ihren Lebensstandard im Alter sichert.

Auf finanziell unsicherem Grund bewegen sich vor allem Normalverdiener, die sich auf die staatliche Vorsorge verlassen und in einer der großen Metropolen leben. Wie sehr künftige Rentner um ihren Lebensstandard bangen müssen, hat jetzt erstmals das Forschungsinstitut Prognos ermittelt. Anders als in bisherigen Szenarien geht Prognos nicht mehr von dem abstrakten „Eckrentner“ aus, der den Durchschnittslohn verdient und 45 oder bald 47 Jahre lang in die gesetzliche Rente eingezahlt hat.

Das Institut mit Sitz in Freiburg hat vielmehr die Rentenerwartung für konkrete „Erwerbsbiografien“ durchgerechnet, also inklusive Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Kindererziehung oder anderen Unterbrechungen des Berufslebens, die die sogenannten Anwartschaften mindern.

Kluft wird bei Gutverdienern größer

„Sobald wir dem Rentner ein Gesicht geben, ergibt sich ein ganz anderes Bild als in der allgemeinen Wahrnehmung“, sagt Michael Böhmer, Chefvolkswirt der Prognos AG. „Der Durchschnittsverdiener verdeckt die Lebenswirklichkeit der Beschäftigten“, ergänzt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), in dessen Auftrag Prognos die Untersuchung durchgeführt hat.

Das überraschende Ergebnis der Studie: Die Kluft zwischen Rente und vormaligem Einkommen klafft bei Gutverdienern weiter auseinander als bei Geringverdienern. So kommt eine Verkäuferin mit zwei Kindern im Prognos-Szenario 2040 im Bundesschnitt auf eine Rente von 1095 Euro, wobei sich diese 1095 Euro als Euro in heutiger Kaufkraft, also inflationsbereinigt, verstehen. Eine Teamleiterin ohne Kind darf in 25 Jahren auf 2366 gesetzliche Rente hoffen. Damit sind ihre Bezüge zwar doppelt so hoch wie die der Verkäuferin.

Gemessen am durchschnittlichen Einkommen der letzten fünf Berufsjahre ist die Geringverdienerin allerdings besser dran. Die staatliche Versicherung zahlt der Frau lebenslang eine Rente, die 51 Prozent ihres letzten Lohns entspricht. Bei der Teamleiterin kommt der Staat dagegen nur für 34 Prozent des früheren Gehalts auf. Ihre Rentenlücke beläuft sich also auf rund zwei Drittel des Einkommens der Erwerbstätigkeit. Das ist nicht nur dann ein Problem, wenn sie sich an den höheren Lebensstandard gewöhnt hat.

Bei Männern ist die Differenz zwischen den Extremen weniger groß, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass sie weniger Auszeiten aus dem Beruf nehmen. In absoluten Zahlen ist die zu erwartende Rente im Mittel höher als bei den Frauen – so weit die gute Nachricht. Relativ gesehen fällt das staatliche Ruhestandseinkommen aber extrem hinter den Verdienst während der Erwerbstätigkeit zurück.

So bringt es ein Lohnbuchhalter im Jahr 2040 nach Prognos-Berechnungen auf 2324 Euro (in heutiger Kaufkraft gerechnet) gesetzliche Rente, ein Entwicklungsingenieur mit Hochschulabschluss auf 2597 Euro. Beim Lohnbuchhalter sind 37 Prozent des vorherigen Einkommens abgedeckt, beim Entwicklungsingenieur lediglich 34 Prozent.

Lebenshaltungskosten in Metropolen steigen rasant

Doch auch diese Zahlen täuschen über einen entscheidenden Umstand hinweg: Je nach Wohnort können sich die künftigen Rentner für ihre Bezüge gar nicht so viel leisten, wie es den Anschein hat. Schon jetzt zeigt sich, dass die Mieten und weitere Lebenshaltungskosten in München, Hamburg und anderen Metropolen weitaus schneller klettern als im Rest des Landes. Daher ging das Forschungsinstitut denn auch einen Schritt weiter und berechnete die Preissteigerungen in die Vorhersage mit ein.

„Wie viel ein Ruheständler mit seiner Rente am Ende anfangen kann, hängt weithin von der regionalen Kaufkraft ab“, erklärt Chefvolkswirt Böhmer. Vor allem die Wohnkosten seien ein wichtiger Kostenblock. Erst ein Blick auf die „Rentenkaufkraft“ gebe daher Aufschluss, wie hoch der Lebensstandard eines Rentners tatsächlich ist und wie stark die gesetzliche Rente zur Alterssicherung beiträgt.

Das Ergebnis falle vor allem für die Bewohner attraktiver Städte ernüchternd aus: So darf ein Elektroinstallateur in München 2040 zwar mit einer sogar ganz leicht höheren Rente rechnen als ein Elektroinstallateur in Berlin, nämlich 1452 Euro verglichen mit 1451 Euro. Das deutlich höhere Preisniveau in der bayerischen Hauptstadt zwingt den Ruheständler jedoch zu deutlichen Abstrichen beim Lebensstandard.

„Die Kaufkraft seiner gesetzlichen Bezüge wird in München fast ein Fünftel niedriger ausfallen als in Berlin“, erklärt Böhmer. Mag die ausgezahlte Rente annähernd gleich hoch sein, im Jahr 2040 wird sich der Münchner Elektroinstallateur dafür nur den Gegenwert von 1113 Euro leisten können, der Berliner immerhin den von 1369 Euro.

Rentnerparadiese liegen in Ostdeutschland

Als Normalverdiener in einer wirtschaftsstarken, attraktiven Stadt zu leben hat also Licht- und Schattenseiten. Während der Erwerbstätigkeit ist die Wahrscheinlichkeit, in einer solchen Boomregion längere Phasen der Arbeitslosigkeit zu durchleben, deutlich geringer als in einer strukturschwachen Region. Im Ruhestand muss der Rentner in der Metropole dann aber sein Geld zusammenhalten. Denn nun hat er nicht mehr sein tendenziell besseres Einkommen, um die hohen Mieten, aber auch steigenden Gesundheitskosten auszugleichen.

Umgekehrt lassen sich „Rentnerparadiese“ ermitteln. Das sind Kreise und Städte – manchmal gar nicht so weit entfernt von Metropolen –, die gute Jobchancen bieten, wo das Preisniveau aber noch so moderat ist, dass auch Ruheständler gut dort leben können. Heute liegen diese Rentnerparadiese fast alle in Ostdeutschland. Die höchste Kaufkraft haben Senioren nach Berechnungen von Prognos aktuell im Oberspreewald-Lausitz-Kreis.

Im Schnitt werden im Osten höhere Renten gezahlt, nämlich 1020 Euro verglichen mit 833 Euro im Westen. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass zu DDR-Zeiten mehr Frauen berufstätig waren und damit Anwartschaften erwarben, während die Berufstätigkeit von Frauen im Westen erst später deutlich zunahm.

Die Ost-West-Diskrepanz wird sich in den nächsten 25 Jahren auflösen. Dann werden viele der Rentnerparadiese in Westdeutschland liegen. Ein Elektroinstallateur im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz könnte dann laut Prognos eine um fast 60 Prozent höhere Rentenkaufkraft haben als ein Berufskollege mit vergleichbarer Erwerbsbiografie in München.

Keine Form der Vorsorge ist perfekt

„Wir wollen sensibilisieren für den Umstand, dass der Einzelne etwas tun muss. Die gesetzliche Rentenversicherung wird den Lebensstandard nicht sichern können“, sagte GDV-Präsident Erdland. Als Präsident eines Verbandes von Unternehmen, die Altersvorsorgeprodukte anbieten, hat der oberste Versicherer natürlich ein Interesse daran, zum privaten Sparen aufzurufen.

Das aber ändert nichts an der grundlegenden Tatsache, dass die gesetzliche Rente in Zukunft gerade für die Bewohner begehrter Metropolen nicht mehr das leisten kann, was sie in der Vergangenheit konnte. Selbst im Durchschnitt wird sich das gesetzliche Rentenniveau im Jahr 2040 nur noch auf 39 Prozent des Erwerbseinkommens belaufen. Heute sind es immerhin noch 46 Prozent. Bereits einkalkuliert ist dabei, dass der Beitragssatz spürbar steigen wird, von heute 18,7 Prozent auf dann 24 Prozent, was für die aktuellen Berufstätigen eine Minderung ihres verfügbaren Einkommens bedeutet.

„Die Rente wird bei anhaltend guter wirtschaftlicher Entwicklung in 25 Jahren zwar höher sein als heute – im Verhältnis zu den zuvor verdienten Einkommen wird sie aber deutlich niedriger ausfallen“, sagt Ökonom Böhmer.

Keine Form der Vorsorge ist perfekt. Die gesetzliche Rente bekommt es angesichts der niedrigen Geburtenzahlen über kurz oder lang mit einem Mangel an Beitragszahlern zu tun, kapitalmarktorientierte Produkte haben mit dem niedrigen Zinsniveau zu kämpfen und können höhere Schwankungen mit sich bringen. Keine Alternative ist es jedoch, die finanziellen Realitäten zu leugnen. Das wäre, wie sehenden Auges in einen Sumpf zu laufen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article148785362/So-unglaublich-wenig-bleibt-von-Ihrer-Rente-uebrig.html

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13.08.2015

Altersvorsorge und Hartz IV: So stockt der Staat auch kleinste Vermögen fürs Alter auf

Vor allem Niedriglöhner und Hartz-IV-Empfänger wissen nicht, wie viel ihnen im Alter bleibt. Und haben am Monatsende meist nichts über, um es auf die hohe Kante zu legen. Dabei stellt der Staat die private Altersvorsorge unter einen besonderen Schutz.

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Um ihren jetzigen Lebensstandard auch im Alter halten zu können, ist bei fast allen Menschen eine zusätzliche Vorsorge nötig. Die mickrigen Rentenansprüche an den Staat allein reichen meist nicht aus. Dabei fehlt die private Altersvorsorge ausgerechnet dort, wo sie am nötigsten ist.

Laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung betrifft das vor allem

  • Alleinerziehende,
  • Arbeitnehmer, die im Billiglohnsektor beschäftigt sind und
  • Arbeitslose.

Sie können es sich schlichtweg nicht leisten, Geld auf die hohe Kante zu legen. Und wenn doch, dann reichen die Beträge oft nicht aus, um die Versorgungslücke zu schließen.

Dabei ist Vorsorge in dieser Zielgruppe besonders wichtig: Perioden der Arbeitslosigkeit oder fehlende Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung reißen noch tiefere Löcher in das Versorgungskonto als die Rentenreformen der vergangenen Jahre.

Schutz vom Staat für Hartz-IV-Empfänger

Ist ungewiss, wie viel Geld auf das Rentenkonto fließt – etwa weil Phasen längerer Arbeitslosigkeit nicht auszuschließen sind -,  verhindern vor allem zwei Trugschlüsse die Rücklagenbildung:

  • Zusätzliche Altersvorsorge lohnt nicht.
  • Bevor der Staat Hartz IV fließen lässt, müssen Erwerbslose erst ihr „Eingemachtes“ verwerten.

Letzteres trifft zwar zu. Trotzdem genießt die private Altersvorsorge einen besonderen Schutz durch den Staat. Spezielle Freibeträge sorgen dafür, dass Arbeitslose längst nicht ihr ganzes Vermögen aufbrauchen müssen, bevor ihnen die Grundsicherung zusteht.

Das sind die Hartz-IV-Freibeträge

Jeder Hartz-IV-Empfänger darf 150 Euro pro Lebensjahr ansparen. Der Freibetrag steht auch seinem Partner zu. Je nach Geburtsjahr liegt die Obergrenze bei 9750 bis 10.050 Euro. Ausnahme: Wer vor dem 1. Januar 1948 geboren wurde, erhält einen erhöhten Freibetrag von 520 Euro je vollendetem Lebensjahr.

Für jede zum Haushalt gehörende Person (Kinder und Erwachsene) gilt ein Freibetrag von 750 Euro für sogenannte „notwendige Anschaffungen“.

Extra-Freibetrag für die Altersvorsorge

Der Staat gewährt zusätzliche 750 Euro Freibetrag pro Lebensjahr für Vermögen, das der Altersvorsorge dient. Voraussetzung: Es darf laut einer unwiderruflichen Vertragsvereinbarung erst nach Eintritt des Ruhestands verwertet werden:

  • nach dem 60. Lebensjahr oder
  • nach dem 62. bei Verträgen ab 2012.

Das gilt etwa für private Renten- oder Lebensversicherungen mit entsprechendem Vertragszusatz (Paragraph 168, Abs. 3 des Versicherungsvertragsgesetztes) sowie entsprechend geschützte Fonds- oder Banksparpläne.

Dabei dürfen folgende Freibeträge nicht überschritten werden:

  • Jahrgang 1957 oder älter: 48.750 Euro
  • Jahrgang 1958 bis 1963: 49.500 Euro
  • Jahrgang 1964 oder jünger: 50.250 Euro

Was bedeutet das für bestehende Sparanlagen und –Verträge?

Liegt das Vermögen über dem persönlichen Freibetrag, muss der Sparer es soweit verbrauchen, bis es darunter liegt. Erst dann gibt es Geld vom Staat. Der Grundfreibetrag kann auf andere Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft übertragen werden, wenn ein Mitglied ihn nicht voll ausschöpft.

Bestehende Kapitalanlagen, -Versicherungen und Sparverträge müssen dazu grundsätzlich aufgelöst werden. Ausnahmen:

  • Riester- oder Rürup-Rente
  • Betriebsrenten.

Das in den staatlichen Anlagen angesparte Kapital zählt nicht in die Vermögensrechnung ein. Vorausgesetzt, der Sparer hat immer nur bis zum Förderhöchstbetrag eingezahlt und die Förderung auch genutzt – also in der Steuererklärung angegeben.

Auch nicht zum Vermögen zählen

  • Selbstgenutzte Immobilien in „angemessener Größe“
  • Angemessener Hausrat
  • Angemessenes Kraftfahrzeug

Kostenlose Riester-Rente vom Staat

Die meisten Hartz-IV-Empfänger müssen nur noch den Mindestbetrag von fünf Euro in ihren Riester-Vertrag einzahlen. Doch selbst das kann mitunter knapp werden. Besser: Anleger sollten im Vertrag festschreiben, dass sie keine Beiträge zahlen müssen, sollten sie langzeitarbeitslos werden.

Aufstocker“ können sich freuen: Der Staat übernimmt die Beiträge für Erwerbstätige mit sehr niedrigem Einkommen oder Mini-Jobber, die zusätzlich Hartz IV bekommen – wenn sie den Mindestbeitrag für die vollen Zulagen nicht überschreiten. Möglich macht das eine kaum bekannte Klausel im Sozialversicherungsgesetz (Paragraph 11b Abs. 1 Nr.4 SGB II).

Pfändungsschutz für Vorsorgevermögen

Vermögen, das unwiderruflich für die Altersvorsorge dient, darf grundsätzlich nicht gepfändet werden. Das gilt für

  • Riester- und Rürup-Rente,
  • Betriebsrenten,
  • sonstige Vorsorgeverträge mit Verwertungsausschluss.

Die Höhe des geschützten Kapitals hängt vom Lebensalter ab. Hintergrund: Junge Menschen habe tendenziell mehr Zeit, eine Altersvorsorge aufzubauen als Ältere. Laut einem Ratgeber der Verbraucherzentrale ist lediglich ein Kapitalstock geschützt, der nach dem 65. oder 67. Lebensjahr einer Rente gleichkommt und in etwa der Pfändungsfreiheitsgrenze entspricht.

Die pfändungsfreien Beträge reichen laut Verbraucherzentrale von 2000 Euro bei einem 18-Jährigen bis zu 9000 Euro bei einem Sozialleistungsempfänger über 60 Jahre. Unabhängig vom Alter dürfen nicht mehr als 256.000 Euro für das Alter zurückgelegt werden. Liegt die Summer darüber, sind nur drei Zehntel des überschießenden Betrags frei von der Pfändung.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/altersvorsorge-und-hartz-iv-grosse-luecken-kleines-budget-diese-freibetraege-retten-auch-das-kleinste-vermoegen-fuers-alter_id_4877937.html

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08.04.2015

Auf dem Weg in die Altersarmut

In Zeiten niedriger Zinsen verliert die private Zusatzvorsorge ihre Wirkung. Es gäbe Alternativen – aber die große Koalition hat sich offenbar für das Nichtstun entschieden. Der Leitartikel.

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Selten wird eine sozialpolitische Weichenstellung für künftige Generationen in wenigen Stunden vollzogen. Für die Altersvorsorge in Deutschland aber war der 17. Juni 1999 ein schicksalhafter Tag. „Auch das noch! Riester plant Zwangsrente“, titelte die „Bild“-Zeitung und löste in der Regierung Panik aus. Die Grünen rebellierten, der Kanzler sah eine „Wut-Welle“ heranrollen. Eilig stoppte Gerhard Schröder die Pläne seines Sozialministers für eine verpflichtende Zusatzvorsorge.

Das war der Geburtsfehler der rot-grünen Rentenreformen: Weil in einer alternden Gesellschaft die Sozialbeiträge andernfalls drastisch steigen würden, senkte die Regierung das gesetzliche Versorgungsniveau bis 2030 um ein Fünftel. Die dadurch entstehenden Einbußen für künftige Senioren sollten durch die Erträge aus einer neuen kapitalgedeckten Vorsorgesäule ausgeglichen werden. Doch während die Kürzungen im Gesetzbuch festgeschrieben wurden, basiert die Kompensation auf dem Prinzip Hoffnung: Finanzielle Anreize durch Zulagen und Steuervergünstigungen sollen die Bürger zum Sparen bringen.

Den vollen Riester-Beitrag zahlen nur Wenige

Nach anderthalb Jahrzehnten muss man feststellen: Der milliardenteure Plan geht nicht auf. Um die sinkenden Renten im Alter auszugleichen, müssten hundert Prozent der Beschäftigten jeweils vier Prozent ihres Gehalts in einen Riester-Vertrag stecken, der sich bei zehnprozentigen Verwaltungskosten Jahr für Jahr mit vier Prozent verzinst. So unterstellt es die Bundesregierung kurzerhand in ihrem jährlichen Rentenversicherungsbericht. Eine Utopie.

Tatsächlich dümpelt der Garantiezins bei 1,25 Prozent, die Kostenquote beträgt oft zwölf bis 15 Prozent, und von den 34 Millionen künftigen Rentnern zahlen nur 6,4 Millionen die vollen vier Prozent in einen Riester-Vertrag ein. Zwar haben im Westen Deutschlands viele ältere männliche Beschäftigte in der Industrie oder dem Bankgewerbe noch eine Betriebsrente. Doch laut einer ministeriellen Studie wird ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten künftig alleine auf die schrumpfende gesetzliche Rente angewiesen sein.

Die Gründe für den Vorsorge-Boykott sind vielfältig: So sind die verwaltungsaufwendigen Riester-Policen oft überteuert und zudem intransparent. Für Geringverdiener lohnt sich trotz hoher Zulagen der Abschluss oft nicht, weil die Erträge im Alter mit der Grundsicherung verrechnet werden. Betriebsrenten werden seit 2004 mit dem doppelten Krankenversicherungsbeitrag belastet. Dank der staatlichen Förderung warf die Zusatzvorsorge gleichwohl bislang beachtliche Renditen ab. In der Nullzins-Phase aber ist das Geschäft zum Erliegen gekommen.

Die Politik muss handeln

Damit droht in zehn oder 15 Jahren eine massive Ausweitung von Altersarmut. Die Politik müsste heute handeln. Das hat die Opposition erkannt – und propagiert zwei konträre Lösungsansätze: Die Linke möchte die drohende Versorgungslücke einfach dadurch schließen, dass sie die Einschnitte der Rentenreformen zurücknimmt. Das beruhigt vor allem das ideologische Gewissen. Praxistauglich ist der Vorschlag kaum. Nicht nur müssten dann nämlich Millionen Menschen, die auf staatliches Geheiß eine private Police abgeschlossen haben, neben ihren Prämien auch noch kräftig steigende Rentenbeiträge zahlen. Vor allem würden die Kosten komplett von den Älteren auf die Jüngeren abgewälzt.

Der Höhepunkt der demografischen Herausforderung steht uns noch bevor. Gleichzeitig zeigt sich nun, dass auch die Finanzmärkte keine Sicherheit bieten. Viel spricht daher für ein Mischsystem aus Umlageverfahren und Kapitaldeckung, das die Risiken für den Lebensabend streut. Allerdings ist nicht einzusehen, weshalb die Versicherungsbranche daran mitverdient.

Kaum finanzieller Spielraum

An diesem Punkt setzt der Vorschlag der Grünen an: Sie fordern ein einfaches, kapitalgedecktes Basisprodukt zur Altersvorsorge unter öffentlich-rechtlicher Verwaltung. Wer sich nicht mit dem Vergleich unzähliger Angebote beschäftigen will, der könnte einen solchen Pensionsfonds erwerben, der ohne exzessive Vertriebskosten in Anleihen oder auch Aktien investiert, die im Augenblick wesentlich rentabler sind. In Schweden gibt es ein ähnliches Modell. Dort ist es sogar verpflichtend.

Von solchen revolutionären Reformideen ist die Bundesregierung weit entfernt. Zwar hat das Haus von Sozialministerin Andrea Nahles kürzlich Sympathien für den Ausbau der betrieblichen Altersversorgung durch die Tarifparteien bekundet. Doch gerade in eher schlecht bezahlten Berufen wie der Pflege- oder Baubranche existieren praktisch keine Betriebsrenten.

Weder soll es nun mehr Fördermittel noch eine Verpflichtung geben. So klingt das Ganze bislang eher nach weißer Salbe als nach einer entschlossenen Initiative. Mit den fragwürdigen Wahlgeschenken der Mütterrente und der Rente mit 63 hat die große Koalition nicht nur ihren finanziellen Spielraum verspielt. Es scheint, als habe sie auch jede Ambition im Kampf gegen die drohende Altersarmut aufgegeben.

http://www.fr-online.de/leitartikel/rente-und-vorsorge-auf-dem-weg-in-die-altersarmut,29607566,30378308.html

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25.03.2015

Staat prellt Rentner um 33 Milliarden Euro

Privat für das Alter vorgesorgt und unterm Strich ein Verlustgeschäft: So geht es unzähligen Rentnern, die über ihre Firma eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen haben. Denn der Staat holt sich nachträglich fast 17 Prozent des Ersparten. Betroffene sprechen von Betrug. Von Reinhard Weber.

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So erging es Angelika Thalhofer, 68 Jahre alt. Sie hatte jahrelang von Ihrem Gehalt auf monatlich 409 Euro verzichtet.

Der Arbeitgeber zahlte den Betrag bei einem Versicherungsunternehmen ein. Zur Rente bekam sie knapp 50.000 Euro ausgezahlt. Doch nun muss sie insgesamt rund 9.000 Euro Krankenkassenbeiträge darauf bezahlen. Unterm Strich bleibt ihr dadurch weniger, als sie einbezahlt hatte. Der Verlust Ihres Lebens, meint Angelika Thalhofer.

„Die finanzielle Planung ist vollkommen ausgehebelt worden, ich hab mich richtig abgezockt gefühlt vom Staat. Und das ist auch, man kann es drehen und wenden wie man will, es ist eine kalte Enteignung.“ Angelika Thalhofer

Der Staat ruft: Zur Kasse, bitte!

Denn mit dem sogenannten Gesundheitsmodernisierungsgesetz wurde beschlossen, dass die Rentner ab dem 1. Januar 2004 zur Kasse gebeten werden und auf alle Auszahlungen aus der betrieblichen Altersversorgung Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen müssen. Und das auch noch voll, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, derzeit also 16,95 Prozent. Für einige ist das eine besondere Härte, meint der Sozialrechtler Prof. Dr. Giesen von der Ludwig-Maximilian-Universität München.

„Der Staat brauchte das Geld. Er füllt sich sicherlich die Taschen, dort wo er es am leichtesten holen kann, das war die betriebliche Altersversorgung. Die sollte ja anfangs attraktiv sein, später wurde sie sogar mehr belastet als mancher Lebensversicherungsvertrag. Besonders hart hat es dann die getroffen, die in der Einzahlungsphase schon Beiträge zahlen mussten zur Krankenversicherung und dann in der Auszahlungsphase schon wieder – das war für manche bestimmt eine verfassungswidrige Härte.“ Sozialrechtler Prof. Dr. Giesen von der Ludwig-Maximilian-Universität München

Zum Vertragsabschluss galten andere Gesetze

Normalerweise gelten Gesetze für Neuverträge, hier aber beschließt der Staat dies auch für alle bereits laufenden Verträge quasi rückwirkend. Und das betrifft zu diesem Zeitpunkt nach Recherchen von ARD Plusminus rund 8,3 Millionen Policen. Daraus ergeben sich etwa 33 Milliarden Euro Beitragszahlungen, die ahnungslose Rentner aufbringen müssen, obwohl sie nach der Gesetzeslage zum Zeitpunkt ihrer Vertragsabschlüsse davon befreit waren oder nur den halben, also den Arbeitnehmersatz für die Krankenkasse, zahlen mussten. Sie folgten damals der Aufforderung der Politik, privat für das Alter vorzusorgen und werden nun dafür geschröpft.

„Im Jahr 2013 wurden über diese sogenannten Versorgungsbezüge rund 5,2 Milliarden Euro eingenommen. Würde man den Beitragssatz halbieren, würde die Hälfte fehlen – das heißt 2,6 Milliarden Euro wären zu wenig. Das müsste ausgeglichen werden, zum Beispiel über Zusatzbeiträge. Das wären im Durchschnitt für alle Krankenkassen plus 0,2 Prozent.“ Florian Lanz vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen

Diesen Schritt will die Regierung offensichtlich nicht gehen, obwohl die gesetzlichen Krankenkassen und der Gesundheitsfonds 2014 bereits 28 Milliarden Euro Reserven angehäuft haben. Die betroffenen Rentner sind inzwischen stinksauer, doch Proteste und Klagen liefen bislang ins Leere.

Protest vor dem Reichstag

Nun sind einige von Ihnen vor dem Reichstag in Berlin auf die Straße gegangen und haben demonstriert, um die Politik dazu zu bewegen, das Gesetz zurück zu nehmen. Sie hatten zum Gespräch geladen, doch die im Bundestag vertretenen Parteien haben abgesagt. Nur der ehemalige FDP-Abgeordnete Detlef Parr sicherte Unterstützung zu.

„Es waren ja nicht nur SPD und die Grünen, es war ja auch die Union, die diesem Gesetz zugestimmt hat. Und ich war in diesen Nächten dabei, in dieser überfraktionellen Arbeitsgruppe und für mich waren es deprimierende Nächte. Es war einfach nicht in Ordnung dass man enteignet, dass man eingreift in private Verträge. Dieser Vertrauensschutz ist gebrochen worden.“ Detlef Parr, ehemaliger FDP-Abgeordneter

Die Betroffenen kämpfen weiter und wollen auch aufklären, denn viele Jüngere, die vorsorgen und deren Verträge noch nicht ausgezahlt wurden, wissen noch gar nicht, dass sie darauf Krankenkassenbeiträge zahlen müssen. Sie haben die Chance, Verträge noch beitragsfrei zu stellen, und möglichen Verlusten vorzubeugen.

http://www.br.de/nachrichten/betriebliche-altersvorsorge-staat-prellt-rentner-100.html

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14.03.2015

Ein Leben lang gearbeitet, aber kaum Rente

Der Paritätische Wohlfahrtsverband prognostiziert einen massiven Anstieg der Altersarmut. Schon 2025 könnten 1,5 Millionen Rentner auf Grundsicherung angewiesen sein, dreimal mehr als heute. Dabei zeigen Beispiele von Rentnern schon jetzt: Trotz Arbeit reicht oft das Geld nicht.

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16 Jahre lang hat Gudrun in die Rentenkasse eingezahlt. In ihrem Berufsleben hat die 66-Jährige, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, als Buchhändlerin gearbeitet und als Pädagogin. Was ihr heute bleibt? Etwas über 600 Euro im Monat – und das, obwohl sie studiert hat. Zusätzlich erhält sie noch Witwenrente, rund 350 Euro. Insgesamt bleiben ihr 985 Euro Rente, das Ergebnis eines Arbeitslebens.

Altersarmut ist in Deutschland noch kein Massenphänomen, sagt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Im Moment seien 15,2 Prozent der Rentner und Pensionäre arm. Beim Rest der Bevölkerung liegt diese Zahl etwas höher, 15,5 Prozent. „Allerdings ändert sich das gerade schlagartig, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl derer, die im Alter auf die Grundsicherung angewiesen sein werden, in den nächsten zehn Jahren verdreifachen wird.“

2025 dreimal so viele Rentner auf Grundsicherung angewiesen als heute

Im Moment sind es laut Statistischem Bundesamt eine halbe Millionen. 2025 könnten es Schätzungen zufolge 1,5 Millionen sein. „Das liegt daran, dass langsam die Generation der Langzeitarbeitslosen der 80er und 90er Jahre ins Rentenalter kommt“, sagt Ulrich Schneider. Da sich Biografien rückwirkend nicht korrigieren ließen, sei für einen Großteil dieser Menschen Altersarmut programmiert. „Bisher ist überhaupt nichts von dieser Bundesregierung gekommen, was irgendwie geeignet wäre, Altersarmut entschieden zu bekämpfen.“

Für Steffen Bilger sind solche Äußerungen Alarmismus. Bilger sitzt für die CDU im Bundestag, er spricht für die jungen Abgeordneten der Fraktion. „Niemand wird bestreiten, dass es auch heute schon Altersarmut gibt, allerdings wehre ich mich dagegen, dass es als eines der größten Probleme, die wir heute haben, dargestellt wird“, sagt er. Die Rentnergeneration in Deutschland sei mehrheitlich wohlhabend. Doch bei Jungen merke er zunehmend fehlendes Vertrauen ins Rentensystem. Zwar wüssten viele, dass sie privat und betrieblich vorsorgen müssten, doch dazu seien sie oft nicht in der Lage.

Grüne: Auch Kapital soll Rentensystem finanzieren

Von einem Konflikt zwischen Jung und Alt will Sven-Christian Kindler nichts wissen. Kindler, Jahrgang 1985, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen, spricht stattdessen von einem Konflikt zwischen Arm und Reich – und fordert eine solidarische Rente: „Rentenpolitik hat viel mit Verteilungsfragen des gesellschaftlichen Wohlstandes zu tun. Wir wollen, dass Menschen, die 30 Jahre und länger gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, eine Rente bekommen, die deutlich über der Grundsicherung liegt.“

Dazu müsste das Rentensystem anders finanziert werden. „Große Gehälter werden viel zu wenig beteiligt, auch Kapitaleinkommen werden nicht zur Finanzierung des Rentensystems herangezogen.“ Das müsse anders werden. Die Einführung des Mindestlohns sei jedenfalls nicht geeignet, das Problem zu lösen. „Wer den Mindestlohn bekommt, wird nach dem bisherigen System nicht über die Grundsicherung hinauskommen“, so Kindler. Insofern habe Schwarz/Rot den drängenden Skandal Altersarmut nicht angegangen.

Wohlfahrtsverband: Erst 13 Euro Mindestlohn helfen gegen Altersarmut

Eine Einschätzung, die ausgerechnet CDU-Mann Bilger zurückweist. Zwar halte er den Mindestlohn für zu bürokratisch, aber: „Unter dem Gesichtspunkt der Bekämpfung der Altersarmut kann der Mindestlohn von 8,50 Euro durchaus hilfreich sein.“ Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband widerspricht. Damit der Mindestlohn hilfreich gegen Altersarmut sei, müsse er bei 13 Euro liegen.

Schneider fordert stattdessen eine Erhöhung der Altersgrundsicherung. „Der Betrag, der im Moment bei knapp 400 Euro liegt, ist viel zu wenig, um über den Monat zu kommen.“ Stattdessen seien mehr als 500 Euro nötig. Der Betrag müsse künftig über die Träger der Rentenversicherung ausgezahlt werden, nicht mehr über die Sozialämter. Bei alten Menschen wissen wir, wenn da nicht im Lotto gewonnen oder reich geheiratet wird, dann war’s das. Dann wird man mit diesem kleinen Geld bis zum Lebensende auskommen müssen.“

http://www.heute.de/altersarmut-wenn-zum-leben-600-euro-im-monat-bleiben-37512070.html

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09.03.2015

Auch kleine Renten sollen besteuert werden

Viele Rentner könnten demnächst weniger Geld in der Tasche haben. Nach einem Pressebericht soll die Grenze zur Besteuerung von Renten sinken. Dadurch würde die Zahl der steuerpflichtigen Rentner weiter steigen.

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Die Grenze zur Besteuerung von Renten sinkt einem Pressebericht zufolge in diesem Jahr auf 1191 Euro monatlich. Dieser Grenzwert betrifft alleinstehende Neurentner, wie die „Bild„-Zeitung am Montag unter Berufung auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums berichtete. Im vergangenen Jahr lag die Freigrenze demnach bei 1218 Euro im Monat.

Weniger als der Durchschnitt

Durch die Absenkung der Grenze zur Renten-Besteuerung müssen dem Bericht zufolge seit Jahresbeginn nunmehr 70 Prozent des Altersruhegeldes versteuert werden. Dadurch seien nun auch Rentner steuerpflichtig, die im Arbeitsleben weniger als den Durchschnittslohn von derzeit monatlich 2917 Euro brutto verdient haben.

Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegt mittlerweile bei weit über drei Millionen. Die Steuerpflicht für Renten war 2005 eingeführt worden und steigt seither schrittweise an. Im Gegenzug wurden Rentenbeiträge steuerfrei gestellt.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/grenzwert-sinkt-auch-mini-renten-sollen-besteuert-werden_id_4531788.html

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07.03.2015

Ansturm auf Rente mit 63 kostet Milliarden

Die Zahl der Anträge auf vorgezogene Rente übertrifft alle Erwartungen. Sie steigt so schnell, dass die Wirtschaftslobby vor zusätzlichen Milliardenkosten warnt. Dabei steht der Höhepunkt noch bevor.

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Andrea Nahles hat die Arbeitsmoral der Deutschen offenbar gründlich überschätzt. Von den rüstigen Rentnern, die auch im hohen Alter noch erwerbstätig sein wollen, gibt es weniger, als die Bundesarbeitsministerin sich das dachte. Rund 255.000 Menschen haben bis Ende Februar einen Antrag auf die abschlagsfreie Rente ab 63 gestellt. Bis Ende Dezember waren bei der Deutschen Rentenversicherung insgesamt rund 206.000 Anträge eingegangen, Ende Januar waren es rund 232.000 Anträge, wie die Rentenversicherung Bund mitteilte.

Die Änderungen waren zum 1. Juli 2014 in Kraft getreten. Seither kann ohne Abschlag vorzeitig in Rente gehen, wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat.

DIHK fürchtet Milliardenkosten

Auch wenn Arbeitsministerin Nahles es nicht zugibt: Damals, Mitte 2014, hatten Experten mit deutlich weniger Anträgen gerechnet. Selbst die offensivsten Rentenfachleute waren davon ausgegangen, dass die Zahl der Anspruchsberechtigten für die Rente mit 63 im ersten Jahr – also im Juli 2015 – nach Inkrafttreten des Gesetzes bei etwa 240.000 liegt. Diese Marke wurde schon jetzt überschritten.

Angesichts der Antragsflut warnt die deutsche Wirtschaft vor einer Kostenexplosion. „Die ersten Zahlen zum Jahresanfang zeigen: Die Rente mit 63 wird mehr genutzt, als die Politik angenommen hat“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, der „Bild“. Dies bedeute ein enormes Kostenrisiko. „Beitragszahler, aber auch die Unternehmen müssen auf Jahre hin Milliardenbeträge aufbringen – bis zum Jahr 2030 insgesamt fast 50 Milliarden Euro.“

Nach den Worten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gibt es „keinen Run“ auf die umstrittene Rente mit 63 für langjährige Beitragszahler. Bis Ende Dezember hätten rund 240.000 Personen einen Anspruch geltend machen können, 206.000 hätten es aber nur getan. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass nur 34.000 das Angebot der Bundesregierung ausgeschlagen haben.

Schon heute gehen Deutsche früher in Rente

Eine Umfrage von Statista ergab, dass 60 Prozent aller Deutschen gerne früher als zum Zeitpunkt des gesetzlich vorgesehenen Rentenbeginns ihr Arbeitsleben beenden wollen. Nur sechs Prozent wollen länger als vorgesehen werktätig bleiben.

„Besondere Problematik erhält die abschlagsfreie Rente dadurch, dass in nächster Zeit die geburtenstarken Jahrgänge (1950 und folgende) in das Frühverrentungsalter kommen“, erklärt Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen in einer Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Dies würde schon ohne die Frühverrentungspolitik zu einer Belastung werden. „Diese Belastung wird durch Frühverrentung nicht nur verstärkt, sondern auch noch zwei Jahre vorgezogen“, erklärt der Rentenforscher. So sei die Zahl der 63-Jährigen innerhalb der letzten fünf Jahre um rund 250.000 von 773.000 auf 1,02 Millionen angestiegen und würde in den nächsten zehn Jahren nochmals um 250.000 wachsen.

Ganz so dramatisch wie der DIHK befürchtet, dürfte der Effekt allerdings nicht ausfallen. Bereits heute ist es so, dass die Bundesbürger im Schnitt deutlich früher als mit 65 Jahren in Rente gehen. Laut aktuellen OECD-Daten beginnt für deutsche Männer der Ruhestand mit 62,1 Jahren, für Frauen mit 61,6 Jahren. Damit befindet sich die Bundesrepublik in Gesellschaft von Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland.

Nirgendwo in Europa arbeiten die Menschen länger als in Portugal. Die OECD-Analyse ergab, dass portugiesische Männer im Schnitt erst mit 68,4 Jahren aus dem Erwerbsleben scheiden, bei den Frauen sind es 66,4 Jahre.

Isländer kommen nicht zur Ruhe

Bei der Frage, wann die Arbeitnehmer in Rente gehen sollen, wird in der Antwort gern auch auf das Ausland verwiesen. Dort, so ein häufiges Argument, würden die Menschen durchschnittlich viel länger arbeiten als hierzulande. Doch tatsächlich liegt die Beschäftigungsquote der Personen mit über 65 Jahren laut Eurostat in Deutschland bei 12,6 Prozent und damit leicht über dem EU-Durchschnitt von 11,2 Prozent. Hierzulande arbeitet also etwa jeder achte Rentner länger.

Deutlich vitaler sind die Norweger, von denen jeder vierte (26 Prozent) den Ruhestand hinauszögert. Das kleine Island kommt sogar auf einen Wert über 50 Prozent. Auch die Schweizer und Briten wollen im Alter besonders häufig zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Jeder Fünfte tut das dort.

Der Blick auf die Eurostat-Zahlen zeigt aber auch, dass es in Europa große Unterschiede gibt. In Spanien beispielsweise sind es nur knapp fünf Prozent der über 65-Jährigen, die noch werktätig sind, was allerdings auch an der grundsätzlich sehr hohen Arbeitslosigkeit im Land liegt. Aber auch in Frankreich liegt die Quote bei gerade einmal 5,6 Prozent und damit weit unter dem EU-Durchschnitt.

Hat sich der Bundesbürger für den Abschied aus der Arbeitswelt entscheiden, beträgt die durchschnittliche Dauer des Ruhestandes in Deutschland dank der gestiegenen Lebenserwartung bei Männern inzwischen knapp 20 Jahre. Frauen kommen sogar auf 24 Jahre. Ihre Rente am längsten genießen können die Französinnen. Auf 27 und ein halbes Jahr kommen sie im Schnitt nach dem Ende ihres Arbeitslebens.

http://www.welt.de/wirtschaft/article138168559/Ansturm-auf-Rente-mit-63-kostet-Milliarden.html

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04.03.2015

Die Wahrheit über die Arbeitswut deutscher Rentner

Immer mehr Deutsche arbeiten im Alter einfach weiter. Aus Not, weil die Rente nicht reicht, sagen Sozialverbände und Gewerkschaften. Eine neue Studie kommt allerdings zu ganz anderen Ergebnissen.

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Eine niedrige Rente ist für Ältere nicht der ausschlaggebende Grund, im Rentenalter weiterzuarbeiten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Die Untersuchung widerspricht damit der Behauptung von Gewerkschaften und Sozialverbänden, immer mehr Rentner müssten arbeiten gehen, weil sie von ihrer niedrigen Rente nicht leben könnten.

Denn der Studie zufolge engagieren sich Personen mit einer sehr geringen Rente, die von Altersarmut am ehesten betroffen sind, nicht stärker am Arbeitsmarkt als Rentner mit einem höheren Einkommen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit ist unabhängig von der Rentenhöhe gleich groß“, erklärten die Studienautoren der Universität Bayreuth.

Nur eine Momentaufnahme

„Fortgesetzte Erwerbstätigkeit nach Rentenbeginn wird also nicht primär von finanziellen Notwendigkeiten getrieben.“ Die Forscher sprachen allerdings von einer Momentaufnahme. Es könne durchaus sein, dass sinkende Rentenniveaus, vermehrt lückenhafte Erwerbsbiografien und ein wachsender Niedriglohnsektor das Bild der arbeitenden Rentner künftig verändern werden.

Die Forscher analysierten weitere wichtige Einflussfaktoren für die Entscheidung, im Alter weiter zu arbeiten. So steige mit dem Bildungsgrad die Wahrscheinlichkeit für eine fortgesetzte Erwerbstätigkeit. Dies liege auch daran, dass Menschen mit höherem Bildungsabschluss seltener Berufe mit starker körperlicher Belastung ergriffen und größere Wahlmöglichkeiten für eine verlängerte Erwerbstätigkeit hätten.

Auch der Zeitpunkt des Berufseinstiegs habe Auswirkungen. Je früher etwa der Berufseinstieg bei Männern sei, desto größer sei die Tendenz, im Rentenalter nicht mehr zu arbeiten. Aber auch persönliche Gründe spielen eine Rolle: Mit dem Alter des Partners sinkt die Wahrscheinlichkeit, als Rentner arbeiten zu gehen.

Zurückgegangen sei der Umfang der Beschäftigung. Seien Männer im Rentenalter vor zehn Jahren noch überwiegend in Vollzeit tätig gewesen, seien inzwischen gut 50 Prozent von ihnen geringfügig beschäftigt. Nur 20 Prozent arbeiteten noch Vollzeit – einen hohen Anteil machen Selbstständige und Freiberufler aus.

Die Studie bestätigt, dass der Anteil der erwerbstätigen Ruheständler seit 1995 stark gestiegen ist und 2012 ein neues Allzeithoch erreicht hat. Insgesamt ist die Quote der arbeitenden 65-Jährigen mit acht Prozent bei den Männern und fünf Prozent bei den Frauen allerdings gering.

Flexible Übergänge zur Rente in Diskussion

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte zu der Studie, dass jeder, der im Alter wegen nicht ausreichender Rente weiterarbeiten müsse, „einer zu viel“ sei.

Noch könne verhindert werden, dass Arbeiten bis ins hohe Alter aus materieller Not zum Massenphänomen werde, unterstrich DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Dazu müsse „die Politik endlich die Reißleine ziehen und die Rücklagen der Rentenversicherung zu einer solidarischen Reserve ausbauen, um so das Rentenniveau langfristig zu sichern“.

Eine Arbeitsgruppe der Koalition berät derzeit über flexible Übergänge zwischen Arbeit und Rente. Die Union dringt auf einen Bonus für arbeitende Rentner. Sie sollen künftig den Beitrag zur Renten- und zur Arbeitslosenversicherung, die der Arbeitgeber für sie entrichtet, ausbezahlt bekommen. Ältere Arbeitnehmer sollen zudem künftig leichter in Teilrente gehen und mehr als bisher hinzuverdienen können. Bislang wird die Teilrente kaum genutzt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article138076695/Die-Wahrheit-ueber-die-Arbeitswut-deutscher-Rentner.html

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22.02.2015

„Altersarmut existiert in Deutschland praktisch nicht“

Goldene Generation von Rentnern: „Am Ende droht die Diktatur der Alten“

Altersarmut in Deutschland? Gibt es nicht. Das hat zumindest der Top-Ökonom Thomas Straubhaar analysiert. Im Gegenteil: Er warnt vor einer Diktatur der Alten. Den Rentnern gehe es heute besser denn je.

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Für den Ökonom Professor Thomas Straubhaar stellt Altersarmut in Deutschland derzeit kein Problem dar. „Altersarmut existiert in Deutschland praktisch nicht„, sagte der ehemalige Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts „Bild am Sonntag“.

Der heutigen Rentnergeneration geht es besser als jeder Rentnergeneration vor ihr. Der überragende Teil der Über-65-Jährigen braucht jenseits von Rente, betrieblicher und eigener Vorsorge keinen weiteren Cent vom Staat, um über die Runden zu kommen.

Rentnern geht es rosig

Den Rentnern geht es im Vergleich zu jungen Familien oder Alleinerziehenden und auch im internationalen Vergleich also rosig.“ Wie erfolgreich die deutsche Wirtschaft und der deutsche Sozialstaat in den vergangenen 60 Jahren gewesen sei, zeige sich nirgends so deutlich wie bei den Rentnern.

Kommende Generationen dürften im Alter aber deutlich schlechter gestellt sein, so Straubhaar: „Diese goldene Generation wird die letzte sein, die vergleichsweise jung in Ruhestand gehen konnte und diesen auch finanzieren kann. Wer in den 60er-Jahren oder danach geboren ist, muss schon länger arbeiten und wird trotzdem am Ende weniger Rente bekommen“, sagte er der Zeitung.

Starke Lobby: Ohne Senioren kann keine Politik gemacht werden

Die zunehmende Zahl der Rentner hat nach den Worten Straubhaars verheerende Auswirkungen auf die Politik: „Es ist dramatisch: In Deutschland kann schon heute keine Politik mehr gegen die Interessen der Senioren gemacht werden. Wer an den Privilegien der Älteren rüttelt, wird abgestraft. Wahlsiege sind nur noch mit den Stimmen der Rentner möglich.“

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Straubhaar sagte der „BamS“ weiter: „Die Große Koalition hat verstanden, dass die Chancen für eine Wiederwahl steigen, wenn sie Politik für die Älteren macht. Die jüngere Generation gerät dabei politisch in die Defensive, am Ende droht die Diktatur der Alten.“

Familienwahlrecht und flexibleres Renteneintrittsalter

Der Ökonom fordert in diesem Zusammenhang ein Kinderwahlrecht und ein flexibleres Renteneintrittsalter: „Ich hätte zwei Empfehlungen an die Politik: Erstens müsste die Regierung ein Familienwahlrecht einführen. Für jedes Kind hätten die Eltern dann eine Stimme zusätzlich. Zweitens: Nur eine Hälfte der geschenkten wunderbarerweise immer längeren Lebenszeit geht in Altersfreizeit, die andere Hälfte sollte gearbeitet werden.“

Pro Jahrzehnt steige die Lebenserwartung in Deutschland um zwei Jahre – demzufolge müsste das Renteneintrittsalter alle zehn Jahre um ein Jahr steigen. Straubhaar: „Heute könnte man mit 65 in Rente gehen, 2025 mit 66 und so weiter.“

69 Prozent glauben nicht, dass Rente im Alter reicht  

Die Deutschen sind ebenfalls skeptisch, dass sie im Alter genügend Geld haben. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (69 Prozent) glauben nach einer Umfrage nicht, dass ihre staatliche Rente im Alter zum Leben reichen wird. Unter den 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 93 Prozent, bei den über 65-Jährigen 49 Prozent, wie die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ ergab. 

Zugleich lehnt eine große Mehrheit aber Zugeständnisse der heutigen Rentner zugunsten jüngerer Generationen ab: 84 Prozent der Bundesbürger fänden es ungerecht, wenn die Senioren dafür auf einen Teil ihrer Rente verzichten müssten. Dabei ist die Ablehnung bei den Jüngeren noch deutlich größer als bei den heutigen Rentnern (30- bis 39-Jährige: 99 Prozent; über 65-Jährige: 77 Prozent).

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/altersarmut-existiert-in-deutschland-praktisch-nicht-goldene-generation-rentnern-am-ende-droht-die-diktatur-der-alten_id_4493575.html

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17.02.2015

Allein mit den Sorgen

Er geht zur Suppenküche. Jeden Tag. Fred spart an Lebensmitteln, um über die Runden zu kommen. Ihn hat getroffen, wovor sich viele Menschen fürchten. Sie haben Angst, im Alter mittellos zu werden – selbst wenn sie ihr ganzes Leben gearbeitet haben.

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Sein Magen knurrt, lange und laut. Einmal, zweimal, dreimal. Es ist zwölf Uhr mittags und Fred hat immer noch nichts gegessen. Seit einer Stunde sitzt er nun schon auf einer Holzbank und wartet darauf, dass es endlich soweit ist. Dass ihm jemand den Plastikteller füllt und er seine Mahlzeit einnehmen kann. Wie jeden Tag, hier in der Suppenküche der Malteser in Berlin.

Charlottenburg. Eine ruhige Ecke nahe dem Richard-Wagner-Platz. Wer Fred finden möchte, muss durch ein altes hohes Gebäude hindurch in einen Hinterhof. Kommt man vormittags, wird er schon auf seinem Platz sitzen, auf der Holzbank vor dunkelgrau verputzten Wänden.

Er wird einfach dahocken in seinem schwarzen Parka, durch seine Brille in die Gegend schauen und manchmal auch mit jemandem plaudern. Bei Regen, Kälte, Schnee. Egal. „Was soll ich denn zu Hause?“, sagt er. „Da wartet doch sowieso nichts auf mich.“ Vor allem nichts zu essen.

Fred ist 78 Jahre alt und spart sich die meisten Lebensmittel, was ihm dabei hilft, über die Runden zu kommen. 674 Euro Rente bekommt er, 300 Euro gehen für die Wohnung am Lehniner Platz weg. Ein Zimmer, Küche, Bad. „Wahrscheinlich könnte ich beim Amt noch Zuschüsse beantragen“, sagt er, nur um danach gleich den Kopf zu schütteln. Nein, das will er nicht. Lieber gibt er sich mit dem zufrieden, was er hat. Und für den Rest gibt es ja noch die Suppenküche.

Nach und nach trudeln immer mehr Menschen ein in den Charlottenburger Hinterhof. Am Ende werden es mehr als 70 Bedürftige sein, die sich anstellen und ausharren, bis sie ihr Essen bekommen. Die meisten von ihnen sind 60 Jahre und älter. Sie sind mehr geworden in den vergangenen Jahren, die Alten und Armen. Das hat Brigitte Minke beobachtet, die seit 18 Jahren im Geschäft ist, erst für die Caritas, dann für die Malteser. Zuletzt kamen sogar so viele, dass nicht mehr jeder versorgt werden konnte und die Malteser um mehr Spenden bitten mussten.

Frauen gehen anders mit dem Schicksal um

Das trifft das Gefühl vieler Menschen. Ist es nicht so, dass es immer schwerer wird im Alter? Dass immer mehr immer älter werden und es am Ende nicht reichen wird für jeden? Genau davor ist die Angst groß: mittellos zu werden und womöglich arm sterben zu müssen, auch wenn man vielleicht das ganze Leben gearbeitet hat. Aber was heißt schon arm? Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beginnt die Armut in Deutschland bei 930 Euro im Monat. Beinahe jede zweite Rente liegt derzeit unter 700 Euro. In Städten wie Berlin ist die Armutsquote höher als andernorts.

Wenn man so will, liegt Fred also durchaus im Schnitt. Aber nur ganz selten hadert er mal mit seinem Schicksal und stellt sich die Frage, warum es gerade ihn getroffen hat, der doch sein ganzes Leben lang fleißig gewesen ist. „Ich habe schon auch depressive Phasen“, sagt er. Vor allem dann, wenn er länger alleine zu Hause bleibt und die Zeit hat, den Gedanken nachzuhängen. Meistens jedoch lässt er es deshalb so weit gar nicht kommen. Geht unter die Leute, so früh wie möglich.

War Fred um 11 Uhr noch der Einzige, der im Charlottenburger Hinterhof auf sein Mittagessen wartete, so wird die Schlange eine Stunde später länger und länger.

Als die Tür zur Essensausgabe sich schließlich öffnet, geht das Geschiebe los. Der Hunger ist groß, die Kapazitäten klein. Es dürfen nur so viele Menschen in den engen Raum, wie Stühle vorhanden sind. Erst wenn einer fertig gegessen hat, nimmt der nächste Platz. Fred weiß natürlich, wie es geht. Er ist Stammgast und sitzt als Erster auf seinem Plastikstuhl, vor einem Plastikteller und einem Plastikbecher. Tee und Gemüsesuppe gibt es heute. Und plötzlich sieht man es ganz deutlich, was vorher nur zu hören war: Fred hat Hunger. So schnell, wie er seinen Teller leer gegessen hat, kann man kaum schauen. Als ihm ein anderer Gast die Reste seines Essens anbietet, bedankt er sich artig und löffelt auch diese Suppe im Rekordtempo aus. Danach lehnt er sich zurück – und wirkt auf einmal befreiter, lockerer. Ausführlich redet er mit den anderen nun darüber, was sie so alles erlebt haben in den vergangenen Tagen.

Kontaktpflege im Alter

Das kommt Brigitte Minke bekannt vor. „Natürlich ist unser Essen für die Menschen wichtig“, sagt die Chefin der Suppenküche, „aber eigentlich geht es ihnen mehr um die Kontakte, um die Kommunikation.“ Armut im Alter macht nämlich vor allem eines: einsam. Einige versuchen, das Gefühl zu betäuben und verschlimmern es doch nur. Scheidung, Alkohol, Arbeitsplatzverlust. Von diesem Weg in die Altersarmut hat Brigitte Minke schon oft gehört. Sie, die für ihre Gäste auch ein bisschen Seelsorgerin und Lebensberaterin ist, beschreibt ihn als geradezu typisch – vor allem bei den Männern. „Frauen sind etwas flexibler“, sagt Brigitte Minke. Bei ihnen sei die Hemmschwelle wohl auch größer, fremde Hilfe anzunehmen. Sie regeln lieber alles selbst, solange es noch irgendwie geht.

Fred winkt ab, als er davon hört. Er war nie verheiratet, er trinkt nicht, er raucht nicht und er war schon gar nicht über einen längeren Zeitraum hinweg arbeitslos. Vielleicht hatte er einfach nur nicht die allerbesten Ausgangsbedingungen. Nachdem ihn seine Mutter weggeben hatte, wuchs er zunächst bei Pflegeeltern auf, die es – harmlos ausgedrückt – „nicht gut mit mir meinten“. Danach kam er ins Heim, wo es nicht viel besser wurde. Noch heute spricht er von sich als „halbem Analphabeten“, trotzdem habe er sich immer irgendwie gut durchgekämpft. Bis heute.

Der Besuch der Suppenküche gibt seinem Tag eine Struktur. Eine Form von Alltag, Routine und Halt. Gerade, weil jeder Tag gleich abläuft. Nach dem Essen, Fred hat sich noch am Spendentisch der Malteser bedient, zieht er vom Charlottenburger Hinterhof weiter in die Stadt. Unterwegs sammelt er Flaschen. Von der einen Hälfte, die er damit einnimmt, kauft er sich Kleinigkeiten. Die andere Hälfte spendet er für bedürftige Kinder. „Die brauchen es dringender als ich“, sagt Fred. „Ich bin ja im Prinzip nur in der Warteschleife und warte, bis der liebe Gott mich abholt.“ Es klingt zynischer als er es meint.

Die Scham ist groß

Fred hat seinen Frieden gemacht mit sich und seinem Leben. Nachmittags sitzt er am Wittenbergplatz oder Olivaer Platz und schaut dem täglichen Trubel zu. Manchmal, wenn er richtig gut drauf ist, spricht er die Jüngeren an und wundert sich über ihre Offenheit. „Ich freue mich, dass sie sich mit einem Alten wie mir unterhalten“, erzählt er. „Dafür muss man dankbar sein.“ Er genießt Augenblicke wie diesen, wenn er nicht ganz alleine ist. Erst wenn es dunkel wird, ist es für Fred an der Zeit, nach Hause zu gehen. Immer mit der Ruhe.

Dass Fred so offen über seinen Alltag und sein Schicksal spricht, ist nicht selbstverständlich. Die meisten Betroffenen wollen sich nicht öffentlich dazu äußern. Sie schämen sich und fürchten, dass andere die Achtung vor ihnen verlieren könnten. Sollen ja nicht die Nachbarn wissen, wie arm man wirklich dran ist!

Peter I. zum Beispiel. „Mir ist es unangenehm“, sagt er. „Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, und nun bricht der Notstand aus.“ Selbstständig war er als Maler- und Lackierermeister und steckte beinahe sein ganzes Leben lang alles, was er hatte, in die Firma: Kraft, Leidenschaft – und Geld. Am Ende ging sogar die Altersvorsorge drauf. Eigentlich hatte er sie für ein sorgenfreies Leben vorgesehen. Und nun, da er endlich Rentner ist, hat Peter I. mehr Sorgen denn je. „Noch klappt es gerade so, dass meine Frau und ich klarkommen, aber es darf nichts Unvorhergesehenes passieren“, erzählt er. Und davon, dass er nicht wüsste, wohin das noch führen soll. Ein Jahr lang würden die letzten Reserven vielleicht noch reichen.

Und dann?

Darauf weiß die Deutsche Direkthilfe so recht auch keine Antwort. Etwa 30 Menschen, denen es ähnlich geht wie Peter I., wenden sich per E-Mail mit der Bitte um Hilfe an sie, täglich. Dazu kommen noch Anrufe und Briefe. „Wir haben tatsächlich den Eindruck gewonnen, dass es immer mehr werden, die unverschuldet in die Armut rutschen“, sagt ein Sprecher. Viele seien komplett unvorbereitet und überfordert, weil sie schlicht nicht erwartet hätten, dass es sie im Alter erwischen könnte. Finanziell unterstützen kann die Organisation, die selbst auf Spenden angewiesen ist, längst nicht jeden.

Alle Ersparnisse sind weg

Peter I. aus Ludwigshafen fühlt sich oft allein gelassen – und ein wenig schuldig. Denn seiner Frau, die mit in der Firma geholfen hat, geht es nicht besser als ihm. Ihr Haus mussten die beiden auf Drängen der Bank verkaufen. Jetzt leben sie in einer kleineren Wohnung, die sie sich so eben leisten können. Von ihrem Sohn können sie keine Unterstützung erwarten; er war ebenfalls im Betrieb tätig und musste Privatinsolvenz anmelden. Hätte Peter I. vor 20 Jahren jemandem erzählt, dass es so laufen wird, hätte er ihn vermutlich für verrückt erklärt. „Niemals habe ich auch nur ansatzweise damit gerechnet“, sagt er. Wie auch?

Der Malerbetrieb war über all die Jahre prächtig gelaufen. Große Firmen gehörten zu den Auftraggebern, jedenfalls bis zur Wirtschaftskrise. Da traf es auch ihn. Nach und nach musste er Mitarbeiter entlassen, Abfindungen zahlen. Gänzlich aufgeben allerdings wollte er nicht und wenigstens noch einige Beschäftigte halten, die kurz vor dem Renteneintritt standen. Also bürgte er mit seiner Lebensversicherung. Ein Fehler, wie Peter I. heute sagt. Der Frust, der sich bei ihm deswegen in den zurückliegenden Jahren aufgebaut hat, ist nicht zu überhören. Wie es sein könne, dass er jahrzehntelang für das Wohl seiner Mitarbeiter gesorgt hätte und er selbst am Ende seines Lebens ohne alles dastünde, fragt er, ohne eine Antwort darauf zu erwarten.

Abfinden mit seinem Schicksal kann sich Peter I. im Gegensatz zu Fred nicht. Ihre Wege in die Altersarmut sind so verschieden wie ihr Umgang damit. Während Peter I. immer an seiner Firma festgehalten hat, gehört Fred zu denjenigen Menschen, die sich nach einiger Zeit im Beruf nicht mehr ausgefüllt fühlten, nicht mehr befriedigt. Er war Tischler, hat bei der Post gearbeitet, als Funker bei der Bundeswehr, am Band für einen Automobilhersteller. Doch erst im Nachtleben von Berlin wurde er, so sagt es Fred, glücklich. In einer berühmten Kiezkneipe hinterm Tresen. „Da war immer was los, jede Nacht großes Theater, große Show.“

Das ist sein Stichwort. Da strahlen die Augen hinter der Brille. Abends wieder einmal weggehen: Das wär’s, das würde er gerne mal wieder. Dafür allerdings reicht es nicht. So sitzt Fred mit zwei Humpen Kaffee vor dem Fernseher und isst etwas, das er sich von den Maltesern mitgenommen hat. Einen Apfel, ein Stück Kuchen oder ein belegtes Brot. Am nächsten Morgen geht’s wieder hin. Zur Suppenküche.

http://www.tagesspiegel.de/politik/armut-im-alter-allein-mit-den-sorgen/11374210.html

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14.02.2015

Von wegen verbrecherisch

Das Rentensystem ist sicher. Eine Replik von Ernst Niemeier

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Polemik hin oder her – wenn ein irischer Journalist das deutsche Rentensystem kritisiert, dann sollten die Argumente schon stimmen. So verglich Derek Scally in der ZEIT (Nr. 3/15) das Umlageverfahren mit dem kriminellen Ponzi-System: Charles Ponzi hatte massenweise Anleger abgezockt, indem er hohe Leistungen versprach, die nicht aus einer realen Rendite, sondern aus den Einzahlungen immer neuer Interessenten finanziert wurden. Weil dieses Schneeballsystem einen exponentiellen Anstieg neuer Einzahler benötigt, welcher aber nur begrenzt möglich ist, bricht es zwangsläufig irgendwann zusammen.

Unser Rentenmodell mit Ponzis Methode in Zusammenhang zu bringen mag Unterhaltungswert haben – mit der Realität hat es nichts zu tun. Erstens gibt es im Umlageverfahren keine systemimmanente Instabilität. Um die Rentenleistung erbringen zu können, braucht es keine exponentielle Zunahme der Beitragszahler. Und zweitens: Die Renten werden nicht aus neuen, zusätzlichen Beitragszahlungen finanziert, sondern aus den vorhandenen.

Damit wären wir beim demografischen Wandel, den Derek Scally – wie so viele andere Kommentatoren auch – als Untergang für das deutsche Rentensystem deutet. Doch die Behauptung, das Umlagemodell könne wegen sinkender Geburtenraten, die ja schon jetzt zu weniger Beitragszahlern führen, nicht funktionieren, ist einseitige Stimmungsmache. Warum? Weil ein entscheidender Faktor der langfristigen Wirtschaftsentwicklung außer Acht gelassen wird: die Produktivitätssteigerung und die damit verbundene Steigerung der Realeinkommen. Höhere Löhne erlauben, höhere Belastungen zu tragen – so lässt sich Generationengerechtigkeit eben auch definieren.

Hier kommen nun die regierenden Parteien ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die wirtschaftliche Produktivitätssteigerung tatsächlich allen Erwerbstätigen in Form von Realeinkommenssteigerungen zugutekommt. Als langjähriger Betriebsratsvorsitzender und Ökonom weiß ich: Eine solche Politik für Arbeitnehmer gewährleistet, dass auch höhere Abgaben in die Rentenkasse bezahlbar bleiben und somit die demografische Entwicklung unserem Umlagesystem nichts anhaben kann. Zumal trotz künftig steigender Beitragssätze das Niveau des Nettorealeinkommens in zwanzig bis dreißig Jahren höher sein wird als das der heute Erwerbstätigen.

Die Larmoyanz, mit der die junge Generation beklagt, sie müsse für immer mehr ältere Ruheständler aufkommen, zeugt von einer merkwürdigen Realitätsferne: Zum Fundament einer funktionierenden Gesellschaft gehört seit jeher, dass sich die Jungen um die Alten kümmern. In unsere Zeit übersetzt heißt das: Die Erwerbstätigen müssen die Rentner unterhalten – so wie die Rentner von heute einst die Generation ihrer Eltern und Großeltern unterhalten haben.

Statt also unser Rentensystem zu kritisieren, gibt es allen Grund, sein 125-jähriges Bestehen zu feiern. Erst recht, weil es die Rentner vor der Gefahr eines Verlustes ihrer Altersabsicherung bewahrt, wie sich jüngst in der Finanzkrise gezeigt hat, als kapitalgedeckte Rentenmodelle erhebliche Verluste hinnehmen mussten. Ferner bietet unser System durch die Dynamisierung eine menschenwürdige Absicherung – sofern diese Sicherheiten nicht durch interessengeleitete politische Entscheidungen manipuliert werden. Das deutsche Rentensystem ist also weder kaputt noch ein Schneeballsystem, wie Scally behauptet. Gefahr droht ihm eigentlich nur durch politische Fehlentscheidungen.

Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Riester-Reform, die das Rentenniveau gesenkt und zugleich versucht hat, die entstehende Lücke durch Ansparen einer kapitalgedeckten Rente auszugleichen. Das funktioniert nicht; statt für eine bessere Altersvorsorge hat diese Reform lediglich für verbesserte Einnahmemöglichkeiten der Finanzindustrie gesorgt: Die hat das Riester-Konzept im Vorfeld beeinflusst und am Ende davon profitiert. Winfried Schmähl, der zur Reformzeit dem Sozialbeirat der Bundesregierung vorsaß und stets vor der Demontage des Rentensystems gewarnt hat, stellt treffend fest, dass die Riester-Reform nicht die Lösung des bestehenden Rentenproblems, sondern dessen Ursache sei.

Insofern wäre eine Debatte über ein angemessenes Rentenniveau, das vor Altersarmut schützt, notwendig. Zwar schreibt Scally in seinem Beitrag viel von „Flickschusterei“ am Rentensystem, doch ausgerechnet die Riester-Reform, die größte Fehlentscheidung der vergangenen Jahre, erwähnt er mit keinem Wort. Stattdessen arbeitet er sich an der Mütterrente für Frauen ab, die vor 1992 Kinder geboren haben, und nennt sie ein „Ponzi-Rentengeschenk“.

Die Mütterrente soll eine Gerechtigkeitslücke gegenüber der bisher schon bestehenden Regelung für Frauen schließen, die Kinder ab 1992 geboren haben. Dieser Gedanke ist richtig, dennoch ist die Mütterrente ein Skandal – nicht weil sie einer bestimmten Gruppe monatlich ein paar Euro mehr einbringt, sondern weil sie aus der Rentenkasse finanziert wird. Da die Mütter für die zusätzliche Zahlung keine Beiträge in die Rentenversicherung abgeführt haben und mit dieser Rente ihre „Leistung“ für die Gesellschaft honoriert werden soll, ist es ungerecht, sie aus der Rentenkasse zu finanzieren. Gerecht wäre daher eine Finanzierung aus dem Steueraufkommen, denn das wäre eine gesamtgesellschaftliche Anerkennung für eine gesamtgesellschaftliche Leistung.

http://www.zeit.de/2015/05/rente-demografischer-wandel-generationengerechtigkeit

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22.11.2014

Armuts-Schock! 40 Prozent der Tafelkunden sind Renter

Die Altersarmut in Rhein-Main nimmt schockierende Ausmaße an. Jetzt melden die Tafeln: 40 Prozent ihrer Kunden sind mittlerweile Rentner – und die meisten von ihnen Migranten. Von Christian Reinartz

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Rentner dürfen sich auf eine saftige Erhöhung ihrer Rente freuen. Los geht’s aber erstmal zaghaft mit ein oder zwei Prozent, wie es bei der Rentenversicherung heißt. Sicher sei das aber noch nicht. 2016 soll dann aber die lang ersehnte saftige Erhöhung kommen: 4,5 Prozent sind angekündigt. Ob die Zahlen haltbar sind, ist aber unklar.

Klar ist nur: Wer sich an die Ausgabestellen der Tafeln in Frankfurt und Offenbach stellt und beobachtet, traut seinen Augen nicht. Statt jungen Menschen mit wenig Einkommen, ist ein Großteil der Hilfsbedürftigen jenseits der 65. „Und es werden immer mehr“, sagt Christine Sparr, Chefin der Offenbacher Tafel. „Innerhalb der vergangenen ein, zwei Jahre ist die Zahl der Rentner, die ohne unsere Lebensmittel nicht mehr über die Runden kommen, explodiert.“

Auch in Frankfurt hat Edith Kleber, Chefin derFrankfurter Tafel, diese Entwicklung bemerkt. „Es sind zweifelsohne mehr Rentner geworden.“ Besonders auffällig sei aber, dass die meisten davon ausländischer Herkunft seien. „Wir gehen von etwa 80 Prozent Migranten aus“, sagt Kleber. In Offenbach sei ihrer Einschätzung nach diese Zahl eher noch größer.

Zahl der Tafel-Rentner geschätzt sogar höher

Sie macht einen Erklärungsversuch: „Diese Menschen haben meiner Erfahrung nach oft weniger Scheu, unsere Hilfe anzunehmen.“ Die Rentner deutscher Herkunft kämen aus der Kriegs- und Nachkriegsgeneration und würden sich oftmals schämen, sich für Lebensmittel anzustellen. „Das heißt aber auch, dass die Zahl der Rentner, die eigentlich Hilfe brauchen noch viel höher liegt. Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.“

Wie schlecht es um die Rentner wirklich steht, weiß Sparr nur zu gut. „Ich habe Dinge gesehen, die einem die Sprache verschlagen.“ Sie berichtet von einem 88-Jährigen, den sie beobachtet hat, wie er Tag für Tag in Mülltonnen nach Essbarem gesucht hat. „Das war aber kein Obachloser. Nur die Rente reicht eben nicht, um sich richtig versorgen zu können.“ Sparr hat den Mann zu sich an die Tafel geholt, versorgt ihn seitdem. Aber sie weiß auch: „Da draußen gibt es noch hunderte solcher Tragödien.“

Das Problem: Arme Rentner bekommen denselben Satz, der auch Hartz-IV-Empfängern zusteht. Nur das das dann Grundsicherung heißt. Die Zahl derer ist im Vergleich zur gesamten Zahl der Hartz-IV-Empfänger je nach Region sehr gering. Doch warum sind dann 40 Prozent der Tafelkunden Rentner?

Viele haben weniger als Hartz IV-Empfänger

Philipp Stielow, Sprecher des Sozialverbands VDK Hessen Thüringen erklärt: „Unter Altersarmut leiden auch viele Menschen, die gar keinen Anspruch auf Grundsicherung haben, weil ihre Rente knapp darüber liegt.“ Viele Kosten, etwa für Wohnraum, müssten sie dann selbst tragen und hätten letzten Endes manchmal sogar weniger im Monat zum Leben zur Verfügung als ein Hartz-IV-Empfänger.

Dazu kommen, laut Stielow, gesteigerte Kosten durch das Alter. Das sind etwa Ausgaben für Arzneimittel, Fahrtkosten zum Arzt oder die Mehrausgaben für eine besondere Ernährung.

Beim VDK sieht man die Beobachtung an den Tafeln als Bestätigung der aktuellen vom Bund herausgegebenen Zahlen. Allein in Hessen stieg demnach der Anteil der von Armut bedrohten über 64-Jährigen von 14,2 Prozent im Jahr 2009 auf 16,3 im Jahr 2013.

Die Zukunft scheint noch düsterer zu sein. Stielow prophezeit: „Wenn sich bei den Renten nicht grundlegend etwas ändert, werden 2035 schon 30 bis 40 Prozent der Rentner nach dieser Definition arm sein.“

http://www.extratipp.com/news/aufreger/armuts-schock-40-prozent-tafelkunden-sind-renter-4469708.html

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18.11.2014

Das rosige Rentenbild der Regierung ist Makulatur

Immer mehr Ältere arbeiten und die Renten steigen. Im Rentenbericht malt die Bundesregierung ein rosiges Bild. Dennoch wird die gesetzliche Rente allein nicht reichen, um den Lebensstandard zu halten.

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Immer mehr ältere Menschen gehen arbeiten. Im vergangenen Jahr war jeder zweite Deutsche über 60 Jahren erwerbstätig, im Jahr 2000 war es nur jeder Fünfte. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64- Jährigen ist damit seit dem Jahr 2000 um das Zweieinhalbfache gestiegen, heißt es in dem Rentenversicherungsbericht, der heute im Kabinett verabschiedet wird.

Im zweiten Quartal lag die Quote sogar schon bei 52,6 Prozent. „Es ist davon auszugehen, dass die Erwerbsbeteiligung Älterer auch in Zukunft weiter ansteigen wird“, heißt es in dem Regierungsbericht weiter.

Ein Aussetzen der Rente mit 67 ist damit so gut wie ausgeschlossen. Die Regelaltersgrenze wird bis zum Jahr 2029 schrittweise auf 67 Jahre angehoben – aber nur, wenn die Älteren auch Arbeit finden. Die Regierung hat sich bei der Verabschiedung des Gesetzes verpflichtet, die Lage der Älteren am Arbeitsmarkt regelmäßig zu überprüfen.

Angesichts der weiter steigenden Lebenserwartung und des langfristig demografisch bedingten Rückgangs der Personen im erwerbsfähigen Alter sei die Anhebung der Altersgrenze eine „wichtige rentenpolitische Maßnahme“, um die Beitragssatzgrenzen und das Mindestsicherungsniveau einzuhalten, so der Bericht. Die Rente mit 67 wirke auch dem drohenden Fachkräftemangel entgegen, argumentiert die Regierung in dem Bericht weiter.

Beitragssatz sinkt, Rente steigt

Dem Rentenversicherungsbericht zufolge gehen die Älteren immer später in Rente: Im Jahr 2000 waren es durchschnittlich 62,3 Jahre. Heute sind es 64,1 Jahre – ein Anstieg um fast zwei Jahre.

Angesichts von Rücklagen über 33,5 Milliarden Euro in der Rentenkasse kann der Beitragssatz im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent sinken. Auf diesem Niveau wird er bis zum Jahr 2018 stabil bleiben. 2019 muss er dann um 0,4 Prozentpunkte auf 19,1 angehoben werden – die Rücklage schmilzt im selben Zeitraum bis auf 5,2 Milliarden Euro. Danach steigt der Beitragssatz kontinuierlich an und erreicht im Jahr 2028 21,4 Prozent.

Die gut 20 Millionen Rentner können in den nächsten Jahren mit Rentenerhöhungen von bis zu 4,6 Prozent rechnen. Aufgrund von Modellrechnungen geht der Bericht von einer Rentenanpassung im Westen von 1,57 Prozent im kommenden Jahr aus. Er nennt dann Erhöhungen um 4,51 Prozent für 2016, um 2,44 Prozent für 2017 und um 2,41 Prozent für 2018.

Gesetzliche Rente wird nicht mehr ausreichen

Für Ostdeutschland nennt der Bericht mögliche Erhöhungen um 1,71 Prozent fürs kommende Jahr, um 4,62 Prozent für 2016, um 2,53 Prozent für 2017 und um 2,5 Prozent für 2018. Das Niveau der Altersrenten liegt im Osten mittlerweile höher als im Westen: Bei den Frauen stieg es seit 1992 von 114 auf 148 Prozent des West-Niveaus, bei den Männern von 74 auf 109 Prozent.

Insgesamt steigen die Renten bis 2028 um rund 39 Prozent. „Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerungsrate von gut 2 Prozent pro Jahr“, so der Bericht.

Dennoch werde die gesetzliche Rente künftig alleine nicht ausreichen, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen, heißt es in dem Bericht. Das Sicherungsniveau vor Steuern sinkt laut Bericht von heute 48 auf 44,4 Prozent im Jahr 2028.

„In Zukunft wird der erworbene Lebensstandard nur erhalten bleiben, wenn die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung genutzt werden, um eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article134473994/Das-rosige-Rentenbild-der-Regierung-ist-Makulatur.html

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04.11.2014

Altersarmut nimmt zu

Immer mehr Menschen im Rentenalter sind auf Sozialhilfe angewiesen. Das betrifft vor allem westdeutsche Frauen – und Ballungszentren wie Hamburg, Bremen und Berlin.

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Die Zahl der Senioren, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, steigt. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, bezogen Ende 2013 rund 499.000 Personen ab 65 Jahren Leistungen der Grundsicherung. Das sind 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Grundsicherung im Alter entspricht dem Hartz IV für Arbeitslose. Das sind derzeit 391 Euro im Monat plus Miet- und Heizkosten.

Auf Grundsicherung sind in der Altersgruppe ab 65 Jahren insbesondere westdeutsche Frauen angewiesen: Am Jahresende bezogen in der früheren Bundesrepublik 36 von 1.000 Frauen und 27 von 1.000 Männern dieses Alters Leistungen der Grundsicherung. In den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 22 von 1.000 Frauen und 20 von 1.000 Männern.

Insgesamt erhielten im früheren Bundesgebiet 3,2 Prozent der über 65-Jährigen und 2,1 Prozent der Ostdeutschen dieses Alters (einschließlich Berlin) Leistungen der Grundsicherung. Spitzenreiter unter den Bundesländern waren die Stadtstaaten Hamburg (68 je 1.000 Einwohner), Bremen (59 je 1.000 Einwohner) und Berlin (58 je 1.000 Einwohner). Mit jeweils 11 Empfängern je 1.000 Einwohnern ab 65 Jahren nahm die Bevölkerung in Sachsen und Thüringen diese Leistungen am seltensten in Anspruch.

Neben den rund 499.000 Empfängern von Grundsicherung im Alter ab 65 Jahren gab es am Jahresende 2013 deutschlandweit rund 463.000 Empfänger von Grundsicherung wegen dauerhafter Erwerbsminderung im Alter von 18 bis unter 65 Jahren. Damit bezogen am Jahresende 2013 rund 962.000 volljährige Menschen in Deutschland Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht die Entwicklung mit großer Sorge. „Wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, wie Altersarmut bekämpft und langfristig verhindert werden kann“, kommentiert der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler den Anstieg. „Um zu verhindern, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, deren Rente zum Leben nicht ausreicht, muss der Niedriglohnsektor eingedämmt und ein weiteres Absinken des Rentenniveaus vermieden werden“, fordert Stadler.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband übt Kritik an der Rentenpolitik. „Die neuerlichen Rekordzahlen sind lediglich Vorboten einer auf uns zurollenden Lawine der Altersarmut. Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts droht ein Heer von ehemals Langzeit- und Mehrfacharbeitslosen sukzessive und unaufhaltsam in die Altersarmut zu fallen“, warnt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Der Koalitionsvertrag werde den tatsächlichen Herausforderungen in der Alterssicherung nicht gerecht.

http://www.taz.de/Sozialhilfe-fuer-Senioren/!148873/

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03.11.2014

Sinkendes Niveau: 31 Jahre Arbeit bringen bald nur noch Rente auf Hartz-IV-Niveau

Die Deutschen müssen für ihre Rente  immer länger arbeiten. Ein Durschnittsverdiener kommt nach 31 Jahren Arbeit gerade einmal auf das Niveau der Grundsicherung. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

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Selbst Durchschnittsverdiener müssen in den kommenden Jahrzehnten damit rechnen, nur noch eine Rente in Höhe der Grundsicherungzu erhalten. Das berichtet die „Bild„-Zeitung unter Berufung auf eine Studie des „Instituts Arbeit und Qualifikation“ der Uni Duisburg-Essen. Die Deutsche Rentenversicherung widerspricht: „Die von der Zeitung erwähnten Berechnungen sind reine Modellrechungen. Ein Durchschnittsverdiener, der sein Berufsleben lang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, wird auch künftig eine Rente bekommen, die deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt.“ Außerdem gebe die Höhe der gesetzlichen Rente alleine keine Auskunft über die Einkommenslage von Rentnerhaushalten.

Laut der Studie muss ein Beschäftigter mit einem Durchschnittslohn von rund 2900 Euro bei einem Rentenbeginn im Jahr 2015 schon 28,3 Jahre gearbeitet haben, um wenigstens eine Rente in Höhe der „Grundsicherung im Alter“ zu bekommen. Sie liegt inklusive der Leistungen fürWohnungund Heizung derzeit im Schnitt bei 690 Euro pro Monat.

Geringverdiener müssen 63 Jahre arbeiten

Wegen des sinkenden Rentenniveaus sind beim Rentenbeginn im Jahr 2030 schon 31,6 Arbeitsjahre mit Durchschnittslohn nötig. Wer nur 80 Prozent des Durchschnittslohns (rund 2300 Euro) verdient, müsste 2030 schon39,5 Jahre für die Rente in Grundsicherungshöhe arbeiten. Bei einem Arbeitnehmer mit einem Einkommen in Höhe des halben Durchschnittslohns (1450 Euro) wären sogar 63,2 Arbeitsjahre für die Rente in Hartz IV-Höhe nötig.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/grundsicherung-31-jahre-arbeit-und-durch-nur-rente-auf-hartz-iv-niveau_id_4244419.html

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03.11.2014

„Flexi-Bonus“ soll Rentner zur Arbeit locken

Der Wirtschaftsflügel der Union fordert, dass arbeitende Senioren ihren Beitrag zur Renten- und Arbeitslosenversicherung ausgezahlt bekommen. Heute würden Ältere aus dem Erwerbsleben „gedrängt“.

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Der Wirtschaftsflügel der Union unternimmt einen weiteren Vorstoß, damit sich längeres Arbeiten auch für Arbeitnehmer im Rentenalter lohnt. Vorbild ist dabei Japan: Dort liegt die gesetzliche Regelaltersgrenze zwar bei 65 Jahren, das durchschnittliche Renteneintrittsalter aber bei nahe 70 Jahren.

Für die Verhandlungen mit der SPD in der Koalitionsarbeitsgruppe zur Flexi-Rente an diesem Montag pochen Mittelstandsvereinigung und Wirtschaftsrat auf einen Bonus für arbeitende Rentner. Sie sollen künftig den Beitrag zur Renten- und zur Arbeitslosenversicherung, die der Arbeitgeber für sie entrichtet, ausbezahlt bekommen.

„Statt arbeitende Senioren mit Strafzahlungen ohne Gegenleistung zu belegen, sollten wir sie mit einem Flexi-Bonus zur Erwerbstätigkeit ermutigen und so einen Mentalitätswandel unterstützen“, sagt der MIT-Bundesvorsitzende Carsten Linnemann. Mit dem Flexi-Bonus könnten 400.000 ältere Beschäftigte gewonnen werden. Dadurch werde der Fachkräftemangel gelindert und der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt.

Auch der Arbeitslosenbeitrag müsse gestrichen werden, denn Rentner könnten gar nicht mehr arbeitslos werden. „Künftig muss Schluss damit sein, dass für Erwerbstätige jenseits der Regelaltersgrenze Arbeitslosen- und Rentenbeiträge gezahlt werden“, sagt der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger. „Es muss wieder gelten: Keine Leistungen, keine Beiträge.“

Die Abschaffung der Arbeitgeberbeiträge für Rentner ist jedoch in der Koalitionsarbeitsgruppe, die bis Weihnachten ein Konzept vorlegen soll, heftig umstritten. Gewerkschaften und Sozialdemokraten fürchten, dass „billige Alte“ „teure Junge“ verdrängen könnten. Mit dem Flexi-Bonus, der ja den Arbeitnehmern zugutekommen soll, wäre diese Gefahr jedoch gebannt.

Mehrbelastung für Rentenversicherung von 320 Millionen Euro

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte den Flexi-Bonus auch aus Kostengründen abgelehnt. Schließlich würde der Flexi-Bonus die Rentenversicherung mit 320 Millionen Euro pro Jahr belasten, müssen auch MIT und Wirtschaftsrat eingestehen. Weitere 50 Millionen Euro Mindereinnahmen entfallen auf die Arbeitslosenversicherung.

Der Wirtschaftsflügel macht aber eine Gegenrechnung auf: „Jeder, der motiviert durch den Flexi-Bonus länger arbeitet, zahlt mehr Einkommensteuer und mehr Beiträge zur Kranken- und zur Pflegeversicherung“, sagt Linnemann. Jeder zusätzliche Beschäftigte jenseits der Regelaltersgrenze brächte 5000 Euro mehr in die öffentlichen Kassen.

Bei 400.000 zusätzlichen Beschäftigten wären dies zwei Milliarden Euro für den Staat, rechnet Linnemann vor. „Es gibt viel zu viele, die heute bei guter Gesundheit und voller Tatendrang aus dem Erwerbsleben gedrängt werden“, sagt Wirtschaftsrat-Generalsekretär Steiger. „Diesen Automatismus gilt es zu durchbrechen.“

Koalition will Teilrente leichter machen

SPD und Gewerkschaften geht es in der aktuellen Diskussion aber eher um eine Verkürzung als eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Sie pochen in der Koalitionsarbeitsgruppe auf die Rente mit 60 -– ab dem 60. Lebensjahr soll es bereits möglich sein, eine Teilrente zu beziehen, die mit eigener Arbeit aufgestockt werden kann.

Heute geht das erst ab 63 Jahren. Die Union lehnt dagegen neue Frühverrentungsmodelle ab. Einig ist man sich aber darin, den starren – auf 450 Euro begrenzten – Zuverdienst und die Teilrenten flexibler zu gestalten.

Ältere Arbeitnehmer sollen künftig leichter in Teilrente gehen und mehr als bisher hinzuverdienen können. Das zeichnete sich vor der nächsten Sitzung einer Koalitionsarbeitsgruppe an diesem Dienstag in Berlin ab. Die Hinzuverdienstgrenzen seien heute zu starr, sagte Nahles.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß sagte, es könne die Möglichkeit geschaffen werden, ein Einkommen aus Rente und Hinzuverdienst in der Höhe des früheren Einkommens zu erreichen. Mangels finanzieller Attraktivität wird die Teilrente ab 63 heute nämlich kaum genutzt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article133909195/Flexi-Bonus-soll-Rentner-zur-Arbeit-locken.html

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28.09.2014

Jetzt schrumpfen auch die Betriebsrenten

Geschätzte 17 Millionen Beschäftigte habe Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung. Das Geld dafür zu erwirtschaften fällt Unternehmen in Zeiten niedriger Zinsen aber nicht leicht. Die Folge: Die Betriebsrenten könnten bald sinken.

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Für Millionen Beschäftigte ist die Betriebsrente ein willkommenes Zusatzplus im Alter. Sie können zwar nicht auf Millionen hoffen wie mancher Spitzenmanager. Aber auch die Zeiten, in denen viele Beschäftigte mit einer festen Verzinsung von 3,5 bis 4 Prozent ihrer Beiträge rechnen konnten, scheinen vorerst vorbei zu sein. Für die Unternehmen wird es angesichts des Dauertiefs an der Zinsfront immer schwieriger, hohe Renditen für künftige Ruheständler zu erwirtschaften.  

Keine festen Zusagen mehr

„Der Trend geht zu Versorgungssystemen ohne feste Zusagen, bei denen die Beschäftigten stärker am Risiko beteiligt werden. Die Zusagen werden beispielsweise an die Entwicklungen bestimmter Wertpapiere gekoppelt“, sagt Carl-Heinrich Kehr, Investmentstratege beim Beratungsunternehmen Mercer. Für die Beschäftigten heißt das: Läuft es an den Finanzmärkten gut, profitieren sie davon, geht es bergab, fällt die betriebliche Altersversorgung schmaler aus. Die eingezahlten Beiträge müssen sie in jedem Fall herausbekommen.  

Surftipp: Soviel Netto bleibt vom Brutto

Mehr als die Hälfte von 26 untersuchten deutschen Großunternehmen haben nach Angaben des Beratungsunternehmens Towers Watson inzwischen flexible Modelle ohne feste Zinszusagen. Mittelständler setzten häufig auf Versicherungslösungen, berichtet Towers-Watson-Experte Thomas Jasper. Die Höhe der Zahlungen im Ruhestand richtet sich nach den Leistungen einer Lebensversicherung. 

„Es ist kaum noch zu schaffen, feste Zusagen am Markt zu erwirtschaften“, sagt auch Versicherungsexpertin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das Problem der flexiblen Modelle: Die Beschäftigte könnten kaum noch einschätzen, was sie am Ende herausbekommen. 

Laufende Betriebsrenten werden nicht gekürzt

Wer schon im Ruhestand ist, muss sich kaum Sorgen machen: „Laufende Betriebsrenten zu kürzen, ist nahezu unmöglich“, sagt Florian Swyter von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Anwartschaften – also Zusagen für künftige Ruheständler – zu ändern, ist ebenfalls nicht einfach. Vor allem bei Betriebsvereinbarungen seien enge Grenzen gesetzt, erläutert Swyter. Ist die Altersversorgung in einem Tarifvertrag geregelt, sei der Spielraum für Änderungen dagegen etwas größer. 

Der Umbau der Altersvorsorge birgt durchaus Zündstoff – wie das Beispiel Lufthansa zeigt. Sie hat allen Lufthanseaten ab 2014 die Betriebsrenten aufgekündigt und will mit den Gewerkschaften den Wechsel auf feste Zuschüsse anstelle verbindlicher Pensionszusagen verhandeln. Das Zinsrisiko tragen dann die Beschäftigten. Ärger gibt es unter anderem deswegen mit den auf Streiks setzenden Piloten.    

Surftipp: Die Top-Zinssätze für 10.000 Euro Festgeld

Rückstellungen fressen Eigenkapital der Firmen auf

Maßstab für die Berechnung von Pensionslasten ist die Rendite von Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Sinkt die Rendite der Anleihen, steigt der in der Bilanz anzusetzende Gegenwert der Pensionsverpflichtungen. Die Rendite – in der Fachsprache Rechnungszins genannt – ist auf Talfahrt. So kürzte Mercer seine Zinsempfehlung von 3,7 Prozent Ende 2013 auf 2,7 Prozent Ende Juli. Legt man diesen Wert zugrunde, steigen die Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Konzerne auf etwa 341 Milliarden Euro. Ende 2013 waren es noch 301 Milliarden. Die Folge: Die Unternehmen müssen mehr Rückstellungen bilden, was am Eigenkapital nagt.  

„Die Belastung des Eigenkapitals ist schmerzhaft für die Unternehmen“, sagte Thomas Hagemann, Versicherungsmathematiker bei Mercer. Denn sinkt das Eigenkapital, besteht die Gefahr, dass Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabstufen. Schlechtere Noten der Bonitätswächter können wiederum die Kreditaufnahme verteuern. 

Pensionsfonds wollen mehr Aktien kaufen

Ein weiterer Ausweg aus der Zinsfalle kann die Anlagestrategie sein. Mercer zufolge wollen Dax-Konzerne und andere Großunternehmen die Anlage in Anleihen in diesem Jahr auf 50 Prozent verringern (Vorjahr: 57 Prozent) und stattdessen stärker auf Aktien und andere Investments setzen.  

Selbst manche Spitzenmanager werden im Ruhestand mit weniger auskommen müssen als ihre Vorgänger. Zwar zahlten Dax-Konzerne der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge im vergangenen Jahr im Schnitt fast acht Millionen Euro an Ruhestandsbezügen an Ex-Vorstandsmitglieder. Mit neu berufenen Vorständen werde jedoch oft ein geringeres Leistungsniveau vereinbart als bei ihren Vorgängern, erklärte der Autor der Studie, Hans Evers.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/betriebsrente/vorsicht-neue-zinsfalle-jetzt-schrumpfen-auch-die-betriebsrenten_id_4162292.html

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23.09.2014

Formel gegen Altersarmut: So schließen Sie Ihre Rentenlücke

Traditionelle Sparformen werfen nach Abzug der Inflation keine Rendite mehr ab. Vielen Menschen droht Altersarmut. Doch mit neuen Anlagestrategien geht der Traum vom sorgenfreien Ruhestand auf.

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Es ist ein bisher unbekanntes Phänomen: Um Staaten und Kreditinstitute zu retten, haben die Währungshüter die Zinsen quasi abgeschafft. Anleger, die, wie früher gewohnt, ihr Depot mit bestens benoteten Bundesanleihen bestücken, verdienen heutzutage im Schnitt weniger als ein Prozent Rendite. Vor Steuern und Geldentwertung.

Die fatalen Folgen: Bei 1000 Euro Ertrag pro Jahr bleiben nach Abzug von Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer 720,06 Euro übrig. Bei Geldentwertungsraten um ein Prozent büßen die anfangs investierten 100.000 Euro binnen Jahresfrist 1000 Euro an Kaufkraft ein. Unter dem Strich verliert der Anleger mithin fast 280 Euro an Kaufkraft.

Der reale Vermögensverlust wird explodieren, wenn die Geldentwertungsrate eines Tages auf die von der EZB gewünschte Rate von zwei Prozent ansteigt. Anleiheneigner aber kassieren mit ihren Langläufern immer noch nur ein Prozent Zinsen pro Jahr.

Lange Durststrecke

Dramatisch wirkt sich die Ertragslosigkeit vieler Anlageformen erst auf lange Sicht aus. Denn es fehlt die heilsame Wirkung des Zinseszinseffekts. Der hatte früher die jährlichen Erträge und das Vermögen verlässlich anschwellen lassen. Daher war es zu der Zeit auch einfacher, die Altersvorsorge auf Vordermann zu bringen. 1995 warfen mit Zinsen gekoppelte Anlageformen im Schnitt 6,2 Prozent Rendite ab (Umlaufrendite).

Dank solcher Zinssätze verdoppelten sich die Ersparnisse bereits nach zwölf Jahren. Heute liegt die Umlaufrendite bei 0,98 Prozent. Daher dauert es 72 Jahre, ehe sich der Einsatz verdoppelt. So viel Zeit hat niemand.

Fazit: Anleger müssen sich umstellen, um in der Nullzins-Welt klar zu kommen. Wie, verraten FOCUS-MONEY und Cortal Consors. “

Altersarmut droht

Musterrechnungen für jedes Lebensalter und jede Lebenskonstellation zeigen: Ohne fünf, sechs, sieben Prozent Rendite sind für die Altersvorsorge so hohe Sparraten erforderlich, dass die sich kaum jemand leisten kann.

Die Rechnungen illustrieren einem heute 25-jährigen Arbeitnehmer, der in seinem Rentenalter monatlich über einen Betrag verfügen möchte, dem heute 1800 Euro Kaufkraft entsprechen, was ihm blüht.

Bei unterstellt 1,5 Prozent Teuerungsrate bis zum Ruhestand entsprechen die 1800 Euro Kaufkraft im Jahr 2056 dann 3314,21 Euro. Zahlt die gesetzliche Rentenversicherung 1422,43 Euro, fehlen 1891,78 Euro pro Monat.

Gefährliche Lücke

Um die Lücke für beispielsweise 23 Ruhestandsjahre bis 2078 zu schließen, ist zum Rentenbeginn ein Vermögen von 948.443,59 Euro erforderlich. Um das bei den auf rund 1,5 Prozent eingedampften Zinsen über 41 Jahre anzusparen, muss bereits heute ein Startkapital in Höhe von 37.873,99 Euro zur Verfügung stehen.

Weil kaum ein 25-Jähriger über so viel Geld verfügt, müssten die meisten bei weiterhin nur 1,5 Prozent Rendite monatlich 708,46 Euro anlegen – und diese Sparrate alle zwei Jahre um drei Prozent erhöhen. Aber auch solche Belastungen dürften für die meisten nicht zu stemmen sein.

Der 1800-Euro-Kaufkraft-Wunsch geht nur in Erfüllung, wenn der 25-Jährige sechs Prozent Rendite erzielt. Dann braucht er nur 807.595,73 Euro zum Rentenbeginn. Die erzielt er, wenn er jetzt 83.480,40 Euro anlegt. Hat er noch nicht so viel angespart, muss er monatlich 287,32 Euro mit sechs Prozent verzinst auf die Seite legen. Und diesen Betrag alle zwei Jahre um drei Prozent aufstocken. Hört sich für einen jungen Arbeitnehmer schon eher realistisch an.

Langfristig anlegen

Zwei Dinge machen die Rechnung klar: Vermögensaufbau gelingt nur, wenn rechtzeitig mit dem Sparen begonnen wird und die Rendite hoch ist. Bei der Anlage des Hab und Guts sollte jeder, der nicht auf kurze Sicht eine klar definierte Anschaffung oder Ausgabe vor Augen hat, eine Laufzeitentreppe bilden.

Für überraschende Reparaturen oder Anschaffungen gehören rund drei Nettomonatsgehälter als Notgroschen auf ein Tagesgeldkonto. Weitere Beträge sollten beispielsweise für zwei, drei und fünf Jahre angelegt werden. Darüber hinaus gehendes Kapital dient dem langfristigen Aufbau der Altersvorsorge – etwa mit Aktien oder mit einem eigenen Dach über dem Kopf.

Immobilienkäufer, die jetzt einen Kredit zur Finanzierung aufnehmen, können das künstlich abgesenkte Zinsniveau voll auskosten. Denn als Folge erreichten auch die Baugeldzinsen ungeahnte Tiefen. Somit wird vielen der Erwerb eines Eigenheims erleichtert. Eine Anlageform, die sich bei rechtzeitiger Tilgung der Schulden als idealer Altersvorsorge-Baustein erweisen kann.

Das Dilemma: Der Tiefzins verlängert die Laufzeit des Darlehens. Auch bei der Kreditaufnahme treibt der Niedrigzins sein Unwesen. Wer sich blenden lässt und zu viel Kredit für sein Eigenheim schultert und zu wenig tilgt, dem droht die Zwangsversteigerung. Die Lösung: die niedrige Zinsbelastungen für mindestens zwei Prozent oder mehr anfängliche Tilgung nutzen. So lässt sich die Laufzeit bis zur Schuldenfreiheit verkürzen.

Altersvorsorge nur mit Aktien möglich

Nicht jeder kann sich aus privaten oder beruflichen Gründen an eine Immobilie binden. Zu den Sachwerten gehören auch Aktien. Sie beteiligen nicht an einem jährlichen Minizins, sondern am Gewinn eines Unternehmens.

Ihr Nachteil: Aktien schwanken börsentäglich, Rückschläge in Höhe von zehn Prozent und mehr sind nicht ausgeschlossen. Fallen sie zu hoch aus, hat der Investor kaum noch Chancen, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums einen Mehrwert zu erzielen.

Beispiel: Stürzt der gewählte Titel schon bald nach dem Einstieg um 50 Prozent ab, muss er anschließend um 100 Prozent steigen, damit der Aktionär seinen Einstand wiedersieht.

Panik schadet

Verluste erweisen sich auch aus psychologischen Gründen als kontraproduktiv. Wer bisher nur den Umgang mit schwankungsarmen Anleihen oder Spareinlagen kennt, ist größere Kursausschläge nicht gewohnt. Ein heftiges Minus veranlasst manchen, schnell in Panik zu verkaufen. Ein Buchverlust mutiert dann zu einem realen Verlust, die anschließende Kurserholung wird verpasst.

Um schlaflose Nächte auszuschließen, ist die Verteilung der Ersparnisse auf verschiedene Aktien oberstes Gebot. Zudem gilt es, nicht nur in eine Branche und ein Land zu investieren. Die Diversifikation des Depots ist ein Muss.

Zur Streuung der Chancen und Risiken gehört auch eine Verteilung der Gelder auf verschiedene Währungen und Länder. Wer sich das in Eigenregie nicht zutraut, setzt auf Aktienfonds, die schon für relativ kleine Summen eine Streuung über viele Aktien bieten. Sie eignen sich daher auch ideal für langfristige Sparpläne.

Sieben Grundregeln für die Geldanlage:

Vor Anlageentscheidungen rät Cortal Consors, sich grundsätzlich an folgende Grundregeln zu halten:

1. Prioritäten beachten: Zuerst Risiken absichern, zum Beispiel durch Privathaftpflicht-, Riskolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen; dann, soweit vorhanden, Schulden tilgen; danach Reserven aufbauen, und dann erst Geld für die Altersvorsorge zurücklegen.

2. Schulden tilgen kommt immer vor dem Sparen.

3. Jeder Anleger muss sich neu überlegen, welches Risiko er einzugehen bereit ist, um höhere Renditen zu erzielen. Und dabei muss er heutzutage bedenken, dass zum Risiko auch gehört, nach Steuern und Inflation eine Negativrendite zu erzielen.

4. Die Ersparnisse müssen sowohl hinsichtlich ihrer Laufzeiten als auch ihrer Risiken gestreut werden.

5. Die bisher favorisierten Festgelder und Anleihen sind nur nominelle Zahlungsversprechen, die Wirkung der Geldentwertung sollte kein Anleger übersehen.

6. Auch Transaktionskosten und Steuern sind bei der Produktauswahl zu berücksichtigen.

7. Eine einmal getroffene Anlagestrategie sollte über einen längeren Zeitraum durchgehalten werden. Hektische Rein-raus-Entscheidungen verursachen nur Kosten.

http://www.focus.de/finanzen/banken/rendite-ist-keine-illusion-formel-gegen-altersarmut-das-muessen-sie-tun-wenn-sich-die-zinsen-in-luft-aufloesen_id_4151748.html

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25.06.2014

900.000 Rentner brauchen Grundsicherung

Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung hat sich in den vergangenen neun Jahren mehr als verdoppelt: Sie ist zwischen 2003 und 2012 von rund 439.000 auf rund 900.000 gestiegen. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Rheinischen Post (Mittwochausgabe) vorliegt.

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Betroffen sind den Daten zufolge vor allem Erwerbsgeminderte, also Menschen, die wegen Krankheit oder Behinderung keinem Job mehr nachgehen können. Der Sozialexperte der Linksfraktion im Bundestag, Matthias Birkwald, nannte die Zahlen alarmierend. Er bemängelte, dass das Rentenpaket der Bundesregierung an diesem Befund kaum etwas ändern werde.

http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=232864

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24.06.2014

Immer mehr Menschen über 65 Jahre arbeiten weiter

Vielen Älteren reicht die Rente nicht zum Leben: Sie haben einen Minijob oder gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach – und die Zahl steigt: Mehr als eine Million Menschen über 65 arbeiten weiter.

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Immer mehr Ältere arbeiten auch jenseits des gesetzlichen Rentenalters weiter. So gab es Ende Juni 2013 bundesweit 829.173 Minijobber über 65 Jahre, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, über die die Chemnitzer „Freie Presse“ (Dienstag) berichtet. Das waren demnach knapp 36.000 mehr als ein Jahr zuvor – und sogar fast 270.000 mehr als 2003.

Das Papier war von der Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, angefordert worden. Der Statistik zufolge waren knapp 137.000 Minijobber sogar älter als 74. Auch die Zahl der Menschen ab 65 mit einer regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung steigt demnach.

Die Statistik weist 183.435 Beschäftigte und damit knapp 19.000 mehr als 2012 aus. Damit besetzt die Altersgruppe ab 65 – inklusive Minijobs – erstmals mehr als eine Million Arbeitsplätze. Nach Ansicht Zimmermanns arbeiten die meisten aber „nicht zum Spaß und Zeitvertreib weiter, sondern aus purer finanzieller Not“.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/aus-finanzieller-not-immer-mehr-menschen-ueber-65-jahre-arbeiten-weiter/10091192.html

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31.03.2014

Ohrfeige für alle Rentner!

170 Euro mehr für Pensionäre, 7,75 Euro mehr für Rentner. Im Alter teilt sich Deutschland in zwei Klassen. Schon wieder bekommen pensionierte Beamte eine Riesen-Erhöhung, während normale Rentner mit einem Mini-Plus auskommen müssen.

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22-mal mehr Plus bei Beamten gegenüber Rentnern – ist das noch normal?

RENTEN

Die Brutto-Durchschnittsrente stieg von 845,84 auf 853,59 Euro/Monat.

Männer bekamen 1140,82 (plus 4,28) Euro.

Frauen: 625,43, plus 9,06 Euro. Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (zusammen 10,25 %) ab. In den vergangenen 5 Jahren sind die Renten um 30 Euro gestiegen: 2009 lagen sie noch bei 823,63 (siehe Tabelle). Gesamtplus seither: 3,64 %.

PENSIONEN

Die Ruhegelder der Bundesbeamten stiegen 2013 von 2680 auf 2850 Euro/Monat – stärkstes Plus seit Jahrzehnten.

Die Ruhegelder der Männer lagen bei 2880 (plus 170 Euro).

Frauen: 2350 (plus 100) Euro). Seit 2009 sind die Pensionen der Bundesbeamten von 2640 Euro um 210 Euro gestiegen – plus 7,95%.

Der prozentuale Anstieg war also mehr als doppelt so stark wie bei den Renten (Pensionen: 7,95%; Renten: 3,64%).

Allerdings müssen die Staatsdiener noch Steuern und private Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen.

Besonders stark war der Anstieg bei den Bundesbeamten. Einschränkungen gab es dagegen bei den Ruheständlern der Länder. Dort sank die Durchschnittspension von 2870 auf 2860 Euro, in den Kommunen stieg sie von 2770 auf 2790 Euro.

Ursachen für die starken Unterschiede zwischen Renten und Pensionen:

Geringe Rentenerhöhungen im Westen (2013 nur 0,25%) und eine Nullrunde 2010. Dagegen bekamen die Bundesbeamten allein 2013 zwei Erhöhungen (insgesamt 2,4 %). Zudem wurde das Weihnachtsgeld für Beamte auf die monatliche Gehaltszahlung umgelegt: Folge: Der Monatsverdienst stieg.

Da die Pensionen an das Monatsgehalt der Staatsdiener gekoppelt sind, erhöhten sich damit auch die Ruhestandsbezüge der pensionierten Beamten.

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/rente/beamtenpensionen-steigen-22-mal-so-stark-wie-renten-35291518.bild.html

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13.01.2014

Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen

Der steuerpflichtige Anteil der Rente steigt. Wer in diesem Jahr in den Ruhestand geht, muss schon ab einer Rente von 1225 Euro Steuern zahlen. Vor zehn Jahren waren es noch 1599 Euro.

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Die Rentensteuer trifft jetzt schon Senioren, die in ihrem Berufsleben weniger als Durchschnittslohn verdient haben. Das berichtet die „Bild“-Zeitung in ihrer Montagausgabe unter Berufung auf Berechnungen des Bundesfinanzministeriums.

Danach müssen unverheiratete Neurentner ohne weitere Einkünfte von diesem Jahr an bereits ab einer Bruttorente von 1225 (Ehepaare: 2450) Euro im Monat Steuern zahlen. Vor zehn Jahren lag die Grenze noch bei 1599 (Ehepaare: 3198) Euro. Der Betrag liegt 2014 damit rund 40 Euro unter der sogenannten Eckrente, die es nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst gibt, von 1266,30 Euro.

Hintergrund ist die Neuregelung der Rentensteuer. Danach steigt der steuerpflichtige Teil der Rente von 50 Prozent in 2005 von Jahr für Jahr an. Für Neurentner 2014 liegt er mittlerweile bei 68 Prozent. Die Zahl der steuerzahlenden Rentner ist deshalb allein zwischen 2005 und 2008 um rund eine Million auf 2,82 Millionen gestiegen.

http://www.focus.de/finanzen/steuern/grenze-sinkt-auf-1225-euro-immer-mehr-rentner-muessen-steuern-zahlen_id_3535417.html

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27.11.2013

Warnung der OECD

Deutschland lässt seine Armen im Alter im Stich

Menschen mit niedrigem Einkommen werden in Deutschland so wenig Rente bekommen wie in keinem anderen Industriestaat, warnt die OECD. Ursache hierfür ist nicht nur das Rentensystem. Es fehle an systematischen Lösungen.

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Geringverdiener in Deutschland werden künftig so wenig Rente beziehen wie in keinem anderen Industriestaat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Beschäftigte mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erhalten demnach Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch 55 Prozent ihres Einkommens als Rente – weniger als in allen anderen OECD-Ländern. Der Schnitt liegt bei fast 82 Prozent.

Ursache hierfür: Während in den meisten Ländern zugunsten der Geringverdiener umverteilt werde, hänge die Rentenleistung in Deutschland stark von den Beitragszahlungen ab. „Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. „Es fehlt an einer systematischen Lösung der Altersarmut in Deutschland.“

Immobilien nur begrenzt zur Vorsorge geeignet

Niedrigverdiener sollten „nachhaltig abgesichert werden“. Allerdings hätten die Probleme ihre Ursache häufig im Arbeitsmarkt und könnten nicht allein durch das Rentensystem gelöst werden. So würden Frauen – die besonders stark von Altersarmut bedroht sind –  häufig nur Teilzeit arbeiten. Auch verdienen sie oft weniger als ihre männlichen Kollegen – bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Als Geringverdiener gilt, wer weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens (Median) erhält – in Deutschland sind das 10,5 Prozent, OECD-weit 12,8 Prozent.

Die Höhe der künftigen Bezüge allein gebe aber noch keine Auskunft darüber, ob Menschen im Ruhestand ein würdiges Leben führen können. Das hänge auch von Immobilienbesitz, Finanzvermögen und staatlichen Leistungen ab. Vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung profitiert in Deutschland den Angaben nach mit 50 Prozent nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Rentner. Im OECD-Schnitt seien es 76 Prozent.

„Wohneigentum ist nur begrenzt absichernd“, sagte Queisser. So könne der Wert stark schwanken und Modernisierungen viel Geld kosten. Auf der anderen Seite sparten Rentner mit Wohneigentum Mietkosten und könnten die Immobilie zur Not verkaufen, heißt es in dem Bericht der Organisation.

Deutschlands Vorreiterrolle

Nach OECD-Berechnungen werden in Deutschland etwa 17 Prozent des Einkommens der über 65-Jährigen aus Kapitaleinkünften gespeist, zu denen etwa private Renten- und Lebensversicherungen zählen. Das entspreche dem Industriestaaten-Schnitt. Für Ältere besonders wichtig seien Gesundheits- und Pflegedienste, in manchen Ländern auch Ermäßigungen bei der Miete, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder für kulturelle Angeboten.

Insgesamt sieht die OECD das deutsche Rentensystem aber auf einem guten Weg. Es sei finanziell vergleichsweise stabil. Außerdem sei die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer kräftig gestiegen. So arbeiteten heute gut zehn Prozent der 65- bis 69-Jährigen – fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. „Deutschland hat hier eine Vorreiterfunktion“, sagte Queisser.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/prognose-der-oecd-deutsche-geringverdiener-im-alter-die-aermsten_id_3432950.html

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26.11.2013

Teilzeitarbeit: Vielen deutschen Frauen droht Altersarmut

In Deutschland sind Geringverdiener stärker von Altersarmut bedroht als in jedem anderen Land. Vor allem Frauen, die nur in Teilzeit arbeiten, müssen mit teilweise drastischen Einbußen rechnen.

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Geringverdiener in Deutschland werden künftig so wenig Rente beziehen wie in kaum einem anderen Industriestaat. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Beschäftigte mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erhalten demnach Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch rund 55 Prozent ihrer Bezüge als Rente – „weniger als in allen anderen OECD-Ländern“. Der OECD-Schnitt liege bei fast 82 Prozent. Grund: In den meisten Ländern werde zugunsten der Geringverdiener umverteilt, während in Deutschland die Rentenleistungen stark von den Beitragszahlungen abhingen.

Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. „Es fehlt an einer systematischen Lösung der Altersarmut in Deutschland.“ Niedrigverdiener sollten „nachhaltig abgesichert werden“. Allerdings hätten die Probleme ihre Ursache häufig im Arbeitsmarkt und könnten nicht allein durch das Rentensystem gelöst werden.

So würden Frauen – die besonders stark von Altersarmut bedroht sind – häufig nur Teilzeit arbeiten. Auch verdienen sie oft weniger als ihre männlichen Kollegen – bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Als Geringverdiener gilt, wer weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens (Median) erhält – in Deutschland sind das 10,5 Prozent, OECD-weit 12,8 Prozent.

Die Höhe der künftigen Bezüge allein gebe aber noch keine Auskunft darüber, ob Menschen im Ruhestand ein würdiges Leben führen können. Das hänge auch von Immobilienbesitz, Finanzvermögen und staatlichen Leistungen ab.

Vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung profitiert in Deutschland den Angaben nach mit 50 Prozent nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Rentner. Im OECD-Schnitt seien es 76 Prozent. „Wohneigentum ist nur begrenzt absichernd“, sagte Queisser. So könne der Wert stark schwanken und Modernisierungen viel Geld kosten.

Nach OECD-Berechnungen werden in Deutschland etwa 17 Prozent des Einkommens der über 65-Jährigen aus Kapitaleinkünften gespeist, zu denen etwa private Renten- und Lebensversicherungen zählen. Das entspreche dem Industriestaaten-Schnitt.

Für Ältere besonders wichtig seien Gesundheits- und Pflegedienste, in manchen Ländern auch Ermäßigungen bei der Miete, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder für kulturelle Angeboten. Im Schnitt der OECD-Länder erhöhen diese öffentlichen Leistungen die Einkommen der Rentner um 40 Prozent, in Deutschland um 30 Prozent.

Insgesamt sieht die OECD das deutsche Rentensystem aber auf einem guten Weg. Es sei finanziell vergleichsweise stabil. Außerdem sei die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer kräftig gestiegen. So arbeiteten heute gut zehn Prozent der 65- bis 69-Jährigen – fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. „Deutschland hat hier eine Vorreiterfunktion“, sagte Queisser.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/26/teilzeitarbeit-vielen-deutschen-frauen-droht-altersarmut/

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12.11.2013

Altersarmut-Alarm! Fast alle Riester-Renten fallen durch

Die Renten in Deutschland schrumpfen. Ohne private Vorsorge droht Altersarmut. „Finanztest“ hat die aktuellen Angebote für Riester-Renten unter die Lupe genommen – mit erschreckendem Ergebnis.

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Immer deutlicher zeigt sich: Die staatliche Rente allein garantiert kein sorgenfreies Leben mehr im Alter. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung hatten Männer, die 2012 in Rente gingen, im Durchschnitt nur noch 29,6 (Ostdeutschland: 38,1) Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto. Das seien durchschnittlich 3,7 Jahre (Ost: 3 Jahre) weniger als im Jahr davor. Frauen hatten demnach sogar nur 18 (Ost: 34,5) Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto – das sind 1,6 Jahre respektive 3,9 Jahre weniger als noch im Jahr zuvor. Der Gründe dafür sind oft Arbeitslosigkeit und längere Berufsausbildungszeiten.
Doch nicht nur die Zahl der Beitragsjahre sinkt. Auch die Ansprüche, die Arbeitnehmer in diesen Jahren erwerben, gehen zurück. Denn sie bemessen sich an den Einzahlungen der Beschäftigten – und damit an deren Bezügen. Obendrauf kommt noch, dass das allgemeine Rentenniveau in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels zurückgehen dürfte. Wenn immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner versorgen müssen, reichten die Einnahmen der Rentenkasse sonst nicht mehr aus.

Nur fünfmal „gut“

Wer im Alter keine Geldsorgen haben will, muss also selber vorsorgen. In der aktuellen Ausgabe von „Finanztest“ haben die Experten der Stiftung Warentest Riester-Rentenversicherungen unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Es gibt empfehlenswerte Tarife – aber sie sind selten.

Nur fünf von 42 Angeboten bewerteten die Tester mit der Note „gut“. Gleich siebenmal gab es die Note „ausreichend“.
Weitere Erkenntnis: Die Riester-Rente lohnt sich nur, wenn man die staatlichen Zulagen mit einrechnet.

Am besten schnitt die Riester-Rente von Huk24 ab. Das Angebot überzeugte die Tester mit einer hohen Rentenzusage, niedrigen Kosten und einem guten Anlageerfolg in den vergangenen drei Jahren. Ebenfalls ein „gut“ erhielten die Alte Leipziger („Fiskal“), zweimal die Hannoversche („Riester-Rente-Plus“, „HL Garantie“) und HanseMerkur („Riester Care“). Am schlechtesten kamen die Angebote von Barmenia und Württembergische weg. Grundlage der Bewertung war der Musterfall eines 37-jährigen Modellkunden ohne Kinder.

Das Hauptaugenmerk legten die Tester auf zwei Bereiche:
1) Rentenzusage und Kosten
In dieser Kategorie begutachtete die Stiftung Warentest, wie hoch die garantierte Mindestrente der einzelnen Anbieter ist. Die Bandbreite ist groß: Je nach Anbieter betrug die zugesagte Rente aus Eigenbeiträgen zwischen 119 und 145 Euro.
2) Anlageerfolg
Die garantierte Rente macht nur einen Teil der späteren Zahlung aus. Hinzu kommen die Überschüsse, die ein Versicherer mit dem Kundengeld erwirtschaftet. Deshalb werteten die Experten auch den Anlageerfolg der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren aus. Hier schnitt vor allem die Alte Leipziger gut ab.
Generell stellten die Tester fest, dass die Riester-Rente in den vergangenen Jahren erheblich an Attraktivität eingebüßt hat. Das liegt zum einen daran, dass der Garantiezins deutlich sank. 2002 lag er noch bei 3,25 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 1,75 Prozent. Außerdem führten die Versicherer im Jahr 2005 neue Sterbetafeln ein, in denen sie eine längere Lebenserwartung unterstellen. Entsprechend länger müssen die angesparten Guthaben für die Rentenzahlungen ausreichen, was die Monatsrente drückt. Auch die Unisex-Tarife knabbern an der Rendite. Sie führten dazu, dass die Rente für Männer bei gleichem Beitrag erheblich sinkt, die Rentenzusagen für die Frauen stiegen dagegen geringfügig an.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/stiftung-warentest-altersarmut-alarm-fast-alle-riesterrenten-fallen-durch_aid_1156186.html

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12.11.2013

Neue Statistik zeigt alarmierende Schrumpf-Renten

Weniger eingezahlt und weniger verdient: Neu-Rentner sind finanziell deutlich schlechter gestellt als frühere Generationen. Besonders Frauen müssen deshalb fürchten, dass das Geld im Alter nicht reicht.

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Arbeitnehmer müssen beim Wechsel in den Ruhestand mit immer geringeren Rentenzahlungen rechnen. Das berichtet die „Bild“-Zeitung in ihrer Dienstagausgabe und beruft sich dabei auf eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung. Demnach haben Neu-Rentner im Vergleich zu früheren Rentner-Generationen weniger Versicherungsjahre auf ihrem Rentenkonto und bekommen außerdem weniger Rentengutschriften pro Versicherungsjahr.
Dem Bericht nach hatten Männer, die 2012 in Rente gingen, im Durchschnitt nur noch 29,6 (Ostdeutschland: 38,1) Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto. Das seien durchschnittlich 3,7 Jahre (Ost: 3 Jahre) weniger als im Jahr davor. Frauen hatten demnach sogar nur 18 (Ost: 34,5) Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto – 1,6 Jahre bzw. 3,9 Jahre als noch im Jahr zuvor. Als Grund nennt der Bericht häufige Zeiten der Arbeitslosigkeit und einen späteren Berufsstart.

Viele verdienen offenbar unterdurchschnittlich

Noch drastischer sei der Einbruch bei den Rentengutschriften pro Versicherungsjahr gewesen: Für jedes Jahr, in dem der Arbeitnehmer durchschnittlich verdient, bekommt er einen Entgeltpunkt gutgeschrieben – wer mehr verdient, bekommt also eine höhere Rente als ein Geringverdiener. Laut dem Bericht hatten Männer, die 2012 in Rente gingen, nur noch durchschnittlich 0,808 (Ost: 0,915) Entgeltpunkte pro Versicherungsjahr auf ihrem Rentenkonto. 1990 habe dieser Wert nur noch bei mehr als einem Entgeltpunkt gelegen. Die Zahlen der Rentenversicherung zeigten, dass viele Arbeitnehmer unterdurchschnittlich verdient hätten, urteilt die Zeitung.
Männliche Neu-Rentner bekamen demnach 2012 nur noch 22,74 Euro (Ost: 21,18 Euro) pro Rentenversicherungsjahr ausgezahlt.

2011 seien es noch im Durchschnitt 24,48 (22,63) Euro gewesen. Frauen hatten demnach beim Eintritt in die Regelaltersrente im vergangenen Jahr im Schnitt noch 0,621 (Ost: 0,763) Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto. Das war dem Bericht nach der niedrigste Wert seit 1997 (Ost: 2007).

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/neue-statistik-belegt-neu-rentner-muessen-sich-auf-mini-renten-gefasst-machen_aid_1155541.html

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22.10.2013

Drohende Altersarmut“Kürzung war ein Fehler“

Viele alte Menschen müssen zum Sozialamt, weil ihre Rente nicht reicht. Nach Angaben von Statistikern bekommen so viele Leute Grundsicherung wie noch nie. Ein Skandal, sagen Gewerkschafter. Was sagen die deutschen Tageszeitungen?

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Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt: „Die Zahl der über 65-Jährigen, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, ist gestiegen – von rund 436.000 im Jahr 2011 auf knapp 465.000 im Jahr 2012. Das mag insgesamt noch nicht dramatisch sein, zeigt aber einen Trend. Kein Wunder wiederum ist, dass derzeit westdeutsche Frauen überproportional von dieser Entwicklung betroffen sind. Viele von ihnen, die jetzt das Rentenalter erreichen, haben nur geringfügig gearbeitet. Doch dieses Bild wird ergänzt werden – sobald das Heer der heutigen Niedriglöhner und Hartz-IV-Empfänger das entsprechende Alter erreicht hat. Dann wird der Osten wieder ‚Spitze‘ sein. Um das Problem zu mildern, bedarf es in erster Linie gar keiner weiteren Rentenreform. Viel wichtiger wäre eine solide Arbeitsmarktpolitik.“

Der Reutlinger General-Anzeiger meint: „Immer mehr Senioren sind arm. Ihre Rente reicht nicht zum Leben – das ist bitter. Bereits heute zeigt sich, dass es ein Fehler war, das Rentenniveau drastisch zu kürzen und dafür die Riester-Rente einzuführen. Das erste Wetterleuchten dieser Politik wird bereits jetzt sichtbar. Wer wenig verdient, oder eine unterbrochene Erwerbsbiografie vorweist, ist schnell von Altersarmut bedroht. Das Rentensystem bedarf also einer dringenden Korrektur.“

Der für seine Region wichtige Nordbayerische Kurier druckt: „So manche einst gut situierte Frau in Westdeutschland, die in jungen Jahren wenig bis nichts in die Rentenkasse einzahlte, hat sich böse verrechnet. ‚Meine Frau muss nicht arbeiten gehen‘ – der Satz war in den Sechzigern mal Ausdruck neu gewonnen Wohlstands, und viele Familien – heute kaum noch vorstellbar – waren stolz, dass Frauen sich ganz dem Haushalt und den Kindern widmeten. Jetzt fallen diese Frauen durch das Raster des Rentenrechts. Zur Wahrheit gehört auch: Diese Löcher im Rentenrecht werden immer größer werden, selbst wenn eine große Koalition Mütterrenten für alle und Mindestlöhne durchsetzen wird. Nicht einmal ein ganzes (sozialversicherungspflichtiges) Arbeitsleben wird eine Rente garantieren, von der man im Alter würdig leben kann.“

Der Mannheimer Morgen gibt zu bedenken: „Die Koalitionsverhandlungen wären ein Anlass, endlich einen Einstieg in die Reformen zu beschließen. Selbst dies wäre nur ein kurzfristiger Ansatz. Denn die künftige Gesellschaft der Alten wird gespalten sein. Es wird eine Mehrheit geben, die in jeder Hinsicht gut ausgestattet ist. Und es wird eine starke Minderheit geben, die am Rande des Existenzminimums herumkrebst. Das stellt auch die Kommunen vor gewaltige Aufgaben, wenn allen Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht werden soll.“

Die norddeutsche Nordsee-Zeitung schreibt: „Altersarmut ist in Deutschland nicht nur eine statistische Größe, sie ist schändliche Realität. Sichtbar für jeden, der offenen Auges durch die Straßen geht. Und sie wächst, wie die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Noch nie erhielten so viele Alte Grundsicherung wie im vergangenen Jahr. Die versteckte Armut derjenigen, die sich aus Unwissen oder Scham nicht trauen, einen Antrag zu stellen, ist dabei noch gar nicht erfasst.“

http://www.n-tv.de/politik/pressestimmen/Kuerzung-war-ein-Fehler-article11588821.html

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22.10.2013

Eine halbe Million Rentner müssen aufstocken

Wenn die Rente nicht reicht, bekommen Ruheständler einen Zuschuss vom Staat. Das sind inzwischen 465.000 Menschen – deutlich mehr als vor einem Jahr.

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Immer mehr Ältere in Deutschland kommen mit ihrer Rente nicht mehr über die Runden und sind deshalb auf einen staatlichen Zuschuss angewiesen. Ende des vergangenen Jahres gab es 465.000 Menschen über 65 Jahre, die die sogenannte Grundsicherung im Alter, besser bekannt als Sozialhilfe, bezogen. Zwei Drittel davon waren Frauen, die vor allem in Westdeutschland lebten.

Im Osten, mit Ausnahme von Berlin, haben viele Frauen noch aus DDR-Zeiten höhere Rentenansprüche erworben und sind deshalb nicht vom Staat abhängig. Gegenüber 2011 ergibt sich ein Anstieg um 6,6 Prozent, wie aus einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Im Bundesdurchschnitt sind 30 von 1000 Einwohnern im Rentenalter auf aufstockende Leistungen angewiesen. Am größten ist der Anteil in den Stadtstaaten Hamburg (62), Bremen (55) und Berlin (53). Die steigenden Kosten für Grundsicherung im Alter belasten die öffentlichen Kassen zunehmend. Im Jahr 2005 gab es nur 343.000 Bezieher. Deshalb hat der Bund die Übernahme der Kosten von den Kommunen zugesagt.

Wie die Wiesbadener Statistiker weiter mitteilten, gab es zum Ende des vergangenen Jahres zudem 435.000 Empfänger von Grundsicherung wegen dauerhafter Erwerbsminderung. Das sind Menschen, die vor Erreichen des Rentenalters schon Bezüge erhalten, weil sie nicht mehr arbeitsfähig sind. Beide Gruppen zusammengenommen kommt man auf eine Zahl von knapp 900.000 Leistungsbeziehern. 2005 waren es gerade mal 630.000 gewesen.

Für Sozialhilfe gab der deutsche Staat 2011 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) rund 23 Milliarden Euro aus. Grundsicherung im Alter und Erwerbsminderung stehen dabei nur für ein Siebtel der Kosten. Der mit Abstand größte Block entfällt dabei mit 57 Prozent auf Eingliederungshilfen für behinderte Menschen.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/grundsicherung-eine-halbe-million-rentner-muessen-aufstocken-12628279.html

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19.10.2013

Die addierte Renten-Illusion der großen Koalition

Eine spendable Rentenpolitik hat aus Sicht der Politiker den Charme, dass die Zeche vorwiegend von denjenigen zu begleichen ist, die heute noch nicht wählen dürfen: den künftigen Beitragszahlern.

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Die große Koalition rückt näher. Mit dem flächendeckenden Mindestlohn kann SPD-Chef Gabriel einen entscheidenden Punkt für sich verbuchen. Die Union wiederum wird sich brüsten, Steuererhöhungen verhindert zu haben.

Ein drittes Thema, das im Wahlkampf eine große Rolle spielte, war die Rente. Doch es ist nicht zu erwarten, dass hierüber ähnlich hart gekämpft wird. Denn beide Lager wollen im Prinzip das Gleiche: neue Wohltaten verteilen. Und zwar – da sich sowohl Union als auch SPD als Volksparteien verstehen – an möglichst viele Menschen.

Anders als beim Mindestlohn und bei den Steuern, wo die Rechnung immer von einem Teil der Wähler zu zahlen ist, hat eine spendable Rentenpolitik aus Sicht der Politiker den Charme, dass die Zeche vorwiegend von denjenigen zu begleichen ist, die heute noch nicht wählen dürfen: den künftigen Beitragszahlern.

Einfache Addition

Und so wird es am Ende wohl darauf hinauslaufen, dass die Vorschläge von beiden Lagern einfach addiert werden: Dann gibt es die von der Union propagierte Mütterrente ebenso wie die SPD-Solidarrente für Geringverdiener und die von beiden Lagern in Aussicht gestellte Verbesserung für Invalidenrentner. Und auch den von Sozialdemokraten auf Druck der Gewerkschaften geforderten großzügigen Ausnahmen von der Rente mit 67 dürften sich Unionspolitiker kaum entgegenstellen.

Dass derzeit die Rentenkasse infolge der guten Arbeitsmarktlage prall gefüllt ist, erleichtert es, großzügig zu sein. Doch jede Leistung, die heute ausgeweitet wird, belastet die gesetzliche Alterssicherung auf Jahrzehnte hinaus. So zahlen wir noch heute jährlich viele Milliarden Euro, weil in den Neunzigerjahren ältere Arbeitnehmer mit attraktiven Rentenregelungen scharenweise in den Vorruhestand gelockt wurden. Umgekehrt wird die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre erst 2030 seine volle entlastende Wirkung entfalten.

Die Alterung der Gesellschaft stellt die Alterssicherung vor eine nie da gewesene Belastungsprobe. Denn die gesetzliche Rentenversicherung lebt von der Hand in den Mund: Die Beitragszahlungen der Jungen gehen direkt an die heutigen Senioren. Finanzreserven für die Zukunft werden in diesem Umlageverfahren nicht gebildet. Wenn demnächst die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, schrumpft die Zahl der Beitragszahler drastisch. Die Einführung der Riesterrente und die schrittweise Absenkung des Rentenniveaus sowie der Einstieg in eine längere Lebensarbeitszeit waren politische Kraftakte, die die wichtigste Stütze des hiesigen Sozialstaats zukunftsfest gemacht haben.

Doch trotz dieser Reformen wird der Beitragssatz auf längere Sicht steigen, ebenso wie der Steuerzuschuss in die Rentenkasse, der schon heute der größte Einzelposten im Bundeshaushalt ist. Wer vor diesem Hintergrund neue Leistungen draufsattelt, begreift nicht ansatzweise die demografische Herausforderung, vor der Deutschland steht – oder handelt zynisch nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut“.

Die Mär von der Altersarmut

Den Boden für die bevorstehende Umverteilung von Jung nach Alt haben Gewerkschaften, Opposition und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in den vergangenen Jahren bereitet. Es wurden Horrorszenarien von einer grassierenden Altersarmut entwickelt. In der Bevölkerung glaubt mittlerweile nur noch eine Minderheit, im Alter ausreichend Geld zum Leben zu haben – was absurd ist.

Auch wird der Anteil der bedürftigen Ruheständler meist völlig überschätzt. Es gab bislang keine Rentengeneration, der es so gut ging wie der heutigen: Weniger als drei Prozent der über 65-Jährigen leben von staatlicher Fürsorge. Unter den Kindern ist dieser Anteil fünf Mal so hoch.

Dass jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat, im Alter besser dastehen soll, als derjenige, der stets von der Gesellschaft alimentiert wurde, klingt zunächst überzeugend. Doch dieses Argument für die Solidarrente – bei der Union heißt sie Zuschussrente – ist nicht stichhaltig. Denn eine Aufwertung der Rentenansprüche von Geringverdienern durchbricht das tragende Element der hiesigen Alterssicherung: Es besteht darin, dass die geleisteten Beiträge die Höhe der späteren Rente bestimmen. Wer dieses Äquivalenzprinzip durchbricht, öffnet der Willkür Tür und Tor.

Alte müssen besser dazuverdienen können

Einschnitte am oberen Ende der Rentenskala könnten dann auch irgendwann mit dem Gummibegriff der „sozialen Gerechtigkeit“ begründet werden.

Der bessere Weg zur Vermeidung von Altersarmut sind nicht systemwidrige Vergünstigungen für bestimmte Gruppen, sondern bessere Zuverdienstmöglichkeiten für Ältere.

Flexiblere Übergänge in den Ruhestand generieren zudem nicht nur zusätzliches Einkommen, sondern dämpfen auch die Folgen des demografischen Wandels am Arbeitsmarkt.

Auch bei der Mütterrente ist viel von sozialer Gerechtigkeit die Rede. Die Union nennt es unfair, dass Mütter, die vor 1992 ihre Kinder bekommen haben, nur ein Jahr als Erziehungszeit bei der Rente angerechnet bekommen, jüngere Mütter dagegen drei Jahre.

Als ersten Schritt möchten CDU und CSU deshalb auch den älteren Frauen zwei Erziehungsjahre gewähren. Doch stehen heutige Rentnerinnen keineswegs schlechter da als die jüngeren Frauen. Im Gegenteil. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Rentengesetze verabschiedet worden, die vielerlei Leistungskürzungen für künftige Ruheständlerinnen beinhalten. Für Jahrgänge bis 1991 etwa gab es noch die Rente nach Mindestentgeltpunkten, eine Aufstockung, die vor allem Frauen zugute kam. Auch die Hinterbliebenenversorgung war früher deutlich großzügiger.

Nicht familienfreundlich

Und so stimmt es zwar, dass viele ältere Mütter aufgrund ihrer Familienarbeit nur geringe eigene Rentenansprüche erworben haben. Doch die Absicherung über ihre Männer schützt sie vor Altersarmut.

Ohnehin ist das Instrument der Erziehungszeiten alles andere als familienfreundlich. Zwar ist es richtig, dass die Rentenversicherung anerkennt, dass Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder einen ebenso wichtigen Part zum Erhalt des Systems leisten wie die Versicherten mit ihren Beiträgen. Die Kosten für höhere Mütterrenten zahlen jedoch am Ende stets deren eigene Kinder und eben nicht die Kinderlosen.

SPD und Union müssen aufpassen, im Wettstreit um die Gunst der Rentner die Jungen nicht völlig aus dem Blick zu verlieren.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article121030371/Die-addierte-Renten-Illusion-der-grossen-Koalition.html

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18.10.2013

Rentner nagen heute schon an der Hungergrenze“

In Zukunft werden immer mehr Menschen unter Altersarmut leiden. Wie eine Studie ergab, sorgt jeder dritte Deutsche nicht für das Alter vor. Die FOCUS-Online-Community kann das zum Teil bestätigen – viele Leser sind der Meinung, dass kein Geld zum Sparen übrig bleibt.

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In Deutschland macht sich Angst vor Armut im Alter breit. Trotzdem meiden laut einer Studie viele Menschen Investitionen in eine private Altersvorsorge. Sie hoffen stattdessen auf die staatliche Rente und einen Vorsorgezwang. Deshalb werden in Zukunft immer mehr Menschen unter Armut im Alter leiden – davon sind 89 Prozent der Berufstätigen überzeugt, die das Allensbach Institut im Auftrag der Postbank befragte. Vielen FOCUS-Online-User bereitet das Thema ebenfalls große Sorgen:
„Bereits heute sind in den Großstädten Rentner unterwegs, die mittels Pfandflaschen ihre Rente aufbessern“, beklagt
Andreas Freistein. Es könnten sich nur noch die eine Rente leisten, die entweder direkt ins Renteneintrittsalter gelangen, weil sie in ihrem beruflichen Werdegang nie arbeistlos waren, oder solche, die sich den Beamtenstatus erworben haben. Freistein sieht für die Zukunft schwarz: „Altersarmut ist kein Problem von morgen. Gibt es in Zukunft noch genügend Pfandflaschen für jene ohne auskömmliche Rente?“

Christian Krippenstapel fragt sich: „Hat denn irgendjemand das Märchen vom umlagefinanzierten Rentensystem, das angeblich sicher ist, geglaubt?“ Und stellt fest: „Schwer war es jedenfalls nicht zu erkennen, dass Riester nur ein steuerbegünstigtes Zuckerli für Bänker war.“ Es sei doch logisch, dass es keine sichere Altersversorgung geben kann, wenn alle nur arbeiten, aber keine Kinder mehr haben. Und weil Regierungen dazu neigen würden, Rücklagen rückstandslos zu verpulvern.

Gegen Altersarmut hilft Immobilienbesitz“

FOCUS-Online-Leser Reiner Ernst hat für sich eine Lösung gefunden: „Als private Vorsorge ist letztendlich nur Immobilienbesitz sinnvoll.“ Für das Alter Geldvermögen anzusparen, sei ein völlig unwägbares Risiko. Denn niemand könne die Inflationsrate vorausahnen. Und mit der einhergehenden Überbevölkerung werden die Ressourcen leider immer knapper – sprich teurer.

Thomas Caspari fügt hinzu, dass „man einfach die Prioritäten richtig setzen sollte“ – dann sei Altersvorsorge kein Problem. Bei Verzicht auf Smartphones, Bezahlfernsehen, überflüssige Versicherungen könne „man monatlich locker 100 bis 150 Euro sparen und in eine private Altersvorsorge einzahlen“, findet er. Deshalb zahlt Caspari monatlich rund 150 Euro in eine Pensionskasse, die sein Arbeitgeber bezuschusst. „Wenn ich in einigen Jahren in Rente gehe, kann ich mich auf eine lebenslange Zusatzrente freuen.“

Politiker stehen in der Verantwort“

Andere FOCUS-Online-User sehen die Verantwortlichen für die aktuelle Misere eher in der Politik. Georg Henzler schreibt: „Mit der Niedrigzinspolitik unterhalb der Inflationsrate schröpft Finanzminister Schäuble alle Sparer und alle, die eine Altersvorsorge betreiben.“ Er enteigne die privaten Guthaben durch massenhafte Geldvermehrung, niedrige Zinsen und Inflation über dem Spar-Zinssatz. „Dem nicht genug, er nimmt auch noch 25 Prozent Abschlagssteuer von den mickrigen Zinsen“ schimpft Henzler. Sein Fazit: Wer sein Geld verprasse und ein feudales Leben führe, der stehe im Alter vermutlich nicht schlechter da als Sparer.

Verena Rosenberg findet zudem, dass das Problem vertagt werde, „indem die Staatsschulden immer weiter aufgebläht werden. Der Knall der dann unweigerlich kommen muss ist wahrscheinlich lauter als eine Nuklearexplosion.“ Es werde Zeit, die „Alten“ in der Politik gegen junge Menschen zu ersetzen, „die diesen Knall noch miterleben werden“.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/focus-online-user-zur-altersarmut-die-besorgnis-steigt-rentner-nagen-heute-schon-an-der-hungergrenze_aid_1130831.html

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14.10.2013

Deutschland: Renten-Skepsis erreicht Allzeithoch

Die Beschäftigten in Deutschland sehen ihrer Pension äußerst skeptisch entgegen: 42 Prozent glauben einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge, dass ihre künftige Pension nicht zum Leben reichen werde.

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Das sind vier Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr, teilte der DGB am Montag in Berlin mit. Weitere 40 Prozent seien der Ansicht, dass ihre Pension „gerade ausreichen“ werde. Nur 18 Prozent der Beschäftigten glauben demnach, dass ihre Pension gut oder sehr gut reichen werde.

Der DGB forderte daher die neue Bundesregierung auf, „die Notbremse“ zu ziehen und „den Absturz der Rentenniveaus“ zu stoppen. Der Pensionsversicherungsbeitrag dürfe nicht weiter gesenkt werden, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Vielmehr müsse eine „Demografie-Reserve in der gesetzlichen Rentenversicherung aufgebaut“ werden. „Wir brauchen einen neuen Rentenkonsens“, forderte sie. Es müsse verhindert werden, dass die Rücklagen der Pensionsversicherung leergeräumt würden. Wenn die nächsten vier Jahre „verschenkt“ würden, gerate das gesamte Pensionssystem auf lange Sicht „in eine folgenschwere Krise“.
Der Sozialverband VdK forderte einen parteiübergreifenden Pensionspakt, „um Altersarmut vorzubeugen“. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher erklärte: „Mini-Jobber, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, Erwerbsgeminderte durch Krankheit oder Frauen in Teilzeit – sie alle sind durch niedrige Löhne von Armut im Alter bedroht.“ Auch der VdK wandte sich gegen eine Senkung des Pensionsbeitrags. Dabei verwies er auch auf eine Allensbach-Umfrage, derzufolge 64 Prozent der Bundesbürger aus Angst vor Altersarmut gegen niedrigere Pensionsbeiträge seien.
Die Linke warnte vor einem „Renten-Gau“. Fraktionsvize Sarah Wagenknecht kündigte an, ihre Partei werde dies zur „Chefsache in der Opposition“ machen. So werde sie Initiativen zur Wiederherstellung des Pensionsalters 65 Jahre ergreifen.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hielt dem DGB hingegen vor, die Alterssicherung dürfe nicht einseitig auf die gesetzliche Pension ausgerichtet sein. Sie müsse auf den „drei Säulen“ gesetzliche Pension, betriebliche und private Vorsorge basieren. „Wir brauchen keine Rolle rückwärts in der Rentenpolitik“, erklärte der Verband. Der GDV forderte von einer neuen Bundesregierung unter anderem eine verstärkte Förderung der „Riester-Rente“ (staatlich geförderte private Pensionsvorsorge) und neue Impulse für die betriebliche Vorsorge.
Die Repräsentativbefragung des DGB hatte den Angaben zufolge auch ergeben, dass sich die betriebliche Altersvorsorge zwar in einigen Branchen gut entwickelt habe. Insgesamt hätten aber knapp ein Drittel der Beschäftigten (31 Prozent) gar keine Angebote von ihren Arbeitgebern erhalten, weitere 38 Prozent nur in geringem Maße.

http://www.format.at/articles/1342/931/367859/deutschland-renten-skepsis-allzeithoch

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11.06.2013

Statistik: Jede zweite Rente 2012 niedriger als Hartz IV-Leistungen

Jede zweite Rente in Deutschland lag im vergangenen Jahr unter dem Niveau von Hartz IV-Leistungen. Das berichtet die “Bild-Zeitung” (Dienstagausgabe) unter Berufung auf die neue Statistik der Deutschen Rentenversicherung. Danach erhielten 2012 insgesamt 48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner weniger als 700 Euro netto im Monat.

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Diese Summe steht Senioren im Schnitt als Grundsicherung im Alter inklusive Miete und Heizung zu. Bei denjenigen, die erst 2012 in Rente gegangen sind, lag der Anteil der Renten unter 700 Euro sogar bei 54,85 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil der Renten unter 700 Euro bei Altersrentnerinnen im Westen. Dort betrug er rund 73 Prozent. Bei Erwerbsunfähigen, die 2012 in Frührente gegangen sind, lag er zwischen 57,25 Prozent (Männer West) und 69,2 Prozent (Männer Ost). Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, forderte deshalb eine Rücknahme der Rentenreformen. “Die Gefahr, im Alter zu verarmen, steigt immer weiter”, sagte Mascher der “Bild-Zeitung”. “Damit die Einstiegsrenten nicht weiter im Sinkflug bleiben, muss die Absenkung des Rentenniveaus von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent bis zum Jahr 2030 gestoppt werden: Bei 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns muss Schluss sein.” (dts Nachrichtenagentur)

http://www.netzticker.com/allgemein/statistik-jede-zweite-rente-2012-niedriger-als-hartz-iv-leistungen-2/148893

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24.04.2013

Trotz privater Vorsorge

Angst vor Armut im Alter – Rentenlücke noch größer als gedacht

Dass die gesetzliche Rente nicht mehr für ein sorgenfreies Leben im Alter reicht – darüber herrscht Einigkeit. Vorsorge ist nötig. Aber wie viel? Nun zeigt eine Studie: Es fehlt mehr Geld als bisher angenommen.

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Fast 350 Euro könnten einem deutschen Durchschnittrentner im Alter fehlen – selbst wenn er privat vorgesorgt hat. Zum diesem Ergebnis kommt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Vermögensverwalters Fidelity. Entgegen bisherigen Schätzungen reichten 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens nicht aus, um den Lebensstandard zu halten, so die Forscher. Nach ihren Berechnungen ist dafür ein Pensionsniveau von 87 Prozent nötig.„Was die Lebensstandard-Sicherung im Alter konkret bedeutet, wurde in Deutschland bislang nicht untersucht“, erklärt Martin Werding, Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität und Autor der Studie. „Der Bedarf im Alter wurde von der Fachwelt entweder theoretisch abgeleitet oder willkürlich vorgegeben. Alle Versuche, ein angemessenes Niveau der Vorsorge zu bestimmen, hingen somit empirisch in der Luft.“Um diese Wissenslücke zu schließen, werteten die Forscher Daten des Sozio-ökonomischen Panels des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW Berlin aus, einer repräsentativen Längsschnittbefragung von 20 000 Personen in rund 11 000 privaten Haushalten. Analysiert wurden Personen, die zwischen 1992 und 2011 in Rente gegangenen sind. Die Forscher untersuchten dabei die Zufriedenheit mit dem im Alter zur Verfügung stehenden Einkommen.

650 Euro zu wenig

Ergebnis: Der oft empfohlene Wert von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens reicht nicht. Erst bei einem Wert von 87 Prozent herrscht Zufriedenheit. Das entspricht einer Lücke von 350 Euro im Monat.

Da die gesetzliche Rente im Idealfall nur knapp 60 Prozent des im Laufe des Berufslebens erzielten Durchschnittseinkommens abgedeckt, fehlen deutschen Rentnern, die überhaupt nicht privat vorsorgen, im Schnitt sogar 650 Euro.

Da die Menschen offenkundig von sich aus zu wenig vorsorgten, sei es nötig, dass ein Teil des Gehalts automatisch in die Vorsorge fließe, sagt Klaus Mössle von Fidelity. Deshalb plädiert er für einen Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge, die zu einer tragenden Säule der privaten Vorsorge werden müsse. „Der Anteil der betrieblichen Altersvorsorge an den Gesamtrentenbezügen liegt in Deutschland lediglich bei vier Prozent. Künftig werden jedoch 25 bis 30 Prozent notwendig sein, um diese deutlich höhere Ersatzquote von 87 Prozent zu erreichen“, so Mössle.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/sorgenfrei-in-den-ruhestand-rentenluecke-im-alter-groesser-als-gedacht_aid_970163.html

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17.04.2013

Reale Minusrunde für Rentner in Westdeutschland

Mehr Geld für Millionen Ruheständler in Deutschland: Die Regierung hat die Erhöhung der Rentenbezüge beschlossen. Für die Empfänger im Westen handelt es sich aber in Wirklichkeit um eine Minusrunde.

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Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland erhalten ab 1. Juli mehr Geld. Die Bundesregierung beschloss die diesjährige Rentenerhöhung, die für die 16,6 Millionen Ruheständler im Westen aber mager ausfällt. Ihre Bezüge steigen nur um 0,25 Prozent.

Die Altersbezüge der etwa vier Millionen Rentner im Osten werden indes um 3,29 Prozent angehoben. Bei einer Monatsrente von 1000 Euro sind das im Westen 2,50 Euro und im Osten 32,90 Euro mehr.

Für die Rentner im Westen ist dies real also eine Minusrunde: Ihre Anhebung wird von der erwarteten Preissteigerung von etwa 1,5 Prozent aufgezehrt.

Für die Rentenversicherung bedeutet die Erhöhung im zweiten Halbjahr 2013 Mehrausgaben von rund 1,1 Milliarden Euro. Ab 2014 belaufen sich die Mehrausgaben auf rund 2,2 Milliarden Euro.

Für die Rentenkasse ist dies leicht zu schultern: Sie verfügt über Rücklagen von annähernd 30 Milliarden Euro.

Kein Nachholeffekt im Osten

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Höhe der Rentenanpassung vor vier Wochen mitgeteilt. Die große Differenz zwischen Ost und West erklärte sie mit Unterschieden in der Lohnentwicklung.

Im Osten ist die maßgebliche beitragspflichtige Lohnsumme im Jahr 2011 allerdings nicht gestiegen, weil die Löhne einen Sprung gemacht hätten, sondern weil vor allem nur dort die Beitragsbemessungsgrenze angehoben worden war.

Im Westen wird die Anhebung zusätzlich dadurch verringert, dass dort noch in der Vergangenheit unterbliebene Rentenkürzungen zum Teil mit der Erhöhung verrechnet werden. Im Osten schlägt dieser Nachholeffekt nicht mehr zu Buche.

Mit der diesjährigen Rentenerhöhung kommt die Angleichung Ost an West deutlich voran. Der Rentenwert Ost entspricht dann 91,5 Prozent des Wertes im Westen statt derzeit knapp 89 Prozent. Aus dem Rentenwert und der Zahl der Beitragsjahre ergibt sich die Höhe der tatsächlich gezahlten Rente.

http://www.welt.de/wirtschaft/article115359200/Reale-Minusrunde-fuer-Rentner-in-Westdeutschland.html

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11.03.2013

Alarmierende Studie: Rentensystem vor der Kernschmelze

Der Renteneintritt der Babyboomer setzt die Rentenversicherung schon bald unter erheblichen Druck. Laut einer Studie muss die Politik dringend eine Großreform in die Wege leiten – sonst droht der Renten-Gau.

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Mitten in die Vorbereitungen der Parteien für den Bundestagswahlkampf platzt eine dramatische Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zur Standfestigkeit des deutschen Rentensystems. Die Befunde sind mehr als ernüchternd und setzen die Politik unter massiven Handlungsdruck. Denn offenkundig reichen die zahlreichen Reformen der vergangenen Jahre nicht aus, um die Rente auch für die kommenden Jahre abzusichern – es sei denn, die Beitragszahler werden über Gebühr belastet, bei gleichzeitiger Inkaufnahme des Absinkens des Rentenniveaus. Doch das würde neue Probleme aufwerfen.

Was auf das Rentensystem zukommt und belastend wirkt, sind vor allem die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1970, die demnächst aus dem Berufsleben ausscheiden. Infolgedessen wird das Niveau der Renten in Deutschland weiter sinken und der Beitragssatz steigen müssen. Um eine langfristige Unterfinanzierung der gesetzlichen Rentenkassen zu verhindern, reichen nach Einschätzung der Studienautoren einzelne Veränderungen nicht aus, sondern nur ein Paket an Maßnahmen.

Das ergibt eine Simulationsrechnung der Experten zur langfristigen Tragfähigkeit des deutschen Rentensystems. Danach werden die bereits vorgenommenen Rentenreformen, aber auch eine weiter steigende Arbeitsproduktivität durch technischen Fortschritt nicht ausreichen, um das Rentensystem langfristig stabil zu finanzieren.

Wirklich entlastende Effekte würde dagegen die Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung bewirken – also eine Art „Bürgerversicherung“. Darüber hinaus auch eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen, eine tiefgreifende Verbesserung der Bildungsstruktur oder eine nochmalige Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Der zusätzliche Druck auf das Rentensystems ergibt sich nach den Berechnungen aus dem anhaltenden demographischen Wandel in der deutschen Bevölkerung. Während heute der Anteil der über 65-Jährigen bei 30 Prozent liegt, sieht die Prognose für 2030 einen Anteil von 49 Prozent und für 2060 von 63 Prozent. Damit entsteht spätestens ab 2030 ein neuer Anpassungsbedarf in der gesetzlichen Rentenversicherung.

(Hinweis der Redaktion: Die Bertelsmann-Stiftung hat die Zahlen nach einem Hinweis des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe im Nachhinein korrigiert, da die Behauptung, dass 2060 der Anteil der über 65-jährigen auf 63 Prozent steige, irreführend ist. Gemeint ist nämlich nicht, wie die Stiftung ursprünglich suggeriert hatte, der „Anteil“ der Alten an der Gesamtbevölkerung, sondern deren prozentuales „Verhältnis“ zur Anzahl der 15- bis 64-Jährigen. Der Anteil der Alten an der Gesamtbevölkerung dürfte 2060 demnach nur bei 33 Prozent liegen, halb so hoch wie zunächst angegeben.)

Zwar werden sich bis 2030 die Veränderungen von Beitragssatz und Rentenniveau in Grenzen halten. So wird der Beitragssatz auf 21,3 Prozent ansteigen, während das Rentenniveau auf 45,2 Prozent absinkt. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Geburtenrate gleichbleibt, die Lebenserwartung nur zwei Jahre pro Dekade steigt und die Nettozuwanderung bei durchschnittlich 150.000 pro Jahr liegt. Die weitere Fortschreibung dieser Größen bis zum Jahr 2060 würde allerdings dazu führen, dass der Beitragssatz auf 27,2 Prozent ansteigen muss, wenn wenigstens noch ein Rentenniveau von 41,2 Prozent erreicht werden soll.

Auch ein beschleunigtes Wachstum von Arbeitsproduktivität und Löhnen könnte dabei nicht für nennenswerte Entlastungen sorgen. Selbst bei einem jährlichen Produktivitätsfortschritt von 1 Prozent ließe sich der Anstieg des Beitragssatzes nur um 0,7 Prozentpunkte auf 26,5 Prozent begrenzen.

Den schnellsten und größten Erfolg verspräche allerdings die direkte Ausweitung des Versichertenkreises durch die Einführung der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht für Selbstständige und Beamte, sind die Experten überzeugt. Durch ihre Einbeziehung in die gesetzliche Rentenversicherung könnte die Senkung des Rentenniveaus und der gleichzeitig steigende Beitragssatz gestoppt werden. Unter diesen Bedingungen wäre schon 2020 ein Rentenniveau von 48,5 Prozent bei einem Beitragssatz von 18,9 Prozent möglich. Und auch in der Langfristperspektive würde der Effekt erheblich sein. Das heißt, 2060 würde ein Beitragssatz von 24,7 Prozent für ein 50,8-prozentiges Rentenniveau ausreichen.

Berechenbare aber deutlich geringere Erfolge versprechen eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine verbesserte berufliche Qualifikationsstruktur der Beschäftigten sowie längere Lebensarbeitszeiten. Könnte die durchschnittliche Frauenerwerbsquote in der Gruppe der 30- bis 55-Jährigen auf das Niveau der Männer (92 Prozent) gesteigert werden, würde sich der Beitragssatz 2060 im Vergleich zum Referenzszenario um 0,5 Prozentpunkte auf 26,7 Prozent reduzieren lassen und das Rentenniveau würde mit 41,8 Prozent um 0,6 Prozentpunkte darüber liegen, heißt es in der Studie. Würde dagegen das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 69 Jahre erhöht und so das effektive Rentenalter auf 67 Jahre angehoben, könnte 2060 immerhin ein Rentenniveau von 42,3 Prozent bei einem Beitragssatz von 26,2 Prozent gewährleistet werden.

Den vergleichsweise schwächsten Effekt auf die Rentenfinanzen würde aus Expertensicht die Verbesserung der Qualifikationen in Deutschland liefern. Ließe sich etwa der Trend zur Höherqualifizierung so weiter entwickeln, dass bis 2030 der Anteil von Personen mit Hochschulabschluss von heute 18 Prozent auf 35 Prozent wächst und dass gleichzeitig der Anteil von Menschen ohne beruflichen Bildungsabschluss von 19 auf neun Prozent sinkt, so ließe sich der Beitragssatz im Jahr 2060 um lediglich 0,2 Prozentpunkte auf 27 Prozent reduzieren.

Größere Effekte als einzelne Maßnahmen würden von einem Maßnahmenbündel ausgehen. Gelänge es, gleichzeitig Renteneintrittsalter und Frauenerwerbsbeteiligung zu erhöhen sowie die Bildungsstruktur zu verbessern, wäre im Jahr 2060 immerhin ein Rentenniveau von 42,5 Prozent bei einem Beitragssatz von 25,5 Prozent zu erwarten.

Wenn die gesetzliche Rentenversicherung trotz der älter werdenden und schrumpfenden Bevölkerung finanzierbar und leistungsfähig bleiben soll, wird das sicherlich nicht ohne steigende Beiträge gehen. Wir haben es aber in der Hand, woher die Beiträge kommen“, resümiert Eric Thode, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Studie. „Um die Lasten gleichmäßig und fair zu verteilen, brauchen wir eine Mischung aus steigender Arbeitsproduktivität, höherer Erwerbsbeteiligung und neuen Beitragszahlern.“ Nur so ließen sich langfristig eine Überforderung der Versichertengemeinschaft vermeiden und das Rentenniveau stabilisieren, so Thode weiter.

Aber nur wenn schon heute gleich eine Reihe von substanziellen Maßnahmen ergriffen werden, lassen sich die notwendigen Veränderungen behutsam und schrittweise umsetzen.“ Das Thema der langfristigen Sicherung der Rentenfinanzen sollte damit ohne Frage zu den Kernanliegen der Regierung nach den Wahlen gehören.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/alarmierende-studie-rentensystem-vor-der-kernschmelze/7908096.html

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02.02.2013

Neuer Trend: Deutsche Rentner werden kriminell

Bereits sechs Prozent aller Straftäter sind über 60 Jahre alt, 70 Prozent von ihnen werden im Alter zum ersten Mal straffällig. Der Bund Deutscher Kriminalbeamten will nun mildere Strafen für die Rentner – weil sie, wie die Jugendlichen aus Geldmangel in der Straftat ihren letzten Ausweg sehen.

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Der Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, fordert ein „Seniorenstrafrecht“: Rentner, die eine Straftat begehen, sollen weniger hart bestraft werden als normale Bürger. Der BDK-Vorsitzende sagte der Hamburger Morgenpost“, dass bei der Bestrafung von Rentnern die steigenden Altersarmut zu berücksichtigen sei. Viele Rentner könnten nur noch überleben, indem sie sich all kriminelle Weise ein Zubrot verschaffen. Die rechtliche Sonderstellung für Alte soll dem Jugendstrafrecht entsprechen: Auch Jugendliche bekommen für Vergehen ein geringeres Strafmaß, weil ihnen die volle Einsicht in ihre Tat fehlt.

Offenkundig ist die Kriminalität bereits ein regelrechter Modesport unter den deutschen Senioren: Mehr als sechs Prozent aller Straftäter sind über 60 Jahre alt. Die meisten von ihnen haben die Möglichkeit der Illegalität erst im hohen Alter als Einnahmequelle entdeckt. Vor allem Online-Betrügereien erfreuen sich großer Beliebtheit bei den deutschen Rentnern.
BDK-Mann Schulz glaubt, dass die Rentner aus Not handeln, weil sie ihre Miete oder sogar ihre Lebensmittel nicht mehr bezahlen können. „Diese besonderen Bedingungen, die Senioren zu Tätern werden lassen, müssen im Strafrecht Beachtung finden“, sagte Schulz.

Umgekehrt sind die Alten verstärkt Opfer von Betrügern. Ganze Banden haben sich darauf spezialisiert, den Senioren die Ersparnisse aus der Tasche zu ziehen, sagte Schulz. Er forderte, dass diese Banden härter bestraft werden müssen. Der Betrug an den Alten soll ähnlich behandelt werden wie die Kindesmisshandlung.

Schulz ließ offen, ob er mit dem bandenmäßigen Betrug auch die Politik meine, wenn sie eines Tages den Rentnern die Ersparnisse aus den Taschen inflationieren werde. Er sagte auch nicht, ob die Straferleichterung für Politiker gelte, die die entsprechenden Gesetze beschließt. Immerhin sind die meisten von ihnen über 60 Jahre alt und würden demnach unter das neue Seniorenstrafrecht fallen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/02/neuer-trend-deutsche-rentner-werden-kriminell/

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14.11.2012

Sozialverband: Hürden für Zuschussrente zu hoch

Die von der Bundesregierung angekündigte Zuschussrente ist nach Ansicht des Sozialverbandes realitätsfremd. Es gäbe zu hohe Hürden, die ein Geringverdiener praktisch nicht überspringen kann.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Position vertritt der SoVD bezüglich des Plan der Regierung, die Renten für ärmere Haushalte aufzustocken?

Adolf Bauer:Das Ziel, die wachsende Gefahr der Altersarmut zu bekämpfen, ist richtig. Allerdings ist mit dem jetzt beschlossenen Vorhaben von Schwarz-Gelb nichts gewonnen. Denn die Hürden für die Inanspruchnahme der sogenannten Lebensleistungsrente sind viel zu hoch. 40 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung und dazu eine zusätzliche private Altersvorsorge als Voraussetzung – das geht an der Lebensrealität der betroffenen Menschen vorbei.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Ist die Höhe der Aufstockung angemessen?

Adolf Bauer: Über die genaue Höhe der Rente streitet die Koalition seit einer Woche. Insofern bleibt abzuwarten, um welchen Betrag es am Ende geht. Fest steht aber schon heute, dass die bisher bekannten 10 oder 15 Euro über der Grundsicherung nach 40 Arbeitsjahren den Namen ‘Lebensleistungsrente’ nicht verdienen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Präferieren Sie die Lebensleistungs- oder die Zuschussrente?

Adolf Bauer: Der Sozialverband Deutschland warnt seit Jahren vor dem Problem der Altersarmut. Wir waren von Beginn an in den Rentendialog der Bundesregierung eingebunden und haben neben unseren Forderungen auch konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt. Aus unserer Sicht müssen sich Rentenbeiträge auch für Kleinstrentner rechnen. Dafür sind Rentenfreibeträge in der Grundsicherung erforderlich. Unser Modell sieht bei einer Rente von 300 Euro ein Alterseinkommen aus Rente und Grundsicherung von rund 850 Euro vor.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sollte die Rente aus Steuermitteln oder von den Rentenbeitragszahlern finanziert werden?

Adolf Bauer: SoVD und Verdi haben im Juni den Vorschlag „Rentenzuschuss statt Zuschussrente“ vorgelegt. Um den Rentenzuschuss zu bekommen, reichen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Ergeben sich daraus Renten unterhalb der Grundsicherung, sollen diese dann auf rund 850 Euro aufgestockt werden. Dieses Modell hat den Vorteil, dass die vorgeschlagene Leistungsverbesserung in der Grundsicherung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in vollem Umfang aus Steuermitteln finanziert wird. Der Rentenbeitragssatz bliebe unberührt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Können Sie abschätzen, wie hoch die insgesamten Kosten der Aufstockung der Renten ausfallen?

Adolf Bauer: Diese Frage muss die Bundesregierung beantworten, wenn sie sich über die Höhe der Aufstockung einigt.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/11/48134/

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22.10.2012

Union plant 10 Milliarden Euro Rentengeschenke

Der Bund soll die Ausweitung der Erziehungszeiten und eine Aufstockung der Renten für Geringverdiener aus Steuern finanzieren. Kostenpunkt: Zehn Milliarden Euro. Von Dorothea Siems

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Die Union plant Verbesserungen bei der Rente, die großzügiger ausfallen als bislang bekannt. Mehr Geld sollen Mütter, Geringverdiener und Erwerbsunfähige erhalten. Riesterrenten sollen zudem nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden.

„Insgesamt bedeuten die Rentenpläne Mehrausgaben von mehr als zehn Milliarden Euro“, sagte der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) Josef Schlarmann der „Welt“.

Eine unionsinterne Rentenkommission, der auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angehört, arbeitet an einer entsprechenden Vorlage für die anstehenden Verhandlungen mit der FDP.

Viele Mütter sind schlecht abgesichert

Konkret sollen künftigen Rentnerinnen, die vor 1992 Kinder geboren haben, zwei Erziehungsjahre angerechnet werden. Bislang bekommen sie ein Jahr gutgeschrieben. „Gerade bei Müttern der rentennahen Jahrgänge ist der Handlungsdruck groß, denn sie sind oft nicht gut abgesichert“, sagte die Vorsitzende der Frauen Union, Maria Böhmer (CDU), der „Welt“.

Viele Mütter hätten wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten ihre Berufstätigkeit aufgegeben. Für diese Frauen etwas zu tun, sei eine Frage der Gerechtigkeit, unterstrich die Staatsministerin im Kanzleramt.

Jedes weitere Erziehungsjahr erhöhe den Rentenanspruch um einen Entgeltpunkt, was derzeit ein Plus von 28 Euro bedeute. Die Kosten für diese Maßnahme, die aus Steuermittel finanziert werden, sind zunächst moderat, steigen jedoch bis 2030 auf 3,5 Milliarden.

Mehrkosten voll aus Steuern finanziert

Der Arbeitnehmerflügel der Union und von der Leyen drängen auf eine Aufstockung der Renten für Geringverdiener, die jahrzehntelang Beiträge gezahlt haben. Die Ministerin kündigte auf einem Rentenkongress der Sozialausschüsse von CDU und CSU an, dass die Mehrkosten voll aus Steuermitteln finanziert werden.

CDU-Rentenexperte Peter Weiß kalkuliert die Mehrausgaben mit gut drei Milliarden Euro. Die geplanten Freigrenzen für die Riesterrente sollen laut Schlarmann ähnlich viel kosten. Weitere Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente schlagen längerfristig noch stärker zu Buche.

Rösler rechnet mit Einigung

FDP-Chef Philipp Rösler zeigte sich kompromissbereit. Mit seiner Partei könne man über neue Sozialleistungen diskutieren: „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass solche Leistungen von heute nicht zulasten der nachfolgenden Generation gehen dürfen.“ Die Regierung müsse im Haushalt schneller „zu einer schwarzen Null kommen als bisher vorgesehen“.

Der Vize-Kanzler rechnet aber mit einer Einigung in der Koalition: „Mir ist wichtig, dass wir das gemeinsam hinbekommen. Und ich bin auch guter Dinge, dass das auch gelingen kann.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article110122861/Union-plant-10-Milliarden-Euro-Rentengeschenke.html

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15.10.2012

Deutschlands Renten: Weltweit nur drittklassig

Von 18 ausgesuchten Ländern ist Deutschland im direkten Vergleich der Rentensysteme lediglich Mittelmaß. Einige Reformen sind erforderlich, wie eine aktuelle Studie zeigt. Vor allem müsse eine Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner erfolgen und eine weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer.

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Das das Rentensystem in Deutschland einigen Nachbesserungsbedarf hat, ist nicht erst seit Kurzem klar. Doch der aktuelle Melbourne Mercer Global Pension Index 2012 zeigt, wieviel Reformbedarf tatsächlich besteht. Von 18 ausgewählten Ländern weltweit, deren Rentensystem direkt verglichen wurde, belegt Deutschland lediglich Platz 12 und ist damit eher unteres Mittelmaß. Den ersten Platz belegte Dänemark, gefolgt von den Niederlanden und Australien. Indien, Japan und Südkorea landeten auf den hinteren Plätzen., wie die Studie des unternationalen Beratungsunternehmens Mercer und des Australian Centre for Financial Services zeigt. Sowohl die staatlichen Rentensysteme als auch die ergänzende betriebliche Altersvorsorge wurden auf ihre Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität untersucht und bewertet.

Zwar hat sich die Bewertung des deutschen Systems insgesamt leicht verbessert, aber noch immer gäbe es erheblichen Reformbedarf, so die Studie. Besonders dringlich seien eine weitere Erhöhung der Erwerbsquote bei älterern Arbeitnehmern, eine Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner und die Arbeitnehmer müssten regelmäßig über die erreichten Leistungen der betrieblichen Altersversorgung informiert werden. Darüber hinaus müsse es verpflichtend sein, die betriebliche Versorgungsleistung gänzlich oder zu einem großentteil in Form einer lebenslänglichen Rente zu gewähren, so die Studie. Wir hoffen, dass der Melbourne Mercer Global Pension Index mithilft, das Reformtempo in Deutschland zu beschleunigen“, äußerte sich Achim Lüder, Geschäftsführer von Mercer in Deutschland in einer Pressemitteilung.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/15/deutschlands-renten-weltweit-nur-drittklassig/

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27.09.2012

Altersarmut: Experten warnen – „Keine Rente ist sicher“

Um der Gefahr von Altersarmut vorzubeugen, haben viele Deutsche privat vorgesorgt. Doch der Nutzen der Produkte ist umstritten. Verbraucherschützer sehen Deutschland bereits in einer Rentenkrise.

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Experten streiten über den Nutzen der Riester-Renten für Sparer. Während Gewerkschafts-Ökonom Gustav Horn eine Rückkehr zum Umlagesystem wie in der gesetzlichen Rente empfahl, verteidigte der Rentenexperte Bert Rürup das kapitalgedeckte System.

Horn argumentierte, dass auch die gesetzliche Rente eine langfristige Rendite von drei Prozent biete. Die Riester-Rente solle auslaufen. Rürup sprach sich stattdessen dafür aus, das bisherige Riester-System transparenter zu gestalten. Einig sind sich die Experten nur in einem Punkt: „Keine Rente ist sicher.“

Verbraucherschützer fordert Staatsfonds

Der Verbraucherschützer Niels Nauhauser hält die heutige Form der privaten Altersvorsorge für nicht reformierbar. Ein staatlicher Vorsorgefonds solle die bisherigen Modelle wie Riester-, Rürup- oder Betriebsrente ersetzen, sagte der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur dapd. „Die Probleme am Markt sind offenkundig und inzwischen auch sehr gut belegt.“ Die privaten Anbieter hätten mit intransparenten Produkten und schlechter Beratung das Vertrauen verspielt.

Die Bürger sollten ihr Geld in einen Fonds einzahlen, der nach wissenschaftlichen Kriterien und zu niedrigen Kosten ihr Geld verwalte. Dabei komme auch ein relativ hoher Aktienanteil in Betracht. „Kapitalanlage heißt immer, Risiken einzugehen“, sagte Nauhauser. Vorbilder für den Vorsorgefonds gebe es in Schweden und Norwegen.

Vertrauen ist „angekratzt“

„Das Vertrauen in die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist mindestens abgekratzt“, sagte der Verbraucherschützer. „Dafür tragen die Anbieter mit schlechten Produkten und miserabler Beratung die Verantwortung.“

„Wir befinden uns in einer Rentenkrise“, erklärte er. „Es geht nicht nur um die Menschen mit niedrigem Einkommen und unterbrochener Erwerbsbiografie, denen Altersarmut droht.“ Niedrige Zinsen, intransparente Anlageprodukte und hohe Kosten verhinderten, dass die Verbraucher angemessen für das Alter vorsorgen könnten.

Beipackzettel für Riester-Produkte

„Aus individueller Perspektive gibt es viele Verbraucher, für die eine Riester-Rente lohnen kann“, räumte Nauhauser ein. Doch trotz der staatlichen Förderung in Form von Zulagen und Steuervorteilen hätten Riester-Verträge für manche Bürger keinen Nutzen oder im Vergleich mit anderen Möglichkeiten sogar Nachteile.

Die nun von der Bundesregierung erwünschten Beipackzettel für Riester-Produkte seien zwar ein Schritt hin zu mehr Transparenz. Er glaube aber nicht daran, dass sich die Probleme damit lösen ließen, sagte Nauhauser.

Merkel will Kindererziehung stärker anrechnen

Um Altersarmut vorzubeugen, will die Bundesregierung bei der geplanten Rentenreform offenbar die Kindererziehungszeiten von Müttern stärker anrechnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte am Mittwochabend in einer CDU-internen Telefonkonferenz zugleich klar, dass die finanziellen Spielräume des Bundes bei Reformen begrenzt seien.

„Die Sprünge dürfen nicht zu groß sein, wir müssen es finanziell stemmen können“, sagte die CDU-Vorsitzende in einer sogenannten „Tele-Townhall“ auf Fragen von Parteimitglieder zu der von der Frauen-Union geforderten Besserstellung von Müttern in der Rentenversicherung.

Wegen der hohen Kosten sei sie etwa skeptisch, ob in der Rentenberechnung eine Gleichstellung von Mütter erreicht werden könne, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. „Aber wir werden bei der Berücksichtigung der Erziehungszeiten etwas im Rentenrecht verbessern, wenn es um Altersarmut geht“, sagte die CDU-Chefin. Bereits am Dienstag hatte sie ein Konzept gegen Altersarmut angekündigt.

http://www.welt.de/finanzen/altersvorsorge/article109496542/Experten-warnen-Keine-Rente-ist-sicher.html

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28.08.2012

Senioren bessern Rente auf

Fast 800 000 Rentner haben einen Minijob

Seit Jahren steigt die Zahl der Rentner, die bis ins hohe Alter arbeiten. Fast 800 000 bessern ihr Alterseinkommen mit einem Minijob auf. Sozialverbände und die Linke warnen vor einer „Massenaltersarmut“ in Deutschland.

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In den vergangenen zwölf Jahren ist die Zahl der Rentner, die ihre Alterseinkünfte mit einem Minijob aufbessern, um rund 60 Prozent auf 761 000 gestiegen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ vom Dienstag berichtet. Rund 120 000 der Minijobber seien sogar 75 Jahre oder älter. Dies gehe aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. Die Zahl der Rentner, die wieder eine sozialversicherungspflichtige Stelle angenommen haben, habe sich sogar auf 154 000 verdoppelt.Der rentenpolitische Sprecher der Linken, Matthias Birkwald, warnte aufgrund des drastischen Anstiegs vor einem „Absturz der Renten“. Deutschland renne in eine „Massenaltersarmut“. Auch die Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, sieht den Grund für die vielen Senioren, die einem 400-Euro-Job nachgehen, in den „kargen Renten“.Tatsächlich sind die Renten in Deutschland in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft. Waren es im Jahr 2000 noch durchschnittlich 1021 Euro im Monat, die ein Rentner bezog, der mindestens 35 Jahre gesetzlich rentenversichert war, sank der Betrag bis 2011 auf 953 Euro.

Finanzielle Notlage „nicht das Hauptmotiv“

Trotz dieser Zahlen meint der Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer, dass eine „finanzielle Notlage in vielen Fällen eher nicht das Hauptmotiv sein dürfte“. Untersuchungen zeigten, so der IW-Experte, dass Menschen, die in hohem Alter noch arbeiten, hoch qualifiziert seien.

Auch das Arbeitsministerium wies darauf hin, dass sinkende Renten nicht gleichbedeutend seien ,,mit einer rückläufigen Entwicklung des Wohlstands‘‘. In den vergangenen Jahren hätten vielmehr andere Einkommensarten wie Mieten, Kapitaleinkünfte oder Betriebsrenten für die Rentner an Bedeutung gewonnen.

http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/immer-mehr-senioren-muessen-rente-aufbessern-altersarmut-fast-800-000-rentner-haben-einen-minijob_aid_807737.html

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25.08.2012

„Die Beitragszahler werden uns verfluchen“

Junge Unions-Abgeordnete planen den Aufstand gegen die Renten-Pläne von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sehen die jüngere Generation zu stark belastet. Von Robin Alexander

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In dem gemeinsamen Papier heißt es: „Die Einführung der Zuschussrente führt zu einer milliardenschweren finanziellen Mehrbelastung der Rentenversicherung. Dies gefährdet das gesetzlich festgelegte Ziel, den Rentenbeitragssatz bis 2030 auf höchstens 22 Prozent zu begrenzen. Dies belastet ein weiteres Mal die heutigen und künftigen Beitragszahler zusätzlich, obgleich die eh schon überproportional viel und länger (Stichwort: Rente mit 67) Beiträge zahlen müssen.“

Von der Leyens Zuschussrente, heißt es weiter, führe das „Äquivalenzprinzip, wonach sich die Höhe der Altersbezüge nach den gezahlten Beiträgen richtet, ad absurdum“ und sei „unfair für diejenigen, die sich selbst eine Rente von 1000 Euro erarbeitet haben“.

„Historische Chance für Aufbau einer Rücklage“

Die Abgeordneten kritisieren allerdings auch die zum kommenden Jahr vorgesehene Senkung des Rentenbeitragssatzes von 19,6 auf 19 Prozent. Ein Teil dieses Spielraums sollte genutzt werden, um die Rücklagen der Rentenversicherung zu erhöhen, fordern sie: „Wir brauchen dieses Polster, um die Beiträge zur Rentenversicherung auch für künftige Beitragszahler bezahlbar zu halten.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, konkretisierte gegenüber der „Welt am Sonntag“: „Denkbär wäre es, 0,4 Prozentpunkte zur Senkung zu nutzen und die restlichen 0,2 zum weiteren Aufbau der Rücklage.“

Der CSU-Politiker Reinhard Brandl, stellvertretender Vorsitzender der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, kündigte an, dafür kämpfen zu wollen: „Jetzt haben wir die historische Chance, mit dem Aufbau einer Rücklage zu beginnen. Wenn wir diese jetzt verstreichen lassen, werden uns in zwanzig Jahren die Beitragszahler verfluchen.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article108787523/Die-Beitragszahler-werden-uns-verfluchen.html

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15.08.2012

Zehntausende Senioren haben jahrelang zu niedrige Renten bekommen

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Zehntausende Senioren haben über Jahre hinweg zu wenig Rente bekommen. Das berichtet die “Bild-Zeitung” (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Zahlen des Bundesversicherungsamtes (BVA). Danach wurden bei der Deutschen Rentenversicherung Bund (ehemals BfA) und der Knappschaft-Bahn-See Kinderzuschläge für Witwen und Witwer nicht berücksichtigt sowie Berufsausbildungszeiten falsch berechnet.

Bei der Knappschaft-Bahn-See wurden dem BVA-Tätigkeitsbericht zufolge wegen der Kinderzuschläge 3.289 Fälle überprüft. 1.210 Rentner bekamen Nachzahlungen für vergessene Kinderzuschläge in Höhe von insgesamt 2,9 Millionen Euro. Bei der Rentenversicherung Bund wurden 26.045 Fälle überprüft. 7.992 waren zu niedrig berechnet. Die Nachzahlung betrug insgesamt 19,4 Millionen Euro, im Schnitt 57,28 Euro im Monat pro betroffenem Rentner. Wegen falsch berücksichtigter Berufsausbildungszeiten wurden sogar 215.542 Renten überprüft. 147.702 (68,5 Prozent) waren zu niedrig berechnet, rund 4.000 aber zu hoch. Die Rentenversicherung hat die Fehler der Zeitung zufolge eingeräumt und Besserung gelobt: Es seien “die erforderlichen Maßnahmen ergriffen” worden, “um zu vermeiden, dass sich vergleichbare Fälle künftig wiederholen”. Dem Bericht nach hat das Bundesversicherungsamt aber nur die beiden bundesweiten Rententräger überprüft. Für die 14 anderen regionalen Rententräger ist das BVA hingegen nicht zuständig. Dort laufen die Prüfungen auf mögliche Falschberechnungen noch oder haben noch gar nicht begonnen. Die regionalen Rententräger sind für mehr als die Hälfte aller Renten zuständig. Folge: Tausende Rentner wissen noch gar nicht, dass sie möglicherweise zu niedrige Renten bekommen, schreibt das Blatt.

http://www.netzticker.com/politik/zeitung-zehntausende-senioren-haben-jahrelang-zu-niedrige-renten-bekommen/130208

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15.08.2012

Clement will fitte Deutsche bis 80 arbeiten lassen

Der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement entfacht die Debatte um die Rente neu. Demnach sollen fitte Senioren viel länger arbeiten als bisher vorgesehen. Millionen Deutsche wären betroffen.

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Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hält die Rente mit 67 angesichts des demografischen Wandels für nicht ausreichend. „Wir sollten ein Signal für längeres Arbeiten setzen“, sagte der 72-Jährige der „Welt“: „Wir sollten die gesetzliche Lebensarbeitszeitbegrenzung abschaffen.“

Der frühere SPD-Politiker sagte weiter: „Wir sind darauf angewiesen, dass die Menschen in Deutschland länger als bisher arbeiten.“ Dies sei “ eine logische Folge des demografischen Wandels“.

„Wer will und kann – warum nicht?“

Clement sagte: „Wir können nicht bei der Rente mit 65 oder der Rente mit 67 verharren, das greift zu knapp.“ Wer wolle und es könne, solle bis zum 75. oder 80. Lebensjahr arbeiten, verlangte Clement. Auf eine entsprechende Frage antwortete er: „Ja, klar – wer will und kann! Warum denn nicht?“

Er tue dies auch, „hoffe ich jedenfalls, ist ja nicht mehr allzu lange hin“. Clement fügte hinzu: „Ein Drittel der Menschen meines Alters, zwischen 65 und 80, wollen länger arbeiten. Das sollten wir nutzen, denn das zeigt: Viele Bürger, vor allem die älteren, sind mit ihrer Lebenseinstellung viel weiter als die Politik.“

Senkung des Rentenbeitrags wahrscheinlich

Derweil zeichnet sich eine Senkung des Rentenbeitrags von 19,6 auf etwa 19 Prozent ab. Das sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der „Passauer Neuen Presse“. „Der genaue Satz kann auch noch etwas niedriger oder höher liegen“, sagte sie. „Die exakten Daten haben wir im Herbst und werden sie dann in das Gesetz einfügen.“

Die Arbeitgeber sehen Spielraum für eine Senkung auf bis zu 18,9 Prozent. Die bisherigen Vorhersagen für eine Senkung des Beitragssatzes auf 19,0 Prozent beruhten auf vorsichtigen Annahmen, berichtete die „Rheinische Post“ unter Berufung auf ein internes Papier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

„Dies gilt insbesondere für die weitere Lohn- und Beschäftigungsentwicklung“, heißt es dem Blatt zufolge in dem BDA-Papier. Für das Wachstum der Bruttolohn- und Gehaltssumme seien für dieses und das kommende Jahr 3,7 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent angesetzt. Dies liege deutlich unter den Annahmen der Wirtschaftsforschungsinstitute im Frühjahrsgutachten von 4,0 beziehungsweise 4,2 Prozent.

Von der Leyen will Zuschussrente

Von der Leyen verteidigte ihre von der FDP kritisierten Pläne für eine Zuschussrente von bis zu 850 Euro. Davon solle profitieren, wer Kinder erzogen, Ältere gepflegt oder sein Leben lang gearbeitet habe.

„Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass das Rentensystem die Akzeptanz verliert, wenn es sich für Geringverdiener nicht lohnt, 30 oder 40 Jahre einzuzahlen“, sagte sie.

Darüber hinaus forderte von der Leyen eine Grundabsicherung für Selbstständige. „Wir wollen eine verpflichtende Altersvorsorge für die Selbstständigen“ sagte sie. „Sonst muss die Gemeinschaft der Steuerzahler künftig immer mehr Selbstständige im Alter finanzieren, die die Vorsorge haben schleifen lassen.“

Die Ministerin kündigte „großzügige Übergänge“ für die 30 bis 50-Jährigen an. „Wer 50 Jahre alt ist, wird nicht mehr einzahlen müssen“, sagte sie.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article108631062/Clement-will-fitte-Deutsche-bis-80-arbeiten-lassen.html

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14.08.2012

Rentenangleichung: Linke hält Merkel Wahlbetrug vor

Die Renten in West- und Ostdeutschland sollen angeglichen werden. Dem Vorsitzenden der Linkspartei geht das nicht schnell genug. Er erinnert die Kanzlerin an ein Wahlversprechen von 2009.

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Die Linke hat der schwarz-gelben Regierungskoalition Wahlbetrug in der Rentenpolitik vorgeworfen. Anders als im Koalitionsvertrag vereinbart, gebe es in dieser Legislaturperiode offensichtlich keine Angleichung der Renten in Ost- und Westdeutschland, sagte der Linksparteivorsitzende Bernd Riexinger dem „Hamburger Abendblatt“.

Riexinger sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe 2009 auf dem Seniorentag eine Lösung für diese Legislaturperiode versprochen. „Seitdem wurde viel geredet, passiert ist nichts. Das ist Wahlbetrug“, sagte Riexinger.

Die Lebensleistung der Menschen im Osten müsse endlich gerecht bewertet werden. „Wir wollen eine stufengleiche Angleichung an das Westniveau innerhalb der nächsten fünf Jahre“, sagte Riexinger. „Wenn Merkel sich nicht bewegt, werden die Ostrenten Wahlkampfthema.“

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/rentenangleichung-linke-haelt-merkel-wahlbetrug-vor/6997364.html

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13.08.2012

Rentner müssen mehr Steuern zahlen

Erstmals sind auch die Durchschnittsrentner von der Steuerzahlung betroffen. Seit 2005 steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente und damit auch die absolute Höhe des zu entrichtenden Beitrags.

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Die Rentensteuer trifft immer mehr Rentner. Wie „Bild“ unter Berufung auf neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums berichtet, müssen dieses Jahr erstmals auch sogenannte Eckrentner Steuern zahlen.

Dem Bericht zufolge sind alle Neurentner betroffen, deren Altersgeld über der Eckrente nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst liegt. Die Eckrente beträgt seit der Rentenerhöhung am 1. Juli rund 1.263 Euro.

Als Eckrentner gilt jemand, der die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rente erreicht hat, ununterbrochen 45 Jahre lang einen Durchschnittsverdienst bezogen und in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Rente bis 1260 Euro im Monat steuerfrei

Nach der neuesten „Datensammlung zur Steuerpolitik“ des Bundesfinanzministeriums ist in diesem Jahr eine Rente nur noch bis 1.260 Euro im Monat steuerfrei. Ein „Eckrentner“ wäre also erstmals gezwungen, eine Steuererklärung abzugeben. Steuerpflichtig wäre aber nur der über 1.260 Euro (Eheleute 2.520 Euro) liegende Teil der Ruhegelder.

Der immer stärkere Zugriff des Fiskus auf die Altersbezüge ist eine Folge der Neuregelung der Rentenbesteuerung. Danach steigt der steuerpflichtige Teil der Rente seit dem Jahr 2005 kontinuierlich an. 2005 waren für einen Neurentner nur 50 Prozent der Rente steuerpflichtig, derzeit sind es schon 64 Prozent. Dadurch steigt die Zahl der steuerpflichtigen Rentner stark an.

Wirtschaftverbände kritisieren Zuschussrente

Mehrere Wirtschaftsverbände kritisierten indes Pläne zur Einführung einer Zuschussrente für Geringverdiener. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sagte „Bild“: „In der aktuell wackeligen wirtschaftlichen Situation sind Verlässlichkeit und Sparsamkeit wichtig.“ Die Rentenbeiträge müssten sinken. „Neue Leistungen auch mit ehrenwerten Motiven hingegen passen nicht in die Zeit“, sagte Dercks.

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, nannte die Verknüpfung einer Beitragssenkung mit der Zuschussrente durch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen „politischen Kuhhandel“. Statt einer Verknüpfung der Maßnahmen forderte Ohoven ein Vorziehen der Beitragsanpassung.

Gesetzentwurf sieht Beitragsenkung vor

Der Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums sieht neben einer Beitragssenkung von 19,6 auf 19 Prozent des Bruttolohns im kommenden Jahr unter anderem die Zuschussrente für Geringverdiener vor.

Damit sollen kleine Renten auf bis zu 850 Euro im Monat aufgestockt werden, sofern die Arbeitnehmer auch privat vorgesorgt und lange genug in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article108593027/Rentner-muessen-mehr-Steuern-zahlen.html

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11.08.2012

Altersarmut: Streit um verarmte Rentner geht weiter

In den nächsten knapp zwei Jahrzehnten wird die Zahl verarmter Rentner auf über eine Million anwachsen. Doch das Konzept dagegen von Bundesarbeitsministerin von der Leyen sei „nicht zu machen“, sagen ihre Gegner.

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat ihre Pläne zur Vermeidung von Altersarmut verteidigt. „Ohne Zuschussrente würden wir dann jedes Jahr zigtausende Menschen nach einem Arbeitsleben voller Fleiß und Beitragszahlung direkt zum Sozialamt schicken, weil ihre Rente zum Leben nicht reicht“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung.

Ihre Vorschläge seien mit Finanzminister Schäuble durchgerechnet, so von der Leyen – „wir sind uns einig“. Was der Finanzminister im Haushalt bei der Grundsicherung für Rentner spare, fließe in die Finanzierung der Zuschussrente.

Der Wirtschaftsflügel der Union lehnt die Pläne von der Leyens jedoch ab. „Frau von der Leyen weiß, dass die Pläne für eine Zuschussrente mit der FDP so nicht zu machen sind – aber auch nicht mit dem Wirtschaftsflügel der Union, den ich zu vertreten habe“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), der „Passauer Neuen Presse“.

Wer wenig einzahle, erhielte nach den Plänen für eine Zuschussrente für Geringverdiener von bis zu 850 Euro im Monat mehr aus der Rentenkasse. „Das ist nicht gerecht und leert die Rentenkasse zusätzlich.“

Von der Leyen wies dagegen auf die sich abzeichnende rasche Zunahme der Altersarmut hin. Noch sei diese „nur ein kleines Problem“. Aber: „2014 wären es schon 90 000 Menschen, 2030 bereits 1,3 Millionen.“ Von der Leyen will dem Bericht zufolge mit der Zuschuss-Rente auch Missbrauch vorbeugen: „Eine Floristin wird nach 35 Jahren Vollzeitarbeit keine Rente erreichen, von der sie leben kann, und muss am Ende zum Amt wie jemand, der in der Zeit auf der faulen Haut gelegen hat. Das ist ungerecht. Irgendwann wird sie sich fragen: Warum nicht gleich schwarz arbeiten und auf private Vorsorge verzichten?“

Von der Leyen plant in der Rente eine Beitragssenkung von 19,6 auf 19,0 Prozent sowie eine Zuschussrente für Geringverdiener. Die Zuschussrente soll ermöglichen, dass insbesondere geringverdienende Frauen die Aufstockung ihrer Altersbezüge leichter erreichen können, wenn sie Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben. Voraussetzung sind allerdings 30 Beitragsjahre in der Rentenversicherung.

Die Pläne der Ministerin waren von Gewerkschaften und Sozialverbänden kritisiert worden. Vor allem aber legte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Einspruch gegen das Vorhaben seiner Kabinettskollegin ein. Sein Ministerium begründete dies damit, dass bis zur geplanten Kabinettsbefassung am 29. August nicht mehr genügend Beratungszeit bleibe. Außerdem könne die geplante Rentenbeitragssenkung auch ohne die Zuschussrente eingeführt werden. Die FDP macht finanzielle und ordnungspolitische Bedenken gegen die Zuschussrente geltend.

Von der Leyen bezeichnete dagegen die Verknüpfung von Zuschussrente und Senkung des Beitragssatzes als zwingend: „Wir können nicht nur an heute denken, eilig Arbeitnehmer und Arbeitgeber um sechs Milliarden Euro entlasten – und die Vorsorge für die kleinen Leute auf die lange Bank schieben“, sagte sie der „Bild“-Zeitung. „Für mich gehört das untrennbar zusammen.“

Auch die SPD will nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ mehr gegen Altersarmut tun. Ein Papier der von Parteichef Sigmar Gabriel eingesetzten Arbeitsgruppe zur Rente sehe unter dem Stichwort „Solidar-Rente“ vor, dass Geringverdienern, die 40 Jahre lang Vollzeit gearbeitet haben, eine Rente von 850 Euro pro Monat garantiert wird. In dem Papier spricht sich die Arbeitsgruppe zudem dafür aus, an der auch innerparteilich umstrittenen Rente mit 67 festzuhalten. Das Rentenniveau solle dauerhaft zwischen 45 und 50 Prozent gesichert werden. Dafür solle der Beitragssatz etwas schneller steigen, als bislang geplant.

Nach dem Bericht will die SPD erreichen, dass die betriebliche Altersvorsorge möglichst flächendeckend verbreitet wird. Dafür wolle sie die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Arbeitgeber, die keine Betriebsrente anbieten, sollten „Altersvorsorgebeträge“ an die gesetzliche Rentenversicherung abführen. Die Rentenversicherung solle dann alternativ Vorsorgekonten anbieten.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/altersarmut-streit-um-verarmte-rentner-geht-weiter-seite-all/6989498-all.html

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